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#42

Winter | Inviern 2011 | 2012

DER INN

Lebensader und Inspirationsquelle

[ Passiun ]

Leidenschaft

HOTELS

Gastgeber mit Leib und Seele

KONDITOREN

Backen seit Generationen


INHALT / CUNTGNU Editorial. Leidenschaft – ein grosses Wort.

5

Von der Kunst der Konditoren. Viele Engadiner

6

Zuckerbäcker sind ausgewandert, doch andere sind geblieben oder selber zugezogen.

Warum stehst du morgens auf? Johannes Burr

12

sammelt die überraschenden Antworten.

Lebensader und Inspirationsquelle. Der Fotograf

14

Michael Bühler zeigt stimmungsvolle Flussbilder in einem neuen Buch.

Skilehrerin: Einmal für immer. Rita Bina Schmidt

20

wollte eigentlich nur eine Saison lang unterrichten, doch sie fährt noch immer vor.

Die unmögliche Liebe zum Haus. Wohnen im

24

Genossenschaftsblock ist auch im Engadin kein Fremd­ wort mehr.

Bauhüttenmeister Karls des Grossen. Der

30

Restaurator Jürg Goll kennt jedes Fresko und fast jeden Stein im Kloster Son Jon in Müstair.

Dis da bellezza. Jachen Riatschs Jägergeschichten.

34

Ohne Leidenschaft kein neues Hotel. Ein Bericht

38

der Hochschule Chur zeigt die Finanzierungsprobleme der Hotels.

Wo Mann mit 60 noch Jungspund ist. Die Veterans

44

da Motta Naluns aus Scuol sind im Sommer auf den Ve­ los und im Winter auf Skiern munter unterwegs.

Rekord auf dem Mont San Jon. Bruno Gerber

46

wartet geduldig, bis er seine Papierflieger in den «rich­ tigen Wind legen» kann.

Philemon und Baucis in Tschierv. Hanna und

50

Florian Pitsch über «ewigi Liebi» im Münstertal.

Kalter Krieg auf dem Eisfeld. Der Engadiner Reto

54

Delnon wurde 1962 Eishockey-NationalmannschaftsTrainer – aber nur für zwei Wochen.

Die Villa Vedette als Lotteriegewinn. Wie Arthur

58

Fonjallaz zu seiner St. Moritzer «Villa Vedette» kam.

Bücher. Neuerscheinungen aus der Region in Deutsch

60

und Romanisch.

Pizzeria. Aktuelles aus Südbünden.

62

Vorschau. Impressum.

66

Titelbild und Bild rechts aus dem Buch von Kathrin Siegfried: «Steivan Liun Könz, Geschichtenmaler und Bildererzähler. 1940–1998». Limmatverlag, 2011. Foto Ralph Feiner: «La ritscha, part d’ün sgraffito da la chasa Angele (Nr. 73), Ardez.


Leidenschaft – ein grosses Wort Liebe Leserinnen und Leser – chara lectura, char lectur

L

eidenschaft verbinden wir in ihrer angenehmaufregenden Art mit Liebe, Emotionen, tiefer In­ brunst, voller Hingabe, mit Lust, Feuer und Flam­

men. Aber manchmal schwingt auch leise etwas

P

aschiun rinserra in sia vart agreabla ed interes­ santa amur, emoziuns, profuond’ardur e pre­ mura ferventa  – la vöglia dad esser be fö e

flomma per alch. Ma minchatant as fan vivas varts ne­

Negatives mit: Leidenschaft kann auch zerstörerisch

gativas da la paschiun: Ella po bainschi eir esser de­

sein und hässlich. In dieser piz-Ausgabe beschäftigen

structiva e trida. In quista ediziun ans occupaina però

wir uns mit den schönen Seiten.

cun sias bellas varts.

Wer leidenschaftlich ist, verfolgt seine Ziele intensiv

Chi chi’d es paschiunà perseguitescha intensiva­

und mit viel Energie. Egal ob im Beruf, in der Politik

maing e cun bler’energia seis böts. Quai vala i’l man­

oder bei einem gesellschaftlichen Engagement. Da

ster, illa politica o cun s’ingaschar per la società. La

wirkt ein Antriebsmotor  – der uns Menschen zu Er­

paschiun dvainta ün motor chi stimulescha ils umans

EDITORIAL

staunlichem bewegt. Zum Beispiel den Fotografen Mi­

da far chosas surprendentas. Sco per exaimpel pro’l

Urezza Famos

chael Bühler mit engen Beziehungen zum Engadin.

fotograf Michael Buehler chi ha üna stretta relaziun

Immer wieder ist er bei jeder Witterung und Jahreszeit

cun l’Engiadina. In mincha stagiun e pro minch’ora

dem Inn entlang gewandert. Dabei entstanden tief­

è’l adüna darcheu chaminà davo l’En. Seis purtrets

gründige Bilder voller Sinnlichkeit. Nicht weniger lei­

sun profuonds e plain sensualità. E nemain pa­

denschaftlich interpretieren viele Schriftsteller und

schiunà interpreteschan blers scriptuors e bleras poe­

Poetinnen «unseren» Fluss. Er ist ihnen eine wichtige

tessas «nos» flüm chi’d es per els ün’importanta fun­

Inspirationsquelle. Wir stellen das Zusammenspiel

tana d’inspiraziun. In quist nomer as preschantaina

von Bildern und Texten hier vor  – das Buch dazu,

l’inter­acziun da purtrets e texts – i’l cudesch «L’En»

«L’En», ist im Edescha Art Verlag erschienen.

chi’d cumparü illa chasa editura Edescha-Art.

Dass das Alter kaum einen Einfluss auf Leidenschaf­

Cha l’età ha pac’influenza sün differentas paschiuns

ten hat, zeigt uns die Reportage über die aktiven Senio­

ans muossa la reportascha sur dals seniors activs dals

ren des Scuoler Vereins «Veterans da Motta Naluns».

«Veterans da Motta Naluns» da Scuol. Saja quai art,

Ob Kunst, Sport, Beruf oder stille Hingabe – wir port­

sport, professiun o dedicaziun quieta - darcheu pur­

rätieren wieder einige Menschen, die es sich nicht

tretaina persunas chi nu’s laschan tour da far quai in­

nehmen lassen, das zu tun, wofür sie sich berufen füh­

gio ch’els saintan lur clamada realisond lur profuonds

len  – Herzensanliegen umzusetzen. Dazu gehören

desideris. Pro quels tocca eir l’archeolog Jürg Goll

auch der Archäologe Jürg Goll, der sich dem Kloster

chi’s dedichescha a la clostra Son Jon da Müstair opür

Son Jon in Müstair widmet, oder die Bäckerfamilien

las schlattas da furner Giacometti e Kochendörfer chi

Giacometti und Kochendörfer, die seit Generationen

prodüan daspö generaziuns cun grond’amur lur tuor­

ihre Nuss­torten mit viel Liebe produzieren und diese

tas da nusch ed exportan la specialità regiunala our i’l

Spezialität der Region in die halbe Welt exportieren.

mez muond.

Freuen Sie sich also wieder auf ein Heft voller interes­

S’allegrai dimena sün ün magazin plain istorgias inte­

santer Geschichten und abonnieren oder verschen­

ressantas ed abunai o regalai il piz – piz es nempe eir

ken Sie piz – denn piz ist selbst auch eine kleine Spe­

svessa üna pitschna specialità dal Grischun dal Süd.

zialität aus Südbünden. www.pizmagazin.ch

www.pizmagazin.ch

piz 42 : Winter | Inviern 2011/2012

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Von der Kunst der Konditoren Alle Welt kennt die Engadiner Zuckerbäcker. In ganz Europa begründeten sie den Ruhm der Konditorenkunst. Doch nicht alle wanderten aus. Es gibt auch solche, die blieben, wie Giacometti in Lavin, und solche, die eingewandert sind, wie Kochendörfer in Pontresina.

Text: Ralph Hug Fotos: Mayk Wendt

W

er glaubt, die berühmte Engadiner Nusstorte

ohne Lächeln. Im Bergell hätte der Grossvater wohl

stamme aus dem Engadin, liegt leider falsch.

keine Zukunft gehabt. Eigentliche Bäckereien, wie wir

Richtig ist, dass sie von Engadinern stammt,

sie kennen, gab es zu jener Zeit noch nicht. In den Dör­

aber von jenen, welche ihre Heimat im 17. und

fern existierten grössere Quartier-Holzbacköfen, in

18.  Jahrhundert aus wirtschaftlicher Not verliessen

denen die Einwohner ihren mitgebrachten Teig gegen

und das Glück im Ausland suchten. Die so genannten

einen Obolus, der meist in Naturalien entrichtet

«Engadiner Zuckerbäcker» – Konditoren, Patissiers,

wurde, zu Brot backen konnten. Auch war zu jener Zeit

Confiseure – begründeten ihren Weltruf auswärts. Die

die Palette an Backwaren und Süssigkeiten beschränkt.

Nuss-torte wurde in Frankreich und Italien entwickelt.

Es wurde hauptsächlich Schwarzbrot gebacken, das

Im Engadin hätte sie kaum entstehen können, weil es

möglichst lange herhalten musste.

dort nämlich keine Nüsse gibt. Das kalorienreiche

6

Süssgebäck wurde in die Heimat importiert und er­

Mit dem Pferdewagen von Dorf zu Dorf

langte auf diesem Umweg den Ruf einer Bündner Spe­

Am Dorfplatz in Lavin konnten Mario und seine Frau

zialität. Die «tuorta da nusch» teilt damit das Schick­

Neisa Defila, die er in Sent kennen gelernt hatte, ein

sal des Bündnerfleischs. Dessen Hauptingredienz, das

Haus kaufen, wo die erste richtige Bäckerei eingerich­

Fleisch, kommt meistens auch nicht aus Graubünden,

tet wurde. Als Erstes schloss man gleich den Quartier­

sondern aus Südamerika. Dennoch sind beide als

backofen, um unerwünschte Konkurrenz auszuschal­

Schweizer Originale geschätzt und anerkannt.

ten. Vom Backen allein konnte jedoch niemand leben.

Auf der Suche nach der besten Engadiner Nusstorte

Man behalf sich nebenher mit einem kleinen Land­

fällt schnell der Name Giacometti in Lavin. In einem

wirtschaftsbetrieb.

italienischen Degustationstest landete diese «tuorta

Von gesundem Geschäftssinn zeugt Giacomettis Idee,

da nusch» kürzlich auf Platz eins. Sie ist auch in den

mit einem Pferdewagen die benachbarten Dörfer zu

Coop-Regalen erhältlich. «Wir beliefern Coop seit

beliefern. Der Ein-PS-«Brotexpress» brachte den er­

Jahren», sagt Robert Giacometti, der von1977 bis 2010

wünschten Mehrabsatz. Nach dem Zweiten Weltkrieg

in dritter Generation den Betrieb in Lavin führte und

übernahm Sohn Balser Giacometti mit seiner Ehefrau

noch heute in der Backstube steht. Man liefert dem

Rosa den Betrieb. Er baute aus und modernisierte. Es

Grossverteiler auch Engadiner Birn- und Bauernbirn­

entstanden zusätzliche Läden in Susch und Ardez. Die

brot. Beide sind mit einer Banderole versehen, auf der

dritte Generation, Robert Giacometti und seine Frau

das Horn des Steinbocks aufgedruckt ist – Giacomettis

Greta, bauten weiter aus, erweiterten den Betrieb

Markenzeichen.

nochmals und richteten in Lavin ein Café ein. Man

Robert Giacometti ist ursprünglich Bergeller und er

liefert seit den Achtzigerjahren auch nach Guarda,

stammt, wie der Name vemuten lässt, aus Stampa. Zur

nachdem der dortige Bäcker seinen Betrieb aufgab.

berühmten Künstlerfamilie bestehen verwandtschaft­

Brot und Süssigkeiten werden in Lavin in einer Back­

liche Beziehungen. Sein Grossvater Mario Giacometti

stube produziert, die wohl mit der schönsten Aussicht

gründete die Bäckerei noch vor dem Zweiten Welt­

auftrumpfen kann: Aus den Fenstern blickt man di­

krieg, aber eben nicht im Bergell, sondern im Unteren­

rekt auf den rauschenden Inn und die mächtigen

gadin, wo er in Sent seinen Beruf erlernt hatte. «Er ist

Bergflanken des Nationalparks – eine unübertreffli­

auch ausgewandert», sagt Robert Giacometti nicht

che Kulisse.

piz 42 : Winter | Inviern 2011/2012


Robert Giacometti prĂźft die Nusstorte auch mit der Nase (unten links). Claudio KochendĂśrfer backt nicht mehr selber, aber er leitet den Traditionsbetrieb.


Schon Balser Giacometti hatte sich ein zweites Stand­

daraus, gebacken aus Bio-Arvenkernen, Roggenmehl,

Giacometti in Lavin und

bein mit einem Spezialitätensortiment aufgebaut.

Rohzucker, Butter, Bio-Eiern und Arvenlikör. Eine

Kochendörfer in Pontresina.

Nun wurden Nusstorten und Birnbrot, das früher nur

Kostprobe zeigt, dass sie das Zeug zum Bestseller ha­

Blicke in die Backstuben von

an Weihnachten hergestellt wurde, produziert. Sie

ben – sie sind wirklich schmackhaft.

sorgen heute über den Abnehmer Coop für den lan­

Giacometti verrät ein Geheimnis, das gut zum Schick­

desweiten Bekanntheitsgrad des Namens Giacometti.

sal der Engadiner Spezialitäten passt: Auch die Arven­

Die Beliefertung des Grossverteilers ist aber auch eine

kerne stammen nicht aus dem Engadin, denn hier ist

Herausforderung für die zwölf Mitarbeitenden. «Es

es verboten, den Arven die Zapfen zu nehmen. Giaco­

kommt ein Fax, und eine Woche später müssen tau­

metti verwendet daher Arvenkerne, die aus Sibirien

send Nusstorten bereit stehen», schildert Robert Gia­

importiert werden. Schon überlegt er sich, ob er diese

cometti. Pro Arbeitsgang entstehen rund zweihun­

nicht einmal direkt in Russland einkaufen soll. Wenn

dert Nusstorten. Trotz Knetmaschinen, Teigmischern

Feriengäste statt nur immer Nusstorten vermehrt

und digital gesteuerten Backöfen ist immer noch viel

auch Nuschpignas als süsses Souvenir mit nach Hause

Handarbeit erforderlich.

nehmen, dürfte eine Reise von Lavin in den fernen

Was aber macht die Qualität einer guten Nusstorte

Osten bald auf dem Programm stehen.

aus? Gibt es ein Geheimnis? Sind es die Zutaten? Gia­ cometti schmunzelt: «Alle Zutaten sind auf der Pa­

Nationalparkpräsident

ckung angegeben. Das Geheimnis ist die Handarbeit.»

Robert Giacometti ist nicht mehr Vollzeit in der Bä­

Und hier ist das feine Gespür für die Karamellisierung

ckerei tätig. 15 Jahre lang amtete er im Nebenamt als

das Wichtigste. Man muss genau den richtigen Mo­

Gemeindepräsident von Lavin und neun Jahre auch

ment treffen, wenn der Zucker braun wird. Dies macht

als Grossrat. Vermehrt widmet er sich nun seinen

den entscheidenden Unterschied aus. Und selbstver­

Hobbys und Mandaten, zu denen neben der Jagd auch

ständlich braucht es stets frische Zutaten.

das Präsidium der Nationalparkkommission zählt.

Erfindergeist Den Erfolg verdanken die Engadiner Bäcker und Kon­

8

Dieses hat er vor drei Jahren von Nationalrat Andrea Hämmerle übernommen. Die Bäckerei hat er inzwischen an die vierte Genera­

ditoren nicht zuletzt ihrer Kreatitivät und Innovati­

tion übergeben. Tochter Miranda und ihr Ehemann

onskraft. Die Lust am Erfinden und an der Schöpfung

Arthur Thoma sorgen für Kontinuität. Arthur Thoma

von Neuem ist auch bei den Giacomettis spürbar. Erst

stammt aus dem Münstertal und sagt von sich selbst,

drei Monate alt ist die jüngste Kreation des Hauses: die

er sei ein Quereinsteiger. Als gelernter Koch setzt er

«Nuschpignas» oder Arvenzapfen. Das sind Trocken­

nun in Lavin die Bäckertradition der Giacomettis fort.

guetzli mit Arvenkernen. Die Arvenzapfen enthalten

Dabei darf er auch auf eine wachsende Online-Kund­

unter den Blättern einen Kern in einer harten Schale.

schaft zählen: «Wir erhalten immer mehr Bestellun­

Er ähnelt den Pinienkernen, ist aber etwas kleiner. Seit

gen übers Internet», berichtet er. Das sind gute Zei­

längerem trug sich Robert Giacometti mit der Idee,

chen für die Zukunft. Aber es braucht weiterhin den

aus Arvenzapfenkernen ein neues Produkt zu kreie­

vollen Einsatz, um Spitzenprodukte auf dem gewohnt

ren. Erste Versuche mit einer «Arventorte» ergaben

hohen Level herzustellen. Niemand zweifelt daran,

keine befriedigenden Resultate. Nun wurden Guetzli

dass dies in Lavin auch künftig der Fall sein wird.

piz 42 : Winter | Inviern 2011/2012


Der eingewanderte «Fritz»

den Hotelbetrieb bei ihm einzukaufen. Umgekehrt

Ortswechsel vom Unter- ins Oberengadin. Eine Stunde

liess sich der Hotelier dieses Entgegenkommen mit der

Zugreise und zehn Minuten Fussweg entfernt, stehen

Pflicht abkaufen, dass der Kamin um zwei Meter höher

wir neben der Post Pontresina vor der Auslage der Kon­

als geplant zu bauen sei. 1907 stand die Bäckerei, und

ditorei-Bäckerei Kochendörfer, die zugleich auch ein

es kehrte zwischen den Nachbarn Friede ein.

Restaurant und ein Hotel («Albris») ist. Kochendörfer tönt nicht sehr Engadinisch und ist es auch nicht. Jo­

Ein Deutscher erfindet die Engadiner Torte

hann Friedrich («Fritz») Kochendörfer, der Gründer,

Über diese schöne Geschichte schmunzeln die Ein­

war ein Deutscher, den es 1893 von Württemberg nach

heimischen in Pontresina noch heute. Inzwischen ist

Pontresina verschlug. Welches die Gründe für diesen

Kochendörfer zu einem Begriff im ganzen Engadin

doch nicht gerade alltäglichen Transfer waren, kann

und darüber hinaus geworden. Die meisten bringen

Claudio

ihn mit der Engadiner Torte in Verbindung, der be­

Kochendörfer

nicht

sagen.

Mit

dem

iPhone will er rasch seinen Vater kontaktieren, doch

kannten Spezialität des Hauses. «Wir produzieren da­

der ist gerade nicht erreichbar. Egal. Er vermutet, dass

von 24’000 Stück im Jahr», sagt Claudio Kochendörfer,

nach der Auswanderung so vieler Engadiner Bäcker in

Vertreter der vierten Generation der Familie. 90 Pro­

diesem Gewerbe bereits wieder ein Personalnotstand

zent gehen über den Ladentisch, der Rest wird ver­

geherrscht hat, so dass gelernte Berufsleute höchst

schickt. Die exquisite Torte gilt als Prunkstück Enga­

willkommen waren. Jedenfalls wirkte sein Urgrossva­

diner Konditorenkunst – auch wenn sie der Sohn

ter zunächst im Hotel «Roseg» und dann im Hotel «Sa­

eines Deutschen erfunden hat, nämlich Fritz’ Sohn

ratz», wo er die Hausbäckerei mietete und die anderen

Oscar, der sie in den Dreissigerjahren entwickelte. Die

Hotelbetriebe mit Brot belieferte. Es war die Zeit, als

Torte mit dem feinen Mürbeteig, der Rahm-Kirsch-

der Tourismus vor allem mit englischen Gästen

Füllung und dem Florentinerdeckel geht – wie Giaco­

boomte und die Hotelpaläste entstanden.

mettis Nusstorte – zu einem schönen Teil in den «Ex­

Der tüchtige «Fritz», wie er genannt wurde, erwarb ein

port» ins Unterland. Feriengäste nehmen sie als

Grundstück gegenüber dem heutigen Fünf-Sterne-

Mitbringsel mit nach Hause und Firmen bestellen sie

Hotel «Walther», das damals noch «Palace» hiess, um

am Jahresende als Geschenk für Kunden und Ge­

dort eine eigene Bäckerei zu errichten. Doch der noble

schäftspartner. «Das ist sehr vorteilhaft für uns», sagt

Nachbar hatte etwas dagegen: Besitzer Claudio B. Sa­

Claudio Kochendörfer. So kann er in der frequenz­

ratz befürchtete Russ und Rauch vom Koksofen und

schwachen Zeit Anfang Dezember vor dem Beginn der

setzte alles daran, Kochendörfer vom Bau abzuhalten.

Wintersaison dennoch einige Arbeitskräfte beschäfti­

Unter anderem drohte er ihm mit einem Brotboykott.

gen.

Kochendörfer wollte darauf das Grundstück der ka­

Schon Fritz Kochendörfer hatte die Bäckerei mit Pen­

tholischen Kirche verkaufen, die dort ein Gotteshaus

sionszimmern und einem Tearoom ergänzt. Daraus

plante. Da strich der erzreformierte Walther-Besitzer

entstand später das Hotel «Albris», das im Unterschied

die Segel. Immissionen waren ihm dann doch lieber

zu anderen Hotels in Pontresina ein Ganzjahresbe­

als Katholiken. Kochendörfer nutzte die Seelennöte

trieb ist. Im Restaurant, das für seine Fisch- und Wild­

des Nachbarn gleich aus, indem er ihn in einem Zehn­

küche bekannt ist, tafeln viele Feriengäste – auch Pro­

jahresvertrag dazu verpflichtete, sämtliches Brot für

minenz. Es fällt Claudio Kochendörfer nicht schwer,

piz 42 : Winter | Inviern 2011/2012

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Tortenbacken als Familien­

mit etlichen Namen von bekannten Politikern und

tradition: Kochendörfers (links)

Wirtschaftsgrössen aufzuwarten, die er regelmässig

den Fünfzigerjahren ein und versorgte die Engadiner

und Giacomettis (rechts).

bewirtet. Das «Kochendörfer» ist aber auch ein belieb­

Hotellerie mit zusätzlichen Gästen. «Ein Markstein

ter Treffpunkt der Einheimischen. Dies trägt dazu bei,

war der Bau der Diavolezzabahn», sagt Claudio Ko­

dass sich der Familienbetrieb auf einen saisonal sehr

chendörfer, «mit ihr kam der grosse Aufschwung.»

ausgewogenen Umsatz verlassen kann. Die Sommer­ saison bringt hier finanziell etwa gleich viel ein wie

Tourismusförderer und Lokalpolitiker

die Wintersaison. Und auch die drei Sparten des Be­

Daran war sein Grossvater nicht unschuldig – er

triebs – Bäckerei-Konditorei, Restauration und Hotel –

wirkte bei der Gründung der Bergbahn «in die oberen

tragen gleichmässig zu je einem Drittel zum Umsatz

Dreitausend» (Werbeslogan) aktiv mit, wohl nicht

bei. Ein solideres wirtschaftliches Fundament kann

ohne berechtigte Hoffnung auf den eigenen wirt­

man sich in einer stark vom Tourismus abhängigen

schaftlichen Erfolg. Sein Sohn, der ebenfalls Oscar

Region nicht wünschen.

