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planet erde aufgebraucht ?!

Ăœber den Umgang mit unseren Ressourcen


edi torial Wir leben in einer ökologisch begrenzten Welt mit steigendem Ressourcenverbrauch. Nach Berechnungen des »Global Footprint Network« übernutzte die Menschheit die Biokapazität des Planeten im Jahr 2006 bereits um 44 Prozent. Dieses Phänomen nennt sich »Overshoot«. Wir verbrauchen die biologische Grundlage unseres Lebens deutlich schneller als sie erneuert werden kann. Kurz: Wir leben über unsere Verhältnisse. Nach den Vorhersagen der UNO wird die Zahl der Menschen von aktuell rund sieben Milliarden bis zum Jahr 2050 auf voraussichtlich neun Milliarden anwachsen. Im Jahr 2100 werden sogar 10,9 Milliarden Menschen auf unserem Planeten leben. Der Druck auf die Natur verdreifacht sich und wir werden hart dafür arbeiten müssen, unseren Lebensstandard halten zu können. Ob Fischbestände, Regenwälder oder fossile Energieträger – nichts ist uns unendlich. Viele Ökosysteme des Planeten sind überlastet oder geschwächt. Wie können wir unsere Lebensqualität beibehalten, ohne in eine ernsthafte Ressourcenkrise zu geraten? Jeder weiß heutzutage, dass wir auf einem begrenzten Planeten leben. Es fällt uns aber schwer diese Grenzen anzuerkennen. Aber warum nur? In anderen Bereichen akzeptieren wir sie doch auch. Nur nicht beim Energieverbrauch, beim Reisen, beim Konsum. Allgemein tun wir so, als hätten wir noch ein paar Planeten im Kofferraum, als gäbe es sie nicht, die »Grenzen des Wachstums«. Ich möchte darauf hinweisen unsere Welt, unseren Planeten mit seinen überaus vielfältigen, natürlichen und bewunderungswürdigen Regelwerken besser zu verstehen, und wie tief wir darin eingreifen dürfen. Jeder von uns kann im Kleinen dazu beitragen, die Welt zu verbessern, indem er einen bewussten Umgang mit der Natur pflegt. Wir können den Einsatz von Ressourcen minimieren, wenn wir lernen nicht mehr so sehr verschwenderisch damit umzugehen und unser gewohntes Konsumniveau zu reduzieren. Wenn wir so weitermachen, wie bisher, dann wird der Bedarf an natürlichen Ressourcen wie Holz, Wasser, Nahrungsmitteln wie z. B. Fleisch in Zukunft so sehr in die Höhe schießen, dass die Bestände nicht mehr nachhaltig erneuert werden können. In diesem Buch deuten die wichtigsten Indikatoren darauf hin, dass die Erde untragbaren Belastungen ausgesetzt ist.

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Ich werde anhand von Statistiken, Schaubildern und Grafiken über globale Ökosysteme, Artenvielfalt, CO2-Emissionen, Waldbestände, Wasserverbrauch, Urbanisierung, Konflikte und vieles mehr darstellen, wie wir die irdischen Ressourcen aufbrauchen. Das gibt uns eine Vorstellung von unserem Umgang mit der Erde und warum sich ihr Gesundheitszustand immer weiter verschlechtert. Ich möchte eine neue Wahrnehmung und Sichtweisen eröffnen. Ich möchte Hoffnung geben, dass wir etwas gegen den »Overshoot« tun können. Vielleicht wird es uns sogar irgendwann gelingen, weit unterhalb der biologischen Kapazität zu leben. Dann sehen wir, dass das nicht nur stabiler und sicherer, sondern auch viel befriedigender für uns ist. Ich wünsche viel Spaß mit meiner Bachelorarbeit. Elena Herberger


CO2


I. menschheit 13 14 15 16

Overshoot Weltbevölkerung Ökologischer Fußabdruck Urbanisierung

II. rohstoffe 30 31 33 34

Fossile Energieträger Metalle und Gesteine Waldbestand Baumwollanbau

III. natur 48 50 51 52

Globale Ökosysteme Biotope Artenvielfalt Umweltverschmutzung 

IV. energie 66 68 69 70

Elektrizität Erneuerbare Energien Verkehr Tourismus

V. nahrung 85 86 87 88

Wasserverbrauch Fischerzeugnisse Fleischkonsum Landverbrauch

VI. klima 102 103 105 106

CO2-Emissionen Ozeane Konflikte Katastrophen

VII. auswege 120 122 125 126

Nachhaltigkeit Naturkapital Konsumverhalten Gutes Leben


8


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I menschheit Overshoot ∙ Weltbevölkerung Ökologischer FuSSabdruck ∙ Urbanisierung


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I menschheit Overshoot ∙ Weltbevölkerung Ökologischer FuSSabdruck ∙ Urbanisierung

Die Menschheit lebt heute so, als ob sie einen Ersatzplaneten zur Verfügung hätte. Wir verbrauchen im Moment 50 Prozent mehr Ressourcen, als die Erde bereithält und stellen sie damit auf eine harte Belastungsprobe. Der Naturverbrauch wird weiterhin steigen, bis im Jahr 2030 auch zwei Planeten nicht mehr ausreichen werden, um unseren Ressourcenhunger zu stillen. Denn die Zahl der Weltbevölkerung steigt an und dies hat entscheidende Auswirkungen auf die Größe

des menschlichen Fußabdrucks. Im Zusammenhang mit dem Einfluss der Weltbevölkerung ist festzustellen, dass der Anteil der Stadtbevölkerung in einem rasanten Tempo wächst. Wenn wir den Kurs nicht ändern, wird das bedrohliche Folgen haben.


» Eine Erde reicht nicht aus. « Club of Rome


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Overshoot

Schon jetzt benötigt die Menschheit 1,5 Planeten, hat aber bekanntlich nur einen. Wenn alle auf der Erde so leben würden wie wir in Deutschland, dann wären 2,6 Planeten notwendig. Würden alle den Lebensstil der US-Amerikaner kopieren, dann bräuchten wir sogar drei weitere Planeten. In Deutschland liegt bereits seit Jahrzehnten unser Verbrauch um ein Mehrfaches über dem, was uns an Biokapazität zur Verfügung gestellt wird. So hätten wir 1961 bereits für unseren Konsum circa zwei Planeten gebraucht. Seit den 1970er Jahren und jedes Jahr aufs Neue übersteigt der menschliche Hunger nach natürlichen Ressourcen das, was die Erde in einem Jahr erneuern kann. Diese ökologische Belastung ist im Laufe der Jahre weiter angestiegen und hat seit 2008 ein Defizit von 50 Prozent erreicht. Somit würde es 1,5 Jahre dauern, bis die Erde die vom Menschen im Jahr 2007 verbrauchten erneuerbaren Ressourcen regeneriert und das ausgestoßene CO2 absorbiert hätte. Wie ist es möglich, dass die Menschheit die Kapazität von 1,5 Planeten in Anspruch nimmt, obwohl sie doch nur über eine Erde verfügt? So einfach wie es ist Geld vom Konto abzuheben, bevor es Zinsen abwirft. So leicht ist es, erneuerbare Ressourcen abzuschöpfen bevor sie sich wieder erneuert haben. Das funktioniert so, wie bei der Überziehung eines Bankkontos, nur für begrenzte Zeit, da die Ressourcen eines Tages aufgebraucht

sind. Heute ist der Mensch in derartigen Fällen noch in der Lage, auf alternative Quellen auszuweichen. Aber bei den Verbrauchsmengen von heute werden auch andere Quellen eines Tages erschöpft sein. Einige Ökosysteme werden kollabieren, noch bevor die jeweilige Ressource vollständig aufgebraucht ist. Die Folgen werden schon deutlich. Unsere Vegetation kann nur noch einen Teil der Treibhausgase absorbieren. Die zunehmende Konzentration von CO2 in der Atmosphäre führt zur globalen Erwärmung, zum Klimawandel und zu einer Versauerung der Meere. Dadurch geraten Biodiversität und für uns lebensnotwendige Ökosysteme, immer mehr unter Druck.


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Weltbevölkerung

Die Weltbevölkerung wird von heute fast 7,2 Milliarden Menschen bis zum Jahr 2050 auf voraussichtlich 9,6 Milliarden Menschen wachsen. Im Jahr 2100 würden dann 10,9 Milliarden Menschen auf der Erde leben. Mit dieser Prognose korrigierten die Vereinten Nationen in einer von der »Deutsche Stiftung Weltbevölkerung« vorgelegten Rechnung ihre Vorhersagen aus dem Jahr 2011 um rund 250 Millionen Menschen nach oben. Strategien gegen das Bevölkerungswachstum gibt es viele – doch keine scheint bisher richtig anzuschlagen. Tatsächlich sinken die Fruchtbarkeitsraten weniger stark, als noch vor zwei Jahren angenommen. Gleichzeitig bedroht der Klimawandel die globale Nahrungsmittelproduktion. Das Wachstum der Bevölkerung in der Zukunft findet demnach fast ausschließlich in den Entwicklungsländern statt. Dort wächst sie am schnellsten an. In Afrika werde sich die Bevölkerung von heute 1,1 Milliarden auf voraussichtlich knapp 4,2 Milliarden Menschen im Jahr 2100 vervierfachen. Mit einer steigenden Weltbevölkerung werden sich Hunger und Armut verschärfen, aber auch globale Klima- und Umweltprobleme sowie begrenzte Rohstoffreserven werden zu schweren Kämpfen führen. Während in Europa, Asien und Nordamerika die Bevölkerung nach weltweiten Maßstäben in Saus und Braus lebt, hat ungefähr jeder sechste Mensch

nicht einmal mehr Zugang zu sauberem Wasser. Sollten sich mehr als sieben Milliarden Menschen einem solchen Lebensstil wie dem in den reichen Industriestaaten nähern, wird mehr als eine zweite Erde gebraucht. Wir benötigen dementsprechend eine Kehrtwende beim Verfolgen am Wirtschaftswachstum und eine Konzentration auf einen möglichst geringen Rohstoffund Energieverbrauch. Um den heutigen Lebensstandard zu halten, kann dies nur mit Hilfe der erneuerbaren Energien sowie einem möglichst geschlossenen Recyclingkreislauf funktionieren. Mit Rücksicht auf die Milliarden Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern, die ebenfalls eine Verbesserung ihres Lebensstandards anstreben, müssen Energie und Rohstoffe auch hier möglichst effizient genutzt werden.


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Ökologischer fuSSabdruck

Unter dem »ökologischen Fußabdruck« wird die Fläche auf der Erde verstanden, die notwendig ist, um den Lebensstil und Lebensstandard eines Menschen dauerhaft zu ermöglichen. Das schließt Flächen ein, die zur Produktion seiner Kleider und Nahrung oder für die Bereitstellung von Energie, aber auch zur Entsorgung oder Recycling des von ihm erzeugten Mülls oder zum Binden des durch seine Aktivitäten freigesetzten Kohlendioxids benötigt werden. Dein ökologischer Fußabdruck sagt dir, wie groß die Fläche ist, die du zum Leben brauchst. Der ökologische Fußabdruck zeigt einen anhaltenden Trend übermäßigen Verbrauchs. Im Jahr 2008 überstieg er die Biokapazität der Erde, also die Landfläche, die für die Erzeugung von erneuerbaren Ressourcen und den Abbau von CO2-Emissionen tatsächlich bereitsteht. Der Kohlenstoff-Fußabdruck stellt einen beträchtlichen Einflussfaktor des ökologischen »Overshoots« dar. Auf globaler Ebene sind seit 1961 sowohl die Bevölkerung als auch der durchschnittliche pro-Kopf Fußabdruck gewachsen. Der relative Beitrag, den die beiden Faktoren zum Anstieg des gesamten Fußabdrucks leisten, ist in den einzelnen Regionen der Welt jedoch unterschiedlich. Die größten Anstiege des pro-Kopf Fußabdrucks verzeichneten die Europäische Union und der Nahe Osten/Zentralasien. Trotz einer geringen Zunahme

hat Nordamerika im selben Zeitraum den größten regionalen Fußabdruck verursacht. Im asiatischen Raum vergrößerte sich der Fußabdruck, während die Bevölkerung von 2,6 Milliarden Menschen im Jahr 1961 auf 6,9 Milliarden im Jahr 2010 anstieg. In Afrika führte das rasche Bevölkerungswachstum zu einem bedeutend größeren Gesamtfußabdruck, der mehr als das Dreifache des Wertes von 1961 ausmacht. Summarisch ist der ökologische Fußabdruck also ein Maß dafür, wie sich das Verhalten eines durchschnittlichen Bewohners einer Region auf die Umwelt auswirkt. Da wir keine zwei Erden haben, müssen wir unseren ökologischen Fußabdruck verkleinern!


