Page 20

 QUALITÄT & QUALIFIKATION   

Man muss das Rad nicht jedes Mal neu erfinden

THEMA

KVP

Schmiedewerke Gröditz · KVP-Leitlinien aus Bous übernommen Management bis hin zur Geschäftsführung war man der Überzeugung: Das gemeinsame Bekenntnis zu den Leitlinien ist ein Signal und eine Einladung für jeden einzelnen Mitarbeiter.

INTERVIEW Am 11. Juli 2016 im Stahlwerk Bous eingeführt, am 27. Oktober beim K V P -Beauftragtentreffen der GMH Gruppe thematisiert, am 22. November bei der Betriebsversammlung der Schmiedewerke Gröditz präsentiert und danach mit breitem Konsens in Kraft gesetzt – so die Kurzform der Erfolgsgeschichte der KVP -Leitlinien in Gröditz. Ronny Käppler (KVP -Manager) beschreibt im glückauf-Interview die Langversion. glückauf: Das ging ja ganz schön schnell! Ronny Käppler: Na ja, das zeichnet KVP eben auch aus: schnell, pragmatisch und umsetzungsstark zu sein, gemeinsam zu agieren und von anderen zu lernen. In diesem Fall von den Kollegen in Bous. Käppler: Denen unser Dank gilt. Denn sie haben mit der Entwicklung der KVP -Leitlinien die Basis gelegt und die Vorarbeit geleistet. Jetzt mussten nur noch der Grup-

Ronny Käppler (KVP-Manager)

Werksfoto

pengedanke greifen und der BestPractice-Austausch im Rahmen des KVP -Treffens hinzukommen. … und Sie konnten die KVP -Leitlinien 1:1 für Gröditz übernehmen. Käppler: Man muss ja das Rad nicht jedes Mal neu erfinden. Es reicht manchmal aus, nur zu kommunizieren, dass es bereits ein Rad gibt. War es schwer, für die Leitlinien eine breite Zustimmung zu finden? Käppler: Vom Betriebsrat über das

Was bedeuten die Leitlinien für den Standort Gröditz? Käppler: Sie verpflichten jeden Mitarbeiter und jede Führungskraft, Ideen freien Raum zu lassen und sie intensiv zu besprechen. Ganz nach dem Motto von Frank Koch, das er Ende Januar bei unserer Betriebsversammlung formuliert hat: „Keine Idee ist es wert, nicht besprochen zu werden.“ Und wie lange hat es gedauert, um im November 2016 alle Verantwortlichen von der Idee zu überzeugen? Käppler: Nur zwei Wochen intensive Werbung bei Betriebsrat und Führungskräften. Dann hat der Betriebsrat zugestimmt und – ebenso wie das gesamte Management – das KVP -Dokument unterschrieben. Bei der Betriebsversammlung am 22. November war der aktuelle Stand der KVP -Arbeit Thema. Dabei haben wir dann die Leitlinien der Belegschaft vorgestellt.

Synergie-Effekte: Die KVP-Leitlinien vom Stahlwerk Bous sollen auch bei den Schmiedewerken Gröditz den Kontinuierlichen Verbesserungsprozess beflügeln.

Wie würden Sie denn Ihre KVP -Arbeit im vergangenen Jahr bilanzieren? Käppler: Wir haben dank diverser KVP-Projekte insgesamt 1,6 Millionen Euro gespart, beispielsweise durch den Einsatz von LED , durch Umrüstung von Werkzeugaufnahmen für Werkzeugmaschinen oder auch durch das Projekt Werkzeugschrank 4.0. Darüber haben wir ja auch in der glückauf 4/2016 berichtet. Daneben gab es zahlreiche Projekte, wo es nicht um Geld, sondern um Sicherheit ging, beispielsweise unser Blue Spot. … also das Signallicht für Flurförderzeuge zur Unfallverhütung. Käppler: Genau, auch darüber hat

glückauf in der vorletzten Ausgabe ausführlich berichtet. Was hat sich das KVP -Team in Gröditz für 2017 vorgenommen? Käppler: Wieder ehrgeizige Ziele, die sich an den Vorjahreszahlen orientieren. Denn KVP ist ein stetiger, fortwährender Prozess, der davon lebt, sich jeden Tag in kleinen Schritten neu zu hinterfragen. Und welche Rolle spielen dabei die KVP -Leitlinien? Käppler: Dass sich jeder zum Kontinuierlichen Verbesserungsprozess bekennt. Vielen Dank für das Gespräch. 

Ideen lohnen doppelt GMHütte · Das IdeenManagement erwartet auch für 2017 gute Vorschläge aus der Belegschaft.

Foto: © panthermedia/stockWERK

Selbst kleinste Verbesserungen zahlen sich aus HEMA Walter Hundhausen · Kollegen durchleben

T

KVP

kontinuierlichen Verbesserungsprozess an der Formanlage AF III.