Schwierige Zeiten überstanden Natürlich gab es auch andere Zeiten. Gründer Fritz Ko­

hiess, setzte das Werk in den Siebzigerjahren fort. Auch er war Bäcker / Konditor von Beruf. Und es gibt eine weitere Familienkonstante: Oscar sen. betätigte sich politisch und war während vieler Jahre Mitglied

chendörfer musste den Ersten Weltkrieg und die nach­

des Gemeinderates Pontresina, Oscar jun. tat es ihm

folgende Wirtschaftskrise überstehen und sich dabei

in der Folge gleich und auch Claudio Kochendörfer

ordentlich abrackern. Das ging ihm derart an die Subs­

sitzt seit drei Jahren in der lokalen Exekutive und hält

tanz, dass er 1927 im Alter von nur 56 Jahren starb. Da­

das politische Fähnlein hoch. Für welche Partei? «Für

rauf mussten die Witwe Hermine und der erst 25-jäh­

gar keine», antwortet er. Er wurde auf Vorschlag des

rige Sohn Oscar einspringen, der wie der Vater das

Hoteliervereins gewählt und besitzt kein Parteibuch.

Konditorenhandwerk erlernt hatte. Oscar heiratete

In Pontresina kennt man sich, man wählt Menschen,

wenig später in Davos Felicie Fopp. Mutter, Sohn und

nicht Parteivertreter.

Schwiegertochter spannten nun zusammen und hiel­

In einem Punkt aber hat er mit der Kochendörfer’schen

ten den Familienbetrieb über Wasser, bis ihn Oscar

Tradition gebrochen: Während seine Vorgänger noch

übernehmen konnte. Die Pension wurde in ein kleines

allesamt in der Backstube standen, verzichtete er auf

Gasthaus ausgebaut, und mit der Engadiner Torte ent­

den Bäcker-Konditor-Beruf und die Handels- und die

stand der Klassiker des Hauses, der den Familienna­

Hotelfachschule. Ihm und seiner Schwester Stéphanie

men definitiv in den Olymp der Konditorenkunst hie­

obliegt bereits seit zehn Jahren die Führung des Be­

ven sollte. Übrigens: Wer während des Zweiten

triebs. Dieser ist aus dem Dorf ebenso wenig wegzu­

Weltkriegs eine Torte erstehen wollte, hatte 4.50 Fran­

denken wie die Engadiner Torte aus dem regionalen

ken auf den Tisch zu legen und musste erst noch But­

Spezialitätenangebot.

ter-Rationierungsmarken für 150 Gramm beilegen. Während der Kriegsjahre kam den Kochendörfers zu­ gute, dass sie das Militär mit Brot beliefern konnten. In jenen Jahren war im Winter noch nicht viel los. Die Gäste vergnügten sich mit Eislaufen, Curling und 10

Sonnenbaden. Der Ski-Massentourismus setzte erst in

piz 42 : Winter | Inviern 2011/2012


piz 42 : Winter | Inviern 2011/2012

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Warum stehst du morgens auf? Johannes Burr beschäftigt sich seit Jahren mit Forschungen zum Thema Motivation im Alltag. Teile dieser mitunter durchaus leidenschaftlichen Forschungen fanden auch in Nairs, im Zentrum für Gegenwartskunst, statt.

Text: Franco Brunner Videostills: Johannes Burr

12

A

m Abend gehe ich total gerne ins Bett ... aber

als auch der Genuss enthalten. Es gebe ganz unter­

auch Erwachen und Aufstehen find ich wun­

schiedliche Arten von Leidenschaften, zum Beispiel

derbar.» Andrea L. aus Berlin scheint sie nicht

intellektuelle oder sinnliche. «Es gibt ja schliesslich

wirklich zu kennen, die Schwierigkeiten, am Morgen

sowohl leidenschaftliche Denker als auch leiden­

richtig in die Gänge zu kommen. Die junge Frau aus

schaftliche Esser», sagt Burr lachend.

der deutschen Bundeshauptstadt ist jedoch nur eine

Im Falle dieses Motivationsforschungsprojekts muss­

von knapp 40 Personen, die der Künstler Johannes

ten die «Probanden» in erster Linie leidenschaftliche

Burr im Rahmen seines Langzeitprojekts «Motivati­

Bewegungskünstler sein. Denn Burr erwartete von

onsforschungen» befragt hat. Wobei «befragt» viel­

seinen Interviewpartnern eine nonverbale Antwort

leicht etwas hoch gegriffen ist. «Ich habe allen nur

auf die von ihm gestellte Frage. Wortreiche Gespräche

eine einzige Frage gestellt», erklärt er bei einem Be­

habe es erst nach der eigentlichen Aktion gegeben.

such im Kulturzentrum Nairs, wo er immer mal wie­

«Ich wollte sozusagen Bilder für etwas Unsichtbares

der zu Gast ist. «Warum stehst du morgens auf?» lau­

finden», erklärt er. So stellten Leute von Berlin bis

tete die scheinbar simple Erkundung.

Basel vor laufender Kamera ohne Worte dar, weshalb

Was treibt die Menschen an?

tun. Da gab es die verschiedensten Interpretationen:

Es habe ihn ganz einfach interessiert, dem Willensim­

«Vom pragmatischen Durchspielen der morgendli­

puls sprich der Motivation nachzugehen, die einen

chen Rituale bis hin zu symbolischen Darstellungen

Menschen antreibt. Das Wort «Leidenschaft» nimmt

auf einer höheren Ebene.»

Burr in diesem Zusammenhang nur ungern in den

So sei eine Frau ohne gross zu überlegen auf den Kü­

Mund. «Der Begriff Leidenschaft ist mir noch nicht so

chenschrank gestiegen und danach nicht mehr von

sie jeden Morgen aufs Neue aufstehen und wie sie das

ganz klar», sagt der Basler Künstler, der vornehmlich

dort heruntergekommen, «wie ein Bergsteiger, der ei­

in Berlin lebt und arbeitet. Das sei eine sehr ambiva­

nen Gipfel erstürmt und danach den Weg nach unten

lente Sache, schliesslich sei darin sowohl das Leiden

nicht mehr findet». Ob diese Bergsteigerin eine der Be­

piz 42 : Winter | Inviern 2011/2012


fragten aus dem Engadin war, will der Künstler nicht

aufs Neue. Aber was treibt uns dazu an? Was ist sozu­

Sie erklären ohne Worte, wes­

verraten. Dass ihm die Engadin-Interviews – die 2007

sagen die Leidenschaft unseres Lebens? Diese Frage

halb sie jeden Tag aufstehen:

bei einem Aufenthalt in Nairs entstanden sind – ganz

kann auch Burr nicht wirklich beantworten. Gerade

Annina S.; Andrea L.; Maya R.; Jon R.; Vreni C. (v.l.n.r.)

besonders am Herzen lagen, ist offensichtlich. Und

deshalb habe er entschieden, sie anderen Leuten zu

Burr erklärt auch weshalb: «Ich bin in Tarasp geboren

stellen, sagt er lachend.

und lebte hier bis zu meinem vierten Lebensjahr. Des­

Ein abschliessendes Urteil oder gar eine Wertung der

halb war es für mich total spannend, sozusagen die

erhaltenen Antworten will sich der Künstler indes

neuen Bewohner meiner alten Heimat in die Arbeit

nicht anmassen. «Es war einfach spannend zu sehen,

miteinfliessen zu lassen.» Nicht zuletzt deshalb prä­

dass jede und jeder eigenen Vorstellungen, Projekten

sentierte er im Sommer 2011 einzelne der entstande­

und Leidenschaften nachgeht. Am Ende aber greift ir­

nen Interviews in einer Inszenierung im Hotel «Li­

gendwie trotzdem alles ineinander und fügt sich in der

schana» in Scuol.

Gesellschaft zu einem stimmigen Ganzen zusam­

Überraschende Ähnlichkeiten

men», resümiert der Künstler. «Diese Feststellung war für mich faszinierend und überraschend zugleich.»

Inhaltlich grosse Unterschiede zu den anderen Befrag­

Überrascht zeigte sich am Ende des nonverbalen Inter­

ten hätten sich bei den Unterengadinern indes nicht

views auch Thomas K. aus Berlin, ein weiterer Proband.

ausmachen lassen. «Ich war doch einigermassen über­

«Es ist eigentlich besser gegangen, als ich gedacht

rascht, dass sich die Antworten und das Verhalten der

habe», gab er nach seiner nonverbalen Antwort zu Pro­

Menschen im Unterengadin nicht sonderlich von den­

tokoll. In solchen Protokollen ist festgehalten, was die

jenigen in Norddeutschland unterschieden», stellt Burr

«Akteure» nach ihren «Antworten» mit Burr bespra­

fest. Die grössten Unterschiede habe es zwischen jun­

chen. Diese Gespräche sind aufgezeichnet und sollen

gen und alten «Interviewten» gegeben. Die Aktionen

transkribiert und zusammengestellt werden. So soll

und «Antworten» der Jungen seien von mehr Leiden­

das Langzeitprojekt zu einem leidenschaftlichen Ende

schaft geprägt gewesen als diejenigen der Älteren. Vor

gebracht werden. www.schuften-und-faulenzen.ch

allem hätten die Jungen intensiv nach dem richtigen Platz im Leben gesucht, während die älteren Gesprächs­ partner meist nach anfänglichem Zögern und Nach­

Wärmefeld

denken umso souveräner und abgeklärter wirkten.

«Diese Videos, die zurückbleiben, bedeuten für sich

Die Gleichzeitigkeit von Ungleichzeitigem

genommen so gut wie gar nichts. Das Wesentliche ist die Interaktion im Beziehungsfeld – es entstand ein

Klar ist: Johannes Burrs Motivationsforschungspro­

‹Wärmefeld›. Den Willensimpuls, den es braucht, um

jekt ist keine wissenschaftliche Grundlage für das Mo­

am Morgen in den eigenen Körper reinzukommen

tivations- und Leidenschaftsverhalten der Mensch­

und aufzustehen, kann man auch als Wärme wahr­

heit. Trotzdem bietet es interessante Einblicke. Die

nehmen. Und dieser Wärmeprozess ist vielleicht eine

simple und einzige Frage «Warum stehst du morgens

höhere Form von Leidenschaft, im zusammengesetz­

auf?», die in ihrer zentralen Bedeutung kaum zu über­

ten Sinn des Wortes. Allerdings wird das durch die

treffen ist, stellen sich im Alltag wohl nur die wenigs­

Kälte des Mediums Video fast wieder ausgelöscht.»

ten Menschen. Und doch tun sie genau dies jeden Tag

Johannes Burr

piz 42 : Winter | Inviern 2011/2012

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Ingio avda la poesia scha na in ün crap dal flüm […] aint il sbriun d’ün’aua ravaschusa chi squitta our’in sbrinzlas sa paschiun Andri Peer, 1955

Lebensader und Inspirationsquelle «L'En» so der Titel eines bibliophilen Buches mit Fotografien von Michael Bühler, begleitet von Textfragmenten zahlreicher romanischer Schriftstellerinnen und Schriftsteller, zusammengestellt von Clà Riatsch. piz stellt die fast mythischen Fotografien vor. Die zweisprachigen Gedichte über den Inn beziehen sich aber nicht direkt auf die Bilder – mit Absicht. Text: Marina U. Fuchs

BUCHTIPP ZUM THEMA:

Fotos: Michael Bühler

Michael Bühler, Clà Riatsch, Ramun Spescha: «L’En». 80 Seiten, Edescha Art Verlag.

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Wo ist die Poesie wenn nicht in einem Stein des Flusses […] im Schwall eines rauschenden Wassers das seine Leidenschaft in Funken versprüht Andri Peer, 1955

W

asser, Gegenstand der Mythologie und Na­

bis 109 lautet: «Ripam Aeni fluminis, quod Raetos No­

turphilosophie, wurde schon früh zu den

ricosque interfluit» – «Das Ufer des Flusses Inn, der

vier Urelementen gezählt. Es war seit jeher

zwischen den Rätern und den Norikern fliesst.»

Gegenstand von Auseinandersetzungen über die Nut­ zung von zu viel oder zu wenig. Es dient dem Trans­

Atem der Ahnen und Opfer des Fortschritts

port, der Energiegewinnung, als Nahrungsquelle, als

Seit jeher hat der Fluss die Geschicke der Menschen im

Badegewässer und Trinkwasserreservoir. Nicht anders

Engadin bestimmt und es konnte nicht ausbleiben,

war und ist es beim Inn, romanisch «En», der Namens­

dass er und seine Nutzung mehr und mehr zum Poli­

geber für das ganze Tal, das er durchfliesst. Er ent­

tikum wurden. Über das Wasser wurde und wird ge­

springt auf 2484 Metern über dem Meer, nahe dem

stritten. Wo früher ein stolzer wasserreicher Fluss das

Lunghinsee und mündet in Passau in die Donau.

Tal durchschnitt, ist heute oft nur noch ein vergleichs­

Der Name Inn leitet sich von den keltischen Wörtern

weise mageres Rinnsal zu sehen.

«en» und «enios» ab, welche frei übersetzt «Wasser»

Clà Riatsch, Professor für rätoromanische Sprach- und

bedeuten. In einer Urkunde aus dem Jahre 1338 ist der

Literaturwissenschaft an der Universität Zürich, be­

Fluss einfach mit dem Namen «Wasser» eingetragen.

schreibt seine Empfindungen so: «Wann immer ich

Die erste schriftliche Erwähnung aus den Jahren 105

aus dem Vereina-Tunnel komme und den Inn sehe,

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En, stat dechantà flüm alpin, taidla; teis nom nu s’affà per ta via. Damar’at nomnain: En-ergia. Armon Planta, 1966

denke ich: Restwasser. Der Lärm der Talstrasse ist oft

Mit der Kamera erwandert

lauter als der Inn, dies macht mich immer wieder zum

Auch den Fotografen Michael Bühler verbindet eine

hilflosen Nostalgiker.»

Der Fluss in der Literatur Der Fluss weckt Emotionen, bringt Leidenschaften

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lange intensive Beziehung mit dem Inn und mit dem Engadin. Bereits 2001 präsentierte er im Zentrum für Gegenwartskunst in Nairs seine Fotos in einer Mappe mit der fünfzehnteiligen Serie «l’En». Die Fotos er­

ans Licht, lässt die Menschen selten unbeteiligt. In

schienen ausserdem auch zu Texten von Clà ­R iatsch.

vielen Gedichten der bedeutenden Unterengadiner

Und so kann Michael Bühler feststellen, dass «das

Poeten aus Vergangenheit und Gegenwart, mit denen

Wasser wiederholt zum zentralen Rückgrat meiner Ar­

sich Clà Riatsch in seiner Arbeit intensiv beschäftigt,

beit wurde». Er schreibt dies zur erwähnten Mappe,

spielt der Inn eine bedeutende Rolle. Er wird besungen

die als Teil einer fotografischen Aufarbeitung des The­

und beschrieben als Atem der Ahnen, als Gesang für

mas «Landschaft und Architektur im Unterengadin»

Alle und den Einzelnen, als Verkünder der Endlichkeit

im Rahmen des Atelieraufenthaltes in Nairs entstand.

des Lebens. Aber auch als ausgebeutete Natur und als

Daran hat sich wenig geändert, auch wenn Bühler in­

Vater der Zeit voller Weisheit, beruhigend und aufrüt­

zwischen seine intensive hochemotionale Auseinan­

telnd, als Sänger des Engadins.

dersetzung mit dem Berg gesucht hat. Seine neuste Ar­

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En, besungener Alpenfluss, hör zu; dein Name passt nicht zu deinem Weg. Wir nennen dich deshalb: En-ergie. Armon Planta, 1966

beit «Der Albula, eine mystische Reise» führt hinauf

sich erneut auf den Weg, diesmal mit einer analogen

auf den Pass und die Berge – trotzdem bleibt das Was­

Kamera, die ein ganz anderes Betrachten erfordert.

ser, der Inn, sein zentrales Thema.

Und mit Gedichten wie «Furnatsch» von Andri Peer als

Angeregt durch seine früheren Arbeiten, reifte in Büh­

Inspirationsquelle in der Tasche.

ler das Buchprojekt. Er wollte über den Inn erzählen, eine bildliche Ode über den Fluss verfassen, seine Ge­

Zeit und Ewigkeit

danken und Empfindungen weitervermitteln, damit

«Dann stimmte plötzlich alles», freut sich der Fotograf,

mehr Menschen den Inn bewusster wahrnehmen.

«jetzt war die Tiefe da, der Sinn. Ich habe den Fluss er­

Das Thema liess ihn nicht mehr los und trotz einiger

wandert, wie ich Gedichte lese.» Bereits als Kind war

Rückschläge, die ihn an Sinnhaftigkeit, Tiefe und

Michael Bühler vom Wasser begeistert. Es hat für ihn

Qualität zweifeln liessen, wanderte er im Herbst 2010

schon immer Geborgenheit bedeutet, ist für ihn die

erneut den Flusslauf in seiner ganzen Länge durch das

Metapher des Mensch-Seins. «Fliessendes Wasser

Engadin ab. Die dabei entstandenen digitalen Auf­

bringt mich zu mir hin», stellt er fest. Damals, als er in

nahmen hatten für ihn aber vorerst nur die Qualität

Nairs arbeitete, habe er mit offenem Fenster geschla­

von Notizen. Angeregt durch Gespräche mit Clà Ri­

fen, dabei sei der laut rauschende Fluss «in meine

atsch und dem Grafiker Ramun Spescha machte er

Träume hineingeströmt».

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Chanzun da l’En […] schi’s taidla bain, minchün lur’ingiavina i’l chant per tuots alch be per el sulet. Peider Lansel, 1939

Michael Bühler bildet nicht nur ab, er gibt in seinen

Schönheit und Würde, von Zerstörung und Heimweh,

Fotografien viel von sich preis, von seinem Empfin­

von der Gewalt des Wassers und ihrer Unterdrückung.

den, seinen Beweggründen, seiner Sensibilität und

«Die Texte von Andri Peer, Peider Lansel, Men Rauch,

immerwährenden Suche, seiner Begeisterung, Lei­

Armon Planta, Cla Biert, Rut Plouda und Clo Duri Bez­

denschaft und Verbundenheit mit den Themen seiner

zola sollen ein Spannungsverhältnis aufbauen, keine

Aufnahmen. Er reflektiert und ist offen für das, was

Bildlegende sein», betont Clà Riatsch, «sie sollen vom

kommt. Es gelingt ihm, die Zeit aufzuheben, er zeigt

Bild zum Text führen und umgekehrt». Bühlers Fotos

das Schöne und Romantische, das Mystische, klam­

und die eindringlichen Worte zeigen den Inn als Bild

mert aber die Zerstörung, die Zähmung und Beschnei­

des Ewigen ebenso wie als Bild der Zeit, so wie es Cla

dung nicht aus.

Biert in seinem Gedicht «La müdada» beschreibt: «im­

Der Inn in Gedichten Hier setzen die Textstellen an. Es sind immer nur we­ nige Zeilen, oft nur Teile aus längeren Passagen. Sie be­ ziehen sich nicht auf ein konkretes Bild, aber auch sie berichten von Geschichte und Vergewaltigung, von 18

Lied des Inns […] wenn man gut lauscht, errät ein jeder im Gesang für alle etwas nur für ihn allein. Peider Lansel, 1939

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mer da und immer unterwegs» – «adüna qua ed istess adüna in viadi».


Skilehrerin: Einmal und für immer Als Skilehrerin Rita Bina Schmidt die erste Saison auf der Piste verbringen wollte, wurde sie von ihrem damaligen Chef gewarnt: Du hörst nie mehr auf. Der Mann hat recht behalten. Geschichten der dienstältesten Skilehrerin.

Text: Sina Bühler Fotos: Robert Bösch, United Archives

O

b sie die dienstälteste Skilehrerin in der Schule

käme sicher nie mehr in eine Praxis zurück. Ganz un­

sei, frage ich Rita Bina Schmidt. «Von den

recht hatte er nicht, der Doktor: Rita Schmidt machte

Frauen vielleicht», sagt sie, die seit 40 Jahren je­

das Skilehrerpatent und verbringt seit jenem ersten

den Winter als eine der «Blues», der Suvretta-Skischul­

Jahr jede Wintersaison auf den Pisten. Den Rest des

lehrer im blauen Dress, verbringt. Aber der Fridli, der

Jahres allerdings arbeitet sie weiterhin als Praxisassis­

sei viel länger dabei, seit 60 Jahren wahrscheinlich.

tentin – seit 37 Jahren im Heilbad St. Moritz.

Fridli Wyss ist über 80, sein Ruhestand ist nicht in Sicht. Bei Rita Schmidt ist es etwas anders: In zwei Jah­

Langzeitgäste sind rar geworden

ren geht sie – vielleicht – in Rente, denn sie hat mehr

Sie hat Geschichten gesammelt in diesen 40 Jahren –

als nur eine Leidenschaft. In ihrer Freizeit malt sie seit

unzählige. Und sie erzählt gern. Von der Frau eines

ihrer Jugend. Nach einer Malausbildung an der Mai­

englischen Ministers beispielsweise, einer Lady, deren

länder Accademia Cimabue hatte sie schon verschie­

Familie sie zehn Jahre lang betreute. Jedes Jahr brachte

dene Ausstellungen. Das Sujet? Die Berge, die Engadi­

die Lady Weihnachtsgeschenke. «Absurdes Zeug»,

ner Natur in allen Jahreszeiten. Doch: «Na ja, vielleicht

sagt Rita Schmidt lachend, «Kleiderbügel, Bettfla­

mache ich dann doch weiter bei der Skischule, denn

schen und Handtäschli. Ich und Handtäschli! Ach, es

ich fahre sehr, sehr, sehr gerne Ski.»

war jedes Jahr eine neue Überraschung.»

Es blieb nicht bei einer Saison

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Dass Gäste jahrelang zu ihr kommen, ist immer noch üblich. Aber während sie früher für zwei, drei Wochen

Rita Schmidt stammt aus Bergün. Nach der Lehre als

am Stück gebucht wurde und schon ein ganzes Jahr im

medizinische Praxisassistentin arbeitete sie bei einem

Voraus, komme es heute öfter vor, dass sie kurzfristig

Arzt in Sils, fuhr in der Freizeit viel Ski. Sie liebäugelte

zwei, drei Stunden eingesetzt werde. Weniger aus fi­

immer schon mit dem Skilehrerberuf. Als sie ihrem

nanziellen Gründen, wohl eher darum, weil die Gäste

damaligen Chef dann sagte, sie würde gerne eine Sai­

gar nicht mehr so lange in St. Moritz bleiben, zwi­

son als Skilehrerin arbeiten, meinte der lachend, sie

schendurch nach London, New York und Dubai jet­

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ten. «Richtige Ferien machen sie gar nicht mehr.» Da

bremst, aber er hörte nicht auf mich. Dann, nach

Skischul-Impressionen einst

werde den ganzen Tag lang telefoniert und am Abend

kurzer Zeit, ist ihm schlecht geworden.» Sie hielt ihm

und heute.

der Laptop eingeschaltet und herumgemailt. Nicht

Coramin-Tabletten hin und erklärte ihm die Bergwelt,

weniger kompliziert als die Ferienplanung der Winter­

bis er sich erholt hatte. Später habe sich dieser Skischü­

sport-Touristen ist auch die Einsatzplanung der Ski­

ler herzlich dafür bedankt. Er habe zum ersten Mal die

schule. «Da gehen fünf bis sechs Mails hin und her, bis

Umgebung wahrgenommen.

die Ansprüche und Wünsche der Gäste alle erfüllt

So schön St. Moritz ist, so schwer ist es, junge Leute

sind», sagt der Leiter der Suvretta Ski School Patrik

hierzubehalten. Viele ziehen weg aus dem teuren Tal.

