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Herzerwachen Wie ich durch Auflösen eigener Ängste auch mein Kind stärken konnte

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Ein Herzfehler meiner Tochter war ein guter Wegbereiter für eine neue Entwicklung in meinem Leben. Vielleicht fragen Sie sich, was daran positiv ist, wenn man nach der Geburt seines Kindes erfährt, dass es einen schweren Herzfehler hat. Zum damaligen Zeitpunkt hätte ich gesagt: „nichts“. Mein Mann und ich freuten uns sehr auf die Geburt unseres Wunschkindes, welche als Beckenendlage spontan zur Welt kam und danach auf meinem Bauch lag und mich neugierig mit großen Augen anschaute. Wir genossen das Miteinander. Doch wenige Stunden nach der Geburt wurde uns während der Herzultraschalluntersuchung mitgeteilt, dass unsere Tochter Mira an einem schweren Herzfehler litt und sofort ins Herzzentrum nach Leipzig gebracht werden muss, um operiert zu werden. Für uns war das ein Riesenschock, weil es während der Schwangerschaft keine Anzeichen dafür gab. Ich begann zu funktionieren und schloss meine Angst weg. Negative Gedanken bekamen keine Chance und ich spürte: unsere Tochter wird leben. Zweieinhalb Wochen später wurde sie operiert und eine Woche danach gab es durch Komplikationen eine weitere Notoperation. Meine Ängste und Sorgen, es könnte wieder was schiefgehen, sperrte ich erneut weg, da die Schwestern im Krankenhaus meinten, ich könnte mit dem Weinen meiner Tochter nicht umgehen. Von da an versuchte ich als Mama zu vertrauen, dass es ein ganz natürliches Weinen eines Babys war. Trotzdem blitzte in meinen Innersten immer wieder die Sorge auf: «Was ist, wenn sie Schmerzen hat und ich etwas übersehe?», und ich setzte mich unbewusst unter Druck. Später wusste ich, dass es das Schreien eines Mädchens war, das Angst hatte allein gelassen zu werden, und es nicht anders äußern konnte. Meine eigene Angst, sie zu verlieren, übertrug sich damals auf sie und vermittelte ihr das Gefühl von ständiger Gefahr. Bewusst wurde mir dies, als sich meine angestauten einfach JA 06-07/2019

Gefühle entladen konnten und sich dadurch auch das Verhalten meiner Tochter änderte. Bis zu diesem Zeitpunkt waren mir solche Zusammenhänge nicht bewusst. Ich wusste nicht, dass wir als Eltern mit unseren eigenen Gefühlen ganz direkt auch das Erleben unserer Kinder beeinflussen. Und ich wusste v.a. nicht, wie wichtig es ist – ganz besonders in bzw. nach solchen Extremsituationen – uns den eigenen Gefühlen zuzuwenden und angestaute emotionale Energie bewusst wieder loszulassen. Machen wir dies nicht, so tragen wir oft ein Leben lang diese emotionalen Lasten mit uns herum, die unser Verhalten dadurch weiterhin bestimmen, obwohl die jeweilige schwierige Situation längst vorbei ist. Wir beeinträchtigen dadurch sogar noch das Leben der uns liebsten Menschen, für die wir doch eigentlich nur das Beste wollen. Wie kam ich zu diesen Erkenntnissen und der heutigen Feststellung: „Dieser Herzfehler war kein Fehler, sondern eine Erfahrung, welche mein Leben und das meiner Familie verändert hat. Unsere kleine Tochter hat mir meinen Herzensweg aufgezeigt und ich lebe meine Berufung von ganzen Herzen.“? Schon während der Schwangerschaft begann ich eine Ausbildung am Institut für angewandte Osteopathie. Als Mira ca. 1 Jahr alt war, setze ich diese fort und machte dabei die Erfahrung, dass es weit mehr gibt, als nur die rein strukturelle Behandlung von Knochen und Gewebe. Wir übten die Techniken und während ich behandelt wurde, verspürte ich eine innere Unruhe. Ich kämpfte mit meinen Tränen, bis ich ihnen die Erlaubnis gab, fließen zu dürfen. In meinem Herzen löste sich eine „Energiezyste“*, wie das in dieser Osteopathieschule genannt wird. Die energetische Mauer um mein Herz schmolz und all meine Ängste und Sorgen, die ich darin als gestaute Energie ein Jahr lang eingeschlossen hatte, ließ ich los. Ich war überwältigt von dem Gefühl, wieder tief einatmen zu können. So kam ich gelöst und strahlend, gefühlte 10 kg leichter, von dem Kurs nach Hause. Es war nicht mit einem Mal alles aufgelöst – es gab auch andere

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Juni+Juli 2019 ................. Ein guter Start ins Leben – Über Geburt und Kindheit  

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