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Geburt

Eine bewusste Geburt Erfahrungen einer Hebamme mit HypnoBirthing und anderen Methoden

Hebammen haben meist den besten Zugang zu Schwangeren und erleben all die individuellen Unterschiede. Gundula Zeitz unterhielt sich mit der Hebamme Elke Reinke-Thomas über ihre Erfahrungen. Sie hat 1979 bis ‚82 in der DDR Hebamme gelernt und machte sich gleich nach der Wende selbstständig. Während sie anfangs nichts hinterfragte, begann bei ihr später ein Umdenken hin zu einer ganzheitlichen Geburtsvorbereitung und -begleitung. Nicht nur in der DDR, auch in Westdeutschland war es früher üblich, Geburten „zu leiten“. Erst in den 90er Jahren begannen Frauen nach selbstbestimmter Geburt zu fragen. Sie wollten nicht mehr standardmäßig im Liegen gebären, sonders selbst die Stellung wählen usw. Es war ein allmählicher Prozess. Heute unterstützen viele Kliniken auch Wünsche wie eine HypnoBirthing-Geburt.

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Wie bist du zu deinem Wissen um ganzheitliche Geburt und verschiedene unterstützende Methoden gekommen? Durch meine Freiberuflichkeit, die Zusammenarbeit mit Geburtshäusern und dem Gynäkologen Prof. Hildebrand, die sich alle für ganzheitliches Gebären engagieren, begann auch ich umzudenken und meine Herangehensweise als Hebamme zu verändern. Als Mitglied in der Dresdner Akademie für individuelle Geburtsbegleitung bilde ich mich dort immer weiter. 2003 lernte ich aus persönlichem Interesse Hypnose für den Umgang mit Schmerzen und kam danach auf die Idee, dies auch bei Schwangeren anzuwenden, womit ich gute Erfolge hatte. Später machte ich auch die HypnoBirthing-Ausbildung. Mittlerweile bin ich nicht mehr lizensierter HypnoBirthing-Lehrer, aber die langjährigen Erfahrungen fließen auch in meine aktuellen ganzheitlichen Geburtsvorbereitungskurse mit ein. Ganzheitlich bedeutet für mich, dass die Frauen Eigenverantwortung tragen – ihren Bedürfnissen und Wünschen folgen und gleichzeitig gemeinsam mit ihrer Hebamme verantwortlich schauen, was das Kind braucht. Das kann auch bedeuten, medizinische Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Als Hebamme bedeutet ganzheitlich für mich, die Frauen vor, während und einfach JA 06-07/2019

nach der Geburt bestmöglich dabei zu unterstützen, in ihre eigene Kraft zu finden, der angeborenen Fähigkeit ihres Körpers, sanft zu gebären, zu vertrauen und eine gute Bindung zu ihrem Kind schon im Bauch aufzubauen. Ganzheitlich bedeutet auch, jeweils individuell zu schauen, was die Frau dabei unterstützt, was das Kind braucht und auch die Familie miteinzubeziehen. Welche Vorteile hat eine Geburt unter Hypnose bzw. mit der HypnoBirthing-Methode? Geburt in Hypnose ist etwas Wunderbares. Das gilt für alle Beteiligten, wie das Erlebnis der Tochter meines Mannes zeigt. Als sie auf diese Weise ihr Kind zur Welt brachte, kam später die Hebamme zu ihr, um sich zu bedanken, dass sie bei solch einer schönen Geburt anwesend sein durfte. Geburt in Hypnose bedeutet ein sehr bewusstes Gebären, in tiefer Verbundenheit mit dem Kind und in tiefem Vertrauen in den eigenen Körper den Kraftakt Geburt zu vollbringen. Das fehlt heute vielen Frauen, sie trauen sich eine Geburt nicht zu und denken deshalb an einen Kaiserschnitt. Durch die Hypnose gewinnen sie Selbstvertrauen, Vertrauen in ihren Körper, dass dieser dafür geschaffen ist, ein Kind zu empfangen, zu halten, zu tragen und zum genau richtigen Zeitpunkt zu gebären. Das ist das Wesentliche. Schon während der Schwangerschaft geht man durch das Erlernen dieser Entspannungszustände in sehr tiefen Kontakt mit dem Kind. Wenn beide Eltern den Kurs besuchen, stärkt dies auch insgesamt die Beziehung des Paares untereinander und des Paares zum Kind. Ich habe nach normalen Geburten unter Hypnose auch noch keine Wochenbettdepression erlebt. Kann man dies mit einem wachen Zustand von Meditation vergleichen? Ja, oder mit autogenem Training. Es hat nichts mit der Showhypnose oder Manipulation zu tun, woran viele zuerst denken. Bei einer Geburt unter Hypnose geht es nicht vordergründig um Schmerzfreiheit und man sollte auch nicht den gesunden Respekt vor dem Kraftakt einer Geburt verlieren. Hier geht es um eine bewusste Geburt. Man ist dabei jederzeit in der Lage, offen mit der Hebamme – oder bei einer Klinikgeburt auch den Ärzten – zu kommunizieren. Es ist ein Zustand einer entspannten, höchsten Konzentration.

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Juni+Juli 2019 ................. Ein guter Start ins Leben – Über Geburt und Kindheit  

Juni+Juli 2019 ................. Ein guter Start ins Leben – Über Geburt und Kindheit  

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