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Geburt

ihr aus der Badewanne heraus, dass sie sich alles bis heute Nachmittag merken soll. Unser Freund begleitet sie heute zur Schule. Dann ruft Steffi uns, die Wellen sind stärker, sie denkt über die Geburtsstellung nach und entscheidet sich dann für die Hocke in der Wanne, damit Mara ins Wasser geboren werden kann. Ich hocke mich ihr gegenüber ins schon abgekühlte Wasser, halte das Kreuzbein, fühle den Kopf, den Puls am Schädel – es ist soweit – unsere Hebamme hat ihre Kollegin M. gerufen. E. sitzt jetzt vor der Wanne, gibt uns ruhige klare Anweisungen: halte den Kopf, fühle ob Du den Mund schon findest – „Ja, den hab ich!“ Innerhalb der nächsten 3 Wellen wird Mara in meine Hand geboren. Mir laufen die Tränen übers Gesicht – ich bin so glücklich, so stolz, so gerührt, so verliebt in Steffi und in das kleine Wesen, das wir dann gemeinsam an Steffis Brust aus der Wanne heben, um die Geburt der Plazenta abzuwarten. Ich halte Steffi im Arm, sie hält Mara, die Hebammen machen ein paar Fotos mit meiner Kamera und schreiben den Geburtsbericht. Der ist wundervoll: handschriftlich und mit vielen lieben Worten, natürlich mit den wichtigen Eckdaten, aber vor allem ein einfühlsamer Augenzeugenbericht, kein medizinisch-technischer Fachwörtersalat in Dateiformat. Wir entscheiden mit den Hebammen die Plazenta erst abends abzunabeln, damit das Blut in Ruhe in Maras Körper fließen kann und sie das von ihr gebildete Organ in Ruhe verabschieden kann. Wir schlafen ein, in unserem Bett, mit ihr auf der Brust, glücklich und sehr müde, wachen auf mit Mekonium auf dem Bauch. Kurz danach macht Mara ihr erstes Pipi in die kleine „Windelfrei-Schüssel“. Ich habe damit noch keine Erfahrung und

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einfach JA 06-07/2019

bin selbst total erstaunt, wir klar sie ihr Bedürfnis zeigt. Mara spürt bestimmt, dass wir sie ganz gut lesen können – das kurze Murren vor dem „SchiSchi“, das leichte Drücken vor dem „Ko-Ko“. Erst nachdem ich die Nabelschnur durchgetrennt habe, beginnt sie an der Brust zu saugen. Die Zeit im Wochenbett beginnt, der Genuss guter Speisen, die uns Freunde bringen, kraftvolle Suppen, die ich koche, und Leckereien aus der Patisserie um die Ecke. Unsere nächsten Menschen sind da oder besuchen uns, unsere drei älteren Töchter verlieben sich in Mara und müssen auch aushalten, dass sie kein Spielzeug ist. Auch ist es eine Herausforderung allen Besuchern zu vermitteln, dass Mara durch Zuwenden oder Wegdrehen entscheidet, wer sie berühren darf, und nicht die Besucher. Sie dreht sich nur uns zu. Unsere Beziehung intensiviert sich, ich bin fast rund um die Uhr da, lehne in den nächsten 3 Monaten jede Arbeit ab, um zu kochen, zu kuscheln und damit wir uns gegenseitig vorlesen können. Es ist eine Zeit besonderer Intimität und Nähe. Alle schlafen in einem Bett und nachts wacht Mara 2-3mal auf, um gestillt zu werden und in ihr Schüsselchen zu pinkeln. Wenn ich jetzt, anderthalb Jahre später, die Fotos für diesen Bericht auswähle, erlebe ich noch einmal die Gefühle dieser besonderen Zeit und wünsche mir, das Wunder LEBEN jeden Tag mit Staunen und dieser unendlichen Dankbarkeit erleben zu können. Steffi und Erik sind Tantra- und Yogalehrer, Steffi leitet auch einen Kurs zu selbstbestimmter Geburt und Muttersein. Kontakt: yoga.for.lovers@gmail.com, http://liebe-machen.info

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Juni+Juli 2019 ................. Ein guter Start ins Leben – Über Geburt und Kindheit  

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