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Das erste Vierteljahrhundert

25 Wollen. Kรถnnen. machen.


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Liebe Künstler, Partner und Freunde, liebe Kolleginnen und Kollegen, wir feiern – und dafür haben wir in diesem Jahr 25 gute Gründe: unser Jubiläum. Oft bin ich in diesem Zusammenhang in den letzten Wochen und Monaten danach gefragt worden, wie alles begann … wie sich was wann entwickelte, warum … und merke auf der Suche nach Antworten auf diese Fragen immer wieder, dass ich doch lieber nach vorn schaue, neue Wege suche, neue Ziele, die uns voranbringen. Als ich 1986 einen Mailorder-Versand für Filmmusik gründete, hatte ich keine Vorstellung davon, wie viele CDs und DVDs wir um das Jahr 2000 produzieren würden, wie wir zur größten unabhängigen Tonträger-Firma in Europa heranwuchsen, dass wir eines Tages mit einem umfangreichen Service-Portfolio den kompletten Vermarktungsprozess von Musik- und Entertainment-Produkten würden abdecken können, dass wir ins Buchgeschäft einsteigen würden … Edel hat sich, wenn man so will, in 25 Jahren permanent neu definiert, ohne sich dabei aus den Augen zu verlieren. Wir sind uns treu geblieben: Immer waren wir überzeugt, dass wir gemeinsam unseren Erfolg Wollen, können, machen . Das ist es, was wir weiter groß schreiben – für Sie, für uns. Und für die vielen Menschen, die gutes Entertainment lieben. Auf den folgenden Seiten sehen und hören Sie, wie uns immer daran gelegen war, Edel zu werden, Edel zu bleiben. Mit herzlichen Grüßen

M i c h a e l H a e n tj e s


1990 – Die »optimal« Tonträger-ProduktionsGesellschaft mbH wird gegründet – in Röbel an der Müritz. 1999 – Die edelkids GmbH wird gegründet und startet mit einem bunten Unterhaltungsangebot für Kinder.

1993 – Der Katalog des ehemaligen Klassik-Labels der DDR wird von der DSB Deutsche Schallplatte Berlin erworben. Hier, stellvertretend für viel große Künstler, Kurt Masur.

1986 – Michael Haentjes gründet die “edel” Gesellschaft für Produktmarketing mbH – zuerst als Mailorderversand für Filmmusik.

1997 – Edel beteiligt sich an der Kontor Records GmbH. 1995 – Die Kelly Family kommt zu Edel und stürmt mit ihren Hits die deutschen Charts.

1998 – Edel geht an die Börse und begibt sich auf Expansionskurs. 1988 – Das David-Hasselhoff-Buch erscheint – und wird ein Bestseller.

1994 – Zwei große Erfolge mit Musik: „The Most Beautiful Girl In The World“ von (The Artist Formerly Known As Prince) und »Hyper Hyper«, die erste Single von Scooter.

1993 – Der Sprung nach Übersee: Eröffnung des Edel-Büros in den USA.


2005 – Edel verstärkt das DVD-Geschäft – und gründet die Abteilung Edel:Motion.

2002 – Dem steilen Aufstieg von Edel folgt die Krise: Die Aktienkurse fallen und das Unternehmen wird restrukturiert.

2003 – Edel kombiniert hochwertige Fotobildbände mit Musik-CDs – und erfindet die earBooks, eine neue Dimension der Unterhaltung. Das ist Edels Einstieg ins Buchgeschäft.

2011 – 25 Jahre Edel – viele gute Gründe, zurück und nach vorn zu schauen – und: zu feiern.

2008 –Bei optimal wird das neue Druck- & MedienCenter eröffnet – als eigene erste Adresse für hochwertigen Buchdruck.

2010 –Noch mehr Buch: Edel übernimmt 75 Prozent der Anteile am ZS Verlag Zabert Sandmann.

2003 – Kontor New Media startet die Eroberung des digitalen Musikmarktes für die Edel-Gruppe. 2001 – Edel zieht um – von der Wichmannstraße in Hamburg Bahrenfeld nach Neumühlen, in den neuen Firmensitz an der Elbe, gegenüber dem Containerterminal.

2007 – Mehr Engagement im Buchmarkt: Edel kauft den Moewig-Verlag und gründet Edel:Books.


6 Edel: Da s e rste vierte l ja h r h u n de rt

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Edel – Da s erste viertelja hrhundert

8 Interv ie w Ga nz schö n au fr egen d Judith Haentjes im Gespräch mit ihrem Vater Michael

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Frühe Ja h re

wie a lle s bega n n

E de l : Bo ok s

Oh n e B ü c h e r : h alb so bu n t

Die Edel-Verlage und ihre Programmvielfalt kon tor r ecor ds

vom e r folg, de n m an wolle n m uss

Mathias Haentjes über die ersten Edel-Erfolge

Jens Thele schaut zurück: auf 15 Jahre Dance mit Kontor Records

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Die neu e Vielfa lt

Gute Na me n, groSS e E r folge

kon tor n e w m e dia

m usik u n d film e fü r die w e lt

Edels Aufstieg – mit Musik, Filmen und Büchern

In acht Jahren zur europäischen Marktführerschaft

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Edel:Records

pl at te n stat t pel z e

ge s pr äch

Da s ide ale Ko c h buc h ? k e in ko c h buc h .

Die Geschichte vom Erwachsenwerden eines Unternehmens

Michael Haentjes, Kulinariker und Kochbuchverleger

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Edel:Ku lt ur K l a ssik

De r K ata lo g a ls Kos mos

E de l!

op tim al

Die Klassik ins 21. Jahrhundert begleiten

Eine Liebeserklärung

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Edel:Ku lt ur Ja zz +

Musik ist kein Produ k t

ede l, hilfr e i c h u n d gu t

aus bli ck

Mit dem letzten Mohikaner in die digitale Welt

Kulturoptimismus: Die Zukunft von Buch, CD und DVD

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Edel:Dist ribution

We ite r de nk en u n d bes s er s ein

kollege n

Tause n d u n d m eh r . . .

Hanseatisch gründlich und mit dem Sound des Erfolgs

Die Edel-Mitarbeiter seit 1986

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Edel:Kids

freche mä dche n, s pr ec hen de K at er

Fe ie r n

Ju be l- Part y

Was macht erfolgreich und beliebt?

25 Jahre Edel, 822 Jahre Hamburger Hafen

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120 Au tor en · Im pr e ssu m

Edel:Motion

von spa nnung u nd ent s pa nnu ng

Krimi- und Fitness-DVDs zu Goldstücken machen

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e a rbook s

da steckt musik drin!

Über eine neue Dimension der Unterhaltung

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e a rmusi c

ro ck’n’roll will n e v er die

Auf dem Weg zum international bekannten Rocklabel

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m usik

die be st e n t r ack s . . .

... aus einem Vierteljahrhundert

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»Ganz schön aufregend – aber immer interessant« Judith Haentjes im Gespräch mit ihrem Vater Michael über 25 Jahre Edel und die passenden Autos.

25 Jahre Edel, Papa – welche Zeit war für dich die schönste? Die schönste Zeit für mich ist immer jetzt. Und wenn ich zurückdenke an das Vierteljahrhundert: Mit Edel war es oft ganz schön aufregend – aber immer interessant. Gerade jetzt, wenn man es so betrachtet und nacherlebt. Am familiärsten war es in den ersten Jahren, das war schon eine einzigartige Sache damals, aber heute bin ich mit Edel ganz besonders zufrieden. Was machte das Familiäre am Anfang? Kam das, weil Edel damals noch klein war? Ja, genau. Bis wir um die 30 Mitarbeiter waren; ich empfand uns bis dahin als eine große Familie, und ich durfte sozusagen der Papa sein. Welche Künstler lagen dir zu der Zeit besonders am Herzen? Natürlich mochte ich alle meine Kinderchen gleich gern! Das gilt für alle Künstler, für die Gruppen wie auch die Einzelkünstler. Wenn man seinen Beruf in der Musikbranche ernsthaft betreibt, geht es ja darum, alle Künstler ihrem Potenzial entsprechend richtig zu platzieren – und da macht man keinen Unterschied. Hast du die Künstler am Anfang selbst ausgesucht, nach deinem persönlichen Geschmack, oder nach den Erfolgsaussichten? Die Auswahl der Künstler war und ist die Aufgabe der A&R-Mitarbeiter. Das steht für Artist & Repertoire und

heißt, dass es hier nicht um den persönlichen Geschmack geht, sondern darum, was der Markt gerade aufnimmt und was nicht. Es kann natürlich sein, dass die Einschätzung des Marktes mit seinen verschiedenen Musikbereichen hier und da übereinstimmt mit dem persönlichen Musikgeschmack. Anfangs war ich mein eigener A&R Chef. Gab es auch Künstler, die du gerne bei Edel gehabt hättest, was aber nicht geklappt hat? Na ja, in dem Augenblick, in dem man mit einem Künstler verhandelt, will man den schon unbedingt haben. Aber wenn das mal nicht geklappt hat, dann hatte ich immer die Gabe zu sagen: Nun, dann wollte ich den wahrscheinlich auch nicht so besonders gern haben. So habe ich dem Verlust eines Deals nie hinterhergetrauert. Hast du, wenn es zu einem Abschluss gekommen ist, auch nie einen Deal bereut? Nein, hab’ ich nicht. Natürlich ist nicht alles immer glattgegangen, und immer wieder haben wir auch Geld verloren. Aber auch da hatte ich offensichtlich die gnädige Anlage, mir selbst oder den Mitarbeitern, die den schlechten Deal gemacht hatten, weitgehend zu verzeihen. Darum gibt es auch nichts zu bereuen. Du hast ja vor Edel auch schon im Musikbusiness gearbeitet. Wann hast du eigentlich entschieden, dich selbstständig zu machen – wieso und warum? Diese Entscheidung ist nicht so ganz freiwillig gewesen.

»Die schönste Zeit ist für mich immer jetzt«

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»ich probierte verschiedene Dinge aus – und der Musikversandhandel war das, was auf Anhieb am besten funktionierte.«

Ich hatte vorher einen Job verloren, dein ältester Bruder war schon geboren, und ich wollte nicht lange nach neuer Arbeit suchen. Ich hatte auch gar keine Lust mehr, mich anstellen zu lassen. Als dann auch die Dame vom Arbeitsamt meinte, dass ein Job als Angestellter wohl nicht zu mir passen würde, wurde mir klar, dass ich besser etwas Eigenständiges machen sollte. So probierte ich verschiedene Dinge aus – und der Musikversandhandel war das, was auf Anhieb am besten funktionierte.

Siggi Loch und Killy Kumberger, Repertoire Records.

Und wie ging es dann am Anfang, während der ersten Edel-Tage, so zu? Die ersten Tage bei Edel? (lacht) Also, das ging damit los, dass ich erst mal gucken musste, was ich überhaupt machen wollte. So bin ich als Erstes zur Musikmesse Midem gefahren, um mich dort umzuschauen. Weil damals gerade das Geschäft mit CDs losging, hatte ich die vage Idee, CD-Ständer zu entwickeln und zu verkaufen, auch an Plattenfirmen. Also bin ich mit solchen Entwürfen nach Cannes gefahren und dachte, dass irgendeine Firma, in Form eines Vertriebsvertrages, solche Ständer für mich in den Handel bringen will. Hat aber keiner machen wollen. Aber Anfang 1986 hatte ich ja auch schon die Idee mit dem Filmmusikversand. Und wann hast du die ersten Geschäfte damit gemacht?

Den ersten Umsatz? Knapp drei Monate später, im März 1986. Ich weiß nicht mehr, wer der Kunde war. Auf jeden Fall waren es ein paar Filmmusikschallplatten. Ich denke, der Umsatz war so in der Größenordnung um die 25 Mark. (lacht) Vor 25 Jahren: 25 Mark? Ja, aber das war nur die erste Rechnung. Im ersten Monat hatte ich schon einen Umsatz von vielleicht 15 Tausend Mark, und im Monat darauf war es schon mehr. Im ersten Geschäftsjahr habe ich 600 Tausend D-Mark Umsatz gemacht – aber kein Geld damit verdient. Eher Geld verloren, muss ich sagen. Aber im Endeffekt hat es sich ja ausgezahlt ... (lacht) Ja, es sieht so aus, als hätte es im Endeffekt dann geklappt. Hast du denn, als Andenken, noch die erste Rechnung? Ich glaube nicht. Aber ich habe noch die Buchhaltung vom ersten Jahr. Die hat dein Großvater, Opa Bär, nämlich für mich erledigt, in so einem großen Journal. Er hat einfach nur die Tagesumsätze gebucht – nein, noch einfacher: Er hat einfach die Geldeingänge als Umsätze verbucht, also er hat das schon in sehr vereinfachter Form gemacht, so, wie ich es heute wahrscheinlich nicht mehr akzeptieren würde. Okay, mal weg vom Finanziellen, zu einem anderen Thema: Wann und wie bist du auf die Idee gekommen, selbst CDs herzustellen? Das war 1990. Da lief das Geschäft schon sehr gut, wir haben irrsinnig viele CDs verkauft. 1990 war so ein Boom-Jahr, und die Firma Sonopress war mein Lieferant für Tonträger. Die gehört zum Bertelsmann-Konzern, und man hatte uns die bestellte Ware nicht in ausrei-


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chender Menge und nicht so schnell geliefert, wie ich sie brauchte. Und weil wir uns damals sehr schnell im Markt breitgemacht hatten, brachte mich das ziemlich auf die Palme. Na ja, wir haben auch gewisse Dinge gemacht, die den Bertelsmännern wohl nicht gefallen haben. Zum Beispiel hatten wir eine Kooperation mit RTL, und die gehörten nun mal zum Bertelsmann-Konzern. RTL hat unsere Platten promoted, aber wir und nicht die Bertelsmannfirma Ariola haben eben dann die Platten verkauft. Anfang der Neunzigerjahre waren das sehr gute Geschäfte, viel Umsatz, so um die 20 Millionen. Und als das mit den CD-Lieferungen nicht mehr so gut funktionierte, da habe ich beschlossen, dass jetzt ein eigenes Presswerk hermuss. Jetzt, das heißt, dann ging es sehr schnell? Ja, schon im Frühjahr 1991 haben wir den ersten Spatenstich getätigt, und am 13. Dezember 1991 hatten wir die erste CD aus eigener Produktion in den Händen. Also von der Idee über ein neu zu errichtendes Fabrikationsgebäude mit den nötigen Maschinen bis zur ersten fertigen CD: ein knappes Jahr. Das war wirklich gut. Ja, das klingt echt gut, aber woher kam eigentlich das Know-how? Von der CD-Fertigung verstanden wir am Anfang gar nichts. Wir brauchten also Leute, die sich erst mal in diese Idee einarbeiten. Und ich hatte das Riesenglück, Jörg Hahn zu treffen, den ersten Mitarbeiter von optimal und heute immer noch Geschäftsführer der Firma. Am 1.1.1991 hat er angefangen, und innerhalb kürzester Zeit hat er das Unternehmen projektiert – vom ersten Spatenstich bis hin zur ersten CD. Hast du damals gedacht, dass optimal jemals so groß werden würde?

Nee, hab’ ich nicht, aber das gilt ja für die ganze Firma Edel: Das konnte sich zuerst keiner vorstellen, dass wir mal so groß werden. Aber als mir dann klar wurde, dass man gewisse Dinge erreichen kann, habe ich mal ein paar Jahre lang sehr, sehr gepusht, um das Ganze riesig zu machen. Aber das war vielleicht nicht so optimal ... Gab es irgend etwas in der ganzen Edel-Zeit, was so richtig absurd war? So, dass du dachtest: Das kann doch jetzt nicht wahr sein ... Ja, das gab es! Das war, als ich zwei, drei Mal nach Minneapolis gereist bin, um den Deal mit Prince zu machen. Ich stand dem Mann zwar von Angesicht zu Angesicht gegenüber, aber wenn es zu den Verhandlungen kam, ist er in ein Nebenzimmer gegangen und hat seine Mitarbeiterin mit mir reden lassen. Er war nur runde 1,50 Meter von mir

»The Artist Formerly Known As Prince«

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entfernt, mit einer Tür dazwischen. Und diese junge Frau ist dann immer abwechselnd zu Prince und zu mir gegangen und hat uns übermittelt, was gesagt worden war. Das war wirklich absurd, dass wir uns zwar getroffen, aber nicht direkt miteinander gesprochen haben.

Der Edel-Bulli, ein Hingucker für Ausstellungen und Events.

Das klingt wirklich verrückt. Nun zu etwas Positivem: Du bist ganz schön verrückt nach alten Autos. Wann hast du deine Liebe zu Oldtimern eigentlich entdeckt? Ich glaube, schon als Kind. Ich wollte immer viele schöne Spielzeugautos haben, aber ich habe nie so viele bekommen, wie ich wollte. So kam es wohl dazu, dass ich später im Leben alle die Spielzeugautos, die ich nicht bekommen hatte, in Echt, also in Groß haben wollte. Und dann kam noch dazu, dass dein Großvater sich immer diese blöden Fords gekauft hat, zum Beispiel den 17 M, 20 M oder den Granada, und das fand ich nicht so toll. Ich wollte damals schon einen ordentlichen Mercedes, den

Citroen DS oder einen Jaguar, zum Beispiel einen S-Type oder den Marc II – aber mit diesen Wünschen bin ich beim Vater nicht weit gekommen. Er fuhr immer nur mit diesen Mittelklasse-Limousinen von Ford durch die Gegend. Und ich weiß noch genau, wie ich damals, so mit neun Jahren, wirklich geheult habe, weil er sich keinen Citroen DS kaufen wollte. Und das alles habe ich dann später wohl kompensieren müssen. (lacht) Du wusstet also schon immer recht genau, was du wolltest ... Meistens: ja. Da weiß ich genau, was ich will. Aber es gibt auch ein paar wenige Bereiche, da weiß ich es nicht so genau, leider. Aber du kaufst dir immer noch die Autos in Groß und in Klein. Ja, klar, denn es kommt darauf an, dass man immer das passende Auto für die richtige Gelegenheit hat.


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Okay – für deine Enkelkinder also die kleinen Autos ... Genau. Und neulich hatte ich mal die Gelegenheit, in so einem wunderschönen alten VW Bulli mitzufahren. Vielleicht wäre der auch der richtige für die Enkel. Dann kann ich als Fahrer bis zu acht Kinder mitnehmen. Da müsst ihr euch bald mal ein bisschen anstrengen, dass ich die auch zusammenbekomme, bitte. Und wenn es mehr werden als acht Enkelkinder? Na ja, es gibt ja noch diese wunderbaren großen Schweizer Saurer-Busse, die mit der Schnauze vorne, die finde ich auch große klasse. Ich würde bestimmt ein Gefährt finden, auch für 27 Enkelkinder, so viel, wie dein Urgroßvater hatte. Aber ich glaube kaum, dass ich die mal zusammenbekomme. Nee, das glaube ich auch nicht. Und, noch nachgefragt: Was reizt dich so an deinen Oldtimer-Touren? Das Abfahren und das Ankommen. Das ist so ein komplett anderer Rhythmus, den man auf Touren hat. Man versucht einfach, sein Tagesziel zu erreichen, man denkt nicht an morgen oder übermorgen, es ist immer das Hier und Jetzt. Und das hat schon etwas sehr Meditatives. Das ist ein wunderbarer Ausgleich zur täglichen Arbeit, bei der ich doch immer sehr weit vorausdenken und auch für kommende Monate meine Termine festlegen muss. Sogar für Jahre im Voraus versuche ich, meine Unternehmenspläne vorwärtszutreiben – und bei diesen Autofahrten, da geht es einfach nur darum, loszufahren, abends irgendwo anzukommen und am nächsten Tag, da gucken wir mal, wie es weitergeht. Wie es mit uns, mit deinen Kindern, im Leben weitergeht: Da hatte ich immer so ein bisschen das Gefühl, dass du uns vom Musikgeschäft fernhalten wolltest. Findest du es gut, wie es jetzt ist, dass wir alle ganz andere Sachen machen?

Na, ich habe ja in meinem Freundeskreis teilweise tragische Beispiele dafür, dass die Kinder zu sehr darauf gepolt wurden, das Geschäft der Eltern, des Vaters zu übernehmen, und das hat oft nicht geklappt. Darum bin ich ganz froh, wenn jeder seinen eigenen Weg geht. Und wenn jemand nach irgendwelchen Umwegen doch noch ins Musikgeschäft kommen möchte, dann würde ich es weder verhindern wollen noch besonders fördern. Ich bin eben dafür, dass jeder Mensch seinen Weg geht – und dabei so etwas wie Zufriedenheit entsteht. So ist es mir ja auch gegangen: Ich habe das gemacht, was mir Spaß gemacht hat, ohne auf irgendwelche Traditionen Rücksicht zu nehmen. Würdest du denn generell jungen Leuten raten, heutzutage noch ins Musik- oder Unterhaltungsgeschäft einzusteigen? Im Moment ist es so, dass ich eher davon abrate. Vor 25 Jahren, als ich mit dem Musikgeschäft anfing, war das weniger kompliziert als heute. Eher rate ich dazu, ins Buch- oder Verlagsgeschäft zu gehen, weil ich das für sehr interessant und auch für zukunftsträchtig halte. Und: es bringt viele geistige Anregungen mit sich – ein guter Grund dafür, dass auch ich mich hier sehr gern engagiere. Danke, Michael, das war’s denn auch mit meinen Fragen. Und? Bist du zufrieden mit unserem Gespräch? Ja – für mein erstes Interview war es, glaube ich, ganz okay. Also ich fand es sehr okay. Auf jeden Fall hat es mir Spaß gemacht. 

Judith Haentjes hat zum Edel-Jubiläum ihren Vater interviewt.

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FrĂźhe jahre

Die Olivetti-Rechenmaschine von Michael Haentjes’ Vater.


Wie alles begann Mathias Haentjes über die ersten Erfolge der frühen Edel-Jahre

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ch bin der kleine Bruder. Es ist das Jahr 1986. Ich bin zu Besuch in Hamburg. In seiner Wohnung in der Rothenbaumchaussee hat Michael die Zentrale seiner neuen Firma eingerichtet. Ein Arbeitsraum, gleich neben dem Kinderzimmer, ein Schreibtisch, Telefon und Telefax und – es lebe der Fortschritt – die elektronische Datenverarbeitung: ein Olivetti 286er Computer für die Geschäftsbriefe und die Vorarbeiten der Buchhaltung. Alles vom Feinsten. Es kann losgehen!

In den Jahren davor war ich auch schon gerne Zaungast bei Michaels publizistischen und geschäftlichen Aktivitäten. In seiner Zeit als Musikjournalist fielen für mich regelmäßig Konzertkarten für Top Acts von Status Quo bis zu den Eagles ab. Als Michael zusammen mit Klaus Schulze 1979 das unabhängige Label IC (Innovative Communication) irgendwo im Nirgendwo der Lüneburger Heide gegründet hatte, war ich dort gerne zu Gast. In einem Bungalow gleich neben dem Dorf-Sportplatz von Hambühren führte Michael seinen Junggesellen-Haushalt und freute sich über Besuch aus der rheinischen Heimat. Gerne gab er auch Einblicke in ausgefuchste unter­ nehmerische Strategien (die nicht immer aufgingen). IC war ein Alternativ-Label, geprägt von Schulzes ComputerExperimenten. Der Top-Act passte zwar nicht ganz zu dieser Musikrichtung, schrieb aber deutsche Pop-Geschichte: IDEAL – Annette Humpes Berliner Wunderband. Dann (1980) verließ er IC und ging nach Hamburg zu WEA (Warner Music). Sein Lehrmeister als angehender

Medien-Manager war dort der große Siggi Loch. Später rieb er sich bei Teldec an seinem Vorgesetzten Thomas M. Stein, heute bekannt als RTL- »Onkel Stein«. Doch der so ruhig wirkende junge Manager Michael hat einen unbändigen Freiheitsdrang. Michael überredet den Hamburger Zeitschriften-Erfinder Dirk Manthey (Verlagsgruppe Milchstraße), etwas für die Leser-BlattBindung seines Flagschiffs zu tun. Er präsentiert seinem Freund Dirk eine Geschäftsidee: »Cinema Soundtrack Club«. Michael, mittlerweile ein ausgefuchster MusikMarketing-Mann, sieht die Chance, die sich ihm mit seinem Geschäftsmodell bietet: Anzeigenraum in der Cinema gegen Umsatzbeteiligung an seinem Plattenverkauf. Michael wird wieder sein eigener Chef. Jeden Monat erscheint nun in der Film-Zeitschrift »Cinema«, dem Zentralorgan aller Hollywood-Verliebten, eine Anzeige mit einer bis dahin im normalen Handel nicht gekannten Auswahl an Filmmusik-Schallplatten. Die Film- und besonders die Filmmusikfreunde, von denen es viel mehr gibt, als die Bosse der Musikbranche je vermutet hätten, ordern fleißig. Michael beschafft die Soundtracks z.B. beim Spezial-Label Varese Sarabande. Viele Raritäten, nach denen die Filmmusik-Afficionados lange gesucht hatten, wandern nun über die Regale des »Cinema Soundtrack Clubs« auf die Plattenteller der glücklichen Fans. Doch nicht nur die sind glücklich. Auch Michael bekommt als Chef des kleinen Versandhandels von Tag zu Tag bessere Laune: Die Umsatzzahlen klettern langsam, aber stetig nach oben. Die Abwicklung des Versandbetriebs jedoch hat noch durchaus improvisierten Charakter. >>>

Frühe ja hre

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wie aus edelton die “edel” Gesellschaft für produktmarketing wurde.

Die tagsüber eingehenden Bestellungen der Soundtrack-Fans bearbeitet der Jungunternehmer in seinem Wohnzimmer in der Rothenbaumchaussee. Auch telefonische Bestellungen werden gerne entgegengenommen. Am späten Nachmittag verlegt er dann seine Aktivitäten in die Logistik-Abteilung. In einer hinteren Ecke der Pelzwerkstatt des Schwiegervaters auf Hamburgs renommiertem Neuen Wall hat Michael das Lager und den Packtisch des Cinema Soundtrack Clubs eingerichtet. Hier packt der Chef persönlich! Natürlich mit Unterstützung von Freunden und Verwandten, die alle vom Soundtrack-Fieber angesteckt werden. Eins ist Michael klar: Er will sein junges Unternehmen nicht auf immer und ewig mit dem Namen einer Zeitschrift und einem eingegrenzten Thema wie Filmsoundtracks verknüpfen. Es muss ein Label her, das repräsentativ für andere geschäftliche Aktivitäten stehen kann. Der Name des Unternehmens soll einfach, einleuchtend und elegant sein. Bei der Suche nach diesem Namen kann Michael auf familiäre Vorarbeit zurückgreifen. Ein paar Jahre zuvor hatten wir Gebrüder Haentjes (Michael der Musikmanager, Andreas der Musiker und ich als Journalist) die Idee, eine eigene kleine Musik-Firma zu gründen. Das Unternehmen war zwar kaum über die Namensfindung hinaus gediehen. Aber immerhin!

gen. Ins Auge fiel uns die Reklame für eine Radio- und Grammophonkombination. Auf fünflinigem Notenpapier stand dort der klangvolle Name »Edelton«. Wir ließen durch einen befreundeten Grafiker den Schriftzug adaptieren und kombinierten den Namen mit einem Grafiklogo aus der gleichen Zeitschrift, das die Rubrik »Neues aus den KPD-Bezirken« markiert hatte. Drei Silhouetten mit Megafonen. Ein grandioses Markenzeichen war geboren. Für Michaels kleinen Mailorder-Laden ist das die Lösung: Aus Edelton wird edel. Doch so einfach ist das nicht. Davor steht das deutsche Handelrecht. Eine mehr oder minder sinnvolle Vorschrift besagt, dass edel alleine nicht einfach der Firmenname sein darf, es sei denn, der Inhaber trage selbst diesen (Familien-)Namen. Wer mit Namen »Edel« hätte Michael adoptieren können? Oder wollen? »Christiane F.« – Regisseur Uli Edel? Schauspieler, Philosoph und Komödiant Alfred Edel? Niemand in Sicht. So wird aus edel im Kleingedruckten die »edel« gesellschaft für Produktmarketing mbH. Michael weitet das mit dem »Cinema Soundtrack Club« entwickelte Prinzip, über eingeführte Medien auch noch Musik an den Mann zu bringen, aus. So erfreut er die Leser der TV-Programmzeitschrift Prisma mit einer René-Kollo-Box oder den schönsten Hits der 20er-Jahre – präsentiert von edel.

Michael hatte sich zu Studienzeiten intensiv mit der Arbeiterkultur der 30er-Jahre beschäftigt. In der Zeitschrift Arbeiterbühne und Film studierten wir die Anzei-

Als ich zwei Jahre später wieder in Hamburg bin, führt mich mein Bruder durch seine neuen Firmenräume in der Wichmannstraße. edel ist eindeutig auf Expansions-


Fr체he ja hre

Erfolgreiche Produkte aus den Anf채ngen von Edel.

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1989: Michael Haentjes und Till Schneider freuen sich über 150.000 verkaufte Knight Rider-Bücher.

kurs. Im Erdgeschoss großzügige Lagerräume und Versand, im ersten Stock die Büros für mittlerweile ein paar Dutzend Mitarbeiter. Michael zeigt mir sein neuestes Produkt: den Großen David Hasselhoff Kalender. Es ist die Pionierzeit des kommerziellen Fernsehens. Michael ist an die RTL-Bosse herangetreten und hat ihnen erklärt, dass man mit so einem wunderbaren Programm doch sehr viel mehr machen kann. edel bringt zuerst das David Hasselhoff Buch. Zwar keine Literatur von bleibendem Wert, aber ein Muss für alle Fans von Knight Rider und K.I.T.T. Dem Buch folgt nun dieser Kalender mit großformatigen, sehr bunten, etwas schwülen Fotos des neuen Trash-Stars: nackter Oberkörper, strahlendes Lächeln, gerne auch mal mit einem farbenfrohen Blumengesteck in der Hand. Der Auftrag war an einen Star-Fotografen gegangen, der möglicherweise ein besonderes Faible für gut gebaute Männerkörper hatte. Meinen etwas ratlosen Blick beantwortet Michael mit einem überzeugten: »Das muss man so machen. Du wirst sehen, das läuft!« Der Kalender wird ein durchschlagender Erfolg. Ein Jahr später begleite ich Michael auf einer Geschäftsreise nach Los Angeles. Der Höhepunkt ist ein Privatbesuch in Beverly Hills bei dem sehr reizenden Mr. Hasselhoff, der uns in seiner Privatgym empfängt, während aus

überdimensionalen Boxen sein neuer Hit »Looking for freedom« donnert … nice guy. In unserer Familie galt Michael immer als der zurückhaltende, intellektuelle Typ. Das Ziel schien eine wissenschaftliche Karriere, vielleicht einmal eine Professur für Musikwissenschaften. Nun steht er an den Windmaschinen des Showbusiness und dreht gehörig auf. Den RTL-Leuten schlägt er vor, aus erfolgreichen Werbepopsongs SamplerAlben herzustellen. Die Reihe »Get It – die tollsten Hits aus der RTL Werbung« wird eine legendäre CD-Reihe. »Tutti Frutti – die CD« – das Prinzip Verwertungskette wird in den Hamburger edel-Büros maßgeblich konzipiert. Was macht man mit einem gut aussehenden jungen Mann, der dank »Gute Zeiten, schlechte Zeiten« jedes Teenie-Herz Kapriolen schlagen lässt? Eine kleine, von edel arrangierte Autogrammstunde mit Andreas Elsholz in einem Gewerbegebiet in Kiel gibt die Antwort. 5000 Teenager balgen sich um den schönen Berliner. Michael entscheidet: Sofort unter Vertrag nehmen! Und wenn der Junge nicht singen kann, dann muss er seinen Hit eben sprechen. Andreas Elsholz’ Single »Immer noch verrückt nach Dir« wird der erste nationale edel-Megahit. Künstler können auch anstrengend sein. Das weiß Michael spätestens seit dem ZDF-Hitparaden-Auftritt des edel-Künstlers Stefan Raab. Der humorige Raab kettet sich bei laufendem Playback mit Handschellen an den Moderator und weicht diesem auf diese Weise bis Ende der Sendung nicht mehr von der Seite. Die anschließenden Gespräche mit der ZDF-Redaktion haben therapeutischen Charakter. Aber da ist aus edel längst eine der wichtigsten Firmen im deutschen Unterhaltungsgeschäft geworden. 


»Michael and I first met in 1986 when he rang me to order some soundtracks.«

It was the year when we released the soundtrack to »Crocodile Dundee« (which is still in our catalogue). Edel’s first licensing deal was with Silva Screen for a long forgotten TV soundtrack, »Anastasia – The Mystery Of Anna«. I told Michael we needed a 16% royalty but he insisted Reynold d’Silva on giving me 18% (Yes, he Gründer, Silva Screen Records was generous in the early days!) Silva Screen were also the first company that Michael took on board when he started to distribute and 25 years later we are still with Edel! (Where’s my gold watch, Michael?) I will always remember enjoying dinner at his home in 1987 and watching him conducting business with pleasure as the printer rattled off invoices in the living room. As an early visitor to the first Edel office in Wichmann­ straße, I witnessed the installation of the first computers at the company. I learnt a lot by sitting in on a product meet­ ing, not understanding the language, but fascinated by how concepts were created and speedily executed. I will always remember my trip to Röbel for the first time when Michael

picked me up at the airport in his new Volkswagen V6. I had never travelled so fast on the ground (And not since!) and have vivid memories holding on tight as we sped past lumbering Trabants at 200kmh as they meandered along the two lane autobahn. I recall a few years later when I heard that Michael did not like his senior staff travelling by air together on trips and they had to travel on separate flights. I laughed when I thought about his dare-devil driving! Michael had a big hand in what would become Silva Screen’s biggest ever selling CD. On a trip to Hamburg in October 1993 he asked me to source tracks for an Andrew Lloyd Webber collection. I told him we would record an album but he said »NO!« Edel would require the album within three weeks to begin TV advertising. To Michael’s amazement (and ours) we recorded the album and delivered the masters to Hamburg around the third week of November. The CD, Andrew Lloyd Webber’s Love Songs by Stars Of The London Stage, was launched on December 7th and sold 50,000 by the end of December. To date we have sold over half-a-million units of this title worldwide. I have always been inspired by Edel’s success. Michael was and still is a visionary and I am proud to have witnessed the growth of Edel from a one man operation to where it is today, at the forefront of the mighty German record industry. Happy 25. Birthday, Edel! Reynold d’Silva

Frühe ja hre

Ein Katalog des Cinema Soundtrack Clubs.

