Magzin piz46

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#46

Winter | Inviern 2013 | 2014

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HIGHTECH UND BIOGAS Das Engadin lebt nicht nur vom Tourismus

BERGBAHNEN RUFEN NACH HOTELBETTEN

Günstige Übernachtungsmöglichkeiten sind rar

KULTUR BRINGT GÄSTE Nicht alle sind zum Skifahren hier

[ Economia ]

Wirtschaft



Inhalt / Cuntgnu Editorial. Neue Wege für die Wirtschaft.

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Die Erschaffung der «heiligen Natur». Vor hundert Jahren

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wollten die Gründer des Nationalparks die Moderne aussperren.

Werkzeuge, Biogas und Power-Riegel. Tourismus und

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Baugewerbe sind die wichtigen Wirtschaftsfaktoren in Südbün­ den. Das ist aber nur ein Teil der Wirklichkeit.

Arbeitsplätze im Gesundheitssektor. Der Erwerbszweig

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wird immer wichtiger und generiert Einkommen. Im Unterengadin baut man entsprechende Angebote aus.

Zu Gast bei Sonja Bata. Was der internationale

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Schuhkonzern mit St. Moritz zu tun hat.

Nicht wegschauen! Lois Hechenblaikner hält mit seinen Fotos

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der Tourismusindustrie gnadenlos den Spiegel vor.

Familienidylle hier, Arbeitswelt dort. Um den Kindern ein stimmiges Umfeld zu bieten, lassen sich viele Familien in den Bergen nieder. Für einen Elternteil bedeutet das: weit fahren.

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Holztechnologie als Hoffnungsträger. Im Valposchiavo soll

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ein Weiterbildungszentrum für Holzfachleute entstehen.

Kultur bring neue Gästegruppen. Neben Tourismus und

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Sport hat auch die Kulturwirtschaft ihre Bedeutung.

Karl der Grosse im Schneesturm. Seit 1200 Jahren ist er tot

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und noch immer wird er verehrt. Die Theatergruppe Origen bringt Karl den Grossen im Schneesturm auf die Bühne.

Bergbahnen rufen nach Hotelbetten. Die Exponenten der

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Bergbahnen wollen Drei­Sterne­Hotels, denn für viele Skifahrer sind Übernachtungen zu teuer geworden.

Zwei Regionen unter ein Dach. Steivan Pitsch und Andrea Gilli sind Regionalentwickler für Südbünden. Was tun sie?

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Die ganze Welt in einem Dorf. Der Zuoz Club, die

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Vereinigung der ehemaligen Schülerinnen und Schüler, ist ein wichtiges weltweites Netzwerk.

Was lebt unter der Schneedecke? Eine dicke Schneedecke

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bietet vielen kleineren Tieren Schutz. Den Mäusen zum Beispiel.

Bücher. Neuerscheinungen aus der Region.

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Pizzeria. Aktuelles aus Südbünden.

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Vorschau. Impressum.

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Titelbild: Lois Hechenblaikner: Aus der Serie Alpine Entertainment I (s. Seite 24). Foto rechts: Wirtschaft und Bau hängen eng zusammen, Bergbahnen sind deshalb oft auch Bau-Bahnen. Foto: sally2001 / photocase.com


. n e v r a c s e n e n n e n . o r t Sie t a u q s e n e n n e n Wir ttro. e of qua m o H men im Willkom

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Neue Wege für die Wirtschaft Liebe Leserinnen und Leser – chara lectura, char lectur

W

irtschaft / economia haben wir als Thema für diese piz-Ausgabe gewählt, ein Lebensbereich, der alle betrifft: Werte schaffen wir im

Handel, in der Landwirtschaft, als Handwerker, als

L

’economia – il tema cha nus vain tschernü per quist piz – es ün chomp chi pertocca la vita da minchün. Nus s-chaffin valuors i’l commerzi,

ill’agricultura, illa mansteranza, sco producents da

Kunst- und Kulturschaffende, als Dienstleistende etc..

cultura e d’art, i’l sectur da servezzan etc. In Grischun

In Südbünden arbeiten die Menschen grösstenteils im

dal süd lavura la blera glieud i’l turissem. Nus lavurain

Tourismus. Und wir arbeiten dort, wo andere Ferien

dimena là ingio cha oters fan vacanzas: In üna cun-

machen. In einer Landschaft und in einer kulturellen

trada e diversità culturala d'ün'attracziun magica.

Vielfalt mit magischer Anziehungskraft.

Grazcha a quella crescha e prosperescha il turissem

Der Anziehungskraft verdanken wir den Tourismus,

daspö passa tschient ons constantamaing. Ma nus

der seit über hundert Jahren für ein stetiges Wachs-

eschan rivats als cunfins, uschigliö mettaina in privel

tum sorgt. Doch die Grenzen sind erreicht, sonst ge-

nos chapital fundamental: la natüra e l’ambiaint. Las

Editorial

fährden wir unser eigentliches Grundkapital: Natur

consequenzas dal fabrichar han sforzà a la populaziun

Urezza Famos

und Umwelt. Die Bautätigkeit hat die Bevölkerung

da trar il frain: Spazi abitabel per indigens bod na plü

veranlasst, die Bremse zu ziehen: Fast unbezahlbarer

pajabel, vieplü chasas vödas e lets d’hotel fraids –

Wohnraum für Einheimische, immer mehr leerste-

sainza vistas cha alch as müda.

hende Häuser, Rückgang der Hotelbetten – und kaum

Il resultat es üna discrepanza tanter ils bsögns dals

Aussicht auf Besserung.

umans chi vivan in regiuns muntagnardas e’ls inte-

Zwischen den Bedürfnissen der in den Bergen leben-

ress economics. Il Grischun dal süd as sto perquai

den Menschen und den Wirtschaftsinteressen hat

orientar da nouvmaing e tuornar pro quai chi’ns ha

sich eine Kluft geöffnet. Südbünden muss sich des-

adüna caracterisats: la qualità turistica, l’innovaziun

halb neu orientieren und zur Qualität im Tourismus,

e'l spiert visiunari. I fa dabsögn d’impraisas indepen-

zu Innovation und Erfindergeist zurückfinden. Nötig

dentas dal turissem ed ün möd da fabrichar plü spess

sind Unternehmen, die vom Tourismus unabhängig

e cumpact. Bleras e blers s’han fingià instradats in

sind, und verdichtetes Bauen. Viele sind bereits auf

quella direcziun: In quista ediziun preschantaina ad

dem Weg: Wir stellen Unternehmerinnen und Unter-

impressarias ed impressaris, plans d’hotel da las pen-

nehmer vor, Hotelpläne der Bergbahnen, die Arbeit

dicularas, la lavur da promotuors d’economia, il turis-

der Wirtschaftsförderer, den Gesundheitstourismus

sem da sandà e famiglias chi vivan qua, perquai ch’el-

und Familien, die hier leben, weil sie die Lebensquali-

las stiman la qualità da vita. Nus tematisain eir

tät schätzen. Zur Sprache kommt die Kulturwirtschaft,

l’economia culturala chi ha giovà fin uossa plütost

die bisher eher eine Nebenerscheinung im Tourismus

üna rolla marginala i’l turissem e gnin a savair, che si-

war, und wir erfahren, aus welchem Wertesystem her-

stem da valuors chi’d es stat la basa pel Parc Naziunal

aus vor hundert Jahren der Nationalpark entstand.

avant tschient ons.

Ein Hinweis noch: www.editionpiz.ch ist überarbeitet

Amo ün avis: la pagina www.editionpiz.ch es surelavu-

und es gibt sie nun auch in einer romanischen Fas-

rada ed exista uossa eir in üna versiun rumantscha. E

sung. – Und falls Sie piz verschenken oder abonnieren

per cas cha Vus vessat jent da regalar o abunar il piz,

möchten, genügt ein Mail: info@editionpiz.ch

scrivai ün mail a: info@editionpiz.ch

piz 46 : Winter | Inviern 2013/2014

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Die Erschaffung der «heiligen Natur» Als «geheiligte Freistätte der Natur» sollte der Schweizer Nationalpark vor hundert Jahren ein Territorium ausserhalb des Machtbereichs der Moderne bilden. Damit dies gelingen konnte, brauchte es vor allem die Mittel und Mechanismen der Moderne selbst.

Text: Thomas Kaiser Fotos: Nationalpark

F

riedrich Nietzsche sitzt 1881 am Ufer des Silser-

Allerdings: So gänzlich zweckfrei und unmodern, so

sees, 1898 wandert Sigmund Freud vom Pusch-

ursprünglich und heilig liess sich der Nationalpark gar

lav her ins Engadin, 1913 ziehen Marie Curie

nicht mehr gründen. Dass die Gebirgsnatur längst

und Albert Einstein mit Rucksäcken durchs Tal und

dem Zweck der nationalen Identitätsbildung zu die-

kurz darauf wird der Schweizerische Nationalpark

nen hatte, wusste auch Bissegger, als er seine Rede im

gegründet. Alles nur Zufälle? 1914 haben sich Nietz-

Nationalratssaal hielt – unter Charles Girons monu-

sches Nihilismus-Verdikt, Freuds Psychoanalyse, Ein-

mentaler Alpenidylle «Die Wiege der Eidgenossen-

steins Relativitätstheorie und Curies Radioaktivitäts-

schaft». Und zufällig wurde der Nationalpark ja nicht

Entdeckungen bereits in die Geschichte eingeschrie-

an einem 1. August gegründet, dem Bundesfeiertag.

ben. Die Gegenwart ist komplex geworden. Und neben dem modernen Fortschrittsglauben tritt der Kul-

Moderne Mechanismen für das Sanktuarium

turpessimismus auf .

Um einen modernitätsfreien Raum konstituieren und

Solche Disparitäten manifestieren sich im Engadin

erhalten zu können, brauchte es aber die Mittel und

auch räumlich. Der «Playground» des Oberengadins,

Mechanismen der Moderne. Die Parkgründung er-

die alpine Spielwiese des 19. Jahrhunderts, wandelt

folgte zwar symbolisch vor Ort, aber der Schöpfungs-

sich im 20. Jahrhundert zum Wirtschaftsraum, in

akt hatte sich über Jahre hinweg ausserhalb der Natur

dem die Zukunft an Produktivität und Prosperität ge-

im öffentlichen Raum der Moderne ereignet.

koppelt wird. Im Unterengadin dagegen werden die

Mit örtlichen Gründungslegenden und Ursprungs-

unkontrollierbar erscheinenden Produktionskräfte

mythen, wie sie zur Legitimation von Kirchen und Ka-

der Moderne an die Natur zurückdelegiert. Der Natio-

pellen in der Wildnis einst noch gang und gäbe gewe-

nalpark wird zum Raum, in dem sich unter Ausschluss

sen waren, liess sich nichts mehr gewinnen. Durch

«negativer» Entwicklungen ein natürlicher Urzustand

den jahrhundertelangen Erzabbau und nach den

einstellen soll. Schliesslich habe der Mensch «gegen

Waldrodungen gab es im Unterengadin auch gar keine

seine eigene Macht und seine Vergewaltigungsgelüste

zivilisationsfremde Wildnis mehr.

gewisse Schranken aufzurichten, Tier- und Pflanzen-

So musste man erst «Wildnis schaffen», wie der Histo-

asyle zu schaffen, geheiligte Freistätten der Natur»,

riker Patrick Kupper im Titel seiner 2012 erschienenen

Nationalpark einst und heute

wie es der liberale Zürcher Nationalrat Walter Bisseg-

Nationalparkgeschichte betont. «Wildnis schaffen»

(rechte Seite): Für den Atlas zum

ger in der Parlamentsdebatte im März 1914 formuliert.

verweist aber auch auf einen Produktionsprozess, der

100-Jahr-Jubiläum wurden alte

Hier wird über die Errichtung der Schweizerischen

mit dem Modell eines «Sanktuariums» oder eines un-

Fotos am genau gleichen Stand-

Nationalparks entschieden.

veränderlichen «Naturheiligtums» nicht kompatibel

ort neu aufgenommen:

Kurz nach dem Ersten Weltkrieg spricht Carl Schröter,

erscheint. Dieses Problem liess sich aber mit den Mit-

Als Parkwächter arbeiten heute

der Präsident der Nationalen Forschungskommission

teln der Moderne rasch lösen: Die Wissenschaft

auch Frauen (obere Reihe). Im Val

des Nationalparks, bereits von einem «Refugium für

schlich als heimlicher Beobachter in diesen Natur-

Minger sterben und wachsen

Pflanzen und Tierwelt», von «Sanktuarium» und «Na-

raum ein. Und alle Vorgänge, die sie darin erblickte,

Bäume (mittlere Reihe) und in

turheiligtum», an dessen Grenzen sich die «Wogen

verriet sie draussen peinlich genau der Moderne.

der Ofenpass-Kurve bei Ova

der menschlichen Kultur» brechen würden. Wogen,

«Wildnis schaffen» bedeutete: Innerhalb des geschütz-

Spin lärmen im Sommer heute

die sonst überall das ursprüngliche Antlitz der Mutter

ten Raums soll die Natur in Form eines Ökosystems als

Erde zerstörten.

Akteur auftreten und sich ständig neu generieren.

die Motorräder (untere Reihe).

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Über die Grenzen des geschützten Raums hinaus

BuCHtipp Rudolf Haller: «Atlas des Schweizerischen Nationalparks – die ersten 100 Jahre» (auch als französische Ausgabe erhältlich), Haupt Verlag, 248 S., 2013, Fr. 69.–

Gegenseite verwies man auf wirtschaftliche Notwen-

sollte derselbe Akteur als Objekt und Ressourcenlager

digkeiten, auf die Sicherung der Existenz und der Zu-

für die wissenschaftliche Produktion von Wildnis im

kunft. Darauf wurde gekontert, dass es gar nicht «die

modernen Raum fungieren.

Realisten, die Wirtschafter und Finanzleute» gewesen

In dieser Konzeption war der Nationalpark um 1914

seien, die den wirtschaftlichen Aufstieg im Engadin

einmalig. In Europa existierte kein vergleichbarer

begründet hätten. Der Grundstein für die «moderne

Raum, und in den USA, wo die moderne Parkidee mit

Fremdenindustrie»

der Gründung des Yellowstone National Park 1872 ei-

Schriftstellern und Naturfreunden gelegt worden,

gentlich ihren Ursprung hatte, standen von Beginn

von sogenannten Träumern.

an Werte wie «public» und «pleasure» im Vorder-

Bald aber, in den 1950er-Jahren, ging es nicht mehr

sei

von

Dichtern,

Denkern,

grund. In Amerika ging es um Erholung und Erlebnis,

nur um dem Schutz der Natur, sondern auch zuse-

während in der Schweiz die Öffentlichkeit ausserhalb

hends um die Natur des Schützens: Die heroische Na-

des Naturraums über dessen ökologische Prozesse in-

turverteidigung gegen die Moderne hatte ausgedient,

formiert werden sollte.

sie sollte nun durch eine pragmatische Konsensfin-

Die hydroelektrische Hybridisierung

Oberengadin abgezeichnet: Hier hatten die Gegner

dung ersetzt werden. Das hatte sich schon 1946 im

Allerdings drang die Moderne auch physisch ins Sank-

der Kraftwerkspläne die Konzessionsgemeinden Sils

tuarium ein. 1883 frohlockte der «Volksfreund», dass

und Stampa letztlich ganz einfach ausbezahlt, damit

«Graubünden mit seinen überreichen Wasserkräften»

die Pläne in der Schublade verschwanden.

in dem nun «mächtig angebrochenen Zeitalter der

In Sachen Nationalpark brauchte es noch eine Ab-

Elektrizität eine bedeutende Zukunft» habe, wenn

stimmung, bis der neue Pragmatismus den alten Idea-

man es nur verstehe, «alles zu thun, was nöthig, um

lismus ersetzen konnte: 1958 wurde das Referendum

diese Kräfte gehörig ausnützen zu können». Ein letzt-

gegen den Staatsvertrag mit Italien, der den Livigno-

lich vergeblicher, aber dennoch Jahrzehnte andauern-

Stausee und die Nutzung des Spöl regelte, aber derart

der Versuch, diese Kräfte gehörig auszunutzen, be-

wuchtig abgelehnt, dass dem modernen Handel mit

gann bereits 1905 an den Oberengadiner Seen, dort,

Interessen, Finanzen und Gütern nicht mehr viel im

wo wenige Jahre zuvor Nietzsche seine radikale Ab-

Weg stand. Der Nationalpark erhielt von Zernez und

sage an die Fortschritts- und Zukunftsgläubigkeit der

S-chanf drei neue Gebiete mit einer Fläche von insge-

Moderne formulierte: Er ging davon aus, dass sich die

samt zehn Quadratkilometern, dafür wurde in Kauf

Geschichte nicht auf eine Zukunft oder ein Ziel hin

genommen, dass er durch die Kraftwerk-Nutzung

bewege, sondern sich stets wiederhole.

eine physische Hybrid-Funktion bekam: Neben Wild-

Schon 1919 gab es in Zernez Projekte für Spöl- und Inn-

nis wird im Park seit 1970 auch Strom produziert.

kraftwerke. Der Spöl wäre dabei auf einer Länge von

Dennoch: Der Nationalpark sticht mit seinen strengen

sieben Kilometern zurückgestaut worden – auf dem

Schutzbestimmungen auch heute noch qualitativ aus

Gebiet des Nationalparks, dem gerade die Weihen ei-

den weltweit über 4000 Pärken heraus. Und das, ob-

nes unantastbaren Sanktuariums verliehen wurden.

wohl er in einem quantitativen Sinne ziemlich unbe-

Über Jahrzehnte wurde nun gestritten. Auf der einen

deutend ist. Mit seiner Fläche von 170 Quadratkilome-

Seite fürchtete man, dass das Engadin zum «Ruhrge-

tern hätte er in den rund 5 Millionen Quadratmetern

biet der weissen Kohle» verkommen könnte. Auf der

weltweiter Gesamtparkfläche gut 29’000-mal Platz.

Ausstellung Ab März 2014 wird die Ausstellung zum Nationalpark-Jubiläum durch zahlreiche Einkaufszentren der Schweiz touren. www.nationalpark.ch

Der Schweizerische Nationalpark

Naturschutz, die heutige Pro Natura, ins Leben rief.

Laut Gesetz ist der Nationalpark «ein Reservat, in dem

1909 können die Naturschützer die Val Cluozza pach-

die Natur vor allen menschlichen Eingriffen ge-

ten, in der sich 1913 auch Bundesparlamentarier von

schützt und namentlich die gesamte Tier- und Pflan-

der Nationalparkidee begeistern liessen. 1914 wurde

Festspiel

zenwelt ihrer natürlichen Entwicklung überlassen

der Park offiziell gegründet. Heute umfasst er

Vom 11. Juli bis 16. August wird in Zernez das Freilichtspektakel Laina Viva aufgeführt. Die eigentliche Jubiläumsfeier findet am 1. August in Zernez statt und wird vom Schweizer Fernsehen übertragen.

wird» (Nationalparkgesetz 1980). Institutionell ist er

170 Quadratkilometer bis hinauf auf 3174 m ü.M. (Piz

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von den Naturforschenden Gesellschaft Basel ge-

Pisoc) . Über die Hälfte der Fläche sind Fels und Geröll.

prägt: Die heutige Schweizerische Akademie der Wis-

Alpine Matten machen 21, Nadelwälder 28 Prozent

senschaften gründete 1906 die Schweizerische Natur-

der Fläche aus. Der Nationalpark ist die Kernzone des

schutzkommission, die wiederum 1909 den Bund für

Biosphärenreservats Val Müstair – Parc Naziunal.

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KEEP IT SIMPLY SWISS

ENTD EC KEN SI E D I E WA H R S C H E I N LI C H K LE I NST E ESP R ESSO MAS C H I N E D E R W E LT

CAFFÈ. DAL 1933 amici.ch


Werkzeuge, Biogas und Power-Riegel Tourismus und Baugewerbe – das ist das Bild, wenn von den Wirtschaftsfaktoren des Engadins und der Bündner Südtäler die Rede ist. Die Statistiken stützen zwar dieses Bild, doch nackte Zahlen sagen bekanntlich nie die ganze Wahrheit.

Text: Franco Brunner Fotos: Daniel Martinek

G

raubünden ohne Tourismus? Unvorstellbar. Wie abhängig der Kanton von diesem Wirtschafts-

ein junger Mann in schwarzem Shirt da: «Hallo, ich

zweig ist, lässt sich mit Zahlen belegen. 3,3 Mil-

bin Steivan Peer. Ich hole gleich meinen Vater.» Und

liarden Franken – rund 30 Prozent des kantonalen

schon führt uns Albert Peer nicht ohne Stolz durch

Bruttoinlandprodukts (BIP) – werden direkt oder indi-

den Betrieb: «Wir sind die einzigen Werkzeugschärfer,

rekt durch den Tourismus erwirtschaftet. Mit Abstand

die hier im Engadin leben und arbeiten», erklärt er.

am wichtigsten sind dabei das Engadin und die Südtä-

Und das Unternehmen sei gleichzeitig die höchstgele-

ler: Das Oberengadin steuert 825, das Unterengadin

gene Werkzeugfabrik Europas, fügt er schmunzelnd

255 und die Südtäler Müstair, Puschlav und Bergell

hinzu. Und wir stehen in sehr speziellen Räumen,

immerhin noch 160 Millionen Franken ans kantonale

denn wer erwartet im ehemaligen Stall eines alten En-

BIP bei. Insgesamt stammen 38 Prozent des kantona-

gadiner Hauses eine Präzisionswerkstatt?

len Tourismusertrages aus diesen Regionen.

Präzision ist der zentrale Punkt im Arbeitsalltag der

Kein Wunder, denkt man bei Wirtschaftsfragen zuerst

Peers. Das 1970 von Albert Peers Vater gegründete Un-

an den Tourismus – und allenfalls noch an die Bau-

ternehmen hat sich im Laufe der Jahre auf die Herstel-

branche. Auch Patrick Casanova, Leiter des Bereichs

lung und das Nachschleifen von Werkzeugen spezia-

Statistik im Bündner Amt für Wirtschaft und Touris-

lisiert. Die Kunden und Auftraggeber stammen unter

mus, kann kein anderes Bild zeichnen: Das Engadin,

anderem aus der Metall-, Holz-, Kunststoff- und Pa-

insbesondere das Oberengadin, sei im Vergleich zu

pierindustrie. 80 Prozent seien Bündner Unterneh-

anderen Tourismusregionen sehr stark auf den Touris-

men, der Rest teile sich auf die übrige Schweiz sowie

mus ausgerichtet. In Davos gebe es zum Beispiel auch

das Ausland auf, erklärt Albert Peer zwischen den

die Forschungszentren oder die Kliniken. Im Engadin

Hightech-Maschinen.

dagegen finde man relativ wenig private Arbeitsplätze,

1 Andri Casty betreibt in Zuoz eine Biogasanlage die rund

und da sprühen Funken durch die Luft. Dann steht

die nicht, oder zumindest nicht direkt, mit dem Tou-

Therapiegeräte aus Arvenholz

rismus in Verbindung gebracht werden könnten. «Re-

An einem ganz anderen Projekt arbeitet Francis Engels

lativ wenige Arbeitsplätze», sagt Patrick Casanova.

schon seit 13 Jahren. Der Physiotherapeut aus S-chanf

Das heisst also, es gibt sie doch. Grund genug, einige

entwickelt und konzipiert mit seiner Start-up-Firma

ausfindig zu machen und eine etwas andere «Wirt-

«ARTEmove» Übungsgeräte aus Engadiner Arvenholz

schaftstour» durch das Engadin zu starten.

sowie passende Bewegungsprogramme für die funkti-

Tradition trifft auf Moderne

gionalen Akteuren in Kontakt. «So entsteht ein Werk,

onelle Rehabilitation. Er steht mit möglichst vielen re-

fünfzig Haushalte mit Strom

Beim Spaziergang durch Ftan im Unterengadin sticht

das aufzeigt, was gemeinsam alles erreicht werden

versorgen kann.

ein eleganter schwarzer Lieferwagen ins Auge. «Peer-

kann», kommentiert er. Entstanden ist so «La Chüna»,

tools» steht darauf – in weissen Buchstaben. Das Auto

ein Schlitten-ähnliches Übungsgerät mit Roboter-

2, 3 Albert (l.) und Steivan Peer

wirkt wie das Eingangstor in eine andere Welt, auch

technik, dessen Produktion unter anderem von der

betreiben Europas höchstgele-

wenn es vor einem alten Stall parkiert ist. Beim Blick

Churer Stiftung für Innovation unterstützt wird. Ein-

gene Werkzeugfabrik in

durch die alten Holzwände entdecken wir aber weder

gesetzt werden kann es für die individuelle Bewe-

Ftan und arbeiten an moderns-

Schafe noch Kühe – sondern einen Raum voller Ma-

gungstherapie, etwa um die Steh- und Gehfähigkeiten

schinen, grössere und kleinere, neue und ältere. Hie

bei älteren Menschen zu verbessern.

ten Maschinen.

