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Die „Krux“ mit den Gefühlen Gefühle zu fühlen steht für unsere Lebendigkeit. Gefühle zu fühlen bewirkt einerseits, dass ich mich selbst wahrnehmen kann und zum anderen, dass ich auch den anderen fühlen kann. Es ist ein Irrtum zu glauben, dass wir uns über Worte verstehen. Oft wird Worten die höchste Bedeutung gegeben. Doch haben Worte die geringste Überzeugungskraft. Was viel mehr Überzeugungskraft hat, ist unsere Ausstrahlung, unser Auftreten in der Gemeinschaft. Worte können maximal das unterstreichen. Vielleicht kennst Du auch den Ausspruch: „Deine Worte hör‘ ich wohl, allein mir fehlt der Glaube.“ Unsere Ausstrahlung, unsere Wirkung, unsere Präsenz kommen aus unseren Erfahrungen. Aufgrund unserer Erfahrungen urteilen und bewerten wir, treffen Entscheidungen über gut oder schlecht, lieb oder böse usw. Uns prägen besonders die Erfahrungen, die mit starken Gefühlen verbunden waren und sind, speziell die in den ersten 18 Lebensjahren, in denen wir unsere Persönlichkeit entwickeln. Machen wir schmerzhafte Erfahrungen, passiert es oft, dass wir Angst vor dem Schmerz haben. Dies bewirkt, dass wir anstatt diesen „durchzufühlen“ ihn unterdrücken. Wir bleiben im Schmerz stecken. Energetisch bedeutet das, dass ich mich für den Schmerz entscheide, ihn festhalte. Das, was seelischen Schmerz heilt ist, diesen zu fühlen, loszulassen und stattdessen die LIEBE (die Selbstliebe) zu wählen. Manchmal ist es auch so, dass wir keine Zeit haben, den Schmerz zu fühlen, oder andere uns davon abhalten. Gerade Jungen erfahren dies oft in ihrer Kindheit: „Hab dich doch nicht so!“, „Sei ein Mann!“ oder so ähnlich. Auch diese Situationen führen dazu, dass der Schmerz stecken bleibt.

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Oft leiden wir, weil wir uns weigern zu fühlen. Doch Schmerz zu fühlen, führt nicht zu Leiden, sondern einfach JA 06-07/2018

zur Befreiung von Seele, Geist und Körper. Nichtgefühlter Schmerz führt zu Leiden. Jedes Mal, wenn ein Schmerz stecken bleibt, entsteht energetisch ein Angriffspunkt, ein „Triggerpunkt“. Die Dynamik von Schmerz ist auf dessen Heilung ausgerichtet. Dies ist ein universelles Gesetz. Diese Dynamik bewirkt, dass wir immer wieder Situationen erfahren werden, die die wunden Punkte „antriggern“. Wir fühlen uns wieder und wieder enttäuscht, verraten, betrogen … – so lange, bis wir uns dieser Dynamik bewusst werden, sie transformieren und sich der Schmerz auflösen kann. Sobald Schmerz ungefühlt und stecken bleibt, entwickelt unser Verstand Schutzmechanismen, damit wir nie wieder eine solche Erfahrung machen müssen. Rollen, Regeln, Pflichten, Aufopferung, Beschäftigtsein, Stress und Druck sind z.B. solche Schutzmechanismen. Was hier energetisch passiert, ist, dass ich Mauern um mich herum errichte, welche mehr und mehr verhindern, dass andere mich erreichen oder fühlen können. Auch ich erreiche und fühle andere dadurch nicht mehr. In meinem Herzen fühle ich mich dann einsam, nicht verstanden, nicht geliebt. Das möchte ich natürlich auch nicht fühlen, weshalb ich erneut Schutzmauern aufbauen werde ... Solche Schutzmechanismen funktionieren nie auf Dauer, weil sie nicht die universellen Gesetzmäßigkeiten, wie Heilung von Schmerz, außer Kraft setzen können. Nach innen bewirken diese Mauern eine Trennung vom eigenen Herzen. Ich nehme dann zwar den eigenen Schmerz nicht mehr wahr, aber werde auch insgesamt mehr und mehr gefühllos, herzlos, gefühlskalt, und nichts vermag es, mein Herz wirklich zu berühren. Wenn ich durch die Mauern nicht mehr in der Lage bin zu empfangen, wird mein Geben zur Aufopferung und ich bin in Richtung Erschöpfung und Burnout unterwegs. Nicht gefühlte Gefühle bleiben nicht nur auf der Seelen- oder Herzebene stecken, sondern belasten auch den Körper. Das Leben wird anstrengend, wird zu einer Last, Freude geht mehr und mehr verloren. Das spürt auch der Körper. Gefühle von Unzulänglichkeit können sich in Rückenbeschwerden oder Muskelverspannungen äußern, Traurigkeit kann das Herz beschweren, Ärger und Groll können sich auf

Foto: © www.carina-zais.com

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Juni/Juli 2018 ....... "Gefühle fühlen"  

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