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DAS HAUS MEINER MUTTER

ANNE MARIE PIRCHER


Stille Post | Ad alta voce 700xM Eine Literaturaktion Sechs renommierte Südtiroler AutorInnen, drei deutschund drei italienischsprachige, begleiten mit ihren eigens für diesen Anlass geschriebenen Erzählungen die Leser durch die Stadt Meran, vorbei an bekannten und unbekannten Plätzen, durch die neue, alte und uralte Geschichte des Ortes, hinein in das Leben von Menschen, deren Lebensmittelpunkt – wenigstens eine Zeit lang – die Passerstadt ist, deren Geschichten sich aber weit über diese Stadt hinausbewegen. Elisabeth Hölzl bereichert diese Erzählungen mit sehr individuellen Bildern aus der Stadt.

Anne Marie Pircher lebt in der Nähe von Meran. Seit dem Jahr 2000 Autorin von Lyrik, Erzählungen und Theaterstücken. Mitglied im Südtiroler Künstlerbund sowie der Südtiroler und Grazer AutorInnenvereinigung. Bücher: Über Erde, Gedichte, edition laurin 2016; Zu den Linien, Erzählungen, edition laurin 2014; Rosenquarz, Erzählungen, Skarabaeus/ Haymon 2007; Kopfüber an einem Baum, Erzählungen, Skarabaeus/Haymon 2003; Bloßfüßig, Gedichte und Fotos, Berenkamp 2000 www.annemariepircher.eu


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Eine Literaturaktion von Un’azione letteraria di


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Eine Literaturaktion | Un’azione letteraria

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Deutsche Kultur

Cultura italiana

Pircher, Anne Marie; Das Haus meiner Mutter © 2017 Anne Marie Pircher Edizioni alpha beta Verlag, Meran/Merano www.alphabetaverlag.it | www.edizionialphabeta.it books@alphabeta.it All rights reserved Cover: Elisabeth Hölzl Umbruch/Impaginazione: A&D Druck/Stampa: Cierre Grafica, Caselle di Sommacampagna (VR) ISBN 978-88-7223-282-8


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DAS HAUS MEINER MUTTER ANNE MARIE PIRCHER


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Sie war eines Tages einfach da. Mit seltsam grauen Augen. Sie würde bleiben, ein Jahr oder zwei, hieß es. Irgendwo war Krieg. Irgendwo gab es ein Elend, von dem wir keine Ahnung hatten. Über dem Eingang zum Haus stand „Villa Burgund“ in einer roten Bordüre. Die große Rosskastanie auf dem Platz davor trug ihre grünen, stacheligen Früchte. Sie ging in den oberen Stock und suchte sich ein Zimmer. Es war Platz genug. Der altmodische, braune Koffer stand noch unten im Flur, als wollte sie erst vorausgehen und sich vergewissern. Ich lag in jener Nacht in meinem Bett wach und lauschte in die hohe Zimmerdecke hinein. Von drüben klang die Musik der italienischen Streitkräfte durchs Fenster im Parterre. Wie jeden Freitag wurde bis spät in den Abend hinein getanzt und gelacht. Pierpaolo war schon weg, er verließ mich damals immer vor Mitternacht, diesmal aber schon weit früher, weil er am nächsten Tag eine Prüfung hatte und noch lernen wollte. Er gab mir in jenen Tagen die Gewissheit, nicht allein zu sein in diesem leeren Haus. Zum Keller hin gab es keine Tür, sondern nur ein schmiedeeisernes Gitter. Dahinter führte die Treppe in eine unheimlich anmutende Dunkelheit hinab, die mich Tag und Nacht ängstigte. Dennoch bestand ich darauf, hier zu wohnen. Ich dachte, dass mein Leben besser sein würde in der Stadt. Vor allem aber wollte ich mit Pierpaolo zusammen sein, diesem großen Jungen mit schwarzgelocktem Haar und einer kühnen Stirn. Wir hatten in der Burgta5


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verne in den unteren Berglauben zusammen getanzt und uns bald darauf zum ersten Mal lange und leidenschaftlich geküsst. Die Wärme und Schönheit seiner Hände hielt ich für ein Wunder, das mich aus einer etwas rauen und bedrückenden Welt in eine sanftere führen sollte. Wir waren hinaufgefahren nach Labers an den Waldrand, wo wir uns ins Gras legten und nicht mehr voneinander lassen konnten. Danach weinte ich, ohne dass ich hätte sagen können, warum. Meine Sprache war eine andere, und in seiner Sprache war ich unendlich hilflos. Aber das war es nicht, es war etwas anderes. Und ich hatte weder in meiner noch in seiner Sprache Worte dafür. Sie würde ein Jahr bleiben, oder zwei. Ich lauschte in die Nacht hinein und wunderte mich, dass es im oberen Stock so ruhig blieb. Keine Schritte, kein Öffnen einer Tür oder eines Schranks, nichts. Sie schlief also vielleicht bereits, während ich hier unten wach lag und dem Feiern des Militärs zuhörte. Was machten sie dort eigentlich? Urlaub mit ihren Frauen und Kindern? Mit ihren Geliebten? Ich stand auf, öffnete das Fenster und zündete mir eine von Pierpaolos Zigaretten an. Die Luft war rein und frisch, noch nie hatte ich hier am offenen Fenster gestanden, so ersichtlich für die anderen drüben im Soggiorno Montano. Noch nie war ich einem von denen direkt begegnet, und doch mussten sie wissen, dass hier jemand eingezogen war, so nah an ihrer Grenze. Nachts hörte ich oft die Schritte auf den Porphyrplatten vor meinem Fenster, wenn sie in die Appartements der Depandance zurückkehrten. Oft schrak ich dann im Halbschlaf noch einmal auf und dachte, jemand sei in meinem Zimmer. Aber ich hatte nie schlaflose Nächte, auch keine Alpträume. Ich fühlte mich durch die nahe Anwesenheit der 6


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Streitkräfte irgendwie sicher. Einmal schrillte mitten in der Nacht draußen auf dem Tischchen im Flur das graue Telefon lange und eindringlich. Zuerst hörte ich es in meinem Traum, der immer weiter in die Ferne rückte, bis ich schließlich in der Realität in meinem Bett erwachte und vor Angst zu zittern begann. Ich war außerstande, mich zu bewegen, geschweige die Tür aufzuschließen und draußen im Flur den Hörer abzunehmen. So hallte es noch eine gute Weile in die Dunkelheit hinein, bevor es wieder still wurde und ich jedes noch so bedeutungslose Geräusch mit meinen überspannten Nerven zu deuten begann. Ich hatte damals die Vorstellung, jemand wollte mich aus meinem Zimmer locken, um mich zu töten. Wie ich auf diesen Gedanken kam, wusste ich nicht, aber er war eindeutig da. Ich dachte, dass man vielleicht zuerst sterben müsste, um in die Freiheit zu gelangen. Eine Freiheit, die mich nachts von meinem Zimmer entbinden würde, mich unbeirrt durch alle Räume gehen ließe. Dieser Gedanke sollte sich noch lange in mir festhaken, denn auch später habe ich immer wieder in Zimmern dem Tod entgegengesehen. Am Morgen stand der Koffer nicht mehr da. Ich ging unschlüssig in die Küche, von wo ich Geräusche hörte. Sie trug eine geblümte Schürze und hatte Kaffee gekocht, den Frühstückstisch für mich gedeckt. Ich hatte keine Ahnung, in welcher Sprache ich mit ihr sprechen sollte. Sie war keine mehr von uns, sondern hatte sich irgendwann auf den Weg gemacht. Ich sagte schüchtern: Guten Morgen, und sie erwiderte es mit einem seltsam gequälten Lächeln, von dem ich nicht erriet, ob sie sich mit mir unterhalten wollte oder nicht. Aber ich hatte ohnehin keine Zeit, sondern musste zur Schule. Ihr He7