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4 Aus einem Gag heraus ent-

Aus Abfall Strom produzieren

5

din zum Mitnehmen», erklärt Schlösser. Er habe aber

wickelte Hotelier Ingo Schlösser

Andri Casty, ein junger Landwirt in Zuoz, ist weniger

alles richtig machen wollen, und so sei eine neue Frage

in Silvaplana den Power-Riegel

der Tüftler als einer, der bestehende Technologie ge-

nach der nächsten aufgetaucht. Es folgten Nährstoffa-

«Piz Moritz». Foto: zVg

zielt einsetzt. Er hält nicht nur rund 500 Schafe auf

nalysen, Tests und eine professionelle Verpackung.

seinem Hof, sondern ist seit 2007 auch Betreiber einer

Dann liess er den Riegel patentieren. Mittlerweile wer-

5 In Zuoz wird aus Mist,

eigenen Biogasanlage. «Heutzutage muss ein Bauer in-

den rund 4000 «Piz Moritz» pro Saison produziert, die

Rasenschnitt, Gülle und

novativ sein und unternehmerisch denken», sagt er.

nicht nur im eigenen Haus, sondern auch in Apothe-

Die Biogasanlage sei nicht bloss ein Dienst an der Um-

ken, Sportgeschäften und vereinzelten anderen Ho-

Gastroabfällem Elekrtrizität.

welt, sondern auch ein Geschäft, klärt er auf. Ein Ge-

tels verkauft werden. Dass der Power-Riegel seine Wir-

schäft, das jedoch einiges an Arbeit verlangt. So muss

kung nicht verfehlt, hat Schlösser am eigenen Leib

sich Casty neben der Arbeit auf dem Hof rund vier

erfahren, wie er lachend sagt. «Ich hatte beim Iron-

Stunden pro Tag um die Anlage kümmern. Der Out-

Man-Wettkampf in Zürich unsere Riegel dabei – und

put ist indes beachtlich: Stolze 250’000 Kilowattstun-

ich bin ins Ziel gekommen.»

den Strom produziert die Biogasanlage pro Jahr. Das reicht, um ungefähr fünfzig Haushalte ein Jahr

Kreativität ist gefragt

lang mit Strom zu versorgen. Dementsprechend muss

Hightech, Therapiegerät, Biogas und Power-Riegel

auch viel Material in die 1,6 Millionen Franken teure,

sind nur ein paar Beispiele von innovativen Projekten

topmoderne Anlage gesteckt werden. Mit rund 2500

und Unternehmen. Viele andere hat piz in früheren

Tonnen Mist, Rasenschnitt, Gülle und Gastroabfällen

Ausgaben schon vorgestellt. Darunter den weltbe-

«füttert» der Landwirt die Anlage im Laufe eines Jah-

kannten Gitarrenbauer Lukas Brunner aus Lavin oder

res. In der Hochsaison sind es alleine zwei Tonnen

«In Lain» in Brail, den Hotel- und Gastronomiebetrieb,

Gastroabfälle – pro Tag. «Man muss schon etwas fana-

den die Familie Cadonau seit mittlerweile drei Jahren

tisch sein, wenn man eine solche Anlage betreiben

in Kombination mit der eigenen Holzmanufaktur

will», sagt Andri Casty. Er hat gut lachen, er ist nicht

führt. Holzmanufakturen mit zeitgenössischen Pro-

nur fanatisch, sondern vor allem innovativ. Bereits

dukten gibt es viele. Dazu gehören Curdin Müller aus

denkt er über ein neues Projekt nach: «Ich würde auf

Strada oder Ramon Zangger aus Samedan. Im Engadin

den Dächern meines Hofes gerne eine grosse Photo-

entstehen aber auch die «Una»-Handschuhe. Corne-

voltaik-Anlage installieren und betreiben.»

lia Josche kultiviert biologische «Guarda-Kräuter»

Vom Gag zum Geschäft

12

und im Bergell entstehen die bekannten Soglio-Produkte. Toni Giovanoli in Silvaplana ist ein weiterer

Wir fahren weiter nach Silvaplana ins Hotel Chesa

Landwirt mit einer Biogasanlage. Und unter der Marke

Surlej. Während im Hintergrund der kleine Sohn die

«Bun Tschlin» haben sich inzwischen 29 Geschäfte,

Mutter auf Trab hält, erzählt Hotelier Ingo Schlösser

Handwerker, Landwirte und Dienstleister, aber auch

gut gelaunt von der Entstehung seines Power-Riegels

die Käserei und die Bierbrauerei einen Namen ge-

«Piz Moritz». Es ist die Geschichte, «wie aus einem Gag

macht. Beispiele gäbe es noch viele.

ein Geschäft wurde». Die Grundidee war, einen haus-

Der kleine, unvollständige Überblick zeigt, dass

eigenen Nuss- respektive Birnenbrot-Frühstücksriegel

«Wirtschaft» in Südbünden doch einiges mehr ist als

für den Gast zu kreieren, «sozusagen ein Stück Enga-

Tourismus und Bau.

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Arbeitsplätze im Gesundheitssektor Gesundheit ist nicht nur eines unserer höchsten Güter – Gesundheit ist auch ein Erwerbszweig, der Einkommen generiert. Im Unterengadin baut man entsprechende Angebote Schritt für Schritt aus und sucht so nach neuen Wertschöpfungsquellen.

Text: René Hornung Illustration: dieeva.com

N

ationalparkregion – Gesundheitsregion», so heisst das Projekt, das seit zwei Jahren zur nach-

nen die Wachstumsmöglichkeiten nämlich ausgereizt.

haltigen Weiterentwicklung des Unterenga-

Bald jedes Hotel bietet einen eigenen Wellnessbereich

dins beitragen will, denn nur auf den Tourismus zu

an. In der Südtiroler Nachbarschaft zeige sich bereits

setzen, reicht nicht mehr aus. Diese Erkenntnis hat

ein grosses Angebot, mit dem man sich im hart um-

sich inzwischen durchgesetzt. Andererseits kann Süd-

kämpften Tourismusmarkt nur noch schwer profilie-

bünden nicht mit dem Wachstum in Dienstleistungs-

ren könne, weiss Mitterlechner.

branchen mithalten, mit denen in den Städten gutes

14

gen Wellness-Tourismus ab. In jenem Bereich schei-

Geld verdient wird. Erst recht schwierig ist die Ansied-

Keine spektakulären Investitionen

lung von Industriebetrieben. Dank intakter Land-

Seit Herbst 2011 läuft das vom «Center da sandà Engia-

schaft und einem «von Sinn und Werten geprägten»

dina Bassa» lancierte und getragene Projekt «Natio-

Tourismus sowie der vorhandenen Versorgung lässt

nalparkregion – Gesundheitsregion», das auch durch

sich die Gesundheitsregion weiter entwickeln.

Gelder von Bund und Kanton aus den Töpfen der

Das Konzept haben auch andere Regionen für sich

Neuen Regionalpolitik mitfinanziert wird. Allerdings

entdeckt. Doch die Genfer Luxuskliniken oder den im

wird nicht mit der grossen Kelle angerührt. Es gehe

Kanton Luzern geförderten Spitaltourismus will das

nicht um spektakuläre Investitionen, sondern um

Unterengadin nicht. «Es geht bei uns nicht um Schön-

kleine Schritte: «Wir wollen das Gemeinsame beto-

heitsoperationen», betont Matthias Mitterlechner.

nen, zusammen ein Paket schnüren. So werden wir

Der Dozent an der Universität St. Gallen koordiniert

besser gehört», sagt Matthias Mitterlechner. Das Pro-

das Gesundheitsregion-Projekt und begleitet es wis-

jekt sei denn auch ein Marktexperiment. Der Koordi-

senschaftlich. Er stellt fest, dass das Unterengadin

nator ist in erster Linie Vernetzer. In kleineren inter-

schon heute schweizweit am intensivsten im Gesund-

disziplinären Arbeitsgruppen und Workshops hat er

heitstourismus engagiert ist. Das hat selbstverständ-

die verschiedenen Anbieter zusammengeführt. Man

lich auch historische Gründe, die auf die Trink- und

diskutierte über eine bessere Zusammenarbeit und

Badekuren zurückreichen. Das Konzept der Gesund-

über das Zielpublikum: «Wir sprechen nicht haupt-

heitsregion hebt sich ausdrücklich vom sonst gängi-

sächlich Patienten an. Wir möchten uns als Region

piz 46 : Winter | Inviern 2013/2014


profilieren, die Prävention und Gesundheit fördert.»

Das Projekt hat wichtige Nebeneffekte. Die bessere

Das geht über die bisher schon intensiv beworbene

Auslastung der bestehenden Angebote sichert der hei-

Gästegruppe des Bogn Engiadina hinaus, ergänzt Phi-

mischen Bevölkerung einen hohen Versorgungsstan-

lipp Gunzinger, der Direktor des Gesundheitszent-

dard. Die Gesundheits-Einrichtungen werden nicht

rums Unterengadin.

wegen zu kleiner Fallzahlen in Frage gestellt.

Im vergangenen Winter waren Teilangebote des Projekts Gesundheitsregion erstmals ausgeschrieben. An den Kursen und Weiterbildungen habe man bereits

Spezialangebote auch im Oberengadin

eine erfreulich gute Beteiligung erreicht, und am An-

Während im Unterengadin ein Netzwerk aufgebaut

gebot für gluten- und laktosefreie Ernährung machen

wird, wirbt das Spital Oberengadin seit einigen Mona-

inzwischen acht Hotels und Pensionen und sechs Res-

ten gezielt im arabischen Raum und in Russland um

taurants mit. Es werden auch Ferienwohnungen für

Patienten. Im Rahmen des Vereins Swisshealth hat das

diese Gästegruppe angeboten – das Resultat der Ver-

Spital bereits Kontakte geknüpft. Solche Patienten-

netzungsbemühungen. 700 Betriebe wurden davor

gruppen wirken als Wertschöpfungsgenerator. Oft

angeschrieben und auf dieses Kundensegment auf-

reisen ganze Familienclans an, die dann einige Zeit in

merksam gemacht. Auch Tierhalter werden angespro-

den Hotels verbringen, sich hier verpflegen und ein-

chen, die mit ihren Katzen oder Hunden in der Region

kaufen. Eine gute Auslastung führt auch dazu, dass

Ferien machen wollen – und deren Haustiere mögli-

das Spital Oberengadin der grösste ganzjährige Ar-

cherweise Gesundheitsprobleme haben.

beitgeber des Oberengadins sein kann.

Gesundheitsvorsorge heisst immer auch Bewegung.

Dank der Zusammenarbeit mit der Universitätsklinik

Mit neuen Packages werden einwöchige Wander-

Basel bietet das Spital Oberengadin gerade in der Or-

ferien mit Vorsorge-Untersuchungen, Leistungsbeur-

thopädie Behandlungen auf höchstem medizini-

teilungen und Ernährungsberatung, aber auch mit

schem Niveau an. Mit Basel gibt es auch eine For-

Physiotherapie kombiniert. Dieses Angebot muss sich

schungszusammenarbeit: Das Center of Alpine Sports

aber am Markt noch etablieren. Neu lanciert werden

Biomechanics analysiert die Bewegungsmuster zum

ein Reha-Programm im Bereich des Bewegungsappa-

Beispiel beim Skifahren, beim Langlauf oder beim

rates, Ferien für Gäste mit Spitex-Bedarf sowie ein

Trekking im Sommer.

Kongressbüro, das auf Anfrage kleinere medizinische

Das Spital arbeitet auch eng mit den Hausärzten zu-

Seminare in der Region organisiert.

sammen. und dank regelmässiger Fortbildungsveran-

Damit in der nächsten Phase das nun aufgegleiste Pro-

staltungen etwa für die Rettungsdienst-Mitarbeiter

jekt Gesundheitsregion aktiv vermarktet werden

der Bergbahnen ist die Versorgung bei Sportunfällen

kann, hat die Tourismusorganisation ab Anfang 2014

immer auf dem neusten Stand. Unter dem Dach des

eine 60-Prozent-Stelle geschaffen. Die Werbung im

Spitals befinden sich weitere Partner wie die Spitex,

Unterland soll breiter werden und es gilt, das Netz-

die Krebsliga, Avegnir, die Lungenliga und weitere Be-

werk zu erweitern. Man sucht Kontakt zu Reiseveran-

ratungsdienstleister des Gesundheitsbereiches. Das

staltern, die Spitex-Patienten Ferien ermöglichen.

Spital Oberengadin ist nicht der einzige Gesundheits-

Auch mit der Clinica Holistica in Susch, die sich auf

betrieb in der Region. Auch die Klinik Gut und das me-

Burn-out-Rehabilitation spezialisiert hat, wird eine

dizinische Zentrum in St. Moritz-Bad bemühen sich

Zusammenarbeit angestrebt.

um «Kunden» aus dem Ausland.

piz 45 : Sommer | Stà 2013

2

piz 46 : Winter | Inviern 2013/2014

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1

2

Zu Gast bei Sonja Bata Was hat der bekannte Schuhkonzern Bata mit St. Moritz gemein? Viel, denn hier trafen sich einst Konzerngründer Thomas Bata aus Tschechien und der Anwalt Georg Wettstein aus Zürich. piz traf Sonja Bata (87) – Wettsteins Tochter – in der Villa Gentiana.

Text: Ralph Hug Fotos: Daniel Martinek und Archive

S

onja Bata gibt sich unkompliziert und herzlich.

Der Unternehmer machte auf Chantarella Urlaub. Er

Sie empfängt ihre Gäste persönlich in der Villa

war aber auch auf der Suche nach einem Fachmann,

Gentiana, dem Stammsitz der Familie in St. Mo-

der ihm beim Aufbau eines internationalen Schuh-

ritz. Gleich unterhalb des Hotels Soldanella gelegen,

konzerns behilflich sein sollte. Wettstein und Bata

gehört die Villa zu den markanten Jugendstil-Liegen-

waren sich beide auf Anhieb sympathisch. Sie schätz-

schaften im Ort. Von den Wohnzimmern geniesst

ten ihre weltoffene Art und sahen sich als Gesin-

man einen traumhaften Ausblick auf den See. Und

nungsgenossen. Daraus wurde eine lebenslange

was noch mehr überrascht: Ein grosszügiger Park

Freundschaft und Zusammenarbeit.

schafft viel Abstand zu den benachbarten Neubauten.

18

Diese sind praktisch unsichtbar. Früher reichte der

Batas moderne Produktionsmethoden

Umschwung der Villa bis ans Seeufer hinunter. So-

Der Jurist Wettstein besorgte dem auf Expansion be-

gleich beginnt Sonja Bata zu erzählen: «Mein Vater ar-

dachten Schuhfabrikanten das richtige Rechtskleid

beitete jeweils im Untergeschoss, und im Winter

für sein rasch anwachsendes Firmenimperium. Batas

nahm er für seine Arbeit aus der Kanzlei in Zürich zwei

Erfolg war spektakulär und gründete auf seiner Pro-

Sekretärinnen mit.»

duktionsmethode: In Zlin wurden die von Henry Ford

Wenn Sonja Bata von ihrem Vater Georg Wettstein er-

entwickelten rationellen Produktionsmethoden mit

zählt, so ist von einem der wohl einflussreichsten

Fliessband und Arbeitsteilung erstmals auf die Schuh-

Männer der Zwischenkriegszeit die Rede. Wettstein

herstellung übertragen. Die Produktivität stieg da-

war in den 1920er-Jahren ein international renom-

durch enorm. Die Massenherstellung günstiger

mierter Wirtschaftsjurist und Spezialist für Holding-

Schuhe begann, und Bata hatte die Nase vorn. Von

Konstruktionen. Aus der Zürcher Familie kamen Re-

Zlin aus sollte er die Welt erobern. Der bisher unbe-

gierungs- und Ständeräte. In St. Moritz lernte Georg

kannte Ort in Tschechien wurde bald mit Detroit ver-

Wettstein im Jahr 1929 den Gründer der Bata-Schuh-

glichen, dem Zentrum des US-Autoindustrie. Bata re-

fabrik im tschechischen Zlin, Thomas Bata, kennen.

gierte nicht nur über die Fabrikhallen, sondern über

piz 46 : Winter | Inviern 2013/2014


3

4

5

den ganzen Ort, der immer mehr zu einer giganti-

die Stiftung gegründet worden, um das Vermögen der

1 Rechtsanwalt Georg Wettstein,

schen Fabrikstadt wurde, in der die Arbeiterinnen

Bata-Holdingfirma namens Leader zu schützen. Ge-

der Vater von Sonja Bata, half

und Arbeiter gleich neben den Werkhallen wohnten.

org Wettstein hatte die Form der Stiftung vorgezogen,

den internationalen Bata-Kon-

Die erste Bata-Aktiengesellschaft in der Schweiz

weil sie ihm mehr Schutz vor einer allfälligen Konfis-

zern aufzubauen – hier als

wurde in Wettsteins Advokaturbüro an der Zürcher

zierung in Kriegszeiten versprach. Der gewiefte Jurist

1.-Mai-Redner 1935.

Rämistrasse gegründet. Von dort aus wurden fortan

bediente sich aber auch sonst eines ganzen Konglome-

Foto: Bata-Archiv, Möhlin

die Geschicke des Schuh-Multis diskret mitdirigiert.

rats von Firmen und Tarnfirmen mit Strohmännern,

Allein zwischen 1929 und 1932 entstanden 666 Bata-

welches das Familienvermögen wie einen Schutzwall

2 Sonja Bata vor der Villa

Geschäfte in 37 Ländern, wie der Historiker Tobias Eh-

umgab. Heute nennt der Stiftungszweck zwei Ziele,

Gentiana in St. Moritz.

renbold in seinem Buch «Bata. Schuhe für die Welt,

nämlich die Förderung der Fabrikation und des Ver-

Foto: Daniel Martinek

Geschichten aus der Schweiz» (Verlag hier+jetzt)

triebs von guten und preiswertem Schuhwerk sowie

schreibt. Das Bata-Signet tauchte bald auch in der

die Förderung von kulturellen Tätigkeiten, insbeson-

3 – 6 Bata-Werbung – quer

Schweiz auf und setzte sich durch, obwohl die Kon-

dere in der Schweiz.

durch die Jahrzehnte.

kurrenz alles tat, um den ungeliebten Tschechen vom einheimischen Markt fernzuhalten.

Heirat statt Architekturstudium

Fotos: Schweizer Wirtschafts-

Begehrte Stiftungsgelder

archiv Basel; Plakatsammlung

Sonja Bata steigt die Treppe hoch und wühlt in einem

Museum für Gestaltung, Zürich.

Schrank. Auf die Frage, ob sie einige Beispiele der Ver-

Die enge Zusammenarbeit zwischen Wettstein und

gabungen der Stiftung aufzählen könne, räumt sie

Bata hatte familiäre Folgen: 1946 vermählten sich

eine halbe Bibliothek aus: Der ganze Stapel Bücher er-

Wettsteins Tochter Sonja und Batas Sohn Thomy in

schien mit Unterstützung der Bata Schuh Stiftung.

Zürich. Sonja Bata war damals 19 und hatte sich ge-

Darunter befinden sich auch zahlreiche Bündner und

rade an der ETH fürs Architekturstudium eingeschrie-

Engadiner Publikationen: der Bildband «Kunst im öf-

ben. «Ich war damals eine der wenigen Frauen in die-

fentlichen Raum Graubünden» aus dem Jahr 2002,

sem Lehrgang», erinnert sie sich. Die Heirat

«Die Leute von Soglio» von Pio Corradi und Dieter

durchkreuzte ihre Berufspläne, und es folgte der Um-

Bachmann, der Band über spätgotische Flügelaltare in

zug aus der Schweiz ins kanadische Toronto, wo Sonja

Graubünden und Liechtenstein, die neue Geschlech-

Bata heute die meiste Zeit des Jahres wohnt. Thomas

tergeschichte des Kantons Graubünden oder auch die

Bata junior war bereits während des Zweiten Welt-

Publikation von Ursula Bauer und Mitautoren über

kriegs nach Kanada ausgewandert, daher der Umzug.

die frühe Alpinistin Elizabeth Main, der eine Ausstel-

An der Seite ihres Gatten wurde Sonja Bata quasi über

lung im Museum Alpin in Pontresina gewidmet war.

Nacht zur Dirigentin eines Weltkonzerns. Das

«Es gibt eine lange Liste über unsere Förderbeiträge»,

Schuhimperium sollte in den folgenden Jahrzehnten

sagt Sonja Bata, die sich darüber freut, dass die Bata-

noch erheblich ausgeweitet werden.

Schuhe auch das Kulturleben im Engadin fördern.

Geblieben ist in St. Moritz nicht nur der Familiensitz

«Und erst all diese Chöre! Es gibt ja so viele Chöre im

Villa Gentiana, an dessen Klingelschild immer noch

Land. Auch sie unterstützen wir bei ihren Aufführun-

die Namen Wettstein und Bata zu lesen sind. Geblie-

gen und Festspielen überall», fällt ihr ein. Einen Über-

ben ist auch die 1940 gegründete Bata Schuh Stiftung

blick über alle Vergabungen darf man von ihr nicht er-

mit ihrem Oberengadiner Domizil. Ursprünglich war

warten, es sind viel zu viele.

piz 46 : Winter | Inviern 2013/2014

19

6


7

8

Unterstützung für Soziales und Kultur

Kanada in die Schweiz macht ihr dagegen nichts aus:

Sonja Bata und ihrer Tochter

Wenn sich die Stiftungsräte jeweils im August in

«Fliegen ist ja heute so komfortabel», sagt die reisege-

Monica Pignal-Bata.

St. Moritz versammeln, tritt ein international besetz-

wohnte Frau. Wenn sie hingegen die Via Arona ins

Foto: Daniel Martinek

tes Gremium zusammen. Nach dem Tod ihres Gatten

Dorf hochsteigen muss, dann kommt sie rasch an den

im Jahr 2008 hat Sonja Bata selbst das Präsidium über-

Anschlag. Sonja Bata liebt die Natur, und besonders

8 Drei Generationen Bata,

nommen. Kürzlich neu hinzu kam ihre Tochter Mo-

haben es ihr die grossen blauen Disteln im Garten an-

aufgenommen 1984.

nica Pignal-Bata. James Fleck fliegt aus Kanada an,

getan: «Hier ein Foto, das wäre doch schön, nicht?»

Foto: Bata-Archiv, Möhlin

während Thomas Drucker aus Grossbritannien

Gesagt, getan.

7 Der Bata-Stiftungsrat mit

stammt. Weiter sind im Stiftungsrat Robert C. Heber-

BUCHTIPP Tobias Ehrenbold: Bata. Schuhe für die Welt, Geschichten aus der Schweiz. Verlag hier+jetzt, Baden 2012

20

lein, Mirjam Staub Bisang und der St. Moritzer Anwalt

Villa Gentiana war einst Pension

Urs Nater vertreten, der mit der Familie Bata seit vielen

Erst vom Park aus ist die Villa Gentiana in ihrer gan-

Jahren verbunden ist. Das Handelsregister gibt für die

zen Grösse richtig zu erkennen. Das Gebäude, dessen

Stiftung einen Umsatz von rund 0,2 Mio. Franken an.