Wiederkehr. Die Wünsche reichen von besonderen

Einheimische zu rekrutieren sei schwieriger gewor­

Anforderungen an Skilehrerinnen bis zum Pyscholo­

den, hat Skischulleiter Patrik Wiederkehr die Erfah­

gischen: Patrik Wiederkehr sorgt deshalb auch dafür,

rung gemacht. Auch weil der Wohlstand zugenom­

dass Gäste und Skilehrer gut zueinander passen, sei es

men hat und nicht mehr alle etwas dazuverdienen

sprachlich, vom Alter und Geschlecht, von der Erfah­

müssen. Und weil die Dorfjugend zu lange Snowboard

rung oder vom Fahrstil.

statt Ski gefahren ist: «Snowboardlehrer brauchen wir

Die Natur geniessen

viel weniger, jetzt ist Skifahren wieder in. Bis jemand, der jahrelang nur Snowboard gefahren ist, wieder ein

«Um mit den ganz jungen, superguten Skigästen zu

gutes Skiniveau hat, dauert es zu lange», sagt Wieder­

fahren, bin ich zu alt», diesbezüglich sei sie vorsichti­

kehr. Dazu kommt: Seit der Bologna-Reform, der An­

ger geworden, sagt Rita Schmidt. Hier werden die jun­

passung an die internationalen Universitätssysteme,

gen Skilehrerinnen und Skilehrer eingesetzt. Es gebe

stimmen die Semesterferien der Unis nicht mehr mit

jedoch genügend Gäste, die es auch ein wenig gemüt­

der Ski-Hochsaison überein. Studierende haben gar

licher nehmen möchten, etwas über die Geschichte

keine Zeit mehr, um im Winter zu arbeiten.

des Engadins erfahren und die Landschaft erleben möchten, um nebenbei auf den neuesten Stand des

Skischule als Grossbetrieb

Carving-Turns getrimmt zu werden. «Solche Gäste

Deshalb ist die Suvretta-Skischule auch auf auswär­

habe ich gerne», sagt Skilehrerin Schmidt. So fahre sie

tige Lehrerinnen und Lehrer angewiesen, auf Leute,

auch in ihrer Freizeit: «Mal eine Piste im Kurzschwung

die Russisch sprechen beispielsweise. Mehr als ein

und dann schaue ich mich wieder ganz lange um.»

Dutzend Nationen sind unter den Lehrerinnen und

Die Natur zu erleben, draussen zu sein, das ist für sie

Lehrern der Suvretta-Schule vertreten, 250 Leute sind

der Hauptgrund für ihre Berufswahl.

es insgesamt. Während der Hochsaison arbeiten bis

Sie versuche jeweils herauszufinden, wie die Gäste

200 gleichzeitig. Zwei Drittel haben ein Skischulpa­

«ticken»: «Ich zeige ihnen dann einen schönen Berg.

tent, der Rest ist noch in Ausbildung. Die Schule betei­

Wenn sie desinteressiert wirken, dann lass ich es. Aber

ligt sich an den Ausbildungskosten, denn die Kurse

meistens wollen sie mehr erfahren.» Einmal habe sie

zum Skilehrerpatent kosten gegen die 10’000 Franken.

jemanden zum Hinschauen gezwungen. Dieser Gast

Ausländische Lehrer bekommen hier allerdings nur

war innert weniger Stunden von New York über Zü­

einen Job, wenn sie schon ausgebildet sind.

rich auf den Corvatsch gefahren, auf 3303 Höhenme­

Als Rita Schmidt 1971 das Patent gemacht hat, war Ski­

ter. «Er wollte sofort losfahren, ich hab ihn etwas ge­

lehrerin noch kein Frauenberuf. Sie war damals die

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einzige Frau in ihrer Klasse. Es sei schon mal vorge­

treffende Gast gebucht, je einen für die Söhne und ei­

kommen, dass ein Gast gemeint habe, eine Frau könne

nen für sich selber, seine Frau und die Töchter. Die

ihm doch gar nichts mehr beibringen, er sei doch

Kinder hätten überhaupt nicht fahren können, der

schliesslich bereits ein guter Skifahrer. «Ein älterer

Junge, der ihr zugeteilt worden war, habe aus Angst

Kollege hat mir mal geraten, mit Männern und guten

nur geheult, denn er hatte sich im Jahr zuvor das Bein

Skifahrern als Testfahrt direkt die Buckelpiste anzu­

gebrochen. Der Vater aber bestand darauf, dass er bis

steuern. Früher war der Corvatsch voll davon. Die OK-

Punkt 16 Uhr auf der Piste bleibe. «Ich hab dann dem

Technik, die Oberschenkel-Knie-Technik, die konnte

Mann beim Sessellift gesagt, er soll jetzt bitte abstel­

ich richtig gut. Die Show hat jedes Mal gewirkt!»

Alternativprogramm inklusive

len, obwohl es noch nicht vier Uhr war.» Dann hat Rita Schmidt den jungen Gast abgegeben, höflich ge­ sagt, sie habe am nächsten Tag leider andere Kunden.

Nie habe sich übrigens jemand getraut, sie als Dienst­

Das stimmte zwar nicht, aber sie mochte es sich nicht

magd einzusetzen, sie für Mineralwasser in den Laden

mehr ansehen, wie die Kinder geplagt wurden.

oder für eine Pizza ins Restaurant zu schicken. Sie hätte sowieso nein gesagt. Doch es gibt auch Situatio­

Wo wohl ihr Bild hingekommen ist?

nen, da betreut Rita Schmidt ihre Gäste «über die Piste

Das war die grosse Ausnahme: «Mit den langjährigen

hinaus». Wenn das Wetter zu schlecht ist, macht sie

Gästen macht Skifahren immer Spass. Zum Teil sind

Vorschläge für ein Alternativprogramm und geht

daraus tolle Freundschaften geworden. Oft werde ich

auch mal mit zum Langlauf, zum Schneeschuhlaufen

eingeladen, die Gäste in der Heimat zu besuchen.»

oder auf einen Waldspaziergang samt Mittagessen.

Doch dies hat sie bisher noch nie getan. In einem Fall

«Den Gästen gefällt das, es gehört ja auch zu den Fe­

bereut sie dies: Der Lebensmittelindustrielle aus Paris

rien.»

und dessen Frau sind mittlerweile beide verstorben.

Einen kleinen Gast hat sie einmal sogar bis nach Zü­

Der betagte Herr in den Neunzigern sei nur spaziert.

rich begleitet: Der Junge hatte sich das Bein gebro­

Seine Frau aber, auch schon über achtzig, fuhr Ski.

chen. Sie flog mit ihm im Helikopter direkt von der

Zum Mittagessen trafen sie sich jeweils. «In ihrer

Piste ins Spital nach Zürich, mit dem Hausschlüssel

Wohnung hingen Bilder von Matisse, Giacometti,

der Familie in der Tasche. In der Wohnung der Fami­

Turner und vielen mehr. Die hätte ich gern gesehen»,

lie konnte sie übernachten und sie wartete im Spital,

schildert sie. Vielleicht auch, ob zwischen so viel be­

bis die Eltern eintrafen. Diese Familie habe sie auch

rühmter Kunst ein «Schmidt» hing – die beiden hat­

schon in andere Skigebiete mitgenommen, nach

ten nämlich auch eines ihrer Bilder gekauft.

Crans-Montana, Zermatt, Chamonix und Arosa. «Das hat ihr richtig Spass gemacht.»

Ein Nein als grosse Ausnahme In ihrer ganzen Karriere hat Rita Schmidt nur einmal einen Gast abgelehnt. «Es war ein schrecklicher Tag, es regnete bis hoch hinauf, es war kalt und wir waren die einzigen Skifahrer.» Drei Skilehrer hatte der be­ 22

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Seit 40 Jahren Skilehrerin: Rita Bina Schmidt


Die unmögliche Liebe zum Haus Jeder Engadiner Familie ihr Haus. Betrachtet man historische Dorfkerne, erkennt man, woher die Behauptung kommt. Doch das Tal verstädtert immer mehr und urbane Wohnmodelle breiten sich aus. Insbesondere der genossenschaftliche Wohnungsbau erlebt einen Aufschwung.

Text: René Hornung Illustration: Gregor Gilg

S

ie stehen wie städtische Exoten neben dem

«Hüsli»-Hang in Ftan, die beiden Mehrfamilien­

sammlung bewilligte Mitte September 2011 der Ge­

häuser der Chasa Reisgia: 13 Wohnungen, ge­

nossenschaft ein Darlehen von einer Million Franken.

baut von der eigens gegründeten Genossenschaft. Das

Im Laufe des Winters soll das Bauprojekt mit geplan­

war für die Einwohner neu, aber es funktioniert. Die

ten 15 Wohnungen detailliert ausgearbeitet werden,

Wohnungen waren alle rasch vermietet – zu Preisen

Gemeindepräsident Christian Fanzun ist überzeugt,

zwischen 1500 und gut 1600 Franken. «Für diese Re­

dass der Plan gelingt, denn seit die neue Hochbrücke

gion nicht billig, aber immerhin erschwinglich»,

über den Inn befahrbar ist, ist Tarasp zu einem gut er­

kom­mentiert Architekt Urs Padrun, der den Wettbe­

reichbaren Wohnort geworden. «Die neue Brücke hat

werb für diese Überbauung gewonnen hatte.

uns schon kurz nach der Eröffnung neue Einwohner

Möglich wurde dieses städtisch geprägte Wohnmo­

gebracht», stellt er erfreut fest. In Vulpera – der ersten

dell, weil der frühere und der amtierende Gemeinde­

Fraktion von Tarasp gleich bei der Brücke – sind bereits

präsident von Ftan sich der Problematik des fehlenden

mehrere frühere Zweitwohnungen zu dauernd be­

Wohnraums für Einheimische intensiv angenommen

wohnten Erstwohnungen geworden.

hatten. Die Gemeinde stellte Land im Baurecht zur Verfügung und gewährte der Genossenschaft ein

Nicht die ersten Genossenschaften

günstiges Darlehen von einer Million Franken. Für

Diese beiden jungen Genossenschaften in Ftan und

insgesamt fünf Millionen wurden hier 13  Wohnun­

Tarasp nehmen eine Tradition wieder auf, die es nicht

gen gebaut. «Wenn die Politik mitzieht, ist preisgüns­

nur in den grossen Städten gibt. Auch das Engadin

tiger Wohnungsbau möglich», kommentiert Padrun.

kennt den genossenschaftlichen Wohnungsbau seit

Ftan beweist es.

Jahrzehnten, wenn auch im eher kleineren Massstab.

Modell wird übernommen

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Grundstück im Baurecht, und die Gemeindever­

In Scuol existiert seit 1973 die Genossenschaft Piz Buin. Initiiert wurde sie damals von einigen Mitarbei­

Das Beispiel ist zwar wegen der Betonarchitektur in

tern der Post. Diese machten schon damals Erfahrun­

der Region nicht unbedingt geliebt – aber die sozialen

gen mit dem Wohnungsmangel: Vor allem die saiso­

und wirtschaftlichen Überlegungen haben inzwi­

nal angestellten Postautochauffeure fanden nirgends

schen andere Engadiner Gemeinderäte überzeugt. In

eine Bleibe. Sie brachten die eidgenössische Finanz­

Tarasp ist 2011 ein Wettbewerb für zwei Mehrfamili­

verwaltung dazu, einen Genossenschaftsblock mit

enhäuser entschieden worden. Sie werden auf dem

15 Wohnungen zu finanzieren. Die Post, früher auch

schon seit 20 Jahren eingezonten, aber bisher nie be­

Swisscom und Zoll, hatten hier Mitarbeiterwohnun­

bauten Areal Curtin am Dorfeingang zu stehen kom­

gen gemietet. Heute mietet der Bund noch zwei Feri­

men. «Nach Jahren des Stillstands geht es hier nun

enwohnungen. Die Chasa Buin ist längst zum belieb­

los», ist Gemeindepräsident Christian Fanzun zufrie­

ten Wohnhaus geworden, vor allem seit sie energetisch

den. Hier habe es ausserdem Platz für Einfamilienhäu­

saniert und die Wohnungen erneuert wurden. «Die

ser, ergänzt er, und hofft auf weitere Zuzüger.

Mieten sind trotzdem moderat geblieben», ist Genos­

Tarasp nahm sich Ftan zum Vorbild: Auch hier wurde

senschaftspräsident Andrea Nogler stolz. Kein Wun­

die Genossenschaft mit Gemeindehilfe gegründet,

der, gibt es hier selten einen Mieterwechsel, und wenn,

auch sie bekommt das der Gemeinde gehörende

wie kürzlich, eine Wohnung frei wird, «haben wir

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eine ganze Flut von Bewerbungen, ohne dass wir die Wohnung je ausgeschrieben hätten», so Nogler. Trotz

Gemeinden für die Zweitwohnungen eine Abgabe

grosser Nachfrage hat sich die Genossenschaft aber

verlangen, können sie mit diesem Geld den Erstwoh­

nie überlegt, zusätzliche Wohnungen zu bauen.

nungsbau verbilligen.

Auch im Oberengadin gibt es ein ähnliches Modell:

So macht es auch La Punt-Chamues-ch. Auf einer Par­

die Wohnbaugenossenschaft Larsch. Ihr erstes Haus

zelle am Albulahang stehen bereits zwei Mehrfamili­

wurde in St. Moritz Bad schon 1964 gebaut, zwei wei­

enhäuser – von der Gemeinde gebaut. Jetzt soll die

tere 1966 und 1972. Insgesamt 67 Wohnungen sind

Dorfentwicklung im Talboden weitergehen. Der Bo­

hier in genossenschaftlicher Hand, und auch hier

den gehört der Gemeinde und der Kirchgemeinde.

wird regelmässig investiert. Zuletzt wurde der grösste

Gegen das Projekt opponiert allerdings der Land­

Block, die Ches’Ota, energetisch saniert. Seither lie­

schaftsschutz, weil er es falsch findet, wenn die bei­

fern Kollektoren 60 Prozent des Warmwassers.

den Dorfteile La Punt und Chamues-ch bald ganz zu­ sammengebaut werden. «Die Gemeindeversammlung

Schlüsselfaktor: Bodenpreis

hat dieses Thema schon dreimal diskutiert und sich je­

Zu den jüngeren Genossenschaften im Engadin ge­

des Mal für Neubauten in diesem Gebiet ausgespro­

hört Promulins in Samedan. Sie wurde vor 20 Jahren,

chen», kontert Gemeindepräsident Jakob Stieger. Der

1992, gegründet und besitzt zwei Mehrfamilienhäu­

entsprechende Zonenplan sei auch längst rechtsgül­

ser mit zusammen 26 Wohnungen – «alles Erstwoh­

tig. Entstehen sollen dort Wohnungen für Einheimi­

nungen», wie Treuhänder Andry Niggli betont, der die

sche und Alterswohnungen sowie eine gewerbliche

Genossenschaft verwaltet. Bauen konnte Promulins

Nutzung, allenfalls eine Arztpraxis und ein Restau­

damals auf Boden, den die evangelische Kirchge­

rant. Dieser Standort in der Nähe der Schule sei für Fa­

meinde der Genossenschaft verkaufte. Geld gab es

milien sehr geeignet, betont Stieger. Auch hier will die

beim Bau noch von der Wohnbauförderung des Bun­

Gemeinde das Modell aus Ftan übernehmen, die

des – diese Verbilligungen sind inzwischen zurückbe­

Gründung einer Genossenschaft anregen und ihr das

zahlt. Doch schon bald wird Promulins wieder mit

Land im Baurecht zur Verfügung stellen.

Kreditgebern reden, denn jetzt geht es um neue Fens­

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lerina kennt entsprechende Vorschriften. Dort, wo

ter und eine bessere Isolation. Die Wohnungen sind so

Kritik an St. Moritzer Baurechtsverträgen

gesucht, dass sich die Genossenschafter überlegen,

Pläne für den Erstwohnungsbau gibt es talauf, talab

nochmals zu bauen. Bereits gibt es neue Pläne für ein

im ganzen Engadin. Auch in St. Moritz wird Woh­

Gebiet südwestlich des Dorfzentrums von Samedan,

nungsbau auf gemeindeeigenen Grundstücken vor­

wo das Ftaner Genossenschaftsmodell ebenfalls zur

angetrieben, allerdings werden hier weitgehend Ei­

Diskussion steht.

gentumswohnungen erstellt. Sie sind immerhin mit

«Grundvoraussetzung für günstigen Erstwohnungs­

klaren Beschränkungen bezüglich Nutzung und Wei­

bau ist der Bodenpreis», betont Andry Niggli. Und den

terverkauf belegt. Trotzdem setzte es im Sommer 2011

könne eine Gemeinde durchaus steuern: Wenn auf ei­

eine Debatte um das aktuell grösste Projekt, die Über­

ner Parzelle ausschliesslich Erstwohnungen für Ein­

bauung «Tinus» am Chantarella-Hang, ab. Dort hat

heimische gebaut werden dürfen, sinke der Landpreis

die Gemeinde eine Parzelle im Baurecht abgegeben,

automatisch, so Treuhänder Niggli. Die Gemeinde Ce­

damit Erstwohnungen gebaut werden – ausdrücklich

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für Bewohner, die bisher noch kein Wohneigentum

Abschied vom Einfamilienhaus?

besitzen. Das schon 1999 umgezonte Areal wird aber

Ist mit diesen Mehrfamilienhausbauten und -projek­

erst jetzt teilweise bebaut. Dabei ist im Laufe der Jahre

ten ein Paradigmawechsel eingeläutet? Ist dies der Ab­

der Passus «für Einheimische, die noch kein Wohnei­

schied vom Einfamilienhaus? Bei den Ferienwoh­

gentum besitzen» fallen gelassen worden. Nun gehö­

nungsbesitzern gebe es einen klaren Trend zum

ren örtliche Bauunternehmer, aber auch Gemeinde­

Mehrfamilienhaus, stellt Architekt Men Duri Arquint

räte zu den künftigen Wohneigentümern – Leute, die

fest. Ob bei den Einheimischen diese Entwicklung al­

schon andere Wohnungen oder Häuser besitzen.

lerdings auch angekommen sei, bezweifelt er: «Die

«Damit sind die guten Absichten pervertiert», protes­

Engadiner haben traditionell ihre eigenen Häuser.»

tiert der St. Moritzer Architekt und Planer Robert Ob­

Schaut man in Scuol an den Südhang, ist klar, dass das

rist, vor allem auch, weil die Investoren bis 2017 kei­

«Hüsli»-Denken noch weit verbreitet ist. Dieweil wer­

nen Baurechtszins zahlen müssen. «Ein stolzes

den die geerbten grossen Engadiner Häuser oft ver­

Geschenk für gutbetuchte Mitbürger», so Obrist in ei­

kauft – zum höchstmöglichen Preis. Dann sind meist

nem Leserbrief. Trotz dieser Geschenke sind aber im

Luxussanierungen für Feriendomizile die Folge.

Areal Tinus noch Wohnungen zu haben. Weitere

Inzwischen wird aber immer klarer, dass es aus raum­

kommunale oder genossenschaftliche Bauprojekte

planerischen Gründen so nicht weitergehen kann.

sind laut Bauamt St. Moritz zurzeit nicht spruchreif,

Der Kanton Graubünden bewilligt kaum noch Einzo­

nicht zuletzt weil die Bautätigkeit insgesamt hoch

nungen für Einfamilienhäuser, und auch der finan­

bleibt und auf zwei Ferienwohnungen immer auch

zielle Druck wird höher. Einige Gemeinden verlangen

eine Einheimischenwohnung gebaut werden muss.

explizit den Bau von Mehrfamilienhäusern – die Um­

In Pontresina besitzt die Gemeinde zwar ebenfalls

setzung gelingt allerdings nicht immer, wie das Bei­

Land, auf dem Erstwohnungen für Einheimische er­

spiel Ardez zeigt, wo eine entsprechende Regelung gilt,

stellt werden sollen, doch hier will die Gemeinde die

aber trotzdem nur Einfamilienhäuser gebaut werden.

Rolle der Bauherrschaft nicht selbst übernehmen.

«Die Engadiner haben noch nicht so richtig gemerkt,

Man suche Investoren, doch rechtlich könne die Ge­

dass sie in den letzten Jahren zu einer weitgehend

meinde als Grundeigentümerin das spätere Baupro­

städtischen Agglomeration geworden sind», stellt

jekt durchaus beeinflussen.

Men Duri Arquint fest. Und er fordert dazu auf, Ver­

Weder ein kommunales noch ein genossenschaftli­

antwortung zu übernehmen und sich für Alternati­

ches Modell ist ein Neubauprojekt in Scuol. Weil es

ven zum Einfamilienhausbau stark zu machen.

sich aber an einem dichten städtischen Muster orien­

Aber auch der Mehrfamilienhausbau müsse am richti­

tiert, werden auch so zahlbare Mietwohnungen mög­

gen Ort erfolgen – an Orten, die gut mit dem öffentli­

lich. Am linken Clozza-Ufer, unterhalb des Straduns,

chen Verkehr erschlossen sind. Denn mit dem Bau­

soll eine entsprechende Überbauung entstehen. Ar­

boom werden die täglichen Autofahrten immer länger.

chitekt Men Duri Arquint (Ardez und Chur) arbeitet

Zum Bodenverbrauch kommt so auch noch das Ver­

an einem Quartierplan. Die potenziellen Investoren –

kehrsproblem hinzu. Wenn immer mehr Menschen

in den USA lebende Schweizer – wollen sich hier ein

durchs halbe Tal pendeln, dann braucht es letztlich ei­

Feriendomizil bauen, allerdings in einem Mehrfami­

nen verdichteten Fahrplan, und wer mit der Bahn pen­

lienhaus, das ganzjährig bewohnt ist.

delt, wohnt am besten nahe an einem Bahnhof.

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Neue Häuser – neue Technik Im Mehrfamilienhausbau kann in der Regel mit höhe­

tung via Internet oder via Funk aus Distanz kontrol­

rem Standard gebaut werden als bei Einfamilienhäu­

liert und gesteuert werden. «Ein Hauswart kann heute

sern. Die Kosten für nachhaltige Materialien und

auf seinem Mobiltelefon diese Werte abrufen, Hei­

technisch aufwändigere Ausstattungen lassen sich

zung und Lüftung steuern und er wird bei Störungen

hier auf mehr Wohnungen verteilen. Das gilt auch für

automatisch alarmiert», schildert Merz die Vorteile.

die installierte Technik, insbesondere die Kommuni­

«Die Erfahrung zeigt, dass allein die rasche Informa­

kationstechnik. Der Elektroingenieur Martin Merz

tion hilft, Energie zu sparen, denn welcher Hauswart

aus Samedan weist in diesem Zusammenhang auf die

weiss sonst, wie hoch die Raumtemperatur in einer

Hausverkabelung hin, die einzurichten sich rasch loh­

leeren Ferienwohnung ist?»

nen kann, denn eine moderne Haustechnik bringt nicht zuletzt bezüglich Energieeinsparungen viele

Verbrauch kontrollieren

neue Möglichkeiten.

