Issuu on Google+

econo.de

Standortportr채t

Standortportr채t

Ettenheim


114

Politik • Standort Ettenheim

Zu diesem Thema Guter Weg

Bürgermeister Bruno Metz über die Stadt, ihre Geschichte und die wirtschaftliche Zukunft S. 120

econo 6 / 2 0 0 9 · 5 . J u ni 2 009

Gutes Pflaster

Die Innenstadt Ettenheims ist schön renoviert. Das lockt nicht nur Touristen ins Städtchen S. 122

Gute Ideen

Unternehmer in Ettenheim denken weiter und haben einen Professor zu ihrem Vordenker gemacht S. 124

Foto: Bode&Fichtner


115

Gut im Spiel Tradition spielt in Ettenheim eine wichtige Rolle. Die Barockstadt lebt jedoch nicht nur von Touristen, sondern vor allem von ihren innovativen Unternehmern

V

on der größten Walnussbaumplantage Süddeutschlands aus ist die Ettenheimer Pfarrkirche St. Bartholomäus nicht zu sehen. Man muss schon aus dem Offental am Kaiserberg ein Stück hinausfahren, dann erst liegt das Barockstädtchen vor einem. Den linken Bildrand markiert die A 5, rechts liegt die Stadt mit dem Sakralbau. Mittendrin im Bild und auch auffällig: das Werk von German Pellets. Willkommen in Ettenheim, willkommen im Spannungsfeld von alter Bausubstanz, frischer Wirtschaftskraft und badischer Gemütlichkeit. Ettenheim steckt voller Geschichte und Geschichten. Seit mehr als 1000 Jahren werden hier Reben angebaut. Der Wein gehört zu den besten Badens. Regelmäßig erzielen die beiden Winzergenossenschaften sowie die ansässigen Weinbauern Prämierungen für ihre Breisgauer Weine. Denn weinpolitisch zählt Ettenheim zum Breisgau, landespolitisch ist es Teil des Ortenaukreises. „Das verwirrt

manchen Weinkäufer, wenn er auf das Etikett schaut“, sagt Werner Weber. Der Winzer, zu dessen Wein- und Sektgut die Walnussbaumplantage gehört, steht „für Emotion und Genuss“. Und Erfolg. 16 Hektar Rebfläche bewirtschaftet er. Zum Weingut Weber gehört zudem ein Restaurant, das Tochter Stefanie mit ihrem Partner Matthias Fährmann leitet. Webers Geschichte nimmt ihren Anfang 1978. Da wandelt der gebürtige Kaiserstühler einen ehemaligen Tagebau in einen Rebberg um. Von der früheren Nutzung ist längst nichts mehr zu sehen. Auf eine längere Geschichte blickt die Fischzucht Riegger zurück. Bereits 1467 waren im Filmersbachtal Fischteiche verzeichnet. Die heutige Anlage wurde 1953 von den Brüdern Hans und Alois Riegger geschaffen. Es ist das von der Fläche her größte Unternehmen Ettenheims: 34 Hektar. Davon sind 17 Hektar Grasland, die andere Hälfte verteilt sich auf 24 Teiche, erläutert Georg Riegger.

Dort wachsen Hecht und Zander, verschiedene Karpfen und diverse Weißfischarten heran. „Fast alles außer Forellen“, sagt Riegger, der Präsident des Landesfischereiverbands Baden ist. Mit drei Angestellten, einem Praktikanten und seiner Frau Kirsten Schick-Riegger betreibt der Fischzüchter und Tierarzt das Geschäft. Die Fische werden als junge Besatzfische an Angelvereine und andere Fischzüchter veräußert. Im Frühjahr wird der Laich ausgebrütet, zum Winter hin, wenn die Fische eine gewisse Größe haben, verlassen sie das idyllische Tal, über dem ab und zu ein Fischadler kreist. Außerdem produziert Riegger Plankton – sowohl als Futter der eigenen Fische als auch für Kunden. Zwei bis drei Tonnen pro Jahr holt er mit der von seinem Vater 1956 konstruierten Mechanik aus Seilen und engmaschigen Netzen aus dem größten Teich. In Sachen Netze und Seile hat Ettenheim noch ganz andere Spe-

zialisten zu bieten: Peter und Erik Frey stellen die sechste beziehungsweise siebte Generation Seiler dar. Wenn irgendwo in Europa ein professioneller Skispringer landet, halten Netze aus Ettenheim den Schnee am Steilhang fest. „Es gibt eigentlich keine wichtige Schanze mehr, die nicht auf unsere Technik setzt“, sagt Erik Frey. Wer denkt, dass Frey nur Seile liefert, liegt falsch. Das Unternehmen entwickelt komplette Lösungen, setzt eigene Software für die statische Berechnung ein, entwickelt und konstruiert, fertigt und montiert. Seil Frey ist ein echter Hidden Champion – es gibt auf der ganzen Welt kein zweites Unternehmen, das so aufgestellt ist. Im Online-Shop sind rund 2000 Seile und Netze im Angebot – aus Hanf, Kokos, Sisal, Baumwolle, Edelstahl, Dyneema, Keramik und zig anderen Materialien. Die Produkte werden weltweit eingesetzt. Beispielsweise als Kletterstiege auf den kapverdischen Inseln,

