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Oberndorf


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Politik • Standort Oberndorf

Im neuen

Licht

Von wegen graue Industriestadt: Oberndorf hat sich in den vergangenen Jahren kräftig gewandelt. Weil die Bürger den Strukturwandel als Chance gesehen haben, fließen pro Jahr 4,7 Millionen Euro in die Neugestaltung. Und die Unternehmen investieren zusätzlich.

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ür Hermann Acker sind es von seinem Schreibtisch aus nur wenige Schritte. Dann hat der Bürgermeister von Oberndorf die einschneidenden Veränderungen in der Stadt im Blick: Gegenüber dem Rathaus jenseits der B14 liegt das weitläufige Gelände von Rheinmetall Denfence, den früheren MauserWerken. Das Areal ist komplett

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überarbeitet, alte Gebäude sind abgerissen, andere saniert. „Jetzt gibt es von hier aus erstmals freie Sicht auf den Hang gegenüber“, verdeutlicht Acker Oberndorfs Umbruch vom Fenster aus. Man kann sagen: Die Stadt am Neckar steht im neuen Licht. Denn über Jahrhunderte ist Oberndorf vor allem eines: Eine Industriestadt, eine Stadt der

Wehrtechnik. Hier haben schon Kelten und Römer erste Waffen geschmiedet. König Friedrich I. von Württemberg legt im Jahr 1811 mit dem Bau einer Königlich-Württembergischen GewehrFabrique den Grundstein für die Industrialisierung. Die entsteht zwar ausgerechnet in einem säkularisierten Kloster samt Kirche, doch die Arbeitsplätze sind

begehrt. Der Schwarzwald ist zu dieser Zeit nicht mit Reichtum gesegnet. Um 1860 befassen sich die Brüder Wilhelm und Paul Mauser mit der Entwicklung einer Hinterlader-Konstruktion für Infanteriegewehre. Sehr erfolgreich: 1872 wird das MauserGewehr zur Standard-Waffe in deutschen Armeen, 1874 über-

Foto: Michael Bode


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Oberndorf im neuen Licht: Dank des Strukturwandels hat sich in der Stadt einiges getan

nehmen die Brüder die Gewehrfabrique. Und aus Oberndorf wird ein ansehnliches Städtchen. Bereits in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts entstehen Schulen, Spital, Sparkasse und Volksbank, dazu kommt ein eigener Bahnanschluss. Der Name Oberndorf ist nun in aller Welt fest mit der Wehrtechnik verbunden. Im Grunde ist er das bis heute. Nur ist Oberndorf inzwischen viel mehr als Pistolen und Gewehre. Das Ende des Kalten Kriegs beschert der Stadt am Neckar die Zäsur. Die Wehrtechnik ist kaum noch gefragt. Unternehmen von

Weltruf wie Heckler & Koch bekommen das knallhart zu spüren. Hunderte Arbeitsplätze gehen verloren, Fabriken stehen leer. „Das war eine enorme Herausforderung“, umschreibt es Acker. Was für den Bürgermeister in seinem Büro nur wenige Schritte hin zum neuen Licht sind, ist für Stadt und Bürger ein großer: Der Ort musste sich komplett neu finden. „Es waren viele wichtige Schritte für das Überleben einer kleinen Stadt“, sagt Rüdiger Kirn. Der Optiker ist der Vorsitzende des rührigen Handels-und Gewerbevereins. Kirn umschreibt in ei-

nem Satz den langwierigen Prozess, in dem Handel, Gewerbe und Bürger eine Vision für das neue Oberndorf erarbeitet haben. Die Krise, sie wurde als Chance verstanden. Jetzt konnte man städtebaulichen Verwerfungen wie die unglückliche Verkehrsführung ändern. Es gab 2001 einen städtbaulichen Wettbewerb, an dem sich 557 Büros beteiligen. Kirn: „Seit dem Amtsantritt Ackers vor zehn Jahren hat sich viel bewegt.“ Viel bewegt lässt sich in einem Durchschnittswert ausdrücken: 4,7 Millionen Euro investierte die Stadt in den vergangenen zehn

Jahren. Jahr für Jahr. Dafür erhielt Oberndorf eine Umfahrung der Oberstadt – auch wenn eine echte Umfahrung aufgrund der engen Tallage nicht möglich ist. Aber immerhin tangiert der Verkehr nicht mehr direkt die Innenstadt. Mit der Umfahrung entstehen Parkund Spielflächen, die Volksbank Schwarzwald-Neckar investiert in einen architektonischen Gegenentwurf zu den Fachwerkbauten. Jüngstes Projekt: Für rund eine Million Euro ist der Innenstadtbereich aufgewertet worden. Und das alles sind nur die Entwicklungen in der Oberstadt.