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Die neue Vielfalt

Gute Namen, groSSe Erfolge Edels Aufstieg – mit Musik, Filmen und Büchern.

Text: Wolfgang Spahr

Ruhig Blut

Weltstar Prince entscheidet sich für Edel

Als Deutschland 1989 in einer emotionalen Flut der Wiedervereinigung mit Mauerfall, Öffnung des Brandenburger Tores und dem Familienglück von Millionen in Ost und West zu ersticken droht, behält ein Mann sein kühles Blut und verliert sein Ziel nicht aus den Augen: den weltweit renommierten Musikschatz der DDR für sich zu retten. Michael Haentjes verhandelt mit der früher einmal staatlichen VEB Schallplatte in Ost-Berlin. Mit viel Diplomatie, großer Sachkenntnis und nach harten Verhandlungen über den Kaufpreis bekommt er die klassische Musik auf DDR-Tonträgern. Interessierte Großkonzerne gehen leer aus.

1994 löst Edel einen zweiten Paukenschlag aus. Der eigenwillige Weltstar Prince, der von der Bevormundung eines Majors die Nase voll hat, gibt in seinem Paisley Park Studio in Los Angeles bekannt, dass er seine neuen Produktionen Edel anvertrauen will. Prince legt seinen Namen zugunsten eines unaussprechlichen Symbols ab und bekommt von Journalisten und Fans konsequenterweise den Namen TAFKAP »The Artist Formerly Known As Prince« verpasst. Haentjes begründet Edels Anziehungskraft für Kreative mit den Persönlichkeiten im Unternehmen: »Bei aller Strategie und Planung, bei allem Respekt vor Finanzkennzahlen – es kommt doch letztlich auf die Menschen an, die für uns tätig sind, auf ihren Einsatz, ihre Verantwortung und ihren Spirit. Die Mitarbeiter sind das Beste an Edel. Darauf bin ich stolz.«

Ein Klassikwunder der Wiedervereinigung

Kunstausstellung auf den Edel-Fluren in der Wichmannstraße in Hamburg.

Edels Reputation für die klassische Musik ist heute zu einem wichtigen Teil auf die traditionell erfolgreichen Künstler des Berlin Classics Labels zurückzuführen. So werden die Aufnahmen des Wortführers der »Wir sind ein Volk«-Vereinigungsdemonstrationen und berühmten Dirigenten Kurt Masur, die Konzerte des Trompeters Ludwig Güttler oder des Dresdner Kreuzchores nach dem Ende der DDR dank der editorischen Leistung des EdelTeams international noch einmal zu großen Erfolgen. Das Renommee und die Sensibilität der Edel Classics zeigt sich auch in der Qualität von neuen Künstlern, denen sich das Unternehmen besonders verpflichtet fühlt. Darunter die Pianistinnen Ragna Schirmer und Mihaela Ursuelasa, die Klarinettistin Sharon Kam, die Sopranistin Christiane Karg, der Pianist Lars Vogt oder das Ensemble Concerto Köln. Die Verleihungen des deutschen Schallplattenpreises ECHO Klassik an Edel-Künstlerinnen und -Künstler unterstreichen einmal mehr die weltweite Bedeutung der Edel Classics.

Seit 1994 ist Scooter in allen Charts Das gilt auch für einen seit fast 20 Jahren bei Edel stationierten Dance-Act, der weltweit Erfolge feiert. Er steht für die Schlagzeile »Hyper Hyper«, die ganz gut die Wirkungsweise der Gruppe Scooter um den Shouter H.P. Baxxter beschreibt. Haentjes: »Scooter ist für mich kulturell wertvoll. Es werden generationsübergreifend emotionale Kräfte frei. Bei Konzerten drehen jüngere und ältere Fans kollektiv durch. Wo – außerhalb von Sportveranstaltungen – findet man das heute noch?«

Millionen mit Kelly Family Edel fängt mit einem Vertriebsdeal ganz Deutschland ein: Die Kelly Family beherrscht nicht nur die Kids. Die Hamburger Plattenfirma verkauft vom musikalischen Gesamtwerk dieses Familienunternehmens über zwei Millionen Alben.  >>>


Großer Bahnhof in den Hamburger Fischauktionshallen – zum zehnten Firmenjubiläum.

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Viele Stars wollen zu Edel

Edel wird zum Major

Klassik-Künstler, Prince, Scooter, die Kelly-Family – das ist nur ein kleiner Ausschnitt aus Edels Artist-Roster, das in den kommenden Jahren deutlich wächst, und zwar mit Weltstar-Dimensionen. Ein bisschen Namedropping darf wohl sein, in alphabetischer Reihenfolge und keineswegs vollständig: Aaliyah, Toni Braxton, Chris de Burgh, Aaron Carter, Kevin Costner, Deep Purple, Europe, Foreigner, Kool & The Gang, Mousse T., Orange Blue, Jennifer Paige, Chris Rea, Lisa Stansfield, Status Quo, Timbaland. Und es ist kein Ende in Sicht.

Ende der 90er-Jahre wird Edel mit einem Umsatz von einer Milliarde D-Mark und weltweit knapp 2.000 Mitarbeitern praktisch zur Major-Company. Das Geld aus dem Börsengang wurde zur Expansion genutzt und Beteiligungen und ganze Unternehmen dazugekauft. Play It Again Sam, einem für progressive und alternative Trendprodukte bekannten Label aus Belgien, und Sony (für ihre nordamerikanische Tochtergesellschaft RED Distribution) wurden Angebote gemacht, die sie nicht ablehnen konnten. Und auch die Members of the EdelFamily von Eagle Rock wurden damals vereinnahmt. Auch am Musiksender VIVA hielt Edel seinerzeit Anteile, ebenso an zahlreichen Publishern (Musikverlagen). Zahlreiche Verträge mit international renommierten Partnern unterstreichen die Expansionspläne der Hamburger, hier muss man exemplarisch die Walt Disney Group und Rupert Murdochs Newscorp-Tochter Mushroom nennen. Deals und Niederlassungen in Südamerika und Asien, und auch eigene Tochtergesellschaften in ganz Europa, zentral geleitet vom früheren Polygram-Executive David Hockman, runden das Bild vom jungen Weltkonzern ab.

Mönche machen Hits Einen neuen Trend setzt Edel gemeinsam mit Produzent Frank Peterson: Es sind Pop-Choräle singende Mönche, die einen Millionenseller avancieren. Die Alben der Kuttenträger von Gregorian verkaufen weltweit über acht Millionen Stück.

Von Müller-Westernhagen bis Montreux Erster Aufsichtsrat 1994 nach Umwandlung in eine AG mit Klaus Ollmann (Vorstand), Gerhard Koning (AR), Walter Lichte (Vors. AR), Carsten Schlumbom (Steuerberater), MIchael Haentjes, Dr. Markus Conrad (AR)

Die Strategie: Lokales, sorgfältig ausgewähltes Eigenrepertoire und Servicedienstleistungen für externe Labels sorgen auch im Ausland für gute Ergebnisse. Erfolgreiche Vertriebskooperationen sind z.B. die Veröffentlichungen von Marius Müller-Westernhagen (Goldstatus) und die Ton- und Bildträger zum Eurovision Song Contest. Auch die Kaufbegeisterung der Produkte des langjährigen (Vertriebs)partners Eagle Rock aus Großbritannien (Haentjes: »Members of the Edel-Family«) ist ungebrochen. Die Engländer verfügen über die Bild- und Tonrechte aller Konzerte des legendären Montreux Jazz Festivals in allerhöchster Qualität – eine Quelle reinsten Vergnügens für Edel und den Endverbraucher. Der internationale Musikmarkt macht Edel sehr schnell zu einem der wichtigsten und stärksten Independents in Europa. Das wird bis heute auch noch so wahrgenommen, weil die Repertoire-Kompetenz, die Marketing-Strategien, die Promotion-Stärke und ein durchsetzungsstarker Vertrieb dazu führen, dass illustre Künstler und Labels ihre Veröffentlichungen der Edel-Gruppe anvertrauen.

Walt Disney kommt zu Edel Deals mit Walt Disney sichern Edel den Weltstar Phil Collins für sein Musical »Tarzan« und damit über 13 Millionen Fernsehzuschauer bei »Wetten, dass?«. Der Lizenzvertrag mit der Buena Vista Music Group, einer Walt-Disney-Tochter, umfasst die europaweiten Rechte an allen Titeln der Labels Hollywood, Mammoth und Lyric Street sowie die Rechte an Titeln von Walt Disney Records für den überwiegenden Teil Europas. Michael Haentjes gelingt es, die Topentscheider bei Disney in Burbank (USA) zu überzeugen, zum Hamburger Unternehmen zu wechseln und damit die Vermarktung zu verbessern. Für den Kinderbereich bedeutet die Vereinbarung populäre Produkte wie »König der Löwen II«, »Das große Krabbeln – A Bug’s Life« sowie fast alle Hörspiele, Compilations und Soundtracks des Disney-Katalogs. Edel ist in aller Munde. Es folgen exklusive Großabschlüsse, etwa mit EM-TV über deren Junior DVD-Katalog, darunter der Bestseller »Sailor Moon«, und dem englischen Independent TelStar Craig David als Top-Act.


Digitales Zeitalter beginnt mit Kontor Ein neues Kapitel der Repertoire-Politik wird aufgeschlagen mit dem Kauf von Kontor Records. Weil die Chemie zwischen Label-Eigentümer und Geschäftsführer Jens Thele und Michael Haentjes stimmt, wird es schnell möglich, einen der erfolgreichsten deutschen digitalen Musikvertriebe für Independents aufzubauen: Kontor New Media. Haentjes: »Kein Jahr vergeht, ohne dass Kontor New Media ihre eigenen Rekorde übertrifft. Unsere Tochter, die sich unter anderem auch mit Edels digitalem Geschäft befasst, ist von Anfang an auf Service ausgerichtet, inzwischen mit einem Marktanteil von über 10 Prozent. Und es gibt immer noch Luft nach oben. Mittlerweile sind annähernd 1.000 Lizenzgeber bei Kontor New Media im Vertrieb.«

Edel:Kids für die Kleinen Auf der Suche nach neuen Zielgruppen lässt Edel:Kids (als Edel Kids GmbH im Jahre 1999 gegründet) nicht lange auf sich warten. Die Familienunterhaltung kommt so gut an, dass es vom Start weg Platin- und Gold-Awards regnet, ob Kinderfavoriten wie »Pettersson & Findus«, »Laura Stern«, »Robots«, »Urmel«, »Barbie« oder »Shrek«. Das Entdecken von Synergien schreiben sich die Edel-Mitarbeiter ebenso auf die Fahnen wie die kindgerechte Aufbereitung der Themen. 2011 schließlich erwirbt Edel die lebenslangen Auswertungsrechte an »Pettersson & Findus«.

Kultur aus einer Hand Auf zweistellige Umsatzeinbrüche im gesamten weltweiten Tonträgermarkt bei allen Unternehmen reagiert Edel auf seine Art. So werden im ersten Schritt die operativen Bereiche Classics, Contraire und Hörbücher zur Division Edel:Kultur zusammengefasst. Der Vorteil: Eine gemeinsame Zielgruppe verbindet, eine Repertoirewelt unter einem Dach zusammengefasst. Haentjes: »Wir bieten so dem Buch- und Tonträgerhandel Kultur aus einer Hand.«

Die Geburt der earBOOKS Auf der Buchmesse 2003 sorgt Edel wieder einmal mit Kreativität für Schlagzeilen. Das Zauberwort heißt earBOOKS. In hochwertigen, großformatigen Bildbänden

werden dazu thematisch passende Audio-CDs konfektioniert. Sie sind damit für den Buch- und Tonträgerhandel interessant. Michael Haentjes: »Es gibt viele sehr liebevoll gestaltete CD-Booklets, aber die kleinen Formate zerstören die Wirkung.« Edel liefert jetzt attraktiv groß gestaltete Bildbände und dazu abgestimmte Musik. Das Konzept geht auf. Die Zahl der verkauften Einheiten steigt stetig. Der Major Universal klopft an, um mit der internationalen Reihe »Heroes In Music« die Bild- und Tondokumentationen der Lebenswerke bekannter Künstler wie Stevie Wonder und The Police zu präsentieren. Kein Wunder, dass earBOOKS zahlreiche Preise einheimsen, unter ihnen auch den Deutschen Fotobuchpreis. Der absolute Rekord ist das musikalische Coffeetable-Book von Chris Rea. »Blue Guitars« enthält elf CDs und eine DVD. Das Buch verkauft ca. 100.000 Einheiten – also unglaubliche 770.000 CDs und 70.000 DVDs.

Bild und Ton – wir kommen schon Mit der Gründung der Division Edel:Motion gelingt Edel der Einstig ins DVD-Geschäft, immer mit wachem Auge darauf, ob sich auch Synergien nutzen lassen. Partner wie ZDF und ARD sowie die ProSieben SAT.1 Media AG liefern das Material, das Edel erfolgreich nach Ausstrahlung im Fernsehen auf DVD vermarktet. Aber die Film-Division ist davon nicht abhängig: renommierte Filme wie z.B. Fatih Akins mehrfach preisgekröntes Meisterwerk »Crossing The Bridge« finden den Weg zu Edel und (da ist sie wieder, die Synergie) erscheinen als DVD zum Beispiel in einem Istanbul-Fotobuch im earBOOK-Format. Auch Tim Mälzers »Der Küchenbulle« kommt als Format-Mix daher: Die DVD im Kochbuch verkauft sich über 100.000-mal. Und schließlich wird noch viel gelacht in der Konzernzentrale in Hamburg, denn: im Comedybereich erreicht Edel mit den DVDs von Otto Waalkes und Kurt Krömer spektakuläre Chartserfolge (Doppelplatin- bzw. Goldstatus).

Der gröSSte unabhängige Vertrieb in Deutschland Aber was nützt das beste Repertoire, wenn es nicht in den Markt kommt? Diese Voraussetzung schafft Edel schon von vornherein. Sein Vertrieb ist die größte unabhängige Distribution in Deutschland. Er arbeitet techno-

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Ex-Finanzvorstand Jörn Meyer präsentiert: Es geht aufwärts!

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Edel und stefan raab Ein leicht durchgeknallter Moderator des neuen, kleinen Musiksenders VIVA berichtet live von der Fußball-WM 1994 in den USA – er führt nie gehörte Interviews, schleicht sich auf abgesperrte Trainingsgelände, dreht ironische Filmchen. Bundestrainer Berti Vogts muss besonders arg dran glauben: Ihn veräppelt Stefan Raab mit einem eigenen Song, mit dem er mehrmals täglich frech montierte WM-Bilder unterlegt – schon bald ist sein selbst montiertes Video einer der beliebtesten Clips des Senders und sorgt bundesweit für Furore. Das Edel-Team reagiert sofort, Geschäftsführer Chris Georgi reist nach Köln und nimmt Raab abends beim Kölsch unter Vertrag, auf einer Serviette wird der Deal besiegelt. Edel und optimal veröffentlichen die Single in Rekordzeit, innerhalb von drei Tagen steht der Song auf CD gepresst im Handel – und bald darauf ganz oben in den Charts. Am Ende verkauft sich »Böörti Böörti Vogts« über 200.000-mal und ist der Auftakt zu einer mehrjährigen Zusammenarbeit mit Stefan Raab, in der ein Hit den nächsten jagt: »Ö la Palöma Blanca«, »Ein Bett im Kornfeld« (mit »Onkel« Jürgen Drews und Bürger Lars Dietrich), »Maschendrahtzaun«, »Hol’ mir ma’ ne Flasche Bier« ...

logisch und logistisch auf dem höchsten Niveau. Dabei geht es z.B. um Vendor Managed Inventory (VMI), ein Warenwirtschaftssystem für den Tonträgerhandel, das als Novität in der Warendisposition gilt und zusammen mit SAP entwickelt wurde.

Der Einstieg in den Buchmarkt Im Februar 2007 kaufte Haentjes ohne viel Aufsehen einen Klassiker unter den Buchverlagen: den Moewig Buchverlag, hochgeschätzt für seine RatgeberReihen, und vollzog den mit den earBOOKs bereits begonnenen Einzug in die Buchhandlungen der Republik. Noch während der Integration des zunächst artfremden Bereichs stellten sich mit der packenden Biografie des Fußballstars Sebastian Deisler und den drei RatgeberBestsellern von Sternekoch und Fernsehpreisträger Christian Rach die ersten eigenen Bucherfolge ein. Immer ganz klar der Strategie folgend, auch nicht die kleinste Synergiemöglichkeit am Straßenrand liegen zu lassen, erweitert Edel ab 2007 auch das Service-Portfolio seiner Röbeler Konzerntochter optimal großflächig. Schwerpunkt hier: höchstwertige Druckdienstleistungen.

unser wichtigstes unternehmerisches Thema. Es beinhaltet Produktions- und Vertriebsleistungen ebenso wie eigene verlegerische Aktivitäten.« Edel hat mit dieser Expansion nicht nur Inhalte, sondern auch den Vertriebsweg Buchhandel selbst erworben und erzielt damit unmittelbare Synergieeffekte – auch für seinen Tonträgerbereich.

Millionen-Betrag in den Buchmarkt Die Konsequenz: Die Aktivitäten umfassen auch die Buchherstellung, den Druck und die Verlagsauslieferung. Das neue Produktions- und Mediencenter der Tochtergesellschaft optimal in Röbel (Mecklenburg-Vorpommern) lässt heute keine Wünsche offen. Gerhard Steidl, einer der renommiertesten Buchdrucker in Deutschland und langjähriger Weggefährte von Karl Lagerfeld, kooperiert mit der Edel-Gruppe. »edel platinum, supervised by Steidl« heißt die neue, eigenständige Division der Druckerei. Edel investiert insgesamt einen zweistelligen Millionenbetrag in den Ausbau des Buchmarktes und macht sein Tochterunternehmen praktisch über Nacht zu einer der modernsten Druckstätten in Deutschland.

Mehrheit am renommierten ZS Verlag

Und jetzt?

75 Prozent der Gesellschaftsanteile des Münchener Buchverlags ZS Verlag Zabert Sandmann erwirbt Edel 2010. Zabert Sandmann (ZS) gehört mit seinem Programm in den Bereichen Kochen, Wein, Gesundheit sowie seinen kritischen Sachbüchern in Deutschland zu den führenden Verlagen und hat seit Gründung 1984 für Inhalt, Fotografie und Gestaltung immer wieder national und international Maßstäbe gesetzt. Haentjes gibt die Devise aus: »Der Aufbau des Buch- und Verlagsgeschäfts ist

Edel ist in 25 Jahren zu einem Medienunternehmen gewachsen, das seine Wurzeln in der Musik nicht verleugnet, aber immer bereit ist, schnell und flexibel auf technologische Innovationen und kulturelle Veränderungen im nationalen und internationalen Buch- und Entertainment-Markt mit geradezu seismografischer Empfindlichkeit zu reagieren. Haentjes kann auch zufrieden sein: »Ich bin mit dem Setup sehr glücklich. So kann’s immer weitergehen!«


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Das Torpedo edel-Team vor seinem Vereinshaus an der Elbe.

the moment of glory Wie Torpedo edel sechs Volltreffer landete – ein zeitgeschichtliches Dokument. Das war ein wundervoller Tag, einer dieser Tage eben. Einer, wie es für Edel noch keinen gegeben hatte – es war minutiös vorbereitet, auf den Punkt trainiert. Es wurde ohne Kompromisse zusammengehalten und am Ende: glorreich gewonnen. In der Hauspost seinerzeit folgende Sonderausgabe der Firmenzeitung, verfasst von Bernd Hocke, damals Torpedo-edel-Teammanager: Es war an alles gedacht. An fast alles. Verabsäumt wurde nur die Mitnahme dessen, das um ein Haar zum wichtigsten Ausrüstungsgegenstand des großen Endspiels um den Neumühlen-Cup 2004 wurde. Aber vielleicht fang’ ich besser von vorne an: Bereits Tage vor dem Termin war im Hause Neumühlen 17 neben der üblichen operativen Hektik eine gewisse Spannung zu verspüren, für die das Adjektiv »unterschwellig« entschieden zu kraftlos ist. Besser passen würde »glühend«, »elektrisierend« oder »knisternd«. Äh, Entschuldigung – manchmal gehen sie einfach mit mir durch. Jedenfalls: T-Shirts wurden verteilt, Flyer verschickt, die Fanbase konspirierte im Auditorium mit Schere, Säge und Prittstift, Andreas Hölzer wurde zum Wimpelmacher bestellt und nicht zuletzt erkundigte sich der Vorstandsvorsitzende beinahe stündlich nach dem Fortgang der Vorbereitungen und, schlimmer, ob es wirklich sicher sei, dass wir gewännen. Gut, ich war sicher, aber, nun ja, die Gehaltsrunde stand ja auch vor der Tür, und da stahlen sich durchaus ein paar klitzekleine Schweißtropfen auf meine Stirn. Dann Donnerstag, der 16. September, der Tag der Entscheidung. The Dawn Of The Battle, The Moment Of Glory, The Empire Strikes Back, The Legend Returns – das nur ein kleiner Auszug aus den ausgegebenen Parolen. Noch ein bisschen wacklig in den Knien, weil der Vorsitzende wieder stündlich – Ihr wisst schon, traf ich dann Karel Joris Brandt im dritten Stock und wusste – alles, aber auch alles, wird gut werden. Waren Mannschaft wie Fanbase ohnehin bis in die Haarspitzen motiviert, hatte Karel, extra zum Spiel topmodisch rasiert, nur noch Haarspitzen auf dem Kopf. Dies sei frisiert worden, belehrte mich der Ausnahmeathlet, um den körpereigenen cw-Wert auf das Mindestmaß abzusenken, ein im Leistungssport übliches Prozedere. Nachdem ich erfuhr, dass sich Tim Strybny, um ein vergleichbares Ergebnis zu erzielen, am Vortag die Ohren hatte anlegen lassen, waren alle Restbedenken zerstreut. 17:00, Abfahrt Torpedo edel. Hektik machte sich breit. Und breiter. Wo war eigentlich Brandt? Etwa wieder beim Friseur? Nö, einfach heimlich bei Salentin und

Das Vereinswappen der legendären edel-Fußballmannschaft des Jahres 2004

Da Übungsleiter zugestiegen. Hatten wir dann schon nach fünf Telefonaten rausbekommen. Schweiß, Stirn, Nerven. Hast du den Pokal? Ich – wieso ich, den wolltest doch du ... Ich wollte meine Hose doch in M, wie seh ich’n jetzt aus ... Jemand die Ballpumpe eingepackt? Ich glaub’, die hat Andreas ... Telefon. Schweiß, Stirn, Nerven. An der HypoVereinsbank-Kampfbahn angekommen dann erst umziehen, dann beruhigen. Der, äh, Gegner bereits vor Ort. Da war das Beruhigen einfach. Ungewohnt leger gekleidet kickten dort sechzehn mehr oder weniger gestählte Reeder vergleichsweise lustlos auf dem gepflegten Grün. Optisch, von den Mienen mal abgesehen, eigentlich nicht zum Fürchten, was da geboten wurde. Wir sahen definitiv besser aus – und das ist bekanntlich schon mal die halbe Miete. Dann, und das war überwältigend, die Ankunft der Torpedo-Fans. In Zahl, Lautstärke und natürlich optisch den Anhängern des, na ja, Gegners weit überlegen (Anm. der Festschriftredaktion: Es handelt sich beim, na ja, Gegner um die »Rickmers-Sharks«, Firmenmannschaft der Reederei aus dem Nachbargebäude Neumühlen 19 und von Edel spöttisch als »Kanonenfutter Rickmers« bezeichnet), stellten die Massen erst ihre Plakate und Spruchbänder und dann sich selbst dekorativ in Position. Aber da fehlt doch noch, wo ist denn, ah – da war’s wieder: Sag mal, Bernd, du bist dir auch wirklich ganz sicher, dass wir hier heute gewinnen? Ja, sicher, Michael. Schön, dass du da bist, steht dir gut, das T-Shirt, so über dem Oberhemd. Wieder Schweiß – das ganze Programm. 18:30, Anstoß. Vorher Wimpeltausch. Hat schon mal gut geklappt. Dann kann ja nix mehr schiefgehen. Klare Sache – schöne Menschen, schöner Fußball, schöne Tore. So ging‘s auch los, eins null, zwei null, drei null. Skandierende Fans, ich konnte ungestraft rumbrüllen, wir lagen weit vorne – was für ein Abend! Gut, zwischendrin hat ein Rickmers-Stürmer, der vorher bei edel beschäftigt war und dessen Namen ich hier nicht nennen möchte, der legendären Katze von Fallingbostel das Nasenbein gebrochen und ein edel classics- Verteidiger, der hier ebenfalls ungenannt bleiben soll, eben diesem Spieler auch noch das Gehirn erschüttert. Hier, siehe erster Absatz, fehlte dringend ein Notarztkoffer! Ok, da war auch noch die Szene, wo der gegnerische, zwar beleibte, aber nicht unbedingt in gleichem (Wortwitz!) Umfang beliebte Keeper den sich ihm mit Lichtgeschwindigkeit nähernden Joris allein im Strafraum von den Beinen holte (eiskalt beim nachfolgenden Elfer: Dieter »Freeze« Sonnabend). Dennoch, wie gesagt, ein schöner Tag, bis ... ja bis diese Reeder doch noch tatsächlich zwei Tore zustande bekommen haben und wir mit drei zwei in die Pause gingen. Und da standen sie, alle sechsundzwanzig Stammspieler, und riefen durcheinander, nach Wasser und nach Besserung, nach Alkohol und Zigaretten, die Fans tröteten und johlten, die Musik spielte »Fußball ist unser Leben« und ich sage euch, es war wirklich laut und doch drang diese eine Stimme wieder an mein Ohr, und die wollte wissen: Sag mal, Bernd, du bist echt sicher, dass wir hier gewinnen? Zweite Halbzeit, Schiedsrichterwechsel. Auftritt des Würgers. Ja, sicher – Tim wollte nachtreten. Aber nur ein bisschen! Und er hat doch gar nicht getroffen! Warum rennt nun dieser Leichtmatrose auf dem Platz rum und packt den Kleinen an der Gurgel? Na, hier gab’s aber Diskussionsbedarf! Schnell erhob sich ein sachlich geführter Diskurs zwischen Spielern, Schiedsrichtern und Funktionären, und wie man uns so kennt, konnten wir durch die von mir selbst entwickelte Taktik der besonnenen Deeskalation die Situation rasch entspannen, weiterspielen, den Reedern noch drei Stück überbraten, zur Verbesserung der Optik ein Eigentor hinterherschieben und mit sechs drei als strahlender Sieger den Pokal entgegennehmen. Vorbei! Aus! Keine Fragen mehr! Dank an die besten Fans der Welt, duschen und ab ins Clubhaus. Mit den besten Fans der Welt. Als Erstes: Bier, dann Zigarre, dann wieder Bier, dann Zafer in Spanien anrufen, dann mal ein Bier, dann »We Are The Champions« und ein Interview mit Schulz, dann ein großes Bier. Bis eins. Schön war’s! Ziemlich schnell verschwunden waren Kämpfer und Anhänger der putzigen Reedersmannschaft. Glaubt man den Kolportagen, soll noch an jenem Abend die Umbenennung der Truppe in Rotkreuz Rickmers beschlossen worden sein. Eine unglaubliche Sportveranstaltung, eine unfassbare Demonstration von Solidarität, eine sensationelle Feier – das machen wir wieder! Das geht weiter! Wenn er bloß nicht wieder so oft fragt ... Ich danke allen und besonders: Torpedo edel, den Fans, Sabrina Frahm, Anja Obersteller, Zafer Isler, Matthias Zielinski, Ulrik Kriete und Michael Haentjes.

Der Pokal, erkämpft gegen die Rickmers Sharks.

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Platten statt Pelze Die Geschichte von Edel Music ist die vom Erwachsenwerden eines Unternehmens, Flegeljahre inbegriffen. 25 Jahre, in denen sich nicht nur unterschiedliche musikalische Moden spiegeln, sondern auch die Entwicklung einer Branche, die zu den turbulentesten überhaupt zählt.

Text: Ernst Hofacker

E Natürlich möchte ich mich allen Gratulanten anschließen und von ganzem Herzen besonders Michael Haentjes gratulieren, der seit jeher ein ganz besonderer Mensch für mich ist, der mich als Weggefährte seit meiner Jugend begleitet. Meine Geschichte ist, seit ich 15 Jahre alt bin, ganz eng mit Edel verbunden – hier begann meine Karriere als Blümchen, und was da alles passierte, war wirklich sagenhaft. Das ganze damalige Team konnte sehr stolz sein auf das, was wir alle zusammen geschafft haben. Ich denke heute noch gern an die vielen Goldverleihungen für diverse Alben und Singles, an tolle Reisen zu den Video-Drehorten und von Europa bis nach Asien, um die Musik überall bekannt zu machen. Besonders gern erinnere ich mich an meinen 18. Geburtstag, zu dem mir Michael den Führerschein geschenkt hat. Ein sehr großzügiges Geschenk, wie sich herausstellen sollte, denn ich brauchte recht viele Fahrstunden, weil ich fast immer unterwegs war und mehrere Male von vorn anfangen musste :) Ich bewundere Michael sehr für das, was er geschaffen hat, und ich freue mich darüber, dass wir beide uns immer noch sehr freuen, wenn wir uns begegnen. Happy 25, Edel! Jasmin Wagner

in Chaos aus Schallplatten, Akten, Bestellungen und Kartons – im eigenen Wohnzimmer hat das niemand gerne. Man schrieb das Jahr 1987, und Michael Haentjes, seines Zeichens Gründer eines daheim betriebenen Ein-Mann-Mailorderversands, sann auf Abhilfe. Entlastung fand er bald bei seinem damaligen Schwiegervater. Haentjes erinnert sich: »Er betrieb in der Hamburger Innenstadt eine Pelzwerkstatt und gestattete mir die Nutzung einer Ecke seines Lagers. Mit dem Ergebnis, dass mein Plattenlager dort bald immer größer wurde und die Pelzwerkstatt immer kleiner.« Ende der Achtzigerjahre also war klar: Ein ordentliches Firmendomizil musste her. Haentjes suchte und fand: im Hamburger Stadtteil Bahrenfeld. In einem alten Kasernengelände in der Wichmannstraße ging es dann erst so richtig los mit Edel Music. Trotz seiner etwas über 30 Lebensjahre war Haentjes zu diesem Zeitpunkt bereits ein alter Hase im Plattengeschäft, der nicht nur bei Firmen wie WEA und Teldec Erfahrungen gesammelt, sondern auch gemeinsam mit Elektronik-Musiker Klaus Schulze das verdienstreiche ICLabel gegründet hatte. Haentjes – ein Entrepreneur, nicht aber ein Hasardeur – pflegt den Markt gewissenhaft zu studieren, bevor er handelt. 1986 hatte er seine erste Marktlücke entdeckt: Eine kleine, aber erstklassig informierte Kundschaft suchte nach hierzulande nicht erhältlichen Filmsoundtracks und sonstigen Raritäten. Haentjes begann zu importieren und die begehrte Ware zu versenden und begann bald, erste Produkte auch zu lizenzieren. Die Sache lief ordentlich an, schon bald hatte die kleine Firma ihre ersten Angestellten rekrutiert.

1990 dann wurde zum Boom-Jahr für die junge Firma, und erste massive Verkaufserfolge zündeten die nächste Stufe in der Evolution von Edel Music: Im Sommer verkaufte der Filmsoundtrack »Eis am Stiel – Best Of« sensationelle 400.000 Stück, die »Get It«-Compilation aus Songs von diversen Werbeclips erzielte vergleichbar hohe Absätze, und zum großen Hit wurde »Can’t Beat The Feeling«, das dem Publikum bis dahin nur als 30-Sekunden-Schnipsel aus einem Coca-Cola-Spot bekannt war. Später ließ Edel das Royal Philharmonic Orchestra die Hits von Phil Collins einspielen – wiederum ein Volltreffer. Inzwischen ernährte Haentjes seine Angestellten und natürlich sich selbst und seine Familie zusätzlich auch mit dem Verkauf von Fan-T-Shirts, -Kalendern und -Büchern; die Edel-Kasse klingelte fröhlich und anhaltend. Es war nun genügend in der Kriegskasse, um eine zukunftsträchtige Investition zu stemmen: Im kleinen Städtchen Röbel an der Müritz in Mecklenburg-Vorpommern wurde im April 1991 der Grundstein für das firmeneigene Presswerk mit Namen »optimal« gelegt. Schon ein gutes halbes Jahr später, am 13. Dezember, nahm es seinen Betrieb auf. In den folgenden Jahren konsolidierte Edel seinen Status: Neben dem schwedischen Pop-Projekt Army Of Lovers (»Obsession«) und der New-Age-Musikerin Enya spielte 1991 vor allem Schlager­ legende Roy Black Geld in die Labelkasse: Edel brachte die Compilation »Ganz in Weiß« Army Of Lovers


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Jasmin Wagner als junges »Blümchen«.

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Hyper Hyper, der erste Scooter-Hit 1994.


