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GRUPPE  

Wissen, was auf dem Werksgelände abgeht GMH Systems / GMHütte · Wenn die Lieferanten- und Versandströme im Werk zunehmen, wird es schnell unübersichtlich. Yard-Management-Systeme ermöglichen es, Versandprozesse integrativ und kontrolliert abzuwickeln.

den Lkw-Versand zu einem Kun­ den: Die von uns beauftragte Spedition bekommt über unsere Web-Plattform einen Transport­ auftrag und nach Bestätigung den entsprechenden Yard-Beleg. Damit kann sich der Lkw eigenständig am SB-Terminal … Will sagen: Selbstbedienungs-Terminal … Mergelmeyer: Genau … an der Werkseinfahrt der GMH ütte regis­ trieren und automatisch verwie­

Seit einem Jahr wird die Versandund Hoflogistik der GMH ütte mit einem Yard-Management-System (YMS ) gesteuert. Zeit, eine kleine Zwischenbilanz zu ziehen. Was es mit dem YMS auf sich hat, wie es funktioniert und ob es sich bewährt hat, beschreiben Christoph Schmitz (Berater GMH Systems) und Thorsten Mergelmeyer (Versandleiter Georgsmarienhütte) im glückauf-Interview:

Wie wurden denn alle diese Versandprozesse bis zur Einführung des YMS abgewickelt und gesteuert? Mergelmeyer: Fast komplett ma­ nuell und ohne Systemunterstüt­ zung. Welche Ziele haben Sie mit der Einführung des YMS verfolgt? Mergelmeyer: Wir wollten unse­ ren Versand optimaler planen und steuern, um die Durchlauf- und Standzeiten der Fahrzeuge auf dem Werksgelände zu minimie­ ren. Gleichzeitig wollten wir die Versandabläufe vereinfachen und harmonisieren. Ferner sollten zeit­ gemäße Anforderungen an Doku­

Thorsten Mergelmeyer und Christoph Schmitz mit dem Yard-Management-Team

mentation, Berichtwesen sowie Ar­ chivierung erfüllt werden. Wer war an der Entwicklung und Implementierung des YMS beteiligt? Christoph Schmitz: Wir von der GMH Systems hatten die General­ unternehmerschaft. Unterstützt wurden wir von der Leogistics GmbH, einem SAP -Lösungsanbie­ ter für Logistikprozesse. Mergelmeyer: Vonseiten der Hütte waren die DVK , der Verladebetrieb, die Werkssicherheit, die Neubau-/ Planungsabteilung der GSG , GET und der Versand in das Projekt ein­ gebunden. Was war denn an IT-Technik erforderlich, um das YMS einzuführen? Schmitz: Zentrales Element war das SAP -Add-On Leogistics Yard Suite. Es musste – das war Grund­

voraussetzung – in die SAP-ERP Landschaft der GMHütte integriert werden. Auf den Terminals läuft eine Net-Anwendung, die die Da­ ten der Waage über einen OPC -Ser­ ver entgegennimmt. Diese werden mit denen am Terminal eingegebe­ nen Daten ergänzt und dann per Schnittstelle an das SAP übertra­ gen. Und wie läuft heute der Versandprozess ab? Mergelmeyer: Planung und Durch­ führung liegen in den Händen der Versandmitarbeiter mit der Unter­ stützung der am Prozess beteiligten Bereiche. Können Sie mal ein Beispiel dafür nennen, wie solch ein Vorgang funktioniert? Mergelmeyer: Nehmen wir mal

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gen. Nach der Verwiegung fährt der Lkw-Fahrer direkt zur geplan­ ten Ladestelle in den Betrieben. Als Orientierungshilfe haben wir eine neue Beschilderung zu den einzel­ nen Ladestellen aufgestellt. Nach der Verladung und Durchführung der Ladungssicherung erhalten die Fahrer die Lieferdokumente an den SB-Terminals im Versand. Zum Ab­ schluss fährt der Lkw auf die Aus­ gangswaage an Tor IV, wird auto­ matisch verwogen und verlässt das Werk. Und was trägt jetzt das YMS zu all diesen Vorgängen bei? Schmitz: Einen detaillierten und aktuellen Überblick über den Sta­ tus der auf dem Werk befindlichen Lkw beziehungsweise Waggons. Die eingeführten Zeitfenster er­ möglichen nun eine gleichmäßige,

Engpass einfach weggeblasen Mannstaedt · Eine Produktionskette ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied. Also tut man gut daran, das schwächste Glied zu verstärken. Doch danach tut sich oft bereits die nächste Schwachstelle auf …

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erkettete Anlagen bergen ei­ ne große Gefahr: Oft wird eine der Einzelanlagen zum Engpass. Bei Mannstaedt war dies bei den großen Profilen traditionell der ei­ gentliche Walzprozess. Alle nach­ geschalteten Arbeitsgänge hinge­ gen wie Abkühlen, Richten und Verpacken konnten den Takt der Walzstraße gut mithalten. Dieser Zustand hat sich aller­ dings unmittelbar verändert, nach­ dem man die Leistung der Walz­ straße durch mehrere KVP -Projekte und gezielte Investitionen deutlich gesteigert hatte. Jetzt kam es immer häufiger zu Stillständen, weil das Walzgut vor der Richtmaschine nicht auf die er­ forderliche Temperatur abgekühlt war, um es optimal weiterzuverar­

