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Die Chronik von Selchow 1242–2012

Wirtshaus zum Stern–Richard Grabow 1876 eröffnete Richard Grabow das Wirtshaus zum Stern. Es erhielt diesen Namen aber erst 1932. Die Gaststätte hatte einen Garten, einen Schankraum, einen Gastraum und einen Saal. Am 6.1.1903 wurde die Gewerbeerlaubnis verlängert. 1881 war Richard Grabow Kirchenältester und ab 1897 Vorsitzender des Krieger- und Landwehrvereins in Selchow. Am 13.10.1901 wurde sein Sohn Otto geboren. Er war unverheiratet und arbeitete bis zum Kriegsbeginn 1939 in der Gastwirtschaft seines Vaters. Insgesamt arbeiteten 3 Personen im Wirtshaus. 1943 musste die Gaststätte wegen der Kriegseinwirkungen geschlossen werden. Die Gaststätte war durch Bomben schwer beschädigt worden. Otto Grabow war vom 26.8.1939 bis 1.5.1945 in Großenhain im Fliegerhorst stationiert und vom 20.5.1945 bis 23.5.1947 in Kriegsgefangenschaft. 1945 starb Richard Grabow. Am 28.10.1947 beantragte Otto Grabow beim Landrat eine Gewerbeerlaubnis zum Betrieb der Gastwirtschaft seines verstorbenen Vaters für den Ausschank von Kaffee, alkoholfreien Getränken, Bier, Wein und Spirituosen. Da Kriegsschäden vorhanden waren, musste die Fläche auf 417,23 m² verkleinert werden. Dem Antrag auf Weiterbetreiben der Gastwirtschaft stimmte der Gemeinderat zu, aber der Landrat des Kreises Teltow lehnte ab. Mit der Gewerbegenehmigung war auch eine Baugenehmigung zur Beseitigung der Kriegsschäden verbunden, die mit der Begründung abgelehnt wurde, dass in Selchow bereits eine Gastwirtschaft bestehe und ehe eine zerstörte Gastwirtschaft wieder aufgebaut würde, müssten erst die Neubauern und die übrige Bevölkerung genügend Wohnraum haben. Bürgermeister Drobbe und Waldemar Lobeth schrieben nach der Ablehnung am 28.8.1947 an den Landrat: „Der Gastwirt Karl Lehmann, dessen Sohn jetzt die Gaststätte gehört, war Mitglied der NSDAP, sein Sohn zwar nicht, aber Otto Grabow ist Heimkehrer, der alles verloren hat und dessen einzige Einnahmequelle seine Gastwirtschaft wäre. Herr Lehmann dagegen hat noch eine Landwirtschaft von 11,75 ha. Außerdem wurde das Lokal von Richard Grabow 1943 wegen antinationaler Haltung des Inhabers geschlossen.“ Die Gastwirtschaft wurde wohl nicht eröffnet. Im Adressbuch von 1947 wird sie auf jeden Fall nicht mehr erwähnt. Ein Nachkommen der Familie, Frank Grabow, wohnt noch heute in der Dorfstraße 9 in Selchow.

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