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Visual Commerce Der Mensch verlässt sich schon seit tausenden von Jahren auf seinen wichtigsten der sieben Sinne das Sehen. Durch den beständigen Druck der Evolution hat sich der visuelle Sinn zu einem wahren Meisterwerk entwickelt. So wie das schnelle Erkennen und Wahrnehmen in der rauen Vorzeit für das Überleben wichtig war, so ist das Visuelle heute unser ständiger Begleiter bei allen Belangen des täglichen Lebens. Was wäre das Internet ohne sichtbare Spuren, was wäre der E-Commerce ohne freundliche Gesichter? In diesem Aufsatz wird der visuelle Sinn aus der besonderen Sicht des E-Commerce in fünf Kapiteln besprochen.

Teil 1 - Schneller ist visuell „Der Gedanke an das Auge lässt mich am ganzen Körper erschauern". Charles Darwin The Origin of Species, 1859.

Teil 2 - Exportiertes Vertrauen „Vertrauen ist der Anfang von allem." BBDO Für Deutsche Bank, 1995.

Teil 3 - Visuelles Leuchten „Aufmerksamkeit ist das Leben." J.- W. v. Goethe Wilhelm Meisters Wanderjahre I

Teil 4 - Reizvoll durch Bewegtbild „Reiz ist Schönheit in Bewegung." Gotthold E. Lessing Laokoon, I, 21, Breslau 1766.

Teil 5 - Interaktiv informieren „Tell me, and I will forget. Show me, and I may remember. Involve me, and I will understand.“ Konfuzius 551 v. Chr. bis 479 v. Chr

Kontakt: Dr. Tobias Günther Elaspix UG (haftungsbeschränkt) Schliffkopfstraße 25 68163 Mannheim Tobias.Guenther@elaspix.de Web: www.elaspix.de

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elaspix Teil 1 - Schneller ist visuell Die visuelle Wahrnehmung ist so etwas wie der Porsche unter den Sinnen. Extrem schnell, leistungsstark und mit hohem Durchsatz. Das Auge und sein Gehirn als Interpreter sind nicht nur direkt verkabelt, sondern bilden eine Einheit, die ihresgleichen sucht.

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte1. Diese sprichwörtliche Aussage wurde erstmalig 1921 als Werbeslogan verfasst und erhöht plakativ das Visuelle über alle anderen Sinne. Zweifelsohne, die visuelle Informationsaufnahme ist privilegiert. 70% aller Sinneszellen des Menschen befinden sich in den Augen2. Durch die Drähte, welche vom Auge zum Gehirn führen, werden pro Sekunde 8.75 Megabyte an visuellem Input gejagt3. Damit ist das Auge zehnmal schneller als eine DSL 6000 Leitung. Andere Sinne im Vergleich dazu führen ein Schattendasein. Der Tastsinn schafft es immerhin noch auf 1 Megabyte pro Sekunde, aber schon der Hörsinn muss sich mit “nur” noch 100 Kilobyte pro Sekunde begnügen4. Auch das Gehirn spendiert 30-50% des zerebralen Kortex für die Bildverarbeitung, während der Tastsinn mit 7% und der Hörsinn mit 8% weniger zu melden haben5. Vergleicht man das Auge mit High-End Kameras, überzeugt nicht nur der hohe Kontrastumfang. Auch die Auflösung kann sich sehen lassen. Mit 120 Millionen Pixeln6 hat das Auge immerhin noch eine doppelt so hohe Auflösung wie das 20.000 Euro teure Flaggschiff der Premium-Marke Hasselblad 7. Würde jedoch der komplette Input ungefiltert zum Gehirn geleitet, hätte der Sehnerv des Menschen eine Dicke von mehr als 20 cm8. Durch cleveres Komprimieren der Daten kommen wir aber mit einem 4,5 mm dicken Sehnerv aus9. Die Retina funktioniert wie eine Art Kompressionsalgorithmus, der die Rohdaten veredelt und verdichtet10: Kontraste werden hervorgehoben, eintönige Bereiche gelöscht und Bewegungsvektoren gleich mal in Echtzeit berechnet. So müssen zum Gehirn weniger Leitungen gelegt werden.