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Edel wurde zu einem selbstbewussten Player, der Pionierarbeit leistete.

auf den Markt. Überraschend segnete der Sänger am 9. Oktober 1991 in einer Fischerhütte nahe Mühldorf am Inn das Zeitliche – nur einen Tag nach der Veröffentlichung des Albums. Der Todesfall löste ein gewaltiges mediales Echo aus, Black wurde posthum zum Kultstar, und Edel verkaufte »Ganz in Weiß« rund eine halbe Million Mal. Derweil machte sich in den Clubs und Discos zu Beginn der Neunzigerjahre ein neues Phänomen breit. Zum Mix aus Electrobeats und Acid-House-Versatzstücken feierten Jugendliche auf massenhaften Raves vor allem in englischen Underground-Clubs die Nächte durch. Die Anfänge von Techno entwickelten sich schnell zur Mainstream-Kultur, die bald erste Hits hervorbrachte, auch bei uns in Deutschland. Den Anfang machte U96 mit einer Techno-Version der Filmmelodie von »Das Boot« – die um ein Haar bei Edel gelandet wäre. Haentjes aber wurde mit U96-Produzent Alex Christensen nicht handelseinig, sodass der zu einer anderen Firma ging. »Der Deal scheiterte an 500 Mark, die wir auseinanderlagen«, schmunzelt Haentjes heute. Pech – aber nicht weiter schlimm, denn bald schon sollte Edel in Sachen Techno eine nicht zu überhörende Rolle spielen. 1993 arbeiteten zwei Kollegen, deren musikalische Interessen absolut gleichgeschaltet waren, gemeinsam als Edel-Telefonverkäufer in der Wichmannstraße: HansPeter Geerdes und Jens Thele. Zusammen mit Hendrik Stedler und Geerdes’ Cousin Sören Bühler gründeten die beiden eine Gruppe, aus der sich schnell das Projekt Scooter entwickelte. Im Mai 1994 erschien die Single »Hyper, Hyper«, die den Durchbruch bedeutete. H.P. Baxxter, Rick J. Jordan und Ferris Bueller, wie sie sich nun nannten, nutzten ihre Chance und gehören bis heute zu den erfolgreichsten Musikacts des Landes. Geerdes, heute H.P. Baxxter, feixt: »Das Coole an der Sache war, dass ich damals innerhalb meines Jobs bei Edel diese

meine eigene Platte sowohl einverkaufen konnte als auch die Tipper telefonisch über die einzigartige Klasse der Single beschwatzen konnte.« [Anm. der Red.: Tipper waren ausgewählte Händler, die seinerzeit mit ihren Einschätzungen, wie erfolgreich ein bestimmter Titel sein würde, die Charts in Deutschland maßgeblich mitbestimmt haben. Mittlerweile ist das Chartsystem auf reine Verkäufe »over the counter« umgestellt.] Auch Jens Thele erinnert sich mit Vergnügen: »Viele wissen: Die Textund Titel-Findung bei Scooter-Songs ist bis heute immer etwas Besonderes, meistens allerdings auch besonders kurios, um nicht zu sagen – bescheuert. Für ›Move Your Ass‹ beispielsweise brauchten wir nur dem Gegröle des damaligen Edel-A&Rs Brian Carter (einem ungeduldigen Briten) zuzuhören, der in unserem Büro wohl zehnmal täglich seine Leute mit diesen Worten antrieb.« Jens Thele gründete 1996 Kontor Records, ein bis heute enorm erfolgreiches Dance-Label, an dem sich Edel bald darauf eine Beteiligung sicherte. Inzwischen war Edel Music ein selbstbewusster Player in der Branche, der auch auf einem anderen Gebiet Pionierarbeit leistete. Nach Einführung des Privatfernsehens hatte sich die TV- und Radiolandschaft in den frühen Neunzigern tief greifend gewandelt. Plötzlich gab es neue Programmformate, und deren Macher waren offen für frische Ideen, auch und gerade in Sachen Vermarktung. Michael Haentjes war wohl der Erste, der das kommerzielle Potenzial in der Kooperation einer Plattenfirma mit TV-Sendern erkannte. Vom Start weg intensivierte er die Zusammenarbeit auch mit den Verantwortlichen von RTL, deren Daily Soap »Gute Zeiten, schlechte Zeiten« in jenen Jahren täglich eine Generation von Teenagern vor den Fernsehgeräten versammelte. Edel Music brachte Compilations zu diversen Serien heraus. Und mehr: GZSZ-Star Andreas Elsholz nahm 1993 für Edel sein Plattendebüt auf, eine soft dahinsäuselnde Ballade mit dem

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Ein Gregorian-Sänger beim Foto-Shooting in Santiago de Compostela.

Titel »Immer noch verrückt nach Dir«, die es auf Anhieb in die Herzen der weiblichen Fans schaffte und alsbald höchste BRAVO-Weihen erhielt. Nicht minder erfolgreich waren weitere Projekte, etwa die von Right Said Fred oder dem jungen Stefan Raab (»Böörti Böörti Vogts«). Den prominentesten Künstler-Zugang verzeichnete der Hamburger Indie allerdings im Jahr 1994, als es gelang, den eigenwilligen US-Superstar Prince und dessen Album »The Beautiful Experience« für das Gebiet außerhalb der USA zu lizenzieren. Die ausgekoppelte Single »The Most Beautiful Girl In The World« schaffte es europaweit in die Top Five. In England gar auf Platz 1, ohne dass Edel zu diesem Zeitpunkt dort ein Büro besessen hätte – die nötige Promotion wurde von Hamburg aus erledigt. Und dann kam sie. Die 15-jährige Jasmin Wagner war eines der vielen Mädchen, die zum Casting antraten, um Stimme und Gesicht für ein weiteres Experiment zu finden: Kinder-Techno. Stefan Weikert erinnert sich, dass »damals erst ein anderes Mädel ausgesucht worden war, mit dem dann auch ein Video gedreht wurde«. Letztlich

aber übernahm Wagner als Blümchen. Eine Erfolgsstory, die noch heute erstaunt: Sechs Top-TenSingles zwischen 1995 und 1998, vier Album-Bestseller, diverse Musikpreise und Millionen verkaufter Schallplatten machten aus Blümchen die erfolgreichste deutsche Solokünstlerin der Neunzigerjahre. Auslöser dieser Lawine war das Video zur ersten Single »Herz an Herz«. Weikert: »Das war der Start. Damals war der Videoclip das Wichtigste bei der Lancierung eines neues Produkts. Wenn man bei VIVA in die Rotation kam, dann lief der Rest fast wie von selbst.« Kann man so sagen: »Herz an Herz« räumte ab, und die Girlies zwischen 10 und 15 hatten ein neues Idol. Edel war nun zum größten Indie Europas aufgestiegen. 1998 folgte der Börsengang und mit ihm ein Kapitalzufluss in immenser Höhe. Das Geld wurde investiert in weitere Unternehmungen und Beteiligungen vor allem im Ausland. Im Jahr 2000 betrug der Firmenumsatz mehr als eine Milliarde D-Mark, fast 2.000 Mitarbeiter wirkten in Büros zwischen Los Angeles, Singapur und Buenos Aires. Ein atemberaubender Aufstieg des Unternehmens, das eine Dekade zuvor noch in einer Hamburger Etagenwohnung residiert hatte. Schnell aber zeigte sich, dass der Vogel zu hoch flog. Der Neue Markt brach zusammen, das Musikbusiness geriet ganz allgemein in eine tief greifende Krise, und nicht zuletzt machten die Kosten und organisatorischen Probleme bei der Integration der neuen Unternehmen zu schaffen. Der auf tönernen Füßen stehende Riese drohte im Jahr 2002 zu stürzen. Haentjes und die Seinen zogen die Notbremse, sortierten rigoros aus, was Minus machte, und


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Marshall & Alexander, das erfolgreiche Gesangsduo.

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begannen den verbliebenen Konzern neu auszurichten. Mit Konsequenzen auch für die Musiksparte. Das bis dahin wenig fruchtbare Artist Development wurde weitgehend eingestellt und wich der Devise: Keine Experimente! Unter Vertrag genommen wurden fortan nach Möglichkeit Absatzgaranten, verdiente Recken, die über eine gewachsene Fanbase und eine klare Zielgruppe verfügten. Eine strategische Neuorientierung, die sich als richtig erwies. Heute veröffentlichen bei Edel Music renommierte Künstler aus dem AOR- und Classic-RockFach wie Deep Purple, Skunk Anansie, Duran Duran und Status Quo. Dazu kommen nationale Acts wie Marshall & Alexander und Marianne Rosenberg sowie die Vermarktung von »Apassionata«, der erfolgreichsten Pferdeshow Europas. Ebenso wichtig die beiden weiteren Standbeine der Musiksparte: das bei Edel traditionell erfolgreiche Compilation-Geschäft sowie der sogenannte PremiumBereich, der sich um Kooperationen etwa mit dem Reiseveranstalter TUI und dem Bauer Verlag kümmert. Ein Angebot, das »von Pop über Jazz bis hin zu Schlager und Weltmusik alles bietet«, so Oliver Hagedorn, als General Manager verantwortlich für Edel:Records. Mag sein, dass dabei der eine oder andere Act den Hipnessund Coolness-Kriterien des Zeitgeistes wenig entspricht. Andererseits: Wer könnte sich künstlerischen Romantizismus auf einem krisengeschüttelten und in Dutzende von Nischen fragmentierten Markt heute noch erlauben? Hagedorn: »Das finanzielle Polster eines mittelständischen Unternehmens ist nun mal im Vergleich zu großen Konzernen überschaubar. Insofern versuchen wir Risiken zu vermeiden.« Nach 25 Jahren ist Edel Music erwachsen geworden, die gelegentlich chaotischen Zustände der frühen Jahre sind schlanken und effizienten Strukturen gewichen. Dennoch ist Edel Music in tiefster Seele nach wie vor ein Indie – flexibel, innovativ, neugierig. Oder, wie es Oliver Hagedorn formuliert: »Die Entscheidungswege sind kurz. Man kann hier neue Ideen schnell umsetzen und selbstständig arbeiten. Das ist spannend und macht Spaß.« Wie einst, als der Chef seinen Mailorderservice von zu Hause aus betrieb. Mit einem Unterschied: Das Lager ist heute so groß, dass ein paar Pelze in einer stillen Ecke kaum stören würden. 

Video-Dreh mit Marianne Rosenberg.


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Ragna Schirmer in der Bibliothek der Franckeschen Stiftungen zu Halle.


Edel:Kultur K l a ssik

Der Katalog als Kosmos Mit innovativen Strategien begleitet die Edel Germany GmbH die »Klassik« ins 21. Jahrhundert.

Text: Martin Hoffmeister

D

ie Reise nach Hamburg beginnt im Kopf. Mit einer Fantasie. Nennen wir sie »Variationen über einen Katalog«. Was zunächst kaum mehr ist als rhapsodische Reflexion, erfährt sukzessiv Struktur und Verdichtung: Sorgsames Erinnern weitet sich zur Beschwörung klanglichen Fragments. Der »innere Konzertsaal«, wie ihn vielstimmig Clarice Sevigny beschreibt, lässt Bilder und Melodielinien halluzinieren. Namen reihen sich in den Assoziationsstrom und grundieren die heterogene Melange. Welch ein Szenarium: Der Erinnerungsraum fügt sich zum Tête-à-tête von Kurt Masur und Otmar Suitner, Peter Schreier und Theo Adam, von »Staatskapelle Dresden«, »Gewandhausorchester« und »Hallenser Madrigalisten«, von Ragna Schirmer, Sharon Kam und Jan Vogler; zum veritablen »Kopf«-Rezital auch mit Musik von Bach, Händel, Mozart, Beethoven und

»deren Geschick es ist, die Geister hinzuführen zum Geist.« (Paul Valéry)

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Ludwig G端ttler mit seinem Lieblingsinstrument.


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Brahms. So gerät die Reise nach Hamburg bereits im Vorfeld zum (opulent instrumentierten) Versprechen! Von den Landungsbrücken aus mit der Fähre flussabwärts dauert die Tour über die Norderelbe zum Firmensitz der Edel AG rund 15 Minuten. Auf halber Strecke zum vornehmen Stadtteil Blankenese gelegen, gibt sich der aus Stahl, Glas und feinstem Sichtbeton konzipierte Bau bereits aus der Ferne deutlich zu erkennen. Streng der »klassischen Moderne« entlehnt will solche Architektur nichts weniger als klare Botschaft sein. So vermag, im Spannungsfeld von Transparenz und strukturellem Understatement, jene auratische Intensität sich zu entfalten, für die das Unternehmen auch inhaltlichstrategisch steht. Ein Haus als Abbild; Fassade als paradigmatisches Entrée zum Ideenkosmos: Eine Company bekennt sich. 1993 lancierte die damalige »edel« Gesellschaft für Produktmarketing mbH den Geschäftsbereich »Klassik«. Der »Entertainment- und Full Service-Anbieter« mit Dienstleistungen in sämtlichen Segmenten der Buch-, Musik-, Herstellungs-, Vermarktungs- und Distributionsbranche legte damit den Grundstein zu einer vielgesichtigen »Edel-Marke« (»Berlin Classics«), die seither durch visionäre Strategien, einen einzigartigen Katalog und nachhaltige Künstlerpflege von sich reden macht. Neben wenigen anderen Protagonisten des – mittlerweile – unübersichtlichen Klassikmarktes setzte das börsennotierte Unternehmen zudem ein deutliches Zeichen in Sachen Hochkultur: nicht eben die Regel in einem Betrieb, der durch Wirtschaftskrisen, Download-Piraterie, redundante Angebotstableaus und abenteuerliche Diskurse (»Langsames Sterben – die Klassik vor dem Aus«) über lange Jahre aus der Bahn zu geraten drohte und sich bis heute nur langsam zu konsolidieren scheint. Doch gerade in Zeiten des »Anything Goes«, mithin der Auflösung kanonischer Wertesysteme, der Austausch-

barkeit und Nivellierung künstlerischer Maßstäbe, bedarf es passionierter wie qualifizierter Personage, um »Klassik« auch in den kommenden Jahrzehnten zur konkurrenzfähigen Größe mit soliden Markt-Perspektiven entwickeln zu können. Zunehmende Bedeutung im komplexen Feld der Akzeptanzforschung und Etablierung entsprechender Strategien gewinnt neben gezielter Marken- und Qualitätspflege vor allem die Analyse der Kunden- resp. PublikumsMotivation, einer mentalen Verfasstheit zumal, die mehr dem Zeitgeist oder narzisstischer Feier verpflichtet scheint denn den eigentlichen Sujets der Begierde. Die »Klassik« also kein Wert mehr an sich: Funktion allein von Moden? Entscheiden »Meta-Ebenen«, »Lifestyle« oder »Kontext« zukünftig über Erfolg und Niedergang eines Produkts? Und: Wie steht es um das Überleben des »physischen« Tonträgers? Ergeben wir uns totaler Digitalität oder wächst mit der Desavouierung des Fassbaren die Sehnsucht auch nach Analogem? Kaum jemand wird solche Fragen derzeit seriös beantworten können. Wer allerdings in dieser Umbruchsituation, in einer Phase zumal wachsender Indifferenz, ein Label betreibt, sollte kontinuierlich die Szene vermessen, Veränderungen reflektieren und das Kernpublikum im Auge behalten, ohne nachwachsende Zielgruppen zu vernachlässigen; ein steter Balance-Akt, für den tradierte Konzepte kaum mehr taugen.  >>>

DSB Deutsche Schallplatten GmbH Berlin Der legendäre Repertoire-Kaufvertrag, Berlin, den 19.04.1993.

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Glänzend: Einer der vielen ECHO-Klassik-Preise für Edel.

Mit seinem Label »Berlin Classics« setzt Edel seit Beginn auf Produkte, die originäre und authentische Exegese mit Repertoirewert, Klangqualität, anspruchsvollen Booklets und avanciertem Layout verbinden. Etabliert wurde damit nicht nur eine klare, wiedererkennbare Marken-»Sprache«, sondern auch eine (Gesamt-) Ästhetik, die nichts weniger als Norm jenseits der Norm repräsentiert. Durchaus erhellend in diesem Zusammenhang nimmt sich der Blick auf Historie und Entwicklung des Unternehmensbereiches »Klassik« von Edel aus; denn, um es als Paradoxon zu formulieren, bereits die Anfänge der Abteilung standen im Zeichen von Geschichte. So basierten die ersten Schritte des 1993 gegründeten Labels »Berlin Classics« auf Katalog und Übernahme des ehemaligen DDR-Labels »Eterna« (VEB Deutsche Schallplatten); dessen Anfänge wiederum reichen zurück ins Jahr 1946, als dem legendären Schauspieler, Sänger und Regisseur Ernst Busch die Lizenz erteilt wurde, erste Schallplatten zu produzieren. Mit Buschs Engagement wurde der Grundstein gelegt zu einem Katalog, der mit den Aufnahmen zahlloser Musikerlegenden nicht nur über vier Jahrzehnte DDRMusikgeschichte schrieb, sondern auch umfassend die Aktivitäten der ostdeutschen Musikzentren Berlin, Leipzig und Dresden abbildete. Noch heute, über zwei Dekaden nach dem Ende der DDR, zeigen sich Fachwelt und Klassikliebhaber beeindruckt angesichts des mit Sorgfalt und strategischer Vision entwickelten »Eterna«-Kosmos. Nicht wenige der dort versammelten, zum Teil historischen Einspielungen genießen bei Kritik und Publikum bereits Kult- resp. Referenzstatus. Von Edel mit modernsten technischen Verfahren aufwendig klangoptimiert bildet der »Eterna«-Fundus mit Künstlern und Ensembles wie Herbert Kegel, Franz Konwitschny, Herbert Blom­ stedt, Heinz Rögner, Hartmut Haenchen, Ludwig Güttler, »Dresdner Philharmonie«, »Kammerorchester Carl

Beflügelt: Mihaela Ursuleasa.


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Christiane Karg im Hamburger Jenischpark.


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Philipp Emanuel Bach«, »Neues Bachisches Collegium Musicum Leipzig«, »Thomaner-« oder »Dresdner Kreuzchor« – um nur wenige zu nennen – heute eine so nachhaltige wie substanzielle Basis für den über 1200 Titel umfassenden Katalog von »Berlin Classics«. Dabei lässt die Gegenüberstellung von »historischem« Katalog und den seit 1993 entstandenen (Eigen-)Produktionen mehr

Übereinstimmung als Gegensätzliches erkennen, denn Tugenden wie strategische Repertoire-Entwicklung, Aufnahme-Qualität, Bookletpflege oder individuelle Künstlerbetreuung sind, nach wie vor, zeitlos und angemessen. Unternehmerische Stringenz und Kontinuität im Zusammenspiel mit klaren Qualitätskriterien und einem ausgewiesenen Gespür für künstlerische Potenziale zeich-

Concerto Köln – in klassischer Umgebung.

Edel:kultur – Karneval an der elbe René Jacobs hat Concerto Köln als »eine Bande von Besessenen« bezeichnet, – eine anschauliche Titulierung, die nicht nur das Ensemble, sondern vielleicht auch den Grund der guten Beziehung zu Edel beschreibt. Als Concerto Köln und Edel in 2007 zusammenkamen, hatte Concerto Köln schon über 40 teilweise hochdekorierte CDs bei verschiedenen Labels veröffentlicht, war aber auch von der Illusion befreit, dass es nur eine Frage der Zeit sei, dass die Alte Musik die Charts erobert. Der CD-Markt war schon zum soundsovielten Mal totgesagt

und jede neue Veröffentlichung begleitet von bangen Blicken auf die Verkaufszahlen. Ausgrabungen oder Einspielungen unbekannter Werke wurden mit unverkäuflich etikettiert und mehr und mehr aus dem Programm genommen. Mit aber genau diesem Ansinnen kam Concerto Köln nach Hamburg und traf bei Edel auf eine ähnlich besessene Bande. Hier wird die Flucht nach vorn gepflegt, Liebgewonnenes wird in einem Atemzug gerühmt und zum Abschuss freigegeben, hier wird fantasiert und fabuliert, hier hat der Hofnarr seinen Hauptwohnsitz. Es gibt keine Idee, die nicht offen diskutiert werden kann, und wenn man dann zufrieden die Planungssitzungen verlässt, geht man mit dem festen Bewusstsein, dass die Orchestersuiten von Johann Sebastian Bach in einer Aufnahme von Concerto Köln einer Ersteinspielung gleichkommen würden und dass es mit den Wassermusiken von Georg Friedrich Händel gelungen ist, eine echte Rarität einzuspielen. Karneval an der Elbe! Mit großem Engagement stürzten wir uns auch in die Produktionen der »Alceste« von Albert Schweitzer und der Sinfonien von Joseph Rigel, bei welcher der Mut dann auch mit dem ECHO-Klassik und dem Midem Classic Award belohnt wurde. So freue ich mich auf die weitere hoffentlich noch lange Zusammenarbeit mit einem mutigen, engagierten, kreativen und humorvollen Label und auf viele erfolgreiche Projekte. Gleichzeitig wünsche ich Edel noch viele Jahrzehnte, sodass mein Nachfolger zum 100. Geburtstag schreiben kann: »Es konnte nur ein Label wie Edel sein, das sich mit großer Weitsicht vor 75 Jahren verpflichtet hat, gemeinsam mit Concerto Köln eine Gesamteinspielung der Musik an den Höfen der 1800 Staaten des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nationen in Angriff zu nehmen und erfolgreich umzusetzen.« Jochen Schäfsmeier Concerto Köln

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Gudrun Landgrebe und Sebastian Knauer auf der Vertriebstagung 2006.

nen denn auch die Arbeit des Teams um Jens Quindt, den Managing Director bei Edel:Kultur, aus. Vor dem Hintergrund einer klar definierten Firmen-Kultur stehen bei den »Kreativen« von »Berlin Classics« vor allem Produkt und Künstler im Fokus: Liegen dabei die Prioritäten beim ehemaligen »Eterna«-Katalog in erster Linie auf Pflege, Bewahrung und Vermarktung des heterogenen Angebotstableaus, so geht es im »aktuellen« Segment vornehmlich um die Entwicklung originärer »Produktlinien« mit profilierten Nachwuchskünstlern und unerschlossenem oder selten aufgeführtem Repertoire. Kaum jedoch intendiert ist der schnelle Erfolg um jeden Preis; nicht das »Erfinden« von Stars oder künstlerischen Eintagsfliegen bestimmt die Agenda, vielmehr das nachhaltige, über Jahre entwickelte, tragfähige Projekt. Unverwechselbare Musikerpersönlichkeiten mit eigener Stimme sind gefragt. So stehen den zahllosen Legenden des »historischen« Katalog-Segments junge Nachwuchs-Begabungen wie Ragna Schirmer, Mihaela Ursuleasa, Anna Gourari, Anja Harteros, Simone Kermes, Christiane Karg oder Sharon Kam ebenso gegenüber wie namhafte, bereits international renommierte Ensembles wie Concerto Köln, Vocal Concert Dresden oder Klenke Quartett. In diesem Sinne versammelt das Hamburger Label »Berlin Classics« unter seinem Dach nicht nur ein, wie selten, balanciertes Tableau authentischer Musikerpersönlichkeiten, sondern auch unzählige, bisweilen hochdekorierte (»Echo«, »Midem

Classical Award«, »Deutscher Schallplattenpreis« etc.) Interpretationen von bleibendem Wert. Nicht mehr wegzudenken aus der LP- und CD-Geschichte etwa die BachPflege der Thomaner und des Kreuzchores, die MozartExegesen Otmar Suitners oder die Beethoven-Lesarten Franz Konwitschnys. Und: welche Bereicherung des neueren Katalogs beispielsweise die Händel-Erkundungen von Ragna Schirmer, die Repertoire-Ausgrabungen von Concerto Köln (Rigel) oder die scharf konturierten Tschaikowski-Interpretationen des Klenke Quartetts. Mit seinem umfangreichen und weitgefächerten Katalog deckt »Berlin Classics« bereits heute rund 80 Prozent des geläufigen »Klassik«-Repertoires ab. Wer daraus jedoch folgert, es gehe den Verantwortlichen vornehmlich um »Masse« oder »Vollständigkeit«, fehlt. Denn selten in der Geschichte des »Klassik«-Marktes wurde mit einem Label ein deutlicheres Zeichen gegen Austauschbarkeit, Routine und Nivellierung gesetzt. Nischenkultur, die leuchtet! Im lichtdurchfluteten Büro des »Edel«-Domizils herrscht geschäftige Konzentration. Über dem Hafen zieht ein Unwetter auf. Noch immer schieben sich Überseetanker und ausladende Containerschiffe über den mächtigen Strom. Die Arme unzähliger Kräne zerschneiden den eingetrübten Himmel: Surreale Szenerie im Zwischenreich von Landschaftserfahrung und urbaner Verdichtung. Kein schlechter Ort für die »Klassik«.


Edel:Kultur K l a ssik

Silber mit Petersilie Zum 25sten Jubiläum gratuliere ich Edel von ganzem Herzen! Dies Jubiläum ist das silberne, und solch ein Edelmetall wird der Firma mit dem edlen Namen voll und ganz gerecht. Bei Wiktionary findet man unter »edel«: 1 2

mit Substantiv: von hochwertiger Qualität mit Person: anständiger, moralischer Mensch

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Alle Produkte, die ich von Edel kenne, sind von hochwertiger Qualität. Unter Musikern und Hörern hat sich dies längst herumgesprochen; Edel ist ein Qualitätssiegel. Die regelmäßigen Chart-Platzierungen von CDs verschiedener Genres sprechen auch eine deutliche Sprache.

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Die Menschen, mit denen ich bei Edel zusammenarbeiten darf, sind durchweg anständig und moralisch. Ich kenne keine andere Firma, bei der es so familiär und gleichzeitig so professionell zugeht. Das ist nur möglich, wenn jeder Einzelne seinen Beitrag zum Team leistet und die Summe am Ende stimmig ist, sodass jeder zufrieden mit seiner Arbeit sein kann. Dies ist in Neumühlen 17 in Hamburg absolut der Fall.

Mein Verhältnis zu Edel und zum Label Berlin Classics begann vor 12 1/2 Jahren. Wir haben also Petersilien-Hochzeit. Ich erinnere mich noch genau an den Tag, an dem ich,

weil ich unbedingt bei diesem Label und keinem anderen veröffentlichen wollte, zum ersten Mal mit der Produzentin sprach. Sie hatte den Termin zu sich nach Hause verlegt, und nach dem Gespräch war ich nicht sicher, ob die Goldbergvariationen ihr Interesse nun geweckt hatten oder nicht (das Band gab es bereits). Als einige Wochen später die Nachricht kam, dass »Berlin Classics« die CD veröffentlichen würde, war ich in Südafrika am Telefon. Ich wäre am liebsten sofort zurückgeflogen, ich fühlte mich wie ein verliebter Teenager, dem der Angebetete »ja, ich will mit dir gehen« auf einen Zettel geschrieben hatte. Seitdem sind wir viele Wege gemeinsam gegangen. Manche waren ganz einfach zu gehen, manche waren aber auch steinig und holprig. Aus dem Zettel des Teenagers wurden Verträge. Aus dem Gefühl der Verliebtheit wurde Vertrauen und Achtung. Aus der ersten gemeinsamen Produktion wurden langjährige Projekte. Aus Mitarbeitern bei Edel wurden enge Freunde. Man lag sich in den Armen, man diskutierte lautstark. Ich bin sicher keine einfache Künstlerin, weil ich sehr konkrete Vorstellungen davon habe, was ich will – und weil ich vor allem ganz genau weiß, was ich auf gar keinen Fall unter keinen Umständen überhaupt nicht will. Da gibt es zwangsläufig Reibungen, aber wie in jeder guten Ehe werden diese mit viel Rücksicht und gegenseitigem Verständnis immer wieder gelöst. Nachhaltigkeit ist heute ein seltenes Gut geworden. Nachhaltigkeit entsteht aus Treue. Treue zu den eigenen Werten und Vorstellungen ebenso wie Treue zum Partner. Ich bin überglücklich, in Edel einen Partner zu haben, dem ich an dieser Stelle von ganzem Herzen für 12 1/2 Jahre nachhaltiger Treue danken darf. Und dem ich deshalb aus vollem Herzen zu 25 großartigen Jahren gratuliere und weiter viel, viel Erfolg wünsche! RAGNA SCHIRMER

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4 4 Edel: Kultur Jazz +

Musik ist kein Produkt Edel:Kultur Jazz+ – mit e.s.t, Erdmöbel und dem letzten Mohikaner in die digitale Welt.

Text: Götz Bühler

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eduld ist eine Tugend des Indianers und bringt einem christlichen Weißen keine Schande«, wusste schon James Fenimore Cooper, Autor der »Lederstrumpf«-Romane und somit auch Chronist des »Letzten Mohikaners«. Das hat viel mit dem zu tun, was lange als »edel contraire« bekannt war und jetzt unter dem Namen Edel:Kultur Jazz+ firmiert. Was genau? Nur Geduld.

»Eigentlich gibt es uns nur, weil Siggi Loch damals Michael Haentjes bedrängt hat«, erzählt Dirk Mahlstedt, General Manager von Edel:Kultur Jazz+. »Michael war Siggis Ziehsohn und der eine Vaterfigur für ihn bei Warner. Ein paar Jahre nachdem er sich mit Edel selbstständig gemacht hat, wollte Siggi, der inzwischen sein eigenes Label ACT gegründet hatte, wieder mit ihm zusammenarbeiten. Aber weil Michael, wie er es einmal formuliert hat, eigentlich nicht wieder in die Verlegenheit geraten wollte, an Siggi zu reporten, empfahl dieser: ›Ich habe da Jemanden, mit dem du das machen kannst.‹« Und das war Rolf Bähnk. Bähnk, der vorher schon den Teldec Import Service gegründet und gut fünfundzwanzig Jahre lang geführt hatte, machte das neue Liebhaberprojekt in gut acht Jahren zu einer der ersten Vertriebsadressen, besonders für so renommierte wie innovative Jazzlabels wie ACT, aber auch für Dreyfus Jazz oder enja. Die wichtigsten Künstler der ersten Stunde hießen folg-

Die Musiker von e.s.t. beim Bier im Hamburger Starclub.


Edel:Kultur Ja zz +

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4 6 Edel: Kultur Jazz +

Die Musiker der Kölner Band Erdmöbel.

lich Michel Petrucciani, Abdullah Ibrahim, Chet Baker, Marcus Miller, Nils Landgren und bald auch e.s.t., das Esbjörn Svensson Trio. A&R, Einkauf, Promotion, Marketing und Vertrieb hießen damals die Hauptaufgaben, wie Bähnk es selbst später einmal in einem Interview anlässlich seiner Pensionierung aufzählte. 2008 wurden contraire, Edel Classics und der Hörbuch-Bereich schließlich zu Edel:Kultur verschmolzen – unter der Leitung von Managing Director Jens Quindt und Dirk Mahlstedt in Verantwortung für den Jazz+- und Hörbuchbereich. Die Verbindung des gebürtigen Berliners Mahlstedt zu der Hamburger Firma reicht gut achtzehn Jahre zurück. »Ich habe Anfang der Neunzigerjahre bei fnac in Berlin die Jazz- und World-Abteilung geleitet«, erinnert sich Mahlstedt. »Da kam ein gewisser Herr Loch zu uns und bot mir die neueste Produktion seines Labels ACT an: die Flamenco-Jazz-Begegnung Jazzspaña

mit der WDR Big Band. Er hatte dazu eine sehr eigenwillige Idee: ›Sie kaufen hundert Alben und ich schicke Ihnen dazu hundert Jazzspaña-Programmhefte, die können Sie zu einem Paket zusammenschweißen. Dann sieht das Ganze noch schöner aus.‹ Das war meine erste Begegnung mit Siggi Loch.« 1997 heuerte Mahlstedt selbst bei Edel Distribution an, anfangs als »Ein-Mann-Betrieb mit All-in-one-Funktion« in Berlin. »Das erste Thema, das ich so richtig bearbeitet habe, war die CD ›Gute Zeiten, Schlechte Zeiten 14‹ in der Schneeschüttelbox«, erinnert er sich. »Von diesen Dingern haben wir damals noch locker über 100.000 Stück verkauft. Nach der ersten Bestellung im Mediamarkt Hohenschönhausen habe ich sicherheitshalber gleich meinen Chef angerufen: ›Ist das jetzt richtig, dass da ein Laden 3.000 Stück als Erstorder bestellt?‹ Der große Schreck kam, als mich der Kollege aus Hohenschönhausen am Tag der Auslieferung anrief und bat: ›Kannst du das bitte alles noch mal schicken?‹ Die komplette Lieferung war verklebt, weil über die Hälfte der Schneeschüttelboxen beim Transport durcheinandergeflogen war – alles war geplatzt und die ganze Soße lief jetzt in diesem Mediamarkt aus.« Für gewöhnlich waren es aber durchweg positive Ereignisse, die Mahlstedts Herz schon damals höher schlagen ließen. Etwa der wöchentliche Produkt-Zettel: »Das war nur ein kopierter contraire-Vordruck mit je zehn Albumvorstellungen auf der Vorder- und Rückseite. Aber mit was für Künstlern: Jocelyn B. Smith, Michel Petrucciani, Bugge Wesseltoft, die ersten Alben der Nils Landgren Funk Unit und natürlich Esbjörn Svensson und sein Trio. Mit diesem Din-A4Blatt bin ich zu WOM gekommen und daraufhin wurden dort gerne einmal 400 CDs bestellt. Damals wurden noch Lagerkärtchen geschrieben und ich habe die gesammelten Aufträge jeden Abend nach Hamburg gefaxt. Was das anging, ging die Entwicklung enorm schnell: Es ging


Edel:Kultur Ja zz +

auf einmal und ganz schnell weg von diesem total einfachen System mit Papier, Stift und Fax hin zum hochprofessionellen elektronischen Warenwirtschaftssystem mit Customer Service, Key-Accounts, der lieferantengesteuerten Bestandsführung VMI (Vendor Managed Inventory) und Vertretern mit Laptop. Diesen Zeitsprung haben wir in der Musikindustrie in allen Richtungen mitgemacht – und Edel war dabei immer ganz vorne.« Obwohl der General Manager von Edel:Kultur betont, dass »besonders wir im Nischenbereich mit der Zeit gehen müssen«, leistet sich die Abteilung nach wie vor das Edel:Kultur Magazin, das alle drei Wochen einen aktuellen Überblick über die Neuveröffentlichungen gibt – gedruckt, auf Papier. »Das ist gegen den Trend, aber es gilt in der Branche auch als das hochwertigste Verkaufsund Pressemagazin«, gibt Mahlstedt schmunzelnd zu. »Wir haben auch mal den Test gemacht, es in Teilen nur digital auszusenden – ein totaler Kommunikationseinbruch. Die Welt da draußen hat uns ganz schnell signalisiert: Tut uns den Gefallen und macht das wieder gedruckt. Ich finde auch, dass dieses Magazin unserem Repertoire wunderschön gerecht wird. Vielleicht ist es eben auch schön, ab und zu mal aus der digitalen Welt auszubrechen. Es ergibt durchaus Sinn, hier ›back to the roots‹ zu gehen. Und es gibt doch nichts Schöneres, als sich einfach mal durch diese Veröffentlichungen durchzublättern …« Dirk Mahlstedt kann sich leidenschaftlich mit dem identifizieren, was er und seine Kollegen bearbeiten. Und was er nur sehr ungern als »Produkt« bezeichnet, denn: »Wir betreiben zwar ein Warengeschäft, aber es geht dabei nicht um einen Artikel, es ist weder Milch noch Zucker oder Butter – es ist Musik. Und Emotion.« Spricht man mit Dirk Mahlstedt über die Geschichte seiner »Firma in der Firma«, am besten zwischen den hel-

len Hölzern und klaren Glasfronten seines Büros am Elbufer in Hamburg-Ottensen, geht es hauptsächlich um Musik. Sicher, Mahlstedt ist auch erklärter Hörbuch-Fan und stolz, dass dieser Bereich durch den Edel:KulturHörbuchleiter Henning Rudat inzwischen ganz selbstverständlich und natürlich gut die Hälfte seines Geschäfts ausmacht – mit einigen der wichtigsten und größten Verlage, zum Beispiel mit DAV, Audiobuch, Diogenes und Random House Audio. Aber besonders enthusiastisch spricht Dirk Mahlstedt von Lieblingsplatten und Künstlerbegegnungen, von Treffen mit Nils Landgren, Erdmöbel, Nils Wülker; oder auch mit Giora Feidman und Andreas Vollenweider im Studio am Genfer See und dem ersten Duett von Till Brönner, das Mahlstedt selbst für eine Produktion der norwegischen Band D’Sound in die Wege geleitet hat. Doch die Musikerpersönlichkeit, von der Mahlstedt am häufigsten spricht, ist der schwedische Pianist Esbjörn Svensson. »Es ist schon wirklich fantastisch, dass man solche Platten mit betreuen darf, dass man dann sieht, wie sie täglich gekauft werden. Ich war ja da, damals, als e.s.t. in Hamburg gespielt hat – wenn ich mich richtig erinnere, ist die Band sogar ohne Soundcheck auf die Bühne gegangen, weil es wahnsinnige Zeitprobleme gab. Und hat dann dieses fantastische Konzert gegeben! Siggi Loch hat einfach recht gehabt, und man kann wirklich viel aus seiner Erfahrung lernen: Die legendären Live-Alben waren in der Regel ein einziges Konzert – betitelt entweder nach der Stadt, in der es stattfand, oder nach dem Club. Er hat wohl darauf gedrängt, ein e.s.t.-Live-Album nicht auf einer Tour mitzuschneiden, sondern auf den einen, magisch entscheidenden Abend zu warten – und das Momentum hatte eben Hamburg. ›e.s.t. – Live in Hamburg‹ wurde schließlich eines der am besten verkauften Alben dieser Musikwelt überhaupt.« Mahlstedt stockt und rückt seine Brille zurecht. »Auch schon vor seinem Tod.« Der Schock, der nach

Aus contraire, Edel Classics und dem Hörbuch-Bereich wurde Edel:Kultur.

