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Z E I T U N G

Montag, 21. Juni 2010

Nr. 141 J 25. Woche JPreis 1,40 €

HANNOVERSCHER ANZEIGER VON 1893

Mit gutem Gefühl: Vor dem letzten Vorrundenspiel gegen Ghana lässt die Nationalelf keine Zweifel am Erfolg zu / S. 13

Ergebnisse vom Wochenende

Heute

Niederlande – Japan Ghana – Australien Kamerun – Dänemark

Portugal – Nordkorea Chile – Schweiz Spanien – Honduras

1:0 1:1 1:2

Slowakei – Paraguay 0:2 Italien – Neuseeland 1:1 Brasilien – Elfenbeinküste

Lumix-Fotofestival Die Niedersachsen feiern sich selbst – diesmal in Celle endet mit Besucherrekord

Gesund he its refo r m

In der Pflicht VON G A BI S TIEF

Hannover (dkb). Das 2. Lumix-Fotofestival ist gestern nach fünf Tagen mit einem Besucherrekord zu Ende gegangen: Mehr als 20 000 Interessierte wollten die 60 ausgewählten Fotoreportagen mit mehr als 1400 Bildern auf dem Expo-Gelände sehen. „Das zeigt, wie einmalig dieses Festival ist“, sagte Thomas Hoepker, Mitglied der Fotoagentur Magnum und Juryvorsitzender. Am Sonnabend wurden im Atrium der Multimedia Berufsschule auf der Expo-Plaza noch mehrere junge Fotojournalisten ausgezeichnet. Den renommierten und mit 10 000 Euro dotierten FreelensAward erhielt der Italiener Davide Monteleone für seine Reportage aus dem Nordkaukasus. Über den HAZ-Publikumspreis konnte sich der Däne Thomas Lekfeldt für seine einfühlsame Fotoreportage über den Kampf eines Mädchens gegen einen Gehirntumor freuen. Seite 12

Hannover: Eine 57-jährige Hannoveranerin verklagt das Nahverkehrsunternehmen RegioBus auf Schmerzensgeld. Sie war bei einem Bremsmanöver offenbar so stark mit dem Kopf gegen das Fenster eines Linienbusses gestoßen worden, dass die Scheibe beschädigt wurde. Seite 9

Auto zu leicht für Plakette Hannover: Rathausmitarbeiter haben dem Besitzer eines elf Jahre alten, mit Partikelfilter nachgerüsteten VW-Sharans die grüne Umweltplakette abgekratzt. Sein Auto sei 100 Kilogramm zu leicht für diese Schadstoffklasse, heißt es. VW bestätigt: Seite 10 Der Vorgang ist rechtens.

Käßmann will neu anfangen Blick in die Zeit: Die frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Margot Käßmann, will nach dem Rücktritt von ihren Ämtern „ohne Familie irgendwo neu anfangen“. Was sie in Zukunft mache, sei ungewiss: „Ich habe keinen Arbeitsplatz, ich habe keine Wohnung, jetzt ist auch meine jüngste Tochter ausgezogen“, sagte die ehemalige Landesbischöfin am Wochenende in Interviews. Seite 3

Stromkonzerne drohen Berlin Wirtschaft: Die schwarz-gelbe Koalition hat bis 2014 Einnahmen von fast zehn Milliarden Euro durch eine neue Brennelementesteuer eingeplant. Doch die Stromkonzerne wollen diesen Plan notfalls per Klage zu Fall bringen. Seite 21

Cherundolo bleibt 96 treu Sport: Hannover 96 kann für mindestens zwei weitere Jahre mit Steve Cherundolo planen. Der Verteidiger, derzeit mit dem USA-Team bei der WM im Einsatz, gab den „Roten“ seine Zusage. Seite 17 Lottozahlen: 13, 14, 21, 22, 41, 42 (28) Superzahl: 6 Spiel 77: 9 0 4 0 7 7 3 Super 6: 8 9 1 9 5 7 Toto: folgt am Dienstag 6 aus 45: folgt am Dienstag (Ohne Gewähr)

Familienanzeigen

Seite 5

Kreuzworträtsel

Seite 5

Kinder & Medien

Seite 19

Täglich (fast) alles

Seite 20

Verbraucher

Seite 22

Finanzen

Seite 23

Roman

Seite 23

Leserbriefe

Seite 24

Wechselnd bewölkt mit

18° Auflockerungen und trocken. Schwacher Wind aus Seite 20

8° Nord.