Nicht nur einem Hauswart bringen Netzwerke Vor­

Früher wurden in einem Haus Strom-, Telefon- und

teile. Auch die Bewohner selbst können auf den mo­

Fernsehkabel separat verlegt. Heute werden Neubau­

dernen Zählern mit kleinen Monitoren ihren Ver­

ten mit multifunktionalen Netzwerken ausgestattet.

brauch leicht ablesen und so besser kontrollieren:

Martin Merz kennt die Entwicklung genau, denn zu

«Die Anzeige der aktuellen Verbrauchswerte verändert

seinem traditionellen Elektroinstallationsgeschäft in

das Verhalten der Bewohner meist sehr rasch», hat

Samedan gehört schon seit 1995 auch die IT-Firmen­

Merz festgestellt. Wer sieht, wie hoch der Standby-Ver­

gruppe Metelcom, die entsprechende Netzwerke auf­

brauch der vielen Netzgeräte oder eines nicht abge­

baut. Darüber laufen die verschiedensten Daten,

stellten Computers ist, geht den Stromfressern meist

heute meist auch das Telefon und in naher Zukunft

selber nach – und schaltet sie aus. Gerade energiebe­

auch die Fernsehsignale.

wusste Bauherren und Genossenschaften können mit

Netzwerke benötigten anfänglich bloss Industrie-

Netzwerk-Installationen einen Beitrag zum nachhal­

und Gewerbebetriebe. Dann folgten Hotels und heute

tigeren Wohnen leisten. Finanzierbar sind solche In­

werden immer mehr Wohnbauten damit ausgestattet,

vestitionen, weil es inzwischen den internationalen

nicht nur luxuriöse Villen, sondern auch Mehrfamili­

KNX-Standard für Anschlüsse und Übertragungspro­

enhäuser, denn die Investition zahlt sich rasch aus.

tokolle gibt (www.knx.ch). Merz’ Metelcom ist als ein­

Metelcom hat zuletzt unter anderem das Plusenergie-

zige Schweizer Firma auch massgeblich an der in Lon­

Hotel «Muottas Muragl» verkabelt (siehe piz 41) und

don domizilierten Promoveo-Technology beteiligt, wo

das Netzwerk für die Steuerungen der Engadiner Berg­

Steuerungen für die Anwendungen entwickelt werden.

bahnen verlegt. In zahlreichen Hotels sind Kassen

Energiemanagement im Haushalt hat eine grosse Zu­

miteinander verbunden und auch der Internetzugang

kunft. Bereits spricht man von «smart grids» oder von

für die Gäste braucht ein entsprechendes Netzwerk.

«Digitalstrom», von intelligenten Stromnetzen, die

Im Wohnungsbau gewinnt man damit vor allem ener­

beispielsweise die Waschmaschine erst dann in Be­

getische Einsparungen. Dank moderner Verkabelung

trieb setzen, wenn genügend günstiger Strom vorhan­

können beispielsweise Strom-, Wasser- und Ölver­

den ist. Über Messpunkte, «smart meters», kommuni­

brauch, aber auch die Raumtemperatur oder die Lüf­

zieren die Netzwerke miteinander. rhg

Mit dem iPad das ganze Haus verwalten? Keine Zu­ kunftsmusik!

28

piz 42 : Winter | Inviern 2011/2012


Clever Energie sparen durch intelligente LÜsungen Metelcom AG Cho d’Punt 57 CH- 7503 Samedan +41 81 850 09 99 www.metelcom.ch

Metelcom AG Worlds End Studios GB- London SW10 0RJ +44 77 11 73 1800 www.metelcom.com


Bauhüttenmeister Karls des Grossen Die mittelalterliche Bauhütte ist ein zukunftsträchtiges Modell für die permanente Restaurierung eines lebendigen Kulturgutes. In der Klosteranlage St. Johann in Müstair ist seit sieben Jahren der Luzerner Archäologe Jürg Goll der Bauhüttenmeister.

Text: Esther Scheidegger Fotos: Katja Jug

E

r erinnert sich genau an den Tag, an dem es «klick» machte: Jürg Goll war zwölf, seine Grossmutter

es nicht «die richtigen» sind, wenn eine solitäre Au­

hatte ihm ein Fotoapparätli geschenkt, er stand in

ssenwandmalerei an der Heiligkreuzkapelle freigelegt,

Müstair in der Klosterkirche Son Jon Battista vor der ge­

wenn das Museum im Planta-Turm endlich eröffnet

waltigen Statue des Stifters Karl der Grosse (747 oder

werden kann oder Klosternächte gefeiert werden.

748-814) – und der Blitz versagte. Das war zwar ein Frust,

Die persönliche archäologische Sternstunde der Auto­

aber Jahre später studierte er Kunstgeschichte und Mit­

rin war im August 1959, als der Zürcher Anthropologe

telalterarchäologie, historische Hilfswissenschaften

Erik Hug (1911–1991) in der Churer Kathedrale den

und Kirchengeschichte. Sein Professor war Hans Ru­

Leichnam von Jürg Jenatsch exhumierte: Ich durfte

dolf Sennhauser, auch ein Müstair-Experte. 2003

sozusagen assistieren, mein Vater hatte mir diesen

konnte Goll einen Abguss der ältesten, einst farbigen

Event ermöglicht, ich war wie elektrisiert und wollte

Statue Karls des Grossen als Geschenk der Eidgenossen­

natürlich Archäologin werden. Es kam nicht dazu.

schaft ins Historische Museum Berlin begleiten. 2008

Müstair «entdeckte» ich erst 2001.

wurden als Leihgaben zwei Fresken aus dem mittelal­ terlichen Wandmalereizyklus nachgeliefert.

Fragmente lesen

Jürg Goll, gebürtiger Luzerner, Sohn eines Orgelbau­

Jürg Goll kann im Alltag auf seiner ewigen Baustelle

meisters, promovierte 1994 über die «Baugeschichte

Spuren, Schichten, Fragmente, Fugen und Verputze

und Baugestalt des mittelalterlichen Klosters St. Ur­

«lesen» wie Laien den opulenten Bildband «Müstair –

ban». Ab 1987 war er örtlicher Leiter der archäologi­

Die mittelalterlichen Wandbilder in der Klosterkir­

schen Forschungen im Kloster Müstair, seit 2004 ist er

che», den Goll zusammen mit Matthias Exner und Su­

Geschäftsleiter der Stiftung Pro Kloster St. Johann

sanne Hirsch im NZZ-Verlag herausgegeben hat. Seit

und als Bauhüttenmeister verantwortlich für alle For­

2006 besteht übrigens eine intensive, kompetente

schungs-, Restaurierungs- und Bauvorhaben. «Voll­

und freundschaftliche Partnerschaft mit dem Klos­

amtlich», lacht er, habe er mit seiner Frau Ursula drei

ter Lorsch (www.kloster-lorsch.de), ebenfalls einem

Kinder grossgezogen, nebenamtlich ist er auch Ge­

Unesco-Welterbe, wie es Müstair seit 1983 ist.

schäftsleiter der Stiftung Ziegelei-Museum in Cham.

Als Bauhüttenmeister leistet Jürg Goll eine immense,

«Die Karriere liegt in den Trümmern»

managt und vernetzt und dokumentiert Archäologen,

Über seine Karriere mag er nicht gross reden, denn

Architekten, Schreiner, Maurer, den Bischof, Restaura­ toren, Sponsoren, Besucher und nicht zuletzt den

Anfang an in Trümmern», wie er selbstironisch einen

Konvent. Denn im Kloster St. Johann leben und wir­

englischen Kollegen, Paul Bahn *, zitiert. Er ist nicht

ken seit dem zwölften. Jahrhundert bis auf den heuti­

nur ein ambitionierter Wissenschafter, sondern auch

gen Tag gottesfürchtige Benediktinerinnen – zwölf

als Handwerker ein Profi. Mit zunehmender Reife sei

Frauen sind es derzeit. Sie beten für die Welt und für

er genauer geworden, sagt er. «Die Faszination steigert

unser aller Seelenheil. Amen.

sich, je tiefer du in die Materie hineinkommst.» Kein

archäologischen Forschungen

schwärmerischer Schatzsucher will er sein, obwohl es

30

aufreibende, unermüdliche Koordinationsarbeit, er

«die Karriere eines Archäologen liegt eigentlich von

Jürg Goll ist seit 1987 Leiter der

im Kloster Müstair (rechts).

deckt werden, auch wenn sich später herausstellt, dass

natürlich Sternstunden gibt, wenn Reliquien ent­

piz 42 : Winter | Inviern 2011/2012

Paul Bahn, «The bluffers guide to archaeology», London 1989, neue Aufl. 1999: «To make career. This ist not easy, for an archaeologist’s career lies in ruins from the start.»

* 


Dis da bellezza Eir scha Jachen Riatsch nu va daspö blers ons plü a chatscha – cur cha la chatscha cumainza, bada el amo hoz la feivra. 45 ons s’ha el allegrà sül settember. Da seis temp cumanzaiva la chatscha adüna als 9 da settember e cun quel di per blers chatschaders il plü bel temp da l’on.

Notadas da Susanna Fanzun Fotografias : SF

B

e duos ons nun es el i a chatscha. Üna jada cha sia

Jachen Riatsch am da in man il cudesch da la Cha­

mamma staiva mal ed üna jada per chaprizi. El

monna Truoinouv, ingiò cha el e seis cumpogns han

vaiva gnü dit, ch’el nu giarà a chatscha e sias fi­

scrit aint lur aventüras ed impissmaints a partir dal

glias til vaivan perquai ris oura e manià ch’el be dia

1957. Lura cumainza’l am quintar sias istorgias predi­

quai. Lura però nun es el pelvaira brich i a chatscha.

lettas.

Davo quai nu füss el plü stat buun da star sainza ir a chatscha. Intant s’haja bler müdà. Chatschaders e

***

chatschadras sajettan sainza retgnentschas chavras da chavriöl, pitschens bokins da chavriöl, stechs da

Nos vegl ravarenda Schimun Vonmoos giava a

chamuotsch, chi nu’s sapcha schi sajan chamuot­

chatscha. Sia figlia vaiva maridà a Claudio Valentin

schins o leivras, disch Jachen Riatsch. Baincler ch’el

da Strada, ün paur chi giaiva eir a chatscha. Ün di dei­

sapcha, cha la ledscha permetta quai, ma el ma nu vess

ran Claudio Valentin e meis cumpogn da chatscha

fat alch simil. Da seis temp traivan aint ils chatscha­

Not giò pro la resgia, cha sar Schimun es gnü giò da la

ders al di da la festa federala, a la festa d’ingrazcha­

Val d’Assa, giò da la Motta da barba Flora cun ün cha­

maint federala lur büschmainta da chatscha d’indu­

muotsch. A Claudio haja dat in ögl, cha Schimun

mengias e bod tuot ils chatschaders giaivan a predgia.

portaiva il chamuotsch cullas chommas intuorn seis

Implü hajan gnü ils chatschaders da plü bod daplü

culöz, impè dad intuorn il cheu sco chi’s es adüsà

umor. La sairada a chatschaders as pudaiva far schnöss

pro’ls chatschaders. Claudio ha dit a Not: «Eu vegn

sainza chi füssan stats sparmalats. Jachen Riatsch am

via e disch a meis sör chi’s porta ün chamuotsch cul­

muossa plüsas ediziuns da las falistoccas da Val d’Assa

las chommas intuorn il cheu.» Cur ch’el ha gnü dit

e toffarias da Sursavuogn . Ils versins in quist artichel

quai a Schimun, schi til ha quel dat per resposta: «Eu

sun ün per dals 35 versins da l‘ediziun dal 1970.

douvr meis cheu per alch oter, tü cun teis fa che cha tü voust!»

Colani clom’na, Not ha’l nom,

34

A Dumenic esa reuschi,

el sbaglia circa tun per tun.

duos chamuotschs al listess di.

Cha teis Mauser bain nu giaja,

Il prüm quel eira ün pa ün quibel,

quai char Not ingün nu’t craja.

e'l grond traiv'adimmaint ün cribel.

piz 42 : Winter | Inviern 2011/2012


Amo üna dal sar ravarenda… Üna dumengia davo la

malitats ed id es stat bun. Eu sun tuornà e nu sun plü i

Ils rosts sun dalönch mangiats,

chatscha vaiva sar Schimun dad ir a tgnair predgia

cun grond schwung a chatscha. Lura davo la chatscha

las bellas algordanzas restan

oura Strada. Per na ir a pè ha’l drizzà ün vittürin, ad Ul­

n’haja inscuntrà ün di a Clà Famos, Clà da Foggia oura

inschmanchablas. Impre­

rich Koch, vegl paur da Ramosch. Strada fond ha’l

Martina. El am ha dit ch’el haja dudi ch’eu n’haja sa­

schiuns da chatscha da Jachen

quintà al vitürin üna passada da chatscha ün pa plü

jettà ün chamuotsch cun corna massa cuorta. Eu n’ha

Riatsch.

lunga e cur chi sun rivats oura avant Strada ha dit il vi­

dit da bain e che voust far, oramai d’eirla fatta.Sün

türin: «Uossa lascha ir il tun, ischnà stoust trar giò da

quai am ha’l dit: «Toc tschavattun! Quella roba nu

chonzla!»

tocca da dar giò al chantun. Quella tocca casü per l’aglia e per las vuolps e na per cha’l circul possa far

Plü haikel es lura Martin,

amo ün affarin!»

avant co ir vi dal chanun. Schi nun ais propi alch da pumpa, schi tira’l be vi da la stumpa.

Da Samuel be bun poss dir, quel es tuotta di in gir. Eir schid es pelplü pel giat,

Sar Jon Martin e sar Nicola abitaivan oura illa Crusch

quai cha bap ha dit vain fat.

d‘immez cumün, ün sper l’oter. Sar Nicola d‘eira presi­ dent dal circul e sar Jon Martin chatschader e paur. El

Eu d’eira a chatscha aint in Züzzas giosom il laviner

nu pigliaiva uschè precis cullas prescripziuns da

dadaint la föglia pro’l plattun. Guardond cul spejel

chatscha. Ün di es el cumparü cun üna chargia romma

n’haja dat in ögl giò’l spi da Züzzas a collega Men Ja­

via avant era e sar Nicola es per cas rivà nanpro sainza

nett tschantà suot ün larschun. Men Janett d’eira il ba­

noschs impissamaints. Meditond la chargia d’laina

zegner dals Fränzlis. El giaiva sül cunfin tanter Ra­

ha’l badà chi guotta sang ed ha dit a Jon Martin: «Ma

mosch e Tschlin a chatscha e quai amo in ota età. Eu

tü hast quia chi guotta giò sang tanter la romma oura?»

n’ha tut subit meis schluppet e sun i giò pro el. No vain

Sün quai ha respus Jon Martin: «Va vi in ta chasa e ta­

gnü plaschair da nos inscunter e vain discuorri da la

scha chamön, tü survainst ün rost!»

scoula e s’inclegia da la chatscha. Tavellond am n’haja permiss da dir: «Tü Men sarast teir vegl ed est amo

Jachen, Luzzi e Men da Peder,

uschè fit per ir a chatscha.» «Char collega, ons n’haja

cur chi plouv'as sta alleger.

blers, ma vegl amo nu suna», es statta sia resposta.

Tuns han trat in quantità,

Quant bel chi füss, scha glieud in sia età pudess as

trentiset biras cupichà.

chattar amo uschè sco collega Men.

Il prüm di ch’eu n’ha pudü ir cul spejel da mera, il

Quist an vain gnü eir ün giarsun,

prüm tun ch’eu n’ha dat sü Val d’Assa d’eira ün cha­

Jonin cul temp pudess gnir bun.

muotsch cun corna massa cuorta. Che ch’eu n’ha bla­

A tour palorm’as po pretender,

stemà quel di vi in quella grava – our da tuot möd e

nu vessa’l gnaca gnü d’imprender.

masüra. Quai da üna bremsada infama. Insomma i nun es restà oter co dad ir pel chamuotsch e da til dar giò al guardgiachatscha Jon Mayer. Quel ha fat sias for­

piz 42 : Winter | Inviern 2011/2012

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Ohne Leidenschaft kein neues Hotel Glaubt man einem neuen Bericht, haben es Hotels im Engadin alles andere als einfach. Betriebe der höheren Kategorie schafften es ohne Zweitwohnungsverkauf oder «Götti» wirtschaftlich kaum. Trotzdem gibt es genug Hoteliers, die sich mit viel Herzblut als Gastgeber engagieren.

Text: Thomas Müller Fotos: Archive

D

as Hotel «In Lain» («aus Holz») sticht allein

subventionierung mit dem Verkauf von Zweitwoh-

schon durch seine Lage am östlichen Ende der

nungen oder Mäzenatentum möglich, sagt der Bericht.

Plaiv-Ebene heraus. Brail, eine Fraktion der Ge­

Im Oberengadin mit seiner Bodenpreissteigerung der

meinde Zernez, liegt gut 20 Kilometer vor den Tum­

vergangenen Jahrzehnte gilt dieser Befund erst recht.

melplätzen der Prominenz weiter oben im Tal. «Die

Die «Untersuchung der betriebswirtschaftlichen

Natur ist hier Bühne und Zuschauerraum zugleich»,

Machbarkeit neuer (Ferien-)Hotels am Beispiel des

sagt Dario Cadonau (31), Koch und Hotelier – und in

Oberengadins» basiert auf betriebswirtschaftlichen

den vergangenen Jahren zusammen mit seinem Bru­

Daten von sechs Betrieben: Dem Fünf-Sterne-Hotel

der Marco, dem Schreiner und Möbeldesigner, auch

«Waldhaus» in Sils-Maria (230 Betten), den beiden

Bauführer. Anfang Dezember haben sie den Anbau

Vier-Sterne-Superior-Hotels «Castell» in Zuoz (120

mit seinen elf Suiten im modernen Holz-Design eröff­

Betten) und «Saratz» in Pontresina (186 Betten), dem

net, im Minergiestandard selbstverständlich. Zuvor

Drei-Sterne-Garnihotel «Allegra» in Pontresina (104

hatten sie das 400-jährige Bauernhaus der Grosseltern

Betten), dem Romantikhotel «Chesa Salis» in Bever

für den Hotelbetrieb fit gemacht.

(42 Betten) und dem «Laudinella» in St. Moritz Bad

Das umgebaute Engadiner Haus mit dem Gourmet-

(über 300 Betten). Es sind Betriebe – so betonen die

und À-la-carte-Restaurant sowie einer Schaukäserei

Verfasser Andreas Deuber und Noelene Orsolini   –,

hatten Dario Cadonau und seine Frau Tamara (32) im

«die allesamt aus Kunden- und Marktsicht in ihrem

Dezember 2010 als ersten Teil des Hotels eröffnet, das

Segment als zeitgemäss und attraktiv gelten».

nun insgesamt 36 Betten zählt. 14  GaultMillauPunkte holte sich der Koch auf Anhieb. Nach seiner

Probleme: Saisonbetrieb und wenig Betten

Lehre im Suvretta House in St. Moritz arbeitete er un­

Der Bericht anerkennt die qualifizierte Arbeit, die in

ter anderem bei den Top-Punkte-Köchen Philippe Ro­

den untersuchten Häusern geleistet wird. Das Wald­

chat in Crissier und bei Daniel Bumann in La Punt. Im

haus in Sils-Maria schneidet bezüglich Wirtschaft­

Herbst 2010 erhöhte der Gastroführer auf 15 Punkte

lichkeit am besten ab. Während seiner Öffnungszeit

und das Magazin «Graubünden geht aus» meint: «Wir

in den Saisons waren die Betten im Durchschnitt der

wollen nicht zu viel behaupten. Auch nicht übertrei­

vergangenen drei Jahre zu 85 Prozent ausgelastet. Al­

ben. Aber wir haben schon lange nicht mehr an einem

lerdings fallen viele Kosten unabhängig von der

solch zauberhaften Ort zu Tisch gesessen und so aus­

Saison­öffnungszeit an, weshalb die aufs ganze Jahr

gezeichnet gegessen.»

berechnete Auslastung aussagekräftiger ist. Sie liegt

Gegen alle Prognosen

sonbetrieben (keine Angaben für «Castell») zwischen

Fotos gegenüberliegende Seite:

Ein neues Kleinhotel der Top-Klasse ist aus eigener

39 und 60 Prozent. Experten nennen als kritische

Szenen aus den Hotels «Scuol

Kraft entstanden – den Prognosen zum Trotz, wie sie

Grenze 50 Prozent Ganzjahresauslastung. Das ganz­

beim «Waldhaus» bei 60 Prozent, bei den übrigen Sai­

Palace» (oben) und «Piz

ein jüngst veröffentlichter Bericht von Touristikspezi­

jährig geöffnete «Laudinella» (Auslastung 78 Prozent)

Tschütta» (rechts unten).

alisten der Hochschule für Technik und Wirtschaft

kann diesem Kriterium gut genügen.

© Christof Rösch, Maurice

Chur (HTW) im Auftrag der Stiftung Terrafina auf­

Schwierig wird es, wenn zur Saisonalität noch eine

Grünig und photocase: kemai

zeigt. Die Finanzierung von Hotelprojekten der geho­

kleine Zahl von Zimmern kommt. Denn Hotels unter

(unten links).

benen Kategorie sei praktisch nur durch eine Quer­

80 bis 100 Betten müssen härter kämpfen, weil ge­

38

piz 42 : Winter | Inviern 2011/2012


wisse Kostenblöcke wie zum Beispiel das Marketing

2010 – schweizweit erstmalig – einen Beitrag von drei

dère» Scuol, «Castell» Zuoz und

unabhängig von der Betriebsgrösse anfallen und auf

Millionen Franken für den Erhalt des Vier-Sterne-Be­

«Waldhaus» Sils-Maria (v.l.n.r.).

weniger Gäste verteilt werden können. So erzielte die

triebs «Albana». Das Haus liegt nun in einer Hotel­

© Hotels, Diego Zanghi

«Chesa Salis», die mit einem Gourmetrestaurant mit

zone, die einzig klassische Hotellerie erlaubt und

und photocase: luxuz.

14 GaultMillau-Punkten glänzt, nur gerade einen

Apartmentvermietung untersagt. Die drei Millionen

Fotos aus den Hotels «Belvé-

Bruttogewinn von 245’000 Franken. Damit müssen

verstehen sich als A-fonds-perdu-Beitrag. Das Hotel

Kapitalzinsen, Abschreibungen, Steuern oder Renova­

kann aber ohne Rückzahlung der Subvention nicht

tionen bezahlt werden.

mehr aus der speziellen Zone entlassen werden. Mag

Unmittelbar gefährdet ist keines der sechs Hotels.

sich ein Betrieb diesen Einschränkungen nicht unter­

Doch der Bericht zeigt, dass die «Chesa Salis» die auf­

stellen, kann die Gemeinde ein zinsloses Darlehen ge­

gestauten Investitionen nicht aus eigener Kraft finan­

ben, das aber im Grundbuch eingetragen wird. Dort

zieren kann und auf eine Querfinanzierung durch

wird eine klassische Hotelnutzung festgehalten. «Wir

den Bau von Zweitwohnungen angewiesen sein wird.

investieren allerdings nur, wenn ein Hotel auf dem

«Wir leben von der Substanz, haben aber eine Landre­

Markt eine Chance hat», betont Gemeindepräsiden­

serve, die wir langfristig für den Zweitwohnungsbau

tin Claudia Troncana.

nutzen könnten», bestätigt Hotelier Jürg Degiacomi.

