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Die Chronik von Selchow 1242–2012

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Die Chronik von Selchow 1242–2012

Geleitwort Mit der vorliegenden Chronik von Selchow wurde der Reigen von acht Ortschroniken, die wir uns seit Jahren zum Ziel gesetzt haben, fast vollendet. Begonnen hatte seinerzeit alles mit der Waltersdorfer Dorfchronik, die Herr Erich Sychold, Schuldirektor a.D., in jahrelanger Arbeit zusammengestellt hatte. Danach folgte die Chronik des Ortes Diepensee, eine Gemeinde, die hier in Schönefeld aufgehört hat zu existieren, weil sie dem neuen Berlin Brandenburger Großflughafen Willy Brandt“ vollständig weichen musste und an anderer Stelle wieder neu aufgebaut wurde. Die Waßmannsdorfer, Rotberger, Kiekebuscher und Schönefelder Chronik folgten und konnten in den darauffolgenden Jahren einer breiten Leserschaft vorgelegt werden. In diesem Jahr konnte Frau Sigrid Weise nunmehr ihre dritte Chronik, d.h. die Selchower Chronik, die sie in mühevoller Fleißarbeit geschrieben und zusammengetragen hat, vollenden. Das ist für unsere Großgemeinde Schönefeld ein weiteres, überaus wichtiges Teilstück für eine irgendwann in der Zukunft zu schreibende Gesamtchronik der neuen Gemeinde Schönefeld, die seit 2003 existiert und die bis dato ohne eigenständige Geschichtsschreibung ist. Einen Chronisten für diese Gesamtgemeinde konnten wir noch nicht finden, um ihn in eine solche Funktion zu berufen. Alles das, was heute in den einzelnen Ortsteilen passiert, wird noch immer von den Ortschronisten aufgezeichnet, die sich speziell auf ihren Ortsteil in der neuen Großgemeinde spezialisiert haben. Die vorliegende Chronik ist das Ergebnis systematischer Aufarbeitung der Zeitgeschichte sowie die Zusammenstellung von vielen historischen Abläufen, Ereignissen und Vorkommnissen. Die Autorin S. Weise wurde insbesondere von Herrn Karl-Heinz Stippekohl, Christel Mette, Inge Valentin und Ortsvorsteher Alfred Mann unterstützt, denen an dieser Stelle ein besonderer Dank gebührt. Natürlich darf ihr Selchower Vorgänger“, Ortschronist Joachim Wolf, nicht unerwähnt bleiben. War er es doch, der einen bedeutenden Grundstock für diese Heimatgeschichte gelegt und insbesondere die Geschichte der Neukölln-Mittenwalder Eisenbahn zu dieser Chronik beigesteuert hat. Durch eine gute Zusammenarbeit mit diesen Helfern, mit Unterstützung des Pfarrers Reiff, mit einem interessierten Selchower Zuhörerkreis, der die Vorab-Lesungen kritisch begleitete und der mit Fotos diese Chronik in einigen Teilen sehr bereicherte, gelang es Frau Sigrid Weise, in einem relativ kurzen Zeitraum die Geschichte dieser ehemals selbständigen Gemeinde aufzuzeichnen. Dafür möchte ich Frau Weise meinen besonderen Dank sagen und ihr für die vielen Jahre guter Zusammenarbeit Lob zollen und meine besondere Anerkennung aussprechen. Das, was hier von ihr geleistet wurde, wird eines Tages von Menschen zu beurteilen sein, die sicherlich sehr dankbar dafür sind, dass sich jemand so engagiert und für die Ortsgeschichte eingesetzt hat. Denn alles das, was wir heute nicht niederschreiben und aufzeichnen, wird in einigen Jahren vergessen sein und es wird niemand mehr in dieser Form zusammentragen können. Zudem verändert sich Schönefeld überaus rasant. So wird man auch das Antlitz Selchows in wenigen Jahren nicht mehr wiedererkennen. Hier entsteht gegenwärtig ein hochmoderner Messestandort, eine Messe mit direktem Zugang zum Flughafen. Die Internationale Luft- und Raufahrtausstellung hat in Selchow für die nächsten Jahre eine neue Heimstatt gefunden. Die Fluggesellschaft Air Berlin plant in Selchow erste Erweiterungen. Andere Firmen stehen bereit, um sich hier anzusiedeln. Noch nie wurde und wird ein Ort so schnell und so grundlegend verändert wie Selchow. Die Fortschreibung der Geschichte ist in Zukunft ein Muss und ganz wichtig war und ist es, heute und mit dieser Chronik ein Bild dieses Ortes festzuhalten, welches sich dem Betrachter gegenwärtig bietet und welches man in einigen Jahren so nicht mehr finden wird. Ich wünsche auch dieser Chronik viele interessierte Leser und vor allem Menschen, denen das, was hier aufgezeichnet wurde, wichtig ist und die sich für die vielen historischen Fakten der Geschichte Selchows begeistern können. Bürgermeister Dr.Udo Haase

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Die Chronik von Selchow 1242–2012

Vorwort der Chronistin Die Gemeinde Selchow kann 2012 die 770. Wiederkehr ihrer ersten urkundlichen Erwähnung aus dem Jahr 1242 begehen. Selchow war zu allen Zeiten ein durch Landwirtschaft geprägter Ort mit einem Gut. Die Chronik von Selchow ist geordnet nach Jahren und ist eine Darstellung der Geschichte des Ortes an Hand von Fakten, Ereignissen, Statistiken, betriebswirtschaftlichen Angaben und staatlichen Anweisungen. Das Gut war seit 1927 ein Berliner Stadtgut und gehörte ab 1961 zum VEG Kombinat“ Waßmannsdorf. Für das VEG Kombinat“ Waßmannsdorf war das Gut Selchow mit seinem Gutshaus mit Gästezimmern und großer Gutsküche sowie dem Gutspark der Mittelpunkt seiner kulturellen und sportlichen Veranstaltungen. Durch den Bau der Flughafens BER“ und der ILA wird Selchow eine große Veränderung erfahren und seinen Dorfcharakter verlieren. Es ist daher wichtig, viele Einzelheiten aus der Geschichte des Dorfes und des Gutes und seiner Bewohner zu erforschen und aufzuschreiben. Daher werden Einzelheiten in dieser Chronik auftauchen, die man sonst weglässt z.B. Aufstellungen über verpachtetes Jagdland oder Statistiken zur Produktion des Guts oder Einzelheiten aus den Protokollen der Gemeindevertretung. Bei der Zusammenstellung der Daten und Ereignisse zur Chronik von Selchow war das Material sehr hilfreich, das von Karl-Joachim Wolff aus Selchow gesammelt und zusammengestellt wurde und mir zur Verfügung stand. Ohne die Hilfe und Unterstützung mit Bildern, Dokumenten und Auskünften von Alfred Mann, Herrn Stippekohl, Frau Valentin, Frau Sauerwald, Frau Mette und allen Teilnehmern bei den Vorträgen zur Chronik wäre die Arbeit viel schwerer gewesen. Diesem Personenkreis gilt mein besonderer Dank. Herr Stippekohl half mir bei der Einsicht in das Kirchenbuch von Selchow. Auch Frau Oppermann aus dem Archiv Königs Wusterhausen und Frau Göbel aus dem Archiv Schönefeld haben mich bei der Arbeit unterstützt. Ohne ihre unbürokratische Hilfe hätte die Sichtung der Akten einen längeren Zeitraum in Anspruch genommen. Das gilt aber auch für die Mitarbeiterinnen im Landeshauptarchiv Brandenburg in Potsdam-Bornim. Wie bereits bei der Chronik von Waßmannsdorf und Rotberg unterstützte mich auch Herr Klar aus Lichtenrade mit Kopien alter Akten und mit Fotos aus seiner Privatsammlung. Ich muss aber auch erwähnen, dass mir Herr Kirschke von den Weißenseer Heimatfreunden e.V. bei der Einfügung der Bilder und dem Layout half und dass mein Ehemann mich zu den Archiven fuhr. Die Chronik von Selchow ist nicht vollständig und abgeschlossen, es gibt noch unerforschte Quellen, wie z.B. das Kirchenbuch oder Einzelheiten aus der Geschichte der alten Bauernfamilien oder der Arbeit der Gemeindevertreter. Ein Verein zur Erforschung der Geschichte von Selchow hätte noch viel Arbeit. Sigrid Weise im November 2011

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Die Chronik von Selchow 1242–2012

Inhalt Geleitwort................................................................................................................................................. 2 Vorwort der Chronistin.......................................................................................................................... 3 Lehniner Copialbuch 1208–1580........................................................................................................... 6 Allgemeine Einführung in die Geschichte von Brandenburg........................................................... 7 Das Land Brandenburg....................................................................................................................... 7 Die märkische Ritterschaft................................................................................................................ 7 Der Teltow............................................................................................................................................ 8 Einzelheiten zur Geschichte der Besiedlung der Mark Brandenburg..................................................................... 8 Der Landkreis Teltow........................................................................................................................................................................ 8 Die Verwaltung des Kreises Teltow........................................................................................................................................... 9 Der Kreis Teltow 1925....................................................................................................................................................................10 Die Sparkasse......................................................................................................................................................................................10 Die alte Poststraße...........................................................................................................................................................................11 Chronik der Gemeinde Selchow........................................................................................................... 12 Die Jahre 1242 bis 1932.................................................................................................................... 12 Die Herkunft des Namens........................................................................................................................................................... 12 Erste urkundliche Erwähnung und weitere Spuren aus dem Mittelalter.......................................................... 12 Die Schreibweise des Namens des Dorfes Selchow....................................................................................................... 12 Flächenangaben zu Selchow.......................................................................................................................................................13 Entwicklung der Einwohnerzahl..............................................................................................................................................13 Landverteilung im Dorf und Beschreibungen des Dorfes...........................................................................................14 Beschreibung des Dorfes durch unterschiedliche Autoren im Zeitraum 1857 bis 2010........ 15 Besiedlung und Besitzverhältnisse der Bewohner....................................................................... 17 Die einzelnen Teile des Dorfes...................................................................................................................................................18 Entwicklung des Dorfes und des Gutes – soziale Struktur ab 1373.......................................... 19 Selchow bis 1933...............................................................................................................................................................................19 Selchow von 1933 bis 1945......................................................................................................................................................... 32 Die Gemeinde Selchow vom 9.5.1945 bis 1989.............................................................................. 37 Das Jahr 1945..................................................................................................................................................................................... 37 Die Bodenreform von 1945 bis 1949...................................................................................................................................... 38 Gemeindeleben und Gemeindearbeit von 1945 bis 1989............................................................................................ 40 Die Jahre 1946 bis 1948................................................................................................................................................................ 42 Bautätigkeit 1946............................................................................................................................ 43 Die Gemeinde und die Besatzungsmacht............................................................................................................................ 44 Das Jahr 1949..................................................................................................................................................................................... 46 Das Jahr 1950..................................................................................................................................................................................... 46 Das Jahr 1951......................................................................................................................................................................................47 Das Jahr 1952..................................................................................................................................................................................... 48 Das Jahr 1953......................................................................................................................................................................................49 Die Jahre 1954 – 1961.....................................................................................................................................................................49 Die Jahre 1962/63..............................................................................................................................................................................51 Die Jahre 1964 – 1969.................................................................................................................................................................... 52 Die Jahre 1970 – 1975.................................................................................................................................................................... 54 Die Jahre 1976 – 1980.................................................................................................................................................................... 55 Die Jahre 1981 – 1985.................................................................................................................................................................... 57 Die Jahre 1986 – 1989.................................................................................................................................................................... 58 Die Gemeinde Selchow nach der politischen Wende.................................................................... 60 Die Jahre 1989 – 1995.................................................................................................................................................................... 60 Die Jahre 1996 – 2000................................................................................................................................................................... 63 Die Jahre 2001 – 2005................................................................................................................................................................... 64 Die Jahre 2006 – 2011................................................................................................................................................................... 64

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Einzeldarstellungen zur Geschichte Selchows................................................................................. 68 Flughafen Schönefeld....................................................................................................................... 68 Kleine Chronik vom Bau des Flughafens BER und des ILA–Geländes................................................................ 69 Der Kindergarten in Selchow.......................................................................................................... 70 Die Kirche und der Friedhof von Selchow..................................................................................... 71 Beschreibung der Kirche nach Dieter Mehlhardt........................................................................................................... 71 Zeittafel zur Geschichte der Kirche und der Kirchengemeinde............................................................................... 72 Der Friedhof in Selchow................................................................................................................................................................76 Die Evangelischen Pfarrer im Pfarrsprengel Selchow..................................................................................................76 Der Streit um die Kirchendisziplin in Selchow................................................................................................................ 77 „Kirchen-Disziplin in Selchow“.................................................................................................... 77 Die Schule von Selchow im Jahre 1810................................................................................................................................ 80 Die Schule in Selchow von 1810 bis 1945........................................................................................................................... 80 Die Schule von Selchow nach dem 8.5.1945...................................................................................................................... 84 Selchow an der Neuköllner-Mittenwalder-Eisenbahn (NME).................................................... 84 Personen und Familien auf dem Bahnhof........................................................................................................................... 87 Fahrpreise von Neukölln nach Mittenwalde im Mai 1929........................................................................................ 88 Zeittafel Neuköllner-Mittenwalder-Eisenbahn................................................................................................................ 88 Die Feuerwehr von Selchow............................................................................................................. 90 Die Freiwillige Feuerwehr von 1945 bis 1989...................................................................................................................91 Die Freiwillige Feuerwehr von 1990 bis 2011.................................................................................................................. 94 Das Gut in Selchow: Rittergut, Stadtgut, Volksgut und wieder Stadtgut................................ 98 Das Gut in den Jahren 1928 – 1945......................................................................................................................................100 Das Gut nach dem 9.5.1945....................................................................................................................................................... 101 Die Lehrausbildung auf dem Gut Selchow.......................................................................................................................104 Der Gut Selchow nach 1990......................................................................................................................................................107 Die Schafzucht auf dem Gut in Selchow bis 1993.........................................................................................................109 Feste im Gutspark in den 70er und 80er Jahren – Impressionen.......................................................................... 111 Langjährige Gutsarbeiter.......................................................................................................................................................... 111 Die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) Selchow.................................... 113 Krüger Krope – Einzelheiten aus der Familiengeschichte....................................................................................... 117 Aus der Geschichte der Gaststätte Lehmann.................................................................................................................. 118 Wirtshaus zum Stern–Richard Grabow..............................................................................................................................120 Familien und Personen in Selchow................................................................................................... 121 Der erste Selchower......................................................................................................................................................................121 Die Ritterguts- und Gutsbesitzer...........................................................................................................................................121 Die Bauern und Bürger von Selchow...................................................................................................................................122 Die Handwerker und die Gewerbetreibenden..................................................................................................................126 Vereine, Organisationen und Kommissionen.................................................................................. 128 Sportvereine..................................................................................................................................... 128 Die Betriebssportgemeinschaft WSZ–Waßmannsdorf-Selchow-Ziethen.........................................................128 Der Landsportverein Selchow....................................................................................................... 128 Kommissionen................................................................................................................................. 128 Die Schiedskommission..............................................................................................................................................................128 Die Wohnungskommission der Gemeinde Selchow.....................................................................................................129 Anlagen & Quellen.............................................................................................................................. 130 Ein Spaziergang durch Selchow........................................................................................................ 138 Impressum............................................................................................................................................ 152

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Lehniner Copialbuch 1208–1580

Die erste Erwähnung von Selchow erfolgte 1242 im Copialbuch des Klosters Lehnin, in dem ein Heinricus de Selchow bei einer "Vereignung“ (Übereignung) von "Arendsee, Tribustdorf, Bredewisch, Wandlitz, Stolzenhagen, Neuenhof, Waltersdorf, Klosterfelde, Schönerlinde, Sommerfeld und Arnstorf an das Kloster Lehnin durch die Markgrafen Johann und Otto beim zweiten Zusammentreffen gemeinsam mit Rothgerus, Bischof von Brandenburg, Petrus, ein Jurist am Ort, Rodericus, Abt von Cenna, der Probst Henricus de Nauen, Johannes, Notar der Curie, Bertholdus de Velberg, Willikinus de Tornow, Conradus de Widesee, Geradus de Kerkow, Cristoforus Meise, Conradus Meise und Theodericus, Advokat aus Spandau“ anwesend war.

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Allgemeine Einführung in die Geschichte von Brandenburg Das Land Brandenburg Das Land Brandenburg entstand im 12. Jh. durch Schwert und Pflug im Namen des Kaisers Lothar durch die Angehörigen des sächsischen Hauses Askanien, hpts. durch Albrecht den Bären, einem Grafen von Ballenstedt. Sie eroberten die zu dieser Zeit hauptsächlich durch Slawen besiedelten Gebiete, vertrieben oder vernichteten sie und kolonisierten das eroberte Gebiet mit deutschen Siedlern. Durch sie und ihre Nachkommen erfolgte die wirtschaftliche Erschließung des eroberten Landes. Sie gründeten Städte und Dörfer wie z.B.: • • • • • • • • • • • • • • •

Berlin 1237 Brandenburg 9. Jh. durch die Heveller-Fürsten Teltow 1232 Mittenwalde 1239 Zossen 1320 Königs Wusterhausen 1320 Diepensee 1348 Großziethen 1300 Kleinziethen 1375 Kiekebusch 1318 Rotberg 1318 Schönefeld 1375 Selchow 1242 Waltersdorf 1352 Waßmannsdorf 1338

Die märkische Ritterschaft Die Askanier kamen mit großem Gefolge in das neue Gebiet. Uwe Michas beschreibt in der Zeitschrift „Die Mark“ die militärischen Begleiter der Initiatoren der Eroberungskriege: „Die Hauptlast der Eroberungen trugen die späteren Angehörigen des Ritterstandes. Der überwiegende Teil dieses Standes ging aus unfreien Dienstmannen, so genannten Ministerialen, hervor, die mit den Askaniern aus den Gebieten westlich der Elbe kamen. Sie waren ursprünglich eine Oberschicht unfreier Haus- und Hofdiener, die von ihren Herren für den Haus-, Verwaltungs- und Kriegsdienst verwendet wurden. Sie hoben sich von ihren Standesgenossen durch besondere Leistungen, hauptsächlich beim Kriegsdienst, ab und näherten sich dadurch dem Adelsstand. Später anerkannte man ihre Lehnfähigkeit und gab ihnen einen Platz in der „Heerschildordnung“. Es wanderten aber auch freie Ritter in die Mark ein. Aber im Verlauf des 13. Jahrhunderts gerieten diese Adligen in die Abhängigkeit der Markgrafen. In der Mark Brandenburg verwischte sich allmählich der Unterschied zwischen den freien Vasallen und Ministerialien. Aus beiden Gruppen entwickelte sich der märkische Ritterstand (Aus der Bezeichnung „ministeriales“ wurde“ miles“, was Ritter bedeutet). Der märkische Ritter erhielt, um in Friedenszeiten wirtschaftlich abgesichert zu sein, ein steuerfreies Lehen von 6 Hufen. Dafür war er verpflichtet, zu jeder Zeit Kriegsdienste zu leisten. Sie wurden aber auch als Vasallen des Landesherren auf Burgen als Burgwarte und Vögte eingesetzt. Zu den Burgen oder Schlössern gehörte auch ein großer Landbesitz. Die Bewohner hießen „Schlossgesessene“. Im Zuge der Entwicklung des Landes vergab der Landesherr die Burgen als erbliches Lehen. Innerhalb des Adels gab es aber damals schon große Unterschiede. Es gab den niederen Adel, der nur einen geringen unbefestigten Wohnraum beanspruchen durfte. Aus diesen oft armen Adligen wurden die märkischen Raubritter. Das heutige Land Brandenburg in seiner jetzigen Gestalt ist im Wesentlichen identisch mit der früheren preußischen Provinz Brandenburg. Ohne die Gebiete östlich von Oder und Neiße wurde die von 1945 – 1947 bestehende Provinz Mark Brandenburg und das 1949 bis 1952 konstituierte Land Brandenburg.

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Der Teltow Selchow ist eine Gemeinde auf dem Teltow. Seit dem 13.Jh. ist der Name Teltow überliefert. Das Gebiet des Teltow ist waldreich, leicht hügelig und liegt zwischen den Flüssen Spree, Dahme, Nuthe und Havel. Der Namen „Teltow“ ist slawischen Ursprungs. Die Teltow-Landschaft ist in der Endphase der Eiszeit vor ca. 20.000 Jahren entstanden. Um 1200 wurde das Gebiet von Deutschen Kolonisten besiedelt und fiel unter das askanische Herrschaftsgebiet. Die Erwerbszweige der Kolonisten waren Ackerbau, Fischfang und Holzverarbeitung. Zu den ältesten Adelsfamilien, die auf dem Teltow ihre Güter bewirtschafteten, gehören die von Gröbern, Britzke, Beeren, Liepe, von Otterstedt, Schlabrendorf, von Hake und von Schlieben. Die ältesten größeren Siedlungen sind die alte Kreisstadt Teltow, Trebbin, Mittenwalde, Zossen und Teupitz. Der Namen der Gemeinde Selchow kommt aus dem Slawischen und bedeutet „Dorf des Zelichow, der den Frieden liebt oder begehrt“. Den Beweis dafür, dass wirklich Slawen in der Mark Brandenburg, und besonders im Raum Selchow siedelten, erbrachten die Ausgrabungen beim Bau des BER. Man fand Reste einer slawischen Gehöftgruppe, die um 1000 u. Z. hier existierte. Sie bestand aus ca. 10 Personen, die auf einer Sandinsel inmitten einer feuchten Wiese lebten. Die ebenfalls gefundenen Grabreste, Pfeilspitzen aus Feuerstein und Keramiken, die 4000 Jahre im Selchower Sand lagen, beweisen, dass bereits eine Besiedlung durch jungsteinzeitliche Bauern erfolgte.

Einzelheiten zur Geschichte der Besiedlung der Mark Brandenburg Zur Zeit der Besiedlung der Mark Brandenburg durch die Askanier, durch Albrecht den Bären und seine Nachkommen, herrschte im Land das Markgrafentum. Darunter ist ein königliches Amtslehen, dass dem Inhalt nach die Ausübung der Reichsgewalt durch den Markgrafen als Stellvertreter des Königs in dem ihm zugeteiltem Markgebiet zu verstehen. Der Name Brandenburg kommt von der im Teltow gelegenen Burg Brennabor des Slawenfürsten Pribislaw, der zum christlichen Glauben übergetreten war und sich dann Heinrich nannte. Er gehörte zum Slawenstamm der Heveller. Am 11.6.1157 eroberte Albrecht die Burg. Das Datum der Eroberung ist das Geburtsdatum der Mark Brandenburg.

Der Landkreis Teltow Der Teltow ist geographisch eine Hochfläche mit Niederungen und Plateauinseln. Der Name Teltow wurde erstmalig schriftlich in einer Urkunde der brandenburgischen Markgrafen, den Enkeln von Albrecht dem Bären, Johann I. und Otto III., aus dem Jahre 1232 als „terra Teltowe“ erwähnt. Der Name könnte von dem Fließ „Telte“ abgeleitet worden sein. Im Teltow sprach man das Telsche (Teltower) Platt, eine niederdeutsche Sprache. Der Landkreis Teltow war die älteste territoriale Einheit des brandenburgischen Verwaltungssystems. Er war auch der größte und reichste Kreis im Land Brandenburg. Durch seine Nähe zu Berlin verlor er 1861 die Landgemeinden Schöneberg, Tempelhof und den Gutsbezirk Tiergarten. 1877 schieden die Stadt Charlottenburg, 1898 Rixdorf, 1899 der Rest von Schöneberg und Wilmersdorf aus dem Kreis Teltow aus. Der Sitz des Landtages war bis 1871 in der eigentlich unbedeutenden Stadt Teltow. Die Landräte hießen bis 1701 Kreiskommissare danach erst Landräte. Bis 1820 fanden die Sitzungen des Kreistages Teltow im Hause der Mittelmärkischen Stände, Leipziger Straße 9, dann in Berliner Hotels statt. 1847 bis 1861 tagte man im Gasthaus „Schwarzer Adler“ in Teltow , ab 1871 zog man in die Matthäkirchstraße 21 in Berlin, danach in die Körnerstraße in Berlin, ab 1891 in die Viktoriastraße 17a und 18, ab 1945 wieder nach Teltow. 1750 hatte der Kreis Teltow 24.000 Einwohner, davon lebten in den Städten 6.800 und auf dem Lande 17.200 Menschen. 1800 hatte der Kreis 32.000 Einwohner, in den Städten 9.340 und auf dem Lande 22.660. 1850 hatte sich die Einwohnerzahl mit 70.000 Bürgern mehr als verdoppelt, in den Städten lebten 18.900 und auf dem Lande 51.100 Menschen. Der Kreis Teltow bestand aus dem Hauptkreis mit den Städten Teltow und Mittenwalde, den Ämterkreisen Zossen und Trebbin und den Herrschaften Wusterhausen und Teupitz. Von 1652 bis 1945 war der Teltow ein Landkreis der Provinz Brandenburg im Land Preußen, ab 1800 Bestandteil des Regierungsbezirkes Potsdam, von 1945 bis 1949 Sowjetische Besatzungszone im Land Brandenburg, zwischen 1949 und 1952 das Land Brandenburg in der DDR und von 1953 bis 1990 der Bezirk Potsdam, der wiederum in die Kreise Königs Wusterhausen und Zossen zerfiel. Die Gemeinde Selchow gehörte seit 1953 zum Kreis Königs Wusterhausen. Bis 1701 hießen die Landräte Kreiskommissare. Es waren Adlige, die die Aufgaben als Landrat von ihrem Rittergut aus erledigten. Ein Landratsbüro wurde erst 1822 in Teltow in der Titterstraße eingerichtet. So wurde die Stadt Teltow Kreisstadt. 1822 wurden die Amtsbezirke gebildet.

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Die Landräte Otto von Hake zu Machnow Cuno Hans von Wilmersdorf, der älteste Sohn von Cuno von Wilmersdorf Otto Ludwig von Otterstedt Hans Georg von Otterstedt, Johann Otto von Wilmersdorf Gustav Alexander von der Liepe zu Blankenfelde Wilhelm von Hake auf Genshagen Ernst Friedrich Wilhelm von Bandemer zu und auf Diedersdorf, er richtete in der Ritterstraße 22 in Teltow das Landratsbüro ein Leopold von Albrecht von Schlotheim Leo von Knesebek auf Jünsdorf Freiherr Ernst von Gayl Prinz Nikolaus von Handjery zog mit dem Landratsamt nach 1871 nach Berlin Ernst von Stubenrauch, Dr. Adolf von Achenbach Wilhelm von Narhusius Hans Koennecke Dr. Helmuth Börnicke Dr. Ernst Ihnen Richard Meschkat, Amt in Mahlow Carl Siebenpfeiffer Dr. Steinhoff, Provinzialregierung Brandenburg Vors. des Rates des Bezirks Potsdam, Vors. des Rates des Kreises

Regierungszeit: 1655 – 1682 1682 – 1712 1712 – 1714 1714 – 1717 1717 – 1749 1749 – 1769 1770 – 1790 1791 – 1819 1819 – 1821 1822 – 1850 1850 – 1853 1853 – 1862 1862 – 1870 1870 – 1885 1885 – 1908 1908 – 1931 1931 – 1933 1933 – 1936 1936 – 1938 1938 – 1945 1945 – 1946 1947 – 1952 1945 – 1952 1953

1920 wurde der Kreis Teltow durch die Eingemeindung von einer Stadt, 25 Landgemeinden und 9 Gutsbezirken mit einer Fläche von 32.780 ha nach Berlin, entsprechend verkleinert. Dem Kreis Teltow verblieben 5 Städte, 105 Landgemeinden und 55 Gutsbezirke mit einer Fläche von 129.160 Hektar. Das Grenzgebiet zu Groß-Berlin bildeten die Gemeinden Zeuthen, Eichwalde, Schönefeld, Waßmannsdorf, Mahlow usw. Die Kreisstadt Teltow hatte 1920 5.413 Einwohner.

Die Verwaltung des Kreises Teltow Der Historiker Spatz schreibt in seinem Werk zur Geschichte des Teltow über das Entstehen der Kreisverwaltung folgendes: Vier Jahre nach Ende des Dreißigjährigen Krieges wurde mit dem Aufbau einer Kreisverwaltung begonnen. Am 17.2.1652 trafen sich 12 Rittergutsbesitzer auf dem Rittergut der Familie von Flaß in Großziethen. Die Zusammenkunft hatte das Ziel, Wege zu finden, um mehr Abgaben für die Beseitigung der Kriegsschäden von den Bauern zu erzwingen. Man beschloss auch eine Verwaltung aufzubauen. 1655 wurde Otto von Hake zu Machnow Kommissar des Kreises. Bis 1690 fanden die Sitzungen auf dem Gut des Kommissars des Kreises statt. Die Teltower Kreisverwaltung war in Berlin, Viktoriastraße 17 und 18 ansässig. Der Kreis Teltow war in Preußen das größte und das wohlhabendste Gebiet. Seit der Gründung des Kreises im 17. Jh. lagen die Verwaltungsgebäude im heutigen Berlin.

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Der Kreis Teltow 1925 Die Teltower Kreisverwaltung hatte ihren Sitz im Kreishaus in Berlin W 10 in der Viktoriastraße 18. Zur Kreisverwaltung gehörten: • Der Kreisausschuss • 32 Kreistagsabgeordnete • Kreiskommunalkasse • 1 Kreissparkasse mit 13 Nebenkassen und 35 Nebenstellen in 35 Ortschaften • 1 Girokasse • 2 Kreistierärzte • 1 Gerichtsarzt das Kreisjugendamt mit 10 Mitgliedern und 6 Mitgliedern mit beratener Stimme. Zur Kreisverwaltung gehörten 5 Landjägerabteilungen. Die Gemeinde Selchow gehörte zur Landjägerabteilung Eichwalde und war Landjägeramt mit dem Landjägermeister Stropp aus Selchow. Flächeninhalt 129.166 ha Einwohnerzahl 124.475 Der Kreis umfasste 6 Städte, 104 Landgemeinden, 52 Gutsbezirke. Landrat war Dr. von Achenbach. Die Kreisdeputierten waren: • von Badewitz; Rittergutsbesitzer in Siethen • Jacob, Wilhelm, Porzellandreher aus Teltow Dem Kreisausschuss gehörten an: von Achenbach, Landrat, Vorsitzender • Dr.Wirth, Otto, Bürgermeister Zossen • Wauer, Gustav, Kaufmann, Thyrow • Henecke, Ernst, Landwirt, Nächstneuendorf • Rose, Albert, Stadtrat, Nowawes • Rosenthal, Walter, Erster Bürgermeister Nowawes • Machate, Otto, Zimmerer, Nowawes • Der Kreistag hatte 32 Abgeordnete. • Karl Wrede war aus der Umgebung von Selchow, Amtsvorsteher aus Diepensee, Kreistagsabgeordneter.

Die Sparkasse Die Nebenstellen der Sparkasse, die für Selchow relevant waren, befanden sich in Königs Wusterhausen am Schloßplatz 8 und je eine Filiale in Mahlow, Mittenwalde, Schönefeld, Wildau und Zeuthen. Die Hauptkasse lag in der Viktoriastraße 17, es gab 13 Nebenkassen, 38 Nebenstellen, davon eine in Schönefeld, 1 in Mahlow, 1 in Wildau und 1 in Zeuthen. Laut Verzeichnis der AOK war Selchow ein Kassenbezirk mit Gut. Die Zahlstelle befand sich bei Gastwirt Grabow. Für das Gut Selchow gab es eine Betriebskrankenkasse und eine Gärtnerkrankenkasse mit Zahlstelle in Waßmannsdorf bei Kaufmann Schuck. Gutsvorsteher bzw. Gutsbesitzer in der Umgebung von Selchow: • Selchow Adolf Neuhauß, Landwirt und Gutsbesitzer • Boddinsfelde Alfons König, Rechnungsführer • Brusendorf Joachim Badewitz, Rittergutsbesitzer • DWH Johann Witt, Administrator • Diepensee Karl Wrede, Rittergutsbesitzer • Großziethen Carl Feistkorn, Administrator • Karlshof Rudolf Zacher, Domänenpächter • Kleinziethen Friedrich Oehler, Administrator • Rotzis Rudolf Zacher, Domänenpächter • Schönefeld Willi Busse ,Gutspächter • Waltersdorf Emil Bleiß, Gutspächter Im Kreis Teltow gab es 101 Schulen in den Landgemeinden. Selchow hatte 1920 2 Lehrer für 55 Kinder.

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Die alte Poststraße Die alte Poststraße führte von Berlin, ab Dönhofplatz über Selchow, Mittenwalde, Baruth und endete in Dresden. Der Tollkrug (Zollkrug), bei Rotberg, 3 km von Selchow entfernt, war eine Poststation mit Gastwirtschaft, die später einen sehr anrüchigen Ruf bekam. Das Gebäude des Kruges ist heute ein Wohnhaus. An der Landstraße von Tollkrug nach Brusendorf steht noch eine Postsäule aus der Postkutschenzeit. In der Gemeinde Selchow lebte Wilhelm Lobeth, einst Postkutschenfahrer, der die Post in die umliegenden Orte fuhr. Sein Sohn Karl, damals 18 Jahre alt, trug dann die Post zu Fuß von Selchow nach Kleinziethen. Nach dem Bau der Eisenbahnstrecke Berlin–Dresden fuhr die Postkutsche nur noch nach Mahlow. Später wurde die Verbindung ganz eingestellt. Ab 1914/18 wurde im Hause des Schneiders Stelldinger eine Poststelle eingerichtet. Ab 1960 wurde die Post mit einem Lieferwagen nach Selchow gebracht und vom Postboten ausgetragen. Der Kreis Königs Wusterhausen / Landkreis Dahme-Spreewald Der Kreis Königs Wusterhausen wurde im Zuge der Verwaltungsreform in der DDR gebildet. Der Kreis gehörte zum Bezirk Potsdam. Er wurde aus Orten des Kreises Teltow, Beeskow-Storkow, Fürstenwalde und Lübben gebildet. Die Kreisstadt Königs Wusterhausen hatte ca. 12.000 Einwohner und liegt nahe der Mündung der Notte in die Dahme. Im 18.Jh. entstand aus einer slawischen Burgsiedlung der Flecken Wendisch Wusterhausen, ab 1734 Königs Wusterhausen. Das Wahrzeichen des Kreises waren die Funktürme des Deutschlandsenders. Der Kreis bestand aus 4 Städten, 56 Landgemeinden und hatte eine Fläche von 723 km2 . Mit der Neugründung des Landes Brandenburg 1990 wurden ab 1992 die Kreise und Gemeinden durch Zusammenschlüsse neu gegliedert. Der Kreis Königs Wusterhausen und seine Gemeinden gehören seit 1993 zum Landkreis Dahme-Spreewald.

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Chronik der Gemeinde Selchow von der ersten urkundlichen Erwähnung 1242 bis zum Jahr 2012

Die Jahre 1242 bis 1932 Die Herkunft des Namens Der Name des Dorfes stammt von einem Personennamen, von Heinricus de Selchow. Da Selchow von Slaven besiedelt wurde, ist der Name wahrscheinlich von dem slawischen Namen „Zelichow“, „der den Frieden Begehrende“, herzuleiten oder auch vom Besitzdorf des Zelich.

Erste urkundliche Erwähnung und weitere Spuren aus dem Mittelalter Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1242 im Zusammenhang mit dem Namen Heinricus de Selchow. Die Markgrafen Johann I. und Otto III. übereigneten dem Kloster Lehnin Arendsee und Tribusdorf, Bredewich, Stolzenhagen, Neuendorf, Waltersdorf, Klosterfelde, Schönerlinde, Sommerfeld und Arnstorf bei Anwesenheit von Persönlichkeiten, darunter auch Heinricus de Selchow, der wahrscheinlich der Gründer von Selchow war. Die Urkunde befindet sich in der Übersetzung am Anfang der Chronik. 1338 war auf einer Schenkungsurkunde des Rates zu Cöln, die durch Markgraf Ludwig bestätigt wurde, als Zeugen genannt: u.a. die Knappen Johannes von Wachmestorp und Nicolaus von Selchow. 1372 erhält Wibold von Kummelitz die Lehnsherrschaft über 5 Hufe und eine Rente von Henning von Schönefeld in Selchow. 1373, am 29. August, wurde Selchow in das Landbuch Kaiser Karl IV. eingetragen. Im Text wurden Pacht- und Zinsforderungen für das Dorf festgestellt.

Die Schreibweise des Namens des Dorfes Selchow Die Schreibweise des Namens des Dorfes Selchow veränderte sich im Laufe der Jahrhunderte. Quelle: aus Beiträgen zur Namensfindung von H. Bielfeldt u. T. Witkowski, Bereich Sprachgeschichte des Zentralinstitutes für Sprachwissenschaft der Deutschen Akademie der Wissenschaften, Weimar 1972, Teil 3 von Gerhard Schlimpert. • 1242 de Selchow • 1373 in dem dorffe zu Selchow • 1375 Selchow, Selecho, Selechow, auch Selchow • 1450 Selchow (lt. Schoßregister) • 1480 Szelgow • 1564 Sellichow (lt. Bürgerbücher Cölln) - 14 -


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• 1624 Selchow (lt. Schoßkataster) • 1775 Selchow Zel-chow , Ort des Zel-ch Zelech – Zelislaw, gehört zu dem urslawischen Wort „zeleti“ und bedeutet wünschen, begehren. In der einschlägigen Literatur wird der Name Selchow mit „der den Frieden Begehrende“ übersetzt.

Flächenangaben zu Selchow 1858 1860 1900–1931 1955 1959

das Gut hatte 2.205 Morgen (Mg), 551 ha das Dorf hatte 1592 Mg = 398 ha davon waren 20 Mg Gehöfte, 37 Mg Gartenland, 1257 Mg Acker, 158 Mg Wiese und 120 Morgen Wald Das Gut hatte 2209 Mg = 442 ha davon 4 Mg Gehöfte, 43 Mg Gartenland, 1711 Mg Acker, 11 Mg Wiese, 101 Mg Weide und 239 Mg Wald das Dorf hatte 412 ha, das Gut 622 ha, insgesamt also 1.034 ha wurde 56,9 % der Landwirtschaftlichen Fläche von einem sozialistischen Betrieb (VEG) und 43,1 von Privatbetrieben bzw. Einzelbauernwirtschaften bewirtschaftet. wurden 309 ha von Privatbetrieben bewirtschaftet.

Entwicklung der Einwohnerzahl 1624 100 1734 181 1772 152 1775 280 1801 171 1817 167 1840 249 1856 289 1858 280 1871 404* 1875 392* 1800 438* 1885 415* 1890 439* 1895 473/497* 1900 507* 1905 545* 1910 587*, weitere Angabe: die Gemeinde hatte 309 Einwohner, das Gut 239 Bewohner 1918 284 im Dorf und 239 im Gut 1924 274 im Dorf 1925 514 1933 483 (514) 1939 485 (491) 1941 480 01.07.1945 565 30.10.1945 561 davon 377 ortsansässige Bürger und 182 aufgenommene Flüchtlinge 31.01.1946 565, davon 371 ortsansässige Bürger und 194 aufgenommene Flüchtlinge 19.02 1946 537, davon 376 ortsansässige Bürger und 161 aufgenommene Flüchtlinge 15.03.1946 545 01.04.1946 537, 220 Männer, 317 Frauen 15.04.1947 577 1959 650, 307 männliche und 343 weibliche Bewohner 1961 582 1964 522 1969 530 - 15 -


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1971 479 1985 386, 174 männliche und 212 weibliche Bewohner 1989 361, 165 männliche und 196 weibliche Bewohner Jeweils per 31.12.: 1990 352 1991 351 1992 343 1993 334 1994 332 1995 297 1996 315 1997 308 1998 295 1999 287 2000 284 2011 211 *Angaben aus der Chronik von Horst Haufschildt, 1962; andere Jahre: Angabe nach Fidicin; ab 1990: Angaben der Gemeinde Schönefeld

Landverteilung im Dorf und Beschreibungen des Dorfes Selchow wurde, nachdem die Slawen vertrieben waren, von deutschen Kolonisten besiedelt. Die Gründung erfolgte wahrscheinlich schon vor 1242, aus diesem Jahr stammt jedoch die erste urkundliche Erwähnung. Selchow wurde als Straßendorf angelegt, wurde aber auch als durch Gutsbildung deformiertes Straßendorf bezeichnet. Die Landverteilung in Selchow laut Schoßregister: a) Angaben aus dem Jahr 1480 • der Pfarrer hatte 2 Hufen • der Krüger hatte 8 Hufen • Hüfner Czurß 4 Hufen • Hüfner Linow 5 Hufen • Hüfner Mewes 4 Hufen • Hüfner Paul 3 Hufen • Hüfner Pluchmeister 5 Hufen Hüfner • Hüfner Schuler 2 Hufen • Hüfner Hans Wecker 5 Hufen • Hüfnerjunge Wecker 6 Hufen • ein wüster Hof mit 5 Hufen • 11 Hüfner mit 57 Hufen und 5 Kossäthen b) Angaben aus dem Jahr 1610 die Gutsherrschaft 5 freie Hufen, ohne Abgaben • der Pfarrer 2 Hufen • 2 Sechshüfner 12 Hufen • 1 Fünfhüfner 5 Hufen • 4Sechshüfner 24 Hufen • 4 Dreihüfner 12 Hufen • 11 Hüfner mit 53 Bauernhufen und 6 Kossäten Nach 14 Jahren hatte sich der Landbesitz zu Gunsten der Gutsherrschaft verschoben, von 5 Freihufen auf 22 Freihufen.

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c) Angaben aus dem Jahr 1624 die Gutsherrschaft 22 freie Hufen der Pfarrer 2 Hufen 8 Hüfner 36 Hufen und es gab 6 Kossäthen und einen Müller d) Angaben von 1801 Im Dorf gab es 26 Feuerstellen, 25 Haushalte, 10 Bauern, 6 Kossäthen, 9 andere Familien, insgesamt 171 Seelen. e) Angaben von 1856 Es waren vorhanden: 22 Wohnhäuser, 48 andere Gebäude, 7 Bauern, 6 Kossäthen, keine anderen Familien, 289 Seelen. Das Dorf gehörte zum Haus-Fidei- Commißgut der Hohenzollern, d.h. zum Sondervermögen der Königlichen Familie.

Beschreibung des Dorfes durch unterschiedliche Autoren im Zeitraum 1857 bis 2010 1857 beschrieb E. Fidicin, Archivar der Stadt Berlin, Selchow mit folgenden Worten: „Selchow ist ein zum Amte Königs Wusterhausen gehöriges Kirchdorf, 1 ½ Meilen nordöstlich von Mittenwalde, mit einem Vorwerk, dessen Besitzer Friedrich Schneider ist.“ 1905 schrieb Willy Spatz über Selchow: „...das Vorwerk Selchow zeichnet sich durch sehr schöne Eichen an Wiesen und in dem Garten aus.“ 1917 beschrieb Reinhold Jülichen in der Zeitschrift „Die Mark“ Märkischen Wanderungen durch die Teltowdörfer: „Von Kienitz ging es nach Waßmanndorf, wo man ‚teuerhaft‘ in der Wirtschaft speiste. Dann ging es die Chaussee entlang nach Selchow, wo man eine sehr alte Kirche mit einem Feldsteinturm, der im obersten Teil allseitig mit Bretten verkleidet war, sah. Da man beim Vorläuten war, konnten die Wanderer in die offene Kirchentür sehen und erblickten ein ansprechendes Innern, eine hübsch bemalte Empore, große alte Fahnen hinter dem Altar. An den Seiten trug der Altar, mit der Kanzel verbunden, nette Holzschnitzereien, seine Decke wurde mit 2 gewundenen Säulen getragen, die von blau- und gold-bemalten Weinranken mit dicken Trauben umfaßt waren. Nach der Besichtigung des Dorfes ging die Wandergruppe nach Rotzis.“ 1925 wurde Selchow im Adreßbuch beschrieben: „die 3 (6) Gutsteile wechselten in der Folgezeit häufig ihre Besitzer, von denen wohl die von Bardeleben den größten Einfluß ausübten, 1624 einen großen Teil des Hufenlandes aufgesogen hatten und sich lange nach dem 30jährigen Krieg hinaus, bis 1740, behaupteten. Den Bauern und Kossäten war es in dieser Zeit schlecht ergangen, Kaspar Mittelstraß war der einzige überlebende Bauer, und von den Kossäten hatten sich auch nur 2 auf ihren Höfen halten können“ ... „Zur Zeit der Franzosenherrschaft vor den Befreiungskriegen, als Preußen am Rande des Unterganges war, neben vielen anderen Gütern auch Selchow veräußert werden mußte, kam das Gelände 1811 an den ehemaligen Erbpächter Friedrich Schneider, 1890 erwarb die im Teltow bekannte Familie Neuhauß das prächtige Gut.“ 1929 schrieb die Zeitschrift „Heimat und Ferne“: „Trotzig blickt die in ihrem ältesten Teilen sicher aus der askanischen Kolonisierung des 13. Jh. stammende wehrhafte Kirche mit ihrem breiten Satteldach gekrönten Turm hernieder. Das Innere hat einen besonders formenreichen barocken Kanzelaltar von 1718 mit einem besonderen Schmuck“. 1932 wanderte eine Gruppe von Wildau nach Miersdorf, danach zur Selchower- Mittenwalder Chaussee zum Wustmarker Forst, zum Tollkrug, zum Bahnhof nach Groß Kienitz um sich dann die Freude zu gönnen, mit der Bimmelbahn nach Selchow zu fahren und mit dem Autobus zur Straßenbahn 27 nach Buckow-West zu fahren. Vor 1933 (Quelle unbekannt) wurde Selchow so beschrieben: „Selchow ist sehenswert durch seine aus schweren Granitquadern aufgeführte Kirche, mit einem reich geschnitzten Barockaltar und der Patronatsloge derer von Bardeleben und Thümen. In der Umgebung von Selchow und Rotzis liegt der Hünerberg, von dem die Sage erzählt, daß sich in seinem Innern ein gewaltiges Königsgrab befindet, in dem ein Steinwurf entfernt mit dem Müggelriesen gefallener Riesenkönig ruht, und zwar in einem goldenen Sarg, den man in einen silbernen stellte und ihn mit einem eisernen umgab.“ 1961 beschreibt der damalige Bürgermeister Wollschläger die Gemeinde Selchow für die Erarbeitung eines Strukturplanes wie folgt: „Die Gemeinde Selchow war eine Gemeinde ohne Industrie mit offener Bauweise

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und hat eine Einwohnerzahl von 600 Personen. Im Ort befindet sich das volkseigenes Gut mit 120 Beschäftigten einschließlich Lehrlingen. Alle Stallungen liegen zentral auf den Gutshof mit rund 750 Schweinen, 450 Rindern, 25 Pferden und 1.000 Stück Geflügel. Weiterhin sind in der individuellen Hauswirtschaft der Genossenschaft ‚12. März‘ 460 Schweine, 160 Rinder, 15 Pferde untergebracht. Das Gut ist in der Gemeinde der wichtigste Betrieb, dass geschlossen am Südausgang des Dorfes an der Straße nach Mittenwalde liegt. Die genossenschaftliche Viehhaltung besteht nur aus 20 Mastbullen in einem kleineren Stall. Die Löschwasserversorgung des Dorfes ist durch Tiefbrunnen gesichert; sie befinden sich in der Dorfstraße 21, vor dem Gebäude Mette und Bahnhofstraße, vor dem Gebäude der Poststelle und Dorfstraße vor dem Eingang des Gutes. Die einzige Fahrverbindung ist eine Busverbindung von Grünau nach Potsdam über Selchow. Eine Signalanlage ist nicht vorhanden. Es gibt ein Horn beim Gastwirt und beim Wehrleiter Blümke.“ Als 1979 Kurt Dombrowski erfuhr, daß S. Weise Daten über die Geschichte der Stadtgüter sammelte, übergab er ihr seine Notizen zur Geschichte von Selchow. In seinen Aufzeichnungen hieß es: „Selchow ist eine slawische Siedlung, deren Anfang in das 1. Jh. zurückreicht. Am Dorfplatz ist der slawische Rundling der Siedlungsform noch erkennbar. Der Name geht auf das slawische ‚Czilsche‘ zurück, was auf die Benennung für den Sitz bzw. die Anwesenheit eines Anführers oder Unterfürsten hinweist. Im 12. Jh. kam Selchow unter die Herrschaft der in Tempelhof sitzenden Tempelritter“. Die Quelle für diesen Abschnitt konnte nicht ermittelt werden. Weiter heißt es dann: „in der Mitte des 19. Jh. war das Gut im Besitz der Familie Schneider, durch verwandtschaftliche Bindung an den amtierenden Ortsgeistlichen wurde der größte und beste Teil des Gutsackers in den Besitz der Familie Schneider gebracht. Die Arbeiter auf dem Gut hatten miserable Löhne und schlechte Wohnungen. Der letzte Besitzer Neuhauss hatte den Ruf eines tüchtigen Landwirtes. Infolge von Erbauseinandersetzungen wurde das Gut 1927 an den Magistrat von Berlin verkauft. Ein Teil der Fläche wurde zu Rieselfeldern umgestaltet. Die administrative Leitung lag in den Händen eines Administrators. Im Selchow war der Administrator ein Freund des Oberbürgermeisters von Berlin, Bleß. Es zeichnete sich auch in Selchow eine Modernisierung ab, d.h. durch moderne Maschinen, Überholung der Wirtschaftsgebäude und Wohnungen. Im April 1945 marschierten Soldaten der Roten Armee in Selchow ein. Sie kamen aus Richtung der Schinderfichten. Die SS hatte sich ein paar Tage vorher in Selchow einquartiert, verließen aber schnell den Ort. In den ersten Monaten lag die Versorgung der Belegschaft in den Händen der Wirtschaftseinheit der Roten Armee. Eine Versorgungsküche wurde eingerichtet und jeder bekam seinen gerechten Anteil. Die erste Ernte wurde gemeinsam mit den Rotarmisten eingebracht und die Herbstbestellung organisiert. Die Ernte 1945 war bei Kartoffeln und Getreide mäßig, bei Futterpflanzen mangelhaft. Es machte sich der Raubbau während der Kriegsjahre bemerkbar. Am 1.1.1946 wurde das Gut dem Berliner Magistrat übergeben. Ohne die Soldaten zeigte sich der große Arbeitskräftemangel. Das Gut wurde von Marienfelde aus geleitet. Bis 1949 wechselten die Betriebsleiter sehr häufig zum Schaden des Gutes. 1953 wurde der Betrieb mit Investitionsmitteln für das Anlegen von Spargelfeldern, Obstplantagen und den Anbau von Gemüsekulturen versorgt“. 2010 wurde das Dorf im Schönefelder Gemeindeanzeiger von Frau A. Hypsier folgendermaßen beschrieben: „Selchow hat sich in den letzten Jahren sehr verändert. Es ist ruhig geworden. Seit 1990 hat Selchow ein Drittel seiner Einwohner verloren. Auf den Straßen trifft man nur Einheimische, es gibt keinen Durchgangsverkehr mehr. Das wird sich ändern, wenn der Flughafen im nächsten Jahr seinen Betrieb aufnimmt. Jetzt ist es staubig, dann wird es laut, das befürchten die Bürger und sind besorgt. Ein Teil der Bürger wurde umgesiedelt und die Verbliebenen wissen nicht, was genau auf sie zukommt. Das bringt natürlich Unruhe und Unsicherheit. Alfred Mann ist Ortsvorsteher in Selchow und kümmert sich um die Nöte und Sorgen seiner Einwohner. Er möchte, dass Selchow als lebenswerter Ortsteil erhalten wird.“ 1954: Helmut Gläser aus Königs Wusterhausen berichtete über seine Zeit in Selchow: (Kurzfassung des Briefes von Herrn Gläser an die Chronistin) „1954, ich war gerade 24 Jahre alt, wurde ich von der FDJ-Kreisleitung als Bürgermeisterkandidat für Selchow oder Rotberg vorgeschlagen. Da meine Familie in Neukölln wohnte, wählte ich Selchow, da es näher zur Familie war. Nach den Sommerferien begann meine Zeit als Bürgermeister in Selchow. Ich war zu dieser Zeit der jüngste Bürgermeister im Kreis König Wusterhausen. Ich wurde auf der ersten Sitzung der Gemeindevertreter zwar akzeptiert, aber nicht gewählt, konnte aber als Bürgermeister ungestört arbeiten und machte mich keiner Seite untertan. Die Gaststätte Lehmann war damals allgemeiner Treffpunkt der jungen Leute, mit denen ich guten Kontakt hatte, aber auch im Lehrlingswohnheim war ich oft, die Erzieher, Ausbilder und auch besonders Manfred Exner waren in meinem Alter und wir fanden viele Gemeinsamkeiten bei der Arbeit. Meine Kontakte zu den Bauern waren auch gut. In Selchow wohnte ich zuerst bei Bauer Blümel und danach beim Bauern Boss- 18 -


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ling am Dorfplatz.“ Helmut Gläser beschreibt das Dorf im Jahr 1954: „Das Dorf war zweigeteilt. Es gab das Volksgut, geleitet vom Direktor und der VVG, wo der Bürgermeister nichts zu sagen hatte und die Bauern, die vom Bürgermeister regiert wurden. Der Rest der Bevölkerung war ohne Bedeutung. In der Gemeindevertretung waren 50 % Bauern und 50 % Landarbeiter vom Gut. Zuerst war auch der Vorsitzende der Gemeindevertretung ein Mitarbeiter des Gutes. Das änderte sich aber bald, so war der Bürgermeister auch Vorsitzender der Gemeindevertretung. Bürgermeister Gläser veranlasste in seiner Amtszeit eine Busverbindung mit der Bushaltestelle am Ortseingang und viele Arbeitseinsätze.“ Eine Anekdote aus dieser Zeit; aufgeschrieben von Herrn Gläser: „Unter den 18 Bauern war einer der hieß Kiekebusch. Er kam im Gemeinderat vorbei und bestellte einen Traktor samt Gerät bei der MTS, was ich für ihn tat, da er kein Telefon hatte. Die Bestellung hieß für den Bauer Kiekebusch aus Selchow. Nach 2 Stunden war immer noch kein Traktorist da. Die Entschuldigung hieß, im Ort Kiekebusch gibt es keinen Bauer Selchow. Nach der Klärung der Verwechslung ging alles dann seinen geregelten Gang“. Herr Gläser wechselte 1957 als Heimleiter in das Lehrlingswohnheim der LPG Schönefeld.

Besiedlung und Besitzverhältnisse der Bewohner Dorf und Gut Selchow hatten äußerst komplizierte Besitzverhältnisse. Wenn man von 1242 bis 1740 die Eigentümer des Dorfes und Berechtigte von Abgaben zählt, kommt man auf eine stattliche Zahl von Namen. Das Dorf war im Besitz des Markgrafen, die Bede zahlten die Hüfner (Bauern). Ab 1375 zerfiel das Dorf erst in 3 Teile, dann in 6 Teile.

Die ersten umfangreichen Auskünfte über die Existenz eines Dorfes Selchow gibt die Eintragung am 29. August 1373 in das Landbuch Kaiser Karl IV. mit folgendem Text nach E. Fidicin, Stadtarchivar von Berlin: „Selchow habe 57 Hufe, wovon der Pfarrer 2 besitze. An Pacht hatten 17 Hufe jede 6 Scheffel Roggen, 3 Scheffel Gerste und 6 Scheffel Hafer zu entrichten und andere 9 Hufe ebensoviel, sie waren zur Zeit aber wüst. Von diesen 26 Hufen hatte der Markgraf ( Markgraf Wenzel aus dem Haus Luxenburg) die Bede (Steuern), welche zum Schlosse Wusterhausen gehörte, nämlich von jeder Hufe 1 Viert Roggen, 1 Viert Gerste und ½ Scheffel Hafer. Als Zins zahlten 10 Hufen jeglich 1 Schilling. Die übrigen Hufen hatten keine Bede zu entrichten. 2 Hufen zahlten der Ehefrau Kerstian Buschows zum Leibgedinge (Leibrente) 8 Schillinge als Pacht, Zins und Bede. Dieselbe Ehefrau hatte mit Einschluß obiger 26 Schillinge überhaupt 3 1/2 Stück Geldes und 6 Schilling als Leibgedinge. Es hieß, daß nach Ableben derselben diese Abgaben an den älteren Henning Schönfeld fallen solle. Kerstian und Henning der jüngere Schönfeld hatten 9 Hufen Pacht und Zins. Der ältere Henning Schönfeld hatten von 9 Hufen Pacht von; Herr Johannes Luckow von 3 Hufen 16 Scheffel Roggen; Dolewitz Pacht und Zins von 4 Hufen, Beteke (Dietrich) Dyrike von 4 Hufen die Pacht, Claus Selchow in Nauen von 6 Hufen, vom Merkgraf. Es waren 8 Kossäthen , welche theils Geld theils Hühner zu entrichten hatten. Der Krug gab nicht mehr als ein Huhn. Das obere Gericht hatten die vorgenannten Schonefeld, Dyrike und Selchow. Die Wagendienste gehörten zum Schlosse Wusterhausen, und von jedem Hause, mit Ausnahme der befreiten , wurden 5 Eier und 1 Huhn entrichtet. Freihufen oder ein Rittersitz waren nicht vorhanden und Vasallendienste waren nicht zu leisten.

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Die einzelnen Teile des Dorfes 1. Teil des Dorfes: Von 1242 bis vor 1375 war das Dorf Selchow im Besitz (Lehn) von Henricus de Selchow, wahrscheinlich war er der erste Kolonist in Selchow. Am 23.12.1338 war Nicolaus von Selchow Zeuge bei der Bestätigung einer Schenkung vom Rat zu Cöln für einen Altar in der Petrikirche durch Markgraf Ludwig. 1375 bis 1450 waren Selchow, Schönefeld und Dyrike im Besitz des Dorfes, sie waren Gerichtsherren. Bede und Wagendienst gehörten der Burg Wusterhausen. 1450 bis 1536 folgten von der Lype, Henning Strobant und Hoppenrade. Vor 1536 bis 1580 bekam der Bürger Mittelstraß zu Bernau Zins und Rente von 4 Hüfnern, dem Krüger, dem Küsterhof, ab 1551 auch von den Bardeleben aus dem 5. Teil des Dorfes. 1580–1589 war Guden (Göde) Eigentümer der Güter des Mittelstraß. 1589–1740 kam von Bardeleben in den Besitz der Güter von Guden, Trebbow und Bardnick. Er hatte zur Hälfte die obere und untere Gerichtsbarkeit sowie die Hälfte des Patronats. Er hatte einen freien Sitz mit 7 freien Hufen. Er besaß auch die Güter von Barfuß und die Einkünfte der von Liepe. 1740–1872 war Selchow im Besitz der Herrschaft König Wusterhausen. 1811–1859 war Schneider Erbpächter, dann Besitzer, ab 1859 Neuhaus. 2. Teil des Dorfes war in folgendem Besitz: Vor 1518: Peter Kettlitz, er war Hausvogt bei Kurfürst Joachim I. 1518–1589: Barfuß 1589: Bardeleben 3. Teil: Vor 1430 bis nach 1472: Bürger Bergholz zu Cölln Um 1518: Prüner 1519 bis 1554: Rademann Danach: Bardeleben 4. Teil: Vor 1450 bis 1710: von der Liepe 1710: die von Bardeleben 5. Teil: Vor 1450 bis 1544: Bürger Strobant aus Berlin 1544: Termo, Amtmann zum Mühlenhof 1545: von Bardeleben 6. Teil: 1451–1551: von Bardeleben 1551: Mittelstraß Fazit: Die Bardeleben waren während der Regierungszeit des Kurfürsten Johann Georg (1571 – 1598) im Besitz des ganzen Dorfes mit sämtlichen Abgaben der „Untersassen“ und der gutsherrlichen Rechte. Es war bereits ein Rittersitz vorhanden. Der Anfang wurde mit der schon zur Zeit des Kurfürsten Joachim II. bestandenen Schäferei gemacht, neben der ein Vorwerk aus eingezogenen Bauernhufen angelegt wurde. 1613 wurden 13 Hufen mit 2 Höfen freigewillt, 4 weitere Hufe wurden dem Gut noch beigefügt und 1616 auch freigewillt, d.h. von Abgaben befreit. Ab 1624 werden nur noch 36 schoßbare (grundsteuerpflichtige) Bauernhufe genannt; dagegen 22 herrschaftliche Freihufen, d.h. gegenüber dem Jahr 1480 wurden den Bauern 17 Hufen zu Ungunsten des bäuerlichen Besitzstandes vermindert. 1740 erwarb Friedrich Wilhelm I. das Dorf für 27.000 Taler vom letzten Besitzer Hans Christoph Bardeleben für die Herrschaft Wusterhausen. Das Vorwerk wurde abgezweigt und dem langjährigen Generalpächter Friedrich Schneider verpachtet und später verkauft.

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Entwicklung des Dorfes und des Gutes – soziale Struktur ab 1373 Selchow bis 1933 Eine Zeittafel Am 29.8.1373 wurde Selchow in das Landbuch Kaiser Karl IV. für die von Kummelitz eingetragen. Die Kummelitzer bekamen die Lehnsherrschaft auf 5 Hufen und eine Rente von Hennig von Schönefeld in Selchow. 1375 hatte das Dorf 57 Hufe, davon hatte der Pfarrer 2 Hufe, die Kirche in Selchow hatte 6 Hufe, 9 Hufe waren wüst. Der Krug und 8 Kossäthen verfügten über 40 Hufe. Gerichtsherren waren die von Schönefeld. 1430 hieß der Krüger Kulemey, ein Hüfner hieß Tewe. Beide leisteten lt. Urkunde vom 29.9.1430 Abgaben an den Cölner Bürger Benedictus Birckholtz. Der Name des Besitzers eines Grashofes war Lucas. 1440 verschrieb Markgraf Johann der ehelichen Hausfrau des Benedikt Birkholz, Margarete, die Abgaben, die dieser aus Selchow erhielt. Am 6.2.1440 gab Kurfürst Friedrich II. der Frau des Berliner Bürgers Krewitz Güter, Zinsen und Renten als Leibgedinge. Hans Krewitz war laut Lehnbrief im Genuss erheblicher Abgaben. Benedikt Birkholz besaß in Selchow 2/3 am halben oberen und unteren Gericht sowie vom Kirchlehen. Diese Einkünfte verschrieb Markgraf Johann der Ehefrau Margarete Birkholz. 1440 erhielt der Berliner Bürger Strobant vom Markgrafen die Belehnung mit 8 Stück Geld. 1450 waren 60 Hufe vorhanden, davon hatte der Pfarrer 2 Hufe, 2 ½ Hufe waren wüst. In Selchow lebten 4 Kossäten. 1451 wurden als Vasallen des Markgrafen Henning Strobant und Hoppenrade als die Lypener genannt. Aus dem gleichen Jahr wurde überliefert, das eine Mühle vorhanden war. 1472 erhielt Hans Krewitz vom Hofe des Lüdicke je 2 Wispel Roggen und Hafer. 1474 erhielten die Vettern von Liepe durch Markgraf Albrecht Achilles die Hälfte der oberen Gerichtsbarkeit und die Dienste und das Kirchenlehn als Lehen. 1480 hatte das Dorf 60 Hufe, davon hatte der Pfarrer 2 Hufe. Von 58 Hufen mussten Zinsen gezahlt werden. Es zahlten der Krüger, der Schulze und 10 Hüfner (Bauern). 5 Kossäthen lebten im Dorf. Namen der ansässigen Bauern waren Valtin Schuler, Jacob Wilken, Laurenz Linow, Junge Wecker, Vincetz Paul, Mattis Czurß, Hans Pluchmeister, Hans Wecker, Paul Mewes. 1536 wurde der Hof des von Bardeleben mit 8 Hufen und eine freie Schäferei erwähnt. Um 1542, wenn die Selchower nach Köpenick wollten, mussten sie ein „Brückenbrod“ an den Stadtdiener zahlen, der die Brücke öffnete und schloss. Das Einkommen des Stadtdieners setze sich aus Geld und Naturalien zusammen. 12 Selchower Bauern und Kossäthen zahlten jeder jährlich 1 Pfennig. Die Zahlung ergab sich daraus, dass einige Teltower Dörfer dem Amt Köpenick bzw. ihrer Gutsherrschaft unterstanden und Abgaben leisten mussten. 1564 zog der Zimmerer Laurentz Liedicke von Selchow nach Berlin. 1571 haben die Mittelstraß‘ einen freien Sitz mit 5 freien Hufen. Es gab eine Schäfereigerechtigkeit. 1587 zog der Leineweber Matthis Henick von Selchow nach Berlin. 1589 gab es den freien Sitz der Bardeleben mit 7 freien Hufen, die Schäfereigerechtigkeit, 12 Hüfner, darunter der Müller und der Krüger, 4 Kossäten, 1 Schmied, 1 Schneider und 1 Leineweber. Die Hüfner/Bauern hatten folgenden Besitz: 1 Bauern und der Krüger hatten einen Hof mit je 6 Hufen 3 Bauern hatten einen Hof mit je 5 Hufen 4 Bauern und der Müller hatten einen Hof mit je 4 Hufen 2 Bauern hatten einen Hof mit je 3 Hufen Im Dorf lebten 4 Kossäten, 1 Schmied, 1 Schneider und 1 Leineweber. 1605 verpflichtete sich Jacob von Bardeleben laut Vertrag der Stadt Berlin 10 Ohm blanken (weiß) und 1 Ohm roten Selchowischen Wein zu liefern. Der Weingarten lag an der heutigen Straße von Selchow nach Glasow auf dem Hügel (Weinhügel). 1608 wurde durch die Gutsherren eine Schäferei angelegt. Es wurden 13 und 4 bäuerliche Hufe ausgekauft (Nachweis von Bauernlegen). Die Witwe des Jakob Bardeleben erreichte 1613 und 1616, dass sie auf diese Hufe keine Steuern zahlen musste.