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Urbanisierung

Seit dem Jahr 2006 leben zum ersten Mal in der Geschichte mehr Menschen in der Stadt als auf dem Land. Heute lebt 55 Prozent der Weltbevölkerung in Städten. Dieser Anteil wird weiter ansteigen. Die UNO schätzt, dass die 60 Prozent Marke schon im Jahr 2020 überschritten sein wird und dass Mitte des 21. Jahrhunderts 75 Prozent der Erdbewohner Städter sind. Dieser Trend hält an: Selbst in hoch entwickelten Ländern wie Deutschland ist die Landflucht ungebrochen. Mit wenigen Ausnahmen verlieren die ländlichen Regionen Europas ständig Bewohner. Die Urbanisierung wird insbesondere in Asien und Afrika immer rascher voranschreiten. Diese Verstädterung geht normalerweise Hand in Hand mit einer Erhöhung des Einkommens, was wiederum zu einem größeren Konsum führt. Der ökologische Fußabdruck eines Bewohners von Peking ist fast dreimal so groß wie der pro-Kopf Durchschnitt der chinesischen Bevölkerung. Global gesehen sind die Stadtbewohner bereits heute für über 70 Prozent der CO2-Emissionen durch fossile Brennstoffe ver-antwortlich. Gut organisierte Städte können ihre direkten Kohlenstoffemissionen jedoch durch die optimale Bewirtschaftung eines dichten und gut verfügbaren öffentlichen Verkehrsnetzes reduzieren. Die pro-Kopf Emissionen in New York City z. B. sind um 30 Prozent geringer als die Vereinigten Staaten.

Prognosen zufolge wird die Stadtbevölkerung weltweit bis zum Jahr 2050 auf 6 Milliarden ansteigen, sich also fast verdoppeln. In den nächsten drei Jahrzehnten werden weltweit 350 Billionen US-Dollar für städtische Infrastrukturen und deren Nutzung ausgegeben. Wenn diese Investitionen nach den herkömlichen Methoden erfolgen, wird das Städtewachstum in nur 30 Jahren mehr als die Hälfte des für die nächsten 90 Jahre verfügbaren Kohlenstoffbudgets der Menschheit verschlingen. Durch den Zuzug in die Städte kommt es zum Bau neuer Häuser, Straßen und Versorgungseinrichtuggen. Letztendlich dehnen sich die Städte immer weiter aus und verbrauchen Flächen der sie umgebenden »freien Natur«.


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weltbevรถlkerung

Entwicklung der weltbevรถlkerung von 1950 bis 2100 (in Milliarden)

1950 2,53 Mrd.

1980 4,45 Mrd.

2010 6,9 Mrd.


2030 8,32 Mrd.

2050 9,60 Mrd.

2100 10,90 Mrd.

Quelle: United Nations, Population Reference Bureau


overshoot

nachhaltigkeit und raubbau am planeten im jahr 2010 (in Quadratkilometer)

Welt

510.000.000 km² 1,5 Planeten

Gesamtfläche verschiedener Länder ökologische Überbeanspruchung

+


China

9.571.302 km² 2,5 Länder

Frankreich

668.763 km² 1,6 Länder

Indien 3.287.469 km² 1,8 Länder

U.S.A.

9.629.091 km² 1,9 Fläche

Ägypten

1.001.449 km² 2,4 Länder

Italien

Schweiz

301.338 km² 4,0 Länder

41.285 km² 4,2 Länder

Qatar

11.606 km² 5,7 Länder

+ + + + + + + + Quelle: Earth Overshoot Day


ökologischer fuSSabdruck

globale verteilung des fuSSabdrucks im jahr 2008 (in Prozent)

450%

70%

150%

0 – 99 100 – 199 200 – 299 < 300 keine Daten


270%

280%

40%

330%

Quelle: Global Footprint Network


urbanisierung

die gröSSten städte weltweit im jahr 2010 und prognose für 2025 (in Millionen)

Städte Weltweit 75 % +25 %

2010 2025


Tokio Japan 37,2 Mio. +1,5 Mio.

Neu-Delhi Indien 22,7 Mio. +10,2 Mio.

Mexiko Stadt Mexiko 20,4 Mio. +4,0 Mio.

New York USA 20,5 Mio. +3,2 Mio.

Shanghai China 20,2 Mio. +8,2 Mio.

Sao Paulo Brasilien 19,9 Mio. +3,3 Mio.

Mumbai Indien 19,7 Mio. +6,9 Mio.

Dhaka Bangladesch 15,4 Mio. +7,5 Mio.

Karatschi Pakistan 14,4 Mio. +4,3 Mio.

Buenos Aires Argentinien 13,5 Mio. +2,5 Mio.

Quelle: Vereinte Nationen, World Urbanization


II Rohstoffe Fossile Energieträger ∙ Metalle und Gesteine Waldbestand ∙ Baumwollanbau


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II Rohstoffe Fossile Energieträger ∙ Metalle und Gesteine Waldbestand ∙ Baumwollanbau

Der weltweite Rohstoffverbrauch der vergangenen Jahrhunderte und die damit verbundenen Umweltfolgen überschreiten schon heute die langfristige Kapazität des Ökosystems. Rohstoffe bilden unsere Grundlage für alles Wirtschaften auf der Erde. Der Natur werden fossile Energieträger, Mineralien und metallische Erze entnommen, von der Wirtschaft in Güter verwandelt und schließlich als Abfall wieder in die Natur zurückgegeben. Auch die Gewinnung von Agrarrohstoffen wie Holzkohle und Baumwolle

steigt seit Jahren kontinuierlich an und hat in den letzten Jahren neue Rekordwerte erreicht. Dieser Materialfluss ist Bestandteil der Gesellschaft. Wir können und wollen nicht mehr darauf verzichten. Aber wenn wir so weiter leben wie bisher sind die Rohstoffe irgendwann ganz aufgebraucht.


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Fossile Energieträger

Das Ende des Erdöls kommt auf uns zu. Nicht abrupt, aber unaufhaltsam. Die Menschheit ist für den Ausstieg nicht gewappnet. Es wird auch in hundert, ja sogar in tausend Jahren noch Erdöl geben. Aber der begehrte Rohstoff wird dann nicht mehr so üppig aus dem Boden strömen, dass man täglich 86 Millionen Fässer damit füllen kann wie heute. In hundert oder in tausend Jahren wird Erdöl ein kostbares Gut sein. Auf die Idee, Erdöl in Motoren und Heizungen zu verbrennen, wird dann niemand mehr kommen. Wenn Ölquellen aufhören zu fließen und das die Treibstoffpreise explodieren lassen, wird Benzin ein Luxusgut werden. Anhänger einer skurrilen Theorie behaupten, dass permanent Erdöl im Inneren der Erde entstehen würde. Doch Erdöl ist eine begrenzte Ressource – das beweist der Stand der Wissenschaft, die sagt: Erdöl ist der Millionen Jahre alte Überrest vermoderter Pflanzen und Tiere aus früheren Zeitaltern. Die Menschheit verbraucht derzeit jedes Jahr so viel davon, wie in einer Million Jahre der Erdgeschichte entstanden ist. In wenigen Generationen werden vielleicht unsere Nachfahren aus Geschichtsbüchern von jener irren Epoche erfahren, in der die Menschen zehn Liter Erdöl verbrannten, um von München zum Chiemsee zu gelangen. Die große Frage ist, ob wir den Übergang in ein neues

Energiezeitalter ohne massive Einbußen und Konflikte schaffen wird. Obwohl das viele Industrievertreter gerne hätten, sollte die Antwort darauf nicht erst in einigen Jahrzehnten gesucht werden. Denn nicht der oft zitierte letzte Tropfen Erdöl wird den Übergang in eine neue Epoche der Menschheitsgeschichte markieren, sondern bereits der Moment, an dem die Erde weniger Öl hergibt, als verbraucht wird. Wenn die Ausbeute des Öls sinkt, nennt man das »peak oil«. Dieser Ausdruck bezeichnet den physikalischen Gipfel der Ölförderung, vergleichbar mit einem Wasserhahn, der nichts mehr hergibt, egal wie weit man ihn aufdreht. Womöglich haben wir das absolute Maximum der weltweiten Ölförderung sogar schon erreicht. Der Welt wird dann das bevorstehen, was viele der Erdöl fördernden Staaten bereits hinter sich haben. Die USA zum Beispiel haben den Höhepunkt der Ölförderung im Jahr 1970 erreicht. Seither ist die Ausbeute gesunken. In Texas, wo in den 1950er Jahren das Erdöl fast von selbst aus dem Boden quoll, braucht es heute die Energie von 17 Litern Erdöl, um 100 Liter aus den erschöpften Feldern zu pressen. Auch viele Länder, die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts von üppigen Ölexporten profitierten, haben ihr Maximum überschritten und somit den peak oil längst erreicht!


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Metalle und Gesteine 

Der Rohstoffverbrauch spiegelt den Anstieg der Produktion wieder. Ein guter Maßstab sind Eisen und Stahl, die für Gebäude, Schiffe, Autos, Maschinen, Haushaltsgeräte und viele andere Güter gebraucht werden. Mit der Industrialisierung stieg die Stahlund Eisenproduktion. Die Produktion von Kupfer, ein Schlüsselmetall für die Elektrotechnik, stieg von 120.000 Tonnen in den 1880er Jahren auf 150.100 Millionen Tonnen im Jahr 2005. Aluminium, dessen Produktion erst Ende des 19. Jahrhunderts begann, stieg von 223 Tonnen im Jahr 1895 auf 31,9 Millionen Tonnen im Jahr 2005. In der Summe betrug der globale Ressourcenverbrauch im Jahr 2009 etwa 60 Milliarden Tonnen – im Jahr 2030 könnten es 100 Milliarden Tonnen sein. Die Jäger und Sammler hatten einen Verbrauch von etwa einer Tonne natürlicher Rohstoffe pro Kopf und Jahr, der Einwohner eines Industrielandes verbraucht heute zwischen 15 und 35 Tonnen im Jahr. Diese Rohstoffnutzung ist eine massive Umgestaltung natürlicher Kreisläufe. Mit unserer Technik bewegen wir ein Mehrfaches der Masse, die von den natürlichen Kräften bewegt wird. Dies hat Konsequenzen für die Umwelt. Die Rohstoffgewinnung trägt über ihren Energieverbrauch auch zum Klimawandel bei. Die Begehrlichkeiten am Öl, dem »schwarzen Gold«, waren schon oft zumindest ein Grund, warum es zu Kriegen kam.

Weniger bekannt sind andere Kriege um Rohstoffe. Selbst um Metalle, die für Handys und Computer unentbehrlich sind, wird heute erbittert gekämpft. Der Bedarf an Rohstoffen ist hoch wie nie – vor allem die High-Tech-Industrie hat einen enormen Bedarf. Seltene Metalle und seltene Gesteine spielen für viele Zukunftstechnologien eine entscheidende Rolle. Gold, Diamanten, Kupfer und das speziell für die Handproduktion wichtige Erz Coltan wird immer unentbehrlicher für uns.: Diese Bodenschätze finden sich in großen Mengen in Zentralafrika. Dieser Ressourcenreichtum steht im scharfen Kontrast zur Armut der Bevölkerung. Viele Rohstoffe kommen in den ärmsten Ländern der Erde vor. Oftmals hat der Abbau dieser Rohstoffe aber nicht zu einer nachhaltigen Entwicklung geführt, sondern die Lebensbedingungen sogar noch verschlechtert. Das liegt daran, dass reiche Eliten gut von den Einnahmen leben und an die arbeitende Bevölkerung wenig weitergibt. Aufgrund der strategischen Bedeutung mancher Rohstoffe ignorieren die reichen Industrieländer diese Probleme. Dies ist nicht nur moralisch verantwortungslos, sondern gefährdet auch die langfristige Rohstoffversorgung von uns allen. Korruption und Misswirtschaft führen zu Unzufriedenheit in der Bevölkerung bis hin zu bewaffneten Konflikten.


Âť Wenn es keinen Wald mehr gibt, dann geht auch das Volk zugrunde. ÂŤ Abraham Lincoln


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Waldbestand

Auf der ganzen Erde werden die Wälder durch verschiedene menschliche Aktivitäten vernichtet oder geschädigt. Weltweit gingen in der Zeit zwischen 2000 und 2010 jährlich etwa 13 Millionen Hektar Wald verloren. Bis zu 20 Prozent der vom Menschen verursachten CO2-Emissionen lassen sich zurzeit auf Abholzung und Waldzerstörung zurückführen. Zusätzlich stellen die Wälder auch grundlegende Schätze bereit, die für Milliarden von Menschen von lebenswichtiger Bedeutung sind. Dazu gehört etwa die Bereitstellung von Brennstoffen, Nutzholz, Fasern, Nahrungs- und Arzneimitteln. In vielen Entwicklungsländern verbrennen die Menschen zum Kochen oder Heizen Holz aus der umliegenden Natur. Die zwei Regionen der Welt, die am stärksten auf Holzbrennstoffe angewiesen sind, sind Asien und Afrika. Deren Verbrauch macht zusammen mehr als 75 Prozent des weltweiten Verbrauchs aus. In Afrika werden 80 bis 90 Prozent der Energie in ländlichen Gebieten mit Brennholz erzeugt, das nicht weit weg vom Wohnort der Menschen gesammelt wird. Über 70 Prozent der Stadtbevölkerung von Entwicklungsländern verwenden zum Kochen Holzbrennstoffe, hauptsächlich Holzkohle. Jedes Jahr gelangen Millionen Tonnen Holzkohle in die Städte. Diese Holzkohle wird in natürlichen Waldgebieten gewonnen und zum Verkauf in die Städte transportiert. Ein Großteil der Produktion ist

nicht nachhaltig, was im Nettoergebnis zur Entwaldung, zu zusätzlichen CO2-Emissionen und somit zum Klimawandel führt. Obwohl Holz eine nachhaltige Ressource sein kann, hat eine Nachfrage dieses Ausmaßes in Verbindung mit einer wachsenden Bevölkerung eine gravierende Auswirkung auf die Wälder des ganzen Kontinents. Die Waldschädigung breitet sich in Wellen von den größten Städten Afrikas her aus und führt zum Rückgang des Waldes und zum Verlust von Artenvielfalt. In Tansania beispielsweise hat sich die Abholzungswelle in nur 14 Jahren 120 km ausgebreitet und alle hochwertigen Bäume in einem Umkreis von 200 km zerstört. Auf die erste Welle der Waldschädigung folgte eine zweite Welle, bei der Holz mittleren Wertes gefällt wurde, und schließlich eine dritten Welle, bei der die verbleibende Holzbiomasse für die Produktion von Holzkohle abgetragen wurde. Diese Abholzungswellen, die sich mit einer enormen Geschwindigkeit von 10 km pro Jahr von der Stadt her ausgebreitet haben, haben gravierende Folgen für die Umwelt. Die Wälder in Stadtnähe enthalten 70 Prozent weniger Baumarten und speichern 90 Prozent weniger Kohlenstoff pro Hektar, als die weniger geschädigten Wälder 200 km von der Stadt entfernt.