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4 8 Edel: Kultur Jazz +

»Das Geschäft mit der Musik war früher zwar nicht besser, aber einfacher – und deutlich anders«

Esbjörn Svenssons tödlichem Tauchunfall am 14. Juni 2008 durch die Jazzwelt ging, steckt Mahlstedt noch in den Knochen. »Das ist an einem Sonnabend passiert«, erinnert er sich. »Und am Sonntag habe ich es gehört. Ich dachte erst, es sei ein schlechter Scherz – und konnte es gar nicht fassen. Die Gedenkfeier in Stockholm, kaum einen Monat nach Esbjörns Tod, war sicher das Bewegendste, was ich in meinem Leben erlebt habe.« Das Geschäft mit der Musik, die Edel:Kultur Jazz+ ausmacht, war, laut Dirk Mahlstedt, »früher zwar nicht besser, aber einfacher – und deutlich anders«. Denn: »Die Arbeit hat sich verlagert, nicht verringert. Man macht im Prinzip den gleichen Job wie früher, aber muss dabei viel breiter denken.« Nach wie vor liegt der Marktanteil der klassischen Musik in Deutschland bei etwa sechs Prozent. Jazz liegt bei etwa drei Prozent. Dass die digitalen Umsatzzahlen deutlich steigen, sieht Mahlstedt als Chance – und als Herausforderung. »Wir sind in der Regel in unserem Bereich Platz 4 in Deutschland – einer der Majors ist immer hinter uns«, erzählt er. »Und beim ersten Echo Jazz im Jahre 2010 kamen insgesamt zwölf Echos auf die Künstler unserer Labels. Das ist ein Ergebnis, das sich sehen lassen kann.« Trotzdem müsse man den »Wandel der Zeit erkennen«, mahnt der Manager, und dazu gehört nicht nur ein bewussterer Umgang mit den Gesetzen und Gepflogenheiten der digitalen Welt, sondern auch, dass Edel:Kultur Jazz+ mehr Produkte in Lizenz nimmt. »Trotzdem kann man heutzutage, in diesem sinkenden Markt, nicht alles durch Volumen und Aktionismus kompensieren«, weiß Mahlstedt. »Hätte man jetzt noch mehr Labels – wer würde das stemmen? Man muss sehen, wie man den bisherigen Stamm an Labels pflegt und nebenbei den Lizenzbereich sinnvoll ausbaut. Die Erfolge geben uns da recht.« Etwa der ChartEinstieg mit Erdmöbel und ihrem Album »Krokus«, aber auch die Erfolge von Helen Schneiders Bert-Kaempfert-

Album mit der SWR Big Band oder von »Songs From Neverland«, dem Michael-Jackson-Album von Joo Kraus. »Das Schöne bei Edel ist die Diversifikation«, meint Dirk Mahlstedt. »Und weil dies Michael Haentjes’ Politik ist, werden wir das sicher nicht aufgeben. Natürlich ist es mutig, sich im derzeitigen Markt als Nischenvertreter zu bekennen – aber wir können davon leben.« Und was ist mit dem + hinter dem Jazz im Firmennamen? »Dieses Plus hat schon einen Stellenwert«, sagt Mahlstedt. »Denn dazu zählen zum Beispiel die andersartigen und neuen Produktionen, etwa die der ungarischen Alt-Hippie-Band Omega oder das letzte Album von Keimzeit mit ihren großen Hits im aktuellen Gewand, das die Band auf unseren Rat und mit unserer Unterstützung für ihr eigenes Label produziert hat.« Als Antwort auf die Gretchenfrage nach dem umsatzstärksten Album in der Geschichte seiner Abteilung zieht Dirk Mahlstedt ein erstaunliches Resümee, das zugleich auch die Lösung des geduldigen »Lederstrumpf«-Rätsels ist: »Der letzte Mohikaner«, ein Soundtrack zur Verfilmung des abenteuerlichen Romans von James Fenimore Cooper, verkauft sich nach wie vor stetig – bisher insgesamt über 270.000-mal. Und steht damit noch vor Nils Landgrens »Funky Abba«, und eben auch vor den e.s.t.Alben »Leucocyte« und »Live in Hamburg«. »Dass das Musikgeschäft so unvorhersehbar und unberechenbar ist, empfinde ich immer wieder als Herausforderung«, sagt Dirk Mahlstedt. »Man muss nur wissen, was man tut – und manchmal auch etwas Geduld an den Tag legen. Ich bin zum Beispiel der Meinung, dass ›e.s.t. – Live in Hamburg‹ in zwanzig Jahren mal den Platz einnehmen könnte, den heute das Köln Konzert von Keith Jarrett hat: Es ist einfach ein Klassiker. Aber wer weiß: Vielleicht wird unser erfolgreichstes Album ja gerade noch aufgenommen …« 


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Helen Schneider, in Szene gesetzt und fotografiert von Jim Rakete.

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Weiter denken und besser sein Wie Edel:Distribution arbeitet – hanseatisch gründlich und mit dem Sound des Erfolgs.

Text: Jürgen Christen

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Edel-T-ShirtDruck der 90er-Jahre.

ie man Entertainment-Themen entdeckt, weiterentwickelt und am Markt punktgenau platziert, zeigt die Erfolgsstory der Edel Germany GmbH. Vor 25 Jahren unter dem Label Ideal als Vermarktungsdienstleister des Entertainment- und Full Service-Anbieters Edel AG gegründet, fungiert Edel Germany heute als Organisationseinheit auch für den starken Vertrieb Edel:Distribution. Dieser zeichnet verantwortlich für den nationalen und internationalen Vertrieb von eigenen, Lizenz- und Vertriebsprodukten aus den Bereichen Audio, Video, Buch und Entertainment. Was in den frühen 1990er-Jahren mit bedruckten T-Shirts und dann vor allem mit der erfolgreichen Vermarktung von Soundtracks zu Film- und TV-Serien wie »Eis am Stiel« oder »Gute Zeiten, schlechte Zeiten« begann, hat sich zwischenzeitlich zu einem konzernunabhängigen multimedialen Portfolio entwickelt, das frei von einengenden Repertoire-Entscheidungen dynamisch und innovativ jeweils angesagte Themen und Künstler an den Endkunden bringt. Stefan Kleist, Sales Director Edel:Distribution, hat die Erfolgsgeschichte mit-

geschrieben und bringt sie auf den Punkt: »Wir setzen uns verschiedene Mützen auf, um unsere Produkte optimal zu verkaufen. Aber der Kopf unter der Mütze bleibt immer gleich. Vor allem das, was drin ist: hanseatische Gründlichkeit und akribische Beharrlichkeit.«

Der Sound des Erfolgs Keine gewagten Experimente also, die schnell im Showdown der Medienmärkte untergehen können, sondern ein Vertrieb, dessen Kern im Sound des Erfolgs fest verankert ist. Dazu gehörten vor etwa zwei Jahrzehnten nach der überaus erfolgreichen Vermarktung der Roy Black-Best-of-CD »Zeit der Zärtlichkeit« (1990) besonders die Compilations zu »Gute Zeiten, schlechte Zeiten« (ab 1993) als Start einer lange währenden Kooperation zwischen RTL und Edel. Für den Mehrwert sorgten hier übrigens auch herrlich verschrobene Ausstattungen wie etwa parfümierte CDs oder Schneeschüttel-Cover. Dann noch im gleichen Jahr (1990) der erste »Get It«-Sampler mit Songs aus der TV- und Kinowerbung und der Start des Buchprogramms mit Fanbüchern zu Depeche Mode, David Hasselhoff und Batman. Stefan Raab setzte 1994 auf die hanseatische Gründlichkeit und Edel konnte seine erste Maxisingle »Böörti Böörti Vogts« auf Anhieb 250.000-mal verkaufen. Nur wenige Monate später verhalf Edel dann Scooter-Frontman H. P. Baxxter mit 750.000 »Hyper Hyper«-Singles zum Durchbruch. 1995 dann baut das Unternehmen die Hamburgerin Jasmin Wagner, alias Blümchen, mit »Herz an Herz« zum ersten


Edel:distribu tion

Vier der vielen Edel:Distribution-Hit-CDs.

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5 2 Edel: distribu tion

ZZ Top: Rock mit Bart.


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deutschen Teeniestar auf und realisiert mit den 2.000.000 verkauften »Over The Hump«-CDs der Kelly Family einen für heute unvorstellbaren Absatz. Und so geht’s weiter, u. a. mit Aaron Carter, dem kleinen Bruder von Backstreet-Boy Nick, Mousse T. und der Teenieband Echt, die spätestens mit ihrem Album »Freischwimmer« bewies, dass sich auch Kids von deutschen Texten begeistern lassen. Wichtig unter den zahlreichen internationalen Stars: Chris de Burgh, Deep Purple, Toni Braxton und natürlich Phil Collins. Mit dessen »Tarzan«Soundtrack und der Übernahme des Tonträgerkatalogs von Walt Disney forciert Edel 1999 die erfolgreiche Vermarktung von Soundtracks, wie in der Folge u. a. auch zu »Mission Impossible 2«. Ein weiteres Thema im AudioContent waren zu diesem Zeitpunkt bereits die Hörspiele für Kids.

Vom Musik- zum Mediendienstleister So hatte der Erfolg mit Hörspielen zur Magical GirlSerie »Sailormoon« schon ab 1997 für eine gute Positionierung in der medialen Auswertung des Audio-Bereiches gesorgt und damit den Weg zu der Kooperation mit Walt Disney Records geebnet. Dieser Vertriebsvertrag, der auch Produkte der Firma Hollywood Records einbezog, sicherte Edel schließlich die Vermarktungsrechte von Hörspiel-MCs und -CDs zu Disney-Klassikern wie »Winnie Puuh« und »Dschungelbuch«. Das brachte nicht nur weiteres Renommee, sondern auch und vor allem rasante Umsätze. Henning Rudat, der die Edel-Audio-

books damals wie heute voranbrachte: »Erfolgreiche Produkte müssen eine Dachmarke haben, um über diesen roten Faden ihren Weg in den Markt zu finden. Und sie müssen sich mit dem Markt weiterentwickeln.« Es waren in der Rückschau besonders diese Jahre vor der Jahrtausendwende, in denen sich Edel vom erfolgreichen Musik- zum breit aufgestellten Mediendienstleister mauserte. Dazu gehört auch die Übernahme des Junior-Katalogs von EM.TV, mit der im Januar 1998 der Einstieg in den damaligen VHS-Markt und obendrein noch der Wechsel zur DVD gelang. Mit den Filmrechten u. a. an »Pippi Langstrumpf« und »Michel aus Lönneberga« sowie den Zeichentrickumsetzungen von »Heidi« und der »Biene Maja« wurde der Unternehmensbereich Edel:Kids endgültig Kult im Kinderzimmer. Über einen weiteren Meilenstein – die Geschichte von TV-Loonland und Pettersson und Findus lesen Sie bitte die Details direkt im Kapitel über die Edel:Kids.

Potenzial Marken-Feeling Mit neuen Ideen und großen Namen aus Rock, Pop und Entertainment immer hart am Markt, ist Edel Germany auch im operativen Geschäft weitgehend unabhängig von großen Top-Künstlern. Dennoch trugen und tragen diese ganz maßgeblich zur Umsatzentwicklung bei. Besonders seit Ende der 90er-Jahre mit dem Vertriebspartner Eagle Rock die Auswertung und Vermarktung von Livekonzerten auf DVD forciert in Angriff genommen werden konnte: Bee Gees, Doors, Tina Turner, Prince,

Edel-Chef Michael Haentjes (rechts) mit Phil Collins.

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»für temporeiche Überraschungen wird es auch in den nächsten 25 Jahren nicht an Stars und Themen fehlen.«

Auf Platz 1: Stefan Raabs Maschen-Draht-Zaun.

Joe Cocker, Queen und, und, und ... Eine JahrhundertIdee, die im Jubiläumsjahr 2011 nunmehr mit der neuen KulturSPIEGEL-Edition »Live in Montreux« frisch auf die Rampe geht. Geplant sind 44 Konzert-Highlights auf DVD, von Quincy Jones über Gary Moore und Santana bis zu Roger Cicero und zum Edel-Signing Status Quo. Eine erstklassige Ergänzung zu den aktuellen Vertriebshighlights, die neben Clubsound-Compilation-Serien wie »Big City Beats« und »Kontor’s Top Of The Clubs« alles beinhaltet, was in der populären Musikszene international auf der Überholspur unterwegs war, ist und sein wird: von den Atzen über Duran Duran und Simply Red bis zur aktuellen »Best of Gregorian«-CD oder zu Scooters neuem Album im Jubiläumsjahr 2011. Dazu Musik-DVDs von den Rolling Stones und Phil Collins sowie »Kommissarin Lund«- und »Inspector Barnaby«-Krimis und schließlich hard und heavy die neuesten Soundattacken von Blackfield oder Leaves Eyes. Last, not least: Edel:Kultur mit Produkten aus Klassik, Jazz und World Music sowie ausgewählten Hörbüchern von Partnern wie Argon, Diogenes, dem Hörverlag oder Random House Audio. Nicht nur mit der Brigitte-Edition und anderen Publikationen

von Gruner & Jahr konnte Edel eine bis dahin nicht da gewesene mediale Präsenz für das Hörbuch realisieren. Weitere Erfolgs-Beispiele sind u. a. die 16 CDs mit der ungekürzten Lesung von Christopher Paolinis »Eragon«Fantasy-Trilogie, deren vierter Teil im Herbst 2011 in den Handel kommt, oder Tommy Jauds aktuelles »Hummeldumm«-Hörbuch. Zu den aktuellen Klassik-Highlights von Edel:Kultur gehören natürlich die neue Choredition im 10er-Schuber des eigenen Berlin Classics-Labels oder die Gesamtedition der Schostakowitsch-Streichquartette des Partners audite. Und im Jazz schließlich gehört neben Viktoria Tolstoy sicher Nils Landgren zu den großen Stars im umfangreichen Edel-Portfolio. Sein ACT-Album »Funky Abba« ist eine aufregende Hommage an die schwedischen Weltstars, an deren Hit »Voulez-Vsous« er als Posaunist mitgewirkt hat. Ob Klassik oder Funk und Jazz, ob »Peanuts«, Scooter oder Wallander-Krimis: Die 25-jährige Erfolgsgeschichte von Edel:Distribution stellt eindrucksvoll unter Beweis, wie sich eigene und Partner-Produkte optimal auswerten und am Markt positionieren lassen, wenn die Chemie zwischen Marken und Handel stimmt. Die Innovationspotenziale sind noch lange nicht ausgeschöpft, und für temporeiche Überraschungen wird es auch in den nächsten 25 Jahren nicht an Stars und Themen fehlen. Besonders freut sich Stefan Kleist über das aktuelle Label-Roster: »Zu vielen unserer Label-Partner besteht über die Jahre ein freundschaftliches und inniges Verhältnis, was eine schöne Basis für den Erfolg ausmacht. Wir teilen hier die Philosophie, dass akribische Vorbereitung, Visionen und Ziele stets gute Erfolgsratgeber sind.« 


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Gute Krimis, gelesen von starken Stimmen.

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Mit Heidi begann der Erfolg der Edel:Kids.


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Von frechen Mädchen und sprechenden Katern Was Edel:Kids-Produkte bei Kindern beliebt und im Markt so erfolgreich macht.

Text: Miriam Holzapfel-Groothuis

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m Anfang war Heidi. Ho-la-dio, ho-la-dio. Andrea zum Felde lacht: »Ich bin wirklich ein ganz großer Heidi-Fan!« Als Kind verpasste sie keine Folge der japanischen Zeichentrickreihe um das Waisenmädchen von der Alp. Mit seinem Großvater Almöhi und dem Geißenpeter verbringt es glückliche und unbeschwerte Kindertage auf einer Alm in den Bergen. Das Titellied der Serie, gesungen von Gitti und Erika, ist ein ewiger Hit auf Grundschulhöfen und auch kaum ein Kind, das die Serie kennt, hat sich nicht schon einmal am Jodler versucht. Und mit Heidi begann auch der Erfolg des Labels Edel:Kids, das Andrea zum Felde von Anfang an begleitet. Seit dem Jahre 2000 ist sie General Manager der Abteilung, die im Januar 1999 gegründet worden war. Heidi war zu dieser Zeit ein kleiner Baustein im großen Rahmenvertrag mit EM.TV, in dem auch andere Klassiker wie »Die Biene Maja« und »Pippi Langstrumpf« enthalten waren – Themen, die Kinder mögen und Erwachsene lieben, weil sie nicht wegzudenken sind aus der Erinnerung an Kinderfernsehen in den 70er- und 80erJahren, als die Eltern von heute selber Kinder waren und bei »Heidi« noch nicht an »Klum« dachten, sondern an Schweizer Berge und grüne Wiesen im Sonnenschein. Im Rückblick also kaum überraschend, dass über die Zusammenarbeit mit EM.TV und dem Verkauf dieser zeitlosen TV-Lieblinge, damals noch auf Videokassetten, die neue Abteilung rasch Fahrt aufnahm.

Heidi, Heidi, deine Welt sind die Berge. Die Welt von Andrea zum Felde sind die Lizenzen. Zumindest beruflich. »Das ist einfach mein Ding«, antwortet sie auf die Frage nach ihrem Alltagsgeschäft. Mehrmals im Jahr fährt sie auf Lizenzmessen und Branchentreffen und hält dort die Nase in den Wind; viele Veranstaltungen finden mittlerweile innerhalb Deutschlands statt, wichtige Events sind außerdem in Cannes und in Las Vegas. Für die Tonträger- und DVD-Industrie ist Edel:Kids zudem Mitglied im Arbeitskreis ERFA, »das ist der Arbeitskreis Erfahrungsaustausch, der Name ist schon sehr old school, aber wir arbeiten eben lieber an unserem Geschäft, als uns um einen neuen Namen zu kümmern«, erklärt sie und lacht wieder. Man kennt sich auf diesen Branchentreffen untereinander, oft schon über Jahre. Eine gute Zusammenarbeit sei das, obwohl man sich natürlich nicht nur als Kollegen, sondern auch als Wettbewerber in einem hart umkämpften Markt verstehe. Auch der zweite große Partner aus den Anfangstagen von Edel:Kids lässt Kinderherzen höher schlagen und auch Erwachsene schwärmen: Disney. Zu den Kinofilmen wurden für den europäischen Markt Hörspiele produziert und Soundtracks veröffentlicht. Um möglichst eng und reibungslos zusammenarbeiten zu können, gab es sogar ein Disney-Büro im Hause Edel. Allerdings ersparten kurze Abstimmungswege nicht immer lange Debatten: Das richtige Disney-Rot zu treffen war zum Beispiel alles andere als ein Kinderspiel. So fuhr Andrea

mit Heidi begann auch der Erfolg des KinderLabels.

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zum Felde schließlich zum Andruck selbst nach Röbel, um sicherzustellen, dass der Farbton auch genau stimmt. Über die Zusammenarbeit mit EM.TV kamen neben den großen Klassikern und Publikumserfolgen auch neue Themen ins Haus. Nicht alle wurden ein Erfolg. An das Maskottchen zur EXPO 2000 in Hannover zum Beispiel wird sich kaum noch jemand erinnern: »Twipsy«, eine im weitesten Sinne tropfenförmige Gestalt mit riesiger himmelblauer Nase, Hauptfigur der gleichnamigen Serie auf KI.KA – ein Vollflop, über den sich der freundliche Mantel des Vergessens gelegt hat.

Gold für das Duo Die Lollipops, hier: Ronja und Joana.

Apropos Flop: Es gab auch eine Zeit vor Heidi im Kinderbereich bei Edel und die begann, jawohl, mit einem großen Misserfolg. Zunächst jedenfalls – und das ist einigen Mitarbeitern im Haus durchaus noch in Erinnerung. Mitte der Neunzigerjahre erwarb man die Rechte an der japanischen Manga-Serie »Sailor Moon«, die im ZDF einmal pro Woche ausgestrahlt und kaum wahrgenommen wurde. Die Geschichten um ein Schulmädchen, das als Kriegerin für Liebe und Gerechtigkeit kämpft, fanden in Deutschland wider Erwarten kein Publikum, die Verträge verschwanden in der Schublade. Erst als die Serie ab 1997 täglich auf RTL 2 gesendet wurde, entwickelte sie sich zu einem echten Renner mit einer großen AnimeFangemeinde. Die Rechte daran kamen aus der Schublade zurück auf den Schreibtisch, Videos und Hörspiele wurden produziert. Mit dem Rückenwind des Verkaufserfolges wurde außerdem 1998 das Bandprojekt Super Moonies ins Leben gerufen, das der Serie neue Titellieder gab und vier Alben veröffentlichte. Bei der »Stilllegung« der Band im Jahr 2000 waren über eine Million Tonträger verkauft. Plötzlich war das Timing einfach richtig gewesen und es konnte sich doch als Geschäft entwickeln, was als Flop begann. Heidi, Heidi, denn dort oben bist du zu Haus. Es hat nicht immer alles funktioniert, einige gute Ideen haben sich nicht wie erhofft entwickelt, auch nicht auf längere Sicht.

Dennoch – oder deshalb – hat Edel:Kids seinen Platz gefunden: »Hörspiele, DVDs, Musik und Künstlerbetreuung, das können wir«, sagt Andrea zum Felde. Eine feste Zusammenarbeit gibt es mit führenden US-amerikanischen Produktionsfirmen wie beispielsweise Dreamworks, die hinter den »Madagascar«-Filmen oder auch »Kung Fu Panda« stehen. Zu jedem dieser Animationsfilme, der in die Kinos kommt, wird im Haus mit den Originalstimmen ein Hörspiel gemacht – und gut verkauft. Ein deutsches Phänomen übrigens: In anderen europäischen Ländern und auch in den USA sind Hörspiele kaum bekannt, bei uns sind sie überaus beliebt. Die meisten, die mit Kindern zusammenleben, kennen das Bild, wenn der Nachwuchs sich stundenlang mit gespitzten Ohren vor dem CD-Player oder dem Kassettenrekorder lümmelt und schon nach dem zweiten oder dritten Mal Hören ganze Dialoge mitsprechen kann. Zunehmend werden Hörspiele mit Markenlizenzen bei Edel:Kids aber selbst produziert, zu Themen, die aus den meisten Kinderzimmern nicht mehr wegzudenken sind: mit »Polly Pocket« von Mattel, der blonden Sammelpuppe mit dem Pferdeschwanz und auch mit »Barbie«. Und natürlich gibt es dabei auch Modezauber und Glitzerfeen und insgesamt sehr viel Rosa – wer aber glaubt, dass sich mit Glamour und schönen Klamotten die »Barbie«-Welt schon erschöpft hat, der wird überrascht sein: Pünktlich zur Frauenfußball-WM in Deutschland präsentiert Mattel zwei Puppen, die nach dem Vorbild von Trainerin Silvia Neid und der Rekordspielerin Birgit Prinz entworfen wurden. Parallel dazu wurde mit Originalstimmen der Managerin Doris Fitschen sowie Alexandra Popp, Ariane Hingst und vier weiteren Spielerinnen aus der Nationalmannschaft in Zusammenarbeit mit dem DFB und dem Spielzeughersteller die Hörspielfolge »Barbie als Fußballstar« entwickelt. Dunkle Tannen, grüne Wiesen im Sonnenschein. Und zu den alten Klassikern gesellten sich neue Lieblinge – »Der kleine Eisbär« nach den Büchern von Hans de Beer, »Lauras Stern« aus der Feder von Klaus Baumgart und natür-


Edel:kids

Stehen Kopf fĂźr UnterhaltungsspaĂ&#x;: Pettersson und Findus.

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Unzertrennlich: Yakari und sein Pferd ÂťKleiner DonnerÂŤ.


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lich »Pettersson und Findus«, die über die Zusammenarbeit mit TV Loonland ins Haus kamen. Nicht von der Alp, sondern aus Schweden kommen die Helden aus der Feder des Schriftstellers Sven Nordqvist: Der alte Pettersson und sein sprechender Kater Findus, die mit einem Haufen affektierter, sprechender Hühner und den frechen kleinen Mucklas zwischen Wald und Wiese leben. Vielleicht ist es die Nähe zur Pippi-Langstrumpf-Welt, in der es immer entweder ewiger schwedischer Sommer oder wildromantische, schneebedeckte Weihnachten zu sein scheint, vielleicht ist es das Quentchen Anarchie und Verrücktheit, das in den beiden Hauptfiguren steckt: Pettersson und Findus werden geliebt. Zu den Kinderbüchern wurde in Schweden daher bald eine Zeichentrickserie produziert, später auch Kinofilme. Neben den Hörspielen und den DVDs produziert Edel:Kids Liederalben zu Themen aus dem fiktiven Alltag der beiden Helden – Reisefieberlieder zum Beispiel oder Winterzauberlieder. Und mit der Übernahme der unbefristeten Auswertungsrechte der Marke aus der mittlerweile insolventen TV Loonland AG ziehen Pettersson und Findus nun komplett unter das Dach von Edel:Kids. Haben bislang noch diese Rechte gefehlt, um aus den Figuren das zu machen, was in ihnen angelegt ist, so können nun gemeinsam mit anderen Lizenznehmern ganze Welten zu diesem Thema geschaffen werden. Ein Glücksfall für Edel:Kids – und für alle, die den kleinen Kater und den wunderlichen Alten mitsamt ihren Geschichten, den Liedern und dem ewigen schwedischen Sommer gerne mögen. Und überhaupt, die Liederalben. Die gibt es natürlich nach wie vor auch von echten, lebenden Künstlern und das ist auf eine ganz andere Art spannend als das Geschäft mit den Lizenzen. Fingerspitzengefühl erfordert beides. »Vielleicht ist es sogar noch etwas spannender«, überlegt Andrea zum Felde, »denn du kannst ja nun mal leider nicht Pettersson interviewen.« Die Lollipops aber schon. Mit dem Mädchenduo wurde im Jahr 2000 das erste Album mit poppigen Kinderliedern aufgenommen,

mehrmals wurde das Duo nachbesetzt und über die Jahre zu Deutschlands erfolgreichster Kinderband. Im Frühling 2011 gibt es nun die erste Pause, in der über die Zukunft dieses Bandprinzips nachgedacht wird. Wer aber die Webseite der Mädchenband besucht, kann im Gästebuch lesen, wie sehr die beiden jetzt schon vermisst werden. Geradezu verschwenderisch im Umgang mit Vokalen machen die jugendlichen Fans ihrer Begeisterung Luft: »Ich mag euch sooooooo gerne!« steht da und »Ich würde am liebsten noch viiiiiiiiiiiel mehr von euch hören«. Heidi, Heidi, brauchst du zum Glücklichsein. So reizvoll das Geschäft mit Kino-Themen auch ist: Der Wettbewerb ist hart und die Liebe der Kinder zu den Hauptfiguren der Filme vergänglich. Der Gedanke, langfristige Themen aufzubauen und nachhaltig auszuwerten, liegt also nahe angesichts der guten Entwicklung der Lollipops oder der stabilen Beliebtheit von Pettersson und Findus. Und so gesellte sich zu Edel:Kids ein weiterer Naturbursche: »Yakari«, der in den Weiten der Prärie zu Hause ist. Noch ehe die Serie um den kleinen Indianerjungen an einen Fernsehsender verkauft war, wurden die Rechte daran auf der Messe in Cannes eingekauft und erwiesen sich als Volltreffer. Vermutlich ist darin einfach alles enthalten, was Kinder gerne sehen: Abenteuer, Freundschaft, Tiere – und andere Kinder. Und das ist letztlich der wichtigste Maßstab für die Arbeit mit den bunten Truppen der Kinderunterhaltung: Es muss den Kindern Spaß machen, das weiß auch Andrea zum Felde: »Was wir machen, muss sich am Ende des Tages natürlich rechnen. Wenn man aber sieht, wie Kinder sich mit den Themen, die wir machen, identifizieren, wenn du siehst, wie glücklich sie das macht, dann denkst du: Kann man es noch großartiger treffen?!« Wir werden sicher noch viel von Yakari und den anderen Kinderzimmerhelden hören. Am Anfang war Heidi. Ein Ende ist nicht in Sicht. 

Pettersson und findus, das heldenpaar der edel:kids.

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Schaut immer ernst und sorgt f端r Spannung: Kommissarin Lund.


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Von Spannung und Entspannung Wie man bei Edel:Motion Krimi- und Fitness-DVDs zu Goldstücken macht.

Text: Kl aus Burgmair

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del:Motion verantwortet in der Edel-Gruppe die Vermarktung von Spielfilmen, TV-Content und Special Interest auf DVD, Blu-ray und im digitalen Download. 2005 gegründet, hat sich Edel:Motion längst nicht nur am Markt etabliert, sondern immer wieder ein goldenes Händchen bei der Auswahl der Themen bewiesen. Anspruchsvolle TV-Serien und Fitness sind die aktuellen programmlichen Schwerpunkte der Edel:Motion. Im Jahr 2005 verzeichnete der DVD-Markt nach Jahren des Wachstums erstmalig einen leichten Umsatzrückgang und die Goldgräberzeiten schienen langsam vorbei. Exakt zu diesem Zeitpunkt entschied sich die Edel AG zur Etablierung eines Standbeins im DVD-Bereich. Klingt nach einem ungewöhnlichen Schritt, der bei genauerer Betrachtung jedoch sehr leicht nachzuvollziehen ist: In der Vergangenheit wurden bereits erfolgreich Musiklizenzen auf DVD bei der Tochter Eagle Rock und Kinderthemen auf DVD bei Edel:Kids vermarktet und ausgewertet. Mit der Gründung der Edel:Motion erweiterte der Konzern sein Angebot um Dokumentationen, TV-Inhalte und Special Interest. Denn gerade bei diesen drei Bereichen war der Markt noch lange nicht an der Spitze angelangt und wies weiter steile Wachstumsraten auf. Oliver Hagedorn wurde zum Director Edel:Motion ernannt und mit dem Aufbau des DVD-Labels betreut. Der Name sollte Programm sein: Emotionen wecken und sich gleichzeitig Spielraum in alle Richtungen offen lassen.

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Macht seit Jahrzehnten gute Laune: Otto Waalkes.


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Das erste halbe Jahr bestand primär im Aufbau von Netzwerken und Kontakten sowie der Akquisition von Lizenzen. Und von Anfang an zeigte Edel:Motion eine gute Hand bei der Auswahl der Themen. Eines der ersten großen Projekte war im Herbst 2005 Fatih Akins »Crossing the Bridge – The Sound of Istanbul«. Edel:Motion wollte die Veröffentlichung gebührend feiern und veranstaltete am 16. November 2005 in Hamburg eine große Releaseparty mit Regisseur Fatih Akin. Der Haken an der Geschichte: Am selben Abend fand das entscheidende Qualifikationsspiel der Türkei gegen die Schweiz statt, bei der die türkische Mannschaft die Teilnahme an der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland vergeigte. »Nicht nur für Fatih ein harter Schlag. Den wenigsten war nach Feiern zumute. Aber irgendwie hat die positive Stimmung des Films dann doch alle verzaubert, Fatih legte bis in die frühen Morgenstunden auf und wir feierten gemeinsam eine tolle Party trotz der ungewöhnlichen Umstände«, erinnert sich Oliver Hagedorn. Sich nicht von äußeren Schwierigkeiten abschrecken zu lassen umreißt auch gut das Credo der Edel:Motion. »Bianca – Wege zum Glück« war zuvor die allererste Veröffentlichung der Edel:Motion gewesen. »Eine Telenovela als DVD-Veröffentlichung? Hier mussten wir viele Skeptiker überzeugen, aber der Erfolg hat uns ganz schnell recht gegeben«, erzählt Oliver Hagedorn. Und auch ein anderes Lizenzthema erwies sich als Griff in die Goldkiste: »Inspector Lynley«, die Verfilmung der erfolgreichen Buchreihe von Elizabeth George über den adligen Ermittler von Scotland Yard und seine Partnerin Barbara Havers. Die 24 Folgen wurden über einen Zeitraum von drei Jahren in sechs Viererboxen veröffentlicht und verzeichneten hervorragende Absatzzahlen: Über 80.000 DVD-Boxen wurden seitdem verkauft. Gestärkt durch den Erfolg wurde der TV-Krimi zum wichtigsten Standbein für Edel:Motion. Und auch der Ausstrahlungszeit-

punkt im ZDF am Sonntag um 22:00 Uhr wurde zum wichtigsten Fundus für Edel:Motion. »Der Adler«, »Kommissarin Lund« und »Inspector Barnaby« sind erfolgreiche Beispiele, die im Laufe der Zeit hinzukamen. Inspector Barnaby verkaufte seitdem über 250.000 Boxen – ein Ende ist nicht in Sicht. Skandinavien-Krimis und British Crime sind die Schwerpunkte im TV-Bereich geworden. »Gerade diese Produktionen sind qualitativ sehr hochwertig. Und wir haben einen sehr hohen Qualitätsanspruch! Wir arbeiten mit unserem Partner ZDF Enterprises Hand in Hand und können sofort auf die deutsche Sprachfassung zugreifen«, sagt Hagedorn. Unbestritten: Die TV-Ausstrahlung ist der Erfolgsgarant für eine folgende DVDVeröffentlichung und die ideale Plattform für die Platzierung von Marketing- und Werbeaktionen im Umfeld. »Und Krimis funktionieren nicht nur als Bücher hervorragend, sondern sind auch im Fernsehen eines der beliebtesten Genres«, ergänzt Hagedorn. Goldstatus hat Edel:Motion jedoch nicht nur mit einigen TV-Serien erreicht, sondern auch mit durchaus ungewöhnlichen Projekten. Allen voran die Buch-DVD »Tim Mälzer – Der Küchenbulle«. Stolze 130.000 Buch-DVDs wanderten über die Ladentheke. »Tim Mälzer hatte in Hamburg gegenüber unserer Firma sein Restaurant und wir haben ihn selbst kochen sehen. Bereits zuvor hatten wir bei Edel seine Vox-Kochsendung auf DVD veröffentlicht. Irgendwann entstand die Idee einer eigens produzierten Koch-DVD, die nie im TV gelaufen ist«, erklärt Hagedorn. In Eigenregie wurde eine DVD mit Rezepten und Einkaufstipps produziert, eine zweite DVD war ein Zusammenschnitt seiner damaligen Kochtour. Vorgestellt wurde das Projekt erstmalig auf der Frankfurter Buchmesse. Tim Mälzer führte dort eines seiner eigenen Rezepte persönlich vor. Der Haken: Statt gefrorener Himbeeren waren nur frische aufzutreiben. »Tim war wenig begeistert, weil er das Rezept nicht nach sei-

Tim Mälzers »Küchenbulle« – Erfolg im innovativen Format.