40

Schon das «Saratz» und das «Castell» haben ihre um­

Aus Ersatzabgaben finanziert

fassenden Erneuerungen der vergangenen Jahre teil­

Finanziert wurden die Beiträge bis anhin durch eine

weise mit Gewinnen aus Residenzverkäufen im Lu­

Ersatzabgabe für nicht erstellte Erstwohnungen.

xussegment finanziert. Der Bau von Zweitwohnungen

Künftig soll auch eine wiederkehrende Abgabe auf

ist allerdings ein zweischneidiges Schwert, verliert

Zweitwohnungen, die nicht vermietet werden, dafür

doch ein Hotelier damit Kundschaft.

eingesetzt werden. Sie beträgt zwei Promille des Steu­ erwerts, was bei einer Dreieinhalbzimmerwohnung

Behörden sind gefordert

mit 1200 bis 2000 Franken jährlich zu Buche schlägt.

Weitere Lösungswege sieht Andreas Deuber, der Co-

Die Lenkungsabgabe erfasst auch die bestehenden

Autor der Untersuchung und Studienleiter Tourismus

Wohnungen, die vom «exorbitanten» Anstieg der

an der HTW Chur, im Zusammenschluss oder in der

Oberengadiner Bodenpreise (Martin Neff, Cheföko­

Zusammenarbeit von kleineren Hotels, und er meint,

nom Credit Suisse) profitiert haben. Nachdem Ferien­

oft seien auch neue Betriebskonzepte nötig. «Zudem

hausbesitzer den entsprechenden Passus im Baugesetz

sollte sich auch die jeweilige Destination oder der

angefochten haben, muss nun das Verwaltungsge­

Kanton überlegen, welchen Beitrag sie zur Stützung

richt Graubünden und später wohl auch das Bundes­

bestehender Betriebe und zur Neuansiedlung leisten

gericht die Rechtmässigkeit der Abgabe beurteilen.

können.» Dazu könnten günstiges Bauland oder ein­

Dank Anreizen ist Silvaplana sogar zu einem neuen

fachere Bewilligungsabläufe ebenso zählen wie eine

Vier-Sterne-Superior-Hotel mit 70 Zimmern und ei­

Person, die seitens der Behörden als Ansprechpartner

nem Spa-Wellnessbereich gekommen. Die Gemeinde

für alle Themen eines Investors zur Verfügung steht.

erlaubte den Bau von 19 Zweitwohnungen unter der

Die Gemeinde Silvaplana hat diesbezüglich schon ge­

Auflage, es sei ein neues Hotel zu erstellen. So entstand

handelt: Sie schuf ein Hotelfördergesetz und sprach

das «Alpine Rock» direkt bei der Talstation der Cor­

piz 42 : Winter | Inviern 2011/2012


vatschbahn, das kurz vor Weihnachten 2010 eröffnet

trieb. Dennoch sind sich die Betreiber in Brail bewusst,

wurde. Bereits zwei Monate später wurde allerdings

dass der Start nicht einfach ist, vor allem der starke

die Geschäftsführung ausgewechselt, im Juni 2011

Frankenkurs sorge für Gegenwind. Aber bisher stimm­

das Hotel an die indisch-britische Gesellschaft

ten die Zahlen, «wir sind sehr zufrieden». Sagts und

«Shanti Hospitality Group» mit Sitz in London ver­

eilt in die Küche.

kauft. Was ist hier schief gelaufen? «Keine Sorge», ent­ gegnet Claudia Troncana, «das kommt schon gut.» Es

Stardesign allein genügt nicht

handle sich um Geburtswehen. Der Verkauf durch

«Zupacken, persönlich für die Gäste da sein – das ist

den Immobilieninvestor an eine Hotelgruppe sei eine

das Erfolgsrezept eines jeden tüchtigen Hoteliers», be­

positive Entwicklung. Ende November 2011 wurde

stätigt Jürg Degiacomi. Zusammen mit seiner Frau Si­

der Betrieb unter dem neuen Namen «Nira Alpina»

bylla führt er seit acht Jahren das Romantikhotel

wiedereröffnet.

«Chesa Salis» im Dorfkern von Bever, das er vom Vater

Engagement und Herzblut

HSG in St. Gallen studiert. Der Verstand sagt ihnen,

erbte. Beide sind Ökonomen, beide haben einst an der

Auf eine Querfinanzierung durch den Bau von Ferien­

dass sie in anderen Berufen mit weniger Aufwand ein

wohnungen, auf Förderbeiträge oder die Gelder eines

beeindruckenderes Einkommen erzielen könnten.

Mäzens haben Dario und Tamara Cadonau in Brail

Doch das Herz schlägt für das 2003 renovierte Haus

nicht zählen können. «Wir hätten auch Zweitwoh­

aus dem 16. Jahrhundert – und für seine Gäste. Die

nungen bauen können, doch das wollten wir auf kei­

beiden wussten, worauf sie sich mit dem Kleinhotel

nen Fall», sagt Dario Cadonau. Wie haben sie denn die

einliessen, zumal Sibylla Degiacomi einst die Höhere

Differenz zwischen Investitionskosten und Markt­

Fachschule für Tourismus in Luzern leitete. Und sie

wert überbrückt? Der junge Hotelier lacht und meint

bereuen ihre Wahl nicht

schliesslich: «Mit Elan.» Im Klartext: mit Eigenleis­

Gerade die Frankenstärke zeige, ob ein Hotelier seine

tungen, Knochenarbeit auf der Baustelle und den zu­

Hausaufgaben gemacht habe, ist Jürg Degiacomi über­

sammengekratzten Ersparnissen der ganzen Familie.

zeugt. Ist die Stammkundschaft treu? Kehrt sie zurück,

Den dreijährigen Umbau des alten Engadiner Hauses

obwohl die Währungsrelationen etwas ungünstiger

hat die Familie komplett aus eigener Hand finanziert,

sind? «Es ist nicht mit dem Stardesigner getan, der das

für den Anbau sprach die Graubündner Kantonal­

Haus schön eingerichtet hat», verdeutlicht der Hote­

bank einen Hypothekarkredit.

lier, «man muss die Menschen gern haben, sie immer

Über alles gerechnet mache das Fremdkapital etwa die

wieder positiv überraschen.» Ein kleines Beispiel: In

Hälfte aus. «Voll eigenfinanziert», so Cadonau, «wäre

der Chesa Salis stellt man am Abend die schmutzigen

das Projekt nicht machbar.» Aber dank familieneige­

Schuhe vor die Zimmertür, am nächsten Morgen sind

ner Holzmanufaktur war der Innenausbau leichter fi­

sie blitzblank. Das übertrifft selbst den Service in

nanzierbar. So entstand auch das Konzept, das auf lo­

manchem Fünf-Sterne-Betrieb. Allzu oft findet dort

kales Handwerk setzt. Fragt ein Gast, wo denn dieser

ein Gast bloss noch ein müdes Schwämmchen mit ei­

Stuhl erhältlich sei, so wird ihm die Gegenfrage ge­

nem beeindruckenden Logo drauf vor, die Finger aber

stellt: «Wollen sie ihn gleich mitnehmen?» Tisch,

darf er sich dann selbst schmutzig machen. «Unsere

Stuhl, Bett, Sofa – alles stammt aus dem Familienbe­

Gäste», sagt Deciagomi, «sind Freunde des Hauses.»

piz 42 : Winter | Inviern 2011/2012

41


Wo Mann mit 60 noch Jungspund ist Velotouren, Skirennen, Wanderungen und Kulturreisen: Die 180 Mitglieder des Vereins Veterans da Motta Naluns sind sehr aktiv und viel unterwegs. Ein Stimmungsbericht von einer Kaffeepause anlässlich einer Velotour ins Prättigau.

Text: Franco Brunner Fotos: Hansruedi Steiger

R

egenschauer, Nebel, ein bissiger Wind und emp­

sagt Oscar Stupan, Präsident der Veterans, voller Zu­

seiner schönsten Seite zeigt sich dieser Mitt­

versicht, als er vor seinem Kaffee sitzt. Und sowieso

wochmorgen in Grüsch nicht. Wer nicht unbedingt

stehe heute ja nur eine kleine Tour auf dem Pro­

raus muss, bleibt wohl lieber in der warmen Stube.

gramm, lässt einer der Teilnehmer vom Nebentisch

Oder etwa doch nicht? Just in diesem Moment taucht

wissen. Von Küblis über Grüsch und Schiers nach Jen­

eine Gruppe von rund 20 Velofahrern aus dem Nebel

ins. Gerade mal schlappe 40 Kilometer. Da habe man

auf. Das Tempo, mit dem der Tross daherrollt, ist eher

schon ganz andere Touren hinter sich gebracht. Die

gemächlich. Hier scheint für einmal niemand auf Se­

längste habe über stolze 100 Kilometer geführt – «in­

kundenjagd zu sein. Völlig durchnässt, aber sichtlich

klusive aller Falschfahrten». Lautes Gelächter. Die

gut gelaunt platzieren die Herren ihre Fahrräder im

Stimmung ist gelöst bei den über 60-jährigen Män­

Stil einer Motorrad-Gang in Reih und Glied vor dem

nern aus dem Unterengadin und dem Münstertal.

Restaurant. Einige tragen ein rotes Rennfahrer-Shirt

Jünger ist keiner in dieser Truppe. Denn 60 Jahre alt

mit dem Konterfei des Münstertaler Langlauf-Stars

muss man mindestens sein, um bei den Veterans auf­

Dario Cologna.

genommen zu werden.

Was das wohl für eine Gruppe sein mag? Erst als einer

44

«Die Sonne wird heute schon noch hervorkommen»,

findlich kalte Temperaturen. Nein, gerade von

nach dem anderen den Helm abzieht, wird klar, dass

Mit dem Velo, den Ski oder zu Fuss

es sich hier nicht um einen semiprofessionellen Velo­

Grössere und kleinere Velo-Touren sind nur ein Teil

touren-Club handelt, der heute Wind und Wetter

der Aktivitäten der Veterans da Motta Naluns. Wie der

trotzt und nun zu einer verdienten Pause einkehrt. Es

Name sagt, ist der Verein 1985 von Skifahrern aus der

sind alles Männer gesetzteren Alters, die sich mit ei­

Region gegründet worden. Auch heute stehen deshalb

nem Kaffee stärken und aufwärmen wollen, alles Mit­

noch alljährlich Skianlässe auf dem Programm. «Im

glieder des Unterengadiner Vereins Veterans da Motta

Frühjahr organisieren wir jeweils mit gütiger Mithilfe

Naluns, um genau zu sein.

der Bergbahnen Motta Naluns und der Skischule

piz 42 : Winter | Inviern 2011/2012


Scuol ein Skirennen», erklärt Präsident Oscar Stupan.

Männerclub handle, und dieser zählt heute rund 180

Ein nicht ganz gewöhnliches Skirennen, wie der

Mitglieder. Die «Amtssprache» im Club ist selbstver­

liche Ausflüge: Impressionen

68-Jährige mit einem Anflug von Stolz präzisiert.

ständlich romanisch, vor allem an den Generalver­

aus dem Vereinsleben der

Denn bei den Veterans gewinnt nicht, wer die beiden

sammlungen. Den Mitgliedern, die aus dem Unter­

Veterans da Motta Naluns.

schnellsten Läufe auf die Piste zaubert, sondern derje­

land stammen, muss jeweils der Tischnachbar die

nige, der zwei möglichst gleich schnelle (oder eben

Übersetzung zuflüstern. Apropos Generalversamm­

gleich langsame) Fahrten zustande bringt. «Beim letz­

lung: Dort – und darauf ist der Vorstand besonders

ten Rennen hat der älteste aller Teilnehmer gewonnen,

stolz  – treffen jeweils bis zu 100 Mitglieder zusam­

mit einer Zeitdifferenz von gerade einmal zwei Hun­

men. «Mit den 25-Franken-Jahresbeiträgen der weite­

dertstelsekunden», lässt Stupan wissen. Mit dieser et­

ren 80 Mitglieder bezahlen wir gleich noch das Nacht­

was ungewöhnlichen Art der Zeitmessung werde ver­

essen nach der Versammlung», sagt Stupan lachend.

hindert, dass automatisch nur die körperlich fittesten

Und man trifft sich im «Belvédère» in Scuol, lässt sich

Teilnehmer – also die «Jungen» – den ersten Platz er­

also nicht lumpen.

gattern.

Beliebte Ausflüge

Fröhliche Stimmung, sport­

Helm auf und rein in die Pedalen «Meine Herren, wir müssen wieder weiter», ruft Präsi­

Für die Veterans, die weder mit Velotouren noch mit

dent Stupan in die Runde des ansonsten menschen­

Skirennen etwas anfangen können, stehen jedes Jahr

leeren Restaurants. Trotz der klaren Aufforderung be­

Wanderungen und Tagesausflüge sowie weitere Akti­

stellen einige in aller Ruhe noch einen zweiten Kaffee.

vitäten auf dem Programm. Vor allem die Ausflüge

Der Präsident nimmt die kleine Meuterei gelassen:

seien bei den Mitgliedern sehr beliebt, weiss der Präsi­

«Sie hören halt nicht immer ganz aufmerksam zu»,

dent. Im vergangenen Jahr stand zum Beispiel ein Be­

sagt er lachend. Aber es brauche nun mal jemand, der

such im Messner Mountain Museum bei Bozen auf

sage, wo es langgeht.

dem Reiseplan. «Das wichtigste Ziel unseres Vereins

Doch dann geht es doch weiter in Richtung Schiers,

ist es, die Freundschaften zu pflegen», sagt Stupan.

wo das Mittagessen auf die sportlichen Senioren war­

Das sei schon vor mittlerweile 26 Jahren die Philoso­

tet. Salat, Fleisch und Reis stehen auf dem Menüplan,

phie der Gründerväter gewesen, und an diesem simp-

verrät Stupan seinen Gümmeler-Kollegen noch vor

len aber erfolgreichen Grundrezept müsse auch

dem Start. Drum: «Helm auf und rein in die Pedale.»

heute nichts geändert werden, ist sich der Präsident si­

Die Stimmung in der rüstigen Männertruppe ist nach

cher. Dass es sich bei diesen Freundschaften um reine

wie vor glänzend – und mittlerweile glänzt auch die

Männerkameradschaften handle  – Frauen sind im

Sonne zaghaft zwischen den sich verziehenden Ne­

Verein nicht zugelassen  –, habe sozusagen «histori­

belschwaden hervor.

sche» Gründe, verrät Stupan mit einem schelmischen Lächeln. Damals, bei der Vereinsgründung, seien Frauen sehr wohl zugelassen gewesen, doch keine habe die Möglichkeit eines Beitritts genutzt. Deshalb habe man später entschieden, in den Statuten festzu­ halten, dass es sich bei den Veterans um einen reinen

piz 42 : Winter | Inviern 2011/2012

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Rekord auf dem Mont San Jon Bruno Gerber faltet in seiner Freizeit Papierflieger, so wie andere Velofahren trainieren. Er entwickelte über die Jahre an die hundert Modelle und die Ideen gehen ihm noch lange nicht aus. Nun hat er einen Traum.

Text: Kaspar Surber Fotos: Mayk Wendt

D

er weisse Papierflieger zieht von der Rampe hin­

er verwendet, Klebestreifen kommen nur im Ausnah­

unter, dreht nach rechts, in Richtung des Dorf­

mefall zum Einsatz. Von einem eigenen Modell

kerns von Scuol-Sot, gewinnt an Höhe, schwebt

spricht er dann, wenn ein Detail eine erkennbare Ver­

über den Engadiner Häusern, fällt und steigt noch­

besserung bringt. «Anfänglich dachte ich, dass die

mals, fällt wieder und verschwindet in einem Garten.

Möglichkeiten irgendwann ausgeschöpft sind.» Doch

«Ich beschäftigte mich schon als Kind mit Papierflie­

immer wieder finde er einen Hinweis – auch aus der

gern», erzählt Bruno Gerber. Wie alles begann, dazu

«richtigen» Aviatik, etwa in einem Dokfilm über den

gibt es eine Anekdote: Schüler Bruno spickte in der

Jumbojet. So entwickelt er die Papierflieger immer

Schule in Dornach ein Gummiband durchs Zimmer.

weiter. «Wie andere Leute Velofahren trainieren.»

Die Lehrerin ermahnte ihn aufzuhören, dafür bas­ telte sie ihm in der Pause einen Papierflieger. «Den

Aus jeder Quittung wird ein Flugzeug

darfst du jetzt werfen.» Zum Geburtstag erhielt Bruno

Eine Leidenschaft sei es, man dürfe durchaus von Fa­

ein Buch mit Anleitungen für Papierflieger, er besitzt

natismus sprechen. «Wann immer ich ein Blatt in der

es heute noch.

Hand habe, sei es auch nur eine Einkaufsquittung, be­

Wir hatten uns an diesem Spätherbsttag zuerst in sei­

ginne ich einen Papierflieger zu falten», erzählt der

ner Wohnung gleich neben der alten Holzbrücke über

vergnügte Mann mit den langen blonden Haaren.

den Inn getroffen. Das erste Buch, das er erhalten

Eine eigentliche Papierflieger-Szene gibt es keine.

hatte, «Papierflieger – Modelle zum Selberfalten» der

Zwar werden international Wettbewerbe ausgetragen.

Autoren Maander, Dipple und Gossage, liegt auf dem

Sie finden aber drinnen, in einer Halle statt. Wie beim

Tisch. «Mit seinen genauen Skizzen ist es für mich am

Kugelstossen werden die Flieger dabei mit möglichst

Anfang hilfreich gewesen», erzählt er. Doch bald

viel Kraft geworfen. Gemäss dem Guinessbuch der Re­

wurde die Papierfliegerei zum grossen Hobby für den

korde dauerte der Weltrekordflug 27 Sekunden. Bruno

Schüler einer Rudolf-Steiner-Schule, für den Jungen,

Gerber würde zwar gerne einmal einen solchen Wett­

der damals unter einem Aufmerksamkeitsdefizit litt.

bewerb besuchen, doch ihn interessiert weniger die

Immer mehr Bastelbücher kamen hinzu. «Darin fin­

Kraft als die Technik.

den sich auch viele Krüppelflieger.» Gerber begann

Und sein eigener Rekord? Er realisierte ihn auf dem

deshalb, seine eigenen Modelle zu entwickeln.

Mont San Jon in der Nähe von Scuol, ein Kollege war

Ideale Bedingungen in Avrona

46

mit dabei: Ganze 18 Minuten blieb der Papierflieger in der Luft! «Und vermutlich flogen einige noch länger –

Nach einer Anlehre als Koch fand er eine Arbeitsstelle

nur habe ich sie aus dem Blickfeld verloren.»

in der Bergschule Avrona in Tarasp – und dort ideale

Gerber nimmt jetzt ein A4-Blatt und beginnt es mit

Bedingungen zum «Flügerle», wie er sagt: Am Hang

flinken Fingern zu falten. Für das Gleichgewicht ist

am Waldrand konnte er seine Modelle ungestört aus­

wichtig, dass schon zu Beginn der Mittelpunkt des

probieren. Schätzungsweise hundert sind es mittler­

Blattes überdeckt wird. Schnell liegt eine einfache

weile. Bruno Gerber kennt die Bauanleitungen alle

Schwalbe auf dem Tisch. Dann faltet er ein komplizier­

auswendig – aber zur Sicherheit bewahrt er je ein Ex­

teres Modell, in die Tragflächen knickt er sogenannte

emplar in einem Sichtmäppchen auf. Vom Zigaretten­

Kreuzprofile. Schliesslich nimmt er noch zwei Ein­

papier bis zum A3-Blatt reichen die Papierformate, die

kaufsquittungen und verwandelt auch sie in Flieger.

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Schneiden, falten und trimmen. Bruno Gerber perfektioniert seine Papierflieger.


Wir packen die Modelle in eine Migrostasche und ma­

Gerber beschäftigt sich nicht nur mit Papierfliegern:

chen uns auf den Weg: Aus dem Dorf hinauf zum Ho­

Er bastelt auch Modellflugzeuge oder Flugdrachen.

tel «Belvédère». «Als ich von Tarasp für eine neue

Auch die Origami-Faltkunst beherrscht er. «Die Pa­

Stelle nach Scuol zog, machte ich mir schon etwas Sor­

pierflieger sind mir aber immer am wichtigsten gewe­

gen, einen idealen Flugplatz zu finden.» Aber hier an

sen.» Wo liegt die Wurzel für diese Leidenschaft?

der Strasse unterhalb des «Belvédère» habe er einen

«Dass man praktisch aus dem Nichts ein Flugzeug hat,

guten Startplatz gefunden. «Manchmal fliegen sie

das alle komplexen Fragen aufwirft.» Man spürt, hier

nicht nur übers Dorf, sondern bei Aufwind auch in die

geht es um eine Kunst: Um Reduktion und Eleganz.

Tassen der Hotelgäste oben auf der Terrasse», berichtet

Wir sind beim «Flugplatz» angekommen. Nach ersten

er und lacht. Die Leute ärgerten sich allerdings selten,

Versuchen mit der Schwalbe und den kleinen Fliegern

die meisten interessierten sich für seine Flieger. Und

stellt Gerber fest: «Die Wetterverhältnisse sind durch­

wenn er lange dort stehe, kämen oft Bitten, die Flieger

schnittlich.» Trotzdem kommt jetzt das komplizierte

endlich loszulassen, aber es brauche eben etwas Ge­

Modell zum Einsatz. In einer Kreisbewegung nach

duld, bis der Wind stimme. Manchmal komme es

links fliegt es von der Rampe weg und wieder zurück.

auch zu regelrechten Fachgesprächen, zuletzt mit ei­

Gerber fängt den Flieger auf: «Jetzt geht es ans Trim­

nem Swiss-Piloten.

men.» Will heissen: an die Feineinstellung. Er knickt das Heck auf die andere Seite.

In den Wind legen

Bruno Gerbers Traum ist ein eigenes Buch mit seinen

Wenn man mit dem 45-Jährigen spricht, merkt man:

Modellen. Dazu bräuchte er einen Grafiker  – und

Die Papierfliegerei ist eine Wissenschaft. Er weiss Be­

Geld für die Verlags- und Druckkosten. Vielleicht

scheid über Thermik und Aerodynamik. Und der Re­

kommt irgendwann ein Sponsor vorbei. Zu finden ist

porter lernt, dass es zwei Typen von Papierfliegern

Bruno Gerber leicht, er steht fast jeden Tag auf seinem

gibt: «Solche, die stabil mit der Strömung fliegen und

«Flugplatz». Jetzt wartet er auf den günstigen Moment,

Nicht geworfen, bloss

wie ein Lift Stufe für Stufe nach oben steigen. Und sol­

legt den Flieger nur in den Wind und das kleine weisse

in den Wind gelegt, und schon

che, die sich wie ein Vogel hinaufschrauben: Dafür

Modell zieht von der Rampe weg, hinunter, in Rich­

muss man aber viel über Gleitwinkel wissen.»

tung Scuol-Sot, dreht nach rechts ...

startet das Papierflugzeug.


INSTITUT FÜR AESTHETISCHE CHIRURGIE Fetttransplantation Auch körpereigenes Fett kann man nicht einfach von einer Stelle zur anderen verschieben. Fettgewebe schrumpft sobald seine Durchblutung gestört wird. In kleinen Mengen können kleine Fettkügelchen an Stellen mit Polsterfett abgesaugt und an andern Stellen injiziert werden. Dazu müssen die Fettkügelchen mit feinen Kanülen im Bindegewebe fast „einzeln“ verteilt werden. Fettabsaugen Pölsterchen am Körper können ebenfalls in örtlicher Betäubung entfernt werden, die Erholungszeit dauert nur wenige Tage. Natürlich kann damit nicht Übergewicht korrigiert werden, es kann aber eine gute Motivation zum Abnehmen sein. MEDIZINISCHES ZENTRUM HEILBAD, St. Moritz - Bad Tel.: 081 830 80 55, E-Mail: info@drhosch.ch www.aesthetic-surgery.ch


Philemon und Baucis in Tschierv «Ewigi Liebi» im Val Müstair. Kaum zu glauben, unvorstellbar eigentlich. Aber es gibt sie! «Amur per ots ed adüna.» Hanna und Florian Pitsch haben sich 1948 das Ja-Wort gegeben und sind wohl das am längsten verheiratete Paar im Tal.