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Baumwollanbau

Baumwolle ist der bedeutendste Textilrohstoff der Welt. Der Welthandel mit Baumwolle steigt kontinuierlich an und hat in den letzten Jahren regelmäßig neue Rekordwerte erreicht. Der weltweite Baumwollverbrauch für 2013 wird auf 120 Millionen Ballen geschätzt, 3 Millionen mehr als in 2012. Das Wachstum wird durch die Verbesserung der weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die Nachfrage nach Baumwolle in den Entwicklungsländern und die Erwartung von Rekordernten unterstützt. Die Entstehung von Baumwollspinnereien wird in großen Verbraucherländern wie China und Indien erwartet. Bei der Herstellung von Textilien müssen Bauern in Armutsländern für den globalen Weltmarkt schuften und Baumwolle ernten, damit wir hier im Westen billige Kleidung kaufen können. Die Bürger werden gegen minimale Entlohnung gezwungen, an der Baumwollernte mitzuwirken. Die Bauern dort werden abhängig gemacht, sie müssen teures, genmanipuliertes Saatgut verwenden und den Boden mit Pestiziden besprühen, damit die Gensamen wachsen können. Der Kunstdünger steigert nur den Gehalt an Wasser und führt zur Einlagerung biologisch inaktiver Substanzen, Vitamine und Mineralien hingegen werden verdrängt. Darum haben solche Pflanzen wenig Widerstandskraft und Stärke und sie sind ein gefundenes Fressen für Insekten und ein Tummelplatz für Bakterien, Viren

und Pilze. Die chemische Industrie hilft da gerne den hilflosen Bauern mit lukrativen Pestiziden. Diese töten dann zwar die Angreifer, machen aber zugleich die Pflanzen noch schwächer und vernichten auch die Mikroorganismen im Boden. Ohne Kunstdünger wächst nichts mehr auf der Erde. Die Farmer verpesten mittlerweile ihren Acker so stark, dass nichts anderes mehr darauf wächst, als genmanipulierte Samen. Die Bauern Indiens werden dadurch gezielt in Schuldenfallen gelockt, aus denen sie nie wieder rauskommen und nehmen sich am Ende vor lauter Verzweiflung das Leben. Jeden Monat begehen mehrere hundert Bauern in Indien Selbstmord. Gentechnikkonzerne und westliche Textilunternehmen haben hierbei Schuld auf sich geladen, weil sie den Bauern ihre Freiheit rauben, sodass sie oft keinen Sinn mehr in ihrem Leben sehen. Aber nur so sind zahlreiche internationale Textilhersteller in der Lage, den reichen Ländern billige T-Shirts, Jeans und Modeartikel zu verkaufen.


fossile energieträger

erdölverbrauch im jahr 2012 im vergleich zum jahr 2011 (in Prozent)

+0,9 Weltweit

Nordamerika

Europa

–2,5

–1,8


+5,1 +4,5 +3,7 +2,0

Afrika

Naher Osten

Asien

S端damerika

Quelle: BP Global


metalle und gesteine

Verbleibende lebenszeit der weltweiten reserven im jahr 2012 (in Jahren)

28 15 Nickel

31

23 17

Zink

Gold

Platin

Kupfer


87

46 47

50

35

Eisenerz

Bauxit

Steinkohle

Braunkohle

Kali

Quelle: PwC


waldbestand

Rückgang der Waldfläche in ausgewählten Ländern von 1990 – 2010 (in Prozent)

1990 – 1995 1995 – 2000 2000 – 2005 2005 – 2010


Honduras – 37,10 Nigeria – 35,70 Philippienen – 32,30 Indonesien – 24,10 Ecuador – 21,50 Simbabwe – 21,10 Kambodscha – 19,30 Birma – 17,80 Tansania – 14,90 Sambia – 13,60 Kamerun – 13,40 Venezuela – 8,30 Brasilien – 8,10 Mexiko – 6,90 Bolivien – 6,50 Kongo – 4,90

Quelle: FAO


baumwollanbau

Die zehn gröSSten Produzentenländer von Baumwolle im Jahr 2009 (Menge in Millionen Ballen)

1

1,70

4,40

5,40

9,50

12,50

Syrien

Türkei

Usbekistan

Brasilien

Pakistan

Vereinigte Staaten


24,30

31,50

Indien

China

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung


III Natur Globale Ökosysteme ∙ Biotope Artenvielfalt ∙ Umweltverschmutzung 


47

III Natur Globale Ökosysteme ∙ Biotope Artenvielfalt ∙ Umweltverschmutzung 

Für viele Menschen aus städtischen Regionen ist die Natur ein Ort, dem man von Zeit zu Zeit einen Besuch abstattet. Schließlich kommen die »Lebensmittel aus dem Geschäft« und das »Wasser aus dem Hahn«. Das bedeutet, dass ein Großteil der Erdbevölkerung kein direkteres Verhältnis zur Natur mehr hat. Es bleibt jedoch das Bedürfnis der Menschen die Natur zu nutzen und sich an ihrer Schönheit immer wieder zu erfreuen. Wenn wir sie kaputt machen, schaden

wir uns deshalb selbst. Doch mit der Zerstörung der Lebensräume, Verlust der Artenvielfalt und Verschmutzung nimmt die Gefährdung der Natur stetig zu. Die von der Natur gestellten Ökosysteme sind für das menschliche Leben unverzichtbar und können nicht ersetzt werden.


48

Globale Ökosysteme

Ein Ökosystem ist eine funktionelle Einheit von Lebewesen in ihrem Lebensraum. Die Lebewesen stehen in Beziehung miteinander und tauschen Energie, Stoffe und Informationen aus. Es ist ein System, das die Gesamtheit der Lebewesen und ihren Lebensraum in ihren Wechselbeziehungen umfasst. In den letzten Jahren haben Umweltwissenschaftler immer deutlicher erkannt, dass die Erde als Ganzes, als eine Einheit betrachtet werden muss: Sie kann nicht als Summe ihrer Teile, sondern erst bei der Einbeziehung der Wechselwirkungen verstanden werden. Diese bestehen in Stoffkreisläufe und Energieflüssen. Oft werden Leistungen von Ökosystemen kaum erkannt. Ein Beispiel ist unser Boden. Er umgibt die Erde wie eine Haut. Es ist wohl das verkannteste Ökosystem der Erde – es wandelt tote organische Materie in Mineralien um, die den Pflanzen als Nährstoff dienen und so in den Kreislauf der Natur zurückkehren. Wir brauchen die Böden für das Wachstum von Pflanzen, die uns Nahrung, aber auch Holz, Papier und Arzneimittel liefern. Sie sind die Grundlage für alles tierische Leben auf der Erde. Dieses organische Material führt zu fruchtbaren Böden, auf denen mehr Pflanzen wachsen können. Das gibt auch Tieren Nahrung und so entsteht im Boden eine enorme Vielfalt an Lebewesen. Bakterien, Pilze und Algen dürften schon zu den ersten

Bewohnern gezählt haben. Sie schließen den Kreislauf, indem sie das organisches Material in Wasser, Kohlendioxid, Stickstoffverbindungen und Nährsalze zerlegen.


Âť alles was gegen die natur ist, hat auf dauer keinen bestand. ÂŤ Charles Darwin


50

Biotope

Biotope sind bestimmte Lebensräume, einer Lebensgemeinschaft in einem Gebiet. Durch den Einfluss des Menschen werden große Biotope zerstört oder so weit verändert bis, sie ihren natürlichen, ursprünglichen Charakter verloren haben. Dadurch können einzelne Pflanzen in Gefahr geraten. Als Erstes wird eine Art in ihrem natürlichen Lebensraum bedrängt, so dass sie in bestimmten Regionen gar nicht mehr vorkommt. Wenn sich der Bestand dieser Art noch weiter verringert, wird die Pflanzenart schließlich vom Aussterben bedroht sein. Durch jede ausgestorbene Pflanzenart werden noch 10 bis 30 andere Organismen ausgelöscht. Die Gründe für das Aussterben sind recht vielfältig. Eine direkte Ursache ist die Zerstörung ihres Lebensraumes. Indirekte Ursachen sind Eingriffe in das Ökosystem, die dazu führen, dass für einige Arten keine geeigneten Lebensbedingungen geboten werden können. Der Hauptgrund für das Aussterben einer Art ist sicherlich die vermehrte Ausbreitung des Menschen. Dadurch werden immer mehr Naturräume zerschnitten und Biotope ausgelöscht. Doch gerade kleinräumige Biotope mit besonderen Standortbedingungen sind oft der Lebensraum seltener Arten. Eine andere negative Auswirkung der Zerschneidung von Naturräumen ist die Verinselung. Es werden einzelne Biotope isoliert und der Austausch von Genmaterial zwischen verschiedenen

Populationen einer Art wird weitgehend verhindert. Dadurch kann die Pflanze sich nicht mehr an andere Umweltbedingungen anpassen, es kommt zur genetischen Verarmung und letztendlich zum Aussterben einer Art. Es gibt seit 1998 eine »Rote Liste« als eine Auflistung gefährdeter Tier- und Pflanzenarten. Etwa 40 Prozent der untersuchten Pflanzenarten stehen auf der »Roten Liste«. Davon sind rund neun Prozent ausgestorben, verschollen oder vom Aussterben bedroht. Weitere 21 Prozent sind stark gefährdet.


51

Artenvielfalt 

Auf der Erde lebt eine enorme Vielfalt an Lebewesen. So viele Tierarten sind uns derzeit auf der Welt bekannt: 4.630 Säugetiere, 4.950 Amphibien, 7.400 Reptilien, 9.950 Vögel, 25.000 Fische, 40.000 Krebstiere, 70.000 Weichtiere, 75.000 Spinnentiere, 290.000 sonstige niedere Tiere und über 950.000 Insekten. Eine grob angenäherte Zahl aller Tiere auf unserem Planeten liegt bei einer Trillion Tieren (eine eins mit 18 Nullen). Sie besteht fast zur Gesamtheit aus Insekten und anderen Kleinlebewesen. Alle Tiere der Erde wiegen zusammen etwa 2,2 Milliarden Tonnen. Die gesamte Masse aller Lebewesen der Erde beträgt etwa 1.850 Milliarden Tonnen. Es werden immer wieder neue Tierarten entdeckt. Wie viele Tierarten tatsächlich existieren, weiß keiner so genau. Biologen erwarten für das Jahr 2014 um die 20.000 neue Tier- und Pflanzenarten. Allerdings sterben zugleich täglich etwa 100 – 150 der schon bekannten Tierarten aus. Deswegen ist auch nicht klar, wie viele es insgesamt sind. Verantwortlich für das massive Aussterben ist vor allem der Mensch. Die Aussterberate ist mindestens 1.000 Mal höher als die natürliche. Der Mensch vernichtet Lebensraum, wildert, übernutzt und schleppt gebietsfremde Arten ein, die heimische Tiere verdrängen. Bis ins 20. Jahrhundert war die Jagd die wichtigste Ursache des Artensterbens, und in den Meeren ist dies bis heute noch so.

