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GMH GRUPPE

Unsere

glück auf 1-2019

GMH Gruppe // Innovation

Zudem dauert das Tanken im Vergleich zu Elektrofahrzeugen ähnlich wie bei heutigen Verbrennungsmotoren nur wenige Minuten. E-Fahrzeuge brauchen trotz verbesserter Batterie- und Ladetechnologie immer noch bedeutend länger. Doch diese Batterien und E-Autos sind in aller Munde. Doch Wasserstoffantrieb ist spektakulärer. Akkus könnten die positive Bilanz der WasserAutor ist Olivier Lebrun von Wasserstoff mit dem aus der stofftechnik (GMH International). Luft in die Brennstoffzelle komtrüben, wenn menden Sauerstoff erzeugt. Der sie durch eine H2 as Thema E-Mo- geht an den Elektromotor Brennstoffbilität und die oder in die Battezelle geladen Umstellung auf Strom werden. Denn Batterie als Antriebsquelle ist derzeit in für ihre Produkaller Munde. Dass auch die Nuttion werden zung von Wasserstoff eine Alterebenfalls selMotor BrennstoffH2-Tank native sein kann, gerät dabei tene Rohstoffe zelle manchmal in den Hintergrund. benötigt, die Zwei Technologien stehen für häufig in die Wasserstoffnutzung zur VerLändern fügung: der O2 H 2O Zum einen der klassische Ver„Dritten brennungsmotor. Er verbrennt Welt“ Wasserstoff gemischt mit Sauerunter stoff aus der Luft und erzeugt nicht umweltfreundQuelle: Adobe Stock / Metamorworks dadurch mechanische Energie. lichen und menschenDer Einsatz im Fahrzeug ist aber rien zum Aufladen. Wasserstoff Auch in Bezug auf Wasserrechtskonformen Bedingungen nach wie vor problematisch – könnte man unabhängig etwa aus stoff-Fahrzeuge gilt: Keines gewonnen werden. In der Brennwegen Wasserstoffproduktion, hydrolytischem Wasser, Biomasse dieser Fahrzeuge wird ohne stoffzelle selbst ist Platin verbaut Transport und Lagerung im Fahroder Erdgas herstellen. Stahl auskommen. – was die Produktion von einer zeug. Doch wo liegen die Stärken und OLIVIER LEBRUN begrenzt verfügbaren Ressource Die zweite und derzeit effizien- Schwächen von Brennnstoffzelabhängig macht. tere Lösung ist, Brennstoffzellen len-Fahrzeugen, den sogenannten „Abfallprodukt“ entsteht lediglich Problematisch und aufwendig zu verwenden. Gemeint ist damit Fuel Cell Vehicles (FCV)? Wasserdampf ohne verunreinisind nach wie vor auch Hersteldie Kombination aus einem ElektDer eigentliche Prozess der gende Partikel und andere Treiblung und Lagerung des Wasserromotor und einem chemischen Energie- und Antriebsgewinnung hausgase. Das wäre eine tolle stoffs. Er kommt ja als Element Generator (Brennstoffzelle). Dabei in einem FCV ist absolut umweltLösung für den Kampf gegen die nicht auf der Erde vor. Das wird Strom durch die Oxidation freundlich und klimaneutral. Als globale Erwärmung. bedeutet: Er muss in aufwendigen

Der Treibstoff, aus dem die Motorenträume sind

Leistungsregler

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Stiftung Stahlwerk Georgsmarienhütte // Westdrive

Vertrauen ist gut, aber … … Kontrolle ist besser: Autonomes Fahren ist vor allem viel Psychologie. Autor Peter Karl Müller (Freier Journalist, Münster) gehört zum glückauf-Editorial-Team.

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era Meiersfeld hat Stress pur. Ihr Puls rast, ist auf 180. Beinahe hätte sie ein Mädchen überfahren, das urplötzlich und starr vor Schreck vor ihrer Motorhaube stand. Es war wohl zwischen den parkenden Autos seinem Ball hinterher auf die Straße gelaufen. Vera hatte es aus den Augenwinkeln heraus gerade noch registriert, ohne darauf reagieren zu können. Denn sie saß in einem selbstfahrenden Auto – ohne Fahrer, ohne Steuer, ohne die geringste Chance einzugreifen, um das Schlimmste zu verhüten. Selbstfahrende Autos sind die Zukunft. Davon sind alle großen Automobilhersteller überzeugt. Die Perspektiven, so die Befürworter, sind schließlich rosig: keine Verkehrsunfälle mehr durch menschliches Versagen, so gut wie keine Verkehrstoten mehr, weniger Staus, weniger Luftverschmutzung, mehr Komfort, mehr Mobilität für Gebrechliche oder Menschen mit Behinderungen und anderes mehr. So viel zu den Versprechungen.

