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Alle im gleichen Boot


Alle im gleichen Boot Ein Konzept von Elias-Kilian Schmidt


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Heute


Momentane Situation Wer will denn heute noch alt werden? – Wahrscheinlich die Wenigsten. Dies ist ein Problem, da unsere Gesellschaft, bedingt durch den demographischen Wandel, altert. Heute geht es in Deutschland um Leistung. Wer etwas schafft, ist Jemand. Wer nichts schafft, ist Niemand. Was aber, wenn die Kräfte nachlassen, der Körper oder der Geist nicht mehr so will, wie wir es gerne hätten? Man sollte schnell sein, Kraft haben und zu jeder Zeit vollkommen funktionieren. Leider schafft dies der Körper im fortgeschrittenen Alter oder auf Grund von körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen nicht mehr. Der Nutzen für die Gemeinschaft lässt nach und man wird an den Rand der Gesellschaft gedrängt – ist vielleicht auf sich alleine gestellt. Ein Vorteil der älteren Generation liegt in der Erfahrung. Ein Pool von Wissen ist im Leben entstanden, welches im Austausch mit Jüngeren tolle Symbiosen hervorrufen kann. Erfahrungswerte und Wissen werden immer seltener an die nächsten Generationen weitergegeben. Die Vor- und Nachteile der jeweiligen Altersgruppen ergänzen sich kaum, da die Gruppen räumlich und emotional voneinander abgegrenzt leben. Folgen der geringen Wertschätzung von älteren Generationen sind Altersarmut, die Anonymität der Senioren, sowie ein kurzer durchschnittlicher

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Aufenthalt im Pflegeheim. Andere Auswirkungen sind der weiter zerbröckelnde Generationenzusammenhalt, das Aussterben der ländlichen Regionen und Verantwortungslosigkeit. Durch die genannte Entwicklung kann man beobachten, dass jüngere Generationen sich davor scheuen, alt zu werden. Es gibt viele „Mittelchen“, die Falten lindern, um uns jünger aussehen zu lassen. Dabei werden jedoch nur Symptome bekämpft, um der grundlegenden Ursache des Alterns zu entfliehen. Was müsste geschehen, um wieder in Würde und ohne den permanent unglücklich machenden Wunsch, „wieder jung zu sein“, altern zu können? Was tun, um sich nicht gegen die Natur des Alterns stellen zu müssen? Ich bin mir sicher, dass Strukturen gefunden werden können, um ein generationsübergreifendes Gemeinschaftsleben zu erschaffen. Dieses Buch beinhaltet eine Analyse des gesellschaftlichen Ist-Zustands und gibt einen Ausblick für die Zukunft in Form des Schiff-Konzepts. Mein Konzept beschreibt, wie ein generationsübergreifendes Gemeinschaftsgefühl auf einem Schiff gelebt werden kann. Die räumliche Gestaltung ist auf die Gäste angepasst.

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Wie möchtest du im Alter leben? Bei der folgenden Befragung wollte ich herausfinden, wie sich die Menschen ein Leben im Alter vorstellen. Die Frage war: „Wie möchtest du im Alter leben?“. Die Wünsche konnten anonym auf Zetteln notiert werden. Die nachfolgenden Seiten zeigen einen Querschnitt der Meinungen.

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52-J채hrige, Stadtb채cker Halle (Saale) 2013

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28-Jähriger, Café & Bar Czech Halle (Saale) 2013

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28-Jähriger, Café Noir Halle (Saale) 2013

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30-Jähriger, Café Noir Halle (Saale) 2013

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29-Jährige, Pub „The Connoisseur“ Halle (Saale) 2013

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23-Jährige, Café Noir Halle (Saale) 2013

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67-J채hriger, Dart-Pub Halle (Saale) 2013

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26-Jährige, Café & Bar Czech Halle (Saale) 2013

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30-Jähriger, Pub „The Connoisseur“ Halle (Saale) 2013

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26-Jähriger, Café & Bar Czech Halle (Saale) 2013

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15-Jährige, Mc Donald’s Halle (Saale) 2013

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14-Jähriger, Mc Donald’s Halle (Saale) 2013

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23-Jährige, Café Noir Halle (Saale) 2013

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32-Jähriger, Mc Donald’s Halle (Saale) 2013

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Morgen


Wie könnte es sein? Im Teil „Heute“ bin ich auf die derzeitigen gesellschaftlichen Probleme des Alterns eingegangen. In meinem Konzept beschreibe ich nun, wie ein generationsübergreifendes Gemeinschaftsgefühl auf einem Schiff gelebt werden kann. Ich gebe einen Ausblick auf die Zukunft – auf das „Morgen“. Dabei steht das Vertrauen, das im Konzept den Gästen des Schiffes entgegengebracht wird, im Vordergrund. Durch Vertrauen können die eigenen Potentiale wieder entdeckt und entfaltet werden. Die umgebende Natur, die Gestalt des Schiffes und die auf Vertrauen basierenden Rahmenbedingung können ein gemeinschaftliches Leben entstehen lassen, in dem sich alle Generationen symbiotisch unterstützen. Das Alter ist ein Teil von uns selbst und unserer Gesellschaft – „Wir sitzen alle im gleichen Boot“.