Die wichtigste Ursache des Artenschwund auf dem Festland ist die Zerstörung natürlicher Lebensräume, die Umwandlung von Wäldern in Acker- und Weideland oder die Nutzung von Flächen für Siedlungen. Besonders in artenreichen tropischen Regenwäldern wird ohne Rücksicht abgeholzt. Inzwischen sind sie auf die Hälfte ihrer ursprünglichen Fläche geschrumpft. Jedes Jahr fallen Regenwälder von der anderthalbfachen Größe der Schweiz. Ebenfalls stark zurückgegangen sind andere tropische Ökosysteme. Etwa die Mangroven, die Küsten vor Fluten schützen und eine Kinderstube vieler Fischarten sind – sie werden immer noch zu Garnelenfarmen umgewandelt. In Meeres-Ökosystemen ist vor allem die Fischerei für das Aussterben von Arten verantwortlich. Laut der Welternährungsorganisation FAO sind drei Viertel aller Bestände überfischt oder bis an die Grenzen ausgebeutet, ein Viertel ist akut gefährdet. Auch viele Tierarten in Korallenriffen stehen auf dem Spiel. Sie werden vor allem durch steigende Temperaturen, Fischerei und mechanische Zerstörung geschädigt. In jüngster Zeit verstärkt auchder Klimawandel den Verlust an der biologischer Vielfalt. In Gebieten mit großer Vielfalt, könnte alleine durch den Klimawandel ein Viertel aller Arten aussterben!


52

Umweltverschmutzung

Europaweit werden von jedem Menschen 500 Kilogramm Müll pro Jahr produziert. Das stellt nicht nur die Müllentsorger und die Deponien, sondern auch die Natur vor große Herausforderungen. Müllverbrennung, Abgase von Industrieanlagen und Autos verschmutzen die Luft und steigern den CO2-Ausstoß. Dies führt zur Klimaerwärmung. Durch Unmengen von Müll und die steigende Luftund Wasserverschmutzung gelangt das Ökosystem der Erde an seine Grenzen. Es kann sich nicht mehr umfassend regenerieren. Die Menschen bekommen die Folgen ihrer Umweltverschmutzung zu spüren. Durch schlechte Luft werden Krankheiten ausgelöst. Viele Pflanzen und Tiere des Waldes sind von der wachsenden Umweltverschmutzung durch Müll betroffen. Zum Beispiel illegal abgelagerter Müll stellt im Wald eine große Gefahr dar. Wild verheddert sich in Plastikschnüren oder bleibt mit der Schnauze in Joghurtbechern stecken. Vögel verwenden Folienreste als Nistmaterial. Infolge dessen ertrinken die Küken bei Regengüssen im Nest. Zudem wird das Grundwasser durch die Zersetzung des Mülls verschmutzt. Unsere Meere sind voll von Partikeln aus Plastikmüll. Plankton, Fische und Seevögel nehmen die Partikel mit der Nahrung auf und verenden daran. Und auch der Mensch nimmt als Endverbraucher beim Verzehr von Fisch krebserregende Plastikpartikel auf. Auch dies ist nur eines

von vielen Beispielen. Die offenen Ozeane sind durch Verschmutzung ebenfalls geschädigt. Das Wasser aus Flüssen, Küstenstädten und Touristenzentren landet schließlich in den Ozeanen, und diese scheinen auf den ersten Blick dank ihrer enormen Wassermengen kaum verschmutzt zu sein. Aber wir stoßen immer wieder auf riesige Flächen Plastikmüll. Im Nordpazifik treibt seit Jahrzehnten ein Müllstrudel, der mittlerweile so groß wie Zentraleuropa ist. Strände unbewohnter Inseln versinken geradezu im Müll. Seevögel verenden qualvoll an Handyteilen in ihrem Magen, Schildkröten halten Plastiktüten für Quallen und Fische verwechseln winzige Plastikteilchen mit Plankton. Ein weiterer Grund der starken Verschmutzung sind Ölunfälle. Mit zunehmendem Ölverbrauch und den an wenigen Orten konzentrierten Erdölvorkommen nehmen die Unfallgefahren zu. Immer neue Katastrophen machen Schlagzeilen und erregen mit Bildern von verölten Vögeln, verschmutzten Stränden die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit. Doch ein viel größerer Teil des Öls sinkt in die Tiefe der Ozeane. Welche Wirkung es dort hat, ist für uns noch nicht absehbar. Möglicherweise entstehen dort gewaltige Todeszonen. Meeresbiologen sprechen von einem »Hiroshima im Golf von Mexiko«.


globale ökosysteme

gesamte biokapazität ausgewählter länder im Jahr 2008 (in Quadratmeter pro Einwohner)

Gabun 28,7

Bolivien 18,4

Mongolei 15,3

Finnland 12,2

Paraguay 10,9

Neuseeland 10,2

Russland 3,3

Österreich 3,3

Frankreich 3,0

Costa Rica 1,7

Griechenland 1,6

Spanien 1,5

Italien 1,2

Südafrika 1,2

Japan 0,6


Kanada 14,9

Australien 14,6

Kongo 12,2

Uruguay 10,0

Brasilien 9,6

Argentinien 7,0

Malaysia 2,5

Deutschland 2,0

Weltdurchschnitt 1,8

GroĂ&#x;britannien 1,3

Indonesien 1,3

Schweiz 1,3

Indien 0,5

Bangladesch 0,4

Singapur 0,2

Quelle: wwf


biotope

gEf채hrdEtE pflanzEnartEn im jahr 2009

(nach Gef채hrdungssituation in Prozent)

12 % gef채hrdet

3 % Gef채hrdung anzunehmen

7 % extrem selten

13.9 Pflan art


9 % stark gef채hrdet

5 % vom Aussterben bedroht

4 % ausgestorben

07 zen en

1 % verschollen

8 % Daten unzureichend 51 % ungef채hrdet

Quelle: Bundesamt f체r Naturschutz


artenvielfalt

1998

6.451

5.000

7.890

anzahl der tierarten auf der roten liste von 1998 â&#x20AC;&#x201C; 2012 (in Tierarten)

2002

2006


2010

13.010

11.320

10.330 2008

2012

Quelle: International Union for Conservation of Nature and Natural Resources


umweltverschmutzung

Luftverschmutzung in ausgewählten Städten der Welt im Jahr 2007 (in Mikrogramm pro Kubikmeter)

Schwefeldioxid 129 Feinstaub 150

Schwefeldioxid 90 Feinstaub 89

Schwefeldioxid 80 Feinstaub 40

Schwefeldioxid 85 Feinstaub 22

Delhi,

   

Peking, C

Tokio,    Japa

Moskau, Russland

Schwefeldioxid 80 Feinstaub 21

Berlin, Deutschland

Schwefeldioxid 25 Feinstaub 20

London, Großbritannien

Schwefeldioxid 23 Feinstaub 21

New York, USA

Schwefeldioxid 14 Feinstaub 11

Paris, Frankreich


Indien

   

China

an

d

Quelle: World Health Organisation


IV energie Elektrizität ∙ Erneuerbare Energien Verkehr ∙ Tourismus


65

IV energie Elektrizität ∙ Erneuerbare Energien Verkehr ∙ Tourismus

Energie ist die Grundlage unserer modernen Gesellschaft. Weltweit nutzen wir über 13.000 Millionen Tonnen Erdöl im Jahr, um uns mit Energie zu versorgen. Der größte Teil davon wird über die Verbrennung fossiler Brennstoffe erzeugt. Die dadurch entstehenden Schadstoffe verschmutzen die Luft. Das ist die wichtigste Ursache für den Klimawandel. Erneuerbare Energien sollen jetzt Abhilfe schaffen. Politiker, Klimaforscher und Naturwissenschaftler arbeiten daher an der Nutzung von Energiequellen,

die unbegrenzt verfügbar sind und die weniger CO2 abgeben als die bisherigen Brennstoffe. Die meiste Energie verschwenden wir beim Auto fahren. Hinzu kommen Tausende geflogene Kilometer für Urlaub. Dafür werden Unmengen an Rohstoffen benötigt. Wertvolle Energie wird nutzlos verbraucht, die Umwelt geschädigt und unsere Gesundheit gefährdet. Wir sollten deshalb lernen in Zukunft, Energien ganz bewusst einzusetzen.


66

Elektrizität

Die Menschheit hat einen immer größeren Energieverbrauch. Die industrielle Revolution hat diese Entwicklung um ein Vielfaches beschleunigt. Die Nutzung von Kohle – und später weiterer fossiler Brennstoffe wie Öl und Gas stärkte die Kraft und die Möglichkeiten der Menschen. Fossile Brennstoffe trugen entscheidend dazu bei, dass sich der materielle Wohlstand im reichen Teil der Welt vervielfachte. Sie ermöglichten die Herstellung von Kunstdüngern und Maschinen, die auf den Feldern die menschliche und tierische Arbeitskraft und organische Dünger ablösten, trieben Maschinen in den Fabriken an und ermöglichten so den rapide anwachsenden Ausstoß an Gütern. Sie waren Energiequellen für Eisenbahnen, Autos und Flugzeuge und veränderten so das Leben der Menschen. Die Nutzung fossiler Brennstoffe schuf aber auch eine neue Dimension von Veränderungen. Die erste war die Luftverschmutzung. Hohe Schornsteine erwiesen sich als Scheinlösung, sie verursachten »Sauren Regen« weitab von den Industriegebieten. Filter und der Übergang von Kohle zu Öl und Gas bei den Hausheizungen haben das Problem zumindest in den Industrieländern deutlich reduziert. Mit der Umwandlung fossiler Brennstoffe in die vielseitige Energieform Strom wurden auch die Informations- und Kommunikationstechnologien und automatisierte Produktionsprozesse möglich,

die unsere moderne Welt ausmachen. Wir wissen heute, dass das Treibhausgas Kohlendioxid aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe eine Hauptursache für den Klimawandel ist. Die Entstehung von Kohlendioxid bei der Verbrennung ist unvermeidbar, der Kohlenstoff im Brennstoff reagiert mit Sauerstoff zu Kohlendioxid. Dazu kommt, dass fossile Brennstoffe nicht unendlich zur Verfügung stehen. Diese Endlichkeit betrifft auch die Brennstoffe für die Atomenergie, die Risiken mit sich bringt. Deshalb wurde im letzten Jahrzehnt zunehmend in erneuerbare Energieträger investiert.


» Die Sonne schickt uns keine Rechnung. « Franz Alt


68

Erneuerbare Energien

Der Großteil unserer Energieversorgung basiert auf den fossilen Energiequellen Erdöl, Kohle und Gas. Sie setzen bei ihrer Verbrennung große Mengen von Kohlendioxid (CO2) frei. Dieses trägt erheblich zum Klimawandel bei. Die Atmosphäre der Erde hat sich im vergangenen Jahrhundert um 0,8 °C erhöht. Die Folgen davon sind unter anderem der Anstieg des Meeresspiegels, die Zunahme von Stürmen und Dürren aber auch das Abschmelzen der Gletscher. Damit der Klimawandel nicht ungebremst fortschreitet, muss der Ausstoß von Treihausgasen erheblich gesenkt werden. Das ist nur durch erhöhte Energieeffizienz und die Ablösung fossiler Energieträger durch erneuerbare Energiequellen möglich. Während Japans Leid nach der Katastrophe in Fukushima längst noch nicht zu Ende ist, haben die Ereignisse zu einer Zäsur in der Energiepolitik geführt. In Deutschland wächst der Anteil der erneuerbaren Energien an der Energieversorgung und damit auch ihr Beitrag zum Klimaschutz. Im Jahr 2011 haben die regenerativen Energien in Deutschland den Ausstoß von rund 130 Millionen Tonnen CO2 vermieden. Ohne die Energie aus Sonne, Wind, Wasser, Erdwärme und Bioenergie würden die gesamten CO2 Emissionen in Deutschland um über 10 Prozent höher liegen. Im Jahr 2020 will die Energiebranche 287 Millionen Tonnen CO2 im Jahr vermeiden. Soll die Co2-Emission in Europa tatsächlich bis 2020 im

Vergleich zu 1990 um 40 Prozent reduziert werden, müssen wir die erneuerbaren Energien als Schlüsseltechnologie begreifen. Um die fossilen Energiequellen in einem für den Klimaschutz erforderlichen Umfang zu ersetzen, müssen diese erheblich ausgebaut werden.


69

Verkehr

Laut dem IPCC-Bericht des UNO-Klimarates von 2007 trägt der Verkehrssektor etwa 14 Prozent zu den weltweiten Treibgasemissionen bei. Die Tendenz ist steigend. Hauptursachen des Wachstums sind der steigende Güterverkehr auf der Straße, sowie der wachsende internationale Luftverkehr und die Motorisierung in Schwellenländern wie China und Indien. In Europa ist der CO2-Ausstoß des Verkehrssektors seit 1990 um 36 Prozent gestiegen. Auch in den kommenden Jahren wird der Anteil des Verkehrssektor an den CO2-Emissionen weiter ansteigen. Es wird daher in Zukunft umso wichtiger, dass Lösungen für den Verkehr in den Mittelpunkt der Klimaanstrengungen treten. Die Elektromobilität ist langfristig der zentrale Hebel zur drastischen Senkung der CO2-Emissionen von PKW. Bis 2020 sollen eine Million elektrisch betriebener Autos auf deutschen Straßen fahren. Wir müssen die Elektromobilität nun erfolgreich auf die Straße bekommen, um langfristig von ihrer Klimaschutzwirkung zu profitieren. Schon heute reicht die begrenzte Reichweite eines Elektrofahrzeugs für die meisten Alltagsfahrten vollkommen aus. Die Elektromobilität muss zudem als Element der Energiewende verstanden werden und diese aktiv unterstützen. So könnten z. B. parkende Elektroautos bevorzugt dann aufgeladen werden, wenn es einen

Überschuss an Strom aus erneuerbaren Energien gibt. Deren Anteil an der Stromversorgung werde so aktiv erhöht. Zudem könnten Elektroautos, wenn sie gerade nicht gefahren werden und die Nachfrage nach Strom besonders groß ist, vorübergehend Strom ins Netz zurückspeisen. Die Elektromobilität kann die schrittweise Umstellung unserer Stromversorgung auf erneuerbare Energie fördern und ausbauen.


