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B.-P. und die Religion Vortrag von: Mario Sica Im Rahmen des 1. Interreligiösen Symposiums auf der Weltebene, Valencia, Spanien, 29. November 2003

Kein Thema hat in der Pfadfinderbewegung so viele Diskussionen ausgelöst wie die Beziehung „Pfadfindertum und Religion“. Schon zu Beginn der Pfadfinderbewegung war es ein höchst stritti-ges Thema. Gleich nach der Veröffentlichung seines ersten Handbuchs Scouting for Boys (1908) wurde Baden-Powell kritisiert, weil von den fast 400 Seiten des Buchs sich nur zweieinhalb mit der religiösen Thematik beschäftigten. Diese scheinbare Lücke lässt sich leicht erklären: B.-P.s Handbuch wurde nicht für einen Pfadfinderverband geschrieben. Das war zunächst nicht sein Ziel. Es richtete sich eher an andere Ju-gendbewegungen, wie den CVJM, die Boys Brigades oder die Church Lads, die eh schon alle einen starken religiösen Hintergrund hatten. Baden-Powells Ziel bestand nicht darin, ihre Strukturen zu verändern, sondern einzig und allein, ihnen ein interessanteres und attraktiveres Programm an Aktivitäten vorzuschlagen. Erst später, als klar wurde, dass die Pfadfinder nicht Pfadfinder plus etwas anderem, sondern ausschließlich Pfadfinder sein wollten und das Pfadfindertum in eine separate Bewegung mit eigenen Regeln mündete, beschäftigte Baden-Powell die Frage des religiösen Lernens innerhalb des Pfadfindertums. Schon in seinem nächstem Buch Yarns for Boy Scouts (1909) erörterte Baden-Powell dieses Problem, wobei er gleich zu Anfang ein bezeichnendes Eingeständnis machte: Ich habe im Handbuch vielleicht zu sehrvon den einzelnen Ausbildungsschritten und zu wenig von dem übergeordneten Ziel all dieser Dinge gesprochen. [Das Ziel ist,] den Boden zu bereiten, - besonders, wenn es sich um undiszipliniertere, weniger nachdenkliche Jungen handelt, die nicht anders zu packen sind – um die Saat einer spirituellen Religion auszubringen, die sie in ihrem späteren Leben führt und leitet. Die genaue Gestalt dieser Religion liegt größtenteils in den Händen des Pfadfinderleiters, inso-fern sie die jeweiligen Gegebenheiten zu berücksichtigen hat. So unterscheidet Baden-Powell also klar zwischen der Notwendigkeit religiöser Bildung und der Form und Art, wie diese Bildung auf die unterschiedlichen Bedingungen und Umstände einzugehen hat.

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CICS Interreligious Dialogue 2007  

International Catholic Conference on Scouting (ICCS) Interreligious Dialogue 2007 http://www.cics.org/?wpfb_dl=21

CICS Interreligious Dialogue 2007  

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