Fassade zwei blaue Enziane zieren, hat die Zeitläufe

Über die restlichen Wirtschaftsdaten herrscht jedoch

gut überstanden. Es war aber nicht die Familie Wett-

Schweigen, ebenso wie der globale Bata-Konzern

stein, welche die Villa erbaut hat. Die Liegenschaft

keine Gewinnzahlen publiziert. Dazu ist er als Famili-

wurde vom Ingenieur Heinrich Koch erstellt, dem

enunternehmen auch nicht verpflichtet. Immerhin

Konstrukteur der später abgebrochenen Holzbrücke

ist bekannt, dass es bei Bata eine Art «Kulturprozent»

über den Inn. Sonja Bata verwahrt das Original-Mo-

wie bei der Migros gibt: Alle Ländergesellschaften

dell der Brücke noch auf einem Fries in einem Salon

sind verpflichtet, einen Teil des Ertrags für soziale und

im zweiten Stock. «Ein kostbares Stück!», sagt sie. Da-

kulturelle Aufgaben zu verwenden. Wie sie dies tun,

mals wurden die Wohnungen je nach Grösse für 2500

bleibt ihnen überlassen. In dieser Verpflichtung lebt

bis 6000 Franken pro Saison vermietet, bevor Georg

die sozialpädagogische Idee des Patrons Thomas Bata

Wettstein die Liegenschaft im Jahr 1923 vom Besitzer

weiter, der in seinen Fabriken nicht nur Arbeitsplätze

erwerben konnte. Nicht ohne Schmunzeln zeigt Sonja

schaffen, sondern auch Menschen bilden wollte.

Bata einen zeitgenössischen Flyer, in dem die Vorzüge

Verborgener Park

renz hervorgestrichen sind: Während es das Hotel

Fototermin im weitläufigen Park der Villa: Bereitwil-

Kulm im Dezember 1921 auf 4 Stunden 6 Minuten

bezüglich Sonnenscheindauer gegenüber der Konkur-

lig kommt Sonja Bata dem Wunsch des Fotografen

brachte, lachte die Sonne über der Villa Gentiana

entgegen und steigt über eine Holztreppe in die Wiese

4 Stunden 21 Minuten, also eine Viertelstunde mehr.

hinunter, die wie eine grüne Matte über dem See

Für bleiche Gäste aus dem britischen Königreich si-

prangt. Dank der terrassenartigen Anlage ist von der

cherlich ein gewichtiges Argument.

Durchgangsstrasse nichts zu sehen und auch fast

Eines ihrer Lieblingsfotos, das vom bekannten zeitge-

nichts zu hören. Mit ihren 87 Jahren strahlt Sonja Bata

nössischen Fotografen Albert Steiner stammt, hat

grosse Vitalität und Lebensfreude aus. Nur mit den

Sonja Bata im Treppenhaus aufgehängt. Es zeigt die

Beinen hapert es inzwischen. Sie ist im Freien auf ei-

steile Via Arona, wie sie früher als Schlittelstrecke be-

nen Stock angewiesen. Bereits hat sie mehrere Opera-

nutzt wurde. Just vor der Villa Gentiana wurden

tionen an der Hüfte hinter sich. Die lange Reise von

Schneemauern aufgebaut, damit die Schlittenfahrer

piz 46 : Winter | Inviern 2013/2014


9

10

ordentlich in die Kurve liegen konnten. Selbstver-

Lausanne angesiedelt. Sonjas Sohn Tom Bata hat sich

9 In der St. Moritzer Villa Gen-

ständlich trugen die Abfahrer, die sich bäuchlings die

aufs Verwaltungsratspräsidium zurückgezogen. Laut

tiana konnte man einst Ferien

Strasse hinunterstürzten, noch eine Krawatte unter

Sonja Bata laufen die Geschäfte trotz der grossen Kon-

machen – längst gehört sie den

dem dicken Pullover. Weitere Fotos im Familienal-

kurrenz gut. Der Bata-Konzern verdient heute sein

Familien Wettstein und Bata.

bum der Batas zeigen, dass neben der Via Arona auch

Geld vor allem in den aufstrebenden Ländern wie In-

Archiv Sonja Bata

weitere Strassen und Wege ins Bad hinunter für Schlit-

dien, China und Indonesien, wo die Nachfrage nach

tenfahrten benutzt wurden. «Es gab ja damals noch

günstigen Schuhen gross ist. Als Familiengesellschaft

keine Autos, und unser Haus stand frei am Hang», er-

habe man den Vorteil grösserer Autonomie und Hand-

Bata-Fabrik in Möhlin in den

zählt Sonja Bata. Wahrlich idyllische Zeiten ...

lungsfreiheit, ist die Seniorchefin überzeugt. Grosse

1940er-Jahren.

Abhängigkeiten von Banken und Börsen fallen weg.

Foto: Bata-Archiv, Möhlin

Mit St. Moritz eng verwurzelt

Sie freut sich darüber, dass etliche Mitglieder der in-

Sonja Bata verbrachte als Kind viel Zeit in St. Moritz.

zwischen vielköpfigen Bata-Familie immer noch im

Seit den frühen 1930er-Jahren verfolgte sie die stürmi-

Unternehmen aktiv sind und sich bis jetzt kaum

sche Entwicklung des Dorfs hautnah mit. Die Familie

Nachfolgeprobleme stellten. Sonja Bata gehört übri-

Wettstein stand im Zentrum des gesellschaftlichen

gens auch zu den Unterstützern des Davoser Weltwirt-

Lebens. Georg Wettstein war zusammen mit Hugo

schaftsforums, an dem sie persönlich teilnimmt, um

Prager nicht nur Gründer des lokalen Rotary-Clubs,

Freunde zu treffen und sich über wirtschaftliche Zu-

sondern war mit den lokalen Hoteliers sowie mit vie-

kunftsfragen zu orientieren.

len ihrer einflussreichen Gäste aus der ganzen Welt

In Davos geben sich die Mächtigen dieser Welt die

persönlich bekannt. In den verschiedenen Clubs und

Klinke in die Hand: Konzernchefs, Politiker, Banker.

ihrem Sozial- und Nachtleben spannten die wirt-

In St. Moritz treffen sie sich auch unter dem Jahr. Und

schaftlichen Eliten ihre Netzwerke und bahnten neue

die Diskretion dieser Kreise bringt es mit sich, dass

Geschäfte an, wie das auch heute noch der Fall ist. Mit

viele Mutmassungen über ihren Reichtum kursieren.

Thomas Bata verband Wettstein die Vision eines ge-

Das Wirtschaftsblatt «Bilanz» listet jährlich die 300

einten Europa ohne Krieg und Hunger. Sonja Bata er-

Reichsten der Schweiz auf und zählt richtigerweise

innert sich an einen Ausspruch ihres Vaters, der schon

auch die schweizerisch-kanadische Familie Bata dazu:

früh davon überzeugt war, dass es eine Zeit geben

Ihr Vermögen wird auf 3 bis 4 Milliarden Franken ge-

werde, in der es in Europa nur noch eine einzige Wäh-

schätzt. Doch das reicht nicht für die Top 100 der Welt,

rung geben werde. Sehr weit sind wir von dieser Vision

wie sie vom Wirtschaftsmagazin «Forbes» publiziert

nicht mehr entfernt.

werden. Dazu müsste das Bata-Vermögen noch ums

Interessiert am operativen Geschäft

10 Qualitätskontrolle in der

Doppelte steigen.

Sonja Bata nimmt immer noch regen Anteil am operativen Geschäft, auch wenn dieses längst vom Briten Jack Clemons geleitet wird. Clemons ist der erste Familienfremde in der Cheffunktion. Diese ist formell in der in St. Moritz domizilierten Beteiligungsgesellschaft Leader AG sowie in der Firma Bata Brands SA in

piz 46 : Winter | Inviern 2013/2014

21


piz : Publireportage GIORGIO DE CHIRICO, «Autoritratto» 1923, Tempera and oil on canvas mounted on hardboard, 29.5 x 27.5 cm

GIORGIO DE CHIRICO, «Autoritratto» 1952, Oil on canvas, 50 x 40 cm

«De Chirico / Warhol – Self-Portraits» «John Armleder – Pantan» Neueröffnung der Galerie Andrea Caratsch in St. Moritz

M

it der Ausstellung De Chirico / Warhol – Self-Portraits eröffnet die Galerie Andrea Caratsch ihre neuen Galerieräume an der Via Serlas 12 in St. Moritz. Rund 25 Selbstbildnisse – ikonen-

hafte Selbstrepräsentationen Warhols und barock anmutende Porträt-

gemälde de Chiricos – werden gegenüberstellend vorgeführt. Andy Warhol hat die Gattung des Selbstporträts im 20. Jahrhundert mit ikonenhaften Selbstdarstellungen zu neuem Leben erweckt. Vom Selbstbildnis wird oft fälschlicherweise erwartet, dass die persönliche Seite des Künstlers offenbart wird. Die Selbstporträts von Warhol und de Chirico hingegen sind bewusste Inszenierungen und Stilisierungen. Beide Künstler lieben Rollenspiele, der eine schlüpft in barocke Kostüme, der andere setzt sich fright wig-Perücken oder dunkle Sonnenbrillen auf. Beide experimentieren mit dem Dargestellten und der Verhüllungsthematik je auf ihre Weise. Wechselnde Rollen und Maskierung werden zu einem zwanghaften Spiel, das zu hunderten von Selbstbildnissen führt. Als einzige Künstler in der Kunstgeschichte überhaupt übertrumpfen sie damit Rembrandt in der Anzahl geschaffener Selbstporträts und der damit verbundenen Obsession. Stilistisch different, liegt diesen Kunstwerken doch eine ähnliche Methode im Umgang mit Vorlagen und Reproduktionen zugrunde: mit Hilfe von Porträtfotografien und Referenzen auf Gemälde alter Meister hat de

ANDY WARHOL, «Self-Portrait» 1986, Synthetic polymer paint and silkscreen ink on canvas, 101.5 x 101.5 cm


Chirico bereits in den 1940er-Jahren die postmoderne Zitierweise und

für sein Gesamtwerk ist. Er beschwört mit alchemistisch anmutender

Collagetechnik der Pop-Art vorbereitet. Jedes einzelne Autoritratto in

Malerei jenen «grossen Malstrom», in dem etablierte Wertesysteme

costume, das de Chirico meist in barocken Gewändern und mit entlehn-

untergehen und hierarchisches Denken in sich zusammenfällt. Die sil-

ten Requisiten zeigt, ist mit vielfachen Kunstzitaten gespickt. Kostüme

bern reflektierenden Bilder tragen die Namen der umliegenden Engadi-

und Körperhaltungen aus Reproduktionen berühmter Gemälde von

ner Seen. Entstanden ist die neue Gemäldegruppe im Sommer 2012 in

Jacques-Louis David, Fra Galgario oder Böcklin und eine eigene Port-

den Galerieräumen – unmittelbar vor Beginn des Umbaus – und ist somit

rätfotografie sind ihm beliebte Vorlagen. Die Versatzstücke fügt er in

Teil der Galeriegeschichte.

einer gemalten Collage neu zusammen und führt das ReproduktionenPotpourri zurück in ein klassisches Gemälde.

Die Galerien in St. Moritz sind in der Hauptsaison von Montag

Warhols Markenzeichen ist das screen printing. Fotomatenstreifen, Fo-

bis Samstag von 14.00 bis 19.00 Uhr geöffnet.

tografien und Polaroids seines Antlitzes benutzt er als Schablonen für unzählige Selbstporträt-Serien ab 1963. Das serielle Drucken eines fo-

Galerie Andrea Caratsch, www.galeriecaratsch.com

tografischen Motivs auf dieselbe Leinwand kommt einer Bildmaskierung

Via Serlas 12 und Via Serlas 35–37, 7500 St. Moritz

gleich, die von Warhol exzessiv betrieben wird. Das Prinzip der Wieder-

Tel. +41 81 734 00 00, Mobil +41 79 358 64 13

holung soll visualisieren, dass Repetition an sich inexistent und jede Motivwiederholung in neuer Kolorierung einzigartig ist. Warhol und de Chirico sind jeweils stark an Serialität interessiert, präsentieren ihr Selbstbildnis in Serien als konstruierte Fiktion. Eine ironische Überlagerung von Subjekt und Autor ist den Darstellungen beider Künstler eigen. Mit obsessiver Verwendung von Reproduktionen versetzen sie den Geniekult der Klassik und Romantik in das 20. Jahrhundert – ganz im Sinne von Roland Barthes Tod des Autors, wonach das Kunstwerk «ein Gewebe von Zitaten unzähliger Stätten der Kultur» ist und der Kunstbetrachter Teil des schöpferischen Werkes wird. Die zweite Ausstellung Pantan (rätoromanisch: «Pfütze») präsentiert bis April 2014 fünfzehn grossformatige Puddle Paintings von John Armleder. Glitzer, Spielzeuge und kleine Dekorationsartikel aller Art werden mit Töpfen von Lacken, Farben und Lösungsmitteln – in einer Mischung aus Zufall und Kontrolle – auf die Leinwand gekippt. Auf grafische Weise erforscht Armleder die Folgen des Zufalls, was wiederum emblematisch


Aus der Serie «Gletscherpathologie»

Nicht wegschauen! In seinen Fotos zeigt Lois Hechenblaikner die Eingriffe in die Natur der Berglandschaften und den Massenbetrieb des alpinen Rummels. Er entlarvt die vermeintliche Natur als Industriezone. Niemand anders hält der «alpinen Berauschungsindustrie» so gnadenlos den Spiegel vor. Der Fotograf redet auch über die Auswirkungen des Tourismus auf die «Seelenlandschaft» der Einheimischen. Er kritisiert unsensible Bauten als «alpine Metastasen». Seine Fotos sind unerbittlich: Sie zeigen verletztes Gelände, planierte Wiesen, künstliche Seen, mit Plastikfolien eingepackte Gletscherreste und Alphütten-Staffage. www.hechenblaikner.at 24

piz 46 : Winter | Inviern 2013/2014


Aus der Serie «Alpine Entertainment II»

LOIS HECHENBLAIKNER (*1958) reiste nach der Aus-

wenn auch in den Schweizer Bergregionen etwas we-

bildung zum Autoelektriker durch zahlreiche Länder

niger heftig wie in Hechenblaikners Heimat Tirol. Er

und begann dort zu fotografieren. Die Bilder zeigte er

ist selbst in einem Tourismusbetrieb im Alpbachtal

später öffentlich. Seit Mitte der 1990er-Jahre widmet

aufgewachsen. Er weiss deshalb, wovon er spricht,

er sich den Motiven des Tiroler Fremdenverkehrs so-

wenn er den Begriff der «Disneylandisierung» braucht.

wie der volkstümlichen Unterhaltung und polarisiert

Er prangert auch den «alpinen Promillegürtel» an und

durch seinen ungeschönten Blick. Seine kritischen

sagt: «Damit der Gast funktioniert, muss man ihn

Bilder haben ihm neben zahlreichen Preisen auch

zwischen 0,5 und 0,8 Promille einstellen.» Ein Gast

schon Ausstellungsverbote eingetragen.

funktioniere dann, wenn er Geld liegen lasse.

Der Fotograf hat kürzlich in Chur und im Alpinen Mu-

Dennoch betont Hechenblaikner, er wolle nicht als

seum in Bern ausgestellt und machte auch dort den

visueller Scharfrichter amten. Nach dem Bildband

Besucherinnen und Besuchern klar, wie die Alpen

«Hinter den Bergen» ist als Neuestes «Winter Wonder-

zum Freizeit- und Unterhaltungsort geworden sind –

land» mit seinen Fotos erschienen.

piz 46 : Winter | Inviern 2013/2014

Winter Wonderland Lois Hechenblaikner: «Winter Wonderland», 88 Seiten, Englisch, Steidl Verlag, 2012, Fr. 60.–

25


Aus der Bilderserie ÂŤBergwerkÂť

26

piz 46 : Winter | Inviern 2013/2014


Foto: H. J. Pfäffli

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macht es sich ganz einfach: Ausrüstung mieten. Alle Verleih-

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Text: Franco Brunner Fotos: Daniel Martinek

E

s herrscht idyllische Ruhe in Sent. An der Strasse

stosse man hie und da an Grenzen. Aber das passiere

milienhäuser in moderner Architektur. Der ge-

wohl in jeder Familie. Sie könne dieses Modell jeden-

meinsame Eingangsweg und der Kinderspielplatz, der

falls nur empfehlen: «Was es jedoch braucht, ist Un-

sich über beide Grundstücke erstreckt, fallen auf. Da

kompliziertheit, eine gesunde Portion Selbständigkeit

scheinen sich zwei Nachbarn gut zu verstehen. Als

sowie Flexibilität.» Gerade Letzteres braucht es, denn

«Paradies» bezeichnet denn auch Sabine Staub die

anders als in der Stadt ist in Sent bisher kein Mittags-

Umgebung, in der sie mit ihrer Familie in einem der

tisch für die Kinder zustande gekommen. «Das finde

beiden Häuser lebt. Nicht nur draussen ist es idyllisch

ich schade», kommentiert Sabine Staub. Aber offen-

ruhig – auch im Haus. Sohn Lorenzo ist bereits in der

sichtlich sei die Nachfrage nicht vorhanden. Bei Un-

Scoulina und die kleine Chiara scheint auf dem Arm

vorhergesehenem könne sie jedoch zum Glück auf die

der Mutter mit sich und der Welt zufrieden zu sein.

Unterstützung der Familie zählen.

Vor gut einem Jahr hat sich die Familie entschieden,

30

Mutter. Sie ist alles andere als kompliziert. Natürlich

vom Dorfplatz aufwärts stehen zwei neue Einfa-

dauerhaft in das ursprünglich als Feriendomizil ge-

Pendeln von Dorf zu Dorf

dachte Haus in Sent zu ziehen. Die Arbeitsmittel-

Elternteile, die über lange Distanzen zur Arbeit fahren,

punkte von Sabine Staub als Kunsthistorikerin mit ei-

sind eher selten. Von Ort zu Ort fahren aber viele. In

nem Forschungsprojekt an der Universität Zürich und

der Unterengadiner Gemeinde Valsot verdienen ei-

derjenige ihres Mannes Roland als Berater im Infor-

nige Familien ihr Brot auswärts, wie Patricia Puorger

matikbereich blieben jedoch in Zürich. «Wir gaben

bestätigt. «Viele unserer Gemeindebewohner arbei-

uns ein Jahr als Experimentphase», erklärt Sabine

ten in Scuol, weil das nun mal das Zentrum des Unter-

Staub. Nun habe sich alles eingespielt.

engadins ist», sagt die Finanzleiterin der Gemeinde.

Und was, wenn das Experiment gescheitert wäre?

Solche Pendlerströme liessen sich nicht verhindern,

«Dann wären wir halt um ein paar Erfahrungen rei-

denn die Arbeitsstellen in der Gemeinde selbst sind

cher ins Unterland zurückgekehrt», sagt die junge

begrenzt. Trotzdem oder gerade deswegen sei man im-

piz 46 : Winter | Inviern 2013/2014


mer aktiv auf der Suche nach jungen Familien, die als

Der Schulort war ausschlaggebend

neue Einwohner in die Gemeinde ziehen: «Junge Fa-

Die Kinder waren auch bei der Familie Kaufmann der

milien sind bei uns immer sehr willkommen und kön-

ausschlaggebende Punkt, weshalb sie vor rund zwei

nen mit der grösstmöglichen Unterstützung rech-

Jahren den Wohnort von Malix nach Ftan verlegt hat-

nen», sagt Patricia Puorger.

ten: «Wir wollten unseren beiden Töchtern die Mög-

Bergtal statt Weltstadt

lichkeit bieten, den Langlaufsport möglichst professionell betreiben zu können», erklärt Vater Andreas

Willkommen wäre vor vielen Jahren auch die heutige

Kaufmann. Die 14-jährige Seraina und die 16-jährige

Bergeller Gemeindepräsidentin Anna Giacometti ge-

Aita besuchen das Sportgymnasium in Ftan und

wesen – willkommen in New York! Für den konsulari-

sind – so beobachten es die Eltern – «unheimlich zu-

schen Dienst hätte sie damals den Schritt in den Big

frieden». Ftan hat beim Umzugsentscheid wegen der

Apple wagen können. Doch Anna Giacometti verzich-

sportlich und schulisch ausgezeichneten Vorausset-

tete und entschied sich stattdessen fürs Bergell. «Ei-

zungen gepunktet. Aber nicht nur, wie Mutter Yvonne

gentlich meinem Mann zuliebe», erinnert sie sich. Er

Kaufmann klarstellt: Ihre Eltern stammen aus dem

hatte in Zürich gearbeitet und sie im Generalkonsulat

Engadin, der Bezug zur Region war da.

in Mailand. Dann hatten sie sich entschieden, statt

Trotz Umzug hat Andreas Kaufmann seine Stelle als

nach New York gemeinsam ins Bergell zu ziehen: «Pro-

Teamleiter in einem Energieunternehmen in Chur be-

beweise! Die Probe dauert nun schon 26 Jahre», sagt

halten, aus Loyalität gegenüber dem Arbeitgeber und

Anna Giacometti lachend.

weil ihm seine Arbeit gefalle. Der Vater wohnt unter

Ihr ist aber auch der andere Weg bekannt: «Die meis-

der Woche weiterhin in Malix, an den Wochenenden

ten Jungen müssen hier mit 16 Jahren weg, um eine

ist Familienzeit in Ftan angesagt. Probleme habe er da-

Lehrstelle zu finden oder eine weiterführende Schule

mit keine, versichert er. Natürlich vermisse er unter

zu besuchen.» Das sei im Bergell schon immer so ge-

der Woche die Familie, aber die Wochenenden seien

wesen und werde sich wohl auch nie ändern. Das

umso intensiver. Auch Mutter Yvonne hat sich an die

Thema Abwanderung sei im Tal seit jeher präsent, aber

veränderte Situation gewöhnt. «Es brauchte etwas

viele fänden auch den Weg wieder zurück – so wie sie

Mut, diesen Schritt zu wagen», erklärt sie, denn sie

selbst. Zumindest zurück ins Bergell als Wohnort, ge-

habe auch Kolleginnen zurückgelassen. Unterdessen

arbeitet wird oft im Oberengadin. Die recht hohe An-

fühle sie sich aber in Ftan sehr wohl und zuhause.

zahl der Rückkehrerinnen und Rückkehrer zeuge vom

Dazu tragen die begeisterten Töchter das ihre bei.

ausgeprägten Heimatgefühl und beweise die Vorteile

Was geschieht, wenn Seraina und Aita ihre Sportgym-

des Lebens im Südtal: Ein Leben in Ruhe und in intak-

nasium-Zeit beendet haben, wissen Kaufmanns noch

ter Natur. «Für mich war das Bergell der ideale Ort,

nicht. «Ich kann es mir vorstellen, auch dann hier in

Kinder grosszuziehen», bringt es Anna Giacometti auf

Ftan zu bleiben», sagt Andreas Kaufmann. Denn den

den Punkt. Nicht zuletzt deshalb habe sie den Verzicht

Ort und das Engadin findet er «einfach wunderbar».

auf New York nie bereut: «Wäre ich damals in die USA

Natur und Ruhe – das sind die immer wieder genann-

gezogen, hätte ich wohl nie meine beiden Söhne be-

ten Vorzüge, welche Familien dazu veranlassen, den

kommen», sagt sie. Und gesunde Kinder haben zu dür-

Wohnort in die Berge zu verlegen und lange Arbeits-

fen, sei doch das Schönste überhaupt.

wege in Kauf zu nehmen.

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Holztechnologie als Hoffnungsträger Alle wollen sie Bündner Holz. Dennoch könnte die Holzwirtschaft im Kanton weit mehr vom Boom profitieren, als sie es heute tut. Eine zentrale Rolle in der Vorwärtsstrategie spielt das Valposchiavo. Hier soll ein Weiterbildungszentrum für Holzfachleute entstehen.

Text: Flavian Cajacob Foto: Daniel Martinek

S

taub steigt auf über dem Bosch da Vartegna. Auf

begehrter ist als je zuvor. «Und», schiebt Gabathuler

dem trockenen Waldweg macht sich ein Last-

nach, «die Nachfrage wird in den nächsten Jahren

wagen breit und zwingt die Wanderer, in den

noch weiter steigen.»

schmalen Streifen Wiesland auszuweichen. Im Stundentakt bringt der Transporter Baumstämme hinun-

Waldkanton Graubünden

ter zum Werkhof in Li Curt. Hier hat auch die Forstver-

Gut ein Drittel des Kantons Graubünden ist von Wald

waltung ihren Sitz. Ganz seinem Nutzungszweck

bedeckt. Über 85 Prozent des Baumbestandes befinden

entsprechend wurde das augenfällige Gebäude an der

sich im Besitz der Gemeinden. Beides sind schweizweit

Hauptstrasse zwischen Poschiavo und Brusio aus Holz

Spitzenplätze. Allerdings mangelt es in der Region an

gebaut. Im Jahr 2000 war das noch fast eine Revolu-

Möglichkeiten zur Weiterverarbeitung: Von jährlich

tion. Was in anderen Bündner Bergtälern gang und

300’000 Kubikmeter Einschlag werden nur zehn Pro-

gäbe ist, ist im südländisch geprägten Valposchiavo

zent im Kanton selbst weiterverarbeitet. Mitschuld an

eher selten. Hier baut man traditionell mit Stein. Holz

diesem Umstand trägt die konkursite Grosssägerei in

als Werkstoff ist im Häuserbau mehrheitlich Scheu-

Domat / Ems, deren Kapazitäten eigentlich auf die

nen vorbehalten, Decken und Inneneinrichtungen.

kantonale Gesamtmenge ausgerichtet war.