70

Tourismus

Um die Probleme rund um den Klimawandel und eine langfristige, unabhängige Energieversorgung in den Griff zu bekommen ist der Einsatz von erneuerbaren Energieträgern ein wichtiger Beitrag. Die Herausforderung gilt insbesondere für die Tourismusindustrie, die selbst stark von Ressourcen und Transport abhängig ist und so auch einen hohen Energieverbrauch mit sich bringt. In den letzten Jahrzehnten konnte durch innovative Entwicklungen im Bereich der erneuerbare Energien und die Eigeninitiative des Konsumenten eine klimaschonende und nachhaltige Lebensweise in den Vordergrund gerückt werden. Laut einer Studie der Gesellschaft für Konsumforschung, hält jeder dritte reiseaktive Haushalt in Deutschland soziale und ökologische Aspekte im Tourismus für besonders wichtig und wäre bereit, durchschnittlich acht Prozent mehr für entsprechende Reiseangebote zu zahlen. Hier zeigt sich ein Bewusstseinswandel. Die Tourismusindustrie stellt sich auf die wachsende Anzahl an ökologisch bewusster Kunden ein. Viele Reiseveranstalter und Hotels werben mit »grünem« Engagement – auch wenn oft nur schwer zu durchschauen ist, welche Angebote wirklich umweltgerecht sind. Aber es tut sich etwas in der Tourismusindustrie. Urlaubsorte und ganze Ferienregionen setzen auf autofreie Mobilität und bieten Gästen eine kostenlose Nutzung von Bus und Bahn an. Hotels stellen

auf umweltbewusste Betriebsführung um und lassen sich nach Umweltstandards zertifizieren. Doch es liegt auch an uns, den Touristen. Wir sind diejenigen, die entscheiden müssen, welches Hotel wir buchen und ob wir unbedingt für eine Woche in die Dominikanische Republik fliegen müssen, um uns zu erholen. Die Rechnung mit dem Klima ist einfach: Wer näher gelegene Urlaubsziele bevorzugt und mit dem Zug oder dem Bus fährt, statt zu fliegen verursacht weniger Emissionen.


elektrizität

Frankreich

Südkorea

Brasilien

Deutschland

330,3

306,4

266,9

263,0

242,9

länder mit dem höchsten Energieverbrauch im jahr 2011 (in Millionen Tonnen Öleinheiten)

Kanada


Indien

Russland

USA

2613,2

2269,3

685,6

559,1

477,6 Japan

China

Quelle: International Energy Agency


erneuerbare energien

Weltweite Investitionen in Erneuerbare Energien im Jahr 2012 (in Milliarden US-Dollar)

148

Wasser Bioenergie Erdw채rme Wind Sonne

83

15

6 5


Quelle: Bloomberg


verkehr

Verteilung der genutzten Fortbewegungsmittel im Jahr 2013 (in Prozent)

Auto / Motorrad Ă&#x2013;ffentliche Verkehrsmittel Fahrrad zu FuĂ&#x;


Los Angeles

Melbourne

Amsterdam

Johannesburg

M端nchen

London

Sao Paulo

Berlin

Kopenhagen

Shanghai

Istanbul

Quelle: MAN, TU M端nchen


tourismus

wichtigkeit von nachhaltigkeit im urlaub im jahr 2013 (in Prozent)

25

immens wichtig

17 wichtig


38

nebens채chlich

15

bedeutungslos

9 egal

Quelle: Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen e.V.


V nahrung Wasserverbrauch â&#x2C6;&#x2122; Fischerzeugnisse Fleischkonsum â&#x2C6;&#x2122; Landverbrauch


83

V nahrung Wasserverbrauch ∙ Fischerzeugnisse Fleischkonsum ∙ Landverbrauch

Sieben Milliarden Menschen bevölkern die Erde. Alle wollen essen, trinken, einkaufen und in Wohlstand leben. Schon jetzt verbrauchen sie mehr, als der Planet langfristig bieten kann. Der Kampf gegen Hunger und Durst ist eine der größten Herausforderungen der Menschheit. Wir haben heute genug Lebensmittel in einer sehr hohen Qualität wie nie zuvor. Sie sind aber leider nicht sinnvoll verteilt. Jeder achte Mensch hat nicht genug zu Essen. Insgesamt hungern 842 Millionen

Menschen weltweit. Bewaffnete Konflikte, Naturkatastrophen und hohe Nahrungsmittelpreise sind Faktoren, die negative Auswirkungen auf die weltweite Ernährungssituation haben.


Âť Alles ist aus dem Wasser entsprungen, Alles wird durch das Wasser erhalten! ÂŤ Johann Wolfgang von Goethe


85

Wasserverbrauch

Der Mensch kann ohne Wasser nicht existieren. Doch er neigt dazu, verschwenderisch damit umzugehen. Zum Überleben benötigt ein gesunder Mensch nur ca. 2,5 Liter Wasser täglich. In den letzten 100 Jahren ist der tägliche Wasserverbrauch eines Menschen jedoch von 20 Liter auf 130 Liter gestiegen. Erschreckend dabei ist, dass die durchschnittliche Wassermenge einer Toilettenspülung hierzulande dem Tagesbedarf eines Menschen in Entwicklungsländern entspricht. Der Anteil des Süßwassers auf unserem Planeten ist gering. Nicht jedem Menschen steht es in ausreichender Menge und Qualität zur Verfügung. 2,7 Milliarden Menschen auf der Welt sind bereits heute mindestens einen Monat im Jahr von schwerer Wasserknappheit betroffen. Der durchschnittliche weltweite Wasserverbrauch liegt bei über 9,1 Billionen Kubikmeter pro Jahr. Davon entfallen 92 Prozent dieser Gesamtmenge auf die landwirtschaftliche Produktion. Obwohl man es nicht sehen kann, ist im Boden gespeichertes Regenwasser mit 74 Prozent bei Weitem die größte Komponente des Wasser- Fußabdrucks. Umweltverschmutzung, Bevölkerungsexplosion und die verschwenderische Nutzung machen sauberes Trinkwasser zu einem knappen Gut. Ausgetrocknete Brunnen, belastete Quellen, sinkende Grundwasserspiegel, marode Wasserleitungen

und eine ineffiziente Bewässerungslandwirtschaft sind Ausdruck eines allzu sorglosen Umgang mit der unersetzbaren Ressource Wasser. Problematischer noch ist der Schadstoffeintrag. Nitrat z.B. gelangt durch Überdüngung in das Grundwasser und macht vielerorts Brunnen für die Trinkwasserentnahme unbrauchbar. Für das aus Oberflächenwasser gewonnene Trinkwasser sind der Stand der Abwasserreinigung und die verbleibende Schadstoffbelastung der Fließgewässer von entscheidender Bedeutung. Die Aufbereitung des Wassers ist aufwendig. Der Bau von Leitungen und Kläranlagen sowie deren Instandhaltung ist teuer. Wasser- und Abwassergebühren lassen das den Verbraucher spüren. Das Bewusstsein für den schonenden Umgang mit der wertvollen Ressource Wasser muss weiterentwickelt bzw. unterstützt werden!


86

Fischerzeugnisse

Fische sind eine wichtige Nahrungsquelle für uns und wichtig für die Gesundheit der Korallenriffe. Doch die Überfischung führte zu einem katastrophalen Rückgang der Fischbestände. Die Auswirkungen der immer intensiveren Fischerei auf die Meeresumwelt sind dramatisch: Zwischen 1950 und 2005 breitete sich die industrielle Fischerei von den Küstengewässern des Nordatlantiks und des Nordwestpazifiks in die südliche Hemisphäre aus. Die Langleinenfischerei lässt uns Fischbestände in mehreren Kilometern Tiefe erreichen. Diese jedoch wachsen nur langsam und reagieren besonders empfindlich auf Überfischung. Auf diese Weise konnten Fischbestände erreicht werden, die schon lange in den Tiefen des Meeres existierten, langsam wachsen und besonders empfindlich auf Überfischung reagieren. Ein Drittel der Ozeane weltweit und zwei Drittel der Kontinentalschelfe werden heutzutage zu kommerziellen Zwecken befischt. Nur unzugängliche Gewässer in der Arktis und der Antarktis bleiben relativ unerschlossen. Durch den fast fünffachen Anstieg des weltweiten Meeresfischfangs sind viele Gebiete überfischt. Die Fischbestände in einigen Gebieten brachen zusammen, etwa die Kabeljaubestände der »Grand Banks« von Neufundland. Bei einigen großen Raubfischarten – beispielsweise beim Thun sind die Fangraten in den letzten 50 Jahren drastisch zurückgegangen, insbesondere in

den nordatlantischen und nordpazifischen Küstenregionen. Diese anhaltende Entwicklung zeigt sich auch bei Haien und anderen Meeresarten. Der gezielte Fang großer Raubfische hat die Zusammensetzung ganzer Ökosysteme verändert. Infolge des Verschwindens größerer Arten werden nun Meerestiere der unteren Ebenen häufiger. Dies wiederum beeinflusst das Algenwachstum und schädigt die Gesundheit der Korallenriffe.


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Fleischkonsum

Unser Fleischkonsum und das für die Tierfütterung benötige Soja verantworten ganz entscheidend unseren Fußabdruck bei Flächenverbrauch und Emissionen. Durch die Produktion, Weiterverarbeitung und Zubereitung von Fleisch werden ungefähr zehn mal soviel Treibhausgase freigesetzt, wie bei Obst und Gemüse. Wir essen gerne und viel, vor allem mögen wir Fleisch. Für die steigende Produktion werden jedoch mehr Futtermittel für Rinder, Schweine und Masthühner benötigt. Hierfür sind fast 19 Mio. ha landwirtschaftliche Nutzfläche nötig. Dies ist mehr, als hierzulande an Ackerland insgesamt zur Verfügung steht. 19 Mio. Hektar, das entspricht etwa 2.300 m² pro Person. In Deutschland wird die landwirtschaftliche Nutzfläche für Ernährungszwecke immer knapper. Wenn die eigenen Flächen zum Anbau von Futtermitteln nicht mehr ausreichen, wird auf Flächen im Ausland zurückgegriffen. Dort ist die Flächennutzung für Importe von Getreide oder Soja nach Deutschland in diesem Jahrzehnt allein um 43 Prozent gestiegen. Gewonnen werden die zusätzlichen An­bau­flächen oft durch Umwandlung von Savannen in Ackerland, altes Weideland wird in entholzte Bereiche der Regenwälder verlagert. Fraßen Nutztiere früher einmal für Menschen Unverwertbares, wie z. B. Heu, sind sie heute Nahrungskonkurrenten, da sie mit »Kraftfutter« wie Getreide,

Soja, Fischmehl etc. gemästet werden. Derzeit werden 36 Prozent der weltweiten Getreideernte an Tiere verfüttert, die weltweite Sojaernte geht zu 70 Prozent in die Mägen von Tieren. Auch knapp die Hälfte der Fischfänge und selbst ein Drittel der Milchprodukte gehen diesen Weg. Durch den steigenden Fleischkonsum steigt in den Entwicklungsländern die Verwendung von Getreide als Futter stärker als der Getreideertrag. Fest steht, dass in Zukunft immer weniger landwirtschaftliche Fäche verfügbar ist. Unser derzeitiger Fleischkonsum verschlingt bereits die Hälfte der zukünftig verfügbaren Fläche pro Person. Der Flächen- Fußabdruck unserer fleischbetonten Ernährung ist extrem hoch. Die Auswirkungen unseres Nahrungs- und insbesondere unseres Fleischkonsums sind, dass 70 Prozent der direkten Treibhausgasemissionen unserer Ernährung auf tierische Produkte zurückzuführen sind. Unsere fleischbetonte Ernährung ist ein wichtiger Auslöser negativer Umwelteffekte. Auf pflanzliche Produkte hingegen entfällt lediglich knapp ein Drittel dieser Emissionen. Eine fleischarme oder gar vegetarische Ernährung könnte diese Effekte deutlich abmildern. Weiterhin sprechen gesundheitliche und ethische Gründe für einen verantwortungsbewussten Umgang mit den vielfältigen Angeboten der Fleischindustrie.