Mit welchem Ergebnis? Schmitz: Mit dem YMS hat die GM­ Hütte den kompletten Überblick darüber, was an Bewegung auf dem Werksgelände vor sich geht – von der Einfahrt bis zur Ausfahrt der Lkw beziehungsweise der Waggons. Der Versandprozess beginnt dabei mit der Laderaumbeschaffung und Disposition des Fertigmaterials auf die entsprechenden Verkehrsträger – also auf Bahn, Lkw oder Seeschiff. Zahlt sich das System auch anderweitig aus? Mergelmeyer: Ja, definitiv. Wir konnten mit dem YMS unter an­ derem den Trailertausch und die damit verbundenen Kosten einspa­ ren. Schmitz: Erwähnenswert ist auch, welche Kontroll-, Analyse- und Auswertungsmöglichkeiten das YMS bietet, die im SAP-BW mit dem System implementiert worden sind. Für den operativen Betrieb sind es beispielsweise Hoflisten, Zeitfenster-Übersichten oder auch Beladeübersichten, für strategische Auswertungen beispielsweise Bela­ dezeiten oder auch die Auslastung von Verladungen.

INTERVIEW

glückauf: Weshalb war ein Yard-Management überhaupt notwendig, Herr Mergelmeyer? Thorsten Mergelmeyer: Dazu muss man zunächst einmal einen Blick auf die internen Verkehrsströme bei uns auf der Hütte werfen: Wir haben ein Aufkommen von etwa 300 Lkw täglich. Darunter sind etwa 100 Versand-Lkw – der Rest Anlieferverkehre, beispielsweise Le­ gierungen für das Stahlwerk. Wei­ terhin werden unsere Produkte per Güterbahn beziehungsweise See­ schiff zum Kunden gebracht. Diese Prozesse galt es, systemtechnisch abzubilden.

kontinuierliche Verteilung der Lkw und Waggons.

Haben Sie sie schon entdeckt? Projektleiter Klaus Hipke zeigt auf die Ventilatoren, die Foto: Bernd Krist für eine bessere Abkühlung der Walzstäbe sorgen.

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beiten. Die Frage war deshalb für Mannstaedt: Wie können wir kurz­ fristig die Abkühlleistung des Kühl­ bettes ohne große bauliche Verän­ derungen erhöhen? Die Lösung lag darin, unterhalb des Kühlbettes zusätzliche Ventila­ toren zu installieren. Das Walzgut wird dadurch mit einem beson­ deren Luftstrom beaufschlagt: der sogenannten erzwungenen Kon­ vektion. Dadurch wurde möglich, was mit der einfachen natürlichen Konvektion bislang nicht möglich war: Jetzt benötigt das Kühlbett zum Abkühlen auf maximal 50 °C deutlich weniger Zeit. Die Ventilatoren wurden wäh­ rend des Sommerstillstandes in­ stalliert und laufen seitdem rei­ bungslos. In weiteren Projekten

Läuft das YMS schon rund? Mergelmeyer: Das System läuft be­ reits seit der Inbetriebnahme sehr stabil. Natürlich gibt’s immer was zu verbessern. Mit unserem Pro­ jektteam werden entsprechende Optimierungen fortlaufend im Sys­ tem umgesetzt. Vielen Dank für das Gespräch. 

Hätten Sie’s gewusst? Yard Management

Yard-Management-Systeme (YMS) registrieren in der Regel Ein- und Ausfahrten inkl. Ladung automatisch und genau. Auf dieser Grundlage schafft man einen Überblick über die Warenbestände, die sich aktuell auf dem Hof befinden bzw. noch nicht im Wareneingang oder im Lager registriert sind. Zudem kann man die Be- und Entladung optimal koordinieren (Zeiten, Orte), um so auch Wartezeiten an den Rampen und Toren zu reduzieren.

wird Mannstaedt nun Temperatur­ messstellen und Sensoren auf dem Kühlbett installieren, um die Ven­ tilatoren möglichst energieeffizient einzusetzen. Dank der Ventilatoren bzw. Ab­ kühlung ergibt sich übrigens ein zusätzlicher qualitativer Produkt­ vorteil, der den Kundenwünschen sehr entgegenkommt. Zum Verständnis muss man wissen: Asymmetrische Profile, die nicht bei Raumtemperatur ge­ richtet werden, verziehen sich bei der vollständigen Abkühlung noch ganz leicht – eine Auswir­ kung, die den immer weiter stei­ genden Geradheitsansprüchen der Mannstaedt-Kunden aus der Gabel­ staplerindustrie natürlich zuwider­ läuft. Anders liegt der Fall bei den heute deutlich unterhalb von 50 °C abgekühlten Werkstücken. Denn Messungen mit den laserbasier­ ten Geradheitsprüfanlagen von Mannstaedt haben eindeutig be­ wiesen: Die Geradheit hat sich im Querschnitt aller Profile deutlich verbessert. Dr. Franz-Dieter Philipp 

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glückauf 4-2016 – die Zeitung für Mitarbeiter, Kunden und Freunde der GMH Gruppe.

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