Und Holz hat man vor der Hütte: Brennholz.

Neue Kraft soll die Bündner Holzwirtschaft mit dem

Von minderer Bedeutung sei das Holz im Valposchi-

Programm «Holz Futuro 2022» bekommen. Das Pro-

avo deshalb noch lange nicht, betont Alessandro

gramm wird nicht ohne Grund lanciert: In der Bran-

Della Vedova, Podestà (= Gemeindepräsident) von Pos-

che finden kantonsweit gegen 4000 Personen ihr Ein-

chiavo. Allein auf dem Gemeindegebiet des Hauptor-

kommen, allein in Südbünden sind es rund 600

tes werden jährlich 12’000 Kubikmeter Holz gefällt.

Mitarbeitende in 80 Betrieben und in der Forstwirt-

Das entspricht dem Volumen von sechs olympischen

schaft. Die Ziele sind ambitioniert: «Dank der Zusam-

Schwimmbecken! Verarbeitet wird es von den gut

menlegung kleinerer Betriebe wollen wir effizienter

zwei Dutzend einheimischen Schreinereien. Oder es

werden», erklärt Michael Gabathuler. Stammnutzung

findet den direkten Weg Richtung Süden, so wie Drei-

und der Einsatz von Holz bei Neubauten sollen ange-

viertel der gesamten Bündner Holzernte. Wichtigster

kurbelt werden. Bei neu erstellten Einfamilienhäu-

Abnehmer ist nach wie vor das Veltlin. Immer häufiger

sern im Kanton Graubünden bestehen heute die Trag-

melden sich aber auch Interessenten aus anderen Re-

werke zu 12 Prozent aus Holz, im Jahr 2022 soll der

gionen Italiens, aus Österreich oder Deutschland bei

Anteil 30 Prozent betragen. Auch bei der Qualifikation

den örtlichen Forstverwaltungen. Sie wollen sich

und Weiterbildung von Fachleuten soll gemäss Gaba-

schon früh einen Teil der Ernte sichern. «Der Kampf

thuler «noch einiges gehen».

ums Holz ist längst auch in Südbünden entbrannt»,

32

sagt Michael Gabathuler, Geschäftsführer der Dach-

Das Tal setzt auf das Ausbildungszentrum

organisation Graubünden Holz.

Im Bereich Aus- und Fortbildung spielt das Valposchi-

Die fortschreitende Industrialisierung, immer ratio-

avo eine zentrale Rolle. Schon im Herbst 2014 soll hier

neller werdende Verarbeitungstechniken und neue

das Centro tecnologico del legno (CTL) seinen Betrieb

Verwendungsarten – beispielsweise in der Wärmeer-

aufnehmen. Hier sollen Schreiner und Berufsleute aus

zeugung – sorgen dafür, dass der Rohstoff Holz heute

der holzverarbeitenden Industrie Lehrgänge und

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Kurse besuchen. «Modernste Maschinen werden dort laufen und neuste Technologien vermittelt», sagt

gadin

Alessandro Della Vedova – er ist eben nicht nur Bürger-

Zweitwohnungsinitiative und dem drohenden Aus-

verdienen.

Nach

der

Annahme

der

meister, sondern auch Unternehmensberater, diplo-

bleiben von Neubau-Aufträgen müssen die Unterneh-

mierter Schreinermeister und geistiger Vater des CTL.

men ihr Rayon nun zusätzlich ausweiten. Dass vor

Kursbesucher sollen nicht nur aus den einheimischen

diesem Hintergrund ausgerechnet im Valposchiavo

Schreinereien, sondern auch aus dem norditalieni-

das CTL entstehen soll, werten Branchenkenner aber

schen Raum kommen: «In Italien existiert ein solch

auch als ziemlich absurd. Zumal man sich in Poschi-

praxisorientiertes Angebot nicht. Entsprechend gross

avo modernste Technologie auf die Fahnen geschrie-

ist auch das Interesse der Provinz Sondrio und der Re-

ben hat, einheimische Schreinereien aber oft noch

gion Lombardei an unserem Kompetenzzentrum.»

einfache Maschinen nutzen.

Sondrio und die Lombardei sind in der Aktiengesellschaft vertreten, die das CTL trägt; ebenso wie die Re-

Vernetzung und wirtschaftliche Hoffnung

gion Valposchiavo, die Höhere Fachschule Südost-

Bis zu tausend Berufsleute jährlich sollen dereinst die

schweiz und die SCM Group, eine Produzentin von

Kurse des CTL in Poschiavo besuchen. Zahlen, die bei

Maschinen zur Holzbearbeitung mit Sitz in Rimini.

den Kritikern schallendes Lachen auslösen. Alessan-

«Unser Ziel ist es, zu beweisen, dass auch die Randre-

dro Della Vedova relativiert: «Natürlich geht das nicht

gionen durch Selbstbestimmung und hochmoderne

von heute auf morgen. Beginnen werden wir wohl mit

Technologien eine ausgewogene Entwicklung fördern

hundert bis zweihundert Studenten; italienischspra-

können und einen Kontrapunkt gegen die starke Ab-

chige Bündner, Tessiner, Italiener.» Den Vorwurf des

wanderung setzen», betont Della Vedova.

34

reien bis zu 90 Prozent ihres Einkommens im Oberen-

einseitigen Wissenstransfers Richtung Italien lässt er nicht gelten: «Wir vernetzen uns so mit einem der

Kritische Stimmen

wichtigsten europäischen Wirtschaftszentren. Die

Selbstbestimmung, moderne Technologien, Entwick-

Region um Mailand ist für ihr Möbeldesign bekannt,

lung, Abwanderung stoppen – diese Schlagworte hört

da erwarte ich eine innovative und erfolgreiche Wech-

die Bevölkerung in Südbünden gerne. Die Poschiavi-

selwirkung für unsere einheimische Holzbranche.»

ner Stimmbürgerinnen und Stimmbürger haben dem

Produktdesign nach italienischem Gusto? Bernardo

CTL mit Zweidrittelsmehrheit grünes Licht erteilt – al-

Tuena winkt ab. Den 58-jährigen Schreinermeister aus

lerdings ohne zu wissen, wo dieses genau zu stehen

Li Curt interessiert der internationale Möbelmarkt

kommt und wer letztendlich wie viel zahlen wird.

fast überhaupt nicht. Er produziert für den lokalen

Aber es gibt auch Gegner: Für Fulvio Betti handelt es

Markt. Aber Tuena erhofft sich vom CTL einen Image-

sich beim grenzüberschreitenden CTL um ein Hoch-

gewinn für das Puschlav, jüngere Besucher, Einnah-

risikoprojekt: «Wenn gemäss Businessplan bis zu 90

men für das Gastgewerbe und steigende Übernach-

Prozent der Studenten letztendlich aus Italien kom-

tungszahlen. Diese Perspektive habe die Talschaft

men sollen, die italienischen Behörden aber nichts an

dringend nötig nach dem Nein zu Olympia, der An-

die Investitionskosten beisteuern, dann stimmt mei-

nahme der Zweitwohnungsinitiative und den Proble-

ner Ansicht nach etwas nicht», sagt der Präsident der

men beim Ausbau der Kraftwerke.

SVP Valposchiavo. Angesichts der wirtschaftlich

Tuena setzt aber auch ein Fragezeichen hinter das Pro-

schlechten Situation in Italien sei es sowieso fragwür-

jekt, das 18 Millionen Franken kosten soll – allein die

dig, ob es sich ein junger italienischer Berufsmann

Startkosten liegen bei vier Millionen. «Die Umstände

überhaupt leisten könne, in der teuren Schweiz einen

sind sicher nicht optimal. Wenn Italien nicht aus der

Fortbildungskurs zu besuchen. «Was mich aber am

Krise kommt und der Euro weiterhin schwächelt,

meisten stört, ist der Ausverkauf von wertvollem

dann sehe ich ziemlich schwarz für das Kompetenz-

Schweizer Know-how in der Berufsbildung, wie es das

zentrum», sagt der ehemalige Fachlehrer.

CTL betreiben will», so Betti.

Und dann erwähnt er das Schreckgespenst, das in vie-

Know-how und handwerkliches Geschick, das sind

len Köpfen herumgeistert: die Pleite der Grosssägerei

die Trümpfe, welche die Puschlaver Schreiner im

Domat/Ems. Sie kostete den Kanton Graubünden 23

Wettstreit mit der internationalen, der industriellen

Millionen Franken und 130 Beschäftigte den Job. Ein

und der Billigkonkurrenz ausspielen können. Und sie

ähnliches Fiasko wünscht sich im Valposchiavo nie-

sind sehr mobil. Hört man sich in der Branche um, er-

mand. Nicht einmal die grössten Kritiker des Holz-

fährt man, dass die grösseren Puschlaver Schreine-

Technologiezentrums.

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Kultur bringt neue Gästegruppen Kulturschaffende und Kulturveranstaltungen haben wirtschaftliches Potenzial. Das weiss man spätestens seit dem Bau des Guggenheim-Museums in Bilbao. Neben Tourismus und Sport hat die Kulturwirtschaft auch in Südbünden ihre Bedeutung.

Text: Aline Tannò, René Hornung Fotos: zVg

W

ie gross der wirtschaftliche Effekt der Kultur

schaft und Tourismus des Kantons Graubünden be-

in der Schweiz und insbesondere in Südbün-

wusst, wie Michael Caflisch, Leiter Tourismusentwick-

den ist, ist noch unklar. An der Zürcher

lung, festhält: «Kultur in Form von Veranstaltungen,

Hochschule der Künste wurde schon vor bald zehn

aber auch als Basis eines Tourismus, der auf Authenti-

Jahren der Umsatz der Kulturwirtschaft schweizweit

zität, Brauchtum oder Ursprung basiert, hat eine

auf mindestens fünf Milliarden Franken berechnet.

grosse und zunehmende Bedeutung für Graubünden.»

Zum wirtschaftlichen Effekt tragen dabei nicht nur

36

die grossen Veranstaltungen bei. Auch die Einkünfte

Nicht erst seit dem Olympia-Nein

der Kulturschaffenden selbst, die Galerien und Ver-

Kultur biete eine gute Möglichkeit, sich zu positionie-

lage, aber auch Designer verdienen hier ihr Geld. Da-

ren und zu profilieren. Dieses Bestreben verfolge man

vide Codoni, stellvertretender Ressortleiter Touris-

aber nicht erst seit dem Nein zu Olympia, sagt Caf-

mus im Staatssekretariat für Wirtschaft, verweist auf

lisch. Entsprechende Bemühungen zur Entwicklung

eine Studie aus dem Jahr 2008, wonach schweizweit

des Sommertourismus sowie auch eines Winterange-

119 Millionen Franken allein durch Tourismus im Zu-

botes, das vom Schnee unabhängig ist, gebe es schon

sammenhang mit darstellender Kunst und Kultur ge-

länger. Da spielten auch die Probleme mit der Schnee-

neriert wurden. In Graubünden schlummerte dieses

sicherheit eine Rolle. Wenn im Abstimmungskampf

Potenzial lange Zeit.

und nach der Ablehnung von Olympia nun vermehrt

Im Engadin setzte man fast ausschliesslich auf Touris-

Forderungen nach Alternativen laut werden, so lasse

mus und Sport als Wirtschaftsmotor. Nach dem Nein

sich dies auch als Bestätigung des eingeschlagenen

zu Olympia und dem Baustopp von Zweitwohnungen

Wegs interpretieren, so Caflisch.

muss man sich allerdings neu orientieren. Kultur ist

Tatsächlich hat die kantonale Wirtschaftsförderung

eine der Möglichkeiten, Gäste in die Region zu holen,

schon verschiedentlich neue kulturtouristische Pro-

und kulturelle Anlässe haben hier eine zunehmende

jekte in der Startphase unterstützt. Darunter die Thea-

Bedeutung. Dessen ist man sich auch im Amt für Wirt-

tergruppe Origen, das Bahnmuseum Albula, aber

piz 46 : Winter | Inviern 2013/2014


auch das Projekt «Tschima» in der Weissen Arena in

Umsatzes von St. Moritz Opera, also rund eine halbe

Einblicke in das breite Spekt-

Laax. Wenn es dann aber um eine längerfristige Sub-

Million, fliesst zurück in die Engadiner Wirtschaft.

rum der Südbündner Kul-

ventionierung geht, ist das Amt für Kultur am Zug.

Das freut auch Angela Rupp, Leiterin Markt- und Pro-

turwirtschaft. Dazu gehören die

Breit angelegte Kulturförderung

duktkommunikation der Tourismusorganisation En-

Modelle des Bau-Ensembles

gadin St. Moritz. «Solche Veranstaltungen sind für die

von Nairs, Opernaufführungen

Regierungsrat Martin Jäger und seine Mitarbeitenden

Reputation der Destination sehr wichtig», betont sie

und das Jazz festival St. Moritz.

haben hier ein weites Feld zu beackern. Heute sind es

und ergänzt: «Die junge, urbane Generation hat dank

(v.l.n.r.)

jährlich 4,5 Millionen Franken Kulturförderung aus

dem Festival da Jazz den Sommer im Engadin entdeckt.»

dem ordentlichen Budget und weitere 4,8 Millionen aus dem Topf der Landeslotterie. Doch in Graubün-

Mehrere Tausend Übernachtungen

den zahlt der Kanton Kulturbeiträge immer nur subsi-

Allein die direkten Umsätze des Jazzfestivals dürfen

diär: Gemeinden, Regionen oder Private müssen zu-

sich sehen lassen: Geschätzte 5000 Hotel-Logier-

erst Gelder sprechen. Und jährlich wiederkehrende

nächte generiert der Anlass. Das sind 1,6 Prozent aller

Kulturanlässe werden vom Kanton nicht subventio-

Übernachtungen im Sommer in St. Moritz. Dabei

niert. «Damit sind wir gut gefahren und wir unterstüt-

stand am Anfang gar kein touristisches Konzept hin-

zen das kulturelle Schaffen deutlich breiter als manch

ter dem Anlass. «Die Liebe zur Musik und zu den Men-

ein anderer Kanton», so Jäger. Von den zuletzt 800

schen, die sie spielen, war mein Antrieb», erklärt Ini-

eingereichten Beitragsgesuchen seien rund 600 bewil-

tiatior Christian Jott Jenny. Er organisiert zusammen

ligt worden. So würden auch alle (Sprach-)Regionen

mit Designer und Clubbesitzer Rolf Sachs während

und die meisten der 150 Täler berücksichtigt.

fünf Wochen im Juli und August den Grossanlass, un-

Einige Veranstalter sind inzwischen so gross, dass sie

ter anderem im legendären Dracula Club in St. Moritz,

auch ohne Subventionen über die Runden kommen.

seit 2013 aber auch auf Muottas Muragl. Das Festival

Martin Grossman, Gerd Wagner und Jan Schultsz

da Jazz gehört heute zu den grössten Kulturveranstal-

wollten im Jahr 2000 zuerst Freilicht-Opern vor dem

tern in Graubünden. Das Wachstum der vergangenen

Bergpanorama von St. Moritz organisieren. Das Kon-

Jahre soll fortgesetzt werden – «insbesondere in quali-

zept liess sich wegen des Wetters allerdings nicht um-

tativer Hinsicht», so Jenny. Das Festival bekommt

setzen. Dank Beziehungen konnten sie die Auffüh-

auch weiterhin Kulturgelder vom Kanton. Zur Zu-

rungen aber im Hotelfoyer von Badrutt’s Palace zeigen.

kunftssicherung soll eine Stiftung errichtet werden.

Dort ist es eng: Orchester, Solisten und die Zuschauer

Auch die Initianten des St. Moritz Art Masters wollen

müssen sich das Foyer teilen. Inzwischen ist die Tuch-

die Sommersaison stärken und verlängern. «Zwar gab

fühlung Konzept: Vor, während und nach den Auf-

es im Sommer Musikveranstaltungen, aber noch kei-

führungen begegnen sich Zuschauerinnen und Musi-

nen Kunstanlass», stellt Art-Masters-Geschäftsführe-

ker, sitzen an den gleichen Tischen.

rin Evelin Fasser Testa fest. «Wir wollten ein eher urba-

Zwischen 1200 und 1500 Übernachtungen generiert

nes, weltgewandtes, vielgereistes und internationales

der Anlass während der zweiwöchigen Spielzeit vor

Publikum ansprechen, das den Sommer im Engadin

der Sommersaison. Und der wirtschaftliche Nutzen

noch nicht kannte.» So organisierten Monty Shadow,

für St. Moritz geht noch weiter: Vieles wird vor Ort von

Reiner Opoku und Martin Berthod vor sechs Jahren

lokalen Handwerkern produziert. Rund die Hälfte des

zum ersten Mal den Kunstevent. Seither wächst auch

piz 46 : Winter | Inviern 2013/2014

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dieser Anlass kontinuierlich: Mittlerweile besichtigen

liche Finanzierung sind die Initianten auf weitere pri-

laut Eveline Fasser Testa durchschnittlich 30’000 Be-

vate und öffentliche Beiträge angewiesen. In Nairs ist

sucherinnen und Besucher die über dreissig Ausstel-

man deshalb glücklich, dass der Gemeinderat von

lungen von Sils bis S-chanf. Von der Kirche bis zur Ho-

Scuol im Spätsommer 2013 ein klares Bekenntnis zum

tellobby, vom Spielplatz bis zum Verkehrskreisel – kein

Kulturzentrum abgegeben hat.

Ort ist ungeeignet, Arbeiten der über hundert Kunst-

Kulturinteressierte Investoren sind auch für die weite-

schaffenden zu zeigen.

Kulturschaffende tragen den Ruf weiter Während es einige der grossen Anlässe geschafft ha-

mit kulturellem Leben reaktiviert werden. Hier soll ein Wasserzentrum entstehen. Dieweil ist das Schick-

ben, ohne öffentliche Beiträge über die Runden zu

sal des ehemaligen Hotel Kurhaus Scuol-Tarasp offen.

kommen, sind kleinere Veranstalter und weniger po-

Im Herbst wechselte das leere Haus erneut den Besit-

puläre Kunstgattungen auf Subventionen angewie-

zer. Ob das vom Kulturzentrum Nairs angedachte

sen. Darunter das Zentrum für Gegenwartskunst

«Global Village for the Arts» entstehen kann, ist unge-

Nairs in Scuol. Es steht vor der Herausforderung – als

wiss. «Hochstehendem, authentischem Kulturschaf-

Teil des unter Schutz stehenden Bau-Ensembles (be-

fen» traut Rösch aber zu, die Regionalentwicklung

stehend aus Kurhaus, Trinkhalle und dem ehemaligen

vorwärtszubringen: «Kulturarbeit ist eben mehr als

Badehaus) –, die Gebäude zu retten und zu renovieren.

eine Dienstleistung für die Freizeitgesellschaft, die

Bisher ist das Badehaus – das heutige Zentrum für Ge-

unterhalten sein will, was oft zu Eventitis führt und zu

genwartskunst in Nairs am Inn – das Herz des Betriebs.

Werken, die inzwischen auf der ganzen Welt fast

Es hat sich seinen Platz auf dem internationalen Kul-

gleich präsentiert werden.» Lokal verwurzelte Kultur-

turatlas dank der Kunstschaffenden errungen. Bis zu

arbeit schaffe dagegen engere Bindungen und so sei es

zwanzig Frauen und Männer verbringen hier jeden

«denkbar, dass damit die Trendwende bei den zurzeit

Sommer einen Werkaufenthalt. Darüber hinaus ver-

abnehmenden Gästezahlen erreicht werden kann».

anstaltet Nairs schon heute jährlich über fünfzig Ver-

38

ren Schritte zur Wiederbelebung des Ensembles nötig. Die Trinkhalle – die historische Büvetta – soll ebenfalls

anstaltungen, die von mehr als 2000 Gästen besucht

Auch das Bergell profitiert

werden, so Christof Rösch, künstlerischer Leiter und

«Unser Tal ist stiller als das Engadin», sagt Galerist Lu-

Direktor. Diese Kulturanlässe und vor allem die Kunst-

ciano Fasciati, der in Promontogno das Projekt «Arte

schaffenden seien die besten Werbeträger für Scuol

Hotel Bregaglia» initiierte und 2013 zusätzlich die

und Tarasp: «Gerade weil sie in Nairs oft eine wesent-

Ausstellung Video Arte im Palazzo Castelmur reali-

liche Prägung ihres Schaffens erleben, tragen sie den

sierte. Er lud ein Dutzend Kunstschaffende ein, sich

Ruf des Ortes in die Welt hinaus.» Sehr oft setzten sich

mit dem Ort auseinanderzusetzen. Im Hotel Bregaglia

die Kunstschaffenden inhaltlich mit dem Ort, dem ge-

sind die Werke inzwischen zum festen Bestandteil des

nius loci, auseinander, stellt Rösch weiter fest.

Hauses geworden. Ursprünglich als einmalige Ausstel-

Als Erstes wird nun das ehemalige Badehaus saniert

lung geplant, hat der Anlass inzwischen schon zum

und mindestens zum Teil wintertauglich gemacht.

vierten Mal stattgefunden. An Pfingsten 2014 wird Fa-

Zwei Drittel des für die Sanierung benötigten Betrags

sciati das Buch zu den Kunstwerken präsentieren.

von 3,6 Millionen sind bereits zusammen. Für die rest-

Auch Arte Bregaglia leistet durchaus einen positiven

piz 46 : Winter | Inviern 2013/2014


zwanzig Jahre alten Kulturförderungsgesetz eigent-

Arte Hotel Bregaglia, Musik und

Entwicklung der Gästezahlen geführt», weiss der Ber-

lich gut arbeiten lasse, steht eine Revision an, erklärt

Freilufttheater (v.l.n.r.) – ganz

geller Tourismusdirektor Michael Kirchner.

Regierungsrat und «Kulturminister» Martin Jäger.

unterschied liche Kulturformen,

Neben zeitgenössischer Kultur soll auch die Künstler-

Noch sind nicht alle politischen Diskussionen ge-

aber alle haben einen wichtigen

familie Giacometti demnächst der Kulturwirtschaft

führt, aber die Regierung schlägt vor, diese Revision

wirtschaftlichen Input.

wirtschaftlichen Input: «Kunst hat zu einer positiven

im Bergell neue Impulse geben: Mit dem Centro Gia-

erst dann anzupacken, wenn auch die Gebietsreform

cometti sind dezentrale Ausstellungsräume in und

für den Kanton Graubünden über die Bühne ist. Sie

rund um Stampa geplant – ein Projekt, das auch von

wird unter anderem die kulturellen Aufgaben zwi-

der Gemeinde unterstützt wird. Gerne sähe Touris-

schen Kanton, Regionen und Gemeinden neu vertei-

musdirektor Kirchner mehr solche kulturellen Initia-

len. Danach will die Regierung – so wie es ein Auftrag

tiven im Tal, «aber Massentourismus möchten wir

aus dem Kantonsparlament verlangt – eine breite Aus-

nicht». Grosse Besucherströme sind aber auch gar

legeordnung machen und alle Bereiche auf ihre wirt-

nicht nötig, denn der Effekt zeige sich bereits im Klei-

schaftliche Bedeutung hin überprüfen. Die Regierung

nen, weiss Galerist Fasciati: «Auf der Post Promonto-

nennt die ganze Palette von Bereichen: Infrastruktur,

gno, die im Gebäude des Hotels untergebracht ist,

Verkehr, Raumordnung, Energie und Umwelt, Steu-

mussten plötzlich Briefmarken nachbestellt werden.»

Kulturförderung wird neu diskutiert

ern, Bildung und Forschung, Kultur und Sport sowie Gesundheit und Alter. Ob die Kulturförderung nach der Überprüfung einen neuen Stellenwert bekommen

Die peripherer gelegenen Gebiete sind auf Kulturför-

und als einer der Wirtschaftsmotoren gelten wird, hat

dergelder angewiesen, und obwohl sich mit dem bald

die Politik zu entscheiden.