6/2009

· 5. Juni 2009 econo


116

Politik • Standort Ettenheim

Martin Bellin: Seine Software unterstützt Treasurer

Erik Frey: Skispringer vertrauen auf seine Seile

Georg Riegger: Er sorgt für des Anglers Freuden

Werner Weber: Gemütlichkeit bei Wein, Walnuss und mehr

als Unterwasserkäfige in der Karibik, als Spielgeräte in Kindergärten oder als braunbärensichere Absperrung für den Zoo in Gelsenkirchen. Durch ihre Nischenstrategie und die breite Aufstellung ist Familie Frey von der Wirtschaftskrise nicht betroffen. Das trifft auch auf die Bellin Finanzdienste zu. Der Name ist etwas irreführend – denn Bellin ist ein Software-Anbieter für Treasury-Lösungen. 6000 Unternehmen in mehr als 120 Ländern steuern und verwalten mit BellinSoftware ihre Liquidität, gleichen Konten ab und vieles mehr. Vor zehn Jahren hat Martin Bellin die Firma im Wohnzimmer in Ettenheim gegründet. PC gekauft, losgelegt. Obwohl er kein Software-Entwickler ist. Der DiplomKaufmann arbeitete bei Sick in Waldkirch. Anlass für die Unternehmensgründung: „Wenn man für ein Problem keine Lösung findet, die einem passt, kann man entweder weiter schimpfen – oder eine Lösung entwickeln.“

Nun, das hat geklappt. Bellin hat neben dem Stammsitz Ettenheim zwei weitere Standorte, einen davon in Kanada. In den vergangenen Jahren ist der Umsatz jedes Jahr um 20 bis 25 Prozent gestiegen. „Das wird auch so bleiben“, sagt Bellin: „Wir planen, auch in diesem Jahr fünf weitere Mitarbeiter einzustellen.“ Beim Präzisionsformenhersteller Quattro-Form, 1996 mit fünf Mitarbeitern im ehemaligen BASFIndustriepark gegründet, ist das Wachstum sogar von der Straße aus zu sehen. Denn Quattro-Form hat bauen lassen und nimmt derzeit in der neuen, 1200 Quadratmeter großen Halle mit mehr als 50 Mitarbeitern die Produktion auf. Nur der Name passt nicht mehr. Quattro-Form hat mit Klaus Langenbach, Richard Stark und Rolf Langenfeld drei Geschäftsführer – der vierte (daher Quattro) sprang in der Gründungsphase ab. Quattro-Form müsste von der Wirtschaftskrise gebeutelt sein. Ist es aber nicht. Das Unternehmen Fotos: Michael Bode

econo 6/2009 · 5. Juni 2009


117 ist auf anspruchsvolle Formen für die kunststoffverarbeitende Industrie spezialisiert, hat sich über die Jahre einen extrem modernen Maschinenpark angeschafft und investiert jedes Jahr Millionen Euro, um auf dem neuesten Stand zu bleiben. Die Formenproduktion ist hochgradig automatisiert – ein klarer Wettbewerbsvorteil. Weniger automatisch, dafür eher heiß, geht es seit 60 Jahren bei der Meiko Eisengießerei zu. Im Januar 1949 als Tochterunternehmen von der Offenburger Meiko Maschi-

nenbau gegründet, „machen wir alles, was man gießen kann“, sagt Geschäftsführer Christian Meyer. Zu den Kunden des 51 Mann starken Betrieb zählt vor allem der Maschinenbau. Mit 150 Mitarbeitern ist die K+U Printware neben dem Kreiskrankenhaus größter Arbeitgeber Ettenheims. Im Industriepark produziert das 1990 von Michael Unmüßig gegründete Unternehmen auf gut 11 500 Quadratmetern pro Jahr rund 800 000 Tonerkartuschen. Das System ist einfach