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elaspix Natürlich führt eine solch hohe Kompression auch zu Kollateralschäden ähnlich den Kompressionsartefakten bei JPEG-Bildern. Diese treten dann als visuelle Illusionen zu Tage und spielen uns so manchen Streich. Sie können aber auch recht nützlich sein. Ohne hätte z.B. die Beamer-Industrie ein Problem: Haben Sie schon einmal überlegt, wie die schwarze Farbe im Beamerbild an der Wand eigentlich zu Stande kommt? Die visuelle Wahrnehmung beginnend beim Auge bis zum visuellen Kortex ist ein hochkomplexes System und faszinierte bereits Charles Darwin, der fast zweifelte, dass die Evolution etwas so leistungsfähiges hervorbringen sollte. Nach heutigen Schätzungen kann selbst dieses austarierte System in Zeiträumen von “nur” 400 Tausend Jahren entstehen11, im Vergleich zum Alter der Erde von 4.5 Milliarden Jahren eine verschwindend geringe Zeitspanne. Der visuelle Sinn ist demnach ein High-EndProdukt der Evolution.

„Der Gedanke an das Auge lässt mich am ganzen Körper erschauern". Charles Darwin The Origin of Species, 1859.

Bei soviel Informationsaufnahme ist klar: das Bild ist die erste Wahl, wenn in wenig Zeit viel gesagt werden muss. Nicht umsonst zieren Verkehrsschilder selten Worte und meist Symbole (die „Einbahnstraße“ ist hier eine Ausnahme der Regel). Dabei ist die Kommunikation mit Bildern nicht nur schnell, sondern auch noch angenehm, was sich an Aktivitätszahlen im Internet messen lässt. Pro Monat werden allein bei Fotocommunity.de fast 6 000 Bilder hochgeladen12, Flickr-Nutzer haben bereits über 5 Milliarden Fotos13 hochgeladen. Google wird 37 Millionen mal im Monat zur Fotosuche genutzt14.

Bildnachweis Titel: Lina Lubig, 2010, (Eadweard Muybridge: Animal Locomotion, Plate 624, Philadelphia, 1887) . Zitatbereich: Fotografie von Charles Darwin, Julia Margaret Cameron, Albuminpapierabzug, 1868.

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elaspix Teil 2 - Exportiertes Vertrauen Ohne Vertrauen kein Vertrag! Dies gilt besonders im E-Commerce. Da der direkte menschliche Kontakt fehlt, droht ein Vertrauensverlust, welcher durch geeignetes Bildmaterial leicht entschärft werden kann. Denn Menschen kaufen nun mal beim Händler ihres Vertrauens!

Es ist 9:30 Uhr. Durch die blankgeputzten, großen Fensterscheiben haben Sie die goldbraunen Backwaren leuchten sehen. Nach öffnen der Tür betreten Sie das Ladenlokal ihres Lieblingsbäckers und atmen den herrlichen Duft frisch gebackenen Brotes und süßer Brötchen. Die Verkäuferin wünscht Ihnen einen guten Morgen und schenkt Ihnen das erste Lächeln des Tages. Die blütenweiße Bluse und der aufgeräumte Laden sprechen eine klare Sprache: Kompetenz, Sauberkeit und Professionalität. In Internet-Shops kann ein solches multimodales Einkaufserlebnis nur schwer aufkommen. An die Stelle der charmanten Verkäuferin mit direktem Augenkontakt tritt ein sozio-technisches Kommunikations-Interface von Client-Browser-Server-Skript-Cookie-Handshakes, welches für die meisten Menschen unverständlich ist. Neben dem Ambiente fehlt die Körpersprache des Gegenüber, um Verständigungsprobleme zu vermeiden. Daraus resultiert oft ein Vertrauensverlust, der schnell zu Abbrüchen im Bestell- und Kaufvorgang führt. Mit Hilfe von visuellem „Re-Embedding“15 kann die Webseite als raum- und zeitloser Ort wenigstens mit einem Hauch von Persönlichkeit und sozialer Umgebung angereichert werden. Auf der Webseite dargestellte Fotos reparieren ein Stück weit den fehlenden direkten Augenkontakt und erzeugen eine zumindest im Ansatz persönliche Verbindung. Feldversuche konnten dies zeigen: Die Glaubwürdigkeit kann mit Hilfe von Bildmaterial und Fotos gestärkt werden: Dies ist im Besonderen bei Banktransaktionsseiten wichtig. Wenn Fotos von realen Mitarbeitern der Bank (also keine gestylten Models) auf der Webseite abgebildet werden, erhöht sich das Vertrauen der Besucher in die Seriosität der hinter der Webseite liegenden monetären Infrastruktur. Seite 4 / 13