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rumhantieren, während ich ohne Lust ein paar Bissen frühstückte, machte mich nervös und ein wenig aggressiv. Ich fürchtete um meine vage Freiheit durch die Ankunft dieser Großtante aus Afrika. Pierpaolo hatte bereits seine Augen verdreht und mich ein wenig aufgezogen: La prozia dell‘ Africa. Ich liebte sein rollendes R, diese Geschwindigkeit beim Sprechen, als wollte er permanent sein eigenes Leben überholen. In der Klasse saß er zwei Reihen vor mir. Aus dem Nichts war er im neuen Schuljahr zwischen uns aufgetaucht. Als einziger Italiener unter Deutschen. Die Art, wie er aufstand und seinen Namen nannte, mit schwerem Akzent erklärte, dass er hier sei, um Deutsch zu lernen, fand ich ein wenig zu theatralisch. Als wollte er uns allen zeigen, dass er, und nur er, auf dem richtigen Weg war. Ich ahnte sofort, dass Frau E. ein Auge auf ihn werfen würde. Schon die Jahre zuvor hatte sie uns trotz ihrer sonst so strikt eingehaltenen Strenge gezeigt, wie anfällig sie für manche ihrer Schüler war. Am Brunnenplatz nahm ich den Bus bis zum Rennweg, von wo ich lustlos durchs Vinschger Tor in die Verdistraße zu meiner Schule schlenderte. Auf halb Weg traf ich Eva. Sie erzählte wie so oft vom Leben im Heim: das schlechte Essen dort und die viel zu strengen Erzieherinnen. An jenem Morgen aber klang sie ein wenig dramatisch, auf gekünstelte Weise fast verzweifelt, als ob das Heim nur ein Vorwand wäre für ein tiefer liegendes Problem, das sie beschäftigte. Wir beschlossen kurzerhand einen Richtungswechsel und landeten wie schon an manchen Tagen zuvor anstatt im Klassenzimmer auf einer Bank oben am Tappeinerweg. Es war einer dieser klaren Herbsttage, an denen die Sicht auf die umliegen8


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den Berge etwas Reines, fast Heiliges hatte. Wir sprachen wenig und blickten in die Ferne wie auf ein gemeinsames Ziel. Ein Ziel, das wir nicht wirklich benennen konnten, das aber unbedingt mit einem Ort ganz anderswo zu tun hatte. „Ich bin aus dem Heim geflogen, und ich kann dir nur sagen, es gibt nichts Schöneres als Fliegen“, sagte Eva plötzlich in die Stille und in den blauen Himmel hinein. Ich wandte meinen Blick ihrem Profil zu, ihrer kleinen, fein geschwungenen Nase, die leicht geröteten Wangen und hatte auf einmal die Vorstellung, sie habe sich in einen Vogel verwandelt und würde gleich davonfliegen, über die Berge hinweg. „Weißt du, wo Rhodesien liegt?“, fragte ich unvermittelt. Sie sah mich mit ihren großen blauen Augen ein wenig verständnislos an. „Irgendwo in Afrika …“ „Dort soll Krieg sein, vor dem die Weißen fliehen müssen.“ „Gut so“, sagte Eva und schloss befriedigt die Augen, „endlich trifft es die Richtigen.“ Ich ahnte, welche Gedanken durch ihren Kopf flogen. Einige Monate davor hatte sie mir ein Büchlein in die Hand gedrückt mit dem Nachdruck, es unbedingt zu lesen: Der Papalagi. Die Reden des Südseehäuptlings Tuiavii aus Tiavea. Zeitgleich gab sie mir aber auch Schattenmund von Marie Cardinal. Ich liebte ihren klaren, blauen Blick, mit dem sie mich oft ansah, als wüsste sie mehr über mich als sie sagen wollte. Ich liebte aber auch ihre Naivität, mit der sie schnelle und einfache Positionen zu sehr komplexen Themen vertrat. Von Beginn an, seit sie 9


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als Repetentin im Jahr davor zu uns gekommen war, zog mich etwas in ihre Nähe, ein unbestimmtes Gefühl der Zusammengehörigkeit, das sich aber kaum an unseren äußeren Lebensumständen ausmachen ließ. Sie kam aus dem Osten, aus Sexten, wo sie bei ihrer Mutter lebte. Ein Kind der Kälte. Sie wusste, wie man sich mit Ausdauersport in langen Wintern aufwärmte, wie man hart wurde, äußerlich und innerlich. Sie wusste, wie es ist, ohne Vater aufzuwachsen, ihn nicht einmal zu kennen. Engländer oder Amerikaner, die Mutter schwieg sich darüber aus. Eva träumte von einem Russen. Das war ihr geheimer Stolz, aus dem sie sich nährte. Aus dem sie ihr Anderssein insgeheim zur Schau trug. „Wenn du willst, kannst du bei mir wohnen, ich werde Mutter fragen“, sagte ich, in der Hoffnung, Eva würde nicht fliegen, sondern bei mir bleiben. Sie sah an mir vorbei und schüttelte den Kopf: „Ich werd die Schule schmeißen und weggehen.“ Mit der Fußspitze zog sie einen Kreis in den Sand, einen tiefen, fest geschlossenen Kreis. So lange, bis wir uns schweigend aufmachten und uns unten an der Kreuzung zur Otto-Huber-Straße trennten. Pierpaolo stand mit zwei Mädchen aus der dritten Klasse unter der hohen Zypresse und rauchte seine MS. Ich ging an ihnen vorbei und warf ihm nur einen schnellen Blick zu, den er fragend erwiderte. Dass wir zusammen sind, zeigten wir weder in der Schule noch anderswo. Es war wie eine geheime Abmachung zwischen uns, ohne dass wir uns konkret darauf geeinigt hätten. Ich kann mich nicht erinnern, wer von uns beiden damit anfing, den anderen irgendwie zu leugnen. Pierpaolo behauptete später, dass ich es gewesen sei, die sich nicht 10


