Page 12

12  

PRODUKTION & INNOVATION

GMHütte // Initiative Massiver Leichtbau

Lkw-Antriebsstrang um 124 Kilogramm erleichtert Phase III: 481 Projektideen für leichtere Hybrid-Pkw und Lkw. Die dritte Phase der „Initiative Massiver Leichtbau“ ist bereits voll im Gange. Dazu hatten sich 39 Firmen der Stahlherstellung und Massivumformung aus Europa, Japan und USA zusammengefunden. Ihr Ziel: Leichtbaupotenziale an einem Hybrid-Pkw und an kraftübertragenden Komponenten eines konventionellen Lkw-Antriebstrangs aufzeigen. Dazu ein glückauf-Interview mit Dr. Thomas Wurm: glückauf: Wann begann die dritte Phase, Herr Dr. Wurm? Dr. Thomas Wurm: Bereits im Juli 2017. Da begann die fka Forschungsgesellschaft Kraftfahrwesen in Aachen mit ihrer Arbeit: Sie zerlegte einen hybridisierten Allrad-SUV mit Split-Axle-Antrieb und dokumentierte das Ganze. Dasselbe passierte mit Getriebe,

„Wir möchten neue Leichtbaulösungen auf Basis der Massivumformung in die Anwendung bringen.

DR. HANS-WILLI RAEDT Sprecher der Initiative für die Unternehmen der Massivumformung

Initiative Massiver Leichtbau Was will die Initiative Massiver Leichtbau? Sie möchte den Austausch über Einsatzmöglichkeiten von Leichtbau im Automobil fördern, und zwar entlang der kompletten Lieferkette Stahlherstellung – Massivumformung – Komponentenherstellung – Einsatz. 2013 haben sich 24 Unternehmen der Massivumformung und der Stahlherstellung in der „Initiative Massiver Leichtbau“ zusammengeschlossen. Sie wollten aufzeigen, welche Beiträge sie zum automobilen Leichtbau leisten. Experten beider Branchen haben sich gefragt, wie einzelne Bauteile leichter werden können – sei es mit werkstoff- und fertigungstechnischen, sei es mit konstruktiven Maßnahmen. Die Palette reichte dabei von der Kurbelwelle über Getriebewellen und Zahnräder bis hin zur Schraube. Mit beeindruckenden Ergebnissen: Dank optimierter Bauteile konnte man das Gewicht eines Mittelklasse-Pkw um durchschnittlich 10 Prozent senken und 42 kg Gewicht einsparen. In Projektphase II haben dann 28 Unternehmen der Massivumformung ein leichtes Nutzfahrzeug optimiert – und eine Einsparung von sogar 99 kg erzielt.

Kardanwelle und Hinterachse eines schweren Nutzfahrzeuges. Mit begleitenden Studien ermittelte man die primären und sekundären Effekte, die sich beim Leichtbau für die Getriebe von Hybridfahrzeug und Lkw erge-

ben. Eine weitere Studie befasste sich mit den Anwendern … … die potenziellen Kunden? Dr. Wurm: Genau. Die Frage war, welche Informationen sie erwarten, wenn man neu entwickelte

Es werde Licht Finalbetrieb optimiert Beleuchtung. Das Ergebnis ist heller, kostengünstiger und dennoch energieeffizienter.

glückauf: Wer befasste sich mit der Umrüstung, Herr Disselkamp? Sven Disselkamp: Ein Projektteam von Mitarbeitern aus Anlagentechnik, Einkauf, Finalbetrieb und Energiemanagement. Denn wir wollten auf Nummer sicher gehen, dass wir Energiekosten und den Aufwand für die Instandhaltung reduzieren. Und das Team konnte frei schalten und walten, wie es wollte? Disselkamp: Technische Vorbedingung war: Anzahl und Ort der vorhandenen Lichtpunkte sollten unangetastet bleiben. Ansonsten wäre der Installationsaufwand

glück auf 3-2018

höherfeste Getriebestähle anwenden will.

gestiegen – und mit ihm Sven Disselkamp die Kosten. Werksfotos Aber sonst hatten wir freie Hand. WIr haben dann verschiedene Hersteller sowie mehrere Testleuchten, Modelle und Bauformen unter die Lupe genommen. Zurückgreifen konnten wir dabei auf Erfahrungen der Kollegen von Mannstaedt. Die hatten bereits ein ähnliches Projekt erfolgreich umgesetzt. Und wie ist die Entscheidung für Hersteller und Leuchten gefallen? Disselkamp: Unter dem Motto

Und welche Einsparungen könnte man erzielen? Dr. Wurm: Der Hybrid-Pkw mit den oben genannten Systemen hatte eine Referenzmasse von 816 Kilogramm; hier wären insgesamt 93 Kilogramm möglich.