88

Landverbrauch

Der Druck auf die Fläche für Nahrungsmittel steigt immer mehr. Schon ein leicht erhöhtes Essverhalten verändert den Flächenbedarf an Landwirtschaft. Um den weiter steigenden Bedarf an Nahrungsmitteln auch in Zukunft abdecken zu können, bemühen sich ausländische Investoren bereits heute um den Zugang zu neuen, landwirtschaftlichen Flächen. Schätzungen zufolge wurde seit 2005 eine Fläche von annähernd der Größe Westeuropas übertragen. Wesentlich verantwortlich hierfür sind vermehrt konsumierte Getreideprodukte, Milcherzeugnisse sowie Fleisch. Der jüngste Ansturm auf landwirtschaftliche Nutzflächen wurde durch die Nahrungsmittelkrise der Jahre 2007/2008 ausgelöst. Zu den langfristigen Antriebskräften dieser Entwicklung zählen auch vor allem Bevölkerungswachstum, der immer größere Verbrauch einer reichen Minderheit sowie die gestiegene Nachfrage nach Nahrungsmitteln, Rohstoffen, Brennholz und Biotreibstoffen. Jüngere Forschungsergebnisse zeigen, dass weltweit insgesamt 203 Millionen Hektar Land von Grundstücksübertragungen betroffen sind. Von dieser Gesamtfläche befinden sich 134 Millionen Hektar in Afrika, 43 Millionen Hektar in Asien und 19 Millionen Hektar in Lateinamerika. Dies bestätgigt den noch nie da gewesenen Ansturm auf Land. Oft sind es die besten Agrarflächen, die Ziel dieser Kaufbestrebungen werden. Häufig werden Arme, in

ländlichen Gebieten lebende Menschen dabei ihrer Land- und Wasserressourcen enteignet, die sie im Rahmen der traditionellen Grundbesitzstrukturen gemeinschaftlich nutzten. Viele Fälle zeigen, wie die Ressourcen ländlicher Bevölkerungsgruppen durch den verlorenen Zugang zu Weideland, Wäldern und Sumpfgebieten schrumpfen. Diese Menschen tragen unverhältnismäßig viele Nachteile profitieren aber wegen mangelhafter Regierungsführung nur wenig von den Geschäften. Der Ansturm auf Landflächen führt zu einer Umwandlung der natürlichen Ökosysteme und zu einem damit verbundenen Verlust an biologischer Vielfalt.


wasserverbrauch

Wasserverbrauch Pro-Kopf im jahr 2010 (in Kubikmetern)

Kanada

1.180 m³

USA

UK 150 m³

1.630 m³

China

440 m³

Mexiko 750 m³


Italien

910 m³

Deutschland

390 m³

Chile 2.2000 m³

Neuseeland

1.180 m³

Japan 650 m³

Dänemark 120 m³

Quelle: waterfootprint.org


fischerzeugnisse

fischverbrauch pro-kopf im jahr 2010 (in Kilogramm)

Weltdurchschnitt 20,5 kg


Island 103,2 kg

Japan 80,6 kg

Norwegen 77,5 kg

Portugal 66,2 kg

Finnland 48,0 kg Spanien 53,9 kg

Litauen 40,5 kg Frankreich 41,4 kg

Malta 43,4 kg

Irland 35,6 kg Kanada 37,4 kg

Dänemark 39,4 kg USA 29,6 kg

Schweden 28,9 kg Griechenland 26,4 kg

Großbritannien 30,1 kg

Zypern 23,2 kg

Niederlande 20,4 kg

Estland 22 kg Lettland 19,4 kg

Deutschland 18 kg Österreich 17 kg

Russland 15 kg

Ungarn 8 kg

Polen 13 kg

Quelle: Fischinformationszentrum e.V.


fleischkonsum

fleischverbrauch pro-kopf im jahr 2010 (in Kilogramm)

Weltdurchschnitt 36,4 kg

<0 < 25 < 50 < 75 < 100


Argentinien 98,3 kg

Australien 111,5 kg

China 58,2 kg

Deutschland 88,1 kg

Frankreich 88,6 kg

Indonesien 11,6 kg

Indien 4,4 kg

Russland 62,9 kg

Schweiz 72,3 kg

T端rkei 25,3 kg

USA 126,6 kg

Estland 41,9 kg

Quelle: Statistisches Bundesamt, Wiesbaden 2013


landverbrauch

weltweite verteilung der landwirtschaftlichen fl채che im jahr 2010 (in Prozent)

25%

S체damerika

Afrika

27%


13% 10% 4%

BRICS Staaten

Ostasien

S체dasien

Industriel채nder 21%

Quelle: FAO


VI klima CO2-Emissionen ∙ Ozeane Konflikte ∙ Katastrophen


101

VI klima CO2-Emissionen ∙ Ozeane Konflikte ∙ Katastrophen

CO2

Wissenschaftler untersuchen schon lange mögliche Auswirkungen des Klimawandels und beobachten dabei die Veränderung der Erde. Sie schauen in die Zukunft und zeigen in Analysen auf, dass wir mit schwerwiegenden, möglicherweise sogar katastrophalen Folgen rechnen müssen, wenn wir weiterhin so mit der Erde umgehen wie bisher. Insbesondere ein weiterer Anstieg der Treibhausgasemissionen wird endgültig zur Erderwärmung führen. Das wird viele Ökosysteme der Erde aus

dem Gleichgewicht bringen und somit das Wohlergehen und die Entwicklung der Menschen drastisch beeinträchtigen. Der Klimawandel ist mit Nahrungs- und Wasserknappheit, Konflikte und einem erhöhten Risiko von Naturkatastrophen verbunden. Durch diese Risiken sind vor allem unverhältnismäßig viele arme Menschen mit einer ganzen Reihe von Schwierigkeiten konfrontiert.


102

CO2

CO2-Emissionen

Die Welt gibt immer mehr CO2 in die Atmosphäre ab. Besonders China, Indien und die USA heizen den Klimawandel kräftig ein. Nur radikale Klimaschutzziele würden helfen. Forscher fürchten eine Erderwärmung um fünf °C. Während der CO2-Ausstoß in Europa und den USA im vergangenen Jahr zurückgegangen ist, legte er in Schwellenländern wie China und Indien deutlich zu. Global stiegen die Kohlenstoffdioxid Emissionen im Jahr 2011 demnach um drei Prozent auf 34,7 Milliarden Tonnen im Vergleich zum Vorjahr. Während China ein Plus von knapp 10 Prozent und Indien einen Zuwachs um 7,5 Prozent verzeichnete, stößt die EU 2,8 Prozent und die USA 1,8 Prozent weniger CO2 in die Atmosphäre aus. Mehr als ein Viertel der globalen Emissionen gehen auf das Konto Chinas. Damit ist das Land weltweit führend unter den Klimasündern. Danach folgen die USA mit einem Anteil von 16 Prozent, die EU mit 11 Prozent, Indien mit sieben Prozent. Hohe Emissionen in einigen Entwicklungsländern ändern stetig die globale Verteilung der Emissionen. Das Gerechtigkeitsargument, das noch 1990 galt, trifft 2012 nicht mehr zu. Damals haben Entwicklungsländer noch 35 Prozent der globalen Emissionen verantwortet, 2011 sind es bereits 58 Prozent gewesen. Um das von den Staaten vereinbarte »Zwei-Grad-Ziel« zu erreichen, müssten Industriestaaten auf beiden Seiten ihren

CO2-Ausstoß deutlich reduzieren. Wissenschaftler gehen davon aus, dass wir oberhalb einer Erderwärmung um zwei Grad nicht mehr in der Lage sein werden, auch nur die schlimmsten Folgen des Klimawandels abzuwenden. Laut der Studie steuert die Welt aber eher auf rund fünf °C bis zum Jahr 2100 zu. Ob drei, vier oder fünf °C – fest steht, dass die globale Durchschnittstemperatur steigt. Die Folge wäre unter anderem, dass der Meeresspiegel rasanter und stärker ansteigt, als bislang angenommen. Das könnte wieder zu Hochwassern, stärkeren Unwettern und Salze im Grundwasser führen. Die Auswirkungen sind heute schon spürbar und werden bei Nichtbeachtung weiter zunehmen. Für 2014 rechnen Wissenschaftler mit einem weiteren Anstieg der Emissionen um weltweit 2,8 Prozent, verglichen mit 2013. Die US-Klimabehörde berichtet von einem steigenden Meeresspiegel und stärkeren Regenfällen. Alaska hat sich in den vergangenen 50 Jahren doppelt so schell erwärmt wie der Rest der USA. Dies hat zu einer früheren Schneeschmelze geführt. Die Gletscher gehen rasch zurück und der Permafrostboden taut bereits.


103

Ozeane

In jüngster Zeit kommen die Folgen des Klimawandels zu den Belastungen der Ozeane noch hinzu. Wie die Atmosphäre, so werden auch die Ozeane wärmer. Aufgrund der hohen Wärmekoeffizienz des Wassers hat sich die Oberfläche der Ozeane erst um durchschnittlich 0,6°C erwärmt. In Teilen des Polarmeeres liegt die Erhöhung der Oberflächentemperatur jedoch bei 3 °C. Dieser Temperaturanstieg führt zum einen zu einer Erhöhung des Meeresspiegels, der die Küstenlebensräume bedroht. Zum anderen werden Lebensräume gefährdet: So sind etwa die tropischen Korallenriffe gefährdet. Die Meeresoberflächentemperaturen beeinflussen eine ganze Reihe von Klimavariablen, etwa Lufttemperatur und Luftfeuchtigkeit, Niederschläge, atmosphärische Zirkulation und Sturmaktivität. Die erwärmten Ozeane dehnen sich zudem aus Ein Phänomen, das zu 50 bis 60 Prozent für den seit Mitte des 19. Jahrhunderts beobachteten Anstieg des Meeresspiegels verantwortlich ist. Im 20. Jahrhundert stieg der Meeresspiegel mit 2,1 mm pro Jahr rascher an als in jedem anderen Jahrhundert der letzten 2.000 Jahre. Die steigenden Temperaturen sowohl der Atmosphäre als auch der Ozeane verändern die weltweiten Wetterverhältnisse. Kältere Gebiete erleben wärmere Temperaturen Hitzewellen treten öfter und mit größerer Intensität auf als früher. Überdies verändern sich die Nie-

derschlagsmuster – schwere Niederschläge werden immer häufiger. Außerdem erhöhen sich Häufigkeit und Schwere von Dürreperioden. Es kommt zu einer Veränderung des Verlaufs und der Intensität von Stürmen, so nehmen beispielsweise die tropischen Stürme über dem Nordatlantik an Stärke zu.


» Die Probleme von heute sind mit der Denkweise von gestern nicht zu lösen. « Albert Einstein


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Konflikte

Unter den Auswirkungen des Klimawandels müssen weltweit vor allem die Ärmsten leiden. Viele von ihnen werden aus überfluteten Häusern oder von vertrockneten Felder flüchten. Damit sind in einer dicht besiedelten Welt Konflikte unausweichlich. Die Folgen des Klimawandels sind für manche Weltregionen dramatisch und stellen die internationale Sicherheitspolitik vor neue Probleme. Steigende Temperaturen lassen das Eis in den Polarregionen schmelzen. Dadurch versinken tief liegende Landstriche im Wasser. Küstengebiete oder Flussniederungen werden voraussichtlich häufiger und verheerender überflutet. Andere Regionen sollen den Prognosen zufolge unter Wassermangel leiden. Dort zerstören Hitzewellen und Dürren die Ernten und damit die Lebensgrundlage der Menschen. Durch diese Phänomene des Klimawandels können bereits vorhandene oder aufkommende Konflikte verschärft werden. Besonders betroffen sind Länder, die nur schwache staatliche Strukturen oder ein unzureichendes Rechtssystem haben. Die meisten der Konflikte werden nach Überzeugung der Forschung kaum Kriege zwischen Staaten sein. Viele erwarten stattdessen beispielsweise Streits zwischen Nachbarn um Wasserquellen, Ackerland und Viehweiden. Sobald länger anhaltende Gewalt ins Spiel kommt, sind Fluchtbewegungen kaum zu vermeiden. Der »Darfur-Konflikt« wird von

einigen Wissenschaftlern als der »erste Klima-Krieg« bezeichnet. Der Konflikt in Darfur ist eine seit 2003 andauernde bewaffnete Auseinandersetzung zwischen den verschiedenen Volksgruppen. Das UN-Umweltprogramm stellte fest, dass in den vergangenen Jahrzehnten der Regen in der Region um bis zu 34 Prozent zurückging. In der Folge verließen Menschen ihre Gebiete im Norden und suchten fruchtbareres Land weiter im Süden. Bereits heute lässt die Europäische Union die Außengrenzen der afrikanische Kontinente überwachen. Diese Überwachungen sind die Abschirmung der Reichen gegen die Probleme und Spannungen der Armen. Immer mehr Flüchtlinge ertrinken vor den Toren Europas. Viele dieser Menschen sterben, weil sie nach tagelanger Reise zur Umkehr gezwungen werden. Die Bemühungen zum Schutz der Menschen müssen verstärkt werden. Dies bedingt globale Überwachungen, im schlimmsten Fall beinhaltet das ein »robustes Mandat«. Ein robustes Mandat erlaubt, den eingesetzten Streitkräften die zur Wahrung der internationalen Sicherheit erforderlichen Maßnahmen. Europas Militär wird künftig auch zum Schutz wichtiger Ökosysteme eingesetzt werden. Der Staat will die Armeen künftig in die Lage versetzen, mit schweren Stürmen, großen Fluten oder plötzlichen Massenwanderungen umgehen zu können. 