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mit ihm in der Öffentlichkeit zeigen wollte. Ich hingegen hatte von Anfang an das Gefühl, dass er mir kleine, subtile Zeichen gab, mit denen er mich vor den anderen auf einer gewissen Distanz hielt. Frau E. saß bereits am Pult und machte die routineartige Eintragung ins Klassenbuch, als ich als erste nach der großen Pause die 4A betrat. Sie hatte strähnige, ungewaschene Haare, was für uns immer eindeutiges Indiz dafür war, dass sie ihre Tage hatte, und diese Tage hatten selten etwas Gutes an sich. Sie erwiderte meinen Gruß nicht, sondern tat sehr konzentriert und abwesend, sodass ich mein Fehlen in den ersten drei Stunden nicht sofort entschuldigte, sondern schnell auf meinen Platz ging, um verlegen in meiner Schultasche herumzuwühlen. Es klingelte. Vom Gang und dem Treppenhaus her hörte man das Durcheinander der näher kommenden Stimmen. Frau E. hatte immer noch nicht aufgeschaut, es lag eine Spannung im Raum wie vor einem nahenden Gewitter. Ich kritzelte wirres Zeug in mein Merkheft und war erleichtert, als sich die Klasse langsam zu füllen begann. Pierpaolo schlüpfte als letzter mit ein wenig Verspätung und einem verschmitzten Lächeln auf den Lippen durch die Tür. Er war einer der wenigen, die sich das bei Frau E. leisten konnten. Bei den meisten von uns wäre sie, besonders wenn sie ihre Tage hatte, explodiert. „Wer fehlt?“, fragte sie jetzt mit zusammengekniffenen Augen und richtete den Blick auf mich. „Pedrotti“, sagte ich schnell und spürte eine heiße Welle auf mich zukommen. „Und Sie? Wo waren Sie in den ersten drei Stunden? Spazieren?“ Die heiße Welle erfasste mich nun, ich wurde von ihr 11


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fortgetragen, spürte einen Druck am Schädel, im Gesicht, das rot wurde. „Ich … hatte verschlafen und dann den Bus versäumt …“, stammelte ich hilflos und wusste natürlich, wie dumm das klang. Es ärgerte mich, dass Pierpaolo sich umdrehte und mich so sah. „Und der Bus fährt natürlich nur alle drei Stunden“, sagte Frau E. zynisch, stand nun auf und nahm einen Stapel Zettel vom Pult. Sie schlug den Stapel mehrmals auf ihren linken Handteller und ging zwischen den Reihen auf und ab. Immer, wenn sie korrigierte Arbeiten von uns zurückbrachte, machte sie daraus eine umständliche Zeremonie, die etwas Sadistisches an sich hatte. Kaum jemand konnte sich in Sicherheit wähnen, mit Ausnahme der wenigen Lieblinge natürlich. Ich begann auf ihre Schuhe zu starren und mit ihnen den Weg zurück zu nehmen zum Haus meiner Mutter, in dem die Großtante aus Afrika vielleicht gerade alle Räume durchstöberte auf der Suche nach der verlorenen oder wiedergefundenen Heimat. Ludmilla, hatte Mutter gesagt, aber ich soll sie Milla nennen, Tante Milla, die Schwester ihres Vaters, meines Großvaters. Sie würde für mich zu Mittag kochen. Noch war es vielleicht nicht so weit, aber bald würde sie in der Küche mit dem Ausblick auf den großen Kirschlorbeer ein oder zwei Töpfe auf den Herd stellen und wer weiß welchen afrikanischen Brei für mich bereiten. Ich sah ihre geblümte, altmodische Schürze, ihr gequältes Lächeln und die hohen, etwas düsteren Räume, in denen dieses gequälte Lächeln von nun an gefangen sein würde. Ein Jahr oder zwei. Würde dann der Krieg dort unten zu Ende sein? Würde sie zurückkehren zu ihrem Mann und ihren Kindern? Karl wolle nachkommen, hieß es. Die erwachse12


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nen Kinder würden dort bleiben. Ich verstand nicht, warum in Afrika auf einmal die Weißen fliehen mussten, wo Frau E. von Apartheid sprach und davon, wie rücksichtslos die Europäer dort unten das Land unter sich auf- und zerteilt hatten. Als Beweis dafür fuhr sie oft mit ihrem Finger auf der großen Karte über die gerade gezogenen Grenzlinien quer durch den Kontinent. „… und da sitzt sie und schaut apathisch, als ginge sie das alles nichts an, aus dem Fenster!“, hörte ich plötzlich ihre erbitterte Stimme, die eindeutig an mich gerichtet war. Ich spürte eine zweite Welle, die diesmal aber alle Farbe aus meinem Gesicht spülte, noch ehe ich wusste, worum es ging. Sie schwenkte eins der Blätter des Stapels in der Luft und begann einen Auszug daraus zu lesen, der mir fremd erschien, dabei waren es ohne Zweifel meine eigenen Worte. Ich senkte meinen Blick auf die Bank und suchte nach irgendeinem Punkt im Holz, in der Faserung, der mich ablenken, entspannen könnte. Aber je verkrampfter ich suchte, desto zittriger wurde mein Herz, meine Hand, mit der ich nach dem Kugelschreiber griff. Ich wollte das, was ich geschrieben hatte, vor versammelter Klasse nicht hören, zumindest nicht mit der Stimme dieser Frau. Von Beginn an hatte sie mich auf eine argwöhnische Art zu demütigen versucht. Im Laufe der Zeit hatte ich mir eine Art Panzer der Gleichgültigkeit übergestülpt, nun aber platzte dieser Panzer aus allen Nähten, ich spürte eine kochende Wut darunter, die ich irgendwie im Zaum halten musste. Es gelang mir nur mit einem Lächeln. „… da schreibt sie so geistreiche Texte in einer nahezu perfekt ausgearbeiteten Sprache und meldet sich hier nie zu Wort, sitzt teilnahmslos in ihrer Bank und hängt ihren Träumen nach! Eine Arroganz, die in ihrem 13


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Alter seinesgleichen sucht …“, erklärte sie nun den anderen und wandte sich dann direkt zu mir: „ Ja, lachen Sie nur, Sie werden sehen, auch Ihnen wird das Lachen noch vergehn!“ Damit übergab sie mir meine Arbeit zu Carl Spitzwegs Bild Der arme Poet, ließ noch kurz ihren kalten Blick auf mir ruhen und begann dann die restlichen Blätter in der Klasse zu verteilen. Ich las die Note 10 minus in ihrer markanten überdimensionalen Handschrift und spürte ein Gefühl der Macht, verbunden mit einer Art Leere. Beides gab mir eine merkwürdige Ruhe zurück. Wie von außen blickte ich auf mich und die Klasse als Ganzes, sah meinen Kopf stumm und abwesend auf das Stück Papier gerichtet, bevor er sich wieder dem Fenster zuwandte und draußen nach der großen Zeder suchte. Eva. Es gab kein afrikanisches Gericht, sondern Rühreier mit Bohnen und Speck. Von Beginn an ekelte ich mich ein wenig vor Tante Millas Essen. Es hatte vielleicht mit ihren Händen zu tun, den arthritischen Fingern, die immer leicht gerötet waren. Aber da war auch dieser ganz eigene Geruch, der sie umhüllte wie ein fremdes Tuch, Schutz und Abwehr zugleich. Sie sprach immer nur sehr wenig, fast nichts, und das Wenige bezog sich nur aufs Essen und auf die Schule und ein bisschen auch auf mich. Von ihr selbst wollte sie nichts preisgeben, aber ich fragte auch nicht. Ich war 17 und wütend auf meine Mutter, die mir diese Großtante auf den Hals gesetzt hatte, mit der ich jetzt auf bestimmte Zeit leben musste. Milla behielt den oberen, ich den unteren Stock, und so gingen wir uns mehr oder weniger aus dem Weg. Nach einiger Zeit wartete sie auch nicht mehr zum Essen auf mich, sondern richtete für mich alles her und 14