elaspix Bilder und repräsentative Videoclips sind wichtige Designmerkmale einer Webseite und tragen zur Steigerung der Vertrauenswürdigkeit bei16. Sie sind visuell wahrnehmbare Signale, welche die Sichtbarwerdung der guten Reputation und soliden Performanz der Marke ermöglichen17. Aber auch der visuelle Vertrauenstransport mit Hilfe von Fotos hat Grenzen. Sind Webseitenbesucher grundsätzlich negativ eingestellt, empfinden diese den Einsatz von Fotos eventuell sogar als Bestätigung ihrer Vorahnung, dass hier der Besucher manipuliert und nicht objektiv informiert werden soll. Denn das mit Bildern manipuliert werden kann, ist wohl allen klar: Studien haben gemessen, wie stark der Einsatz von Fotos die Wahrnehmung der Güte von Webshops manipuliert18. Die Webshop-Güte umfasste hierbei auch Eigenschaften, die erst nach Abschluss des Kaufes erkennbar waren, wie Lieferzeit, Qualität der Artikel, schneller Service „Vertrauen ist der Anfang und unkomplizierte Retouren. von allem."

Wenn Produkte z. B. von Fotos und Bildern BBDO umrahmt wurden, empfanden Webshopfür Deutsche Bank, 1995. Neukunden die Güte des Webshops als besonders hoch. Interessanterweise profitierten die Shops am meisten, die eine schlechtere tatsächliche Güte aufwiesen. Fotos und Bilder als Signale des Vertrauens wirken allerdings am besten, wenn diese indirekt als Teil einer Funktionalität dargeboten werden19. So könnte der Service Bereich neben den hilfreichen Zusatzinformationen beiläufig das charmante Foto der jederzeit kostenlos anrufbaren Servicemitarbeiterin zeigen. Ein weiterer Faktor, der das Vertrauen von Besuchern auf Webseiten beeinflusst, ist die auf der Webseite ausgelieferte Werbung20. Passen die beworbenen Produkte nicht zur Webseite selbst, entsteht schnell ein falsches Bild. Ein Webshop mit hochwertigen Gütern sollte, wenn überhaupt, eher für hochwertige Produkte und Dienstleistungen werben. Zum Webauftritt passende Bilder und Werbemittel unterstützen die inhaltliche Aussage und sorgen für eine einfache Wiedererkennbarkeit, Orientierung und Vertrauensbildung. Aber wie immer gilt: auf die richtige Dosis kommt es an.

Bildnachweis Titel: Flickr-User decafinata, Thomas Berg, Oslo. Zitatbereich: Christoph F. Siekermann, Deutsche Bank Twintowers, Wikipedia, 2006.

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elaspix Teil 3 - Visuelles Leuchten Layout und Inhalt bestimmen das visuelle Erlebnis einer Webseite. Visuelle Attraktoren lenken die Aufmerksamkeit des Betrachters und sind damit eine wichtige Navigationshilfe im Fluss der Informationen. Verweildauer und Erinnerungsfähigkeit werden durch die visuelle Wirkung stark beeinflusst.