D

as neu gebildete KVP -Team von Walter Hundhausen hat eine schwierige Aufgabe: Es soll an der Formanlage AF III betriebliche Unterbrechungen reduzieren. Darunter fallen alle Störungen, die nicht direkt auf mechanischen und elektrischen Störungen beruhen: zum Beispiel nicht optimal koordinierte Arbeitsabläufe, Kommunikationsprobleme oder taktüberschreitende Anlagenteile. Sie verzögern letztlich die Taktzeit der Anlage und mindern deren Produktionsleistung Im KVP -Team sind Kollegen der Produktion, der Instandhaltung und zwei Betriebsratsmitglieder. Seit September hat das Team etwa 30 Ansatzpunkte gefunden, die die Taktzeit verzögern – und viele Lösungsansätze, diese Schwachstellen auszumerzen oder zumindest ihren negativen Einfluss zu mindern. Wie beim Formel-1-Rennen geht es oft um kleinste Zeitoptimierungen. Da die Anlage ihre maximale

Kapazität noch nicht erreicht hat, was die Anzahl der möglichen geformten Kästen betrifft, zeitigen auch kleine Verbesserungen große Wirkung. Oft sind es einfache Änderungen des Ablaufs, die zu Verbesserungen führen (mithilfe von Checklisten

Hätten Sie’s gewusst? Betriebliche Unterbrechungen

Alle Störungen, die nicht direkt auf mechanischen und elektrischen Störungen beruhen: zum Beispiel nicht optimal koordinierte Arbeitsabläufe, Kommunikationsprobleme und taktverzögernde Teile der Gesamtanlage. Sie verzögern damit die Solltaktzeit und den Wirkungsgrad der Anlage und mindern deren Produktionsleistung.

und gezielter Informationslenkung). Oder der Einsatz moderner Steuerungstechniken, wie eine millimetergenaue Positionierung der Modellwechselwagen mittels Lasertechnik. Aber es gibt auch Lösungsansätze, die nicht in Frage kommen, weil das Kosten-Nutzen-Verhältnis nicht stimmt. Das KVP -Team tagt regelmäßig. Man trifft sich sowohl an der Anlage als auch im Besprechungsraum. „Es ist erstaunlich“, so Kai Kmieciak, Produktingenieur und KVP -Mitglied, „wie intensives Miteinander-Reden den Blick auf Probleme und Lösungen lenkt.“ KVP , so die Erfahrung des Teams, steht für kleine problemlösende Schritte, die schnell und ohne großen Aufwand umgesetzt werden können. Es bedeutet aber auch: Beharrlichkeit und Dranbleiben bei Rückschlägen. Diese Philosophie wird gerade bei Walter Hundhausen erlebt und umgesetzt. Steffen Freerksema 

glück auf · 1/2017 ........... 20

Nach der Verlosung des VW Golf (von links nach rechts): IdeeM-Koordinator Ralf Kübeck, der stolze Gewinner Josef Beermann, Betriebsratsvorsitzender Ludwig Foto: vl Sandkämper und Glücksfee Dana Titze.

E

ingeweihte wissen: Gute Ideen bringen der GMHütte Vorteile – wenn sie Prozesse verbessern, Abläufe optimieren, Unfälle verhindern, Kosten reduzieren, den technischen Vorsprung sichern oder auch Energie sparen. Aber auch die Ideengeber profitieren – dank einer Prämie, die den finanziellen Vorteil berücksichtigt, der sich für das Unternehmen ergibt. Das IdeeM konnte auch 2016 punkten: 285 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (20 Prozent der Belegschaft) haben 639 Verbesserungsvorschläge eingereicht. Damit stieg der Monatsdurchschnitt von 49 Vorschlägen im Vorjahr auf 53 Vorschläge (plus 8 Prozent). Insgesamt wurden 672 Vorschläge bewertet (einige stammten noch von 2015) – davon

340 positiv (53,2 Prozent). Für die GMHütte ergab sich ein Einsparpotenzial von 592.720 Euro. Davon wurden 85.851 Euro als Prämie ausgezahlt (im Durchschnitt: 253 Euro). Alle prämierten Einreicher nahmen wie jedes Jahr an einer Verlosung teil, bei der es attraktive Preise zu gewinnen gab. Als Hauptgewinn wurde auf der letzten Betriebsversammlung ein VW Golf verlost. Bei so einer positiven Bilanz ist es nicht erstaunlich, dass die GMHütte weiterhin auf den Ideenreichtum ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter setzt. Also wer eine gute Idee hat: Ein softwaregestütztes IdeenManagement hilft ihm dabei, seinen Vorschlag auf den Weg zu bringen. Ralf Kübeck 

glueckauf-1-2017  

glückauf 1-2017 – die Zeitung für Mitarbeiter, Kunden und Freunde der GMH Gruppe.

Read more
Read more
Similar to
Popular now
Just for you