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war schon verschwunden, wenn ich aus der Schule kam. Manchmal, wenn ich das Haus verließ, sah ich sie oben auf der Terrasse stehn und unbeweglich in die Ferne blicken. Wenn sie mich dann bemerkte, drehte sie sich abrupt um und ging zurück in ihre Räume. Ich wunderte mich, was sie dort ganz alleine machte, wollte sie aber nicht danach fragen, weil ich vermutete, sie würde mich dann einladen, vergilbte Fotos anzuschauen. Vielleicht fürchtete ich auch ihre Einsamkeit und womöglich ihre Tränen, von denen ich bei Mutter bereits genug gesehen hatte. Dass sie das ganze Haus in Ordnung hielt und putzte, war mir natürlich recht. Pierpaolo ging ich in den nächsten Tagen und Wochen aus dem Weg. In der Klasse und während der Pause meidete ich seinen Blick, ignorierte ihn mehr als sonst, wenn er in meine Nähe kam. Wenn am Nachmittag das graue Telefon im Flur klingelte, ging ich nicht ran. Ich fühlte mich auf eine naive Weise von ihm im Stich gelassen, vor allem weil er ganz offensichtlich zu Frau E.s Liebling mutiert war, was er sichtlich und auch verständlicherweise genoss. Sein Deutsch war mehr als holprig und sie hätte ihn mit Leichtigkeit ins Aus spielen können. Stattdessen lobte sie bei jeder Gelegenheit seinen Mut und seinen Willen, unsere Sprache zu erlernen. Nach einer Weile fand ich in meiner Schultasche Zettel mit kleinen italienischen oder deutschen Botschaften: ti voglio bene oder mi manchi. Ich vermisse dein Haus. Er sah mich mit einem traurigen Hundeblick an, wenn ich an ihm vorbei ging oder er zu einer Gruppe stieß, in der ich stand. Ich bestrafte ihn dann noch zusätzlich mit einer Maske aus falschem Stolz und guter Laune, als ginge es mir bestens. Am Nachmittag lag ich dann auf 15


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meinem Bett und hörte die Schritte des Militärs nebenan, die italienischen Worte, die sie sich zuriefen. Ich sehnte mich nach seinen Händen und nach seinem Geruch. Vor allem aber nach seiner sanften, poetischen Sprache, mit der er mich geliebt hatte. Eva zog bei mir ein und kam zwei Wochen nach dem Rauswurf aus dem Heim wieder in die Schule. Sie bezog das Zimmer neben mir und brachte gleich am ersten Abend einen Jungen mit einem kräftigen Dialekt mit, der über Nacht blieb. Mutter kam einmal in der Woche vorbei und stieg die dunkle Kellertreppe hinab, um die alte Heizung zu kontrollieren. Sie war nicht gut auf Eva zu sprechen, denn sie schien ihr ein leichtfertiges Mädchen mit schlechtem Einfluss auf mich. Mit Tante Milla ging sie dann meist noch ein paar Runden ums Haus, stemmte die Hände in die Hüften und gab die eine oder andere Anweisung für Arbeiten, die zu erledigen seien. Ich sah die beiden auch öfters mit gesenktem Blick unter der Rosskastanie stehn, wo Milla ihren Arm manchmal zum Trost um Mutters Schultern legte, aber nie war es umgekehrt. Als Mutter das Haus mit dem Namen „Illy“ von einem italienischen Geschäftsmann Jahre davor gekauft hatte, begann sie sofort mit ungewöhnlichem Eifer, nach einem neuen Namen zu suchen. Sie wollte später, wenn sie am Berg nicht mehr gebraucht würde, in diesem Haus wohnen. In der Zwischenzeit wollte sie es nicht vermieten, da sie Angst vor Mietern hatte, die sie nicht mehr loswerden würde oder die ihr Haus beschädigen könnten. Mir hätte „Illy“ gefallen, weil dieser Name für mich ungewöhnlich und frech klang, aber im Grunde war es mir egal. Ich hoffte, dass sich die Scheidung mei16


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ner Eltern noch lange hinausziehen würde und Mutter nicht so schnell vom Berg in die Stadt kam. Bald nach Evas Einzug erklärte ich Milla, dass sie ab nun nicht mehr für mich zu kochen bräuchte, da Eva und ich auf alles Tierische verzichten und unsere Mahlzeiten selbst zubereiten würden. Sie nahm es mit ihrem Lächeln zur Kenntnis und verschwand wie immer im oberen Stock. Einmal in der Woche lag ein beinahe schwereloser Brief mit dem blauen Aufdruck BY AIR MAIL im Briefkasten. Auf der Rückseite stand immer Dein Karl. Wie immer dieser Karl sein mochte, er war ihr treu. Ich begann mich zu fragen, was dort in Rhodesien passiert war. Aber noch mehr brannte eine andere Frage in mir. Warum war Milla damals als junge Frau so weit weg gegangen? Als sich die gelben Blätter der Rosskastanie langsam zusammenrollten, öffnete ich Pierpaolo wieder die Tür. Er brachte mir ein kleines Glashaus mit sechs winzigen Kakteen. Einer davon blühte leuchtend rot. Ich nahm das Geschenk verlegen entgegen und wir gingen in mein Zimmer, wo wir uns aufs Bett legten und schweigend an die hohe Zimmerdecke starrten, uns aber nicht berührten. Er habe begonnen, dieses Haus zu lieben, sagte er nach einer Weile vorsichtig auf Deutsch, als wollte er nichts riskieren. La casa e la sua imperatrice, fügte er dann doch schmunzelnd hinzu. „Das Haus“, sagte ich, „hat etwas Unheimliches, Gespenstisches. Es zieht unglückliche Menschen an.“ „Ich bin nicht unglücklich“, sagte er auf Italienisch, nahm meine Hand und führte sie zu seinem Mund, „du musst durchhalten, du musst ihre Autorität einfach ak17