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Politik • Standort Oberndorf

In der Unterstadt, in den sogenannten Talauen im engen Neckartal setzt sich das Oberndorfer Facelifting fort. Hier macht wie gesagt Rheinmetall durch die Neugestaltung der Mauser-Werke den Weg für weitere Veränderungen frei. Und auf dem Gelände rund um den Bahnhof entsteht großflächiger Einzelhandel. Auf dem Areal eines ehemaligen Bauunternehmens steht nun ein modernes Feuerwehrgerätehaus. Doch nicht nur das Stadtbild verändert sich, auch die Unternehmen. So fand Heckler & Koch wieder seinen Platz als Ausrüster von Polizei und Armeen. Aktuell baut der Wehrtechnikspezialist für 3,3 Millionen Euro ein neues Ausbildungszentrums. Bereits in den vergangenen Jahren wurde das Unternehmen mit Millionenbeträgen fit gemacht. Auch das Medienunternehmen Schwarzwälder Bote investiert in den Stammsitz: Das prägnante Gebäude am Eingang zur Oberstadt wird innen wie außen kom-

In die ehemaligen Mauser-Werke hat Rheinmetall Defence kräftig investiert.

plett überarbeitet. Bis zur 175Jahr-Feier des Traditionsverlags im kommenden Jahr soll alles hergerichtet sein. Frisch in Oberndorf ist dagegen Exeron: Die AG hat für 6,3 Millionen Euro einen Neubau auf dem Gelände von Mafell, Hersteller von hochwertigen Zimmereimaschinen, bezogen. Exeron ge-

hört als einer der führenden Hersteller von Erodierzentren für den Formenbau zur Mafell-Gruppe. Zugleich sind die beiden ebenso wie die Lange-Gruppe gute Beispiele für die breitere Aufstellung des neuen Oberndorfs: Die Brüder Karl-Heinz und Ralf Lange haben das Familienunternehmen mit Schwerpunkt auf Flachdachbau

zum Dienstleister umgebaut. Sie dichten Dächer, beschichte Böden und stellen im eigenen Kunststoffbetrieb Dachzubehör her. Aber nicht nur die ortsansässigen Unternehmen investieren. Die EnBW hat 1,9 Millionen Euro in ein neues Bezirkszentrum gesteckt: Die sechs Mitarbeiter stellen die Versorgung von rund Fotos: Michael Bode

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Einwohner davon weiblich Ausländer Haushalte Kaufkraftkennziffer

Rüdiger Kirn sieht Oberndorf als HGV-Vorsitzender auf einem guten Weg

61 000 Kunden in dem 352 Quadratkilometer großen Netzgebiet des Bezirkszentrums sicher. Die EnBW stellte aber auch die weitere Entwicklung von Oberndorf sicher: Die Stadt kaufte kurzerhand alte Areale des Versorgers, um darauf Platz für Neubauten zu schaffen. Damit war der Ort eine Modellkommune des Landes beim Melap-Projekt: Dabei wurde musterhaft vorgeführt, wie durch die Reaktivierung innerörtlicher Potenziale Platz geschaffen werden kann, ohne Flächen auf der grünen Wiese zu verbrauchen. Unterm Stich also eitel Sonnenschein in Oberndorfs neuem Licht? Wer sich die beinahe schon traumhafte Zahl von 7750 Arbeitsplätzen bei „nur“ rund 15 000 Einwohnern anschaut, mag das meinen. Und die Zahl von 4000 Einpendlern gegenüber 2500 Auspendlern spricht ebenfalls für sich. Doch ganz so leuchtend ist es nicht. Zwar ist die Wirtschaft in der Stadt in den vergangenen Jahren breiter aufgestellt. Doch die aktuelle Krise hat auch in Oberndorf Bremsspuren hinterlassen. Bürgermeister Acker: „Wir rechnen mit Weniger-Einnahmen im Haushalt von ein bis zwei Millionen Euro.“ Bei einem Haushaltsansatz bei der Gewerbesteuer in Höhe von 6,5 Millionen Euro ist das eine Hausnummer. Acker stellt deshalb alle Projekte auf den Prüfstand. Auch den HGV-Chef Kirn reut so manchen Leerstand: „Natürlich haben auch hier die Geschäfte hart zu kämpfen.“ Doch die Inhaber tun es gemeinsam. Der HGV wird nun sogar im Verbund mit den Unternehmen breiter aufgestellt.