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1616 hatten die Hüfner folgenden Besitz: 6 Hüfner hatten einen Sechshufenhof 36 Hufe 1 Fünfhufenhof 5 Hufe 4 Dreihufenfhof 12 Hufe 53 Hufe Vor 1624 lebten in Selchow 12 Bauern und 6 Kossäthen. 1624 waren nach Fidicin die Hufen wie folgt aufgeteilt: die Gutsherrschaft hatte 22 freie Hufen der Pfarrer hatte 2 Hufen 8 Hüfner hatten 36 Hufen Gesamt: 60 Hufen 6 Kossäthen, 1 Müller und eine Mühle Die Anzahl der Bauernhufe verringerten sich bis 1624 zu Gunsten der Hufe für die Gutsherrschaft. Die Seelenzahl betrug 100. Es wurden 7 Bauernhöfe und 4 Kossäthenhöfe wüst. Es zogen 5 Wirthe nach Selchow. Der Frau von Bardeleben gehörten 2 Höfe und 17 freie Hufen. 1632 lebte in Selchow ( „Heimat und Ferne“ Nr. 10 von 1935) folgende männliche Bevölkerung: Peter Rahne, Schulze in Selchow, stammt aus Kleinziethen, 30 Jahre • Hanß Zach, dessen Knecht, von Klein-Krußnick aus dem Wendischen, 20 Jahre • Friedrich Nagell, von Stanßdorf unter Otto von Hake, 60 Jahre • Martin Nagell, auch dessen Sohn, 22 Jahre • Peter Nagell, auch dessen Sohn, 20 Jahre • Caspar Mittelstraß, alhier bürtig, 43 Jahre • Gurge Schlauß, dessen Stiefsohn, 17 Jahre, Cossäth • Martin Ullrich, von Ragow, 32 Jahre • Gurge Bühne, sein Dienstjunge, alhie geboren, 16 Jahre • Burchardt Nagell, von Stanßdorf unter Otto von Hake, 57 Jahre • Jurge Bernow von Waßmannsdorf unter Manaße von Schlabberndorf, 54 Jahre • Hanß Schmedecke, alhie bürtig, 57 Jahre • Bartel Schmedecke, von Roceß, 30 Jahre • Michel Schmedecke, von Roceß, 44 Jahre Während des 30jährigen Krieges wurden 11 Bauernhöfe und 4 Kossäthenhöfe wüst. Nach 1624 waren 6 Hofbesitzer von außerhalb zugezogen. 1641 tobte der 30jährige Krieg bereits 23 Jahre. Auch die Ortschaften des Teltows waren durch den Krieg betroffen. Durch Plünderungen und Brände wurden nicht nur die Bewohner direkt betroffen, sondern auch die Gründungsurkunden der Dörfer und die Kirchenbücher vernichtet. 1641 wurden in den Dörfern 1.500 Stück Vieh und sämtliche Vorräte geplündert. Da die Söldnerscharen oft keinen Sold erhielten, plünderten sie die Bevölkerung aus. In Selchow ritten Söldner der Kompanie des Oberleutnants Goldacker während des Gottesdienstes zum Plündern in die Kirche. Das Ende des 30jährigen Krieges 1648 erlebte nur einer von 8 Hüfnern (Bauern). 7 Bauernhöfe und 4 Kossäthenstellen waren wüst. 1652 berichtete der Teltowische Landreiter: Um 1652 waren nur 3 Hüfnerstellen und 6 Kossäthenstellen wieder besetzt worden. Das waren der Selchower Bauer Casper Mittelstraß, der Schulze Peter Rahme (Nehme) aus Kleinziethen und der Bauer Friedrich Nagel aus Stahnsdorf mir seinem 17jährigen Sohn. Weiterhin waren 6 Kossäthen mit einem Jungen wieder im Dorf, davon waren nur 2 aus Selchow: Hanß und Michel Schmedicke. Die anderen Kossäthen kamen von außerhalb und hießen Burchardt Nagell, Gurge Bernow, Bartel Schmedicke und Martin Ullrich. Um 1653 wird im Kirchenbuch als Vogt in Selchow Christof Dunker genannt. Um 1659 war Petrus Krüger Schulze in Selchow. Er heiratete am 16.1.1659 die Tochter des Vogts, Elise Walter. 1701 zog der Schneider Theophilius Schönejahn von Selchow nach Berlin. 1702 Folgende Flurnamen aus dem Kontributionsregister wurden überliefert: Großes Feld; Birkholzfeld: Gehre (Gerste) beim großen Feld, ist Beiland; Larchen Feld: von Lauch, Niederland, hohe Stück von Weingarten, Bergstett, Schump Plörde, Viehwit Berg, Krumme Stück, Seepkow. - 22 -


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1703 zog der Tagelöhner Georg Schmäcke nach Berlin. 1711 wurden 36 Hufe auf der Abgabenliste registriert. Im Dorf waren 4 Hüfner, 4 Kossäthen, ein Schmied, 1 Hirte, ein Schäfer, der Großknecht, der Kleinknecht und der Müller. 1740 nach dem Tode Hans Christoph Bardelebens, 1738, erwarb Friedrich Wilhelm I. das Dorf für 25.000 Taler und legte das es zur Herrschaft Wusterhausen. 1743 wurde Petrus Krüger, Schulze in Selchow, begraben. Sein Vater war Christoph Krüger. Dorothea Krüger war verheiratet mit dem Bauern Peter Kiekebusch. 1745 lebten im Dorf 7 Bauern und 6 Kossäthen. Das Dorf hatte 1 Krug, 1 Windmühle und das Vorwerk/Gut. 1750 wurde das Herrenhaus in Selchow erbaut. 1771 hatte das Dorf 36 und das Gut 25 Hufe. In Selchow gab es 12 Giebel, 26 Feuerstellen. Im Dorf lebten der Müller, der Schmied, der Hirte, 3 Paar Hausleute, der Schäfer, der Großknecht und der Kleinknecht. 1775 war die Domäne Selchow unter Friedrich II. an Böckel, einstmals Forstmeister in Hinterpommern, verpachtet. 1775 fand im Selchower Herrenhaus die Hochzeit der Großmutter von Fürst Otto von Bismarck statt. Sie war eine geborene Johanna Elisabeth Böckel und heiratete den Leiter einer Tabaksfabrik zu Potsdam, Pierre Schock. Er starb früh und Bismarcks Großmutter heiratete den Kabinettssekretär Menken, den Großvater von Bismarck. In diesem Jahr zählte das Dorf 280 Einwohner. Es gab 59 Pferde, 144 Rinder und 1010 Schafe. Es wurden 366 Taler Grundsteuer und 7 Taler Gewerbesteuer gezahlt. Im Dorf lebte ein Schmied, das Dorf hatte einen Krug und eine Windmühle. 1783 fielen 4 Bauern dem Bauernlegen zum Opfer. 1800 lag die gutsherrliche Gerechtsame bei der Herrschaft Wusterhausen. Selchow hatte 171 Einwohner mit 25 Haushaltungen, davon waren 10 Bauern und 6 Kossäthen, es gab 26 Feuerstellen. 1801 nennt die Statistik 26 Hufe und 25 Hufe. Das Dorf hatte 10 Ganzbauern, 6 Ganzkossäten, 2 Büdner, 4 Einlieger, 3 andere Familien, insgesamt lebten in Selchow 171 Seelen. Es gab eine Schmiede, einen Krug und eine Windmühle. Der Amtssitz befand sich auf den Vorwerk/Gut. 1805 wohnten in Dorf und „Amtsitzvorwerk“ 10 Ganzbauern, 6 Ganzkossäthen, 2 Büdner und 4 Einlieger, insgesamt 171 Menschen. Die Selchower zahlten 207 Taler und 11 Groschen Steuern, 104 Taler Kavalleriegeld, 15 Taler und 8 Groschen Kriegs- und Metzkorngeld. 1806 begann die Herausbildung der Guts- und Gemeindebezirke. Die Güter und Gemeinden bekamen eine besondere öffentlich-rechtliche Stellung, nachdem die Gutsuntertänigkeit gesetzlich aufgehoben worden war. 1807 wurde der freie Gebrauch des Grundeigentums geregelt. Ab 29.5.1810 erhielten die Bauern die Höfe als Eigentum. Sie zahlten das 25fache der auf den Flurstücken stehenden Abgaben. 1811 wurde das Gut Eigentum der Familie Friedrich Schneider, ehemalige Erbpächter des Gutes. Die Gutsherrschaft Königs Wusterhausen und das Domänenamt Selchow wurden aufgelöst. 1811/1812 wurden im Amtsblatt der königlichen churmärkischen Regierung viele Neuerungen bekanntgegeben, wie z.B.: Am 28.10.1810 wurde bekannt gegeben, dass die bisherige Generalpacht des Domänenamtes Zossen, Königs Wusterhausen und Selchow aufgelöst wurde. Jedes bisherige Amt bekam einen eigenen Etat und behielt seinen Namen. Die Zahlungen und Akten und alle Angelegenheiten wurden an den Regierungsassessor Decker gegeben, mit Wohnsitz in Zossen. Er löste auch den damaligen Actuarius Rötsch als Gerichtsschreiber ab. Es wurde eine Verordnung zur Vorbeugung gegen Milzbrand erlassen. Für Brennereien wurde ein Brennbuch eingeführt, „für die Nachweisung des gestatteten Branntweinbrennens aus „Erdtoffeln“ und für die Festsetzung des Zinses für den Destillateurs.“ Die Maße bekamen einheitliche Festlegungen: 1.000 Metres sind gleich 1.498 Berliner Ellen oder 1.736 Breslauer Ellen oder 3.186 Rheinländische Ellen 1.000 Hecktolitres sind gleich 1.827 ½ Berliner Scheffel oder 1.351 ½ Breslauer Scheffel Die Berichte über die Landschulen hatten folgende Angaben zu enthalten: • Hatten sich das Schulhaus, die Schulutensilien und Lehrer verbessert? • Wie benimmt sich der Schulvorstand gegenüber der Schule? • Ist der Lehrapparat vollständig? • Zeigt die Gemeinde Interesse an der Schule? • Macht die Ausbildung der Lehrer Fortschritte? - 23 -


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• Wurden die Lehrmethoden verbessert? • Wie ist die Disziplin? • Welche Mängel gibt es? Die Schule in Selchow wurde im April 1810 nach diesem Muster visitiert. 1811 wurden die ersten Chausseen gebaut, die die einzelnen „Landschaften“ verbinden sollten. Beim Bau der Chaussee Mittenwalde-Baruth verzichtete die Gemeinde Selchow auf Grundstücksentschädigungen, machte aber kein Angebot auf freiwillige Leistungen. 1817 veröffentlichte das Amtsblatt des Regierungsbezirkes Potsdam die Geschenke an Kirchen und Schulen. Die Kirche in Selchow erhielt vom Gutsbesitzer Schneider, dem Prediger und der Gemeinde eine hellblaue Atlasdecke auf Altar und Altarlehnen, sowie auf das Kanzelpult, desgleichen eine weiße Decke. Vom Kaufmann Karl Lange kam ein gläserner Kronleuchter. Der Müllermeister mit Namen „Eylenfeld“ beabsichtigte in Selchow einen Acker zu kaufen. 1822 hatte Selchow eine Rentei- und Polizeiverwaltung, die im gleichen Jahr mit den Verwaltungen von Königs Wusterhausen, Machnow und Gallun zu einem Amt vereinigt wurde und den Sitz in Königs Wusterhausen nahm. Rentbeamter (Kassenverwalter)war der Forstrendant Klezschke. Auch die Forstkasse blieb unter seiner Verwaltung. 1830 wurde im Amtsblatt der Regierung Potsdam veröffentlicht, dass auf Grund von Pferdediebstählen verordnet wurde, dass Atteste über den Pferdebesitz weder der Dorfschulze, das Dorfgericht oder die Dorfgeschworenen ausstellen dürfen, sondern nur die Polizeibehörde. 1831 brach in Preußen die asiatische Cholera aus. Es wurde eine Durchgangssperre wegen der Cholera durch die Orte verhängt, die im September 1831 wieder aufgehoben wurde. Am 5.7.1831 wurde folgende Anordnung erlassen: „Leute, die moralisch unwürdig sind, nicht im stehenden Heer dienen dürfen, müssen dafür Arbeit in einer besonderen Abteilung leisten“. 1831 erfolgte noch der Huldigungseid der bäuerlichen Grundherren an den König mit folgenden Worten: „Ich schwöre, daß ich den König unterstütze, treu und gehorsam bin, Gesetze befolge und zum Wohl des Staates wirke“. 16.1.1835 bestätigten die Gemeindevertreter die Abgaben in Naturalien an den Pfarrer. Gemeindevertreter waren der Bauer Rochow als Kirchenvorstand, der Bauer Johann Wilhelm Voigt und der Prediger Carl Eduard Krause, Pfarrer in Selchow. 1840 hatten das Dorf und das Gut zusammen 27 Wohnhäuser. 1844 wurde die Gastwirtschaft der Familie Krope erwähnt. 1848 wurde in einer Akte der Gemeinde (KW 37, Nr. 1038) Selchow folgendes festgehalten: „Auf Verlangen des Königlichen Fidei-Kommiß haben wir im Januar zum Abschluß der ‚Enterprize Contraites‘ als Bevollmächtigte den Gerichtsmann Gotthelf Sauerwald, auch Mitglied des Schulvorstandes, den Bauer Michael Lobeth, den Gerichtsmann Carl Spiegel gewählt.“ Unterschrieben hatte der Rittergutsbesitzer Schneider. Frei unterschrieben hatten: Lobeth, G. Sauerwald, Michael Lobeth, auch Schulvorstand, Christoph Lobeth, Michael Sauerwald, Kitzing, auch Mitglied des Schulvorstandes. Mit Handzeichen stimmten der Bauer Schultze, Kossäth F… (unleserlich wahrscheinlich Fietze) und Wilhelm Lobeth zu. Ebenfalls anwesend war Friedrich Kiekebusch als Bevollmächtigter des Kirchenverbandes und Dorfschulze. 1848 pachteten der Krüger Krope und der Bauer Lobeth von der königlichen Hofkammer Straßenland an der Dorfstraße zum Bau eines Stalls bzw. von einem Wohnhaus. 1850 waren die Marktfahrten der Selchower Bauern, die ihr Frühgemüse in die Stadt brachten, zu einem abenteuerlichen Unternehmen über sehr schlechte Wege geworden. Man fuhr in Kolonne, an der Spitze fuhr der Gastwirt, der oft auch Bauer war. Aus den Ereignissen dieser Fahrten entstand die Sage vom „Bunten Kalb“ in Selchow. 1853 war der Rittergutsbesitzer Schneider im Besitz der Windmühle zu Selchow. Für diese Windmühle haftete auf dem Königs Wusterhausener Forst eine Laubholzlieferung für die Schule von Selchow. Durch einen Rezeß, d.h. einer juristischen Verhandlung am 1.7.1853 über die Ablösung dieser Verpflichtung, wurde mit dem Oberförster Mesow der königlichen Familiengüter und Schneider verhandelt, mit dem Ergebnis, das der Rittergutsbesitzer für die Aufgabe der Laubholzlieferung an ihn eine Abfindung von 600 Talern erhielt. 1853 waren August Lobeth, Carl Bossling und Johann Friedrich Bossling Schmiedemeister in Selchow. 1855 erfolgte die Ablösung der gegenseitigen Lasten zwischen dem Schmiedemeister Johann Friedrich Bossling und den Bauern. Zu dieser Zeit war der Bauer August Kiekebusch Dorfschulze in Selchow. - 24 -


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Die Bezahlung der Leistung des Schmiedes durch die Bauern erfolgte durch „Schärfkorn“ (Korn für das Schärfen der Geräte). Gezahlt wurde jeweils zu Martini. Man zahlte aber auch durch Transportleistungen. Nach der Ablösung wurde die Leistung der Einzelnen mit Geld vergütet. Das galt auch für den Gutsherren. 1856 erfolgte die Ablösung des Schulholzgeldes für den Lehrer. Das Holzgeld war ein Teil des Lohnes von den Bauern für den Lehrer. Das Protokoll dazu unterschrieben der Rittergutsbesitzer Schneider, der Rittergutsbesitzer Heydemann aus Diepensee, weiterhin Pfarrer Wapler, Küster und Lehrer Ziegenhirt, der Schulze Kiekebusch, Kossäth und Schulvorstand Spiegel, die Bauern Michael Lobeth, Karl Sauerwald und Friedrich Hansche sowie die Kossäthen Christof Sauerwald und Wilhelm Sauerwald. 1858 gab es im Dorf 13 Hofeigentümer mit 25 Knechten und Mägden, 6 nebengewerbliche Landwirte und 1 Arbeiter. Die 19 Besitzungen teilten sich wie folgt auf: 13 von 30 bis 300 Morgen = 1537 Morgen 3 von 5 bis 30 Morgen = 27 Morgen 3 unter 5 Morgen = 8 Morgen Als Handwerker im Dorf waren anwesend 1 Schneidermeister und Büdner aus der Familie Lobeth, 1 Zimmergeselle mit Namen G. Tismer, 1 Maurergeselle,1 Grobschmiedemeister und 3 Gesellen, 1 Krüger, 1 Rentier, 2 Arme. 1858 war Schneider der Gutseigentümer mit 18 Knechten und Mägden und 90 Tagelöhnern. Das Gut hatte 2205 Morgen. 1860 war der Großgrundbesitz im Besitz des Haus-Fideikommiß, die Polizeigewalt lag beim Amt Königs Wusterhausen. Das Dorf hatte 3 öffentliche Gebäude, 21 Wohn- und 42 Wirtschaftsgebäude. Das Gut hatte 8 Wohn- und 30 Wirtschaftsgebäude, darunter eine Getreidemühle, die dem Müller Wernitz gehörte, Selchow hatte 280 Einwohner. Es gab 59 Pferde, 144 Stück Rindvieh, 1010 Schafe. An Steuern wurde gezahlt: 366 Taler Grundsteuer, 220 Taler Klassensteuer, 7 Taler Gewerbesteuer.

Bis 1862 war Carl Bossling Schmiedemeister, Nachfolger war sein Schwiegersohn Pusch, Ehegatte der Tochter Luise. 1866 hatten die Dorfbewohner lt. Viehzählung, veröffentlicht im Amtsblatt, 52 Pferde und 155 Rinder. Im März 1868 wurde zwischen dem Rentmeister der königlichen Güter, Brückert, und 6 Bauern aus Selchow ein Pachtvertrag auf 50 Jahre, vom 1.1.1868 bis 31.12.1917, abgeschlossen. Der Vertrag beinhaltet, dass die Bauern als Pächter auf der Pachtfläche nur Vorgärten anlegen dürfen, die mit einem Zaun umgeben werden müssen. Auf dem Pachtland durfte kein Gebäude errichtet werden. Die Grundstücke lagen an der Dorfstraße. In amtlichen Angelegenheiten wurde die Gemeinde Selchow durch den Bauern und Dorfschulzen Friedrich August Kiekebusch, den Bauern und Gerichtsmann Ludwig Michael Lobeth, den Bauern Carl August Sauerwald, den Bauern Paul Sauerwald, den Kossäth August Schramm, den Büdnern Wilhelm Hahn und Friedrich Beschedsnick vertreten. 1869 stellten sich der Rittergutsbesitzer Neuhauß, der Kossätengutsbesitzer Spiegel und der Schulze Kiekebusch zur Wahl als Abgeordnete des Reichstages des Norddeutschen Bundes. Zum Mitglied des Hauses der Abgeordneten wurde am 19.4.1869 der Kossätengutsbesitzer Spiegel gewählt. Am 31.7.1869 brannte in Selchow eine Scheune ab, dabei starben die Dienstmagd Wilhelmine Schalke und der Arbeiter Boddin. Ab 21.6.1869 gab es für den Norddeutschen Bund eine neue Gewerbeordnung. Der Norddeutsche Bund, dem 22 Staaten angehörten, existierte von 1866 bis 1871 und war ein Vorläufer des Deutschen Reiches. 1870 wurde die Straße zwischen Selchow und Kleinziethen gepflastert. 1870 berichtete das Teltower Kreisblatt über Selchow. Landrat im Kreis Teltow war 1862 bis 1870 Freiherr Ernst von Gayl. Als sein Nachfolger wurde 1870 Prinz Hardjery genannt. Die Gemeinde hatte für die Landratswahl 395 Wähler. - 25 -


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Selchow: historische Ansicht mit Mühle

Prinz Handjery erhielt aus Selchow ein öffentliches Willkommen durch den Schulzen Kiekebusch, die Gemeinde wurde vertreten durch die Kossäthen L. Spiegel, W. Sauerwald und Christian Sauerwald, durch Frl. Lobeth, Heinrich Hansche, A. Lobeth, Carl Sauerwald, M. Lobeth, Gastwirt Krope, Schramm und Hahn. Im März 1870 wurde durch den Landrat die Pockenschutzimpfung angeordnet. 1871 spendeten Gutsbesitzer Neuhauß und Kossäth Spiegel, Ortsvorsteher in Selchow, jeweils 5 Taler für die Empfangsfeierlichkeiten des Teltower Landwehrbataillons. Nach 1871 wurde Max Wernitz als Besitzer der Mühle erwähnt. Er war auch Gemeindevertreter. Die Mühle bestand wahrscheinlich bis 1900. Max Wernitz wurde bis 1925 als Landwirt in der Sternstraße 2 im Adressbuch erwähnt. Noch 1944 war er Jagdlandverpächter. 1871 wurde auch das Kaufhaus von Hans Lang erwähnt. 1872 wurde die Polizei nicht mehr vom Haus-Fideikommiß-Amt Königs Wusterhausen verwaltet. Die Beziehungen zu Königs Wusterhausen lösten sich auf. 1874 werden August Hagen als Amtsmeier und Amtskutscher und Friedrich Markert als Amtskutscher erwähnt. 1875 wurde der Arbeiter Knobba von der Gemeinde zum Nachtwächter ernannt. Es erfolgte die Ablösung der Lieferung von Schärfkorn zwischen dem Schmied und dem Gutsbesitzer. 1876 errichtete Schlächtermeister Stechert in Selchow eine Fleischerei. Er übte auch das Amt des Schulvorstandes aus. Folgende Annonce stand am 22.7.1876 im Teltower Kreisblatt:

Bekanntmachung Der Schlächtermeister Stechert beabsichtigt auf seinem zu Selchow belegenen, im Grundbuch von Selchow ,Vol. III.No 10, verzeichneten Grundstücke nach Maßgabe der eingereichten Zeichnungen und Beschreibungen eine Schlächterei zu errichten. Dieses Vorgaben bringe ich hierdurch mit der Aufforderung zur öffentlichen Kenntnis, etwaige Einwendungen gegen dasselbe binnen 14 Tage bei mir anzubringen. Nach Ablauf dieser Frist können Einwendungen in dem Verfahren nicht mehr angebracht werden. Die Zeichnungen und Beschreibungen liegen während der Dienststunden in meinem Bureau hierselbst, Mattaikirchstraße Nr. 21 zur Einsicht aus. Berlin, 20.7.1876 Der Königliche Landrath des Teltw´schen Kreises Prinz Handjery.

1877/1878 wurden auf dem Acker des Bauerngutsbesitzer Carl Lobeth durch August Schramm Ziegel gebrannt. - 26 -


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Ein besonderes Ereignis in Selchow Im Jahr 1877, in der vorletzten Februarwoche, 2000 Schritt vom Dorf entfernt, beim Umgraben eines sich vom Norden nach Süden erstreckenden Hügels, auch Hünengrab genannt, kamen Totenurnen zum Vorschein. Nach bekannt werden des Fundes veranlasste von Neuhauß, Gutsbesitzer in Selchow, die Ausgrabungen, die sein Sohn Richard Neuhauß daraufhin überwachte. In der Zeitschrift „Der Bär“ von 1878 wurde folgender Bericht vom 15.4.1877 von Richard Neuhauß veröffentlicht: „Es waren knochenführende Urnen, mehr als hundert. Nur in die Erde gebettet, waren sie mit dem oberen Rand oft kaum 2 dcm von der Oberfläche entfernt. 54 alte Brandstellen bezeichneten die Plätze, wo sie sich vorfanden. Die Urnen waren roh gearbeitet, einige innen und außen geglättet, teilweise durch Striche und erbsenartige Vertiefungen verziert. Die Mehrzahl zerfielen, die anderen zerschlugen die Arbeiter, weil sie Geld vermuteten. Das größte zerschlagende Gefäß hatte ein Durchmesser von 45 cm. 6 Urnen wurden gerettet. Sie enthielten Menschenknochen, Eisen- und Bronzegerät und Bruchstücke von Tränennäpfen. Ein zehnjähriges Kind war in einer verzierten Urne. Weiterhin fand man: 1 Steinbeil mit Bohrungen, 1 weiteres Steinbeil, 1 Bronzering ging entzwei. Im zweiten Teil des Hünengrabes fand man große Mengen Scherben. Man fand Steine und Feuersteinsplitter. Es waren flache Töpfe zum täglichen Gebrauch. Die Wirkung des Feuers war zu erkennen. Man konnte aus den Scherben eine kleine zierliche Schale und ein großes dickwandiges Gefäß herstellen. 2 Zähne und Knochensplitter von Kindern kamen zum Vorschein. Es wurden 16 Scherbenhaufen gefunden. An der Stelle des Hünengrabes ist der Boden nicht angeschwemmt oder durch Flugsand erhöht. Es war eine Brandstätte (Brandbestattung). Es wurden Vertiefungen gegraben. Die gefundene Kohle war von Laubholz, Eiche. 1878 fand man in der Nähe des Hünenberges, beim Ausbaggern eines Pfuhls, einen versunkenen Eichenwald“. Nachtrag Die Verbrennung fand an einem dazu bestimmten Platz statt. Die ausgeglühten, zerkleinerten Gebeine wurden gesammelt und mit einem Teil der Holzasche des Scheiterhaufens nach der Beisetzungsstelle gebracht. In die Urne wurden die Knochen und die Schädelknochen nach oben gelegt und mit Brandresten aufgefüllt .Die Urne wurde mit Erde umhüllt. Man vermied bei der Beisetzung andere Urnen zu beschädigen. Die Urnenstellen wurden mit der Zeit unkenntlich. Der Urnenplatz deutete auf Wohnplätze oder Feuerungsanlagen hin. Man fand geschliffene Werkzeuge. Auf dem Friedhof standen „gemeine“ Kiefern. Die Funde aus Selchow befinden sich im Königlichen Museum in Berlin und dem Märkischen Museum. Zu erwähnen sind 2 Steinbeile und eine Fibula mit durch Rost unkenntlicher Verzierung.

30.7.1878 erfolgte ein Aufruf an die Wähler zum Reichstag. Die Wähler von Selchow, waren im Teltower Kreisblatt aufgeführt. Es waren: Wapler, Hansche, W. Sauerwald, A. Punch, Christ. Sauerwald, August Mertens, Carl Sauerwald, Ferdinant Hansche, A. Schramm, A. Lobeth, F. Schulze, Friedrich Lobeth, Friedrich Stechert, F. Kitzing, Hahn, Krause, W. Grabow, C. Bossling, J. Wernitz, C. Miers, A. Kitzing und Beschebsnick. 1878 wurde von den Gemeinden Selchow und Waßmannsdorf festgelegt, dass beim Ausbruch einer Tierseuche für die Einleitung entsprechender Maßnahmen der Bauer Lehne aus Waßmannsdorf verantwortlich war. 1880 war der Gemeindevorsteher Spiegel der Vertrauensmann des Teltower Kreisvereins. In seiner Funktion als Gemeindevorsteher war er auch Jagdvorsteher der Gemeinde. In dieser Funktion wurde durch ihn veröffentlicht: „Ca. 1.600 Morgen, Acker, Wiese, Busch, Heide und Gräben wurden ab 1.8.1880 zur Neuverpachtung angeboten. In der Annonce hieß es: Zur anderweitigen öffentlichen meist derselben auf 6 hintereinander folgenden Jahre habe ich einen Termin auf Montag den 2.8. nachmittags 2 Uhr im Gasthof der Frau Witwe Krope, hierselbst anberaumt. Zu welchem Pachtfreudige hiermit eingeladen werden. Die Bedingungen werden im Termin bekannt gemacht. Das Jagdterrain ist in 1 1/2 Stunden von Berlin per Chaussee und in 20 Minuten vom Bahnhof Mahlow zu erreichen. Selchow, den 19.7.1880, der Gemeindevorsteher Spiegel.“ 1881 wurde im Amtsblatt der Regierung Potsdam, Abt. Inneres veröffentlicht, dass ein toller Hund, dessen Eigentümer nicht ermittelt wurde, am 1.1.1881 in Selchow getötet wurde. Am 14.9.1882 erhielt die Gemeinde auf Anordnung des Kaiserlichen Postdirektors Tybusch eine Postagentur. Ab 5.12.1882 war auf dem Gute in Selchow die Maul- und Klauenseuche (MKS) erloschen. 1887 besuchte der Landwirtschaftsminister des Landes Brandenburg die Bauern in Selchow. Es gründete sich der Männergesangsverein. - 27 -


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1888 wurde das einjährige Bestehen des Männergesangvereins gefeiert. Der Kossäth August Kitzing versteigerte das Inventar seines Kossäthengutes. Aus einer unvollständigen topographischen Akte waren folgende Grundstückseigentümer aus dem Jahr 1888 zu ersehen: Waldemar Lobeth Nr. 9, Gerhard Hansche Nr. 19. 1889 ließ sich in Selchow Frau Marie Noak als Hebamme nieder. Rittergutsbesitzer Neuhauss wurde zum Amtsvorsteher ernannt. Das Amt Selchow bestand aus den Gemeinden Waßmannsdorf und Selchow. Das Gut wurde durch seinen Besitzer zum Spezialbetrieb für Kartoffeln und Hafer entwickelt. Neuhauss ließ die Dorfstraße mit auf den Feldern gesammelten Steinen pflastern. Der Arbeiter Robert Stephan wurde zum Nachtwächter ernannt Am 2.8.1891 wurden die Einwohner von Selchow vom Gastwirt Krope zu einer großen Tanzund Musikveranstaltung eingeladen. Für die Jugend gab es ein großes Sternschießen. 1891/1892 beinhaltete ein Bericht des Regierungsbezirkes Potsdam folgende Ausgaben über die Das Geschäft von Otto Bossling in Selchow Landgemeinde Selchow: Kostenposition RM Gemeindeverwaltung 455,47 Polizei u. Standesamt 193,97 Schulwesen 418,50 Kirchhofverwaltung 0 Armenverwaltung 37,50 Bauten und Wege 6,15 Feuerwehr 7,50 sonstige Kosten 72,29 einmalige Kosten 1.436,55 gesamt 3.889,98 Die Einkommenssteuerliste von Selchow wurde von dem Gemeindevorsteher Schuck aus Waßmannsdorf und die Einkommensteuerliste von Waßmannsdorf wurde von dem Gemeindevorsteher aus Selchow Spiegel erarbeitet. Die Gemeinde hatte 273 Einwohner. Der Amtsvorsteher war G. H. Neuhauß mit Wohnung in Selchow. Selchow war auch Standesamtsbezirk, Standesbeamter war Kiekebusch aus Selchow. Der Superintendent aus Königs Wusterhausen war Kreisschulinspektor, Lokalschulinspektorin für Selchow war der Pfarrer aus Selchow. Für die Selchower war das Amtsgericht und das Katasteramt in Berlin II zuständig. Die Bauern in der Gemeinde hatten 53 Pferde, dafür mussten sie 3,60 M Steuern an die Landeskasse zahlen. Darüber hinaus hatte jeder Bauer 0,11 M Hebegebühren zu entrichten. Der Rittergutsbesitzer Neuhauß aus Selchow war Mitglied der Wegekommission und verantwortlich für die Gemeinden Selchow, Großziethen, Kleinziethen, Glasow, Waßmannsdorf und Groß Kienitz. 1892 wurde das Farbengeschäft von Otto Bossling eröffnet. Schmiedemeister Carl Bossling wurde zum Schöffen und August Kiekebusch wiederum zum Standesbeamten ernannt. 1893 wurde Rittergutsbesitzer und Leutnant der Reserve Neuhauß Mitglied der Kommission Landwirtschaft und der Feuersocietät des Kreistages Teltow, die Gutsvorstehergeschäfte nahm in Selchow der Gutsbesitzer selbst wahr. - 28 -


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1894 starben der Bauerngutsbesitzer Lobeth II. und der Brennermeister Kirchner. Der Kossäth Schramm wurde zum Schöffen ernannt. 1895 starb der Landesökonomierat Gustav Neuhauß. Neuer Pfarrer in Selchow wurde Karl Albert Handtmann. In Selchow wurde ein Männerturnverein gegründet.

Eine Bekanntmachung der Bezirksausschüsse (Amtsblatt): „Nachdem der Lokalbahn – Bau – Betriebsgesellschaft Vering & Wächter zu Berlin durch Verfügung des Königlichen Regierungspräsidenten zu Potsdam vom 18.10.1895 die Erlaubnis zur Vornahme der Vorarbeiten für die Herstellung einer Kleinbahn von Rixdorf über Britz, Buckow, Rudow, Groß- und Kleinziethen, Waßmannsdorf und Selchow nach Mittenwalde erteilt worden ist; wird auf Grund des §5 des Enteignungsgesetzes vom 11.6.1874 hiermit angeordnet , daß jeder Besitzer auf seinen Grundstück Handlungen, welche zur Vorbereitung des Unternehmens erforderlich ist, geschehen lassen muß. Handlungen, welche das Zerstören von Baulichkeiten oder das Fällen von Bäumen zum Gegenstand haben , sind indessen ohne vorherige Erlaubnis der unterzeichneten Behörde unstatthaft. Das Betreten der Gebäude, sowie eingefriedeter Hof – und Gartenräumen ist nur mit Einwilligung der Besitzer, in deren Ermangelung nur nach erteilter Erlaubnis der Ortspolizeibehörde zulässig. 1895, der Bezirksausschuß , von Meusel

1896 wurde der Männerturnverein „Eiche“ gegründet. Die Selchower folgten damit dem neuen Trend, gemeinsam Sport zu treiben, lag doch die Wiege des deutschen Turnens in der Hasenheide im Kreis Teltow, wo 1811 der erste Turnverein durch Friedrich Ludwig Jahn gegründet wurde. Die Turnvereine zeichneten sich durch politische und religiöse Neutralität aus. Die Provinz Brandenburg bildete zu dieser Zeit den deutschen Turnerkreis III b der Deutschen Turnerschaft, der 22 Gaue angehörten, davon 4 im Kreis Teltow. Im Umkreis von Selchow gab es die Turnvereine „Jahn“ in Schönefeld und Waltersdorf. 1897 erschien zu Ehren des 100. Geburtstages von Kaiser Wilhelm I, geb. am 22.3.1797 gest. am 9.3.1888, eine Postkarte mit Selchower Motiven und dem Kaiserdenkmal, die der Kriegerverein mit unten stehendem Text herstellen ließ. „Zum Andenken an den 100 jährigen Geburtstag Kaiser Wilhelm den Großen März 1897 Gewidmet vom Kriegerverein Selchow“. Am 27.1.1897 erfolgte die Gründung des Krieger- und Landwehrvereins Selchow. Der Verein hatte 1900 bereits 40 Mitglieder. Vereinsvorsitzender war Lobeth I., Schriftführer war Grabow, Kassenwart Sauerwald. Selchow bekam die erste Feuerlöschordnung. 1897 hatte die Gemeindevertretung folgende Mitglieder: Gemeindevertreter Beruf/Funktion Neuhauß; Rittergutsbesitzer Lobeth; Karl I., Bauer Sauerwald II., Karl Bauer Kiekebusch, August Kossäth Krope, Karl Gastwirt Kitzing, August Schöffe Sauerwald I Bauer Walf, Gotthelf Schramm, Franz Stechert, Friedrich Spiegel, Ludwig Bossling, Carl Schmiedemeister Bossling, Otto Kaufmann Handtmamm Pfarrer Lehmann Gastwirt Pusch Schmied Krieg Lehrer - 29 -


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1898 wurde das 2. Stiftungsfest des Turnvereins „Eiche“ gefeiert. Der Bauer August Kitzing wurde zum Schöffen ernannt. 1899 starb der Gemeindevorsteher Kiekebusch, sein Nachfolger wurde der Kossäth Wilhelm Sauerwald. Die Selchower nahmen am Gauturnfest des Großbeerener Schlachtfeldgaues teil. 1899 starb Schmiedemeister Carl Bossling, die Schmiede übernahm sein Schwiegersohn, Schmiedemeister Pusch. Der Landwirt August Ribbecke wurde zum Schöffen ernannt. 1900 wurde Carl Sauerwald zum Schöffen ernannt. Das Dorf hatte 31 Häuser und das Gut 11 Häuser. Das erste elektrische Licht leuchtete in den Ställen des Gutes. Selchow hatte 508 Einwohner mit 44 Wohnhäusern und 90 Haushaltungen. 1901 war Carl Krope Besitzer der Gastwirtschaft in Selchow, seine Mutter starb 1901. 1902 wurde das Gauturnfest zum 7. Stiftungsfest vom Männerturnverein „Eiche“ mit einer Fahnenweihe durchgeführt. Im gleichen Jahr feierte auch der Kriegerverein sein 5. Stiftungsfest. 1903 entstand das Dampfsägewerk von Gustav Hermann Neuhaus, Besitzer des Gutes. Otto Bossling verkaufte in Selchow „Storks Erika-Fahrräder“. Der Praktische Arzt Dr. Rousseau ließ Historische Postkarte aus Selchow sich in Selchow nieder. Büdner August Rogatz wurde 30 Jahre nach seinem Tode verschart in seinem Garten gefunden. 1910 hatte die Gemeinde Selchow 309 Einwohner. Es gab 50 Wohnhäuser und 101 Haushalte. Die Poststelle in Selchow erhielt das erste Telefon, danach das Gut, dann der Kaufmann Bossling, später weitere Einwohner. Die Poststelle befand sich im Hause des Schneiders Stelldinger, Dorfstraße. Das Standesamt für Selchow war in Waßmannsdorf, das Katasteramt und Amtsgericht in Rixdorf. 1912 betrug die Gemarkungsgröße von Selchow 1.034 ha. Der Großgrundbesitz war im Besitz von Gustav Neuhauß. Das Gut hatte eine Fläche von 622 ha und 239 Bewohner. Das zuständige Amtsgericht war in Neukölln und das zuständige Landgericht in Berlin. Die Fleischerei bewirtschaftete Otto Stechert jun., geb. 17.12.1885 in Selchow. 1918 lebten in Selchow 284 Personen, davon waren 124 weiblich und 160 männlich. Die Gemeinde hatte eine Postanstalt, die Kleinbahnstrecke Mittenwalde-Neukölln, einen Schmied mit Namen Karl Klewe, eine Mühle im Besitz von Max Wernitz, ein Gasthaus im Besitz von Karl Lehmann und ein Kolonialwarengeschäft im Besitz der Familie Bossling in der Dorfstraße. 1919/20 erhielt Selchow einen Gasanschluss zu Heiz- und Beleuchtungszwecken aus Berlin. In Selchow zogen während des Kapp-Putsches im Frühjahr 1919 Truppen ein. Sie quartierten sich in der Schule ein. Die Selchower gründeten nach Beendigung des 1. Weltkrieges zum Schutze des Ortes eine Wehrgruppe. (nach Dombrowski) Am 2.4.1920 erschreckte folgende Nachricht die Selchower Bürger: „Auf den Kienitzer Bergen kam es am 2. 4. 1920 zu einem Schußwechsel zwischen pflichtbewussten Männern und 2 brutalen Wilddieben. Dabei kam der Selchower Gutsförster Paul Schulz und sein Bruder Willi und ein Wilddieb ums Leben“. Zum Gedenken an diese Tat wurde 1926 durch den Pfarrer Matzke das Försterdenkmal an der Stelle der Tat eingeweiht“. 1920 hatte Selchow 50 Wohnhäuser und 101 Haushalte. 1921 wurde der für alle gültige Arbeiter-Tarif-Vertrag für eine 4 köpfige Familie des Landkreises Teltow veröffentlicht. Darin waren auch die Wohnbedingungen enthalten: Eine große Küche, 2-3 Stuben, - 30 -


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Keller und Boden, Stallungen für 4 Schweine, 2 Ziegen, Hühner und Kaninchen, Heuboden. Die Miete sollte maximal 250 M je Jahr betragen. 1923 erhielten die Wohnhäuser und Gebäude in Selchow elektrisches Licht. Damit waren Voraussetzungen geschaffen, die Gutsarbeit zu mechanisieren. 1924/25 war der Landwirt Reinhold Ramm Ortsvorsteher. Zum Amtsbezirk gehörten die Gemeinden Selchow und Waßmannsdorf mit Sitz in Selchow. Das Katasteramt war in Zossen, das zuständige Amtsgericht in Neukölln. Selchow gehörte zum Schauamt-Bezirk IV zur Körung von Zuchttieren gemeinsam mit Karlshof, Kiekebusch, Kleinkienitz, Rotzis, Schönefeld, Telz und Waßmannsdorf. Die Anbaufläche (LN) der bäuerlichen Betriebe betrug 412 ha. Im Gutsbezirk lebten 127 Männer und 114 Frauen, insgesamt 241 Personen. Das Dorf hatte 274 Einwohner, insgesamt lebten also in der Gemeinde 515 Einwohner. Die Anbaufläche (LN) des Gutes betrug 352 ha. Selchow hatte eine Bahnstation der Eisenbahnstrecke Neukölln-Mittenwalde. Die Gemeinde hatte einen Kreisverein, mit Kaufmann Schuck aus Waßmannsdorf als Vorsitzenden. Selchow war Postanstalt, Amtsbezirk mit Sitz in Selchow. Standesamt und Katasteramt befanden sich in Zossen. Selchow gehörte zum Bezirk IV der Kriegsbeschädigten- und Kriegshinterbliebenenfürsorge. Aus dem Adressbuch des Kreises Teltow Namen der Bewohner Selchows in alphabethischer Reihenfolge: • Albert; Oswald, Bankbeamter, Sternstraße 8 • Antczak, Josef, Arbeiter, Sternstraße 8 • Beschedsnik, Karl, Lehrer in Rotberg, Dorfstraße 6 Selchow in historischen Ansichten • Bossling, Karl, Landwirt ,Sternstraße 1 • Bossling, Otto, Kaufmann Dorfstraße 22/23 mit Telefon • Bossling, Otto, Landwirt, Dorfstraße 13 • Brabant, Auguste, Arbeiterin, Dorfstraße 16 • Dahm, Hermann, Arbeiter, Sternstraße 6a • Dahm, Minna, Witwe, Dorfstraße 14 • Eggert, Paul, Lehrer, Dorfstraße 2 • Ewald, Klara, Witwe, Sternstraße 4 • Franke, Hermann, Arbeiter, Dorfstraße 16 • Franke, Paul, Arbeiter, Sternstraße 3 • Gladhorn, Franz, Lehrer, i.R., Schulhaus • Grabow, Richard, Gastwirt, Sternstraße 5 mit Telefon • Grundmann, Paul, Hausschlächter, Sternstraße 4a • Hansche, Herrmann, Landwirt, Dorfstraße 21 mit Telefon - 31 -


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Heider, Karl, Arbeiter, Sternstr.1 Hinz, Gustav, Frisörgehilfe, Dorfstraße 15 Hinze, Adolf, Landwirt, Sternstraße 3 Kämpfer, Hermann, Wachtmeister a. D., Dorfstraße 19 Kiekebusch, Hermann, Bauerngutsbesitzer, Dorfstraße 7, mit Telefon Kiekebusch, Otto, Arbeiter, Sternstr. 4 Kitzing, Paul, Bauerngutsbesitzer, Dorfstr. 18 Kitzing, Wilhelm, Landwirt, Dorfstraße 4 Klewe, Karl, Schmied, Sternstraße 7 Kowalewski, Otto, Arbeiter, Dorfstraße 6 Krüger, Berthold, Arbeiter, Dorfstraßen16 Lang, Carl, Kaufmann, Sternstr.6a Lehmann, Carl, Gastwirt, Dorfstraße 17 mit Telefon Lobeth, Pauline, Witwe, Sternstraße 4 Lobeth, Waldemar, Bauerngutsbesitzer, Dorfstraße 9 Lobeth, Wilhelm, Landwirt, Ober – Briefträger a D., Dorfstraße 19a Lobeth, Willi, Landwirt, Dorfstraße 10, mit Telefon Loof, Max, Arbeiter, Dorfstraße 12 Matzke, Johannes, Pfarrer, Dorfstraße 24 Miersch, Johanna, Sternstraße 6 Noack, August, Wegewärter a. D., Dorfstraße 16 Nugk, Gustav, Stellmacher, Dorfstraße 14 Punanz, Emil, Kraftwagenführer, Dorfstraße 15a Pubanz, Gottfried, Arbeiter, Dorfsr.14 Pusch, Friedrich, Landwirt, Dorfstraße 15a Pusch, Hermann, Arbeiter, Landwirt, Dorfstraße 12 Ramm, Reinhold, Landwirt und Gemeindevorsteher, Dorfstraße 8 Rechenberg, Gotthelf, Nachtwächter, a, D. Dorfstraße 1 Rehpennig, Gustav, Arbeiter, Sternstraße Ribbecke, August, Landwirt, Dorfstraße 3 Sauerwald, Helene, Landwirtin, Dorfstraße 11 Sauerwald, Reinhold, Landwirt, Dorfstraße 20 mit Telefon Sauerwald; Willhelm, Landwirt, Dorfstraße 15 Schade, Ernst, Arbeiter, Sternstraße 6 Schiereck, Carl, Bäcker, Dorfstraße 16 Schüler, Adolf, Frisör u. Gemischtwarenhandlung, Dorfstr.16 Schultze, Emil, Bäcker, Sternstraße 7 Schulz, Fritz, Arbeiter, Sternstraße 4 Schulze, Otto, Schneider, Sternstr.6 Schuster, Adolf, Stationsvorsteher, Bahnhof Spiegel, Ludwig, Landwirt, Dorfstr. 13 Stechert, Otto, Schlächtermeister Dorfstraße 5 Stelldinger, Hermann, Schneidermeister, Sternstraße 7b,öffentliche Sprechstelle Stiebert, Otto, Nachtwächter, Dorfstraße 1 Stippekohl, Otto, Maurer, Sternstraße Stippekohl, Willy, Landwirt, Dorfstraße 5 Stropp, Friedrich, Ober – Landjäger, Dorfstraße 16 Teschke, Luise, Witwe, Dorfstraße 23 Teutloff, Albert, Monteur, Sternstraße 7b Teutschbein, Arthur, Monteur, Sternstraße 7b Uchdorf, Martha, Näherin, Dorfstraße 16 Wernitz, Max, Landwirt, Sternstraße 2 Zastrow, Wilhelm, Druckrohraufseher, Sternstraße 7a Weitere Gemeindemitglieder, die auf dem Gut arbeiten, sind im Abschnitt „Gut“ aufgeführt. - 32 -


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Gewerbebetriebe in Selchow 1925/27: • Bossling, Otto in der Dorfstraße 22/23 mit Telephon Mahlow 20 • Handel mit Kolonialwaren, Düngemittel, Sämereien, Brennmaterialien, Benzinstation „Stellin“ • Grabow , Richard in der Sternstraße 5 mit Telephon Mahlow 30, Gastwirt • Lange, Carl in der Sternstraße 6a, Kurzwaren • Lehmann, Karl in der Dorfstraße 17 mit Telephon Mahlow 22, Gastwirt • Noak, Marie in der Dorfstraße 16, Hebamme • Schüler, Adolf in der Dorfstraße 16, Frisör und Gemischtwarenhandlung • Stechert, Otto in der Dorfstraße 5, Schlächtermeister • Stelldinger, Wilhelm in der Sternstraße 7b, Herren – u. Damenschneiderei mit öffentliche Fernsprechstelle 1927 wurde das Gut Selchow an die Stadt Berlin verkauft und zum Rieselgut entwickelt. Das Adressbuch von 1927 weist folgende Statistik des Gutsbezirkes aus: 445 ha Ackerland, 45 ha Wiesen, 22 ha Gartenland u. Hausgärten, 87 ha Forsten u. Holzungen, 6 ha Haus- u. Hofräume, 16 ha Wege, insgesamt also 621 ha. 1929 berichtete die Zeitschrift „Heimat und Ferne“ über einen Wandertag des Vereins „Volksbund und Naturschutz e.V.“ mit Sitz in Berlin Ende April 1929 über Selchow, Großkienitz und Rangsdorf: „Die Wanderer kamen um 10.00 Uhr in Selchow mit der Kleinbahn an. Der Lehrer Jungnitsch aus Mahlow machte die Führung. Selchow wurde besichtigt, danach ging es zu den Selchower Teichen und von dort zu den Groß Kienitzer Bergen, wo das Denkmal von 1926 des 1920 von Wilddieben erschossenen Förster Schulz und seinem jungen Bruder besichtigt wurde“. 1930 wurde nach der Besichtigung der Schule durch den Kreisarzt das Nachtwächterhaus besichtigt, nachdem eine Anzeige erfolgt war. Nachtwächter war Otto Stiebert. Es wurde festgestellt, dass in einem 15 m2 großen Raum 8 Personen, Mann, Frau, ein 16jähriges Kind, ein 14jähriges Kind, 2 schulpflichtige Kinder, 1 Kind 1 Jahr, 1 Kind 8 Monate alt lebten. Die Küche war unbeleuchtet, es war eine schwarze Küche mit einem offenen Schornstein, die Öfen waren schadhaft. Obgleich die Gemeinde eine Wohnung hatte, wurde der Familie keine Wohnung angeboten. Hans Bossling als Schulvorstand und Gemeindevorsteher war für diesen Mangel verantwortlich. Das Dorf hatte 53 Wohnhäuser. Folgende Jagdgenossen aus Selchow erhielten 1931 für ihre Jagdverpachtung an die Gemeinde Diepensee, bzw. an den Gutsbesitzer Wrede für 14,6 ha insgesamt 87 RM: ha RM Lobeth , Willi 1,1905 9,60 Kitzing, Wilhelm 2,0430 11,52 Lobeth, Wilhelm 1,2033 6,52 Sauerwald, Walter 2.0410 17,66 Ribbecke, August 1,2770 9,21 Lehmann, Karl 1,2760 9,21 Stippekohl, Karl 1,4860 7,29 Sauerwald II, Wilhelm 0,5110 3,84 Ramm, Reinhold 1,1340 9,21 Stippekohl, Henriette 2,4663 13,82 gesamt 14,6263 97,88 1931 wurde über eine Heimatwanderung folgendes berichtet: „Am 7.6.1931 kam um 10.28 Uhr der Zug in Selchow an. Die Wanderer wurden von den Lehrern Karmann und Garnatz aus Großkienitz begrüßt. Auch Frau Rittergutsbesitzer Neuhauß kam zu den Gästen. Es ging zur Kirche wo Pfarrer Matzke und Amtsvorsteher Ramm warteten. Sie besichtigten das 1931 aufgestellt Ehrenmal der im 1. Weltkrieg Gefallenen. Es war aus Sandstein, darauf war ein Baum, der die Kriegsgräber und die Namen beschattete. Dann ging es zur Kirche, die an der alten Heerstraße Berlin Dresden lag. Die Glocken waren von 1668 und 1828.

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Auf der Glocke von 16168 stand: „Campana Selchowiensis reparata est“ „Die Selchower Glocke ist wieder hergestellt“. Hilfe zur Reparatur durch den Patron, Nobilissimus ad Stremissimus Joachim de Bardeleben und Nobilissima Dorothea Chatarina de Beeren stand auf der Glocke“. Die Besucher hatten den Eindruck; daß die Kirchenerde wachse, da durch den Bauschutt und durch das Auffüllen der Grabhügel der Kirchhof angehöht wurde. Man besichtigte den Stein der gefallenen Freiheitskämpfer von 1813. 1815 und 1914 – 1918 und den Stein von Le Petit, Pfarrer in Selchow, gestorben am 18.1.1841. Weiter wurde ein Granitblock mit geschliffener Platte besichtigt, auf dem stand: „Dem treuen Diener Karl Friedrich Wilhelm Lucke aus Dankbarkeit , geb. 14.1.1811 in Ruhlsdorf gestorben am 11.1.1875“ Karl Lucke war Diener beim alten Neuhauß: Der Weg führte weiter zum Dorfplatz: Auf dem Dorfplatz stand 1931 ein mächtiger Granitblock – Findling und ein Wilhelmstein, aufgestellt zum 100. Geburtstag vom Kaiser Wilhelm I. Danach ging es zum Gut. Das Gutstor war mit steinernen Pfeilern mit den Anfangsbuchstaben des Herrn von Bardeleben und seiner Gemahlin eingefaßt. Die Witwe Neuhauß bewirtete die Gäste am Ort, denn sie wohnte seit dem Verkauf des Gutes noch im Gutshaus. Die Heimatwanderer setzten ihre Wanderung fort.“ 1932 begann in Selchow die systematische Beobachtung der Störche.

Selchow von 1933 bis 1945 Aus dem Leben der Gemeinde von 1933 bis 1945 sind nur wenige Dokumente erhalten geblieben. Es sind hauptsächlich Unterlagen der Jagdgenossenschaft. 1934 wurde erstmals eine NSDAP-Ortsgruppe in Selchow erwähnt. Als NS-Organisator wurde Schneidermeister Hermann Stelldinger genannt, als Kontrolleur der Partei Hermann Kämpfer, DUF war der Kraftfahrer Bernhard Plesse. Zum Jagdrecht 1934 bis 1944 Das Jagdrecht war mit dem Eigentum an Grund und Boden verknüpft. Es entsprach dem Willen des Gesetzgebers, dass gemeinschaftliche Jagdbezirke von ortansässigen Landwirten gepachtet werden. Die Jagdgenossenschaft hatte die freie Verfügung über das Jagdrecht. Ein unerwünschter Jagdpächter durfte nicht aufgezwungen werden. Die Jagdpacht ist freihändig abzuschließen. Im Jagdvertrag konnte mit schriftlicher Genehmigung des Kreisjägermeisters die Jagdverpachtung auf Einheimische beschränkt bleiben. Diese Einschränkung musste in der öffentlichen Ausschreibung bekannt gegeben werden. Bei allen übrigen öffentlichen meistbietenden Verpachtungen hatte grundsätzlich der Höchstbietende den Zuschlag zu erhalten, unabhängig davon, ob er Einheimischer oder Auswärtiger war. Die Gemeinde Selchow war ein gemeinschaftlicher Jagdbezirk. Der Gemeindevorsteher Ramm war von 1932 bis 1943 Jagdvorsteher und Vertreter der Jagdgenossenschaft in Selchow. 1944 wurde Herr Stelldinger Jagdvorsteher. Der Jagdverpachtungsverteilungsplan im Pachtjahr 1932 für den gemeinschaftlichen Jagdbezirk in der Feldmark Selchow beinhaltete Einnahmen von 900 RM, Ausgaben von 18 RM, zum Verteilen standen demnach 882 RM zur Verfügung. Verpachtet wurden 409 ha, auf den Quadratmeter entfielen 0,02 Pfennige. Empfangsberechtigter Wohnort war Selchow. Der Jagdverteilungsplan von 1934 für den gemeinschaftlichen Jagdbezirk in der Gemeinde-Feldmark Selchow: Auf den Quadratmeter entfielen 1,677 Pf. Der Pachtverteilungsplan lag vom 15. bis 29. Juli 1934 im Gemeindehaus öffentlich aus. Am 30.7.1934 wurde der Plan bestätigt. Die Abrechnung ergab folgendes: 50 Verpächter erhielten für 409,7004 ha 687,04 RM der Gemeindeschulze Rammm erhielt 6,48 RM der Steuererheber Bossling erhielt 6,48 RM gesamt 700,00 RM In Auswertung der Zusammenstellung der Verpächter im Vergleich von 1934 zu 1944 fehlen die Verpächter Paul Kitzing, Franz Krüger, Franz Kiekebusch , dafür ist als Verpächter Alfred Mette mit 50,6794 ha aufgeführt.

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Liste der Empfangsberechtigten entsprechend der verpachteten Fläche 1934 und 1944 Name Wohnort beteiligt mit einem dafür 1934 Verpächter 1934 Flächeninhalt in ha RM Verpächter 1944 1. August Nugk Selchow 1,2820 2,15 Paul Nugk 2. Karl Schulz Treptow 2,2697 3,80 Hermann Schulz aus Berlin 3. Hermann Hansche Selchow 23,0772 38,70 Lydia Hansche 4. Reinhold Sauerwald Selchow 30,7064 51,49 Luise Sauerwald 5. Adolf Hinze Selchow 3,2602 5,47 Adolf Hinze 6. Paul Kitzing Selchow 42,0180 70,46 Alfred Mette 7. Karl Lehmann Selchow 7,9714 13,37 Karl Lehmann 8. Wilhelm Sauerwald Selchow 18,0767 30,37 Wilhelm Sauerwald 9. Otto Bossling Selchow 16,7454 28,08 Otto Bossling 10. Walter Sauerwald Selchow 18,1108 30,37 Walter Sauerwald 11. Willi Lobeth Selchow 47,1329 79,04 Willi Lobeth 12. Walter Lobeth Selchow 39,4655 66,18 Waldemar Lobeht 13. Reinhold Ramm Selchow 19,5140 32,72 Reinhold Ramm 14. Bernhard. Dannefelzer Selchow 37,3461 62,63 B. Dannefelzer 15. August Ribbecke Selchow 7,7648 13,12 Max Ribbecke 16. Franz Krüger Selchow 0,4457 0,75 Alfred Mette 17. Max Wernitz Selchow 5,6453 9,47 Max Wernitz 18. Karl Bossling Selchow 8,6614 14,53 Alfred Mette 19. Otwin Albert Selchow 2,6099 4,38 Emma Albert 20. Elisabeth Schuck Waßmannsdorf 4,1823 7,01 Elisabeth Schuck geb. Rammhold 21. Ch, Gutschmidt Selchow 4,8979 8,21 Karl Ziegler 22. Willi Schramm Selchow 0,6203 1,04 Willi Schramm 23. Reinhold Lehne Selchow 0,6203 1,04 Emma Lehne 24. August Stippekohl Selchow 2,0575 3,45 Gustav Stippekohl 25. Paul Schramm Selchow 2,0523 3,44 Paul Schramm 26. Hermann Stippekohl Selchow 1,5413 2,58 Robert Stippekohl 27. Elise Lobeth Selchow 4,6094 7,73 Elise Lobeth 28. Max Stöcker Selchow 1,0850 1,82 Max Stöcker 29. Otto Mette Selchow 3,1159 5,22 Otto Mette 30. Paul Schinke Rotzis 4,0852 6,85 Paul Schinke 31. Hermann Vetter Rotzis 5,2650 8,83 Hermann Vetter 32. Otto Schüler Rotzis 5,2650 8,83 Otto Schüler 33. Hermann Franke Selchow 0,6413 1,08 Hermann Franke 34. Karl Klewe Selchow 0,6412 1,08 Karl Klewe 35. Franz Kiekebusch Berlin 2,0334 3,41 36. Neuköllner-Mittenwalder Eisenbahn 1,6747 2,81 wie 1934 37. Reinhold Grabow Selchow 1,5195 2,55 Richard Grabow 38. Hans Bossling Selchow 3,9399 6,61 Hans Boßling 39. Wilhelm Lobeth Selchow 1,4549 2,44 Karl Lobeth 40. Otto Stechert Selchow 1,4758 2,47 Karl Stechert 41. Wilhelm Zastrow Selchow 0,6342 1,06 Wilhelm Zastro 42. Fritz Wäsche Selchow 0,5120 0,86 Waldemar Lobeth 43. Luise Wäsche Selchow 1,3076 2,19 Luise Teschke 44. Otto Stippekohl Selchow 0,2580 0,43 Otto Stippekohl 45. Gemeinde Selchow 13,5037 22,65 wie 1934 46. Pfarre Selchow 0,8450 1,42 wie 1934 47. Schule Selchow 1,1402 1,91 wie 1934 48. Willi Stippekohl Selchow 2,2777 3,82 Karl Stippekohl 49. Alwin Stengel Großziethen 1,7873 3,00 Alma Stengel 50. Kohs Rotzis 2,5532 4,28 Wilhelm Kohs - 35 -


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Die Pachtsumme betrug 1934 und 1944 je 700 RM. Die Liste zeigt die Struktur und Größe der Bauernwirtschaften. Das Jagdrevier hatte 409 ha, davon 319 ha Feld, 36 ha Wald und 44 ha Wiese. Dem Jagdpächter war für 1934 gestattet, 1 jagdbaren Bock, 1 Ricke und 1 weibliches Kitz abzuschießen. Am 1.4.34 wurde ein Bestand von 10 jagdbaren Böcken, 5 geringe Böcke, 35 Ricken und 20 Großtrappen ausgewiesen. Herr Sauerwald als Jagdpächter hatte aber den Abschuss von 5 jagdbaren Böcken und 5 Ricken beantragt. Ihm wurde der Jagdvertrag wieder gekündigt. Die Kreisjagdsteuer für die Ausübung des Jagdrechtes in Selchow betrug 1934 insgesamt 170,00 RM, der Anteil der Gemeinde lag bei 50 %, also 85,00 RM, die 5 % Verwaltungskosten beliefen sich auf 5 %, also 4,25 RM. Der Jagdvorsteher und Gemeindevorsteher Ramm verpachtete dem Weingroßhändler Max Gruban aus Berlin NO 18, Große Frankfurter 120, für 700 RM im Jahr, ab 1.4.1934 bis zum 31.3.1943 die gesamte Jagdnutzung des Jagdbezirk Selchow. Die Fläche war 409 ha groß. Ausgeschlossen waren die Gebiete um die Gärten und die Straßen. Der Jagdverteilungsplan für 1935 des Selchower Jagdrevieres lag vom 17.4.1935 bis 1.5.1935 zur Einsicht beim Jagdvorsteher aus. Einspruch konnte beim Kreisjägermeister des Kreisens Teltow, in Berlin in der Viktoriastraße 18 erhoben werden. Dem Jagdvertrag stimmten zu: Gustav Nugk, Richard Grabow, Hermann Hansche, Hans Bossling, Reinhard Sauerwald, Wilhelm Lobeth, Adolf Hinze, Otto Stecher, Paul Kitzing, Wilhelm Zastrow, Wilhelm Sauerwald, Luise Teschke, Otto Bossling, Willi Stippekohl, Walter Sauerwald, Pfarrer Matzke, Willi Lobeth, Karl Lehmann. Nicht unterschrieben wurde der Vertrag von Waldemar Lobeth, Karl Klewe, Bernhard Dannefelzer, August Ribbecke, Franz Krüger, Max Wernitz, Karl Bossling, Oswald Albert, Hermann Franke. Die oben genannten waren die Grundbesitzer in Selchow. Der Abschussplan vom 1.4.1935 bis zum 31.3.1938 für den Jagdausübungsberechtigten Max Gruban betrug: Rehwild beantragt genehmigt 1935 13 3 1936 13 3 1937 15 3 1935 feierte Hans Bossling das 50jährige Bestehen seines Handelshauses, ein Haus des täglichen Bedarfs, das 1885 gegründet wurde. 1937/38 war Hans Bossling Bürgermeister in Selchow. Der Gendarm hieß Hauptwachtmeister Ruch. Beschreibung des Naturschutzgebietes „Torfbusch“ Abschrift eines Artikels von 1938 Quelle: Heimat und Ferne. Text von W. Heinelt, Kreisbeauftragter für Naturschutz Bilder von Dr. Waldenburg aus Berlin. „Am 6.1.1937 wurde durch Verordnung des Regierungspräsidenten auf Vorschlag der Naturschutzstelle des Kreises Teltow der „Torfbusch“ unter Naturschutz gestellt Das Naturschutzgebiet liegt 2 km südwestlich der Ortschaft Selchow und ist im Besitz der Stadt Berlin. Es hat eine Größe von 46 ha. Seine Ausdehnung und Begrenzung ist aus der nachstehenden Übersichtskarte ersichtlich… Es handelt sich um ein Gebiet in Hinblick auf die unmittelbare Nähe zur Reichshauptstadt, daß als äußerst selten anzutreffen ist. In der Zeit des Marxismus (Weimarer Republik) drohte dem Torfbusch seine ureigene Form verloren zu gehen, da ein als Apostel der Freikörperkultur bekannter Lehrer (Adolf Koch) dieses Gebiet von der Stadt Berlin gepachtet und Einrichtungen geschaffen hatte: Auch wurde in dieser Zeit (um 1931) ein großer Teil der herrlichen Blau – Rot – und Weißtannen des Torfbusches teils als Schmuckreisig, teils als Weihnachtsbäume auf unredliche Weise nach Berlin gebracht. Der Torfbusch stellt mit seinen schönen und einzigartigen Mischwaldpartien, die mit dichtem Unterholz durchsetzt sind, in Verbindung mit seinem lieblichen See, von dem allerdings der westliche Zipfel bereits stark verlandet ist und heute ein Wildenten–Eldorado bildet, noch eine äußerst interessante Landschaft dar. Während besonders der nordöstliche Teil des Torfbusches einzelne außerordentlich wüchsige und starke Eichen im Mischwald aufweist, besteht die Uferzone des Sees aus Bruchwald. Im westlichen Abschnitt des Torfbusches ist reiner Kiefernwald vorherrschend. Sehr reizvolle Baumpartien finden sich am westlichen Rande des verlandeten Seeteils in einem mehr oder weniger breiten Gürtel vor. Hier sind entweder Baumgruppen von schlanken Fichten, teilweise mit Astwerk bis auf den Bo- 36 -


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den reichend, teilweise einzelne Exemplare in lichterem Bestand, langschäftige in einwandfreier, maibaumgerechter Wuchsform, vereinzelt bis in die Kronen von wildem Hopfen eingestrickt, die gemeinsam mit Lärchen, Blau – und Weißtannen und einem dichten Gewirr von Brombeergerank und Unterholz eine herrliche Symphonie ergeben. Leider sind die einzelnen hier im Wald, See und Sumpf vorkommenden Pflanzen listenmäßig noch nicht erfasst. Es kann aber verraten werden, dass es sich um ein Gemengsel handelt, an dem nicht nur Naturwanderer, sondern auch Botaniker ihre helle Freude haben. Für den Ornithologen wie für den Jäger bietet der Torfbusch ebenfalls viel Interessantes: Die heimische Tierwelt scheint vollständig vertreten zu sein. Auch stellte man ein Einzelexemplar einer Sumpfschildkröte fest. Es ist nicht sicher, ob das immerhin seltene Tier tatsächlich hier heimisch ist oder ob es sich bei dem festgestellten Einzelexemplar nur um einen Zufallstreffer handelt, soll vorläufig dahingestellt bleiben. Eins steht fest, dass der Torfbusch auch ohne seine Sumpfschildkröte ein Naturschutzgebiet darstellt, auf daß wir stolz sein können. Hoffentlich gelingt es auch, wenigstens den urwüchsigen Teil des Gebietes vor in forstwirtschaftlicher Hinsicht notwendig erscheinenden Eingriffen zu schützen.“ Jahresrechnung der Gemeinde Selchow für das Rechnungsjahr 1938 Kreis Teltow, Regierungsbezirk Potsdam: Ist der Gesamteinnahme 24.224,62 RM Ist der Gesamtausgaben 20.159,14 RM Überschuß 4.159,48 RM Im Einzelnen in RM Einnahmen Ausgaben Allgemeine Verwaltung 337,00 4.164,84 Polizei 0 1.012,00 Schulwesen 484,66 4.358,90 Volksbildung, Heimatpflege, Kirche 820,40 Wohlfahrtswesen 1.257,95 2.777,41 Straßenwesen 527,54 646,95 Wirtschaftsförderung 158,95 Anstalten u. Einrichtungen 100,00 618,05 Gemeindebetriebe Finanzverwaltung 21.517,47 5.601,64 gesamt 24.224,62 20.159,14 Im Mai 1938 wurde der Kreisrevierförster Langeloh aus Jünsdof, laut Waldbrandverordnung vom 18.6.1937, als höhere Forstaufsichtsbehörde eingesetzt und auch ermächtigt, für die von der Gemeinde zu bestimmenden Gefahrenbezirke, Beauftragte und deren Vertreter zu benennen. Der Beauftragte war in allen Fragen der Waldbrandverhütung und Bekämpfung zuständig. Bei allen Waldbränden innerhalb von Selchow war er sofort zu benachrichtigen. In Selchow und Umgebung herrschte seit längerer Zeit eine Kaninchenplage. Zur Bekämpfung waren aber nur die Jagdausübungsberechtigten ermächtigt, durch Abschuss der wilden Kaninchen diese Plage zu beenden. Die Anweisung an die Gemeinde Selchow kam vom Landrat des Kreises Teltow. 1939 wurde im Teltower Kreiskalender veröffentlicht, dass bereits 500 Jahre vor Chr. der germanische Stamm der Sweben bei Selchow siedelten. Den Beweis erbrachte ein unsachgemäß ausgegrabenes Hünengrab. Später siedelten in diesem Gebiet die Semnonen. Angaben zur Größe der landwirtschaftlichen Betriebe nach der damaligen geltenden Statistik: 1 Betrieb hatte mehr als 100 ha Land 9 Betriebe hatten zwischen 20 und 100 ha Land 4 Betriebe hatten zwischen 10 und 20 ha Land 1 Betrieb hatte zwischen 5 und 10 ha Land 5 Betriebe hatte zwischen 0,5 bis 5 ha Land

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Bautätigkeit 1939 bis 1945 Im Juni 1939 wurden die Bausachen Borowitzki und Ella Lau verschoben. Im Januar 1941 bekam das Gut die Erlaubnis, eine Feuerlöschzisterne mit folgender Einschränkung zu bauen: Es durften nur Arbeitskräfte eingesetzt werden, die infolge ihres Alters und beschränkter Arbeitseinsatzfähigkeit keine andere Verwendung fanden. Sie mussten aber eine ausreichende Ausbildung und Übung besitzen. Bei Fertigstellung war die Ortspolizeibehörde zu benachrichtigen. Das städtische Bauamt Berlin überwachte den Bau. Im Januar 1942 bekam Emil Schultze die Erlaubnis, den abgebrannten Dachstuhl des Stallgebäudes wieder aufzubauen. Die Einschränkungen bei Arbeitskräften galten wie im Januar 1941. Im August 1942 wurde die Gemeinde aufgefordert, Grund und Boden für den Bau von Kartoffellagerräumen zur Verfügung zu stellen. Im November 1942 erhielt Karl Stippekohl die Erlaubnis zum Neubau eines Geräteschuppens. Am 20.2.1943 erfolgte die Genehmigung für das Gut Selchow zum Anbau eines Montageraumes. Arbeitsbuch von Luise Sauerwald Am 13.9.1943 konnte Hermann Schulze einen behelfsmäßigen Geräteschuppen in der Straße nach Rotberg anbauen. Herr H. Schulze wohnte in Berlin, SW 68, Ritterstr. 3. 1940 gab es in der Mark Brandenburg 24 Naturschutzgebiete, die Nr. 8 war der Torfbusch in Selchow. 1941 hatte Selchow 480 Einwohner. Gemeindeleiter war der Bauer Reinhold Ramm. Selchow war mit Waßmannsdorf Amtsbezirk mit Standesamt (1939 noch in Waßmannsdorf). Das zuständige Amtsgericht war in Neukölln und das Katasteramt in Teltow. In einem Artikel über die Geschichte des Nottekanals wurde erwähnt, dass bereits zur Zeit Friedrich des Großen beabsichtigt wurde, auch Selchow bei der Meliorierung der Niedrungen der Notte zu berücksichtigen. Angaben zur Jagd in Selchow Vom 1.4.1938 bis zum 31.3.1941 war für die Gutsjagd Selchow der Jagdausübungsberechtigte Adolf Beckmann aus Berlin-Wilmersdorf und Herr Seerig zuständig. Das Revier hatte eine Größe von 587 ha, davon 75 ha Wald, 497 ha Feld, 12 ha Wiese und 3 ha Wasser. Der Wildbestand an Rehwild betrug 1938: 8 starke Böcke, 17 schwache Böcke, 28 Ricken. Folgende Abschüsse wurden genehmigt: 6 Böcke und 6 Ricken, 6 Böcke und 6 Ricken, 6 Böcke und 6 Ricken, 12 Böcke und 12 Ricken. 1941 beschwerte sich Hans Bossling beim Jagdvorsteher, dass das Rehwild seine in diesem Jahr gepflanzten Obstbäume verbissen hatte. Nach dem Reichsjagdgesetz war dieser Schaden ersatzpflichtig. Doch die Jagdpächter weigerten sich zu zahlen. 1942 erhielten die Bürgermeister der Gemeinden die Aufforderung, bei feindlicher Einwirkung oder Flakbeschuss die Schäden zu melden. Die Kosten für die Reparatur werden vom Reich getragen, wenn die Bürgermeister die Schäden beim Landrat einreichen. 1942 wurden Forschungen zu Giebelzeichen von Dehmow veröffentlich. Sie ergaben, dass auch Selchow bei der Umgestaltung der Dörfer das Giebelzeichen „Donner...“ benutzte. 1944 gehörten zum Amtsbezirk Selchow (Kreis Teltow) die Gemeinden Selchow und Waßmannsdorf. Amtsvorsteher war Herr Stelldinger, stellv. Amtsvorsteher war Herr Stippekohl aus Waßmannsdorf, Amtsausschussmitglieder waren der stellv. des Amtsvorstehers Thiecke, Schönefeld, Bürgermeister Stippekohl, Waßmannsdorf und die Beigeordneten Sauerwald aus Selchow und Schötz aus Waßmannsdorf.