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»Congratulations to Edel on their 25th Jubilee; I thought I had served a long time as Inspector Barnaby – but 25 years I truly a really a great achievement. I also have to thank Edel for three lots of another 25 – I have 3 gold discs each noting 25.000 sales of the Barnaby DVD, the last I received when I was in Munich with them recently on a delightful trip I shall never forget.« John Nettles

nen Vorstellungen umsetzen konnte. Und ließ uns das deutlich spüren: Beim Kochvorgang loderte eine riesige Stichflamme auf und ich habe schon die Sprinkleranlage losgehen sehen. »›Mälzer fackelt Buchmesse ab oder setzt Buchmesse unter Wasser‹ wäre nicht ganz die gewünschte Publicity gewesen«, erzählt Oliver Hagedorn lachend. So feierte »Der Küchenbulle« jedoch im sonst für DVD so schwierigen Buchhandel einen gigantischen Erfolg und war dort wochenlang auf Platz eins der DVDCharts. Oliver Hagedorn: »Daraufhin haben uns alle Fernseh- und Hobbyköche Deutschlands ihre eigenen Kochaufnahmen zugeschickt.« Aber mit einer Ausnahme verabschiedete sich Edel:Motion aus der Küche. »Wir wollten das Thema nicht überstrapazieren und haben von weiteren KochVeröffentlichungen abgesehen«, so die Erklärung von Hagedorn. Die Ausnahme hatte es aber auch noch einmal in sich: »Die Küchenkerle 1 & 2« erreichten Goldstatus. »Hier standen mit dem ARD-Buffet und dem ›Burda‹-Magazin zwei starke Partner hinter dem Programm und der Erfolg war so gut wie garantiert«, ergänzt Hagedorn. Gerade im Bereich Special Interest unternahm Edel:Motion weitere Versuche, so lief beispielsweise »Popstars« in Zusammenarbeit mit der Merchandising Media sehr erfolgreich. Goldene Zeiten sollten mit der »Bild am Sonntag«-Fitness-Reihe eingeläutet werden. Hier wurden weitere Folgen einer bereits im Markt befindlichen Reihe veröffentlicht. »Es ist immer schwierig, eine Serie nicht von Anfang an und komplett zu vermarkten. Deshalb waren die Absätze in Ordnung, aber auch nicht überragend.« Fitness wurde erst einmal hinten angestellt und kam erst 2011 wieder zu einem Comeback – und zwar einem gewaltigen! Edel:Motion sicherte sich die Rechte von 15 US-Produktionen mit Topnamen als Testimonials und Fitnesstrainer: Mel B., IT-Girl Kim Kardashian, Denise Austin oder Tracy Anderson. »USProduktionen zeichnen sich durch einen hohen Qualitätsanspruch aus. Das liegt auch daran, dass man in den USA ganz schnell auf viele Millionen Schadenersatz ver-

klagt werden kann, wenn eine Übung zu Verletzungen führt. Und natürlich testet meine Kollegin Connie Wesche alle Programme persönlich und intensiv zu Hause«, erzählt Oliver Hagedorn schmunzelnd. Doch gerade bei Mel B. kam es zu einer unvorhergesehenen Anekdote: »Das ehemalige Spice Girl kam zur Promotour nach Berlin und erwies sich als nicht ganz einfach. Rund um die Pressekonferenz war ein gewaltiger Wirbel und heftiges Blitzlichtgewitter. Mel B. weigerte sich standhaft, irgendeine Fitnessübung vorzumachen oder wenigstens ihren Waschbrettbauch zu zeigen. Fünf Tage später stellte sich dann heraus, dass Mel B. schwanger war und Fitnessübungen nicht so richtig angebracht gewesen wären.« Im Schnitt veröffentlicht Edel:Motion ca. 50 bis 60 Titel pro Jahr und kann insgesamt auf ca. 300 Veröffentlichungen zurückgreifen. Das Team besteht heute aus fünf Mitarbeitern und kümmert sich neben dem Lizenzeinkauf primär um die Vermarktung. Der Vertrieb erfolgt über Edel:Distribution, digital über Kontor New Media. Bluray DVD spielt noch eine untergeordnete Rolle, aber Edel:Motion hat schon das eine oder andere in diesem Format veröffentlicht. Auch in Zukunft wird Edel:Motion auf das bewährte Erfolgsrezept der Vergangenheit zurückgreifen. »Wir haben uns nicht mit großem finanziellem Risiko und Investment in den Markt gekauft, sondern immer wirtschaftlich vernünftig agiert. Primär steht für uns gesundes und organisches Wachstum im Vordergrund. Daran wird sich auch künftig nichts ändern«, erläutert Hagedorn. Spannung und Entspannung bleibt auch künftig die Devise der Programmauswahl. Was nicht heißt, dass Edel:Motion nicht neue Wege geht. So ist beispielsweise künftig die DVD-Vermarktung von deutschen Kinofilmen geplant. Vor allem konzentriert sich aber Edel:Motion weiter auf seine Stärken und bereits bewiesene Kompetenzen – und will damit ein goldenes Zeitalter einläuten.


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Abgehoben: Fitness-Gรถttin Tracy Anderson.

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earbooks – Da steckt musik drin! Max Dax über eine neue Dimension der Unterhaltung.

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Bürgermeister zu Gast: Ole von Beust bei Edel.

as Telefon hatte wie jeden Tag geklingelt. Am anderen Ende der Leitung: Peter Cadera, ein langjähriger Freund und das, was man gemeinhin einen »Go-Between« nennt – ein Makler von Ideen, Kontakten, Projekten. Ob ich nicht einen Fotografen kennen würde, der sich von einem Moloch wie der Millionenstadt Neapel nicht einschüchtern lässt, fragte Peter. Es gebe eine neue Buchreihe bei Edel, ebenjener Schallplattenfirma, für die er fleißig Kontakte knüpfte. Sie trug den Titel earBOOKS, und, nomen est omen, jedes in dieser Reihe erscheinende Buch sollte hochwertige, spannende Fotografie mit thematisch abgestimmter Musik vereinen. Um die CDs im Buch zu präsentieren, habe man eigens eine neue Storage-Lösung entwickelt. Kurz: Diese earBOOKS waren endlich mal eine richtig in die Zukunft weisende Idee für den Musik- und Buchmarkt. Ich ließ mir die bisher erschienenen Bände zuschicken – und war vom Konzept beeindruckt. Zu den Bildern etwa von Robert Polidoris frühem earBOOKS-Klassiker »Moods of La Habana« gab es vier CDs mit original kubanischer Musik direkt aus den Clubs und live von den karibischen Straßen Havannas. Andere Titel der Reihe widmeten sich anderen Städten – Venedig, New York, Paris etc. –, weltberühmten Kult-Automarken, Musikstilen wie Jazz oder Soul und Ikonen wie Maria Callas. Und dann sagte ich zu – ich wollte selbst fotografieren. Und so reisten Peter Cadera und ich dann im Sommer 2003 nach Neapel, um dort vor Ort binnen vier Monaten einzutauchen in das hektische Leben der süditalienischen Millionenstadt. Auf endlosen Spaziergängen durch die Forcella, durch Mergellina, die Sanità, Montesanto,


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Die fr端hen Jahre des King in Bild und Ton.

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Jazz, Klassik, Sylt, Porsche: Gute Sounds!


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Bei den earbooks wird nach der Einheit von Musik und Bild gestrebt.

Posillipo und die Altstadt erlebten wir Chaos und Ruhe, fantastisches Essen, mitunter auch gefährliche Situationen, dramatische Sonnenuntergänge. Entstanden ist auf diese Weise ein Fotoband, der die Würde der Armut ebenso porträtiert wie den barocken Glanz des kulturellen Erbes Neapels, in dem der tosende Straßenverkehr ebenso festgehalten ist wie die Marktstände auf dem Fischmarkt und die Schaufensterauslagen der Geschäfte. Während ich fotografierte, klärte Peter Cadera vor Ort die Musikrechte für die weltberühmten Canzoni Napoletani – von Enrico Caruso über Totò bis hin zu Rento Carosone. Jedes earBOOK, das habe ich in den vier Monaten in Neapel gelernt, zeigt nicht nur Bilder und Musik, sondern steht auch für eine in Wirklichkeit erlebte Geschichte. Im Laufe der vergangenen sieben Jahre entstanden neue Unterkapitel der earBOOKS, und Reihen entwickelten sich weiter. Dass die Geschichte in vielen fotografischen Erzählsträngen parallel weitererzählt wird, ist einer Redaktion zu verdanken, die im Grunde wie eine Magazinredaktion arbeitet, aber Bücher produziert. Dieser Redaktion steht Jos Bendinelli Negrone vor, der die earBOOKS-Reihe mit jedem Jahr, das ins Land geht, ständig weiter verfeinert. »Nicht jedes Thema eignet sich«, erklärt Jos Bendinelli Negrone. »Wir haben oft genug fantastische Fotos – aber keinen Musikbezug. Oder wir haben wunderbare Musik, aber leider keine geeigneten Fotos. Merkmal eines jeden earBOOKS ist, dass wir nach der Einheit von Musik und Bild streben, dass wir Themen suchen, die das Format zu bedienen wissen.« Das, freilich, ist oft auch eine Geduldaufgabe. Nicht wenige earBOOKS dauern in der Produktion über ein Jahr – das ist der Preis dafür, dass viele der Bücher zeitaufwendig inhäusig produziert werden.

Besonders stolz ist Negrone auf drei jüngere earBOOKS, weil in ihnen auf der musikalischen Ebene neue Wege eingeschlagen wurden. »Eines meiner Lieblingsbücher ist der kürzlich erschienene Bildband über Sylt. Das ist in meinen Augen ein sehr gelungenes Buch, weil hier alle Elemente, die ein earBOOK ausmachen, harmonieren – der Fotograf Hans Jessel kennt die Insel mit ihren urwüchsigen Dünen und grünen Deichen, mit ihrer rauen Brandung im Westen und dem ruhigen Watt im Osten wie kein Zweiter. Seine Fotos fangen die berauschende Schönheit Sylts ein. Aber dann ist da noch diese andere Ebene der Musik. Die dem Buch beiliegenden drei CDs verbinden die fotografischen Impressionen mit den passenden Sounds: eine CD mit 30 »Sounds« von der Insel, vom Geräusch des Meeres über das Glockenläuten der Kirche, das Möwengeschrei, dem sich nähernden Zug auf dem Hindenburgdamm bis hin zum Töpfe­ klappern aus der Küche des Söl’ring Hofs. Die anderen beiden CDs basieren ebenfalls auf diesen Field Recordings. Der mehrfach mit Platin ausgezeichnete Chilloutund Lounge-Music-Produzent Big Twice hat die Sounds der Insel mit eigener Musik kombiniert. Man kann sagen: So ein Porträt hat diese Insel noch nie bekommen.« Die zweite Neuerscheinung ist der aufwendig bebilderte Fotoband »Jazz Icons« mit ebenso kenntnisreichen wie unterhaltsamen Texten des Jazz-Experten Peter Bölke. »Jazz Icons« besticht nicht zuletzt durch die Beilage von acht hervorragenden Audio-CDs: Louis Armstrong, John Coltrane, Miles Davis, Dizzy Gillespie, Coleman Hawkins, Sony Rollins, Billie Holiday und Dave Brubeck sind jeweils mit einer CD vertreten – die Auswahl der Titel ist anspruchsvoll und zugleich moody. Negrone: »Als Jazzfan komme ich ins Schwärmen, wenn ich ›Jazz Icons‹ durchblättere. Jeder Künstler ist in Text und Bild mit einem Kapitel vertreten, und die Musik ist einfach wunderbar.« Illustriert ist der Band mit histori-

Chris Reas earBOOK »Blue Guitars«: Über 100.000-mal verkauft.

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Fatih Akin präsentiert »Crossing The Bridge – The Sound Of Istanbul«.

schen Fotografien aus 100 Jahren Jazzgeschichte, in atemberaubender Qualität. Schließlich ist das »Porsche Sounds«-earBOOK zu erwähnen. Neben fantastischer Auto- und Racing-Fotografie erfährt der Leser die Geschichte des Unternehmens und der einzelnen Modelle, von denen die wichtigsten großzügig auf Doppelseiten abgebildet sind. Der Clou ist jedoch eine der drei beiliegenden CDs. Negrone: »Wir hören für jeweils eine halbe Minute den Motorsound von insgesamt 30 klassischen Sport- und Rennwagen aus dem Hause Porsche. Vom kräftigen Klang des 911 Turbo bis hin zum Röhren des 1959 Paris Dakar. Porschefahrer bekommen Tränen in den Augen, wenn sie diese heiligen Klänge hören.« Die beiden anderen CDs versammeln eine wohlabgewogene Auswahl an thematisch passenden Rock-Songs und klassischer Musik von Mozart bis Eric Satie. Im Laufe der Jahre kamen in der Reihe earBOOKS insgesamt 130 Bücher zusammen. Negrone: »Das Konzept der Reihe ist so einfach wie genial und wurde – wen wundert’s – in der Folge oft kopiert. Bei Edel arbeitet die earBOOKS-Redaktion daher beständig an neuen Ideen, um dem Kerngedanken neue Aspekte und Facetten abzugewinnen. So haben wir einerseits mit international renommierten Künstlern wie The Police oder Chris Rea opulente Werkschauen mit jeweils mehreren CDs produ-

ziert. Und andererseits zeigen erfolgreiche Experimente wie das Sylt- oder das Porsche-Buch, dass man sich positiv abheben kann, wenn man Musik oder Sounds selbst generiert.« Und klar ist auch: Bei Weitem ist das Kapitel earBOOKS noch nicht abgeschlossen. Im Bereich Hörbücher, aber auch im Sinne weitergedachter, selbstproduzierter Ambient-Aufnahmen eröffnen sich Welten, was neue Themen, Sub-Reihen und Serien im Rahmen der earBOOKS-Familie anbetrifft. Als Peter Cadera und ich vor sieben Jahren das erste druckfrische Exemplar von »Napoli – La Città e la Musica« in den Händen hielten, stand die Reihe noch am Anfang. Wir waren aber schon damals beeindruckt von der Offenheit und dem Willen zum Experiment, der bei Edel gepflegt wurde, kurz: von der Welt der Möglichkeiten, die sich hinter dem einfachen und einprägsamen Etikett »earBOOKS« verbirgt. Nicht zuletzt leisten die earBOOKS eine Art von Arbeit gegen das Vergessen. Viele der fotografierten Läden und Restaurants in Neapel (und das Gleiche trifft auf den Nachfolgeband »Palermo – La Musica e la Città« zu) gibt es heute nicht mehr. Sie fielen Stadtentwicklung und Gentrifizierung zum Opfer, viele der wunderschönen Märkte und Häuserfassaden verschwanden oder wurden renoviert. Im Einklang mit den sentimental-melancholischen Liedern Neapels aber bleiben sie uns für immer in Erinnerung. 


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Von oben gesehen: Der Porsche 356 – Nr. 1 – aus dem Jahr 1948.

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Skin von Skunk Anansie.


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Rock ’n’ Roll will never die earMUSIC – auf dem Weg zum international bekannten Rock-Pop-Label.

Text: Willi Andresen

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usik geht ins Ohr. Manchmal schlichtweg durchs Ohr hindurch. Gute Musik bleibt im Ohr. Musik fürs Ohr, also womöglich ear music, könnte man diesen guten und bleibenden Ton nennen. Seit 2009 ist gute Musik fürs Ohr zugleich Name und Programm einer Abteilung der Edel AG: earMUSIC. »earMUSIC soll langfristig als das internationale Rock-Pop-Label schlechthin wahrgenommen werden. Dieses Ziel ist zugegebenermaßen ambitioniert« – mit dieser Einschätzung kommentierte Michael Haentjes, CEO der Edel AG, vor zwei Jahren den Start des neu­ gegründeten Labels des Hamburger Musikunternehmens. Zugleich ein Start in eine neue Ära. Das auf internationale Rock- und Pop-Musik ausgerichtete Label stellte die langjährigen A&R-Aktivitäten der Edel AG auf eine neue Ebene und unterstrich die zukünftige Ausrichtung der musikalischen Ambitionen. Die Gründung des zunächst kleinen, aber im Laufe der vergangenen Jahre erfolgreich expandierten Labels ist als konsequente Weiterführung der langjährigen musikalischen Strategie der Edel AG einzuordnen. Mit neuen Künstlern und neuen Ideen stellt sich das Unternehmen den veränderten Rahmenbedingungen und Anforderungen des internationalen Musikgeschäftes. Die einst bewährten, aber längst ausgetretenen Marketingpfade sind nur noch Erinnerungen an gute alte Zeiten. Unter den aktuellen Bedingungen der Musikwirtschaft sind diese nicht mehr begehbar. Vertrieb und Verkauf von Musik müssen heute nach veränderten und der

Jetzt bei Edel: Duran Duran.

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»Das Label wird von Leuten gemacht, die alle die gleiche Begeisterung für Musik teilen.«

Cool: Kool & The Gang.

Zeit angemessenen Konditionen erfolgen. Alte und ehemals selbstgängerische Erfolgsrezepte sind nicht mehr umsetzbar. Als größtes unabhängiges Tonträgerunternehmen ist die Edel AG gut aufgestellt für die zeitgemäßen Anforderungen und kann seine jahrelangen Erfahrungen im nationalen und internationalen Musikbusiness zukunftsweisend ausspielen. So bietet das Portfolio des Unternehmens mit Firmenhauptsitz am Hamburger Elbufer seinen Partnern und Künstlern weitreichende und ausgiebige Möglichkeiten. Dazu gehört zum Beispiel innovatives Cross-Marketing oder die Vermarktung von Tonträgern über die firmeneigene Abteilung earBOOKS. Hier lassen sich musikalische Themen in großformatigen Bildbänden mit angepassten Sounds und Songs auf beiliegenden CDs aufbereiten. earBOOKS war 2003 der erste Schritt der Edel AG in eine neue Musikbusinesswelt, earMUSIC folgte 2009 als der zweite und folgerichtige Schritt in diese Richtung. »Das Label wird von Leuten gemacht und geleitet, die alle die gleiche Begeisterung für Musik teilen wie ihre Konsumenten«, unterstreicht Max Vaccaro, seit 2009 als Director earMUSIC im Unternehmen tätig. Bereits 1997

hatte sich der in Rüsselsheim geborene Italiener der Edel AG als Junior Product Manager für edel Italy in Mailand angeschlossen. 2007 übernahm er in Hamburg die Position als Head of A&R and International Exploitation. Ein Jahr später wurde er zum Director Marketing and A&R für internationale Acts mit der Verantwortung für den nationalen Markt und die internationale Auswertung berufen. Heute arbeitet Vaccaro zusammen mit Anja Obersteller, Head of International earMUSIC, und einem Team von sieben Mitarbeitern an der künstlerischen und ökonomischen Expansion von earMUSIC und kann bereits auf beachtliche Erfolgszahlen in den vergangenen zwei Jahren verweisen. Edelmetall gehört längst zum Ambiente der kleinen, aber feinen Edel-Division. So wurde Ende 2010 das Gregorian-Album »Christmas Chants & Visions« für mehr als 100.000 verkaufte Einheiten mit einem Gold-Award ausgezeichnet. Insgesamt liegen die Umsatzzahlen für alle elf Gregorian-Alben bei mehr als fünf Millionen weltweit verkauften Tonträgern. »Michael Haentjes hat mir beim Aufbau des Labels alle Freiheiten gelassen«, erinnert sich Max Vaccaro an die Anfangstage von earMUSIC. Zunächst fehlte ein Name für den neuen Geschäftsbereich, doch der Titel earMUSIC verfestigte sich schnell aus einer spontanen Eingebung zu einem treffenden Markentypus. Vaccaro konnte bei der Entwicklung und Positionierung von earMUSIC auf seine langjährigen Erfahrungen im internationalen Musikbusiness zurückgreifen. Von 1988 bis 1993 war er als Bandmusiker und Sessionplayer in der italienischen Musikszene aktiv. Ab 1993 leitete er als stellvertretender Herausgeber das italienische Rockmagazin »Psycho!«. 1997 dann der Eintritt als Produktmanager bei edel Italy. »Max Vaccaro hat sich in seiner bisherigen Tätigkeit eine hervorragende Reputation aufgebaut«, äußerte 2007


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Chris Rea, Meister des Blues.

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Status Quo im Studio.


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das aktuelle Produkt ist von gröSSerer Bedeutung als die endlose Liste der alten Hits und Hymnen.

Can’t Slow Down: Foreigner.

bereits Paolo Franchini, damaliger Präsident von edel Italy. Franchini verwies auf Vaccaros bewährte Zusammenarbeit mit Topkünstlern wie Duran Duran, Alice Cooper, Simple Minds, Deep Purple, Jimmy Page, Megadeth, The Pretenders, Lisa Stansfield, Katie Melua, Morrissey, The Rasmus und Kool & The Gang. Hinzu kommen seine erfolgreichen Kooperationen mit internationalen Labels wie Sanctuary Records, Eagle Records, Hollywood Records, Noise Records, Tommy Boy, Castle, Roadrunner und SPV. Ein hochwertiges Netzwerk, das sich äußerst fördernd auf die Projekte und Aktionen für den ausgewählten Künstlerstamm von earMUSIC auswirken sollte. Schon die Namen der ersten Künstler und Bands, die zum Teil als ältere Edel-Signings zu earMUSIC wechselten oder neu unter Vertrag genommen wurden, lesen sich wie ein »Who’s Who« der internationalen Musikszene: Deep Purple, Status Quo, Nazareth, Stratovarius, Chris Rea und Gregorian. Ein Ziel der A&R-Arbeit stand immer deutlich im Fokus: Vorrangig neue Werke von

etablierten Künstlern zu veröffentlichen, aber auch neue Stars der internationalen Musikszene zu verpflichten. Nun mag hier umgehend die kritische Anmerkung aufbrausen, dass earMUSIC wohl kaum mehr als ein Altersheim für verdiente, aber vertragslose Oldies darstellt. Beileibe nein! Natürlich fokussiert sich earMUSIC mit seinem Katalog auf Künstler mit großer Vergangenheit, dennoch ist das aktuelle Produkt von größerer Bedeutung als die endlose Liste der alten Hits und Hymnen. Alle Signings der letzten Jahre bestätigen das in sie gesetzte Vertrauen mit hervorragenden neuen Produktionen. Aktuelles Beispiel: Duran Duran. Die Kultband der 80er-Jahre, die weltweit mehr als 80 Mio. Alben verkaufte und wie keine andere Gruppe eine unvergleichliche Synthese aus Popmusik, Kunst und Mode kreierte, feierte im März 2011 ihr Comeback nach vierjähriger Pause mit dem Album »All You Need Is Now«. Produzent der exzellenten Studioarbeit ist kein Geringerer als Mark Ronson, der sich mit Arbeiten für Amy Winehouse, Adele und

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Michael Haentjes, backstage mit Kevin Costner.

Lily Allen sowie als Discjockey einen weltweiten Ruf geschaffen hat. Auch bei der Präsentation ihres neuen Albums gingen Duran Duran völlig neue Wege. Der amerikanische Filmregisseur David Lynch (»Blue Velvet«, »Wild At Heart«, »Twin Peaks«) übernahm die Regie für ein Konzert, das die britische Band in Originalbesetzung im März im Mayan Theatre in Los Angeles gab. Die Fans konnten das Ereignis nur wenige Stunden zeitversetzt auf YouTube verfolgen. »Wir mögen besonders, wie David über Sachen denkt und an sie herangeht«, erzählte Keyboarder Nick Rhodes Billboard.com. »Er hat eine Nase dafür, wie man Dinge anders macht. Während wir mit ihm über seine Pläne für die Show sprachen, realisierten wir, dass dieses Live-Stream-Konzert ganz anders als alles bisher Dagewesene wird.« Weitere Neuheiten dieser Tage kommen von Status Quo, Ken Hensley, Saga, Nazareth und Savatage. earMUSIC unterwirft sich keiner stilistischen Begrenztheit, sondern ist offen für vielfältige Stile und Nischen der Musikwelt. Heavy Metal von Gamma Ray und Kamelot steht hier neben dem Hardrock der schwedischen Erfolgsband Europe, die mittelalterlichen Gesänge der Erfolgsgruppe Gregorian zählen ebenso zum Katalog wie der Prog-Rock der britischen Gruppe Marillion und Chris Reas breite Stilpalette aus Pop, Rock und Blues. Weitere Indizien und renommierte Vertreter für das qualitativ breite Spektrum von earMUSIC sind Foreigner, Skunk Anansie, The Jeff Healey Band, Chrissie Hyndes Projekt JP, Chrissie & The Fairground Boys, der Hollywood-Schauspieler und Sänger Kevin Costner mit seiner Band Modern West, das Soloprojekt Lostboy! von Simple-Minds-Chef Jim Kerr und der US-Sänger Christopher Cross, der mit »Doctor Faith« erstmals ein neues Album mit ausschließlich neuem Material

nach zwölfjähriger (!) Pause veröffentlichte. Cross gewann in den 80er-Jahren fünf Grammys und einen Oscar für seinen Superhit »Ride Like the Wind« und die Filmhymne »Arthur’s Theme (Best That You Can Do)«. Anfang 2009 veröffentlichte Ian Gillan, bekannt als charismatischer Frontmann und Sänger von Deep Purple, mit »One Eye to Morocco« sein erstes Studioalbum nach zehn Jahren. Das war übrigens die erste earMUSIC-Veröffentlichung überhaupt. Nicht vergessen wollen wir die amerikanische Gruppe Chickenfoot, die sich aus den Ex-Van-Halen-Mitgliedern Sammy Hagar und Michael Anthony sowie Gitarrist Joe Satriani und Drummer Chad Smith von den Red Hot Chili Peppers formierte. Eine Supergroup im besten Sinne des Wortes. Mit ihrem Debütalbum unterstrichen die vier US-Stars, dass sich musikalische Identität trotz individueller Erfolgsstorys spielend leicht umsetzen lässt. Im November 2009 wurden Chickenfoot in London bei den Classic Rock Awards als »beste neue Band 2009« gefeiert. An etablierten Stars mangelt es earMUSIC wahrlich nicht. Erfreulich ist jedoch, dass es Max Vaccaro und seinem Team gelungen ist, alle neu unter Vertrag genommenen »alten« Künstler zu einem Neuanfang zu bewegen. earMUSIC verwaltet nicht verstaubte und verbrauchte Riffs und Töne, alle bisherigen Veröffentlichungen der Edel-Division lassen die Motivation und die Begeisterung der Musiker für diese »zweite« Chance durchklingen. Die kleine Division der Edel AG hat in kurzer Zeit bewiesen, dass das Geschäft mit Musik noch Zukunft hat. Man muss nur wissen, wie und mit welchen neuen Ideen dieses Geschäft ausgeführt wird. earMUSIC ist heute ein Markenzeichen für gute Qualität. earMUSIC ist der gute Ton fürs Ohr. earMUSIC bleibt im Ohr.


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I was having a little go at Max Vaccaro ... ... no big deal, in fact I apologised for being pedantic ... BUT! WhoCares was number one in the Amazon UK singles chart, but Whocares was shown as the name attached, oops, hmmmmmm.

Sänger, nicht nur bei Deep Purple: Ian Gillan.

When you get the name in upper case the problem disappears, WHOCARES ... see? But when you type it conventionally you have to know what you’re doing and they had it wrong it’s WhoCares not Whocares. Max wrote back with words to the effect ... I will see to it immediately that the name Whocares is corrected (Que?), such a shame they got it wrong. I do understand the difficulty though, because our name is also a problem. You will often see earMUSIC written as Earmusic or eArMuSiC or other such misrepresentations, but what can you do. At the London launch of this project I had done exactly that when signing a picture for my beloved record company. Touché Max, respect. It is rare to find a company with such focus, what with most labels scrabbling in the muck of our age, but you all know what you are doing – apart from Max of course – Ha! I’d also like to express my appreciation for your creative approach to solving a personal problem for me when I found myself committed to three separate projects for you. I was full-on with my singles program, when the WhoCares thing came up and then – dah dah!!!!! – Can it be true, what’s that I hear on the jungle drums? What I hear is probably well after you because – really – I am the last to discover anything when it comes to Deep Purple ... well maybe Roger Glover hears things a bit later ... but ... did I say Deep Purple? The elusive pimpernel? Could it be that an album is rising? Well, maybe. We have had a week in Spain and it was quite productive. I expect the sessions to continue with results later in the year ... BUT!!!! Where was I? Ah yes ... I fell unable to stretch my energies to three contiguous efforts and you relieved me of my immediate responsibilities regarding the solo stuff. I really appreciate the friendly and professional way you dealt with this and will deliver you a killer album when I get back on track. Many congratulations for your 25th Anniversary. Thank you all, IAN GILLAN

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Ohne Bücher wäre das Leben nur halb so bunt. Die Edel-Verlage und ihre Programmvielfalt – von Koch- und Musikbüchern bis hin zum hochwertigen Bildband.

Text: Elke Serwe

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Das Druck- & MedienCenter von optimal media.

ngefangen hat alles mit Christian Rach. Lange hatte sich der Sternekoch geweigert, ein Buch zu schreiben (»Nein, ich will nicht, ich brauche das nicht für mein Ego!«), doch für Edel machte er dann doch eine Ausnahme. Aus guter Nachbarschaft sozusagen, sein Restaurant »Tafelhaus« befindet sich in der Hamburger Konzernzentrale. »Das Kochgesetzbuch« heißt Rachs Debüt, das im Herbst 2008 herauskommt und das erste Programm von Edel:Books anführt. Das Buchsegment ist das jüngste Kind der AG: Eine Verlagsgruppe in großem Stil soll es einmal werden, das schwächelnde Musikgeschäft kompensieren und, wie es etwas prosaisch in der Presse steht, zu einem »substanziellen Standbein« ausgebaut werden. Bislang klappt alles nach Plan: Rachs pfiffige Kochanleitung ist bis heute einer der bestverkauften Titel im Sortiment, und auch sonst entwickelt sich die Sparte vielversprechend. Edel und Bücher – das passt offenbar. »Die Zeichen stehen ganz klar auf Expansion«, sagt Verlagsleiter Stefan Weikert. Ganz neu im Buchgeschäft war Edel 2008 allerdings nicht. »Wir waren ja immer viel mehr als eine reine Musikfirma«, sagt Weikert. Da gab es beispielsweise mal den »Ideal Verlag«, der Fanbücher herausbrachte. Howard Carpendale, Falco, Die Ärzte, Thomas Anders, Backstreet Boys – in dem Hamburger Imprint waren die wichtigsten Popgrößen vertreten. Ende der 90er-Jahre wurde die Reihe eingestellt, doch schon ein

paar Jahre später ging Edel mit den earBOOKS an den Markt. Der Impuls kam von Konzernchef Michael Haentjes. »Er verkauft gern Musik«, sagt Weikert, »aber seine große Leidenschaft sind Bücher.« Und weil schon damals das Geschäft mit der Musik immer schwieriger wurde, suchte Haentjes nach neuen Ideen. Die Kombination aus Bildern, Text und themenbezogenen CDs brauchte allerdings eine Weile, um sich durchzusetzen, denn dem Handel waren die LP-formatigen Gesamtpakete zunächst suspekt. Zu groß, hieß es in den Plattenläden, die damals bereits ums Überleben kämpften. Die Buchhändler erwiesen sich als flexibler, sie räumten ohnehin gerade den boomenden Hörbüchern neuen Platz ein. Der Einstieg ins Buchgeschäft war mit den earBOOKS getan, 2008 legt Edel dann richtig nach: Das firmeneigene Fertigungswerk optimal in Röbel wird für fast 20 Millionen Euro um ein Druck- und Mediencenter erweitert, der Konzern übernimmt die Verlage Moewig und Rockbuch und bringt sein erstes eigenes Buchprogramm heraus. Bei den Kollegen an der Müritz ist jetzt alles machbar: vom preiswerten Taschenbuch bis zu hochaufwendigen Foto- und Kunstbüchern. Für die neue Buchsparte zeichnet seit 2007 Stefan Weikert verantwortlich, der seit 1993 bei Edel arbeitet. Das neue Standbein des Konzerns bedeutet eine gewaltige Umstellung, denn mit einem Schlag gibt es nun Dutzende von Titeln: Zu den Moewig-Klassikern wie Perry Rhodan, Selbst ist der Mann und Gesundheitsfibeln gesellen sich Eigenentwicklungen wie die


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Sternekoch und Restauranttester Christian Rach.