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zeptieren und nicht dagegen ankämpfen mit Trotz oder falschem Mut. Du wirst studieren, wir werden zusammen studieren. Wir werden weggehen. Nach Innsbruck oder Triest oder noch viel weiter.“ Ich war überrascht, dass er alles auf Frau E. bezog. Dabei war sie nur ein Glied in der langen Kette meiner Verunsicherungen. „Sie hasst mich, und ich werde nichts dagegen tun“, sagte ich dennoch und fügte schnell hinzu: „aber es ist nicht nur deshalb, ich habe keine Lust mehr auf diese Schule, ausgerechnet der Name Paradiso, was für ein Hohn! Alles dort langweilt, frustriert mich, diese Paukerei, für wen oder was? Fürs Leben bestimmt nicht, aber wer weiß, vielleicht wirklich fürs Paradies …“ Dabei paukte ich kaum, ich tat schon lange gerade nur so viel, um irgendwie durchzukommen. Wenn ich im Klassenzimmer den Ausführungen der Lehrer folgen sollte, begann ich immer öfter meinen eigenen Gedanken nachzuhängen und irgendwo abzudriften. Pierpaolo war da anders. Er hatte ein Ziel vor Augen. Dieses Ziel hieß Pharmazie. Ich wusste nicht, wie er darauf kam und warum er sich da so sicher war. Aber ich beneidete ihn um diese Sicherheit und ich wollte mir ein Stück davon holen, indem ich ihn zu mir zog und alles tat, damit wir uns wieder so liebten wie in der Zeit vor diesem ersten Schweigen. Ein Schweigen, das später immer öfter zwischen uns trat, ohne dass wir es aufzuhalten vermochten. Durchhalten. Es war nicht Frau E. allein, aber sie brachte die Dinge in mir zum Überlaufen. Ich begann mit Eva immer öfter die Schule zu schwänzen. Wir trieben uns ganz hinten in der Gilf herum, wo wir über die steil abfallenden Felsen in die wilde Passer blickten, uns 18


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ausmalten, wie weit wir gehen würden. Spanien oder Griechenland. Vielleicht gar Amerika? Manchmal versteckten wir uns auch im Pulverturm, Eva nahm Bücher mit: Die Fahrt hinaus von Virginia Woolf oder Die Mandarins von Paris, jenes orangefarbene Rororo-Taschenbuch in winziger Schrift. Mit Eifer suchte sie darin Stellen, die sie mit Bleistift unterstrichen hatte, um mich von irgendetwas, auch noch so Paradoxem, zu überzeugen. Etwa: Dies bin ich, ganz genau ich, mit andern Worten: niemand. Oder: Ein Mensch, der sich bloßzustellen wagt – wie selten ist das! Und letztlich gewinnt er, wenn er es wagt. Sie wollte mich wegzerren von Kafka und Rilke, mich den Frauen zuführen, radikal und selbstbewusst, aber immer mit diesem tiefen Schmerz, der aus ihren blauen Augen stach und dessen Grund ich damals noch nicht wirklich verstand. Denn ich hatte einen Vater und sie nicht. Sie ersetzte ihn durch Mut. Ich lernte von ihr, wie man möglichst wenig aß, sich selbst in eine Form brachte. Mit einem Apfel am Tag. Mit zehn Glas Wasser. Laufen, laufen, laufen. Ich konnte mit ihr nicht Schritt halten. Auch in der Liebe nicht. Während ich an Pierpaolo festhielt, wechselte sie von einem zum andern. Wir schlichen uns am helllichten Tag ganz hinten im Sissi-Park durch den Eingang zum Odeon-Kino, wo Eva mit ihren stolzen 18 Jahren den Ausweis hinstreckte und mich 17-Jährige mit hineinschleuste. Wir sahen uns geduckt die harten Filme an, hörten die wenigen Männer in der Dunkelheit keuchen und verlachten sie später draußen unter der Sonne. In der Villa „Burgund“ gingen wir achtlos an Milla vorbei und verkrochen uns im Zimmer, aßen im Heißhunger Schokolade bis uns schlecht war und wir alles wieder auskotzten. Dann musste ich Pierpaolo wieder ausschließen, wenn er draußen klin19


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gelte, drei- viermal, ehe ich ihn mit seiner Vespa wieder davonfahren hörte und die Sehnsucht nach ihm mich beinahe zerriss. Ludmilla blieb ein stilles Gespenst im Haus, das uns mit seinem gequälten Lächeln darin bestärkte, nie so werden zu wollen wie sie. Wir würden uns keiner Rückkehr beugen, um auf schwerelose Briefe zu warten oder in einem fremden, düsteren Haus allein die Tage zu verbringen. Eva und ich würden ein Leben wählen, das anders als das unserer Mütter und Großtanten wäre. In langen Nächten studierten wir den Atlas und ließen unsere Finger beliebig auf diverse Stellen fallen. Rom, Paris, London. Wir suchten Rhodesien und konnten uns nicht vorstellen, was eine junge weiße Frau dort zu suchen hatte. War es Karl, der sie dorthin mitgenommen hatte und den sie jetzt nur noch als Luftpost in den Händen hielt? Worte, die für kurze Zeit ihr Lächeln und ihre Stirn befreiten. Mit ihren grauen Augen blickte sie uns dann ein wenig unbefangener an als sonst und war sich sicher: „Er wird bald nachkommen.“ Damit verschwand sie mit ihrem leicht hinkenden Gang im oberen Stock, wo sie später wieder lange und unbeweglich auf der Terrasse stand. Das Haus verließ sie nur, um durch die Reichenbachgasse hinunter über den Brunnenplatz in die Dantestraße zu gelangen, wo sie sehr bedacht und sparsam ihre wenigen Lebensmittel einkaufte oder bei der Post vorbeischaute. Eines Tages aber fragte sie mich, ob ich sie hinunter ins Zentrum begleiten würde, sie bräuchte ein Geschenk für Karl zu seinem 70. Geburtstag. Siebzig schien mir damals meeralt zu sein, und ich konnte mir nicht vorstellen, dass dieser Karl noch die Kraft haben 20


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würde, den weiten Weg von Rhodesien nach Meran zu schaffen. Wir nahmen den Kirchsteig hinunter über den Steinernen Steg, wo sie unverhofft stehenblieb und vielleicht für eine Minute lang unbeweglich ins Wasser blickte. „Hier, genau an dieser Stelle hat mir Karl den Heiratsantrag gemacht, das war noch vor dem Krieg. Über vierzig Jahre ist das her“, sagte sie schließlich, “und diese Brücke hat für mich immer noch etwas Magisches.“ Wenn die Erwachsenen damals von Vergangenem sprachen, handelte dieses Vergangene hauptsächlich vom Krieg. Es erstaunte mich, dass Ludmilla plötzlich etwas derart Intimes über sich preisgab. Ich wusste nicht, was ich sagen sollte. „Ponte romano“, sagte sie, „das hätten sie gerne gewollt, die Walschen. Aber das war nie eine Römerbrücke.“ Sie wandte sich zu mir: „Du solltest öfter in die Schule gehen, in dir steckt ein großes Potential.“ Damit ging sie voraus und durchs Passeirertor hindurch, als sei sie diesen Weg schon hundertmal gegangen. Ich folgte ihr und fragte mich, warum sie mich eigentlich gebeten hatte mitzukommen. Pierpaolo war ein sogenannter Walscher. Ich dachte auf einmal, dass ich ihn vielleicht gar nicht liebte, sondern lieben musste, um mich von dieser ewigen Vergangenheit der Erwachsenen zu lösen. Was das Potential betraf, verstand ich nicht genau, was Ludmilla damit meinte, aber sie hatte sich scheinbar Gedanken über mich gemacht, was mich ein wenig verlegen machte. Schule bedeutete für mich vor allem eine Endlosschleife von Tagen, die zu überwinden waren und in denen ich mehr und mehr verstummte. 21