Wann wurden die Ergebnisse diskutiert? Dr. Wurm: Ende Januar 2018. Da lud die fka alle projektbeteiligten Unternehmen zu einem Workshop Dr. Thomas Wurm (Leiter Technische Kundenberanach Aachen ein. 80 tung und AnwendungsentExperten haben dort wicklung bei der GMHütte unter anderem auch Also 11 Prozent weniund Sprecher der Initiative die Bauteile im Hinger Gewicht! Massiver Leichtbau für die blick auf mögliche Stahlhersteller) Werksfoto Dr. Wurm: Richtig. Und Leichtbaumaßnahmen für den Lkw-Antriebsbegutachtet. Nach dieser Begutstrang mit einer Referenzmasse achtung haben sie dann in ihren von 909 Kilogramm summieren Unternehmen Ideen entwickelt. sich diese Leichtbauansätze auf insgesamt 124 Kilogramm – mehr Und was ist dabei rumgekommen? als 13 Prozent. Dr. Wurm: 350 Leichtbauvorschläge für Fahrwerk, AntriebsWie geht es jetzt weiter? strang, Getriebe und ElektroDr. Wurm: Wir präsentieren erste nikteile des Hybrid-Pkw und Ergebnisse auf der IAA Nutz131 zur Gewichtsreduktion des fahrzeuge in Hannover, auf dem Lkw-Antriebsstrangs. Kolloquium Fahrzeug- und Motorentechnik in Aachen und auf der Internationalen Zuliefererbörse in Erste Wolfsburg.

Leichtbauvorschläge

Präsentiert wurden/werden die erarbeiteten Ideen auf der 67. IAA Nutzfahrzeuge (Hannover), 20. – 27. September, Halle 23 (Stand C18); beim 27. Kolloquium Fahrzeug- und Motorentechnik (Aachen), 8. – 10. Oktober, EG (Stand 37) und auf der 9. IZB Internationale Zuliefererbörse (Wolfsburg), 16. – 18. Oktober, Halle 5 (Stand 5303).

Wer ist die Zielgruppe? Dr. Wurm: Automobilhersteller, Systemlieferanten und Engineering-Unternehmen. Wir geben ihnen einen Einblick in die Inhalte der Projektphase III und weitere Informationen zu den ermittelten Leichtbaupotenzialen.

„Drum prüfe, wer sich ewig bindet“ haben wir ein Testfeld in den Hallen 13 und 14 im Bereich der Wärmebehandlung installiert. 100 Leuchten wurden an die Hallendecke gebracht und ausgerichtet.

sind quecksilberfrei – was wiederum die Umwelt freuen wird. Und der Bedienungskomfort ist erheblich gestiegen, da die LEDs jederzeit ohne Wartezeiten ein- und ausgeschaltet werden können.

Mussten Sie nicht damit rechnen, auf den Kosten sitzen zu bleiben, wenn die Beleuchtung floppt? Disselkamp: Dieses Risiko hat der Lieferant getragen. Nach Bestätigung der berechneten Ausleuchtung wurde das Testfeld durch die GMHütte übernommen und das Gesamtprojekt freigegeben.

GMHütte // KVP

Bis Mitte 2017 wurde der Finalbetrieb der GMHütte mit 780 HQI-Flächenstrahlern mit jeweils 440 Watt ausgeleuchtet. Nutzungsdauer: 8.760 Stunden, ein Zeitbudget, das die Beleuchtung für ein ganzes Jahr sicherte. Die Betriebskosten für die Anlage – in der Hauptsache für Energie und laufende Instandhaltung – waren allerdings recht hoch. Also wurden die 440-Watt-HQI-Leuchten nach eingehender Analyse durch 150-Watt-LED-Leuchten 1:1 ersetzt. Nach monatelanger Bewährungszeit zieht Sven Disselkamp im glückauf-Interview eine Bilanz der Umrüstung:

Unsere

Hat sich die Umstellung gelohnt? Disselkamp: Das kann man wohl sagen. Die neue Beleuchtungsanlage bringt nur Vorteile. Unsere Arbeitsbereiche sind jetzt deutlich höher und gleichmäßiger ausgeleuchtet – was natürlich auch der Arbeitssicherheit zugutekommt. Die Beleuchtungskörper

Hätten Sie’s gewusst?

HQI? „HQI“ ist eine eingetragene Marke der Firma Osram und bezeichnet deren Halogen-Metalldampfleuchten (oder auch Hochdruck-Entladungslampen) aus Quarzglas. Ähnlich wie „Tempo“ für Papiertaschentücher hat sich dieser Begriff für alle Halogen-Metalldampflampen eingebürgert.

Vielen Dank für das Gespräch.

Konnten Sie aber auch Kosten und Aufwand senken? Disselkamp: Wir konnten mehr als 60 Prozent Energie einsparen – und das bei einer höheren Ausleuchtung. Und dass weniger Instandhaltungsarbeiten anfallen, hat sich bislang ebenfalls voll bestätigt. Bis heute ist noch keine einzige Leuchte ausgefallen. Kein Wermutstropfen? Disselkamp: Lediglich Beleuchtungsdefizite auf den Laufstegen der Kranbahnen. Aber die konnten wir durch veränderte Abstrahlwinkel der Beleuchtungskörper ausgleichen. Bei aller Freude gibt es für die Kollegen im Finalbetrieb allerdings einen gravierenden Nachteil. Nämlich? Disselkamp: Jetzt sieht man Ecken, die man am liebsten gar nicht sehen möchte! Dann müssen Sie noch mal ran! Disselkamp: Allerdings. Aber nur mit einem Besen und ein wenig Farbe. Ein erfolgreiches Projekt zeigt eben auch manchmal neue Projekte auf. Vielen Dank für das Gespräch.

glueckauf-3-2018  

glückauf 3-2018 – die Zeitung für Mitarbeiter der GMH Gruppe.

glueckauf-3-2018  

glückauf 3-2018 – die Zeitung für Mitarbeiter der GMH Gruppe.