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Die Chronik von Selchow 1242–2012

1811 verkaufte Preußen das Gut an den früheren Erbpächter Friedrich Schneider. 1858 wurde Friedrich Schneider Besitzer des Guts. In dieser Zeit arbeiteten 90 Tagelöhner auf dem Gut. Das Gut war teilweise verpachtet. 1859 erwarb der königliche Ökonomierat Gustav Neuhauß (1825/1895) das Gut Selchow. 1860 hatte das Gut 2.209 Morgen Land, davon waren 4 Morgen Gehöfte, 43 Morgen Gartenland, 1.711 Morgen Ackerland, 11 Morgen Wiese, 101 Morgen Weide, 239 Morgen Wald. 1862 veranlasste Neuhaus den Bau einer Ziegelei in der Nähe von Selchow. 1869 verkaufte das Gut Steine, die in dieser Ziegelei gebrannt wurden. 1870 brach auf dem Gut die MKS aus. 1876 wurde überliefert, dass der Rittergutsbesitzer Gustav Neuhauß für das Gut 823,99 M Grundsteuern zahlte. Wirtschaftsinspektor war A. Deegener. Neuhauß entwickelte das Gut zu einen Mustergut für die Pflanzenzucht.

Neuhauß veröffentlichte folgendes: „Es ist mein Bestreben, auf märkischen Sandboden Getreidesorten heranzuzüchten, die möglichst genügsam in Bezug auf Bodenansprüche sind, dabei aber die höchsten Erträge geben. Durch Pflanzen- und Ährenauswahl und durch Entnahme des Saatgutes vom leichtesten Sandboden ist es mir gelungen, Hafer- und Gerstensorten heranzuzüchten. Durch weitere züchterische Arbeit wurden später, mittelspäte und ganz frühe Kartoffeln für den Sandboden gezüchtet. Die Preise verstanden sich ab Station Selchow. Ein Zentnersack kostete 30 Pfennige.“

1878 war Herr Wegener Inspektor auf dem Gut von Neuhauß. Ab 1879 traten verstärkt Krankheiten in den Tierbeständen auf. So veröffentlichte 1879 das Amtsblatt, dass bei den Schafen des Rittergutsbesitzers Neuhauss die Pocken ausgebrochen waren. 1884 war unter den Milchkühen die MKS ausgebrochen. Ab Juli 1889 und im Mai 1890 brach in den gesamten Rinderbeständen die MKS aus. Das Gut stand daher bis zum 23.12.1893 unter Quarantäne. In dieser Zeit wurde die Pflaumenallee neu verpachtet. 1890 wurde Gustav Herrmann Neuhauß zum Amtsvorsteher für Selchow, Waßmannsdorf und Diepensee berufen. 1894 hatte der Gutsbezirk eine Größe von 621,764 ha. 1895 starb Gustav Neuhauß in Selchow. Es ist aber anzunehmen, dass sein Sohn Gustav Herrmann Neuhauß zu dieser Zeit das Gut bereits übernommen hatte. 1897 brach in Selchow mehrmals die MKS aus. 1900 gab es in den Ställen des Gutes das erste Licht im Dorf. 1905 wurde der Administrator Karl Kaufmann zum stellvertretenden Gutsvorsteher ernannt. 1906 war Wilhelm Griesert (1845/29.5.1906) Gutsmeier in Selchow. 1909 war Kirchner (1830/1.12.1909) Brennermeister in Selchow. 1911 wurde Gustav Schulze (1867 – 1941) Oberinspektor und Wirtschaftsmeier. Gutsmeier war zu dieser Zeit Karl Franke. 1920 waren folgende Personen nachweislich auf dem Gut angestellt: Gutsinspektor Gustav Schulz, Gutsförster Paul Schulz (1889/3.4.1920), wurde von Wilddieben erschossen, Rentmeister Artur Sonnenburg, Oberschweizer Johannes Koller und Feldhüter, später Gutsförster, Karl Kirchner (starb am 30.6.1925 in Selchow). Der Gutsbezirk hatte 243 Einwohner, 621,8 ha Fläche. In der Nacht vom 13. zum 14. Januar brach ein Großbrand aus. 1922 ging die Brennerei in Betrieb. Sie produzierte bis 1944. 1924 starb Gutsbesitzer Gustav Hermann Neuhauß. Seine Frau, Louise Neuhauß, geb. Steiger, wollte das Gut verkauften und bot es der Stadt Berlin an. Die Verhandlungen dauerten bis 1927. Zur Sicherung der Arbeit auf dem Gut wurde der Landwirt Adolf Neuhauß am 17.6.1924 zum Gutsvorsteher bzw. Administrator bestellt. Das Gut hatte 610 ha LN bzw. Betriebsfläche, davon waren 14 ha Hofraum und Garten, 3 ha Wiese und 73 ha Wald. Gutsförster war Wilhelm Köhler. 1927 übernahm die Stadt Berlin das Gut Selchow. Noch bis Dezember wurde über den Kauf des Gutes verhandelt. Die Stadt Berlin erwarb das Gut mit Brennerei schließlich für 1,5 Mio. M. Das Gut wurde zum Rieselgut entwickelt.

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