Text: Esther Scheidegger Fotos: Katja Jug

O

b das antike Liebespaar Philemon und Baucis einen Hund hatte, hat uns Ovid in seinen Me­

scheinlich nicht an die ETH Zürich geschafft, wo er in

tamorphosen nicht überliefert. Die Brandel­

Rekordzeit Ingenieur studierte, denn Militärdienst

bracke von Florian und Hanna Pitsch-Mögling jeden­

falls heisst Aragon und ist zwei Jahre alt. Letztes Jahr

musste er ja auch noch leisten.

hat er einen grässlichen Auto-Unfall mit seinem Meis­

Sport- und Kulturengagement

ter unbeschadet überlebt. Den Sar Florian konnte die

Mit Kollegen, insbesondere mit Oswald Tousch, der

Rega wegen Nebels nicht nach Chur fliegen, er wurde

damals in Tschierv Gemeindepräsident war, machte

in Lugano behandelt. Der Arzt beglückwünschte ihn:

Florian Pitsch den Skibetrieb Minschuns möglich, für

mindestens sieben Schutzengel müsse er gehabt ha­

den sich die bäuerliche, periphere Talschaft nur zöger­

ben, nach seinen 62 unfallfreien Auto-Jahren. Auch

lich begeistern liess. Umweltschützer Franz Weber

nach dreissig Jahren wundert sich der ehemalige

hatte sich sogar als Ehrenpräsident der «Salvaders da

Transporteur immer noch ein bisschen, wie gut seine

la Val Müstair» engagieren lassen. Und doch konnte

Frau chauffiert, obwohl sie eine Frau ist. Er lernte 1949

Minschuns in der Wintersaison 1976/77 eröffnen. Im

Auto fahren, sie machte die Prüfung 1983.

April 1977 konnten bereits FIS-Rennen stattfinden,

Dass die Pitschs einen verkleidet vagabundierenden

mit dabei war damals schon Heini Hemmi, der spätere

Griechengott in ihrem Haus gastfreundlich empfan­

Olympiasieger.

gen würden, daran besteht kein Zweifel, sogar ein

Florian Pitsch war auch im Lions Club Val Müstair ak­

Stück Nusstorte hätte er wahrscheinlich bekommen.

tiv, ein kulturelles Engagement. Bei der Musica Uniun

Und auch das Happy End, die wundersame Verwand­

Tschierv-Fuldera-Lü hat er Althorn gespielt und war

lung von zwei uralten Leuten in eine Eiche und eine

auch der Fähnrich. Und er war Theaterleiter im alten

Linde, wäre im Val Müstair nicht unmöglich, beide

Schulhaus in Fuldera – es gab immer viel Applaus.

Bäume werden auch ennet dem Ofenpass gehegt und

Beruflich kümmerten sich die Pitschs um die Tank­

gepflegt, und sie gedeihen.

stelle und den Transportbetrieb an der Kantonsstrasse in Tschierv. 1949 haben sie damit angefangen. Seit ein

Seit 63 Jahren verheiratet

paar Jahren führt Sohn Gian Ulrich den Betrieb.

Hanna und Florian Pitsch heirateten am 15. Juni 1948

2008 feierten Hanna und Florian Pitsch die diaman­

in Fuldera. Sie haben acht Kinder, sieben Männer und

tene Hochzeit mit der ganzen Familie. Schmerzlich

Uorschla, die Tochter, die nach der Grossmutter heisst.

fehlte Enkel Gian Andrea Rupp, der 2002 in Kuta auf

Der frühe, jähe Tod dieser Nona war ausschlaggebend,

Bali bei einem terroristischen Bombenanschlag ums

dass sich die blutjung Verliebten das Ja-Wort geben

Leben kam. «Das war fast nicht zu ertragen, damals ...»,

durften. Hanna war gerade 19, der Bräutigam, Florian,

sagen sie, und beide verstummen.

drei Jahre älter. Er knurrt noch heute zärtlich, seine

50

rin hätte es Florians jüngerer Bruder Tumasch wahr­

Frau habe ihm der Herrgott geschickt. Denn in der

Pfarrerstochter wird Schneiderin

verwaisten Chasa Pitsch fehlte damals dringend eine

Hanna Pitsch ist eine Pfarrerstochter. Sie und ihre

Frau, die Mutter- und Hausfrauenpflichten zu über­

zwei Schwestern wurden streng erzogen. Der calvinis­

nehmen gewillt war und es mit dem Schwiegervater

tische deutsche Pfarrer Wolfgang Mögling sorgte sich

konnte. Ohne den Sukkurs seiner resoluten Schwäge­

in Fuldera, Lü und Tschierv aber nicht nur ums Seelen­

piz 42 : Winter | Inviern 2011/2012


heil seiner Gemeinde, er engagierte sich auch als Prä­

Gelegentlich muss sie ihn korrigieren, wenn er sich

sident der Stromversorgung. In ihrer Lehre als Schnei­

mit Jahreszahlen verheddert. Sie weiss auch, wo das

derin, die sie in Müstair abschloss, musste Hanna

Jagdtagebuch liegt, zuvorderst prangt ein Edelweiss:

damit leben lernen, dass Ökumene im damals erzka­

«Grüssgott Ihr wackeren Jägersmannen / die uns emp­

tholischen Klosterdorf noch ein Fremdwort war.

fingen mit vollen Pfannen. Dank auch für den feinen

Ihre rostrote Hochzeitstracht hat sie selbst geschnei­

Roten / das beste Rezept gegen kalte Pfoten.»

dert, Romanisch lernte sie ohne Aufhebens, perfekt

Draussen im Flur hängt das Ahnenporträt des Daniel

natürlich, und sie hat stets die Buchhaltung der pros­

Mögling aus dem Jahr 1590, der in Tübingen lehrte.

perierenden Firma geführt. Dazu kam der Haushalt

Der stolze Steinbock daneben ist wesentlich jünger, er

ihrer wachsenden Grossfamilie. Windeln musste sie

wurde 1993 geschossen. Die Treppe hinauf in die Ar­

noch draussen im Dorfbrunnen waschen, die erste

venstube ist eine Trophäen-Galerie. Die Stube wurde

Waschmaschine wurde 1961 angeschafft, im gleichen

1731 gebaut, ohne einen einzigen Nagel, im Fenster

Jahr wie die Benzintanksäule. Gekocht hat sie auf dem

hängt die Wappenscheibe mit dem Pichalain, dem

Hanna und Florian Pitsch aus

Holzherd. Es waren harte Zeiten, sie schufteten, Ferien

Specht. Richtig friedlich ist es draussen im Garten.

Tschierv: 1948 haben sie

lagen nicht drin. «Es braucht zwei, einer allein kann

Die beiden sitzen unter der Hängebirke die Hanna vor

geheiratet (oben links). Heute sit­

nichts machen», sagt Florian Pitsch nachdenklich,

dreissig Jahren pflanzte – wie Philemon und Baucis.

zen sie öfter gemütlich

und seine Frau nickt.

Nur Hund Aragon drängt sich dazwischen. A revair!

unter der Hängebirke.


Lukas R. Vogel, geboren 1959, Optiker, Kunstmaler, Bergsteiger und Organist, ist ein bekannter Landschaftsmaler in der Region Engadin/Bergell. In Zofingen/Kt. Aargau aufgewachsen, zog er nach der Berufsausbildung zum Augenoptiker 1980 ins Engadin, übernahm 1984 ein Optikerfachgeschäft in St. Moritz und gründete im Jahr 1989 die Galerie Palü in Pontresina, seit Herbst 2009 mit einem zweiten Ausstellungsraum in Samedan. Er wohnt im Oberengadin und im Bergell, in dem Atelier in Stampa entstehen die meisten seiner Gemälde. Aus verschiedenen malerischen Experimentierphasen entstand, immer rein autodidaktisch erlernt, sein eigener, naturalistischer Malstil, wie ihn die klassischen Bergmaler im 19. Jahrhundert pflegten. Vom Hobby Fotografieren her kommend, ist Vogels Absicht stets, die Landschaften so realistisch wie möglich darzustellen, durch diesen aufwendigen Malstil dauert die Vollendung eines grösseren Werkes dann auch bis zu einem Jahr, wobei er immer mehrere Leinwände parallel in Arbeit hat. Die Mehrzahl der Werke sind Gemälde mit Ansichten der Engadiner und Bergeller Alpenlandschaft; Berge, die er zum Teil auch selbst bestiegen hat. Sein Schaffen befasst sich aber auch mit Gipfeln anderer Regionen, aus den Berner Alpen, dem Wallis und auch aus dem Himalaya. Neben seinem Lieblingsberg Piz Palü, den er schon dreissigmal bestiegen und in allen Ansichten gemalt hat, kam in den Jahren 2007 bis 2009 auch die umfangreiche Gemäldereihe BADILE² – BADILE IM QUADRAT dazu: Es ist eine intensive Auseinandersetzung mit dem berühmten Kletterberg im Bergell, in verschiedenen Ansichten und Wetterstimmungen, alle in quadratischen Formaten von 30 x 30 cm bis 150 x 150 cm. Aus der gleichen Idee arbeitet er jetzt an BERGE² – BERGE IM QUADRAT mit Gipfeln aus dem ganzen Alpenraum. Mit den «Momenti» und «Impressionen» entwickelte sich ein teilweise abstrahierender Malstil als Gegenstück oder Ergänzung zum Realismus: Hier werden die Berge auf die sonnenbeleuchtete Seite reduziert und schweben so über dem Tal im Himmel. Bei den «Momenti» sind die Flanken wie bei den realistischen Gemälden vollständig und detailgetreu fertiggemalt, während die Schattenseite ganz fehlt oder nur mit wenig Felsen angedeutet ist. Bei den «Impressionen» verwendet Vogel dazu echtes Weiss- oder Gelbgold, dessen Verarbeitung sehr heikel ist. Zur Verwendung kommen bei allen Varianten ausschliesslich die klassischen Ölfarben und die Alkydharzfarben, eine Form schneller trocknender Ölfarbe auf Basis der bewährten Pigmente; als Untergrund für die Gemälde dienen Leinwände auf Keilrahmen. Die aktuellen Öffnungszeiten entnehmen Sie bitte der Homepage www.vogel-gp.ch oder erfahren Sie per Telefon: 081 833 32 89 oder E-Mail: galerie.palue@vogel-gp.ch.

Elisabeth Costa Galerie 7504 Pontresina Telefon 081 842 76 70 www.elisabethcosta.ch Oeffnungszeiten Di - Fr 15.00 - 18.30 od. nach Vereinbarung

Corsin Fontana

Gaudenz SignoreIl

„Ziguinchor“ 28. Dezember 2011 – 2. März 2012

Vernissage: 28. Dezember 16 –19 Uhr

Im Archiv Werke von: Cristina Spoerri . Mayo Bucher . Gina Burdass . Guido Baselgia Florio Pünter . Adriana Beretta . Guido Baselgia . Andrea Malaer . Hans Schweizer Matias Spescha . Birgit Widmer . Gaspare 0. Melcher . Not Vital . Elisabeth Arpagaus

piz : Publireportage

BERGE IM LICHT Der Engadiner Kunstmaler Lukas R. Vogel


1

Kalter Krieg auf dem Eisfeld Im Januar 1962, auf dem Höhepunkt des Kalten Kriegs, machte die «Affäre Delnon» schweizweit Schlagzeilen. Der Engadiner Hockeyspieler, der in La Chaux-de-Fonds lebte, war 14 Tage NatiCoach. So lange brauchten Presse und Politpolizei, um den Kommunisten abzuschiessen.

Text: Jürg Frischknecht Fotos: Archive

V

or fünfzig Jahren, in den Tagen vor Weihnach­

como Delnon (siehe piz 38) flitzten schon als Buben

ten 1961, ist der Schweizerische Eishockey-Ver­

auf dem Eisfeld von Samedan herum, wenn sie nicht

band unerwartet in der Klemme. Kurz vor der

gerade im väterlichen Geschäft mithalfen. «Kein

Weltmeisterschaft wirft der Coach der Schweizer Na­

Wunder», sagt der Bildhauer Giuliano Pedretti, ein

tionalmannschaft, der Berner Beat Rüedi, das Hand­

Klassenkamerad von Reto Delnon, «wurden sie her­

tuch. Über die Festtage sucht der Verband fieberhaft

vorragende Hockeyaner. Im Winter konnten sie hier

einen Nachfolger – und wird fündig. Am Silvester mel­

oben ja keine Grabsteine setzen.»

den die Zeitungen: «Reto Delnon neuer Nati-Coach». Ein Zernezer Bürger, aufgewachsen in Samedan und

Von Samedan in die Romandie

in jener Zeit Trainer des HC La Chaux-de-Fonds.

Reto Delnon spielte im damaligen HC Samedan, dann

Zwei Wochen später melden die gleichen Zeitungen

im HC St. Moritz. 1951 zog er in die Romandie und vor-

den fristlosen Rauswurf des gerade Berufenen. «Eisho­

übergehend auch nach Milano, wo er bei den Diavoli

ckey-Delnon als Kommunist entlarvt», prangt auf der

Rossoneri, den gefürchteten und erfolgreichen «rot­

«Blick»-Frontseite in grossen Lettern, «Verband wirft

schwarzen Teufeln», spielte. Zur Heimat wurde ihm

ihn als National-Trainer hinaus.»

Der «-non-Sturm» Bei der Wahl hatte niemand die Qualifikationen des

54

jedoch La Chaux-de-Fonds, wo er seine Frau fand und 1958 Trainer des Hockeyclubs wurde. Eishockey war sein Leben. Wenn er nicht auf dem Eis­ feld war, führte er gleich neben Stadion und Schwimm­

Engadiners bezweifelt. Immerhin hatte der 38-Jährige

bad die Bar «Patinoire des Mélèzes», ein bekannter

bereits 74 Länderspiele bestritten. Reto und seine Brü­

Treffpunkt von Mitgliedern und Sympathisanten der

der Othmar und Hugo waren als -non-Sturm eine Le­

POP, wie die kommunistische Partei der Arbeit im

gende, ähnlich wie der Davoser -ni-Sturm mit Bibi

Kanton Neuenburg noch heute heisst. Dass Delnon

Torriani und den beiden Cattini. Die drei Söhne des

zur POP gehörte, war vor Ort allgemein bekannt. Und

Bildhauers und dorfbekannten Kommunisten Gia­

auch der Politischen Polizei. Im August 1960 hatte die

piz 42 : Winter | Inviern 2011/2012


3

2

Bundespolizei eine Fiche eröffnet zu «Delnon Reto,

derntags liess sich Vico Torriani im «Blick» verlauten

Geburt 1.5.1924 in Samaden, Restaurateur». Erster

und stellte klar: «Ich bin kein Kommunist, sondern

Mannschaft von Montchoisi

Eintrag: «v. Pol. Kdo. NE: Erhebungsbericht über D.,

Schweizer.» Schweizer sind keine Kommunisten.

Lausanne, Zweiter von rechts.

stützte sich bereits auf einen Telefon-Abhör-Bericht:

Nein zu Delnon …

Münchenstein)

«aus TAB v. 3./4.1.61: Gespräch zwischen D. u. VOLF

Am gleichen 11. Januar eröffnete der rechtsbürgerli­

Sympathisant der POP-NE». Der nächste Eintrag

1 Reto Delnon in der damaligen

(Sportmuseum Schweiz,

Blahoslav *1925 betr. D’s Aufenth. in der CSSR, von

che Artikeldienst «spk.» (Schweizerische Politische

2 «Blick» schiesst Delnon als

welchem er sehr begeistert ist wie übrigens auch von

Korrespondenz) in einer «Glosse» mit dem Titel «Kom­

Nationaltrainer ab.

der DDR». Und später im Jahr: «Sein übles Spiel weiss

munisten unter sich» das Sperrfeuer gegen den neuen

D. geschickt zu tarnen, doch wird er scharf im Auge

Hockey-Nati-Trainer Delnon. Die Deutschschweizer

behalten.» Im Visier hatten die Staatsschützer vor al­

Presse stimmte fast unisono ein. «Darum möge der

lem die Freundschaftsspiele in der Tschechoslowakei

Bundesrat oder wer auch immer zuständig ist, statt

und der DDR, deren Berner Botschaftstelefone sie sys­

verklausulierter Erklärungen über den Osthandel ab­

tematisch abhörten.

zugeben, hier ein- und durchgreifen», forderten die

«Moskaupilger» werden denunziert

«Neuen Berner Nachrichten». In der Deutschschweiz wahrte nur die vom Migrosgründer Gottlieb Duttwei­

Wir befinden uns auf dem Höhepunkt des Kalten Krie­

ler finanzierte «Die Tat» eine kritische Distanz.

ges, der 1948 mit dem kommunistischen Umsturz in

Zuständig fühlte sich das eilends einberufene Zentral­

der Tschechoslowakei und der Berlin-Blockade seinen

komitee des Eishockeyverbandes (man staunt, dass der

Anfang nahm. 1956 folgte der Einmarsch der Sowjets

Begriff ZK nicht in Ungnade gefallen war). Resultat:

in Ungarn und im August 1961 baute die DDR die Ber­

Delnon wird sofort freigestellt, was die NZZ wohlwol­

liner Mauer. In der Schweiz, genauer: in der Deutsch­

lend absegnete: «Dass man den 'völlig unpolitischen

schweiz, wurden «Osthandel» und «Ostsport» an den

Menschen' Delnon auf der PdA-Liste der Bundesan­

Pranger gestellt, zwei Wörter, für die es keine griffigen

waltschaft verzeichnet fand, war ein kleines Malheur –

französischen Übersetzungen gibt, so wenig wie für

und dass der hohe Verband sogleich die Notbremse zog

«Geistige Landesverteidigung».

und den unerwünschten Zugführer ohne komplizier­

Öffentlich gebrandmarkt wurden nicht nur Sportver­

tes Prozedere hinauswarf, das war lediglich die notwen­

eine, die Ostkontakte pflegten, sondern auch Kultur­

dige Konsequenz aus einer Unterlassungssünde.»

schaffende, darunter Vico Torriani, Bürger von Soglio

3 Reto Delnon. (Keystone)

und aufgewachsen in St. Moritz (und Neffe von Bibi

… oui à Delnon

Torriani). Nach der Rückkehr von einer Tournee durch

«Ostschweizer Eishockeyfreunde» schickten dem

die Sowjetunion wurde der populäre Schnulzensän­

«verdammten Sau Kommunist» handschriftlich eine

ger als «Moskaupilger» beschimpft. «Aargauer Kan­

Morddrohung: «Wir werden versuchen, Sie mit der

tonsschüler pfeifen Vico Torriani aus», titelte der

Pistole oder mit irgendeinem andern Mittel für immer

«Blick» am 11. Januar 1962 auf der Frontseite. Fünfzig

unschädlich zu machen.» Ganz anders tönte es in der

Kantischüler hatten bei einem Torriani-Konzert dage­

Romandie. Auch bürgerliche Redaktoren warfen den

gen protestiert, «dass Vico als Schweizer seine Lieder

Deutschschweizer Kollegen Borniertheit und Hexen­

für Rubel» in der Sowjetunion gesungen habe. An­

jagd vor. «Rufmord im Eishockey» oder «Eishockey der

piz 42 : Winter | Inviern 2011/2012

55


4

4 Von der Bundespolizei über­ wacht: Reto Delnons Fiche.

5 Delnon-Familienbild. Reto stehend in der hinteren Reihe, Dritter von links. (Familienarchiv)

Hysterie geopfert» lauteten die Titel. Ein neuer Rösti­

den Presse und Vorstand EH-Verband orientiert»,

graben tat sich auf. So sehr, dass der junge Peter Sager

«Vertraulich Dr. Thoma, Präsident des EH-Verbandes,

vom Schweizerischen Ost-Institut, wahrhaft ein ge­

orientiert» usw.

eichter Antikommunist, aus Sorge um ein Auseinan­ derfallen der Schweiz zur Besonnenheit aufrief.

Der Staatsschutz zog die Fäden

Zurück im Engadin Für die Politpolizei war der «Abschuss» von Delnon ein grosser Erfolg. Auf dessen Fiche prangte nun – wie

Zufrieden mit Delnons Abschuss war ein anderer

auf der Fiche seines Vaters – das dicke «V», wie «Ver­

Bündner: Bupo-Inspektor Eugen Caviezel, gebürtig

dächtiger», V wie «Verhaftung im Ernstfall». Aller­

von Tomils und beim Schweizer Staatsschutz die Num­

dings mussten die Staatsschützer auch registrieren,

mer drei. Caviezel hatte bereits in der Vergangenheit

dass Delnons Popularität in der Romandie und beson­

für die politische Überwachung von Delnons Vater Gi­

ders in La Chaux-de-Fonds massiv zugenommen

acomo gesorgt, auch mit einem Besuch in Samedan.

hatte – «monté en flèche», so ein Rapport.

Nun elektrisierte ihn der Sohn. Am Morgen der ZK-Sit­

Das änderte nichts daran, dass Delnon seinen Job los

zung schrieb er mit seinem unverwechselbaren blauen

war. Er zog nach Samedan, wo er bei seinem Klassen­

Farbstift auf eine Aktennotiz: «Hoffentlich bringt der

kameraden Rico Venzi, dem Gemüsehändler, als Ma­

[Eishockey-]Verband den Mut auf, Reto Delnon kalt zu

gaziner arbeitete. Da Delnons welsche Frau im Enga­

stellen.» Der Kalte Krieg verlangt Kaltstellungen.

din nicht heimisch wurde, zog die Familie nach einem

Heute sind die Akten der Politpolizei zur Affäre Del­

Jahr zurück in die Romandie. In Samedan war Delnon

non im Bundesarchiv einsehbar. Zusammen mit Ak­

politisch nicht aufgefallen, wie ein eifriger Dorfpoli­

ten, die im ETH-Archiv für Zeitgeschichte liegen, lässt

zist nach Bern meldete. Der Kommunist habe weder

sich ein Netzwerk zwischen EJPD (Generalsekretär Ar­

an kommunalen noch kantonalen noch eidgenössi­

min Riesen), Bundespolizei (1. Adjunkt André

schen Urnengängen teilgenommen.

Amstein, wenige Monate später Chef), Schweizeri­

56

5

schem Aufklärungsdienst SAD (Ernst Mörgeli, später

Nach sechs Jahren von der V-Liste gestrichen

EMD-Pressechef) und «spk.» rekonstruieren.

