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Die Chronik von Selchow 1242–2012

1875 gingen laut Visitationsbericht 70 Kinder in die Schule. Das Einkommen des Lehrers betrug zu dieser Zeit jährlich 872,50 M, darin waren 261 M aus dem Reinertrag von 3 Morgen und 160 Ruthen Ackerland für den Ertrag von Roggen und den Ertrag von 3 Morgen Wiese enthalten. Dazu kamen Zuwendungen aus dem Schulgeld von 255 M, Gemeindezulagen und verschiedene andere Einnahmen. Der Lehrer hätte bis zu 900 M verdienen können. Der Schulvorstand 1880 hatte folgende Zusammensetzung: Gemeindevorstand war Ludwig Spiegel, Mitglieder waren die Gerichtsmänner Karl und Wilhelm Sauerwald, die Bauern Friedrich Lobeth, Ferdinand Hansche, August Kiekebusch, Wilhelm Hansche, die Kossäthen Christian Sauerwald und August Kitzing sowie die Büdner August Mertens, Karl Boßling und Wilhelm Hahn. 1885 war der Kossäth Spiegel Ortsschulvorstand und der Bauer Hansche Schulinspektor. Lehrer Ziegenhirt musste 3 x täglich kostenlos die Kirchenglocken zu läuten. Er musste aber auch der Gesetze kundig sein. 1889 kam Lehrer Krieg aus Großmachnow nach Selchow. Er begann seinen Dienst am 1.11.1889. Der vorherige Lehrer Ziegenhirt wurde am 31. Oktober mit 65 Jahren pensioniert. In diesem Jahr gingen 31 Knaben und 32 Mädchen in die Selchower Schule. 1894 erhielten die Schüler 32 Wochenstunden Unterricht. In die Unterstufe gingen 47 Schüler und in die Oberstufe 42 Schüler. Die Schule war eine Halbtagsschule. 1895 wurde der Bau des heute noch bestehenden großen Schulgebäudes endgültig beschlossen und um 1900 realisiert. Dieses Gebäude hatten 2 Klassenzimmer und eine Wohnung. Die alte kleine Schule von vor 1810 wurde zu einer Wohnung umgebaut. In der Akte KW 37 Nr.1297 von 1859 ist durch eine Zeichnung überliefert, dass bereits in diesem Jahr der Neubau einer Schule, die an der Dorfstraße gegenüber dem „Amtshof“ liegen sollte, geplant war. Die Verwaltung des Pfarramtes Selchow und damit der Schule unterstand der Dioziöse Königs Wusterhausen und der königlichen Hofkammer der königlichen Familiengüter. 1898 herrschte in Selchow eine Scharlachepidemie. Die Schule blieb 4 Wochen geschlossen 1900 wurde die neue Schule eingeweiht. 50 % der Baukosten trug der Gutsherr Neuhauss, 50 % die Gemeinde, die dafür einen Kredit aufnahm. 50 % der Zinsen der Gemeinde übernahm ebenfalls der Gutsherr, 50 % die Gemeinde und die Gründerväter. 1904 wurde der Lehrer Herrmann Krieg nach Kyritz versetzt. Die Schule war wegen Infektionen bis November geschlossen. Im Januar 1905 kam Alexander Wolf aus Waldow, Kreis Luckau, als Lehrer nach Selchow. Als zweiter Lehrer wurde Paul Eggert aus Zabelsdorf eingestellt. 1906 gingen 83 Kinder in die Schule. Die Schule war eine Halbtagsschule, sie hatte einen Lehrer und eine Handarbeitslehrerin. Der Lehrer war 24 Jahre alt und hieß Paul Eggert. Er hatte 2 Lehrerprüfungen vorzuweisen. Im Nebenamt war er Küster und Organist. Die Leistungen der Schüler wurden wie folgt eingeschätzt: Biblische Geschichte, Katechismus, Gebete, Sprüche und Lieder: gut; Lesen und Deutsche Sprache: befriedigend; Handschrift: genügend; Kopfrechnen und Tafelrechnen: gut; Geschichte: gut; Erdbeschreibung: befriedigend; Choralgesang, Gesang von Volkslieder, Chorgesang: befriedigend; Zeichnen: gut bis befriedigend; Handarbeit unterrichtet Frau Rittmeister Dorenthal mit Erfolg; Turnen wird geübt. Alle Schüler hatten saubere Hefte. Die Handhabung der Schulzucht seitens des Lehrers war gut. Die Schule und die Lehrerwohnung waren im guten Zustand, die Ferien wurden nach Vorschrift durchgeführt. 1907 erhielt der Pastor Dupré die Ortsschulaufsicht über die Schulen von Selchow, Groß-Kienitz und Waßmannsdorf. 1908 erhielt der Pfarrer Matzke die Oberschulaufsicht für die Schule von Selchow, Großkienitz und Waßmannsdorf. 1909 wurde ein zweiter Lehrer, Ernst Schröder, eingesetzt. 1912 hatte sich die Schülerzahl in Selchow auf 109 Kinder erhöht. Es unterrichteten 2 Lehrer: Paul Eggert und Ernst Schröder. 1913 wurde die Schule ab 2.Juli wegen Masern geschlossen. Lehrer Ernst Schröder verließ Selchow. Artur Nossack aus Zeuthen bewarb sich um die freie Stelle als Lehrer in Selchow und wurde eingestellt. 1914 gingen 100 Kinder in die Schule. 1916 gingen 83 Kinder in die Schule. - 84 -

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