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Kriegszerstörungen in Selchow im Jahre 1945

Haushaltsplan der Gemeinde für das Rechnungsjahr 1944 im Vergleich mit 1943 und 1942 Einnahmen in RM 1944 1943 1942 Überschuß aus 1943 1.267,00 1.426,00 859,35 Zuschüsse, Strafen, Gebühren 990,00 580,00 1.052,40 Amtsbezirksumlage 1.217,00 2.435,00 2.435,00 Einnahmen gesamt 3.474,00 4.441,00 4.346,75 Ausgaben in RM Verwaltungskosten 3.131,00 3.591,00 2.355,08 Polizeikosten 343,00 850,00 698,39 Ausgaben gesamt 3.474,00 4.441,00 3.053,47 Davon sind Kosten für: Personal Entschädigung des Amtsvorstehers 600,00 750,00 600,00 Amtssekretär 1.400,00 1.650,00 1.279,00 Amtsdiener 120,00 120,00 Sozialversicherungsbeiträge 175,00 200,00 65,50 Sachkosten 47,30 42,30 49,60 Aus der Akte 1660 des Landeshauptarchivs Brandenburg zum Schulwesen war zu entnehmen, dass der Erbhofbauer Dannefelzer auf seinem Hof den Polen Josef Mularczyk beschäftigte. Er beantragte beim zuständigem Schulamt für die Kinder Erika, 1932 geboren, und Senno, 1936 geboren, der Familie Mularczyk einen Schulplatz, was aber abgelehnt wurde. Josef Mularczyk war seit 1922 Saisonarbeiter in Deutschland und dachte daher, dass seine Kinder in Deutschland auch zur Schule gehen könnten, was ein Irrtum war.

Die Gemeinde Selchow vom 9.5.1945 bis 1989 Das Jahr 1945 Der Frühling begann 1945 mit der Beräumung zerstörter Gebäude. In den letzten Apriltagen wurden Truppen der Deutschen Wehrmacht von Berlin nach Selchow verlegt. Zum Glück für das Dorf und seinen Einwohnern fanden keine Kämpfe mehr statt. Am 27.4.1945 wurde das Dorf von der sowjetischen Armee besetzt. Das Stadtgut wurde ein Versorgungsgut der Roten Armee, aber 1946 bereits wieder verlassen. Das Gut wurde enteignet, wurde ein volkseigenes Gut und von der Stadt Berlin weiterhin kommunal genutzt. Die bisherige Gemeindevertretung hatte die Arbeit niedergelegt. Die sowjetische Militärverwaltung setzte Herrn Erich Drobbe als Bürgermeister ein. Er übte dieses Amt bis zur Wahl 1946 aus. Danach war er noch bis 1951 gewählter Gemeindevertreter und arbeitete in Kommissionen mit. Am 1.7.1945 meldete der Bürgermeister an die Kreisverwaltung, dass Selchow 1939 484 Einwohner hatte. Am 1.7.1945 waren es 565 Einwohner, davon waren per 15.10.1945 als Umsiedler aus den ehemaligen deutschen Gebieten 50 Männer, 75 Frauen und 65 Kinder registriert. 29 Männer kamen aus der Gefangenschaft. 1 Mann war vorher evakuiert worden und kam zurück. Das galt auch für 1 Frau. - 39 -


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Am 21.8.1945 wurde durch die Gemeinde eine Einwohnerliste angefertigt, auf der 383 Personen mit Beruf oder Familienstand aufgeführt wurden. Da nach Kriegsende die Einwohnerzahl sich täglich veränderte, da Kriegsteilnehmer nach Hause kamen und die Flüchtlinge in Selchow eine Bleibe suchten und wieder wegzogen, ist die folgende Aufstellung nur eine Momentaufnahme. Einwohner 1945 nach Berufen ohne Angehörige. 1. Die Namen der Bauern: O. Bossling, B. Dannefelzer, W. Lobeth, H. Lobeth, K. Lehmann, A. Mette, M. Ribbecke, Walter. Sauerwald, Wilhelm Sauerwald, K. Schindler, K. Stippekohl, M. Wernitz, 2. Die Namen der landwirtschaftliche Hilfskräfte bzw. Landarbeiter: Helga Bagschass, Ernst und Martha Grosskopf, Jutta Seeger, Renate Voigt, Ruth Preuss, Hubert Hoffmann, Berta und Karl Weissenberger, Marie und Willi Lobeth, August Weitkuss, Erika Kuhlig, Eva Naujobat, Jutta Seeger, Renate Voigt, Hubert Hoffmann, Gerda-Marie Hilscher, Franz Scheusener, Horst Plundke, Gustav Rehpfennig, Edith Flemming, Charlotte Unstrer, Alfred Becker, Emil Schwinke, Ruth Kumelis, Maria Freese, Michael Rambisch, Ingeborg Schmidt, Otto Stiebert, Margot Gawad, Hildegard Klink, Siegfried Schwalbe, Therese Arndt, Erna Wodtke. 3. Gärtner Kurt Antrak 4. Hauptwachtmeister Richard Adolf 5. Hausangestellte Ursula Naujobat, Margarete Kluge 6. Schneiderin Luzi Dombrowski 7. Schneider Otto Schulze , Wilhelm und Hermann Stelldinger, Fritz Kühn 8. Motorenschlosser Siegfried Friedrich 9. Kraftfahrer Erich Drobbe 10. Bahnarbeiter 11. Treckerfahrer Rudolf Kricke, Emil Krüger 12. Industriearbeiter Otto Kiekebusch 13. Lehrerin Luise Krending 14. Maurer Georg Lutsch, Ernst Labrenz 15. Schusterlehrling Werner Langer 16. Zimmererlehrling Werner Rehpennig 17. Optikerlehrling H. J. Bossling 18. Landwirtschaftslehrling Heinz Kupsch 19. Gutsverwalter Wilhelm Lüth 20. Stenotypistin Edith Rump, Hildegard Schiereck 21. Bäckermeister Emil Schulze, Berthold Teschke 22. Flugzeugnieter August Langer 23. Eisenbahnassistent Horst Labrenz 24. Bäckergeselle Erwin Pfahl 25. Kaufmann Hans Bossling 26. Fleischermeister Otto Stechert 27. Reichsbahnjunghelfer Rudolf Stiebert 28. Bahnassistent Willi Stolze 29. Pfarrer Karl Tscheuschner 30. Hausangestellte Lia Maiwald 31. Schlosser und Gemeindediener Otto Kowalewski 32. Landvorarbeiter Max Valentin

Die Bodenreform von 1945 bis 1949 Die Bodenreform von 1945 bedeutete zunächst die Entmachtung und Enteignung der Großgrundbesitzer. Die Vergabe von Grund und Boden an landlose und land-arme Bauern, an Umsiedler und Flüchtlinge sollte diesen Menschen wieder oder endlich eine Perspektive geben. Die Bodenreform erfolgte auf der Grundlage des Befehls 209 der Sowjetischen Militäradministration. Am 22.8.1945 verabschiedete das ZK der KPD eine Direktive über die Durchführung einer Bodenreform in der sowjetischen Besatzungszone bis Ende 1945. Die Hauptmaßnahmen der Bodenreform waren die entschädigungslose Enteignung des privaten Großgrund- 40 -


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besitzes über 100 ha und der Höfe der Naziaktivisten und Kriegsverbrecher unabhängig der Größe der Höfe, die Bildung eines staatlichen Bodenfonds aus den enteigneten Betrieben und den staatlichen Domänen, Aufteilung des größten Teils des Bodenreformlandes als Privateigentum. Die neuen Bauernstellen erhielten bei gutem bis mittleren Boden 5 ha LN, bei schlechtem Boden 8 bis 10 ha LN. Die Verteilung von Vieh, Maschinen, Geräten und Werkstätten erfolgte über Ausschüsse der gegenseitigen Bauernhilfe. Die Dorfbevölkerung sollte die Bodenreform in die eigenen Hände nehmen. Dazu wurde Gemeindekommissionen gegründet. In Selchow stand nur Land des Berliner Stadtgutes Selchow zur Verfügung. Berlin hatte 2000 ha Land dem Bodenreformfond zur Verfügung gestellt, davon 40,25 ha vom Berliner Stadtgut Selchow für die Bauern in Selchow. In Selchow erhielten 16 Wirtschaften bis 1 ha (insgesamt 4 ha), zur Abrundung ihrer Wirtschaften 8 Wirtschaften 1 bis 5 ha Land (insgesamt 27 ha). Darüber hinaus erhielten 2 Altbauern zusammen 5 ha zur Aufstockung ihrer Wirtschaften. Aufstellung lt. Ortslexikon von Brandenburg nur 36.0 ha Die Mitglieder der Bauernkommission in Selchow waren Krüger, Emil (geb. am 19.9.1896, wohnte in Selchow, Landarbeiter, vor und nach 1945 keine Parteizugehörigkeit, ohne eigenes Land), Dahm, Hermann (geb. am 5.8.1898, wohnte in Selchow, Hilfspolizist, vor und nach 1945 keine Parteizugehörigkeit, ohne eigenes Land), Janke, Richard (geb. 9.10.1884, wohnte in Selchow, Landarbeiter, vor und nach 1945 keine Parteizugehörigkeit, ohne eigenes Land), Drobbe, Erich (geb. am 19.12.1907, wohnte in Selchow, Landarbeiter, vor 1945 keine Parteizugehörigkeit, nach 1945 Mitglied der KPD), Franke, Paul (geb. 1.10.1896, wohnte in Selchow, Landarbeiter, vor und nach 1945 keine Parteizugehörigkeit, ohne eigenes Land) und Valentin, Max (geb. 3.5.1889, wohnte in Selchow, Landarbeiter, vor und nach 1945 keine Parteizugehörigkeit, ohne eigenes Land). Aufteilungsprotokoll der Bodenreform in Selchow vom 22.8.1946 Name Vorname Beruf Alter Altbesitz ha 1. Lobeth Karl Bauer 48 1,63 2. Bossling Hans Kaufmann 48 1,97 3. Drobbe Erich Bauer 39 0 4. Dahm Hermann Bauer 48 0 5. Nugk Paul Bauer 40 0 6. Teschke Luise Bauer 67 1,30 7. Kiekebusch Otto Bauer 47 0 8. Streich Friedrich Bauer 39 0 9. Grundmann Paul Bauer 49 0 10. Lau Ella Bäuerin 41 0 11. Janke Richard Landarbeiter 62 0 12. Kluge Herman Landarbeiter 59 0 13. Lüdtke Wille Landarbeiter 40 0 14. Schwinke Emil Landarbeiter 47 0 15. Krüger Emil Landarbeiter 50 0 16. Drobbe Reinhard Landarbeiter 50 0 17. Wichmann Sigismund Landarbeiter 41 0 18. Meier Georg Landarbeiter 41 0 19. Stiebert Otto Landarbeiter 62 0 20. Lüdtke Otto Landarbeiter 39 0 21. Waldow Paul Landarbeiter 39 0 22. Kaläne Hermann Landarbeiter 46 0 23. Kricke Rudolf Landarbeiter 38 0 24. Valentin Max Landarbeiter 57 0 25. Kusma Hedwig Landarbeiter 47 0 26. Dombrowski Kurt Landarbeiter 39 0 27. Hulke Max Landarbeiter 55 0 gesamt 4,90 - 41 -

zugeteilt ha 2,0 3,0 4,0 4,0 4,0 3,0 4,0 4,0 4,0 4,0 0,25 0,25 0,25 0,25 0,25 0,25 0,25 025 0,25 0,25 0,25 0,25 0,25 0,25 0,25 0,25 0,25 40,25

gezahlter Preis DM 420,630,840,840,840,630,840,840,840,840,50,50,50,50,50,50,50,50,50,50,50,50,50,50,50,50,50,8.410,-


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Die entsprechenden Flurkarten wurden gegen Unterschrift im Juni 1946 ausgehändigt. Der Preis wurde von allen gleich bezahlt. Die Böden der Beisitzer Nr. 11 bis 27 war Sandboden. Die Kreiskommission zur Bodenreform bestätigte die Aufteilung. Unterschrieben wurde die Aufteilung am 13.6.1946 vom Bürgermeister Schüler und den Bürgern Stippekohl und Drobbe. Am 17.10.1945 hatte die Gemeinde Selchow die Ausführungsbestimmung Nr. 7 zur Durchführung der Bodenreform und der Bildung von Ausschüssen der gegenseitigen Bauernhilfe erhalten, die folgenden Inhalt hatte: Allgemeine Bestimmungen: Der Aufteilung unterliegen alle Produktionsmittel und sonstiges landwirtschaftliches Vermögen der im Zuge der Bodenreform enteigneten Betriebe mit Ausnahme solcher Betriebe, die gemäß Artikel IV; Ziffer 14, zur Organisierung von Mustergütern und anderen wichtigen Zwecken auf Grund besonderer Benennung durch die Provinzialverwaltung bereitgestellt sind. Das landwirtschaftliche Inventar, große Maschinen, werden den Ausschüssen der gegenseitigen Bauernhilfe unentgeltlich übereignet. Geräte für die Bodenbearbeitung mit Pferden und Handgeräte für die Tierzucht werden den bedürftigen Bauern unentgeltlich übergeben. Das Vieh wird den bedürftigen Neubauern übergeben. Das Erntegut der beschlagnahmten Betriebe wird für die Pflichtablieferung genommen, als Saatgut verwendet und an die Landarbeiter verteilt, die auf dem Betrieb seit Frühjahr 1945 arbeiteten. Kleine Anlagen für die Verarbeitung von landwirtschaftlichen Produkten gehen in den Besitz der Gemeinde über. Werkswohnungen gehen in das Eigentum der Landarbeiter über. Sie erhalten dafür das entsprechende Dokument. Wirtschaftsgebäude, Wohnhäuser, Gärten, Obstanlagen werden Eigentum der Gemeinde. Die Anordnung traf in Selchow nur bedingt zu.

Gemeindeleben und Gemeindearbeit von 1945 bis 1989 In den folgenden Abschnitten wird das Gemeindeleben und die Gemeindearbeit von 1945 bis 1989 überwiegend an Hand der Protokolle der Gemeindevertretung und der Ratstagungen als Zusammenfassung der Ereignisse, Beschlüsse und Maßnahmen chronologisch dargestellt. In der Regel fanden die Gemeindevertretersitzungen in der Schule, im Kindergarten aber auch in der Gaststätte Lehmann statt. Die Vorbereitung der Beratung lag in den Händen des Rates der Gemeinde. Die Versammlungsleitung wechselte. Die Rats-Gemeindevertretersitzung wurde im Allgemeinen mit der Einschätzung der internationalen Lage begonnen. Hauptthema waren aber die Tagesaufgaben der Gemeinde. Der Ablauf erfolgte nach einem festen Muster: Die Gemeindevertreter wurden schriftlich eingeladen. Die Gemeindevertretersitzung wurde durch eine Ratssitzung vorbereitet. Die Gemeindevertreter bestimmten für die nächste Sitzung die Tagesleitung. Von jeder Sitzung wurde ein Protokoll angefertigt, wobei nicht alle Protokolle vollständig erhalten sind. Auf der Gemeindevertreterversammlung zu Beginn eines Jahres wurden der Haushaltsplan, der Jugend- und Frauenförderungsplan und das Wettbewerbsprogramm beschlossen. Zu bestimmten Anlässen, wie 1. Mai, 8. März, 7. Oktober aber auch zu Weinachten fanden jährlich festliche Veranstaltungen in Selchow oder in der Gaststätte in Waßmannsdorf statt.

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Die Verwaltungsaufgaben der Gemeindeverwaltung in den Jahre 1945 bis 1948 Erfassung des Zustandes der Gebäude durch die Gemeinde Namen Vornamen Wohnungen Scheunen Ställe Adresse zerstört in % zerstört in % zerstört in % Lobeth Karl 100 100 Stöcker Max 100 100 Bahnhofstr. 12 Teschke Berthold 100 100 100 Dorfstr. 23 Dahm Hermann 100 100 Sternstr. 6a Grabow Reinhold 100 100 100 Sternstr. 5 Hansche Herbert 20 Dorfstr. Kamin 50 Kiekebusch Otto 50 Sternstr. 4 Bossling Else 20 100 Bossling Otto 100 50 Dorfstr. Lehmann Karl 20 100 50 Dorfstr. 19 Lobeth Waldemar 20 100 Dorfstr. 9 Lobeth Willi 20 100 50 Dorfstr 10. Sauerwald Walter 20 100 Sauerwald Wilhelm 100 Dorfstr. Sauerwald Waltraut 50 Nugk Paul 20 50 Dorfstr. 14 Dannefelzer Bernhard 100 Dorfstr. 7 Stippekohl Karl 100 50 Dorfstr. 16 Mette Alfred 100 50 Dorfstr. 16 Ribbecke Max 100 Schindler Karl 50 50 Blum 50 Wernitz Max 20 50 Krüger Emil 20 Eckert 50 Gemeindehaus 20 50 Dorfstr. 17 Statistische Angaben zur Aufnahme von Flüchtlingen Die Gemeinden waren verpflichtet, auf Grund des Befehls Nr. 52 Marschall Schukows, folgende Meldungen an die festgelegte Behörde zu geben. Gesamtzahl der in der Gemeinde untergebrachten Evakuierten und Heimkehrer aus der Gefangenschaft: In Selchow waren das am 1.10.1945 200 Personen. Am 1.7.1945 Am 3.11.1945 5.1.1946 Evakuierte aus Westdeutschland 1 Mann 1 Mann 1 Frau 1 Frau Umsiedler aus ehemals deutschen Gebieten 50 Männer 38 Männer 50 Männer 75 Frauen 78 Frauen 75 Frauen 65 Kinder 64 Kinder 65 Kinder Heimkehrer aus Gefangenschaft 29 Personen 18 Personen 25 Personen Durch die Verwaltung, Bezirksbürgermeister in Blankenfelde, wurde angewiesen, keine Flüchtlinge abzuweisen. Es war so zu verfahren, dass zu dem Friedensstand von 1939 bis zu 60 % Flüchtlinge gerechnet werden müssen. Am 15.2.1945 waren in Selchow 221 Evakuierte und Heimkehrer untergebracht. Meldung von Ausländergräbern: Die Unterlagen von 7 Personen polnischer Staatsbürgerschaft, die bei einem Bombenangriff ums Leben kamen, wurden beim Einmarsch der Roten Armee vernichtet. Daher waren die Namen nicht bekannt.

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Bautätigkeit 1945 Am 22.1.1945 erhielten die Berliner Stadtgüter in Selchow die Erlaubnis zum Bau eines Mehrzweckbehelfsbaues von Typ Lab.702/3 Im Dezember 1945 wurde die Instandsetzung und Erhöhung des Wohnhauses in der Bahnhofstraße für Hermann Dahm genehmigt.

Die Jahre 1946 bis 1948 Am 22.1.1946 wurde eine Verordnung zur Verwendung von brachliegenden landwirtschaftlichen Nutzflächen in der Provinz Mark Brandenburg durch die Provinzialverwaltung erlassen. Darin wurde verordnet, dass Brachliegende LN genutzt werden muss, Grundbesitzern, die das Land nicht bebauten, drohte ein vorübergehender Entzug des Nutzungsrechts. Die gegenseitige Bauernhilfesollte hatte diese Grundstücke pachtweise für 6 bis 12 Jahre für eine Pacht von 8 – 10 RM je ha zu übernehmen. Das Land konnte aber weiterverpachtet werden. Die gegenseitige Bauernhilfe musste eine Aufstellung der Pachtgrundstücke machen, die Pacht beantragen, die Eigentümer informieren und das Schriftstück vom Ortsausschuss der gegenseitigen Bauernhilfe unterschreiben lassen. Die Ortsausschüsse mussten die Verwertung des Brachlandes öffentlich aushängen. Die Eigentümer konnten Einspruch erheben. Die Ortsausschüsse mussten invaliden Personen, alleinstehenden Frauen, die von ihrem Land leben mussten, bei der Bestellung des Ackerlandes helfen. Die Anordnung war unterschrieben von Präsident Dr. Steinhoff, Vizepräsident Bechler, Rau, Rückert, Schleusener. Haushaltspläne, später Volkswirtschaftspläne, wurden auf der Grundlage von Direktiven des Kreises erarbeitet. Haushaltsplan 1946 Einnahmen Ausgaben Allgemeine Verwaltung 180 4.870 Polizei 1.980 Schulwesen 520 940 Volksbildung, Kunst 150 Fürsorge u. Jugendhilfe 3.000 Gesundheitswesen 300 Öffentliche Einrichtungen 360 Finanzen, Steuern 29.600 18.700 gesamt 30.300 30.300 Am 15.9.1946 fanden Gemeindewahlen statt. Dem Wahlvorstand gehörten als Wahlvorsteher Paul Nugk, als Stellvertreter Erich Drobbe und als Beisitzer Kurt Dombrowski, Karl Stippekohl, Waldemar Lobeth sowie Bernhard Dannefelzer an. Aufstellung der Kandidaten der SED zur Gemeindewahl, Liste 1 Drobbe, Erich geb. am 12.12.1907 Neubauer Krüger, Emil geb. am 19.09.1896 Arbeiter Stippekohl, Karl geb. am 13.01.1899 Bauer Boßling, Hans geb. am 12.10.1898 Neubauer und Kaufmann Lüdtke, Frieda geb. am 18.05.1906 Landarbeiterin Dombrowaki, Kurt geb. am 12.08.1907 Gärtner Ribbecke, Wally geb. am 08.07.1910 Bäuerin Teschke, Berthold geb. am 27.05.1912 Bäckermeister, parteilos Stiebert, Erwin geb. am 26.05.1910 Maurer, parteilos Otter, Heinrich geb. am 23.041888 Bauer, parteilos Konieczny, Max geb. am 26.05.1901 Dachdecker

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Aufstellung der Kandidaten der LDP zur Gemeindewahl, Liste 3 Mette, Alfred geb. am 27.02.1911 Bauer * Meissner, Richard geb. am 19.12.1875 pensionierter Lehrer, parteilos * Lobeth, Waldemar geb. am 26.06.1887 Bauer * Kiekebusch, Otto geb. am 12.09.1899 Neubauer, parteilos * Hansche, Herbert geb. am 27.07.1920 Bauer * Lobeth, Willi geb. am 01.02.1885 Bauer, parteilos * Streich, Friedrich geb. am 15.05.11907 Neubauer, parteilos Dannefelzer, Bernhard geb. am 07.09.1888 Bauer Kitzing, Georg geb. am 28.10.1884 Kaufmann, parteilos Lutsch, Georg geb. am 23.01. 1912 Maurer, parteilos Lobeth, Karl geb. m 28.05.1898 Kleinbauer, parteilos Es wurden 6 Kandidaten von jeder Partei gewählt. * Namen der gewählten Gemeindevertreter Wahlniederschrift 309 Stimmzettel 309 Wahlberechtigte 133 Stimmen für List 1 6 Sitze 159 Stimmen für List 3 6 Sitze 292 gültige Stimmen, 17 ungültige Stimmen Bautätigkeit 1946 Die Bauscheine waren gebührenpflichtig. Die Baumaterialien wurden entsprechend der Bauscheine bei der VdgB beantragt.

Januar März April April April Mai

1946 1946 1946 1946 1946 1946

Neubau einer Wagenremise für Herbert Hansche, Dorfstr. Wiederaufbau der Scheune von Wilhelm Sauerwald, Dorfstr. Wiederaufbau des Stallgebäudes von Hans Bossling, Dorfstr. Antrag von Otto Stöcker, Bahnhofstraße 12, auf Wiederherstellung des Wohnhauses Neubau eines Stalles von Frau Ella Lau, Dorfstr. 6 Anbau eines Essenraumes, einer Knechtekammer u. einem Maschinenschuppen, Helene Sauerwald, Berliner Str. Mai 1946 Wiederaufbau der Scheune von Bernhard Dannenfelzer, Dorfstraße 7 Mai 1946 Aufstellung eines Geräteschuppens mit Wohngelegenheiten für Melinda Ritter aus Neukölln. Wiederherstellung des Bühnenanbaues und Neubau einer Scheune für Karl Lehmann, Dorfstraße 19 Juni 1946 Neubau einer Scheune von Willi Lobeth , Dorfstraße 1946 Wiederaufbau einer Scheune von Walter Sauerwald, Dorfstraße Juni 1946 Erweiterung der Nebenanlagen für Wohnzwecke von Albert Teutloff, Bahnhofstraße Juli 1946 Gebrauchsabnahme des Bürogebäudes, Dorfstr. 17, Gemeinde Juli 1946 Umbau und Instandsetzung des Wohnhauses von Karl Lobeth, Berliner Straße August 1946 Erneuerung des Scheunendaches von Karl Stippekohl Dorfstr. 16 . August 1946 Wiederaufbau der Scheune von Otto Bossling August 1946 Wiederherstellung des Außenputzes des Wohnhauses von Luise Sauerwald, Dorfstr. September 1946 Neubau eines Wohnhauses sowie Be- und Entwässerung in der Bahnhofstr. 6 von Ella Lau September 1946 Luise Sauerwald erhielt einen Rohbauabnahmeschein. Grundstückverkäufe 1946 Frau Margarete Schindler, geb. Boßling, aus Britz, verkaufte an die Eheleute Otto Siering 2.500 qm Land in Selchow und an die Eheleute Dimitrius Ritter aus Neukölln 2.500 qm für die Aufschließung von Wohnsiedlungsgebieten.

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Die Gemeinde und die Besatzungsmacht Es gibt aus dem Jahre 1946 zahlreiche Dokumente zu Arbeitseinsätzen für die Besatzungsmacht. So wurden beispielsweise am 16.5.1946 durch das Arbeitsamt Teltow an den Gemeindevorsteher auf Befehl der sowjetischen Besatzungsbehörden und auf Anordnung der Kreiskommandantur des Kreises Teltow 15 volleinsatzfähige männliche Arbeitskräfte für den 17.5.46 angefordert. Sie mussten sich ab 8.00 Uhr in der Bürgermeisterei Waßmannsdorf zum Abtransport nach Schönefeld einfinden. Weigerungen wurden bestraft. Weiterhin wurde mitgeteilt, dass nach Tariflohn gezahlt wird, dass Lebensmittelkarten mitzubringen sind, damit diese in Schwerstarbeiterkarten umgetauscht werden konnten. Außerdem hatte sich jeder eine Schlafgelegenheit mitzubringen, da ein Quartier zur Verfügung stand und ein täglicher An- und Abtransport von und zur Arbeitsstelle aber nicht erfolgte. Gekocht wurde in einer Gemeinschaftsküche. Die angeforderten 15 Männer mussten zur Arbeit auf dem Flugplatz Schönefeld. Ein weiteres Dokument sagt aber aus, dass doch jeden Tag nach Selchow zurückgefahren wurde. Nach Schönefeld fuhren damals Hermann Stelldinger, Waldemar Lobeth, Otto Stöcker, Willi Lobeth, Herbert Hansche, Walter Sauerwald, Bernhard Dannefelser, Karl Stippekohl, Luise Sauerwald, Paul Nugk, Karl Lobeth, Otto Bossling, Karl Schindler, Max Ribbecke, Alfred Mette. Laut einer Liste waren in Selchow 53 Frauen und 16 Männer ab 18 Jahre nicht beschäftigt. Die Geburtsjahre der Frauen lagen zwischen 1867 und 1924, die der Männer zwischen 1864 und 1917. Ein weiterer Runderlass des Landrates des Kreises Teltow Siebenpfeiffer forderte die Gemeinden auf, da ein großer Mangel an Arbeitskräften für die vordringlichsten Versorgungsarbeiten herrschte, das zuständige Arbeitsamt zu unterstützen und die geforderten Arbeitskräfte für die notwendigen Arbeiten zu schicken. Dabei war zu berücksichtigen, dass auch aus Frisörgeschäften, Schreibwarengeschäften, Gaststättenbetrieben ohne Mittagstisch und anderen Bereichen Personen zu schicken waren. Scheinarbeitsverhältnisse waren zu überprüfen. Unentschuldigtes Fehlen wurde bestraft. Zur Pflichtablieferung von pflanzlichen Produkten der 26 produzierenden Bauern gehörten Getreide Ölfrüchte, Kartoffeln und Gemüse. 1947 waren aus dem Branchen- und Adressbuch von Groß-Berlin folgende Informationen über die Gemeinde Selchow zu entnehmen: • Einwohner 560 Personen • Amtsgericht Teltow • Fernsprechamt Mahlow • Bürgermeister Paul Nugk Gewerbebetriebe: • Bossling, Hans Gemischtwarenhandlung • Kitzling, August Gemischtwarenhandlung • Lehmann, Karl Gastwirtschaft • Schüler, Adolf Tabakgroßhandlung • Schultze, Emil Bäckerei • Schulze, Otto Schneider • Stechert, Otto Fleischerei • Steldinger, Hermann Schneider Am 21. 4.1947 wurde durch die Gemeindevertreter der ordentliche Haushaltsplan für 1947 beschlossen. Er galt bis zum 1.4.1948. Er sah Einnahmen und Ausgaben von 32.858 RM vor. Am 11.6.1947 fand eine Neuwahl des Vorsitzenden der VdgB statt. Der ehemalige Vorsitzende der VdgB, Karl Stippekohl, eröffnete die Versammlung. Bautätigkeit 1947 (Bauscheine waren verbunden mit Zuweisung von Baumaterial) Januar 1947 wurde das Bürogebäude, Dorfstraße 17, mit Bauschein 53/45, von der Kreispolizei abgenommen. März 1947 erhielt Herr Siegfried Friedrich, Bahnhofstraße 2, eine Ansiedlungsgenehmigung mit einem Neubau eines Wohnhauses (Behördenkosten 100 RM). Im April 1947 stellte Frau Emma Albert den Antrag auf Baumaterialien für das im Krieg zerstörte Wohnhaus. Im August 1947 erhielt Herr Emil Schwinke eine Ansiedlungsgenehmigung für den Bau eines Wohnhauses „Am Rötepfuhl“ (Behördenkosten 105 RM).

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Im September 1947 erhielt Frau Ella Lau ein Ansiedlungsgenehmigung und die Genehmigung zum Neubau eines Wohnhauses (Behördenkosten 120,00 RM). Die Anträge auf den Wiederaufbau einer Scheune und den Bau eines neuen Getreidelagerraumes für Waldemar Lobeth (Lagerraum für Getreide war ausreichen vorhanden) wurden abgelehnt. 1947 wurde eine Baukommission gegründet der Erich Drobbe (Neubauer), Emil Krüger (Vors. der Bodenkommission), Hermann Dahm (Vorsitzender der VdgB), Waldemar Lobeth (Vorsitzender LDP) und Emil Schwinke (SED-Mitglied) angehörten. Die Bauleitung übernahm der Bürgermeister. Die Neubauern hatten folgende Bauvorhaben: Dahm, Hermann: Stallscheune mit Keller; Drobbe, Erich: Scheune; Kiekebusch, Otto: Stall; Lau, Paul: Scheune; Lüdtke, Willi: Bau eines Wohnhauses (erhielt 0,2615 ha Ackerland aus dem Bodenreformfond als alteingesessener Selchower). Angaben zur Bevölkerungsstatistik in Selchow 1945–1948 Am 27. Juni 1946 Jetzige Standbevölkerung 395 Personen Zahl der Umsiedler 152 Personen Zahl der aufgenommenen Berliner keine Anzahl der Umsiedlerfamilien mit festem Wohnsitz 24 Anzahl der Umsiedlerfamilien ohne festen Wohnsitz 15 Grad der zerstörten Wohnungen 10 % Am 8.10.1946 wurden an das Sozialamt gemeldet Einwohner gesamt 556 davon Frauen 169 Kinder bis 14 Jahre 146 Kinder 14 bis 18 Jahre 38 Erwerbstätige Frauen 46 Schwangere Frauen 4 Mütter mit Kindern 12 Anhanglose Frauen 11 Jugendliche gesamt 38 männlich 16 weiblich 22 allein stehend keine Bevölkerungsstatistik 18.12.1945 31-5.1946 30.11.1946 3.2.1947 6.8.1947 1. Ortsansässige Bevölkerung 371 394 392 389 389 Kinder bis 14 Jahre männlich 51 52 54 54 45 weiblich 46 48 47 45 39 gesamt 97 100 101 99 84 Jugendl. 14 – 18 Jahre männlich 12 12 10 10 12 weiblich 12 9 7 7 14 gesamt 24 21 17 17 26 Erwachsene 18 – 50 Jahre männlich 88 61 62 62 72 weiblich 162 115 115 114 98 gesamt 250 176 167 176 170 Erwachsene über 50 Jahre männlich 41 40 40 37 weiblich 56 57 57 52 2. wohnberechtigte Umsiedler 194 97 160 162 250 Kinder bis 14 Jahre männlich 35 33 31 32 37 weiblich 30 15 18 18 32 gesamt: 65 48 49 50 69 - 47 -


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Jugendliche 14 – 18 Jahre männlich 13 7 7 8 13 weiblich 5 3 5 6 8 gesamt: 18 10 12 14 21 Erwachsene über 18 Jahre bzw. bis 50 Jahre männlich 32 61 27 25 35 weiblich 79 115 41 42 79 gesamt 111 176 68 67 114 Erwachsene übe 50 Jahre männlich 15 15 15 37 weiblich 16 16 16 52 gesamt: 31 31 31 8 9 Gesamt 565 543 552 551 619

Das Jahr 1949 1949 wurde der Feldwege von Waßmannsdorf nach Selchow zur festen Straße, der F 96, ausgebaut und die Straße mit einer Teerdecke überzogen. Im gleichen Jahr brannte der 1761 aus Feld–und Backsteinen erbaute Schafstall, in alten Unterlagen als Schafscheune bezeichnet, ab. Der Stall wurde wieder aufgebaut. Der Haushaltsplan für das Jahr 1949 wurde am 2.3.1949 bestätigt. Bautätigkeit 1949 An den Rat des Kreises Teltow wurde folgende Liste für die Zuteilung von Baustoffen gestellt, die auch bewilligt wurden: 1. Tscheuschner, Karl, für Reparaturen am Wohnhaus, Dorfstr. 36 2. Teutloff, Albert, Bahnhofstraße, für die Instandsetzung des Wohnhauses 3. Stelldinger, Marie, Bahnhofstraße, für Reparatur am Wohnhaus 4. Eckert, Walter, Dorfstraße 12, für Reparatur am Wohnhaus Nach einer Wirtschaftsflächenerhebung von 1949 hatten in Selchow 31 private Betriebe eine Betriebsgröße zwischen 0,07 ha und 44,43 ha.

Das Jahr 1950 Anfang 1950 wurde eine demokratische Gemeindeordnung für die sowjetische Besatzungszone Deutschland erlassen, die folgenden Inhalt hatte: Die Gemeinden werden selbst verwaltet, die Gemeinden sind Teil des Kreiskommunalverbandes, die Gemeinden haben öffentliche Aufgaben zu erfüllen, das sind soziale, kulturelle und wirtschaftliche Aufgaben, sie sorgen für die öffentliche Ordnung und Sicherheit, sie erlassen ortspolizeiliche Aufgaben, Auftragsangelegenheiten werden der Gemeinde durch Gesetz und Anordnung der Landesverwaltung zugewiesen. Gemeindeangehörige sind alle Personen, die ihren Wohnsitz im Gemeindegebiet haben. Ehrenamtlich tätige Gemeindeangestellte, Gemeindevertreter und unbesoldete Mitglieder des Gemeinderates haben Anspruch auf Ersatz barer Auslagen und entgangener Arbeitsverdienste in angemessenen Grenzen. Die Vertretung der Gemeindeangehörigen erfolgt durch die gewählte Gemeindevertretung. An der Spitze steht der Bürgermeister. Die Gemeinde gibt sich ihre Geschäftsordnung und Ortssatzung selbst. Das Geschäftsjahr entspricht dem Kalenderjahr. Sie kann Steuern und Abgaben nach gesetzlichen Vorschriften erheben. Für die Gemeinde ist der Kreistag das übergeordnete Organ.

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Haushaltsplan für 1950: Einnahmen Ausgaben Steuern/Grundsteuern betrugen: für land- und forstwirtschaftliche Betriebe für Grundstücke Gewerbesteuer Vergnügungssteuer Getränkesteuer Hundesteuer für den ersten Hund für den 2. Hund für weitere Hunde

43.969 MDN 43.960 MDN 250 von H. 300 von H. 450 von H. 25 von H: 20 von H. 3,- MDN 20,- MDN 50,- MDN

Beispiel eines Gewerbesteuerbescheides aus dem Jahre 1950 Herr Wilhelm St. erhielt im Oktober 1950 für das Jahr 1949 folgenden Gewerbesteuermessbescheid: Der Gewinn aus dem Gewerbebetrieb betrug 2.458 MDN, die Steuer betrug 12 MDN. Herr Otto Sch. erhielt im Oktober 1950 für das Jahr 1949 folgenden Gewerbesteuermessbescheid: Der Gewinn aus dem Gewerbebetrieb betrug 2.601 MDN, die Steuer betrug 16 MDN. Beide Gewerbetriebe zahlten keine Steuern auf das Gewerbekapital. Seit dem 1.3.1950 bis 1979 war Hans Käding Schmiedemeister in der Sternstraße, heute Mittenwalderstr., ansässig. Am 1.11.1950 fanden die Wahl der Gemeindevertretung und die Zusammensetzung der Kommissionen statt: Name Vorname Funktion Kommission vor dem 1.11.1950 Gemeinderat Nugk Paul Bürgermeister Mette Alfred stellv. Bürgermeister Wohnungsausschuss Krüger Emil Lobeth Waldemar Wohnungsausschuss Meißner Charlotte Schriftführerin Wohnungsausschuss Dombrowski Kurt stellv. Schriftführer Sozialkommission, Wohnungsausschuss Gemeindevertreter Lobeth Willi Schadenskommission, Ortberater Drobbe Erich Schulz Richard Wohnungsausschuss Hansche Herbert Ernährung und Landwirtschaft Otter Heinrich Wohnungsausschuss Kiekebusch Otto Konieczny Max Durch folgende ehrenamtliche Kommissionsmitglieder wurden die Gemeindevertreter unterstützt: Karl Krüger, Hans Käding, Otto Grabow, Hildegard Stolze. Im Dezember 1950 verließ Karl Stippekohl die DDR. Er besaß einen Landwirtschaftsbetrieb von 12,12 ha und 0,25 ha Wiese, weiterhin 1,40 ha gepachtetes Rieselland vom VEG Kleinziethen. Am 15.12.1950 übernahm Fritz Lindemann aus Selchow von der Wirtschaft Stippekohl 11,10 ha Land in Pacht. Frau Stippekohl bewirtschaftete noch 0,25 ha Land. Im Dezember 1951 verließen Robert und Lina Aust die DDR. Die zurückgelassenen Gegenstände wurden verkauft, das Geld kam auf ein Sperrkonto. Per 15.12.1950 erhielten 31 Bürger in Selchow Umsiedlerkredite.

Das Jahr 1951 Im Januar 1951 betrug die Ackerfläche für die abgabenpflichtigen Betriebe 362,28 ha. Am 4.1. 1951 fand in der Gemeindevertretung die Neuaufstellung der Kommissionen satt. Notwendig geworden waren sie, da am 1.1.1950 die Gemeindevertreter Ch. Meißner, Otto Kiekebusch, Erich Drobbe, Willi Lobeth und Heinrich Otter als Gemeindevertreter ausgeschieden waren. - 49 -


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Die Neubestzung der Kommissionen hatte folgendes Ergebnis: Sozialkommission: Bernhard Dannefelzer, Kurt Dombrowsky Gewerbe, Schule, Jugend: Kurt Antrak, Willi Lüdtke Friedenskomitee: Max Konieczny, Waldemar Lobeth Ortsberater und Beirat für Landwirtschaft: Alfred Mette, Herbert Hansche Wohnungsausschuss: Otto Redlich, Emil Krüger, Paul Nugk Schadenskomitee: Alfred Mette, Paul Nugk, Max Konieczny, Der Kassenverwalter Herr Gerhard Schüler wurde als zweite Kraft in das Gemeindebüro übernommen. Am 28.2.1951 wurde auf der öffentlichen Einwohnerversammlung der neue Bürgermeister Paul Karge von Emil Krüger vorgestellt. Paul Nugk, bisheriger Bürgermeister, wurde verabschiedet. Er blieb aber noch in der Gemeindevertretung bis zum 14.11.1951. Akten und Inventar wurden vom alten Bürgermeister Blick in die Selchower Dorfstraße im Beisein der Ratsmitglieder Emil Krüger und Waldemar Lobeth dem neuen Bürgermeister übergeben. Paul Karge übernahm: 1 Tisch, 4 Stühle, 1 Bank, 1 Rollschrank, 1 Maschinentisch, 1 Aktenregal, 1 Wanduhr, 1 Papierkorb, 1 Schreibmaschine, 1 Wahlurne, 1 Fahne, 2 Bilder und ein Zerstäubungsgerät. Im März 1951 fand eine Bauernversammlung mit 84 Teilnehmern statt. Die Diskussion ergab: Die am 4.1. aufgestellten Kommissionen wurden bestätigt. Es wurde der Antrag auf Senkung des Pachtpreises für Rieselfelder von 285 DM auf 200 DM je ha an das VEG gestellt. In den Gemeindevertretersitzungen wurden Probleme der Bauern beraten. Es wurden keine weiteren Schweinemastverträge abgeschlossen, da den Bauern Futter, Stallplätze und Kohle fehlten. Konsumgetreide musste in Hochzuchtsaatgut umgetauscht und gute Saatkartoffeln beschafft werden. Die Geflügelzucht musste verbessert werden und es sollten Bruteier für die Medizin abgeliefert werden. Die Bauern mussten verstärkt Maßnahmen gegen Felddiebstähle einleiten. Der Gemeindebote Otto Kowalewski erhielt von Paul Franke das ihm zustehende Ackerstück zurück. Im November herrschte die Maul- und Klauenseuche.

Das Jahr 1952 Die Einwohnerzahl Selchows betrug 620. Für das Haushaltsjahr 1952 waren für Einnahmen und Ausgaben je 34.430 MDN geplant. Aufgrund des Chausseebaues veränderte sich die Betriebsfläche der Bauern. Bei Waldemar Lobeth von 24,11 ha auf 24,08 ha, bei Karl Schindler von 24,26 ha auf 24,17 ha, bei Wilhelm Sauerwald von 22,19 ha auf 22,18 ha, bei Otto Boßling von 19,86 ha auf 19,80 ha und beim VEG Selchow von 447,33 ha auf 446,92 ha. Das VEG Selchow wurde Patenbetrieb für die Schule. Es wurden Aktionen zur Beräumung von Wegen, Gräben und des Kirchhofes durchgeführt. Am 18.5. fand die Flurbegehung statt. Die Einwohner mussten den Kartoffelkäfer bekämpfen. Beim Rat der Gemeinde wurden folgende Anträge positiv beschieden: Die Verpachtung des Grundstückes von Ritter an Otto Stippekohl, die Verpachtung des Gartens von Willmann an Frau Lutsch, die Verpachtung des Grundstückes Ritter an Herr und Frau Gora von 1.1.53 bis 31.12.1959 für 20 MDN pro Jahr, die Verpachtung des Grundstückes Herbricht, 0,25 ha, an Fritz Krüger vom 1.1.53 bis 31.12.1959. Die Sicherung der Vermögenswerte des Westbesitzes war durch die Richtlinie für Städte und Gemeinden; GBL der DDR Nr: 100, Seite 615, geregelt. Die Einnahmen aus Pacht oder Vermietung kam auf ein Verwahrkonto. Am 8.10. wurde in der Gaststätte Lehmann mit ca. 70 Personen der Tag der Republik gefeiert. - 50 -


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Das Jahr 1953 Die Rationierung von Textilien und Schuhen wurde 1953 aufgehoben. Von nun an konnte man sie ohne Bezugschein im Einzelhandel kaufen. Im August übernahm Herr Helmut Gläser kommissarisch das Amt des Bürgermeisters. Er stammte aus Deutsch Wusterhausen. Paul Karge und danach Max Konieczny hatten das Amt niedergelegt. Gläser zur Seite standen die Mitglieder des Rates der Gemeinde und der Gemeindevertretung, die am 11.12.1953 gewählt wurden: Paul Nugk, Kurt Dombrowski, R. Blümke, Manfred Exner, Max Valentin und als Gemeindevertreter Erich Juretz, Fritz Hofmann. Die Kreissparkasse unterstützte auch die Umsiedler mit Krediten. Die Allgemeine Kredithilfe war am 8.9.1950 von der Volkskammer beschlossen worden und gewährte Wohnbedarfskredite bis zu einer Höhe von 1000,00 MDN. In Selchow wurden diese zinslosen Kredite von 32 Familien in Anspruch genommen. Die Auszahlung erfolgte über Kreditscheine. Die Gemeinde bewältigte mit Hilfe des „Nationalen Aufbauwerks“ (NAW) die Verschönerung des Dorfes, die Gestaltung des Tanzplatzes, den Bau eines Kinderbuddelkastens, das Anpflanzen von Bäumen und Sträuchern. In Selchow gab es noch 3 Ruinen, die zu Wohnungen ausgebaut wurden. Darüber hinaus wurde die Straßenbeleuchtung instand gesetzt. Dabei unterstützten die Bauern und das VEG die Gemeinde mit Technik und Arbeitskräften. Aktionstage des NAW waren der 15.11. und 11.12.1953. Am 17.12.1953 fand eine Versammlung des Demokratischen Blocks statt. Koll. Rusch leitete die Versammlung und Koll. Konieczny gab seine Kündigung vom August öffentlich bekannt, da in der Gemeinde Unklarheit über die Besetzung der Position des Bürgermeisters herrschte. Zur Erklärung: Koll. Konieczny war Bürgermeister in Selchow und gleichzeitig Stellmacher auf den VEG. Das VEG Selchow hatte Max Konieczny gekündigt und er selbst hatte seinen Bürgermeisterposten beim Rat des Kreises KW gekündigt. Begründung: die Arbeit für zwei Funktionen wurde nicht bewältigt. Die Gemeindevertreter waren der Meinung, dass Herr Konnieczny die Arbeit als Bürgermeister in Selchow bewältigen kann, das VEG meinte aber, er sei als Bürgermeister ausgelastet. Eine Monatsgehaltsliste vom 14.4.1953 mit Beispiel der Versteuerung: Name

Soz. Vers. des Betriebes

Konieczny, Max Bürgermeister Schüler, Gerhard Angestellter Krüger, Hannelore Schreibhilfe Kowalewski, Otto Gemeindearbeiter Hannemann, Selma Schulreinigung Langer, Berta Büroreinigung Schüler, Grete Kassenverwalter gesamt

Unfallumlage

Brutto

Betrieb

Soz. Vers.

Lohnsteuer

Netto

Beschäftigte

33,00

0,99

330,00

33,00

34,20

262,80

27,30

0,82

273,00

9,30

——

263,70

12,32

0,37

123,20

12,32

——

110,88

17,60

0,53

176,00

17,60

——

158,40

5,00

0,00

50,00

5,00

——

45,00

1,50

0,00

15,00

15,00

——

——

5,00

0,00

50,00

5,00

——

45,00

101,72

2,71 1.017,20 82,22

34,20 900,78

Der Bürgermeister erhielt als Aufwandsentschädigung monatlich 30,0 MDN.

Die Jahre 1954 – 1961 25 bis 30 Ferienkinder konnten für 3 Ferienwochen mit dem VEG Selchow zu deren Patenbetrieb nach Münchhofe fahren. 15 Kinder machten gemeinsam mit den Kindern aus Rotberg eine Spreewaldfahrt. Alle Bürger wurden aufgefordert, an der Kartoffelkäferaktion teilzunehmen. Am 1.1.1957 übergab Otto Kiekebusch 4,17 ha Ackerland an das VEG Selchow.

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Am 21.6.1957 wurde folgender Haushaltsplan für das Jahr 1957 beschlossen: eigene Einnahmen 47.800 MDN Ist-Überschuss aus dem Vorjahr 1.200 MDN Gesamt 49.000 MDN Ausgaben 36.790 MDN Abführung an den Kreis 12.210 MDN Gesamt 49.000 MDN Sollüberschuss 1.590 MDN Für die gesellschaftliche Entwicklung der Gemeinde wurden folgende Mittel aufgewendet: Kommunale Wirtschaft 8.250 MDN Sozialwesen 1.900 MDN Das Buswartehäuschen wurde 1963 erbaut. Volksbildung 5.060 MDN Verwaltung 19.360 MDN Im Kreis Königs Wusterhausen existierten per Nov. 1958 bereits 37 LPGen, davon 29 vom Typ III. 1958 verkaufte Hans Bossling an Paul Nugk 3,07 ha Ackerland. Frau Streich (Witwe) übergab 3,99 ha an das VEG Selchow. Die Wirtschaft von Erich Drobbe (4,17 ha Bodenreformland) ging zu 1,25 ha an Paul Lau und zu 2,92 ha an Berthold Teschke. Die Wirtschaft wurde zum 1.1.1959 aufgelöst. Am 31.12.1959 hatte die Gemeinde eine Fläche von 7 km². Die Einwohnerzahl betrug 652 Personen, davon waren 307 männlich und 345 weiblich. Im Nationalen Aufbauwerk (NAW) wurden von den Einwohnern 5054 Stunden unentgeltliche Arbeit geleistet, die einen Wert von 16.420 Mark hatten. D.h., das pro wahlberechtigten Selchower Bürger ein Wert von 41,78 MDN erwirtschaftet wurde, 1958 waren das noch 37,99 MDN. 1958/59 gehörte Selchow zum MTS-Bereich Dahlewitz. Das Gut bewirtschaftete 61,3 % der LN und die selbständigen Bauern 38,7 % der LN. Insgesamt erstreckte sich die LN auf 571 ha, davon waren 515 ha Ackerland und 48 ha Grünland. Von den Bauern wurden auf 11 ha Gemüse, 2 ha Zuckerrüben und 2 ha Frühkartoffeln angebaut. Je 100 ha wurden 61,6 Rinder, davon 30,1 Kühe und 155,2 Schweine, davon 16,2 Zuchtsauen sowie 8,1 Schafe gehalten. Flächennachweis der Landwirtschaft in Selchow (ohne Gut) 1949 1956 1957 1958 1959 LN 403,79 279,04 266,43 260,48 247,37 AL 366,31 240,84 231,53 219,38 Grünland 33,84 25,59 28,95 27,99 Viehbestand der Landwirtschaft in Selchow (ohne Gut) 3.12.1955 31.12.56 31.12.1957 31.12.1958 Pferde 37 40 38 34 Rinder ges. 213 217 206 200 dar. Kühe 110 115 119 95 Schweine ges. 488 447 431 341 dar. Sauen 53 42 35 21 Schafe ges. 50 64 58 53 Legehennen 671 615 612 566

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1956 wurde im Durchschnitt aller Betriebe (ohne Gut)je Kuh 1.769 kg Milch, je Schwein ein Lebendgewicht von 112 kg, je Rind ohne Kalb ein Lebendgewicht von 323 kg erzeugt. Die Vergleichszahlen für 1958 lauten: gesamt Erfassung Aufkauf Schweinefleisch in dz 354,25 173,06 181,19 Rindfleisch in dz 196,24 84,18 112,06 Milch in dz 2006,48 1.039,59 966,81 Eier in St. 41.461 30.445 11.016 Wolle in kg 213,9 181,30 32,60 Mit „Erfassung“ war der Umfang der Pflichtablieferung der einzelnen Wirtschaften gemeint. „Aufkauf“ entsprach dem freien Verkauf. Die Preise waren staatlich festgesetzt. Diese Aufteilung bezog sich auf alle Produkte. Wobei der freie Verkauf, damals „Freie Spitzen“ genannt, erst nach Erfüllung der Pflichtablieferung erfolgen durfte. Somit war ein Teil der Produkte für die Versorgung der Bevölkerung gesichert und der Verkauf, oft Schwarzhandel, bei offener Grenze, eingeschränkt. 1960 lebten in der Gemeinde 648 Personen, davon 306 männliche und 342 weibliche Personen. Die Selchower leisteten im NAW für die Gemeinde 2.520 Stunden unentgeltlicher Arbeit im Wert von 16.420 MDN. Am 12.3.1960 gründete sich die LPG aus 14 Bauernwirtschaften. Weitere Informationen zur LPG sind in einem extra Abschnitt zusammengestellt. 1961 wurden in die neue Gemeindevertretung gewählt: Horst Haufschildt, als Bürgermeister, er kam aus Blankenfelde; Manfred Exner, als stellv. Bürgermeister, er war Erzieher im LWH; Kurt Dombrowski, Gärtnermeister im VEG; Rudolf Blümke, Genossenschaftsbauer, Erwin Gacki; Gutsdirektor und ABV Kutzner. Sekretärin des Rates der Gemeinde war Frau Grabs, Heinrich Otter war Gemeindebote. Selchow hatte 582 Einwohner, 2 Verkaufsstellen (Kaufhaus von Bossling und Kitzing), 1 Gasthaus (Gasthaus Lehmann), 1 Bäcker (Schultze), 1 Schmied (Hans Käding), 1 Schneider und 1 Fuhrunternehmer.Am 10.9.1961 durchfuhr der 2. sowjetische Weltraumkosmonaut, Major German Titow, der in Berlin zu Gast war, die Gemeinde Selchow. Die Friedenfahrer durchfuhren im Mai auf der F 96 die Gemeinde Selchow.

Die Jahre 1962/63 Statistische Angaben: 1962 1963 Fläche 9 km² 9 km² Wohnbevölkerung 623 613 dar. männlich 291 285 Lebensmittelgeschäfte 3 3 POS 1 1 LPG I 1 1 Beschäftigte in der LPG 32 33 Privatbauern 2 (mit 18 ha) Nach der Einstellung des Eisenbahnverkehrs wurden die Bürger von Selchow mit Bussen transportiert. Ab 1951 fuhr der Bus von Teltow über Selchow nach Grünau, ab 1962 von Teltow über Selchow nach Schönefeld. 1963 baute die Gemeinde eine Bushaltestelle mit einem Wartehäuschen. Am 20.10.1963 fanden Volkskammerwahlen und Wahlen zum Bezirkstag statt. Das Wahllokal war in der Schule. Zur Vorbereitung der Wahl wurde eine Wahlkommission eingesetzt. Sie war dafür verantwortlich, dass die Wählerlisten vom 19.8. bis 29.9.1963 aufgestellt werden. Weiterhin wurden die Wahlbezirke eingeteilt. Drei Bürger aus Selchow wurden als Wählervertreter gewählt, die die Gemeinde auf Wahlveranstaltungen vertraten. Der Wahlvorstand setzte sich aus 4 Mitgliedern der SED, 2 Mitgliedern der Blockparteien und 3 Parteilosen zusammen. In Vorbereitung der Wahl wurden 12 Versammlungen mit 212 Teilnehmern durchgeführt. Dabei wurde auch Kritik geübt. So zum Beispiel von den Genossenschaftsbauern, die sich darüber beschwerten, dass das VEG Waßmannsdorf die langjährige Pacht für 50 ha Rieselland nicht verlängern will, da sie die Fläche für die Futterversorgung ihrer Tiere selbst benötigt. Die LPG befürchtete, dass ihre Rinderbestände wegen fehlenden Futters zurückgingen. Genossenschaftsbauer Finke bekam den Wählerauftrag, mit dem VEG das - 53 -


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angesprochene Problem zu klären. Weiterhin wurde kritisiert, dass für die Buslinie noch kein Fahrplan vorhanden war, dass die Dorfjugend keinen eigenen Raum hatte, dass der von den Kindern gesammelte Schrott noch nicht abgeholt worden war, dass der MTS-Tarif für das Mähen der Wiesen zu hoch sei und dass die Wohnungsprobleme schneller gelöst werden müssten. 1963 hatte die Gemeinde 11 Jungwähler. Selchow hatte 348 Wahlberechtigte, 345 Stimmen wurden abgegeben, das waren 99,13 %. Alle Stimmen waren gültig.