Was wir sehen ist das, was wir sehen wollen21. In jeder Sekunde wird der Mensch mit Umgebungsreizen überflutet, aus dem das Gehirn den relevanten Input erst noch herausfiltern muss22. Was relevant ist und was nicht, liegt allerdings im Auge des Betrachters und wird durch den Scheinwerfer der Wahrnehmung bewusst gesteuert. Es ist allerdings möglich, die vorprogrammierte Auswahl an relevanten Eindrücken zu erweitern: Durch geeignete Stimuli kann die eigene Botschaft für einen kurzen Moment ins Licht des Betrachters gerückt werden. Doch wie sollte ein Stimulus aussehen, um sich der Aufmerksamkeit sicher zu sein? Die Antwort: der Stimulus sollte selten sein23. Durch neuropsychologische Studien ist bekannt, dass die sinnlich-visuelle „Verführung“ des Betrachters auf zwei Ebenen möglich ist24. Auf der unbewussten Ebene treten visuelle Reize stark hervor („pop-out“), die sich in Ihren Merkmalen wie z.B. der Farbe oder der Form in einzigartiger Weise von den übrigen Bildelementen unterscheiden25. Ein weiteres Merkmal, die Bewegung, hat sich hierbei als wirksamster Attraktor erwiesen26. Die Neurone diktieren: Kein Betrachter kann sich bewegender Objekte auf statischem Hintergrund willentlich entziehen27. Auf der höheren Bewusstseinsebene lassen sich weitere Magnete der Aufmerksamkeit („Attention Getters“) platzieren28. Denn Bilder sind emotionales Futter, die vom Gehirn regelrecht geschmeckt werden29. Ist das Ergebnis des Bildentstehungsprozesses besonders kreativ, ist die Geschmacksexplosion vorprogrammiert. Diese Bilder schmecken mental besonders köstlich, ziehen den Bann der Aufmerksamkeit auf sich und bleiben lange in Erinnerung. Seite 6 / 13


elaspix Die Herausforderung der Kreativ-Schaffenden ist, das „Schmecken“ des Bildes maßgeblich zu unterstützen und zu leiten. Ob im Design von Produkten30, bei der Gestaltung von Webseiten31 oder in der Architektur32: Visuelle Highlights sind Wahrnehmungs-Navigatoren und führen die Wirkung des Betrachtungsobjektes von einem spannenden Moment zum nächsten33. Dadurch wird die visuelle Entdeckungsreise besonders angenehm, was der Betrachter mit einer höheren Verweil„Aufmerksamkeit ist dauer und Erinnerungsrate belohnt. das Leben."

Will man beeindrucken, darf man jedoch nicht zu lange zögern. Im Durchschnitt entscheidet der Betrachter in 2-3 Sekunden: „hopp“ oder „top“34.

J.- W. v. Goethe Wilhelm Meisters Wanderjahre I

Die gute Nachricht: Wenige Millisekunden reichen schon aus, um den Betrachter mit salienten Reizen in den Bann zu ziehen7. Animationen und Videos bieten darüber hinaus den Zugriff auf bewegte Stimuli als besonders intensive Geschmacksverstärker. Dadurch ist Zeit gewonnen, um die eigene Botschaft nachhaltig zu vermitteln. Und sind die visuellen Mittel richtig eingesetzt, führt die „Call to Action“ den Betrachter direkt zum Ziel35.

Bildnachweis Titel: Bildkollage aus 2 Bildern: Bild 1 „Don't worry, i can still see you“ von erin MC hammer, Flickr, 2008 und Bild 2 „Smiley Face“ von Furryscaly, Flickr, 2009. Zitatbereich: Johann Wolfgang Goethe nach dem Gemälde von Luise Seidler, Weimar, 1811.

