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Geburt

zu ihrem Kind und in ihren gebärenden Körper zurückzieht. In diesem Moment lässt sie die ganze äußere Welt hinter sich, verbindet sich mit ihrem Kind und gemeinsam vollbringen sie die Geburt. Was Dick-Read lehrte, wurde zur Grundlage zweier wichtiger Geburtsmethoden des 20. Jahrhunderts: die Lamaze-Methode, die später teilweise verwässert und nicht mehr entsprechend ihrem Ursprung gelehrt wurde, und die Partnerbetreute Geburt, heute eher unter dem Namen Bradley-Methode bekannt.

Der Anfang von HypnoBirthing

Als die Amerikanerin Marie Mongan 1954 mit ihrem ersten Kind schwanger wurde, fand sie den Gedanken, dass eine Geburt von Natur aus eine äußert schmerzhafte Tortur sein sollte, völlig inakzeptabel: Warum sollte ein Gott, der den menschlichen Körper so perfekt erschaffen hat, bei der Fortpflanzung so schlecht gearbeitet haben? Warum waren die zwei Muskelschichten der Gebärmutter die einzigen, die unter normalen Bedingungen nicht richtig funktionierten? Warum waren weniger entwickelte Tiere mit problemlosen und leichten Geburten gesegnet, während wir, die Krönung der Schöpfung und das Abbild Gottes, leiden mussten? Und warum haben Frauen in manchen Kulturen sanfte und angenehme Geburten? Werden die Frauen der westlichen Welt weniger geliebt, sind sie weniger gesegnet? Für sie ergab das alles weder logisch noch physiologisch einen Sinn. Sie stieß auf Dr. Grantly Dick-Reads Buch „Mutterwerden ohne Schmerz“ und fand hier die Antwort auf ihre Suche nach der betäubungsmittelfreien, schmerzlosen und sicheren Geburt. Normal war damals in den USA und vielfach auch in den Kliniken europäischer Länder die Geburt unter Äthernarkose, Fixierung der Hände am Geburtstisch und Hochbinden der Beine – alles darauf ausgerichtet, dass die Ärzte optimal Zugriff zum Kind hatten, was häufig mit der Geburtszange geholt wurde. Die MutterKind-Bindung wurde durch die schnelle Trennung und Unterbringung der Babys in einer Säuglingsstation mit festgelegten Besuchszeiten erschwert, Väter konnten erstmals nach der Klinikentlassung ihre Kinder im Arm halten. Hausgeburten gab es kaum. Trotz ganz entspannter Eröffnungsphase wurde Marie Morgan in der Klinik ihr Wunsch nach einer natürlichen Geburt ohne diese Prozeduren nicht gewährt, auch nicht beim zweiten Kind. Beim dritten Kind, ihrer Tochter Maura, bat sie ihren Arzt eindringlich, ihn bei ihren Wünschen zu unterstützen und schockte ihn

noch dazu mit dem Wunsch, dass ihr Mann bei der Geburt anwesend sein soll – ein absolutes Novum zu dieser Zeit. Und so erlebte sie erstmals eine ganz natürliche Geburt. Sie war wach und voller Energie, überglücklich und in der Lage, sofort nach der Geburt aufzustehen. Alle, die an jenem Abend bei ihr waren, waren wie in Hochstimmung. Trotzdem wurde dies in der Klinik schnell als „Glücksfall“ abgetan, als Fall einer Frau mit unglaublich hoher Schmerzgrenze. Auch als beim 4. Kind alles genauso leicht verlief, wollte ihr Arzt nicht glauben, dass sie nur ein Ziehen spürte und dass auch andere Geburten so verlaufen könnten. Als Marie Morgan später Hypnotherapie erlernte, erkannte sie, dass sie während ihrer Geburten Selbsthypnose angewendet hatte. um das Maß an Entspannung zu erreichen, das es ihr ermöglichte, eine schmerzlose Geburt zu erleben. Als ihre Tochter Maura selbst ein Kind erwartete, bereitete sie sie mit Hypnotherapie auf die Geburt vor. Zu dieser Zeit war das Klinikpersonal viel aufgeschlossener und alle waren erstaunt über eine gebärende Frau, tief verbunden mit ihrem Kind und ihrem gebärenden Körper, die aussah, als ob sie sich ruhig erholte. Morgan begleitete danach viele weitere werdende Mütter und entwickelte ein Programm, das sie HypnoBirthing nannte. Seit 1989 ermöglichte HypnoBirthing, die Mongan-Methode, vielen Paaren eine natürliche sanfte Geburt, völlig selbstbestimmt. Aufgrund der wachsenden Akzeptanz findet die sanfte, schmerzfreie Geburt allmählich ihren Weg in die Kreißsäle vieler Krankenhäuser. Auch in Deutschland gibt es Hebammen und andere Geburtsbegleiter, die HypnoBirthing als lizensierte Kursleiter vermitteln oder die Basis dieser Methode unter anderem Namen und teilweise mit eigenen Ergänzungen lehren. Im Internet finden Sie unter den Stichworten HypnoBirthing, Geburt in Hypnose, sanfte, schmerzfreie, selbstbestimmte oder natürliche Geburt, … zahlreiche Informationen und Angebote, Buchtipps sowie Videos mit persönlichen Erfahrungsberichten und fachlichen Hinweisen. Buchempfehlungen (siehe auch S. 41): Marie F. Mongan „HypnoBirthing – Der natürliche Weg zu einer sicheren, sanften und leichten Geburt“, mit Audio-CD, Mankau Verlag, Leseprobe: www.mankau.de Biance Maria Heinkle / Jhari Gerlin Kornetzky: „Mama werden mit HypnoBirthing“, mit Audio-Downloads, Kösel Verlag, Leseprobe: www.koesel-verlag.de Dieser Text beruht v.a. auf Information und Textauszügen aus dem Buch „HypnoBirthing“ von Marie F. Mongan.

einfach JA 06-07/2019

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Juni+Juli 2019 ................. Ein guter Start ins Leben – Über Geburt und Kindheit  

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