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Die Chronik von Selchow 1242–2012

Die Gemeinde und die Besatzungsmacht Es gibt aus dem Jahre 1946 zahlreiche Dokumente zu Arbeitseinsätzen für die Besatzungsmacht. So wurden beispielsweise am 16.5.1946 durch das Arbeitsamt Teltow an den Gemeindevorsteher auf Befehl der sowjetischen Besatzungsbehörden und auf Anordnung der Kreiskommandantur des Kreises Teltow 15 volleinsatzfähige männliche Arbeitskräfte für den 17.5.46 angefordert. Sie mussten sich ab 8.00 Uhr in der Bürgermeisterei Waßmannsdorf zum Abtransport nach Schönefeld einfinden. Weigerungen wurden bestraft. Weiterhin wurde mitgeteilt, dass nach Tariflohn gezahlt wird, dass Lebensmittelkarten mitzubringen sind, damit diese in Schwerstarbeiterkarten umgetauscht werden konnten. Außerdem hatte sich jeder eine Schlafgelegenheit mitzubringen, da ein Quartier zur Verfügung stand und ein täglicher An- und Abtransport von und zur Arbeitsstelle aber nicht erfolgte. Gekocht wurde in einer Gemeinschaftsküche. Die angeforderten 15 Männer mussten zur Arbeit auf dem Flugplatz Schönefeld. Ein weiteres Dokument sagt aber aus, dass doch jeden Tag nach Selchow zurückgefahren wurde. Nach Schönefeld fuhren damals Hermann Stelldinger, Waldemar Lobeth, Otto Stöcker, Willi Lobeth, Herbert Hansche, Walter Sauerwald, Bernhard Dannefelser, Karl Stippekohl, Luise Sauerwald, Paul Nugk, Karl Lobeth, Otto Bossling, Karl Schindler, Max Ribbecke, Alfred Mette. Laut einer Liste waren in Selchow 53 Frauen und 16 Männer ab 18 Jahre nicht beschäftigt. Die Geburtsjahre der Frauen lagen zwischen 1867 und 1924, die der Männer zwischen 1864 und 1917. Ein weiterer Runderlass des Landrates des Kreises Teltow Siebenpfeiffer forderte die Gemeinden auf, da ein großer Mangel an Arbeitskräften für die vordringlichsten Versorgungsarbeiten herrschte, das zuständige Arbeitsamt zu unterstützen und die geforderten Arbeitskräfte für die notwendigen Arbeiten zu schicken. Dabei war zu berücksichtigen, dass auch aus Frisörgeschäften, Schreibwarengeschäften, Gaststättenbetrieben ohne Mittagstisch und anderen Bereichen Personen zu schicken waren. Scheinarbeitsverhältnisse waren zu überprüfen. Unentschuldigtes Fehlen wurde bestraft. Zur Pflichtablieferung von pflanzlichen Produkten der 26 produzierenden Bauern gehörten Getreide Ölfrüchte, Kartoffeln und Gemüse. 1947 waren aus dem Branchen- und Adressbuch von Groß-Berlin folgende Informationen über die Gemeinde Selchow zu entnehmen: • Einwohner 560 Personen • Amtsgericht Teltow • Fernsprechamt Mahlow • Bürgermeister Paul Nugk Gewerbebetriebe: • Bossling, Hans Gemischtwarenhandlung • Kitzling, August Gemischtwarenhandlung • Lehmann, Karl Gastwirtschaft • Schüler, Adolf Tabakgroßhandlung • Schultze, Emil Bäckerei • Schulze, Otto Schneider • Stechert, Otto Fleischerei • Steldinger, Hermann Schneider Am 21. 4.1947 wurde durch die Gemeindevertreter der ordentliche Haushaltsplan für 1947 beschlossen. Er galt bis zum 1.4.1948. Er sah Einnahmen und Ausgaben von 32.858 RM vor. Am 11.6.1947 fand eine Neuwahl des Vorsitzenden der VdgB statt. Der ehemalige Vorsitzende der VdgB, Karl Stippekohl, eröffnete die Versammlung. Bautätigkeit 1947 (Bauscheine waren verbunden mit Zuweisung von Baumaterial) Januar 1947 wurde das Bürogebäude, Dorfstraße 17, mit Bauschein 53/45, von der Kreispolizei abgenommen. März 1947 erhielt Herr Siegfried Friedrich, Bahnhofstraße 2, eine Ansiedlungsgenehmigung mit einem Neubau eines Wohnhauses (Behördenkosten 100 RM). Im April 1947 stellte Frau Emma Albert den Antrag auf Baumaterialien für das im Krieg zerstörte Wohnhaus. Im August 1947 erhielt Herr Emil Schwinke eine Ansiedlungsgenehmigung für den Bau eines Wohnhauses „Am Rötepfuhl“ (Behördenkosten 105 RM).

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