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elaspix Teil 4 - Reizvoll durch Bewegtbild Das Bewegtbild ist in aller Werber Munde. Aber welche Wirkung können Videos im E-Commerce entfalten? Wie groß ist der Nutzen für Kunde und Webshop-Betreiber? Wir stellen die wichtigsten Studien zu diesem Thema in unserem vierten Visual-Commerce Beitrag zusammen.

In der Mediengesellschaft des 21. Jahrhunderts werden visuelle Kaufanreize eine entscheidende Rolle spielen36. Durch die Verlagerung des „Point of Sale“ vom traditionellen Handel hin ins „World Wide Web“ müssen Hersteller und Anbieter gleichermaßen Produktinformationen auf neuem Wege transportieren. Während im Einzelhandel beispielshalber Aromen verkaufsfördernd eingesetzt werden – ein Reisebüro kann für das Meer typische Düfte einsetzen, um Schiffsreisen zu promoten 37 – , müssen sich Webshop-Betreiber auf anderem Wege von ihren Konkurrenten abheben. Im traditionellen Handel ist neben der Marke eines Produktes auch deren Präsentation am Point of Sale von hoher Bedeutung. Im Internet wird dagegen unter anderem sehr viel Wert auf Erfahrung gelegt; es spielt dabei aber keine Rolle, ob der Kunde eigene Erfahrungswerte einbringt oder sich vom Hören-Sagen leiten lässt 38. Erfahrungsdefizite, mangelndes Vertrauen oder einfach Reizüberflutung seitens des Kunden führen im Bereich des E-Commerce sehr häufig zu Warenkorbabbrüchen39. Eine Möglichkeit dies zu kompensieren besteht darin, dem Kunden alle relevanten Produktinformation möglichst unkompliziert und schnell zur Verfügung zu stellen. Nutzer bevorzugen hierbei vor allem Schnittstellen, die einerseits einfach zu bedienen sind und andererseits genügend Information zum Produkt vermitteln. So wünschen sich zum Beispiel 96 % der Nutzer, dass alle verfügbaren Farben eines Produktes auch als Bild abrufbar sind. Auch wünschen sich 91 % der Nutzer 360° Ansichten der Produkte40. Ansonsten gilt: „Weniger ist oftmals mehr“. Daher sollten Betreiber einer Webseite wenige, aber dafür effektive Werbemittel einsetzen. Seite 8 / 13


elaspix Neben Bildern bietet sich insbesondere das Medium Video an, um Informationen bereitzustellen. Dies wird durch die fortgeschrittene Verbreitung von Breitbandzugängen immer besser möglich41. Denn anders als mit Bildern oder Produktbeschreibungen allein haben Webshop-Betreiber mit Videos die Möglichkeit, Kunden visuell und auditiv zugleich anzusprechen. Videobotschaften werden nicht nur schneller und häufiger vom Kunden aufgenommen, sondern die Botschaft bleibt auch stärker in Erinnerung im Vergleich zu statischen Werbemitteln42. Denn das Video, in dem das Produkt in anderen Varianten, Blickwinkeln oder bei der realen Nutzung gezeigt wird, kommt einer Live-Demo im regulärem Geschäft schon recht nahe5.

„Tell me, and I will forget. Show me, and I may remember. Involve me, and I will understand.“ Konfuzius 551 v. Chr. bis 479 v. Chr

Mit Hilfe von Bewegtbild lässt sich außerdem die Nutzungshäufigkeit der Werbemittel und die Kontaktdauer steigern43. Als Folge davon erhöht sich die Konversionsrate44 und damit dann letztendlich auch der Umsatz45. Die Ausgaben für Erzeugung und Auslieferung der Videoinhalte lassen sich somit meist in kurzer Zeit refinanzieren46. Daneben ist die Wirkung von Bewegtbild-Inhalten als SEO-Booster umstritten: Eigene Youtube-Video-Inhalte werden zwar im „Google-Universal-Search“ branchenabhängig mal mehr, mal weniger gut positioniert (sofern sie sich der nötigen Beliebtheit erfreuen), die tatsächliche Position der eigenen Seite im Such-Ranking scheint sich allerdings nicht durch Videoinhalte zu verändern47. Unser Fazit für Webshopbetreiber: die Webseite in Richtung Bewegtbild optimieren, aber den Kunden mit in den Entscheidungsprozess einbinden. Möglichkeiten und Formate der Umsetzung gibt es viele48, damit bewegte Bilder dann auch die volle Schönheit der Produkte ausreizen können.