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Warum ein Schiff? 1. Ein Schiff, umgeben von Wasser, grenzt einen Lebensraum klar ab. Alle darauf befindlichen Personen gehen damit die Entscheidung einer räumlichen Abgegrenztheit ein. So entsteht eine Gemeinschaft, die sich mit dem jeweiligen Gegenüber konfrontiert. 2. Die Gäste des Schiffes sind im Vergleich zu Bewohnern auf dem Festland einer sich stetig verändernden Reizwelt ausgesetzt, welche Emotionen hervorruft (Wasser, Luft, Gerüche, etc.). Diese Emotionen wie Ruhe, Entspannung, Freude, Vertrauen oder das Gefühl, aufgehoben zu sein, sind der „Dünger“ für das Wachstum neuer Verbindungen im Gehirn; also der Grund dafür, etwas neues zu Lernen. Erlebnisse sollen „unter die Haut gehen“. Ein Schiff bietet hierfür ein geeignetes Umfeld.  3. Ein Schiff bietet einen klaren Kontrast zum Haus (z.B. Altersheim, Pflegeheim) und steigert durch seine Besonderheit die Aufmerksamkeit. Somit unterscheidet es sich klar von bisherigen Mehrgenerationenprojekten und bietet durch sein Alleinstellungsmerkmal ein großes Potential, als Symbol für eine neue Mehrgenerationengesellschaft zu gelten.

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Eine tolle Reise Eine Reiselänge von fünf Tagen bietet den Gästen die Möglichkeit, Neues zu erleben. Berufstätigen oder Schülern ergibt sich hieraus kein Nachteil. Die tägliche Fahrzeit beträgt acht Stunden, somit werden während der Reise auf Deutschlands Binnengewässern 400 km zurückgelegt. Jeder Anlegeplatz bietet Besonderheiten, welche für genügend Abwechslung auf der Reise sorgen. Der große Grundsatz der Reise heißt Vertrauen. Dementsprechend ist das Schiff nur mit dem Wesentlichen ausgestattet und bietet als „Hülle“ die Möglichkeit, es mit allem Eigenen zu füllen. So wird jedem Gast empfohlen, persönliche Gegenstände mit auf das Schiff zu nehmen, um sich eine angenehme Atmosphäre zu schaffen. Im Mittelpunkt steht der Mensch. Um die Gegebenheiten auf dem Schiff kennenzulernen, findet vor der eigentlichen Reise ein Treffen statt. So kann jeder abschätzen, auf was er sich einlässt.

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Was für ein Schiff! Das Leben auf dem Schiff spielt sich auf einer Ebene ab, um für alle ein barrierefreies Beisammensein zu ermöglichen. Das Schiff ist in einen gemeinschaftlichen und einen kleineren persönlichen Teil gegliedert. Der persönliche Raum befindet sich im ruhigen Heck des Schiffes und dient als Schlaf- und Ruheort. Dieser Bereich ist modular gestaltet und kann an die Bedürfnisse der Gäste angepasst werden. Im Bug befindet sich der Gemeinschaftsraum. Zur Verfügung stehen ein großer Tisch für Essen und sonstige Gruppenaktivitäten, eine Lounge für gemütliche Zusammenkünfte und eine Küchenzeile. Des Weiteren befinden sich im Heck die Badezimmer, die, wie der Rest der Räume und Möbel, barrierefrei gestaltet sind. Große Glasfenster im Gemeinschaftsraum verbinden den Innenraum mit der Natur.

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Badezimmer

Schlafbereich

Lounge

Tisch

KĂźchenzeile

rundum begehbarer AuĂ&#x;enbereich


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Die Gäste Die räumliche Gestaltung wurde einer Gruppengröße von zehn Personen angepasst – neun Gäste und ein Kapitän. Dieser ist neben der Beförderungstätigkeit für Notfälle geschult und kann somit die notwendigen Maßnahmen in die Wege leiten. Das Schiff soll Menschen aus verschiedenen Generationen zusammenbringen. Es soll einen Austausch ermöglichen und Symbiosen sowie zwischenmenschliche Beziehungen fördern. Deshalb wird darauf geachtet, dass der Altersunterschied der Gäste so groß wie möglich ist. Eine Unterscheidung von alt und jung wird hier nicht vorgenommen. Um den Menschen, die im Alltag Pflege benötigen, die Erfahrung dieser Reise zu ermöglichen, sind Sie mit ihren Pflegeassistenten als Gäste des Schiffes willkommen. Auf den folgenden Seiten wird dargestellt, wie sich das Leben auf dem Schiff gestalten könnte.

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Danke.


„Alle im gleichen Boot“ Sommersemester 2013 Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle Prof. Frithjof Meinel, Dipl.-Des. Stephan Schulz Ein Konzept von Elias-Kilian Schmidt © 2013 Elias-Kilian Schmidt Text u. Illustrationen: E.-K. Schmidt Illustration Handschrift: Maika Butter Lektorat: Stefanie Kretschmer, Florian Endres Vielen Dank an Herrn Fledder und Herrn Hoogeveen von „The Chesterfield Brand“ für das Messesponsoring Kontakt: www.chesterfieldshowroom.com



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