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Vor der Buchhandlung Poetzelberger am Pfarrplatz blickten wir in die Auslage, ehe wir das Geschäft betraten und vor dem großen Büchertisch in der Mitte stehen blieben. Sie begann schüchtern, Bildbände aufzuschlagen und unschlüssig wieder zurückzulegen: „Weißt du, es darf nichts Kitschiges sein, Karl mag den Kitsch nicht. Ich dachte, dass vielleicht du ein Gespür dafür hast, für das Nicht-Kitschige. Ich selbst bin da leider zu anfällig.“ Ich schlug nun auch Bildbände auf und stieß mit jedem Band, den ich in die Hand nahm, auf ein zauberhaftes Meran, das in höchsten Tönen gelobt und besungen wurde. Ich wäre dieser Suche am liebsten entflohen, denn alles schien hier immer nur Paradies und ewiges Glück zu sein. Der Bücherchef kam uns zu Hilfe und zog aus dem oberen Regal noch andere, schwere Bände, deren Last uns fast erdrückte. Nach langem Hin und Her kaufte Ludmilla schließlich das Buch von Ursula Pfistermeister. Es zeigte Abbildungen der Stadt und Umgebung von einst und jetzt, begleitet von Texten berühmter Persönlichkeiten. Vielleicht hatte sie das große Abbild des Steinernen Steges darin überzeugt. Vielleicht war sie aber einfach nur müde vom Suchen und gab sich geschlagen. Ich trug dieser zarten, alten Frau das schwere Geschenk für Karl zurück ins Haus, wo sie damit im oberen Stock verschwand. In meinem Zimmer legte ich mich aufs Bett und dachte lange an mein sogenanntes Potential, das ich mir wie eine große schwere Masse vorstellte, die eines Tages als Lawine aus mir herausbrechen und meine ganze Umgebung verschütten würde. Das Haus, Tante Milla, Eva, Pierpaolo, die Schule, einfach alles würde unter ihr begraben sein. Ich würde befreit und als ein neuer Mensch daraus hervorgehen. Das graue Telefon im Flur klingelte, ich wollte aufstehen und 22


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den Hörer abnehmen, aber etwas Schweres drückte mich nieder. So blieb ich noch lange in dieser Haltung, unfähig mich zu rühren. Später klopfte es an die Tür. Eva steckte den Kopf herein: „Pierpaolo ist draußen.“ „Ich bin nicht da“, hörte ich mich wie aus weiter Ferne sagen. Das Haus wurde ab Dezember kalt und ungemütlich, da die Räume sehr hoch und das Heizöl knapp und teuer waren. Noch ehe der Schnee kam, hatte ich leichtes Fieber und Schüttelfrost, aber ich wollte zu keinem Arzt. Mit einer Decke um die Schultern schlich ich umher, während Eva zur Schule ging. Ich hatte sie gerettet, mich selbst aber konnte ich nicht mehr dazu motivieren, den vielen Stoff nachzuholen, den sie mir aus dem Unterricht mitbrachte. Wenn ich sie nachmittags oder abends im Zimmer nebenan zuerst mit Georg und später mit Ivo hörte, beschlich mich ein Gefühl der Leere, das sich in mir ausbreitete wie ein stiller, weiter See. Ludmilla sah mich nun anders aus ihren grauen Augen an. Vielleicht ein wenig fürsorglich. „Du trägst eine Entzündung in dir“, sagte sie, „lass nicht zu, dass sie von dir Besitz ergreift. Werde nicht wie deine Mutter.“ Hätte sie nicht Mutter erwähnt, hätte ich geglaubt, sie meinte wirklich einen körperlichen Brandherd. So aber benannte sie etwas, was ich selbst nicht auszudrücken vermochte. Ein dunkles Tuch, für das kein Arzt zuständig zu sein schien. Ich folgte ihr über die Treppe hinauf, wo ich zum ersten Mal, seit sie hier wohnte, ihr Zimmer betrat. Es war der einzige Raum, der einen schönen, alten Kachelofen besaß, für den aber das Holz fehlte. Von hier aus konnte man auf die Nordterrasse treten und man 23


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hatte die Rosskastanie vor Augen. Durch die nackten Zweige blickte ich hinüber zum Park des Soggiorno Montano. Ludmilla zog aus einer Schublade eine Mappe und zeigte mir Fotografien mit Bruchstücken von einem Land, das mir bald üppig und schön, dann aber auch wieder rückständig und öd vorkam. Unter einem Bananenbaum stand Karl als ein stattlicher Mann mit weißer Haut und weißem Haar, dessen Lächeln nicht gequält, aber doch ein wenig gekränkt wirkte. Ich kannte dieses Lächeln von meinem Großvater, dem Vater meiner Mutter, und war mir sicher, dass dieser Karl ein genauso tüchtiger und intelligenter Mann war wie er. „Die Schwarzen glauben, sie können es ohne die Weißen schaffen. Aber sie irren sich, sie werden uns wiederhaben wollen und zurückholen, sobald es ihnen schlecht genug geht.“ Milla sagte diese Worte mit einer so absoluten Sicherheit, dass ich sie auf einmal beneidete für ihr Wegehen mit Karl, diesem starken Mann, der dort im fernen Rhodesien nun auf sie wartete oder ihr nach Meran, wenn nötig, folgen würde. Ich beneidete sie um die schwerelosen Briefe, die als Stapel auf dem Tisch lagen wie ein Versprechen. Nie würde mein Vater meiner Mutter irgendwohin folgen oder sie irgendwohin mitnehmen, geschweige denn Briefe schreiben. Ich ließ meinen Blick durchs Zimmer schweifen und sah, wie diese Großtante aus Afrika hier mehr oder weniger ihre einsamen Tage verbrachte: Sie las und schrieb. In diesem Tun gab sie sich und Karl und ihr beider Leben nicht auf. Sie glaubte an die Kraft der Erinnerung und an die Vision einer Zukunft. „Wenn das Leben dir zu entgleiten droht, dann schreib!“, sagte sie und fügte etwas leiser hinzu: „Ich spüre, du hast Talent dazu.“ 24


