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Die Chronik von Selchow 1242–2012

Die Bezahlung der Leistung des Schmiedes durch die Bauern erfolgte durch „Schärfkorn“ (Korn für das Schärfen der Geräte). Gezahlt wurde jeweils zu Martini. Man zahlte aber auch durch Transportleistungen. Nach der Ablösung wurde die Leistung der Einzelnen mit Geld vergütet. Das galt auch für den Gutsherren. 1856 erfolgte die Ablösung des Schulholzgeldes für den Lehrer. Das Holzgeld war ein Teil des Lohnes von den Bauern für den Lehrer. Das Protokoll dazu unterschrieben der Rittergutsbesitzer Schneider, der Rittergutsbesitzer Heydemann aus Diepensee, weiterhin Pfarrer Wapler, Küster und Lehrer Ziegenhirt, der Schulze Kiekebusch, Kossäth und Schulvorstand Spiegel, die Bauern Michael Lobeth, Karl Sauerwald und Friedrich Hansche sowie die Kossäthen Christof Sauerwald und Wilhelm Sauerwald. 1858 gab es im Dorf 13 Hofeigentümer mit 25 Knechten und Mägden, 6 nebengewerbliche Landwirte und 1 Arbeiter. Die 19 Besitzungen teilten sich wie folgt auf: 13 von 30 bis 300 Morgen = 1537 Morgen 3 von 5 bis 30 Morgen = 27 Morgen 3 unter 5 Morgen = 8 Morgen Als Handwerker im Dorf waren anwesend 1 Schneidermeister und Büdner aus der Familie Lobeth, 1 Zimmergeselle mit Namen G. Tismer, 1 Maurergeselle,1 Grobschmiedemeister und 3 Gesellen, 1 Krüger, 1 Rentier, 2 Arme. 1858 war Schneider der Gutseigentümer mit 18 Knechten und Mägden und 90 Tagelöhnern. Das Gut hatte 2205 Morgen. 1860 war der Großgrundbesitz im Besitz des Haus-Fideikommiß, die Polizeigewalt lag beim Amt Königs Wusterhausen. Das Dorf hatte 3 öffentliche Gebäude, 21 Wohn- und 42 Wirtschaftsgebäude. Das Gut hatte 8 Wohn- und 30 Wirtschaftsgebäude, darunter eine Getreidemühle, die dem Müller Wernitz gehörte, Selchow hatte 280 Einwohner. Es gab 59 Pferde, 144 Stück Rindvieh, 1010 Schafe. An Steuern wurde gezahlt: 366 Taler Grundsteuer, 220 Taler Klassensteuer, 7 Taler Gewerbesteuer.

Bis 1862 war Carl Bossling Schmiedemeister, Nachfolger war sein Schwiegersohn Pusch, Ehegatte der Tochter Luise. 1866 hatten die Dorfbewohner lt. Viehzählung, veröffentlicht im Amtsblatt, 52 Pferde und 155 Rinder. Im März 1868 wurde zwischen dem Rentmeister der königlichen Güter, Brückert, und 6 Bauern aus Selchow ein Pachtvertrag auf 50 Jahre, vom 1.1.1868 bis 31.12.1917, abgeschlossen. Der Vertrag beinhaltet, dass die Bauern als Pächter auf der Pachtfläche nur Vorgärten anlegen dürfen, die mit einem Zaun umgeben werden müssen. Auf dem Pachtland durfte kein Gebäude errichtet werden. Die Grundstücke lagen an der Dorfstraße. In amtlichen Angelegenheiten wurde die Gemeinde Selchow durch den Bauern und Dorfschulzen Friedrich August Kiekebusch, den Bauern und Gerichtsmann Ludwig Michael Lobeth, den Bauern Carl August Sauerwald, den Bauern Paul Sauerwald, den Kossäth August Schramm, den Büdnern Wilhelm Hahn und Friedrich Beschedsnick vertreten. 1869 stellten sich der Rittergutsbesitzer Neuhauß, der Kossätengutsbesitzer Spiegel und der Schulze Kiekebusch zur Wahl als Abgeordnete des Reichstages des Norddeutschen Bundes. Zum Mitglied des Hauses der Abgeordneten wurde am 19.4.1869 der Kossätengutsbesitzer Spiegel gewählt. Am 31.7.1869 brannte in Selchow eine Scheune ab, dabei starben die Dienstmagd Wilhelmine Schalke und der Arbeiter Boddin. Ab 21.6.1869 gab es für den Norddeutschen Bund eine neue Gewerbeordnung. Der Norddeutsche Bund, dem 22 Staaten angehörten, existierte von 1866 bis 1871 und war ein Vorläufer des Deutschen Reiches. 1870 wurde die Straße zwischen Selchow und Kleinziethen gepflastert. 1870 berichtete das Teltower Kreisblatt über Selchow. Landrat im Kreis Teltow war 1862 bis 1870 Freiherr Ernst von Gayl. Als sein Nachfolger wurde 1870 Prinz Hardjery genannt. Die Gemeinde hatte für die Landratswahl 395 Wähler. - 25 -

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