und gut: Es sammelt gebrauchte Kartuschen und befüllt sie. Und das erfolgreich. Mittlerweile gibt es zwei europäische Standorte. Gewachsen ist auch der Finanzberater GFA. Im Gewerbegebiet Radackern wurde ein neues Beratungscenter bezogen, in dem die 20 Mitarbeiter mehr Platz finden. Die Finanzexperten betreuen rund 10 000 Kunden mit 100 Millionen Euro in der Vermögensverwaltung und 450 Millionen Euro an Baufinanzierungskrediten. Geschäftsführer Pirmin Bender: „Wir sind

mit unseren Kunden groß geworden.“ Ulf Tietge Patrick Merck

Einwohner in der Kernstadt Frauenanteil Ausländeranteil

12 231 5786 51,5 Prozent 4,4 Prozent

Gemarkungsfläche davon Gewerbe Wohngebiet Feld, Wald und Wiesen

4890 Hektar 71 Hektar 342 Hektar 4138 Hektar

Beschäftigung Arbeitsplätze Produzierendes Gewerbe Dienstleister Handel, Gastgewerbe, Verkehr Arbeitslose

2267 688 952 577 204

Steuern Gewerbesteuer Grundsteuer A Grundsteuer B Gewerbesteuer

Einpendler Auspendler

1374 3406

Größte Arbeitgeber K&U Printware Kreiskrankenhaus Volksbank Ettenheim Wildt Spedition Alten- und Pflegeheim St. Marien Quattro Form German Pellets DWF Handel- und Systembau

340 300 340 2,0 Millionen Euro

Kinderbetreuungsplätze für Kinder bis drei Jahre Drei- bis Sechsjährige

63 362

www.seil-frey.de www.fischzucht-riegger.de www.meiko-eisengiesserei.de www.weingut-weber.de www.ku-printware.de www.ilovetreasury.com www.quattro-form.de www.gfa-finanz.de

150 150 90 70 70 50 50 45

Foto: Wildt

Anzeige

Leistungen Im Fuhrpark der Ettenheimer Spedition Friedrich Wildt befinden sich 37 Zugfahrzeuge sowie 60 Auflieger. Zu den Leistungen gehören außer den Standarttransporten auch Schwertransporte, übergroße Transporte, Langguttransporte bis 20 Meter und Gefahrguttransporte. Wildts Laster sind in ganz Mitteleuropa unterwegs. In der firmeneigenen Werkstatt werden die Lkw gewartet und im Notfall auch schnell wieder einsatzfähig gemacht.

Kontakt Friedrich Wildt GmbH Kreuzerweg 18 77955 Ettenheim info@wildt-spedition.de www.wildt-spedition.de Telefon: 0 78 22/89 09-0 Telefax: 0 78 22/89 09-80

Die Spedition Friedrich Wildt liefert nicht nur Güter aus. Sie lagert sie auch für ihre Kunden

R

Geschäftsführer Rolf Wildt ist für seine Kunden rund um die Uhr erreichbar

Mehr als Logistik

olf Wildt ist Spediteur mit Leib und Seele. Sein Großvater gründete das Unternehmen 1947 als kleinen Fuhrbetrieb. Die ersten Umsätze erwirtschaftete er mit Kohletransporten für die französischen Besatzer. Sein Enkel liefert heute Güter nach Deutschland, Frankreich und in die Schweiz. Von Lebensmitteln über Baustoffe bis zu großen Maschinen. Das Speditionsgeschäft ist härter geworden, die Konkurrenz ist groß. „Wir bieten unseren Kunden Lösungen, die ihnen möglichst viel Arbeit abnehmen“, definiert Rolf Wildt das Mehr seiner Spedition. „Kundenservice ist bei uns nicht bloß Pünktlichkeit.“ Der Transport hört bei Wildt nicht vor dem Gebäude des Kunden auf. Die Fahrer laden die Lieferung

direkt in der Produktion ab. Und dort holen sie die Ware auch ab, scannen und wiegen inklusive. Möchte der Kunde die fertigen Produkte direkt in den Lkw laden, statt sie erst zwischenzulagern, stellt Wildt seinen Kunden einen Auflieger bereit. Den füllt der Kunde nach und nach. Zu einem verabredeten Zeitpunkt holt Wildt ihn dann ab und tauscht ihn gegen einen leeren Anhänger aus. Natürlich ist das auch umgekehrt möglich: Ein beladener Auflieger steht bereit und das Material wird nach Bedarf entnommen. Auf dem Firmengelände in Ettenheim hat Wildt zudem ein 600 Quadratmeter großes Lager. Hier deponiert die Spedition Rohmaterial für seine Kunden, das ganz nach Bedarf ausgeliefert wird. 6/2009

· 5. Juni 2009 econo


Barockstadt Ettenheim ...

