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Die Chronik von Selchow 1242–2012

Die Lehrausbildung auf dem Gut Selchow Im Juli 1954 wurde im Gutshaus mit der Lehrausbildung begonnen. Am 1.8.1954 übernahm Manfred Exner die Lehrausbildung. Nach der Auflösung der Lehrlingswohnheime in Gussow und Schönefeld wurde das Gutshaus als Internat und Schule genutzt. Manfred Exner berichtete: Der Unterricht wurde in 3 Klassenräumen durchgeführt. Es begann mit 15 Gärtnerlehrlingen unter der Leitung von Kurt Dombrowski und 15 Rinderzuchtlehrlingen unter der Leitung von Karl Gehrke sen. und ca. 50 Feldbaulehrlingen unter Leitung des Brigadiers Karl Schröder. Auch Horst Labrenz wurde Lehrausbilder. Da im Gutshaus noch 3 Familien im oberen Stockwerk wohnten, mussten für sie kurzfristig andere Wohnungen gefunden werden. Die Lehrlinge trugen einheitliche Kleidung mit dem Emblem „DFD“ (Dienst für Deutschland). Bis 1955 hatten alle Lehrlinge einen Lehrvertrag. 10 Jugendliche waren „Staatskinder“, also Kinder ohne familiäre Bindung oder Waisen. Alle Lehrlinge waren Mitglieder der FDJ, DSF und des FDGB. Die GST, Gesellschaft für Sport und Technik, spielte in der Freizeit eine große Rolle. So waren die Lehrlinge aus Selchow 1954 die Besten beim Kreisausscheid in Königs Wusterhausen. 1962 wurde die Berufsschule aus Groß Köris nach Selchow verlegt, so dass jährlich 100 Lehrlinge ausgebildet werden konnten. Die Berufsschule in Selchow war eine Außenstelle der ABS Schulzendorf unter Leitung von Herrn Nielsen, dem Vater von Bärbel Domke, die seit 1967 in Selchow lebte. 1965 wurde die Außenstelle aufgelöst und die Ausbildung der Lehrlinge erfolgte je nach Fachrichtung in Wentow, Groß Kreutz, Großbeuthen und Königs Wusterhausen. Das Gutshaus war bis 1991 ein Lehrlingswohnheim, je nach Bedarf ein Gästehaus und Zentrum aller sportlichen und betrieblichen Veranstaltungen des Gesamtbetriebes. Im Gutshaus befand sich die Küche für die Versorgung der Lehrlinge, der Belegschaft des Gutes und später für die Versorgung des Gesamtbetriebes. Ab 1968 wurde ein Landarbeiterhaus zum Ledigenheim umgebaut.

1960 war das letzte Jahr der Selbständigkeit. Es wurde mit den Bau des Rinderoffenstalles und der Schweinezuchtanlage begonnen. Das Gut hatte zu dieser Zeit eine Betriebsgröße von 487 ha LN, davon 441 ha Ackerland. Es gab die Milchproduktion, Schweinezucht, Schafzucht und Geflügelhaltung. Im VEG arbeiteten 99 Personen. Am 1.1.1961 erfolgte der Zusammenschluss des VEG Waßmannsdorf, des VEG Selchow, des VEG Kleinziethen und des VEG Geflügelkombinat Großziethen zum VEG „Kombinat“ Waßmannsdorf mit Sitz in Waßmannsdorf. Direktor wurde Erwin Gacki. Im Rahmen der Kombinatsleitung Waßmannsdorf wurde Armin Schmidt zum Abteilungsleiter in Selchow ernannt. Der Zusammenschluss der 4 VEG erfolgte durch Übernahme der Betriebsflächen, der Gutshöfe mit Parkanlagen, der Betriebsanlagen und der Betriebswohnungen. Alle Betriebsangehörigen wurden in den neuen Betrieb übernommen. Die Festlegungen aus den Betriebskollektivverträgen wurden in den gemeinsamen BKV überführt. Die Bezahlung erfolgte nach VEG-Tarif. - 106 -

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