Derzeit laufen die Abstimmungen, um eine Art City-Manager auf Zeit einzustellen. Das Ziel laut Kirn: „Oberndorf soll sich als Stadt mit inhabergeführten Geschäften von den anderen Innenstädten und deren Filialisten abheben.“ Kirn und Acker sehen die aktuelle Lage deshalb als vorübergehende Phase der Verdunkelung. Am neuen Oberndorf wird weiter gebaut. Ein innenstadtnahes Parkhaus steht noch auf der Wunschliste, dazu Investitionen am ehemaligen Gebäude der Schwarzwälder Bote-Rotation. Zudem wird in der Unterstadt noch die Verkehrsführung geändert. Acker: „So rücken die Kräne Stück für Stück weiter“. Und schaffen Platz für noch mehr Licht. Dirk Werner

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Freie Gewerbeflächen insgesamt (in Hektar)

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Politik • Standort Oberndorf

Hermann Acker, 51, ist seit zehn Jahren Bürgermeister in Oberndorf. Bei der Kommunalwahl 2009 ist er als Stimmenkönig in den Kreistag des Landkreises Rottweil eingezogen. Die Wahl ist Ausdruck seines Ansehens: Acker treibt die Neupositionierung der Stadt kräftig voran.

Verlässlicher Partner Bürgermeister Hermann Acker verfolgt in Oberndorf einen klaren Kurs: Schulden runter, Investitionen rauf. Unternehmen und Bürger danken das mit einem breiten Schulterschluss

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berndorf macht ein umfassendes Facelifting durch. „Dabei ziehen Politik, Unternehmen und Bürger an einem Strang“, sagt Bürgermeister Hermann Acker im Econo-Interview. Denn die Stadt ist finanziell keineswegs auf Rosen gebettet. Herr Acker, in den vergangenen zehn Jahren investierte Oberndorf im Schnitt pro Jahr 4,7 Millionen Euro. Ein solcher Investitions-Marathon macht eigentlich nur mit einem Masterplan Sinn. ➤ Hermann Acker: Richtig, deshalb haben wir uns in den Jahren 2001 bis 2004 in einem AgendaProzess mit der Bevölkerung intensiv mit der Stadt- und Verkehrsentwicklung beschäftigt und ein Ge-

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samtkonzept erstellt. Dieses stetig fortgeschriebene Konzept bildet die Richtschnur des Handelns. Eine Richtschnur zu haben ist eine Seite. Die andere: Wie hält man das über Jahre kommunalpolitisch durch? ➤ Acker: Die Kommunalpolitik in Oberndorf ist von einem großen Miteinander geprägt. Auch Industrie, Gewerbe, Einzelhandel und Bevölkerung begleiten den Prozess positiv und mit Eigeninitiativen. Dafür bin ich dankbar. Man kann auch sagen: In Oberndorf haben alle erkannt, dass der Strukturwandel eine Neupositionierung nötig macht? ➤ Acker: Ja, die weltpolitischen Veränderungen ab Ende der

1980er-Jahre hatten große wirtschaftlichen Auswirkungen auf unsere Stadt. Die Industrie war seinerzeit von der Wehrtechnik geprägt und erfuhr auch in den zivilen Produktsparten drastische Einbrüche. Eine Neupositionierung war unausweichlich. Die kann eine Verwaltung nur bedingt leisten, der Impuls muss von der Wirtschaft kommen. ➤ Acker: Natürlich kann eine Verwaltung nur die Rahmenbedingungen setzen. Wir haben deshalb die Losung ausgegeben: Wirtschaft hat Vorfahrt. Damit sind wir all die Jahre gut gefahren. Leerstände wurden in Gewerbeparks umgewandelt, es entstanden viele Unternehmen, die den neuen Bran-

chenmix der Stadt widerspiegeln. Die Unternehmen der Wehr- und Sicherheitstechnik haben sich neu positioniert und prägen das Stadtbild heute mit sanierten und modernen Betriebsstätten. Dazu haben wir Brachflächen entwickelt, Bauland ausgewiesen und das Gesicht der Stadt deutlich verändert. Veränderungen auch beim Schuldenstand: In neun Jahren ist der von neun Millionen Euro auf 2,6 Millionen gesunken. Oberndorf ist auf Rosen gebettet? ➤ Acker: Nein, das Gegenteil ist der Fall. Wir haben unseren früheren Anteil an EnBW-Aktien veräußert. Ein Teil des Erlöses floss in die Schuldentilgung, ein anderer wurde zur Finanzierung der drinFoto: Michael Bode