... attraktiver Wirtschaftsstandort mit südlichem Flair Hohe Lebensqualität für alle Generationen: • • • • • • • •

Attraktive Neubaugebiete Flexibles Kinderbetreuungsangebot Aktiver Tageselternverein Beliebte Schulstadt der südlichen Ortenau und des nördl. Breisgaus mit 14 Schulen Freibad mit Rosengarten und mediterranem Flair Vielfältige kulturelle Angebote Über 150 Vereine Aktive Seniorenarbeit und exzellente Gesundheitsvorsorge

Attraktiver Wirtschaftsstandort: • Industrie- und Gewerbeflächen für alle Ansprüche (von 1.000 m² bis 20 ha) • Optimale Verkehrsanbindung • Hervorragende Infrastruktur • Qualifiziertes Arbeitnehmerpotenzial • Individuelle Unterstützung durch aktive Wirtschaftsförderung

Haben wir Ihr Interesse geweckt? Informationen und Kontakt Stadtverwaltung Ettenheim Bürgermeister Bruno Metz Rohanstraße 16 77955 Ettenheim

Tel. 07822/432-100 Fax. 07822/432-199 E-Mail:metz@ettenheim.de www.ettenheim.de


119 Fotos: Michael Bode

Anzeige

Die Leistungen

Blick in die neue Halle von quattro-form: Hier stehen die Spritzgussmaschinen

Formvollendet quattro-form wächst. Die Ettenheimer Präzisionsformenbauer sind gefragt und haben gerade eine neue Halle mit ihrem Technikum bezogen

J

gungshalle mit kompletter Grundausstattung – und e komplizierter, desto lieber. Präzisionsformen zu bauen, ist so richtig was für Formenbauer. Werksomit ideale Startbedingungen. zeuge ersinnen, mit denen sich ganz neue ProdukDie junge Firma feierte schnell erste Erfolge – etwa te fertigen lassen, gerne in Mehrkomponententechnik mit Signalleuchten und mit der Gründung einer eigenen Konstruktionsfirma im Jahr 1997. Die Strategie, und in höchster Präzision – bei solchen Themen leuchten die Augen passionierter Konstrukteure. sich auf anspruchsvolle Formen, auf höchste Präzision Das Ettenheimer Unternehmen quattro-Form macht und auf Mehr-Komponenten-Technik zu konzentrieren, geht auf. genau das. Unter der Leitung der drei Geschäftsführer Heute beschäftigt quattro-form 59 Mitarbeiter. Das Klaus Langenbach, Richard Stark und Rolf Langenfeld entstehen Hightech-Werkzeuge für die KunststoffUnternehmen wächst und braucht Platz. Seit Sommer Verarbeitung auf hohem Niveau. Die kleinsten For2008 ist fast eine Million Euro in eine neue Halle men sind so groß wie eine investiert worden. Damit Hand, die größten wiegen wächst die Produktionsfläbis zu 8,5 Tonnen. Neben che um 1200 auf nun 3100 Konstruktion und ProdukQuadratmeter. „Es war einfach zu eng“, sagt Getion dieser Werkzeuge steht quattro-form seinen schäftsführer Richard Stark. Kunden auch bei Reparatu„Wir sind mit unserer Straren oder Umbauten von tegie gut unterwegs und Werkzeugen zur Verfüauch für 2009 gut ausgelasgung. tet.“ Das liegt auch daran, quattro-form ist 1996 dass quattro-form über entstanden. Fünf Mitarbeieinen hochmodernen Mater, ein Mobiltelefon als schinenpark verfügt. Riwichtigste Verbindung chard Stark: „Es ist Teil nach draußen, aber kaum unserer Firmenphilosophie, Kunden. Dafür aber fand grundsätzlich auf dem neuquattro-form auf dem alten Made in Ettenheim: Komplizierte Formen für die esten technischen Stand zu BASF-Gelände eine Ferti- Kunststoffverarbeitung kommen von quattro-form sein.“

quattro-form konstruiert und baut Präzisionsformen für die kunststoffverarbeitende Industrie. Das Unternehmen verfügt über sieben eigene Spritzgussmaschinen zur Bemusterung und für die Produktion kleiner und mittlerer Serien. Eine hauseigene Qualitätssicherung, ein eigener Prototypenbau und die Reparatur von Werkzeugen für den Kunststoffspritzguss vervollständigen die Leistungspalette der Ettenheimer.

Die Ausstattung Gearbeitet wird bei quattroform rund um die Uhr: Fräsen und Erodiermaschinen werden von Robotern bestückt und laufen in der Nacht als Geisterschicht. Das zeigt: quattro-form setzt auf modernste Maschinen mit hohem Automatisierungsgrad und maximaler Präzision. Auf rund 3100 Quadratmetern Produktionsfläche stehen FräsZentren, Drehmaschinen, Flachund Rundschleifmaschinen sowie Erodier-Zentren.

