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Die Chronik von Selchow 1242–2012

1993 wurde in Selchow in einem neuen Gebäude gebrannt. Die Investition betrug 1 Mio. DM. In der Brennerei arbeiteten 3 Produktionsarbeiter. Leiter war Günther Arndt. 1993 wurden die Schafzucht und die Schweinezucht eingestellt. Die Anlage wurde verpachtet. Das Gutshaus wurde leer geräumt. Das LWH wurde ab 29.12.1993 an die Telekom als Unterkunft für Mitarbeiter vermietet. 1995 wurde die RMA von der Rindermast auf Färsenaufzucht umgestellt. 1996 wurden die Schweinezuchtanlage, der alte Kuhstall und das alte Kartoffellager, später der Schafstall und der Speicher abgerissen. 3000 qm auf dem Gutshof wurden an die Preussag, eine Lagerhalle an die Gemeinde und der alte Speicher an Herwig Lawrenz vermietet. 2005 wurde die RMA an die holländische Familie Els/Arts verkauft. Der Gutshof mit dem Gutshaus wurde 1991 stillgelegt und verwahrloste.

Zusammenfassung der Zugehörigkeit des Gutes von 1927 bis 1991 Das Gut Selchow gehörte: Ab 1927 bis 1935 zur Berliner Stadtgüter GmbH 1935 bis 1945 zum Eigenbetrieb Berliner Stadtgüter 1945/46 VEG Selchow, bzw. Wirtschaftseinheit der Roten Armee Ab 1946 unterstand das Gut der Abteilung Ernährung, Dezernat Landwirtschaft des Berliner Magistrats. 1949 wurde der Eigenbetrieb juristisch aufgelöst. Das VEG Selchow gehörte zur Vereinigung Volkseigener Güter Berlin, dann Verwaltung Volkseigener Güter Berlin (VVGB). Ab 1954 gehörte das VEG Selchow zur Potsdamer Verwaltung. Ab 1964 zur Bezirksdirektion Volkseigener Güter Berlin Ab 1974 zur Bezirksdirektion Volkseigener Güter Potsdam Ab Februar 1990 wieder zum Eigenbetrieb Berlin Ab 18.11.1991 zur Betriebsgesellschaft Berliner Stadtgüter GmbH und wurde sofort stillgelegt.

Die Schafzucht auf dem Gut in Selchow bis 1993 Die Schafzucht in Selchow konnte bis 1993 auf eine lange Tradition zurückblicken. Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte 1536. Die von Bardeleben hatten einen Hof mit 8 Hufen und eine freie Schäferei. 1571/1589 wurde erwähnt, dass die Mittelstraß‘ die Schäfereigerechtigkeit besaßen. Von 1624 bis 1711 wurde in den alten Akten 1 Hirte bzw. 1 Hirtenknecht genannt, was darauf schließen lässt, das eine Schafherde vorhanden war. Die Schäfereigerechtigkeit war ein hoheitliches Recht, dass erlaubte, auf der Flur bzw. auf fremden Eigentum Schafe mit eigenem Schäfer zu halten bzw. Schafe auf der Gemeindeweide zu weiden. Im Kirchenbuch wird eine Reihe von Schäfern genannt. Sie arbeiteten für die Bauern oder für den Gutsherrn als Hirte, oder hatten eine eigene Herde. 1613 Hans Albhorn und Peter Balcke vor 1642 Hans Dunker vor 1651 Gürgen Tietze vor 1730 Martin Brose 1856 Carl Raubmann Die Angaben zur Schafzucht unter Gutsbesitzer Neuhauß sind spärlich. Bekannt ist lediglich, dass der Schafstall, auch Schafscheune genannt, 1771 gebaut wurde. 1879 brach unter den Schafen des Rittergutes Neuhauss die Pockenseuche aus. Angaben zur Schafzucht von 1927 bis 1945 sind nicht vorhanden. Erst für die Zeit nach 1945 verfügen wir wieder über Angaben zur Schafzucht in Selchow. Ab 1952 wurden auf dem Gut wieder Schafe gehalten. Der Schafstall bestand aus mehreren Einzelställen. Der erste Schäfermeister war Koll. Holz. Die Herde bestand aus 663 Tieren, davon 222 Muttern, 127 Jährlinge, 158 Lämmer, 4 Böcke und 152 Mastschafe. 1953 fanden von der Verwaltung organisierte Fachtagungen zur Schafzucht statt, an der der Schäfermeister, die Gehilfen und Lehrlinge aus den VEG teilnahmen. In Selchow betreute zu dieser Zeit 1 Schäfer 268 Schafe. - 111 -

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