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Die Chronik von Selchow 1242–2012

regelmäßige Fäkalienabfuhr mit der Firma Ewald Selent, in Selchow, abschließen. Ein Krippenplatz in Waßmannsdorf kostete nun 3 M am Tag, früher musste nur das Essen bezahlt werden. Ursel Münch beantragte einen Wohnberechtigungsschein für 5 Personen. Frau Münch wohnte im Haus Dorfstraße 9, dessen Besitzer in den Westen gegangen war. Das VEG Waßmannsdorf übernahm und rekonstruierte das Haus. Der Alteigentümer bekam das Haus schließlich zurück. Ab 16.7.1990 verlangte das VEG Waßmannsdorf für ein Betriebsessen 2,00 DM. Der Runde Tisch Selchow stellte einen Aktionsplan zur Flughafenproblematik auf. Darin wurde ein regelmäßiger Informationsaustausch über das Verhalten der Interflug, Schadensersatz für flugbedingte Gebäudeschäden, Lärmüberwachung, Schallschwingungsmessungen, die Kontrolle der Einhaltung der Flugschneisen und Steuerermäßigungen gefordert. Außerdem sollten die Rundflüge an den Wochenenden eingestellt und Luftschadstoffe gemessen und die Messergebnisse bekannt geben werden. Außerdem wollten die Selchower darüber Informiert werden, wo Treibstoff vor der Landung abgelassen werde. Verlangt wurden zudem der Einsatz von leisen und sparsamen Flugzeugen und die Einstellung von unrentablen Flügen. Bereits am 31.1.1990 erhielt die Gemeinde Selchow eine Anfrage von der Gemeinde Reichshof nach einer Partnerschaft. Der Nordrhein-Westfälischer Städte- und Gemeindebund bot der Gemeinde Selchow Hilfe bei der kommunalen Selbstverwaltung an. Die TU Berlin stellte der Gemeinde Material zu, das sich mit den Grundsätzen der Naherholung und Tourismus Ost/West beschäftigte Die MAZ berichtete 1990 unter dem Titel: „Berliner Stadtgut muß Ordnung schaffen“. „Die Landwirtschaft in Selchow war in den letzten Jahrzehnten vom ehemaligen Volksgut geprägt. Davon zeugen die Stall- und Lagerkomplexe am Ortsrand. Einen optimistischen Eindruck machen sie nicht. Die Rückführung der Geschäfte und die Verwaltung der Berliner Stadtgüter verliefen nicht schmerzfrei und haben ihre Spuren hinterlassen. Der Technik-Friedhof am Ortseingang aus Richtung Mittenwalde ist nur eine der Altlasten. Ein neuer Gutsverwalter hat kürzlich in Waßmannsdorf die Leitung übernommen. Von ihm erhofft die Bürgermeisterin Sylvia Zimmermann bessere Kontakte und eine dem Gemeinwohl dienende Zusammenarbeit. Die Kommune würde schon gerne wissen, ob beispielweise die Brennerei wieder in Betrieb geht, was aus dem LWH wird, in dem zur Zeit Fremdarbeiter untergebracht sind und ob der schöne Park auf dem Gutsgelände erhalten bleibt. Als größere Investitionsbremse für die Gemeinde im Nordkreis erweist sich gegenwärtig der Entscheidungsmangel darüber, was aus dem Schönefelder Flughafen wird. Sylvia Zimmermann: ‚Davon hängt unser Schicksal ab. Zur Zeit stehen wir Gewehr bei Fuß und warten, wie die Verhandlungen in Berlin und Potsdam ausgehen. Deshalb sind in Selchow nur bei Arbeiten unter der Erde die größten Fortschritte erkennbar. Telekom ist durch und gegenwärtig verlegt die Energieversorgung Weser- Ems AG die Gasleitungen‘.“ Das VEG T Waßmannsdorf/Diepensee beabsichtigte 1990, die Verwaltung des Gutes in das alte Herrenhaus nach Selchow zu verlegen. Die Entwürfe für den Umbau lagen schon vor. Es sollte aber anders kommen. Die Produktion des Betriebes wurde durch Anordnung des Berliner Senats eingeschränkt, viele Mitarbeiter wurden entlassen, die Lehrlingsausbildung wurde eingestellt. Das Haus wurde schließlich leer geräumt. Es steht auch 2011 noch leer und verkommt. Am 22.9.1990 feierten die Selchower Bürger ein Dorffest. Die Einnahmen von 1.361 M und wurden dem Kindergarten zur Verfügung gestellt. Auch auf dem Stadtgut Selchow erfolgten 1990 erhebliche Veränderungen, die nicht unwesentlich Einfluss auf das Leben im Ort hatten. Am 1.9.1990 ging am ehemaligen Standort der Rindermast ein Reitstall in Betrieb. Mietern, die nicht im Gut arbeiteten wurden die Werkswohnungen gekündigt. Die finanzielle Unterstützung für die Ferienobjekte fiel weg. Die Schafherde von Selchow wurde zum Betriebsteil Deutsch Wusterhausen verlegt, die Reitpferde des Betriebes verkauft, die Besamung im Kuhstall Selchow eingestellt und die Schweinezucht verpachtet. Die Barzahlungen an die Mitarbeiter wurden eingestellt. Ab 11.9.1990 wurden die Mitarbeiter des Stadtgutes nach dem West-Manteltarifvertrag bezahlt. Der umgebaute Rinderstall wurde als Boxenstall für 40 Pensionspferde genutzt. Die Boxen wurden vermietet. Leiter des Stalles war Herwig Labrenz, er hatte 2 Mitarbeiter. Die Sektion Pferdesport, bzw. der Fahr- und Reitverein Selchow, begann mit Kinderreiten für 15 DM/Stunde. - 63 -

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