97 genden Investitionen eingesetzt. Dennoch bedurfte es zur Abwicklung der vielen durchgeführten Maßnahmen auch der verschiedenartigsten staatlichen Förderprogramme. Allein durch die steigenden Gewerbesteuereinnahmen hätten wir nicht die vielfältigen Maßnahmen finanzieren können. Die Jahre des allgemeinen Aufschwungs sind vorüber. Auch in Oberndorf? ➤ Acker: Ja, auch wir spüren derzeit deutlich die Auswirkungen der Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise. Der Stadtsäckel verzeichnet Steuereinbrüche im größeren Umfang. Wir sind deshalb wie viele andere Kommunen gezwungen, aufschiebbare Maßnahmen, die nicht mehr hinreichend finanziert sind, bis auf Weiteres zurückzustellen. Sie lassen also Ihre Richtschnur für den Stadtumbau fallen? ➤ Acker: Wir verlieren wegen der aktuellen Lage nicht das Gesamtkonzept aus den Augen. Wir müssen aber genau auf den Prüfstand stellen, welche Handlungsspielräume in der momentan angespannten Lage noch bleiben. Wie wäre es mit Sparmaßnahmen: Warum leistet sich eine Stadt mit 15 000 Einwohnern als Prestige ein eigenes Krankenhaus? ➤ Acker: Das Städtische Krankenhaus ist ganz und gar kein Prestigeobjekt, sondern eine wichtige Einrichtung der Gesundheitsversorgung für unsere Raumschaft. Die Klinik hat einen hervorragenden Ruf und ein vielseitiges Leistungsspektrum. Es ist uns in der Vergangenheit im Vergleich zu vielen anderen stets gelungen, das

Krankenhaus wirtschaftlich zu führen. Die Stadt musste als Träger zu keiner Zeit irgendwelche Defizite ausgleichen. Nichtsdestotrotz wissen wir, dass sich die Herausforderungen im Krankenhauswesen nur noch in Verbundlösungen oder größeren Einheiten bewältigen lassen. Deshalb sind auch wir auf der Suche nach einem verlässlichen Partner. Als für die Raumschaft beste Lösung stellt sich für uns momentan ein Zusammenschluss mit den Kliniken des Landkreises Rottweil dar. Der Landkreis hat sich in den vergangenen Monaten immer wieder mit Nachdruck für diesen Weg des Miteinanders ausgesprochen. Wir bauen nun auf die Verlässlichkeit des Kreises und sehen der weiteren Entwicklung mit großen Erwartungen entgegen. Zurück zur Stadtentwicklung: Viele Entwicklungen, beispielsweise in der Talaue, waren nur möglich, weil die Firmen mitzogen. Wie haben Sie das erreicht? ➤ Acker: Weil wir im ständigen Dialog stehen und als verlässlicher Partner gelten, an den sich die Unternehmen wenden können. Facelifting und aktive Wirtschaftspolitik sind eines. Fakt ist auch: Laut Wanderungsstatistik verliert Oberndorf Einwohner. ➤ Acker: Längerfristig betrachtet haben wir ein weitgehend ausgeglichenes Saldo. Aber die demografische Entwicklung stellt uns natürlich vor Herausforderungen, weshalb wir verstärkt in allen Stadtteilen familienfreundliches Wohnen anbieten. Überwiegend im Innenbereich, nicht auf der grünen Wiese. Dirk Werner

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Politik • Standort Oberndorf

Im Laufschritt zum Erfolg Natürlich bietet Oberndorf bei den weichen Standortfaktoren alles, was eine Kommune heute haben muss. Deshalb hebt sich die Stadt am Neckar ab: Sie ist sportlicher als andere. Und die Bürger stehen dahinter

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ach 1:17:04 ist es für Wolfgang Angst vorbei. Er gewinnt den Badenova Halbmarathon in Oberndorf. 540 weitere Läufer sind an diesem Sonntag im Mai noch unterwegs, als Angst die Ziellinie überquert. Der „Lauftag“ durch das romantische Neckartal wird 2009 zum zweiten Mal ausgetragen. Doch er gilt bei Läufern schon als Klassiker: Die Strecke ist landschaftlich schön. Und wenn die Sonne scheint ist er auch heiß. Eben eine echte Herausforderung. Damit ist der Lauf genau richtig für Hermann Acker. Nicht nur, weil der Oberndorfer Bürgermeister selbst passionierter Läufer ist. Sondern weil Acker das Ereignis unter „Standort-Gesichtspunkten“ einordnet. „Bei den weichen Standortfaktoren will heute jede Kommune punkten. Da muss man sich abheben“, so Acker. Bei diesen weichen Faktoren hat Oberndorf in der Tat in den