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»Bei edel:books ist alles denkbar, was in die Klammer ›Kunst, Kultur, Entertainment‹ passt.«

Geschichte des Minirocks, eine Hommage an das Fernseh-Sandmännchen oder Musikbücher über Led Zeppelin und Franz Ferdinand. »Das Leben ist bunt« heißt diese Vielfalt fortan kurz und bündig bei Edel. Das Moewig-Portfolio hat man inzwischen gehörig verjüngt. Erfolgreichste Neuentdeckung ist die Reihe »So geht das!« mit originell illustrierten Anleitungsbüchern, von der schon weit über 100.000 Exemplare verkauft wurden. Rätsel, Abreißkalender und Heimwerkerbücher gibt es dagegen nicht mehr. »Das sind überholte Formate, die für uns weder wirtschaftlich noch inhaltlich interessant sind«, sagt Weikert, der sich allerdings weiterhin sehr am Erfolg der Dauerbrenner-Reihen »Kochen & Genießen« und Perry Rhodan erfreut. Der Science-Fiction-Oldie ist seit 1961 im Weltraum unterwegs, genauso lange gibt es bei Moewig schon die kultigen Silberbände mit 3-D-Cover. Jedes Jahr erscheinen vier neue Bände, und Ende September feiern die Perry-Rhodan-Fans das 50ste Jubiläum mit einem Weltkongress in Mannheim. Die Leserschaft wird älter, doch bislang lohnt noch jeder silberne Schmöker eine Auflage von 20.000 Stück. Die komplette Serie von inzwischen fast 120 PerryAbenteuern steht in der Konzernzentrale hinter Milchglas, in einem zwei Mann hohen Bücherschrank bei den Aufzügen. Hier werden Exemplare von jedem Titel aufbewahrt, der jemals bei Edel erschienen ist. Die Sammlung sieht bereits ziemlich imposant aus, und wenn es nach Stefan Weikert geht, muss bald ein zusätzlicher Schrank angeschafft werden. 30 bis 40 neue Titel pro Jahr sind geplant. »Wir sind immer auf der Suche nach Trends«, sagt der Verlagsleiter. »Opportunistisch im posi-


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Die St채rke der Edel-B체cher: Programmvielfalt.

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»Boss« Bruce Springsteen begeistert.


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tiven Sinne zu sein«, das sei seit 25 Jahren die Devise von Edel, und das gelte jetzt auch für die Bücher. Denkbar ist eigentlich alles, wenn es nur irgendwie in die Klammer »Kunst, Kultur, Entertainment« passt. Dazu gehören auch die vielen Bücher über Musik und Popkultur. Mit der Übernahme des kleinen, aber nicht nur in Fachkreisen sehr geschätzten Rockbuch-Verlages wurde ein Grundstock an Titeln geschaffen, der schnell durch weitere Lizenzierungen und Originalausgaben erweitert wurde. Hierbei haben natürlich das Edel-Netzwerk und die guten Beziehungen zur Musikbranche geholfen. Vor allem Biografien und Autobiografien von Musikern und Bands wie Slash, Green Day, Robbie Williams, Pink Floyd und Bruce Springsteen sind bei den Lesern überaus erfolgreich. Mit Rockbuch verfügte Edel auch über ein Belletristik-Programm, das noch kurze Zeit fortgeführt, dann aber eingestellt wurde. »Belletristik machen wir inzwischen gar nicht mehr«, sagt Weikert. »Wir wollen uns auf illustrierte Bücher konzentrieren, bei denen es immer auch um besondere Gestaltung und Ausstattung geht.« Das muss allerdings nicht für alle Zeit gelten. Weikert: »Wenn wir den absoluten Bestseller auf den Tisch bekämen, würden wir sicher nicht Nein sagen.« Wahrscheinlich passt in Sachen Programm ohnehin am besten die Parole von Konzernchef Michael Haentjes: »Wir machen die Bücher, die wir mögen.« Im April vergangenen Jahres gab es bereits weiteren Zuwachs bei Edel, die AG erwarb 75 Prozent des Münchner Zabert Sandmann Verlages. »ZS ist Marktführer bei den ›Autoren-Kochbüchern‹ und hat aktuell mit Alfons

michael haentjes: »Wir machen die bücher, die wir mögen.«

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In edlen Foto-Bildb채nden: Die Welt des Balletts.


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Vier Verlage gehören bereits zum edel-Konzern – und es dürfen gern noch mehr werden.

Schuhbecks und Cornelia Polettos Büchern gleich die beiden bestverkauften Produkte dieses Segments im Regal«, freute sich Michael Haentjes, der den Koch- und Sachbuchbereich weiter ausbauen will. Die Hausmarke Edel (den Zusatz »Edition« spart man sich inzwischen) setzt dagegen verstärkt auf die Bereiche Kultur, Politik und Lifestyle. Fortgesetzt wird etwa die erfolgreiche Kooperation mit der ZEIT, die im Herbst 2010 mit der Edition »Historische Kriminalromane« und einem Museumsführer gestartet wurde. Seit diesem Frühjahr läuft die neue Reihe »Große Debatten«, im ersten Band beleuchten ZEIT-Redakteure die »Sarrazin-Debatte«, das Buch geht bereits in die dritte Auflage. »Weitere ZEITSachbücher über aktuelle politische Themen sind in Vorbereitung«, sagt Weikert. »Dieser Sektor war bis dahin noch nicht in unserem Portfolio. Aber wir wollen uns ja ständig weiterentwickeln und immer wieder neue Bereiche erschließen.« So wie 2009 bei »Zurück ins Leben«, den Bekenntnissen des Ex-Nationalspielers Sebastian Deisler. Nie zuvor hatte ein Spitzensportler derart offen über seine Depressionen gesprochen, und es war überhaupt nicht abzusehen, wie Fans und Fußballwelt derlei »unmännliche« Schwäche aufnehmen würden. Doch die Reaktionen waren durchweg positiv, das Buch wurde ein Riesenerfolg. Und war nicht die letzte gebrochene Biografie, mit der sich Edel auf den Markt wagte: In »Alles wird gut«, das im Herbst 2010 erschien, geht es um die HIV-Infektion der No Angels-Sängerin Nadja Benaissa. Der nächste Autor steht bereits fest: Noch in diesem Jahr wird bei Edel:Vita ein ehemaliger Elitesoldat der Bundeswehr zu Wort kommen. Und zwar nicht zum Alltag in Afghanistan, sondern über das Tabuthema Kriegstraumatisierung.

Vier Verlage gehören bis jetzt zum Konzern, und es dürfen gern noch mehr werden. »Zabert Sandmann war mit Sicherheit nicht der letzte Verlag, an dem wir uns beteiligen«, sagt Michael Haentjes. 50 Millionen Euro Umsatz im Buchgeschäft hatte der Konzernchef einmal in der Branchenpresse avisiert. »Dafür brauchen wir noch mehr Volumen, daran arbeiten wir kontinuierlich.« Die aktuellen Verkaufszahlen geben der Aufbruchsstimmung bei Edel recht. Laut Börsenverein rechnen die Buchhändler in diesem Jahr mit mindestens stabilen Umsätzen. Vor allem Sachbücher laufen gut, ihr Umsatz stieg 2010 um mehr als 14 Prozent. Kochbücher sind nach wie vor die großen Gewinner. Dass sich auch die Buchbranche durch Internet und E-Books im Umbruch befindet, darum ist die Edel-Führung nicht bange. Weikert: »Der Musikmarkt ist in den vergangenen zehn Jahren um 50 Prozent eingebrochen, den stationären Musikhandel gibt es quasi nicht mehr. Dagegen herrschen auf dem Buchmarkt noch geradezu paradiesische Zustände.« E-Books werden im Hause mit höchster Aufmerksamkeit verfolgt und sollen zum weiteren wichtigen strategischen Standbein (da ist es wieder!) aufgebaut werden. »Bislang ist der elektronische Markt für die meist aufwendig gestalteten Edel-Titel noch kein großes Thema«, sagt Weikert. Hier können die Hamburger viel aus den Erfahrungen im inzwischen weitgehend digitalisierten Musikgeschäft lernen. »Natürlich sind E-Books ein wichtiger Zukunftsmarkt. Wir werden auf jeden Fall dabei sein. Aber erst einmal wollen wir mit gedruckten Büchern Geld verdienen. Das geht unserer Meinung nach am besten, wenn Programm, Gestaltung, Druck und Auslieferung aus einer Hand kommen. Und genau da wollen wir langfristig hin.«

Prego:, das zentrale Kommunikations­ mittel der Edel-Gruppe, informiert zwei Mal jährlich über Neuigkeiten aus dem Buchbereich – und gewinnt auf Anhieb verschiedene Auszeichnungen. Im Bild: die siebte Ausgabe aus dem Jubiläumsjahr.

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Vom erfolg, den man wollen muss. Jens Thele schaut zurück: auf 15 Jahre Dance mit Kontor Records.

Text: Dietmar Schwenger

D kontor zählt zu den Marktführern im Dance-Segment.

er Begriff »Schnelldreher« ist in der Dance-Szene ein gern verwendeter Begriff für Veröffentlichungen, die wie aus dem Nichts auftauchen, es bis nach ganz oben schaffen und dann genauso schnell wieder verschwinden. Auch auf Label-Ebene gab und gibt es in der Elektronikszene so manche Schnelldreher – heute ganz oben, morgen vergessen. Die 1996 gegründete Firma Kontor Records – mit international erfolgreichen Künstlern wie Scooter oder ATB – gehört nicht zu dieser Sorte. Kontor arbeitete sich schnell aus der Masse der kleinen Dance-Labels empor, zählt heute zu den Marktführern in ihrem Segment und hat, wie Gründer und Geschäftsführer Jens Thele erklärt, »vom ersten Tag an profitabel gearbeitet«. Die Geschichte von Kontor ist zwar eng mit der Karriere von Thele verbunden, doch der am 20. Dezember 1967 geborene Hanseat ist viel zu sehr Teamplayer, um diese Erfolgsbilanz für sich allein zu reklamieren: Markus Gardeweg, A&R-Manager bei Kontor und selbst ein umtriebiger DJ, sowie Jan Schwede, Kontors Marketing-Experte, schreiben seit der Stunde null die Erfolgsgeschichte der Firma mit. Thele arbeitete nach seiner Ausbildung zum Großund Außenhandelskaufmann als Filialleiter des Schallplattenladens Tractor in Hamburg, als er im Frühjahr

Laut und gut und weltbekannt: Scooter.


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ATB, AndrĂŠ Oliver Tanneberger, DJ und Produzent.


1992 auf eine Anzeige in einem Stadtmagazin antwortete, in der »Musikinteressierte für den Vertrieb« gesucht wurden. Er bekam den Job beim Edel-Vertrieb der Firma, der damals noch »ideal« hieß, und fand sich ab dem 1. April 1992 in einem »völlig unspektakulären Großraumbüro« wieder, wie er heute erzählt. Als Telesales Manager oder – wie er hanseatisch direkt formuliert – als Telefonverkäufer hatte er einen festen Kundenstamm, dem er dann die Neuheiten aus dem Hause Edel näherbringen sollte. »Ich habe dort von der Pike auf alles gelernt und eine Schallplattenfirma von innen kennengelernt.« Schon früh merkte er: »Bei Edel war immer schon Druck auf dem Kessel, wir mussten von bestimmten Produkten bestimmte Stückzahlen erreichen. Das hat mich geprägt.« Ums Geldverdienen ging es Thele damals weniger. »Mein Gehalt fiel anfangs recht bescheiden aus, als DJ habe ich zu der Zeit wesentlich mehr verdient. Aber mir war es wichtig, einen Einstieg in die Plattenbranche zu finden.« Und diese Branche war damals im Umbruch. Das Segment Dance war just dabei, sich von einem reinen Underground-Thema zu Mainstream-Millionensellern zu entwickeln. Und Edel wie auch Thele waren von Anfang an dabei. Hier baute er das Dance-Label Club Tools auf – basierend auf einer gleichnamigen Radiosendung, die Thele damals mit dem DJ Boris Dlugosch betrieb. Damals stieß auch Brian Carter nach dem Ende seiner Firma BCM zu Edel – für Thele ein weiterer wichtiger Einfluss auf seinem Weg zum späteren Kontor-Manager. »Für mich war es fantastisch, von einem alten Hasen zu lernen, wie man die Dinge im Dance-Bereich richtig angeht. So habe ich mir von ihm abgeschaut, dass man die Leute in der Branche begeistern – und besonders die Leute im Vertrieb und das Team motivieren muss, damit gemeinsam an einem Thema gearbeitet

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Dance – vom UndergroundThema zum MainstreamMillionenseller.

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Michael Haentjes freut sich 1996 mit Scooter über Gold.

wird. Es geht doch darum, einen Gemeinschaftswillen zu erzeugen. Nur dann wird auch ein Gemeinschaftserfolg daraus.« Auf diese Weise lernte Thele Führungsqualitäten. Doch schließlich spielte auch jenes Quentchen Glück, Zufall oder gar Schicksal eine Rolle, das in keiner großen Erfolgsgeschichte fehlen darf. Denn eines Tages wurde Thele ein Kollege namens Hans-Peter Geerdes ins Büro gesetzt, der nach einer gescheiterten Musikerkarriere dank einer Empfehlung eines Freundes von Michael Haentjes zu Edel gekommen war. Zunächst wusste Thele nicht, was er von dem geschminkten Typ mit den weiß­gefärbten Haaren halten sollte. Doch bald stellte sich heraus, dass sie viele gemeinsame Interessen hatten. »Ich war DJ, er war ein richtiger Raver, der durch halb Deutschland fuhr – immer auf der Suche nach dem nächsten Rave«, erinnert sich Thele. Und aus dem Raver wurde H.P. Baxxter, Frontmann von Scooter. Dabei hieß das Remixteam, das Thele und Baxxter damals bildeten, anfangs noch The Loop. Als man jedoch einmal die Rechte an dem niederländischen Track »Vallée De Larmes« für Edel nicht bekam, entschlossen sich die beiden, kurzerhand eine Coverversion davon aufzunehmen. »Weil wir den, wie wir glaubten, guten Namen The Loop dafür nicht in Misskredit bringen wollten, haben wir uns Scooter genannt. Denn als wir uns den fertigen Track anhörten, dachten wir: Das klingt doch nach Jahrmarkt!« Auch logistisch war die Arbeit am Scooter-Projekt alles andere als einfach. Sie steht aber auch für die EdelPhilosophie, dass man den »Erfolg wollen muss«, erläutert Thele. So fuhr er damals mit Baxxter nach Büroschluss die knapp zwei Stunden nach Hannover, wo das Studio von H.P und seinem Partner Rick J. Jordan stand.

»Dort haben wir bis tief in die Nacht gearbeitet, um dann am nächsten Morgen wieder ins Büro zurückzufahren.« Mit einem Schmunzeln erinnert sich Thele auch daran, dass er zusammen mit Baxxter als Telesales Manager Händler angerufen habe, damit sie bei der Charts-Erhebung doch auch an jene Scooter-Single denken sollten. »Wir haben auf diese Weise unsere eigene Platte verkauft und dann hinterher sogar noch Tipper-Anrufe für die Charts getätigt«, gesteht er. Just als der Erfolg mit Scooter mit der zweiten Single, einem Stück, das auf den hübschen Namen »Hyper Hyper« hörte, Fahrt aufnahm, endete zumindest für den fest angestellten Edel-Mitarbeiter Thele das erste Kapitel seiner Edel-Historie. Er nahm 1995 ein »nicht ausschlagbares« Angebot an, Chef der Dance-Abteilung Urban bei Universal Music zu werden. »Der Wechsel zum Major war für mich der Wechsel in eine ganz andere Welt«, sagt Thele heute. »Mir kam das damals etwas behäbiger vor, es wurde mit ganz anderen Strukturen gearbeitet. Vor allem im Vertrieb waren die Unterschiede enorm. Wenn man bei Edel ein heißes Thema hatte, konnte man durch das eigene Edel-Presswerk einen Track sehr schnell in den Handel bringen.« So berichtet er von Fällen wie etwa Stefan Raabs Single »Böörti Böörti Vogts«, bei der an einem Montag der Vertrag unterschrieben wurde und die dann am Freitag in den Läden stand. Trotz seines Wechsels zu Urban war er – und darauf legt Thele Wert – in den 19 Jahren seit seinem Firmeneintritt bei Edel dem Unternehmen kontinuierlich verbunden. Denn Thele, der sich erst auf dem Weg zu einem ersten Fotoshooting von Scooter entschied, nicht aufs Bild zu gehen und lieber die Rolle des unsichtbaren vierten Bandmitglieds und Managers einzunehmen, stand mit Scooter bei Edel unter Vertrag – auch während seiner Major-Jahre bis 1996. In diesem Jahr erfolgte dann die Gründung von Kontor Records, benannt nach dem Club Kontor, den Thele zu dieser Zeit in der Hansestadt betrieb. Gleich mit der


Allein von Scooter: bisher mehr als 30 Millionen Einheiten verk auft.

ersten Kontor-Single, »Drop The Gun« von D.O.N.S., verbuchte die junge Firma einen Achtungserfolg. Auch wenn der Track nur eine Woche auf Platz 100 der Charts verharrte, folgten bald größere Hits. Später holte Thele Scooter zu Kontor, wo mit Blank & Jones bereits ein weiterer deutscher Dance-Act auf den Sprung zur internationalen Karriere wartete. Zudem nahm der Kontor-Chef einen jungen Produzenten aus Bochum, André Tanneberger alias ATB, unter Vertrag. Dessen Single, »9 PM (Till I Come)«, wurde weltweit ein Hit. Das Stück ist unter den seitdem erfolgten rund 1000 Kontor-Veröffentlichungen die bislang erfolgreichste: Es belegte Platz eins in den UK-Charts und verkaufte allein in Großbritannien mehr als 600.000 Einheiten. Insgesamt, schätzt Thele, hat Kontor bis heute eine »größere zweistellige Millionenzahl« bei den Tonträgerabsätzen erreicht. Allein von Scooter gingen mittlerweile mehr als 30 Millionen Einheiten über die Ladentheken. Unvergessen der Coup, als Scooter 2008 Madonna vom Spitzenplatz in den britischen Album-Charts verdrängten. Die Formation entwickelte sich zu einem internationalen Act, der von Amerika bis Asien für ausverkaufte Hallen sorgt. Scooter hatten auch Anteil an einem besonderen Moment der Erfolgsgeschichte von Kontor, als das Label im Sommer 2002 mit der Scooter-Single »Nessaja« Platz eins in Deutschland belegte, während gleichzeitig die beiden Kontor-Künstler Jan Wayne und Mad’House auf Rang zwei und fünf standen. Edel spielte einen wichtigen Part in dieser Erfolgsgeschichte, gibt Thele gern zu. »Ich habe im Vertrieb bei Edel unendlich viel gelernt, gerade die ersten Jahre waren für mich sehr aufregend. So habe ich unter anderem erfahren, dass man auch T-Shirts und Kalender vermarkten kann. Ich bin sehr froh und dankbar, dass ich so einen Einstieg bekommen habe. Die Erfahrungen von damals helfen mir auch heute noch.« Dabei habe man Kontor nie als eine Abteilung im Edel-Konzern gesehen,

Kontor records: Ein starkes Team um Jens Thele (vorn).

betont er. »Wir haben uns immer als die Gallier im großen Cäsar-Reich gefühlt, weil wir halt ein bisschen anders sind. Und es ist auch für einen Konzern wie Edel erfrischend, wenn Typen wie wir einmal mit völlig anderen Denkansätzen daherkommen.« Kontor nutzt zwar den Vertrieb und auch die Buchhaltung sowie Controlling von Edel, agiert ansonsten aber völlig autonom. Edel hält 50 Prozent und exakt einen Anteil an Kontor – eine Regelung aus den Zeiten des Aktienhypes. Denn ein börsennotiertes Unternehmen, das an einer Firma einen Anteil von besagten 50 Prozent und einer Aktie besitzt, kann den Umsatz dieser Firma mit in das Konzernergebnis fließen lassen. In all den Jahren hätten sich auch andere Plattenfirmen für Scooter und Kontor interessiert, aber Haentjes habe von Anfang an zu 100 Prozent hinter Kontor gestanden, sagt der Kontor-Chef. Haentjes habe bereits bei der Gründung von Kontor das größte Ver-

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trauen in Kontor gesetzt – während der damalige Universal-Verantwortliche Tim Renner sich nicht sicher gewesen sei, verrät Thele, der sich Haentjes nicht nur deswegen verbunden fühle. Dabei habe er Michael Haentjes in der ersten Zeit nur über den Flur huschen gesehen, holt Thele aus. »Inzwischen ist daraus mehr als eine rein geschäftliche Beziehung geworden. Wir treffen uns ab und an zum Essen und reden dann auch über ganz andere Dinge. Nur weil er nicht auf jede Party rennt, haben manche – darunter auch ich – zunächst angenommen, dass er einer dieser Musikmanager ist, bei denen einem schon nach ein paar Minuten der Gesprächsstoff ausgeht. Doch wenn man enger Kontakt zu ihm bekommt, lernt man einen völlig anderen Menschen kennen. Michael ist ein unterhaltsamer und lustiger Mensch mit einer Riesenerfahrung, der immer einen guten Tipp auf Lager hat.« Auch schätzt Thele Haentjes’ Leistungen als Branchenpionier. »Beeindruckend fand ich, wie er mithilfe der TV-Werbung Produkte wie die Kelly Family oder die ›Eis am Stiel‹-Soundtracks zu Hunderttausenden verkaufte. Diese Methoden wurden dann später – auch von heutigen Firmen wie Starwatch – perfektioniert, aber Haentjes war der Erfinder von alldem«, lobt Thele, der heute unter dem EdelDach »die größtmöglichen Freiräume« genießt. »Wir können hier schalten und walten, wie wir wollen, nutzen das aber niemals aus. Und das weiß Michael auch.« Die Veränderungen bei Edel in den vergangenen Jahren, mit einem stärkeren Fokus auf das Buchgeschäft und andere Märkte, hätten Theles Firma indes nicht tangiert; weil »Kontor stets sein Ding gemacht« habe, wie Thele feststellt. »Aber letztlich muss man sagen, dass Michael auch bei diesen Umstrukturierungen das richtige Näschen gehabt und sehr früh geahnt hat, dass die Verkaufszahlen von physischen Musikprodukten sinken werden, weswe-

gen er neue Geschäftsfelder für Edel erschlossen hat.« Gleichwohl sei Haentjes zunächst etwas verwundert gewesen, als Thele seinen alten Freund Michi Pohl zu Kontor Records holte, um die Digital-Abteilung von Kontor Records, die damals noch kontor.cc hieß, zu verstärken. Schon seit Ende der Neunzigerjahre sammelte Kontor.cc mithilfe des langjährigen Kontor-Mitarbeiters Martin Weiland und des Programmierers Stefan Rekittke erste Erfahrungen auf diesem – zum damaligen Zeitpunkt – noch jungen Gebiet. Doch wie Haentjes hatte auch Thele schon immer einen guten Instinkt. Als erkennbar wurde, dass man mit Dance-Singles allein eine Firma mit derzeit 19 Mitarbeitern nicht mehr am Leben erhalten kann, lag die Diversifizierung mit einem Digitalvertrieb nahe. Das als eigenständiges Unternehmen ausgegliederte Profit-Center mit weiteren knapp 20 Mitarbeitern trägt mittlerweile auch mit Dance-fremden Themen, wie u.a. dem Vertrieb von Spielfilmen, zum wirtschaftlichen Florieren des Gesamtkonzerns bei. Dabei war nicht immer alles Friede, Freude, Eierkuchen, um ein Motto aus den Anfangstagen von Edel zu zitieren. So arbeitete Thele schon zu Beginn seiner EdelLaufbahn sehr eng mit Stefan Kleist, dem heutigen EdelVertriebschef, zusammen. »Ich habe mir auch von ihm sehr viel abgeschaut, aber manchmal flogen auch Stifte und Telefone über den Schreibtisch, und es hat richtig gekracht.« Aber es sei eben auch wichtig, dass man für Sachen einstehe und den Erfolg wolle, wiederholt Thele. »Denn eines habe ich bei Edel gelernt: dass man manchmal Glück und Erfolg erzwingen kann. So haben wir uns auch auf die Kontor-Fahnen geschrieben, dass man das Gaspedal durchtreten muss bis aufs Bodenblech – oder darüber hinaus.« Und wer so aufs Pedal tritt, muss keine Angst haben, ein Schnelldreher zu sein. 


Hitlieferanten: Martin Solveig und ÂťManagerÂŤ Lafaille.

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Musik und Filme für die Welt Kontor New Media – in acht Jahren zur europäischen Marktführerschaft in Sachen digitaler Distribution.

Text: Sven Gábor Jánszky

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s ist ein denkwürdiger Tag. Heiß ist er vor allem, sehr heiß! Durchschwitzte Hemden drängeln sich inmitten der brütenden Hitze an diesem Donnerstagmorgen kurz vor Pfingsten 2003 in einer kleinen Szenebar in der Innenstadt von Halle (Saale). Fast verschwörerisch reden sie über die Zukunft der Musikindustrie: »Die Zukunft ist digital!«, raunen sie sich zu, ganz so als ob sie gerade etwas Verbotenes gedacht hätten. Und wirklich: Die Branche wird noch Jahre brauchen, bis sie begreift, welcher dramatische Wandel ihrer Geschäftsmodelle bevorsteht. Es ist die Geburtsstunde des 2b AHEAD ThinkTanks. Die Organisatoren haben die Vordenker aus vielen Branchen eingeladen, um gemeinsam ein Zukunftsszenario für die Musikbranche in zehn Jahren zu entwickeln. Denn sie sind sicher, dass in ihrer Branche kein Stein auf dem anderen bleiben wird. Doch nur 60 Radioleute, Journalisten und Online-Experten sind gekommen. Und unter den 60 ist nur eine Handvoll Label-Vertreter. Sie fühlen sich fast wie eine kleine Schar Verschwörer. Denn damals im Jahr 2003 gehört viel Weitsicht und Mut dazu, sich mit dem Erzfeind der Branche, der Digitalisierung, zu verbünden. Zu diesen ersten Gästen der ZukunftsDenkfabrik gehörten Jens Thele und Michael Pohl.

Die Anfänge: Die Musikbranche im Umbruch Die Firmengeschichte von Kontor New Media beginnt mit einem abenteuerlichen Kapitel zur Jahrtausendwende – schwierige Zeiten für die Musikindustrie: Nap-

ster und Limewire stürmen den Musikmarkt mit illegalen Downloads, schätzungsweise zwei Milliarden Dateien werden allein über Napster im Jahr 2001 getauscht. Die Antwort der Musikindustrie: immer neue Fesseln für die verbliebenen Käufer von CDs und Kassetten. Das Problem: Die immer wahnwitzigeren Kopierschutzsysteme treiben nur noch mehr Kunden in die Illegalität. Auch Kontor Records blieb von dieser Entwicklung nicht verschont. Die digitalen Raubkopien haben das Kerngeschäft stark belastet, doch der Gründer und Geschäftsführer Jens Thele wollte nicht denselben Weg einschlagen wie die großen Konzerne. Er suchte nach neuen Alternativen, mit denen man dem noch recht jungen Problem Herr werden konnte.

Die ersten Schritte: Entwicklung eines neuen Geschäftsmodells Kurz entschlossen nahm sich Jens Thele zwei Programmierer zur Seite und gründete mit ihnen eine eigene Online-Abteilung: Kontor.cc war geboren. Doch anders als die meisten großen Anbieter nutzen sie die neugeschaffene Online-Abteilung nicht zu reinen Marketing-Zwecken, um so ihre alten Angebote zu promoten. Stattdessen entwickelten sie Kontor.cc als eigenständiges Angebot weiter: Mit Hilfe vom sogenannten Spoofing – dem Upload von absichtlich beschädigten Dateien bei Tauschbörsen – wollten sie die Nutzer zum Kauf von Originalen bewegen. Ihre Hoffnung: Wenn nur genügend falsche Dateien getauscht werden, würden die Tauschbörsen-Nut-

2003 war man sich sicher, dass in der musikbranche kein Stein auf dem anderen bleiben würde.

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Jens Thele: »Die langjährige Zusammenarbeit mit den Labels zahlte sich aus.«

zer das Interesse verlieren und die richtigen Platten kaufen – eine Hoffnung, die sich jedoch nicht bestätigte. Als Thele und sein Team merkten, dass ihre Bemühungen nicht den gewünschten Erfolg brachten, suchten sie nach einer neuen Strategie – und entwickelten bald ihren ersten eigenen Online-Shop. Über die Webseite www.kontor.cc vertrieben sie zunächst ihren eigenen Musikkatalog, für den sie aber bald weitere Unterstützung gewinnen konnten. Um dem noch jungen Shop weiter wachsen zu helfen, kam am 1. Mai 2003 ein langjähriger Freund als Head of New Media zu Kontor Records: Michael Pohl. Kurz darauf fuhren sie gemeinsam zum digitalen »Verschwörer-ThinkTank«. Währenddessen lief das Geschäft bei Kontor Records weiter – eine wichtige Stütze im Aufbau des stetig wachsenden Online-Angebots. Wenn die Musikverkäufe von Kontor Records auch weiter rückläufig blieben, gab das Geschäft dem Team doch genügend Spielraum für neue Ideen. Doch zunächst brauchten sie neue Partner, um ihr Online-Angebot ausbauen zu können.

mit Schallplatten in den Online-Shop Thele und Pohl zogen gemeinsam mit ihrer neuen Geschäftsidee durch ganz Deutschland und sprachen bei den großen Labels vor. Sie wollten sie davon überzeugen, ihnen ihre Kataloge zum Online-Verkauf zur Verfügung zu stellen – mit Erfolg: Schon bald trafen die ersten Lieferungen ein. Das erste Paket erreichte das Büro aber mit unerwarteter Fracht: Statt der erwarteten Festplatte schickte Universal Vinyl-Platten und gedruckte Cover – ein schwieriger Start, um ihren Online-Shop zu erweitern. Doch die ersten Hürden waren schnell genommen, immerhin konnten sie zahlreiche Labels für ihre Idee begeistern. »Die langjährige Zusammenarbeit mit den Labels zahlte sich aus«, sagt Jens Thele, »wir konnten im Vorfeld mit vielen Labels ein gutes Verhältnis aufbauen,

von dem wir jetzt profitierten.« Und so stellten viele größere Musikunternehmen ihre Musik Kontor.cc zur Verfügung und das, obwohl an die späteren Milliardengewinne der Online-Industrie in den ersten Jahren noch gar nicht zu denken war. »Heute kann sich das keiner mehr vorstellen«, sagt Thele. »Damals hatten viele der Produktmanager noch nicht einmal einen Internetzugang – und das, obwohl die Leute im Netz schon wie wild getauscht haben!« Mit ihrer Idee und schnellen Entscheidungen trafen Thele und Pohl den Puls der Zeit, so ließen die ersten großen Erfolge nicht lange auf sich warten.

Die ersten Höhepunkte: 500.000 Klingeltöne und das erste Nummer-Eins-Album Damals wurden die größten Umsätze noch mit Klingeltönen erzielt. »Klingeltöne waren unsere Cash-Cow«, sagt Michael Pohl, »allein der Hit ›Maria‹ von Scooter wurde innerhalb weniger Wochen über 300.000-mal über das WAP-Portal heruntergeladen! Da war unglaublich viel Bewegung im Markt.« Und während die Klingeltöne für Traumquoten sorgten, begann sich auch das OnlineGeschäft stetig weiterzuentwickeln. Der nächste große Schritt kommt schon wenige Monate später, als Mitarbeiter von iTunes für das Angebot des Online-Musikladens nach erfahrenen Partnern für Dance- und Elektro-Musik suchten. Michael Pohl erinnert sich: »Eines Tages bekamen wir einen Anruf von einem Mitarbeiter von Apple. Er fragte uns, ob wir nicht Lust hätten, bei iTunes unsere Musik-Kataloge anzubieten. Natürlich sagten wir Ja – und von da an ging es steil bergauf.« Der große Knall für den Online-Musikverkauf kam dann schon wenige Monate später und die Kooperation mit iTunes sollte sich als ein Glücksgriff erweisen: Im November 2004 landete das von Kontor New Media vertriebene Album »Friends of Mine« von Adam Green auf


Platz 1 der Album Charts bei iTunes. Und viele weitere sollten folgen.

Vom Online-Shop zum international gefragten Aggregator Die Erfolge in Amerika blieben von der Branche natürlich nicht unbeobachtet. »Wir bekamen ständig Anrufe von Labels, ob wir nicht auch ihre Musik vertreiben könnten«, sagt Jens Thele. Daraus entwickelten sie das Aggregatoren-Geschäftsmodell: Independent Labels lizenzieren ihre Musik an Kontor New Media, die dann die Promotion und den Vertrieb auf Online-Plattformen übernehmen – deutschland-, europa- und weltweit. In den kommenden Monaten und Jahren öffneten immer neue Online-Music-Shops ihre Pforten: AOL, Virgin Mega Store und Nokia drängten auf den Markt. Der Konkurrenzdruck wurde schließlich so groß, dass Jens Thele und Michael Pohl beschlossen, den eigenen Online-Shop einzustellen und sich auf das zu konzentrieren, was Kontor New Media mittlerweile am besten konnte: den eigenen Musikkatalog und das Repertoire der lizenzierten Partner auf so vielen Kanälen wie möglich zu bewerben.

Die Geburtsstunde der Kontor New Media GmbH Nachdem der digitale Vertrieb immer weiter wuchs, entschlossen sich Thele und Pohl, dieses neue Geschäft aus den schützenden Gewässern von Kontor Records zu entlassen, und gliederten das Geschäft in eine eigene Gesellschaft aus: 2006 war die Geburtsstunde der Kontor New Media GmbH. Von jetzt an war Kontor New Media eine eigenständige Firma, die von Michael Pohl als Geschäftsführer geleitet wird und die sich auf den Vertrieb von digitalen Medien über das Internet spezialisiert hat. Jens

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Thele, der ebenfalls Geschäftsführer bei Kontor New Media ist, kümmert sich weiter um das Geschäft von Kontor Records, aber beide arbeiten weiter intensiv am Erfolg des Unternehmens. Im Schnelldurchlauf zu heute: Mittlerweile hat Kontor New Media über 750.000 Musiktitel, 1.400 Musikvideos und 500 Spielfilme aller Genres im Repertoire. Das Unternehmen zählt mehr als 1.000 Rechteinhaber als Partner und hält zehn Prozent Marktanteil im digitalen Musikmarkt in Deutschland. Dazu operiert es weltweit mit mehr als 150 Lizenznehmern, sogenannten Digital Media Services, und ist zertifizierter Musik-, TV-Content-, Spielfilm- und iBook-Lieferant für iTunes.

