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MARINA KREMSER

nichts falsch, wenn man sich mal ein paar Minuten nichts zu sagen hat. Im Gegenteil. Man muss auch gemeinsam schweigen können. Und die Füße hochlegen und den lieben Gott einen guten Mann sein lassen. Geht nicht? Geht! „Viele glauben, sie können nicht allein sein. Die Frage ist: Kann ich es nicht, oder will ich es nicht? Und wenn ich es nicht will, warum ist das so? Laufe ich vor mir selbst davon?“, fragt Franziska.

WAS DIE SEELE GLÜCKLICH MACHT Am 1. April vor zwei Jahren hat sich Franziska mit Grow-Mentaltraining in Imst selbstständig gemacht. Wir haben mit ihr über Selbstvertrauen, Selbstwert und Selbsterkenntnis gesprochen.

ZUR PERSON

M

it sich selbst Zeit verbringen. Wenn man das kann, ist man mit sich im Einklang“, sagt Franziska Schiffert. Und: „Langeweile ist das Beste. Das lädt den Energiestatus wieder auf. Wenn mir einmal langweilig ist, dann weiß ich, dass die Batterie wieder voll ist.“ Franziska ist Mentaltrainerin und Werbeberaterin und weiß aus ihrem Berufsalltag, dass genau das Menschen immer schwerer fällt. Nichtstun wird in unserer Gesellschaft schlicht mit Faulheit assoziiert. Wir haben das Gefühl, immer etwas tun zu müssen, reden zu müssen, aber man macht

Die Oberländerin Franziska Schiffert hat acht Jahre in der Schweiz gelebt und ist durch eine persönliche Krise zum Thema Mentaltraining gekommen. Vor sechs Jahren ist sie nach Imst zurückgekehrt und hat vor drei Jahren am WIFI die Ausbildung zum Mentaltrainer absolviert. „Meine Leidenschaft hat lange der Werbeindustrie gegolten und tut es noch“, sagt sie. „Doch ich möchte die Welt ein bisschen besser verlassen, als ich sie vorgefunden habe. Natürlich ist es schön, wenn ein Kunde mit seiner Website zufrieden ist oder ein Flyer in Druck geht, aber Menschen wirklich zu helfen, gibt mir eine innere Befriedigung.“ Für ihre Diplomarbeit hat Franziska aus privaten Gründen das Thema „Mentaltraining bei Blaulichtorganisationen“ gewählt und 2017 das Modul „Krisenintervention“ am WIFI abgeschlossen. www.growmentaltraining.at.

Mit welchen Problemen und Anliegen kommen Menschen hauptsächlich zu dir? F R A N Z I S K A : Eigentlich gehen die Themen querbeet. Von Menschen in (Lebens-)Krisen, die nicht wissen, wohin ihre Reise gehen soll, bis hin zu Sportlern, die auf einen Marathon trainieren und mentale Unterstützung brauchen. Meist geht es jedoch darum, dass Menschen erkennen, dass sie ein „Problem“ haben, aber nicht wissen, wie sie damit umgehen bzw. es anpacken sollen. Du hast zum Großteil mit Problemen anderer Menschen zu tun. Wie gehst du damit um, beschäftigt dich das? Wenn man anfangs voller Euphorie ist, meint man, der Beruf als Mentaltrainer kann einem nichts anhaben. Auch ich dachte, ich bin jung, mir macht das nichts aus. Doch jeder Lehrer hat uns gewarnt, dass es uns irgendwann persönlich treffen wird. Und sie hatten recht. Nach den ersten drei, vier Sitzungen habe ich gemerkt, dass der Körper anfängt, zu reagieren, und ich habe angefangen, für mich Rituale zu finden. Wichtig ist mir auch die Trennung zwischen den Trainingsräumlichkeiten und meinem Zuhause. Die Tür hinter mir zuzumachen ist nicht nur symbolisch, sie hält auch die Arbeit draußen. Kann man Selbstbewusstsein lernen? Man kann es trainieren. Ich mache oft die Erfahrung, dass Menschen, die kommen, nicht wissen, wie es in ihrem Leben weitergehen soll, sie sehen keinen Sinn mehr und haben schlaflose Nächte. Mentaltraining kann durchaus dazu beitragen, sich seiner selbst wieder bewusst zu werden. Und darum geht es letztlich. Meist liegen die Ursachen für die eigene Unsicherheit weit tiefer, als man selbst glaubt. Dann geht es darum, diesen Ursachen auf den Grund zu gehen und zu helfen, sich selbst wieder zu vertrauen. Wenn ich weiß, wer ich selbst

M AYA / N U M M E R 02 / J U N I 2018

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maya ist das Tiroler Frauenmagazin für alle, denen Gesundheit, Schönheit und Mode wichtig ist und die sich gerne inspirieren lassen.

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