Die Kunden quattro-form arbeitet für Kunden aus Deutschland, Frankreich, der Schweiz und Tschechien. Tätig sind die namhaften Kunden der quattro-form in den Bereichen Automotive und Elektrotechnik, Uhrenherstellung und Medizintechnik, Consumer und Sanitär, weiße Ware und Elektronik.

Kontakt quattro-form GmbH Wolfsmatten 1 77955 Ettenheim info@quattro-form.de www.quattro-form.de Telefon: 0 78 22/89 17-0 Telefax: 0 78 22/89 17-28 6/2009

· 5. Juni 2009 econo


120

Politik • Standort Ettenheim

Auf einem guten Weg Ettenheim schafft den Spagat zwischen Barock und Moderne. Die viel gelobte Rathaussanierung ist ein Sinnbild dafür

D

ie Barockstadt. Mit diesem Pfund wuchert Ettenheim. Doch bevor ein Tourist in die schmucke Innenstadt kommt, sieht er die zweite Seite des Städt­ chens. Und die ist geprägt von mit­ telständischer Wirtschaft. Dass Et­ tenheim auch dort punktet, liegt mit an Bürgermeister Bruno Metz. Seit 14 Jahren steht der Christ­ demokrat an der Rathausspitze. Herr Metz, von der aktuellen Wirtschaftskrise ist in Ettenheim wenig zu sehen. Wie kommt’s? ➤ Bruno Metz: Das liegt in erster Linie natürlich an den Firmen. Wir als Kommune können nur für gute Voraussetzungen sorgen. Aber wir haben es auch geschafft, in den ver­ schiedenen Gewerbegebieten Schwerpunktbranchen anzusiedeln. Und das scheint sich gegenseitig zu befruchten. Es gibt weitere Ansiedlungen? Wurden Flächen veräußert? ➤ Metz: Ja. Allein im Gewerbege­ biet DYN A5 erwarte ich in diesem Jahr ein bis zwei Vertragsabschlüsse. Einer ist bereits unter Dach und Fach. Ähnliches gilt für das Gebiet Rad­ ackern. Im Industriepark hat Quatt­

econo 6 / 2 0 0 9 · 5 . J u ni 2 009

ro­Form kürzlich seine Produktion erweitert und in Altdorf wird das Industriegebiet größer. Ein Antrag für ein Bauvorhaben liegt schon vor. Also alles im grünen Bereich? ➤ Metz: Naja, fast. Die Diskussion um das Werk von German Pellets ist noch nicht beendet. Das Werk ist etwas lauter als genehmigt und überschreitet einen von sieben Im­ missionspunkten in Orschweier um 2,6 dBA, statt erlaubten 40 dBA brachte es 42,6 dBA. Durch techni­ sche Maßnahmen ist es inzwischen leiser geworden. Und auch vorher war das Werk an den Immissions­ punkten leiser als der Lärm von der Autobahn. Die Diskussion wurde zum Teil sehr emotional geführt. Hat das Thema die Stadt gespalten? ➤ Metz: German Pellets ist schon ein auffälliges Bauwerk im Entree von Ettenheim. Das mag auf man­ che bedrohlich wirken. Und es ist verständlich, dass Bürger ihre Be­ denken äußern. Die meisten verste­ hen jedoch, dass hier ein anerkann­ ter, natürlicher Brennstoff erzeugt wird. Eine Spaltung der Stadt oder der Bürgerschaft erkenne ich nicht.

Wie geht es weiter? ➤ Metz: Fragen Sie mich das bitte, wenn das neue Gutachten vorliegt und von allen Beteiligten geprüft und bewertet wurde. Klar ist: Ger­ man Pellets wird vermutlich noch­ mals baulich reagieren müssen. Ettenheim ist Barockstadt. Wie wichtig sind die Touristen? ➤ Metz: 2008 hatten wir 77 000 gemeldete Übernachtungen, ein Plus von rund 10 000 gegenüber den Vorjahren. Zusammen mit den Tagestouristen erzielte die Stadt vergangenes Jahr eine Nettowert­ schöpfung von mehr als 7,1 Milli­ onen Euro. 361 Vollarbeitsplätze hängen mit dem Tourismus direkt zusammen. Wir haben den Europa­ Park in der Nähe, einen hoch de­ korierten Weinbau und sind Portal­ gemeinde des Naturparks Schwarz­ wald als weitere Potenziale. Lockt das auch Neubürger? ➤ Metz: Konstant. Wir wachsen seit 20 Jahren überdurchschnitt­ lich. Eine Barockstadt will gepflegt werden. Das kostet doch Geld? ➤ Metz: In den vergangenen 29 Jahren gab es drei Sanierungs­

