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Die Chronik von Selchow 1242–2012

ling am Dorfplatz.“ Helmut Gläser beschreibt das Dorf im Jahr 1954: „Das Dorf war zweigeteilt. Es gab das Volksgut, geleitet vom Direktor und der VVG, wo der Bürgermeister nichts zu sagen hatte und die Bauern, die vom Bürgermeister regiert wurden. Der Rest der Bevölkerung war ohne Bedeutung. In der Gemeindevertretung waren 50 % Bauern und 50 % Landarbeiter vom Gut. Zuerst war auch der Vorsitzende der Gemeindevertretung ein Mitarbeiter des Gutes. Das änderte sich aber bald, so war der Bürgermeister auch Vorsitzender der Gemeindevertretung. Bürgermeister Gläser veranlasste in seiner Amtszeit eine Busverbindung mit der Bushaltestelle am Ortseingang und viele Arbeitseinsätze.“ Eine Anekdote aus dieser Zeit; aufgeschrieben von Herrn Gläser: „Unter den 18 Bauern war einer der hieß Kiekebusch. Er kam im Gemeinderat vorbei und bestellte einen Traktor samt Gerät bei der MTS, was ich für ihn tat, da er kein Telefon hatte. Die Bestellung hieß für den Bauer Kiekebusch aus Selchow. Nach 2 Stunden war immer noch kein Traktorist da. Die Entschuldigung hieß, im Ort Kiekebusch gibt es keinen Bauer Selchow. Nach der Klärung der Verwechslung ging alles dann seinen geregelten Gang“. Herr Gläser wechselte 1957 als Heimleiter in das Lehrlingswohnheim der LPG Schönefeld.

Besiedlung und Besitzverhältnisse der Bewohner Dorf und Gut Selchow hatten äußerst komplizierte Besitzverhältnisse. Wenn man von 1242 bis 1740 die Eigentümer des Dorfes und Berechtigte von Abgaben zählt, kommt man auf eine stattliche Zahl von Namen. Das Dorf war im Besitz des Markgrafen, die Bede zahlten die Hüfner (Bauern). Ab 1375 zerfiel das Dorf erst in 3 Teile, dann in 6 Teile.

Die ersten umfangreichen Auskünfte über die Existenz eines Dorfes Selchow gibt die Eintragung am 29. August 1373 in das Landbuch Kaiser Karl IV. mit folgendem Text nach E. Fidicin, Stadtarchivar von Berlin: „Selchow habe 57 Hufe, wovon der Pfarrer 2 besitze. An Pacht hatten 17 Hufe jede 6 Scheffel Roggen, 3 Scheffel Gerste und 6 Scheffel Hafer zu entrichten und andere 9 Hufe ebensoviel, sie waren zur Zeit aber wüst. Von diesen 26 Hufen hatte der Markgraf ( Markgraf Wenzel aus dem Haus Luxenburg) die Bede (Steuern), welche zum Schlosse Wusterhausen gehörte, nämlich von jeder Hufe 1 Viert Roggen, 1 Viert Gerste und ½ Scheffel Hafer. Als Zins zahlten 10 Hufen jeglich 1 Schilling. Die übrigen Hufen hatten keine Bede zu entrichten. 2 Hufen zahlten der Ehefrau Kerstian Buschows zum Leibgedinge (Leibrente) 8 Schillinge als Pacht, Zins und Bede. Dieselbe Ehefrau hatte mit Einschluß obiger 26 Schillinge überhaupt 3 1/2 Stück Geldes und 6 Schilling als Leibgedinge. Es hieß, daß nach Ableben derselben diese Abgaben an den älteren Henning Schönfeld fallen solle. Kerstian und Henning der jüngere Schönfeld hatten 9 Hufen Pacht und Zins. Der ältere Henning Schönfeld hatten von 9 Hufen Pacht von; Herr Johannes Luckow von 3 Hufen 16 Scheffel Roggen; Dolewitz Pacht und Zins von 4 Hufen, Beteke (Dietrich) Dyrike von 4 Hufen die Pacht, Claus Selchow in Nauen von 6 Hufen, vom Merkgraf. Es waren 8 Kossäthen , welche theils Geld theils Hühner zu entrichten hatten. Der Krug gab nicht mehr als ein Huhn. Das obere Gericht hatten die vorgenannten Schonefeld, Dyrike und Selchow. Die Wagendienste gehörten zum Schlosse Wusterhausen, und von jedem Hause, mit Ausnahme der befreiten , wurden 5 Eier und 1 Huhn entrichtet. Freihufen oder ein Rittersitz waren nicht vorhanden und Vasallendienste waren nicht zu leisten.

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