Kultur in den Tälern

Jahr zeitgenössische Kunst ins Haus, das sich in seiner

Kulturtourismus ist für alle Täler interessant. Überall

Hauptausstellung hauptsächlich dem bäuerlichen

trifft man auf Galeristen und Kuratorinnen, die mit

Handwerk widmet. So entstehen jeweils spannende

ihren Ausstellungen neue Gästegruppen ansprechen.

Kontraste. Veranstaltungen mit prominenten Kultur-

Im Engadin haben sich inzwischen zahlreiche inter-

schaffenden bringen ebenfalls neue kulturinteres-

national bekannte Galerien niedergelassen, darunter

sierte Gäste ins Tal. Auch das Puschlav hat seinen be-

die Galerie Tschudi in Zuoz. In St. Moritz trifft man auf

sonderen Kunst-Anziehungspunkt: In der Casa

so bekannte Namen wie Bruno Bi-

Console hat der Sammler Ernesto

schofberger,

Caratsch,

Conrad (1927–2011) hochkarätige

Curtins oder Gmurzynska. Auch

Werke der romantischen Malerei

Andrea

in den kleineren Tälern finden

des 19. Jahrhunderts zusammen-

Kulturtouristinnen und -touristen

getragen und öffentlich zugäng-

Spannendes: Inge Blaschke, Leite-

lich gemacht. In diesem Haus fin-

rin des Museums Chasa Jaura in

den auch andere Kulturveranstal-

Valchava im Münstertal, holt jedes

tungen statt (Foto).

piz 46 : Winter | Inviern 2013/2014

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Karl der Grosse im Schneesturm Am 28. Februar jährt sich der Todestag von Kaiser Karl dem Grossen zum 1200. Mal. 2014 soll deshalb ein fulminantes Karlsjahr werden. Die Theatergruppe Origen wird ihn in Müstair besingen und in der zugigen Ebene bei Silvaplana auf die Bühne bringen.

Text: Esther Scheidegger, René Hornung Bildercollage: Origen / Martin Leuthold

der KoNIG IM BIld Karl der Grosse wurde quer durch alle Jahrhunderte in unterschiedlichsten Darstellungen gezeigt. Für Origen hat der bekannte Textildesigner und Kostümentwerfer Martin Leuthold Postkarten-Collagen mit Abbildungen von Karl dem Grossen zusammengestellt. piz zeigt die Sammlung vorweg exklusiv (Seite rechts).

der KoNIG IM sCHNee Das Origen-Schauspiel, soll am 14. März Premiere in Silvaplana haben. Weitere Aufführungen sind bis Anfang April geplant. Ob die Produktion realisiert werden kann, war bei Redaktionsschluss von piz noch nicht sicher. Details und Tickets: www.origen.ch

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E

r war der populärste Herrscher aller Zeiten im

lingichen Kirchenraum, in dem auch Karl der Grosse

Abendland und er wurde schon zu Lebzeiten

hätte sitzen können, wenn er nach der Klostergrün-

zum inbrünstig verehrten Mythos. Karl der Gro-

dung je ins Münstertal zurückgekommen wäre.

sse (748–814) schuf ein Reich, das nahezu das ganze christliche europäische Festland umspannte. Er refor-

Besinnung im Schneesturm

mierte die Bildung, führte ein einheitliches Münzwe-

Leibhaftig soll der 27-jährige König nach seinem Feld-

sen ein, er beharrte auf dem Gebrauch des Lateini-

zug gegen das heutige Italien und nach der Belagerung

schen, beeinflusste die Religion, die Kunst, die

von Pavia als gekrönter Langobardenkönig im Jahr

Architektur, die Küche und den Gartenbau. Die dank

775 auf dem Rückweg durch das Veltlin auf dem Umb-

ihm erschaffene karolingische Minuskel wurde zum

railpass, zusammen mit seiner dritten Gattin Hilde-

Vorbild für unsere heutige Schrift – kurz: Zu Karls Zei-

gard und einem Tross von Gefolgsleuten, in un sgrischai-

ten entstand, was wir heute als europäische Kultur be-

vel strataimp geraten sein, schreibt der lokalpatriotisch

trachten. Er wurde vereinnahmt, wurde zu einer

engagierte Claudio Gustin aus Sta. Maria in seiner Ju-

Marke und zu einem volkstümlichen Helden.

biläumsbroschüre «1901–2001. 100 ons stradun sur

Karl der Grosse stammt aus Aachen, aber er ist auch

umbrail». Gebaut wurde die Umbrailstrasse freilich

ein Berliner. Dort steht im Deutschen Historischen

erst zwischen 1898 und 1900.

Museum, im ehemaligen Zeughaus, Unter den Linden,

Karl soll geschworen haben, ein Kloster zu stiften, falls

die monumentale Stuckstatue. Ein Geschenk aus der

sie mit Gottes Hilfe durchkämen. Das älteste im Klos-

Schweiz: Das Original steht im Kloster St. Johann in

ter St. Johann verbaute Holz wurde tatsächlich 775 ge-

Müstair, als dessen legendärer Gründer Carl il grond

schlagen, das haben dendrochronologische Studien

gilt. Hier begegnen ihm die Besucherinnen und Besu-

unzweifelhaft ergeben.

cher quasi auf Augenhöhe. Er blickt frontal ins Kir-

Es sei wohl ein sommerlicher Schneesturm gewesen,

chenschiff, bärtig, mit Schnauz, Stirnlocken und Reif-

interpretiert Giovanni Netzer, der Kopf der Theater-

krone. Die Tunika und der offen darüber getragene

gruppe Origen, diese Legende und der Sturm habe

Reitermantel mit Pelzbesatz kaschieren elegant sei-

Karl den Grossen offensichtlich in grundsätzliche

nen Bauchansatz.

Zweifel versetzt. Er war nämlich der vor ihm geflohe-

Carl il grond ist auch ein Rätier

Italien nachgereist und habe dort möglicherweise

nen Familie seines jung verstorbenen Bruders nach

Wie viele hundert Jahre alt diese Stuckfigur tatsäch-

seine Neffen umgebracht. Der Schneesturm auf der

lich ist, darüber streiten sich die Fachleute bis heute.

Rückreise habe ihn dann zur Besinnung gebracht,

Fest steht, dass sie 1488 in einer Nische an der Stirn-

denn dabei hätten ja auch seine eigenen Kinder ster-

wand zwischen der Mittel- und der Südapsis der Klos-

ben können.

terkirche aufgestellt wurde, unter einem Baldachin und mit der fehlerhaften Inschrift «Carolus Mangus».

Theater im Malojawind

Karl der Grosse ist deshalb auch ein Rätier. Und egal ob

Den Schneesturm als Lebensbedrohung, als Punkt, an

er wirklich je in Müstair war oder nicht: Weil in den

dem Zweifel über das bisherige Tun aufkommen, will

Bergen meist das Geld fehlte, die alten Sakralbauten

die Theatergruppe Origen zum Ausgangspunkt des

zu erneuern, sitzen wir noch heute im gleichen karon-

Stücks «König im Schnee» nehmen. Ab dem 14. März

piz 46 : Winter | Inviern 2013/2014



1

2

Ab Mai kommt wieder Müstair zum Zug, mit der Aus-

1 Auf dieser Wiese in Surlej am

2014 soll es in der Ebene bei Surlej am Silvaplanersee

Silvaplanersee will die Theater-

im Oberengadin aufgeführt werden – vorausgesetzt,

stellung «Opus Sacrum» (25. Mai – 2. November) und

gruppe Origen den «König im

die Finanzierung kommt zustande, was bei Redakti-

mit einem Opern-Krimi – zum Thema Karls Kaiserkrö-

onsschluss dieser piz-Ausgabe noch nicht sicher war.

nung in Rom am Weihnachtstag 800.

Weil es so ambivalente Schilderungen über Karl gibt,

In der Burg Riom, dem Origen-Stammsitz, soll Karl als

2 Marmorplatte mit dem Lamm

will Origen die Figur von möglichst verschiedenen

Badekaiser und -meister gefeiert werden, mit einer

Gottes und Johannes dem

Seiten beleuchten. «Er hat sich fürsorglich um seine

Opera buffa. Auch dies ein Ausschnitt seines Lebens,

Familie gekümmert, aber auch tausende in Schlach-

wie man in der «Vita Karoli magni» von Einhard nach-

Schnee» aufführen. Foto: piz

Täufer, dem Patron des Klosters St. Johann, Müstair.

ten geschickt, in denen sie umgekommen sind», so

lesen kann: «… sehr angenehm waren ihm auch die

8./9. Jahrhundert.

Giovanni Netzer. Im Tanz- und Musikstück sollen

Dämpfe warmer Quellen; er übte sich fleissig im

Foto: Archäologischer Dienst

Märchen-, Traum- und Erinnerungsszenen vorkom-

Schwimmen und verstand das so trefflich, dass man

Graubünden, Donat Stuppan.

men. Auch Kinder werden mitspielen, denn Kinder

ihm keinen darin vorziehen konnte. Darum erbaute er

spielten in Karls Leben eine wichtige Rolle.

sich auch zu Aachen einen Königspalast und wohnte

Es wird kalt, für Schauspieler und fürs Publikum. Ori-

in seinen letzten Lebensjahren bis zu seinem Tod be-

gen verhandelte früh mit dem Naturschutz, und «noch

ständig darin. Und er lud nicht bloss seine Söhne, son-

nie hat uns eine Gemeinde mit so offenen Armen emp-

dern auch die Vornehmen und seine Freunde, nicht

fangen wie Silvaplana», lobte Giovanni Netzer anläss-

selten auch sein Gefolge und seine Leibwächter zum

lich der jährlichen Benefizveranstaltung. Die Regie-

Bade, so dass bisweilen hundert und mehr Menschen

rung bewilligte das Beitragsgesuch allerdings nicht.

mit ihm badeten …»

Gesang im Kloster

Karl der Grosse Georges Descœudres, Jürg Goll, Markus Riek: «Die Zeit Karls des Grossen in der Schweiz». Benteli Verlag 2013, 327 S., Fr. 78.–

42

In Aachen, im Dom, liegen die Gebeine Karls. Anhand des linken Schienbeins haben internationale Forscher

Eröffnet wird das Karlsjahr schon im Januar in der

die Länge seiner Majestät errechnet: 1,84 Meter. Um-

Müstairer Klosterkirche mit ihren weltberühmten

gerechnet auf heutige Verhältnisse wären das 1,95 Me-

Fresken: am 28. Januar. Dann gedenken die Kloster-

ter, so Frank Rühli, Leiter des Swiss Mummy Projects

frauen seit jeher ihrem Gründer. Origen kommt mit

an der Universität Zürich. Karl war ein Hüne.

einer Uraufführung zu den Nonnen: mit einem grego-

Im Sommer, vom 20. bis am 29. Juni 2014, an der soge-

rianischen Complet (= Abendgebet). Es ist das letzte

nannten «Aachener Heiligtumsfahrt», die seit 1349

Werk des Bündner Musikers, Komponisten und Kul-

alle sieben Jahre durchgeführt wird, geht es nicht um

turpreisträgers Gion Antoni Derungs (1935–2012).

Karls Gebeine, sondern um vier Reliquien aus dem

Das Ensemble Vocal unter der Leitung von Clau Scher-

Marienschrein, die ihm am Fest seiner Kaiserkrönung

rer wird am Tag darauf auch im Zürcher Grossmünster

Jerusalem geschenkt haben soll. Da war das Kleid, das

gastieren, auch diese Kirche soll von Karl gestiftet wor-

Maria in der Weihnachtsnacht trug, eine Windel des

den sein. In Zürich dokumentiert die Ausstellung

Jesuskinds, Christis Lendentuch und das Grabtuch

«Karl der Grosse und die Schweiz» im Landesmuseum

des geköpften Johannes des Täufers. Letzteres können

den aktuellen Stand der Forschung (bis zum 2. Feb-

wir auch im Claustra Son Jon in Müstair bewundern.

ruar 2014). Zur Ausstellung ist ein schwergewichtiges,

Das Gastmahl des Herodes und der Tanz der Salome,

reich bebildertes Buch erschienen, das erstmals um-

die den Johannes enthaupten liess, sind ein berücken-

fassend das karolingische Kulturerbe dokumentiert.

des Paradestück romanischer Wandmalerei.

piz 46 : Winter | Inviern 2013/2014


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Bergbahnen rufen nach Hotelbetten Die Bergbahnen bekamen die Umwandlung von Hotelbetten zu Zweitwohnungen zu spüren. Sie machen sich für den Bau neuer Hotels in einer günstigeren Preisklasse stark, doch nicht immer gelingt es, das Angebot zu steuern.

Text: Andreas Kneubühler Illustration: Irene Meier

E

in Dreistern-plus-Hotel planen die Bergbahnen

beispielsweise: Es braucht mehr Betten zu erschwing-

Engadin St. Moritz Mountains AG auf dem heu-

lichen Preisen. Die Rechnung ist einfach: Den Bahnen

tigen Parkplatz der Signalbahn. Ob und wann

das neue Haus in St. Moritz realisiert wird, ist aller-

dings noch offen. Es ist Teil einer Gesamtplanung, zu

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bringt ein Hotelbetrieb deutlich mehr Gäste als ein Mehrfamilienhaus mit Zweitwohnungen.

der auch die Erneuerung der Signalbahn gehört. Die

Immer weniger Hotelbetten

erste Hürde ist genommen: Ende September wurde ein

Die Entwicklung der letzten Jahrzehnte hat Spuren

Landtausch in einer Abstimmung gutgeheissen. Da-

hinterlassen. Die stetig sinkende Bettenzahl der Ho-

mit steht ein zusammenhängendes Areal von 16’500

tellerie wirkte sich aus: Es gebe Bergbahnen, die auch

Quadratmetern für die Projektierung zur Verfügung.

in der Hochsaison Mühe bekunden, die nötige Auslas-

Neben einem Hotel soll dort angeblich auch die erste

tung zu erreichen, heisst es in der vom Staatssekreta-

Migros im Engadin entstehen.

riat für Wirtschaft (Seco) in Auftrag gegebenen Studie

Auch wenn Bau und Betrieb des neuen Hotels wohl

«Tourismusfinanzierung ohne Zweitwohnungen».

von einem Investor übernommen werden und nicht

Wird nach dem Zweitwohnungsstopp alles anders?

von den Engadin St. Moritz Mountains AG selbst reali-

Die Studie stellt fest, dass das Wachstum aus den Über-

siert wird, könnte dieses Projekt ein Beispiel für eine

nachtungsgästen der Hotellerie und vermieteten

Entwicklung sein, die bisher vor allem herbeigeredet,

Parahotellerie kommen müsste. Bei rund einem Vier-

aber kaum umgesetzt wurde.

tel der Bergbahnen sei vor der Abstimmung über die

Untersuchungen zur Situation in den Tourismusge-

Zweitwohnungen ein Beherbergungsprojekt in Pla-

bieten kommen nämlich immer zum gleichen Schluss:

nung gewesen. Der grösste Teil könnte – mit Anpas-

Die Bergbahnen sollten eine aktivere Rolle einneh-

sungen – weiterverfolgt werden. Ob aus diesen Plänen

men, sie müssten Allianzen eingehen und notfalls mit

aber tatsächlich etwas wird, ist fraglich. Zumindest

eigenen

im

im Oberengadin hat sich die Ausgangslage seit der Ab-

Gästeangebot korrigieren. Für St. Moritz hiesse dies

stimmung nämlich noch kaum verändert. Bauland ist

Hotelprojekten

Fehlentwicklungen

piz 46 : Winter | Inviern 2013/2014


noch teurer geworden. Neue Hotels rentabel zu betrei-

Hotels zusammengeschlossen. Sie kauften zusammen

ben, werde damit noch schwieriger, sagt Markus Meili,

ein und die Gesellschaft organisierte sogar die Nach-

Chef der Oberengadiner Bergbahnen.

folge, wenn niemand aus der Hotelierfamilie den Be-

Geplantes und Gebautes

trieb weiterführen wollte. Letztlich war der Zusammenschluss damit aber überfordert, das Unternehmen

Die Erfahrungen zeigen, dass es neue Projekte schwer

musste die Bilanz deponieren. Eine neu gegründete

haben. 2008 scheiterte eines in Celerina: 300 Betten

GmbH will nun mindestens den gemeinsamen Ein-

waren geplant, als Architekt wäre Mario Botta vorge-

kauf weiterführen.

sehen gewesen. Doch in der Konsultativabstimmung

Das bekanntere Beispiel ist die «Weisse Arena» in

lehnte die Bevölkerung das Vorhaben deutlich ab. In-

Flims /Laax. Dort gehören Bergbahnen, Hotels, Res-

zwischen gibt es im Ort ein Projekt für ein 100-Zim-

taurants und Skischulen zusammen. Verantwortlich

mer-Hotel samt Erstwohnungen, Gewerbeflächen

ist eine einzige Person: Reto Gurtner ist sowohl Mehr-

und einer Tiefgarage, geplant vom Suvretta-House in

heitsaktionär, Verwaltungsratspräsident als auch Vor-

St. Moritz. Auch ein Langlaufzentrum könnte inte-

sitzender der Geschäftsleitung.

griert werden. Für den Neubau an der Via Maistra und der Via del Staziun müsste aber unter anderem das

Abhängig von Investoren

Feuerwehrlokal weichen.

Diese Beispiele lassen sich allerdings nicht kopieren.

Seit 2010 gibt es in Surlej (Silvaplana) ein Projekt, das

Überall sonst ist die Abhängigkeit von den jeweiligen

die Verbindung zwischen Bergbahnen und Hotellerie

Investoren gross. Das zeigt auch das Beispiel Scuol.

augenfällig umsetzt: das «Nira Alpina», direkt neben

Hier verkauften die Bergbahnen die Parzelle des frü-

der Talstation der Corvatschbahn gelegen. Für die Ho-

heren Hotels «Engadinerhof». Zuerst plante ein öster-

telgäste gibt es einen direkten Verbindungsgang zu

reichisches Konsortium ein Cube-Hotel. Inzwischen

den Gondeln in der Talstation. Doch Hotel und Bahn

übernahm der italienische Investor Marcello Cerea. Er

gehören nicht zusammen. Die mehrheitlich der Niar-

plant ein Hotel und Apartments für 200 Millionen

chos-Stiftung gehörende Corvatschbahn hatte das

Franken. Als Betreiber wurde das deutsche Unterneh-

Projekt zwar ausgewählt, das Grundstück dann aber

men Travel Charme Hotels & Resorts vorgestellt. Im

an einen Immobilieninvestor verkauft. Unter dem

Herbst 2013 haben die Bauarbeiten begonnen.

Namen «Alpine Rock» verzeichnete das Hotel zuerst

Wie sich die Situation weiterentwickeln wird, bleibt

einen Fehlstart. Bereits nach einem halben Jahr kam

abzuwarten. Es gibt Ansätze von Kooperationen, die

es zu einem Besitzerwechsel. Seither ist die in London

über die Gratis-Skipässe hinausgehen, die ab einer be-

domizilierte Nira Hotels & Resorts am Ruder.

stimmten Anzahl Übernachtungen abgegeben wer-

Die Frage, ob jeweils die richtigen Hotelprojekte ge-

den. Die Oberengadiner Bergbahnen besitzen mit den

baut werden – ein weiteres Vorhaben gibt es in Pontre-

Betrieben auf der Diavolezza, auf dem Muottas Muragl

sina beim Sportpavillon – ist eher müssig. Die Wün-

und mit der Inn-Lodge in Celerina drei Hotels. Offen

sche der Bergbahnen sind kaum entscheidend. Es gibt

ist, ob die Bahnen in bewirtschaftete Zweitwohnun-

in der Schweiz nur zwei Beispiele von Tourismusorten,

gen investieren, denn die bringen vielleicht mehr

in denen enge Kooperationen auch wirklich umge-

Gäste als Luxus-Hotels, in denen vor allem ältere

setzt wurden: In Grächen (VS) hatten sich 2006 sieben

Gäste logieren, die sich mit Spaziergängen begnügen.


piz : Publireportage

«Best Service» im Private Banking – Erfolgsfaktor Bündner Mentalität Bodenhaftung, Gradlinigkeit und Bescheidenheit zeichnen die Bündner Mentalität aus. Das sind drei Eigenschaften, die gerade auch in der Finanzwelt wieder an Bedeutung gewinnen. Dies ist wohl mit ein Grund, wieso sich immer mehr Kunden für das Private Banking der Graubündner Kantonalbank (GKB) entscheiden. bestmögliche

Private Banking bereits Bestnoten. Dafür sind

Performance und vor allem Lösungen aus ei-

wir sehr dankbar, denn es bestätigt unseren

ner Hand, wenn es um seriöse Anlagebera-

«Best Service»-Ansatz. Wir setzen täglich alles

nen

Interview mit Marco Sacchet, Leiter Private Banking & Institutionelle

und

Kunden

die

tung und Vermögensverwaltung geht. Unser

daran, hohe Erwartungen in jeder Beziehung

Geschäftsmodell ist nicht auf Spekulation

zu übertreffen. Gerade wer uns neu kennen

ausgerichtet. Wir legen grossen Wert auf eine

lernt, ist oft überrascht. Wir halten nicht nur,

ausgeglichene Risikopolitik und sorgen in der

was wir versprechen, sondern setzen in der

Beratung bewusst für Transparenz – die Basis

Leistung eben gerne noch einen drauf, wenn

für Vertrauen.

es um das persönliche Engagement für unsere Kundinnen und Kunden geht.

Marco Sacchet, Bündner Mentalität und Private Banking – was soll daran speziell sein? Die Bündner Mentalität ist bekannt für ihre Bodenhaftung, Gradlinigkeit und gesunde Bescheidenheit. Das sind drei Eigen-

VERTRAUEN IST ENTSCHEIDEND, DENN BANKGESCHÄFTE SIND VERTRAUENSGESCHÄFTE.

Bei aller Sympathie für dieses Engagement «in den Bergen»: Geht die Post nicht an den internationalen Finanzplätzen ab? Wir leben in den Bergen, aber nicht hinter dem Mond. Oft sieht man aus der Höhe und Distanz

schaften, die gerade auch in der Finanzwelt

vieles sogar klarer. Entscheidend ist die Kom-

wieder an Bedeutung gewinnen. Wir sehen

Vertrauen – ein überstrapaziertes Wort

den Tatsachen einfach gern ins Auge und

heute? Im Gegenteil, vor dem aktuellen Hin-

petenz, mit ruhiger Hand rechtzeitig die richti-

beraten schnörkellos und möglichst nachhal-

tergrund ist es wichtiger als je zuvor. Bankge-

gen Schlüsse zu ziehen und Entscheide zu

tig – nicht, weil Vernunft im Trend liegt, son-

schäfte sind Vertrauensgeschäfte. Vertrauen

fällen. Da sind wir stark, wie uns internationale

dern weil sie unserer Identität entspricht.

ist und bleibt die Basis für jede funktionierende

Gäste immer wieder bestätigen. Bündnerin-

Beziehung und setzt gegenseitige Transpa-

nen und Bündner werden überall geschätzt,

Was verstehen Sie unter Bodenhaftung?

renz voraus. Da machen wir keine Kompro-

übrigens auch wegen ihres gesunden Men-

Das hat mit der Weltanschauung zu tun. Wir

misse. In Graubünden ist man es gewohnt,

schenverstandes. Genau für diesen stehen wir

sehen die internationalen Veränderungen,

Dinge anzusprechen.

ein – mit dem Bewusstsein einer wunderschö-

Schweiz und befassen uns mit den Auswir-

Das hört sich alles gut an. Aber führen der

der Finanzwelt mit gesunden Massstäben

kungen in und für Graubünden. Und hier gibt

Regionalbankcharakter und die erwähnten

gern repräsentieren. Die Messlatte bleibt die

man sich mit Halbwahrheiten und Oberfläch-

Bündner Tugenden nicht vor allem zu Un-

Zufriedenheit unserer Kundinnen und Kunden.

lichem bekanntlich nicht zufrieden. Mit die-

terschätzung im Private Banking? Die

Hier scheuen wir keinen Vergleich. Nehmen

sem Anspruch suchen wir für unsere Kundin-

Bündnerinnen und Bündner erteilen uns im

Sie uns beim Wort und fordern Sie uns heraus.

nen und weltbekannten Bergregion, die wir in

analysieren deren Konsequenzen für die


Ihr Kontakt: Graubündner Kantonalbank Via Maistra 1 7500 St. Moritz Christoph Raschle Leiter Region St. Moritz Tel +41 81 837 02 01 christoph.raschle@gkb.ch www.gkb.ch/pb

Hans Christian Gut, Jole Pozzoli, Marianna Mosca und Christoph Raschle beraten Sie gerne.