Seit 1995 steht Bruno Metz an der Spitze des Ettenheimer Rathauses. Vor seinem Wechsel an die Verwaltungsspitze arbeitete der CDUMann zwölf Jahre als Referent für Willi Stächele und als Hauptamtsleiter seiner Geburtsstadt Oberkirch. Metz, Jahrgang 1959, ist verheiratet und dreifacher Vater.

gebiete, rund 12,5 Millionen Euro Fördermittel flossen in private und öffentliche Maßnahmen. Das Land trug davon acht, die Stadt 4,5 Mil­ lionen Euro. Dies generierte mehr als 90 Millionen Euro Gesamt­ invest und viel bürgerschaftliches Engagement. Das sieht man der Innenstadt an. Sinnbild ist sicherlich das sanierte und umgebaute Rathaus? ➤ Metz: Hier wurde es geschafft, drei Gebäude – zwei davon um die 250 Jahre alt – zu verbinden, sie modern zu gestalten und dem Umfeld anzupassen. Ein toller Ar­ beitsplatz. Patrick Merck Foto: Jigal Fichtner


121

                           

�������� ���

         

                       

������� � ����� �� ���������� �������� �� ���� ��� ��� ����� ��������� ��� ���������� �� ���������� ��� ��������������� ����������� ������� ��� ���� ����� ���� ��������� �� ����� �� ���� ������� ��� ������� ���� �� ����� ��� ����� ������ ���������� ��� ���� �������� ��� ������� ��� ����� ��� ��� �� ��� ��� �� �� ��� ����� ��� ��������� �� ����� ��� ������ ��� �������� �������� ����� �� ���������� � � � �� �� � � � � � �� �� � � � � � � �� � � �� � � � �� � � � � � � � � � � � �

Foto: Michael Bode

Anzeige

Seile, Netze und Ideen:

Leistungen

Die Firma Seil-Frey ist von Ettenheim aus weltweit erfolgreich

E

Seiler in der siebten Generation: Erik Frey leitet den Familienbetrieb

Handwerk und Hightech

s geht um den Schutz vor Haien und die sichere Landung von Skispringern. Um die Stabilisierung von Fassaden und um Architektur. Um Design und Si­ cherheit. Die Rede ist von Seilen und Netzen aus Etten­ heim. Mehr als 2000 verschiedene Seile und Netze hat das Unternehmen im Angebot. Seit sieben Generationen ist die Familie Frey im Seilerhandwerk tätig. Aber was heiĂ&#x;t hier schon Handwerk? GeschäftsfĂźhrer Erik Frey ist der Familientradition fol­ gend Seiler – aber auch Wirtschaftsingenieur Richtung Maschinenbau. Um Schneehaltenetze fĂźr Skisprungschan­ zen richtig zu berechnen, hat er eine eigene Software entwickelt. Er berechnet Netze, mit denen in der Antark­ tis per Helikopter Forschungsstationen beliefert werden.

In der Karibik vertrauen die Menschen auf Ettenheimer Edelstahlnetze fĂźr den Unterwassereinsatz und im Europa­ Park bei Rust sind rustikal wirkende Seile mit Stahlkern wichtig fĂźr die Sicherheit der Besucher. In Zoos trennen ähnliche Produkte die Menschen von den Braunbären. Frey: „Diese Netze mussten vom Design her fast primitiv aussehen – aber es handelt sich um Hightech­Produkte.“ Nur auf den ersten Blick ist Ettenheims Seilerei ein kleiner Handwerksbetrieb. Tatsächlich haben sich die Freys als Hidden Champion in ihrer Nische weltweit einen Namen gemacht. Erik Frey: „Wir entwickeln LĂśsungen. Ob es nun um ein simples Geländer geht, um einen Hoch­ seilgarten oder um die Fassade der Rheinarena DĂźsseldorf – wir helfen unseren Kunden.“

Seile und Netze aus Edelstahl, aus Kunst- und Naturfasern – die Produktpalette von Seil-Frey ist mit mehr als 2000 Positionen riesig. Hinzu kommen Planung und Montage von Netzen und Haltesystemen. AuĂ&#x;erdem bietet Seil-Frey Spielgeräte aus Seilen und Netzen, Anschlagmittel zum Heben von Lasten und zur Ladungssicherung – sprich: alles, was man mit Seilen und Netzen realisieren kann.

