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Die Chronik von Selchow 1242–2012

Typisches Klassenzimmer des 19. Jahrhunderts

Die Schule in Selchow war 1819 ausgestattet mit einer schwarzen Wandtafel, 20 Schiefertafeln, einer Stephanische Wandfibel und 12 Exemplaren des Lesebuchs „Der brandenburgische Kinderfreund“. Mindestens seit 1834 war in allen Schulen des Kreises ein Ortsschulvorstand vorhanden, der Einfluss auf den Schulunterricht nehmen konnte. Lt. Bericht von 1819 über die Selchower Schule gab es bereits 1818 einen Schulvorstand im Ort. Im Vorstand waren der Pfarrer, der Lehrer, der Gemeindevorsteher und die Gemeinderäte. Sie beschlossen Anschaffungen, Bauvorhaben und sollten die Lehrtätigkeit überprüfen. Durch das Schul- und Kirchenamt wurden regelmäßig Visitationen durchgeführt und ein Protokoll der Ergebnisse angefertigt. Die Beseitigung von festgestellten Mängeln bei den Visitationen und die Beschaffung von finanziellen Mitteln dauerten aber sehr lange. 1820 gingen die Waßmannsdorfer Kinder in die Schule von Selchow. 1842 kam Lehrer Füllgraf nach Selchow, er musste von der Gemeinde das Schulholzgeld einfordern, das ihm nach dem Rentamt des königlichen Fidei-Kommis zustand. 1852 verließ Füllgraf Selchow und ging nach Blankenfelde. 1861 brachte die Schulvisitation folgende Ergebnisse: Aus Selchow gingen 55 Kinder in die Schule und aus den Nachbarorten Diepensee und Waltersdorf kamen 14 Kinder. In der Schule wurden insgesamt 69 Kinder unterrichtet. Im Sommer wurde der Unterricht in 2 Räumen abgehalten. Die Kinder waren in 2 Abteilungen eingeteilt. Zur Abteilung I gehörten 31 Kinder. Im Sommer erhielten diese Schüler wöchentlich 12 Unterrichtsstunden in der Zeit von 6.00 bis 8.00 Uhr, im Winter 30 Unterrichtwochenstunden in der Zeit von 8.00 bis 11.00 Uhr und von 13.00 bis 16.00 Uhr. Zur Abteilung II gehörten 38 Kinder. Im Sommer erhielten sie wöchentlich 18 Unterrichtsstunden in der Zeit von 9.00 bis 11.00 Uhr. Im Winter erhielten sie ebenfalls 30 Unterrichtsstunden in der Zeit von 8.00 – 11.00 Uhr und 13.00 – 16.00 Uhr. Die Schule hatte wie gefordert einen Unterrichtsplan. Folgende Fächer wurden unterrichtet: Religion mit biblischer Geschichte, Katechismus, Kirchenlied und Gesang, Lesen, Deutsche Sprache und Schreiben, Rechnen, Gesang, Zeichnen, Vaterlandskunde, Naturkunde und Geographie. Das Wissen wurde mit befriedigend bis genügend von den Visitatoren bewertet. Die „Schulzucht“, d.h. Disziplin, wurde nicht beanstandet, d.h. die Erziehung erfolgte mit Strenge und oft mit Prügelstrafen, die aber in Selchow nicht aktenkundig wurden. Der Schulbesuch erfolgte regelmäßig. Die Bewertung der Lehrerwohnung, des „Schullocals“, des Lehrapparates und der Schulaufsicht durch den Schulvorstand war befriedigend.

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