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18/01/2008

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einigen, ihrerseits zu einer neuen Religion geworden. Daher kann für den interreligiösen Dialog gesagt werden, dass er bescheidenere Ziele verfolgt. Das erste Ziel ist es, es den Angehörigen verschiedener Religionen zu erlauben, miteinander in Harmonie und Frieden zu leben. Dies scheint ziemlich banal, doch nach einigem Überlegen wird man feststellen, wie wichtig dies ist, gibt es auf der Welt doch allerorten Konflikte zwischen Angehörigen verschiedener Religionen. In der Tat wird häufig behauptet, dass auf der Welt kein Frieden herrsche, solange die Religionen nicht in Frieden miteinander lebten. Es wäre gewiss falsch, allein die Religionen für Konflikte verantwortlich zu machen, sind doch die Ursachen häufig wirtschaftlicher, sozialer oder politischer Natur. Aber man muss dennoch zugeben, dass eine unterschiedliche Religionszugehörigkeit bei Konfliktparteien häufig ein zusätzlich gravierender Faktor ist. Deshalb müssen Anstrengungen unternommen werden, im Vorfeld Spannungen zu verhindern und offenen Konflikten zuvorzukommen. In diesem Punkt lässt sich der interreligiöse Dialog in der Tat mit einer vorbeugenden Medizin vergleichen. Gemeinschaften können recht friedlich zusammen leben, und plötzlich gibt es ein Ereignis, das zu Unruhen führt. Sehr häufig wird dies von außen her beeinflusst, wenn Personen mit einer radikaleren Lehre auftreten oder Prediger die Kultur der Menschen, an die sie sich wenden, nicht respektieren. Der Dialog zielt darauf ab, die bestehenden Übereinkünfte zu festigen, so dass man solchen Einflüssen widerstehen kann. Er stärkt sozusagen den ganzen Körper, um mit dem fremden Virus fertig zu werden.

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Wie kann dies bewerkstelligt werden? Es muss darauf geachtet werden, gegenseitigen Respekt aufzubauen, der auf einer genauen Kenntnis des anderen beruht. Daher hat man sich zu bemühen, jedwedes Vorurteil abzubauen und darauf zu achten, dass die Vorstellungen über die anderen Gemeinschaften wahr und richtig sind. Dann sollten Schritte unternommen werden, gegenseitige Sympathie zu schaffen, indem man das Interesse nicht nur für Gemeinsamkeiten, sondern auch für Unterschiede weckt. All dies kann im alltäglichen Leben, in nachbarschaftlichem Geist getan werden. Dies bedeutet zu verhindern suchen, dass Ghettos entstehen. Es bedeutet, die anderen Menschen zu grüßen, sich zu mühen, sie kennen zu lernen und Beziehungen zu ihnen aufzubauen. Es bedeutet auch, ihre Freuden und Leiden zu teilen, ihnen zur Hochzeit oder zur Geburt eines Kindes zu gratulieren, ihnen in einem Trauerfall Beileid auszusprechen. Es kann auch tätige Hilfe in Notfällen bedeuten. Als bekannt wurde, dass London den Zuschlag für die Ausrichtung der Olympischen Spiele des Jahres 2012 erhalten habe, freute sich ganz Ost-London mit all seinen multikulturellen und multireligiösen Gemeinschaften, denn sie waren sich einig in dem Bewusstsein, welchen Gewinn dieses Ereignis dem ganzen Stadtteil bringen würde. Als am nächsten Tag in London die Bomben hochgingen, zeigten dieselben Leute ihre Solidarität im Leiden. Die religiösen Führer versprachen, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um zu verhindern, dass die Ereignisse zu einer Trennung der Gemeinschaft führen.

CICS Interreligious Dialogue 2007  

International Catholic Conference on Scouting (ICCS) Interreligious Dialogue 2007 http://www.cics.org/?wpfb_dl=21

CICS Interreligious Dialogue 2007  

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