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Wege zum eigenen Tierbuch © Elli H. Radinger

Einleitung Ohrenbetäubendes Bellen umfing mich, als ich die Tür zur Hundeanlage im Tierheim in Virginia Beach in den USA öffnete. Ein großer Raum war mit Käfigen zugestellt, die in zwei Reihen übereinander standen. In jedem von ihnen saß ein Hund, und die meisten bellten sich die Seele aus dem Leib. Sie hatten wahrhaft Grund dazu, denn ich war in einem „Tötungstierheim“, einem Heim also, in dem Tiere, die nach einer gewissen Zeit nicht abgeholt sind, getötet werden. Dies ist eine übliche Praxis in den USA, um so Kosten zu sparen und die Flut „unerwünschter“ Tiere zu reduzieren. Ich war eigentlich nur hierher gekommen, um einen Stapel Zeitungen und eine Kiste Leergut abzuliefern, die das Tierheim recycelt und so zu Geld macht. Dann aber warf ich einen Blick in den Raum mit den Hunden und sah sie … Die kleine, verängstigte Labradorhündin saß in der oberen Käfigreihe, eng in die hinterste Ecke gedrückt und schaute mich mit großen, braunen Augen still an. Als Einzige hatte sie eine Decke in ihrem Käfig. Geschwind war eine der Mitarbeiterinnen an meiner Seite. „Das ist Lady“, sagte sie. „Sie wird morgen eingeschläfert.“ „Aber warum denn? Das ist doch so ein schöner Hund“, fragte ich. „Eigentlich war sie schon letzte Woche dran, die Spritze zu bekommen. Wir haben sie aber ein wenig länger hier behalten, weil wir uns nicht vorstellen konnten, dass niemand einen so lieben Hund mitnehmen will.“ Die Mitarbeiterin des Tierheims erklärte mir, dass die Hündin abgegeben worden war, als ihr Besitzer obdachlos wurde und einen zweiten Hund nicht mehr ernähren konnte. Weil sie fror und mit ihren acht Monaten noch sehr zierlich war, hatten ihr die Angestellten eine Decke in den Käfig gelegt. Ich trat an die Gittertür und schaute in braune Augen. Dann kam Lady zu mir und leckte vorsichtig meine Finger … „Kismet“ ist ein Begriff aus dem arabischen Kulturraum und bedeutet „das dem Menschen von Allah zugeteilte Los“ oder „ein unabwendbares Schicksal“. Dass ich ohne ersichtlichen Grund eine Woche früher als geplant von meinen Ethologiestudien in einem amerikanischen Wolfsgehege aufgebrochen war, um eine Freundin in Virginia zu besuchen, dass zur selben Zeit Lady noch einmal von einer gütigen Mitarbeiterin des Tierheims von der Giftspritze verschont wurde, und dass ich genau in diesem Moment Papier und Flaschen dorthin brachte … das war Kismet. So begann unser langes, gemeinsames Leben. Jeder Tierbesitzer kann Geschichten darüber erzählen, wie er seinen Hund, seine Katze, sein Pferd gefunden hat oder was er mit ihnen erlebt hat – Trauriges, Lustiges, Lehrreiches. Viele haben solche Erlebnisse in der Schublade liegen, in Kisten geworfen oder fein säuberlich in Ordnern abgeheftet. Meine Freundin Lisa fand in einem Mülleimer eine winzige Babykatze, noch nackt. Das Tier war gerade geboren worden. Lisa brachte es zur Tierärztin. Diese gab dem Kätzchen keine Überlebenschance. Aber die frischgebackene Katzenmutter wollte die Kleine nicht aufgeben. Sie fütterte sie mit der Flasche, rieb ihr das Bäuchlein zur Verdauung und nahm sie mit in ihr Bett, um


sie warmzuhalten. Und tatsächlich – gegen jede Vernunft schaffte es die Kleine und wurde eine prächtige Katze, mit der Lisa noch viele schöne Jahre verbrachte. „Das solltest du aufschreiben“, sagten ihre Freunde. „Da könnte ich ein Buch drüber schreiben“, denkt sich mancher Tierbesitzer. Leider bleiben viele dieser bewegten, spannenden und lustigen Erlebnisse ungelesen in der Schublade liegen. Dieses Buch soll das ändern. Hier erfahren Sie, wie Sie die Geschichte Ihres Lebens - und das Ihrer Tiere - aus der Versenkung holen, einem Verlag anbieten oder sogar selbst veröffentlichen können. Es ist an der Zeit, Ihr Tier zu ehren, indem Sie ein Buch aus seinem - oder ihrem gemeinsamen Leben daraus machen. Ich wünsche Ihnen viel Freude dabei.


Leseprobe: Von der Idee zum Tierbuch