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Frau E. ließ mir über Eva mitteilen, dass ich in Latein fürs erste Semester nicht mehr zu retten sein würde. So jedenfalls drückte sich Eva aus. Nicht mehr zu retten. Das klang nach Untergang. Ich war fast einen Monat lang nicht mehr in der Schule erschienen. Eine Müdigkeit, die mit nichts zu erklären war, aber die sich bereits am Morgen über mich legte, ließ mir kaum Kraft für einen sinnvollen Ablauf meiner Tage. Ich suchte in Büchern eine Antwort und begann darin, Sätze zu markieren, die sich mit meinem Befinden deckten oder mir im besten Fall eine Erklärung dafür gaben. Manche Protagonisten in den Geschichten stülpte ich mir über wie eine zweite Haut, mit der ich mich dann eine Zeitlang identifizierte und durchs Haus oder durch die Straßen der Stadt bewegte. Über Weihnachten fuhr Eva zu ihrer Mutter nach Sexten. Ich blieb mit der Großtante im Haus zurück und wollte über die Feiertage nicht zu meinen Eltern. Im Wohnzimmer mit den schweren Vorhängen und der Glastür, die zur Südterrasse führte, stellte Ludmilla ein paar Zweige in eine Vase und schmückte sie mit selbstgebackenen Keksen und Lametta. Ich blickte auf den Kakibaum hinaus, dessen leuchtende Früchte exotisch an den kahlen Ästen hingen. Die Stadt war wie leergefegt, es gab noch keinen Weihnachtsmarkt, keine Invasion von Bussen, alles war auf eine beruhigende Art trostlos; der Winter gehörte den Einheimischen und ihren Rückzugsorten. Zwei Monate zuvor war die Stadt noch aufgeheizt vom alljährlichen letzten Touristenboom gewesen, für Wochen sogar richtig Welt. Karpov verteidigte gegen Kortschnoi Zug um Zug seinen Schach-Weltmeistertitel in den alten Thermen. Alle Zeitungen und das Fernsehen 25


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waren voller Schlagzeilen zu diesem internationalen Event gewesen, das mich zwar erstaunt, aber gleichzeitig kalt gelassen hatte. Es überraschte mich dann umso mehr, als Ludmilla mir am Morgen des Heiligabend ein Schachbrett samt Figuren zeigte. Es sei das Geschenk für Karl, aber sie hätte es nicht mehr abgeschickt, denn im Jänner oder Februar würde er kommen. Mit eifrigen Fingern begann sie die Figuren aufzustellen und sagte auf meinen abwehrenden Blick: „Nur dumme Menschen haben Angst zu spielen.“ Sie sei nicht gut darin, gegen Karl habe sie keine Chance, aber immerhin, sie wisse, wie es geht. Ich hingegen hatte keine Ahnung, wie es ging und fühlte mich zu müde, es zu lernen. Dass Karl nun doch kommen würde, den weiten Weg von Rhodesien hierher also schaffen würde, versetzte mich in eine zusätzliche Anspannung. Würden sie dann nie mehr zurückgehen, woher sie gekommen waren? Würden sie hier bei mir wohnen, um dann auch hier zu sterben und am Friedhof hinter dem Bahnhof begraben zu werden? Ich fragte mich nun ernsthaft, was sie dort in Afrika verbrochen hatten, aber ich stellte die Frage nicht. Vielleicht hatte ich Angst vor Ludmillas Version der Geschichte, wahrscheinlich war ich aber einfach zu müde, Fragen zu stellen. „Karl hatte so gehofft, dass Kortschnoi gewinnen würde … denk dran, der König ist die wichtigste Figur, die Dame aber die stärkste.“ Damit begann sie mit ihren arthritischen Fingern eifrig Figuren vor mir hin- und herzuschieben, während ich verlegen und dumm dasaß und ihren Erklärungen nur widerwillig folgte. Bald aber setzte ich erste unsichere Züge und folgte einer Art neuen Logik, die mein schwarzes Tuch ein wenig lüftete. „Ich weiß, dass du eine gute Strategin sein und mich 26


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bald schlagen wirst“, sagte sie am Ende des Tages, an dem wir kein Weihnachtsgeschenk für uns hatten, während das Militär nebenan laut genug feierte. Aber das spielte keine Rolle. Wir waren uns auf eine seltsame Art näher gekommen. Ich wurde keine gute Strategin und ich habe Milla nicht geschlagen. Aber das Spiel rettete uns über die Tage und Wochen ins neue Jahr hinein. Als Eva zurückkam, trugen die Kaki eine weiße Mütze. In der Alten Mühle kaufte ich mir Die Schachnovelle von Stefan Zweig, jenes kleine gelbe Taschenbüchlein, das in den Herbstwochen während des großen Turniers die Auslagen der Buchhandlungen geziert hatte. Ich las es an einem einzigen Nachmittag und wedelte es Eva dann wie eine Befreiung unter die Nase. Siegessicher erklärte ich ihr, dass ich in die Schule zurückkehren und es der E. und allen anderen zeigen würde. Ich ging hinaus unter die Rosskastanie und sah die winzigen Knospen, die sich schon hie und da gebildet hatten. Milla stand oben hinter der Nordterrasse in ihrem Zimmer und sah zu mir herunter. Sie wandte sich diesmal nicht ab, sondern lächelte mir kurz zu. Ich begann, meine Schulbücher wieder aufzuschlagen und im Zimmer laut Vokabeln vor mich herzusagen. Die Schwere des Stoffes war erdrückend, aber am 7. Jänner saß ich neben Eva in meiner Bank und setzte mich den neugierigen Blicken der anderen aus. Ich musste zum Direktor und mich erklären, da ich kein ärztliches Zeugnis eingereicht hatte. Er musterte mich besonnen und meinte, die Schule sei für einen jungen Menschen das wichtigste und ob ich das auch so sehe. Ich nickte und senkte meinen Blick auf seinen Siegelring, wusste aber keine Antwort auf die Frage, welche 27

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Krankheit ich denn gehabt hätte. Ich fand, dass der einzige Ausweg aus dieser beklemmenden Situation eine verschleppte Grippe sei. Damit gab er sich schließlich zufrieden und ich versprach, ihm das ärztliche Zeugnis nachzureichen. Ich wunderte mich, dass er meine Eltern mit keinem Wort erwähnte, obwohl ich noch minderjährig war. Seit Allerheiligen hatte ich sie nicht mehr gesehen. Zweimal, an Weihnachten und Neujahr, nur kurz mit ihnen telefoniert. Anstelle von Karl kam ein schwereloser Brief mit schwarzem Rand. Ich weiß nicht, wer ihn entgegennahm, ich weiß nur, dass ich ihn irgendwo sah. Vielleicht auf dem Tischchen mit dem grauen Telefon, vielleicht aber auch in der Küche auf der Anrichte. Ich habe Ludmilla nie weinen sehen. Irgendwann gegen Ende des Winters hörte sie aber auf zu lächeln. Sie kochte weiterhin die Eierspeisen, spielte noch gelegentlich Schach mit mir oder Eva und putzte gründlich wie immer. Im März legte sie in dem kleinen Stück Wiese, die zum Haus gehörte, einen Gemüsegarten an. Ich sah sie gebückt mit ihrer geblümten Schürze Radieschen säen und dachte, dass Karl vielleicht doch noch kommen würde, wagte aber nicht zu fragen. Sie hingegen fragte mich, wie es in der Schule mit mir gehe und ob ich schon wüsste, was ich werden wollte. Frau E. gab mir zu Semesterende in Latein und Geschichte eine Fünf und in Deutsch eine Neun. In allen anderen Fächern lag ich knapp oder gut im positiven Bereich. Eva tauschte im April Ivo gegen Manuel ein. Seine dunklen Augen und sein sanftes Lächeln erinnerten mich an Pierpaolo, der nach Schulschluss nun mit Karin auf seiner Vespa davonfuhr. Manuel war Philosphiestu28