Postanschrift: 30148 Hannover Redaktion: (05 11) 5 18-0 Anzeigen: 01 80-1 23 43 21* und www.haz.de Telefax Kleinanzeigen: 01 80-1 23 43 30* Abonnenten-Service: 01 80-1 23 43 34* Internet: www.haz.de *Ein Anruf aus dem Festnetz der Deutschen Telekom kostet 3,9 Cent pro Minute, ein Anruf aus dem Mobilfunknetz höchstens 42 Cent pro Minute.

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dpa

HEUTE IN DER HAZ Frau verklagt Busunternehmen

Ein Land, viele Gesichter: Mit einem Trachtenumzug ist gestern in Celle der 30. Tag der Niedersachsen zu Ende gegangen.

Unter den 3400 Teilnehmern waren Frauen mit farbenprächtiger Kopfbedeckung, aber auch Männer mit imposanten Bär-

13.30 Uhr 16 Uhr 20.30 Uhr

ten. Trotz des durchwachsenen Wetters kamen rund 250 000 Besuchen zum Landesfest. Am Sonnabend stand Minister-

präsident Christian Wulff im Vordergrund: Er wurde an diesem Tag 51 Jahre alt – und viel gefeiert. Seite 6

Der Unterschied ist fein und klein – dennoch ist er erwähnenswert. In der Koalition hat man sich seit Tagen heftig lieb. Die Gesundheitspolitiker von CDU, CSU und FDP haben am ehesten wieder etwas gutzumachen; also schwärmen sie von der hervorragenden Zusammenarbeit mit einem Eifer, der fast schon peinlich ist. Und auch die Kanzlerin, die sich bislang – wie so oft – aus dem rüden Streit raushielt, schwört Besserung. An diesem Wochenende mahnte sie die CSU öffentlich, den Gesundheitsminister zu unterstützen – auch wenn er von der FDP ist. Schließlich habe Philipp Rösler eins der schwierigsten Ämter im Kabinett. Dies ist noch untertrieben. Für Rösler dürfte das Regieren in den vergangenen Monaten eine höllische Achterbahnfahrt gewesen sein; so manche scharfe Kurve drohte ihn aus der Bahn zu werfen. Der Niedersachse hat durchgehalten; aber das Abenteuer ist noch nicht beendet. In der Nacht zum Sonnabend hat eine Koalitionsrunde ein Krisenprogramm für die Not leidenden Krankenkassen aufgesetzt, das vorerst nur aus einem Kapitel besteht. Ein zweites, das weitaus schwierigere, folgt in den nächsten Tagen und Wochen.

Alle müssen sparen

Jürgen Rüttgers überlässt das Feld Rot-Grün – vorerst

Weil Geld fehlt: Bund legt sechs U-Boote still

Merkel wirft SPD wegen Minderheitsregierung in NRW Wortbruch vor

Deutsche Marine leidet unter Sparauflagen

VON E RICH R EIM ANN Düsseldorf/Berlin. Der amtierende Regierungschef Jürgen Rüttgers hat im Kampf um die Macht in Nordrhein-Westfalen die Segel gestrichen und den Weg für die SPD-Kontrahentin Hannelore Kraft frei gemacht. Rüttgers will bei der Ministerpräsidentenwahl Mitte Juli nicht gegen Kraft antreten. Rüttgers geht allerdings davon aus, dass die von Kraft geführte Minderheitsregierung von SPD und Grünen nicht lange hält und er eine gute Chance bei Neuwahlen hätte. Rüttgers will mindestens bis zum Frühjahr 2011 Vorsitzender der NRWCDU bleiben und auch sein Landtagsmandat behalten. Als Fraktionsvorsitzender stehe er aber nicht zur Verfügung, sagte er. „Ich habe mich eingesetzt für eine Große Koalition, und ich werde jetzt nicht antreten im Landtag, um als Gegenpol zu einer rot-rot-grünen Zusammenarbeit zur Verfügung zu stehen.“ Die CDU-Fraktion will am 6. Juli einen neu-