Zurück im Welschland arbeitete Delnon in Fribourg

Bereits am 4. Januar – dem zweiten Arbeitstag des

bei der Brasserie Beauregard und trainierte den HC Pa­

neuen Nationaltrainers – lag ein Kurzbericht zu Reto

yerne sowie Gottéron-Fribourg. Erst 1967 entliess ihn

Delnon auf dem Tisch der Staatsschützer. Neben den

der Staatsschutz aus dem Spezialregister der Verdäch­

Freundschaftsspielen hatten sie Kontakte zu Ost-Bot­

tigen: «Auf V-Liste Kat. 4 gestrichen. Spez. Reg. Hs.»,

schaften und ein Interview in der «Voix Ouvrière»,

lautet der entsprechende Eintrag.

dem Sprachrohr der welschen Kommunisten, regist­

Die sechs Fichen-Seiten schliessen mit der Notiz, dass

riert. Unter Missachtung nachrichtendienstlicher Re­

Delnon seit 1963 den EHC Gottéron trainiere «und

geln – «keine Spuren hinterlassen, damit alles abstreit­

1965 mit diesem Hockeyclub in der CSSR zu Freund­

bar bleibt» – hielt Amstein Tag für Tag in

schaftsspielen weilte. Er ist in politischer Hinsicht

handschriftlichen Vermerken fest, wen er mit staat­

nicht mehr in Erscheinung getreten. Nichts Nachteili­

lich gesammelten Informationen bediente: Herrn

ges bekannt.» – Reto Delnon starb 1983 im Alter von

Dr. Riesen und Dr. Steiner (Fremdenpolizei) «zuhan­

59 Jahren an einem Nierenleiden in Fribourg.

piz 42 : Winter | Inviern 2011/2012


piz 42 : Winter | Inviern 2011/2012

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Die Villa Vedette als Lottogewinn piz berichtete im Sommer 2010 über die Villa Vedette in St. Moritz. Ihre Geschichte ist aber noch aussergewöhnlicher als damals dargestellt: Das Haus war der erste Preis einer Tombola zur Erhaltung des Engadiner Museums.

Text: Ralph Hug Historische Abbildungen: Dokumentations­bibliothek St. Moritz

S

ie liegt an bester Lage an der Via Laret 12 in

Haupttreffer. So kam es, dass er sich nach dem Bau im

St. Moritz und während Jahren war die Villa Ve­

Oktober 1912 als erster Besitzer der Villa Vedette ins

dette im Besitz des Genfer Obersten Arthur Fon­

Grundbuchamt eintragen lassen konnte. Noch heute

jallaz (1875-1944), besser bekannt unter dem Namen

hängt das Los in der Villa als Andenken an der Wand.

«le colonel fasciste». Der zackige Fonjallaz war in den

Heute erscheint es unvorstellbar, dass man durch ei­

1930er-Jahren Anhänger Mussolinis und wollte auch

nen Tombolagewinn in den Besitz einer Villa an bes­

in der Schweiz den Faschismus einführen. In St. Mo­

ter Lage im Oberengadin gelangen könnte. Doch vor

ritz war er zeitweise ungern gesehen, weil man vom

genau hundert Jahren herrschten noch andere Ver­

«braunen» Offizier einen Imageschaden befürchtete.

hältnisse. Aber die Welt war schon damals ungerecht,

Der Oberst zog das grosse Los

hätte brauchen können, sondern einem bereits Ver­

Beinah unglaublich mutet die Entstehung der Villa

mögenden: Fonjallaz entstammte einer reichen Win­

Vedette an: 1911 wurde eine Tombola zur Erhaltung

zerfamilie aus dem berühmten Lavaux und hätte ein

des Engadiner Museums durchgeführt. Insbesondere

solches Anwesen wohl auch ohne Tombolagewinn fi­

der Heimatschutz setzte sich für dieses «Kulturwerk

nanzieren können. Die Villa blieb bis 1950 im Besitz

ersten Ranges» ein. Als erster Preis winkte eine «herr­

der Familie, als Sohn René Fonjallaz, der sich ebenfalls

lich gelegene Villa in St. Moritz» im Wert von 69’000

politisch kompromittiert hatte, sich gezwungen sah,

Franken. Es war die Villa Vedette beziehungsweise das

nach Franco-Spanien zu ziehen, dem sicheren Hafen

Projekt der Architekten Hartmann & Cie. samt Grund­

für alle möglichen Nazis auf der Flucht. Der Erlös aus

stück. Auch die übrigen Preise waren nicht zu verach­

dem Verkauf der Villa Vedette sicherte ihm ein sorgen­

ten, unter anderem eine ganze Wohnungseinrich­

freies Leben auf der sonnigen Insel Ibiza und dem

tung, Velos, Uhren oder Gemälde von einheimischen

neuen Besitzer, einem italienischen Physikprofessor,

Künstlern. Fonjallaz erwarb für einen Franken ein Los

ein stattliches Feriendomizil, das erst im vergangenen

– und zog bei der Ziehung vom 30. September 1911 den

Jahr wieder die Hand wechselte.

Die Tombola-Ausschreibung mit dem Hauptgewinn einer «herrlich gelegenen Villa» (oben). Die Villa Vedette nach dem Bau 1912 und heute (rechts).

58

winkte das Losglück doch nicht jemandem, der es

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Die neue Pflegeformel. Natürliche Schönheit für Haut, Haare und Nägel. Mit der Unterstützung von Mikronährstoffen und Pflanzenextrakten haben wir die Chance, die Schönheit der Haut, des Haares und der Nägel zu bewahren. Intensivpflege von innen: Mit diesem ganz anderen, innovativen Ansatz zu einer hochwertigen Pflegelinie bringt Burgerstein drei Produkte auf den Markt, die den Wunsch nach einem attraktiven Erscheinungsbild begünstigen. Da die Nährstoffversorgung von aussen ihre Grenzen hat, ist es wichtig, den Aufbau- und Pflegeprozess mit auserlesenen Aktivstoffen von innen zu fördern.

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Richtig pflegen. Richtig wohlfühlen.


BUCHER Wieso heisst er Spaniolaturm?

Ün roman engiadinais

Our dal relasch d’Andri Peer

Architektur in Samedan

Lukas Högl (Hrsg.): «Der Spaniolenturm zu

Oscar Peer: «La rumur dal flüm. Ün roman

Andri Peer: «Essais, correspondenza e critica

Roderick Hönig (Hrsg.): «Bauen und Archi-

Pontresina» Schweizerischer Burgenverein,

autobiografic». Chasa editura rumantscha,

1947–1994». ediziun da D. Andry, R. Caduff,

tektur in Samedan». Edition Hochpareterre.

Basel, Band 37, Fr. 58.–,

Cuoira, 320 paginas, Fr. 24.–. Da cumprar

A. Ganzoni, C. Riatsch, Societad Retoru-

Fr. 19.– mit begleitender iApp.

Bestellen bei: www. burgenverein.ch

in tuot las librarias.

mantscha, Cuoira, 500 paginas, Fr. 35.–.

Der mittelalterliche

La rumur dal flüm es ün

Andri Peer (1921-

Die meisten kennen

Burgenturm steht am

dals bestsellers dad Os-

1985) da Lavin nun es

das Dorf Samedan

oberen Dorfrand von

car Peer (*1928), l’autur

be ün dals plü impor-

als Ferienort, doch

Pontresina. Erbaut

da divers cuntschaints

tants poets ladins e

es ist auch ein

wurde er um 1210.

romans. Il cudesch es

rumantschs, seis re-

Wohnort, der sich

Von den vier Geschos-

stat exaust per divers

lasch cuntegna eir

intensiv um seine

sen wurde in den zwei oberen ge-

ons ed es uossa gnü reedi in üna

fich numerus essais davart lingua e

Baukultur kümmert: Sorgfältig

wohnt, dies zeigen die Forschungen,

nouva versiun da la Chasa editura

litteratura, publichats in diversas lin-

werden die historischen Engadiner

die in diesem Band des Burgenver-

rumantscha sco bella ed eleganta

guas e differentas gasettas, chi demu-

Häuser gepflegt, stimmungsvoll

eins präsentiert werden. Erklärt wird

ediziun tascabla. Carolina, Zernez,

ossan seis grond interess e savair in

werden Neubauten ins Dorfgefüge

die Geschichte des Bauwerks. Dazu

Lavin – scu divers oters da seis ro-

quist chomp. Sper l’ouvra essaistica

eingepasst. Der Architekturführer

gehört ein Vertrag von 1458 zwi-

mans tratta eir quist dal retuorn: il

dad Andri Peer renda quista nouva

zieht eine Zwischenbilanz, fragt

schen den Leuten von Pontresina

retuorn i’l temp, il retuorn illa me-

ediziun da la gruppa da retschercha

nach dem Umgang mit der Baukul-

und dem Churer Bischof, der die

moria, il retuorn als lös da l’infanzia.

chi s’ha dedichada ils ultims ons a

tur, mit der Landschaft und den Inf-

Nutzung des Baus regelt. Der heutige

In tscherts resguards es quist roman

l’ouvra e la persuna da Peer eir acces-

rastrukturbauten wie Flughafen

Name «Spaniolaturm» taucht erst

aviertamaing autobiografic. Il ro-

sibla üna part da la correspundenza

oder RhB. 40 Gebäude ab 1200 sind

1837 auf. Was er mit Spanien zu tun

man quinta da las trais generaziuns

dad Andri Peer cun persunalitats ru-

hier dokumentiert. Alle Bilder stam-

hat, bleibt ungeklärt. Möglich, dass

chi vivan insembel la perioda dals

mantschas e svizras ed eir ün’intera

men vom Architekturfotografen

es einen Zusammenhang mit der

ons trenta als tschinquanta in Engi-

collecziun d’artichels chi analise-

Ralph Feiner. Die die Publikation

«bes-cha spaniola» genannten

adina Bassa, da lur plaschairs e

schan e valüteschan l’actività e

begleitenden iApp gibt es kostenlos

Schafart hat.

displaschairs, da la vita düra. rv

l’ouvra dal poet. rv

im iTunes Store.

Bildband

Las ouvras da Jon Pult

Proust im Engadin

Regina Zimet

Markus Aebischer, Marlène Hagmann:

Jon Pult: «Pleds e scrits / Reden und Schrif-

Luzius Keller. «Proust im Engadin». Hoff-

Mario Frigg: «Max Del Nero und Regina

«Engadin». Edition Panorama, EUR 40.–

ten». Societad Retorumantscha, Cuoira,

mann und Campe, Fr. 19.90

Zimet». Südostschweiz Buchverlag, 2011,

400 paginas, Fr. 29.–.

Fr. 26.–

Das Enga-

Jon Pult (1911–1991) da

1893 reiste Marcel

Der 17-jährige Max Del

din bietet

Sent es stat ün

Proust zusammen mit

Nero lebt in Chur. Die

viele se-

cuntschaint activist ed

Louis la Salle aus Paris

Sommerferien ver-

henswerte

ambaschadur pel ru-

ins Engadin. Am 22. Au-

bringt er jeweils im

Highlights.

mantsch, activ in di-

gust nächtigte er in ei-

Elternhaus seiner Mut-

Markus

versas instituziuns ru-

ner Hütte am Sassal Ma-

ter im norditalieni-

Aebischer kennt wie kein Zweiter die

mantschas e societats culturalas

sone beim Berninapass und

schen Veltlin. Dort lernt Max im

Vielseitigkeit der natürlichen und

svizras. Per seis 100avel cumplion es

verewigte sich im Gästebuch. Seinen

Sommer 1944 Regina Zimet kennen.

kulturellen Landschaft der Schweiz

gnü edi quist cudesch chi cuntegna

kryptischen VIP-Eintrag entdeckt

Das deutsch-jüdische Mädchen hat

und hat für dieses Buch kontrastrei-

quatter artichels tematics illustrats

hat Kurt Wanner. Der Zürcher Luzius

mit seinen Eltern im Hause der Bau-

che Aufnahmen zusammengetragen,

davart sia vita, sias correspundenzas

Keller, emeritierter Professor für die

ernfamilie Della Nave im Dörfchen

die zeigen, wie einzigartig das be-

e si’actività pel rumantsch. L’editur

Geschichte der französischen Litera-

San Bello Asyl gefunden. Während

rühmte Hochtal ist. Er zeigt die Natur

Rico Valär ha fat la tscherna d’üna

tur und ein ausgewiesener Kenner

Max von seiner unbeschwerten Kind-

mit seinen wilden Tälern und idylli-

trentina da discuors e d’artichels da

von Marcel Prousts Werk, hat weiter

heit in Chur berichtet, erfährt er von

sche Dörfern mit ihrem besonderen

Jon Pult, per gronda part amo mai

recherchiert, viel Herzblut und Spür-

Regina, wie ihre heile Welt in Leipzig

Charakter. Auf 65 Doppelseiten er-

publichats. Quists pleds e scrits da

sinn investiert und legt seine inspi-

durch die Machtübernahme der Na-

halten wir auf grossformatigen Bil-

Jon Pult in rumantsch, tudais-ch,

rierenden Befunde in einem neuen,

zis zerbrochen ist und wie die Familie

dern neue Einblicke und in den Be-

frances ed inglais sun documaints

postkartenschmucken Bändchen

zur Flucht gezwungen wurde. Regina

gleittexten in Deutsch, Englisch,

istorics interessants chi documente-

vor, das zu verschenken die reine

Zimet ahnt nicht, dass Max ein ge-

Französisch und Italienisch werden

schan sper lur cutgnü, chi’ns muossa

Freude ist. Die Originalausgabe die-

fährliches Spiel treibt, welches ihn in

wir ins Brauchtum und Leben der Re-

diversas fasettas da l’activist Jon Pult,

ses Titels erschien 1998 beim Insel

den Strudel der kriegerischen Ereig-

gion eingeführt. Ein Erinnerungs-

eir il pensar e sentir avant, dürant e

Verlag. Keller folgt den Spuren

nisse zu reissen droht: Ihr Freund

buch an herrliche Ferien und ein Ein-

davo la seguonda guerra mundiala in

Prousts im Engadin und den Spuren

fungiert nämlich als Kurier lokaler

blick in oft unbekannte Orte.

Engiadina.

des Engadins in Prousts Werk. es

Partisanenverbände.

60

piz 42 : Winter | Inviern 2011/2012


BUCHER Kulturschaffende

Magische Berge

Literarische Spuren

Ignazios Nachkommen

Maya Höneisen, Franco Brunner, Yannick

Gabriela Holderegger, Jano Felice Pajarola:

Adrian Stokar, Thomas Burla: «Dem Süden

Elisabeth Mascheroni: «Ignazios Nachkom-

Andrea: «Bündner Kulturschaffende – Schöp-

«Muntognas magicas – Barlots, baubuzis e

verschwistert – Literarische Wanderungen im

men». Ein historischer Roman. Südost-

ferische Kraft aus den Bergen». Offizin Ver-

bag ianauas striunadas». Lia Rumatscha/

Oberengadin». Rotpunktverlag. Fr. 38.–

schweiz Buchverlag, 2011, Fr. 34.–

lag, 2011, Fr. 42.–

Südostschweiz Buchverlag, 2011, Fr. 28.–

Auf ihren journa-

Sagen, Märchen,

Seit rund 150 Jahren

«Ignazio war Wegma-

listischen Streif-

Brauchtümer – alles

ist das Engadin ein

cher auf dem Passo dal

zügen durch das

verstaubt und von ges-

magischer Anzie-

Fuorn. Jetzt schreibt

Kulturschaffen

tern? Mitnichten:

hungspunkt für

Elisabeth Mascheroni

im Kanton Grau-

«Muntognas magicas»

Schriftsteller und In-

über Ignazios und

bünden treffen

rückt den reichen

tellektuelle, für Rei-

Anna-Marias Kinder

die drei Autoren immer wieder auf

Schatz an Volkserzählungen und le-

sende und Nichtsnutze, für Lebens-

und Enkel. Die überlieferten Briefe

Menschen, die sich künstlerisch mit

bendigen Traditionen in ein neues

künstler jeder Couleur. Ob auf

und Notizen des Sohnes Giuseppe

ihrer Herkunft auseinandersetzen

Licht – aus allen Bündner Regionen.

«Murmeljagd» mit Ulrich Becher,

(1884–1936) und seiner Frau

und dafür eigene Ausdrucksformen

Eine Auswahl an packenden Origi-

«Im Dienst Ihrer Majestät» mit Ian

Natalina (1899–1960) dokumentie-

suchen. Es sind Menschen, die seit

naltexten aus Caspar Decurtins’ «Rä-

Fleming, auf «Bergfahrt» mit Lud-

ren die Auswirkungen des Kriegs auf

Generationen geprägt sind von der

toromanischer Chrestomathie» be-

wig Hohl oder unterwegs mit Anne-

Graubünden und das angrenzende

rauen Kargheit der Berge. Jede Kultur

richtet von Bäuerinnen, Alphirten

marie Schwarzenbach, Annette

Italien. Das Leben ist hart, ein

hat über die Jahrhunderte Lösungen

und Handwerkern. Dazu kommen

Kolb und Iso Camartin – die Liste

Schweizer Pass kann Leben retten.

gefunden, um ein Leben und ein

Fachleute zu Wort und es gibt Wan-

liesse sich endlos verlängern. Der

Im Mittelpunkt der Handlung steht

Auskommen für sich zu finden. Es ist

dervorschläge zu mythischen Orten.

leidenschaftlich belesene Autor Ad-

Beppo (1925–2006), Ignazios Enkel.

nicht weiter verwunderlich, dass in

Elf Gastautorinnen und -autoren der

rian Stokar stellt auf zwölf mehr

Ein Arbeitsunfall im Alter von

dieser Konstellation auch immer wie-

jungen Generation erzählen ihre

oder weniger strapaziösen Wande-

17 Jahren zeichnet ihn schwer, den-

der Reibungsflächen entstehen, die

«modernen Sagen». Eigenheiten der

rungen Orte vor, die von Bekannten

noch erreicht er seine Ziele und fin-

es auszuhalten gilt. Denn ein Mitein-

romanischen Sprache werden erklärt.

aus der Literatur- und der Kulturge-

det sein Glück. Zwei Jahre nach

ander ist nicht zu umgehen. Das Re-

Und das Buch verleitet auch zum Ge-

schichte besungen, beschrieben

«Ignazio, der Wegmacher auf dem

sultat daraus ist eine in der Schweiz

nuss, denn einheimische Küchen-

oder auch verflucht worden sind.

Passo dal Fuorn» ist Elisabeth Mas-

einzigartige Kulturlandschaft. Dieser

chefs bringen althergebrachte Spei-

Eine erbauliche, amüsante, überra-

cheroni erneut ein eindrückliches

Band stellt mit dreissig Porträts in

sen in ein frisches Gewand. Das

schende und mitunter auch verstö-

und berührendes Buch gelungen,

Wort und Bild die unterschiedlichs-

zweisprachige Buch (Romanisch und

rende Lektüre. Ein rühmenswertes

das in der Form des historischen Ro-

ten Bündner Kulturschaffenden vor.

Deutsch) baut Brücken. Es handelt

Kapitel für sich sind die stimmigen

mans die vergangenen Zeiten aufle-

Am Band mitgearbeitet haben auch

sich nicht um Übersetzungen von

Farbfotos von Thomas Burla, die die

ben lässt und uns vergessene Tradi-

piz-Fotograf Yannick Andrea und Au-

Texten, sondern die Texte ergänzen

historischen Abbildungen konge-

tionen näher bringt und lebendig

tor Franco Brunner.

sich gegenseitig.

nial bereichern. es

werden lässt.

Und da könntand Sie * no a Werbig macha!   * Deutsch: Und hier wäre ein idealer Platz für Ihr kleines Inserat!

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PIZZERIA Gemeindefusion im Unterengadin

Passion Single Malt Whisky

Was im Bergell und im Münstertal bereits umgesetzt ist, greift nun auch im Unterengadin. Die kleinen Gemeinden schliessen sich zu grösseren Gebilden zusammen. Im Oktober 2011 hiessen die Stimmberechtigten der beiden untersten Engadiner Orte Tschlin und Ramosch die Fusion gut. Ab 2013 wird die Gemeinde mit dem neuen Namen Valsot und mit rund 1000 Einwohnerinnen und Einwohnern funktionieren. Beide bisherigen Gemeinden können dann die Steuern senken, der Kanton beteiligt sich an den Fusionskosten mit 2,4 Mio. Franken.

Uras d’avertüra «Caferama»: lün–vend: 15–18 h. Dals 13.2.–9.3.2012 cun musica Viennaisa düraunt las uras d’avertüra dal museum www.cafe-badilatti.ch

62

Nairs – Ensemble setzt sich in den Köpfen fest Nairs, das Zentrum für Gegenwartskunst, finden wir unten am Inn in Scuol, im ehemaligen Kurmittelhaus. Das Gebäude beherbergt jeden Sommer zahlreiche Künstler, die hier arbeiten, und es werden hochkarätige Ausstellungen gezeigt. Das Gebäude selbst ist Teil des 1864 entstandenen Ensembles bei den Tarasper Mineralquellen und es ist sowohl vom Kanton als auch vom Bund inventarisiert und geschützt. Nun soll Nairs zum Ideenlabor ausgebaut werden, das aufgrund seiner Lage am Fluss zwischen Natur und Kultur vermitteln will, denn die historischen Gebäude sind ein idealer Ausgangspunkt. Hier drehte sich schon immer alles ums Thema Wasser. Die Fundaziun Nairs ist fest entschlossen, hier noch aktiver zu werden. Der neue Stiftungsratspräsident Hans-Jörg Heusser hat als Kunsthistoriker, Publizist und Unternehmensberater zahlreiche neue Wege aufgezeigt. Heusser war zuvor fast zwanzig Jahre lang Direktor des Schweizerischen Instituts für Kunstwissenschaften. Die Fundaziun Nairs findet auch immer mehr «Verbündete» für ihre Pläne. Scuol unterstützt den Kulturbetrieb schon lange und der Gemeindevorstand von Tarasp – die Trinkhalle gehört der Gemeinde – setzt sich ebenfalls für das Ensemble ein. Geplant ist auch ein neuer Verein, der sich um diese «Kathedrale des Wassers» kümmert – der letzten erhaltenen Trinkhalle aus dem 19. Jahrhundert in der Schweiz.

Badilatti nun es dal tuot tschient … ma per la peja daspö 99 ans la brastullaria da cafè la pü ota in Europa. Chi so quauntas discussiuns famiglieras, cunfessas persunelas, cumpromiss politics, trattativas delicatas o dutschas seducziuns chi haun mê gieu lö cun üna tazza cafè da Badilatti? A nu saro simpel dad eruir quista dumanda, ma sainza dubi as po però constater cha’l gust tipic da cafè brastullo es resto tresour tuot quists ans il medem. La firma es daspö 99 ans in mauns da la famiglia e vain al mumaint mneda da Daniel Badilatti in terza generaziun. Sia devisa es la qualited e cun que vegnan brassos illa brastullaria a Zuoz be ils meglders grauns da cafè e creedas be las pü gustusas masdüras chi vegnan paquettedas in seguit cun piz 42 : Winter | Inviern 2011/2012

Das Einkaufszentrum Acla da Fans im Unterengadin ist so etwas wie die zweite Heimat der schottischen Whiskys. «Man findet eine sanfte Zitrusfrucht mit einer Toffee-artigen Malzigkeit und grasigen, trockenen grünen Noten im Finish.» So beschreibt Experte Stefan Wolters im Rahmen eines Testabends den hochprozentigen Auftakt. Acht Single Malts werden degustiert, eine kleine Auswahl aus den gut sechshundert schottischen Single Malts, welche das Bündner ZollfreiEinkaufszentrum Acla da Fans im Angebot führt. Monatlich werden hier Testabende veranstaltet. Angereichert werden die Treffen mit Geschichten, Informationen und allerlei Anekdoten. Für Geschäftsleiterin Bettina Zannier ist der Anlass mehr als ein Fixpunkt in der Agenda. Und da das Einkaufszentrum acht Kilometer vor Samnaun und somit nicht einfach um die Ecke liegt, bleibt Zannier mit den Kunden und den Single-MaltFans in Kontakt und besucht sie auch auswärts.» Themen und Daten der Whisky-Tastings im Einkaufszentrum Acla da Fans unter www.acla-da-fans.ch.

granda chüra in lur paquettins da vendita. Daniel Badilatti s’ingascha inpü gia daspö divers ans cun granda devoziun a favur da duos cooperativas da cafè in Indonesia, las quêlas el cussaglia e sustegna e da quêlas el retira minch’an üna quantited fixa da lur producziun ad ün predsch solidaric. Il fat, cha l’istorgia nun es gnida fatta be in Engiadina cun agüd d’üna o da püssas tazzas da cafè, dimpersè cha la bavranda es üna part da la cultura intuorn tuot il muond, as po seguir ed admirer aint il museum da cafè «Caferama» illa Chesa Cafè a Zuoz. L’exposiziun declera tuot ils aspets chi haun da che fer culla cultivaziun e l’elavoraziun dal cafè e vain cumpletteda cun üna interessanta exposiziun da tuotta sorts antiquiteds e ogets faszinants intuorn il tema cafè.


