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Portrait

Mein Motto: Folge deinem Herzen und du wirst wahre Schätze entdecken Ingrid IM Möbius

Ein Interview von Gundula Zeitz, „einfach JA“

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Kennen Sie das, wenn Sie jemanden kennenlernen mit reicher Lebenserfahrung, viel Wissen, und Sie werden im Gespräch immer neugieriger mehr zu erfahren und kommen von ursprünglich geplanten Fragen ab? So ging es mir mit Ingrid Möbius aus Dresden, deren Herzensaufgabe Heilarbeit für Frauen ist. Mir ist eine vielseitig interessierte Frau begegnet, die sich einen immer wieder frischen, offenen und auch prüfenden Blick auf die Welt und sich selbst bewahrt bzw. auch bewusst geschaffen hat. Die Leidenschaft für Ihre persönlichen Entdeckungen und ihr Wissen ist geblieben, hat aber, wie sie schildert, die auch vorhanden gewesene Facette von Arroganz verloren – das Leben hat sie immer wieder auf den Boden zurückgebracht und sie hat gelernt auch Schwächen zu zeigen. Dies ist die wohl wichtigste Basis für ihre Arbeit als Seminarleiterin und auch in Einzelsitzungen: selbst erfahrenes Wissen und eine gute Intuition, die sich verfeinert durch die stetige eigene Weiterentwicklung. Hier begegnet man einem Menschen, der ehrliche Beziehung anbietet, keinem distanzierten „Lehrer“. einfach JA 08-09/2017

Frau Möbius, wie kam es dazu, dass Sie jetzt selbst Seminare und Einzelsitzungen anbieten? Als studierte Kulturwissenschaftlerin und Leiterin einer Schlossanlage in Sachsen haben Sie doch bereits einen guten Beruf. Seit Anfang der 90er Jahre habe ich immer wieder an Veranstaltungen und Ausbildungen zu schamanischer Arbeit, freiem Tanz, Tierkommunikation und anderem teilgenommen, viel kennengelernt und mich dabei neu entdeckt und entwickelt. Vor ca. 4 Jahren gab es dann einen Punkt, an dem ich merkte: Ich bin randvoll mit all dem gesammelten Wissen, den Erfahrungen und Abenteuern – davon muss ich etwas weitergeben. Es begann damit, dass ich Freundinnen Sitzungen gab und mich diese begeistert ermutigten, damit fortzufahren. Mir tut die Arbeit auch selbst gut, ich liebe die Töne, genieße die Bewegung und freue mich über die Entwicklungen meiner Teilnehmerinnen. Aber es war auch eine Überwindung, mich der Welt damit zu zeigen. Zum klaren Entschluss trugen zwei Unfälle mit Nahtoderfahrungen bei. Sie zeigten mir, dass ich dies tun „muss“. Diese Arbeit ist meine Herzensaufgabe. Ich habe nicht nur direkte Informationen mit zurückgebracht, sondern auch gemerkt, wie schnell das Leben vorbei sein kann. Worauf also warten? Wir wissen nicht, wann unser Leben zu Ende ist. Wir sollten es nutzen. Nicht im Sinne von Sich-Abmühen, sondern indem wir der Freude folgen, dem Herzen, dem, was wir ganz, ganz, ganz gerne machen möchten. Ich habe gelernt, dass man sich nicht von gedanklichen Zweifeln und Abwägungen wie „ich darf nicht, ich muss …“ usw. ablenken lassen darf. Ob man etwas machen soll, merkt man daran, dass es einem eine tiefe Befriedigung und Freude gibt. Das darf man niemals ignorieren oder opfern! Fließen Ihre Ausbildungen im freien Tanz mit in die Veranstaltungen ein? Ich habe ja gleich nach der Wende Otto Richter kennengelernt, der die 5 Rhythmen von Gabrielle Roth als erster nach Deutschland brachte. Eine Freundin meldete mich damals zu einem Workshop mit ihm in Westberlin an: „Du bist reif für Otto!“, meinte sie nur. Diese Arbeit hat mir sehr geholfen, mit all den Umbrüchen klarzukommen. Ich selbst wende dies in meinen Kursen etwas freier an. Nach meiner Erfahrung brauchen die meisten Menschen viel Unterstützung bei der Öffnung ihres Herzens, um zu vertrauen und sich auf die Musik einlassen zu können. Deshalb ist dies der Anfang und das Ziel meiner Seminare. Die Herzöffnung ist der Schlüssel zu allem. Ist das Herz verschlossen, läuft alles nur über den Verstand ab und ich komme nicht wirklich auf eine tiefere Erfahrungsebene. Natürlich hat der Verstand seine Funktion. Es ist wichtig, dass er eine Einheit mit dem Herz, den Gefühlen bildet. Dazu gehört Mut, denn wir haben oft nur den Umgang mit dem Verstand gelernt. Körperarbeit, wie die freie Bewegung nach Musik, ist ein hervorragendes Mittel, um Blockaden im Körper aufzuweichen, die immer auch mit dem Denken zusammenhängen. Echte Veränderung, Heilung wird möglich. Natürlich machen wir uns mit der Herzöffnung auch verletzlich – das gehört (zum Leben) dazu. Gerade dieses Nichtperfektsein macht uns aber erst erreichbar für andere und bringt Gelassenheit ins Leben. Im Alltag gibt es nicht so viele Möglichkeiten, sich dafür zu öffnen, der geschützte Raum bei einem Workshop ist hierfür hilfreich.

August/September 2017 "Für Angst offen sein"  
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