Bildnachweis Titel: Thomas Claveirole, „Old Hardware“, flickr, 2007. Zitatbereich: Gotthold E. Lessing, "Bibliothek des allgemeinen und praktischen Wissens“, 1905, wikipedia.de.

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elaspix Teil 5 - Interaktiv informieren Durch interaktive Applikationen kann der Nutzer Informationsangebote jederzeit bedarfsgerecht abrufen. Mit der Kontrolle in der eigenen Hand wird so spielerisch das Produktverständnis gesteigert. Letztendlich profitieren sowohl Käufer, als auch Werbetreibender und Online-Händler.

Die persönliche Ansprache durch den Verkäufer, der nach den Wünschen des Kunden fragt, muss im Online-Shopping durch informative Produktdisplays ersetzt werden. Diese Informationen zu Produktkategorien, Varianten und Benutzungsbeispielen dürfen dabei nicht unkontrolliert auf den User hereinbrechen, sondern müssen auf den Moment warten, bis sich der Fokus der Aufmerksamkeit auf die bereitgestellten Informationshappen richtet. Und genau dafür ist das Web perfekt geeignet: interaktive Applikationen stellen Informationen zum sofortigen und bedarfsgerechten Abruf durch den User bereit. Interaktivität bedeutet hier, dass der Nutzer den medialen „Shop“ oder das „Advertisement“ nach den vorgegebenen Möglichkeiten in Echtzeit beeinflussen und steuern kann. Das Spektrum der Anwendungen ist hierbei reichhaltig49. Zur Klasse der „Virtual Product Displays“50 gehören Teilansichten von Büchern, Ausschnittsvergrößerungen in Produktbildern, 360° Ansichten, klickbare Videotrigger 51 oder auch aufwendige Produkt-Konfiguratoren52. Diese Beispiele sind virtuelle Entsprechungen realer Probierpackungen und „In Shop“ Erlebnissen und ermöglichen das interaktive Ausprobieren der Produkte. Für rein digitale Produkte, wie beispielsweise Musik oder Spiele, können auch Ausschnitte in Originalqualität zum Testen zur Verfügung gestellt werden („Sampling“)53. Die Produktinformationen im Bereich der Verkaufsförderung haben mittlerweile auch das Laufen gelernt („Rich Media Advertising“54, „Interactive Digital Advertising“55). Der Nutzer bestimmt aktiv die Inhalte und Informationstiefe und stellt damit den Grad der Informationsvermittlung auf seine Bedürfnisse und Geschwindigkeit ein. Zudem wird das Verständnis des potentiellen Käufers für das Produkt erhöht56. Kurz gesagt: die anonyme Webseite wird zu einem individuell angepassten Informationsversorger. Seite 10 / 13


elaspix Die interaktive Nutzung hinterlässt gleichzeitig auch Datenspuren, die der Händler / Advertiser als Feedback57 nutzen kann. Neben dem originären Button-Klick bieten interaktive Applikationen auch weniger „disruptive“ Formen der Informationsversorgung. Sehr angenehm sind beispielsweise „Mouse-Over“ Effekte der Bedienelemente. Diese können genauso aufgezeichnet werden und verbessern durch schöne GUI-Feedbacks die „User Experience“. Die daraufhin eingeblendeten Produktdetails informieren den Nutzer ohne störenden Zwangswechsel, wie sie bei Klicks auf Buttons oder Text-Links (engl. „Click-Through“) naturgemäß auftre„Reiz ist Schönheit in ten können. „Mouse-Over“ sind sympathischer und weBewegung." niger aufdringlich, weil der Konsument selbst 58 Entscheidungen treffen kann . Gotthold E. Lessing