vergangenen Jahren einiges vorgelegt: Ganztagesbetreuungen vom Kindergarten bis zum Gymnasium sind installiert. Aktuell fließen weitere zwei Millionen Euro in den Ausbau der Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule in der Innenstadt. Die Kleinkindbetreuung ist geregelt. Acker: „Bei Bedarf können wir kurzfristig noch weitere Gruppen einrichten.“ Dazu kommt das Einzelhandelsangebot mit kostenlosen Parkplätzen, vielfältige Kulturangebote samt Meisterkonzerten im ehemaligen Kloster, Freizeittreffs für Kinder- und Jugendliche bis hin zum Schnellrestaurant: „So etwas gehört heute einfach zu dem Angebot, das in einer Stadt erwartet wird“, so der Bürgermeister. Doch andere Orte bieten eben auch Burgerbratereien und mehr. Dessen ist man sich in der Stadt am Neckar bewusst. Deshalb setzt man auf einen zusätzlichen Faktor: die Menschen. „Es gibt hier

einen starken Zusammenhalt, das sorgt für eine gute Lebensqualität“, sagt Rüdiger Kirn, Vorsitzender des Handels- und Gewerbevereins. Gerade das ist bei Familien gefragt. Kirn: „Damit punkten wir im Wettbewerb um Arbeitskräfte.“ Was das in der Praxis bedeutet, hat Ina Wagner erfahren. Die Chefärztin der Anästhesie am Krankenhaus Oberndorf ging ebenfalls beim Stadtlauf an den Start. Besagter Sonntag im Mai war besonders heiß: „Selbst Privatleute haben über den Gartenzaun Läufern Wasser gereicht.“ Eine sportliche Nachbarschaftshilfe. Dieser Oberndorfer Zusammenhalt wird auch in den rund 130 Vereinen gelebt. Die kümmern sich natürlich querbeet von Sport bis Musik. Es gibt zudem den Zusammenschluss Bürger für Bürger: Der übernimmt unterm Jahr Aufgaben wie das Instandhalten von Wanderwegen. Doch ein Mal pro Jahr drehen die Mitglieder zudem

Im Mai ist Oberndorf beim Lauftag im Neckartal ein Mekka für Lauffans

noch mächtig auf. Dann wird die „Stadt unter Dampf“ organisiert. Die Oberndorfer Bürger besteigen einen Zug und lassen sich per Dampflok durchs Land kutschieren. Das Ziel im Mai 2009: Lindau am Bodensee.

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Allerdings, so beschaulich geht es selten zu in der Stadt. Im Sinne des Stadtlaufs hat sich Oberndorf dem Sport verschrieben. Dazu gehört beispielsweise die einzige Finnenbahn der Region: Auf 1100 Metern Länge und mit einem Hö-

henunterschied von 30 Metern wurde per Rindenmulch eine Wald-ähnliche Laufrunde gestaltet. Laut Medizinern soll diese Art des Laufens zu den körperlich schonendsten Möglichkeiten der Betätigung gehören.

Schonen ist hingegen seit Jahren mehrere Tage im August das falsche Wort. Dann treffen die U19-Jugendmannschaften namhafter Vereine in einem internationalen Turnier aufeinander. Das Aufeinandertreffen hat einen derart

guten Ruf, dass heuer sogar die Platinum Stars FC aus Südafrika vertreten sein werden, ebenso eine Abordnung von Aston Villa aus England, selbst die angehenden Stars des FC Barcelona kommen. Für die Jugendmannschaften des VfB Stuttgart und Freiburger FC ist da die Teilnahme beinahe Pflicht. Ähnliches überlegen sich wohl auch die Oberndorfer: Ganz im Sinne des Miteinanders sind 200 im Einsatz, um das Turnier in geordneten Bahnen ablaufen zu lassen. Ehrenamtlich versteht sich. Diese Betreuung scheint nötig zu sein: Immer wieder gibt es Anekdoten von Mannschaften, die sich auf dem Weg gen Oberndorf mächtig im Schwarzwald verfahren. Das passiert nicht nur Engländern oder Spaniern – auch die Stuttgarter fuhren schon einen 80Kilometer-Umweg. Da haben es die Läufer des Halbmarathons im Mai besser: Ihre Laufstrecke wird gesäumt von Zuschauern. Verlaufen ist unmöglich. Dirk Werner

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