en Vorsitzenden wählen. Als Kandidaten werden Integrationsminister Armin Laschet, Arbeitsminister Karl-Josef Laumann und der Generalsekretär der NRW-CDU, Andreas Krautscheid, gehandelt. SPD-Chef Sigmar Gabriel bezeichnete Rüttgers Entscheidung als „konsequent“. Sein Verzicht auf eine Kandidatur gegen Kraft verdiene Respekt. Falls es bei der Linken Mitglieder gebe, die den „altstalinistischen und antiparlamentarischen Kurs ihrer Parteiführung in Nordrhein-Westfalen nicht mitmachen wollen, sind sie herzlich willkommen“, sagte er. Kraft setzt auch auf die Hilfe der FDP bei Abstimmungen im Landtag. „Auf mittlere Sicht schließe ich nicht aus, dass wir auch bei den Liberalen Unterstützung finden können.“ Die FDP erteilte ihr allerdings umgehend eine Absage. Landeschef Andreas Pinkwart erklärte, er wolle nicht der Hilfsmotor für RotRot-Grün sein.

Gespräche zwischen SPD und Grünen über die Bildung einer Minderheitsregierung sollen am Dienstag beginnen. Der Landesparteitag der Grünen und der Landesparteirat der SPD gaben der Aufnahme von Koalitionsverhandlungen inzwischen grünes Licht. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bezichtigte die SPD unterdessen der Wahllüge. Nach Hessen erlebe man nun zum zweiten Mal, dass Versprechungen vor Landtagswahlen überhaupt keine Gültigkeit mehr hätten, sagte sie in Berlin. Kraft habe noch im März eine Tolerierung durch die Linke ausgeschlossen. Der stellvertretende SPD-Vorsitzende Olaf Scholz vertrat dagegen die Ansicht, dass die benötigte Duldung durch die Linke der SPD nicht schaden werde. Die Sozialdemokraten hätten nach Thüringen nun auch in Nordrhein-Westfalen ein mögliches Regierungsbündnis mit den Linken ausgeschlagen. Das sei sicher ein Beitrag zum Gewinn politischen Vertrauens. ap

Israel lockert die Gaza-Blockade

Fünf deutsche Soldaten verwundet

China gibt Bindung an Dollar auf

Jerusalem (ap). Israel will die international kritisierte Blockade des Gazastreifens weiter lockern. Ab sofort sollen wieder alle nicht-militärischen Güter in das palästinensische Gebiet eingeführt werden dürfen, sagte Regierungssprecher Mark Regev am Sonntag in Jerusalem. Herbeigeführt werden soll das mit einer Art Systemwechsel: Die bislang verwendete Liste mit erlaubten Gütern des humanitären Grundbedarfs für die 1,5 Millionen Einwohner des Gazastreifens soll von einer Verbotsliste abgelöst werden.

Kabul (dpa). Bei einer Serie von Anschlägen auf die Bundeswehr im Norden Afghanistans sind fünf deutsche Soldaten verletzt worden. Die Bundeswehr wurde am Wochenende insgesamt viermal zum Ziel von Aufständischen. Der folgenschwerste Anschlag ereignete sich, als in der Provinz Badakhschan neben einer Patrouille ein Sprengsatz explodierte. Dabei wurden drei deutsche Soldaten und ein afghanischer Übersetzer verletzt.

Peking (dpa). China bewegt sich im Währungsstreit: Eine Woche vor dem Gipfel der führenden Wirtschaftsnationen (G20) in Kanada hob die Zentralbank in Peking die Anbindung des Yuan an den US-Dollar auf. Die Ankündigung weckte Hoffnungen, mehr Ausgewogenheit im Welthandel zu erreichen. Die USA, die EU und der Internationale Währungsfonds begrüßten die Entscheidung. US-Präsident Barack Obama sprach von einem „konstruktiven Schritt“.