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Katastrophen

Das Jahr 2013 war ein Jahr voller Naturkatastrophen. 25.000 Menschen kamen ums Leben – davon mehr als 7.000 auf den Philippinen durch den Taifun »Haiyan«. Auch Deutschland und die USA waren 2013 gleich mehrfach stark betroffen. US-Forscher haben diese Unwetter untersucht und kommen zu einem Ergebnis, das viele nicht überraschen dürfte: Die Ursachen sind nicht rein natürlich. Rund die Hälfte der Extremwetter Phänomene im vergangenen Jahr sind einer Studie zufolge durch den Klimawandel verstärkt worden. Umweltentwicklungen werden weitgehend von den menschlichen Aktivitäten bestimmt. Die in diesem Jahrhundert freigesetzten Kohlenstoffemissionen entscheiden über das Ausmaß der künftigen Umweltfolgen. Sie bestimmen, ob die Veränderung des aktuellen Klimas unbedeutend ist oder ob sie eine extreme Abweichung vom aktuellen Klima herbeiführen wird, die Tausende von Jahren bestehen bleibt. In diesem Jahrhundert wird es vermehrt zu heißen Extremereignissen, Hitzewellen und starken Niederschlägen kommen. Die Trends deuten auf extreme Wetterphänomene, Dürren und Waldbrände hin. Wir beginnen, in jeder Region die Auswirkungen des Klimawandels schon jetzt zu fühlen. Zukünftige tropische Wirbelstürme werden stärker, sie werden höhere Spitzenwindgeschwindigkeiten erreichen und von noch stärkeren Niederschlägen

begleitet werden. Demnach ist auch ein Anstieg der Häufigkeit und Schwere von Überflutungen und Dürreperioden zu befürchten. Die Auswirkungen des globalen Klimawandels sind mit größter Wahrscheinlichkeit menschengemacht.


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CO2-Emissionen

die gröSSten verursacher der klimaerwärmung im jahr 2010 (CO2-Emissionen pro-Kopf in Tonnen)

Russland / 15,50

Südamerika / 12,30

EU / 10,50

Brasilien / 8,10

China / 5,20

Mexico / 5,30


USA / 23,50

Kanada / 22,50

Japan / 10,50

Weltdurchschnitt / 6,50

Indonesion / 3,90

Quelle: S端ddeutsche Zeitung


ozeane

erw채rmung des weltozeans von SEIT DEM JAHR 1930 (in Grad Celsius)

+6 1960

+2 1970

+3 1950

+1 1940

0

1930


+12 2010

+10 2000

+8 1990

+5 1980

0 Ë&#x161;C

Quelle: National Oceanic and Atmospheric Administration


konflikte

anzahl der konflikte weltweit im jahr 2012 (nach Konfliktintensit채t)

nationale Macht

internationale Macht

Autonomie

Sezession

niedrige Intensit채t mittlere Intensit채t hohe Intensit채t


Wanderbewegungen

Territorium

politische Ideologie

regionale Vorherrschaft

Ressourcen

Quelle: Heidelberger Institut f端r internationale Konfliktforschung


katastrophen

36,43

Länder mit dem gröSSten Gefährdungsgrad im jahr 2013 (in Prozent)

Philippinien

27,5

20,88 19,81 Bangladesh

Salomonen

Costa Rica

18,11 Kambodscha

16,94 El Salvador


52

28,23 Guatemala

15,18 Vanuatu

16,37 Timor

15,80 Brunei

15,90 Papua-Neuguinea

14,64 Mauritius

13,13 Tonga

10,89

Nicaragua

8,22

Japan

Quelle: Weltrisikoindex 2013


VII auswege Nachhaltigkeit â&#x2C6;&#x2122; Naturkapital Konsumverhalten â&#x2C6;&#x2122; gutes leben


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VII auswege Nachhaltigkeit ∙ Naturkapital Konsumverhalten ∙ gutes leben

Es gab noch nie so viel Wissen, Reichtum und Technologie zur Lösung der dringendsten Menschheitsprobleme wie heute. Wir wissen, was wir tun müssen, wir wissen auch, wie es geht. Aber die bisher in die Wege geleiteten Maßnahmen reichen nicht aus. Wir haben offenbar Angst vor den notwenigen Veränderungen. Damit unsere Zukunft so wird, wie wir sie uns vorstellen, müssen wir handeln. Anderenfalls müssten wir demnächst mit Unverständnis und Verwunderung erkennen,

dass wir unseren Beitrag zu einem guten Leben nicht geleistet haben. Was daraus wird, kann niemand wissen. Aber die größte Reise beginnt immer mit dem ersten Schritt. Der materielle Reichtum infolge der industirellen Revolution hat die Menschen nicht glücklicher gemacht. Wird uns das Ende des wirtschaftlichen Wachstums unglücklicher machen? Die folgenden Argumente zeigen auf, dass es an der Zeit ist, Reichtum und Lebensqualität neu zu definieren.


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nachhaltigkeit

Ozeane, Meere, Wälder, Bäume, Teiche, Flüsse, Wüsten, Polarregionen. Unsere Erde ist einzigartig. Natürliche Ressourcen wie erneuerbare und nicht erneuerbare Rohstoffe, Boden, Wasser, Luft, Nahrung und Energie bilden die Grundlage unseres Wohlstandes auf der Erde. Die Verknappung wichtiger Rohstoffe bei gleichzeitig steigender Nachfrage führt allerdings zu steigenden Rohstoffpreisen und der Erschließung von Rohstoffvorkommen in Gebieten, die besonders sensibel auf menschliche Eingriffe reagieren. Um diese eine Welt für uns, unsere Kinder und weitere Nachkommen lebenswert zu erhalten, müssen wir lernen, nachhaltig, somit zukunftsorientiert zu denken und zu handeln. Eine effizientere Produktion würde die Nachfrage nach Wasser, Land, Energie und anderen natürlichen Ressourcen entscheidend verringern. Damit ließe sich der Fußabdruck verkleinern und der Menschheit helfen, innerhalb der ökologischen Grenzen unserer Erde zu leben. Dies ist angesichts der wachsenden Bevölkerung und der Armutsbekämpfung besonders dringend. Solche Produktionsweisen müssen ein ganzheitliches Wirtschaften mit Nahrung, Fasern, Energie und Trinkwasser ermöglichen. Nachhaltigkeit sollte mehr sein, als nur eine Option. Sie sollte Merkmal eines jeden Rohstoffs, Produkts und Prozesses sein. Schonung natürlicher Ressourcen und Vermeidung

von Abfällen sind ebenso wie der Klimaschutz zentrale Elemente nachhaltiger Entwicklung. Die Kreislaufwirtschaft ist eine tragende Säule einer »Green Economy«. Der wichtigsten Herausforderung einer nachhaltigen Gesellschaft und Wirtschaftsweise im 21. Jahrhundert für Unternehmen und Verbraucher gleichermaßen. Über Ressourcennutzung und Abfallwirtschaft hinaus belastet der Verbrauch energieintensiver Materialien vor allem auch das Klima. Um die Umwelt zu schonen, müssen Kreisläufe weiter geschlossen und Produkte effizienter und nachhaltiger genutzt werden. Auch die regionale Energieerzeugung ist ein entscheidendes Element für den Umbau in die Green Economy. Weiterhin ist ein breites und nachhaltiges Engagement in Forschung und Entwicklung erforderlich. Internationale Investitionen sind ein wichtiger Motor für ein weltweit nachhaltiges Wachstum. Begrenzte Vorkommen fossiler Energieträger und die zunehmende Umweltbelastung erfordern, Energie nur noch sparsam zu nutzen. Zukünftig ist ein intelligenterer Umgang mit Energie unerlässlich.


» Das gröSSte Übel bei den Menschen ist ihre Unersättlichkeit. «

VII. auswege

Philosoph Menander


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naturkapital

Die Natur leistet mehr als es den meisten Menschen bewusst ist, doch der Mensch wird gegenüber der Natur immer rücksichtsloser. Die Überzeugung, dass wir uns die Natur zu eigen machen sollen, während die eigene Natur für die meisten Veränderungen verschlossen ist, hat zu mehreren globalen Krisen geführt – zum Klimawandel, der wachsenden Ungleichheit und zu einem Verlangen nach dem Unerreichbaren. Wir müssen das Naturkapital erhalten und wieder ins Zentrum der menschlichen Wirtschaftssysteme und Gesellschaften rücken. Unsere Anstrengungen sollten sich auf den Schutz und die Wiederherstellung solcher ökologischen Prozesse konzentrieren, die für die Nahrungs-, Wasser- und Energiesicherheit und die Widerstands- und Anpassungsfähigkeit gegenüber dem Klimawandel unverzichtbar sind. Die Vielfalt von Arten und Lebensräumen muss geschützt werden, genauso wie die Ausbeutung der Natur beendet werden muss. Wir sollten uns daher der Ursprünge dieses räuberischen Verhaltens annehmen. Es wird inzwischen allgemein anerkannt, dass die Störung der Biosphäre und die Sucht des Menschen nach Fortschritt direkt zum Klimawandel geführt haben. Auch wenn es nicht widerstandslos hingenommen und die Verantwortung einer Natur anerkannt wird. Warum ist es so schwierig geworden, zwischen der Industrialisierung und unserer Natur zu unterscheiden? Wer die

Bedrohung der Natur und des Klimas durch die Globalisierung auflösen will, der muss vor allem unsere Natur achten und sie vor menschlicher Ausbeutung schützen. Wir müssen aufhören unsere Natur zu zerstören. Denn der Mensch ist von ihr nicht zu trennen. Ein unmittelbarer Schwerpunkt muss die drastische Verkleinerung des ökologischen Fußabdrucks einkommensstarker Länder sein. Veränderte Ernährungsmuster der wohlhabenderen Länder sowie eine Verringerung der Lebensmittelabfälle sind von grundlegender Bedeutung. Vielleicht gibt es für die Reichen andere Arten des Wohlstandes und für die Armen andere Wege aus der Armut als all jene, die uns bekannt sind. Doch sie werden blockiert von der Überzeugung, dass die Disziplinen der Marktwirtschaft, insbesondere der stete Wachstumsgedanke, als einziger Pfad erscheinen, unsere Träume zu verwirklichen und Albträume zu verhindern. Ebenso wichtig sind Innovationen zur Verringerung des Fußabdrucks mit dem Ziel »klein und fair«, die Entwicklungs- und Schwellenländer in die Lage versetzen, bei möglichst geringem Verbrauch natürlicher Ressourcen die Bedürfnisse und Rechte ihrer Bevölkerung zu erfüllen. Das »World Forum on Natural Capital« ist die erste globale Konferenz, die sich ausschließlich dem Thema der Naturkapital Bilanzierung widmet. Sie baut auf dem enormen Interesse des privaten Sektors auf,


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das während des »United Nations Earth Summit« sowie der verschiedenen seither vorangeschrittenen Entwicklungen demonstriert wurde. Sauberes Wasser, saubere Luft, fruchtbare Erde, Fischbestände und Wälder sind allesamt Beispiele für Naturkapital, auf dem das menschliche Wohlergehen und unser wirtschaftlicher Wohlstand beruht. Dies resultiert derzeit in einem schnelleren Verlust von Naturkapital als jemals zuvor. Ein aktueller Bericht der »TEEB for Business Coalition« kalkuliert die Kosten externer Umweltauswirkungen auf ganze 7,3 Billionen US-Dollar pro Jahr. Diese Summe wird weiter ansteigen wenn wir nichts dagegen tun.


» Du musst die Veränderung sein, die du in der Welt sehen willst. « Mohandas Karamchand Gandhi


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konsumverhalten

Es ist nicht zu leugnen, dass Menschen schon immer nach Besitztümern verlangt haben, die ihnen Schutz gegen die existentielle Trostlosigkeit sein sollten, sie suchten nach Illusionen gegen die Endlichkeit des Lebens. Grabmäler von weit zurückliegender Epochen sind überhäuft mit kostbaren Objekten, die den Toten auch noch im Jenseits zugute kommen sollten. Es wurde eben nicht ernsthaft daran geglaubt, dass sich vollkommene Glückseligkeit in diesem kurzen Leben erreichen ließe. Im Zeitalter der Industrialisierung hat sich dieses Denken nicht groß verändert. Denn Kaufen verspricht Glück und Befriedigung aller bestehenden Bedürfnisse. Deshalb wird so viel produziert wie noch nie und den Konsumenten steht eine noch nie da gewesene Produktvielfalt zur Verfügung. Heute kann man sich mit Marken- und Luxusprodukten ein hohes Ansehen in der Gesellschaft erkaufen. Weckt doch jedes neue Produkt die Hoffnung, das Leben noch ein klein wenig besser zu machen. Die Tricks der Marketingstrategen und Verkäufer treffen heute mehr denn je auf eine verunsicherte Gesellschaft, die nach Halt und Bestätigung sucht, oft auch nur nach Beschäftigung. »Shoppen gehen« ist ein Hobby geworden, ein Mittel zur Stimmungsregulation und Selbstoptimierung. Doch das Glück in Tüten ist trügerisch. Wen hat nicht schon einmal nach dem Rausch das schlechte Gewissen

beschlichen, dass immer mehr nie genug ist – wohl aber Geld, Zeit und Energie kostet. In Wirklichkeit erzeugt es keine langfristige Befriedigung. Aber der Kapitalismus lebt von der Unersättlichkeit menschlicher Bedürfnisse. Um den Kapitalismus am Leben zu halten, braucht es Menschen, die süchtig nach allen möglichen Dingen sind. Wenn wir ehrlich sind, ist es nicht schwer, diese Menschen zu finden. Wir sind am Neuen interessiert. Durch Neuheiten erzählen wir einander Geschichten darüber, wie wichtig wir sind. Die Statusfrage ist nur eine der sozialen Dynamiken, die durch das Neue gedeihen. Neuerungen vom Fortschritt machen Hoffnung auf eine bessere, schönere Welt für uns selbst, unsere Kinder und Kindeskinder. Und sollten wir diese Sehnsucht jemals vergessen oder preisgeben, steht ein gerissener Werber parat, um uns davon zu überzeugen, Geld, das wir nicht haben, für Dinge auszugeben, die wir nicht brauchen. Diese extreme Steigerung der Wirtschaftstätigkeit steht in völligem Widerspruch zu unseren wissenschaftlichen Erkenntnissen über die endliche Ressourcenbasis unseres Planeten und die störungsanfällige Ökologie, von der unser Überleben abhängt. Im Großen und Ganzen neigen wir dazu, die Wirklichkeit zu ignorieren. Ein Leben innerhalb der ökologischen Grenzen unseres Planeten erfordert auch globale Konsummuster, die im Einklang mit der Biokapazität der Erde stehen.