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dent in Innsbruck und kam nur übers Wochenende. Einmal habe ich ihn mit Eva in der Schneeburggasse in seinem kleinen Studentenzimmer besucht. An der Wand über dem Bett hing der Vitruvianische Mensch von Leonardo da Vinci. Wir saßen zu dritt auf der Bettkante und quatschten und lachten. Ich sah zu, wie Manuels schöne Hände einen Joint drehten, wie jeder von uns dann einen Zug nahm und noch einen, und ich mich schließlich entspannt zurück aufs Bett fallen ließ und die Augen schloss. Ich sah meine Mutter mit meinem Vater Arm in Arm durch die Villa Burgund gehen, die eigentlich Illy hieß. Ich stand mit Milla auf der Nordterrasse und griff nach den großen, weißen Blütenkerzen der Rosskastanie, konnte sie aber nicht erreichen. Unten stand Pierpaolo und klingelte vergeblich. Der Duft der Blüten war so betörend, dass ich nicht widerstehen konnte und mich immer weiter vorbeugte, bis ich schließlich fiel und nicht mehr aufhörte zu fallen. Über mir hörte ich Evas aufgeregte Stimme, aber ich dachte, es sei Milla, und ich rief laut nach ihr. Später fuhren Eva und ich mit dem Zug über den Brenner zurück nach Meran und sprachen sehr wenig. Im Haus gingen wir in unsere Zimmer und warteten insgeheim auf das Ende des Schuljahres. Im Briefkasten lagen in den Wochen und Monaten danach Briefe, die an mich adressiert waren und immer den Absender ml trugen. Von Karl gab es kein Lebenszeichen mehr. Auch Manuel kam nicht mehr zu uns, sondern ich fuhr zu ihm, wo wir uns unter dem Idealbild der menschlichen Schönheit liebten, indem wir einzelne Teile von uns in Beziehung zueinander stellten. Das Absolute erreichten wir nie.

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Heute, gut dreißig Jahre später, während ich dies schreibe, gibt es weder die Villa Burgund noch ihre große Rosskastanie in Meran. An jener Stelle stehen heute drei oder vier gesichtslose Reihenhäuser. Das Haus meiner Mutter ist samt Baum unter einer großen Masse verschwunden, noch ehe sie darin einziehen konnte. Ein unsichtbarer Knoten in der Brust und vielleicht noch ein anderer Grund, den ich nie genau kennen werde, haben es verhindert. Ich aber habe darin gewohnt. Ich weiß noch alle Türen und Fenster und den dunklen Keller, in den ich mit Mutter hinabstieg. Ich trage noch die Nord- und Südterrasse in mir, den Kakibaum und die schweren Kastanien, die als reife Frucht beim Aufprall auf den Boden auseinandersprangen und eine weiße Masse freigaben. Ich kenne noch den Geruch der Großtante, die wieder fortging und im heutigen Simbabwe neben Karl begraben liegt. Das Schachspiel liegt in einem alten Schrank in meinem heutigen Zimmer. Ich habe in all den Jahren niemanden getroffen, mit dem ich es gern gespielt hätte. Manchmal hole ich die abgegriffene Schachnovelle von Stefan Zweig aus dem Regal und betrachte die alte Postkarte mit den schäumenden Viktoriafällen darin. Sie ist an mich adressiert, an das Haus meiner Mutter. Der Poststempel trägt das Jahr 1985. Wann kommst du mich besuchen? steht da in einer selbstgewissen Handschrift. Ich drehe die Karte in meiner Hand und bereue, dass ich damals nie Fragen gestellt habe. Weder in der Schule noch bei meinen Eltern oder im Haus, das in meinen Träumen verlässlich wiederkehrt. Ich bin einfach weggegangen. Allerdings nicht nach Afrika.

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ERSCHEINUNGSTERMINE / PIANO DELL’OPERA

IL CONFINE È IL LUOGO DOVE (SE PASSI) ACCADE QUALCOSA

DAS HAUS MEINER MUTTER APRIL / APRILE ANNE MARIE PIRCHER

PAOLO BILL VALENTE

MERAN O MERAN. EINE LIEBESGESCHICHTE

LA SIGNORA DEI CAVALLI JUNI / GIUGNO

SELMA MAHLKNECHT

HOTEL MERÎDIAN PASSAGEN. PARTONO I BASTIMENTI KURT LANTHALER

SANDRO OTTONI

SEPTEMBER SETTEMBRE

L’APPARTENENZA LAURA MAUTONE


Stille Post | Ad alta voce 700xM Eine Literaturaktion Sechs renommierte Südtiroler AutorInnen, drei deutschund drei italienischsprachige, begleiten mit ihren eigens für diesen Anlass geschriebenen Erzählungen die Leser durch die Stadt Meran, vorbei an bekannten und unbekannten Plätzen, durch die neue, alte und uralte Geschichte des Ortes, hinein in das Leben von Menschen, deren Lebensmittelpunkt – wenigstens eine Zeit lang – die Passerstadt ist, deren Geschichten sich aber weit über diese Stadt hinausbewegen. Elisabeth Hölzl bereichert diese Erzählungen mit sehr individuellen Bildern aus der Stadt.

Anne Marie Pircher lebt in der Nähe von Meran. Seit dem Jahr 2000 Autorin von Lyrik, Erzählungen und Theaterstücken. Mitglied im Südtiroler Künstlerbund sowie der Südtiroler und Grazer AutorInnenvereinigung. Bücher: Über Erde, Gedichte, edition laurin 2016; Zu den Linien, Erzählungen, edition laurin 2014; Rosenquarz, Erzählungen, Skarabaeus/ Haymon 2007; Kopfüber an einem Baum, Erzählungen, Skarabaeus/Haymon 2003; Bloßfüßig, Gedichte und Fotos, Berenkamp 2000 www.annemariepircher.eu


DAS HAUS MEINER MUTTER

ANNE MARIE PIRCHER

1pircherweb  

Das Haus meiner Mutter von Anne Marie Pircher Die 17-jährige Ich-Erzählerin lebt im Jahr 1981 vorerst allein in einem alten, großen Haus ge...

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