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18/01/2008

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Die Entschlossenheit der Libanesen, bei aller Rücksicht auf ihre Unterschiede zusammenleben zu wollen, einander zu respektieren und sich gegenseitig zu akzeptieren, hat diesem Land einen Ausdruck von Toleranz, Dialog und Kooperation verliehen. Dies hat es ermöglicht, einen Lebensstil, eine repräsentative, auf Harmonie bedachte Struktur des öffentlichen Lebens und eine beispielhafte staatliche Grundordnung zu schaffen, die gleichzeitig das Gemeinwohl der ganzen Nation und das Eigeninteresse einer jeden Gemeinschaft berücksichtigt. Im Libanon finden alle Gemeinschaften Anerkennung und Respekt. Als aktive Gruppierungen und Gebilde sind sie konstitutive Träger der Nation . Jede Gemeinschaft ist stolz darauf, ihre Identität zu wahren. So beziehen sich die libanesischen Staatsbürger auch auf ihre religiösen Gemeinschaften, was ihre Belange und ihre nationale Zugehörigkeit betrifft, dies aber zuweilen auch missbräuchlich und nicht immer ohne einen gewissen Konfessionalismus oder auch Überbetonung von Gegensätzen. In diesem nationalen Kontext haben es die libanesischen Pfadfinderbewegungen verstanden, ihren Auftrag, Jugendliche durch Begegnung, Kenntniserwerb und Kennenlernen, Respekt voreinander, Dialog und gegenseitige Hilfe zu erziehen, in aller Öffentlichkeit zu entfalten. So schufen sie dann auch eine libanesische Pfadfinderföderation. Von seinen Ursprüngen, seinen Gründern, seiner Verbandsordnung und seiner Spiritualität her ist der Verband der 'Scouts du Liban' eine christliche Bewegung, die aber dennoch allen libanesischen Jugendlichen offen steht. Daher findet man hier auch junge Muslime, einfache Mitglieder oder Leiter. Sie alle werden von ihren christlichen Brüdern respektiert und geliebt. Sie sind nicht gehalten, den christlichen Glauben zu leben oder die religiöse Praxis und die religiösen Aktivitäten der Christen zu beachten. Dennoch fühlen sie sich dem geistlichen Fundament der Bewegung verpflichtet. Im Gebet zum Beispiel richten sie sich an Gott, währenddessen ihre christlichen Brüder sich an Jesus Christus wenden. Sie glauben aber beide, demselben Gott zu dienen. Sicherlich taucht hier ein Problem auf, das aber nicht nur die Pfadfinder, sondern jeden Gläubigen betrifft: wie kann man den Gläubigen anderer Religionen gegenüber offen sein, sie verstehen, sie lieben, die Werte ihrer Religion schätzen, mit ihnen zusammenarbeiten, und trotz allem seinem eigenen Glauben, den Forderungen dieses Glaubens und darüber hinaus auch noch dem Missionsauftrag treu bleiben? Es kann nicht darum gehen, andere zu unserem Glauben bekehren zu wollen. Wir versuchen nicht, andere ihre Religion wechseln zu lassen. In diesem Bereich folgen wir Christen den Lehren unserer Kirche und nehmen ihre Haltung ein: die Glaubensfreiheit ist ein heiliges Gut. Sie muss respektiert, verteidigt und gelebt werden.

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CICS Interreligious Dialogue 2007  

International Catholic Conference on Scouting (ICCS) Interreligious Dialogue 2007 http://www.cics.org/?wpfb_dl=21

CICS Interreligious Dialogue 2007  

International Catholic Conference on Scouting (ICCS) Interreligious Dialogue 2007 http://www.cics.org/?wpfb_dl=21

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