Ein starkes Team Durch die jahrelange Ausbildung eigener Mitarbeiter ist ein sehr kollegiales und enges Miteinander entstanden. Nur wenige erfahrene Spezialisten wurden von außen geholt. Zum einen, um Kontor New Media mit ihrer jahrzehntelangen Erfahrung voranzubringen, aber auch damit sie den Jüngeren zur Seite stehen können. Kontor New Media lebt das, wofür andere Unternehmen gern stehen würden: eine intensive Ausbildung ihrer Mitarbeiter, eine hohe Übernahmequote und geringe Personalfluktuation – die Konzentration auf eine umgängliche und kollegiale Firmenkultur trägt schon lange Früchte.

Vision Auf die Frage, wo es in Zukunft hingehen soll, antwortet Jens Thele: »Kontor New Media stand als eines der ersten Unternehmen für den Wandel in der digitalen Distribution. Genau damit würden wir gern weitermachen, die digitale Revolution auch weiterhin voranzutreiben.« Sie werden es tun. Kein Zweifel!

die Konzentration auf eine umgängliche und kollegiale Firmenkultur trägt schon lange Früchte.


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Michael Haentjes im Gespr채ch mit Martin Lagoda.


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»Das ideale Kochbuch? Kein Kochbuch.« Ein Gespräch mit Michael Haentjes, Kulinariker und Kochbuchverleger.

Text: Martin L agoda

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er Mann, der in der Verlagssparte der Edel AG unter anderem erfolgreiche Kochbücher produziert, hat eine sehr eigenwillige Vorstellung davon, wie das ideale Kochbuch aussieht: »Kein Kochbuch«. Ach. Das klingt fast ein bisschen exzentrisch. Aber nur auf den ersten Blick, denn Michael Haentjes ist es sogar sehr ernst damit, er kokettiert nicht. Man darf allerdings die programmtische Bedeutung seines Statements nur auf ihn persönlich beziehen. Und nicht mit seiner Eigenschaft als Verleger in Verbindung bringen, für den das Herausbringen von Kochbüchern wesentlicher Teil seines unternehmerischen Geschäfts ist. Michael Haentjes persönlich pflegt nämlich nicht nur die Liebhaberei, sich in Oldtimer zu setzen und sich mit ehrwürdigen Klassikern der Küchentechnik zu umgeben. Vielmehr gibt es da auch noch Pfannen und Töpfe, in denen er regelmäßig rührt und die, weil dies seine große Passion ist, umgekehrt ihn rühren. Der Bauch, der Fotograf und das Essen. Michael Haentjes sitzt in einer etwas ungut gebeugten Haltung in einer Sofaecke und sagt: »Ich bin ein großer Freund des Essens, und daran hängt für mich zwangsläufig die Freude an der Zubereitung.« Währenddessen versucht er, sein Sakko zuzuknöpfen, weil der anwesende Fotograf, der einige Portraitaufnahmen machen soll, ihm aus Gründen einer wohl vorteilhafteren Optik dazu geraten hat. Er selbst hätte wahrscheinlich nie einen Gedanken an den in dieser Haltung überbetonten Bauch verschwendet, denn beim Stichwort »kochen« fängt es auf seinem gedanklichen Herd augenblicklich an zu sieden. Ja, doch, da stecke schon ein ausgeprägtes Koch-Gen in ihm. Und

er erzählt, dass es sich bei ihm nicht erst in einem Lebensabschnitt äußerte, in dem für andere die Beschäftigung mit Bauklötzen längst Vergangenheit ist. »Schon als Vierjähriger habe ich zusammen mit meiner Mutter auf unserem Bauerhof in Bayern am Herd gestanden.« Schon als Vierjähriger? »Doch, doch, aus der Zeit gibt es noch ein paar Bilder, und auf denen bin ich mit einer Kochmütze zu sehen.« Respekt! Profi wollte er trotz des prägenden Kopfschmucks nicht werden, aber darauf kommt das Gespräch noch. Nach dreijähriger Kocherfahrung – also im gereiften Alter von sieben Jahren – stand die Küche des kleinen Michael schon heftig unter Dampf. Dabei erinnert er sich sonderbarerweise heute mehr an die Rückschläge denn an die Erfolge. So habe er einmal vor dem Fernseher gesessen und zum ersten Mal Werbung für Fischstäbchen gesehen. »Ich fand sie sehr appetitlich, hatte aber keine Ahnung, dass man sie fertig kaufen konnte. Ich ging also zum Fischhändler bei uns um die Ecke und kaufte Rotbarschfilet. Das schnitt ich in Briketts, was aber nicht so ganz gelang, und anschließend habe ich sie auch irgendwie gebraten.« Das Ergebnis, so weiß er noch ganz genau, habe »sogar einigermaßen« geschmeckt, doch restlos überzeugen konnte es ihn nicht. Vielleicht lag es ja auch an der Beilage: Reis mit Tomatenketchup. Auch an ein Kocherlebnis zusammen mit seinem Vater erinnert er sich: Steak mit Früchtesauce in Alufolie – »nur mittelmäßig gelungen«. Inspirationen holte er sich übrigens auch von Clemens Wilmenrod, dem legendären ersten deutschen TV-Koch, aber der habe ihn nicht sonderlich gefordert. >>>

»Schon als Vierjähriger habe ich mit meiner Mutter am Herd gestanden.«


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»ohne Sardellen ist ein Tartar kein Tartar.«

Angesichts solcher leichthin servierten Glanznummern, zu denen nicht zuletzt die frühe Fähigkeit zum kritischen Umgang mit den eigenen Kochereien gehört, sitzt man einigermaßen sprachlos neben Michael Haentjes. Wo soll es denn einen hinführen, der gerade erst schreiben lernt, aber mit der Qualität selbstgemachter Fischstäbchen hadert? (Natürlich weiß man’s ja schon.) Oder der mit 13,14 Jahren seine erste Pizza backte, wobei er seine ganze Kunst in die Herstellung eines perfekten Hefeteigs legte? Der damals schon, seine Leidenschaft für frischen Tartar entdeckend, sich auf die Zubereitungen von Schabefleisch konzentrierte? Letzteres ist übrigens heute noch eines seiner Lieblingsgerichte. Aber es müssen Sardellen dabei sein, ohne Sardellen ist ein Tartar kein Tartar, und ein Restaurant, das ihm trotz seiner freundlichen Hinweise immer noch keine Sardellen aufs Gehackte legte, sank zwangsläufig in seiner Wertschätzung. »Obwohl ich mir selber Freizügigkeiten beim Kochen zugestehe, lege ich beim Essen woanders Wert auf traditionelle Regeln.« Dies betrifft auch eine spezielle Erfahrung in einem bekannten Hamburger Restaurant, dessen Namen er aus Gründen der Diskretion nicht nennen möchte. Es gab Tagliolini mit weißen Trüffeln. Aber dazu Sahnesauce und Parmesan. »Da würden sich alle Italiener, zu denen ich mich auch manchmal zähle, mit Ekel abwenden. An Tagliolini mit weißen Trüffeln gehört nur Butter und sonst überhaupt nichts!!« Das sagt er so nachdrücklich, dass zwei Ausrufungszeichen noch zu wenig sind. Wahrscheinlich habe man die nicht mehr so guten Trüffeln kaschieren wollen. Und auch mit einem Fisch unter der Salzkruste, den man ihm einmal als Besonderheit auftischen wollte, kann man ihn überhaupt nicht beeindrucken. »Das mache ich für meine Gäste immer mal ganz schnell dann, wenn ich keine Zeit für großartige Vorbereitungen habe.« Spätestens jetzt muss darauf hingewie-

sen werden, dass Michael Haentjes nur ein einziges Mal in seinem Leben nach einem Rezept gekocht hat. Und das war der scheinbar heikle Brandteig, dessen Zubereitung ihm sonst niemand erklären konnte. Überflüssig festzustellen, dass so jemand tatsächlich keine Kochbücher braucht. Warum also ist er nie Koch geworden? Bei dem Talent! »Das«, bemerkt er mehr nebenbei, »hat alles nichts mit Talent zu tun, sondern mit Verfressenheit.« (Nun zeigt sich, dass der über dem Bäuchlein immer noch geschlossene Knopf doch keine so gute Idee war, weil in dieser Sitzhaltung das Sakko tiefe Sorgenfalten zieht und den Fotografen vor neue Probleme stellt. Knopf also wieder auf – Bauch gehört schließlich mit zum Thema!) Die wirklichen Gründe, nicht die Profilaufbahn einzuschlagen, sind andere. Der eine: »Ich empfinde mich nicht als großartigen Koch, aber ich koche sehr gerne.« Wenn er kocht, dann keine Gespreiztheiten, um irgendjemandem irgendetwas zu beweisen, sondern eher bodenständige einfache Gerichte. Sein Stil: »Ziemlich eklektisch, da gibt es keinen Stil. Ich mag es gern italienisch oder mit asiatischem Einschlag und eine ordentliche, deftige deutsche Küche.« Der andere Grund: »Meine Begeisterung für die Musik war einfach stärker.« Neulich habe er etwas gelesen, was er auf sich beziehen kann: »Der alte Bach ist nur deshalb Komponist geworden, weil er nicht so gut kochen konnte.« Darauf muss man wohl nicht weiter eingehen, schließlich wurde Edel zu einem erfolgreichen Musikunternehmen. Michael Haentjes kommt viel in der Welt herum, sitzt an den Tischen der besten Restaurants überhaupt. Da wird er doch bestimmt einen Lieblingskoch haben, oder? Auch diese Frage entspringt einem Klischee, wie sich zeigt, denn es wird umgehend widerlegt: »Einen Lieblingskoch? Das kann ich so nicht sagen.« Selbstverständlich habe er jahrelang und überall die Sterneküche rauf-


»Wo immer ich mich auf der Welt aufhalte, freue ich mich auf spontane Mahlzeiten auf der StraSSe.«

und runterprobiert, »aber irgendwann hat man einfach genug davon«. Klingt nach Überdruss vom Feinsten und ist nicht leicht zu verstehen für den, der sich die SterneTeller eher selten leisten kann und deshalb zu verpassen meint, was in steter Regelmäßigkeit genossen tendenziell den Beigeschmack einer netten Nebensächlichkeit erhält. Dann fallen ihm aber doch noch zwei Namen ein, die ihren Zauber noch nicht verloren zu haben scheinen: Alain Ducasse und Jean-Georges Vongerichten, beide berühmte Franzosen auf Weltklasseniveau. Letzterer kocht in New York, und das Jean-Georges ist für Michael Haentjes, sobald er sich in der US-Metropole aufhält, »ein traditioneller Mittagsplatz, den ich am liebsten mit einem Freund aufsuche, der genau so verfressen ist wie ich.« In Köln gibt es auch so eine Adresse, das Höhn’s, das allerdings mit ganz anderen Verlockungen aufwartet, nämlich mit einer »sehr, sehr ordentlichen Bratwurst«, wie der Gastroführer Gault Millau bestätigt. Womit wir bei einem speziellen Thema wären: Bratwurst. Sie hat es dem Verleger kulinarischer Bücher, darunter der Band »Curry Queen: Rezepte aus dem Bratwurstrestaurant«, offensichtlich angetan. Neulich kam er nach einer Berlin-Reise in Bahnhof Hamburg Altona an und steuerte gewohnheitsmäßig eine bestimmte Wurstbraterei an, »wo die Wurst natürlich nicht die Erlesenheit wie bei der Curry-Queen hat, jedoch schön lecker ist«. Dann aber habe er feststellen müssen, dass es den Laden nicht mehr gab – »ich war entsetzt«. Es würde dem kulinarischen Globetrotter aber nicht gerecht, wollte man ihn in seiner Currywurstvorliebe einschließlich »dicker Pommes« eilends auf den Zipfelstürmer reduzieren. Nach dem Motto: Bekenntnisse dieser Art gehören heutzutage ja schon zum guten Ton und sind deswegen gar keine Bekenntnisse, sondern die pure Koketterie. Der Straßenklassiker Bratwurst hat nämlich eine breite internationale Anverwandtschaft: Streetfood.

»Wo immer ich mich auf der Welt aufhalte, freue ich mich auf spontane Mahlzeiten auf der Straße. Garküchen, Imbissbuden, fliegende Verkäufer mit Essbarem, sie alle üben einen unwiderstehlichen Reiz auf mich aus.« Ebenso die kaum überschaubaren Auslagen auf Märkten, »eine Leidenschaft von mir«. Überhaupt, Lebensmittel einkaufen: sehen, fühlen, riechen – aber nur etwas mitnehmen, wenn der Kühlschrank auch wirklich leer ist, denn »als Kind der Nachkriegsgeneration kann ich nichts Essbares wegwerfen«.  >>>

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10 6 Ges präc h

Das Lebensmittelangebot unter freiem Himmel irgendwo in einem fernen Land muss ihn wohl regelmäßig in Hochstimmung versetzen. Denn dann kann etwas entstehen, das er selbst als »fixe Idee« bezeichnet. Wie letztes Jahr in Mittelamerika: »Ich hatte mich auf vielen Märkten umgesehen und war so angetan, dass ich die Vison hatte, mir einen Anhänger in der Art eines amerikanischen Diners hinter mein Auto zu spannen. Mit

einer eingebauten Profiküche, in der ich alles ausprobieren würde, was mir an essbaren Neuentdeckungen über den Weg läuft.« Noch so eine fixe Idee: »In Nicaragua hätte ich einmal am liebsten eine landwirtschaftliche Büffelhaltung aufgezogen, um die gehobene Gastronomie Mittelamerikas mit bestem Büffelmozzarella zu versorgen.« Auch daraus wurde nichts, eigentlich schade. Dafür versorgt Michael Haentjes die kochinteressierte Leserschaft nach der Beteiligung am Münchener Kochbuchverlag Zabert Sandmann mit noch mehr Kochbüchern. Es sei aber nicht – und daraus macht er keinen Hehl – darum gegangen, »unser Kochbuchportfolio aufzubauen. Als das Tonträgergeschäft zurückging, mussten wir die Kapazitäten füllen. Wenn Zabert Sandmann gut gehende Reiseführer im Programm gehabt hätte, wäre das ebenso interessant gewesen.« Und womit er die Menschen irgendwann später einmal versorgen wird, ist noch eine ganz andere spannende Frage. Er hat erklärtermaßen ein Lieblingstier: »Kühe«. Noch eine Nachwirkung aus seiner Kindheit auf dem Bauernhof also, warum aber auch nicht? Aber dann: »In meinem Schlafzimmer«, beginnt er vorsichtig, und nun folgt ein überraschendes echtes Bekenntnis, »liegt das Buch Schöne Kühe aus dem Landwirtschaftsverlag.« Ein Bilderbuch mit Kühen? Nicht Schöne Oldtimer, nicht Schöne alte Espressomaschinen und auch nicht Schöne alte Schinkenschneidemaschinen (falls es diese Bücher gäbe), womit er seine anderen Passionen bedienen könnte. Nein, es sind Kühe, die ihn tief in seinem Herzen bewegen. Und nun mal keine fixe Idee, sondern eine – nach all dem, was Michael Haentjes freizügig von sich erzählt hat – glaubwürdige Beschreibung seiner möglichen Zukunft: »Ich könnte mir gut einen landwirtschaftlichen Betrieb vorstellen. Mit allem, was dazugehört.« Liebreizende Gesellschaft im Kuhstall eingeschlossen.


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Hinter jedem erfolgreichen Geschäftsmodell steht der Name eines innovativen Gründers.

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eine erste Begegnung mit Michael Haentjes geht zurück auf das Jahr 1979, damals IC-Labelpartner mit Klaus Schulze. In meinem Job als Chef der WEA (später Warner) war ich nicht nur ständig auf der Suche nach guten Künstlern, sondern auch nach guten Managern. Der junge Michael hat mich beeindruckt, ein Jahr später wurde er mein Assistent. Damals hatte ich selbst heimliche Pläne für ein eigenes Plattenlabel und konnte nicht ahnen, dass mein Assi mir kurze Zeit später vormachen würde, wie das geht. Aus den bescheidenen Anfängen des Versandhandels edel entstand innerhalb weniger Jahre das größte unabhängige Tonträgerunternehmen Europas. Der Mann hatte nicht nur Visionen, er bewies auch Zielstrebigkeit und Durchsetzungsvermögen. Mit der Gründung des Presswerks optimal media zu einem Zeitpunkt, als die Krise der Schall­ plattenindustrie bereits erkennbar war, bewies er zudem außer­ gewöhnlichen Mut. Ich verfolgte das mit großem Vergnügen und heimlichem Stolz auf meine Management-Entdeckung. Michaels Geheimnis ist sein Talent zur und die Freude an Kommunikation, darin nicht unähnlich einem erfolgreichen Bühnenkünstler. Aber seine Bühne wurden die Finanz- und internationalen Tonträgermärkte.

Unsere beruflichen Wege kreuzten sich Anfang der Neunzigerjahre wieder, als ich für mein Jazzlabel ACT einen zuverlässigen Vertriebspartner suchte. Michael gründete kurzentschlossen den neuen Geschäftszweig Edel Contraire. Auch hier ist es ihm wieder gelungen, die richtigen Leute für die Realisierung seiner Idee zu finden und sie machen zu lassen. Sie haben es nicht nur gut, sondern sehr gut gemacht. Zu meiner besonderen Freude wurden die Aktivitäten der EdelZentrale in Hamburg und der optimal media in Röbel nicht hinter hässlichen Fassaden versteckt – Michael hat auch hier Zeichen gesetzt, indem Gebäude mit höchstem funktionalem und ästhetischem Anspruch entstanden, die ihresgleichen suchen. Michael Haentjes hat sich über die Jahre unseres Kennens immer mehr zu einem modernen Renaissance-Menschen entwickelt. Ich genieße seine Freundschaft in gleichem Maße wie die Effizienz seiner Unternehmen und die Professionalität seiner Mitarbeiter. Ihm und den großartigen Teams von Edel und optimal danke ich für die zurückliegenden Jahre erfolgreicher Zusammenarbeit, verbunden mit allen guten Wünschen für die Zukunft. Herzlichen Glückwunsch zum Doppel-Geburtstag! 

SIGGI LOCH


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Hauptsitz der Edel AG, Hamburg.


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Edel! Eine Liebeserklärung

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ch komme nicht der Aussicht wegen nach Hamburg – die ist zwar die allerschönste dort in der schönsten Großstadt Deutschlands, aber ich habe hier in meiner Heimat die Müritz, und an deren Weitsicht, Ruhe und Natur ausstrahlenden Anblick kann ich mich einfach nicht sattsehen. Und das will ich auch gar nicht. Daher habe ich mich damals, Anfang der 90er-Jahre, auch so gerne auf das Angebot von Michael Haentjes eingelassen, in der Region etwas Neues, Großartiges zu schaffen. Wer Michael kennt, weiß, dass man sich seiner Begeisterung nur schwer entziehen kann – so ich auch damals nicht. Bereut habe ich es bis heute nicht – weil wir so unendlich viel gemeinsam erreicht haben. optimal ist so stark gewachsen, weil wir gut sind, aber auch, weil wir uns auf unsere Muttergesellschaft immer

verlassen konnten, sei es in Fragen der Strategie, in Fragen der Finanzierung, der Positionierung und auch – ein wichtiger Punkt – in Fragen des Fassadenmaterials für unsere Neubauten und der Farbe der Kantinenstühle. Und obwohl wir zahlreiche kontroverse Gespräche zu Planung und Strategie an der Elbe geführt haben – erklären Sie mal einem Fachmann für Marketing und Controllern aus der Musikbranche einen Produktionsbetrieb –, komme ich immer wieder gerne dorthin, schließlich stand nämlich über allen Diskussionen stets das Wichtigste im menschlichen Miteinander: Warmherzigkeit, Respekt und Wertschätzung. Dafür habe ich nach zwanzig Jahren ganz herzlich zu danken. Ich wünsche mir, dass es so weitergeht.

Jörg Hahn Geschäftsführer optimal media GmbH


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Edel, hilfreich und gut Kulturoptimismus: Florian Illies kleiner Ausblick auf die Zukunft von Buch, CD und DVD

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mmer wieder unterschätzen die Menschen die Menschen. Immer wieder hieß es im Lauf der Jahrhunderte, dass nun Schluss sei. Schluss für die Eisenbahn durch die Verbreitung des Autos. Schluss für das Auto durch die Verbreitung des Flugzeugs. Schluss für das Kino durch die Verbreitung des Fernsehens. Schluss für die Malerei durch die Verbreitung der Fotografie. Doch die große Überraschung: Die alten Kulturtechniken überleben die technischen Revolutionen, reduziert zwar, konzentriert oder auch verändert. Aber das Neue tritt immer wieder an die Seite des Alten. Nicht an dessen Stelle. Am Ende von zweihundert Jahren beschleunigter Entwicklungsgeschichte seit 1810 muss man sagen: Immer, wo von »Ersetzen« die Rede war, ist das Ergebnis »Ergänzen«. Wird deshalb das Buch durch das E-Book verschwinden? Und die CD und die DVD durch iTunes und die digitale Speicherung und Weitergabe von Bild- und Tonträgern? Nein. Die technische Entwicklung wird rasant voranschreiten und es wird immer effizientere und leichtere Methoden geben, sich auf digitale Weise die Inhalte von Büchern, Musik-CDs oder Film-DVDs zu sichern. Aber die Geräte und die Chips können sich noch so sehr verändern: Der Mensch bleibt doch in vielem glücklicherweise derselbe. Im März 2011 veröffentlichte der Deutsche Börsenverein die überraschenden Umfrageergebnisse aus Deutschland, wonach 80 Prozent der Deutschen sagen, sie wollten auch in Zukunft nicht am Bildschirm lesen. 86 Prozent sagen gar, dass Sie es schön finden, dass zuhause bei Ihnen Bücher im Regal stehen.

Und genauso viele erklären: »Ich liebe gedruckte Bücher zu sehr, das Gerät reicht nicht an das Leseerlebnis heran.« Genau diese weichen Faktoren sind es, die einen optimistisch stimmen in Hinblick auf die Zukunft des Buches: Das Leseerlebnis, das nur das gebundene Buch bietet, das Gefühl, es am Nachttisch liegen zu haben, es in den Koffer zu packen, es ins Regal zu stellen, es zu verpacken und zu verschenken. All das bieten die modernen Lesegeräte natürlich nicht. Dasselbe gilt für CDs und DVDs: Die Möglichkeit, Bild- und Tondateien zu speichern und über das Internet herunterzuladen, hat das gesamte Geschäft grundlegend verändert. Aber dennoch bleiben auch hier die anthro­ pologisch-weichen Faktoren konstant: Es ist für einen jungen Musiker der wichtigste Karriereschritt, wenn er eine CD veröffentlichen kann, und es ist entscheidend, auf welchem Label. Die Musikkritiker besprechen die CD, die sie per Post zugesandt bekommen. Die CD wird zum Geburtstag verschenkt. Und nach dem Konzert gekauft. Sie ist ein Bedeutungsträger. Nicht nur ein Tonträger. Ebenso die DVD: Das Verleihen einer DVD-Box einer amerikanischen Kultserie ist ein ganz anderer Akt als das banale Runterladen am Computer. Der gesamte sinnliche Apparat vom Aussuchen, Kaufen, Nach-HauseTragen, Lagern, Verschenken, der sich um Buch, CD und DVD entwickelt hat, ist unverzichtbar geworden und wird sich auch von der nächsten technischen Revolution und der nächsten Generation nicht ganz fortspülen lassen. Auch trotz Internet und Privatfernsehen und YouTube auf dem iPhone gehen wir abends gerne ins Kino.

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112 aus blick

»Stell Dir vor, es ist Zukunft, und die Leute lesen trotzdem ein Buch.«

Weil uns dort etwas geboten wird, was die anderen Medien nicht ermöglichen. Popcorn schmecken nicht so gut, wenn man dabei nur auf den winzigen Handy-Bildschirm guckt. Das Buch ist tot, sagte vor zehn Jahren Steve Jobs, der Gründer von Apple. Man kann auch, wenn man mag, alle Statistiken über Lesezeit und Verweildauer von Jugendlichen im Internet kulturpessimistisch lesen. Das ist die beliebteste Lesart. Amerikanische Verhaltenspsychologen haben herausgefunden, dass Ältere nichts lieber lesen, als dass es fortan mit der Kultur bergab geht. Diese Erwartungshaltung müssen wir hier ausnahmsweise enttäuschen: Stell Dir vor, es ist Zukunft und die Leute lesen trotzdem ein Buch. Weil das Buch immer noch nicht tot war und offenbar nicht so einfach totzukriegen ist, entwickelte Steve Jobs für Apple nach den euphorischen, kulturfeindlichen Jahren des Internets mit dem iPad ein Gerät, das kaum etwas anderem als dem Kulturkonsum gewidmet ist – den Trotz der Leser also zu ökonomisieren versucht. Es ist keineswegs nur eine konservative Lesart, die dem Buch weiterhin einen Platz neben dem E-Book zuweist, sondern auch eine pragmatische. Offenkundig hat sich die Form, eine recht große Menge von Inhalt gedruckt zwischen zwei feste Deckel zu binden, die man überallhin mitnehmen kann, die man im Liegen am Strand und im Bett ebenso lesen wie sie zur Demonstration der eigenen Kulturbeflissenheit im Regal ausstellen oder zu Weihnachten als Gruß an die Kulturbeflissenheit des Adressaten verschenken kann, sehr dauerhaft etabliert. Auch künftig werden die Wohnungseinrichtungen in den IKEA-Katalogen kein E-Book ins Wohnzimmerregal legen, um zu demonstrieren, dass hier Kulturbürger wohnen, sondern eine abwechslungsreiche Reihe von Buchrücken. Auch künftig wird es Menschen geben, die gerne mit einem Bleistift schöne Stellen unterstreichen.

Und schöne Bücher verschenken – und nicht nur per Mail einen Link verschicken. Der ganze haptische, emotionale, kulturelle Überbau, der sich in Jahrhunderten rund um das Buch entwickelt hat, ist ein zu wichtiger Teil unseres codierten Zusammenlebens, als dass wir es aufgeben wollten. Es geht beim Lesen eines Buches auch um Genuss. Die Technik des Lesens auf dem E-Book-Reader bietet zwar unüberbietbare Verbesserungen vor allem für professionelle Leser – der reduzierte Speicherplatz, die Möglichkeit, eine Suchfunktion einzugeben, die Chance, seine ganze Bibliothek immer in der Aktentasche zu haben. Aber wer nicht Lektor ist oder Student oder der Leser wissenschaftlicher Studien, wer Bücher also nicht nur »professionell«, sondern auch privat »nutzt«, der will gar nicht unbedingt den Speicherplatz reduzieren, weil dann das Wohnzimmer kahl wird, und der will gar keine Suchfunktion haben, weil er weiß, dass man beim Suchen nach bestimmten Stellen in bereits gelesenen Büchern zwar nie das Gesuchte, aber sehr oft etwas ganz anderes, nicht weniger Interessantes findet. Man kann also sagen: Aus anthropologischer Sicht spricht nach der jahrhundertelang eingeübten und geschätzten Kulturtechnik des Bücherlebens sehr viel dafür, dass das Buch in seiner wunderbar altmodischen, wunderbar zeitlosen, wunderbar aktuellen Form bleiben wird. Es gibt einen zweiten zentralen Punkt: Offenbar ist es – bis zur Widerlegung durch nachfolgende Generationen – ein zentraler Bestandteil nicht nur der deutschen Kulturgeschichte, dass sich alle großen Debatten des Landes in Büchern kristallisieren, verdichten, ihren Anfang nehmen und ihre Wucht bekommen. Kurz: ihre Sprache finden. Aus dem Reich des Internets erreichen uns weiterhin ermutigende Botschaften, dass diese Bedeutungsform des Buches nicht ernsthaft gefährdet oder in Frage gestellt wird. Es war bereits so, als Rainald Goetz, der als


Pionier der deutschsprachigen Literatur als Erster ein Tagebuch im Netz führte, erst ruhte, als dieses »Abfall für alle« genannte beeindruckende Werk in gedruckter Form bei Suhrkamp verlegt wurde (auf dem Buchrücken steht dick www.rainaldgoetz.de, heute ein Gruß wie aus lange vergangenen Zeiten). Auch alle, die sonst im Netz twittern, bloggen oder schreiben, sehnen sich nach nichts so sehr, wie zwischen zwei Deckeln eingebunden im Buchhandel zu liegen. Und die großen Internetbücher des Jahres 2010 von Frank Schirrmacher, Nicholas Carr und Jaron Lanier sind eben vor allem eines: Bücher. Dicke Bücher, für die man Zeit braucht, auf die man sich einlassen muss. Auch das sollten alle wissen, die sich fragen, ob das Buch in Deutschland wirklich eine wichtige gesellschaftliche und kulturelle Rolle spielt und deshalb auch in Zukunft wirtschaftlich begünstigt werden sollte, etwa mit einem weiterhin reduzierten Mehrwertsteuersatz. Ja, das tut es, sogar bei den Pionieren des digitalen Zeitalters. Oder, wie es Hans Magnus Enzensberger ausdrückt, dieser so begeistert der Zukunft zugewandte größte deutsche Intellektuelle: »Das Buch als Betriebssystem ist noch lange nicht zu Ende.« Man sollte auch nicht die Speicherfunktion des Buches unterschätzen. In ihm lassen sich Atmosphären und unsichtbare Kräfte besser bündeln als auf jedem E-Book. Als Dresden 1945 in Schutt und Asche gelegt war und lange unter Schock stand, da wurde in fast jedem Dresdner Haushalt das Buch »Das alte Dresden« von Fritz Löffler wie eine Reliquie behandelt. Darin sah man die alten Fotografien und die alten Texte, die den Zauber der Stadt beschworen. Dieses Buch hielt den Geist so lange frisch und wach, bis man anfing, die Stadt wiederaufzubauen, die Semperoper, den Zwinger – und letztlich auch die Frauenkirche. Und auch auf die Frage, was denn die DDR nun eigentlich gewesen sei und wie man sich das dortige Kulturbürgertum vorstellen sollte,

gibt es jetzt eine Antwort. Uwe Tellkamps 900 Seiten dicker Roman »Der Turm« ist der Festwertspeicher unserer Beschleunigungsgesellschaft. Zum Lesen eines Buches braucht man keinen Strom. Man braucht nur Licht. Solange also die Sonne noch aufgeht, glauben auch wir an das Buch. Und es ist ja nicht so, dass sich das Buch, die CD und die DVD, also die etablierten Medien für das gedruckte Wort, für Musik und den Film, sich dem ebenfalls menschlichen Bedürfnis nach dem Neuen entziehen. Keineswegs. Die Präsentation der neuen CD, des neuen Buches, die Tatsache, dass eine Serie oder ein Film endlich »auf DVD« zu haben sind, demonstrieren die Sehnsucht der Menschen, die User zu nennen ich mich weigere, nach dem immer Neuen in der alten Kulturform. Gerade weil die neue CD, das neue Buch, die neue DVD in einer langen Tradition (und im Regal in einer langen Reihe) stehen, weil sie sich im Kopf, im Ohr, im Auge der Käufer immer wieder messen mit dem, was war, sorgen sie so zugleich dafür, dass dieser Strang der kulturellen Tradition stabil bleibt und weiterlebt. Man will nicht alle seine Filme, Bücher und Musik in einem winzigen Gerät in seiner Jackentasche haben. Das ist zwar nett und, solange der Akku voll ist, auch beeindruckend. Aber wie kahl die Wohnungen aussähen ohne Bücher, ohne CDs, ohne DVDs, ohne Musikanlagen und Fernseher! Und auch künftig wird es viele Menschen geben, die es sonntagmorgens lieben, wenn zum Duft der frischen Brötchen das Knistern der Sonntagszeitung kommt. Niemand will beim gemütlichen Essen des Frühstückseis nur mit dem Finger am Bildschirm Meldungen herabscrollen. So schön also der Effekt der Datenkomprimierung ist, niemand möchte sein gesamtes kulturelles Erleben auf ein kleines schwarzes Gerät konzentrieren. Dafür sind Bücher, CDs und DVDs viel zu edel, hilfreich und gut.

ausblick 113

»Solange die Sonne noch aufgeht, glauben wir an das Buch.«


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Edel-Mitarbeiter vor ihrem B체rogeb채ude an der Elbe.