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gutes leben

Was ist ein »gutes Leben« und warum wollen wir immer mehr Geld verdienen? Eigentlich haben wir alle, insbesondere in den Industrieländern, doch längst alles und leben im materiellen Überfluss. In unserer Wachstumsgesellschaft dreht sich alles nur noch um einen Glaubenssatz: Verdiene so viel Geld, wie du kannst, denn »Hast du was, bist du was!« Doch die inhaltsleere Anhäufung von Kapital ist nur ein zweifelhafter Selbstzweck. Wozu also verdienen wir Geld? Wir haben in der westlichen Welt einen ausreichenden Wohlstand. Nicht jeder einzelne, aber gesamtgesellschaftlich. Genug um ein »gutes Leben« zu führen. Aber wir haben vergessen, wozu Geld da sein sollte. Was an unserer heutigen Gesellschaft historisch einzigartig ist: Wir fördern die Gier heraus. Frühere Zivilisationen kannten das auch, aber bezeichneten sie als Sünde, versuchten ihr Grenzen zu setzen. Der Unterschied zu heute ist, dass wir Gier für etwas Natürliches halten. Wie viel ist genug, was brauchen wir für ein gutes Leben und was glauben wir nur zu brauchen? Einige Ökonomen und Philosophen haben zu diesem Thema viel geschrieben. Von Aristoteles über Buddha, von Marx bis Keynes, zu allen Zeiten, in allen Kulturen wurden dieselben Basisgüter für wertvoll erkannt. Freundschaft und soziale Sicherheit gehören ebenso dazu wie die Begegnung mit der Natur. Und die Muße. Die hatte zu allen Zeiten einen hohen

Stellenwert. Mit der Muße ist nicht das Konsumieren von Freizeitangeboten gemeint und auch keine Sportprogramme, die nur den einen Zweck haben, uns fit zu halten für die Zumutungen des Arbeitsmarktes. Muße bezeichnet die Zeit, welche eine Person nach eigenem Wunsch nutzen kann. Dinge die du nicht machen musst, um Geld zu verdienen, sondern die du machen willst, weil sie dich erfüllen. Muße könnte also bedeuten, ein Buch zu schreiben oder ein Instrument zu lernen oder zu malen. Man könnte also sogar mit Muße sein Geld verdienen. Aber die Hauptmotivation sollte sein, dass es Freude bereitet. Wenn wir nach mehr Muße statt Konsum streben wollen, dann müsste sich zunächst Grundlegendes ändern – nämlich unsere Werte! Die Erziehung ist ein ganz entscheidender Punkt. Im Moment erziehen wir Menschen vor allem für den Arbeitsmarkt. Einen Arbeitsmarkt der immer kleiner wird. Deshalb sagen wir: Dann beginnen wir mit der Ausbildung unserer Kinder noch früher. Am besten von der Wiege direkt ab in die Schule. Damit der Nachwuchs im globalen Wettbewerb mithalten kann. Das ist totaler Unsinn. Erziehung müsste einem Menschen vielmehr vermitteln, was wir mit unserer Zeit anfangen können, um ein gutes Leben zu führen, unabhängig von Geld und Wachstum.


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Nachhaltigkeit

Eine Methode zur Visualisierung einer nachhaltigen Bewertung (in Dimensionen)

Soziales

Ă&#x2013;konomie

Ă&#x2013;kologie


Klima

Ressourcen

Natur Wert

Mitarbeiter Kosten Kunden Umsatz

Gesellschaft

Quelle: ISM, Institute for Supply Management


Naturkapital

weltweite kosten externer Umweltauswirkungen pro jahr (in Billionen US-Dollar)

7.300.000.0


00.000 US$

Quelle: TEEB for Business Coalition


konsumverhalten

konsum in deutschland im vergleich zum jahr 1980 und 2010 (Durchschnittswerte in Euro pro Einwohner)

Jahr 1980 Jährliche Mietzahlungen: 428,30 €

Monatliches Haushaltsnettoeinkommen: 1.150 €

Haustiere: 22,40 €

Unterhaltungselektronik: 153,40 €

Gastronomie: 298,40 €

Kauf von Fahrzeugen: 283 €

Bekleidung: 530,30 €

Preis für eine Kinokarte: 3,20 €

Nahrungsmittel: 994,70 €

Haushaltsgeräte: 85,50 €

Stromkosten: 134,80 €

Schuhe: 105,10 €


Jahr 2010 Jährliche Mietzahlungen: 1.164,10 €

Monatliches Haushaltsnettoeinkommen: 1.559 €

Haustiere: 49,10 €

Unterhaltungselektronik: 259,90 €

Gastronomie: 783,10 €

Kauf von Fahrzeugen: 786,20 €

Bekleidung: 692,70 €

Preis für eine Kinokarte: 7,40 €

Nahrungsmittel: 1.606,70 €

Haushaltsgeräte: 126,40 €

Stromkosten: 373,90 €

Schuhe: 143,10 €

Quelle: Wohlstand in Zahlen


gutes leben

weltweiter wirtschaftswachstum verglichen mit glück im jahr 2010 (in Prozent)

29

16

18

33

23

10 1950

Pro-Kopf-Einkommen Prozent »sehr glücklicher Menschen«

1960

1970


90

75

60

45

26 15

1980

1990

21

20

2000

2010

Quelle: General Social Survey


nach wort In unserem unvorstellbar großen Universum gibt es nur einen »Planet Erde« mit einer dünnen Zone voller Leben. Er ist das Zuhause von 7 Milliarden Menschen. Er beherbergt Wälder, Berge, Savannen, Meere, Seen und Flüsse. Er ist Heimat aller darin lebenden Tier- und Pflanzenarten. Die Erde ist wunderschön, aber auch empfindlich und schutzbedürftig. Es liegt an uns: Tatsächlich können wir eine bessere Zukunft aufbauen, die Nahrung, Wasser und Energie für jene 9, vielleicht sogar 10 Milliarden Menschen bereithält, die sich im Jahr 2050 die Erde teilen werden. Wir sind in der Lage, die von uns benötigte Nahrung zu produzieren, ohne den ökologischen Fußabdruck der Landwirtschaft weiter zu vergrößern – ohne noch mehr Wälder zu zerstören, ohne den Einsatz noch größerer Wassermengen oder Chemikalien. Vielversprechend sind beispielsweise Lösungen zur Reduzierung von Umweltverschmutzungen, der Einsatz von besserem Saatgut und besseren Anbautechniken, die Umwandlung von degradiertem Land in Anbauflächen und die Veränderung unserer Ernährungsgewohnheiten, insbesondere indem wir in den einkommensstarken Ländern weniger Fleisch konsumieren. Wir können sicherstellen, dass genügend Wasser vorhanden ist, um unseren Bedarf zu decken. Und wir können gleichzeitig die Flüsse, Seen und Sumpfgebiete gesund erhalten, denen wir unser Wasserangebot zu verdanken haben. So machen es intelligentere Bewässerungstechniken und Ressourcenplanungen möglich, Wasser effizienter zu nutzen. Wir können unseren gesamten Energiebedarf aus Quellen wie Wind und Sonnenlicht decken. Diese Ressourcen sind sauber und im Überfluss verfügbar. Besonders notwendig ist es, genutzte Energie stärker auszuschöpfen. Mit effizienteren Gebäuden, Autos und Fabriken können wir den Gesamtenergieverbrauch halbieren. In Kombination mit diesen Einsparungen ist es uns möglich, unseren Gesamtenergiebedarf mit Energie aus erneuerbaren Quellen abzudecken. Wird die Erde weiter so mit Müll verschmutzt wie bisher, müssen sich künftige Generationen mit gravierende Folgen arrangieren. Wir können zur Reduzierung von Müll beitragen. Diese und andere Lösungen, die in meiner Bachelorarbeit zur Sprache gekommen

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sind, zeigen: Wir alle müssen dazu beitragen, dass die Erde lebendig bleibt, eine Erde mit genügend Nahrung, Wasser und Energie für alle, eine Erde mit dynamischen Ökosystemen, die eine Grundlage des Lebens bildet. Wir haben es in der Hand, unser Zuhause zu retten – und zwar nicht nur für uns, sondern auch für zukünftige Generationen. Jeder von uns kann einen Beitrag leisten: In der Art und Weise, wie wir regieren, verwalten, produzieren und konsumieren. Wir müssen unser Leben zum eigenen und fremden Wohl gestalten.


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qu ell en /B/D/F/G Bundesamt f端r Umwelt B端ndnis Entwicklung Hilft Deutsche Umweltstiftung F旦rderverein Wachstumswende Fraunhofer Institut Global Footprint Network Global Marshall Plan Greenpeace /H/L/N Heidelberger Institut Love Green National Geographic /S/I Spiegel Online Statista Statistisches Bundesamt Stern S端ddeutsche Zeitung ITU Statistics /W/Z Die Welt Wohlstand in Zahlen World Forum Foundation World Ocean Review WWF Die Zeit


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liter atur ver zeich nis / Atlas der Globalisierung Die Welt von morgen Le Monde diplomatique Barbara Bauer / Befreiung vom Überfluss Auf dem Weg in die Postwachstumsökonomie Niko Paech / Bringen wir das Klima aus dem Takt? Hintergründe und Prognosen Forum für Verantwortung Mojib Latif / Der Ecological Footprint Die Welt neu vermessen Mathis Wackernagel / Die Zukunft der Erde Was verträgt unser Planet noch? Ernst Peter / Energien des 21. Jahrhunderts Der Wettlauf um die Lagerstätten Forum für Verantwortung Hermann-Josef Wagner / Futurzwei Zukunftsalmanach 2013 Geschichten vom Umgang mit der Welt Harald Welzer Stephan Rammler

/ Nutzen wir die Erde richtig? Von der Notwendigkeit einer neuen industriellen Revolution Forum für Verantwortung Friedrich Schmidt-Bleek / Selbst denken Eine Anleitung zum Widerstand Harald Welzer / Welt mit Zukunft Die ökosoziale Perspektive Bert Beyers / Wie viel ist genug? Vom Wachstumswahn zu einer Ökonomie des guten Lebens Robert Skidelsky / 2052. Der neue Bericht an den Club of Rome Eine globale Prognose für die nächsten 40 Jahre Jorgen Randers


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impressum

Bachelorarbeit WS 2013/14 PLANET ERDE

Verwendete Schriften Brandon Grotesque Avenir

Herausgeber Elena Herberger Liselottestraße 18 68723 Schwetzingen

Papier Metapaper Extra Rough Coldwhite FSC-zertifiziertes Naturpapier 150g/m²

Kontakt elena.herberger@hotmail.de www.elenaherberger.de Hochschule HS Mannheim Fakultät für Gestaltung Paul-Wittsack-Straße 10 68163 Mannheim Erscheinungsdatum 2014-01-10 Betreuung Prof. Veruschka Götz Zweitkorrektor Steffen Herbold

Druck NINO Druck GmbH Im Altenschemel 21 67435 Neustadt Bindung Buchbinderei Dyroff Römerstraße 23 69115 Heidelberg


in »Planet Erde – aufgebraucht ?!« geht es um die Hinterfragung und Ausarbeitung dieser Aussage , die sich mit dem umfangreichen Thema Ressourcenknappheit beschäftigt. Wer verbirgt sich hinter den gröSSten Verursachern von Treibhausgasen? Wie sicher ist uns eine saubere Trinkwasserversorgung? Was sind die Auswirkungen des Klimawandels? Welche Gefahr verbirgt sich hinter dem Fleischkonsum? Wie wird sich die Weltbevölkerung entwickeln? Diese und andere Fragen zur Ressourcenknappheit, Zusammenhänge zwischen Biodiversität und dem Menschen bis hin zu neue Wege für einen lebendigen Planeten werden durchleuchtet. gestaltung und texte von elena herberger © 2014

www.planet-erde-aufgebraucht.com


Planet Erde – aufgebraucht?!