Die Jahre 1964 – 1969 Am 6.2.1965 schrieb der Bürgermeister von Selchow, Herr Horst Haufschildt, folgenden Brief an die Abteilung Innere Angelegenheiten des Kreises, in dem er Auskunft über die Kriegsopfer in der Gemeinde gab: „Bei einem Bombenangriff Ende November 1943 kamen 7 polnische Zivilarbeiter (verschleppte) ums Leben. Sie wurden am 3.12.1943 auf den Selchower Friedhof beigesetzt. Bis 1964 waren die Namen unbekannt. Im Jahre 1962 wurde durch uns das Gemeinschaftsgrab mit einer Grabumfassung und Grabstein versehen. Die Inschrift lautete: ‚Hier ruhen 7 unbekannte polnische Staatsbürger, gestorben 1944‘. Diese Auskunft erhielten wir von Einwohnern unserer Gemeinde. Durch weitere Nachforschungen erhielten wir durch das katholische Pfarramt Blankenfelde die sieben Namen und deren damaliges Alter. Nähere Auskünfte, wo sie zum Beispiel herstammten, konnten wir nicht erfahren.“ In einem 2. Brief an den Kreis stand: „Alle polnischen Bürger waren Zivilarbeiter in Selchow“. Ihre Namen lauteten Schändibyl, Ludwig (41 Jahre), Schändibyl, Leokardia (43 Jahre), Grabowski, Marie (37 Jahre), Löks, Eugenius (12 Jahre), Miela, Edek (14 Jahre), Miela, Czeslaw (12 Jahre) und Kortas, Kasemier (19 Jahre). Die jährlichen Kosten für die Pflege der Gräber bis 1964 beliefen sich auf 180 M, ab 1965 auf 120 M. Auf dem Selchower Friedhof sind auch die deutschen Wehrmachtsangehörigen Engel, Wilhelm (Todestag 16.4.1945), Hupperts, Heinz, Krämer, Heinz (21.4.1945) und Lind (29.4.1945) beerdigt. Am 23.6.1965 ereignete sich ein tragisches Eisenbahnunglück auf der Gemarkung von Selchow. Der Zug kam aus Potsdam, mehrere Wagen entgleisten. Es gab 9 Tote und 13 Schwerverletzte. Ursache war eine Gleisverwerfung durch Hitzeeinwirkung. Selchow in den 1960er Jahren Am 10.10.1965 wurde die Gemeindevertretung für die Wahlperiode 1965 bis 1969 gewählt. Es wurden 22 Kandidaten, davon 4 Nachfolgekandidaten aufgestellt. Die Mandate wurden wie folgt verteilt: 10 % DBD, 35 % FDGB und VdgB, 30 % übrige Einwohner. - 54 -


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Vorschläge als Gemeindevertreter für die Wahlperiode 1965–1969 am 10.10.1965 (* wurden gewählt) 1. Gacki, Ruth* Lehrerin und Kreistagsabgeordnete, geb. 5.12.1926, für NF 2. Langer, Vera* Gen. Bäuerin, geb. 15.10.1938, für VdgB 3. Exner, Manfred* Lehrer; geb. 15.5.1931, für DBD 4. Schultze, Helmuth* Bäckermeister; geb. 1.6.1908, für NF 5. Hansche, Herbert* LPG-Vorsitzender; geb. 27.7.191920, für SED 6. Mette, Alfred* LPG-Bauer; geb. 27.2.1911, für VdgB 7. Dombrowski, Kurt* Gärtnermeister im VEG; geb. 12.8.1907, für SED 8. Otter, Karl* Rieselwärter; geb. 1.9.1912, für FDGB 9. Liepold, Harri* Viehpfleger- Melker, VEG; geb. 3.5.1933, für FDGB 10. Manzek, Winfried* Arbeiter, geb. 19.12.1930, für NF 11. Jach, Georg* Angestellter VP; gelernter Maurer 12. Habernick, Bruno Eisenbahner, geb. 5.8.1914, für NF 13. Blümke, Rudolf* LPG-Bauer, geb. 15.11.1920, für SED 14. Hanzlik, Peter Kraftfahrer 15. Schwadtke, Hermann* Kraftfahrer, geb. 29.7.1909, für SED 16. Reimann, Franz* Schmiedemeister, VEG, geb.28.1.1905, für FDGB 17. Haufschild, Host Angestellter, geb. 4.5.1926, für SED 18. Schröder, Karl* Feldbaumeister; geb. 19.1.1908, für FDGB 19. Janowski, Franz Rieselwärter 20. Knop, Paul Traktorist 21. Bossling, Waltraud* LPG-Bäuerin, geb. 25.10.1928, für VdgB 22. Valentin, Max* Maurer, geb. 4.6.1921, für FDGB 23. Labrenz, Horst* Arbeiter, 6.3.1928, für NF 24. Lobeth, Dorothea LPG-Bäuerin, geb. 16.3.1925, für NF 25. Hantsch, Günter* 26. Valentin, Erika* dafür Gerda Hanke Während der Wahlvorbereitung schieden als Kandidaten aus: Paul Knop, Bruno Habernik, dafür Erika Valentin, Franz Janowski, dafür Max Drobbe*, Horst Haufschild, dafür Rudolf Schilke*, er wurde als Bürgermeister gewählt. Wahlergebnis Wahlberechtigte 332 Abgegebene Stimmen 326 Wahlbeteiligung 98,1 % Zahl der gültigen Stimmen 326 für den Vorschlag der NF 326 Stimmen 1965 wurden 22 Eingaben eingereicht, davon eine schriftliche, 19 mündliche und 2 Eingaben an den Staatsrat. Die Eingaben betrafen hauptsächlich Wohnungsangelegenheiten und wurden auch beantwortet. Am 2.7.1966 beschloss die Gemeindevertretung von Selchow eine neue Geschäftsordnung. 1967 wurde auf Initiative vom Bürgermeister Schilke durch die Gemeinde auf dem Grundstück Dorfstraße 16 eine alte Scheune zu einem Wohnhaus umgebaut. Das Wohnhaus hatte 4 Wohnungen mit fließendem Wasser, Bad und Gasanschluss. Am 10. und 11. Juni feierte die Gemeinde im Gutspark ein Parkfest mit sportlichen Wettkämpfen, Tanz im Freien, einem Lampion-Umzug und Filmvorführungen. Vorbereitet wurde das Parkfest von den Jugendlichen des LWH und des Dorfes. Am 21.7.1967 schieden Günther Hansche und Ruth Gacki aus der Gemeindevertretung aus, dafür rückten Horst Labrenz und Hari Liepold nach. Frau Kamin verkaufte ihr Grundstück an Edmund Labrenz statt an die Gemeinde. Ab 1.9.67 ging ein Teil der Selchower Klassen nach Schönefeld zur Schule. Zusammenfassung der Gemeindearbeit 1968 1968 wurde auf dem Grundstück Dorfstr. 16 das Stallgebäude zu 2 Wohnungen mit Bad, Toilette und Gasanschluss, einem Bibliotheksraum und 2 Räume für die Gemeindeverwaltung ausgebaut. Die Gemeinde - 55 -


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organisierte eine Veranstaltung für die Gemeindevertreter mit ihren Ehepartnern. Frau Graps wurde für ihre Arbeit ausgezeichnet. Die Gemeinde gewann im Wettbewerb 25.000 M. Am 11.12.1968 wurde auf der Tagung des Kooperationsrates eine gemeinsame Kulturarbeit beschlossen, z.B. gemeinsame Tanzveranstaltungen, Rentnerveranstaltungen, Kinderfeste, Verstärkung der Volkstanzgruppe Schönefeld und des gemischten Chores. Die Gemeindebibliothek hatte 70 ständige Leser. Die Bücher wurden regelmäßig durch die Kreisbibliothek ausgetauscht. 1969 richtete die Gemeinde einen neuen Bibliotheksraum ein. Am 25.3.1969 wurde zwischen dem Staatlichen Forstwirtschaftsbetrieb KW und der ZBO ein Nutzungsvertrag zur Ausbeutung einer Kiesgrube in der Gemarkung der Gemeinde Selchow, Holzung Hünengrab, abgeschlossen. Da die Gemeinde darüber nicht informiert war und Einspruch erhob, musste das Gelände wieder in den alten Zustand gebracht werden. Die Schwesternstation zog in das ehemalige Gemeindebüro. Die Räume wurden durch das Landambulatorium in Schönefeld angemietet. Zuständiger Arzt war Dr. Schmutzler, unterstützt durch die Gemeindeschwester Gisela.

Die Jahre 1970 – 1975 Das Jahr 1970 war bestimmt durch die Rechenschaftslegungen in Vorbereitung der Wahlen am 22.3.1970. Dazu wurden am 10.2. eine Wahlkommission und der Wahlvorstand gewählt. Am Wahltag hatte die Gemeinde Selchow 349 Wahlberechtigte, die alle ihre Stimme abgaben. Am 23.4.1970 wählte die neue Gemeindevertretung den Bürgermeister und die Mitglieder des Rates. Bürgermeister wurde Rudolf Schilke, sein Stellvertreter Kurt Dombrowski, Karl Schröder wurde zum Sekretär des Rates gewählt. Weitere Ratsmitglieder waren Karl Otter, Waltraud Bossling, Georg Jach und Vera Langer. Am 27.4. wählte die Gemeindevertretung die neue Schiedskommission, der Christel Domnik, Helene Vach, Lobeth und Günter Olschewski angehörten. Frau Grabs beendete ihre Arbeit als Haushaltssachbearbeiterin, Nachfolgerin wurde Ingrid Ritter. Zur Grabenschaukommission gehörten Karl Otter, Alfred Mette, Herbert Hansche, Willi Sauerwald, Otto Bossling, Walter Sauerwald und Otto Domke. 17 Bürger aus Selchow waren bereit, als Zähler bei der Personen-, Wohnungs- und Gebäudezählung mitzuarbeiten. 1971 beschloss die Hausgemeinschaft Dorfstr.16 in eigener Regie das Wohnumfeld zu verbessern. Und zwar durch das Ausheben des Abflussgrabens, das Pflanzen von Bäumen, Sträuchern und Blumen, die Einrichtung eines Sandkastens, die Vergrößerung des Wäscheplatzes, die Renovierung der Waschküche und aller Wohnungen. Gemeinsam sollte beim Umbau der Wohnung Rusch geholfen werden. Im gleichen Jahr beschlossen die Gemeindevertreter das Statut des Zweckverbandes der Gemeinden Waßmannsdorf, Selchow, Schönefeld und Großziethen. Aus dem Volksvertreterfond wurden Reparaturen an der Straßenbeleuchtung und die Fertigstellung des Feuerwehrhäuschens finanziert. Mitglieder der Gemeindewahlkommission zur Volkskammer- und Bezirkstagswahl waren Rudolf Schilke, Kurt Dombrowski, Vera Langer, Horst Labrenz, Karl Schröder, Hermann Schwadke und Waltraud Bossling. Waltraud Bossling und Horst Labrenz wurden zur Kreiswählerkonferenz delegiert. Zum Schutz der Bevölkerung bei Katastrophen wurde beschlossen, einen Schutzraum zu errichten. Kritisiert wurde u.a., dass die Zerstörung der Schaukästen und des Buswartehäuschens durch die Gemeindeverwaltung nicht verhindert wurde, dass durch die Ungleichheit des Unterrichtsschlusses die Schüler zu lange auf die Heimfahrt mit dem Schulbus warten mussten, die Verzögerungen beim Bau der Wasserund Entwässerungsleitungen, das Fehlen einer Gaststätte im Dorf, das Ausbleiben des Fischwagens sowie das Fehlen eines Veranstaltungsraumes. Insgesamt wurden in diesem Jahr 18 mündliche Eingaben gemacht, wovon 15 erledigt wurden. 1972 wurde das Haus Dorfstr. 18 komplett rekonstruiert und der Schulsportplatz erneuert. Die Volkssolidarität organisierte einen Ausflug mit 51 Rentnern nach Marienlust in Köpenick. Die Gemeinde gab 1972 für soziale Unterstützung 5.580,- M aus. Insgesamt standen der Gemeinde 50,2 TM zur Verfügung. 1973 wurde die KAP Diepensee gegründet. Leiter war Martin Becker, vorher Direktor des VEG Waßmannsdorf. Die LPG Selchow und LPG Waßmnnsdorf schlossen sich zusammen. Der Bodenreformacker von O. Stiebert wurde seiner Tochter Herta Bock, wohnhaft in Bohnsdorf, übertragen. Da die LPG das Land bewirtschaftete durfte es weder verkauft noch verpachtet werden. Ein geplanter Zusammenschluss der Gemeinden Selchow und Waßmannsdorf wurde von den Bürgern abgelehnt. Heinrich Otter und Friedrich Zach wurden auf der Festveranstaltung zum 7. Oktober für ihre Leistungen für - 56 -


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die Gemeinde mit einen Prämie und der Ehrennadel der NF ausgezeichnet. Probleme gab es bei der Getreideernte. Das Getreide musste nass geerntet und daher regelmäßig bewegt werden. Der Haushaltsplan der Gemeinde sah Einnahmen und Ausgaben von 82,7 TM vor. Aus dem Staathaushalt erhielt die Gemeinde einen Zuschuss von 36,2 TM. Die Wohnungen in der Dorfstr., die noch kein Innen-WC und Bad hatten, sollten diese 1974 erhalten. Die Mittel dafür waren vorhanden. Die Grünfuttermahd musste laut einer Verordnung zum Schutz der Großtrappen zwischen dem 20.4. und 30.6. mit größter Vorsicht erfolgen. Flächen, auf denen die Großtrappen brüten, durften erst nach der Schlupf bearbeitet werden. Ausgemähte Gelege waren zu melden. Für gerettete Gelege zahlte der Bezirksnaturschutz zwischen und 20,- und 100,- M. Das Ausbringen von Pflanzenschutzmitteln und künstliche Beregnung im Schongebiet war verboten. Am 1.1.1974 wurde der Gemeindeverband Schönefeld durch die Gemeinden Großziethen, Selchow, Schönefeld und Waßmannsdorf gegründet. Zum Gründungskomitee gehörten die Bürgermeister jeder Gemeinde, je 1 Ratsmitglied und 2 Gemeindevertreter. Am 19.5.1974 fanden die Kommunalwahlen für die Wahlperiode 1974/79 statt. In Selchow waren 354 Bürger wahlberechtigt. Rudolf Schilke wurde wieder zum Bürgermeister gewählt. Sein Stellvertreter war Bruno Domnik, Sekretär des Rates Herbert Hansche. Außerdem gehörten dem Rat Waltraut Bossling, Vera Langer, Rudolf Blümke, Karl Otter, Max Valentin, Walter Ritter, Horst Labrenz, Elfriede Lau, Gisela Janke, Gerda Hiltner, Georg Jach, Heinz Schulz, Werner Drobbe, Harri Liepold und Joachim Kranzusch an. Ersatzkandidaten waren Renate Riebesel, Friedrich Wilhelm Felten, Hildegard Sauerwald, Alfred Mann und Max Ribbecke jun. Rudolf Schülke und Heinz Schulz wurden in den Gemeindeverband gewählt. Der Volksvertreterfond in Höhe von 3.890,-M wurde für die Werterhaltung des Hauses Dorfstr. 18 eingesetzt. 2 Familien mit je 4 Kindern erhielten je Familie 300,- M für Anschaffungen und Schulspeisung aus Mitteln der Gemeinde. 1974 wurden 12 mündliche und 2 schriftliche Eingaben registriert. Die Kritik bezog sich auf ständige Rohrbrüche der Wasserleitung und Entwässerungsleitung, die von Waßmannsdorf nach Selchow führte. Auch konnte der Reitunterricht für Kinder vom VEG Waßmannsdorf nicht planmäßig durchgeführt werden, da ein Übungsleiter fehlte. In insgesamt 4 Wohnungen konnten Bäder und Innentoiletten eingebaut werden. Ein Sechsfamilienhaus erhielt eine Generalwerterhaltung. Für ehrenamtliche Arbeit in der Gemeinde wurden 1974 Kurt Dombrowski, Karl Schröder, Koll. Scheer, Rudolf Blümke, Gisela Janke und Heinz Schulz ausgezeichnet. Ende 1974 gab sich die Gemeinde eine neue Arbeitsordnung. Darin wurden u. a. die Verantwortlichkeiten innerhalb der Verwaltung festgelegt. Demnach fielen ZV, Ordnung, Sicherheit, Verkehrswesen und Brandschutz in die Zuständigkeit des Bürgermeisters. Der Stellvertreter war verantwortlich für Jugendfragen, Kultur und Sport. Der Sekretär des Rates war zusätzlich verantwortlich für Versorgungswirtschaft, Landwirtschaft, Umweltschutz und Wasserwirtschaft, ein weiteres Ratsmitglied für Wohnungspolitik und Wohnungswesen und ein Ratsmitglied für Finanzen, Gesundheit und Soziales. 1975 schied Rudolf Schilke als Bürgermeister aus, Nachfolgerin wurde Ingrid Ritter. Die Poststelle zog in die Räume des Gemeindebüros in der Dorfstr. 16. Die Gemeinde stattete den Raum mit Lampen, Regalen, Schreibtisch, Stühlen und Gardinen aus. Die Miete für die Post einschließlich Strom kostete 144,- M. Der Mietsvertrag galt ab 1.12.1975. 1975 wurden alle Gemeinden angewiesen, alle Gräber gefallener Soldaten in einen ordentlichen Zustand zu versetzen. Den Selchower Bürgern gereichte es zur Ehre, dass sie zu jeder Zeit die Gräber der Soldaten und der polnischen Bürger auf dem Friedhof gepflegt hatten. 1975 feierten die Gemeinden Waßmannsdorf und Selchow gemeinsam den Jahrestag der Befreiung vom Faschismus. Die Gemeinde stellte für Bauvorhaben auf dem Grundstück Lobeth 30,- TM zur Verfügung.

Die Jahre 1976 – 1980 1976 standen der Gemeinde im Haushaltsplan für Einnahmen und Ausgaben 69,9 TM zur Verfügung. Der Rat der Gemeinde beantragte für die Gemeinde die Installation eines Münzfernsprechers und die Verlegung des Nebenanschlusses Mittenwalder Straße 7 in die Glasower Straße 13. Die Gemeinde wollte die Schachtarbeiten selbst ausführen, doch es fehlte an Material, so dass Anfang 1990 immer noch kein Fernsprechapparat vorhanden war. Das Sechsfamilienhaus, Dorfstr. 8, wurde nach der Rekonstruktion wieder bezogen. Die Gemeinde beantragte bei der Stadt- und Gemeindewirtschaft Wildau die Übernahme der Müll- und Fäkalienabfuhr. Dem Antrag wurde stattgegeben. Der Abfuhrpreis betrug - 57 -


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6,10 M je cbm. In die Arbeitsgruppen des Gemeindeverbandes wurden aus Selchow folgende Personen gewählt: Ordnung und Sicherheit: Walter Ritter; Verkehrsaktiv: Otto Domke; Preise: Elli Bossling und Brandschutz: Dieter Streich. Der Konsum bekam neues Personal. Frau Drobbe wurde Verkaufsstellenleiterin und Frau Krüger übernahm ganztägig den Verkauf. Der Konsum wurde renoviert und neu ausgestattet. Die Selbstbedienung wurde abgeschafft. Joachim Kranzusch wurde auf Beschluss der Gemeindevertretung neues Ratsmitglied. Es gab 11 Eingaben, die sich auf die Werterhaltung von Wohnraum, das Straßenwesen und den Verkehr bezogen. An den Gemeindeverband wurden laut Beschluss 30 % des Rücklagefonds der Gemeinde überwiesen. 1977 beschäftigten sich die Ratsmitglieder mit der Nutzung von Splitterflächen. Splitterflächen waren Flächen, die eine ungünstige Lage hatten oder zu klein waren, um von den ansässigen Landwirtschaftsbetrieben genutzt zu werden. Sie konnten individuell für die Erzeugung von Obst, Gemüse und Futter vergeben werden. Die Bebauung mit Eigenheimen war ebenfalls möglich. Eigentümer von Kleinstflächen waren hauptsächlich das VEG, die LPG und die Gemeinde. Die Vergabe erfolgte in Abstimmung mit den Eigentümern. Es war untersagt Splitterfläche als Lagerplatz für Schutt u.a. zu nutzen. Über die Nutzung von Reserveflächen wurde ein jährlicher Bericht angefertigt. Folgende Personen pachteten Flächen von der Gemeinde: Max Valentin 1.875 m², Jürgen Valentin 1.250 m², Karl-Heinz Valentin 1.250 m², Arno Apel 4.320 m², Max Drobbe sen. 900 m², Max Drobbe jun. 1.250 m², Ella Gäckle 120 m², Rudi Sauerwald und Elfriede Lau 1.875 m². Die Gemeinde beschloss, 30 % des Rücklagefonds an den Gemeindeverband zur weiteren Verwendung zu überweisen. Am 29.11.1977 gab die Gemeinde ihre Zustimmung zum Bauvorhaben, Umbau Bahnhof Berlin-Schönefeld. Konkret betraf das die Elektrifizierung der Bahn-Strecken Dresden-Berlin und Halle-Berlin, für die die Gemeinde Selchow Land zur Verfügung stellte. Frau Langen schenkte der Gemeinde das Haus, in dem sich die Schwesternstation befand. Es war das frühere Haus, Dorfstr. 14, des Gutsstellmachers Gustav Nugk. Im Oktober wurde mit dem Bau der Leichenhalle begonnen. Ebenfalls im Oktober wurde festgestellt, dass es in der Gemeinde keine Kriminalität gab. Durch einen Sturm wurden 3 Eiben am Dorfanger und eine Pappel am Glasower Weg vernichtet. Die Gemeinde-Bibliothek hatte einen Bestand von 400 Büchern und 40 ständige Leser. Das Ortsbild Selchows wurde kritisiert. Die Bürger waren mit dem Erscheinungsbild ihres Dorfes sehr unzufrieden. Die Mehrzahl der Bürger fühlte sich nur verantwortlich für ihr eigenes Grundstück aber nicht für die Gemeindeanlagen. Daher wurden ab März Bänke und Schaukästen gestrichen, das Buswartehäuschen repariert und die allgemeine Sauberkeit wieder hergestellt. 1978 wurde Kurt Dombrowski Denkmal- und Naturschutzbeauftragter der Gemeinde. Der Frühjahresputz sah einen Neuanstrich des Buswartehäuschens, das Zaunsetzen am alten Sportplatz und die Pflege des Dorfplatzes vor. Im März begannen die Selchower mit den Erdarbeiten für eine neue Straßenbeleuchtung. Die KAP Diepensee wurde zu einem juristisch selbständigen VEG der Pflanzenproduktion umgebildet. Die individuellen Flächen der Genossenschafts-Bauern und die Flächen der nebenberuflichen Landwirte wurden davon nicht berührt. Sie lieferten weiterhin Obst und Gemüse, Eier und Fleisch an den staatlichen Handel. Im April erhielt die Gemeinde das Angebot, die fahrbare Annahmestelle des Dienstleistungsbetriebes Königs Wusterhausen (Textilreinigung, Waschen von Haushaltswäsche, Reparatur von elektrischen Haushaltsgeräten und Schirmreparaturen) zu nutzen. Das Angebot wurde angenommen. Mit dem Angebot des Konsums waren die Bürger von Selchow auch 1978 sehr unzufrieden. Da Selchow keine Gastwirtschaft hatte, wurde vor dem Konsum Bier getrunken, was dem Erscheinungsbild des Dorfes schadete. Im Mai 1979 fanden Kreistags- und Kommunalwahlen statt. In deren Vorbereitung fanden 34 Versammlungen mit 455 Teilnehmern statt. Auf den Versammlungen stellten sich die Kandidaten vor. Die Gemeinde hatte 310 wahlberechtigte Bürger und 307 Wahlteilnehmer. 304 Wähler stimmten für die Kandidaten. Ingried Ritter wurde zur Bürgermeisterin, Bruno Domnik zu ihrem Stellvertreter und Luise Dorow zur Sekretärin des Gemeinde-Rates gewählt. Die anderen Ratsmitglieder waren Waltraud Bossling und Volker Teschke. Am 22.6.1979 fand die konstituierende Tagung der Gemeindevertretung statt. 6 Selchower Bürger - 58 -


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nahmen als Gäste daran teil. Die Kommissionen des Rates wurden nun von folgenden Personen geleitet: Ordnung, Sicherheit u. Verkehr: Ingrid Ritter, Kultur, Jugend, Sport: Volker Teschke, Wohnungswesen, Bauwesen sowie Land- und Wasserwirtschaft: Bruno Domnik, Handel u. Versorgung: Luise Dorow. Für das Verkehrsaktiv wurde Otto Domke als Leiter gewonnen. Ingrid Ritter, Bruno Domnik und Gabriele Liepold (Kommission Kultur) wurden in den Gemeindeverband Schönefeld delegiert. 1979 waren 2 Eigenheime in Bau, der geplante Bauablauf konnte aber nicht eingehalten werden. Für die Lehrlinge des Lehrlingswohnheimes standen eine Reitsportanlage, eine Diskothek, eine Kegelbahn, ein Volleyballplatz und eine Tischtennisplatte zur Verfügung, die aber nur selten genutzt wurden. Im Mai 1979 wurde der Anbau an die Schule für einen Kidergarten mit 18 Plätzen beschlossen. Folgende Änderungen der Besitzverhältnisse gab es: Lutz Ribbecke erhielt das Haus Rock mit der Wohnung Bossling geschenkt. Norbert Hansche kaufte das Haus von der Familie Kiekebusch.Am 4.10.1979 erhielt Herr Wolff eine Anerkennung für seine Ehrenamtliche Arbeit beim Wettbewerb „Schöner unsere Städte und Gemeinden“. Herr Wolff legte den Grundstock für die Selchower Dorfchronik. 1980 wurde die Gemeinde an die zentrale Müllabfuhr und an das Berliner Erdgasnetz angeschlossen. Frau Streich wurde als Naturschutzbeauftragte ernannt. Der Jugendclub bekam seine Registrierung. Daraufhin wurde eine Disco in der Dorfstr 2, in der Zeit von 18.00 bis 20.00 Uhr unter Verantwortung von Burkhard Hiltner, durchgeführt. Die Gemeinde erhielt für ihre Bemühungen um ein schöneres Dorf, für die Durchsetzung von Ordnung und Sicherheit im Rahmen des Wettbewerbs des Kreises eine Auszeichnung.

Die Jahre 1981 – 1985 1981 erhielten 5 Familien und 2 Einzelpersonen eine neue oder andere Wohnung. Die Mieter der Dorfstraße 14 bauten sich Garagen. Im Laufe des Jahres wurden wieder Unsauberkeiten im Dorf zugelassen. Die Rotbergerstraße war verschmutzt und auf den Grundstücken der Eigenheimbauer herrschte Unordnung. Darüber hinaus kamen LPG und VEG als Anlieger ihren Pflichten zur Sauberkeit nicht nach. Am 14.6 1981 fanden Wahlen zum Bezirkstag und der Volkskammer statt. Die individuelle Landwirtschaft lieferten in diesem Jahr 30 t Fleisch und 74 Stück Eier an den staatlichen Handel ab. 1982 hatte die Gemeinde weder Steuer- noch Mietschuldner. 784 kg Papier, 648 kg Alttextilien, 4.161 Flaschen 2.700 Gläser und 5.0 t Schrott wurden dem Altstoffhandel zugeführt. Mit der Vermessung zum Bau des Wasseranschlusses an das zentrale Wassernetz wurde begonnen. Dach- und Fußbodenreparaturen wurden durchgeführt. 1983 Der Haushaltsplan für 1983 umfasste Einnahmen und Ausgaben von 80,4 TM, der Volksvertreterfond betrug 7,- TM. Am 6. Mai 1984 fanden Wahlen zur Gemeindevertretung für die Wahlperiode 1984/98 statt. 301 Bürger waren wahlberechtigt, davon wählten 297 Bürger die Kandidaten. Als Abgeordnete schieden Rudolf Blümke, Kurt Bossling, Rudi Sauerwald, Herlinde Wuttke, Erich Müller, Dieter Jacob, Elfriede Lau, Volker Teschke und Georg Jach als Gemeindevertreter aus. Als neue Ratsmitglieder wurden Gerlinde Schröder, Bruno Domnik, Alfred Mann, Bruno Burghardt und Waltraud Bossling gewählt. Der neuen Gemeindevertretung gehörten Peter Apel, Ingrid Ritter, Christel Domnik, Bettina Hoffmann, Gisela Janke, Gerda Hiltner, Frank Guschall, Klaus Melich, Karin Drobbe, Hildegard Sauerwald, Heinz Schulz, Karin Stier, Marita Koffke, Luise Dorow, Christa Otter, Barbara Streich, Monika Zelma und Elli Bossling an. Am 24.5.1984 konstituierte sich die Gemeindevertretung und bildete die ständigen Kommissionen. In die Schiedskommission wurden Manfred Janke, Marita Koffke, Günter Olschewski, Willi Lobeth gewählt. Am 29.9.1984 organisierte die Gemeinde ein Fest im Gutspark mit Kinderspielen, Kuchenbasar und Verkauf von Getränken, Bockwurst und Schwein vom Spieß, Kutschfahrten für Kinder, Musik zur Kaffeezeit, einer Verkaufsshow des Kaufhauses Blankenfelde, Kegeln, Tombola, einem Fackelzug mit dem Spielmannszug aus Mittenwalde und Tanz. 1985 beteiligten sich die Selchower an zahlreichen freiwilligen Arbeiten in der Gemeinde. Das waren zum Beispiel die Renovierungen des Kindergartens und des Postraumes, die Beschneidung der Bäume in der Dorfstraße, die Reinigung des Dorfplatzes, Kleinreparaturen in den Gemeindewohnungen und die Pflege des Vorgartens der Schwesterstation. In der Dorfstraße wurde ein Zaun gesetzt und Abwasserrohre gemeinsam eingesetzt. Am 21. März wurde eine Reihenröntgenuntersuchung durchgeführt. - 59 -


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Familie E. Labrenz baute sich in diesem Jahr ein Eigenheim. Die Gemeinde verwaltete 24 volkseigene Wohnungen, davon waren 6 Wohnungen ohne Innen-WC und Wasserleitung. Es wurden verstärkt Anträge auf Erwerb von Wochenendgrundstücken an die Gemeinde gestellt, die aber abgelehnt wurden. Der Gemeinde wurden durch Diebstahl von Milchflaschen, Zerstörungen von Plakaten und Aushängen, Verschmutzung des Müllplatzes Schaden zugefügt. Der Jugendclub beendete seine Arbeit. Die Probleme mit Wasser und Abwasser spitzten sich weiter zu.

Die Jahre 1986 – 1989 1987 wurden 5 Familien mit 3, eine Familie mit 4 und eine Familie mit 5 Kindern offiziell von der Gemeinde sozial betreut. Dazu gehörte die finanzielle Unterstützung beim Kauf von Kinderbekleidung, Wäsche und Möbeln. Darüber hinaus gab es finanzielle Hilfen für die Jugendweihe, die Einschulung und die Teilnahme an Ferienlagern sowie Zuschüsse für Sport- und Kulturveranstaltung und für Kinderspeisung und Milch in der Schule. In der Gemeinde war kein Betrieb mit Hauptsitz ansässig, Selchow war ein Betriebsteil des VEG Waßmannsdorf und Diepensee. Die Gemeinde verfügte über einen Kindergarten und hatte eine Konsumfiliale. Die Zusammenarbeit zwischen der Gemeinde, der Volkssolidarität, der Nationale Front und dem DFD wurde als gut eingeschätzt. Die finanzielle Unterstützung der Gemeinde durch das VEG „T“ Waßmannsdorf und das VEG „P“ Diepensee wurde durch einen Kommunalvertrag geregelt. Schwerpunkt der Arbeit der Bürgermeisterin Gerlinde Busse war die Schaffung besserer Wohnverhältnisse durch die Förderung des Eigenheimbaues sowie schnellere Reparaturen und Rekonstruktionen in den Gemeindewohnungen. Bis zum Jahresende konnten bei 2 Familien neue Öfen gesetzt werden, eine Familie bekam eine Zentralheizung. In weiteren Wohnungen wurden neue Badeöfen und Gasherde installiert. Am 3.3.1987 feierten die Rentner von Selchow in den Räumen der ehemaligen Schule Fasching. Die Kindergartenkinder feierten in ihren Faschingskostümen mit. Organisiert wurde die Veranstaltung von der Volkssolidarität. Am 5.9. 1987 fand ein Fest im Gutspark mit einem Kegelturnier, einer Tombola, und mit Kinderbelustigung statt. Ein Trödelmarkt wurde organisiert, auf dem private Händler Drechsel- und Gipsarbeiten, Lederwaren und Schmuck anboten. Anlässlich der Feierstunde zum 38. Jahrestag der DDR wurde Rudolf Blümke für seine 50jährige Mitgliedschaft in der Freiwilligen Feuerwehr Selchow ausgezeichnet. Am 27.11.1987 erhielt die Gemeinde vom Rat des Kreises die Aufforderung, private Gewerbetätigkeit im Handel und der Gastronomie zu unterstützen. Volker Teschke eröffnete daraufhin einen Getränkestützpunkt, für den er am 5.7.1988 die Gewerbegenehmigung erhielt. Rudi Sauerwald eröffnete eine Gärtnerei auf seinem Hof. 1988 erhielt die Gemeinde für das Haushaltsjahr 89,9 TM, davon 29.8 TM aus dem Staatshaushalt. Am 14.1. 1988 wurde Bürgermeisterin Gerlinde Busse auf eigenen Wunsch von ihrer Funktion abberufen. Die langjährige Sachbearbeiterin schied im Mai 1988 aus, Herr Guschall legte wegen Wegzugs sein Mandat als Gemeindevertreter nieder. Ingrid Ritter übernahm kommissarisch die Funktion der Bürgermeisterin. Die geplanten Bauvorhaben wie z.B. die Verlegung der Wasserleitung im Ausbau, der Anschluss der letzten Haushalte an das zentrale Wassernetz und die Reparatur der Dorfstraße wurden beendet. Im März 1988 beantragten die Bürger von Selchow Trauerfeiern in der Halle der Kirche abzuhalten, dieser Antrag wurde von der Kirchengemeinde abgelehnt, da sie keine weltliche Trauerfeier in der Kirche wünschte. Am 22.3.1989 fand eine öffentliche Einwohnerversammlung in Selchow statt. Dazu eingeladen hatte der Vorsitzende der Nationalen Front, Alfred Mann. 24 Kandidaten für den Ortsausschuss sollten gewählt werden. Als Gast war Herr Illner, Mandatsträger der VdgB, anwesend. Spitzenkandidat war Herr Grünack von der DBD. Schon seit Jahren gab es in Selchow Eingaben und Beschwerden die Abwasserentsorgung betreffend. In einem Schreiben vom 26.4.1989 gab die Abteilung Umweltschutz, Wasserwirtschaft und Erholungswesen des Kreises KW folgende Informationen: Das Abwasser aus dem Territorium Selchow sollte perspektivisch zum Klärwerk Waßmannsdorf übergeleitet werden. - 60 -


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Ein Teilprojekt für das Kanalnetz und das erforderliche Abwasserpumpwerk wäre bereits erarbeitet. Die Gesamtmaßnahme des Gemeindeverbandes Schönefeld musste aber erst zum Abschluss gebracht werden, um mit der Realisierung zu beginnen. Im Mai 1989 fanden Kommunalwahlen statt. Die Unterlagen darüber sind nicht vollständig erhalten. Als Bürgermeister wurde Uwe Grünack gewählt. Am 11.7.1989 fand eine Gemeindevertretersitzung statt. Im Bericht hieß es, dass die Bauarbeiten am Bahnhof, der Bad-Anbau in der Dorfstr.6 und der Eigenheimbau von Familie Apel beendet seien. Die FFw. belegte beim Leistungsvergleich den 1. Platz. Im Kindergarten beginnt eine Absolventin zu arbeiten, die vom Personal des Kindergartens unterstützt werden soll. Diese Absolventin sollte die Wohnung Ollschewski erhalten, die aber noch nicht frei war. Der Anschluss an das Trinkwassernetz in der Mittenwalder Str. verzögerte sich weiter, da Material fehlte. Am 9.11.1989 fand eine weitere Einwohnerversammlung statt. Anwesend waren Bürgermeister Uwe Grünack, die Ratsmitglieder Alfred Mann und Sieglinde Zimmermann, die Abgeordneten G. Jahnke, G. Hiltner, H. Schulz, die ehemalige Bürgermeisterin I. Ritter und K. H. Lüpke. Auf dieser Einwohnerversammlung wurden alle Mängel diskutiert, die schon seit Jahren bestanden. So Das 2. Fest im Gutspark wurde 5.9.1987 gefeiert. zum Beispiel die stockende Erweiterung des Trinkwassernetzes, die mangelnde Entsorgung der Fäkalien und die notwendige Reduzierung des Fluglärmes durch eine Veränderung der Flugschneise. Die Einwohnerversammlung formulierte entsprechende Vorschläge und Forderungen um die Missstände zu beheben. So sollte zum Beispiel eine ambulante Fleisch- und Fischversorgung organisier, die Gehwege nach Beendigung der Bauarbeiten gepflastert und eine Jugendforum organisiert werden. Des Weiteren sollte kein Mineraldünger mehr auf dem Feld gelagert werden, da dadurch die Bäume zerstört würden. Die Subventionierung von Mieten musste zwischen volkseigenen und privaten Wohnungen geklärt werden. Auf allen Ebenen sollten freie Wahlen stattfinden. Für die kommunalpolitischen Aufgaben war ein konkreter Maßnahmenplan zu erarbeiten. Am 8.11.1989 wurde die Hauptversammlung der Interflug zu einer Aussprache wegen des Fluglärms zum Bürgermeister eingeladen. Im Dezember lag dem Rat der Gemeinde ein Antrag auf ein Gewerbe zur Abfuhr von Fäkalien vor. Da die Voraussetzungen vorhanden waren (Traktor und Fass) wurde diesem zugestimmt. Am 31.12.1989 hatte Selchow 165 männliche und 196 weibliche Einwohner. Von 1985 bis 1989 hatte sich die Bevölkerungszahl also um 25 Personen verringert. Zwischen 1985 und 1989 wurden 17 Kinder geboren, 27 Personen verstarben. Je 100 Einwohner hatte die Gemeinde Selchow 16,3 Kinder, 63,7 Bürger im arbeitsfähigem Alter und 22,4 Rentner. Konkret hieß das: 50 Kinder, 220 arbeitsfähige Bürger und 81 Rentner. Der Kindergarten hatte 18 Plätze, davon wurden im Durchschnitt des Jahres 8 Plätze in Anspruch genommen.

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Die Gemeinde Selchow nach der politischen Wende Quelle: Schönefelder Gemeindeanzeiger und Akten aus dem Schönefelder Archiv Die folgenden Ausführungen sind eine Zusammenfassung von Ereignissen, Vorhaben und Aktivitäten in der Gemeinde Selchow in Zusammenhang mit der Entwicklung der Großgemeinde Schönefeld.

Die Jahre 1989 – 1995 1989 Am 9.11 1989 ging eine Einladung zum „Dialog im Rathaus“ an alle Bürger Selchows. Darin wurde versprochen, dass soweit wie möglich jede Frage beantwortet würde, auch die unangenehme. Kein Thema sollte Tabu sein. Die Bürger Selchows wurden zum offenen, freien und ungezwungenen Streitgespräch aufgefordert. 1990 Am 11.1.1990 fand eine weitere Einwohnerversammlung statt. Daran nahmen M. Becker, Aufbauleiter in Kleinziethen, zuständig für die Verregnung geklärter Abwässer in Selchow, Diepensee und Rotberg und die Kollegen Gabel und Deckert von der Hauptverwaltung der zivilen Luftfahrt des Ministerium für Verkehrswesen und 80 Einwohner aus Selchow und Rotberg teil. Die Bürger Selchows forderten eine schriftliche Mitteilung über die festgeschriebene Flugschneise, Maßnahmen zum Lärmschutz, Unterstützung beim Einbau von Lärmschutzfenstern und Aufklärung über den Ausbau des Flughafens Schönefeld. Der Vertreter der Interflug versprach, sofort Messungen über einen längeren Zeitraum durchführen zu lassen. Die Selchower Bürger lehnten die Verregnung der in 3. Stufe geklärten Abwässer ab, da die Baukapazitäten für eine Trink- und Abwasserleitung nicht vorhanden waren. Es bildete sich eine Bürgerinitiative unter Leitung von Pfarrer Karl-Heinz Lüpke. Daraufhin trafen sich 20 Bürger regelmäßig und stellten eine Kandidatenliste für eine neue Gemeindevertretung auf. Am 21.1.1990 fand eine Demonstration von 200 Bürgern statt. Sie verlangten Aufklärung über die Flugrouten über Selchow und die Erweiterung des Flughafens Schönefeld. Außerdem forderten sie eine Verbesserung der Trinkwasserversorgung, die Realisierung einer Abwasserentsorgung durch den Anschluss an das Klärwerk Waßmannsdorf, die Einstellung der Begüllung, keinen Bau einer Verregnungsanlage für die Abwässer in Selchow vom Klärwerk und Trinkwasseranschlüsse für alle Haushalte. Am 20.2.1990 wurde beschlossen, am 18. März 1990 eine neue Gemeindevertretung zu wählen. Am 6.3.1990 tagte wiederum die Bürgerinitiative. Hauptthema war die schlechte Qualität des Trinkwassers durch die Nitratverseuchung des Grundwassers. Vom VEG Waßmannsdorf wurde die Einstellung der Begüllung der Felder und ein Verbot des Baus einer Verregnungsanlage für die Abwässer gefordert. Weitere Forderungen waren der Anschluss der Gemeinde Selchow an das Abwassersystems des Klärwerkes Waßmannsdorf, die Schaffung von Trinkwasseranschlüssen für alle Haushalte, die Rückerstattung der zusätzlichen finanziellen Aufwendungen für Mineralwasser und die Stillegung des Güllegrabens in den Schinderfichten. Am 13.3.1990 fand eine Sitzung des Runden Tisches statt. Dabei stellten sich 15 Kandidaten für eine Aktionsgemeinschaft „territoriale Organe – IF“ zur Verfügung. Außerdem stellten sich die Kandidaten der Liste 1 „Bürgerkomitee“ für die neue Gemeindevertretung vor. Das waren Marita Exner, Lutz Hornke, Regina Jacob, Lutz Ribbecke, Bernd Schultze, Rainer Schulz, Ewald Selent und Sylvia Zimmermann. Zur Bürgermeisterin wurden schließlich Frau Sylvia Zimmermann gewählt und zum Vorsitzender der Gemeindevertretung Pfarren Karl-Heinz Lüpke. (Quelle waren die Ausweise für Gemeindevertreter 1990 bis 1994) Zu den ersten Beschlüssen der neuen Gemeindevertretung gehörten die Überprüfung aller Gemeindevertreter auf Mitarbeit beim MfS (dazu wurde ein Antrag an den Staatsanwalt gestellt) und das Vorkaufsrecht für Selchower Bürger beim Verkauf von Häusern. Ab sofort entfiel die kostenlose Essensversorgung der Kinder im Kindergarten Selchow und in der Kinderkrippe Waßmannsdorf. Bedürftige konnten aber einen Antrag auf Unterstützung beim Sozialamt in Königs Wusterhausen stellen. Die Kosten für die Müllabfuhr mussten ab sofort von den Mietern selbst gezahlt werden. Die Abfuhr der Fäkalien wurde ebenfalls den Mietern in Rechnung gestellt. Am 1.2.1990 erhielt die Gemeinde Selchow vom Rat des Kreises die Mitteilung, dass sie sich bis 31.3.1990 bei Straßenunterhaltungsaufgaben eigenverantwortlich um Verträge mit den Straßenunterhaltungsbetrieben bemühen muss. Die Eigentümer von Grundstücken konnten Verträge über eine - 62 -


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regelmäßige Fäkalienabfuhr mit der Firma Ewald Selent, in Selchow, abschließen. Ein Krippenplatz in Waßmannsdorf kostete nun 3 M am Tag, früher musste nur das Essen bezahlt werden. Ursel Münch beantragte einen Wohnberechtigungsschein für 5 Personen. Frau Münch wohnte im Haus Dorfstraße 9, dessen Besitzer in den Westen gegangen war. Das VEG Waßmannsdorf übernahm und rekonstruierte das Haus. Der Alteigentümer bekam das Haus schließlich zurück. Ab 16.7.1990 verlangte das VEG Waßmannsdorf für ein Betriebsessen 2,00 DM. Der Runde Tisch Selchow stellte einen Aktionsplan zur Flughafenproblematik auf. Darin wurde ein regelmäßiger Informationsaustausch über das Verhalten der Interflug, Schadensersatz für flugbedingte Gebäudeschäden, Lärmüberwachung, Schallschwingungsmessungen, die Kontrolle der Einhaltung der Flugschneisen und Steuerermäßigungen gefordert. Außerdem sollten die Rundflüge an den Wochenenden eingestellt und Luftschadstoffe gemessen und die Messergebnisse bekannt geben werden. Außerdem wollten die Selchower darüber Informiert werden, wo Treibstoff vor der Landung abgelassen werde. Verlangt wurden zudem der Einsatz von leisen und sparsamen Flugzeugen und die Einstellung von unrentablen Flügen. Bereits am 31.1.1990 erhielt die Gemeinde Selchow eine Anfrage von der Gemeinde Reichshof nach einer Partnerschaft. Der Nordrhein-Westfälischer Städte- und Gemeindebund bot der Gemeinde Selchow Hilfe bei der kommunalen Selbstverwaltung an. Die TU Berlin stellte der Gemeinde Material zu, das sich mit den Grundsätzen der Naherholung und Tourismus Ost/West beschäftigte Die MAZ berichtete 1990 unter dem Titel: „Berliner Stadtgut muß Ordnung schaffen“. „Die Landwirtschaft in Selchow war in den letzten Jahrzehnten vom ehemaligen Volksgut geprägt. Davon zeugen die Stall- und Lagerkomplexe am Ortsrand. Einen optimistischen Eindruck machen sie nicht. Die Rückführung der Geschäfte und die Verwaltung der Berliner Stadtgüter verliefen nicht schmerzfrei und haben ihre Spuren hinterlassen. Der Technik-Friedhof am Ortseingang aus Richtung Mittenwalde ist nur eine der Altlasten. Ein neuer Gutsverwalter hat kürzlich in Waßmannsdorf die Leitung übernommen. Von ihm erhofft die Bürgermeisterin Sylvia Zimmermann bessere Kontakte und eine dem Gemeinwohl dienende Zusammenarbeit. Die Kommune würde schon gerne wissen, ob beispielweise die Brennerei wieder in Betrieb geht, was aus dem LWH wird, in dem zur Zeit Fremdarbeiter untergebracht sind und ob der schöne Park auf dem Gutsgelände erhalten bleibt. Als größere Investitionsbremse für die Gemeinde im Nordkreis erweist sich gegenwärtig der Entscheidungsmangel darüber, was aus dem Schönefelder Flughafen wird. Sylvia Zimmermann: ‚Davon hängt unser Schicksal ab. Zur Zeit stehen wir Gewehr bei Fuß und warten, wie die Verhandlungen in Berlin und Potsdam ausgehen. Deshalb sind in Selchow nur bei Arbeiten unter der Erde die größten Fortschritte erkennbar. Telekom ist durch und gegenwärtig verlegt die Energieversorgung Weser- Ems AG die Gasleitungen‘.“ Das VEG T Waßmannsdorf/Diepensee beabsichtigte 1990, die Verwaltung des Gutes in das alte Herrenhaus nach Selchow zu verlegen. Die Entwürfe für den Umbau lagen schon vor. Es sollte aber anders kommen. Die Produktion des Betriebes wurde durch Anordnung des Berliner Senats eingeschränkt, viele Mitarbeiter wurden entlassen, die Lehrlingsausbildung wurde eingestellt. Das Haus wurde schließlich leer geräumt. Es steht auch 2011 noch leer und verkommt. Am 22.9.1990 feierten die Selchower Bürger ein Dorffest. Die Einnahmen von 1.361 M und wurden dem Kindergarten zur Verfügung gestellt. Auch auf dem Stadtgut Selchow erfolgten 1990 erhebliche Veränderungen, die nicht unwesentlich Einfluss auf das Leben im Ort hatten. Am 1.9.1990 ging am ehemaligen Standort der Rindermast ein Reitstall in Betrieb. Mietern, die nicht im Gut arbeiteten wurden die Werkswohnungen gekündigt. Die finanzielle Unterstützung für die Ferienobjekte fiel weg. Die Schafherde von Selchow wurde zum Betriebsteil Deutsch Wusterhausen verlegt, die Reitpferde des Betriebes verkauft, die Besamung im Kuhstall Selchow eingestellt und die Schweinezucht verpachtet. Die Barzahlungen an die Mitarbeiter wurden eingestellt. Ab 11.9.1990 wurden die Mitarbeiter des Stadtgutes nach dem West-Manteltarifvertrag bezahlt. Der umgebaute Rinderstall wurde als Boxenstall für 40 Pensionspferde genutzt. Die Boxen wurden vermietet. Leiter des Stalles war Herwig Labrenz, er hatte 2 Mitarbeiter. Die Sektion Pferdesport, bzw. der Fahr- und Reitverein Selchow, begann mit Kinderreiten für 15 DM/Stunde. - 63 -


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Im Juli 1991 begannen die Diskussionen um den Ausbau des Flughafens Schönefeld. In der Gaststätte in Rotberg fand mit Vertretern der Landesregierung die erste Anhörung zum Ausbau des Flughafens statt. Pfarrer Lüpke schätzte das Ergebnis so ein: „Wir sind nicht so blauäugig als Gemeindevertreter und glauben, dass der Flughafen Schönefeld verschwindet. Wir haben uns auch damit abgefunden, dass die Fluggastkapazität auf 25 Mio. pro Jahr ansteigen wird. Aber 13 Gemeinden haben sich an die Landesregierung mit der Ablehnung eines Großflughafens gewandt, aber keine Antwort erhalten.“ 1992 wurde das Amt Schönefeld aus den Gemeinden Diepensee mit 272 Einwohnern, Großziethen mit 5.698 Einwohnern, Kiekebusch mit 207 Einwohnern, Schönefeld mit 2.856 Einwohnern, Selchow mit 297 Einwohnern, Waltersdorf und Rotberg mit zusammen 1.768 Einwohnern sowie Waßmannsdorf mit 872 Einwohnern durch freiwilligen Zusammenschluss gebildet. Am 28.6.1992 erfolgte die Bestätigung des Zusammenschlusses durch den Kreistag. Zur feierlichen Amtseröffnung hatten sich am selben Tag im Hof des neuen Amtssitzes in Schönefeld, Schwalbenweg 8, Vertreter der Kreisverwaltung, die zum neuen Amt gehörenden Bürgermeister, sowie Gemeindevertreter, Mitglieder des Amtsausschusses, Handwerker, Gewerbetreibende und Investoren sowie die festen Mitarbeiter des neuen Amtes eingefunden. 1992 kehrte eine Traditionsfahne nach Selchow zurück, die an eine Veranstaltung des Teltower Bauernvereins im März 1871 erinnerte. Sie trägt die Aufschrift „Gott mit uns“. Die Fahne war in den 70er Jahren beim Aufräumen in der Kirche gefunden worden. Sie ging als Leihgabe zum Rat des Kreises. Als die Kreisverwaltung 1991 umzog, gab man die Fahne der Gemeinde zurück. Die Fahne befindet sich seit 2010 in der Kirche. 1992 wurden die 15 kommunalen Wohnungen an die zentrale Trinkwasser- und Abwassernetz angeschlossen. Im Mai 1992 wurde die Gasversorgung in Selchow von Stadtgas auf Erdgas umgestellt. Ab 1.7.1992 hatte die gemeinsame Amtsverwaltung ihren Sitz in Schönefeld, Schwalbenweg 8. Die Sitzungen des Amtsausschusses waren öffentlich. Das neue Amt hatte folgende Personalstruktur: Hauptamt: Leiter Dr. Udo Haase, Waßmannsdorf; Finanzverwaltung: Leiter Gerhard Temmel, Schönefeld; Ordnungsamt: Leiter Dieter Trebbin, Waltersdorf; Schul- und Sozialamt: Leiter Hans-Peter Griephan; Bauamt: Leiter Hans-Georg Springer, Großziethen. Dem Vorstand des Amtsausschusses gehörten als Vorsitzender Karl-Heinz Lüpke aus Selchow, als stellvertretende Vorsitzende Reinhold Lehne aus Waßmannsdorf und Detlef Bertram aus Kiekebusch an. Durch die Amtsbildung ergab sich die Notwendigkeit, eine neue Buslinie, die das Amt Schönefeld mit allen 8 Gemeinden verbindet, aufzubauen. In Selchow wurden durch die Einschränkung der Produktion im VEG Waßmannsdorf, BT Selchow, viele Mitarbeiter entlassen. Es entstand ein Vakuum bei der Leitung des Betriebes, so dass die Ordnung im Betrieb vernachlässigt wurde. So wurden z.B. schrottreife Landmaschinen am Feldrand abgestellt, die das Ortsbild in Selchow verschandelten. Offen war, was aus dem ehemaligen Lehrlingswohnheim werden würde, in dem zu dieser Zeit Fremdarbeiter wohnten. Unklarheiten herrschten auch über die Erhaltung des Parks und der Zukunft des Gutes. Zu den Sorgen der Selchower Bürger gehörte auch der steigenden Fluglärm und der wachsende Fahrzeugverkehr, der durch das Dorf raste. Befürchtet wurde, dass Investoren den Ort dadurch meiden würden. Eine Bürgerinitiative gegen den Fluglärm wurde von Frau Lawrenz gegründet. Es fanden zahlreiche Veranstaltungen statt, an denen auch Einwohner der umliegenden Dörfer teilnahmen. Ein Ergebnis dieser Veranstaltungen war die Forderung, dass beim Ausbau des Flughafens Schutzmaßnahmen gegen den Lärm eingeleitet werden müssen. In einer Scheune auf dem Bauernhof Sauerwald gründete sich die „Depot Fenster GmbH“. Betreiber waren Dieter Dell und Klaus-Dieter Potratz. Ein Investor aus Amsterdam erwarb eine Fläche von 16.000 qm an der Dorfstraße, um dort einen Bürgerpark mit Restaurant und Einkaufsmöglichkeiten für die Bürger des Ortes zu errichten. Im August fand auf dem Gutshof Selchow ein Bikertreffen der Deutschen Bikerunion statt. Ab 1993 gehörte Selchow durch die Kreisgebietsreform im Land Brandenburg zum Landkreis Dahme-Spreewald. Am 5.12.1993 fanden Kommunalwahlen statt. In Selchow wurde Lutz Ribbecke zum Bürgermeister und Regina Jakob, Heinz Schulz, Alfred Mann, Katrin Labrenz, Marita Exner, Hans-Joachim Bossling, - 64 -


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Ewald Selent sowie Karl-Heinz Stippekohl in die Gemeindevertretung gewählt. Die Wahlbeteiligung lag bei 68,40 %. 1993 zahlten die Einwohner von Selchow für den Anschluss an das Abwassernetz 5.000 DM je Grundstück. Die Sammelgruben entlang der Trasse waren nun Vergangenheit. Am 19.10.1993 erschien in der KW-Rundschau ein Beitrag zur Zukunft der Landwirtschaft in Selchow. Hier eine Passage: „Frau Mette schätzte ein, dass man zur Zeit und in Zukunft nicht von der Landwirtschaft, auch als Nebenerwerb, leben kann. Die Kunden wollen den Preis für die mit Hand geernteten Kartoffeln und für das vorzügliche Gemüse nicht bezahlen. Auch der Gewinn aus der Schweinemast ist gering. Familie Mette hält 40 Mastschweine, Hühner, Gänse und Enten. Da der Erlös aus dem Gemüsebau zu gering und die Arbeit ohne Technik zu schwer ist, werden 1994 statt 4 ha nur noch 1 ha mit Gemüse angebaut. Familie Labrenz sieht ihre Zukunft in dem Nebenerwerb durch ihren Pferdehof, der noch ausgebaut werden soll. Frau Labrenz arbeitete als Lehrerin und Herr Labrenz war noch Schlosser.“ Einige Jahre später baute Familie Labrenz das Gut Boddinsfelde zum großen Pferdehof aus. Die Wohnungen im Gutshaus wurden ausgebaut. 1993 eröffnete Lutz Ribbecke eine Landschänke, Rudi Sauerwald erweiterte seine landwirtschaftliche Produktion und eröffnete seinen Hofladen. Im Februar 1994 skizzierte Bürgermeister Lutz Ribbecke seine Vorstellungen von der Entwicklung Selchows. Danach sollte das Dorf ein ortstypisches, schönes Bild bekommen und kleine und mittelständische Gewerbe angesiedelt werden. Im Gutshaus und im Dorfkern sollten Wohnungen entstehen. Selchow sollte in die Lärmschutzzone I aufgenommen werden, aber auch vom Flughafen durch Neuansiedlungen profitieren. Laut Haushaltssatzung der Gemeinde waren für das Jahr Einnahmen und Ausgaben von 586.875 DM vorgesehen. Die Einnahmen und Ausgaben im Vermögenshaushalt betrugen 50.422 DM. Am 2.5.1994 eröffnete Irma Valentin einen Backshop mit Qualitätsprodukten von DahlBack in Selchow. Der Backshop wurde im November 1997 wieder geschlossen. Im Juli erhielt der Kindergarten in Selchow den Namen „Wichtelstein“. Die 16 Kinder boten zur Namensweihe ein lustiges Programm für Eltern und Einwohner. 1994 gab Investor Rembert Faesser der MAZ ein Interview, in dem er seine Pläne umriss: „In Selchow entsteht zur Zeit ein High Tech Medienzentrum. Der Standort wurde wegen der Nähe zum Flughafen Schönefeld, wegen des direkten Anschlusses zur Autobahn, zum Intercity und zur Berliner Innenstadt gewählt. Bis 1995 sollen 6 Gewerbehäuser und 20 zwei-etagige, dem dörflichen Charakter angepasste Gebäude mit ausgebauten Dächern und ein kleines Business-Hotel entstehen. Weiterhin entstand zwischen Mittenwalder und Rotberger Straße an der Spitze eines Felder-Dreiecks ein Neubau für Firmen aus dem Druck- und Reproduktionsgewerbe. Durch diese Vorhaben sollen in Selchow einmal 1000 Menschen Arbeit finden.“ 1995 wurden in einem Werbeprospekt der Immobilien Projekt Gesellschaft mbH Eigentumswohnungen vorgestellt, die in Selchow gebaut werden sollen. Das Gutshaus wurde zwischenzeitlich von der Telekom genutzt. Am High Tech Printmedienzentrum wurde Richtfest gefeiert. Der Investor des High Tech Printmedienzentrum versprach Selchow ein neues Gerätehaus für die Feuerwehr. Der DahmeKurier der MAZ berichtete am 28.7.1995: „Bereits die achte buntgeflochtene Richtkrone flatterte gestern Nachmittag im Selchower High Tech Printmedienzentrum, während aus dem Leierkasten die Märkische Heide orgelte. Stolz ließ sich die Münchener Bauherren-Familie Gaa neben der Richtkrone ablichten.“ Bereits am Vortag war der begrenzte Ausbau des Flughafens Schönefeld beschlossen worden. Bis Juli 1995 waren in Selchow 250 Arbeitsplätze entstanden, 2000 sollten es noch werden.

Die Jahre 1996 – 2000 Am 23.1.1996 wurde im Schönefelder Amtsanzeiger die Hauptsatzung der Gemeinde Schönefeld veröffentlicht. Am 21.3.1996 schrieb der Heimatkurier: „5 Häuser sind im Medienpark fertig und an Gewerbe vermietet… Das Wirtshaus Selchow mit 400 qm Fläche ist ebenfalls fertig; es gibt preiswertes Essen.“ Ende November war auch die Berliner Zeitung auf Selchow aufmerksam geworden: „Das Medienhotel ist mit 12 Doppelzimmer durch Bauarbeiter und Monteure ausgelastet, 24 Zimmer sollen es einmal werden. Der Makler Norbert Uhlig bemerkte aber, daß die Unsicherheit um den Fluhhafen auch andere verunsichert. So sind von den 8 bezugsfähigen Häusern mit je 3.000 qm Gewerbefläche noch 40 % nicht vermietet.“

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Am 27.9.1998 fanden Gemeindevertreter- und Kreistagswahlen statt. Für Selchow wurde folgendes Wahlergebnis ermittelt: Gemeindevertreterwahl nach Parteien, Politischen Vereinigungen und Einzelbewerbern: Stimmen Anteil in % Sitze CDU 412 71,26 6 Einzelbewerber Alfred Mann 66 11,42 1 Einzelbewerber K. H. Stippekohl 100 17,30 1

Folgende Bewerber und Bewerberinnen wurden schließlich gewählt: Für die CDU Regina Jacob, Katrin Labrenz, David Exner, Alfred Mette, Kerstin Ribbecke und Ilona Boßling sowie die Einzelbewerber Alfred Mann und Karl-Heinz Stippekohl. Die Wahlbeteiligung bei der Kommunalwahl lag bei 82,4 %. Lutz Ribbecke erhielt mit 68 Stimmen, 11,76 % der gesamten Stimmen. Da er auch zum Bürgermeister der Gemeinde Selchow gewählt wurde, nahm er das Mandat als Gemeindevertreter nicht an. Die Wahlbeteiligung bei der Kreistagswahl 1998 lag bei 77,6 %. In Selchow stimmten 48,27 % für die SPD, 27,69 % für die CDU, 8,93 % für die PDS, 3,46 % für die FDP, 6,74 % für Bündnis90/Grüne und 4,92 % für die Listenvereinigung. Die Angaben zur Wahl 1998 sind dem Schönefelder Amtsanzeiger entnommen. Am 31.12.2000 hatte die Gemeinde Schönefeld 11.524 Einwohner. 284 davon lebten in Selchow. Die Grundschulen befanden sich in Großziethen und Schönefeld.

Die Jahre 2001 – 2005 2003 fanden Kommunalwahlen statt. Dr. Udo Haase wurde für die Wählervereinigung „Alle für Eine“ mit 54,4 % der abgegebenen Stimmen zum Bürgermeister der Gemeinde Schönefeld gewählt. Kein Kandidat aus Selchow schaffte es in die Gemeindevertretung Schönefeld. Als Ersatzperson wurde Alfred Mann und Lutz Ribbecke mit je 116 Stimmen (2,59 %) gewählt. 2004 wurde im „Heimatkalender KW und Dahmeland“ folgendes veröffentlicht: „Am 1.5.2002 entdeckte Herr Fischer aus Zeuthen im Aushub einer kleinen Baustelle neben der Kirche moderne Haushaltsabfälle. Es war der Aushub aus der Abfallgrube der alten Dorfschule. In der Grube lagen Scherben von alten Haushaltsgefäßen, die von Herrn Fischer zeichnerisch zusammengesetzt wurden und 64 Haushaltsgeräte und einen knöchernen Kamm ergaben. Die Haushaltsgefäße ergaben, dass sie aus dem bescheidenen Haushalt des Dorfschullehrers stammten. Es waren Töpfe, Teller, kleine Henkeltöpfe, 1 Schüssel und eine Waschschüssel mit Seifenablage. Auf den Scherben wurden Inschriften und Marken gefunden, die darauf schließen lassen, dass die Scherben zwischen 1838 und 1850 vergraben wurden. Die meisten Gefäße stammen wahrscheinlich aus den benachbarten Töpfereien.“ 2005 siedelten 35 Personen aus 13 Haushalten aus Selchow nach Großziethen um. Die Senioren/innen aus Selchow erhielten ihren eigenen Club im Anbau der alten Schule.