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116 Ende der Achtziger: Segelausflug an die Ostsee

Tausend und mehr ... Die Edel-Mitarbeiter seit 1986

Yasmin Abu-Rashed

Jascha Achampong

Manfred Achtenhagen Sven Ahnfeldt

Gero Achtenhagen

Dirk Dodo Adden

Clara Ajani

Jessica Albers

Christina Alisch

Amin Alwast

Nina Ambraß

Niels Andersen

Ken Antonelli

Attilio Apicella

Daniel Argasinski Heike Arnold

Werner Arkuszewski

Mathias Arnold

Marija Ashmele

Andreas Babuschkin

Michael Bartels

Axel Bartelt

Gaby Bartolomeo

Andrea Erdmann

Sandra Fabienke

Leonard Falcke

Kaivon Appen

Andreas Baumann

Kristian Artun Dieter Bähr

Derek Fobaire

Christina Förstel

Paolo Franchini

Helge Franz

Carsten Benecke

Guido Bengel

Jana Bergmann

Silke Berndt

Julia Bingler

Eileen Böhm

Sabine Biskup

Alexandra Boldt

Inga Brammer Björn Brauer

Daniel Breden

Stefanie Brehmer

Ben Brost Olaf Brux

Senem Bukebudrac

Brian Carter

Stefan Bürger

Peter Cadera

Jörg Daniels

Marijke Davids

Gareth Davies

Esteban Ceniceros Peter Cooper

Martin Davis

Michael Diederich

Petra Didszuns Juska Dietrich

Julia Dietrich

Kathrin Dittmann Daniela Dorn

Mechthild Dörr

Ralph Drews

Hans-Peter Drexel

Nina Dreyer

Beate Dücker

Julia Eckebrecht

Anna Cress Andreas David

Freddie de Wall Sabine Denzer

Johnny Diesendorf

Dirk Dreyer

Mickie Duwe

Daniel Dietrich

Rüdiger Dietze

Anne Dobberstein

Tobias Dreimann

Thorsten Ehlers

Hedda Christians

Achim Dengler

Verena Dietz

Regina Dittrich

Manja Carloff

Mathias Czychy

Inga Dannenberg

Levent Demirhan

Nicolas Burmeister Sebastian Buss

Tobias Carl

Florian Czaszewicz

Oliver Dallmann Jakob Deichmann

Marc Bühler

Jürgen Dobelmann

Barbara Drews Karen Dreyer

Nina Dvorak

Katja Ehrhardt

Miriam Einsmann

Jonathan First

Ralf Florin

Patrick Ganser

Hedda Gerdes

Lars Gerdes

Marcus Gehrmann

Sandra Gernandt

Stephane Girard Julia Glenz

Anne Glatzel

Astrid Glißmann

Fabian Gluschke

Stephanie Gnadt

Wiebke Göbel

Constanze Gölz

Gabriela Gottschalk

Inke Graf

Peter Graze

Stefanie Greif

Frank Grobelny

Johannes Gruber Bianca Guse

Hanna Greve

Thomas Grote

Burkhard Grote

Marijke Groß

Maike Gut

Malte Haase

Holger Haberzettl

Jörg Hacker

Dennis Hadan

Michael Haentjes

Oliver Hagedorn Torben Halfter Timo Hänf

Franziska Hansel

Mareike Hardt

Dennis Harm

Olaf Harms

Jan Hausen Philipp Heide Nina Heitele

Cordelia Heitkämper

Jörg Hellwig

Sylke Hemme

Heiko Holler

Huberdina Holst

Andreas Hölzer

Sabine Hollenbach Phil Hope

Kristine Horbach

Simon Hosken

Alexander Hotze

Kristoffer Hünecke Zafer Isler

Christiane Jonat

Sven Jaeppelt

Lindsay Jones

Martina Joseph

Geoff Kempin

Ilona Kempny

Kerrin Klostermann

Dennis Harm Ulrike Heesch

Romy Heidrich

Peter Knaack

Uwe Knabbe

Detlef Kobylka

Björn Koch

Pitt Kogel

Michael Köhler

Norman Kolodziej

Richard Kolodziej

Thomas Kommer

Konstantin Konstantinidis Lena Kornbrodt

Nicola Komoßa

Nina Körner

Felix Kosel

Jeannine Kostov

Marion Kott

Andrea Kraus

Martin Kreibich

Peter Krempel

Ulrik Kriete

Werner Krinke

Isabelle Kröger

Thorsten Kröpelin

Karina Krause-Seitz Robert Krigovszky Carsten Krone

Michaela Krüger

Olaf Kuchenbecker

Andrea Kubasch

Florian Kundt Andreas Kutschke

Regina Lange

Robert Larsz

Tanja Laubenstein

Nicola Kruse

Christine Kühn

Martin Kummerow

Caren Lange

Jan Köpke

Jorma Kosonen

Christian Krohn

Daniel Krstic

Thomas Kühne

Nicole Kunisch Michel Lambot

Therese Langbehn

Dorothea Lappe Jörg Lay

Kirsten Lehmeier

Constanze Leibinger

Verena Lembcke

Sophia Lender

Bianka Lehmbeck

Christian Leicht

Bernhard Lenort

Tom Lesmana

Britta Leuner

Marco Ligocki

Barbara Lindemann

Klaus Heitzenröder

Sascha Lindemann

Christine Herold

Thomas Heßler

Marie-Jeannette Lubba Ponchai Lüders

Paul Lower

Esther Leupi

Benjamin Littig

Adis Ljnbijanac

Martina Lubanski

Markus Lübbe

Christiane Lüdtke

Cai Leitner

Marie Lepstück

Svenja Lewerentz

Jannis Lindschau

Anni Lange

Andreas Laprath

Christiane Leptien

Roman Lossin-Beßler

Matthias Koch

Leslie Konrad

Katharina Konstantinidou

Maike Heising

Julia Hendewerk

Nicole Herbst

Harald Kisiedu

Stefan Kleist

Roger Kober

Therese Langbehn

Ingrid Hartmann

Fabian Kerner

Miriam Klein

Bernd Kussin

Joachim Harbich

Jochen Kehlbeck Jacqueline Kellner

Thorsten Kirmes

Catharina Klaus

Dirk Koennecke

Sven Külper

Metin Kaya

Gunter Kelling

Stefanie Kim

Sabine Kahl

Katja Kalkbrenner

Hristina Kehayova

Susanne Kelch

Elisabeth Klette

Jane Jowett

Melanie Kaffenberger

Bettina Kastner

Dennis Kayser

Michael Kiedrowski

Marie Jeschke

Rufus Kalex

Olaf Karsten

Jens Kissrow

Sören Janssen

Nina Jenzen

Michael Kaiser

Rebecca Kellner

Tania Jägersberg

Malte Jenisch

Angelica Kehrhahn

Susanne Hudak Kerstin Isermann

Tanja Jansen

Marcel Kaffenberger

Thomas Karban

Christian Horz

Nisse Ingwersen

Elin Jannermann

Marlis Jürgens

David Hockman

Jürgen Hubounig

Mats Hylin

Christina Jacobi

Jonas Jakelski

Bernd Hocke

Henning Horl

Tania Kupelian

Kai Heitmann

Heike Hesse

Iris Hogenkamp

Gunnar Lampe

Erika Heider

Rainer Henke

Jörg Hoffmann

Jo Hansch

Stephanie Heinemann Mario Henatsch

Therese Hochhuth Ines Hoffmann

Alexandra Hammer

Markus Hedke-Wontka

Senta Heidenreich

Bernd Hess

Josef Haider

Angela Hansen

Martina Harlos

Alexander Hein

Hans-Jürgen Henke

Christian Hähnel

Andrea Härtel

Till Heimlich

Alexandra Herzog

Jonas Haentjes

Katja Hamann

Frank Hausmann

Isabel Grüttner

Nicola Haase

Johannes Hannig

Thomas Hansen

Stefan Harder

David Großmann

Hans-Martin Gutsch

Linda Haase

Andreas Hain

Dennis Grimm

Gabriele Grube

Stefan Grünwald

Tanja Gutschmidt

Michael Hanau

Britta Graupner

Silvia Hildebrand Franz Hillinger

Ranka Hinnrichs

Tanja Knitter

Sybille Goldmann

Maike Greve

Niels Grötsch

Stephan Grulert

Diana Guse

Anne Geist Bettina Gerber

Hendrik Hibbe Adrian Hillekamp

Nicolas Hoeborn

Christian Kayatz

Jens Geisemeyer

Inken Gessler Marieke Gleim

Roland Gareis

Christian Georgi

Andrea Gerle

Melanie Hill

Carina Kaiser

Kenny Gates

Dagmar Geisemeyer Ulrich Genschel

Oliver Fritz Jens Füllkrug

Stephen Gardner

Lynda Hill

Deniz Jaspersen

Anna Gandt

Hans-Peter Geerdes

Anja Gengerke Klaus Gerschler

Sonja Frischko Marlon Fuhrhop

Marcel Gajda

Bettina Gaßner

Hans-Martin von Gaudeker

Sabrina Frahm Andrea Freese

Christian Freudenberg

Kaimt Friedrich

Markus Gardeweg

Emilia Gasanova

Mark Flury

Thorsten Frahm Anke Franzbach

Susanne Gahr

Jennifer Ferron Harriet Fischer

Mark Flury

Annika Fröhlich

Sven Grindemann

Bart Brusseleers

Ulrich Büsing

Wiebke Claußen

Delia Brössel

Axel vom Bruch

Fedja Burmeister

Maria Buschuew

Alexandra Cuevas Moreno

Hauke von der Brelje

Oliver Brusch

Tobias Gabler

Uwe Glawion

Nadja Braun

Bettina Budde

Karin Cavelmann

Martina Clausen

Marten Brandt

Kerstin Brockmann

Franz Broze

Petra Bussmann

Bianca Böttcher

Norbert Breiter

Peter Brühning

Mandy Buchmüller

Barbara Burrows Kai Busse

Joris Brandt

Britta Brockmann

Lindsay Brown

Fred Bökelmann

Benjamin Braun

Torben Friederichsen

Rudolf Feix

Florian Feldmann

Ann-Kathrin Frese

Andreas Fritzsche

Mark Geise

Henrike Boden

Nicole von Borstel

Nils Braasch

Anja Bruchschmidt

Norbert Beyss

Margot Bitter

Michael Böing

Gerlind Brase

Sabine Bringmann

Jan Benkmann Lille-Ann Bernstein

Britta Blunck

Nicole Boller

Jan Becker

Sebastian Bender

Katharina Beyer

Clive Black

Hauke Böhmer

Andreas Baxmann

Dennis Becker

Andreas Freiberg

Stefanie Engstler

Murat Ertuna

Henriette Faller

André Finkenwirth

Sebastian Bartels

Michaela Berger Birgit Bieler

Swantje Fiedler

Martina Bauer

Martina Engler

Julia Heyns

Andres Heyn

Anja Engelberg

Axel Erler

Fabian Feldhaus

Lars Fliß

Stefan Bendzko

Dennis Bittnerowski

Andrea zum Felde Astrid Fischer

Katja Behrens

Mareike Beutin

Falko Engelmohr

Jennifer Baab

Michael Baur

Heiko Beck

Christian Behrendt

Verena Berscheid

Gudrun Arnold

Marcos Batalla Brosig

Eileen Beck

Uta Behnfeld

Veronika Epstein

Claudia Bahr

Sinan Baymak

Martin Engel

Maike Engelmann

Philipp Bartels

Susanne Bauer

Michael Emmermann

Gabriele Endler

Dagmar Ande

Karim Ayadi

Rolf Bähnk

Dirk Bartel

Oxana Emmert

Isabelle Albrecht

Simone Arndt

Wenke Arp

Gunnar Astrup

Wolfgang Ellgass

Stefan Ellenberg

Friedrich Agricola

Alexandra Lubitz

Torsten Ludwig

Hendrik Lücke

Karen Lührs


117

Frank Lukowski

Stephanie Lüttge

Jochen Mader

Dirk Mahlstedt

Melanie Malchau

Insa Mammen

Stefan Matthiessen

Antje May

Ulf Mehnen

Torsten Mewes

Jana Meyer

Skadi Meyer

Julia Meyer-Christian Philipp Michaelis Vincent Miechielsen

Annika Meyer

Anke Mittelstedt

Rainer Moslener

Jasmin Mossadeghi

Gabriele Mularcyzk Stephanie Müller Lori Münz

Jürgen Müller

Christian Nasarow Ulrich Nefzer

Jennifer Mottschall Kai Münster

Ulrich Renaud

Dominique Reuter

Dolores Ribas

Jochen Richert Wolfgang Riehl

Sabine Rosinke

Katja Ruge

Philipp Schemmerling

Susanne Schimanski

Tobias Schmid

Jos Bendinelli Negrone

Torger Neuhaus

Jirka Neumann

Christof Schmidt

Rebecca Neumann

Roland Neururer

Claudia Nickel

Georg Schmitz

Yvonne Niedung

Teiko Nielson

Hayo Nörenberg

Daniela Noß

Peo Nylén

Marc Oback

Christine Oeffner

Esther Otto

Anita Olin

Reinhard Piel Michael Pohl

Michel Petré

Horst Poppelreuter

Iris Prechter

Katinka Preugschat Ralf Quast

Heiner Peschmann Jennifer Picht

Dirk Piotrowski

Christian Poeppel

Paula Poeppel

Elke Polensky

Grit Polewey

Carsten Pralle

Henning Pralle

Aileen Prill

Marita Prohmann

Jens Quindt

Natalie Scholz

Bärbel Schopf Detlef Schröder

Peter Raasveld

Joachim Schulten Dieter Schumacher

Marta Sekula

Gilawa Siami

Saba Siami

Patrick Sinn

Oliver Sittl

Peter Skerra

Nina Smolny

Marina Sobzig

Angelika Sorgenfrei Eric Spangenberg

Daniela Siedler Torgny Sjöö

Malte Sorgenfrei Parastou Soudavar Andrea Spengler-Müller

Alan Tan

Angelika Struck

Matthias Stürmer

Katja Swandulla

Sandra Tauer

Tim Teege

Barbara Tetzlaff

Bärbel Tetzlaff

Cornelia Theege

Jens Thele

Martina Thiemann Jonas Thulin

Sarah Tuck

Bodo von Ulmenstein Christian Venz Sven Vogt

Anja Voigt

Max Vaccaro

Yasmin Voth

Frank Walter

Uwe Völz

Thomas Wehrmann

Ines Weidemann

Chris Wembcken

Wido Wendker

Malte Wendtland

Tanja Wendzick

Cornelia Wesche

Matthias Wiebusch

Raj Sen Gupta Mark Shekleton

Martina Wiemer

Julia Wiese

Sven Wilking

Peter Wilson

Hasko Witte

Andrea Witthöft

Romina Wodara

Linda Weber

Martina Wehrendt

Stefan Weikert

Martin Weiland

Malte Weiß

Sam Weißmeier

Ewelina Wendt

Nicole Wendt

Kjeld Wennick

Alexander Wensien

Sebastian Wiegandt

Nicolas Wieske

Ulrike Wilckens

Wolfgang Winkler

Frank Winter

Marietta Witthöft

Nathalie Wohlers

Hans-Peter ten Wolde

Julia Wasmus

Rolf Weber

Christian Wegerich

Susanne Schulz

Jörn Seidel

Thomas Warkentin

Merlijn Weber

Jessica Schumacher Maj-Britt Schweigler

Daniel Wagner

Christian Wahlberg

Sonja Wasmus

Hannelore Weiß

Katrin Vollmer

Cornelius Voss

Anna Wahdat

Stefan Wedler

Michael Vögler

Stefan Wächter

Peter Warkentin

Theresa Weber

Christian Vater

Christian Voigt

Philipp Warneke

Philipp Webler

Wiebke Tschorn Tim Ukena

Andrea Vincentz

Birgit Voigt

Axel Tittko

Christiane Trapp

Helge Trilck

Matthias Voltmer

Florian Vollmert Richard Vossgätter

Elke Weber

Axel Tönjes

Nam Uong

Bence Thoroczkay

Claudia Tischer

Irene Turezkiy

John Wallin

Nelly Schoene

Jonna Tietz

Christoph Viering

Caroline Tesch

Cornelia Thieleke

Sandra Thomsen

Ursula Tresp

Ulrike Tubenthal

Patricia Tamaschke

Yvonne Tharandt

Ines Theobald

Justus Tomczak

Stefanie Treczokat

Frank Sudjono

Frank Thane

Sabine Thürnau

Bärbel Tomas

Mascha Strunk

Karsten Teichert

Dagmar Thom

Ina Strate

Tobias Streck

Samira Szago

Martina Weinmar

Jonas Sjöström

Antje Sonnabend

Jörg Stübing

Strybny

Astrid Stöfhas

Torben Storjohann

Susanne Strauß

Jörg Strohmann

Antje Warnecke

Bahne Sievers

Bettina Snowdon

Bernd Sommer

Dieter Sonnabend

Terry Shand

Arno Strauß

Jürgen Schuback

Bruno Seidel

Tim Sellmann

Martin Seubert

Andrea Stratmann Mark Ströh

Nina Stepanek

Karin Stiller

Henning Stoltenberg

Uwe Schnalle

Elisabeth Schumi

Jan Schwede

Jelena Stojanovic

Claudia Steder

Timo Steinberg

Lena Stelling

Beate Stetter

Sebastian Schmitt

Simon Schulz

Imke Schumacher

Catrin Steinmann

Kai Stern

Thomas Wagner

Anne Schroer

Jessica Schröter

Jens Stephan

Beate Stadler Andreas Steder

Thomas Stein

Dirk Wagner

Udo Schramm

Gerhard Schröder

Ann-Janine Seefried

Karl-Heinz Seidler

Udo Schmidt

Michaela Schoenau

Jeannette Schwarz

Hans-Werner Serwe

Jenny Schmackei

Sebastian Schmitt

Caroline Schroeter

Julia Schwencke

Mirkovon Schlieffen

Cornelia Schlopsnies

Silke Schöttgen

Richard Schulze

Heidi Schirmer

Nina Schnackenbeck

Linda Schreiber

Manja Schumacher

Doreen Schimk

Oliver Schmidt

Anne Schroeter

Martin Schuhmacher

Doreen Scheffler

Sönke Schlüter

Stefanie Schnürer

Hans Schuster

Monika Pauler

Frauke Pfadenhauer

Jörg Pflaumbaum

Svenja Pokora

Martina Ott

Indra Schlüter Amelie Schmidt

Nicole Schnitzler

Tobias Schulz

Axel Pani

Julian Paul

Patrick Peschke

Lena Pollak

Franciska Puscas

Oliver Ost

Olga Otero-Carill

Reinhard Piel

Lars Poeck

Selma Oezmen

Janek Olschewski

Manuel Pandalis

Silvia Panos-Aguilera

Clemens Pfestorf

Guido Plüschke Jens Pohl

Susanne Ostermann

Andrea Petersen

Claudia Pfeifer

Anja Obersteller

Sonja Osbild

Tatjana Peric

Yvonne Paulien Katja Peters

Michaela Nüssler

Hasan Oezdemir

Klaus Ollmann

Tarkan Öztepe

Dirk Pannemann

Camilla Piel

Michael Oberhofer

Annette Oplesch

Sarah Ostermann

Martin Nissen

Benjamin Nurtjipta

Stefanie Oesch

Martin Oldenburg Marlene Opitz

Thomas Nierth

Elisabeth Schlingheide

Britta Schmunz

Jörg Schäfer

Oliver Scheer

Patrick Schlie

Daniel Schmidt

Maike Neumann

Dijana Sapic

André Schirmer

Thomas Schlegel

Salih Sahal

Raimo Salin

Lutz Schabelski

Sandra Scheel

Berit Schirmer

Henning Rudat

Bernd Runge

Ines Sandleben

Johannes Steil

Dennis Südkamp

Thimon Sae-Hor

Pia Salewski

Britta Sander

Marie Schliemann

Ricardo Nebot-Perez

Dariusz Rozbicki

Felix Scheder-Bieschin

Lena Schiweck

Christian Röpke Letizia Rothschuh

Jean-Pierre Rullmann

Ralf Salentin

Guido Schindlbeck

Annalena Rohde

Wolfgang Rothhaupt

Zahra Sayami

Kristina Sass

Ozanan Rocha

Sonja Rosenfelder

Raffael Rybczynski

Daniela Salzhuber

Thomas Rieck

Alexander Röhrs

David Rowley

Marcus Ruschmeyer

Helke Reuter

Bernd Rogalewski

Dennis Rose

Lukas Roth

Carsten Schlumbom

Nadia Nazzal

Dorthe Rinneberg

Frederick Staudacher

Matthias Steinhauer

Karin Reuter

Mathies Rickertsen

Alexander Röhrs

Sören Rose

Robin Steen

Kai Reinecke

Carsten Stäcker

Felicitas von Stackelberg Nicole Stapinski

Isabelle Rennert

Michael Roeder

Ceylan Rohrbeck Jens Rose

Julia Raskopf

Michael Rauscher

Nicola Reimann

Christian Rentschler

Heide Nagel

Jascha Nagy

Mirco Ramm

Julia Rathjens

Yvonne Reinshagen

Kathrin Mußwessels

Alok Nag

Gino Naschke

Niko Müller

Harm Münster

Patrik Musall

Katrin Nadolny

Julia Möller

Remmer Morgenroth

Martin Müller

Marion Müller-Klausch

Mark Murphy

Silvija Muzek

Frieder Mollat

Dee Ung Moon

Timo Reiche

Michael Salamon

Roja Moghaddam

Janine Mohry

Pietro Monti

Martin Rehm

Martin Ruder

Urs Middelhauve

Melanie Mittelstadt

Vincent Monney

Ute Rather

Jürgen Rottensteiner

Inga Michaelis

Henry Michehl

Yvonne Mittmann-Seggewiß

Sebastian Mogos-Lindemann

Patricia Meyer

Margret von Meyer

Annika Meyer-Willkomm Sonja Mihelcic

Alexander Mertsch

Mirco Meyer

Andreas Rath

Martina Roeder

Yvonne Mercker

Albert Mertes

Claudia Radtke

Christian Radtke

Ralf Rieder

Gunnar Meinecke

Jörn Meyer

Stefan Michalk

Hannes Matthiessen

Sabine Merbt

Anna-Sophie Mertens

Lara Meske

Wolfgang Marx

Andre Medow

Nils Meier

Gabriel Mendoza-Reyes

Timo Meisel Philipp Merget

Hans Maron

Gunnar Marx

Sandra Matthiesen

Ralf Matzat

Sascha Mehlhase

Willi Manz

Silja Markgräfe

Detlef Martensen

Björn Mathes

Daniel Lycett Pierre Maiwald

Sanna Manford

Lars Mardfeldt

Kerstin Marcus Thorsten Martens Torsten Marx

Schabelski Lutz

Martina Maiwald

Anja Woldt

Stephan Witthöft

Maren Woiczyk Maren Wolff

Rieke Woker

Nadja Wolter

Nils Wortmann

Witold Wozniak

Hendrike Wulfert-Makert

Haijing Xie

Selma Yesilyurt

Duygu Yilgür

Angela Zehe

Matthias Zehnder

Frank Zicklam Nicola Zingarelli Andrea Zohm

Betriebsausflug 1991

Matthias Zielinksi Markus Zint Mareike Zorndt

Jane Zajaczek

Antonia Zellmer

Ina Zeplin

Alida Ziemann

Natalie Zirkler Anne Zwirnlein


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Viel zu hören, zu sehen, zu feiern und zu genießen: auf der Party zum 25sten Edel-Jubiläum, während des Hamburger Hafengeburtstages 2011.

Jubel-Party


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Autoren Willi Andresen ist freier Musikjournalist in Hamburg. Er war 1978/79 Mitglied der Sounds-Redaktion, danach freier Mitarbeiter für Musikexpress, Stereoplay, ZEITmagazin, stern, Playboy, Hifi & Records, Fachblatt sowie Hamburg-Korrespondent des Branchenmagazins Musikmarkt. Seit 1986 ist Willi Andresen alleiniger Autor des Gesellschaftsspiels Trivial Pursuit. Götz Bühler ist Jazz-Journalist und Redakteur u.a. bei Jazzthing, Regisseur und Moderator sowie passionierter Plattensammler. Klaus Burgmair schloss als 40-Jähriger 1999 den Studiengang Diplom-Soziologie, Interkulturelle Kommunikation und Markt- und Werbepsychologie an der LMU München erfolgreich ab. Nach freien Tätigkeiten, darunter für Radio Gong 96,3 und die Zeitung Condor in Santiago de Chile, startete er seine berufliche Laufbahn bei G+J Entertainment Media, wo er nach diversen Stationen seit Januar 2010 die Fachzeitschrift VideoMarkt und Duplication & more als stellvertretender Chef­ redakteur verantwortet. Darüber hinaus liegt die Verantwortung für den Branchen­ kongress Video Entertainment und die Abend-Gala Video Night in seinen Händen. Jürgen Christen arbeitete nach dem Germanistik-Studium als Journalist für den Buchreport in Dortmund und wechselte dann in die Bertelsmann-Pressestelle nach Gütersloh. Er ist seit 1990 in Hannover mit eigener PR- und Redaktionsagentur für verschiedene Verlage und kulturelle Einrichtungen tätig, hat u.a. das Veranstaltungsmarathon »Leipzig liest« mitorganisiert und schreibt regelmäßig für das Branchenmagazin BuchMarkt. Max Dax ist Journalist und Buchautor, Fotograf und Grafiker. Er war Herausgeber der Interview-Zeitschrift Alert und Chefredakteur des Musikmagazins Spex. Judith Haentjes geboren 1990 in Hamburg, arbeitete viele Jahre bei diversen Anlässen als ServiceKraft bei Edel. Seit dem Abschluss ihrer Schullaufbahn studiert sie Produkt Design in Rotterdam und arbeitet als freie Designerin. Mathias Haentjes geboren 1959. Nach Schulzeit und Abitur in Köln: Studium der Geschichte, Theater­ wissenschaften und Kunstgeschichte in Köln und Florenz. 1986-1991 Redakteur beim WDR-Fernsehen. Seit 1991 freiberuflicher Autor und Regisseur. Zahlreiche Fernseh­Dokumentationen zu Themen der Kultur und der Zeitgeschichte für ARD, arte, SFDRS und WDR. Bernd Hocke geboren in Bremen, studierte Betriebswirtschaft, ist Finanzfachmann und Kommunikationschef der Edel AG sowie Chefredakteur des Edel-Magazins prego:. Ernst Hofacker geboren 1957 in Recklinghausen, arbeitete als Redakteur u.a. bei Bravo und Musikexpress, entwickelte für den Axel-Springer-Verlag Sounds. Heute arbeitet er als freier Buchautor, schreibt für mehrere Magazine und leitet als Chefredakteur das Magazin Guitar Dreams.

Martin Hoffmeister studierte Germanistik, Philosophie, Rhetorik und Musikwissenschaft. Seit 1987 arbeitete er als Redakteur und Moderator bei diversen deutschen und ausländischen Radio- und TV-Sendern. Daneben als freier Publizist für internationale Tagespresse und Fachmagazine sowie für diverse Buchprojekte. Seit 1991 ist er Redakteur und Moderator beim Kultursender (Figaro) des Mitteldeutschen Rundfunks, seit 2004 Programmchef Musik. Miriam Holzapfel-Groothuis ist Kulturwissenschaftlerin und konzipiert und organisiert in Hamburg Literatur­projekte für Kinder im Vor- und Grundschulalter. Sie ist Gründerin des KinderKulturKontors. www.kinderkulturkontor.de Florian Illies geboren 1971 in Schlitz bei Fulda, studierte Kunstgeschichte in Bonn und Oxford, leitet seit 2001 das Ressort »Feuilleton und Literatur« der ZEIT. Seit Sommer 2011 ist er einer der vier Gesellschafter des Berliner Auktionshauses Villa Grisebach. Illies war Leiter der Berliner Seiten der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und des Feuilletons der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Nach seinem ersten Bucherfolg »Generation Golf« (2000) war er Mitbegründer des Kunstmagazins Monopol. Martin Lagoda ist Buch- und Magazin-Autor sowie ein langjähriger Foodjournalist, u.a. für Der Feinschmecker und als Chefredakteur von essen & trinken. In 2009 erschien von ihm »Das Kochbuch der vergessenen Genüsse«. Sebastian Rumberg geboren 1986 in Dresden, studierte Kommunikations- und Medienwissenschaft in Leipzig. Arbeitete als freier Journalist und Grafiker; Gründer der Agentur The Leipzig Network. Dietmar Schwenger wurde 1969 in Bochum geboren. Nach dem Studium der Germanistik und Philosophie an der Ruhr Universität Bochum arbeitete er als Musiker in verschiedenen Bands und Ensembles sowie als freier Journalist. 1999 ging er nach München zur Fachzeitschrift MusikWoche, wo er als Redakteur unter anderem für die Bereiche Live Entertainment und Medien verantwortlich zeichnet. Der passionierte Musikliebhaber ist auch als Moderator tätig. Unter anderem hat er Diskussionsrunden auf der Frankfurter Buchmesse, der Popkomm, dem Reeperbahn Festival, der Luxemburger Sonic Visions und dem Amsterdam Dance Event geleitet. Wolfgang Spahr ist Herausgeber des Branchen-Newsletters musik&multimedia und Deutschland-Chef des US-Entertainment-Magazins Billboard in New York. Außerdem schreibt er regelmäßig Beiträge über das Entertainment-Business für europäische Publikationen. Elke Serwe ist freie Journalistin in Hamburg. Ihre Themenschwerpunkte sind Kultur und Gesundheit, als Autorin und Textchefin arbeitet sie u.a. für die Magazine Für Sie und Plus.


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Impressum Herausgeber: Michael Haentjes Chefredaktion: Bernd Hocke Konzeption, Redaktion: Niko Müller Redaktionelle Mitarbeit: Marion Müller-Klausch CD-Compilation: Sabrina Frahm Gestaltung: Groothuis, Lohfert, Consorten Art Direction: Gerd Schröder Lithografie: Frische Grafik Bild- und Copyrightnachweis: Seite 8, 11, 12, 108, 111, 112, 120/121, 124/125: www.stefanmalzkorn.de Seite 30 (Gregorian): Knut Schulz Seite 27 (Blümchen): AB Glanz Seite 32/33 (Marianne Rosenberg): Seregel Seite 34/35 (Ragna Schirmer): Frank Eidel Seite 36/37 (Ludwig Güttler): Kasskara Seite 38/39 (Mihaela Ursuleasa): Julia Wesely Seite 40: (Christiane Karg): Steven Haberland Seite 41 (Concerto Köln): Gianpiero Corelli Seite 44/49 (e.s.t., Helen Schneider): Jim Rakete Seite 46 (Erdmöbel): Matthias Sandmann Seite 52 (ZZ-Top): Stephanie Alexander. Seite 56 (Heidi): C 2011 STUDIO100 MEDIA, www.studio100.de Seite 59 (Pettersson & Findus): C 2011 Edel Germany GmbH, Happy Life Animation AB, A. Film A/S - All rights reserved. Lizenz durch Edel Germany GmbH, Hamburg Seite 60 (Yakari): C Storimages - 2 Minutes - Belvision - RTBF C Derib + Job - Le lombard (Dargaud-Lombard S.A.) 2011 Seite 74/75 (Skunk Anansie): Jeon Seung Hwan Seite 76 (Kool & The Gang): Silvia Mautner Seite 77 (Chris Rea): Olaf Heine Seite 78 (Status Quo): Katarina Baliova Seite 79 (Foreigner): Bill Bernstein Seite 80 (Kevin Costner): Strussfoto Seite 95 (Gruppenfoto): LICHT FORM ARTE, Michaela Kuhn Seite 97 (Martin Solveig und Lafaille): Tristan Seguela Seite 114 (Gebäude): Klaus Frahm Alle Übrigen: Edel AG / privat Wir haben uns bemüht, alle Nutzungsrechte zu klären und Quellenangaben korrekt auszuweisen. Sollten darüber hinaus rechtmäßige Ansprüche bestehen, melden Sie sich bitte bei uns. C 2011 Edel AG Produced by optimal media GmbH, Röbel/Germany Printed and manufactured in Germany

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12 2 Musik

die besten Tracks ... ... aus einem Vierteljahrhundert.

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Scooter Hyper Hyper 3:35 Written by H.P. Baxxter / Rick J. Jordan / Ferris Bueller / J. Thele · Published by: Rückbank Musikverlage P 1994 Sheffield Tunes · ISRC: DE-N27-02-00145

02

Blümchen Boomerang (Boomerang in der Luft Mix) 3:51 Written by Meyse / Lukas / Paralyzer · Published by: Peer Musikverlag GmbH / Polygram Songs P 1996 An Original Peer Southern Production · ISRC: DE-K89-96-00030

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12 Mousse

T.

Horny '98 3:57 Written by Mousse T. / Errol Rennalls · Published by: Mergmusic / Rondor P 1998 edel records GmbH · ISRC: DE-H84-97-01076

13 Incognito Listen To The Music

Written by Jerry Knight / Aaron Zigman · Published by: Rondor Musikverlag P 1997 edel records GmbH · ISRC: DE-H84-97-00039

Written by Tom Johnston · Published by: Warner Chappell P 2004 edel records GmbH · ISRC: GB-HEA-04-00011

David Hasselhoff California Girls 02:51 Marshall & Alex ander Freunde 2:33 Lyrics: Nina Vigors / Doris Decker · Music: Benni Dernhoff / Doris Decker Published by: Don Hilgro MV / AMV Talpa / Edition A Plus Publishing / Hanseatic MV / Edition D&D Publishing P 2009 Edel Germany GmbH · ISRC: DE-H84-09-00166

06 Stefan

Raab

Maschen-Draht-Zaun (Radio Edit) 3:24 Written by Stefan Raab · Published by: Roof Groove Music / Verlag EMI Publishing / Brainpool Music Publishing · P 1999 RARE

07 Chris

Rea

Stony Road 5:30 Written by Chris Rea · Published by: Hornall Brothers Music Ltd. P 2002 edel records GmbH · ISRC: DE-H84-02-00237

08 Chris

De Burgh

Five Past Dreams 3:47 Written by Chris de Burgh · Published by: Hornall Brothers Music Ltd P 2004 Ferryman Productions Ltd., exclusively licensed to edel records GmbH · ISRC: GB-GRM-04-00006

09

& The Gang

featuring Liberty X Fresh 3:07 Written by J.T. Taylor / Sandy Linzer / Kool & The Gang · Published by: Warner Chappell P 2004 edel records GmbH / Liberty X appear courtesy of V2 Records Limited · ISRC: GB-DJQ-04-00027

Aaron Carter Crush On You (Main Mix) 3:25

Written by Brian Wilson · Published by: Irving Music Inc. / Neue Welt Musikverlag GmbH & Co KG P 2004 edel records GmbH · ISRC: DE-H84-03-00393

05

11 Kool

Orange Blue She's Got That Light 3:38 Written by Orange Blue / Oliver Fahrenheit · Published by: Edition 20.000 Miles / Peer Music P 2000 edel records GmbH · ISRC: DE-H84-00-00056

10 Jennifer

Paige

Crush 3:19 Written by A. Goldmark / K. Clark / M. Mueller / B. Cosgrove · Published by: About Time M./Moo Maison / Be Le Be Music/Rondor / New Nonpareil Music Inc. / Warner-Tamerlane Publ. P 1998 Edel America Records, Inc. / Hollywood Records · ISRC: DE-B34-98-00301

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14 Lisa

4:49

Stansfield

Treat Me Like A Woman 4:00 Written by Kara Dioguardi / John Hammond-Hagen / George Hammond-Hagen / Layla Manoochehri Published by: EMI Music Publishing Ltd. / Copyright Control P 2005 edel records GmbH under exclusive license from ZTT Records Ltd. · ISRC: GB-AHW-04-00007

15 JoJo Leave (Get Out)

4:01 Written by Soulshock / Kenneth Karlin / Alex Cantrell / Phillip Silky White Published by EMI Blackwood / Full of Soul Music P 2003 DA Family Entertainment / Blackground Records · ISRC: US-BGR-03-00051

16 Toni

Braxton

Please 3:57 Written by S. Storch / M. Riddik / V. Herbert / K. Houff · Published by: Scott Storch Music / TVT Music P 2006 Black Ocean Records, LLC. · ISRC: US-BGR-05-00001

17 Gregorian Join Me

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18 Status

Quo

Let's Rock 4:28 Written by Richard Parfitt / Wayne Morris · Published by: EMI Music Publishing Germany / Hornall Bros Ltd P 2011 Fourth Chord Records Ltd. under exclusive license to Edel Germany GmbH · ISRC: DE-H84-11-00319

19 Chickenfoot Oh Yeah

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