Laokoon, I, 21, Breslau Applikationen mit „Mouse-Over“ Effekten führen auch 1766. zu mehr messbaren Nutzerinteraktionen im Vergleich 59 zu Apps, bei denen nur Clicks möglich sind . Um den Erkundungsgrad der Applikation noch intensiver zu messen, können auch vollständige Maustrajektorien aufgezeichnet werden60.

Durch die ausgeübte Kontrolle wird das „Involvement“ (Miteinbezogenheit) des Nutzers in den Konfigurations- und Kaufprozess gesteigert61, was dem Werbungs-Vermeidungs-Verhalten62 entgegen wirkt. Das interaktive Erkunden des Produktes kann außerdem die Kaufentscheidung unsicherer Kunden bestärken63. Gleichzeitig verbessert der Händler seine Ansprache, da die Nutzungshäufigkeit der Bedienelemente ausgewertet werden kann64. Denn alle Stufen des AIDA65-Konzepts („Attract“, „Interest“, „Desire“ und „Action“) sind bei interaktiven Applikationen direkt messbar. Unser Fazit: Egal ob Produktkonfiguration oder Produktinformation: interaktive Applikationen sind für den Online-Verkauf ein unverzichtbares Tool geworden.

Bildnachweis Titel: Elaspix, „I want to shop - Button“, enthält „Empty Basket“ Symbol, geladen von www.boc24.de, 2010. Zitatbereich: Confucius Ming Dynasty, Wikimedia, uploaded by Louis le Grand, 2006.

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elaspix An diesem Whitepaper waren beteiligt: Dr. Tobias Günther & Stefan Reinke (Autoren), Lina Lubig (Grafik & Layout), Thomas Köhler (Lektorat).

Literaturangaben 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20

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21 M.M. Chun & J.M. Wolfe: Visual Attention, Blackwell Handbook of Perception, 2000. 22 W. James: The principles of psychology, New York , 1890. 23 X. Hou & L. Zhang: Dynamic Visual Attention: Searching for coding length increments, Advances in Neural Information Processing Systems, 2008. 24 M. Mancas: Computational attention, Doctoral Thesis, Academie universitaire Wallonie-Burxelles, 2007. 25 G. M. Boynton: Attention and visual perception, 2005. 26 M. S. El-Nasr & S. Yan: Visual Attention in 3D Video Games, 2005. 27 J. Theeuwes & R. Godijn: Attentional and oculomotor capture, 2001. 28 J. R. Rossiter, T. Langner & L. Ang: Visual creativity in advertising, ANZMAC Conference Proceedings 2003. 29 W. Kroeber-Riel: Bildkommunikation - Imagerystrategien für die Werbung, München, 1993. 30 S. Hwang: A New Vision for product design through visual perception: Finding new design method, 2009. 31 W. J. Gibbs & R. S. Bernas: Visual Attention in Newspaper versus TV-Oriented News Websites, Journal of Usability Studies, 2009. 32 J. M. Malnar & F. Vodvarka: Sensory Design, University of Minnesota Press, 2004. 33 M. L. Lehmann: What Gets the Most Visual Attention in Your Architecture? sensingarchitecture.com, 2009. 34 C. Rheem & C. Hoffman: Consumer Response to travel site performance, PhoCusWright Whitepaper, 2010. (57%