Die Jahre 2006 – 2011 Am 23.7.2007 beschloss die Gemeinde Schönefeld für alle Ortsteile eine neue Ortssatzung. Im Juli betrafen Beschlüsse der Gemeindevertretung Selchow. Konkret ging es um die Verwertung oder Sanierung kommunaler Wohnungen. Außerdem wurde beschlossen, die neuen Mitglieder der Feuerwehr einzukleiden. Am 18.10.2007 fand in der Gaststätte Dymke in Waßmannsdorf eine Informationsveranstaltung für Selchower Bürger zur Antragstellung für den Lärmschutz für Häuser und Wohnungen im Rahmen des Flughafenbaus statt. Am 30.11.2007 fand in der Kirche Selchow ein Konzert statt. Im Dezember 2007 stießen Mitarbeiter des Landesdenkmalamtes auf eine 50 m lange Grabanlage aus der Jungsteinzeit. Der Fund befand sich an der Stelle, wo das Bahngleis des unterirdischen Bahnhofs des Flughafens BER liegt. 4 Gräber wurden entdeckt, die knapp 4000 Jahre im märkischen Sand - 66 -


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verborgen waren. Darin lagen 3 Skelette von einem Knaben, einer Frau und einem Mann. Im 4. Grab lagen die Reste einer Frau. In Nachbarschaft der Gräber wurden die Reste einer slawischen GehöftGruppe gefunden. Außerdem wurden Grabbeigaben wie Pfeilspitzen, Feuersteine und Keramiken gefunden. Der Selchower Fund ist besonders bedeutsam, da er das Wissen um das Leben und Sterben der jungzeitlichen Bauern in Brandenburg dokumentiert. Im März 2008 erfolgte die Schließung der Straße zwischen Tollkrug und Selchow. Der Ausbau der Straßen und Straßentrassen in Selchow und Waßmannsdorf begann. Am 23. Mai wurde der Autobahnabschnitt Schönefeld- Berlin eingeweiht. Ende Mai fand die ILA statt. Vom 28.4. bis 27.8.2008 fand eine Volksabstimmung für ein Sozialticket in Brandenburg statt. Für Schönefeld wurde die Tarifzone von B auf C verändert, das bedeutete eine Fahrpreiserhöhung um 0,70 Cent. Die alte Tarifzone galt seit 1996. Im Juni wurden die Bauarbeiten am BBI für die Selchower besonders spürbar. Fast täglich bewegte sich eine große Staubwolke von der Baustelle auf Selchow zu. Am 28.9.2008 fanden Kommunalwahlen statt. Das Wahllokal befand sich im Feuerwehrgebäude von Selchow in der Mittenwalder Str. 1. Alfred Mann und Lutz Ribbecke kandidierten für Selchow auf der Liste der Bürgervereinigung „Alle für Eine“. Für den Kreistag DahmeSpreewald gab es aus Selchow keinen Kandidaten. Das Wahlergebnis: Die gültigen Stimmen und Sitze in der Gemeindevertretung Schönefeld verteilen sich wie folgt: Stimmen Sitze SPD 1.929 4 CDU 2.777 5 Die Linke 1.218 2 FDP 313 1 Alle für Eine 4.059 8 Einzelvorschlag Holz 199 0 Bürgerinitiative Schönefeld 991 2 gesamt 11.486 22 In die Gemeindevertretung Schönefeld wurde kein Kandidat aus Selchow gewählt. Alle 302 gültigen Stimmen zur Wahl des Ortsbeirates Selchow gingen an die Kandidaten der Bürgervereinigung „Alle für Eine“. Das waren Alfred Mann mit 115 Stimmen, Lutz Ribbecke mit 85 Stimmen und Sabine Kinscher mit 102 Stimmen. Alfred Mann wurde Ortsvorsteher in Selchow. Der 1946 geborene Alfred Mann ist Ingenieur für Landtechnik und lebt seit 1969 in Selchow. Seit 1974 ist er Abgeordneter der Ortsvertretung und Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr und heute Gemeindebrandmeister der Gemeinde Schönefeld. Am 16.7.2008 beschloss die Gemeindevertretung die Aufstellung der Klarstellungs- und Ergänzungssatzung für die Ortslage Selchow. Im Oktober war die Teilumsiedlung Selchows auf Grund des Flughafenbaus abgeschlossen. Im Dezember wurde der Ankauf einer Teilfläche im Ortsteil Selchow für ein gemeindliches Vorhaben beschlossen. Im November legte Gemeindebrandmeister Alfred Mann gemeinsam mit dem Architekten und Vertretern der Gemeinde den Grundstein für ein neues Feuerwehrhaus in Großziethen. Am 27.12.2008 veranstaltete die FFw an der Feuerwehr in Selchow das traditionelle Jahreswendefeuer. 2009 wurden Tiefbaumaßnahmen für eine neue Straßenbeleuchtung in der Rotberger Straße durchgeführt. Das Gebäude der FFw und viele Privathaushalte erhielten Schallschutzfenster, außerdem wurde ein Schallschutzprojekt entwickelt. Die Planungen für die ILA begannen, ebenso wie die für einen Radweg von Glasow nach Selchow und weiter nach Waßmannsdorf. 2009 führte die Regionale Verkehrsgesellschaft Dahme-Spreewald eine Befragung zum Busverkehr durch. In Kleinziethen, Waßmannsdorf und Selchow beteiligten sich daran 30 Bürger. Positiv wurden die Freundlichkeit, die Pünktlichkeit, die Fahrplaneinhaltung und der Schülerverkehr bewertet. Negativ bewertet wurden dagegen das Taktangebot, der Wochenend- und Abendverkehr, die Betriebszeiten, die fehlenden Anschlüsse an andere Verkehrsmittel und die fehlenden Verbindungen nach Lichtenrade und Rudow. Im Mai konnte die zeitweise Austrocknung der Brunnen in Selchow, die durch die Grundwasserabsenkung durch die Bahn und den Flughafen verursacht worden waren, behoben werden. - 67 -


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Der Bau der Radwege von Selchow nach Tollkrug und von Selchow nach Waßmannsdorf wurde begonnen. Ab 31.8.2009 gab es in Auswertung der oben beschriebenen Umfrage Verbesserungen im Busverkehr. Die Linie Schönefeld – Waßmannsdorf – Selchow – Kleinziethen–Großziethen fuhr nun montags bis freitags stündlich und an den Wochenenden alle 90 Minuten. Die Verbindung Selchow – Mahlow verkehrte nun 2mal wochentäglich. Am 7.10.2009 beschloss die Gemeindevertretung die Aufstellung des Bebauungsplanes für eine Recyclinganlage in Selchow. Die Selchower Kinder, die bis zum 30.9.2010 das 6. Lebensjahr vollendet hatten, gehörten zum Einzugsbereich der Astrid-Lindgren-Grundschule Schönefeld und mussten vom 12. bis 14. 1.2010 dort angemeldet sein. Noch im Jahr 2009 wurde zur gewerblichen Entwicklung von Selchow – Waßmannsdorf die Bauvorhaben für den S-Bahnhaltepunkt und für eine Veranstaltungsfläche in der Gemeindevertretung beschlossen. Anfang Januar 2010 nahm Wolfgang Dietrich seine Arbeit als Ombudsmann zur Klärung von Fragen und Problemen zwischen Flughafen und Anwohnern im Schönefelder Rathaus auf. Am 25.3.2010 fand eine Gemeindevertreterversammlung statt auf der gleich mehrere für Selchow relevante Beschlüsse gefasst wurden. Wie zum Beispiel die Bildung eines eigenen Standesamtsbezirkes, die KITA-Satzung für die Inanspruchnahme von kommunalen Kinderbetreuungsleistungen in Kindertagesstätten, Tagespflegestellen sowie die Erhebung von Elternbeiträgen und die Jugendordnung für die Gemeindejugendfeuerwehr. Demnach können Kinder ab 6 Jahre in die Jugendfeuerwehr aufgenommen werden, mit 16 Jahren besteht bei Eignung die Möglichkeit der Aufnahme in die Gemeindefeuerwehr. Am 4.6.2010 beschloss das Präsidium des Bundes der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie, Schönefeld/ OT Selchow als künftigen Standort für die Messe ILA und andere Messen und Ausstellungen auszubauen. Die Messe soll unter dem Gesichtspunkt „Veranstaltungsgelände mit historischen Ortskern“ ausgebaut werden. Dementsprechende Planungen wurden nun auch in Selchow forciert. Im Juli wurden beim „Treffpunkt Bürgermeister“ in Selchow den Bürgerinnen und Bürgern durch Frau Compans von der Messe Berlin die Bebauungspläne „Veranstaltungsgelände“ und „Historischer Ortskern“ überreicht. In Selchow wurde eine Immissionsschutzwand gegen den Bodenlärm der Baustelle des BER, gegen den Flugsand und andere Immissionen errichtet und bepflanzt. Am 21.6.2010 verunglückte der historische Rosinenbomber mit 28 Menschen an Bord auf einem Acker in Selchow. Kurz nach dem Start war das linke Triebwerk ausgefallen. Der Pilot drehte die Maschine, die sich zu diesem Zeitpunkt über den Dächern von Selchow befand und brachte sie auf unbewohntem Gebiet zu Boden. Hinter der Umgehungsstraße schlitterte sie mehr als 100 m über den Acker, ehe sie zum Stehen kam. Es gab 6 Verletzte. Der Unfall aktivierte den Ehrenvorsitzenden des flughafenkritischen Bürgervereins Brandenburg-Berlin zur Forderung einer „Absiedlung“ aller Wohnhäuser im Umkreis von 5 Kilometern. Im August begannen die Bauarbeiten am Radweg von Glasow über Selchow nach Waßmannsdorf. Die Firma LTS Halbe erneuerte kurzfristig den Bürgersteig, die Straßen und die Straßenbeleuchtung. Zur Einhaltung der Verkehrssicherungspflicht wurden Bäume in der Glasower Straße gefällt und ansonsten Baumpflegearbeiten durchgeführt. Die aktuellen Bodenrichtwerte für Selchow lagen 2010 bei 40 Euro je Quadratmeter für gemischte Bauflächen, für Ackerland zwischen 0,35 und 0,50 Euro, für Grünland bei 0,40 Euro und für Forstland bei 0,25 Euro. Am 10.1.2011 lebten In der Gemeinde Schönefeld 13.562 Bürger, 207 davon in Selchow. Am 27.1.2011 fand unter dem Motto „Die Weichen für die Zukunft werden heute gestellt“ eine Beratung zum Bebauungsplan in Selchow statt. Diskutiert wurde der Bau einer neuen Straße. Auch wurde von den Selchowern die Einsicht in den Bauablaufplan und Informationen über die Verkehrsführung während der Bauarbeiten für die ILA verlangt. In Selchow gibt es einen Stammtisch mit den Bürgern von Selchow und der Messe Berlin. Trotz kontroverser Meinungen wurde versucht, auf die Belange der Selchower einzugehen. Ein Ergebnis der gemeinsamen Bemühungen ist, dass der Gutspark für 1 Mio. Euro als Ersatz für die versiegelten Flächen neu gestaltet wird. Die Bewohner von Selchow, Regina Jakob, Sabine Kinscher und Marianne Mehlis möchten in Selchow wohnen bleiben, aber sehen der Zukunft mit Skepsis entgegen.

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Wappen und Ortsübersicht von Selchow

Im Juni 2011 wurden die neuen und sich im Bau befindlichen Tiefbauprojekte vorgestellt. Für Selchow waren das der grundhafte Ausbau der Alten Selchower Dorfstraße (Ortdurchfahrt Selchow, 2. BA), der Neubau des Kreisverkehrs, der grundhafte Ausbau der Glasower Straße (1. BA), der Ausbau des Radweges von Selchow nach Waßmannsdorf und der Neubau eines Löschbrunnens.

Zur allgemeinen Situation in Selchow äußerte sich der Ortsbeirat im Schönefelder Gemeindeanzeiger wie folgt: „Die Lage in Selchow ist sehr zwiespältig. Es gibt Bürger, die sofort weg möchten, aber zu vernünftigen Bedingungen, dann gibt es diejenigen, die in Selchow geboren sind, gebaut haben und bleiben möchten und zuletzt diejenigen, die abwarten. Der Ort ist aber nicht zerstritten. Was wird aus Selchow, dem 770 Jahre alten Dorf. Messe, Flughafen und Gewerbegebiete werden sich um den Ort herum entwickeln und bis ins Dorfinnere vordringen. Besonderen Unmut erregte auf einer Versammlung im Dezember 2010, dass es kein gangbares Verkehrskonzept gibt, besonders für die 6 Wochen der ILA. Es ist für den Ortsvorsteher unvorstellbar, dass die Ortseinfahrt 6 Wochen geschlossen werden soll. Am 10.11.2010 wurde die Messeimmobilien Selchow GmbH gegründet, ohne ein Mitglied aus Selchow. Die Selchower werden in naher Zukunft Lärm und Staub ertragen müssen, sie wollen aber auf keinem Fall in einer von Gewerbegebieten umzingelten Enklave leben.“

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Einzeldarstellungen zur Geschichte Selchows Die nun folgenden Beiträge befassen sich mit einzelnen Aspekten der Selchower Ortsgeschichte wie der Kirche, der Schule und den Kindergärten, der Infrastruktur, dem Gut und der Landwirtschaft sowie der Feuerwehr.

Flughafen Schönefeld Gemäß dem Planfeststellungsbeschluss vom 13.08.2004 wird der Flughafen Schönefeld zum Airport Berlin-Brandenburg ausgebaut. Was bedeutet das für die Gemeinde Selchow? Selchow liegt direkt an der Grenze zu den Start- und Landebahnen des Flughafens Schönefeld. Mit dem Ausbau des Flughafen Schönefeld zum BER und der Verlagerung der ILA wird sich das Dorf noch sehr verändern. Mit dem Bekanntwerden des Vorhabens „Großflughafen“ haben sich zahlreiche Bürgerinitiativen gegen den Ausbau des Flughafens gegründet. Im Folgenden wird das komplizierte Verhältnis von Selchow zum Flughafen Schönefeld anhand von Zeitungsartikeln beleuchtet: „Flugzeuge machen Lärm und Lärm macht krank. Doch gegen die Lärmbelästigung gibt es Lärmschutzmaßnahmen, die in 3 Zonen eingeteilt werden. Selchow ist ein kleines Dorf und Lärm ist an jeder Ecke, jeder muss in den Genuss von Lärmschutz kommen und zwar für alle Bürger die Lärmzone II.“ Heimatkurier am 10.9.1992, Artikel der Bürgerinitiative „Selchower gegen den Fluglärm“, von K. Labrenz „Bürgerforum in Schönefeld, veranstaltet von der SPD aus 5 Gemeinden. Dabei kam heraus, dass die Einwohner Lärmschutzmaßnahen erhalten.“ Berliner Zeitung 19.11.1992 „Die Unsicherheit der Zukunft des Flughafens Schönefeld behindert die infrastrukturelle Entwicklung in Selchow.“ Märkische Allgemeine am 15.12.1993 Mit der Losung: „BÜRGERMEISTER KONTRA AUSBAU FLUGHAFEN SCHÖNEFELD“ kämpfte eine kommunale Initiative der Gemeinden Blankenfelde, Dahlewitz, Diedersdorf, Diepensee, Eichwalde, GroßKienitz, Jünsdorf, Mahlow, Rotberg, Schulzendorf, Selchow, Waltersdorf, Zeuthen und der Berliner Bezirke Köpenick, Neukölln, Treptow gegen den Bau des BBI mir folgenden Losungen: Wir sind das Schutzgut Mensch und wir wehren uns! Wir wehren uns gegen jede Polemik zur Aushöhlung des Verfahrens! Wir sind gegen den schleichenden Ausbau des Flughafens Schönefeld! Wir wehren uns gegen die weitere Verschlechterung der Lebensqualität in unserer Region durch Fluglärm, Schadstoffe, Katastrophenrisiko und Nachtflug! Wir sind gegen die Vernichtung von Dörfern und die Vertreibung der Einwohner! Wir wollen den Naherholungswert unserer Region für Berliner und Brandenburger erhalten! Wir fordern eine schnelle politische Entscheidung für das Schutzgut Mensch! „FLUGHAFENSTANDORT SCHÖNEFELD–MIT UNS NICHT !“ In einem offenen Brief vom Schönefelder Bürgermeister Dr. Udo Haase an den Ministerpräsidenten von Brandenburg Matthias Platzeck vom 18.5.2011 hieß es: „Was in Sachen Flugrouten und Lärmverteilung geschieht, ist vor allem für die Kiekebuscher, Rotberger und Waltersdorfer Bürger so nicht mehr zu verstehen.“ Weiter erwähnt Dr. Haase dann die Umsiedlungen vieler Bürger in dem betroffenen Territorium, die durch die neuen Flugrouten wiederum durch Fluglärm betroffen werden. „Man sollte die Variante, die jahrelang vorgestellt und diskutiert wurden, beibehalten und sollte Einfluss darauf nehmen, dass auch auf der Südbahn der Geradeausflug zum größten Teil eingehalten wird, was mit einem Mehr von Fluglotsen auch machbar wäre… In der Hoffnung auf Ihre Unterstützung verbleibe ich mit freundlichen Grüßen Dr. U. Haase“. Im November 2011 nahmen die Proteste gegen die neuen Abflugrouten weiter zu. Es wurde eine Bürgerinitiative „Flughafengemeinden Schönefeld“ gegründet.

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Kleine Chronik vom Bau des Flughafens BER und des ILA–Geländes Dezember 1991 Die Flughafen Holding Berlin Brandenburg wird gegründet. Gesellschafter sind das Land Berlin und Brandenburg und der Bund. Mai 1994 Das Raumordnungsverfahren für den Flughafen wird eröffnet. Geprüft werden die Standorte Schönefeld, Sperenberg und Jüterbog. Juni 1996 Die Gesellschafter entscheiden sich für Schönefeld. August 2004 Die Umsiedlung bzw. Teilumsiedlung der Gemeinden Diepensee, Selchow und Kienberg-Nord (später ganz Kienberg) wird beschlossen. April 2005 Das Bundesverwaltungsgericht verhängt auf Grund von Eilanträgen von Anwohnern einen Baustopp. März 2006 Das Bundesverwaltungsgericht genehmigt den Bau des BER unter verschärften Lärmschutzauflagen. Juli 2007 Baubeginn für den sechsgleisigen unterirdischen BER-Bahnhof. November 2007 Eröffnung des BER-Infotowers. Juli 2008 Startschuss für die Bauarbeiten am Terminal. April 2009 Das „Non Aviarion Management“ stellt die zu vermietenden 150 Flächen mit 20.000 m² Fläche für Parkflächen, Einrichtungen der Gastronomie und des Einzelhandels vor. Mai 2009 Mit einem Fest werden 1000 Tage Baustelle gefeiert. Richtfest für die Energiezentrale. 12.6.2009 Auftakt zum Bau des Businessparks in Kienberg. 23.7.2009 Symbolischer Rammschlag zum Bau der Kienberger Brücke. 13.10.2009 Anschlussleitung der Trinkwasserversorgung zum künftigen Terminal des BER fertiggestellt. 30.10.2009 Umspannwerk wird in Betrieb gesetzt. 7.5 2010 Das Richtfest für neuen Terminal wird gefeiert. 8.6.2010 ILA 2010 findet noch auf dem Gelände in Schönefeld statt. 6.9.2010 Die Deutsche Flugsicherung stellt der Fluglärmkommission die Flugrouten vor. Über die Fluglärmbelastungen für Selchow, Waltersdorf und Waßmannsdorf gibt es noch keine Aussage. Juli 2011 Die Flugsicherung legt einen ersten Flugroutenvorschlag vor. Weitere Klagen gegen die Flugrouten. 18.8. 2011 Erster Spatenstich für das künftige Messegelände, auf dem 2012 die nächste ILA stattfinden soll. September 2011 Mündliche Verhandlung beim Bundesverwaltungsgericht. Anwohner fordern ein komplettes Nachtflugverbot. 13.10.2011 Das Bundesverwaltungsgericht gestattet nächtliche Flüge in den Randzeiten. Juli 2012 Die ILA findet auf dem neuen Gelände auf der Flur der Gemeinde Selchow statt.

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Der Kindergarten in Selchow 1955 richtete das VEG Selchow im Gutshaus einen Erntekindergarten ein. Die Gemeinde eröffnete erst am 1.9.1981 einen ganzjährigen Kindergarten. Dafür wurde ein Anbau an der Schule errichtet. Dieser Raum diente auch als Versammlungsraum für die Gemeinde. Beim Bau halfen Eltern, LPG und VEG tatkräftig mit. Am 8.3 1983 wurde die Inbetriebnahme des Kindergarten durch die staatliche Bauaufsicht bestätigt. Der Kindergarten war eine Einrichtung des Rates des Kreises, Abteilung Volksbildung, die auch die Kosten trug. Der Kindergarten hatte einen Gruppenraum von 66 m², einen Spielplatz, war ausgestattet mit einer Eingang zum Kindergarten Selchow Zentralheizung und Sanitäranlagen. Die Kindergartenkinder wurden regelmäßig ärztlich untersucht. Die Kosten für die Eltern betrugen nur 55 Pfennige für Mittagessen je Kind und Tag. Alle anderen Kosten übernahm der Staat. Die Kinder wurden von liebevollen Kindergärtnerinnen betreut. Erste Leiterin war Frau Stier. Danach von August 1981 bis 31.8.1982 Fräulein Assmann, vom 1.9.1982 bis 331.7.1988 Karin Thom, vom 1.1.1982 bis 31.8.1997 Dorothea Hansche, vom 9.8.1982 bis 31.12.1997 Marianne Langer und vom 1.2.1990 bis 31.8.1997 Katrin Nowatzeck. Als Vertretung wurden Margit Müller und Veronika Protz eingesetzt. Das Mittagessen wurde in der Küche des Gutes ge- Die letzte Gruppe mit Frau Christen 1997 kocht. Frühstück und Vesper bekamen die Kinder in der Regel von zu Hause mit. Der Kindergarten hatte 18 Plätze, die aber nie richtig ausgelastet waren. 1992 wurden 19 Kindergartenkinder und 2 Hortkinder betreut. Die Finanzierung erfolgte noch durch das Land Brandenburg. Die Kosten für einen Kindergartenplatz waren abhängig vom Einkommen der Eltern. Die Kosten für die Tagesverpflegung betrug je Kind für Frühstück, Vesper je Tag und Kind 1,30 DM, für Zellstoff je Kind und Monat 0,50 DM und Mittagessen je Kind und Tag 1,50 DM + Zuschuss der Gemeinde. Der Kindergarten war von 6.00 Uhr bis 18.00 Uhr geöffnet. 1,6 Kindergärtnerinnen waren mit der Betreuung 1988 wird Kindertag gefeiert beschäftigt, 2 vollbeschäftigte Betreuerinnen wären notwendig gewesen. Darüber hinaus arbeitete eine technische Kraft im Kindergarten. Der Kindergarten wurde 1997 wegen Kindermangels geschlossen. Das Gebäude wird seitdem als Begegnungsstätte für die Gemeinde genutzt. Höhepunkte des Kindergartenalltages waren die jährlichen Faschingsfeiern, die Feiern zum Kindertag, das Schultütenfest für die Gruppe, die ab 1.9. des jeweiligen Jahres zur Schule kam, die Weihnachtsfeiern und die Ausflüge. Die Fotos aus dem Fotoalbum des Kindergartens veranschaulichen den Kindergartenalltag.

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Die Kirche und der Friedhof von Selchow Die Kirche von Selchow bestimmt mit ihrem markanten Westturm das Ortsbild. Sie wurde zwischen 1280 und 1300 als Wehrkirche erbaut und ist damit das älteste Gebäude des Ortes. Sie liegt auf dem mit einer Feldsteinmauer umgebenen Friedhof an der Dorfaue. Wehrkirchen waren bei Gefahr Zufluchtsstätten für die Dorfbewohner. Die Dotierung der Pfarre mit nur 2 Hufen weist auf eine sehr frühe Gründung hin, denn die anderen Kirchen in der Region bekamen mehr Hufe (Land) zugewiesen, z. B. Rotberg, Groß Kienitz je 3 Hufe, Waßmannsdorf 4 Hufe. Diese Angaben stammen aus den Jahren 1375, 1450, 1480, und 1541. Aus dem Jahr 1541 ist bekannt, dass der Pfarrer von 58 Hufen Abgaben erhielt. Die Kirche von Selchow steht heute unter Denkmalschutz.

Beschreibung der Kirche nach Dieter Mehlhardt Die Kirche von Selchow war aus großen bearbeiteten Feldsteinen gefügt. „Der Grundriß lässt uns vermuten, dass der obere Teil des Kirchenschiffs, Chor und Turm – zur gleichen Zeit errichtet wurden und zwar bis zur jetzt noch deutlich erkennbaren Traufhöhe. Als der Bau so weit gediehen war, mußte eine Unterbrechung eingetreten sein. Vielleicht nutze man die kleinere Kirche bereits zum Gottesdienst und baute später weiter. Der wuchtige Turm hat die volle Breite des KirchenDer markante Westturm der Selchower Kirche schiffes. Das Portal ist spitzbogig. Die vier Schallöffnungen wirken in der breiten Wandfläche sehr klein. Die Kirche war eine Wehrkirche, diente als Zufluchtsstätte und bot bei dieser Bauart bei Gefahr eine geringe Angriffsfläche. Später, als keine Gefahr mehr drohte, wurde an der Kirche weitergebaut. Man versetzte die kleinen romanischen Fenster und schuf große Flachbogenfenster mit Ziegelrahmen. Im frühen 18. Jh. wurde an der Südwand des Chores ein Anbau vorgenommen, der eine Gruft und im Obergeschoß eine Herrschaftsloge enthielt. 1973 erhielt die Kirche eine Spende von 10.000 M, wovon die Kirche wieder grünlich instand gesetzt wurde. Am 23.9.1973 wurde die renovierte Kirche eingeweiht. Die flachen Balkendecken über Schiff und Chor sind im hellen Rehbraun, das Gestühl ist sandsteinfarbig“. Die Kirche hat 2 Bankreihen mit je 9 Bänken. „Der barocke Kanzelaltar datiert aus dem Jahr 1710. Er ist überwiegend in Weiß-, Gelb- und Goldtönen gehalten. Er hat geschnitzte Akanthusrahmen. Die rundbogigen Bilder des Kanzelkorbes zeigen in der Mitte den Gekreuzigten und die Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes über dem von Voluten geschmückten Schalldeckel. Links vom Altar steht die alte Taufe von 1710, rechts seit 1974 ein Engel als eine große Leuchterfigur von der Keramikerin Gertrud Möhwald aus Halle…“ Zurzeit Friedrich II. war die Domäne Selchow an Herrn Böckel, einen Forstmeister aus Hinterpommern, verpachtet. Seine Tochter Johanna Elisabeth von Böckel heiratete 1775 den Leiter der Potsdamer Tabakfabrik Pierre Schock. Die Hochzeit wurde im Selchower Gutshaus gefeiert, die Trauung erfolgte in der Selchower Kirche. Pierre Schock verstarb sehr früh und so heiratete die Witwe den Kabinettssekretär von Mencken, den Großvater des späteren Reichskanzlers Bismarck.

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Zeittafel zur Geschichte der Kirche und der Kirchengemeinde 1500 war der Sitz der Kirche Selchow in Mittenwalde. Im April 1539 beschlossen die Adligen des Kreises Teltow in der Stadt Teltow im Hause von Joachim von Schwanebeck im Beisein des Bischofs Matthias von Jagow, die reine Lehre des Evangeliums anzunehmen und sich öffentlich dazu zu bekennen. Am 1.11.1539 erfolgte dann der Übertritt von Joachim II., Kurfürst von Brandenburg, zum evangelischen Glauben. Danach wurde die Reformation im ganzen Kreis durchgeführt. Ab sofort konnten Gemeindemitglieder das „liebe Wort Gottes in Teutscher Sprache lesen“. 1540 zog die Reformation in Selchow ein. Der erste evangelische Pfarrer war nachweisbar Otto Ranfuß. 1541 (bis 1900) wurde die Kirche Selchow als Mutterkirche mit Tochterkirche in Waßmannsdorf genannt. 1541 fand eine Kirchenvisitation zur Feststellung des Besitzes der Kirche statt. Aufgelistet wurden 1 Kelch, Pacem mit Kreuz und eine Monstranz in Silber. Bis 1575 war Paul Ingolstädt Pfarrer in Selchow. 1592 (bis 1613) wurde der in Selchow geborene Sohn von Paul Ingolstädt, Georg Ingolstädt , Pfarrer in Selchow. Seit 1613 wurde ein Kirchenbuch geführt. Von 1613 bis 1635 war der nächste Georg Ingolstädt Pfarrer in Selchow. Ab 1634 war der Sitz der Kircheninspektion in Cölln. 1635 bis 1639 war der Magister Johann Krautheim Pfarrer in Selchow. Gleichzeitig war er Seelsorger in Rotzis. Ab 1640 war Mathäus Daberkow Pfarrer in Selchow. Von 1704–1713 war Andreas Christian Dame Pfarrer in Selchow. 1710 erfolgte der Umbau bzw. eine Instandsetzung des Kanzelaltars und der Taufe durch D. Matzmann aus Potsdam. Von 1713–1758 war Andreas Hintze Pfarrer in Selchow. 1756 bis 1779 war Siegismund Fürstenou Küster und wahrscheinlich auch Lehrer in Selchow. Ab 1800 war der Sitz des Superintendenten in Königs Wusterhausen. Ab 1824 fanden die Konfirmationen der Groß Kienitzer Kinder in der Kirche in Selchow statt. Die Kirche Groß Kienitz ist eine Tochterkirche von Selchow, auch Rotzis wurde mitkuriert. 1826 wurde Andreas Gottlob Ferdinant Lepetit Pfarrer in Selchow. Er starb am 18.1.1841 in Selchow. Er ordinierte am 22.9.1811 an der Universität Halle, wurde 1812 Diakon in Storkow, 1816 Pfarrer in Kiekebusch, danach kam er nach Selchow. Ab 1830 wurden alle 3 Jahre eine Kirchenvisitation durchgeführt. Kirchen- und Schulamt waren eine Einheit. Im Juni 1830 fand an einem Sonntag eine solche Kirchenvisitation statt. Dazu musste der Patron der Kirche eingeladen werden und die Visitation musste von der Kanzel herab der Gemeinde angekündigt werden. Das Pfarramt in Selchow stand unter der Diözyöse der königlichen Hofkammer der königlichen Familiengüter 1842 kam Julius Heinrich Wapler aus Zauchwitz als Pfarrer nach Selchow. Er hatte das Pfarramt bis 1885 inne. 1855 wurde das Schulhaus auch als Küsterhaus erwähnt. 1861 forderte der Rittergutsbesitzer die Ablösung der Hütung für 2 Kühe und 1 Stück Jungvieh für den Pfarrer, die seit 1812 für die Pfarrei auf der Selchower Feldmark bestand. 1869 gab es in Selchow einen Streit um die Neuausstattung der Kirche mit Kirchstühlen und die neuen Sitzordnung. 1872 feierte der Prediger Wapler sein 50jähriges Dienstjubiläum. Von seinen 50 Dienstjahren war er 43 Jahre in Selchow tätig. Bei seiner Pensionierung erhielt er ein Jahresruhegeld von 2.667 Mark. Am 30.9.1873 verkauften die Herren Kitzing, Schramm und Lobeth als Vertreter der Schulgemeinde den Schulacker an die Herren Spiegel, Bossling und Sauerwald. 1876 erfolgte die Ablösung der Abgaben des Gutes an die geistlichen Institute in Selchow (Kirche und Schule). - 74 -


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1878 fand ein Kirchenraub statt. 1871 war der Kossäth Kitzing Schulvorsteher. 1882 wurden die Reallasten der Bauern abgelöst. (Unterlagen nicht vorhanden) 1883 wurde das 11. Missionsfest nach 5-jähriger Pause veranstaltet. 1884 wurde von der Königlichen Hofkammer Königs Wusterhausen dem Pfarrer Wapler für das Pfarramt in Selchow ein Einkommen Teilnehmer an der Konfirmation in der Kirche in Selchow am ohne Wohnung von 3.233 RM/ 28.3.1920: Auf den Stufen des Pfarrhauses stehend von links Jahr veranschlagt. nach rechts: die Mädchen: Mariechen Ewald, Frieda Lau, 1886 wurde Karl Otto Ferdinant Wil- Anna Selig, Martha Melis, Martha Nitschke, Helene Horst, delau neuer Pfarrer in Selchow. Pfarrer Johannes Matzke, Martha Mietling und die Jungen Paul Schötz, Richard Gernt, Erich Stippekohl, Willy Lüdke, Er kam aus Krausnick und ging Georg Maier, Paul Nugk, Richard Kaufmann, Otto Liebitz 1894 nach Blankenfelde. 1888 wurde das Pfarrhaus umgebaut. Zum Kirchenrat gehörten Gemeindevorstand Spiegel, Pfarrer Wildelau, Kirchenältester Hansche und Rittergutsbesitzer Stuhlmann aus Waßmannsdorf. 1895 wurde Karl Albert Handmann Pfarrer in Selchow. Er blieb bis 1907 und ging als Diakon nach Schwedt. 1897 wurde die Kirche restauriert. 1902 wurde Schulland, ohne es öf- Konfirmation am 7.Mai 1950 fentlich bekannt zu geben, vom von links nach rechts: Fritz Koster, Christa Käding, Gisela Pfarrer Handtmann verkauft. Ein Preuss, Mannfred Glimpel, Gisela Kowalski, Helga Lüdtke, Siegfried Richter, Karl Heinz Schüler, Pfarrer Karl TscheussBewerber für das Land war der ner, Günter Triebeß, Heinz Schwadtke, Eberhardt Schulz, Bauer Wilhelm Hansche, der sich Name unbekannt, Hans Dombrowski daraufhin beschwerte. 1908 kam Karl Ludwig Richard Johannes Matzke als Pfarrer nach Selchow. Er war vorher Hilfspfarrer. Er wandte sich am 14.10.1908 an die Regierung in Potsdam mit der Bitte, der zur Pfarrei gehörigen Ortschaft Selchow einen Zuschuss zu gewähren, da sie die Steuern nicht bezahlen kann. Ein Zuschuss wurde durch den Regierungspräsidenten gewährt. 1917 wurden 2 Glocken aus Stahlguss in Apolda für die Kirche gegossen. Die alten mussten zu Kriegszwecke abgeliefert werden. 1926 wurden der Kirchenturm und das Kirchenschiff für einen Jahresbeitrag von 22,50 RM versichert. 1931 wurde Karl Teutschner als Pfarrer in Selchow berufen. Der Genannte hatte die deutsche Reichsangehörigkeit, besaß ein zum Studium an einer deutschen Universität berechtigtes Reifezeugnis und hatte ein theologisches Studium an einer staatlichen Hochschule absolviert. 1942 übernahm Karl Tscheusner das Amt des Pfarrers in Selchow. 1972 erhielt die Kirche eine Spende von 10.000 M für Renovierungen von dem Ehepaar Brabant. Am 3.9.1973 wurde die Kirche wieder eingeweiht. Zur Erinnerung an diese großzügige Spende wurde im Vorraum der Kirche eine Gedächtnistafel mit folgendem Text angebracht: „Diese Kirche wurde durch das hochherzige Opfer des Ehepaars E. und J. Brabant vor dem Verfall gerettet“.

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1978 wurden folgende Angaben durch die Gemeindeverwaltung gemacht: Selchow hatte einen kirchlichen Friedhof, Größe 0,25 ha, jährlich fand im Durchschnitt eine weltliche Trauerfeier statt, es gab im Durchschnitt 12 Sterbefälle im Jahr, Selchow hatte keine Trauerhalle, eine Leichenhalle war seit diesem Jahr vorhanden, die Anlage eines neuen Friedhofes war vorgesehen, der Friedhof war seit 1875 in Betrieb, er sollte 1990 geschlossen werden. 1982 wurde durch den Rat der Gemeinde ein Antrag an die Kirchengemeinde gestellt, eine Leichenhalle auf dem kircheneigenen Friedhof zu bauen. Die Kirchengemeinde stimmte zu. Sie war aber der Meinung, dass die bisherige Regelung der Aufbahrung der Leichen in der Kirche und der Durchführung der „Der geschnitzte Altar ist eine Besonderheit. Hinter dem Altaraufsatz hängt eine schwarz–weiße Fahne mit der Trauerfeier in der Kirche beiAufschrift „ Gott mit uns „ Selchow 1848. Diese Fahne erbehalten werden soll. Der Bau innert an die Revolution 1848 und an die Stellungnahme der Leichenhalle war Sache der der Teltower Bauernschaft, insbesondere des Teltower BauGemeinde. Eine finanzielle Be- ernvereins. Die zweite Fahne, schwarz – weiß – rot, hat die teiligung seitens der Kirchenge- Inschrift „Gott mit uns“ zur Feier am 22.3.1871 – Selchow“ Beschreibung des Kanzelaltars von 1718, Teltower Kreiskameinde und deren Beteiligung lender am Bau wurden abgelehnt. Die Der Gemeindevorsteher von Waltersdorf, Damm, gab 1927 Kirchengemeinde war auch der den mündlichen Bericht seines Vaters, dem Kreisschulzen Meinung, dass nach dem Bau der Johann Christian Ludwig Damm (1828 – 1916) wieder: Leichenhalle über wechselseitige „Nach dem 18. und 19. März 1848 schlossen sich die Bauern zu einem ‚Teltower Bauern-Verein‘ zusammen. Der Straßenreinigung vor dem FriedVerein hatte die Aufgabe, die Dörfer vor dem plündernden hof geredet werden muss. Von der Pöbel zu schützen und dem bedrängten König zu Hilfe zu Gemeinde wurde der Bau der Lei- ziehen. 025_Altar Sie zogen auch von Teltow nach Potsdam mit einer weiß-schwarzen Fahne, die auf weißem Feld eine chenhalle für 1984 angemeldet. In einem Brief der Bürgermeis- Krone und die verschlungenen Buchstaben FWR hatte. Das schwarze Feld trug die Inschrift ‚Teltower Bauern- Verein‘. terin an den Rat des Kreises hieß Der Schaft der Fahne wurde von einem eisernen Adler gees: „Der Friedhof gehört der Kir- krönt. Die Fahne wurde von den Selchower als Preußenfahchengemeinde. Auf diesem ist keine ne bezeichnet.“ Leichenhalle. Früher wurde diese „Heimat und Ferne“ Nr. 31 von 1931 vom Schafstall aus ausgebaut und von uns erhalten. Sie liegt unmittelbar an der Straße. Für die Kirchenmitglieder wurde in der Kirche ein Raum geschaffen. Wir erhielten nun vom VEG Waßmannsdorf das Angebot uns Material für 1983 für den Bau zur Verfügung zu stellen. Die Kirche stellt den Platz zur Verfügung. Wir bitten den Rat des Kreises, uns Geldmittel zur Verfügung zu stellen, um durch den Bau, besonders für die Genossen und Nichtkirchenmitglieder, einen gebührenden Raum zu schaffen.“

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Im Sommer 1985 konnte die Gemeinde eine kleine Orgel erwerben. Diese Orgel wurde von der Firma Schuke aus Potsdam für den Erman-Saal im französischen Dom gebaut. Als sie dort nicht mehr gebraucht wurde, konnte die Gemeinde sie erwerben. Am 24.12.1985 erklang zum ersten Mal die Orgel in der Kirche. Die Orgel wurde im Dezember von dem Orgelbauer Katenhusen und Rohr von der Firma Schuke auf der Empore der Selchower Kirche aufgestellt. Die Orgel kostete 18.000 Mark. 1987/88 wurden der Kanzelaltar und die Traufe von Dr. Christian-Ulrich Baugatz hervorragend restauriert. 1990 feierte die evangelische Kirche die 450. Wiederkehr der Reformation. 1992 Das evangelische Konsortium Berlin-Brandenburg erließ am 7.11.1992 ein Kirchengesetz für Friedhöfe, die in Trägerschaft einer zur Kirche gehörenden Körperschaft stehen und von ihr verwaltet werden. 1999/2000 begann die Sanierung der Kirche in Selchow. Es wurden 350.000 DM benötigt. Die Sanierung erfolgte unter Leitung des Architekten Joachim Kämpfer, der 1930 in Selchow geboren wurde. Im März 2009 fand in der Selchower Kirche um ein Konzert des Paul-RobesonChores statt.

Die Kirche von Selchow – eine historische Ansicht

Die 8 Grabsteine der Familie Neuhauß sind Findlinge aus der Feldmark von Selchow

Grabstein der Pfarrersfamilie Wapler

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Der Friedhof in Selchow Ein Friedhof ist wie ein Geschichtsbuch einer Gemeinde. Es lohnt sich, es zu lesen! Beschreibung des Friedhofes nach einem Bericht von Frau Wally Mette: „Ende des 19. Jh. (1878) entstand der heutig Friedhof in der Mittenwalder Straße. Seit dem 13. Jh. wurden die Einwohner an der Kirche beerdigt. Der heutige Friedhof war früher nur Acker. Nach Anlegen des Friedhofes wurde ein Mädchen aus der Familie Kitzing als Erste beigesetzt. Die Begräbnisstelle war zuerst nur klein, da das noch reifende Getreide erst abgemäht werden musste. Später entstand das Erbbegräbnis der Familie Kitzing in der unmittelbaren Nähe des ersten Grabs.“ Seit 1985 verwaltet Heinz Schulz ehrenamtlich den Friedhof. Er erhält Unterstützung durch die Kirchengemeinde. Der Friedhof in Selchow ist ein kleines aber sehr gepflegtes Areal, das durch hohe Gedenksteine der Erbbegräbnisse eingerahmt wird. Es sind die Familiengräber von Kitzings, Mettes, Kiekebuschs, Sauerwalds, Stippekohls, Bosslings. Auf dem Friedhof liegt auch der Schmiedemeister Käding begraben, der vor Heinz Schulz Friedhofsverwalter war.

Grabstein einer der ältesten Bauernfamilien in Selchow, Familie Hansche

Die Evangelischen Pfarrer im Pfarrsprengel Selchow 1540 Otto Ranfuß bis 1575 Paul Ingolstädt 1592 – 1613 Georg Ingolstädt 1613–1635 Georg Ingolstädt 1635–1639 Magister Johan Joachim Krautheim Grabmal der polnischen Zwangsarbeiter, die Ende Novem 1640 – 1660 Matthäus Daberkow ber 1944 ums Leben kamen und am 3.12.1944 beigesetzt wurden. 1660 – 1703 Kaspar Schönjahn, 1711 in Selchow begraben 1704 – 1713 Andreas Christian Dame 1713 – 1759 Andreas Hintze 1760 – 1813 Ernst Gotthilf Schneider, 1813 in Selchow begraben 1813 – 1826 unbekannt, Wilke 1826 – 1841 Andreas Gottlob Ferdinant Le Petit, 1841 in Selchow begraben 1842 – 1885 Julius Heinrich Wappler, ist am 16.5.1887 in Selchow verstorben und begraben 1872 Henri Dupré kam aus Guben, wurde Ortsschulinspektor 1844 Carl Eduard Krause als Prediger benannt 1886 – 1894 Karl Otto Ferdinant Wildelau 1895 – 1907 Karl Albert Handtmann, bekam ab 2.4.1908 eine Diakoniestelle in Schwedt 1908 – 1942 Karl Ludwig Richard Johannes Matzke, kam aus Stettin 1942 – 1953 Karl Tscheusner, geb.am 3.3.1903 in Bentschen Kreis Meseritz 1953 – 1969 Otto Haertel 1969 – 1979 Jürgen Riebesel 1980 bis 8.1991 Karl-Heinz Lüpke

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ab 1991 Hartmut Hochbaum 2002 Johannes Reiff Die Namen der Küster in Selchow im Kirchenbuch gefunden: 1640 – 1769 Gottfried Hempel, der alte Küster, 1757 verstorben 1756 – 1779 Siegesmund Fürsteno, verheiratet, 2 Kinder. Die folgenden Küster werden im Kapitel Schule genannt, da sie auch Lehrer waren. Pfarrhaus 1987

Der Streit um die Kirchendisziplin in Selchow „Kirchen-Disziplin in Selchow“ „In Selchow waren in diesem Sommer die Kirchensitze erneuert, und dabei mehrere neue Sitze geschaffen. Diese sollte der Prediger Wapler mit dem Kirchenvorstande vertheilen. Der größte Theil der Bauern verlangte bei dieser Gelegenheit, da nur Bauern unter ihres Gleichen sitzend sich erbauen und auch in strenger Rangordnung ferner zum Abendmahl gehen dürfen, daß ihnen alle vorderen Plätze eingeräumt werden sollten. Damit noch nicht zufrieden, wurde auch von dem Gutsbesitzer Herrn Neuhauß verlangt, zwei ihm seit undenklichen Zeiten gehörige Sitzbänke, neben dem Altare, abzutreten, da dort die Hofofficianten nicht hingehörten. Dieser närrischen Auffassung wollte Herr Neuhauß nicht nachgeben, trat zur Herstellung der friedlichen Einigung seine vorderen Sitze in der Reihe zur Vertheilung ab, erklärte aber, daß die beiden Sitze neben dem Altare , wie bisher, verbleiben müßten. Was geschieht! Am Sonntage, den 25. des Monats, läutet es zur Kirche ein, ein Theil der Mädchen vom Gutshofe geht zur in den Kirche, setzt sich wie bisher in den so genannten herrSkizze der Bestuhlung vor der Neubestuhlung schaftlichen Beichtstuhl. Der Herr Kossäthengutsbesitzer Spiegel, ein intimer Freund des Herrn Pastors, welcher diesen Stuhl für seine Familie haben wollte, ruft den Mädchen von Chore herab zu, sie sollten den Stuhl räumen. Die Mädchen folgen einer so unmotivierten und unpassenden Äußerung nicht gleich, worauf der Herr Kossäthengutsbesitzer Spiegel nach dem Stuhle geht und den Mädchen Strafe androht, wenn sie nicht sogleich den Stuhl verlassen würden. Die verblüfften 3 Mädchen haben nicht den Muth zu antworten, da ergreift der Herr Kossäthengutsbesitzer Spiegel mit Gewalt den Arm der Mädchen, wirft, trotzdem der Kirchenbeginn eingeläutet war, die strammen Mädchen , eine nach der anderen , aus dem Stuhl, welche darauf die Kirche verlassen. Der Bauer Hansche, der dieser neuen Kirchenordnung sich auch nicht fügen wollte, zumal ja auch der Büdner und Schneider Lobeth, Schwager des Schulzen, seinen Kirchensitz unter den Bauern behalten sollte, weil er ein Bauernstammgut besitzt – hatte seinen alten Platz eingenommen, wird vor der Kirchentür gleich nach dem Gottesdienste in einem dem hiesigen, streng christlichen, Pfarrer Wapler eigenthümlichen aufgezogenen Tone darüber zur Rede gestellt, weshalb er sich zur Partei des Neuhauß bekenne, und weshalb er ihm letzthin abgeschlagen, ferner in seinem Backofen Brot backen zu dürfen. Der erstaunte Bauer erklärte dem sanftmütigen Seelenhirten , daß er keiner Partei angehöre, Neuhauß wohl sein Interesse ohne ihn vertrete, und so thue auch er, die Gefälligkeit mit dem Backofen habe er ihn entziehen müssen, weil der Prediger zuerst ingefällig gegen ihn gewesen – So wird 2 Meilen von Berlin Ordnung, Friede und Andacht in Kirchen gehalten.“ Aus dem Teltower Kreisblatt vom 28.04.1869 - 79 -


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„An den Einsender des Inserats betreffend die Kirchen-Disziplin in Selchow“ „Wir Endunterzeichnende würden es gar nicht würdigen, da wir sehr gut wissen, der Mühe werth gehalten haben, den Schmierer des oben bezeichneten Pasquils einer Antwort zu würdigen, da wir sehr gut wissen, daß, wer Pech angreift, sich die Finger besudelt, wenn nicht leider die Lüge so sehr leicht Glauben fände und unsere Namen nicht in so weitem Kreise bekannt wären. Wir müssen deshalb zur Steuer der Wahrheit folgendes erklären: Es ist zunächst eine Lüge, daß die Sitze in der hiesigen Kirche im Laufe des Sommers erneuert worden sind, es ist dies vielmehr im Laufe des vergangenen Jahres geschehen. Es ist ferner eine Lüge, daß wir nur die hinzugekommenen Sitze verteilen sollten, sondern die Verteilung sollte vorgenommen werden soweit sie durch den Neubau nothwendig geworden sei, und war es unserem Urteil überlassen, wie weit diese Nothwendigkeit sich erstrecken sollte. Es ist eine Lüge, daß die hiesigen Bauern die vordersten Sitzplätze verlangt hatten, sie sind ihnen vom Kirchenvorstand zugewiesen worden, weil sie ihnen nach unserer Ansicht von Gott und Rechtswegen zukamen. Es ist eine Lüge, daß von Herrn Rittergutsbesitzer Neuhauß eine Abtretung der erwähnten Sitzplätze verlangt worden sei, wir hatten nicht nötig , denselben darum zu befragen, sondern Skizze der Bestuhlung nach der Neubestuhlung auss Höflichkeitsrücksichtenhaben wir den Versuch gemacht, uns mit ihm zu verständigen, und da dieser Versuch mißglückte , so haben wir die Sache so abgemacht, wie wir sie unserer vorgesetzten Behörde gegenüber verantworten werden. Es ist ferner eine ganz infame Lüge, daß der Kirchenvorsteher Kossäth Spiegel die Gutsmädchen aus dem Stuhl geworfen habe, er hat dieselben nur, nachdem sie der wiederholten Aufforderung , die betreffenden Plätze zu räumen, keine Folge gegeben, und nachdem sie erklärt hatten, sie seien von ihrer Herrschaft angewiesen worden, sich den Anordnungen des Kirchenvorstandes zu widersetzen , durch Anfassen am Arm zum Aufstehen veranlaßt, worauf dieselben sofort den Stuhl und die Kirche verließen; unsere Aufforderung zu motivieren hatten wir nicht nötig, und wenn der Schreiber jener Lügenschrift sagt, dieselbe sei unpassend gewesen, so wollen wir ihm diese Äußerung gern seiner Dummheit zu Gute rechnen. Gelogen ist ferner, daß der Kirchenvorsteher Spiegel den betreffenden Stuhl für seine Familie haben wollte, derselbe war vielmehr der Familie des Herrn Predigers zugewiesen, trotzdem derselbe sich gegen die Annahme sträubte. Wenn der Verfasser jenes sauberen Schriftstückes dem Kirchenvorsteher Spiegel einen Vorwurf daraus machen will, daß derselbe ein intimer Freund des Herrn Predigers sei, so diene ihm zur Nachricht, daß derselbe sich dies zur Ehre rechnet, daß er es aber für die größte Schande halten würde, der Freund eines solchen absichtlichen Lügners zu sein, wie der Schreiber dieses Schriftstückes es ist. Was endlich den Vorfall vor der Kirchentür anbelangt, so sind und die dort gewechselten Worte nicht mehr genau erinnerlich, da wir durch den Auftritt in der Kirche so aufgeregt waren, daß wir auf solche Nebensachen nicht weiter achteten und überhaupt nicht Willens waren, uns dort noch auf weitläufige Auseinandersetzungen einzulassen. Da aber alles andere nichts als Lügen und Verleumdungen sind, so wird es mit dem, was darüber berichtet worden ist, wohl auch nicht viel besser sein. Die Entziehung des Backofens von Seiten des Zweihüfner Hansche ist erfolgt, weil der Herr Prediger den Wünschen desselben in Betreff deß Kirchensitzes nicht nachgekommen war, weil dieselben von unserer Seite für unzulässig befunden wurden. So wird über Kirchenangelegenheiten berichtet und gelogen, von Leuten, die jedenfalls kein Wort verlieren würden, wenn die gesamte Kirchenverwaltung vom Obersten Geistlichen biß zum letzten Kirchendiener morgen zum Lande hinauß gejagt, und die Kanzeln zum Tummelplatz politischer Agitation benutzt würden, von Leuten, die nicht einmal den Muth haben, ihren Gegnern frei ins Auge zu sehen und ihre Verleumdungen mit ihren Namen öffentlich zu vertreten. Karl Kitzing, Kirchen-Vorsteher, K. Spiegel, Kirchen-Vorsteher in Selchow“ - 80 -


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Aus dem Teltower Kreisblatt vom 5.5.1869 Die Schule von Selchow Bis zum Jahr 1250 gab es in der Mark Brandenburg nur Klosterschulen. Es wurde Latein, Lesen, Gesang und kirchliche Festreden unterrichtet. Das sich entwickelnde Bürgertum verlangte eigene Schulen und so wurden zwischen 1250 und 1520 auch Schulen nach Vorstellungen des Bürgertums eingerichtet. Mit der Reformation entstanden dann Stadtschulen. Schulen standen aber nur adligen und begüterten Familien zur Verfügung. Schulbildung für die Kinder der Bauern, der Tagelöhner und Landarbeiter war in den Dörfern bis zur Mitte des 18. Jh. unbekannt. Be- Schule und Kirche von Selchow reits 1573 wurde durch den Kürfürsten Johann Georg die Aufforderung erteilt, dass die Küster am Sonntag den Kindern und Erwachsenen den Katechismus vorlesen sollten, auch sollte das Beten gelernt werden. Ob in Selchow diese Aufforderung befolgt wurde, ist nicht überliefert. Nachdem Friedrich Wilhelm I. 1662 fast ohne Erfolg die Schulpflicht in der Mark Brandenburg eingeführt hatte, wurde ab 1717 die Schulpflicht bis zum 12. Lebensjahr der Kinder angeordnet. Laut dieser Anordnung sollte jedes Kind zwischen 5 und 12 Jahren zur Schule gehen, „gegen 2 Dreier wöchentlichen Schulgeldes“. Und zwar im Winter täglich und im Sommer, wenn bei den Eltern geholfen werden musste, ein- oder zweimal in der Woche. Wer Die alte Schule arm war, sollte die 2 Dreier aus dem Ort als Almosen bekommen. Eine Kommission des Königs prüfte die Realisierung dieser Anordnung. Das Edikt galt jedoch nur für die königlichen Domänen, die adligen Gutsbesitzer waren nicht verpflichtet es zu befolgen. Friedrich II. reformierte das Edikt und verlängerte die Schulzeit auf 8 Jahre, damit begann die Zeit des Volksschulwesens. 1717 gab es Preußen gerade einmal 320, 1740 aber bereits 1.480 Dorfschulen. Es dauerte aber mehr als 100 Jahre, ehe jedes Dorf eine Schule hatte. Die Entwicklung des Schulwesens ging auch an den Dörfern, die jetzt zur Großgemeinde Schönefeld gehören, nicht vorbei und es entstanden die ersten Die alte Schule von 1900 Schulgebäude. Die Gemeinden waren im 18. u. 19. Jh. für den Schulbau, die Lehrerwohnung, für Lern- und Lehrmittel und die Bezahlung der Lehrer selbst verantwortlich. Mitte des 19. Jahrhunderts trugen die Gemeinden 75 % der Kosten für die Schule, der Staat beteiligte sich zu 5%, das Schulgeld der Eltern deckte die restlichen 20 %. Erst ab 1888 gab es eine Schulgeldfreiheit für die Volksschulen.

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Die ersten Schulgebäude wurden errichtet: Diepensee erst 1945, vorher gingen die Kinder in Selchow zur Schule Großziethen 1910 Kiekebusch 1779 Rotberg 1818 Schönefeld 1812 Selchow vor 1810 Waltersdorf 1829 Waßmannsdorf 1841

Die Schule von Selchow im Jahre 1810 Die Geschichte der Schule in Selchow beginnt in dieser Chronik mit dem Vorhandensein eines Schulgebäudes und eines Lehrers, der gleichzeitig auch Küster und Organist war. Mit dem Beginn des regelmäßigen Schulunterrichtes wurden auch Schulvorstände im Amtsbezirk und in der Gemeinde gegründet, im Kreis wurden Schulinspektoren eingesetzt. In der Dorfgemeinde war meistens der Pfarrer als Ortsschulinspektor eingesetzt. Seit der Einführung der Schulpflicht wurden regelmäßig Schulvisitationen, mindestens einmal jährlich, durchgeführt und darüber Protokoll geführt. Den Protokollen der Visitation verdanken wir einen Überblick über den Zustand der Schule in Selchow ab 1810. In den Beständen des Landeshauptarchivs Brandenburg befindet sich in der Akte 1658 zur Kirchen- und Schulverwaltung in Selchow ein Bericht über eine Schulvisitation vom 5.4.1810. Dieser Bericht bestätigt, dass Selchow bereits vor 1810 ein eigenes Schulgebäude hatte und die Schüler im Dorf regelmäßig unterrichtet wurden. Folgender Bericht des Lehrers Fürstenau schildert den Schulalltag in Selchow im April 1810: „Es werden täglich 6 Stunden Unterricht erteilt. Des Morgens von 8 – 11 Uhr und des Nachmittags von 1 – 4 Uhr. Es ist der Ordnung gemäß, wenn die Kinder in die Schule kommen, so müssen sie reinlich gewaschen und gekämmt erscheinen. Ihrem Lehrer die gewöhnliche Zeit bieten und sich auf ihren angewiesenen Ort setzen. Sind die Kinder so ziemlich alle versammelt, mit gehöriger Stille, so wird der Anfang mit einem Morgen Liede deutlich und laut etwa 2- 4 Verse vorgesagt und gesungen, nach dem wird der Morgen Segen von einem Kinde laut gebetet, als dann werden Gebete für die Jugend von Kindern und dessen Wohlstand gebetet, als dann ein Hauptstück aus dem Katechismus frei auf jeden Tag auswendig herzusagen, mit nötiger Erklärung, wie auch nützliche Bibelsprüche herzusagen und so dann das Gebet des Tages zu sagen.“ Der Tagesverlauf sah folgendermaßen aus: Die erste Klasse, es waren die ältesten Kinder, las aus der Bibel, dem Neuen Testament und aus Hübners biblischen Historienbuche. Danach wurde Schreiben unterrichtet. Die zweite Klasse übt Buchstabieren und Lesen. Dann übte die dritte Klasse das Buchstabieren. Die Kleinen, die 4. Klasse, lernten die Buchstaben. Dann wurde die Schule vormittags mit einem Gebet und Gesang beendet. Der Nachmittag begann mit Gesang und Gebet. Danach wurden die monatlich ausgewählten Lieder und Psalmen vom Lehrer oder einem Knaben, welcher deutlich lesen konnte, vorgesagt. Es wurden die 12 Monate gelernt. Danach wurde das Einmaleins, Schreiben und Kopfrechnen geübt. Den Kleinen wurde, wenn noch Zeit war, Zahlen und Ziffern gelehrt. Die Schule wurde mit Gesang und Gebet beendet.

Die Schule in Selchow von 1810 bis 1945 Von 1819 liegt ebenfalls ein Bericht über den Zustand der Schule vor. Danach hatte sich seit 1818 am Schulgebäude, im Lehrerzimmer und bei den Schulutensilien nichts verändert. Weiter heißt es: „Der Lehrapparat war nach den Bedürfnissen der Schule vollständig vorhanden, in guter Beschaffenheit und aus der Schulkasse angeschafft“. Es wurde vermerkt; dass der Schulvorstand sich der Schule angenommen und den Schulbesuch befördert hatte und dass die Gemeinde an der Schule Interesse zeige. Der Schulbesuch der Kinder der Bauern und Kossäthen hatte sich sehr gebessert. Beanstandet wurde der Schulbesuch der Kinder der Tagelöhner. Die größeren Kinder mussten auf die Kleineren aufpassen, wenn die Eltern zur Arbeit gingen. Eine Schulbesuchsliste wurde regelmäßig geführt.“ Über Lehrer Fürstenau wurde berichtet, dass er 63 Jahre alt war, dass auf Grund seines Alters bei seiner Weiterbildung keine Veränderung eintreten werde, daher war er für die Gemeinde ein überflüssiger und teurer Lehrer.

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Typisches Klassenzimmer des 19. Jahrhunderts

Die Schule in Selchow war 1819 ausgestattet mit einer schwarzen Wandtafel, 20 Schiefertafeln, einer Stephanische Wandfibel und 12 Exemplaren des Lesebuchs „Der brandenburgische Kinderfreund“. Mindestens seit 1834 war in allen Schulen des Kreises ein Ortsschulvorstand vorhanden, der Einfluss auf den Schulunterricht nehmen konnte. Lt. Bericht von 1819 über die Selchower Schule gab es bereits 1818 einen Schulvorstand im Ort. Im Vorstand waren der Pfarrer, der Lehrer, der Gemeindevorsteher und die Gemeinderäte. Sie beschlossen Anschaffungen, Bauvorhaben und sollten die Lehrtätigkeit überprüfen. Durch das Schul- und Kirchenamt wurden regelmäßig Visitationen durchgeführt und ein Protokoll der Ergebnisse angefertigt. Die Beseitigung von festgestellten Mängeln bei den Visitationen und die Beschaffung von finanziellen Mitteln dauerten aber sehr lange. 1820 gingen die Waßmannsdorfer Kinder in die Schule von Selchow. 1842 kam Lehrer Füllgraf nach Selchow, er musste von der Gemeinde das Schulholzgeld einfordern, das ihm nach dem Rentamt des königlichen Fidei-Kommis zustand. 1852 verließ Füllgraf Selchow und ging nach Blankenfelde. 1861 brachte die Schulvisitation folgende Ergebnisse: Aus Selchow gingen 55 Kinder in die Schule und aus den Nachbarorten Diepensee und Waltersdorf kamen 14 Kinder. In der Schule wurden insgesamt 69 Kinder unterrichtet. Im Sommer wurde der Unterricht in 2 Räumen abgehalten. Die Kinder waren in 2 Abteilungen eingeteilt. Zur Abteilung I gehörten 31 Kinder. Im Sommer erhielten diese Schüler wöchentlich 12 Unterrichtsstunden in der Zeit von 6.00 bis 8.00 Uhr, im Winter 30 Unterrichtwochenstunden in der Zeit von 8.00 bis 11.00 Uhr und von 13.00 bis 16.00 Uhr. Zur Abteilung II gehörten 38 Kinder. Im Sommer erhielten sie wöchentlich 18 Unterrichtsstunden in der Zeit von 9.00 bis 11.00 Uhr. Im Winter erhielten sie ebenfalls 30 Unterrichtsstunden in der Zeit von 8.00 – 11.00 Uhr und 13.00 – 16.00 Uhr. Die Schule hatte wie gefordert einen Unterrichtsplan. Folgende Fächer wurden unterrichtet: Religion mit biblischer Geschichte, Katechismus, Kirchenlied und Gesang, Lesen, Deutsche Sprache und Schreiben, Rechnen, Gesang, Zeichnen, Vaterlandskunde, Naturkunde und Geographie. Das Wissen wurde mit befriedigend bis genügend von den Visitatoren bewertet. Die „Schulzucht“, d.h. Disziplin, wurde nicht beanstandet, d.h. die Erziehung erfolgte mit Strenge und oft mit Prügelstrafen, die aber in Selchow nicht aktenkundig wurden. Der Schulbesuch erfolgte regelmäßig. Die Bewertung der Lehrerwohnung, des „Schullocals“, des Lehrapparates und der Schulaufsicht durch den Schulvorstand war befriedigend.

