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Ist es eigentlich ein deutsches Brauchtum, eine Brautjungfer zu küren, oder kommt es uns nur so bekannt vor, weil wir zu viele amerikanische Liebeskomödien im Kino gesehen haben? Tatsächlich stammt diese Tradition nicht nur aus kitschigen Hollywood Filmen, sondern hat ihre Wurzeln im Heidentum. Hier dienten die Brautjungfern als Schutz vor bösen Geistern. Mehrere, ähnlich der Braut gekleidete junge Damen sollten Geister davon abhalten, der Braut zu schaden. Es wurde angenommen, dass ein Geist die vielen gleich gekleideten Frauen nicht unterscheiden, somit die wirkliche Braut nicht erkennen kann und dann verwirrt wieder von dannen zieht. Grob gesagt: Im Heidentum waren die Brautjungfern für den Schutz vor spirituellen Gefahren und der Brautführer, das männliche Pendant, für den Schutz vor irdischen Gefahren zuständig. Und heute? Nachdem dieser Brauch lange Zeit in Vergessenheit geraten war, erlebt er heute auch in Deutschland eine Renaissance – hier kommen die amerikanischen Filme wohl doch wieder ins Spiel. Aber uns ist das egal, denn wir finden: Jede Braut sollte eine Brautjungfer haben! Gute Gründe dafür zu finden, ist nicht schwer:

1. Eine Hochzeit zu planen (und machen wir uns nichts vor – Gleichberechtigung hin oder her – das machen wir Frauen im Prinzip alleine) ist viel Arbeit und kostet vor allem die Braut – aus soeben genanntem Grund – viele Nerven. Da kann jede Frau moralische Unterstützung gut gebrauchen.

2. Geteilte Freude ist doppelte Freude. Wie

wäre es denn, das perfekte Brautkleid im Laden zu finden, und niemand wäre mit von der Partie außer der Verkäuferin?

3. Zu einem Brautkleid trägt man keine

Handtasche. Darum ist es existenziell wichtig, eine Brautjungfer mit einer gut ausgestatteten XL-Handtasche an seiner Seite zu haben. Und um Verwechslungen aus dem Weg zu gehen: Nein, eine Brautjungfer ist nicht das gleiche wie eine Trauzeugin. Trauzeugen bezeugen – wie der Name schon sagt – per Unterschrift den formalen, rechtsgültigen

Akt der Eheschließung. Im Gegensatz zu den Brautjungfern müssen Trauzeugen daher auch volljährig sein. Nachdem du jetzt weißt, was eine Brautjungfer ist und warum du als Braut unbedingt eine von dieser Sorte an deiner Seite benötigst, musst du dich nur noch entscheiden, wer die Glückliche werden soll. Schwere Entscheidung?

Unser erster Rat: Nimm deine beste Freundin! Der Tradition nach ist eine Brautjungfer klassischerweise ledig. Hier kannst du allerdings auch ein Auge zudrücken. Welche Überlegungen etwas wichtiger sind, sind folgende:

1. Auf eine Brautjungfer kommt ein nicht zu unterschätzender zeitlicher und finanzieller Aufwand zu. Sollte deine Freundin also gerade mitten in der Lernphase für ihre Abschlussprüfung stecken oder an ihrer Diplomarbeit schreiben, wäre die Belastung eventuell zu hoch. 2. Deine Brautjungfer sollte organisatorisches

Talent haben. Ist deine beste Freundin – so lieb sie auch sein mag - eine absolute Chaotin, verlegt dauernd ihre Schlüssel und kommt immer zu spät? Dann wird sie es bestimmt verstehen, wenn deine Wahl auf jemanden anderen fällt. Gemeinsam Sekt trinken könnt ihr ja trotzdem.

Welche Aufgaben kommen auf die beste Freundin der Braut jetzt zu? Die erste, wichtigste, schwierigste und nie, nie, niemals – ganz egal in welcher Situation – zu vernachlässigende Aufgabe der Brautjungfer ist: Ruhe bewahren! Um es mit den Worten von Douglas Adams in „Per Anhalter durch die Galaxie“ zu sagen: Don’t Panic! Dieser Satz ist wichtig. Brautjungfer, merke ihn dir. Schreib ihn zwanzig Mal in dein Hausaufgabenheft, damit er dir auch nach dem fünften Aperol Spritz beim Junggesellinnenabschied noch so leicht von Lippen geht, als ob du 0,0 Promille hättest. So, damit ist die Hälfte deines Jobs auch schon erledigt. Jetzt musst du nur noch:

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den Junggesellinnenabschied organisieren der Braut bei den Hochzeitsvorbereitungen helfen die Gäste-Aktionen am Tag der Hochzeit koordinieren und das Brautpaar vor allzu peinlichen Spielen und allzu langatmigen Reden bewahren. der Braut am Hochzeitstag mit einem perfekt ausgestatteten McGyver Notfallkit stets zur Seite stehen dich um das Gästebuch kümmern den Geschenketisch vorbereiten und den späteren Transfer der Geschenke organisieren Kirche, Partylocation und das Zimmer des Brautpaares schmücken

Natürlich kannst du als Brautjungfer auch delegieren und einige der Jobs an andere fleißige Helfer abgeben. Wichtig ist nur: Du hast alle Zügel in der Hand und musst stets auf dem aktuellen Stand der Dinge sein. Denn bedenke: Es kann jederzeit passieren, dass die Braut um vier Uhr nachts aufschreckt, zum Handy greift und dich mit der hysterischen Frage: „Haben wir auch das laktosefreie Menü für Tante Angelika vorbestellt?“ aus deinem Schönheitsschlaf reißt. In diesem Fall ist es dein Job, genau zu wissen, dass eure Freundin Marie sich den korrekten Eingang der Catering-Bestellung hat bestätigen lassen. Denn nur so kannst du in beruhigendem Psychiater-Tonfall sagen: „Keine Panik (siehe oben – das haben wir ja schon geübt), Marie hat alles unter Kontrolle. Tante Angelika wird auf deiner Hochzeit keinen allergischen Schock bekommen.“ Damit du als Brautjungfer glänzen kannst, haben wir dir in dieser Ausgabe einige Checklisten und nützliche Tipps zusammengestellt. Für deinen größten Job, einen gelungenen Junggesellinnenabschied auf die Beine zu stellen, findest du auf den folgenden Seiten Tipps für Aktivitäten, Organisationshilfen und kreative DIY-Anleitungen. Damit es ein unvergesslicher Tag wird. Wir wünschen dir, liebe Eigenwerker-Brautjungfer, viel Spaß beim Planen und Basteln und hoffen, dass du diese wunderbar wahnsinnige Aufgabe in vollen Zügen genießen kannst! Text // Wiebke Hahn

05/2012 www.Eigenwerk-Magazin.de

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Eigenwerk-Magazin #05  

Eigenwerk-Magazin #05 - Die Wedding Ausgabe

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