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Die Chronik von Selchow 1242–2012

Ewald Selent sowie Karl-Heinz Stippekohl in die Gemeindevertretung gewählt. Die Wahlbeteiligung lag bei 68,40 %. 1993 zahlten die Einwohner von Selchow für den Anschluss an das Abwassernetz 5.000 DM je Grundstück. Die Sammelgruben entlang der Trasse waren nun Vergangenheit. Am 19.10.1993 erschien in der KW-Rundschau ein Beitrag zur Zukunft der Landwirtschaft in Selchow. Hier eine Passage: „Frau Mette schätzte ein, dass man zur Zeit und in Zukunft nicht von der Landwirtschaft, auch als Nebenerwerb, leben kann. Die Kunden wollen den Preis für die mit Hand geernteten Kartoffeln und für das vorzügliche Gemüse nicht bezahlen. Auch der Gewinn aus der Schweinemast ist gering. Familie Mette hält 40 Mastschweine, Hühner, Gänse und Enten. Da der Erlös aus dem Gemüsebau zu gering und die Arbeit ohne Technik zu schwer ist, werden 1994 statt 4 ha nur noch 1 ha mit Gemüse angebaut. Familie Labrenz sieht ihre Zukunft in dem Nebenerwerb durch ihren Pferdehof, der noch ausgebaut werden soll. Frau Labrenz arbeitete als Lehrerin und Herr Labrenz war noch Schlosser.“ Einige Jahre später baute Familie Labrenz das Gut Boddinsfelde zum großen Pferdehof aus. Die Wohnungen im Gutshaus wurden ausgebaut. 1993 eröffnete Lutz Ribbecke eine Landschänke, Rudi Sauerwald erweiterte seine landwirtschaftliche Produktion und eröffnete seinen Hofladen. Im Februar 1994 skizzierte Bürgermeister Lutz Ribbecke seine Vorstellungen von der Entwicklung Selchows. Danach sollte das Dorf ein ortstypisches, schönes Bild bekommen und kleine und mittelständische Gewerbe angesiedelt werden. Im Gutshaus und im Dorfkern sollten Wohnungen entstehen. Selchow sollte in die Lärmschutzzone I aufgenommen werden, aber auch vom Flughafen durch Neuansiedlungen profitieren. Laut Haushaltssatzung der Gemeinde waren für das Jahr Einnahmen und Ausgaben von 586.875 DM vorgesehen. Die Einnahmen und Ausgaben im Vermögenshaushalt betrugen 50.422 DM. Am 2.5.1994 eröffnete Irma Valentin einen Backshop mit Qualitätsprodukten von DahlBack in Selchow. Der Backshop wurde im November 1997 wieder geschlossen. Im Juli erhielt der Kindergarten in Selchow den Namen „Wichtelstein“. Die 16 Kinder boten zur Namensweihe ein lustiges Programm für Eltern und Einwohner. 1994 gab Investor Rembert Faesser der MAZ ein Interview, in dem er seine Pläne umriss: „In Selchow entsteht zur Zeit ein High Tech Medienzentrum. Der Standort wurde wegen der Nähe zum Flughafen Schönefeld, wegen des direkten Anschlusses zur Autobahn, zum Intercity und zur Berliner Innenstadt gewählt. Bis 1995 sollen 6 Gewerbehäuser und 20 zwei-etagige, dem dörflichen Charakter angepasste Gebäude mit ausgebauten Dächern und ein kleines Business-Hotel entstehen. Weiterhin entstand zwischen Mittenwalder und Rotberger Straße an der Spitze eines Felder-Dreiecks ein Neubau für Firmen aus dem Druck- und Reproduktionsgewerbe. Durch diese Vorhaben sollen in Selchow einmal 1000 Menschen Arbeit finden.“ 1995 wurden in einem Werbeprospekt der Immobilien Projekt Gesellschaft mbH Eigentumswohnungen vorgestellt, die in Selchow gebaut werden sollen. Das Gutshaus wurde zwischenzeitlich von der Telekom genutzt. Am High Tech Printmedienzentrum wurde Richtfest gefeiert. Der Investor des High Tech Printmedienzentrum versprach Selchow ein neues Gerätehaus für die Feuerwehr. Der DahmeKurier der MAZ berichtete am 28.7.1995: „Bereits die achte buntgeflochtene Richtkrone flatterte gestern Nachmittag im Selchower High Tech Printmedienzentrum, während aus dem Leierkasten die Märkische Heide orgelte. Stolz ließ sich die Münchener Bauherren-Familie Gaa neben der Richtkrone ablichten.“ Bereits am Vortag war der begrenzte Ausbau des Flughafens Schönefeld beschlossen worden. Bis Juli 1995 waren in Selchow 250 Arbeitsplätze entstanden, 2000 sollten es noch werden.

Die Jahre 1996 – 2000 Am 23.1.1996 wurde im Schönefelder Amtsanzeiger die Hauptsatzung der Gemeinde Schönefeld veröffentlicht. Am 21.3.1996 schrieb der Heimatkurier: „5 Häuser sind im Medienpark fertig und an Gewerbe vermietet… Das Wirtshaus Selchow mit 400 qm Fläche ist ebenfalls fertig; es gibt preiswertes Essen.“ Ende November war auch die Berliner Zeitung auf Selchow aufmerksam geworden: „Das Medienhotel ist mit 12 Doppelzimmer durch Bauarbeiter und Monteure ausgelastet, 24 Zimmer sollen es einmal werden. Der Makler Norbert Uhlig bemerkte aber, daß die Unsicherheit um den Fluhhafen auch andere verunsichert. So sind von den 8 bezugsfähigen Häusern mit je 3.000 qm Gewerbefläche noch 40 % nicht vermietet.“

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