PIZZERIA Hotel Waldhaus, Sils-Maria, Winterprogramm 2011/2012 Details und Ergänzungen: www.waldhaus.ch 27.12.

«Mit dem Inn nach Wien». Liederabend mit der jungen

27.2.

Biert (Piano). 28.12.

2.3.

Hot Jazz im Stil von Django Reinhard mit der Schweizer

5.3.

Theater Basel: «Atlantik Mann», mit Nikola Weisse und

Band Swing Express.

«Verba alpina». Alte Dialekte, neue Medien. Thomas Krefeld, München, präsentiert eine projektierte digitale

Autorenlesung: Gabrielle Alioth, «Die griechische Kaiserin».

Engadiner Sopranistin Sara Bigna Janett und Risch

Alexander Tschernek.

sprachgeografische Datenbank. «Zwischen Gestern und Morgen». Martin Rapold und

8.3.

«Do the Yiddish Mambo!» Global Shtetl Band.

Benedict Freitag lesen Tucholsky.

11.-17.3.

Body und Ski (Feldenkrais) mit Andrea Hennen.

6.1.

Jazz mit Claude Diallo Situation.

12.3.

Autorenlesung: Barbara Bongartz, «Die Schönen und

9.1.

Autorenlesung: Daniela Kuhn, «Zwischen Stall und

3.1.

Hotel – 13 Lebensgeschichten aus Sils». 11.1.

die Reichen». 15.3.

Theater Triebgut: Annette Wunsch, Gian Rupf und Philipp Siegel zeigen Stefan Zweigs «Brennendes

Streichquintette: Mendelssohn und Bruckner mit

Geheimnis».

Solisten des Sinfonieorchesters Engadin. 14.1.

Andreas Knecht und Freunde: Jazz und CD-Taufe.

18.-24.3.

Yoga-Woche.

16.1.

«Auf der Suche nach dem Gedächtnis»: Petra Seeger

19.3.

«Leben hinterm Mond». Solokabarett mit Josef Brustmann.

zeigt ihren Dokumentarfilm über den Hirnforscher und Nobelpreisträger Eric Kandel. Diskussion am 18.1. 23.1.

Autorenlesung: Jens Steiner, «Hasenleben».

27.1.

Jazz. Dani Felber Quartett und Sängerin Crystal Night.

30.1.

Autorenlesung: Irene Dische, «Ein amerikanischer

24.3.

Puschkin bis Tschechow, Klänge von Tschaikowski bis Glinka. 26.3.

MedeA Trio spielt Dvorˇák und Mendelssohn.

6.2.

Konzert mit den Chören aus Sils: «Girls», «Chor Viva».

9.2.

Bernina Quartett mit Jessica Mehling und Yannik

30.3.

13.2.

Musique Simili. Virtuose Zigeunerweisen und okzitanische Volksmusik.

2.4.

Alessandro Zuffellato, «Musikbox». Geschichten, Tanz, Gesang, Pantomime und Akrobatik.

«Veri» alias Thomas Lötscher: «Ab- und Zufälle», ein Kabarettabend.

Angelika Overath im Gespräch mit Chasper Pult über «Alle Farben des Schnees».

31.3.

Frateur (Violinen), Paul Westermayer (Viola), Pi-Chin Chien (Cello).

Multimedia-Autorenlesung: Maria Blumencron, «Kein Pfad führt zurück».

Ehemann». 1.2.

«Russische Seele», literarisches Konzert. Texte von

6.4.

Karfreitagskonzert mit Michele Montemurro, Klavier. Mozart, Beethoven, Chopin und Isaak Berkowitsch.

17.2.

Autorenlesung: Klemens Renoldner, «Lilys Ungeduld».

20.2.

«Der Kleine Prinz». Puppentheater für Kinder und

8.4.

Blues Blend.

Erwachsene.

13.4.

Chasper Pult erzählt vom Engadiner Lehrer, Autor und

14.4.

Bluegrass Stuff. Musik aus den Bergen von Tennessee

23.2.

Theatermann Jon Semadeni (1910-1981).

Jeremias Gotthelf, «Die schwarze Spinne», gelesen von Silvia Jost, begleitet von Andreas Berger.

23.2.-2.3. Shiatsu mit Claudia Carigiet. Reservationen ratsam.

und Kentucky.

Infotage der Höheren Fachschule für Tourismus Informationen aus erster Hand und vor Ort über den Studiengang dipl.

Neubau und neue Kurse Die Academia Engiadina in Samedan hat im August ein neues Schulgebäude mit topmoderner Einrichtung eingeweiht. Gleichzeitig startete die Fachmittelschule mit den Berufsfeldern Gesundheit und Pädagogik. Der Abschluss, die Fachmatura, eröffnet den Zugang zu den Fachhochschulen. Ausserdem werden Leistungssportler/-innen und ambitionierte Musizierende speziell gefördert. Eine enge Zusammenarbeit mit dem Langlaufstützpunkt Oberengadin und der regionalen Musikschule ermöglicht die Kombination

Tourismusfachfrau/ -fachmann HF. Gleichzeitig kann der gesamte Campus der Academia Engiadina in Samedan besichtigt werden und es gibt

von Unterricht, Sport und Musik. Das Gymnasium der Academia

Kontaktmöglichkeiten

Engiadina in Samedan wird in den drei Sprachen des Einzugsgebie-

mit den Studierenden:

tes unterrichtet: Deutsch, Italienisch und Romanisch. Ausbildungs-

Sa. 14. Januar 2012 und

schwerpunkte liegen in den Bereichen Naturwissenschaften, Wirt-

Do. 23. Februar 2012

schaft, moderne Sprachen und Kunst. In Samedan kann auch die

jeweils 10.45–16.00 Uhr.

«Matura Bilingua» absolviert werden und es gibt einen englischen

Anmeldung erwünscht:

Immersionsunterricht. Die Handelsmittelschule schliesst mit der

www.academia-engiadina.ch

Berufsmatura Kauffrau/Kaufmann ab und ebnet mit anschliessen-

Y Höhere Fachschule für

der Berufsmatura den Weg in viele Berufsfelder oder weiterführende

Tourismus Graubünden,

Ausbildungen. www.academia-engiadina.ch

Infotage oder Tel. +41 (0)81 851 06 11

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PIZ BERICHTETE Abschied vom Obligatorium «Der Sprachenstreit dreht eine neue Runde» – so berichtete piz in der Sommerausgabe 2011 von den Diskussionen um Rumantsch grischun als Einschulungssprache. Der neue Bündner Bildungsdirektor Martin Jäger gab inzwischen dem Druck von «Pro Idioms» weitgehend nach und räumte die Schwierigkeiten mit der Einheitssprache ein. Wenn das Bündner Kantonsparlament auf den 2003 gefällten Entscheid zurückkommt,  was bei Redaktionsschluss

Bio-Bauer Planta bekommt recht «Bauer gegen Zwangsimpfungen» titelte piz in der letzten Ausgabe und berichtete über den Scuoler Bio- und Demeter-Landwirt Tumasch Planta, der sich gegen die Blauzungenkrankheit-Zwangsimpfung seiner Schafe gewehrt hatte. Planta hatte gegen den Kantonstierarzt geklagt, der 2009 in einer Nacht- und Nebelaktion rund hundert Schafe mit Hilfe von Feuerwehr und Polizei von der Alp holen und impfen liess. Jetzt ist klar: Der Kantonstierarzt ging zu weit. Zwangsimpfungen seien weder nötig noch rechtens gewesen, stellte inzwischen das Bündner Verwaltungsgericht fest und korrigierte damit den erstinstanzlichen Entscheid des zuständigen Departements für Volkswirtschaft und Soziales. Das Verwaltungsgericht meint, dass die Trennung der nichtgeimpften Schafe Plantas von der geimpften anderer Bauern auf der Alp zwar richtig gewesen sei. Weil danach aber keine weitere Ansteckungsgefahr mehr bestanden habe, sei die Zwangsimpfung zu weit gegangen. Der Landwirt bekam auch Recht in seiner Auffassung, das Amt hätte ihn mindestens

zuerst anhören müssen. Tumasch Planta wehrte sich gegen die Impfungen, weil danach viele Tiere erst recht krank geworden, einige sogar gestorben seien. Solche Impfaktionen habe man wegen der Grossbetriebe eingeführt – für die Biound Bergbauern seien sie völlig übertrieben und schädlich. www.blauzungenimpfung.ch

noch nicht klar war, wird es künftig wieder Lehrmittel in Deutsch, Italienisch, Rumantsch grischun und in den fünf Idiomen geben.

Mehr Verantwortung beim Bauen gefordert Als piz in der Sommerausgabe 2010 unter dem Titel «So nicht!» auch ein Foto vom «@-Center» in Scuol zeigte, gab es einige heftige Reaktionen aus der Bevölkerung. Jetzt doppelt der Engadiner Heimatschutz nach und formuliert offene Kritik. Der massive fünfgeschossige Sockelbau, der von Scuol Sot aus gesehen mit seiner roten Farbgebung hervorsticht, sei ein «Paradebeispiel für das Fehlen einer übergeordneten Gesamtplanung im Unterengadin» Kritisiert wird nicht zuletzt, dass diese Etagen im Südhang bloss als Parkgarage benützt werden. Der Vorstand des

Preise für Plusenergie Hotel Auf dem Muottas Muragl ob Pontresina steht das erste Plusenergie-Hotel – piz hat es in seiner letzten Ausgabe vorgestellt. Inzwischen wurde sein Energiekonzept mit zwei Solarpreisen ausgezeichnet, den einen in der Kategorie «Gebäudesanierungen», den anderen in der neuen Kategorie «Plusenergiebauten.» Dazu kommt der «Milestone Umweltpreis» 2011. Das 1907 erbaute Hotel wird seit dem Umbau 64

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Engadiner Heimatschutzes schlägt vor, eine regionale Planungsgruppe mit Fachleuten einzusetzen, die Gestaltungsrichtlinien erarbeiten soll. Scuols Gemeindepräsident Jon Domenic Parolini verteidigt zwar das seit 40 Jahren geltende, liberale Baugesetz der Gemeinde, doch er begrüsst auch intensivere Diskussionen über die Siedlungspolitik. Der HeimatschutzVorstand kritisiert, dass Planung zu oft von Individualinteressen geprägt sei. Doch Bauen sei eine gesellschaftliche Aufgabe. In diese Richtung will die Organisation die Bevölkerung vermehrt sensibilisieren.

vollständig über erneuerbare Energien beheizt und mit Warmwasser versorgt. Der aussergewöhnlich sonnenreiche Standort, eine gute Wärmedämmung und die Kombination von Solar- und Erdwärme machten die Realisierung des Vorzeigeobjekts möglich. Erdwärme wird über Sonden aus 200 Meter Tiefe ins Haus geführt. Überschussenergie wird im Felsen gespeichert. Über Kollektoren wird Wärme für die Heizung und das Warmwasser gewonnen. Die Fotovoltaik-Anlage entlang der Standseilbahn erzeugt genug Strom, um die Wärmepumpe und das Haus zu versorgen. Einen hohen Energiebeitrag liefern auch die Südfenster. Übers Jahr gerechnet produzieren die Anlagen 105 Prozent der verbrauchten Energie. Öl wird auf dem Berg keines mehr verbrannt, was die CO2-Emmissionen um 144 Tonnen pro Jahr senkt. Der Solarpreis lobt das Konzept: «Das 104-jährige Berghotel zeigt, dass hochstehender Hotel-Komfort auch auf 2456 Metern über Meer im Plusenergiebau-Bereich realisierbar ist.» Die Bergbahnen Engadin St. Moritz AG, der das Hotel gehört, zeigt sich stolz über die erhaltenen Preise.


PIZZERIA Haus des Jahres: Stallumbau in Soglio Der Umbau eines zuvor ziemlich lottrigen Stalles in Soglio in ein Wohnhaus hat Architekt Armando Ruinelli den Preis für das «Haus des Jahres 2011» eingebracht. Uber 180 Bewerbungen gingen für den Wettbewerb ein. Dem zum Wohnhaus umgebauten Stall sieht man seine neue Funktion erst auf den zweiten Blick an. Das wollte der Hausherr so, der international tätige Schweizer Fotograf Raymond Meier. Er hatte sich bereits früher von Armando Ruinelli ein Atelierhaus bauen lassen. Der frühere Salis-Stall mit seinen vier gemauerten Eckpfeilern und dem Steinplattendach wurde ohne Kran umgebaut. Der Innenausbau erfolgte weitgehend in Holz. Böden, Decken, Türen und Einbauten sind aus unbehandelter Eiche. Wo betoniert

Kulturagenda Hotel Laudinella, Winterprogramm 2011/2012 26.12. Weihnachtskonzert. Werke von Haydn, Wieniawski, Brahms mit Clara Saitkoulov, Violine; Claire Oppert, Cello; Roustem Saitkoulov, Klavier. 28.12. Kasperli-Theater: «Hans im Glück», 17 Uhr. 5.1.

Rezital. Werke von Tschaikowsky, Rachmaninoff, Glinka, Prokofiev mit Konstantin Scherbakov, Klavier.

11.1. Esther Hasler - Beflügelt! Solo im Duo mit Piano. 18.1. Kochkurs: Sushi Secrets, 14 Uhr. 28.1. Lesung und Gespräch: Petros Markaris «Faule Kredite». 10.2. Rezital. Alexei Zuev, Klavier. 18.2. Neues Zürcher Orchester. The Best of Music: Telemann, Händel, Bach. 21.2. Sing oder stirb! Annette Postel erzählt Parodien mit Koloratur, Komik und viel Stimme. 27.2. Lesung und Gespräch: Ilija Trojanow «EisTau». 7.3.

Crusius & Deutsch – das Bergdrama. Musikalische Alpenpersiflage.

werden musste, wurde in kleinen Mengen, Schicht um Schicht, Stampfbeton eingebracht. Auch aussen ist das Haus mit einer Stampfbetonmauer umgeben. Die Jury würdigte die Arbeit des Bergeller Architekten so: «Der Ansatz, beim Umbau nicht auf einen deutlichen Kontrast von Neu und Alt zu setzen, sondern alles zu vermengen, wird als sehr glücklich angesehen – eine sinnliche Kombination.»

Er brachte die Romantik nach Poschiavo – im September 2011 ist der Kunstsammler Ernesto Conrad, der Gründer der Casa Console in Poschiavo, im Alter von 84 Jahren gestorben. Seit seiner Jugend – so erzählte Conrad – habe ihn die Kunst magisch angezogen. Als Sammler widmete er sich der Romantik, vor allem der Münchner Schule. Bereits seit den Siebzigerjahren hielt sich Conrad im Puschlav auf und 2002 – mit 75 Jahren – erfüllte er sich in der Casa Console in Poschiavo seinen Traum und eröffnete dort sein eigenes Museum. Die Sammlung besteht aus 100 Gemälden aus dem 19. Jahrhundert – darunter auch Werke von Carl Spitzweg, Albert Anker und Ferdinand Hodler. Für sein kulturelles Engagement erhielt Ernesto Conrad 2007 den Anerkennungspreis des Kantons Graubünden und im gleichen Jahr zeichnete ihn auch die Bündner Vereinigung für Kultur und Tourismus aus. Ernesto Conrad hatte schon bei der Gründung des Museums das Haus und die Bilder in eine Stiftung eingebracht. So bleibt diese Sammlung über den Tod des Gründers hinaus erhalten.

Genuss für Leib und Seele – dazu lädt das seit 2011 mit 5 Sternen ausgezeichnete Hotel «Paradies» in Ftan auch in dieser Wintersaison ein. «Sterne-Auszeichnung» haben auch die kulinarischen Kreationen von Küchenchef Martin Göschel. Im hoteleigenen Restaurant «La Bellezza» präsentiert er seine Kunst,

12.3. Lesung und Gespräch: Schischkin «Venushaar».

die mit 18 Punkten Gault

19.3. Menschen erzählen: Luzius Keller, Bever. Mit Proust im

Millau und einem Michelin-

Engadin. Moderation: Cordula Seger.

Stern benotet ist. Im Bild

21.3. Kochkurs: Süsses für die Ostertage, 14 Uhr.

das «Engadiner Weiderind».

22.3. Kammerphilharmonie Graubünden. Die goldenen 20er

Und «noch näher bei den

Jahre. Tanzschlager von Oh Donna Clara bis Schöner

Sternen» ist man, wenn

Gigolo, Samuel Johannes Zünd, Refraingesang.

man unter freiem Himmel

29.3. Kochkurs. Thai-Gerichte, 14 Uhr.

ein wohltemperiertes Bad

8.4.

geniesst. Auf der neuen

Osterkonzert.

12.4. «Das Streben, in das Geheimnis des farbigen Lichtes

Ernesto Conrad ist tot

Den Sternen noch näher

Dachterrasse, die den

einzudringen …» Giovanni Giacometti zwischen Bergeller

bestehenden Wellness-

Heimat und europäischer Avantgarde. Vortrag von Mirella

Bereich erweitert, ist

Carbone und Joachim Jung. Anmeldungen für Kochkurse nötig. Tel.: 081 836 06 16. Falls nichts anderes vermerkt, beginnen die Veranstaltungen um 20.30 Uhr.

Entspannung bei einem wunderbaren Ausblick auf die Bergwelt garantiert. www.paradieshotel.ch

Hatecke Zernez in neuem Gewand Seit 55 Jahren besteht die Bacharia / Metzgerei Hatecke in Zernez und verkauft ihre Engadiner Spezialitäten vom Rind, Kalb, Lamm und Wild. Jetzt hat der bekannte Ostschweizer Architekt Beat Consoni das Geschäft im Zentrum von Zernez, an der Kreuzung von Engadiner- und Ofenpassstarasse, neu gestaltet – ganz Hatecke-like: eine Metzgerei ohne hohe Glasscheibe.

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VORSCHAU / PREVISTA

IMPRESSUM

Berge | Muntognas Was dürfen Sie von einem Heft zum Thema «Berge» erwarten, wenn die Heimat dieser Publikation mitten in den Bergen liegt? Sicher mehr als ei­ nen Kitschkalender und mehr als heroische Bergsteigergeschichten. Wir werden Ihnen in der nächsten piz-Ausgabe von einer Kultur, aber auch von wirtschaftlichen Herausforderungen berichten, die sich nach wie vor vom Leben in den Städten unterscheidet. Gerade diese Unterschiede sind es ja, was die Städterinnen und Städter suchen, wenn sie in die Alpen reisen. Hier finden sie Anregung und Erholung. Wer aber dauernd in den Bergen lebt, hat oft eine ganz andere Sicht, andere Sorgen und Probleme. Das Span­ nungsfeld ist damit ausgesteckt – freuen Sie sich auf piz im Sommer 2012.

Herausgeberin | editura Edition piz, Urezza Famos, Palüzot, CH-7554 Sent Tel. +41 (0)81 864 72 88, info@pizmagazin.ch, www.pizmagazin.ch Redaktion | redacziun Urezza Famos, René Hornung (rhg), redaktion@pizmagazin.ch Anzeigenverkauf | inserats E. Deck Marketing Solutions, Edmund Deck, Via Giovanni Segantini 22, 7500 St. Moritz, Tel. +41 (0)81 832 12 93, e.deck@bluewin.ch Produktion | producziun René Hornung, Eva Lobenwein Artdirektion, Grafik | grafica Eva Lobenwein, Innsbruck, www.dieeva.com Bildredaktion | redacziun da las illustraziuns Urezza Famos Bildbearbeitung | elavuraziun grafica TIP – Tipografia Isepponi, Poschiavo Korrektorat | correctorat tudais-ch Helen Gysin, Uster Copyright Edition piz, Scuol Druck | stampa Grafica Editoriale Printing Srl, Bologna, Italia

Autorinnen und Autoren, Fotos | auturas ed auturs, fotografias Franco Brunner, *1977, freier Journalist in Chur. www.francobrunner.ch Michael Buehler, *1963, arbeitet als freier Fotograf in Zürich. www.michael-buehler.com Sina Bühler, *1976, Redaktorin «work».

Magazin für das Engadin und die Bündner Südtäler Magazin per l'Engiadina ed il Grischun dal süd

www.pizmagazin.ch Nr. 42, Winter | invern 2011 / 2012. Erscheint zweimal jährlich. Auflage: 30’000 Ex.

Susanna Fanzun, *1963, Redaktorin der Televisiun Rumantscha. Sie arbeitet und lebt in Scuol. Jürg Frischknecht, *1947, Journalist und Autor in Zürich. Marina U. Fuchs, *1953 in Nürnberg / D, freie Kulturjournalistin, Kulturvermittlerin und -beraterin, Juristin. Lebt und arbeitet in Celerina. Gregor Gilg, *1964, visueller Gestalter und Comic-Zeichner in Bern.

Abonnemente: Edition piz, CH-7554 Sent. Zweijahresabonnement: Fr. 35.– (exkl. Versandkosten und MwSt.). Das Abonnement ist mit

René Hornung, *1948, Redaktor des piz Magazins. Arbeitet als freier Jour­nalist im «Pressebüro St. Gallen» und für «Hochparterre».

einer Frist von zwei Mo­na­ten vor Ablauf kündbar. Ohne schriftli-

Ralph Hug, *1954, freier Jour­nalist im «Pressebüro St. Gallen».

che Kündigung erneuert es sich automatisch um zwei Jahre.

Katja Jug, *1973, Fotografin und Künstlerin in Zürich und Bern.

info@pizmagazin.ch

Thomas Müller, *1965, freier Journalist in Zürich. Esther Scheidegger, *1946, freie Journalistin in Zürich.

Nächste Ausgabe: Juni 2012 Für unverlangt einge­sandtes Text-, Bild- und Tonmaterial übernimmt der Verlag keine Haftung. – Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Redaktion.

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Kaspar Surber, *1980, Redaktor der Wochenzeitung WOZ. Mayk Wendt, *1982, der Fotograf ist in Ostdeutschland aufgewachsen und lebt seit sieben Jahren im Engadin. Er ist Mitglied von «freelens» in Hamburg. www.maykwendt.com


An traumhafter Lage mit einmaliger Rund- und Aussicht auf die Berninakette erstellen wir Ihr neues Domizil im exklusiven Oberengadin. Dank Wärmepumpentechnologie, solarer Warmwasseraufbereitung und optimaler Passivenergienutzung erfüllen wir bereits heute die Standards zukünftiger Energienormen. Höchstwertige Baumaterialien und exzellente Architektur garantieren die Nachhaltigkeit Ihrer Traumwohnung.

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