Kontakt Seil-Frey GmbH Seile und Netze C.H.-Jäger-StraĂ&#x;e 3 77955 Ettenheim info@seil-frey.de www.seil-frey.de Telefon: 0 78 22/89 44-0 Telefax: 0 78 22/89 44-20 6/2009

¡ 5. J uni 2 0 0 9 econo


122

Politik • Standort Ettenheim

Kopf, Stein, Pflaster Der Grundriss ist mittelalterlich, die Bausubstanz aus dem Barock. In Ettenheim scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Scheint

A

n jeder Ecke begegnet dem Besucher in Ettenheim Geschichte. Sich entziehen funktioniert nicht. Um ans Rathaus oder in die Kirche zu gelangen, muss er durch die Barockstadt. Jahreszahlen, die mit 16 oder 17 beginnen, prangen über Türen und Fenstern, das Straßburger Wappen – im schnellen Vorbeigehen oft als das Badens missinterpretiert – und überall Heiligenfiguren. Eine Kleinstadt wie aus dem Urlaubskatalog. Dass die Stadt sich so präsentieren kann, daran sind viele Köpfe beteiligt. In der Denkmalbehörde zum Beispiel. Die sorgte schon vor Jahrzehnten dafür, dass die gesamte Innenstadt Ettenheims unter Schutz gestellt wurde. Es gab und gibt viele kluge Köpfe im Rathaus, die sich für eine lebenswerte, lebendige Altstadt einsetzen. Und es gibt Menschen wie Hel-

econo 6 / 2 0 0 9 · 5 . J u ni 2 009

mut Ridder. Der 64 Jahre alte Rentner ist einer von vielen Ehrenamtlichen, auf die die Stadt bauen kann. Er bietet Stadtführungen an – vor allem als Nachtwächter. Seit 1974 lebt der frühere Busfahrer, der im Ruhrgebiet aufwuchs, in der südlichsten Stadt des Ortenaukreises. Er hat die Stadt noch im nichtsanierten Zustand erlebt. Er sagt: „Ohne das Engagement der Stadtbewohner würde vieles hier nicht so gut aussehen.“ Denn die Sanierung von Fassaden ist das eine. Das andere ist das tägliche Einbringen. Vor vielen Häusern stehen Pflanzkübel, die privat gepflegt werden. Es gibt die Bürgerstiftung, den Freundeskreis Prinzengarten, den Förderkreis Museum, die Fördervereine der Schulen und noch mehr. Bürgermeister Bruno Metz lobt: „Das Engagement ist riesig.“

Ettenheim hat eine unterund eine oberirdische Architekturgeschichte. Als 1637 während des 30-jährigen Kriegs Bernhard von Weimar die Stadt niederbrennen lässt, bleiben nur die steinernen Gewölbekeller übrig. Auf ihnen wird die Stadt sukzessive wieder aufgebaut. So kommt es, dass Ettenheim einen mittelalterlichen Grundriss und eine barocke Architektur aufweist. Die vielen Gassen sind das bevorzugte Revier von Ridder, wenn er Besucher in der Dämmerung durch die Rohanstadt führt. Manchmal klingen seine Schritte auf dem Kopfsteinpflaster hohl von den Wänden zurück. Das Pflaster, ein Teil des Sanierungsprojekts, zählt für den ehrenamtlichen Stadtführer zu den bedeutendsten Verbesserungen. „Die Pflasterung hat Ettenheim noch lebenswerter gemacht.“

Noch so ein Attribut: Rohanstadt. Louis René Édouard de Rohan-Guémené, Fürstbischof von Straßburg, floh 55-jährig 1790 vor der Französischen Revolution nach Ettenheim, das zum Erzbistum Straßburg zählte. Sein ehemaliges Schlafzimmer im Palais Rohan ist mittlerweile Teil des Sitzungssaals. Da, wo das Bett stand, in dem er 1803 starb, steht heute eine Leinwand. Begraben ist er in der Pfarrkirche St. Bartholomäus, die das Stadtbild nach Süden hin abschließt. Sie gehört zum Standardprogramm der Stadtführungen. An denen nehmen auch regelmäßig Schulklassen teil. Denn in Ettenheim, einem Bildungsstandort mit zwei Gymnasien, zwei Real- und zwei Hauptschulen sowie einer Montessorischule und dem Internat kommen Schüler aus der gesamten Region und darüber hinaus zu-

Foto: Jigal Fichtner


123

Ein gutes Pflaster: In der Ettenheimer Innenstadt fühlen sich nicht nur Touristen wohl

sammen. Ihnen die Stadt näher zu bringen, ist Ridder und seinen Mitstreitern wichtig. Beides: Barockstadt und Bildungsstandort, sind Schlüsselfaktoren für den Wirtschaftsstandort Ettenheim. Die Stadt müsse die Voraussetzungen schaffen, dass sich Unternehmen, Unternehmer und Beschäftigte wohlfühlen. Da

spiele der Aspekt der Familienfreundlichkeit eine herausragende Rolle. Metz: „Wir sind klein, überschaubar, sicher und lebendig.“ Patrick Merck