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elaspix der Besucher warten max. 3 Sek. und verlassen danach die Webseiten, wenn diese noch nicht geladen ist. 35 B. Gremillion: Using Landmarks Makes Page Layout Easy, www.webdesignerdepot.com, 2010. 36 P. J. J. Welfens, A. Jungmittag: Internet, Telekomliberalisierung und Wirtschaftswachstum: 10 Gebote für ein digitales Wirtschaftswunder, 2007. 37 H. Knoblich, Bernd Schubert: Marketing mit Duft, 2003. 38 ACNielsen: Global Purchase Influencers Report, 2006. 39 Gabriel Beck: Shop-Optimierung: Wie die Startseite eines Onlineshops in Zukunft aussehen muss, iBusinessDossier, Jahrgang 4, Juni 2010. 40 Adobe Scene7: Viewer Study: What Shoppers Want, Januar 2010. 41 Initiative D21: (N)Oneliner-Atlas, 2010. Von allen Deutschen, die online sind, besitzen 68,9% einen BreitbandAnschluss. 42 Yahoo: Yahoo! Rich Media-Studie, 2008. 43 Eyeblaster: Using Dwell to Measure Advertising Effectiveness, Eyeblaster Benchmark Insights, 2010. Die Kontaktdauer von Video-Adds ist um 83% höher als gegenüber Werbung ohne Videoinhalten. 44 www.ecomwebvideo.com: Why you need web video, 2009. Nach Händleraussagen konnte die Konversionsrate durch den Einsatz von Videos um bis zu 400% gesteigert werden. 45 Goldmedia: Einsatz von Bewegtbild im Online-Handel schafft neues Einkaufserlebnis, Pressemeldung von eCommerceTV, 28.02.2008. Nach einer Goldmedia-Prognose wird 2012 der Einsatz von Bewegtbild ein plus von 1.5 Mrd Euro Umsatz im eCommerce verantworten. 46 S. Sommer: Kaufentscheidend oder Schnickschnack? Produktvideos im Online-Handel, im Interview geführt vom E-Commerce-Center, 2009. 47 Eigene Befragung von SEO-Agenturen, dmexco, 15.09.2010. 48 Bundesverband Digitale Wirtschaft: Bewegtbild Im Web Kompass 2010/2011, 2010. 49 H. Cigdem: Interactive Video Shopping, Webinar T-Systems, 2010. 50 M. van Welie: Virtual Product Display, A Pattern Library for Interaction Design, 2008. 51 J. Foster: Creating Persuasive Interactive Video For E-Commerce, 2009. 52 Adobe Scene 7: Visueller Konfigurator: Die Killer-App für individualisierte Massenfertigung, 2010. Der Umsatz /die Lead-Generierung konnte um bis zu 40% / 270% gesteigert werden. 53 N. Hu, B. Chen, J. Shen & Ling Liu: How to Influence My Customers? The Impact of Electronic Market Design, 2008. 54 Doubleclick: The Evolution of Rich Media Advertising, Current Market Trends, Success Metrics and Best Practices, 2005. 55 Eyewonder: Interactive Digital Advertising, 2008. 56 D. R. Schmeißer & N. Oberg: User Experience als Erfolgsfaktor im E-Commerce, 2009. 57 Netop: Beyond chat: How To Boost Online Sales with Rich Media Customer Engagement, 2009. 58 Yahoo Deutschland: Rich Media - flashbasierte Werbeformate, 2008. 59 G. Rosenkrans: The creativeness and effectiveness of online interactive rich media advertising, Journal of Interactive Advertising, 2010. Mouse-Over sind 70 mal häufiger als Click-Throughs. 60 S. Baker & J. Hempel: Wiser About The Web, The Future of Technology, 2006. 61 T. Rau: Auswirkungen verschiedener Werbeformen im Internet auf Einstellung, Erinnerung und Kaufabsicht, Bachelorarbeit, Universität Koblenz-Landau, 2009. 62 L. Cheung: Consumer Attitudes towards Advertising-in-General, by Generational Phase, 2007. 63 M. Megna: Survey Says: Customer Interaction Key to Online Sales, 2009. 64 Ron Rogowski: The Business Case For Rich Internet Applications, 2007. 65 Wikipedia: AIDA (marketing), Wikipedia, abgerufen am 10.10.2010.

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