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1875 gingen laut Visitationsbericht 70 Kinder in die Schule. Das Einkommen des Lehrers betrug zu dieser Zeit jährlich 872,50 M, darin waren 261 M aus dem Reinertrag von 3 Morgen und 160 Ruthen Ackerland für den Ertrag von Roggen und den Ertrag von 3 Morgen Wiese enthalten. Dazu kamen Zuwendungen aus dem Schulgeld von 255 M, Gemeindezulagen und verschiedene andere Einnahmen. Der Lehrer hätte bis zu 900 M verdienen können. Der Schulvorstand 1880 hatte folgende Zusammensetzung: Gemeindevorstand war Ludwig Spiegel, Mitglieder waren die Gerichtsmänner Karl und Wilhelm Sauerwald, die Bauern Friedrich Lobeth, Ferdinand Hansche, August Kiekebusch, Wilhelm Hansche, die Kossäthen Christian Sauerwald und August Kitzing sowie die Büdner August Mertens, Karl Boßling und Wilhelm Hahn. 1885 war der Kossäth Spiegel Ortsschulvorstand und der Bauer Hansche Schulinspektor. Lehrer Ziegenhirt musste 3 x täglich kostenlos die Kirchenglocken zu läuten. Er musste aber auch der Gesetze kundig sein. 1889 kam Lehrer Krieg aus Großmachnow nach Selchow. Er begann seinen Dienst am 1.11.1889. Der vorherige Lehrer Ziegenhirt wurde am 31. Oktober mit 65 Jahren pensioniert. In diesem Jahr gingen 31 Knaben und 32 Mädchen in die Selchower Schule. 1894 erhielten die Schüler 32 Wochenstunden Unterricht. In die Unterstufe gingen 47 Schüler und in die Oberstufe 42 Schüler. Die Schule war eine Halbtagsschule. 1895 wurde der Bau des heute noch bestehenden großen Schulgebäudes endgültig beschlossen und um 1900 realisiert. Dieses Gebäude hatten 2 Klassenzimmer und eine Wohnung. Die alte kleine Schule von vor 1810 wurde zu einer Wohnung umgebaut. In der Akte KW 37 Nr.1297 von 1859 ist durch eine Zeichnung überliefert, dass bereits in diesem Jahr der Neubau einer Schule, die an der Dorfstraße gegenüber dem „Amtshof“ liegen sollte, geplant war. Die Verwaltung des Pfarramtes Selchow und damit der Schule unterstand der Dioziöse Königs Wusterhausen und der königlichen Hofkammer der königlichen Familiengüter. 1898 herrschte in Selchow eine Scharlachepidemie. Die Schule blieb 4 Wochen geschlossen 1900 wurde die neue Schule eingeweiht. 50 % der Baukosten trug der Gutsherr Neuhauss, 50 % die Gemeinde, die dafür einen Kredit aufnahm. 50 % der Zinsen der Gemeinde übernahm ebenfalls der Gutsherr, 50 % die Gemeinde und die Gründerväter. 1904 wurde der Lehrer Herrmann Krieg nach Kyritz versetzt. Die Schule war wegen Infektionen bis November geschlossen. Im Januar 1905 kam Alexander Wolf aus Waldow, Kreis Luckau, als Lehrer nach Selchow. Als zweiter Lehrer wurde Paul Eggert aus Zabelsdorf eingestellt. 1906 gingen 83 Kinder in die Schule. Die Schule war eine Halbtagsschule, sie hatte einen Lehrer und eine Handarbeitslehrerin. Der Lehrer war 24 Jahre alt und hieß Paul Eggert. Er hatte 2 Lehrerprüfungen vorzuweisen. Im Nebenamt war er Küster und Organist. Die Leistungen der Schüler wurden wie folgt eingeschätzt: Biblische Geschichte, Katechismus, Gebete, Sprüche und Lieder: gut; Lesen und Deutsche Sprache: befriedigend; Handschrift: genügend; Kopfrechnen und Tafelrechnen: gut; Geschichte: gut; Erdbeschreibung: befriedigend; Choralgesang, Gesang von Volkslieder, Chorgesang: befriedigend; Zeichnen: gut bis befriedigend; Handarbeit unterrichtet Frau Rittmeister Dorenthal mit Erfolg; Turnen wird geübt. Alle Schüler hatten saubere Hefte. Die Handhabung der Schulzucht seitens des Lehrers war gut. Die Schule und die Lehrerwohnung waren im guten Zustand, die Ferien wurden nach Vorschrift durchgeführt. 1907 erhielt der Pastor Dupré die Ortsschulaufsicht über die Schulen von Selchow, Groß-Kienitz und Waßmannsdorf. 1908 erhielt der Pfarrer Matzke die Oberschulaufsicht für die Schule von Selchow, Großkienitz und Waßmannsdorf. 1909 wurde ein zweiter Lehrer, Ernst Schröder, eingesetzt. 1912 hatte sich die Schülerzahl in Selchow auf 109 Kinder erhöht. Es unterrichteten 2 Lehrer: Paul Eggert und Ernst Schröder. 1913 wurde die Schule ab 2.Juli wegen Masern geschlossen. Lehrer Ernst Schröder verließ Selchow. Artur Nossack aus Zeuthen bewarb sich um die freie Stelle als Lehrer in Selchow und wurde eingestellt. 1914 gingen 100 Kinder in die Schule. 1916 gingen 83 Kinder in die Schule. - 84 -


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1918 hatten die Schüler durch eine Grippeepidemie im November Grippeferien. 1918 wurde die geistliche Ortsschulaufsicht aufgehoben und die ersten Elternbeiräte gewählt. 1919 wurde das gesamte Schulwesen unter Aufsicht des Staates gestellt. Die Gemeinden konnten daran beteiligt werden. 1921 erfolgte die Ablösung der niederen Küsterdienste. Gutsbesitzer Neuhauß stellte am 8.10.1921 den Antrag an die Schuldirektion, die Herbstferien zu verlängern, da die Kartoffelernte noch nicht abgeschlossen war und Frostgefahr bestand. Die Kinder sollten bei der Ernte mithelfen. 1922 wandte sich Schulverbandsvorstand Neuhauß an die Regierung/Schulwesen wegen der schlechten Schulzustände in Selchow. Er berichtete: der Lehrer Herr Eggert habe zu Beginn der Pfingstferien 3 Monate Urlaub genommen, der 2. Lehrer Nossack war an Gelbsucht erkrankt. Die zuständige Vertretung aus Waßmannsdorf, Giesecke und Pfennig, haben den Unterricht nicht übernommen. Der zuständige Schulrat aus Tempelhof war entlassen worden, so dass ein Chaos in der Schule herrschte. Die Selchower sind aber anständige, fleißige Leute und verlangen den Schulunterricht. Eine schnelle Lösung wurde nicht gefunden. 1923 hatte eine Besichtigung der Schule ein erschreckendes Ergebnis: die Fenster in allen Etagen waren defekt, viele Scheiben waren zerbrochen, der Fußboden war beschädigt, die Öfen mussten umgesetzt werden und die Bohlen in den Aborten waren beschädigt. Die Wohnung des Lehrers war ebenfalls beschädigt, das Gebäude hatte Feuchtigkeit in allen Ecken, es gab große Putzschäden, die Wasserabflussrohre funktionierten nicht, das Dach war beschädigt und der Keller war nass. 1924 beantragte der Lehrer Nossack seine Versetzung. In die Schule gingen 59 Kinder. Die Gemeinde meinte, für 59 Kinder nur einen Lehrer zu benötigen und wollte dadurch die Ausgaben für die zweite Lehrerstelle sparen. Die freiwerdenden Mittel sollten für die Reparatur des Schulgebäudes eingesetzt werden. 1925 war die 1924 begonnene Reparatur der Schule abgeschlossen. 1926 unterrichtete in Selchow nur noch ein Lehrer. 1927 erhielt Kurt Zastrow eine Hilfslehrerstelle in Selchow. 1928 kam für Lehrer Zastrow Gerhard König aus Pasewalk nach Selchow. 1930 kam Walter Jähnichen als Lehrer nach Selchow. Keine 2 Wochen nach seinem Dienstantritt wurde er wieder entlassen. 1930 wurde Herr Hobel Lehrer in Selchow, aber schon am 1.1.1931 wieder versetzt. Der Kreisarzt stellte fest, dass das Wasser aus dem Brunnen für die Schule ungenießbar war. 1931 wurde wieder eine 2. Lehrerstelle beantragt. 1932 ergab die Visitation, dass in Selchow 59 Kinder zur Schule gehen, aber nur für 52 Kinder Platz vorhanden ist. Daraufhin wurde eine Halbtagsschule beantragt und genehmigt. 1935 mussten 65 Kinder unterrichtet werden. Die größeren Schüler erhielten 33 Unterrichtsstunden, die kleineren Schüler 26 Unterrichtsstunden. 1935 unterrichtete die Lehrerin Lehmmann 41 Schüler, Lehrer Eggert 24 Schüler. 1936 unterrichtete Käthe Genetat die Selchower Schüler. Sie wurde 1938 nach Zernsdorf versetzt. 1936 wurde folgender Erlass des Reichs- und Preußischen Ministers für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung herausgegeben: „In Einvernehmen mit dem Herrn Preußischen Finanzminister und nach Benehmen mit den Herrn Kassenanwalt der Landesschulkasse genehmige ich, dass die ruhende Lehrerstelle in der evangelischen Volksschule Selchow wieder zu verwalten und zu besetzen ist.“ 1938 kam Käthe Laub als Lehrerin nach Selchow, sie ging 1939 nach Perleberg. 1941 benötigte die Gemeinde 4.700 RM für die Reparatur der Schule und beantragte dafür einen Zuschuss bei der Regierung von 3.000 RM, erhielt aber nur 1.230 RM.

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Die Schule von Selchow nach dem 8.5.1945 Unmittelbar nach dem Kriegsende ruhte der Schulunterricht. Es begann wie in vielen Orten des Kreises ein provisorischer Schulunterricht. Dieser Unterricht war aber mehr eine Betreuung, denn die Voraussetzungen für einen Unterricht waren noch nicht vorhanden. Man bedenke auch, dass durch die Flüchtlingskinder die Klassenkapazitäten nicht ausreichten. Mit dem Befehl Nr. 40 der Sowjetischen Militäradministration (SMAD) vom 25.10.1945 wurde die allgemeine Schuleröffnung in der Sowjetischen Besatzungszone angeordnet. Es ist also anzunehmen, dass auch in Selchow am 1.10.45 mit den Schulunterricht wieder begonnen wurde. Staatliche Anordnungen vom 1.10.1945 bis zur Schulreform Zur Überwindung der ein–und zweiklassigen Schulen auf dem Lande wurde ab 1.9.1946 die Bildung von Zentralschulen vorbereitet. Die Lehrergehälter wurden aus dem Staatshaushalt des Kreises gezahlt. In den 50er Jahren entwickelten sich die ersten Mittelschulen mit den Klassen 9 und 10 im Kreis Teltow. 1958 wurde der Polytechnische Unterricht eingeführt. Am 2. Dezember 1959 beschloss die Volkskammer die Einführung einer 10-klassigen allgemeinbildenden polytechnischen Oberschule (POS). Ab der 9. Klasse war eine vierjährige Erweiterte Oberschule, EOS, vorgesehen. Für alle Kinder galt eine 12-jährige Schulpflicht, Berufsschule oder Oberschule oder Berufsausbildung mit Abitur. 1945 waren Frau Lüderitz und Frau Luise Krending Lehrerinen in Selchow. 1946 hatte die Gemeinde 520 RM Einnahmen (Mieten) und 920 RM Ausgaben für die Schule und 150 RM Ausgaben für Volksbildung/Kunst. 1950 bekam die Schule ihren Sportplatz zurück. Die noch vorhandenen Turngeräte wurden repariert und ein Handball gekauft. Die Bürger Lobeth, Hansche und Mette richteten für die Schüler den Schulhof her. Die Schulspeisung wurde eingeführt. Eine Lehrerwohnung wurde in ein Pionierzimmer umgestaltet. Die Ausgaben der Gemeinde für die Volksbildung betrugen 1.950 DM. 1952 wurden von der Gemeinde für die Volksbildung 4.960 DM und für außerschulische Erziehung 1.630 DM ausgegeben. Das VEG Selchow wurde Patenbetrieb der Schule in Selchow. 1958 gab die Gemeinde 3.2270 DM für die Volksbildung aus. Ab 1959 ist die Schule in Selchow eine Polytechnische Oberschule (lt. Statistik von 1962). 1961 wurde Frau Gacki Lehrerin und Schulleiterin in Selchow. Zweite Lehrerin war Frau Lüderitz. 1964 erhielt die Schule für 18.000 Mark eine moderne Toilettenanlage. Ab 1968 wurde in Selchow nur noch die Klassen 1 bis 4 unterrichtet. Die Klassen 5 bis 8 und 9 bis 10 wurden in Schönefeld unterrichtet. 1969 wurde die kulturelle Betreuung der Schüler, die Feriengestaltung und Versorgung mit Lehrmitteln über Schönefeld geplant. 1973 gab die Gemeinde für außerschulische Erziehung 5,4 TM aus. 1974 wurde der Schulbetrieb eingestellt. Das Schulgebäude wurde weiter als Wohnhaus genutzt.

Selchow an der Neuköllner-Mittenwalder-Eisenbahn (NME) Eine Besonderheit in der Gemeinde Selchow war die Einbindung des Dorfes in das Streckennetz der Neuköllner-Mittenwalder-Eisenbahn, die vom 17.9.1900 bis 21.3.1951 existierte. Der Bau der Kleinbahn entsprang dem Bedürfnis der Teltower Städte und Dörfer, ihre Wirtschaftsgüter von und nach Berlin möglichst schnell zu transportieren. Die Eisenbahn war zu dieser Zeit das schnellste Transportmittel und so kam es, dass sich besonders die Großgrundbesitzer für den Bau einer Kleinbahn einsetzten. 1895 gründete sich ein „Eisenbahnbau-Comite“ für den Bau einer Eisenbahnstrecke von Neukölln bis Mittenwalde. Die geschätzten Kosten betrugen 2 Millionen Mark, die aber die Mitglieder nicht aufbringen konnten. So suchte man Partner, bzw. Investoren und fand sie in der Firma Vering & Waechter, die 50 % der Kosten übernahm. Das „Comite“ übertrug der Firma die Planung und Koordinierung des Bauprojektes. Das Grundkapital der Gesellschaft waren 1.000 Stammaktien (A) zu je 1.000 Mark, also 1.000.000 Mark. 170 Aktien (B) wurden zu je 1.000 Mark gezeichnet, das waren 170.000 Mark. Die zur Deckung verbleibenden 830 TM wurden durch die Preußische Pfandbriefbank gegen entsprechende Zinsen aufgebracht.

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Stammaktie der Neuköllner-Mittenwalder Eisenbahn

Aktien hatten gezeichnet: Aktie A Aktie B gesamt in M in M in M Gemeinde Britz 40.000 24.000 64.000 Gemeinde Brusendorf 5.000 6.000 11.000 Gemeinde Buckow 50.000 18.000 68.000 Gemeinde Gr. Kienitz 20.000 6.000 26.000 Mittenwalde 30.000 10.000 40.000 Gemeinde Rudow 60.000 15.000 75.000 Gemeinde Schönefeld 40.000 12.000 52.000 Gemeinde Selchow 20,000 4.000 24.000 Die Rittergutsbesitzer Badewitz 8.000 8.000 v. Benda 10.000 3.000 13.000 Neuhauß, Selchow 30.000 8.000 38.000 Karl Wrede, Schönefeld 60.000 3.000 63.000 Otto Wrede 100.000 47.000 147.000 Vering & Wächter 335.000 6.000 341.000 Kreis Teltow 200.000 200.00 gesamt 1.000.000 170.000 1.170.000 Den Vorstand der Gesellschaft bildeten Eisenbahn/Bau- und Betriebsinspektor Albrecht aus Charlottenburg, Kreissyndikus Borgmann und Rittergutsbesitzer Neuhauß aus Selchow. Folgende Bahnhöfe wurden auf der Strecke angelegt: Hermannstraße, Britz, Buckow, Rudow West, Rudow Süd, Schönefeld, Selchow, Groß-Kienitz, Brusendorf, Mittenwalde Nord und Mittenwalde Ost. Alle Stationen bekamen einen Bahnhof. Der Bahnbau/Streckenbau begann im Hebst 1899 von Mittenwalde aus. Am 25.9.1900, vormittags, wurde die Strecke durch den Regierungspräsidenten aus Potsdam mit Gefolge das erste Mal bereist, alle Bedingungen wurden erfüllt und der Betrieb freigegeben. - 87 -


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Am 27.9.1900 erfolgte mit die Abfahrt des Festzuges die feierliche Eröffnung des Bahnbetriebes. Daran nahmen die Bürgermeister der Anliegergemeinden teil. Die Lokomotive und die Personenwaggons waren festlich geschmückt. Das Einzugsgebiet der NME war der östliche Teil des Kreises Teltow. Viele Dörfer an der Strecke, z.B. Waßmannsdorf, Brusendorf, Schönefeld und auch Selchow, besaßen Rittergüter mit intensiver Landwirtschaft. Die Residenzstadt Berlin bot sich als nah gelegener Absatzmarkt hervorragend an. Um Mittenwalde herum gab es abbaufähige Tonlagerungen und zahlreiche Ziegeleien die für den Bauboom in Berlin nützlich waren. Die Betriebsrechte wurden der Firma Vering & Waechter und den an der Strecke liegenden Gemeinden übertragen. Die Finanzierung erfolgte über die Baufirma, die Provinz Brandenburg, den Kreis Teltow und die anliegenden Gemeinden. Bei Betriebseröffnung standen der Bahn folgende Betriebsmittel zur Verfügung: 2 zweiachsige Tenderlokomotiven mit 20 t Dienstmasse, 1 dreiachsige Tenderlokomotive mit 30 t Dienstmasse, 4 zweiachsige Personenwagen II./III. Klasse, 6 zweiachsige Personenwagen III. Klasse, 2 vereinigte Post- und Gepäckwagen, 5 bedeckte Güterwagen, 20 offene Güterwagen, 2 Bahndienstwagen und 1 Draisine. Die Betriebsführung oblag der Firma Vering & Waechter, die 64 % der Einnahmen erhalten sollte. Das Betreiben der Bahn verlief aber nicht problemlos. Es gab häufig Unfälle mit Pferdefuhrwerken an Bahnübergängen. Auch Verspätungen durch lange Rangiermanöver waren an der Tagesordnung. Ein Zug benötigte 1907 für die 27 km lange Strecke 70 Minuten, 1919 sogar 90 Minuten. Die Bahn beför- Die Neuköllner-Mittenwalder Eisenderte Personen und Güter. Nach Schöneiche wurde bahn verkehrte von 1900 bis 1951. Müll aus Berlin mit der Bahn transportiert, auf der Rückfahrt wurden Ziegel nach Berlin mitgenommen. Die Strecke erhielt bis zum Jahr 1933 auch Nebengleise. Nach dem Krieg wurde auf der Strecke bereits am 1.6.1945 der Personenverkehr wieder aufgenommen. Außerdem fuhren Kohlezüge bis nach Senftenberg. Ab 1948 wurde die Teilstrecke zwischen Schönefeld und Mittenwalde abgebaut. Am 1.3.1955 wurde der Personenverkehr eingestellt. Der Bahnhof von Selchow befand sich am Kilometer 16,8 der Strecke. Das Bahnhofsgebäude hatte verglichen mit den anderen Unterwegsbauten eine stattliche Größe. Es wurde zwischen 1899 und 1900 erbaut. Es waren vorhanden: 4 Gleise (Gleis 3 140 m mit La- Karl-Joachim Wolff vor dem Bahnhofsgebäude Selchow destraße mit Seitenrampe von 17 m, Gleis 1 mit 800 m, Gleis 2 mit 750 m, Gleis 4 mit 50m, Anschlussgleis zum Gut) und ein Bahnsteig mit einer Länge von 78 m. Das Bahnhofsgebäude bot Platz für 2 Dienstwohnungen, den Dienstraum des Fahrdienstleiters im Erdgeschoss, in dem sich die Fahrkartenausgabe befand, die Güterabfertigung und das Stellwerk. - 88 -


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Weiterhin gab es einen Warteraum, einen Güterboden für Stückgut, eine Holzpumpe, eine Abortanlage, 3 Bahnsteiglampen, 1 Waschhaus und 1 Seitenrampe. Ein in den 1930er Jahren errichteter Anbau am Haupthaus wurde als Güterboden mit Rampe genutzt. Die Beleuchtung auf dem Bahnhof wurde bis 1919 mit Petroleum betrieben, danach wurden Gasanschlüsse gelegt und das Berliner Stadtgas zum Leuchten genutzt. 1900 wurde in Selchow zwar das erste elektrische Licht verlegt, aber nur für die Stallungen des Gutes. Das Herrenhaus, die Dorfstraße, Bahnhofstraße und der Bahnhof bekamen erst 1923 elektrisches Licht (3x220 Volt der Oberleitung). Der alte Güterboden wurde in den 30er Jahren abgerissen und durch einen Flachbau ergänzt. Im Jahr 1994 waren die Bahnsteigkante und der Beleuchtungsmast zwar eingewachsen aber noch vorhanden. Der Bahnhof hatte 3 Gleise, heute sind dort gepflegte Kleingärten. Das Bahnhofsgelände war noch bis 1994 gut erhalten. Das Bahnhofsgebäude wurde nach der Einstellung des Fahrbetriebes zum zweigeschossigen Wohnhaus umfunktioniert. Das gesamte Gebäude und alle Anlagen mussten wegen des Flughafenbaus weichen und wurden abgerissen.

Personen und Familien auf dem Bahnhof Adolf Schuster war vor 1925 Stationsvorsteher auf dem Bahnhof in Selchow. Familie Teutloff wohnte seit den 20er Jahren bis März 1950 in der Wohnung im Bahnhof. Albert Teutloff war 1925 Stationsmeister in Selchow und seine Frau Paula verrichtete noch den Fahrkartenverkauf bis 1947. Albert Teutloff starb 1945. Frau Teutloff zog 1950 mit den Töchtern Erika und Annika in das Dorf. Sie starb 1982. Familie Stolze mit 2 Kindern wohnte im Bahnhof von 1942 bis zum Juni 1952. Willi Stolze war Bahnhofsvorsteher bis zur Stilllegung des Bahnhofs im März 1951. Danach war er Kassenverwalter im Bahnhof Mittenwalde Nord und später Berufschullehrer bei der Reichsbahndirektion Berlin. Familie Stolze zog 1952 nach Mittenwalde und im Juli 1956 nach Berlin. Familie Krüger wohnte von April 1950 bis Juli 1956 im Bahnhof. Fritz Krüger war seit 1919 bei der NME als Lockheizer tätig, danach als Weichenwärter und Fahrdienstleiter im Bahnhof Selchow beschäftigt. Nach Auflösung auf dem SAB (BAR) Stellwerk B2 Bahnhof Waßmannsdorf war er Fahrdienstleiter, im Juli 1956 erfolgte der Umzug nach Mittenwalde. Später war er auf dem Bahnhof Grünau tätig (RB-Überwachung-Zuglauf). 1961 hatte ein Teil der Familie Krüger die DDR verlassen. Frau Liselotte Krüger (1921 geb.) war als Schrankenwärterin in Königs Wusterhausen und später in Mittenwalde beim VEB Untergrundspeicher Mittenwalde in der Materialausgabe tätig. Familie Karl-Joachim Wolff arbeitet vom 27.1.1949 bis Juni 1949 im Bahnhof Selchow als Weichenwärter. Von Juli 1949 bis 1952 war er als Fahrdienstleiter auf den Bahnhöfen Schönefeld und Schenkendorf tätig. Er fertigte am 21.3.1951 den letzten Zug ab. Ab 7.8.1952 arbeitete er im Streckenbereich Bhf. Mittenwalde – Bhf. Schönefeld als Bahnunterhaltungsarbeiter. Danach war K. J. Wolff bei der DR in den Stellwerken Waßmannsdorf, Berlin – Schöneweide beschäftigt, danach bis 1965 in Berlin – Rummelsburg als Fahrmeister. Dann folgten bis 1990 weitere Tätigkeiten bei der DR. Dann begann der Vorruhestand mit Unterbrechungen. Endgültig ging er 1994 in den Ruhestand. Familie Blochies wohnte mit 3 Kindern im Erdgeschoß. Kurt Blochies wurde 1921 geboren und starb 1978. Kurt Blochies war ebenfalls bei der DR beschäftigt. Familie Bruno Habernik wohnte seit 1955 im Anbau. Bruno Habernik wurde 1914 geboren und ist 1988 verstorben. Er war ebenfalls bei der DR als Fahrdienstleiter beschäftigt. Zusammenfassung ab 1950 Willi Stolze Bahnhofsvorsteher, wohnhaft in Selchow Fritz Krüger Fahrdienstleiter, wohnhaft in Selchow Walter Bienge Fahrdienstleiter, wohnhaft in Mittenwalde Karl-Joachim Wolff Fahrdienstleiter Viktor Klemm Weichenwärter, wohnhaft in Mittenwalde Herr Boeck Weichenwärter, Wohnhaft in Mittenwalde

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Fahrpreise von Neukölln nach Mittenwalde im Mai 1929 einfache Fahrkarten (sonntags kein Zugverkehr) Von Neukölln nach RM 2. Kl. RM 3. Kl. Britz 0,30 0,20 Buckow 0,30 0,20 Rudow 0,30 0,20 Schönefeld 0,60 0,40 Selchow 0,75 0,50 Gr. Kienitz 0,90 0,60 Brusendorf 1,00 0,65 Mittenwalde 1,20 0,80 Einfache Fahrkarten galten nur am Lösungstag, Doppelfahrkarten galten 4 Tage einschließlich des Lösungstages. Monatskarten kosteten den 20fachen Betrag, Schülermonatskarten kosteten die Hälfte und Wochenkarten den 4. Teil einer Monatskarte. Bei Gesellschaftsfahrten ab 30 Personen wurde eine Ermäßigung von 50 % gewährt.

Zeittafel Neuköllner-Mittenwalder-Eisenbahn Am 28.9.1900 wurde der Personen- und Güterverkehr eröffnet. Am 5.9.1901 wurde der Weiterbau der Linie vom Bahnhof Mittenwalde nach dem Schöneicher Plan beschlossen, wegen eines Anschlusses an die Ziegeleien, der Nutzung der Torflöcher als Abladeplatz für Müll, Vergrößerung des Güterverkehrs. 1903 Eröffnung der Strecke Mittenwalde–Schöneiche 1906/07 wurde der Bahnhof Teltowkanal errichtet. 1908 wurden für die NME Nebengleise gebaut: nach Tempelhof, zur Kanalstraße in Rudow, zum Gaswerk Britz. 1933 führte ein Gleis zum Flughafen Tempelhof. 1936 wurde ein vierachsiger Triebwagen von der Waggonfabrik Christof u. Unmack und ein zweiachsiger Triebwagen der Firma WUMAG in Dienst gestellt. Beide Triebwagen boten den Fahrgästen einen höheren Komfort. 1937 kam ein zweiter vierachsiger Triebwagen dazu, ein Nebengleis führte zu den Henschelwerken nach Diepensee. 1945 wurde die Brücke der NME über den Teltowkanal beim Rückzug der Wehrmacht gesprengt. Am 2.5.1945 beseitigten 35 Belegschaftsmitglieder der DR die Schäden an den Fahrzeugen und Anlagen. Durch Pioniere der Roten Armee wurde am 17.5.1945 die Strecke wieder hergestellt. Nach Erledigung der Formalitäten bei der sowjetischen Administration fuhren wieder 2 Züge vom Bahnhof Teltowkanal bis Mittenwalde Nord und zurück. Am 1.6.1945 wurde der Personenverkehr zwischen Neukölln und Mittenwalde aufgenommen, außerdem fuhren „Kohlenzüge“ nach Senftenberg. Am 5.10.1947 übernahm die Generaldirektion der Landesbahnen Brandenburg die Betriebsanlagen der NME in der sowjetischen Besatzungszone. Die Strecke wurde unterbrochen, die Hermannstraße lag im Westen, Schönefeld im Osten und so wurde das Personal ausgewechselt und eine Aufenthaltszeit von 10 Minuten eingebaut. Seit 1948 gab es Telefon und Fernschreiber. Am 1.1.1950 wurden die Strecken der Kleinbahnen von der Deutschen Reichsbahn übernommen. Am 21.3.1951 fuhr der letzte Zug. Ab 1952 wurde der Bahnhof demontiert, d.h. die gut erhaltenen Schienen wurden andernorts als Rangiergleise verlegt und Holzbohlen abgefahren. 1955 wurden die Gleise an der Grenze zum Westsektor abgerissen. Am 8. Juli 1965 wurden die Gebäude des Bahnhofs Selchow durch den Rat der Gemeinde Selchow übernommen. Die Miete für die Wohnungen und andere Gebäude wurden ab sofort an die Gemeinde Selchow überwiesen. Die Bahnhofstraße wurde in Rothberger Straße umbenannt. 1981 wohnten im Bahnhofsgebäude die Familie Wolff, Bloschies, Habernik. Es wurde der Bau von neuen Schuppen geplant. 1998 erinnerte nur noch wenig an den ehemaligen Bahnhof. 2004 lebten 3 Familien im Bahnhofsgebäude, die mit dem Bau des BER umziehen mussten. - 90 -


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Ortschronist Karl-Joachim Wolff dokumentierte die Geschichte des Selchower Bahnhofs.

Zum Abschluss der kurzen Geschichte ein Ausschnitt aus einer Beschreibung von Klaus Teickner: „Geruhsame Fahrt durch märkische Landschaft. Einst mit 20 km/h unterwegs nach Mittenwalde. Die etwa 33 km lange Strecke nahm am Bahnhof Neukölln, Hermannstraße ihren Anfang, führte dann nach Süden über den Teltowkanal, über Britz, Buckow, nach Schönefeld. Dieser Bahnhof „Schönefeld Dorf“ lag gegenüber dem letztem Haus am Ortsausgang südlich der Straße nach Waßmannsdorf. Von Schönefeld führte die Strecke dann weiter über Selchow nach Mittenwalde. Die NME hatte mehr als 20 Privatanschlüsse. Der Fahrzeugbestand betrug um 1930 9 Dampflokomotiven, 46 Personenwagen, 4 Gepäckwagen und 122 Güterwagen. 1930 wurde auch der gemeinsame Betrieb mit der „Königs Wusterhausen – Mittenwalde – Töpchiner Kleinbahn“ aufgenommen. Durch den Bau von Verbindungskurven war dann ein durchgehender Zugbetrieb von Neukölln bis zu den Seebädern Motzen und Töpchin möglich.“

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Die Feuerwehr von Selchow In den märkischen Dörfern brannte es genau so oft, wie in anderen Regionen. Die meisten Häuser waren mit Stroh gedeckt, bei Bränden wurde nur mit Wasser gefüllten Eimern gelöscht. Es gab zwar schon Feuerleitern, Feuerhaken und kleine Handspritzen, doch der Erfolg blieb oft aus. Um sich einen Überblick zum Brandschutz in den Dörfern der Herrschaft Wusterhausen zu verschaffen wurde am 1.8.1743 eine Visitation der Feuerlöschgeräte durchgeführt. In vielen Orten der Herrschaft Wusterhausen gab es demnach überhaupt keine Löschgeräte, im Bereich der Herrschaft Königs Wusterhausen war nur eine große Schlauchspritze, die in der Stadt stand, vorhanden. Nach dieser Visitation stellte die Prinzliche Gesamtkammer 215 Taler für eine Anschaffung der notwendigsten Geräte, also kleine Feuerlöschgeräte, zur Verfügung. Am 2.8.1752 wurde angeordnet: jeder Wirt muss eine Feuerleiter, einen Feuerhaken und einen Eimer nach der Straße hin anhängen. Er soll auch eine Handspritze haben. Jedes Dorf musste 2 große Wasser-Türme aufstellen. Zu erwähnen ist, dass zur Herrschaft Wusterhausen 13 Ämter, 50 Vorwerke, 2 Die Freiwillige Feuerwehr Selchow in der DDR-Zeit Städte und 60 Dörfer gehörten und 1763 erst 5 Feuerspritzen vorhanden waren. 1767 standen weitere 7 Amtsspritzen zur Verfügung, darunter auch in Selchow. Aber es fehlte an Löschwasser. Für den Brandschutz in Selchow galt ab 1769 folgende Verordnung des Prinzlichen Amtes Wusterhausen, welche die Untertanen zu beachten hatten (gekürzt): Wenn Feuer ausbricht, war es mit Geschrei kund zu tun. In der Nacht musste der Nachtwächter an die Türen klopfen, die Kirchenglocken waren vom Küster oder Lehrer Sturm zu läuten. Die Untertanen waren verpflichtet, an den Ort des Feuers ihre Gerätschaften mitzunehmen. Sollte ein Feuer auf den Dörfern ausbrechen, ist das Amt Königs Wusterhausen und die Orte mit Amtsspritze zu Fuß oder zu Pferde zu benachrichtigen. Die Frauen und Kinder waren verpflichtet, Wasser zu tragen. Zuschauer waren unerwünscht. 1739 wurde die Feuerversicherung eingeführt aber auf dem „platten Lande“ erst 1839. Jeder männliche Dorfbewohner war zum Löschdienst, oft ohne Ausbildung, verpflichtet. Diese Pflicht des Dienstes in der „Pflichtfeuerwehr“ wurde Ende des 19. Jh./Anfang des 20. Jh. durch die Gründung der „Freiwilligen Feuerwehren“ aufgehoben. Die erste als „Freiwillige Feuerwehr“ bezeichnete Wehr wurde im Kreis Teltow 1876 in Köpenick gegründet. Eine Brandschutzordnung aus dem Jahr 1869 liegt von der Gemeinde Waßmannsdorf im Rathausarchiv Neukölln im Original vor. Die Feuerwehr von Selchow wurde am 16.6.1926 gegründet. Mitbegründer war der Bäckermeister Helmut Schultze, geb. am 1.6.1908. Sicher ist aber, dass bereits um 1850 auch in Selchow ein Brandschutz funktionierte, bei dem die Bauern und Handwerker zusammenarbeiteten. Wahrscheinlich gab es auch eine Gutsfeuerwehr, vielleicht auch schon eine Ortsfeuerwehr bzw. eine Spritzenmannschaft. Belege dafür fehlen allerdings. Überliefert ist aber das Organisationssystem der Bauernwehr in Selchow, deren Gründungstermin unbekannt ist. Rainer Schulz, ein Ortswehrführer von Selchow berichtete folgendes: „Jede Woche war ein Bauer oder Handwerker abwechselnd mit dem Bereitschaftsdienst an der Reihe. Er musste immer Vorspannpferde für den Notfall bereithalten. Das war ein Organisationssystem, das schnell an seine Grenzen stieß, da es öfters in den Dörfern brannte. Bei einem Bauern in der Scheune wurde daraufhin ein Depot für Löschmittel eingerichtet und der Pumpwagen eingestellt. Alle Brandhelfer hatten somit eine Anlauf- und Sammelstelle. Es war üblich, dass jede Familie ein Mitglied der FFW stellte“. Unterlagen über die Feuerwehr von 1926 bis 1945 sind nicht erhalten geblieben. Das gilt mit wenigen Ausnahmen auch für die Zeit bis 1960. - 92 -


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Die Freiwillige Feuerwehr von 1945 bis 1989 Im II. Quartal 1946 stellte die Gemeinde aus ihrem Haushalt für die Unterhaltung des Feuerwehrgebäudes 60 RM und für die Ausrüstung 300 RM zur Verfügung. Im Jahr 1961 feierte die Gemeine 35 Jahre Freiwillige Feuerwehr in Selchow. Einem Bericht aus dem Jahr 1961 ist zu entnehmen, dass die Wehr für die Gemeinde 600 Arbeitsstunden leistete. Der Wehrleiter appellierte an die Gemeindeverwaltung, den Brandschutz zu verbessern und die nötigen Ausrüstungsgegenstände bereitzustellen. Mitglieder der FFW Selchow 1962 waren: Name Dienstgrad Blümke, Rudolf Löschmeister Friedrich, Egbert Löschmeister Ribbecke, Alfred Löschmeister Schultze, Helmut Brandmeister Lehmann, Karl Hauptfeuerwehrmann Mette, Alfred II Hauptfeuerwehrmann Langer, Harald Oberfeuerwehrmann Valentin, Joachim Hauptfeuerwehrmann Lau, Bernhard Hauptfeuerwehrmann Reinicke, Horst Hauptfeuerwehrmann Apel, Arno Oberfeuerwehrmann Knop, Günter Oberfeuerwehrmann Knop, Erwin Oberfeuerwehrmann Zander, Eckhard Oberfeuerwehrmann Langer, Hans-Jürgen Oberfeuerwehrmann Mette, Manfred Oberfeuerwehrmann Conrad, Hermann Oberfeuerwehrmann Pervölz, Bruno Oberfeuerwehrmann Liepold, Harry Oberfeuerwehrmann Lobeth, Willi Oberfeuerwehrmann Schüler, Gerhard Oberfeuerwehrmann Felten, Fr. Wilhelm 1962 hatte die Wehr durchschnittlich eine Stärke von 22 Feuerwehrmännern. Es fanden 6 Schulungen statt. Sie hatte nur 2 Einsätze im Jahr. 1963 beantragte der Wehrleiter Rudolf Blümke seine Ablösung wegen beruflicher Überlastung. Als neuer Wehrleiter wurde der Löschmeister Alfred Ribbecke berufen. Die Gemeinde wurde aufgefordert ihre Alarmeinrichtungen zu verbessern und für eine ausreichende Beleuchtung des Feuerwehrdepots zu sorgen. 1966 leistete die FFW für die Gemeinde 250 Arbeitsstunden im Wert von 650 M. Die FFW hatte eine Stärke von 23 Mann, das Soll betrug 31 Feuerwehrmänner. 1968 erhielt die Feuerwehr vom Rat des Kreises einen neuen TSA-Anhänger. Er wurde im Feuerwehrhaus untergestellt. Für das Fahrzeug war der Gerätewart verantwortlich. Eigentümer wurde die Gemeinde Selchow. 1969 erhielt die FFW Selchow für ihre Arbeit eine Leistungsstufe III zuerkannt und eine Urkunde des Rates des Kreisen und der Nationalen Front für hervorragende Leistungen. Eine Belobigung für hervorragende Leistungen erhielt Kamerad Alfred Ribbecke. Von der Feuerwehr wurden 50 Stunden im Nationalen Aufbauwerk geleistet. Im Juli zerstörte ein Fahrzeug der Roten Armee einen Feuerlöschbrunnen in Selchow. Die Feuerwehr plante den Bau eines Gerätehauses. In den 70er Jahren wurde ein kleines Feuerwehrdepot in Eigenleistung gebaut. Ein Löschfahrzeug stand zur Verfügung. Eine Brandschutzbegehung auf 7 Höfen im Oktober 1970 ergab, dass alle Feuerlöscher ohne Plomben, die Beschilderung mangelhaft und alle E-Anlagen zu beanstanden waren. Des Weiteren wurden die schlechte Lagerung der Schmier- und Treibstoffe sowie die nicht ordentlich untergebrachte Technik beanstandet. Schornsteine in der Dorfstr. 6 mussten gesperrt werden. - 93 -


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Vorn im Bild sind zu sehen: Alfred Ribbecke, Manfred Lehmann, Manfred Mette, Ewald Selend, Harald Langer, Jürgen Müller, Herbert Hansche. Hinten im Bild: Willi Lehmann, Hermann Konrad, Dieter Streich, Friedhelm Felten

1970 erhielt die FFW aus dem Volksvertreterfond von der Gemeinde 100 M für fehlende Ausrüstung. 1971 wurde zwischen der Gemeinde Selchow und dem VEG Waßmannsdorf vereinbart, dass die Betriebslöschgruppe des VEG Waßmannsdorf mit ihrer Technik und Ausrüstung den Schutz der Gemeinden in der Zeit von 7.00 bis 16.30 Uhr übernimmt, danach sollte die FFW Selchow zuständig sein. 1972 brannte in der SZ-Anlage in Selchow ein Zuchtstall durch einen Kabeldefekt aus. Die Wehr musste die ganze Nacht löschen. Die Anlage wurde gerettet, aber 30 Schweine verbrannten. 1973 wurde Fr. W. Felten Wehrleiter in Selchow. 1976 feierte Selchow den 50. Jahrestag der Gründung der FFW. Der Rat der Gemeinde überreichte der Wehr eine Urkunde als Dank für die bisherige Arbeit im Brandschutz. Zwischen der Gemeinde Selchow und Waßmannsdorf wurde folgende Vereinbarung zum Brandschutz getroffen: Die Gemeinde Waßmannsdorf übernahm mit ihrer Technik und Ausrüstung den Schutz der Gemeinden von 7:00 Uhr bis 16:00 Uhr. Die Betriebsfeuerwehr in Waßmannsdorf unter Leitung von Horst Labrenz wurde aufgelöst. Von 16:00 bis 7:00 Uhr übernahmen beide Gemeinden jeweils den Schutz ihres Territoriums. Die beiden Wehren arbeiten in Sachen Brandschutz grundsätzlich zusammen. Im September fand die staatliche Brandschutzkontrolle statt, bei der festgestellt wurde, dass weder die Spritze noch das Depot in einem guten Zustand waren. Beim Probealarm war nur ein Feuerwehrmann am Ort. Die Bürgermeisterin erwog, die Ablösung des Wehrleiters zu diskutieren. 1977 erhielt die Feuerwehr eine Motorsäge, die gegen Gebühr ausgeliehen werden konnte. Die Wehr hatte trotz Personalschwierigkeiten das Feuerwehrhaus aufgeräumt, die Fenster vergittert, eine Fahnenstange eingesetzt und einige Übungen durchgeführt. Kamerad Müller absolvierte eine Ausbildung als Gruppenleiter und wurde zum Hauptfeuerwehrmann befördert. 1979 erhielt das Kollektiv der FFW Selchow anlässlich des 30. Jahrestages der DDR eine Urkunde für hervorragende Leistungen durch den Nationalrat der Nationalen Front der DDR. 1980 wurde die FFW Selchow durch 5 Frauen verstärkt. Es konnten 40 Haushalte auf Einhaltung des Brandschutzes kontrolliert werden. Im Laufe des Jahres bildete sich ein gutes Kollektiv heraus. Bei Übungen im Wirkungsbereich konnten die Selchower wieder erste Plätze erreichen. Mängel waren die verstellten Hydranten und eine zu schwache Sirene, die nicht zu hören war. 3 Jugendliche konnten für die FFW gewonnen werden. Die Wehr kritisierte, dass der notwendige Löschbrunnen noch nicht gebaut war, dass Hydranten und Vorspanndienst fehlten. 1981 erreichte die Selchower Wehr beim Wirkungsbereichsausscheid Schönefeld den 2. Platz beim Ausscheid „Kampfsport“. Die Kameraden der Feuerwehr organisierten im Juni ein Sommerfest für die Gemeinde. 1982 wurde eine Arbeitsgemeinschaft „Junge Brandschutzhelfer“ mit 10 Mitgliedern gegründet. Die AG wurde von Frank Guschall und Lutz Ribbecke geleitet. 1982 wurde mit dem Bau des Trockenturmes begonnen. Zur Verbesserung der Brandbekämpfungsmaßnahmen im Territorium wurde zwischen den Gemeinden Selchow und Waßmannsdorf sowie dem Klär- 94 -


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werk Waßmannsdorf eine Vereinbarung mit folgendem Inhalt abgeschlossen: Die FFW von Waßmannsdorf übernimmt mit ihrer Technik und Ausrüstung den Schutz der Gemeinden Waßmannsdorf und Selchow von 7:00 Uhr bis 16:00 Uhr, von 16:00 Uhr bis 7:00 übernehmen die Gemeinden selbst den Brandschutz, es finden gemeinsame Beratungen statt. Die Leitung der Wehren Selchow und Waßmannsdorf sind für ihre technische Ausrüstung eigenverantwortlich. Das Klärwerk unterschrieb die Vereinbarung nicht. 1983 wurde in der Wehrleitung eine Umbesetzung Das Osterfeuer 1993 wurde von der FFW veranstaltet. vorgenommen. Kamerad Lutz Ribbecke wurde Stellv. für EAW. Kamerad Mann wurde von diesem Posten entlastet. Das Tor zum Gerätehaus wurde gestrichen. 1984 gab es keine Brände in Selchow. Beim Wirkungsbereichsausscheid belegte die Wehr von Selchow den 2. Platz in der Disziplin „Löschangriff“. Die Kameraden Marianne Arlt, Max Ribbecke und Andreas Manzek wurden wegen Inaktivität ausgeschlossen. 1986 hatte die FFW Selchow eine Stärke von 20 Personen. Sie war im Besitz eines Tragkraftspritzenanhängers, von 14 D-Schläuchen, Die Selckower Jugendfeuerwehr 1995 4 C-Schläuchen, 18 Atemschutzmasken, 20 Dienstuniformen, 18 Feuerwehrschutzanzügen, 18 Feuerschutzhelmen und 18 Hakengurten. Probleme waren lt. Wehrleiter Dieter Streich die Realisierung des Vorspanndienstes, die Erlangung der Sollstärke und die Werbung um Mitgliedschaft von Frauen. 1988 ergab die Prüfung der Feuerlöschgeräte wiederum eine Bestnote. 1989 wurden auf Grund gezeigter Leistungen Lutz Ribbecke zum Wehrleiter und Rainer Schulz um stellv. Wehrleiter der FFW Selchow berufen. Die Wehr erreichte den 1. Platz in der Disziplin „Löschangriff“. Die Kameraden erhielten eine Prämie von 84 M für die Instandsetzung des Tiefbrunnens. Die FFW Selchow erhielt von der Gemeinde, von der amtierenden Bürgermeisterin Frau Müller, eine Prämie von 100 M für die Unterstützung beim „Mach mit“–Wettbewerb. Die FFW Selchow führte wie jedes Jahr ihre Brandschutzkontrollen in den Wohnungen durch. Das Ergebnis war sehr gut. Auf dem zweiten Amtsfeuerwehrtag 1996 Eine sowjetische Passagiermaschine vom Typ IL62 war beim Startversuch über die Startbahn gerollt und brennend erst kurz vor dem Dorf zum Stehen gekommen Die Menschen mussten gerettet und eine Löschwasserleitung von Waßmannsdorf nach Selchow gelegt werden.

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Die Freiwillige Feuerwehr von 1990 bis 2011 1990 wurden die bisher geltenden Bedingungen für die Aufnahme in die FFW vom Rat des Kreises aufgehoben. 1992 wurde das Einsatzfahrzeug der FFW Selchow (Barkas) in Dabendorf repariert. Die Gemeinde Selchow erhielt von der Gemeinde Hohenstein ein gebrauchtes Löschfahrzeug LF 8 geschenkt. 1993 veranstalteten die Kameraden der FFW ein Osterfeuer für die Gemeinde. Eine neue Feuerwehrsatzung wurde beschlossen. 1994: Die Mitglieder der FFW Selchow waren Nico Lange, Frank Schultze, Andreas Jacob, Andrea Mann, Roy Mix, Heiko Zimmermann, Sebastian Mette, Sabrina Schultze, Steffi Has, Janin Langer, Ricardo Hansche, Benny Ribbecke, Anja Schade, David Grabowski, Enrico Has und Tommy Ribbecke. 1995 organisierte die Selchower Feuerwehr das Sommerfest der Gemeinde. Am 21.5.1995 fand ein Ausscheid der Amtsfeuerwehren in Schönefeld statt. Die FFW Selchow belegte in der Disziplin „Löschangriff Nass“ den 3. Platz. Auch die Selchower Jugendfeuerwehr war erfolgreich. Beim 1.Wettkampf der Jugendfeuerwehren in Großziethen war sie erfolgreich beim „Löschangriff-Nass“ und erreichte einen 3. Platz beim Geländelauf. Beim Hindernislauf mit „Schläuche koppeln“ wurden die Selchower sogar erster. 1996 wurde Alfred Mann Amtsbrandmeister. Er löste Dieter Heinrich aus Großziethen ab. Alfred Mann war seit 1974 Mitglied der FFW, 5 Jahre davon Ortswehrführer. Die Jugendfeuerwehr belegte beim 2. Wettkampf der Jugendfeuerwehren in Großziethen den 10. Platz im Geländelauf und den 11. Platz beim „Löschangriff Nass“. Im September gewannen die Selchower den 1. Platz beim „Löschangriff“. Beim Amtsausscheid errang die FFW Selchow im „Löschangriff“ den 3. Platz. 1997 beschloss die FFW Selchow mit Zustimmung der Gemeinde Selchow eine Chronik zu erstellen. Als Chronistin war Kerstin Ribbecke tätig. In einer neuen Ausrückordnung wurde festgelegt, dass im Süden Waltersdorf die Hauptlast trägt und im Norden Waßmannsdorf und Großziethen. In den anderen 5 Gemeinden ist zwischen 6:00 Uhr und 17:00 Uhr keiner zu erreichen. Im Mai fand ein Kameradschaftsausflug in den Spreewald statt. 1998 wurden unter der Leitung von Ortswehrführer Frank Ribbecke 2 Brände in einem leerstehen

Jugendfeuerwehr vor dem Feuerwehrdepot

1998 mussten in Selchow zwei Brände gelöscht werden.

Stehend von links: Alfred Mann, Sylvia Zimmermann, René Krebs, Willi Ribbecke, Sven Neubacher, Frank Schultze, Dieter Streich, Ronny Valentin. Sitzend von links: Rainer Schulz, Manuel Mann, Anneliese Thoben, Frank Ribbecke

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Wohnhaus und einer Scheune gelöscht. Zur Brandbekämpfung waren Wehren von Waßmannsdorf, Mahlow, Großziethen, Rotberg und Selchow im Einsatz. Am 15.3.1998 fand der Amtsfeuerwehrtag in Waltersdorf statt. 187 Kameraden nahmen daran teil. Die Jugendfeuerwehr von Selchow nahm am 4. Jugendfeuerwehrtag am 28.9.98 in Großziethen teil und erreichte beim Geländespiel den 1. Platz. 1999 fand der Amtsfeuerwehrtag in Waltersdorf statt. Es gab drei Einsätze der FFW Selchow – alle auf Grund von Verkehrsunfällen. Frank Ribbecke erhielt vom Land Brandenburg, Minister des Innern, in Anerkennung für 10jährige treue Pflichterfüllung eine Urkunde und die Medaille in Kupfer. Am 29.10.1999 wurde der Schlauchturm erneuert. 2000 hatte die Jugendfeuerwehr Selchow folgende Mitglieder: René Lange, Benny Ribbecke, Anja Schade, Tommy Ribbecke, Christoph Labrenz, Maik Lange, Patrick Teschke, Kenneth Tietzsch, Adrian Reinke, Pierre Ribbecke, Martin Labrenz und Julian Pfeifer. Beim Amtsausscheid der 7 Jugendwehren belegte Selchow den 3. Platz in der Altersgruppe 10 bis 13 Jahre. 2001 musste die FFW die Durchspülung des Regenwasserrohres in der Dorfstraße in Glasow vornehmen. Der Höhepunkt des Jahres war das Fest zum 75. Gründungsjahre der Freiwilligen Feuerwehr. Das Fest fand auf dem Gelände des Stadtgutes statt.

Die Grundsteinlegung des neuen Feuerwehrgerätehauses

Das Programm zum 75. Geburtstag der FFW Selchow: 13.7. 19.00 Uhr Blasmusik in der Kirche, Festakt 20.00 Uhr Lampionumzug von der Kirche zum Festplatz 20.30 Uhr Lagerfeuer mit Live-Band 14.7. 8.30 Uhr Parade von 42 Feuerwehrautos 9.00 Uhr Appell der Kameraden, dann Grundsteinlegung für das neue Feuerwehrgerätehaus 10.00 Uhr Feuerwehr-Wettkämpfe anlässlich des 7. Amtsausscheides, Festumzug aller Feuerwehren Abschließend Feuerwehrball mit Live-Musik 15.7. 9.00 Uhr Gottesdienst 10.00 Uhr Frühschoppen und Musikalische Unterhaltung Der Schönefelder Amtsanzeiger berichtete am 21.10. über die Arbeit der FFW Selchow folgendes: „Brände sind in Selchow eher selten. Die Feuerwehrleute haben es meist mit Unfällen zu. Manchmal bitten auch Tierschützer um Hilfe. Im Juli musste ein junger Schwan auf dem Selchower See aus einer Angelsehne befreit werden. Zurzeit gibt es 9 aktive Feuerwehrleute und 10 Jugendliche. Die technischen Geräte sind auch nicht auf dem neuesten Stand. Das Löschfahrzeug ist ein 30 Jahre alter Opel-Blitz, ein Geschenk einer Partnerfeuerwehr. Es wird aber immer schwieriger, für das Auto Ersatzteile zu finden. Die Gemeinde hat mit großer Anstrengung die 360.000 DM für ein neues Feuerwehrgebäude aufgebracht.“

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2002 waren die folgenden Personen Mitglieder der FFW Selchow: Ortswehrführer Rainer Schulz, Stellvertreter Frank Ribbecke, Gerätewart David Exner, Volker Teschke, Ronny Valentin, René Krebs, Sven Neubacher, Manuel Mann, Frank Schultze, Benny Ribbecke, Sylvia Zimmermann, Andrea Mann und Anja Schade. Passive Mitglieder waren Alfred Mette, Dieter Streich, Werner Lobeth, Anneliese Thoben und Ingrid Valentin. Am 11.03. nahm die FFW Selchow an der Notfallübung „Crash 2002“ in Schönefeld teil. Am 13.5. fand in Diepensee die Frühjahrsübung der Jugendwehren des Beschreibung des neuen Feuerwehrgebäudes Altkreises KW statt. 21 Mannschaften nah- (Das alte Haus hatte eine Fläche von 40 m²) men teil. Die Selchower belegten den 5. Platz. Baubeginn: September 2001 Am 15.06. wurden das Dorffest und die Ein- Einweihung: April 2002 Kosten: 300 TDM von der Gemeinde Schönefeld weihung des Depots mit Kaffee und Kuchen, Mit Gemeinschaftsraum, Büro, Teeküche, Umkleideräumen Gulaschsuppe und Getränken gefeiert. für Damen und Herren, Sanitätsräumen für Damen und 2003 bekam die Selchower FFW ein modernes Ein- Herren, Technikraum und Garage. Im Außenbereich befinsatzfahrzeug, es löste den alten „Opel Blitz“ det sich ein gepflasterter Parkplatz. ab. Es bekam von den Frauen der Wehr den Namen „Resi“. Am 3. Mai fand in Diepensee die Frühjahrsübung der Jugendfeuerwehren statt. 21 Mannschaften waren am Start. Selchow erreichte den 5. Platz und nahm am 22.6. erfolgreich am Kreispokallauf in Brusendorf teil. Am 23.07. wurde in Selchow Dorffest gefeiert. Aus diesem Anlass wurde auch das neue Feuerwehrgebäude eingeweiht. Das Gebäude wurde ohne Kredit und Sponsorengelder erbaut. Anlässlich des 95. Gründungstags der FFW Schönefeld am 12.9. trugen die Feuerwehren in Schönefeld einen Wettbewerb aus. Der Wettkampf wurde mit einem Korso der Fahrzeuge der amtsansässigen Gemeinden eröffnet. In der Nacht zum 13.9. Ging ein Einsatzalarm bei der FFW Selchow ein: Suchen einer Person, danach Brand in Selchow. Für alle wird diese Nacht unvergesslich bleiben. 2004 erreichte die Jugendfeuerwehr Selchow den 5. Platz beim Wettbewerb, der anlässlich des 85. Gründungsjahres der FFW in Großziethen. 2009 hatte die FFW der Gemeinde Schönefeld 129 aktive Kameraden, davon 27 Frauen. An 63 Einsätzen von 379 Einsätzen insgesamt nahm die Selchower FFW teil. Sie sicherte Osterfeuer, half bei Dorffesten und Umzügen. Am 3.7 und 4.7. fand in Waßmannsdorf der 1. Berufsfeuerwehrtag für die Jugendfeuerwehren statt. Aufgabe war es, in Selchow einen umgefallenen Gefahrenguttransport zu sichern, d.h. die jungen Feuerwehrleute mussten die Gefahren erkennen und die richtigen Maßnahmen zur Gefahrenbeseitigung erkennen. David Exner von der Selchower Feuerwehr fuhr die Gruppe zum Einsatzort und gab Hilfestellung. 2010 plante die Gemeinde Schönefeld, einen Rüstwagen anzuschaffen, die Feuerwache in Großziethen fertig zu stellen, den Feuerwehrneubau in Schönefeld zu beginnen und das alte Großziethener Feuerwehrgebäude auf dem Dorfanger so zu gestalten, dass darin alte, aber erhaltungswerte Technik der Feuerwehren aufbewahrt und erhalten werden kann. Die Amtsfeuerwehr hatte 129 aktive Kameraden, davon 13 aus Selchow.

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Der Schönefelder Gemeindeanzeiger hatte im März 2010 die Selchower Ortswehr im Blickpunkt: „Ein wichtiger Faktor im Leben des inzwischen auf 200 Einwohner geschrumpften Ortsteils ist die Freiwillige Feuerwehr. Sie ist das kulturelle Zentrum und hält das Leben an dem von der Flughafenbaustelle besonders betroffenen Ortsteil am Leben. Alfred Mann war 12 Jahre lang Brandmeister in der Gemeinde und weiß, dass die Kameradinnen und Kameraden in den Ortswehren in ihrer Freizeit nicht nur für die Sicherheit der Bürger sorgen, sondern dass die Ortswehr auch wichtig für die soziale Zusammenarbeit ist. Ortswehrführer Frank Ribbecke wohnt inzwischen nicht mehr in Selchow, ist aber der Selchower Feuerwehr treu geblieben aus guter Tradition und wegen des Zusammenhalts. Er wurde 1989 Mitglied der Feuerwehr, einer Familientradition folgend. Auch David Exner wohnt nicht mehr in Selchow, aber sein Herz schlägt für die Selchower Feuerwehr und er verbringt einen großen Teil seiner Freizeit bei der Ausbildung und den Einsätzen… Die Selchower Feuerwehr hat eine lange Tradition, auf die die Kameradinnen und Kameraden stolz sind. Sie wurde 1926 gegründet. In 4 großen Ordnern sind die Jubiläen und wichtigsten Abschnitte der Geschichte aufbewahrt“.

Am 30.12.2010 lud die FFW Selchow die Bürger zum Jahreswendefeuer vor die Feuerwache ein. Die FFW Selchow hat 2010 folgende Mitglieder: Frank Ribbecke (Ortswehrführer), David Exner (Stellvertreter des Ortswehrführers), Cindy- Ann Apel (Jugendwart), Pierre Ribbecke (stellvertretender Jugendwart), Alfred Mann, Silvia Zimmermann, Volker Teschke, Patrik Teschke, Sven Neubacher, Frank Schultze und Antje Neubacher. Der Jugendfeuerwehr gehören an: Antonia Pristaff, Jennifer Albrecht, Xenia Markiewicz, Gina Salemon, Marina Jacobi, Paul Langer, Christian Boßling und Marvin Knop. Die Mitglieder der Jugendfeuerwehr treffen sich jeden Freitag von 16.30 Uhr bis 18.00 Uhr zur Ausbildung. Das Alter liegt zwischen 7 und 16 Jahren. Zahlreiche Urkunden zeugen von einem guten Ausbildungsstand. Beim 1. Rescue Day in der Gemeinde Schönefeld errangen die Männer im „Löschangriff Nass“ den 3. Platz. Die Jungen (14 – 17 Jahre) wurden zweiter. 2011 blickt die Selchower freiwillige Feuerwehr auf 85 Jahre zurück.

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Das Gut in Selchow: Rittergut, Stadtgut, Volksgut und wieder Stadtgut Bei der Gründung der Dörfer in Brandenburg wurden in der Regel bis zu 11 Hufen als Ritterhufe reserviert. Das bedeutet aber nicht, dass sofort ein Gutsbetrieb eingerichtet wurde. In Selchow ist nicht eindeutig festzustellen, ab wann Ritterhufe bewirtschaftetet wurden. Folgendes aber ist überliefert: 1242 – 1440 ist Heinrich von Selchow/Henricus de Selchow in Selchow. 1338 wurde auf einer durch Markgraf Ludwig bestätigten Schenkungsurkunde des Rates zu Cölln Johannes aus Waßmannsdorf und Nicolaus von Selchow als Knappen und Zeugen genannt. 1373 erhielt Wibold von Kummelitz die Lehnanwartschaft für 5 Hufen in Selchow. 1430 erhält der Berliner Bürgermeister Hennig II. Strobant die Anwartschaft auf das Lehngut Selchow, danach seine Söhne. 1536 hatte der Hof von Bardeleben 8 Hufen und eine freie Schäferei. 1571 hatte Albrecht Mittelstraß einen freien Sitz mit 5 freien Hufen in Selchow und die Schäfereigerechtigkeit. 1609 wurde unter Markgraf Joachim II. durch den Gutsherren von Bardeleben in Selchow eine Schäferei angelegt. 1610 schrieb Landreiter Biener, dass Selchow ein Rittersitz der von Bardeleben ist. 1610 steht im Bericht des Landreiters Biener: Jacob von Bardelebens Erbe zu Selchow ist ein Rittersitz. Um 1670 ist Joachim von Bardeleben Erbherr auf Selchow und besitzt 17 Hufen. Er wurde am 15.1.1637 in Selchow geboren und starb am 15.12.1692. 1730/39 waren Carl Gustav von Bardeleben und Friedrich Leopold von Bardeleben, Erben des Christoph von Bardeleben, die letzten Besitzer von Selchow. 1740 verkauften sie das Dorf mit allen Gütern und Rechten an König Friedrich Wilhelm I. für 27.000 Taler. Der Besitz wurde „Domäne“ der Herrschaft Königs Wusterhausen. 1745 wurde der frühere Fuhrmann in Wartenberg, Christian Friedrich Lindenberg, Arrendator, d. h Verwalter, von Gut Selchow. Um 1750 wurde das erste Gutshaus errichtet. 1761 wurde aus Feld- und Backsteinen die „Schafscheune“ gebaut. Sie brannte 1949 ab und wurde im gleichen Jahr wieder aufgebaut. 1770 war die Domäne an Charlotte Elisabeth Müller, die mit dem Forstmeister und Arrendator zu Stecklin, Wilhelm Reinhard Böcker verheiratet war, verpachtet. Beider Sohn, der Forstmeister und Amtmann Carl Reinhard Böckel, wurde Pächter des Domänenamtes. 1804 starb Charlotte Elisabeth Müller, geborene Sentzke, in Selchow. - 100 -


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1811 verkaufte Preußen das Gut an den früheren Erbpächter Friedrich Schneider. 1858 wurde Friedrich Schneider Besitzer des Guts. In dieser Zeit arbeiteten 90 Tagelöhner auf dem Gut. Das Gut war teilweise verpachtet. 1859 erwarb der königliche Ökonomierat Gustav Neuhauß (1825/1895) das Gut Selchow. 1860 hatte das Gut 2.209 Morgen Land, davon waren 4 Morgen Gehöfte, 43 Morgen Gartenland, 1.711 Morgen Ackerland, 11 Morgen Wiese, 101 Morgen Weide, 239 Morgen Wald. 1862 veranlasste Neuhaus den Bau einer Ziegelei in der Nähe von Selchow. 1869 verkaufte das Gut Steine, die in dieser Ziegelei gebrannt wurden. 1870 brach auf dem Gut die MKS aus. 1876 wurde überliefert, dass der Rittergutsbesitzer Gustav Neuhauß für das Gut 823,99 M Grundsteuern zahlte. Wirtschaftsinspektor war A. Deegener. Neuhauß entwickelte das Gut zu einen Mustergut für die Pflanzenzucht.

Neuhauß veröffentlichte folgendes: „Es ist mein Bestreben, auf märkischen Sandboden Getreidesorten heranzuzüchten, die möglichst genügsam in Bezug auf Bodenansprüche sind, dabei aber die höchsten Erträge geben. Durch Pflanzen- und Ährenauswahl und durch Entnahme des Saatgutes vom leichtesten Sandboden ist es mir gelungen, Hafer- und Gerstensorten heranzuzüchten. Durch weitere züchterische Arbeit wurden später, mittelspäte und ganz frühe Kartoffeln für den Sandboden gezüchtet. Die Preise verstanden sich ab Station Selchow. Ein Zentnersack kostete 30 Pfennige.“

1878 war Herr Wegener Inspektor auf dem Gut von Neuhauß. Ab 1879 traten verstärkt Krankheiten in den Tierbeständen auf. So veröffentlichte 1879 das Amtsblatt, dass bei den Schafen des Rittergutsbesitzers Neuhauss die Pocken ausgebrochen waren. 1884 war unter den Milchkühen die MKS ausgebrochen. Ab Juli 1889 und im Mai 1890 brach in den gesamten Rinderbeständen die MKS aus. Das Gut stand daher bis zum 23.12.1893 unter Quarantäne. In dieser Zeit wurde die Pflaumenallee neu verpachtet. 1890 wurde Gustav Herrmann Neuhauß zum Amtsvorsteher für Selchow, Waßmannsdorf und Diepensee berufen. 1894 hatte der Gutsbezirk eine Größe von 621,764 ha. 1895 starb Gustav Neuhauß in Selchow. Es ist aber anzunehmen, dass sein Sohn Gustav Herrmann Neuhauß zu dieser Zeit das Gut bereits übernommen hatte. 1897 brach in Selchow mehrmals die MKS aus. 1900 gab es in den Ställen des Gutes das erste Licht im Dorf. 1905 wurde der Administrator Karl Kaufmann zum stellvertretenden Gutsvorsteher ernannt. 1906 war Wilhelm Griesert (1845/29.5.1906) Gutsmeier in Selchow. 1909 war Kirchner (1830/1.12.1909) Brennermeister in Selchow. 1911 wurde Gustav Schulze (1867 – 1941) Oberinspektor und Wirtschaftsmeier. Gutsmeier war zu dieser Zeit Karl Franke. 1920 waren folgende Personen nachweislich auf dem Gut angestellt: Gutsinspektor Gustav Schulz, Gutsförster Paul Schulz (1889/3.4.1920), wurde von Wilddieben erschossen, Rentmeister Artur Sonnenburg, Oberschweizer Johannes Koller und Feldhüter, später Gutsförster, Karl Kirchner (starb am 30.6.1925 in Selchow). Der Gutsbezirk hatte 243 Einwohner, 621,8 ha Fläche. In der Nacht vom 13. zum 14. Januar brach ein Großbrand aus. 1922 ging die Brennerei in Betrieb. Sie produzierte bis 1944. 1924 starb Gutsbesitzer Gustav Hermann Neuhauß. Seine Frau, Louise Neuhauß, geb. Steiger, wollte das Gut verkauften und bot es der Stadt Berlin an. Die Verhandlungen dauerten bis 1927. Zur Sicherung der Arbeit auf dem Gut wurde der Landwirt Adolf Neuhauß am 17.6.1924 zum Gutsvorsteher bzw. Administrator bestellt. Das Gut hatte 610 ha LN bzw. Betriebsfläche, davon waren 14 ha Hofraum und Garten, 3 ha Wiese und 73 ha Wald. Gutsförster war Wilhelm Köhler. 1927 übernahm die Stadt Berlin das Gut Selchow. Noch bis Dezember wurde über den Kauf des Gutes verhandelt. Die Stadt Berlin erwarb das Gut mit Brennerei schließlich für 1,5 Mio. M. Das Gut wurde zum Rieselgut entwickelt.

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Am 16.9.1927 wurde der Administrator Vincent Loska noch zum stellv. Gutsvorsteher durch die Familie Neuhauß bestellt, er wurde nach dem Verkauf des Gutes Verwalter des Gutes für die Stadt Berlin. Gut Selchow bekam noch 1927 ein neues Heugebläse und eine elektrische Förderanlage. Das Gut hatte folgende Fläche: gesamt 602 ha, davon 459 ha Ackerland, 24 ha Wiese, 93 ha Holzung sowie 26 ha Ödland und Wege. An Tierbeständen waren 43 Pferde, 182 Rinder und 189 Schweine vorhanden. (Quelle: Statistisches Jahrbuch) Nach dem Anlegen der Rieselfelder lag folgende Flächenbilanz vor: Von den 599 ha Gesamtfläche waren 36 ha Rieselland, 5 ha Rieselfeldwege- und Gräben, 558 ha Naturland, 7 ha Hofraum und Garten, 6 ha Wasser sowie 7 ha Naturwege. Das Stadtgut Selchow war Eigentum der Stadtentwässerung von Berlin und wurde durch den Eigenbetrieb Berliner Stadtgüter bewirtschaftet.