Christoph Raschle, Sie sind Leiter Region

wenn sie zur Anlagestrategie des Kunden oder

der Welt? Nein, gerade wenn sich die Ereig-

St. Moritz. Sind Offenheit und gegenseiti-

der Kundin passt. Die Strategie ist abhängig

nisse heute überstürzen, wird überlegtes und

ges Vertrauen mehr als ein hohles Lippen-

von der Risikobereitschaft und -fähigkeit. Risi-

konsequentes Handeln mit ruhiger Hand

bekenntnis? Aber sicher. Offenheit bedeutet

koprofil und Anlagestrategie werden im Bera-

wichtiger – gerade auch im Anlagegeschäft.

für die Bank, transparent in den Anlageent-

tungsgespräch sorgfältig erarbeitet. Anschlies-

Gemäss Untersuchungen hängt Anlageerfolg

scheiden und klar in den Titelempfehlungen zu

send empfehlen wir unserer Kundschaft, ein

tatsächlich zu rund 80 Prozent von der richti-

sein, aber auch Chancen und Herausforde-

Vermögen nach dem bewährten «Core Satel-

«OFFENHEIT UND VERTRAUEN» DAS FUNDAMENT FÜR NACHHALTIGEN ERFOLG.

chen. Vertrauen bedeutet aus Kundensicht, sich blind darauf verlassen zu können, dass unsere Bankberaterinnen und -berater das anvertraute Vermögen genau so sorgfältig und verantwortungsvoll verwalten wie ihr Privatver-

zung mit der eigenen subjektiven Risikobereitschaft und der eigenen objektiven Risikofähigkeit. Hier ist gute Beratung entscheidend, denn sie vermeidet persönliche Unter- oder Überschätzung. Nur ein realistisches Risikoprofil führt zu nachhaltigem Anlageerfolg.

mögen. Genau das ist unser Ansatz. Dabei setzen wir auf solide Private-Banking-Dienst-

gen Strategie ab. Entsprechend lohnt sich für Kundinnen und Kunden die Auseinanderset-

rungen im Kundengespräch offen anzuspre-

lite» Ansatz zu strukturieren. Damit sorgen wir

leistungen und betreiben bewusst kein speku-

für eine optimale Diversifikation und Gewich-

Worauf würden Sie selbst Wert legen in

latives Investment Banking: Wir empfehlen nur,

tung der Anlagen im Sinne der individuell ver-

diesem Zusammenhang? Bankgeschäfte

was wir selbst verstehen. Das bringt nachhal-

einbarten Anlagestrategie. Nur wer eine Stra-

sind Vertrauenssache und damit geprägt von

tigen Erfolg.

tegie hat, hat langfristig Erfolg, da sind wir

den Menschen, die sie betreuen. Nebst einer

überzeugt.

hohen Beratungskompetenz ist für mich ge-

fehlung» von einer unklaren? Klar und

Beissen sich «Strategie» und «langfristiger

auch für mich als Mensch interessiert, und

nachvollziehbar ist eine Titelempfehlung dann,

Erfolg» nicht mit der heutigen Kurzlebigkeit

nicht einfach nur für mein Vermögen.

nauso wichtig, dass sich der Kundenberater

Was unterscheidet eine «klare Titelemp-

BÜNDNER PRIVATE BANKING MIT BESTNOTEN.

trifft voll und ganz zu

trifft überhaupt nicht zu

trifft voll und erfolgreich ganz zu

erfolgreich

professionell

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zukunftssicher innovativ

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kompetent Hypotheken

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kompetent Anlagen

kompetent Vermögen

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trifft überhaupt nicht zu GKB GKB

andere Banken

andere Banken

Quelle: VSKB-Studie 2012

Gemäss jüngster Markenindex-Studie erhält auch unser Bündner Private Banking Bestnoten in Graubünden. Sie fragen sich, weshalb? Weil Bündner Mentalität selbst eine entscheidende Rolle spielt. Wir sind gerne Bündner und stolz auf unseren Kanton. Bodenhaftung, Gradlinigkeit und Bescheidenheit zeichnen unsere Mentalität aus – auch im Private Banking.


Zwei Regionen unter ein Dach Steivan Pitsch ist Regionalentwickler für das Oberengadin, das Bergell und das Puschlav. Andrea Gilli kümmert sich um das Unterengadin, ums Val Müstair und Samnaun. Sie erklären, wozu es Regionalentwickler braucht, und fragen sich, ob ein gemeinsames Büro besser wäre.

Interview: Jürg Wirth Fotos: Daniel Martinek

piz: Steivan Pitsch und Andrea Gilli, was haben Sie als

A.G.: Der Regionalentwickler muss das Entwicklungs-

Letztes entwickelt?

potenzial in einer Region erkennen und ein Netzwerk

Steivan Pitsch (S.P.): Eingereicht wurde gerade ein

schaffen, um die Kommunikation innerhalb der Re-

touristisches Projekt mit dem Titel «Bernina Glacier».

gion zu fördern.

Abgegeben haben wir das Bewerbungsdossier für das

S.P.: Vom Kanton haben wir den Auftrag, die Neue Re-

nationale Schneesportzentrum in S-chanf.

gionalpolitik (NRP) des Bundes und des Kantons um-

Andrea Gilli (A.G.): Das Konzept für eine «Trainings-

zusetzen. Dazu kommt die Vernetzung vor Ort, eine

zelle Ski Alpin» in Zusammenarbeit mit Samnaun und

«Spürhundfunktion».

mit dem dortigen Skigebiet. Da gehts darum, dass man den ganzen Spitzensportbereich für alpine Läu-

Stichwort «Entwicklungspotenzial»: Das Oberengadin, Ber-

fer überarbeitet und versucht, zusammen mit SwissSki

gell und Valposchiavo haben 60'000 Franken für Projekte

ein neues Konzept zu entwickeln.

zur Verfügung. Für das Unterengadin sind es 80'000 Fran-

Wenn Sie in zwei Sätzen Ihre Aufgaben beschreiben müss-

A.G.: Die Gelder haben mit dem Potenzial im engeren

ten, was würden Sie sagen?

Sinn nicht viel zu tun. Die Zuteilung erfolgt nach pro-

ken. Ist das Unterengadin die grössere Entwicklungsregion?

Steivan PitSch (*1978) ist seit September 2012 Regionalentwickler für das Oberengadin, das Bergell und das Puschlav. Geboren und aufgewachsen in Zuoz, hat er an der Uni Zürich Betriebswirtschaft studiert und danach als Unternehmensberater gearbeitet.

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piz 46 : Winter | Inviern 2013/2014


jektbezogenen Kriterien. Wir leisten ja bloss eine ge-

kann ein Betrieb gedeihen, wo nicht. Da fallen dann

wisse Anschubfinanzierung, zum Beispiel für Kleinst-

zum Teil harte Entscheide. Grundsätzlich geht es bei

hotels, die einen weiteren Schritt machen müssen.

diesen Projekten immer um eine Restfinanzierung.

Wenn ich selber etwas an die Hand nehme, muss ich so flexibel sein, dass ich nicht bei allen Institutionen

Aber konkret, wofür gibt es denn Geld?

um Geld betteln muss. Ein Regionalentwickler muss

A.G.: Es gibt Darlehen für gästerelevante Investitionen.

aktiv auf das Potenzial zugehen. Er kann nicht warten,

Wenn ich Zimmer oder Nasszellen saniere.

bis das Potenzial auf ihn zukommt. Stellen auch Oberengadiner Hotels Finanzierungsgesuche? Kommen Sie mit 60'000 Franken durch im Oberengadin?

S.P.: Von einzelnen Hotels sind Anfragen gekommen,

S.P.: Ja, denn 60'000 Franken stehen uns aus dem Re-

allerdings sind uns da etwas die Hände gebunden,

gionalentwicklungsfonds (Beiträge des Oberengadins,

weil einzelbetriebliche Förderung gemäss Wirt-

des Bergells und des Valposchiavo) zur Verfügung. Da-

schaftsförderungsgesetz nicht erlaubt ist.

mit können wir eine sogenannte Seed-Finanzierung sicherstellen, das sind Unterstützungen im Bereich

Tourismus ist die wichtigste Wirtschaftsbranche im Enga-

Businessplan oder Machbarkeitsstudien. Wenn diese

din. Welche Bereiche fördern Sie denn sonst noch?

Grundlagen gelegt sind, gibts NRP-Gelder. Mit dem

A.G.: Das Projekt «Gesundheitsregion Nationalparkre-

NRP-Programm 2012–2015 stehen dem Kanton insge-

gion», an dem das Bad in Scuol und das Spital Engia-

samt 47,5 Millionen für vier Jahre zur Verfügung.

dina Bassa beteiligt sind. Dort geht es darum, Produkte zu schaffen, mit denen touristisch Mehrwert

Wir treffen uns hier in einem Kleinsthotel in Brail. Andrea

erzielt werden kann. Zum Beispiel im Reha-Bereich

Gilli hat gesagt, dass es für solche Betriebe Gelder gibt. Wie

oder

werden die konkret unterstützt?

Mensch und Tier. Es geht auch um die Sicherung und

mit

gesundheitsrelevanten

Produkten

für

A.G.: Am Anfang steht immer die Analyse der Gesell-

Schaffung von Standorten in der Region.

schaft für Hotelkredit. Sie sagt, ob ein Projekt machbar ist oder nicht, ob es sinnvoll ist oder nicht. An-

Und was tut sich im Oberengadin neben dem Tourismus?

schliessend arbeiten wir zusammen mit Banken und

S.P.: Auch im Oberengadin kommt aus dem Touris-

anderen Stellen weiter. Es geht dann um die Frage, wo

mus die grösste Wertschöpfung. Da liegt es auf der

andrea Gilli (*1955) stammt ebenfalls aus Zuoz und ist seit Anfang 2011 Regionalentwickler für das Unterengadin, Val Müstair und Samnaun. Zudem betreut er die Interreg-Projekte mit den benachbarten Regionen Südtirol (Vinschgau) und Nordtirol (Oberes Gericht). Gilli bringt zahlreiche berufliche Erfahrungen aus dem Tourismus und der Gemeindepolitik mit.

piz 46 : Winter | Inviern 2013/2014

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Hand, dass es im Bereich Bildung um Projekte im Bil-

nungsbestand. Im Oberengadin ist er schon heute re-

dungstourismus geht – aber ebenfalls um den Gesund-

lativ hoch. Auch im Unterengadin ist er spürbar, und

heitstourismus. Ausserdem versuchen wir Betriebe

das wird sich auf die Wohnungspreise auswirken.

anzusiedeln und stellen dafür Flächen und Infrastruktur zur Verfügung. Wir möchten Public-Private-

Die Wohnungspreise und Mieten müssten also sinken?

Partnership-Projekte initiieren.

A.G.: Ja, wenn der Markt funktioniert. Wenn man die Preise künstlich hochhält, haben wir die Problematik

Wird das einfacher nach der Annahme der Zweitwoh-

nach wie vor. Mir ist klar, dass wir vom Tourismus le-

nungsinitiative?

ben, aber trotzdem müssen wir Alternativen suchen –

S.P.: Die hohen Wohnkosten im Oberengadin haben

gerade nach dem Zweitwohnungs-Gau. Wir müssen

bisher tatsächlich Ansiedelungen erschwert. Aber wir

den Schwund auffangen. Ich sehe Möglichkeiten bei-

haben das Problem, dass die Baubranche im Oberen-

spielsweise im Bildungstourismus. Das Wissen, das im

gadin in den letzten Jahren sehr stark gewachsen ist.

Unterland gebraucht wird, kann man sich hier oben

Parallel dazu ist die Zahl der Beschäftigten im Gastge-

in perfekter Kulisse aneignen.

werbe zurückgegangen. Die Frage ist, in welchem Bereich wir in Zukunft mit einer Erhöhung der Beschäf-

Was, wenn es keine Regionalentwickler gäbe?

tigung rechnen können.

A.G.: Die Frage ist für mich eine andere: Braucht es den Regionalentwickler in der jetzigen Form?

Und welcher Bereich könnte das sein? S.P.: Es muss der Tourismus sein. Wir haben dort ein

Und, braucht es ihn?

weltweit einmaliges Know-how. Jede zwanzigste Ho-

A.G.: Ich bin je länger, desto mehr der Meinung, dass

telübernachtung in der Schweiz wird im Oberengadin

es den Regionalentwickler braucht, denn wenn es

generiert. Durch die Zweitwohnungsinitiative wer-

nach den Plänen des Kantons geht und die Regionen

den wir in der Baubranche Arbeitsplätze verlieren.

enger zusammenwachsen sollen, braucht es eine Ko-

Jetzt geht es darum, durch Innovationen im Touris-

ordination bei den Strukturbereinigungen. Es wird

mus wieder Arbeitsplätze zu schaffen.

Veränderungen geben und die werden zum Teil

A.G.: Durch die Abwanderung, die jetzt stattfinden

schmerzhaft sein. Der Regionalentwickler kann aus

wird, kommt es relativ schnell zu einem Leerwoh-

seiner relativ neutralen Position hier vermitteln.

Arbeiten sie bald im gemeinsamen Büro? Steivan Pitsch, (l.) und Andrea Gilli (r.).

50

piz 46 : Winter | Inviern 2013/2014


und was möchten Sie unbedingt noch durchbringen?

geld. «Buhmann» ist er immer, denn es ist

A.G.: Freude habe ich an der Weiterent-

einfach zu sagen, der Regionalentwickler

wicklung der Ernährungswirtschaft im

ist schuld, obwohl er selber nicht sehr viel

Val Müstair in Zusammenarbeit mit der

entscheidet. Aber er kann vieles beeinflus-

Biosfera. Zudem freut mich die Entwick-

sen, wenn er es richtig macht.

lung der Clinica Holistica Engiadina in

S.P.: Die Frage nach der Notwendigkeit der

Susch sehr. Wir möchten unbedingt das

Regionalentwickler ist ja schon oft gestellt

Wirtschaftsforum der Nationalparkregion

worden. Es braucht ihn, weil er eine Schar-

weiterentwickeln. Daraus soll ein Think-

nierfunktion hat, die andernorts selbstver-

Tank entstehen, der strategisch überlegt,

ständlich ist, etwa in der Waldwirtschaft.

wohin die Reise führt. Und es gibt das ehr-

So wie es die Koordination durch den Förs-

geizige Projekt, das Unterengadin / Val

ter braucht, braucht es für die Wirtschaft

Müstair im Bereich Bildung und Wissen

den Regionalentwickler.

auf Vordermann zu bringen. Wir haben

ALASKA IM JULI

nicht zum «Buhmann»? A.G.: Dafür bekommt er ja ein Schmerzens-

GEFISCHT

Zum Schluss: Welches ist Ihr liebstes Projekt

GEJAGT

Wird der Regionalentwickler in diesem Prozess

turpolitik alles auf Sie beide zu?

nalparkregion muss als Wissensregion ge-

A.G.: Die Gemeinden werden mehr Aufga-

stärkt werden.

ben übernehmen müssen und gerade im Bereich Wirtschaft könnten die Regional-

Und wie sieht die Bilanz im Oberenagdin aus?

entwickler die Gemeinden entlasten. Es

S.P.: Stolz bin ich auf den Think-Tank

braucht deshalb mindestens zwei Stellen

Oberengadin. Er besteht aus 20 Leuten.

für Südbünden. Im benachbarten Tirol ar-

Wir haben versucht, konkrete Projekte zu

beiten im Kreis «Oberes Gericht» sechs Re-

bearbeiten. Ein wichtiges Thema ist auch

gionalentwickler.

das Centro Tecnologico del Legno in Po-

S.P.: Man könnte die Regionalentwickler

schiavo. Das neuste Dossier ist das natio-

sogar zur Vertretung des Kantons in den

nale Schneesportzentrum im S-chanf. Im

Regionen aufwerten, die sich mit mehr als

Puschlav geht es um die Vermarktung von

nur NRP-Projekten beschäftigen.

lokalen Produkten und um touristische Angebote. Im Bergell suchen wir nach Flä-

Also fast wie ein Minister?

chen für Firmenansiedlungen. Da wollen

A.G.: Eher als eine Art «Speerspitze». Im

wir als «One-Stop-Shop» alles aus einer

Münstertal existieren bereits Projekte aus

Hand anbieten.

dem Bereich Landwirtschaft. Um sie zu fördern, braucht es Leute, die wissen, wie

Sie arbeiten beide noch in Ihren begrenzten

die Region tickt.

Territorien. Wird das so bleiben? S.P.: Mein Ziel ist es, alle fünf Regionen, in

Dann sind Sie oft an Apéros und Veranstaltun-

denen wir tätig sind, an einen Tisch zu be-

gen, um zu erfahren, wie die Region tickt?

kommen. Gemeinsam erreicht man mehr,

A.G.: An Apéros weniger, aber oft an Veran-

um Südbünden zu stärken.

staltungen. Wir reden viel mit Gemeindebehörden, Unternehmern, Bauern oder

Dann braucht es vielleicht ein zentrales Büro?

Schulleitern. Die Palette ist sehr, sehr breit.

A.G.: Das kann sein. Wir arbeiten zwar sehr

Die Aufgabe des Regionalentwicklers ist in-

gut zusammen, aber jeder hat bisher sei-

teressant, aber bis jetzt noch zu eindimen-

nen Perimeter. Die Wirtschaft aber kennt

sional bezogen auf die Regionalpolitik.

keine solchen Grenzen. Deshalb meine ich,

S.P.: Das Ganze ist aber auch noch ein jun-

die Regionalentwicklung muss unter ein

ges Programm. Die Effizienz kann noch ge-

Dach. Das müssen wir in den nächsten

steigert werden.

zwei Jahren anstreben.

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ten unterstützt wird, aber die ganze Natio-

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piz 46 : Winter | Inviern 2013/2014

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Die ganze Welt in einem Dorf Die Vereinigung der ehemaligen Schülerinnen und Schüler am Lyceum Alpinum in Zuoz wächst Jahr für Jahr. Während die einen die Welt erkunden, bereichern andere die Heimat – aus den Augen verliert man sich jedoch selten.

Text: Corinne Riedener Fotos: zVg

S

chülerinnen und Schüler sitzen auf den Trep-

tern weiter «vererbt» wird, sollte der Nachwuchs von

pen vor dem Eingang und stecken die Köpfe in

Ehemaligen ebenfalls in Zuoz lernen. Die mit Abstand

Bücher und Hefte – wie bereits Hunderte vor ih-

wichtigste Gemeinschaft am Lyceum ist aber der

nen, denn 2014 feiert das Lyceum Alpinum, die inter-

«Zuoz Club», die Vereinigung der ehemaligen Schüle-

nationale Internatsschule in Zuoz, ihren 110. Ge-

rinnen und Schüler. Der Club wurde vor über 90 Jah-

burtstag. Als die Schule 1904 von fünf Engadinern ge-

ren in München gegründet und ist mit über 3000 Mit-

gründet wurde, besuchten gerade einmal 22 junge

gliedern das bis heute bedeutendste Netzwerk des

Männer das Institut. Heute sind es über 200 Internats-

Lyceums, mit eigenem Medium, der «Zuoz Zeitung»,

schülerinnen und -schüler aus 34 Nationen und wei-

die sowohl über das aktuelle Schulleben als auch über

tere 100 Jugendliche, die in der Umgebung wohnen.

den Club berichtet.

Ihre Vorgängerinnen und Vorgänger spielen dennoch

52

eine wichtige Rolle – sowohl für die heutigen Schüle-

«Old Boys» und «Young Girls»

rinnen und Schüler als auch für die Schule, die Region,

Die sogenannten «Old Boys» und die – schmeichel-

den Kanton – oder gar den Rest der Welt.

hafter – «Young Girls», die Ehemaligen, leben in der

Der burgähnliche Bau des Lyceums – inklusive Kran-

ganzen Welt zerstreut. Einige sind als einheimische

kenflügel – erinnert nicht nur von aussen an «Hog-

Jugendliche im Engadin aufgewachsen, andere waren

warts», die Schule des Zauberlehrlings Harry Potter.

Internatsschüler. Den meisten ist es wichtig, die

Im Eingangsbereich vor dem Zuozer Schulleitungs-

Freundschaften aus ihrer Jugend zu pflegen und sich

büro hängen auch heraldische Tafeln, die für die drei

auch für den Nachwuchs am Lyceum einzusetzen.

Haus-Gemeinschaften stehen: Helvetia, Orania und

«Grundgedanke war der Zusammenhalt und das ge-

Teutonia, ähnlich wie die Hogwarts-Häuser in den Ro-

meinsame Sporttreiben», weiss Curt Schmitt, ein Old

manen von J.K. Rowlings. Alle, die in Zuoz zur Schule

Boy, der ursprünglich aus Deutschland stammt und

gehen und gingen, gehören einer dieser Gemein-

heute in Zuoz Geschichte und Politik unterrichtet.

schaften an, deren Mitgliedschaft auch familienin-

«Erst später wurde der Zuoz Club zum Netzwerk, das er

piz 46 : Winter | Inviern 2013/2014


heute ist.» Massgebendste Veränderung der letzten

wo er im Immobilienbereich tätig ist. Zuoz-Club-Vize-

1–4 Old Boys treffen sich seit

Jahrzehnte seien die Frauen, welche im Internat erst

präsidentin Bettina Schlumpf ist beruflich Assistentin

Jahrzehnten zweimal jährlich

seit 1991 zugelassen sind. «Früher war der Zuoz Club

des CEO von Graubünden Ferien und ihr Vizepräsi-

in Zuoz zum Sport und zum ge-

eine Männergesellschaft. Mit den ‹Young Girls› wurde

dent-Kollege Philipp Bächstädt arbeitet als Fernseh-

selligen Zusammensein.

er um einiges bunter», sagt Schmitt.

journalist bei RTL.

Der Zuoz Club will Generationen verbinden, den

Heute existieren 19 Regionalgruppen des Zuoz Club,

Nachwuchs fördern. Automatisch einen hochbezahl-

verteilt über die ganze Welt. Die Mitglieder treffen

ten Job erhalte man dank des Netzwerks aber nicht,

sich regelmässig – unter anderem in London, Padua

stellt Schmitt fest: «Ältere Mitglieder des Zuoz Club

oder New York –, um gemeinsam etwas zu unterneh-

können zwar unter Umständen Türen öffnen, hin-

men. So liest man in der «Zuoz Zeitung» zum Beispiel

durchgehen muss man allerdings selber.» Und er ver-

vom Weihnachtstreff der Regionalgruppe Berlin oder

weist auf den Sport: Hier zeige sich oft der wahre Cha-

vom Wiesn-Trip in München. Die «Zuoz Zeitung» ist das wichtigste Mitteilungsorgan der Schule und ihrer

rakter eines Menschen.

Golf und Cricket – aber ein Club für alle

Ehemaligen. Mit einer Auflage von über 3000 Exemplaren erreicht sie fast alle Ecken der Welt und wird bis

Im Zuoz Club will man sich vom elitären «Vasella-

nach Südamerika, Australien und China verschickt.