Aus drei mach eins: So hätte die Devise für die 2008 abgeschlossene Sanierung des Ettenheimer Rathauses lauten können. Zwei der Gebäude haben mehr als 250 Jahre auf dem Buckel, zuletzt wurden sie vor gut 45 Jahren auf Vordermann gebracht, berichtet Bürgermeister Bruno Metz. Mittlerweile – 3,2 Millionen Euro und gut zwölf Monate später – darf sich Ettenheim mit einem modernen Rathaus schmücken. „Es ist modern, barrierefrei und energetisch auf dem aktuellen Stand“, sagt Metz mit einem Lächeln. Damit ist das Rathaus ein Sinnbild für das Barockstädtchen.

Denn so schön und renoviert Ettenheim auch daherkommt, einen musealen Charakter wünschen sich weder Wirtschaftsförderer Wolfgang Spengler, der Gewerbeverein Unternehmen Ettenheim noch der Verwaltungschef. Jedes der drei nun durch Glas verbundenen Häuser hat seinen Charakter erhalten, die Verbindungen im Inneren haben sich der Architektur angepasst. Das war vielleicht nicht die billigste Lösung, aber darum ging es der Stadt nie. Metz: „Wir können doch nicht unsere Bürger auffordern, ihre Häuser ansprechend zu renovieren und es selber unterlassen.“

www.ettenheim.de

6/2009

· 5. J uni 2 0 0 9 econo


124

Politik • Standort Ettenheim

Emotionale Marke Ein Wissenschaftler steht seit Ende 2008 dem Gewerbeverein Unternehmen Ettenheim vor. Professor Thomas Breyer-Mayländer sucht nach dem Unique Selling Point der Barockstadt

D

er kleine Junge mit der blauen Baseballkappe sitzt auf den Stufen des Mode­ geschäfts und langweilt sich. Wäh­ rend seine Mutter im Laden gut beraten wird, hat er den Kopf in die Hände gestützt und blickt ins Leere. Für Prof. Dr. Thomas Brey­ er­Mayländer ein Sinnbild, an was es der Innenstadt mangelt. Der Professor für Medienmana­ gement und Dekan der Fakultät Medien und Informationswesen an der FH Offenburg steht seit No­ vember 2008 an der Spitze des Vereins Unternehmen Ettenheim (UE). Das Warum ist einfach zu beantworten: „Ich bin gefragt wor­ den“, sagt der 38 Jahre alte Fami­ lienvater, der in Ettenheim lebt. Der kleine Junge wartet immer noch. Breyer­Mayländer sieht sich bestätigt: „Wir müssen die Aufent­ haltsqualität verbessern.“ Das kön­ nen Spielgeräte oder Sitzgruppen sein. Ruhig als künstlerische Ele­ mente. Als Beispiel nennt er die drehbaren großen Rabenfiguren in der Offenburger Innenstadt. „Sie bieten Spielmöglichkeiten und se­ hen gut aus.“ Für Breyer­Mayländer ist es eine zentrale Aufgabe der Hochschulen, Unternehmen und Institutionen in der Umgebung zu unterstützen.

Prof. Thomas Breyer-Mayländer will Ettenheim zu einer echten Marke in der Ortenau machen

„Die FH Offenburg ist Teil der Re­ gion“, findet er. Das Engagement komme auch der Hochschule zu­ gute: „Es wird geschätzt.“ Die Ettenheimer Innenstadt ist auch für den Professor ein Faust­ pfand. Sie lebendig zu gestalten eine Aufgabe. Die Kundenfre­ quenz zu erhöhen. Nach der Sa­ nierung der Innenstadt geht es UE

nun darum, Ettenheim zu einer Marke zu machen. „Zu einer emo­ tionalen Marke“, führt Breyer­ Mayländer aus. „Barockstadt“ ist zu wenig, zu museal. Und „Ein­ kaufsstadt“ nennen sich schon zu viele Orte. „Wir haben schon ein paar Claims in petto“, sagt er. Der 38­Jährige ist Optimist. Zu­ mal er das Engagement der Unter­

nehmer zu schätzen weiß. „Bei uns sind viele Firmen an Bord, die nicht in der Kernstadt oder im Handel zu Hause sind.“ Der eini­ gende Gedanke ist es, Ettenheim nach vorn zu bringen. „Alle sind mit 100 Prozent dabei“, schwärmt Breyer­Mayländer. „Was andere Städte schaffen, schaffen wir auch!” Patrick Merck Foto: Jigal Fichtner

econo 6 / 2 0 0 9 · 5 . J u ni 2 009


Standortporträt Ettenheim