Das alte Gutshaus und der Gutspark von Selchow

Das Gut in den Jahren 1928 – 1945 1928 wurde der Gutsbezirk Selchow auf der Grundlage des Staatsministerbeschlusses vom 16.10.1928 in den Gemeindebezirk eingegliedert. Das bedeutete, dass die Wege, die vorher im Gutsbesitz waren, Eigentum der Gemeinde wurden. Die Stadt Berlin als Gutsbesitzer erhielt das Recht, unentgeltlich Leitungen, Gleise und Kanalisationsanlagen u.a. zu verlegen. Im Wirtschaftsjahr 1928/29 traten in Selchow im Kuhbestand verstärkt Krankheiten auf. Die Schweinebestände litten unter der MKS. Aber die Brennerei lief gut. Im Wirtschaftsjahr 1929/30 erkrankten die Pferde an der Brustseuche. Weiterer Schaden entstand durch einen Brand. Er vernichtete ein Vierfamilienhaus. Der Schaden betrug 14.400 RM. 1930 erhielt das Gut 2 Mähdrescher mit Strohpresse. Die Mähdrescher wurden durch einen Bulldog gezogen. Die Mähdrescher waren noch bis 1960 in Dienst, dann wurden sie durch modernere Mähdrescher ersetzt. 1931 überließen die Berliner Stadtgüter der Gemeinde das Spritzenhaus mit Feuerlöschgerätschaften auf dem Gutsgelände für eine Entschädigung von jährlich 100 RM. 1932 wurde der Jagdaufseher Lothar von Schmudde zum Feld- und Jagdhüter ernannt. 1933 wurde Herr Trewer Verwalter bzw. Administrator auf dem Gut. Er erhielt von der Berliner Stadtgüter GmbH die Vollmacht, gegenüber der Zollbehörde die Kartoffelbrennerei des Gutes Selchow bei allen Amtshandlungen zu vertreten. Zu dieser Zeit war Ernst Seydlitz Brennereiverwalter bzw. Brennermeister. 1936 hatte das Gut eine LN von 598,81 ha. Die Gutsverwaltung Selchow erhielt neue Wasseranschlüsse, die Milchkühlanlage wurde umgebaut. 1937/38 arbeiteten auf dem Gut 52 Arbeiter, 30 Arbeiterinnen und 5 männliche Angestellte. Betriebsleiter war der Landwirtschaftliche Oberinspektor Trewert. Landwirtschaftlicher Hilfsinspektor war Herr Arndt, Rechnungsführer Schneider und Bürogehilfe Herr Wolff. Es wurde ein neuer Feuerlöschbrunnen und Brennereibrunnen gebohrt, 2 Zweifamilienhäuser wurden gebaut, an 5 Häusern wurde das Dach neu gedeckt, das Gutshaus erhielt einen neuen Putz und Anstrich. Im Wirtschaftsjahr 1938/39 umfasste der Viehbestand 39 Pferde und 197 Rinder. Schweine und Schafe waren nicht vorhanden. - 102 -


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1936–1938 erhöhten sich die Kälberverluste von 13 % auf 31 %, obwohl der Betrieb seuchenfrei war. Das Stammkapital des Betriebes betrug 125 TRM. 1941 wurde auf dem Gut Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Mais, Kartoffeln, Zuckerrüben, Raps und Obst angebaut. Außerdem wurden Weingeist und Fuselöl produziert. An Viehbeständen waren Nutzrinder und Zugochsen vorhanden. 98 ha Wald wurden zur Bewirtschaftung der Forstwirtschaft übergeben. Die Größe des Gutes betrug 499,74 ha. 1942/43 wurde u.a. ein Kleinviehstall gebaut. 1944 hatte das Gut eine LN von 501,7 ha. 1943/45 wurde das Gut mehrfach durch Bombenabwürfe beschädigt. Am 2.12.1943 wurden bei einem Bombenangriff die Wohnungen von Janke, Litsch, Lieschke, Valentin und Rehpfennig beschädigt. Die Unterkunft der polnischen Familien wurde vollkommen vernichtet, ebenso wie die Scheune von Sitza, der Maistrockenschuppen, der Schuppen am Kuhstall und ein Kartoffellagerhaus. Schwer be- Luise Neuhaus schädigt wurden die Wohnungen von Krüger, Wichmann, Schwadtke, Kricke, Labrenz, Glimpel und Kluge. Der Fliegerangriff am 29.1.1944 hatte Schäden am Lager der sowjetischen Gefangenen (in den Akten „Russenlager“ genannt), am alten Schweinestall, am Fohlenstall und der Küche des Deputantenhauses zur Folge. Am 1.1.1945 wurden durch einen Bombenangriff das Gutshaus, der Kuhstall, die Scheune am Hofspeicher sowie 5 Wohnhäuser getroffen. Der Gesamtschaden am 1.1.1945 betrug 90.000 RM.

Das Gut nach dem 9.5.1945 1945 wurde das Dorf von der sowjetischen Armee besetzt und war bis 1946 ein Versorgungsgut bzw. eine „sowjetische Wirtschaftseinheit der Roten Armee“. Ein Hauptmann und einige Soldaten wohnten gemeinsam mit Umsiedlern im Gutshaus. Bis 1945 lebte Frau Louise Neuhauß, letzte Besitzerin bis 1927, noch im Gutshaus. 1945 lag die Versorgung der Belegschaft in Händen der Wirtschaftseinheit, die sofort eine Versorgungsküche einrichtete. Das Gut wurde ein volkseigenes Gut und kommunal durch Berlin genutzt. Es hatte 1946 eine Betriebsgröße von 601,62 ha. Im Rahmen der Bodenreform gingen 36 ha in den Bodenreformfond. Aus einer Akte vom 29.10.1945 ging hervor, dass die Gemeinde aus dem Bodenreformfond der Berliner Stadtgüter vom Gut Selchow 140 ha LN forderte, 40 ha wurden genehmigt, 36 ha aufgeteilt. Gutsverwalter in Selchow war Wilhelm Lüth. Am 1.1.1946 wurde das Gut der deutschen Verwaltung, dem Berliner Magistrat, zurückgegeben. Die Verwaltung des Stadtgutes Selchow erfolgte von Marienfelde aus. Als Fläche wurden 461 ha außerhalb von Berlin angegeben, 63 ha wurden verpachtet. Folgende Viehbestände waren vorhanden: 30.6.1945 30.6.1946 Pferd 2 1 Fohlen 2 2 Zugochsen 2 2 Kühe 0 2 Im Wirtschaftsjahr 1944/45 erwirtschaftete die GV Selchow einen Verlust von 13,9 TDM und im Wirtschaftsjahr 1945/46 einen Verlust von 117,2 TDM. - 103 -


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1947 war für das Gut Selchow der Administrator Kupsch verantwortlich. Im Wirtschaftsjahr 1946/47 wurden angebaut und geerntet Fruchtart Fläche in ha Ertrag dt/ha Weizen 5,0 7,85 Roggen 50,0 19,39 Gerste 76,6 15,20 Hafer 22,0 21,39 Erbsen 6,5 10,20 Lupinen 15,0 4,97 Raps 24,0 2,72 Kartoffeln 67,0 83,49 Zuckerrüben 17,0 128,95 Futterrüben 5,0 319,82 1949 wurden 507,1 ha LN angegeben. Betriebsleiter war ab 28.2.1949 Koll. Mohnwitz. Sein Vorgänger war Günther Hauswald. Am 1.7.1950 wurde Koll. Preuss neuer Betriebsleiter. Eine Überprüfung des Gutes durch die Güterverwaltung ergab, dass die Betriebsleitung schlecht arbeitete, weder Tagebuch, Stallbuch, Handwerksbuch geführt noch Belege abgezeichnet wurden. Es erfolgte keine Abstimmung zwischen Geld u. Naturalien, es wurde kein Pferderegister geführt, die Mieten nicht festgesetzt und durch Unordnung der Kornkäfer eingeschleppt. 1951 erhielt das Gut von der Volkspolizei 2 Pferde für die Arbeit zugeteilt. Die volkseigenen Güter hatten wie die Bauern eine „Pflichtablieferung landwirtschaftlicher Produkte“ entsprechend ihrer Ackerfläche abzuliefern. Was darüber hinus produziert wurde, konnte als „Freie Spitzen“ zu höheren Aufkaufpreisen verkauft werden. 1951 wurde eine neue Schweinezuchtanlage erbaut. Betriebsleitung 1950 und 1951 Funktion Name Betriebsleiter Koll. Preuss Betriebsleiter Koll. Körner Inspektor Karl Krüger Oberbuchhalter Koll. Zeidler Rechnungsführer Koll. Selk Bilanzbuchhalter Karl Taenzer Bilanzbuchhalterin Gertrud Selk Lohnbuchhalterin Gisela Meier BGL-Vorsitzender Max Koniszczki

im Betrieb seit bis 01.07.1950 31.12.1951 01.12.1951 20.06.195 15.01.1950 01.01.1951 01.02.1950 31.12.1950 17.10.1950 28.01.1951 01.11.1950 01.05.1948 (davor Brunhilde Preuß und Frau Huss) 01.08.1950

Folgende Feldfrüchte wurden angebaut: Wintergerste 166,20 ha Sommergerste 74,34 ha Hackfrüchte 108,69 ha Feldfutter 40,82 ha Tobinambur 2,50 ha gesamt 392,55 ha 1952/1953 wechselten die Betriebsleiter sehr häufig. Sie verschwanden ohne Abmeldung nachts und nahmen wichtige Betriebsmittel z.B. Saatgut und Pferde mit. 1952 erhielt das VEG 30 TDM für den Bau von 2 Zweifamilienhäusern.

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Tierbestände 1951/1952, Endbestände Tierart ME 1951 1952 1953 Zuchtpferde St. 18 22 27 Hengst St. 1 0 0 Fohlen St. 11 7 0 Kühe St. 56 78 85 Bulle St. 1 1 0 sonstige Rinder St. 109 101 0 Rinder ges. 217 Muttern St. 0 222 239 Jährlinge St. 0 127 Lämmer St. 0 158 Böcke St. 0 4 Mastschafe St 0 152 Schafe ges. 746 Sauen St. 55 66 65 Eber St. 2 2 2 Ferkel St. 153 227 Läufer St. 174 120 Mastschweine St. 50 138 Schweine ges. 821 Arbeitskräfte 1952 Personen Plan in der Produktion 92 Gutsleitung 9 Lehrlinge 20 gesamt 121

Durchschnitt 86 7 1 94

1953 wurden die ersten Spargelfelder und die Obstanlage angelegt. Es wurde verstärkt Gemüse angebaut und mit der Möhrensamenvermehrung begonnen. Im Wirtschaftsjahr 1952/53 wurde durch die VVG für das VEG Selchow für die Ausstattung des Kulturraumes im Gutshaus 10,7 TDM und für die Ausstattung des Schafstalles 24 TDM ausgegeben. 1954 wurde auf Ministerratsbeschluss das VEG Selchow der Güterverwaltung Potsdam übergeben. Das Gut erhielt die ersten modernen Maschinen, wie Mähdrescher, Kartoffelrodemaschinen, Rübenroder, moderne Traktoren und Anbaugeräte.

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Die Lehrausbildung auf dem Gut Selchow Im Juli 1954 wurde im Gutshaus mit der Lehrausbildung begonnen. Am 1.8.1954 übernahm Manfred Exner die Lehrausbildung. Nach der Auflösung der Lehrlingswohnheime in Gussow und Schönefeld wurde das Gutshaus als Internat und Schule genutzt. Manfred Exner berichtete: Der Unterricht wurde in 3 Klassenräumen durchgeführt. Es begann mit 15 Gärtnerlehrlingen unter der Leitung von Kurt Dombrowski und 15 Rinderzuchtlehrlingen unter der Leitung von Karl Gehrke sen. und ca. 50 Feldbaulehrlingen unter Leitung des Brigadiers Karl Schröder. Auch Horst Labrenz wurde Lehrausbilder. Da im Gutshaus noch 3 Familien im oberen Stockwerk wohnten, mussten für sie kurzfristig andere Wohnungen gefunden werden. Die Lehrlinge trugen einheitliche Kleidung mit dem Emblem „DFD“ (Dienst für Deutschland). Bis 1955 hatten alle Lehrlinge einen Lehrvertrag. 10 Jugendliche waren „Staatskinder“, also Kinder ohne familiäre Bindung oder Waisen. Alle Lehrlinge waren Mitglieder der FDJ, DSF und des FDGB. Die GST, Gesellschaft für Sport und Technik, spielte in der Freizeit eine große Rolle. So waren die Lehrlinge aus Selchow 1954 die Besten beim Kreisausscheid in Königs Wusterhausen. 1962 wurde die Berufsschule aus Groß Köris nach Selchow verlegt, so dass jährlich 100 Lehrlinge ausgebildet werden konnten. Die Berufsschule in Selchow war eine Außenstelle der ABS Schulzendorf unter Leitung von Herrn Nielsen, dem Vater von Bärbel Domke, die seit 1967 in Selchow lebte. 1965 wurde die Außenstelle aufgelöst und die Ausbildung der Lehrlinge erfolgte je nach Fachrichtung in Wentow, Groß Kreutz, Großbeuthen und Königs Wusterhausen. Das Gutshaus war bis 1991 ein Lehrlingswohnheim, je nach Bedarf ein Gästehaus und Zentrum aller sportlichen und betrieblichen Veranstaltungen des Gesamtbetriebes. Im Gutshaus befand sich die Küche für die Versorgung der Lehrlinge, der Belegschaft des Gutes und später für die Versorgung des Gesamtbetriebes. Ab 1968 wurde ein Landarbeiterhaus zum Ledigenheim umgebaut.

1960 war das letzte Jahr der Selbständigkeit. Es wurde mit den Bau des Rinderoffenstalles und der Schweinezuchtanlage begonnen. Das Gut hatte zu dieser Zeit eine Betriebsgröße von 487 ha LN, davon 441 ha Ackerland. Es gab die Milchproduktion, Schweinezucht, Schafzucht und Geflügelhaltung. Im VEG arbeiteten 99 Personen. Am 1.1.1961 erfolgte der Zusammenschluss des VEG Waßmannsdorf, des VEG Selchow, des VEG Kleinziethen und des VEG Geflügelkombinat Großziethen zum VEG „Kombinat“ Waßmannsdorf mit Sitz in Waßmannsdorf. Direktor wurde Erwin Gacki. Im Rahmen der Kombinatsleitung Waßmannsdorf wurde Armin Schmidt zum Abteilungsleiter in Selchow ernannt. Der Zusammenschluss der 4 VEG erfolgte durch Übernahme der Betriebsflächen, der Gutshöfe mit Parkanlagen, der Betriebsanlagen und der Betriebswohnungen. Alle Betriebsangehörigen wurden in den neuen Betrieb übernommen. Die Festlegungen aus den Betriebskollektivverträgen wurden in den gemeinsamen BKV überführt. Die Bezahlung erfolgte nach VEG-Tarif. - 106 -


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Zur Leitung des neuen Betriebsteils Selchow gehörten der Brigadier im Gartenbau Kurt Dombrowski, Melkermeister Karl Gehrke sen., Feldbaubrigadier Karl Schröder, Schweinemeister Bruno Dommisch, Schmiedemeister Franz Reimann, Schäfermeister Karl Apel, der Leiter des Lehrlingswohnheims Kurt Bremer, Hofmeister E. Krüger und der Parteisekretär Erwin Zimmer. 1961 wurden noch die angefangenen Bauvorhaben des alten VEG Selchow (1 Abferkelstall mit 20 Sauenplätzen in der neuen Schweinezucht und der Jungviehstall mit 120 Plätzen) fertig gestellt. Im BT Selchow wurde Bernburger Futterroggen als Saatgut geerntet und nach England exportiert. Der Viehbestand 1961 Rinder ges. davon Kühe Schweine ges. davon Sauen Läuferproduktion

400 Stück 100 Stück 921 Stück 140 Stück 1.476 Stück

Lehrlingsheim

1964 wurde mit dem Bau einer modernen Schweinezuchtanlage in Selchow begonnen. Es wurden 9 Ställe, 1 Futterhaus und ein Sozialgebäude mit Sanitäranlagen errichtet. Ab 1965 wurde das Mittagsessen auf das Feld gebracht. Für alle Betriebsangehörigen wurden Theaterbesuche über den Betrieb organisiert. In Betriebsteil Selchow wurde die Kabarettgruppe „Die Mücken“ gegründet. Die Schweinezucht Selchow wurde ein Lehrlingsobjekt. 1966 wurde die Zentralküche für das Kombinat im Souterrain des Gutshauses seiner Bestimmung übergeben. Die Küche kochte für die Belegschaft des Kombinates, für die Belegschaft des Klärwerkes und die umliegenden Kindergärten. Das Gutshaus wurde zum kulturellen Mittelpunkt des Betriebes. 1968 gründete das Kombinat Waßmannsdorf in Selchow die Sektion Pferdesport der BSG WSZ. Schweinezucht im SZ-Selchow Der Betriebsteil Selchow wurde bis 1990 zum Zentrum des Pferdesportes und der Pferdezucht. 1969/71 wurde der Rinderoffenstall neu ausgerüstet. Die Lehrlinge in der Schweinezucht Selchow nahmen 1971 an der „Messe der Meister von Morgen“ (MMM) in Königs Wusterhausen teil. Sie stellten erste Ergebnisse aus der Kreuzung des Veredelten Landschweins mit dem Pietrain-Schwein vor. Bei der Durchführung dieses Projektes mussten sie sich auch mit Planung und Abrechnung beschäftigen. Die Lehrlinge im Lehrlingswohnheim hatten verschiedene Freizeitangebote, wie z.B. in der Sektion Reitsport und beim Fußball, im Kabarett, im Fotozirkel, beim Tischtennis, Schach oder Volleyball. Außerdem konnten sie kochen lernen. Die Jugendarbeit wurde aus dem Kultur- und Sozialfond des Betriebes finanziert. - 107 -


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Lehrunterweisung

1972 bildete sich die Kooperative Abteilung Planzenproduktion (KAP) Diepensee mit Sitz in Diepensee. Das Ackerland des VEG Waßmannsdorf, des VEG Diepensees und der Genossenschaften aus Selchow, Waßmannsdorf, Groß- und Kleinziethen, Schönefeld, Waltersdorf und Bohnsdorf wurde mit der entsprechenden Technik durch die KAP bewirtschaftet. Die alten Wirtschaftshöfe des VEG Diepensee, Kleinziethen und teilweise Selchow wurden nun von der KAP Diepensee genutzt. Durch die Gründung der KAP veränderte sich im Betriebsteil Selchow erstmal nichts. 1973 war die Getreideernte die erste Bewährungsprobe der KAP. Geerntet wurde Gerste, Roggen, Hafer, Gemenge, Weizen, Lupinen und Rotklee. Ab 1974 wurde das VEG von der BD VEG Potsdam verwaltet und geleitet. Alle Volksgüter, die in den Bezirken Potsdam und Frankfurt/O lagen, schieden aus der Verwaltung des Berliner Magistrats aus. Ab 1975 wurde Treueurlaub gewährt. Ab dem 11. Jahr der ununterbrochenen Tätigkeit gab es 1 Tag, ab dem 16. Jahr 2 Tage und ab dem 21. Jahr 3 Tage Treueurlaub. 1978 wurde mit dem Bau einer modernen industriemäßigen Rindermastanlage in Selchow begonnen. Ende 1979 feierte das VEG Kombinat Waßmannsdorf mit allen Betriebsangehörigen in der Gaststätte Rangsdorf den 30. Geburtstag als VEG. Der Betrieb konnte 1979 auf ein sehr erfolgreiches Jahr zurückblicken. 1981 wurde die Rindermastanlage (RMA) mit 3000 Plätzen für Mastbullen in Betrieb genommen. 1982 kam Herr Ribbecke als ungelernter Tierpfleger in die RMA, nach Facharbeiterlehre und Meisterschule wurde er 1990 Anlagenleiter. 1982/83 wurde der Ferkelstall in der Schweinezuchtanlage umgebaut. Die Zentralküche im LWH erhielt ein Kühlhaus. Frau Dorow war 1982 Teilnehmerin des Internationalen Bauernkongresses. Ende 1983 wurde der Kuhstall in Selchow wieder in Betrieb genommen. Am 2.6.1985 fand im Gutspark in Selchow das gemeinsame Sportfest mit dem VEG „Pflanzenproduktion“ (P) Diepensee, der LPG Wildau und der LPG Großziethen statt. 1986 steigerte die Schweinezucht Selchow ihre Ferkelaufzuchtergebnisse von 19,4 Ferkeln je Sau auf 20,0 Ferkel je Sau, senkte den Futterverbrauch um 8 % und stellte 1.400 Läufer mehr für die Schweinemast zur Verfügung. - 108 -


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1987 erreichte der Kuhstall Selchow mit 5.246 kg die höchste Milchleistung der 3 Kuhställe im VEG. Die RMA erreichte 631g Tageszunahme je Tier. Die Pferdezucht in Selchow wurde von dem Koll. Koglin, dann von der Kollg. Weise geleitet. Auf der früheren Obstplantage wurde für die Pferde eine Tagesweide eingerichtet. Im Pferdestall arbeiteten eigenverantwortlich Herwig Labrenz als Leiter sowie die Mitarbeiter Ragna Michael und Koll. von Boden. 1989 hatte das VEG „P“ Waßmannsdorf/Diepensee 5 Abteilungen der Schweinezucht. Die besten Ergebnisse erzielte die Abteilung Boddinsfelde, gefolgt von der SZ Selchow und Kienberg. Die Schweinezucht Selchow beendete das Jahr 1989 mit folgenden Ergebnissen: Endbestand Schweine 2.434 Stück Schweine, Durchschnitt 2.248 Stück davon Sauen 250 Stück geborene Ferkel 5.370 Stück aufgezogene Ferkel 5.046 Stück Ferkelverluste 6% (324 Stück) Es wurden 2.970 Läufer mit einem Durchschnittsge- Rinderzucht in Selchow wicht von 35,38 kg verkauft. 705 Schweine verendeten oder wurden notgeschlachtet. Die Schweinezucht Selchow wurde vom Kollegen Schäfe geleitet. Ergebnisse der Milchproduktion per 31.12.1989: Endbestand Kühe ø Bestand Kühe 112 ø Bestand Färsen 7 ø Bestand Kälber 8 Milchleistung/Kuh u. Jahr 5.016 kg Kälbergeburten 113 St. Kälberverluste 1,7 % 23 Rinder verendeten und wurden notgeschlachtet. Melkermeister war der Koll. Schmollmann. Die Rindermast in der RMA konnte folgendes Jahresergebnis vorweisen: Endbestand am 31.12.1989 2.390 Stück Durchschnittsbestand 2.392 Stück Ablieferungsgewicht 453 kg LMZ je Tier/Tag 639 g In der RMA verendeten 12 Rinder, 88 wurden notgeschlachtet. Für die in Selchow stationierte Sektion Pferdesport der BSG WSZ musste das VEG 1989 insgesamt 154 TM aufbringen.

Der Gut Selchow nach 1990 Am 22.1.1990 lag die letzte betriebswirtschaftliche Abrechnung von 1989 für den BT Selchow des VEG „P“ Waßmannsdorf/Diepensee vor. Das VEG Waßmannsdorf hatte in Selchow 57 betriebseigene Wohnungen. Bereits 1990 wurde mit dem Umbau des alten Rinderoffenstalls zu einem Pferdestall für Pensionspferde begonnen. Die Sektion Pferdesport wurde aufgelöst und der Fahr- und Reitverein e.V. Selchow gegründet. Am 1.7.1990 wurden mit der Drucksache 1/15 auf Beschluss der Stadtverordnetenversammlung die ehemaligen Stadtgüter von Berlin der Treuhand unterstellt und in Etappen dem Land Berlin als Ei- 109 -


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Selchow war ein Zentrum der Pferdezucht.

genbetrieb übergeben. Der Eigenbetrieb bestand vom 1.7.1990 bis zum 4.2.1992, danach wurde die Betriebsgesellschaft Berliner Stadtgüter GmbH gegründet. Mit der Gründung der Betriebsgesellschaft veränderten sich die Aufgaben der Güter. Die Hauptaufgabe bestand jetzt darin, die Flächen für das Land Berlin zu bevorraten, zu verwalten und zu pflegen. Die bisherige Aufgabe, landwirtschaftliche Produkte zu erzeugen, trat in den Hintergrund. Die Produktion wurde noch nicht eingestellt, aber die Einstellung bereits vorbereitet. Diese Planungen galten auch für das Gut Selchow, das noch immer ein Betriebsteil des Gutes Waßmannsdorf war. Trotz der vorgesehenen Einstellung der Produktion auf den Gütern wurde zur Entwicklung der einzelnen Güter eine Konzeption erarbeitet, die aber im Fall Selchow nur teilweise realisiert wurde. Bis zum 30.6.1990 war die vorgesetzte Dienststelle des VEG Waßmannsdorf die Güterdirektion des Landes Brandenburg. Die Beschlüsse der Betriebsleitung bzw. der Stadtgüterverwaltung beim Berliner Senat ab 1.7.1990 hatten für das Gut Selchow viele gravierende Folgen. Ab 16.7.1990 wurde die künstliche Besamung im Kuhstall Selchow und Diepensee eingestellt. Damit wurde die Einstellung der Milchproduktion vorbereitet. Ab sofort erfolgten die Lohnzahlungen nicht mehr in bar. In allen Abteilungen des Betriebes wurde Kurzarbeit eingeführt. Ab 1.9.1990 galt ein neuer Manteltarifvertrag für alle Werktätigen. Der SVAusweis verlor seine Gültigkeit, jeder Werktätige musste sich eine eigene Krankenkasse suchen. Zum 26.10.1990 wurde der neue Pferdestall in Selchow mit Pensionspferden belegt. Herwig Labrenz wurde Leiter der Pferdehaltung. Pferdepfleger waren Herwig Labrenz, Ragna Michael und Koll. von Boden. Die Schafherde von Selchow wurde noch im November 1990 nach Deutsch Wusterhausen verlegt. Die betriebseigenen Pferde mussten noch 1990 auf Anordnung der Güterverwaltung verkauft werden. Ab 7.12.1990 gehörte das VEG Waßmannsdorf zum öffentlichen Dienst, seit Juni 1990 bereits zum Eigenbetrieb Berliner Stadtgüter. Am 31.12.1990 sollte die Schweinezucht Selchow geschlossen werden. 1992 waren folgende Maßnahmen für das Gut Selchow geplant: Die Rekonstruktion der RMA und Einstellung von 2.700 Kälbern zur Mast aus Albertshof, Birkholz, Schönerlinde und Lanke. Die Milchproduktion sollte eingestellt und die Pferdehöfe privatisiert werden. 250 Sauen zur Ferkelaufzucht sollten im Gut verbleiben. Die Schafhaltung sollte sich auf 350 Muttern zur Landschaftspflege beschränken. Am Standort der RMA wurde eine Brennerei gebaut. Sie produzierte 1994 1.496 hl Weingeist. Der Personalbestand sollte reduziert werden. 1992 waren noch 541 Schafe und 244 Zuchtsauen im Bestand, die je Sau 17,5 Ferkel aufgezogen. Läufer waren im Wert von 193,5 TM verkauft worden. Leiter der RMA war der Kollege Lutz Ribbecke. Im Mai wurde der Haushaltstag für die werktätigen Frauen abgeschafft. Die Brennerei in Gallun wurde stillgelegt und das Brennrecht auf den Betriebsteil Selchow übertragen. - 110 -


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1993 wurde in Selchow in einem neuen Gebäude gebrannt. Die Investition betrug 1 Mio. DM. In der Brennerei arbeiteten 3 Produktionsarbeiter. Leiter war Günther Arndt. 1993 wurden die Schafzucht und die Schweinezucht eingestellt. Die Anlage wurde verpachtet. Das Gutshaus wurde leer geräumt. Das LWH wurde ab 29.12.1993 an die Telekom als Unterkunft für Mitarbeiter vermietet. 1995 wurde die RMA von der Rindermast auf Färsenaufzucht umgestellt. 1996 wurden die Schweinezuchtanlage, der alte Kuhstall und das alte Kartoffellager, später der Schafstall und der Speicher abgerissen. 3000 qm auf dem Gutshof wurden an die Preussag, eine Lagerhalle an die Gemeinde und der alte Speicher an Herwig Lawrenz vermietet. 2005 wurde die RMA an die holländische Familie Els/Arts verkauft. Der Gutshof mit dem Gutshaus wurde 1991 stillgelegt und verwahrloste.

Zusammenfassung der Zugehörigkeit des Gutes von 1927 bis 1991 Das Gut Selchow gehörte: Ab 1927 bis 1935 zur Berliner Stadtgüter GmbH 1935 bis 1945 zum Eigenbetrieb Berliner Stadtgüter 1945/46 VEG Selchow, bzw. Wirtschaftseinheit der Roten Armee Ab 1946 unterstand das Gut der Abteilung Ernährung, Dezernat Landwirtschaft des Berliner Magistrats. 1949 wurde der Eigenbetrieb juristisch aufgelöst. Das VEG Selchow gehörte zur Vereinigung Volkseigener Güter Berlin, dann Verwaltung Volkseigener Güter Berlin (VVGB). Ab 1954 gehörte das VEG Selchow zur Potsdamer Verwaltung. Ab 1964 zur Bezirksdirektion Volkseigener Güter Berlin Ab 1974 zur Bezirksdirektion Volkseigener Güter Potsdam Ab Februar 1990 wieder zum Eigenbetrieb Berlin Ab 18.11.1991 zur Betriebsgesellschaft Berliner Stadtgüter GmbH und wurde sofort stillgelegt.

Die Schafzucht auf dem Gut in Selchow bis 1993 Die Schafzucht in Selchow konnte bis 1993 auf eine lange Tradition zurückblicken. Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte 1536. Die von Bardeleben hatten einen Hof mit 8 Hufen und eine freie Schäferei. 1571/1589 wurde erwähnt, dass die Mittelstraß‘ die Schäfereigerechtigkeit besaßen. Von 1624 bis 1711 wurde in den alten Akten 1 Hirte bzw. 1 Hirtenknecht genannt, was darauf schließen lässt, das eine Schafherde vorhanden war. Die Schäfereigerechtigkeit war ein hoheitliches Recht, dass erlaubte, auf der Flur bzw. auf fremden Eigentum Schafe mit eigenem Schäfer zu halten bzw. Schafe auf der Gemeindeweide zu weiden. Im Kirchenbuch wird eine Reihe von Schäfern genannt. Sie arbeiteten für die Bauern oder für den Gutsherrn als Hirte, oder hatten eine eigene Herde. 1613 Hans Albhorn und Peter Balcke vor 1642 Hans Dunker vor 1651 Gürgen Tietze vor 1730 Martin Brose 1856 Carl Raubmann Die Angaben zur Schafzucht unter Gutsbesitzer Neuhauß sind spärlich. Bekannt ist lediglich, dass der Schafstall, auch Schafscheune genannt, 1771 gebaut wurde. 1879 brach unter den Schafen des Rittergutes Neuhauss die Pockenseuche aus. Angaben zur Schafzucht von 1927 bis 1945 sind nicht vorhanden. Erst für die Zeit nach 1945 verfügen wir wieder über Angaben zur Schafzucht in Selchow. Ab 1952 wurden auf dem Gut wieder Schafe gehalten. Der Schafstall bestand aus mehreren Einzelställen. Der erste Schäfermeister war Koll. Holz. Die Herde bestand aus 663 Tieren, davon 222 Muttern, 127 Jährlinge, 158 Lämmer, 4 Böcke und 152 Mastschafe. 1953 fanden von der Verwaltung organisierte Fachtagungen zur Schafzucht statt, an der der Schäfermeister, die Gehilfen und Lehrlinge aus den VEG teilnahmen. In Selchow betreute zu dieser Zeit 1 Schäfer 268 Schafe. - 111 -


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1954 übernahm Schäfermeister Willi Apel die Schafherde. Er blieb bis März 1961 im VEG Selchow. Schäfergehilfe war von 1954 bis 1958 Arno Apel. 1961 übernahm Schäfermeister Walter Ritter die Schafherde mit 190 Mutterschafen. Walter Ritter übernahm die Schafherde, als sich das VEG Kombinat Waßmannsdorf gründete. Von den zusammengeschlossenen Betrieben brachte nur Selchow eine Schafherde in den Betrieb ein. Außer Wolle und Fleisch wurden auch Lämmer, Muttern, Zibben und Hammel als Zucht- und Nutzvieh verkauft. Schäfer Erhard Krätsch mit seiner Herde 1963: Im Durchschnitt wurden 190 Muttern gehalten, je Mutterschaf wurden 1,22 Lämmer aufgezogen. Ab 1965 war die Selchower Herde eine Stammherde deren Zuchtlämmer begehrt waren. Walter Ritter war bis 1975 Schäfermeister in Selchow. Er schied wegen Krankheit aus und sein Sohn Lutz Ritter übernahm die Herde und blieb bis 1983. 1983 übernahm Erhard Krätsch die Herde mit seiner Frau Anna und erzielte im gleichen Jahr im bezirklichen Leistungsvergleich der Herdbuchzuchten einen 3. Platz. 1985 erzielte die Schafzucht Selchow im Leistungsvergleich der Betriebe den 4. Platz im Bezirk Potsdam. 1989/1991 erzielte die Schafzucht in Selchow vor ihrer Auflösung folgende Ergebnisse: 31.12.89 31.12.1991 Schafe gesamt 526 St Durchschnittbestand Mutterschafe 358 St. 383 Lämmergeburten 654 St. 582 je 100 Muttern 152 aufgezogene Lämmer 629 St. Lämmerverluste 25 St. 3,8 % aufgez. Lämmer 1,15 je Mutter Verkaufte weibliche Lämmer 291 Stück Absatz Reinwolle 25,61 dt Gewinn 130 TDM

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Feste im Gutspark in den 70er und 80er Jahren – Impressionen

Langjährige Gutsarbeiter Es sollen einige der Gutsarbeiter genannt werden, die schon vor 1925 auf dem Gut beschäftigt waren und noch einige Jahre im VEG Selchow arbeiteten. Vor 1945 war Ernst Labrenz als Maurer auf dem Gut tätig, danach Horst und Edmund und deren Kinder, Herwig als Pferdezüchter und Regina als kaufmännische Angestellte. Horst Labrenz war aktiv in der Gemeindevertretung tätig, war Lehrausbilder und viele Jahre Hof- und Speichermeister sowie einige Zeit Vorsitzender der Nationalen Front. Edmund Lawrenz war ein zuverlässiger Kraftfahrer, der sein Fahrzeug sorgfältig pflegte. Vor 1925 war Vincent Dombrowski als Kraftfahrer beschäftigt. Ab 1946 war Kurt Dombrowski erst als Melker, dann als Gärtnermeister beschäftigt. Er war bis 1970 als Gemeindevertreter ehrenamtlich tätig. Richard Janke arbeitet ebenfalls vor 1945 auf dem Gut. Auch Hermann und Luise Kaläne sind langjährige Gutsarbeiter. Max Valentin arbeitete bis zur Rente auf dem Gut als Maurer, Er war seit 1978 Gastgeber für Jandag, Direktor des Staatsgutes Bornuur aus der Mongolei. Zur Belegschaft gehörten weiterhin Bärbel und Otto Domke, Max, Werner und Karin Drobbe, Christel und Bruno Dommisch, Karl Gehrke, die Köchinnen Frau Hulke und Frau Selent, Paul Kaläne, Emil Krüger, Fritz Pawlowski sen. und jun., Walter Ritter, Karl Schröder und Max Valentin.

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Administratoren, Direktoren auf den Gut Selchow nach dem Verkauf an Berlin 1925 Administrator Adolph Neuhauß Rechnungsführer Wilhelm zum Bock 1927 Verwalter war Vincent Loska 1933 Verwalter Frewert 1945 Administrator Wilhelm Lüth 1947 Administrator Kupsch danach Verwalter Hauswald 28.02.1949 Betriebsleiter Mohnwitz 01.07.1950/31.12.1951 Betriebsleiter Preußer 1951 Oberbuchhalter Koll. SWelk 18.8.1951 Betriebsleiter Pieper 01.01.1952/31.03.1952 Betriebsleiter Brenzel 11.04.1952/31.10.1952 Betriebsleiter Noack 01.12.1952/20.06.1953 Betriebsleiter Körner 15.10.1953 Betriebsleiter Eilbert Prusat 1953 Oberbuchhalter Max Zeidler seit 1.8.50 im Betrieb Karl Schröder Betriebsleiter seit Nov.1953 bis 1954 ab 1954 Betriebsleiter Gacki 1961 Zusammenschluss mit dem VEG Waßmannsdorf und Großziethen zum VEG Kombinat Waßmannsdorf 1.1.1954 /63 Direktor Erwin Gacki Abteilungsleiter in Selchow Armin Schmidt 1963/ 67 Direktor Josef Kotzian 1967/73 Direktor Martin Becker 1974/31.12.1990 Direktor Wilfried Kind Abteilungsbetreuer in Selchow Otto Domke Angaben zum Gutshaus Das Gutshaus der von Bardeleben ist nicht erhalten geblieben. Das heutige Gutshaus soll aus dem 19. Jahrhundert stammen und von der Familien Schneider im italienischen Villenstil erbaut worden sein. Den Bauakten nach geht das heutige Aussehen auf das Jahr 1922 zurück. Nach 1991 wurde das Haus leergeräumt und verwahrloste. Das Gutshaus hat eine Nutzfläche von 1.430 m². Es hat 2 oberirdische Geschosse und ein Souterrain mit Drempel. Das Gebäude hat eine rechteckige Grundfläche, ein Ziegelmauerwerk und ist unterkellert. Der hohe Dachboden ist ungenutzt. Das Dach besteht aus einer Sparren-Pfetten-Kronkonstruktion. Das Dach ist ein Pult- bzw. Satteldach. Die Wirtschaftsgebäude wie der Pferdestall wurden bis 1991 für die landwirtschaftliche Produktion genutzt. Dann erfolgte der Abriss, so dass von den alten Anlagen nichts übrig geblieben ist. Das Gutshaus war, wie an anderer Stelle schon erwähnt, Lehrlingswohnheim, Gästehaus und Treffpunkt für Betriebsfeiern. Besonders beliebt waren die Feiern der Rentner des Betriebes. Organisiert wurden die Feiern ab 1969 von der Wirtschaftsleiterin Bärbel Domke, gekocht und gebacken wurde durch das Küchenpersonal. Das waren Frau Hulke und Frau Selent. Den Gutspark nutzte die Sektion Pferdesport und bei Betriebsfesten die gesamte Belegschaft. Der Park hat einen sehr alten Baumbestand und einen leider verunreinigten Teich. 2011 wurden finanzielle Mittel mit dem Bau der ILA für die Wiederherstellung des Parks nach altem Vorbild zur Verfügung gestellt.

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Die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) Selchow 1959 gab es im Kreis Königs Wusterhausen 39 Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften. Ende 1960 waren es bereits 97 Genossenschaften. In einigen Gemeinden gründeten sich sogar 2 und mehr Betriebe. Am 12.3.1960 schlossen sich alle Bauern in Selchow zur LPG „12.März“ zusammen. Der Name der Genossenschaft bezieht sich auf ihr Gründungsdatum. Nicht alle Bauern sahen in der Genossenschaftsgründung den richtigen Weg. An den Gründungsversammlungen nahmen 15 werktätige Bauern und als Gäste Bürgermeister Leo Wollschläger, der Direktor des VEG Erwin Gacki, Rudolf Kröhl und Werner Graf von der SED-Kreisleitung sowie der Kreistagsabgeordnete Paul Krüger teil. Folgende Bauern wurden lt. Gründungsprotokoll Mitglieder der Genossenschaft: Name LNF in ha Herber Hansche 19,80 Paul Nugk 9,99 Hermann Dahm 6,14 Walter Sauerwald 18,78 Fritz Hoffmann 9,73 Berthold Teschke 9,39 Karl Lobeth 5,27 Karl Lehmann 12,83 Rudolf Blümke 20,50 Paul Lau 7,93 Willi Lobeth 34,58 Kurt Bossling 13,92 Max Ribbecke 14,39 Alfred Mette 41,06 gesamt 232,00

Die Ehefrauen der Bauern wurden ebenfalls Mitglieder der Genossenschaft. Alfred Mette machte seine Mitgliedschaft davon abhängig, ob er seine Zulassung für den Traktor bis zum 16.3.1960 zurück erhält. Die Selchower Bauern gründeten eine LPG vom Typ I. Typ I beinhaltet nur die gemeinsame Feldwirtschaft. Das lebende und tote Inventar blieb in privater Nutzung der Bauern. Die gemeinsame Arbeit wurde nach dem Musterstatut für LPG des Typs I organisiert. Es beinhaltete folgende Grundsätze: Beim Eintritt in die Genossenschaft bleibt der Grund und Boden Eigentum des Besitzers. Wirtschaftsgebäude werden der Genossenschaft nur für die Produktion zur Verfügung gestellt. Nach gemeinsamer Beratung wurden Fritz Hoffmann, Willi Lobeth, Berthold Teschke, Hildegard Nugk und Alfred Mette in den Vorstand gewählt. Zum Vorsitzenden wurde Berthold Teschke gewählt. Die Aufgaben der Revisionskommission übernahmen Paul Lau, Kurt Bossling und Hildegard Lehmann. Auf der Mitgliederversammlung am 26.4.1960 wurden freiwillig folgende Ergänzungen zum Musterstatut beschlossen: Die Mitgliederversammlung bestätigt im Rahmen ihres Perspektivplanes allmählich den Übergang zu Typ III durch die Anschaffung von genossenschaftlichen Geräten und Tiergruppen zu schaffen. Der Grundmittelfond wird in Höhe von 25 % der Einnahmen aus Getreide und Kartoffeln gebildet. Der Kulturfond wird in Höhe von 2 % der Einnahmen festgelegt. Am 22.6.1960 wurde die Genossenschaft in das Genossenschaftsregister unter der Nummer 68 eingetragen. Die Arbeit der Genossenschaft war bereits in den ersten Jahren erfolgreich. Sie erfüllte vertragsmäßig ihren Betriebsplan. 1961 beschloss die Vollversammlung die Bauern Herbert Hansche und Walter Sauerwald zusätzlich in den Vorstand aufzunehmen. Trotz immer noch anhaltender Vorbehalte gegen die LPG wurde mit der genossenschaftlichen Viehhaltung begonnen (Mast von 25 Bullen). 1962 wurde die Bullenmast auf 50 Tiere erweitert. Aus der Tierproduktion der Bäuerlichen Produktion wurden Milch, Eier, Schweinefleisch, Rindfleisch und Geflügel abgeliefert. Die Erträge bei Getreide betrugen 22 dt/ha. - 115 -


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Auf der Vollversammlung am 27.6.1962 wurde der neue Vorstand gewählt. 10 Kandidaten stellten sich für 7 Vorstandsposten zur Wahl. Der neue Vorstand bestand aus Herbert Hansche (neuer Vorsitzender), Fritz Hoffmann, Trautchen Bossling, Hildegard Nugk, Willi Lobeth, Rudolf Blümke und Paul Nugk. Statistische Angaben zur Genossenschaft 1961/65 ME 1961 1962 1963 1964 1965 1966 LN ha 232 232 248 248 227 dar. AL ha 206 206 219 219 200 Beschäftigt VbE 35 41 33 32 32 Traktoren St. 2 4 3 5 5 Es wurden angebaut: Getreide ha 83 98 Kartoffeln ha 39 37 Feldfutter ha 26 21 Viehbestände Endbestände: Rinder ges. St: 210 233 267 268 201 Schweine ges. St. 334 401 408 371 286 Schafe ges. St 7 8 16 163 3 Legehennen St. 1.542 1.582 1.715 1.199 326 Pferde St. 24 23 19

1965 besaß die Genossenschaft 4 Traktoren, 5 Hänger, 1 Binder, 1 Siebkettenroder, Kartoffelrodemaschinen und einen Mähdrescher gemeinsam mit der LPG Waßmannsdorf. In der Zeitung Märkische Volksstimme wurden die Selchower Genossenschaftsbauern wegen ihrer guten Arbeit und Übererfüllung des Staatlichen Aufkommens hoch gelobt. Die Milchleistung der individuellen Milchkuhhaltung betrug 1965 im Durchschnitt 2.424 kg. In der Schweineproduktion waren die Voraussetzungen für eine Erhöhung der Fleischproduktion durch fehlende Zuchtsauen nicht gegeben, der Bestand war von 31 auf 18 gesunken. Der Bau eines Schweinestalles für 200 Tiere wurde geplant. 1966 begannen die Genossenschaften in Waßmannsdorf, Selchow und Großziethen durch die Gründung der „Kooperation Nord“ enger zusammenzuarbeiten. 1967 wurde auf der Mitgliedervollversammlung am 22.2. der Übergang zur LPG Typ II beschlossen. Zur Begründung hieß es: „Ab 1.1.1967 wird neben der bisherigen genossenschaftlichen Bewirtschaftung des Ackerlandes auch das gesamte Grünland genossenschaftlich bewirtschaftet, sämtliche motorischen Zugkräfte und ein Teil der noch vorhandenen Pferde sind Eigentum der Genossenschaft. Die genossenschaftliche Viehhaltung hat sich von der Bullenmast auf die Kuh- und Jungviehhaltung erweitert und wird zum Jahresende 50% der gesamten Rinderhaltung erreichen. Der Beschluss der Vollversammlung wurde dem Kreislandwirtschaftsrat mitgeteilt.“ Am 23.3.1967 erfolgte die Neuwahl der Kommissionen und des Vorsitzenden, die Eintragung ins Genossenschaftsregister dann am 11.4.1967. Anfang 1968 schlossen sich die LPG „Aurora“ Typ I Waßmannsdorf und die LPG „12. März“ Typ I Selchow zur LPG „Aurora“ Typ III Waßmannsdorf mit Sitz in Waßmannsdorf, zusammen. Die Genossenschaft hatte jetzt 43 Mitglieder. Nach der ersten Vollversammlung konstituierte sich der Vorstand aus folgenden Mitgliedern: Vorsitzender wurde Josef Kotzian, sein Stellvertreter war Friedrich Finke (beide aus Waßmannsdorf). Vorstandsmitglieder waren Kurt Bossling, Elfriede Lau, Rudolf Blümke, Dorothea Lobeth, Hilde Sauerwald (alle aus Selchow) sowie Karl Schukat, Hedwig Göppel und Walter Smolinski (aus Waßmannsdorf). In Selchow erfolgte die genossenschaftliche Viehhaltung auf den Höfen Kiekebusch (30 Kühe) und Sauerwald (22 Kühe). 1969 wurde in der KOP Nord darüber beraten, ab 1970 mit der gemeinsamen Feldwirtschaft zu beginnen und die Schläge so zusammenzulegen, um schwere Technik einsetzen zu können. In der Tierproduktion sollte die Rinderproduktion weiterentwickelt werden. Die gemeinsame Pflanzenproduktion bei der Kartoffelernte mit einem gemeinsamen Traktorenkomplex wurde bereits getestet.

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Mit dem Übergang zur LPG Typ III zahlte die LPG weniger Steuern an die Gemeinde. Der Ausfall für die Gemeinde wurde durch den Staatshaushalt ausgeglichen. Anfang 1970 fanden Neuwahlen des Vorstandes statt. Als Vorsitzender wurde Josef Kotzian bestätigt, sein Stellvertreter war Walter Bolz aus Bohnsdorf. In den Vorstand wurden Kurt Bossling, Herrmann Stippekohl, Heinz Sprenger, Waldemar Schmudde, Karl Schukat, Trautchen Boßilng, Hildegard Sauerwald und Dorothea Lobeth gewählt. Am 15.8.1970 wurde Josef Kotzian als Vorsitzende der Genossenschaft abgelöst und durch Willi Heck ersetzt. Sein Stellvertreter wurde Herrmann Stippekohl, Walter Bolz wurde Vorsitzender der LPG Berlin Bohnsdorf. Die Genossenschaft baute auf 55,0 ha Kartoffeln an. Aus der Ernte wurden die Einkellerungskartoffeln für die Gemeinden zur Verfügung gestellt. 1971 gehörte die LPG „Aurora“ Waßmannsdorf/Selchow im Kreis Königs Wusterhausen zu den Genossenschaften mit niedrigem Produktionsniveau. Aus diesem Grunde wurde eine Arbeitsgruppe gebildet, die den Zustand schnellstmöglich verbessern sollte. Die Schwerpunkte der Arbeit waren die Steigerung der Produktion, die Senkung der Kosten, die Verbesserung der Arbeitsdisziplin, die bessere Einbeziehung der Genossenschafts-Bauern in die Leitung sowie die Sicherung der Planerfüllung. In der Genossenschaft wurden 1971 verstärkt Anstrengungen unternommen, um Arbeitskräfte und Lehrlinge für den Betrieb zu gewinnen. Außerdem sollten mehr Genossenschaftsbauern an der Erwachsenenqualifizierung teilnehmen. Im Mai 1971 herrschte eine große Trockenheit. Es bestand die Gefahr des Futtermangels. Einige Kulturen mussten umgebrochen werden. Der Rat des Kreises schlug vor, in Absprache mit den Förstereien, Waldwiesen abzumähen. Zusätzliches Saatgut und Pumpenaggregate konnten beim RLN angefordert werden. Eine zusätzliche Bewässerung der Gemüseflächen konnte mit Hilfe der Feuerwehr organisiert werden. Der Brandschutz durfte dabei aber nicht vernachlässigt werden. Im Mai 1971 beschloss der 10. Bauernkongress, dass durch die Räte der Landwirtschaft und Nahrungsgüterwirtschaft der Kreise die weitere Entwicklung der Kooperationsbeziehungen zwischen den Landwirtschaftsbetrieben zu unterstützen sei. Konkret hieß das für die Mitglieder der KOG Großziethen, Schönefeld, Waßmannsdorf/Selchow und für das Kombinat Waßmannsdorf den komplexen Einsatz der Mähdrescher und der schweren Technik bei der Strohbergung, die gemeinsame Herbstbestellung, die Beibehaltung des Kartoffelanbaues in der Fläche und dem Ziel 250 – 280 dt/ha zu ernten und gemeinsam aufzubereiten und die Ausdehnung der Getreidefläche auf 50% der Ackerfläche mit dem Ziel 35 dt/ha zu ernten. Außerdem sollte der Möhrenanbau bei Anwendung moderner Technologie weiter konzentriert und gemeinsame Investitionen untereinander abgestimmt werden. Die Schafherde in Schönefeld sollte erhalten und die Herde in Großziethen erweitert werden. Im Juni 1971 wurde die Gemeinde Selchow in den Tollwutsperrbezirk einbezogen. Es bestand ab sofort Hunde- und Katzensperre. Verboten waren die Ausfuhr von Hunden sowie Veranstaltungen mit Tieren durchzuführen. Die Sperre dauerte 3 Monate. 1973 schlossen sich die LPG „Aurora“ Waßmannsdorf mit der LPG „Einigkeit“ Großziethen zusammen. Der gemeinsame Namen war LPG „Einigkeit“ mit Sitz in Großziethen. 1974 wurde ein neuer Vorstand gewählt. Willi Heck von der LPG Großziethen wurde Vorsitzender, Dietrich Eyermann ebenfalls von der LPG Großziethen sein Stellvertreter. Aus Selchow gehörten Kurt Boßling, Herbert Hansche und Hilde Sauerwald dem neuen Vorstand an. Die kooperative Arbeit in der Pflanzenproduktion zwischen LPG und VEG erfolgte ab 1973 mit den Betrieben LPG „Aurora“ Waßmannsdorf, VEG Waßmannsdorf, LPG „Einheit“ Schönefeld, LPG „Thomas Münzer“ Bohnsdorf und LPG „Einigkeit“ Großziethen. Die Kooperation wurde durch einen Kooperationsrat geregelt, der aus Mitgliedern der beteiligten Betriebe bestand und monatlich tagte.

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Bei einer Befragung alter Genossenschaftsbauern im Jahr 2005 nach den besten Jahren der Zusammenarbeit in der Genossenschaft wurden eindeutig die Jahre 1963 bis 1973 genannt, also die Zeit vor dem Zusammenschluss mit der LPG Großziethen. Die Gemeinde Selchow, besonders die Familie Ribbecke, unterstützte die neu gegründete KAP Diepensee bei der Kartoffelernte und bei der Ausgabe der Einkellerungskartoffeln. Alle zusätzlichen Arbeitskräfte, die die Gemeinen mobilisierten, wurden in der Gemüseproduktion eingesetzt. Damit die Unterstützung der Landwirtschaftsbetriebe durch die Gemeinden mit Arbeitskräften in Spitzenzeiten aus der nichtarbeitenden Bevölkerung planmäßig verlaufen konnte, wurden Festlegungen im jährlichen Kommunalvertrag getroffen. Die KAP Diepensee hatte die Aufgabe, das Futter für die Tiere aller angeschlossenen Genossenschaften und des VEG zu produzieren und an die Ställe zu fahren. Allein 1977 mussten 1.200 Rinder und 1.800 Mastschweine versorgt werden. Produziert wurden 4.299 dt Schlachtrind, 4.530 dt Schlachtschwein und 5.600 dt Milch. Außerdem wurden 1.275,30 t Gemüse produziert. 1978 wurde die KAP Diepensee ein juristisch selbständiger Betrieb. Der Kooperationsrat als Kontrollorgan blieb bestehen, denn das Land war weiterhin Eigentum der beteiligten Betriebe, bzw. Eigentum der Genossenschafts-Bauern, die das Land in die LPG eingebracht haben. 1989 wurde die Trennung von Tier- und Pflanzenproduktion in den VEG Waßmannsdorf und Diepensee aufgehoben. Aus dem VEG „T“ Waßmannsdorf und dem VEG „P“ Diepensee wurde das VEG „P“ Waßmannsdorf/Diepensee. Das vom VEG „P“ Diepensee bewirtschaftete Ackerland der LPGen wurde weiterhin kooperativ bewirtschaftet. Per 31.12.1990 wurden die Flächen der LPGen ausgegliedert. Die Genossenschaften erhielten entsprechend der Arbeitsfläche Grundmittel und materielle Umlaufmittel zurück. Die Flächenrückgabe erfolgte im Mai 1990. Bestehende Verträge, z. B. mit dem ACZ oder den Saatgutbetrieben wurden miteinander abgestimmt. Das ehemals genossenschaftlich genutzte Ackerland wurde wieder zurückgegeben und von den Besitzern verpachtet oder verkauft. Ab 1990 klagten die Selchower Bauern gegen die Leitung der Landwirtschaftlichen Genossenschaft Großziethen, um die korrekte Auszahlung des Genossenschaftsvermögens an die Mitglieder zu erreichen.

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Die Dorfkrüge in Selchow

Zum Trinken schafft Gott Wein und Bier Zum Saufen nicht – das merke Dir 1375 wurde in alten Akten ein Krug in Selchow erwähnt. Der Name des Krügers und der Standort des Kruges wurden nicht genannt. Sicher ist aber, dass der Krug an der belebten Dorfstraße lag, denn durch Selchow führte die Heerstraße Berlin – Dresden. Selchow war ein Straßendorf in dem der Krug in Reih und Glied mit den Häusern lag. In alten Abgabenlisten wurde der Krug in Selchow in den Jahren: 1375, 1480, 1747, 1801, 1858 und 1861 erwähnt. Das bedeutet, dass durchgehend eine Gaststätte vorhanden war. Die Krüger hatten (nach Spatz) an den Gerichtsherren oder Haupthebungsberechtigten Abgaben in Geld oder in Naturalien zu entrichten. 1480 hieß der Krüger in Selchow Kulmey und hatte 8 Hufen Land als Lehen und gab 1 Huhn als Bede. Die Biersteuer ist die älteste Steuer, die an die Obrigkeit gezahlt werden musste. Aus dem erhaltenen Biergeldregister von 1545 ist zu ersehen, wie viel Biergeld, auch Bierziese genannt, für das Bierbrauen im Jahr gezahlt werden musste. Für Berlin waren das 1245, für Brandenburg 6742 und für Mittenwalde 1030 Gulden. Dörfer zahlten ihre Bierziese in Groschen. Während für Groß Beeren 32 Groschen Historische Postkarte mit dem Gasthof der Familie Krope. anfielen, waren es für Selchow nur 6. 1871 wurde den Gast- und Schankwirten untersagt, in ihren „Localen“ bei stattfindenden Tanzlustbarkeiten schulpflichtige Kinder zu dulden. Bei Zuwiderhandlung drohte eine Strafe. Alte Akten zur Dorfgeschichte von Selchow weisen im 19. Jahrhundert 3 Gastwirte aus: nämlich den Krüger Krope und den Gastwirt Grabow sowie Karl Lehmann, der noch bis 1974 die Gaststätte bewirtschaftete. Eine alte Postkarte von Selchow zeigt einen Gasthof Rademann, über den aber die Akten keinerlei Auskunft geben. Nach 1975 hatte Selchow keine Gaststätte mehr, bis 1993 Lutz Ribbecke die Tradition einer Dorfgaststätte wieder fortzuführen begann.

Krüger Krope – Einzelheiten aus der Familiengeschichte Die Familie Krope ist vor 1784 nach Selchow gekommen. Das Grundstück lag an der Dorfstraße 18. Eine Postkarte weist den Gasthof mit dem „Telephonanschluß Mahlow 22“ aus. 1815 wurde Ludwig Krope in Selchow geboren. Als Büdner und Besitzer eines Kruges wurde er 1844 als Gemeindevertreter erwähnt und 1870 im Teltower Kreisblatt als Krüger genannt. Im Oktober 1844 beantragten die Eheleute Johann Christoph Ludwig Krope bei der königlichen Hofkammer der königlichen Familiengüter die Baustelle einer Scheune mit der Größe von 6 ¼ QR (Quadratruten) erwerben bzw. pachten zu dürfen. Die Baustelle war 30 Fuß lang und 30 Fuß breit und lag zwischen seinem Gehöft und seinem Garten, neben der Baustelle von Sauerwald an der Dorfstraße. Daneben lag der herrschaftliche Garten und das Gehöft des Webers Mertens. Krope erhielt 1848 vom Ministerium des königlichen Hauses die Genehmigung bzw. den Vertrag, für 50 Jahre auf dem beantragten Land ein wirtschaftliches Gebäude gegen einen jährlichen Pachtzins von 7 ½ Silbergroschen zu errichten. Ludwig Krope war zu dieser Zeit bereits Witwer. Im Vertrag war festgeschrieben, dass, wenn die Pacht beendet wird, alle Gebäude und Baulichkeiten wieder entfernt werden müssen. Das Grundstück musste in das Hypothekenbuch auf eigene Kosten eingetragen werden. Sein Sohn - 119 -


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Karl wurde 1889 und 1900 als Nachfolger genannt. Er war ebenfalls Gemeindevertreter. Karl Krope hatte 1 Tochter Emma, die 1883 geboren wurde. Sie heiratete Paul Kitzing, der am 2.4.1879 in Selchow geboren wurde. Sie starb 1966 und Paul Kitzing 1961. Das Grundstück übernahm die Familie Mette. Das genaue Datum der Schließung der Gaststätte ist nicht bekannt.

Aus der Geschichte der Gaststätte Lehmann Die folgenden Informationen über die Lehmanns in Selchow sind aus den Eintragungen im Kirchenbuch Selchows aus den Jahren 1640 bis 1769 entnommen. Andreas Lehmann heiratete am 25.10.1640 Maria Eckert. In zweiter Ehe war sie ab 1642 mit Caspar Mittelstraß verheiratet. Hans Lehmann, ein Müller, heiratete Anna Rahms, die aber 1647 bereits starb. Gallus Lehmann war um 1647 Weinmeister in Selchow. Friedrich Lehmann wurden zwischen 1744 und 1747 2 Kinder geboren. Johann Friedrich Lehmann war ein Schifferssohn aus Berlin. Sein Vater Georg hatte nach Waßmannsdorf geheiratet. Johann Friedrich Lehmann heiratete 1766 Maria Lowisa oder Louisa Steffe. Der Vater von Lowisa, Johann Steffe, war Schulze in Selchow. Georg Lehmann wurde 2.10.1767 geboren. Ihm folgte Mathias Lehmann, dessen Vater ein Krüger aus Sachsen war. Er heiratete in Selchow die Tochter von Gottlieb Luch, „Jungfer Euphrosina“.

Die Gaststätte Lehman trug die Bezeichnung: Landgasthof mit Saal und befand sich in der Dorfstraße 19.

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Skizze des Landgasthofes von 1946

Zur Gaststätte Die Gaststätte wurde 1845 von Karl Lehmann sen. eröffnet. Er war gleichzeitig Bauer. Erben waren Karl Lehmann, am 4.11.1882 in Selchow geboren, gest. 1945 in Selchow und Karl Lehmann, am 2.7.1923 in Selchow geboren, Erbe der Gastwirtschaft. Die Gaststätte wurde 1845 von Karl Lehmann in der Dorfstraße 19 eröffnet. Das Lokal bestand aus einem Schankraum, 2 Gaststuben und einem Saal, der später angebaut wurde. Karl Lehmann war seit 1.2.1934 Mitglied des Reichseinheitsverbandes des deutschen Gaststättengewerbes. In der Gaststätte waren von 1936 bis 1945 zwei Familienmitglieder und der Inhaber beschäftigt. Der Umsatz der Gaststätte betrug 1943 15.200 RM und 1944 10.000 RM. Die gewerblich genutzten Räume hatten eine Größe von 70 m². 1945 war die Gaststätte geschlossen. Karl Lehmann wurde auf einer Liste der Gemeinde als Bauer aufgeführt. 1949 wurde lt. Wirtschaftsflächenerhebung für den Hof von Karl Lehmann 14,87 ha Betriebsfläche angegeben. Der Notar Arthur Prinz verhandelte und beglaubigte am 23.3.1945 die Verpachtung der Gaststätte von Karl Lehmann in der Dorfstraße 19 an seinen Sohn. Das Inventar wurde mitverpachtet. Der Pachtzins betrug 100 M im Monat. Eine Unterverpachtung wurde ausgeschlossen. Karl Lehmann erhielt am 20.2.1946 vom Landrat des Kreises Teltow eine vorläufige Schankgenehmigung, die bis Juni/September 1946 und dann bis Juni 1947 verlängert wurde. 1947 wurde ein Umsatz von 37.986 RM für Bier und Schnaps erzielt. Der Reingewinn betrug 5.719 RM. Am 10.11.1974 wurde aus hygienischen Gründen die Gastwirtschaft Lehmann geschlossen. Hinzu kam, dass Herr Lehmann keine Konzession zur Führung einer Gaststätte hatte. In der Begründung der Abteilung Handel und Versorgung an Karl Lehmann heißt es: „Die erteilte Gewerbeerlaubnis gilt auf ihren Namen. Auf Grund Ihres Gesundheitszustandes sind sie zur Zeit nicht mehr in der Lage, die Tätigkeit eines Gastwirtes auszuüben. Sie haben deshalb eine andere Tätigkeit aufgenommen, die in keiner Verbindung zur Leitung der Gaststätte steht. Es ist nicht zulässig, diese Gewerbegenehmigung ohne neue Genehmigung auf andere Personen einschließlich Ehepartner, zu übertragen.“ Die Gaststätte hatte dringend Werterhaltungsmaßnahmen nötig, der Saal war nicht nutzbar, aber Herr Lehmann wollte nicht verpachten und einen Kredit aufnehmen, sondert das ganze Haus als Wohnung nutzen. Herr Lehmann schenkte aber trotz Schließung und zum Ärger der Landwirtschaftsbetriebe, weiterhin alkoholische Getränke aus. Seit dieser Zeit hatte Selchow keine Gaststätte mehr. - 121 -


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Wirtshaus zum Stern–Richard Grabow 1876 eröffnete Richard Grabow das Wirtshaus zum Stern. Es erhielt diesen Namen aber erst 1932. Die Gaststätte hatte einen Garten, einen Schankraum, einen Gastraum und einen Saal. Am 6.1.1903 wurde die Gewerbeerlaubnis verlängert. 1881 war Richard Grabow Kirchenältester und ab 1897 Vorsitzender des Krieger- und Landwehrvereins in Selchow. Am 13.10.1901 wurde sein Sohn Otto geboren. Er war unverheiratet und arbeitete bis zum Kriegsbeginn 1939 in der Gastwirtschaft seines Vaters. Insgesamt arbeiteten 3 Personen im Wirtshaus. 1943 musste die Gaststätte wegen der Kriegseinwirkungen geschlossen werden. Die Gaststätte war durch Bomben schwer beschädigt worden. Otto Grabow war vom 26.8.1939 bis 1.5.1945 in Großenhain im Fliegerhorst stationiert und vom 20.5.1945 bis 23.5.1947 in Kriegsgefangenschaft. 1945 starb Richard Grabow. Am 28.10.1947 beantragte Otto Grabow beim Landrat eine Gewerbeerlaubnis zum Betrieb der Gastwirtschaft seines verstorbenen Vaters für den Ausschank von Kaffee, alkoholfreien Getränken, Bier, Wein und Spirituosen. Da Kriegsschäden vorhanden waren, musste die Fläche auf 417,23 m² verkleinert werden. Dem Antrag auf Weiterbetreiben der Gastwirtschaft stimmte der Gemeinderat zu, aber der Landrat des Kreises Teltow lehnte ab. Mit der Gewerbegenehmigung war auch eine Baugenehmigung zur Beseitigung der Kriegsschäden verbunden, die mit der Begründung abgelehnt wurde, dass in Selchow bereits eine Gastwirtschaft bestehe und ehe eine zerstörte Gastwirtschaft wieder aufgebaut würde, müssten erst die Neubauern und die übrige Bevölkerung genügend Wohnraum haben. Bürgermeister Drobbe und Waldemar Lobeth schrieben nach der Ablehnung am 28.8.1947 an den Landrat: „Der Gastwirt Karl Lehmann, dessen Sohn jetzt die Gaststätte gehört, war Mitglied der NSDAP, sein Sohn zwar nicht, aber Otto Grabow ist Heimkehrer, der alles verloren hat und dessen einzige Einnahmequelle seine Gastwirtschaft wäre. Herr Lehmann dagegen hat noch eine Landwirtschaft von 11,75 ha. Außerdem wurde das Lokal von Richard Grabow 1943 wegen antinationaler Haltung des Inhabers geschlossen.“ Die Gastwirtschaft wurde wohl nicht eröffnet. Im Adressbuch von 1947 wird sie auf jeden Fall nicht mehr erwähnt. Ein Nachkommen der Familie, Frank Grabow, wohnt noch heute in der Dorfstraße 9 in Selchow.