Image» distanzieren. Es werden ausdrücklich alle in-

Und viele der Leserinnen und Leser kommen auch im-

teressierten Ehemaligen aufgenommen, egal aus wel-

mer wieder gerne an ihren einstigen Schulort zurück.

chem Elternhaus sie stammen. Man sei sich aber bewusst, dass viele der Internatsschülerinnen und

Nachhaltig für die Region

-schüler aus finanziell bessergestellten Familien stam-

«Der Club hat grosse Bedeutung für unsere Region.

men. Darum lege man bereits während der Schulzeit

Viele kommen zurück und kaufen sich Wohnungen,

und danach auch im Club grossen Wert auf das Be-

bauen Häuser oder verbringen ihre Ferien im Enga-

wusstsein für die gesellschaftliche, ökologische und

din», bewertet Vizepräsidentin Bettina Schlumpf die

ökonomische Verantwortung, kommentiert Schmitt.

wirtschaftliche Bedeutung. Bei den beiden grossen

«Ölpreise,

Klimaverände-

Sportevents füllen die Ehemaligen die Hotels. Zuoz sei

rung oder auch die Schuldenkrise werden bei uns im-

Bevölkerungswachstum,

vielen eine Art zweite Heimat geworden, wo man sich

mer wieder diskutiert.»

dank der aus der Region stammenden Schülerinnen

Das wichtigste verbindende Element aber bleibt der

und Schüler auch mit der Talschaft wunderbar ver-

Sport. Zweimal pro Jahr trifft man sich in Zuoz: im

stehe. «Fernab von Reichtum, Glamour und St. Mo-

September zu den Summer Games mit Golf, Fives, Cri-

ritz», ergänzt Philipp Bächstädt. Und es gibt auch Ehe-

cket und Fussball und bei den Winter Games zum Rie-

malige, die in der Region arbeiten.

senslalom und Eishockey. Die sportlich gebliebenen

Gut möglich, dass jene Schülerinnen und Schüler von

Old Boys und Young Girls messen sich dann mit den

heute morgen schon aufbrechen und ihr Glück in der

Teams der Schule. «Nicht nötig zu sagen, dass an die-

grossen Welt machen. Ein Motto des Zuoz Club heisst:

sen Anlässen jeweils eine ganz eigene Stimmung

«Was in Zuoz passiert, bleibt in Zuoz.» So ganz stimmt

herrscht», stellt der Präsident des Zuoz Club, Filippo

das natürlich nicht, denn Spuren aus Zuoz finden sich

Variola, fest. Ihn hat es nach Lausanne verschlagen,

fast überall auf der Welt.

piz 46 : Winter | Inviern 2013/2014

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Was lebt unter der Schneedecke? Schnee fällt nur, wenn es kalt ist. Aber eine dicke Schneedecke bietet vielen Tieren, vor allem den Mäusen, Schutz vor der Witterung und den Feinden. Dort, wo der Schnee lange liegen bleibt, leben viele Mäuse – ein Forschungsbericht von der Alp Flix. Text: Jürg Paul Müller und Christian Marchesi, Illustration: Konrad Kunz

56

piz 46 : Winter | Inviern 2013/2014


W

ährend dreier Sommermonate stellten wir

Haut appliziert wurde, individuell unterscheiden

zwischen 2100 und 2500 m ü.M. jede Woche

konnten, sind wir sicher, dass sie in diesen Höhen

hundert Lebendfallen auf und kontrollier­

nicht nur Sommergäste waren, sondern dort auch

ten diese mehrmals täglich – bei Wind und Wetter.

überwinterten.

Tierliebenden Zoologen fällt es nicht schwer, das Ge­

Offenbar sind die Lebensbedingungen unter der

setz über Tierversuche einzuhalten. Sie tun alles, da­

Schneedecke recht gut. Kleine Säugetiere können in

mit die Tiere überleben, und rüsten die Fallen mit ei­

den Hohlräumen leben, die sich zwischen der Schnee­

nem Futtermix – vom Hackfleisch über Nagerkörner

decke und dem Boden bilden, oder sich auch selber die

bis zum Apfelstück – und mit reichlich Nistmaterial.

notwendigen Gänge graben. Auch entlang der Bäche

Die Mäuse gehen nicht nur wegen des Futters in die

bilden sich grosse Schneehöhlen. Unter der Schnee­

Fallen, sondern inspizieren ganz einfach jedes Loch.

decke sind die kleinen Säugetiere vor fast allen Fein­

Es könnte ja auch ein Konkurrent darin hausen!

den gut geschützt, vor allem vor den Raubvögeln wie

Der Erfolg war überraschend. Nicht weniger als vier

etwa dem Turmfalken. Einzig das kleine Mauswiesel

Arten von Spitzmäusen, die zu den Insektenfressern

vermag ihnen in ihre Gänge zu folgen.

gehören, und fünf Arten von kleinen Nagetieren gin­

Das Mikroklima ist unter der Schneedecke vergleichs­

gen in die Fallen. Maus ist ja nicht gleich Maus. Im

weise günstig. Diese schützt vor den eisigen Winden,

Deutschen bezeichnen wir alle kleinen, flinken grau­

denen grössere Tiere wie der Schneehase oder der

braunen Säugetiere mit Maus. Aber die Spitzmäuse

Steinbock ausgesetzt sind. Studien haben gezeigt, dass

mit ihren scharfen Zähnen und einem richtigen

die Mäuse unter einer geschlossenen Schneedecke

Fleischfressergebiss und die Nagetiere, die sich vor­

viel besser überleben als in Gebieten, wo Schnee, Tau­

wiegend von Pflanzen ernähren, sind miteinander so

wetter, Regen und danach wieder neuer Schnee dau­

nahe verwandt wie ein Fuchs und ein Steinbock. Die

ernd wechseln. Was wir Zoologen nicht so richtig ver­

Wasserspitzmaus zum Beispiel sucht ihre Nahrung

stehen, ist die Frage, warum die Tiere hier genügend

auch unter Wasser und taucht schon mal im rauschen­

Sauerstoff finden und nicht unter einer hohen Kon­

den Gebirgsbach, um einige Bachflohkrebse zu fan­

zentration des Kohlendioxides leiden, das bei der At­

gen. Auch die Alpenspitzmaus hält sich gerne in Ufer­

mung abgegeben wird.

nähe auf, denn dort leben viele wirbellose Kleintiere wie Würmer und Schnecken. Die kleinste einheimi­

Auf Futtersuche unter der Schneedecke

sche Spitzmaus ist keine fünf Gramm schwer und da­

Wo finden die Tiere ihr Futter? Fressen müssen sie ja,

mit noch leichter als ihre weit verbreitete Verwandte,

denn keine der aufgeführten Arten macht einen Win­

die Waldspitzmaus. Beide leben auf der Alp Flix noch

terschlaf! Die Spitzmäuse haben ihren Energiebedarf

hoch oberhalb der Waldgrenze.

durch die Reduktion der gesamten Körpermasse – ein

Nicht unerwartet war die Häufigkeit der Schneemaus,

wenig bekanntes Phänomen – reduziert, müssen aber

einer Spaltenbewohnerin, die gerne in Blockfeldern

immer noch Jagd auf wirbellose Tiere machen, die sie

lebt, und der Feldmaus, die ihren Bau in Wiesen und

offenbar in genügender Zahl finden. Dank ihrer gerin­

Weiden anlegt. Die Kleinwühlmaus ist selbst vielen

gen Körpergrösse finden sie unter der Schneedecke ein

Zoologen nicht einmal dem Namen nach bekannt. Sie

riesiges Labyrinth von Höhlen und Gängen, die sie auf

wird in diesen Gebirgslagen regelmässig beobachtet.

der Nahrungssuche durchstöbern können.

Knapp über der Waldgrenze wurden mit der Alpen­

Reichlich Nahrung fällt auch für die Pflanzenfresser

waldmaus und der Rötelmaus auch zwei Arten festge­

nicht an. Eigene Beobachtungen haben gezeigt, dass

stellt, die üblicherweise im Wald vorkommen.

unter der Schneedecke viel Grünmasse erstaunlich

Schnee schützt und gibt warm

lange erhalten bleibt, da der Schnee auch vor der Aus­ trocknung schützt. Feld­, Kleinwühl­ und Schnee­

Ob Insektenfresser oder Nagetier: Erstaunlich war,

mäuse graben in der bodennahen Schneeschicht Tun­

dass nicht weniger als neun Arten von kleinen Säuge­

nel und Gänge. Durch sie gelangen sie zur pflanzlichen

tieren oberhalb der Waldgrenze vorkamen. Einige Ar­

Nahrung. So erreichen sie unter dem Schutz des

ten, so besonders die Schneemaus, die Feldmaus und

Schnees auch offene Flächen, wo sie im Sommer ihren

die Waldspitzmaus leben in dieser Höhe in grossen Be­

Feinden wie Greifvögeln und Kleinraubtieren sehr

ständen! Und das in einem Gebiet, in dem von Okto­

ausgesetzt wären. Wenn im Frühjahr die Reste ihrer

ber bis Mai eine dicke Schneedecke liegt. Da wir die

Gänge und Nester sichtbar werden, sind sie schon

Tiere dank eines kleinen Chips, der ihnen unter die

lange weitergezogen.

piz 46 : Winter | Inviern 2013/2014

die anderen Tiere? Nicht alle Tiere profitieren von einer soliden Schneedecke. Für grössere Säugetiere wie Rot­ hirsch, Reh, Gämse und Stein­ bock ist der Energieaufwand beim Waten durch den hohen Schnee sehr gross. Die Schnee­ decke deckt auch ihre Nahrung zu. Für viele wirbellose Tiere wie Insekten, Spinnen und Schnecken ist eine gute Schnee­ lage ebenfalls sehr günstig. Sie sind wechselwarm und schrän­ ken ihre Aktivität im Winter stark ein oder überstehen diesen sogar nur als Ei oder Puppe. Schnee schützt sie vor dem Aus­ trocknen und der schädlichen UV­Strahlung.

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Eine Schweiz wie im Bilderbuch, Graubünden natürlich inbegriffen! Das fabelhaft unermüdliZeitreisen che Zürcher Autorenpaar Bauer und Frischknecht war einmal mehr unterwegs entlang historischer Kulturrouten und einmaliger Naturschauspiele; Andrea Badrutt hat magisch fotografiert. Fixpunkte sind die mittlerweile 47 Swiss Historic Hotels vom legendären Waldhaus in Sils Maria über das Kurhaus Bergün, die Chesa Salis in Bever und den Palazzo Salis in Soglio bis zum Hof Zuort in Ramosch und das Albrici in Poschiavo. Fünf 9-tägige, kulinarisch und literarisch gut unterfütterte «Zeitreisen» nicht nur durchs Bündnerland, sondern auch durch andere Regionen.

Die Psychologin Lianne Fravi und die Diplom-Hotelière Bettina Plattner-Gerber, zwei (Wahl-)Bündnerinnen, arbeiten seit vielen Jahren erfolgreich mit ihren Ehemännern zusammen. Sie wissen, dass «das Paar im FührungsTandem sich auf einem schmalen Grat zwischen Himmel und Hölle befindet». Die Autorinnen schildern eigene Erfahrungen und haben weitere Führungsduos aus unterschiedlichsten Branchen intensiv und unzimperlich befragt, darunter Pfarrer und Architekten, Käser, Immobilienmakler, Weinbauern, Sportartikelhändler und Kunstmanager. Die meisten Paare sind glücklich, andere wurden es wieder, dank dem Am-gleichenStrick- Ziehen.

Wandern für Eisenbahnfans

Zur Dichtung von Andri Peer

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Tarablas ed istorgias fantasticas

Rhätische Bahn, «Bahnerlebnisweg

Annetta Ganzoni: «Lichter blauer Erwar-

Rico Valär: «Filistuccas e fafanoias da

Anna Ratti: «L’üsch nair», Chasa Paterna,

Albula», Verlag Terra Grischuna, 2013,

tung», Institut für Kulturforschung

temp vegl», Societad Retorumantscha,

Uniun dals Grischs, 2012, 14 francs.

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Unterwegs zu historischen Hotels der Schweiz Autoren: Ursula Bauer und Jürg Frischknecht | Fotos: Andrea Badrutt

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Stuttgart

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Schweiz

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Landquart

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Poschiavo

114

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Ortsmuseum und Modellbahnanlage

Bozen

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Venezia

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Marseille

110

Bahnmuseum Albula in Bergün

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in Bergün

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Schlittelwelt Bergün

126

Hoch und Tief im Kraftwerksbau Die Strasse zur Ruhe

Andri Peer, 1963

Die Herren von Greifenstein

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104

106

108

118

Museum der Bündner Photographen des 19. Jahrhunderts in Filisur

127

Spazierpark Filisur

128

Parc Ela

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Genova

Kontaktadressen

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Literatur zum Thema

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Veltlin ( I ) Adda

piz 46 : Winter | Inviern 2013/2014

Dal 1926 d’eiran gnüdas registradas a Cuoira cun ün grammofon portà nanpro da Berlin ils dialects da 21 cumüns rumantschs. In quistas registraziuns istoricas da gronda valur quintan persunas da Vnà, Scuol, Zernez, Valchava, Zuoz e Schlarigna burlas, filistoccas e fablas tipicas da lur cumün. Grazia a la restauraziun da quistas registraziuns chi vegnan uossa publichadas sün ün disc cumpact, as poja tadlar co chi’s discurriva quella jada in noss cumüns. L’ediziun da Rico Valär spordscha sper il disc cun las registraziuns eir transcripziuns dals texts i’ls idioms rumantschs cun traducziuns tudais-chas. Fotografias istoricas our da la fototeca dal Dicziunari Rumantsch Grischun per mincha cumün preschantà dan ün bel rom visual.

Andri Peer (1921 – 1985) war ein bedeutender und äusserst vielseitiger rätoromanischer Schriftsteller. Unter dem Einfluss moderner europäischer Vorbilder entwickelte er eine rätoromanische Lyrik mit grosser Formen- und Themenvielfalt. Auch machte er sich als Kulturvermittler und Feuilletonist einen Namen. Peer bemühte sich ebenso um einen überzeugenden, der zeitgenössischen europäischen Dichtung vergleichbaren poetischen Ausdruck wie um angemessene Publikationsmöglichkeiten für rätoromanische Literatur in Graubünden und in der übrigen Schweiz. Seine Erneuerung einer Kleinkultur bedeutete eine anspruchsvolle Gratwanderung zwischen der Akzeptanz beim einheimischen Publikum und dem Ziel einer sprachübergreifenden Beachtung. Seit den 1950er-Jahren beeinflusste Peers Tätigkeit das Kulturverständnis der Rätoromania, seine Anliegen haben bis heute nichts an Aktualität eingebüsst. Ausgehend vom literarischen Nachlass Andri Peers geht die Autorin in Lichter blauer Erwartung der Entstehung und Entwicklung seiner Lyrik während vier Jahrzehnten nach. Anhand von Peers Thematisierungen des Schreibprozesses, seiner Poetik und seiner Reaktion auf die Rezeption seiner Gedichte zeichnet diese Studie einen spannenden Abschnitt aus Graubündens Kulturgeschichte nach.

30.09.2013 13:43:04

RR 21

Annetta Ganzoni Lichter blauer Erwartung. Das poetische Schreiben von Andri Peer im kulturellen Kontext

Milano

Torino

Marseille

Weiterbau erlaubt : lebendiges Welterbe

Die Brücken in der Brücke

Rundwanderung zum Lai da Palpuogna

Scuol

Filisur

Bergün

Lugano

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82

86

88

Geheimtipps entlang des Bahnerlebniswegs

Davos

Thusis

Bellinzona

Zermatt

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80

Wien

Zürich

Lyon

74

78

Wie die Italiener in die Schweiz kamen

Dichter Fahrplan

Erst die Säumer – dann die Bahn

Etappe 3: Filisur – Landwasserviadukt – Filisur

Basel

France

76

Transitachse Albula

Die Hebamme kam mit dem Schienenvelo

Berlin

München

54 «Das Gedicht muss die Sprache der Zeitgenossen 56 sprechen, muss in ihnen etwas ansprechen, das Eingriffe in die Landschaft 60 sie betrifft, muss sie packen64[…]. Doch diejenigen, Mit Pflug und Fräse gegen den Schnee Die Museen Bergün 68 die sichvonauf neue Pfade wagen, müssen allein gehen; sie gelten als wagemutige Experimentatoren oder 72 und ihnen wird brav Nachahmer fremder Modelle Servicestation fürs Rollmaterial 92 auf die Finger geklopft […].94Eine Literatur, die still Eine Aussenseiterin als Gastgeberin steht, stirbt, ist tot, wer die Poesie riskiert, riskiert Der Mann mit dem 60-cm-Schritt 96 Der Vater der Rhätischen Bahn 98 alles.» Die Expresszüge

Das Albula-Dampfross

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Lago

44

Imposante Landschaft –

Der Gerüstvirtuose

Etappe 2: Bergün – Filisur

Frankfurt

porans, sto clomar in els alch ch’els approuvan cun lur vita, sto ils tschüffer […]. Mo quels chi’s ris-chan sün sendas nouvas ston ir sulets; els passan per experimentaders perguajats o per imitaduors da 1 models esters e tschüffan brav giò per las piclas […]. Üna litteratura chi resta salda moura, ais morta, quel chi ris-cha la poesia, ris-cha tuot.» 34

36

40

s Po

60

3

9

21

Der neue Albulatunnel

Der Bahnhof im Chaletstil

schwieriger Unterhalt

Albulalinie, das Albulatal und die Menschen, die mitten im UNESCO Welterbe

Lugano ( CH ) 270 m ü. M.

Etappe 1

adin ereng«La poesia sto tschantschar la lingua dals contem­

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Das Leben der Tunnelarbeiter

Köln

Deutschland

Rhätische Bahn leben und arbeiten.

10 km

E

Gütertransport am Albula

Paris

UNESCO Welterbe «Rhätische Bahn in der Landschaft Albula / Bernina»

Dieses reich bebilderte Buch ist der ideale Begleiter für einen Ausflug zum Bahn-

N

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Preda Frankfurt

Via Albula / Bernina UNESCO Welterbe «Rhätische Bahn in der Landschaft Albula / Bernina»

erlebnisweg Albula und vermittelt vertieftes Wissen zu den Themen der einzelnen

Barcelona

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Mannheim

Bahnerlebnisweg Albula

Stationen. Zugleich ist es eine Sammlung spannender Geschichten rund um die

umschlag_05_10.indd 2

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die Wanderung von 26 Stationen mit historischen und aktuellen Informationen

zu Bahn, Technik, Kultur und Alltag der Rhätischen Bahn und der Menschen im Albulatal.

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Berlin

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Menschen aus aller Welt. Der Bahnerlebnisweg Albula von Preda über Bergün nach

Filisur bietet die Möglichkeit, die imposanten Bauten, den verwirrenden Stre-

In n

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Bergün

la

Bruxelles

genieure haben es verstanden, die Linie so anzulegen, dass sie einerseits den technischen Anforderungen des Bahnbetriebs genügte, andererseits den Fahrgästen eindrückliche Ausblicke auf die Bergwelt des Albulatals ermöglichte. Auch

ckenverlauf und den Bahnbetrieb aus nächster Nähe zu erleben. Begleitet wird

U

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Das UNESCO Welterbe «Rhätische Bahn in der Landschaft Albula / Bernina» ist eine

einmalige Symbiose von Landschaft und Technik. Der Streckenabschnitt zwischen Preda und Filisur ist wohl einer der spektakulärsten weltweit. Die damaligen In-

heute, mehr als hundert Jahre nach der Eröffnung, begeistert diese Bahnstrecke

Andri Peer (1921– 1985) ist ein bedeutender Engadiner Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Unter dem Einfluss der modernen europäischen Literatur entwickelte er eine rätoromanische Lyrik mit grosser Formen- und Themenvielfalt. In seiner Bemühung, die Kleinkultur zu erneuern, bewegte er sich auf dem anspruchsvollen Grat zwischen dem Wunsch nach Wertschätzung in der eigenen Sprachgemeinschaft und dem Ziel einer sprachübergreifenden Beachtung. Die Autorin Annetta Ganzoni ist Romanistin und arbeitet beim Schweizerischen Literaturarchiv in Bern. Sie befasst sich seit Jahren intensiv mit Peers literarischem Nachlass. Dieser schön gestaltete Band gibt auch einen fundierten Einblick in das Engagement Peers fürs Romanische. Lan

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Preda – Bergün – Filisur

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Annetta Ganzoni Lichter blauer Erwartung. Das poetische Schreiben von Andri Peer

Begleitbuch zur Bahnwanderung im UNESCO Welterbe Rhätische Bahn

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Annetta Ganzoni (*1958) ist in Celerina aufgewachsen. Inhalt Als Sekundarlehrerin unterrichtete sie an verschieGraubündens. Bahnwandern in drei Etappen im UNESCO Welterbe «Rhätischedenen Bahn Sekundar- und Mittelschulen Begleitbuch Nach dem Studium der Italienischen Sprache und in der Landschaft Albula / Bernina» Literatur und der Romanischen Philologie an den Universitäten Zürich, Bern und Genua nahm sie 1997 ihre Tätigkeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Schweizerischen Literaturarchiv der Nationalbibliothek auf. Bahnwandern in drei Etappen Verantwortlich für die italienischen und rätoromaniAllgemeine Informationen Etappe 3 Filisur schen Sammlungen, Publikationen und Veranstaltungen Amsterdam Hamburg Die Geschichte der Albulalinie veröffentlichte sie verschiedene Beiträge zu diesen Das UNESCO Welterbe Rhätische Bahn Fachgebieten. 2011 promovierte sie mit der vorliegenden Etappe 2 Studie an der Universität Zürich. Etappe 1: Preda – Bergün

Bahnerlebnisweg Albula

London

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Begleitbuch

Bahnerlebnisweg Albula

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Der StreckenabBahnerlebnisweg Albula schnitt zwischen Albulatunnel und Landwasserviadukt auf der Albulalinie der Rhätischen Bahn gilt als Paradestück der Ingenieurskunst und Bahnpionierzeit. Die Streckenabschnitte zwischen Preda, Bergün und Filisur gehören zu den spektakulärsten weltweit. Das kleine Buch bringt spannende Geschichten rund um diese Strecke und die Menschen, die in diesem Unesco-Welterbe leben und arbeiten, sowie eindrückliche Bilder, Karten und Grafiken aus historischer und aktueller Zeit. Der parallel zur Bahn verlaufende «Erlebnisweg Albula» ist die ideale Möglichkeit, diese perfekte Symbiose von Landschaft und Technik zu bewundern. Das Buch bringt alle nötigen Informationen zu den drei Wanderetappen.

— Filistuccas e fafanoias da temp vegl — Flausen und Fabeleien aus alter Zeit —

Registraziuns dialectalas rumantschas Rätoromanische Mundartaufnahmen Andrea Schorta | 1926

Ediziun tgirada da Rico Valär Institut dal Dicziunari Rumantsch Grischun Phonogrammarchiv der Universität Zürich

26.09.2013 11:17:46

In quista ediziun da la Chasa Paterna reunescha l’autura Anna Ratti diversas da sias tarablas, istorigas fantasticas ed impuls pel radio. Tuot ils texts sun scrits in putèr. Las illustraziuns tiers ils texts ha fat Milena Ehrensperger, la figlia da l’autura. Illa tradiziun da la litteratura orala as serva Anna Ratti scrivond sias tarablas da caracters e motivs tradiziunals da las tarablas per crear tenor sia aigna fantasia tarablas nouvas cun figüras odiernas. Sper las tarablas as chatta in quist bel cudesch eir texts fantastics e surreals situats i’l temp preschaint tant sco impuls chi tematiseschan in fuorma concisa impissamaints e sentimaints persunals. Ils texts divertents ed intelligiaints as fatschendan cul glim tanter real, surreal e magic.


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© Galerie Curtins, St. Moritz

KUNSTMUSEUM CASA CONSOLE POSCHIAVO Über 100 Gemälde des 19. Jahrhunderts Spitzweg – Calame – Lenbach – Grützner – Koller – Segantini u.a. Sonderausstellung «Poschiavo und seine Landschaft in Bildern vom 17. bis zum 20. Jahrhundert» in Zusammenarbeit mit der Fundaziun Capauliana Chur Eduard von Grützner - Kardinal

Di – So 11.00 – 16.00, Piazza, Tel. +41 (0)81 844 00 40

G. Segantini - Porträt einer Dame

Matthias Wyss im Andrea Robbi Museum Sils Maria 17. Dezember 2013 bis 24. April 2014 Chesa Fonio, neben der Kirche, 7514 Segl/Sils Maria Öffnungszeiten Dienstag bis Sonntag 16 bis 18 Uhr Eintritt CHF 6.–, Jugendliche CHF 4.– www.andrearobbimuseum.ch © Matthias Wyss, Zeichnung aus der Serie „Zyklus Tageslicht“

»Wirtschafts- und Finanzfragen sind zu ernst, um sie den Wirtschafts- und Finanzexperten zu überlassen«, sagt Christian Chavagneux. Um die Antworten der Regierungen auf die gegenwärtige Krise beurteilen zu können, müssen wir verstehen, welche Mechanismen generell bei Krisen am Werk sind. Christian Chavagneux Kleine Geschichte der Finanzkrisen. Spekulation und Crash von 1637 bis heute Aus dem Französischen von Claudia Steinitz 272 Seiten, Klappenbroschur, 2013, ISBN 978-3-85869-537-6, Fr. 38.–

Wie wir leben und arbeiten wollen Das bedingungslose Grundeinkommen ist kein ökonomischer Irrweg, sondern ein wichtiger Baustein zur Lösung der an stehenden wirtschaft lichen, sozialen und ökologischen Probleme. Mit Beiträgen u. a. von Margit Appel, Matthias Blöcher, Herbert Jauch, Albert Jörimann, Volker Koehnen, Ingmar Kumpmann, Dagmar Pater noga, Antje Schrupp, Franz Segbers, Mag Wompel.