Foto: Adobe Stock

Wenn da nur nicht dieses eine Manko wäre: Die Menschen misstrauen der Technik. Maximilian A. Wächter weiß sein Privileg sehr zu schätzen. Denn die Stiftung Stahlwerk Georgsmarienhütte ermöglicht ihm, am Institut für Kognitionswissenschaft der Universität Osnabrück im Rahmen eines dreijährigen Studiums seinen Doktor zu machen. Dort arbeitet er in der Forschungsgruppe Neuroinformatik an dem Projekt „Westdrive“ – einem Projekt, das sich ganz dem autonomen Fahren und der Frage verschrieben hat: Wie müssen autonome Fahrzeuge beschaffen

sein, um das Vertrauen künftiger Nutzer zu gewinnen? Antworten darauf suchen Maximilian A. Wächter und seine Kollegen. Sie setzen Versuchspersonen in ein selbstfahrende Auto, registrieren während der Fahrt deren Reaktionen – wohlgemerkt in einer durch und durch virtuellen Welt, vermittelt über eine Virtual-Reality-Brille. Dafür haben die Wissenschaftler zunächst einmal eine virtuelle Stadt mit komplexem Straßensystem geschaffen, inklusive Ampeln, Verkehrsschilder, Zebrastreifen, Straßenmarkierungen etc. und mit jeder Menge Verkehr. Denn belebt

wird die Stadt mit rund 150 Fahrzeugen (Bussen, Pkws, Lkws, Motorrädern …) und mehr als 600 Fußgängern. Sie alle sind in Realtime unterwegs, will sagen: Wie in der Realität auch hat jeder ein Ziel, das er auf einem realistischen Fahr-/Laufweg innerhalb einer realistischen Zeit jeweils ansteuert. Versuchspersonen wie Vera Meiersfeld tauchen über eine Virtual-Reality-Brille in diese täuschend echt wirkende Stadtlandschaft ein – als Fahrgast in einem selbstfahrenden Auto. Was sie erleben, ist allerdings keine Sightseeingtour. Schließlich fahren sie nicht zum Spaß, sondern aus wissenschaftlichen Zwecken mit: Sie absolvieren vielmehr eine Fahrt mit bislang sechs Beinahe-Unfällen. Wächter: „Mal bremst unerwartet der Vordermann, mal kreuzt ein Jogger verbotenerweise die Fahrbahn, mal läuft ein Kind auf die Straße, mal kommt es an einer Baustelle zu kritischen Situationen, mal nimmt ein anderes Auto die Vorfahrt …“ Für die Versuchspersonen ist die Fahrt Stress pur. Denn sie müssen ja diese Beinahe-Unfälle „wehrlos“ über sich ergehen lassen! Und die werden täuschend echt simuliert. Wie sehr stehen sie dabei unter Stress? Wächter: „Um den Stressfaktor zu messen, ist in der Virtual-Reality-Brille ein sogenanntes Eye-Tracking-System integriert. Es erfasst alle Augenbewegungen und weiß, ob die Person ruhig

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und daher teils teuren Verfahren aus anderen Stoffen extrahiert werden. Ist er extrahiert, stellt sich die Frage der Lagerung. Wasserstoff muss unter hohem Druck gelagert werden – sowohl an der Tankstelle als auch im Fahrzeug. Ansonsten zerfällt er in seine Einzelelemente und verliert seine Nutzbarkeit. All diesen Herausforderungen zum Trotz und der konstanten Optimierung der Wasserstofftechnik sei Dank: Schon heute bieten verschiedene Hersteller Wasserstoff-Fahrzeuge zu konkurrenzfähigen Preisen an. Die Brennstoffzelle wurde in den letzten zwei Jahrzehnten erheblich verbessert: Sie ist kleiner geworden und bietet mehr Leistung, die Kurve zeigt weiter nach oben. Die auf dem Markt verfügbaren Fahrzeuge schaffen problemlos 500 Kilometer und mehr. Der Wasserstoff gilt als bahnbrechende Technologie für die Mobilität der Zukunft, da sie auch eine Lösung für den Massentransport mit Bussen, Schiffen oder Zügen sein kann. Doch auch für zukünftige Wasserstoff-Fahrzeuge (wie auch für E-Autos) gilt: Keines dieser Fahrzeuge wird ohne Stahl auskommen (vgl. glückauf 4-2018, S. 10).

bleibt, unruhig wird oder gar hektisch reagiert. Es registriert auch, ob sich die Pupillen aus Schreck, Angst, Unruhe vergrößern oder verengen.“ Zudem soll künftig auch der Hautwiderstand der Versuchsperson gemessen werden, der ebenfalls Aussagen über den Gefühlshaushalt zulässt. In der Summe ergibt sich ein Datenbündel, das zu einem quantifizierbaren Stressfaktor verdichtet wird. Insgesamt drei „Horrorfahrten“ müssen die Versuchspersonen absolvieren: eine Fahrt in einem Auto, das stumm bleibt; eine Fahrt in einem Auto, in dem eine virtuelle Taxifahrerin am Steuer sitzt und jede Gefahrensituation kommentiert; eine Fahrt in einem „sprechenden“ Auto, das sein „Verhalten“ bzw. seine Reaktionen erklärt („Jogger von rechts …“, „Aufgepasst: Baustelle …“, „Stau voraus …“). Die Wissenschaftler nehmen an, dass das Auto mit der Taxifahrerin das größte Vertrauen schafft, das „stumme Auto“ am meisten Stress auslöst und das „sprechende Auto“ fast so gut wie die Taxifahrerin abschneidet. Wächter: „Was wir damit zeigen möchten, ist, dass eine Maschine sich selbst erklären können muss, um von Menschen als vertrauenswürdig eingeschätzt zu werden.“ So weit die These. Ob sie zutrifft, will man im Sommer mit ausgewählten Versuchspersonen überprüfen.

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glückauf 1-2019 – die Zeitung für Mitarbeiter der GMH Gruppe.

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