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Familien und Personen in Selchow Durch den 30jährigen Krieg wurden fast alle Urkunden über die Dorfgründungen und den Besitz der Siedler vernichtet. Für die Nachwelt blieben nur Namen erhalten, die im Landbuch Kaiser Karl VI. als Begünstigte bei Abgaben genannt werden. 1430 wurden in einer Urkunde erwähnt, dass der Krüger Kulmey, vom Hof des Tewes und des Grashofes des Lucas erhebliche Abgaben eintrieb. Das Register von 1480 erwähnt die Bauern Valtin Schuler, Jacob Wilken, Laurenz Linow, Junge Wecker, Vincentz Paul, Mattis Czurß, Hans Pluchmeister, Hans Wecker und Paul Mewes. Nach dem 30jährigen Krieg war nur der Bauer Mittelstraß aus Selchow übrig geblieben, die übrigen Bauern wie der Schulze Peter Rahme und Friedrich Nagell stammten nicht aus Selchow. Als Kossäthen wurden Hanß und Michel Schedicke aus Selchow genannt. Außerdem Burchardt Nagell, Gurge Bernow, Bartel Schmedicke und Martin Ullrich, die aber von außerhalb durch den Krieg nach Selchow gekommen waren. Die Namen der Bauern, die sich in Selchow im 18. Jahrhundert ansiedelten finden wir erst wieder im Selchower Kirchenbuch. Zur Geschichte des Dorfes gehören die Bauern und deren Mägde und Knechte, die Tagelöhner und Angestellten des Gutes, Handwerker und Kaufleute, Pfarrer, Lehrer und die Gutsbesitzer. Bauernfamilien und die anderen Dorfbewohner betrieben keine Familiengeschichte und bewahrten nicht ihre alten Unterlagen bewusst auf, so dass für diese Chronik nur Bruchstücke der Geschichte der Bewohner gefunden wurden.

Der erste Selchower Der erste Name der in Selchow 1242 genannt wurde war „Heinricus de Selchow“. 1338 erscheint auf einer Schenkungsurkunde der Name Nicolaus von Selchow als Knappe des Markgrafen. 1372 sitzt Heinrich (Heyne) von Selchow auf einem Hof mit 11 Freihufen in Waßmannsdorf. Dieser Heinrich von Selchow verstarb zwischen 1372 und 1375, denn seine Witwe erhielt ein Leibgedinge, also eine Rente. Heyne von Selchow, sein Sohn, gehörte zu den 30 Rittern, die dem Markgrafen lehndienstlich verpflichtet waren. 1394 wurde ein Mathes von Selchow auf Waßmnnsdorf genannt. Dann verlieren sich die Spuren bis 1859, wo auf dem Gut in Güterfelde die Ackerwirtschaft und die Brennerei von dem Administrator Wilhelm Gottlieb Carl Selchow betrieben wurde. Er war Amtmann in Großziethen, 1785 in Großziethen geboren und 1868 verstorben.

Die Ritterguts- und Gutsbesitzer Die von Strobant Henning II. von Strobant erhält 1430 die Anwartschaft auf das Lehnsgut Selchow. Er wurde 1380 geboren und ist am 20.2.1455 gestorben. Er war verheiratet mit Anna Glinicke, die 1385 geboren wurde und am 20.4.1446 starb. Nachfolger wurde sein Sohn Heinrich Strobant, ein Berliner Bürger, geb. um 1410, gest. vor 1472, verheiratet mit N. Wilmersdorf. Er verliert seine Natureinkünfte durch den „Berliner Unwillen“, erhält sie aber 1451 zurück. Die von Bardeleben Seit 1492 besaßen die Bardeleben einen Anteil an Selchow. 1552 veräußerte Friedrich Trebbow seinen Anteil an die von Bardeleben. Sie besaßen die Abgaben und Dienste von 7 Höfen mit 30 Hufen, das halbe Ober- und Niedergericht und die Schäfergerechtigkeit. Ab 1589 erwarben sie die Anteile von denen von Barfuß, so dass sie die andere Hälfte der oberen und unteren Gerichtsbarkeit und die Abgaben von 6 Bauernhöfen mit 23 Hufen und von 5 Kossäthen in Besitz hatten. Damit waren die von Bardeleben im Besitz des ganzen Dorfes mit sämtlichen Abgaben der Untersassen (Untertanen) und der Gutsherrlichen Rechte. Aber erst 1608 wurde in einem Bericht des Landreiters ein Rittersitz erwähnt. Das bedeutet, dass vorher wahrscheinlich schon ein Herrenhaus vorhanden war. Zur Bewirtschaftung des Rittersitzes gehörte die schon bestandene Schäferei. Daneben entstand ein Vorwerk aus eingezogenen (Bauernlegen) Bauernhufen. 1613 erhielt die Witwe des Jacob von Bardeleben bescheinigt, dass ihr 13 Hufe mit 2 Höfen freigewillt (Abgaben frei) wären, später kamen noch 4 freie Hufen dazu. Für die 17 Freihufen mussten die Bardeleben Vasallendienste leisten und wurden dazu mit einem Pferde hinzugezogen. 1738 verstarb der letzte Besitzer von Dorf und Vorwerk Selchow, Hans Christoph von Bardeleben. Sein Vater Joachim von Bardeleben verstarb bereits 1705. Den Besitz, das Dorf mit allen Gütern und Rechten, erwarb der König 1740 für 27.000 Taler für die Herrschaft Königs Wusterhausen.

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Besitz der von Bardeleben in Selchow nach dem Ortslexikon des Landes Brandenburg Besitz am 1. Teil 1589 – 1740 Güter von Guben, Trebbow Besitz am 2. Teil 1589 Güter von Barfuß Besitz am 3. Teil 1589 Güter von Rademann Besitz am 4. Teil 1710 Güter von der Liepe (wurde durch Markgraf Albrecht Achilles belehnt) Besitz am 5. Teil 1545 Güter von Strobant Besitz am 6. Teil vor 1416 – 1551, der 6. Teil ging 1551 an Mittelstraß. Familie Neuhauß Gustav Neuhauß war seit 1859 Königlicher Oeconomierat, geb. am 22.02.1825, gest. am 28.01.1895 in Selchow. Er kaufte das Gut Selchow 1859 vom Amtmann Schneider, Erbpächter 1811 – 1859. Er war verheiratet mit N.N. Naetebus. Gustav Herrmann Neuhauß, Sohn von Gustav Neuhauß, war Hauptmann und der letzte Besitzer von Gut Selchow. Er übernahm das Gut 1889. Er war ein Saatgutzüchter. Neuhauß wurde am 3.11.1863 geboren und starb am 2.10.1924 mit 64 Jahren. Ehefrau war Louise, geb. Steiger. Weitere Kinder der Familie Neuhaus waren Richard Gotthold Erich Neuhaus, geb. 09.09.1892, gest. 26.09.1892 mit 3 Wochen, Ernst Friedrich Neuhaus, geb. 04.09.1854, gest. 10.05.1869 mit 15 Jahren, Paul Gustav Neuhaus, geb. 19.04.1861, gest. 20.03.1869 mit 8 Jahren und Ernst Paul Neuhaus geb. 25.11.1871, gest. 08.09.1873 mit 2 Jahren. Der Rittergutsbesitzer wählte für sich einen Stein aus der Selchower Feldmark als Grabstein. 1893 war G. Neuhaus Mitglied der Kreiskommission für Landwirtschaft und Feuersozietät, er war zu dieser Zeit Leutnant der Reserve.

Die Bauern und Bürger von Selchow Die ältesten Familien, deren Namen noch im Gedächtnis der Bürger sind, haben sich wahrscheinlich Anfang 18. Jh./19. Jh. angesiedelt oder bestehende Bauernhöfe übernommen bzw. ein Handwerk oder Handel betrieben. Es sind die Bosslings, Hansches, Kitzings, Kiekebuschs, Sauerwalds, Lobeths, später die Mettes, Ribbeckes, Stippekohls. Nach den Eintragungen im Kirchenbuch ist die Familie Kiekebusch die älteste Familie, deren Namen erhalten geblieben ist, denn Dorothea, verheiratete Kiekebusch wurde 1690 geboren. Die Angaben zu den Familien in Selchow wurden aus Gemeindeakten, Kirchen- und Schulakten des Landeshauptarchivs Potsdam und dem Kirchenbuch Selchow zusammengestellt. Sie enthalten das Jahr der Erwähnung, den Beruf und die ehrenamtlichen Funktionen in der Gemeinde. Familie Bossling-, eine Hugenottenfamilie in Selchow Der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg (Calvinistischen Glaubens) erließ zwischen dem 29 10. und 8.11.1685 das Edikt von Potsdam, auch Toleranzedikt genannt. Er bot seinen in Frankreich wegen ihrer Religion verfolgten Glaubensgenossen, den Hugenotten, freie und sichere Niederlassung in Brandenburg an. Die Flüchtlinge erhielten großzügige Privilegien, Befreiung von Steuern und Zöllen. Es kamen etwa 20.000 Menschen nach Brandenburg, darunter war die Familie Bossling. Sie waren Schmiede, Kaufleute und Landwirte in Selchow. Wann die Familie nach Selchow kam, kann nicht mehr festgestellt werden, es war aber vor 1747. So viel lässt sich allerdings aus alten Akten und dem Kirchenbuch von Selchow rekonstruieren: 1747 heiratete Johann Friedrich Gottlieb Bossling Christine Sophia Junkeretz. Zwischen 1749 und 1763 wurden dem Ehepaar 8 Kinder geboren: 23.11.1749 Johann Friedrich, 01.10.1752 Wilhelmina Sophia, 21.07.1755 Carl Friedrich, 22.04.1758 Dorothea Elisa, 24.04.1759 Maria Elisa, 25.01.1761 Friedrich Gottlieb, 26.01.1761 „Zwilling, gleich gestorben“ und 19.08.1763 Maria Elisa. Da die Vornamen vom Vater auf den Erstgeborenen übertragen wurden, ist anzunehmen, dass die Carl Bosslings, Schmiedemeister, die Johann Friedrich Bosslings Bauern und die Otto Boßlings Kaufleute wurden.

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Die Tätigkeit in der Gemeinde: 1855: Johann Friedrich Bossling, Bauer, Gemeindevertreter 1855/98: Karl Bossling, Schmiedemeister, Gemeindevertreter, Schulvorstand 1885: Eröffnung des Kaufhauses als Haus des täglichen Bedarfs durch Otto Bossling. 1892/97: Otto Bossling, Kaufmann, Gemeindevertreter, Dorfstr. 22/23 1930/44: Hans Bossling, Landwirt, Gemeindevertreter u. Schulvorstand 1925/31: Otto Bossling, Landwirt, Gemeindevertreter 1925: Karl Bossling, Landwirt, Arnold Bossling (gefallen 1939/45) 1945: H.J. Bossling. Optikerlehrling 1946/50: Hans Bossling, Neubauer u. Kaufmann, Gemeindevertreter, geb. 12.10.1898. 1965/89: Waltraud Bossling, geb. 25.10.1928, Bäuerin, Gemeindevertreterin 1979/84: Kurt Bossling, Traktorist, Genossenschafts-Bauer, geb. 20.11.1922, gest. 10.10.1998 1984/89: Elli Bossling, Hausfrau, Gemeindevertreterin Ein Werbeslogan von 1897 lautete: „Otto Bosslings – Warenhaus sieht man schon von Groß-Kienitz aus“. Angeboten wurden Landmaschinen, Maschinen, Pferdegeschirre, Fahrräder, Futtermittel, Kolonialwaren. 1964 wurde der Laden vom Konsum übernommen und blieb bis 1992 in Betrieb. Familie Hansche In den Akten werden die Mitglieder der Familie folgendermaßen erwähnt: 1856/80: Friedrich Hansche, Bauer 1870: Heinrich Hansche, Gemeindevertreter 1879: Hermann Hansche, Bauerngutsbesitzer, 1931 Gemeindevertreter, geb. 1.6.1879, gest. 7.7.1935 1880/88: Ferdinant Hansche, Bauer, Gemeindekirchenrat, Gemeindevertreter, Schulvorstand, Kirchenältester 1882: Lydia Hansche, geb. Kitzing, geb. 21.8.1882, gest. 21.12.1963 1880/96: Wilhelm Hansche, Bauer, Schulvorstand 1919: Frieda Hansche, geb. 1.12.1919, gest. 23.3.1996 1920: Herbert Hansche, geb. 27.7.1920, gest. 19.9.1988, Altbauer, Gemeindevertreter, LPG-Vorsitzender 1949: Ingrid Hansche geboren 1985: D. Hansche, (8 Personen) wohnten in der Dorfstr. 24 1985: Norbert Hansche, (4 Personen), Rotbergerstr. 4

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Familie Kiekebusch Gurge und Hanß Kiekebusch wurden 1652 im Landbuch des Kurfürsten Friedrich Wilhelm bereits als ansässig in Waßmannsdorf erwähnt. Die erste Eintragung eines Kiekebusch im Kirchenbuch von Selchow stammt aus dem Jahr 1720. Darin stand, dass Peter Kiekebusch am 1.5. geboren wurde. Sein Vater war Martin Kiekebusch. Peter Kiekebusch heiratete Dorothea Krüger, die Tochter des Dorfschulzen Christian Krüger. Sie hatten 7 Kinder, die zwischen 1750 und 1767 geboren wurden. Dorothea Kiekebusch, die alte Witwe, Mutter von Peter Kiekebusch starb mit 72 Jahren in Selchow. Weitere Informationen über die Familie lauten: 1758: wurde Christian Kiekebusch in Selchow beerdigt. 1762: starb Hans Kiekebusch jun., er war Bauer. Am 17.4.1767: wurde dem Arendator Christian Kiekebusch und seiner Frau Catharina ein Sohn geboren. Er wurde am 24.4.1767 auf den Namen Johann Wilhelm getauft. Seine Paten waren (wörtliche Wiedergabe der Eintragung): Herr Daniel Schultze aus Berlin Frau Maria Elisabeth Kü(ie)kebusch, Arendant auf der Feldmark Frau Sophia Lehmanin aus Großziethen Sein Bruder Peter Kü(ie)busch, Bauer in Selchow Maistra Sigermann Fürsenow, Küster in Selchow Jungfer Dorothea, Elisabeth Kü(ie)busch as Selchow 1835: ist Friedrich Kiekebusch Kossäth, Dorfschulze und Gemeindevertreter. 1852: ist August Kiekebusch Bauer, Dorfschulze, Schulvorstand und Gemeindevertreter (gest. 1899, Ehefrau Sophie). 1898: ist Otto Kiekebusch Arbeiter, Neubauer, Gemeindevertreter (1898 geboren). 1925: ist Hermann Kiekebusch Bauerngutsbesitzer. Familie Kitzing Die Kitzings waren Bauern, Schmiede und Kaufleute, sie wohnten in der Dorfstr. 4 und 18. In Akten wird folgendes erwähnt: 1836: Dem Landwirt (Kossäth) Carl Ludwig Kitzing und seiner Ehefrau Anna-Luise, geb. Grund, wurde am 11.10.1836 der Sohn Carl Ludwig geboren. 1848: August Kitzing, Kossäth, Gemeindevertreter 1871: Ferdinant Kitzing, Kossäth, Schulvorsteher 1879: Paul Kitzing, Bauerngutsbesitzer, geb. 21.4.1879, gest. 18.10.1961, verheiratet mit Emma, geb. Krope, geb. 15.3.1883, gest. 8.11.1966 1880/1900: August Kitzing, Kossäth, Schulvorstand, Schöffe 1884: Georg Kitzing, Kaufmann, geb. 28.10.1884 1888: Das Kossäthengut von August Kitzing wird versteigert. 1889: Karl Kitzing, Bauer, Gerichtsmann, Schulvorstand, geb. 1836 1925: Wilhelm, Kitzing, Landwirt 1931: Karl Kitzing, Schmied, Gemeindevertreter Die Wirtschaft Kitzing ging in den Besitz der Waßmannsdorfer Mettes. Familie Lobeth In der Familie gab es Schmiedemeister, Schneider und Landwirte. Das Selchower Kirchenbuch weist Hans Gürgen Lobeth 1757 als Dorfschulzen in Selchow aus. Er heiratete am 7.11.1757 Maria Elisabeth Hamann, geb. am 13.1.1730. Ihr Vater war Gürgen Hamann. Die Geburtsdaten der Kinder: 17.02.1757 Christofel, 17.08.1759 Johann Friedrich, 29.11.1761 Dorothea Elisabeth, 12.03.1765 Maria Elisabeth, 03.10.1767 Michael und 09.09.1769 „Sohn, tot“. Aus alten Akten geht folgendes hervor: vor 1757: Hans Gürgen Lobeth, Dorfschulze vor 1847: Lobeth, Bauer, Gemeindevertreter, Kirchenvorstand, Dorfschulze, er starb 1847, sein Sohn war Carl August. 1848: pachtete der Bauer Lobeth Land zum Bau eines Stalls. 1853: August Lobeth, Schmiedemeister - 126 -


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vor 1855: 1869: 1870: 1878: 1885: 1888/94: 1896: 1887: 1897: 1898: 1925: 1925: 1931: 1934: 1925/85: 1944: 1945: 1945: 1949: 1951: 1949: 1974: 1985:

Johann Friedrich Lobeth, Schmied, Tochter Marie Luise heiratet den Schmied Pusch. Ein Büdner und Schneider Lobeth werden erwähnt. A. Lobeth, Gemeindevertreter, Vorsitzender des Krieger-Landwehrvereins Friedericke Lobeth, geb. 1878 Willi Lobeth, geb. 1.2.1885 Karl Lobeth II, Bauer, Gerichtsmann, gest. 1894 Karl Lobeth, Bauer Waldemar Lobeth, geb. 26.6.1887, Altbauer Karl Lobeth I, geb. 1897, Bauer Karl Lobeth II, geb. 28.5.1898 Pauline Lobeth, Sternstr. 4 Wilhelm Lobeth, Oberbriefträger, Dorfstr. 9a Reinhold Lobeth II, Bauer, Gemeindevertreter Wilhelm Lobeth, verpachtet Land für die Jagd. Willi und Marie Lobeth, landwirtschaftl. Arbeiter, Dorfstr. 1 Karl Lobeth verpachtet Jagdland. Dorothea Lobeth, Bäuerin H. Lobeth, Bauer Werner Lobeth geboren wurde Karl Loneth geboren, zog 1983 nach Kiekebusch, Mitarbeiter der Interflug. Werner Lobeth geboren Willi Lobeth, Mitglied der Schiedskommission Willi und Werner Lobeth wohnten in der Dorfstr. 10.

Von der Familie Wendt zur Familie Ribbecke Die erste Eintragung über die Familie Wendt im Kirchenbuch ist das Taufdatum von Michael Wendt am 8.10.1727. Sein Vater war Kossäth. Die Bauernwirtschaft von Max Ribbecke gehörte zu den ältesten des Dorfes. „Um das Jahr 1790 kaufte ein gewisse Bauer Wendt die Wirtschaft in der Dorfstraße 3 und nannte sie sein eigen.“ Er verlor aber alles und so kaufte ein von außerhalb kommender Bauer Huhn die Wirtschaft, danach übernahm Bauer Schade den Hof. Um die Jahrhundertwende heiratete Bauer August Ribbecke die Tochter des Bauern Schade. Der Hof Ribbecke blieb bis heute in der Familie. Als das Ehepaar August Ribbecke verstarb, erbte Sohn Max den Hof. In alten Akten ist folgendes zu lesen: 1790: kauft Georg Wendt einen Hof in der Dorfstr. 3 und verkauft ihn dem Georg Wendt und seiner Frau Anna, geb. Liedke. 1823: wurde Luise Auguste Wilhelmine geboren. 1899: August Ribbecke, in Selchow als Bauer in der Dorfstr. 3 erwähnt, 1915 gefallen. 1905: Max Ribbecke, geb. 13.1.1905, gest. 22.5.1976, Gemeindevertreter, Sohn Max Ribbecke, hatte 3 Kinder. Er war 1974/79 Gemeindevertreter und arbeitete ehrenamtlich in der Kommission Landwirtschaft/Umwelt. 1910: Wally Ribbecke, geborene Kunz, geb. 8.7.1910, gest. 25.3.1991. Zur Familie gehörte Paula Kunz, geb. 12.11.1880, gest. 29.6.1957. 1950: Barbara Ribbecke geboren. 1960: wurde der Bauer Max Ribbecke Mitglied der LPG in Selchow. 3.11.1961: Lutz Ribbecke, Sohn von Max, Anlagenleiter der RMA, wohnte in der Rotbergerstr. 3 und war von Mai 1989–März 1990 Gemeindevertreter, Bürgermeister, Ortsvorsteher und seit 2008 stellv. Ortsvorsteher. Ingrid Ribbecke, wohnte in der Rotbergerstr. 10. In einem Interview mit der Märkische Volksstimmen wird berichtet: „Alfred Ribbecke wurde nicht Bauer, sondern Eisenbahner und zwar Streckenwärter. Er betreute die 20 km lange Strecke von Schönefeld nach Spindlersfeld, eine wirklich gefährliche Arbeit. Denn auf dieser Strecke fahren 400 Züge in 24 Stunden. Für A. Ribbecke war diese Arbeit eine Arbeit mit viel Verantwortung für die Sicherheit des Bahnverkehrs. In seinen 18 Dienstjahren war er zweimal um die Erde gelaufen. Alfred Ribbecke war Facharbeiter für Eisenbahnbautechnik, Kranführer aller Klassen und Schienenkleinwagenfahrer. Er war Vater von 4 Kindern.“

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Von der Familie Sauerwald zur Familie Teschke In den Akten finden sich folgende Informationen über die Familie: 1809: Gottfried Sauerwald wurde Hofbesitzer. 1848: Gotthelf Sauerwald, Bauer, Gerichtsmann, Schulvorstand, Gemeindevertreter 1848: Michael Sauerwald, Gemeindevertreter 1855: Carl Sauerwald, geb. 5.4.1855, gest. 29.4.1917, Ehefrau Marie, geb. Lobeth, geb. 25.12.1848, gest. 30.7.1900 1856: Christof Sauerwald, Kossäth 1856/1901: Wilhelm Sauerwald, Kossäth, Schulvorstand, Gerichtsmann, Gemeindevorsteher 1899 1856/1901: Karl Sauerwald, Bauer, Gerichtsmann/Schöffe 1868: Paul Sauerwald, Gemeindevertreter 1870: Gottfried Sauerwald, Altsitzer, Gemeindevertreter 1871/80: Christian Sauerwald, Kossäth, Gemeindevertreter, Kassenwart des Krieger- u. Landwehrvereins 1878/80: Reinhold Sauerwald, 1879: Luise Sauerwald, geb. 13.4.1879, gest. 1.10.1960, verheiratet mit Gotthelf Teschke, gefallen 1914 1881: Emma Sauerwald, geb. 3.8.1881, gest. 14.12.1961 1883: Reinhold Sauerwald, geb. 12.1.1883, gest. 4.8.1941, Erbhofbauer, Ehefrau Luise, geb. Vetter, geb. 26.11.1891, gest. 29.1.1981 1899: Walter Sauerwald, geb. 17.8.1899, gest. 11.2.1987, Ehefrau Elisabeth, geb. Stippekohl, geb. 14.2.1901, gest. 14.5.1979 1904: Charlotte Sauerwald, geb. 15.11.1904, gest. 2.4.1996 Schwester von Walter verheiratet mit Fritz Lindenau, geb. 10.11.1899, gest. 27.6.1958 1912: Sohn Berthold Teschke geb. 27.5.1912, gest. 2002, Bäckermeister 1920: Erika Sauerwald geboren. 1921: Hilde Teschke, geb. 15.6.1921, gest. 1.9.2002 1927: Walter Sauerwald jun., geb. 6.6.1927, gest. 6.12.1993 1931/35: Reinhold Sauerwald, Landwirt, Gemeinderat 1945: Walter Sauerwald, Bauer, Rudi Sauerwald, Gärtner, ab 1979 Gemeindevertreter 1961: Berthold Teschke 1. LPG-Vorsitzender 1979/84: Volker Teschke, Gemeindevertreter von 1979–1984 , Kommission Finanzen und Soziales Familie Stippekohl Familie Stippekohl stammt ursprünglich aus Waßmannsdorf. Frieda Stippekohl wurde am 5.2.1904 geboren und starb am 5.2.1989. Karl Stippekohl war Bauer und von 1946–1950 Gemeindevertreter in Selchow. 1925 lebte Otto Stippekohl in der Sternstraße. Er war Maurer. Willy Stippekohl wohnte in der Dorfstraße 5 und war Bauer. Otto, Willy und Karl Stippekohl waren von 1934–1944 Jagdlandverpächter. Karl-Heinz Stippekohl, wohnt in Selchow, war langjähriger Mitarbeiter der Interflug und seit 1974 im Gemeindekirchenrat.

Die Handwerker und die Gewerbetreibenden Die Schmiede in Selchow In Selchow wurde bereits 1589 ein Schmied, 1711 ein Grobschmied und 1801 wieder ein Schmied erwähnt. In alten Akten wurden 1853 der Schmied August Lobeth und der Schmiedemeister Johann Friedrich Bossling, 1856 Schmiedemeister Hermann Henning und 1862 Schmiedemeister Carl Bossling aufgeführt. Alle sind Mitglieder der seit dem 18. Jh. in Selchow ansässigen Bauernfamilien. Sie übten den für ein Dorf so wichtigen Beruf aus, da nicht jeder Sohn Hoferbe werden konnte. Liest man im Kirchenbuch, findet man weitere Schmiede in Selchow, ob als Schmied auf dem Gut oder als selbstständiger Schmiedemeister im Dorf. Martin Brose war 1640 verheiratet in Selchow und arbeitete als Schmied. Peter Dienitz, einem Grobschmiedemeister, wurde am 7.9.1685 die Tochter Anna geboren. 1691 heiratete Schmiedemeister Johann Naldow in Selchow. Hans Hempel war Schmiedemeister bis 1721 in Selchow, er war verheiratet mit Maria, geb. Nickel. Er starb 1721. Dem Schmiedemeister Hans Ernst wurden zwischen 1723–1733 drei Kinder geboren. 1758 wird ein Schmiedemeister Friedrich Kerner begraben. Über die Schmiedemeister Klewe und Käding wissen wir mehr.

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Der Schmied Karl Klewe Er war bereits vor 1925 in Selchow als Schmied tätig und wohnte in der Sternstraße 7. Karl Klewe war 1931 Gemeindevertreter. Er war auch Jagdgebietsverpächter (1934 – 1944). Weitere Familienmitglieder waren Johanna Klewe, geb. Bahrs, geb. 29.7.1921, gest. 14.3.1989 und Werner Klewe, geb. 15.3.1921, gest. 30.10.2004. Die Schmiede wurde bis 1947 geführt, danach als Fuhrunternehmen mit Verantwortlichkeit für den Schrotthandel. 1985 wohnte die Familie Klewe mit 5 Personen in der Rotbergerstr 12. Der Schmied Hans Käding Hans Käding kam erst nach Kriegsende nach Selchow. Er wurde am 2.4.1908 in Sokolowo geboren und wohnte zuerst in der Bahnhofstraße 11 (jetzt Rotbergerstraße). Seine Ausbildung als Schmied erhielt er von 1924 bis 1927. 1934 wurde er Schmiedemeister in Potsdam. Er war Huf- und Wagenschmied. Er starb 1986, seine Frau Gertrud 1990. 1985 wohnte die Familie Käding mit 5 Personen in der Rotbergerstr. 11. Hans Käding betrieb die Schmiede in der Rotbergerstraße von 1950 bis 1979. Die Werkstatt befand sich auf dem Grundstück. Die Schneider in Selchow 1589 wird bereits ein Schneider in Selchow erwähnt, danach erst wieder 1858. 1869 war der Büdner Lobeth auch Schneidermeister in Selchow. Von 1925 bis 1947 war Otto Schulze Schneider in Selchow. Er wohnte in der Sternstraße 6 (jetzt Mittenwalderstraße). Er wurde am 27.5.1899 geboren. 1985 wohnte die Familie Schulze mit 6 Personen in der Mittenwaldestraße 5. Vor 1925 war Hermann Steldinger Schneidermeister in Selchow. Er war im Gemeinderat tätig und ab 1944 Amtsvorsitzender in Selchow und Waßmannsdorf. Familie Otto Stechert Die Fleischerei/Schlächterei von Friedrich Stechert wurde 1876 eröffnet. Der Gründer betrieb sie bis 1911 und übergab sie dann seinem Sohn Otto Stechert jun. Otto Stechert wurde am 17.12.1885 in Selchow geboren. Er erhielt vom Landrat 1912 die Gewerbeerlaubnis als Fleischermeister. Der Umsatz betrug in den Jahren 1943 und 1944 jeweils 25.000 RM. In der Fleischerei arbeiteten nur Familienangehörige. Die Fleischerei blieb auch während der Wirren nach Kriegsende geöffnet, die Gewerbeerlaubnis wurde am 5.7.1945 erneuert. Stechert war Mitglied der Fleischerinnung Teltow. Die Fleischerei hatte einen Arbeitsraum und ein Schlachthaus. Der Fleischerei stand 1 Pferd mit Wagen zur Verfügung. Die Fleischerei in Selchow wurde bis 1969 geführt. Familie Emil Schultze 1880: Emil Schultze, geb. 27.7.1880, gest. 6.4.1955, Bäckermeister 1955: Helmut Schulze, Neffe, geb. 1.6.1908, gest. 8.6.1998 Helmut Schultze war ab 1965 Gemeindevertreter und arbeitete ehrenamtlich in den Kommissionen Brandschutz und Handel und Versorgung. Die Bäckerei von Emil Schultze wurde 1905 in der Bahnhofstraße 7 eröffnet. Er war Mitglied der Bäckerinnung des Kreises Teltow. Die Bäckerei hatte 1943 einen Umsatz von 26.791 RM und 1944 von 27.189 RM. 1943/44 betrug das Einkommen 4.373 RM. In der Bäckerei wurden 2 weibliche und 2 männliche Personen beschäftigt, davon 2 Familienangehörige. Die Bäckerei arbeitete nach Kriegsende sofort weiter. Die Fortführung des Gewerbes wurde im Juli 1945 genehmigt. Im Juli 1955 übernahm Helmuth Schultze, ein Neffe von Emil Schultze, die Bäckerei bis 1974 als Bäckermeister. Helmuth Schultze wurde am 1.6.1908 als Sohn des Schmiedemeisters Heinrich Schultze in Berlin geboren. Mit 3 Jahren, 1908, kam er zu seinem Onkel Emil Schultze, ging in Selchow von 1914 – 1922 zur Schule, wurde 1925 Bäckergeselle. Er ging dann zur Handelsschule in Königs Wusterhausen, ging nach Berlin und kam wieder zurück nach Selchow. 1937 legte er die Prüfung zum Bäckermeister ab, wurde 1939 Soldat. Er kam 1947 aus der Gefangenschaft nach Selchow und arbeitete in der Bäckerei. Es war der Wunsch von Emil Schultze, dass sein Neffe die Bäckerei übernimmt. Er wurde 21.7.1955 in die Handwerks/Gewerberolle eingetragen. Die Bäckerei wurde bis 1974 betrieben.

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Vereine, Organisationen und Kommissionen Am 27.1.1897 wurde in Selchow der Krieger- und Landwehrverein gegründet. Er hatte 40 Mitglieder, Vorsitzender war Lobeth, Schriftführer Grabow und Kassierer Sauerwald (Vornamen wurden nicht genannt).

Sportvereine Die Betriebssportgemeinschaft WSZ–Waßmannsdorf-Selchow-Ziethen Die BSG WSZ wurde am 1.5.1955 als Fußballverein in Waßmannsdorf gegründet. Die Finanzierung des Vereins erfolgte über das VEG Waßmannsdorf. Ein Förderer war der Direktor des VEG Selchow, Erwin Gacki. Der Verein hatte bei seiner Gründung noch keinen Sportplatz. Ab 1959 wurde auf einen Platz am Pflaumenweg, ab 1961 in Schönefeld und ab 1966 auf dem Sportplatz in Waßmannsdorf gespielt. 1968 hatte der Sportverein 61 Mitglieder. 1968 wurde die Sektion Pferdesport gegründet. Sie stand unter der Leitung vom damaligen Direktor Martin Becker und hatte mit Wilfried Kind, dem Direktor ab 1973, einen großen Förderer. Von 1972 bis 1975 tat sich nicht viel in der Sektion, so dass sogar eine Auflösung erwogen wurde. 1978 übernahm Horst Knuth mit nur 4 Pferden die Sektion und leitete sie bis 1989 sehr erfolgreich. In dieser Zeit wurde der Tierbestand auf 24 Pferde erweitert. In der Sektion war eine Kinder-Voltigier-Gruppe aktiv. Die Sektion verfügte über einen Kremser, eine Kutsche, einen Schlitten und die notwendigen Reitutensilien. Eine ehemalige Gemeinschaftswaschküche diente als Aufenthaltsraum. Der Park stand der Sektion als Übungsplatz zur Verfügung. Dort fanden auch Spring- und Dressurwettkämpfe statt. Die Mitglieder der Sektion hielten den Park durch Arbeitseinsätze in Ordnung. Die Sektion war mit ihren Darbietungen ein Teil der Betriebsveranstaltungen. Die noch heute vorhandenen Koppeln von 6,5 ha Fläche wurden erst nach 1974 eingerichtet. Für die Pflege der Tiere waren 2 Arbeitskräfte eingestellt: Herwig Labrenz und Ragna Michael. Bis 1990 wurden die Kosten für den Pferdesport durch das VEG Waßmannsdorf getragen. Auf Anweisung des Berliner Senats wurden die Pferde 1991 verkauft. Da die bisherigen Reiter der Pferde die Tiere kaufen konnten, wurde die Sektion Pferdesport in den Reit- und Fahrverein umbenannt. Der Verein ist Pächter des Parks, der Koppeln und der Gebäude. Die Leitung des Vereins oblag bis 2005 bei Horst Knuth.

Der Landsportverein Selchow Nachdem die Betriebssportgemeinschaft WSZ ihre Tätigkeit eingestellt hatte, benötigte die Gemeinde eine neue Sportorganisation. So wurde im Mai 1995 der Landsportverein Selchow gegründet. Er hatte 20 Mitglieder. Hauptbetätigungsfelder waren Fußball, Tennis und Tischtennis. Für den Fußball stand ein provisorischer Fußballplatz an der Mittenwalder Straße zur Verfügung. Der Verein wurde wieder aufgelöst.

Kommissionen Die Schiedskommission Vor 1945 war Otto Bossling Schiedsmann in Selchow und Waßmannsdorf. In den 1930er Jahren wurde meist wegen Beleidigung, Körperverletzung und Tätlichkeit verhandelt. Die Verhandlungsgründe von 1943 bis 1945 sind nicht bekannt. Die Verhandlungen der Schiedskommission wurden vom Amtsgericht Charlottenburg geprüft und bestätigt. Nach 1945 wurde die gemeinsame Schiedskommission von Selchow und Waßmannsdorf beibehalten. Erster Vorsitzender der Schiedskommission war Herr Lehne aus Waßmannsdorf, danach Herr Stange ebenfalls aus Waßmannsdorf. Die Verhandlungsgründe von 1947 bis 1956 waren ebenfalls Beleidigungen, Tätlichkeiten und Körperverletzungen. Beispiele aus Selchow 1948 bis 1952: Beim Erscheinen vor der Schiedskommission mussten die Beteiligten ihren Personalausweis vorzeigen. September 1948: Frau M. beschuldigte Frau P. sie würde sie des Kartoffeldiebstahles bezichtigen, was nicht stimmte. Man einigte sich und teilte sich die Kosten. September 1948: Frl. A. beschuldigte Frau M. sie zu verdächtigen, mit deren Ehemann ein Verhältnis zu haben, was aber nicht stimmte. Man nahm die Beschuldigungen zurück.

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April 1949: Frl. P. beschuldigte Herrn W., sie auf der Straße geschlagen zu haben. Herr W. gab die Tat zu. März 1952: Herr K. beschuldigte Herrn N. ihn beleidigt zu haben, da er behauptet habe, er poussiere mit jungen Mädchen. Herr N. nahm die Beleidigung zurück und machte die Entschuldigung öffentlich. Die Kosten betrugen im allgemeinem 8,00 M + Schreibgebühr von 1,20 M + 0,80 M Botenlohn. 1978 musste sich die Schiedskommission mehrmals mit der Einhaltung der Ordnung, Sauberkeit und Sicherheit vor der Konsumfiliale und dem Wohnhaus der Familie Bossling beschäftigen. In regelmäßigen Abständen trafen sich Einheimische und Fremde vor der Konsum-Verkaufsstelle zu Trinkgelagen. Die Trinker saßen auf dem Fahrradständer und belästigten die Vorbeigehenden und Vorbeifahrenden durch Schreien und Johlen. Durch den Alkohol enthemmt, fanden Ringkämpfe im Sand statt, die Blumen wurden zertrampelt. Man verwechselte die Wand des Hauses mit einer Toilette. Der Anblick der Trinker und ihr Verhalten schädigte das Ansehen der Gemeinde erheblich. Aussprachen mit den Verursachern durch die Schiedskommission waren über einen längeren Zeitraum ergebnislos. Durch das Einwirken des ABV, der Bürgermeisterin und der Leitung des Konsums wurde das Trinken vor dem Konsum eingeschränkt.

Die Wohnungskommission der Gemeinde Selchow Die Gemeinde bewirtschaftete zu DDR-Zeiten alle in der Gemeinde vorhandenen Wohnungen, einschließlich der in Privatbesitz. Die Wohnungskommission hatte die Aufgabe, die Gemeinde Selchow bei der gerechten Verteilung der Wohnungen, der Wohnraumlenkung, zu unterstützen. In Selchow gab es Wohnhäuser der alten ansässigen Bauern mit zugewiesenen Mietern, Mietwohnungen der Gemeinde, Betriebswohnungen des VEG und Eigenheime aus unterschiedlichen Zeiten ohne zusätzliche Mieter. Die Wohnungskommissionen arbeiteten auf der Grundlage der Verordnung über die Lenkung des Wohnraumes vom 14.9.1967, GBL II Nr.105. In der Wohnungskommission arbeiteten von 1949 bis 1989 gewählte Gemeindevertreter und ehrenamtlich arbeitende Bürger. Sie hatten die Aufgabe den begrenzten Wohnraum gerecht zu verteilen oder durch Wohnungstausch für die Familien mit Kindern bessere Wohnbedingungen zu schaffen. In der Wohnungskommission oder dem Wohnungsausschuss arbeiteten zwischen 1949 und 1989 folgende Bürger: Gerlinde Busse, Max Drobbe, Kurt Dombrowski, Luise Dorow, Otto Grabow, Gerda Hiltner, Gisela Janke, Emil Krüger, Charlotte Meißner, Richard Schulz, Norbert Zimmermann, Alfred Mann, Alfred Mette, Paul Nugk, Heinrich Otter, Richard Otter, Otto Redlich, Hildegard Stolze, Waldemar Lobeth, Heinz Schulz und Rosemarie Wiesner.

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Anlagen Ein Steckbrief von Selchow im Zeitraum 1242 bis 2012 770 Jahre Geschichte ab bis Erste urkundliche Erwähnung 1242 Teilung in Gutsbezirke und Gemeindebezirk 1806 1928 Die Kirche 1280 Das Pfarrhaus nach 1280 Der Krug 1375 1974 Die Schäferei 1536/1608 1991 Die Mühle 1624 nach 1871 Die Schule vor 1810 1974 Der Rittersitz wahrscheinlich ab 1571 1927 Erstes Gutshaus 1571 Zweites Gutshaus 1882/1922 Umbau noch vorhanden Gründung Männerturnverein 1886 Gründung Männergesangsverein 1886 Erste Hebamme in Selchow 1889 Gründung Krieger- Landwehrverein 27.1.1897 Das Volksgut 1945/49 1991 Das Stadtgut 1927 1949 Erste Straßenbefestigung 1870 von Selchow nach Kleinziethen Erste Beleuchtung 1900, die Ställe des Gutes Errichtung des Kriegerdenkmals 1931 Erste Postagentur 1882 Poststelle um 1910, dann 1976, Dorfstraße 16 Telephon 1910, Gemeinde, Gut und der Kaufmann Bossling Erntekindergarten 1955 im VEG Kindergarten 1981 1997 LPG 1960 1990 Bibliothek 1968, Dorfstraße 16 1990 Jugendclub 1980 1987 Erste Feuerlöschordnung 1891 Feuerwehr 1926 Eisenbahn 27.9.1900 bis 21.3.1951 Bahnhofsgebäude 1900 ab 1953 in Wohnungen umgebaut Konsum 1964 im Haus Boßling Dez. 1992 Bus von Teltow nach Grünau 1951 Bus von Teltow nach Schönefeld 1962 erste Buswartehäuschen 1957 Zentrale Wasserleitung Baubeginn 1987 Zentrale Abwasserleitung Baubeginn 1987 Rieselfelder ab 1928 1988 Pferdesport ab 1968 Gründung des Gemeindeverbandes 1974

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Gedenken der Toten aus den 2 Weltkriegen in Selchow 1919 wurde für die im ersten Weltkrieg (1914 bis 1918) gefallenen Bürger von Selchow ein Gedenkstein eingeweiht. Dieses Ehrenmal steht an der Kirchhofmauer. Die Inschrift lautet: „Sie zogen für das Vaterland in den Krieg“ Im ersten Weltkrieg in Russland und Frankreich sind gefallen: 1914 Gustav Schulz Wilhelm Stelldinger Gotthelf Teschke Willi Stephan 1915 August Ribbecke Paul Schade Otto Höhnow Gustav Wiese Ernst Horn Gustav Dommisch Paul Worreschk 1916 August Paul Max Wolf Otto Hesse Wilhelm Schröder 1917 Richard Meier Richard Schulz Paul Meier Gustav Meier Gustav Schneider Robert Selig Hermann Lobeth Emil Brabant

Gedenkstein für die im 1. Weltkrieg gefallenen Selchower

Die Toten des zweiten Weltkrieges 1939 bis 1945 aus Selchow: Arnold Boßling Rudi Kämpfer Otto Lüdke Waldemar Kusmar Alwies Seel Herrmann Kaläne, Rieselwärter Werner Pawlowski Glimpel Velten Ernst Labrenz Georg Meier Leo Wiechmann Oskar Wiechmann Siegesmund Wiechmann Gerda Bagschas Reda Preuß

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Maße und Gewichte Am 1.1.1840 beschloss der Deutsche Zollverein: 1 Zentner sind 100 Pfund, 1 Pfund sind 30 Lot Ab 1884 galten: 1 Meter, m², dm, 1 kg, g, dz, t und hl 1 hl Weizen waren 76,5 kg 1 hl Roggen waren 72,75 kg 1 hl Gerste waren 63,0 kg 1 hl Hafer waren 45,25 Alte Maße: 1 Fuß = 12 Zoll, 12 Limen 1 Fuß = 314 mm 1 preußische Elle = 677 mm 1 deutsche oder geographische Meile waren = 7.240,438 m 1 Seemeile sind = 1.854,965 m 1 preußischen Morgen waren = 25,5322 a 1 badischer Morgen waren = 36 a 1 bayrisches Tagwerk war = 34 a 1 Magdeburger Morgen waren = 2.5553,22 qm 1 Wispel = 2 Malter = 24 Scheffel = 384 Metzen entspricht ca. 2.500 Liter 1 Last Gerste/Hafer = 2 Wispel 1 Last Roggen/Weizen = 6 Wispel 1 Metze = 6,5 Liter l 1 Schock = 60 Stück 1 Viertel = 25,90 l 1 Hufe = 7 – 15 ha = 28 – 60 Morgen (Umfang des Landes, das eine Familie zu ihrer eigenen Ernährung benötigte und allein bewirtschaften konnte. Die Größe war abhängig von der Bodenqualität.) 1 Hektar = 4 Morgen 1 Morgen = 2.500 qm = 180 Quadratruten = 25,23 ar 1 ar = 100 m² 1 Scheffel Land waren 112,5 Quadratruten

Märchen und Sagen nach A. Kuhn Das bunte Kalb von Selchow Ein Bauer und ein Gastwirt fuhren einmal mit Frühgemüse nach Berlin. Der Bauer fuhr dicht vor dem Gastwirt. Als sie an den Rötepfuhl kamen, der vor Selchow rechts am Wege liegt, blieben auf einmal die Pferde stehen, denn quer über den Wagengleisen lag ein buntes Kalb. Der Bauer glaubte, ein Schlächter hätte es verloren. Er stieg ab, um es auf seinen Wagen zu heben. Da fing das Kalb plötzlich an zu reden, es rief: „Umkehren musst du, und wenn du der Schulze von Ragow wärst!“ Entsetzt sprang der Bauer auf seinen Wagen, beide Fuhrwerke wendeten schnell und fuhren eilig zurück. Da sahen die beiden Männer noch, wie sich das Kalb erhob und nach der Selchower Mühle flog. Es hatte auf einmal die Gestalt eines Drachen. Das Grab des Riesenkönigs Zwischen den Riesen auf den Müggelbergen und den Riesen bei der Dörfern Ziethen, Selchow und Rotzis ist vor langen, langen Jahren einmal ein gewaltiger Kampf gewesen. Sie haben sich mit großen Feldsteinen beworfen. Einige liegen noch heute bei den Dörfern. In dem Kampfe ist dann der Riesenkönig gefallen. Seine Gebeine wurden in einem goldenen Sarg gelegt, den hat man in einen silbernen gestellt und diesen dann in einen eisernen. Nun wurde der Riesenkönig in einem nahen Berg begraben. Dort liegt er heute noch. Der Berg heißt bis auf diesen Tag der Hünerberg, die kleinen runden Teiche an seiner Seite haben den Namen Hünepfühle. - 134 -


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Begriffserklärung Ablösung von Lasten:

Ablösung von Abgaben der Bauern an den Schmied, den Gutsherren, die Kirche und die Schule Actuarius: Gerichtsschreiber Altsitzer: Bauer nach Übergabe des Anwesens an den Erben, Nutznießer des Altenteils Arrendator: Verwalter Bede: Bitte, Steuern, eine Steuer von denen, die königliches Gut als Lehen oder als Bauernhufe innehatten, ursprünglich Hilfe und Unterstützung des Geschützten für den Schutzherren, daraus wurde Zwang. Büttner: Dorfbewohner ohne eigenes Land, landloser Kleinbauer Fideikommis: Sondervermögen, das als unveräußerliches und unteilbares Erbgut einer feststehenden Erbfolge unterworfen ist, 1919 abgeschafft. Freihufe: von Abgaben freie Hufe Freigewillt: Frei von Abgaben Gerechtsame: Recht auf Nutzung von bestimmten Eigentum Grundherr: im Mittelalter eine Bezeichnung für den Besitzer von Grund und Boden, auch Fronherr und Feudalherr. Grundherrschaft: organisierte Form feudalen Grundbesitzes, bei dem die Feudalgüter nicht vom Grundherrn selbst bewirtschaftet wurden, sondern an ökonomisch und juristisch abhängige Bauern gegen Natural-, Geld- und Fronleistungen gegeben wurden. Hebung: Einnahme von Steuern Hufe(Hube–Hof): Einheitsmaß ab 13. Jahrhundert. Hüfner: Bauer Kossäth: Landarmer Bauer Markgraf, Markgrafentum: Das Markgrafentum war ein königliches Amtslehen, das dem Inhaber als Stellvertreter des Königs die Ausübung der Reichsgewalt in dem ihm zugeteilten Markgebiet zuwies. Mark: eingegrenztes Gebiet Lehen: Im Mittelalter vom Lehnherren übergebener Grundbesitz gegen Leistung (geliehener Grundbesitz) Rentamt: Behörde im späten Mittelalter Rendant: Kassenverwalter Schärfkorn: ist ein Deputat an Getreide, welches dem Schmied für das Schärfen der Ackergeräte vom Bauern geliefert wurde. Schoß: Grundsteuer, die von allen Grundstücken auch den kirchlichen gezahlt werden musste Separation: Neueinteilung des Ackerlandes, Flächen der Bauern, Domänen, und Gutsbesitzer wurden voneinander getrennt. Vorwerk: 1. Gut im Dorf 2. Ein zum Hauptgut gehörendes Gut Zins im Mittelalter: der Bauer hatte als Nutznießer des Ackers dem Obereigentümer Korn oder Geld zu zahlen. Zehnt: je Huf musste gezahlt werden, 5-6 Scheffel Roggen, 4 Scheffel Hafer 1 Scheffel Gerste. Begriffe, Abkürzungen nach 1945, DDR ABV Abschnittsbevollmächtigter AL Ackerland BHG Bäuerliche Handelsgenossenschaft BKV Betriebskollektivvertrag, ein Vertrag zwischen Gewerkschaft und Betriebsleitung zur Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen der Werktätigen. BSG / WSZ Betriebssportgemeinschaft Waßmannsdorf Selchow Ziethen - 135 -


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CDU DFD DBD EOS freier Aufkauf

Christlich Demokratische Union Demokratischer Frauenbund Deutschland Demokratische Bauernpartei Deutschland Erweiterte Oberschule nach 1945, landw. Produkte, die nach der Pflichtablieferung zu höheren Preisen verkauft werden konnten, auch „freie Spitzen“ GBL Gesetzblatt GL Grünland GST Gesellschaft für Sport und Technik KW Königs Wusterhausen KWV Kommunale Wohnungsverwaltung Koll. Kollege Kollg. Kollegin LDP Liberal Demokratische Partei LPG Landwirtschaftliche Profuktionsgenossenschaft LN Landwirtschaftliche Nutzfläche LWH Lehrlingswohnheim LKW Lastkraftwagen MAS Maschinenausleihstation MTS Maschinen- Traktorenstation MMM Messe der Meister von Morgen NF Nationale Front NAW Nationales Aufbauwerk Reko Rekonstruktion RMA Rindermastanlage SED Sozialistische Einheitspartei Deutschland TAN Technische Arbeitsnorm POS Polytechnische Oberschule VbE Vollbeschäftigte Arbeitseinheit VEG Volkseigenes Gut VKSK Verein der Kleingärtner Siedler und Kleintierzüchter VP Volkspolizei VS Volkssolidarität

Gemeindevertreter in Selchow/Schönefeld ab 1990 nach dem Alphabet (Bm = Bürgermeister; Gv = Gemeindevertreter) Gemeindevertreter in Selchow nach 1945 Gemeindevertreter / Schulvorstand / Kirchenvorstand bis 1945 Name, Vorname von/bis Stellung Bagschas 1935 Beschetznick, Friedrich 1868 Büdner Bossling, Joh. Friedrich 1855 Bossling, Otto 1892/97 Kaufmann Bossling, Karl 1855/98 Schmiedemeister Bossling, Otto 1931 Landwirt Bossling, Hans 1930/44 Landwirt Dietze 1896 Eggert, Paul 1906 Lehrer/Küster Franke, Herrmann 1931 Arbeiter Frevert 1935 Grabow, Richard 1881 Gastwirt Hansche, Friedrich 1856/80 Bauer - 136 -

Funktionen Gemeinderat

Gemeindevertreter Gemeindevertreter, Schulvorstand, Gemeindevertreter Schulvorstand, Gemeindevertreter Gemeindevertreter Schulvorstand Gemeindevertreter Gemeinderat Kirchenältester Schulinspektor


Die Chronik von Selchow 1242–2012

Hansche, Ferdinant 1880/88 Bauer Gemeindekirchenrat, Gemeindevertreter, Schulvorstand Hansche, Heinrich 1870 Gemeindevertreter Hansche, Wilhelm 1880/96 Bauer Schulvorstand Hansche, Hermann 1931 Bauer Gemeindevertreter Hahn, Wilhelm 1868/80 Büdner Schulvorstand, Gemeindevertreter Kämpfer, Herrmann 1931 Wachtmeister Schulvorstand Kiekebusch, Friedrich 1848 Kossäth Dorfschulze, Kirchenvorstand, Gemeindevertreter Kiekebusch, August 1852/1900 Bauer Dorfschulze, Schulvorstand, Gemeindevertreter Kitzing, August 1848 Kosäth Gemeindevertreter Kitzing, Ferdinant 1878 Kossäth Kitzing, August 1880/00 Kossäth Schulvorstand, Schöffe Kitzing, Karl 1889 Bauer Gerichtsmann, Schulvorstand Kitzing, Karl 1931 Schmied Gemeindevertreter Kitzing, W o. P 1935 Bauer Gemeinderat Kitzing, August 1880/88/00 Kossäth Schulvorstand, Schöffe Klewe, Karl 1931 Schmied Gemeindevertreter Krieg, Hermann 1896/00 Lehrer Gemeindevertreter Lehmann, Karl 1898 Gastwirt Schöffe, starb 1945 Krope, Ludwig 1844 Krüger Gemeindevertreter Krope, Karl 1889/00 Gastwirt Gemeindevertreter Labrenz, Max 1935 Maurer Gemeinderat Lobeth, Michael 1844/00 Bauer Gerichtsmann, Schulvorstand Lobeth, Wilhelm 1847 Bauer Gemeindevertreter, Kirchenvorstand, Schulze bis 1847 Gemeindevertreter / Schulvorstand / Kirchenvorstand bis 1945 Name, Vorname von/bis Stellung Funktionen Lobeth, Karl August 1870 Bauer Gemeindevertreter, Lobeth, Fräulein 1870 Gemeindevertretung Lobeth, Karl 1888/94 Bauer Gerichtsmann Lobeth II, Reinhold 1931 Bauer Gemeindevertreter Lobeth, Karl 1888/96 Bauer Gerichtsmann, K. L. II starb 1894 Mertens 1853 Weber Gemeindevertretung Mertens, August 1880 Büdner Schulvorstand Miers, Johannes 1854 Gärtner Pusch nach 1862 Schmiedemeister Gemeindevertreter Ramm, Reinhold 1926/31 Bauer Bürgermeister, Schulverbandsvorsitzender Ribbecke, August 1899 Bauer Schöffe Schramm, August 1868 Kossäth Gemeindevertreter Schramm, Franz 1889/00 Kossäth Schöffe, Gemeindevertreter Schramm, August 1900 Kossärh Gemeindevertreter Sauerwald, Gotthelf 1848 Bauer Gerichtsmann, Schulvorstand, Gemeindevertreter Sauerwald, Michael 1848 Gemeindevertreter Sauerwald, Wilhelm 1856/96/01 Kossäth Schulvorstand, Gerichtmann, Gemeindevorsteher 1899 Sauerwald, Karl 1856/80/00 Bauer Gerichtsmann, Schöffe Sauerwald, Wilhelm 1868/80 Gerichtsmann Sauerwald, Paul 1868 Bauer Gemeindevertreter Sauerwald, Gottfried 1870 Altsitzer Gemeindevertreter Sauerwald, Christoph 1856 Kossäth Gemeindevertreter - 137 -


Die Chronik von Selchow 1242–2012

Sauerwald, Christian 1878/80 Kossäth Sauerwald, Reinhold 1931/35 Landwirt Sauerwald, Paul 1868 Bauer Spiegel, Carl 1848 Bauer Spiegel, August 1856/00 Bauer Spiegel, Ludwig 1870/89 Kossäth Stechert, Friedrich 1876/98 Fleischermeister Stelldinger, Herrmann 1935 Schneidermeister Valentin, Max 1931 Maurer Voigt, Johann Wilhelm 1835 Bauer Wapler, Julius 1861 Prediger Wernitz, Max 1900 Mühlenmeister Walf, Gotthilf 1897/00 Wildenau, K.O. Ferdinant 1886/94 Pfarrer Zasrow, Wilhelm 1935 Druckrohrwächter Ziegenhirt 1852 Lehrer/Küster

Gemeindevertreter, (Kassenwart) Gemeinderat Gerichtsmann Ortschulvorstand, Schulze, Kirchenältester, Kirchenrat Kirchenvorstand, Gemeindevertreter Schulvorstand Gemeinderat, Amtsvors .1944 Gemeindevertreter Kirchenvorstand Local-Schulinspektor Gemeindevertreter Gemeindevertreter Kirchenrat, Schulinspektor Gemeinderat

Dorfschulze; Gemeindevorsteher, Bürgermeister, Ortsvorsteher 1646 Schulte Gürgen Barthold 1652 Schulte Peter Rahme aus Kleinziethen mit einem Knecht 1767 Johann Steffen vor 1847 Schulze Lobeth, 1847 verstorben vor 1848 bis 1852 Kiekebusch Friedrich, auch Kirchenvorstand 1852 bis 1870 Kiekebusch, August (Akte I A/A R.170, 2587; Geheimarchiv Berlin) 1870 wurde Kiekebusch als Dorfschulze im Kreisblatt erwähnt 1871/89 Kossäth Spiegel bis 1899 Kiekebusch ab 1899 Kossäth Wilhelm Sauerwald 1924 bis 1936 Ramm, Reinhold, Landwirt und Gemeindevorsteher 1937/38 Hans Bossling 1938 bis 1945 Reinhold Ramm, Amtsvorsteher, Bürgermeister und Ortspolizeibehörde Herr Stelldinger 27.4.1945 bis 1946 Erich Drobbe 1946 bis 22.2.1951 Paul Nugk 21.2.1951/53 Emil Karbe 1953 bis August 1953 Max Kornieczny August 1953 bis 1957 Helmut Gläser 2. März 1961 Wollschläger 1961 bis 1965 Horst Haufschildt 1965 – Jan. 1976 Rudolf Schilke ab Februar 1976/31.3.1984 Ingrid Ritter ab 1.4.1984 bis 15.1.1988 Gerlinde Schröder/Busse ab 16.1.1988 kommissarische Bürgermeisterin Ingrid Ritter Dez. 1988/April 1989 amt. Bürgermeister Müller 7. Mai 1989/Februar 91 Uwe Grünack März 1991/93 Sylvia Zimmerman 5.12.1993/2003 Lutz Ribbecke 2003 bis 2008 Dr. Udo Haase für die Gemeinde Schönefeld, OT Selchow 2003–2008 Lutz Ribbecke Ortsvorsteher für Selchow seit 2008 Alfred Mann, Ortvorsteher

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Die Chronik von Selchow 1242–2012

Nachtwächter in Selchow 1825 1890 1925

der Arbeiter Gottfried Knobba Robert Stephan Nachtwächter a .D. Rechenberg, Gotthelf, Dorfstr. 1 Nachtwächter im Amt, Stiebert, Otto, Dorfstraße 1

Quellen Akten der Archive Landesarchiv Berlin Rep o6, Stadtgüter Landeshauptarchiv Brandenburg, Akten Pr.Br.Rep 2 A; Regierung Potsdam, Nr. 1651 -1666 Rep 37 Königs Wusterhausen Archiv des Landesgeschichtlichen Vereins für die Mark Brandenburg Amtsblatt Regierung Potsdam 1811, 1822, 1823, 1831, 1838, 1860, 1879, 1881, 1882, 1884, 1889, 1895 Teltower Kreisblatt Teltower Zeitung Archiv der Gemeinde Schönefeld Archiv der Gemeinde Selchow bzw. des Ortsteiles Selchow der Gemeinde Schönefeld Archiv des VEG Waßmannsdorf Amtsgericht Potsdam Zeitschriften Heimatkalener KW und Dahmeland 1999, 2002, 2004, 2007, 2009, 2010 Schönefelder Gemeindeanzeiger ab 1993 bis 2011 Teltower Kreiskalender, Kopien von Herrn Klar bzw. Archiv des Vereins Teltower Kreiskalender, 1928 kirchliches Leben Die Mark Nr. 1917, 1924, 1932, 1940 Bücher Feuerwehr, von Rainer Crummert, 2002 Geschichte der Brandenburgischen Landtage, von Kurt Adamy und Kristina Hübener, 1998 Heimatgeschichte aus dem Teltow, Siegfried Wietstuk Auskünfte zu Personen: Das Kirchenbuch der Kirchengemeinde SELCHOW Akten, KW 37,DES Landeshauptarchiv Brandenburg

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Die Chronik von Selchow 1242–2012

Ein Spaziergang durch Selchow „Dorfstraße“

Nr. 1 unbewohnt, das Nachtwächterhaus Haus 2011 abgerissen

Nr. 2 ehemalige Schule und Kindergarten, von 1900

Nr. 2a ehemalige Wohnungen für Lehrer, erstes Schulgebäude von vor 1810

Nr. 2a vom Dorfplatz Blick zur Kirche

Nr. 2a Denkmal, 1. Weltkrieg

Nr. 3 Max Ribbecke

Nr. 4 Otto Kneuer

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Die Chronik von Selchow 1242–2012

evangelische Kirche 13. Jahrhundert

Nr. 22 Hertha Lobeth

Nr. 5 Max Valentin FA Jürgen Valentin

Nr. 7 FA Wolfgang Möhr, Erbaut 1865

Nr. 8 Arno Schindler

Nr. 8 Ausbau

Nr. 9 Frank Grabow

Nr. 10 Dorchen Lobeth und Werner Lobeth

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Die Chronik von Selchow 1242–2012

Nr. 13 Kurt Bossling Das Wohnhaus besteht seit 1761

Nr. 13 a Udo Bossling

Nr. 16 Gemeinde

Nr. 16 Gärtnerei Rudi Sauerwald

Nr. 18 Gemeinde

Nr. 17 Vera Westphal

Nr. 17 Dr. Krispin

Nr. 23 Annemarie Thoben

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Die Chronik von Selchow 1242–2012

Nr. 24 Dieter Hansche

Nr. 25 Eigentümer Elli Bossling,

Ein Spaziergang durch Selchow Bahnhofstraße / Rotberger Straße

Nr. 26 Tietzsch

Nr. 1 Regina Jacob / Gerda Labrenz

Nr. 2 Manfred Janke

Nr. 4 Norbert Hansche

Nr. 4a Alfred Mann

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Die Chronik von Selchow 1242–2012

Nr. 3 seit 1980 Lutz Ribbecke

zu Nr. 3 Nach Baumaßnahmen 1980 Feuerwehr Amt Schönefeld

Nr. 3 Nach Baumaßnahmen 1980 Zur Landschänke

Nr. 7 Klaus Drobbe

Nr. 8 Elfriede Lau / Silvia Zimmermann

Nr. 4b Edmund Labrenz

Nr. 5 Erhard Czichewitz und Karin geborene Nugk

Max Wernitz, Fam. Hoffmann, Fam. Schade

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Die Chronik von Selchow 1242–2012

Nr. 9a Erbaut : E. Selent

Gewerbegebiet von Mittenwalder Straße aus 1992

Nr. 10 Erbaut 1947 S. Friedrich A. Ribbecke jetzt F. Ribbecke

Nr. 11 erbaut 1937 H. Käding – Schmiedemeister jetzt M. Venz

Nr. 12 Erbaut 1932 Fam. Klewe

Nr. 2 Erbaut 1947/48 Ausbau M. Juritz

Nr. 13 M. Exner Stallung Ausbau 1978

Erbaut 1928 von Fam. Stippekohl

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Die Chronik von Selchow 1242–2012

D. Streich

Nr 14 Erbaut 1899/1900 ehemaliges Bahnhofsgebäude Bahnsteigseite

Nr. 9a Ewald Salmt

Heinz Schulz

Ein Spaziergang durch Selchow Mittenwalder Straße

Nr. 1 Karl – Heinz Stippekohl

Nr. 1a Albrecht

Nr. 2 Ingo Kinscher

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Die Chronik von Selchow 1242–2012

Friedhof

Nr. 3 Dieter Stelldinger

Nr. 4 Otter

Nr. 5 Bernd Schulze

Nr. 6 Hardy Reinke und Frau Annerose geborene Mette

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Die Chronik von Selchow 1242–2012

Erbaut 1947/48 Fam. Schwinke jetzt Fam. Mertins

Erbaut 1947/48 von W. Lüdtke jetzt M. Schulz

Röthepfuhl

Erbaut 1947 von P. Waldow jetzt B. Burghardt

Gelbsandweg

Nr. 11 Magrit Venz erbaut 1937

Nr. 10 Frank Ribbecke

Eingang Mastanlage

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Die Chronik von Selchow 1242–2012

Panorama Dorfplatz

Mastanlage

Erbaut 1947/48 von E. Krüger jetzt H. Müller

Ein Spaziergang durch Selchow Mittenwalder Straße

Wirtschaftsgebäude Stadtgut

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Die Chronik von Selchow 1242–2012

Dorfplatz Bushaltestelle Richtung Schönefeld

Nr. 3a Hans Schwadtke

Nr 4 und 5 Zum Stadtgut

Nr. 6a Erich Müller

Nr. 5a Zum Stadtgut

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Die Chronik von Selchow 1242–2012

Zum Stadtgut

Zum Stadtgut Wirtschaftsgebäude Giebelseite

Zum Stadtgut Wirtschaftsgebäude erbaut 1816

Nr. 8a Torsten Apel

Nr. 7 Zum Stadtgut

Nr. 11a Wohnhaus des Stadtgut

Nr. 11 Wohnhaus vom Stadtgut

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Die Chronik von Selchow 1242–2012

Nr. 12 Hans Pawlowski

Nr. 12a Mario

Nr. 2 ehemaliges Pfarrhaus

Nr. 13 Gerhard Arlt (Doris Maencke)

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Die Chronik von Selchow 1242–2012

Ein Spaziergang durch Selchow Stadtgut

Wohnungen Ledigenheim und Durchgang zum Gutshaus

Nr. 1 Herrenhaus „Dornröschen“

Wirtschaftsgebäude und alter Speicher

Schornstein von ehemaliger Gärtnerei

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Impressum Verfasser: Sigrid Weise

Herausgeber: Gemeinde Schรถnefeld Hans-Grade-Allee 11 12529 Schรถnefeld

Gesamtherstellung: ELRO Verlagsgesellschaft mbH Eichenallee 8 15711 Kรถnigs Wusterhausen www.elro-verlag.de

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