Page 81

InterreligiousD:AFavart_esp.qxd

18/01/2008

16:37

PÆgina 81

Pflicht Gott gegenüber spricht, schlägt denselben Ton an: Im ersten Punkt des Versprechens, das ein Pfadfinder oder eine Pfadfinderin ablegt, heißt es: „meine Pflicht Gott gegenüber zu tun.“. Wohlgemerkt, es heißt nicht, „ Gott gegenüber loyal zu sein“, da dies lediglich eine Absichtserklärung wäre. Vielmehr wird versprochen, „etwas zu tun“, was einer positiven,aktiven Einstellung entspricht. Genau in dieser, wie ich schon sagte, ohne jeden Zweifel von der christlichen Lehre inspirier-ten Überzeugung, dass der Mensch sich ständig zu bemühen habe, über sich hinausgehen und sich selbst im Geiste des Dienens zugunsten der anderen vergessen müsse, finden wir die Essenz von Baden-Powells Philosophie: Der einzig wahre Erfolg besteht im Glück. Jedoch Wirklich glücklich werden kann man nur, wenn man anderen das Glück schenkt. Zwei Aspekte in Baden-Powells Religionsbegriff verdienen es, noch einmal in Erinnerung gerufen zu werden. Da ist zunächst die klare religiöse Begründung für eines der Fundamente der Pfadfinderbewegung, nämlich die weltweite Bruderschaft des Pfadfindertums. Der Bischof von Birmingham betonte als erster diesen Gedanken in einer Predigt anlässlich des ersten internationalen Pfadfindertreffens (Birmingham, 1913). Und B.-P. wiederholte dies immer wieder, besonders nach dem 1.Weltkrieg und dem 1. Weltjamboreee des Jahres 1920. Hier einige Zitate: Wo junge Bürger in allen Ländern, Männer und Frauen, so erzogen wurden, dass sie ihre Mitmenschen als Brüder und Schwestern in der Menschheitsfamilie betrachten, alle vereint im gemeinsamen Willen, zu dienen und voller Mitgefühl einander zu helfen, werden sie nicht länger in gewohnter Weise in Begriffen des Krieges denken und den anderen als Rivalen betrachten, sondern in Begriffen des Friedens und der Verständigungsbereitschaft untereinander. Dies ist der Geist, aus dem heraus die ganze Menschheit, ob christlich oder nicht, als Glieder einer Familie und Kinder desselben Vaters leben sollten. Wenn wir die Bürger als Sauerteig betrachten, deren tägliches Tun von ihrer christlichen Praxis bestimmt ist, wird es weniger scharfe Klassenunterschiede geben und mehr weitherzig menschenfreundliche Geschwisterlichkeit, so dass auch auf die eigene Nation bezogener Patriotismus nicht das höchste Ziel ist, sondern aktive Verständigungsbereitschaft und Zusammenarbeit mit allen Mitmenschen auf der ganzen Welt, die Kinder des einen Vaters sind. Der zweite Punkt betrifft die Beziehung zwischen Gott und der Welt. Kurzgefasst können wir die philosophischen Theorien über diese Beziehung auf drei reduzieren. Die erste: die Welt wurde von Gott geschaffen und unterscheidet sich von Ihm. Die zweite: die Welt ist

81

CICS Interreligious Dialogue 2007  

International Catholic Conference on Scouting (ICCS) Interreligious Dialogue 2007 http://www.cics.org/?wpfb_dl=21

CICS Interreligious Dialogue 2007  

International Catholic Conference on Scouting (ICCS) Interreligious Dialogue 2007 http://www.cics.org/?wpfb_dl=21

Advertisement