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Nach der Krise ist vor der Krise

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PIZZERIA Es wird laut im Val Bever Das ruhige Val Bever, durch das bisher nur die Rhätische Bahn und Kutschen fahren, wird zum grossen Bauplatz: 2014 beginnt der Bau des neuen Albulatunnels. Zwar wird der Aushub per Bahn abtransportiert, dennoch soll die bisherige Naturstrasse auf der rechten Talseite für Lastwagen ausgebaut werden. Auch der «Märchenweg», eine Forststrasse auf der linken Tal-

Lok-Töne und Landschaftsbilder In der aktuellen Wechselausstellung im Bahnmuseum Albula in Bergün kreiert der St. Galler Künstler und Musiker Andy Guhl aus den unhörbaren elektromagnetischen Schwingungen einer Lokomotive hör- und sichtbare Klang- und Lichtwellen. Die poetische Geräusch- und Bildkomposition lässt das Publikum die Kraft der Maschine ebenso ungewohnt erleben wie die virtuell vorbeiziehende Landschaft. Entstanden sind die Aufnahmen auf der Strecke von Samedan nach Landquart. Technik und Natur erscheinen hier in poetischen, ungewohnten Bildern – mal rasant und mal gemächlich ziehen die Landschaften vorbei. Mit dieser Installation knüpft Guhl auch an die Komposition «Pacific 231» (1923) von Arthur Honegger (1892-1955) an. Dort wird die Eisenbahnfahrt mit einer PacificDampflokomotive musikalisch umgesetzt.

«My first sonic Lok» zeigt poetische Bildkompositionen.

«My first sonic Lok». Installation von Andy Guhl im Bahnmuseum Albula, Bergün. Bis 29.2.2014. www.bahnmuseum-albula.ch

seite, soll so verbreitert werden, dass dort künftig Kutschen fahren können. Die Organisation «Pro Val Bever» wehrt sich aber mit Einsprachen gegen überdimensionierte Strassen-Ausbauten.

Den Flüssen geht es besser Die erste Etappe des Revitalisierungsprojekts der InnAuen bei Bever wurde im Herbst 2013 eingeweiht und im Sommer wurde das Flussbett des Spöl mit einem gezielten Hochwasser von den Sedimenten befreit. Beiden Flüssen geht es besser: Der Inn ist schon seit dem 19. Jahrhundert in einen engen Kanal gefasst, die Dämme bei Bever stammten aus den 1960er-Jahren und waren brüchig. Statt sie zu reparieren, wurde hier das Flussbett auf einer Länge von gut 600 Metern aufgeweitet. Damit kann der Fluss wieder weitgehend frei fliessen, die Vogel- und Tierwelt bekommt ihre Lebensräume zurück. Die Strömung wird wieder Inseln abtragen und flussabwärts neu aufhäufen. Diese erste

Renaturierungsetappe kostet 2,3 Millionen Franken, das Bundesamt für Umwelt übernimmt davon 75 Prozent. Die zweite Etappe soll 2015 gebaut werden und reicht bis nach La Punt. Dann wird im Oberengadin der Inn auf 2,1 Kilometern wieder natürlich fliessen. Besser geht es auch dem Spöl, dem Fluss im Nationalpark. Dort wurden im März 2013 durch die Öffnung des Grundablasses des Stausees grosse Sedimentmengen in den Bach gespült. Sie hatten praktisch alles Leben im Fluss erstickt. Im Sommer wurden mit einer neun Stunden dauernden, kontrollierten Spülung diese Sedimente aus dem Bachbett ins Ausgleichsbecken Ova Spin befördert. Nun kann sich das Leben im Fluss wieder erholen.

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Fotografar il code e guardar TGI INFURMESCHA EN 50 ONNS? GUARDAS BLER, VESAS TGI INFURMESCHA VUS ENVUS 50 ONNS? GUARDAS BLER, VESAS CLER. CLER. Nus50 festivain. 50 onnsRumantscha. Televisiun Rumantscha. Nus festivain. onns Televisiun TGI INFURMESCHA VUS EN 50 ONNS? GUARDAS BLER, VESAS CLER. TGI INFURMESCHA VUS EN 50 ONNS? GUARDAS BLER, VESAS CLER. TGI INFURMESCHA VUS EN 50 ONNS? GUARDAS BLER, VESAS CLER. Nus Nusfestivain. festivain.50 50onns onnsTelevisiun TelevisiunRumantscha. Rumantscha.

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piz 46 : Winter | Inviern 2013/2014


PIZZERIA Kulturagenda Hotel Laudinella, St. Moritz-Bad Winterprogramm 2013/2014 Details: www.laudinella.ch. Die Abendveranstaltungen beginnen, wo nicht anders vermerkt, um 20.30 Uhr. 26.12. Weihnachtskonzert: Familie Saitkoulov Oppert spielt Mozart, Novácek, Schumann und Mendelssohn. 28.12. Kasperlitheater: Die Geschichte von den Gänslein, 17 Uhr. 5.1. Klavierkonzert von Konstantin Scherbakov mit Werken von Beethoven und Chopin. 9.1. Menschen erzählen: Not Vital, 1948 in Sent geboren, bildender Künstler, lebt und arbeitet in Agadez, Niger; Beijing, China; Patagonien, Chile, und in Sent im Unterengadin. 12.2. Friends-Musical-Olympus-Preisträger-Konzert mit Nathalie Mittelbach, Sopran; Elisa Netzer, Harfe. Werke von Brahms, Bizet, De Falla, Cardon, Salzedo und Saint-Saens. 19.2. Nietzsche und Montaigne. Vortrag von Joachim Jung. 22.2. Neues Zürcher Orchester unter der Leitung von Martin Studer-Müller. 4.3. Annette Postel und Gunzi Heil: Blond – Frisch getönt. Musikkabarett. Klavier: Sebastian Matz. 12.3. Otto Dix im Engadin. Vortrag von Mirella Carbone. 31.3. Peter Stamm stellt seinen neuen Roman «Nacht ist der Tag» vor. 9.4. Patrick Tschan liest aus «Polarrot». 12.4. Concours-Géza-Anda-Preisträger 2012 Elmar Gasanov spielt ein Klavier-Rezital. 20.4. Kamilla Schatz & friends. Violinkonzert. 3.5. Schweizer Jugend-Sinfonie-Orchester: Öffentliche Generalprobe Frühjahrstournee 2014.

Romanisch per Mausklick Giodaholic oder skypar – in der letzten piz-Ausgabe berichteten wir von den Blüten der romanischen Jugendsprache. Das offizielle Wörterbuch für Rumantsch Grischun / Deutsch ist der Pledari Grond. Ihn gibt es auch als Online-Ausgabe (www.pledarigrond. ch). Er ist das umfangreichste Wörterbuch, und hier findet man auch neue Worte wie etwa skypar, samt allen grammatischen Regeln. Pledari Grond online wird von der Lia Rumatscha und der Romanischen Jugendorganisation GiuRu betreut. Mit etwas weniger Einträgen, dafür mit Übersetzungen in Deutsch, Französisch, Italienisch und Englisch sowie in Rumantsch Grischun und mit allen fünf Idiomen (Sursilvan, Sutsilvan, Surmiran, Puter und Vallader) kann www.pledari.ch aufwarten. Diese Seite wird ebenfalls von der Lia mitgetragen, verantwortlich zeichnen aber Privatpersonen. Seit ein paar Monaten gibt es auch die Online-Wörterbücher für die beiden Engadiner Idiome Puter (Oberengadin) und Vallader (Unterengadin) auf der Internetseite der Uniun das Grischs: www.udg.ch/dicziunari. Dahinter steckt das digitalisierte Tscharner-Wörterbuch, das als Lehrmittel verwendet wird. Interessant hier: Es lassen sich auch Stichworte zu Themen eingeben. Beim Stichwort Auto erscheint dann auch «Hupkonzert» (concert da tübas) oder «Flitzer», den man in Vallader mit zwei z schreibt: flizzer. Die Lia Rumantscha hat angekündigt, für alle drei digitalen Wörterbücher eine gemeinsame Einstiegsseite einzurichten.

piz 46 : Winter | Inviern 2013/2014

Wer hat die Nusstorte erfunden? «Ursprungshaus der Engadiner Nusstorte seit 1926», so der Slogan der Pultorte (mit nur einem t!), jene Nusstorte, die Fausto Pult im Engadin bekannt gemacht hatte. Nun hat die Lauterkeitskommission für die Werbung dem Hersteller empfohlen, künftig auf den Begriff «Ursprungshaus» zu verzichten. Die inzwischen neu geschriebene Nusstorten-Geschichte findet man auf Wikipedia und www.argealp.org.

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PIZZERIA 150 Jahre Villa Garbald

Neustart fürs Kino in Pontresina Das Cinéma Rex in Pontresina war seit April 2013 geschlossen (siehe piz 45). Jetzt ist es mit neuer Technik und neuer Bestuhlung wieder eröffnet worden. Betrieben wird das Rex von Oscar Schönenberger, der auch Kinos in der Lenk, in Engelberg und Sissach führt und seit zwölf Jahren das Kino-Open-Air in Zernez organisiert. Schönenberger hofft, dass das örtliche Gewerbe die Werbemöglichkeiten im Kino nutzt, denn mit Eintritten allein sei der Betrieb nicht zu finanzieren. Die Gemeinde Pontresina – ihr gehört das Haus, in dem das Rex untergebracht ist – zahlt 190’000 Franken an die

Die von Gottfried Semper geplante Villa Garbald wird 150 Jahre alt. Das Jubiläum wird am 10. Mai in Castasegna gefeiert. Parallel gibt es zahlreiche Jubiläumsveranstaltungen, darunter die Ausstellung des fotografischen Werks von Andrea Garbald im Bündner

neue Ausstattung. Künftig werden hier auch 3D-Filme mit Surround-Ton gezeigt werden können. – Wie es mit dem Kino in St. Moritz weitergeht, ist unklar. Dort hat die Liegenschaftenbesitzerin, die Mobimo, dem Betreiber des Ciné Scala gekündigt, angeblich weil das Haus einsturzgefährdet sei. Die bei einer gescheiterten Schlichtungsverhandlung vorgelegten Beweise dafür bezeichnete der Kinobetreiber danach als «Farce». Der Kinosaal sei überhaupt nicht gefährdet. In früheren Berichten hatte es geheissen, dass Mobimo die prominente Lage im Ortskern von St. Moritz gewinnbringender nutzen möchte als mit einem Kino.

Kunstmuseum (Vernissage

Bündnerfleisch im Museum

am 14.2.). Eine vierbändige Neuauflage dokumentiert

Das Engadiner Museum St. Moritz zeigt diesen Winter die Ausstellung «Vom Feinsten – Bindenfleisch, Bündnerfleisch» und widmet sich dem erfolgreichsten kulinarischen Kulturgut Graubündens. Von der Jagd über die Viehzucht bis zur Hausmetzgete, von der internationalen Bündnerfleischkonferenz bis zum Exportschlager reicht die Spannweite. Dokumentiert wird auch die aufwändige Produktion: Nach der Pökelung und mehrmonatiger Lufttrocknung entwickeln die Fleischstücke den typischen weissen Edelschimmelbelag. Fünf renommierte Produzenten, darunter Ludwig Hatecke aus Scuol und Reto Giovanoli aus Maloja, erläutern ihre Produktionsphilosophie.

das Werk von Johanna Garbald-Gredig, die unter dem SchriftstellerinnenNamen Silvia Andrea bekannt war. (Buchvernissage: 11.3. Weitere Veranstaltungen siehe: www.garbald.ch

Ausstellung im Engadiner Museum, St. Moritz. Öffnungszeiten: So – Fr 10–12 und 14–17 Uhr, Samstag geschlossen. www.engadiner-museum.ch

Foto: Benjamin Hofer

«Vom Feinsten»

Sils Maria kommt auf die Leinwand Im September drehte eine internationale Crew einige Tage im Hotel Waldhaus Szenen für einen entstehenden Film mit dem Titel «Sils Maria». Er handelt von einer bejubelten, aber alternden Schauspielerin (gespielt von Juliette Binoche, l.), die von einer jüngeren Kollegin ausgebootet wird. Der Star zieht sich nach Sils Maria zurück, begleitet von ihrer Assistentin (gespielt von Twilight-Star Kristen Stewart, r.), die mehr als nur Assistentin ist, wie es in der geheimnisvollen Umschreibung heisst. Gedreht wurde die amerikanischfranzösische Produktion auch in Lepizig, Berlin und im Südtirol. Als Schauspieler dabei sind auch Daniel Brühlhart und der Schweizer Gilles Tschudi. Die Dreharbeiten im Hotel Waldhaus waren top secret und vom Starrummel abgeschirmt.

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1430 Meter über Meer, 2 Stunden 20 ab Zürich HB, am Tor zum Nationalpark und ein Katzensprung von Mailand locken im scheinbar unscheinbaren Pionierhotel zwei interessante Stellen. Chef de l’Hotel. Chef de Service. Schau es dir an. www.pizlinard.ch f Beru fu Ng

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piz 46 : Winter | Inviern 2013/2014


PIZZERIA Hotel Waldhaus, Sils Maria, Winterprogramm  2013/2014

17.2.

Details und Ergänzungen: www.waldhaus.ch

21.2.

24.12.

24.2.

27.12. 29.12. 29.12. 31.12. 4.1.

10.1. 12.1. 12.-18.1. 13.1.

17.1.

20.1.

21.1. 24.1.

7.2. 12.2. 13.2.

Weihnachtslesung von Renate Heuser für Kinder. Wiener Operettenmelodien mit Sara-Bigna Janett (Sopran) und Risch Biert (Klavier). Zauber- und Ballonshow für Kinder. Abendpilgern von Sils Maria ins Fextal und zurück mit Pfarrer Urs Zangger. Silvesterball. Motto: «Ozeandampfer». Simone de Beauvoir – eine szenische Lesung. Mit Annette Wunsch, Alexandre Pelichet, Polina Lubchanskaya. Jazz in der Bar: Swing de Paris mit Sophie Lussi & Friends. Film: Birgitta Ashoff zeigt ihr Malerporträt «Paul Klee – die blaue Glut». Feldenkrais mit Andrea Hennen (auch 16.-22.3.). Theater: «Business Class». Glossen von Martin Suter, szenisch umgesetzt von René Schnoz und Nikolaus Schmid. Regie Georg Scharegg. Chasper Pult über Peider Lansel (18631943), den Förderer der rätoromanischen Sprache und Kultur. Lesung aus Hannelore Fischers «Wolkenhund» mit Angelika Ditha Morosowa und Anna Karga. Degustation mit Weinen aus dem Veltlin. «Die Räuber». Geschichte der Bremer Stadtmusikanten, von und mit dem A-cappella-Ensemble Zapzarap. Jazz mit dem Dani Felber Quartett und der Sängerin Tatiana Heintz. Stradivari-Duo: Maja Weber (Cello) und Per Lundberg (Klavier). Autorenlesung: Franz Hohler liest aus «Gleis 4».

27.2.–6.3. 28.2

3.3. 7.3. 10.-23.3. 12.3.

14.3. 24.3.

28.3. 30.3. 30.3.-5.4. 4.4. 5.4. 7.4.

12.-15.4. 13.4. 14.4. 15.4.

Buster-Keaton-Abend, live begleitet von Jazzpianist Gigi Marson. Liedermacherin Bibi Vaplan alias Bianca Mayer. «Ventins e ventatschs da Fex» von Attilio Bivetti. Der frühere Silser Gemeindepräsident und Tierarzt im Gespräch mit Chasper Pult. Shiatsu und Qi-Gong mit Claudia Carigiet. «Weder Italiener noch Deutsche! Die rätoromanische Heimatbewegung 1863-1938.» Mit Rico Valär. «Herr Eichhorn und der erste Schnee», Puppenspiel mit Musik. Jazz mit Walter Weber. Weinpräsentationen von Stefan Keller. Nicolas Ryhiner mit «Splendid Palace», der Geschichte eines Faktotums und schrägen Hausheiligen in einem Hotel in den Alpen. Silvio Huonder im Gespräch mit Chasper Pult. Roberto und Dimitri: Tessiner Lieder, Gesang mit Selbstironie, Witz und ohne Tamtam. Lili Pastis Passepartout: «Erzählkonzert». Jürg Kienberger und Clemens Sienknecht: «Alleinunterhalter (Mehrzahl)». Yoga-Woche mit Andrea Hennen. «Lippen schweigen». Filmporträt über Samuel Beckett. Jazz mit Dai Kimoto and his Swing Kids. Hommage an Christian Morgenstern: «Ein Vierviertelschwein und eine Auftaktkeule» mit Klaus Henner Russius. Salsa-Kurs mit Christoph Geiser. Texte von Heinrich Heine, gelesen von Ueli Jäggi, eingepasst in ein Dîner. Argentinische Tangos und brasilianische Choros. Dokumentarfilm über Andrea Garbald von Peter Spring.

Kunstband zu Arte Bregaglia An Pfingsten (7.–9.6.) findet im Hotel Bregaglia in Promontogno die Vernissage eines Buches statt, das Galerist Luciano Fasciati herausgibt. Er wird dort die im Hotel in den letzten Jahren gezeigten Kunstwerke und über die Künstlerinnen und Künstler vorstellen, sowie Teile der Geschichte des Hotels dokumentieren. Das 2009 erschienene Buch über das Hotel Bregaglia ist in seiner deutschen Fassung nämlich bereits vergriffen.

RhB-Jubiläum

RhB – 125 Jahre faszinierend unterwegs

Der Jubiläumsanlass findet am

Was 1889 mit der Eröffnung der Strecke von Landquart

Samstag, 10.5.2014 statt. In

nach Klosters begann – geplant hatte sie der Holländer

den Werkstätten in Land-

Willem Jan Holsboer –, ist heute ein 384 Kilometer

quart wird unter anderem

langes Streckennetz der Rhätischen Bahn. Einzigartig

historisches Rollmaterial aus

fügen sich die Bahnlinien harmonisch in die Bündner

125 Jahren Bündner Eisen-

Landschaft ein. Die Bernina- und Albulalinie zählen

bahngeschichte zu sehen sein. Mehr Infos auf www.rhb.ch

seit 2008 zum UNESCO-Welterbe. Als Güterbahn

unter dem Stichwort

verschiebt die RhB jährlich 700’000 Tonnen, und rund

«community» und dort

zehn Millionen Fahrgäste geniessen jeweils die beson-

weiter zu «Veranstaltungen».

dere Ambiance in den Bergen.

piz 46 : Winter | Inviern 2013/2014

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VORSCHAU / PREVISTA

IMPRESSUM

Der Inn | L’En In der nächsten Ausgabe wird sich piz-Magazin mit dem Inn beschäftigen, dem Fluss, dessen romanischer Name En untrennbar mit dem Engadin verbunden ist. Der Inn entspringt hoch über Maloja, auf der Wasserscheide beim Lunghinsee, auf fast 2500 m ü. M. Hier liegt eine der wichtigsten Wasserscheiden Europas, von hier aus fliessen die noch kleinen Bächlein Richtung Nordsee, Schwarzes Meer und Adria. Der Inn mündet nach 517 Kilometern bei Passau in die Donau – als mächtiger Strom. Schon in seinem Oberlauf ist er eine wichtige Lebensader, war und bleibt aber auch eine Gefahrenquelle. Über Kilometer ist er zwischen Dämme gezwängt, damit er keinen Schaden anrichtet, mehrmals wird er gestaut, damit seine Kraft zu elektrischem Strom wird. Der Inn ist aber auch ein Eldorado für Kajakfahrer und Fischer, er ist Naherholungsraum und über Strecken heute auch wieder ein Naturreservat. Eben wurden wieder mehrere hundert Meter Flusslauf bei Bever renaturiert, damit das Leben im und am Fluss aufblühen kann. piz wird im kommenden Sommer darüber berichten: über das Leben im und am Fluss und über das Leben der Menschen vom und mit dem tosenden Wasser.

Herausgeberin | editura Edition piz, Urezza Famos, Schigliana 183, 7554 Sent Tel. +41 (0)79 610 48 04, info@pizmagazin.ch, www.pizmagazin.ch Redaktion | redacziun Urezza Famos, René Hornung (rhg), redaktion@pizmagazin.ch Anzeigenverkauf | inserats E. Deck Marketing Solutions, Edmund Deck, Via Giovanni Segantini 22, 7500 St. Moritz, Tel. +41 (0)81 832 12 93, e.deck@bluewin.ch Produktion | producziun René Hornung, Eva Lobenwein Artdirektion, Grafik | grafica Eva Lobenwein, Innsbruck, www.dieeva.com Bildredaktion | redacziun da las illustraziuns Urezza Famos Bildbearbeitung | elavuraziun grafica TIP – Tipografia Isepponi, Poschiavo Korrektorat | correctorat tudais-ch Helen Gysin, Uster Copyright Edition piz, Scuol Druck | stampa AVD Goldach AG, 9403 Goldach (SG) Autorinnen und Autoren, Fotos | auturas ed auturs, fotografias Franco Brunner, *1977, freier Journalist in Chur, www.francobrunner.ch Flavian Cajacob, *1968, Journalist in Zürich, www.flaviancajacob.com Lois Hechenblaikner, *1958, Fotograf aus dem Alpbachtal, Tirol, www.hechenblaikner.at

Foto von Michael Bühler aus dem Buch «L'En», Edescha-art Verlag. Vorgestellt in piz 42.

Ralph Hug, *1954, freier Journalist im «Pressebüro St. Gallen». Thomas Kaiser, *1979, betreibt in Chur die Denk- und Schreibwerkstatt. www.wortwert.ch Andreas Kneubühler, *1963, freier Journalist im «Pressebüro St. Gallen».

Magazin für das Engadin und die Bündner Südtäler Magazin per l'Engiadina ed il Grischun dal süd

Konrad Kunz, *1944, Grafiker und Fotograf in Chur, www.kkunz.ch Martin Leuthold, *1952, Mitglied der Geschäftsleitung und Art Director des Textilunternehmens Jakob Schläpfer, St. Gallen, www.jakob-schlaepfer.ch

www.pizmagazin.ch

Christian Marchesi, *1982, Biologe in Chur.

Nr. 46, Winter | Inviern 2013 / 2014. Erscheint zweimal jährlich. Auflage: 23’000 Ex.

Daniel Martinek, *1968, freiberuflicher Fotograf. Er lebt in St. Moritz und Zürich, www.danielmartinek.ch

Abonnemente:

Irene Meier, *1975, freiberufliche Illustratorin und Grafikerin in Zürich, www.irenemeier.ch

Edition piz, Schigliana 183, CH-7554 Sent. Zweijahresabonnement: Fr. 35.– (exkl. Versandkosten und Mehrwertsteuer). Das Abonnement ist mit einer Frist von zwei

Jürg Paul Müller, *1945, Wildbiologe und Museumsfachmann in Chur, www.jp-mueller.ch

Monaten vor Ablauf kündbar. Ohne schriftliche Kündigung er-

Corinne Riedener, *1984, Grafikerin und Redaktorin beim Stadtmagazin «Saiten», St. Gallen.

neuert es sich automatisch um zwei Jahre. info@pizmagazin.ch

Esther Scheidegger, *1946, freie Journalistin in Zürich.

Nächste Ausgabe: Juni 2014

Aline Tannò, *1982, freie Journalistin und Mitarbeiterin der Zürcher Hochschule der Künste (ZhdK).

Für unverlangt eingesandtes Text-, Bild- und Tonmaterial übernimmt der Verlag keine Haftung. – Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Redaktion.

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piz 46 : Winter | Inviern 2013/2014

Bettina Vital, *1982, Übersetzerin und Koordinatorin für das Romanische in der Bundeskanzlei, Zürich. Jürg Wirth, *1969, Wirtschaftsingenieur, Journalist und Landwirt in Lavin, www.uschlaingias.ch


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