 Niebel darf nicht einreisen

Seite 3

 Anschläge in Afghanistan  Kommentar

Seite 4 Seite 4

 Keine schnelle Aufwertung

Seite 21

VON K LAUS VON DER B RELIE Kiel. Weil kein Geld für dringend notwendige Reparaturen und Instandhaltungsarbeiten verfügbar ist, hat sich die Deutsche Marine entschlossen, mehr als die Hälfte ihrer U-Boote stillzulegen. Sechs von zehn U-Booten werden noch in diesem Sommer aus dem Verkehr gezogen. Dies wurde dieser Zeitung am Sonnabend in Kiel bestätigt. Die zur Verschrottung vorgesehenen Boote stammen aus dem siebziger Jahren. Sie wurden allerdings in den neunziger Jahren modernisiert und mit neuen Waffen ausgerüstet. Die Boote waren weltweit im Einsatz. Die verbleibenden vier U-Boote sind Neuentwicklungen, die über einen Brennstoffzellenantrieb verfügen und deshalb unabhängig von der Außenluft lange Zeit unter Wasser bleiben können. Die in Eckernförde stationierten UBoot-Besatzungen, die von der Stilllegung ihrer Fahrzeuge betroffen sind, sollen im U-Boot-Geschwader verbleiben. Nach Angaben eines Marinesprechers ist vorgesehen, dass es für jedes der vier deutschen U-Boote künftig zwei Besatzungen geben soll. Auf diese Weise soll sichergestellt werden, dass deutsche U-Boote auch künftig an längeren Auslandseinsätzen mitwirken können. Die aktuellen Finanzprobleme der Bundeswehr haben auch zur Folge, dass Fregatten nicht mehr fristgerecht gewartet und dringende Werftaufenthalte verschoben werden. Zu Beginn des Jahres hatte sich bereits das Heer entschlossen, sämtliche Flugabwehrpanzer sowie einen Teil der Panzerhaubitzen und mehrere Dutzend Schützenpanzer außer Dienst zu stellen. Der Grund: Es sollen Betriebskosten in Höhe von 60 Millionen Euro eingespart werden.

Koalition erklärt Streit für beendet Gesundheitsexperten beraten über Milliardeneinsparungen / Kanzlerin stärkt Rösler den Rücken VON G A BI S TIEF Berlin. Die Gesundheitsexperten der Koalition haben sich nach monatelangem Streit auf Ausgabenkürzungen bei den gesetzlichen Krankenkassen verständigt. „Wir werden das Sparziel von vier Milliarden Euro erreichen“, sagte Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) am frühen Sonnabendmorgen nach rund achtstündigen Verhandlungen mit den Experten von CDU, CSU und FDP. Die Runde vertagte sich auf kommenden Mittwoch. Ein weiteres Treffen ist am 1. Juli geplant. Noch vor der Sommerpause sollen erste Eckpunkte vorliegen. Kanzlerin Angela Merkel sagte dem Minister bei einer Veranstaltung mit CDU-Kreisvorsitzenden volle Unterstützung der Koalition zu. Rösler vermied es, auf Details der Beratungen einzugehen. Er kündigte „ein vernünftiges System“ an, um das Defizit

der gesetzlichen Krankenversicherung in den Griff zu bekommen. Es gehe darum, alle an den notwendigen Sparmaßnahmen gleichmäßig und gerecht zu beteiligen. Darüber hinaus müssten sich CDU, CSU und FDP einigen, wie in Zukunft eine vernünftige Finanzierung des Gesundheitswesen aussehen könne. Rösler lobte ausdrücklich das „hervorragende Klima“ während der Gespräche. Es sei gelungen, zur Sachdebatte zurückzukehren. In den vergangenen Wochen hatten sich FDP und CSU als „Wildsau“ und „Gurkentruppe“ beschimpft. Der CSU-Gesundheitsexperte Johannes Singhammer betonte, zum 1. Januar 2011 werde es das befürchtete Defizit von elf Milliarden Euro in der gesetzlichen Krankenversicherung nicht geben. „Dazu haben wir heute die Grundlagen erzielt.“ Ausgeschlossen sei, dass die Arbeitgeber zusätzlich zur Kasse gebeten würden. Vor der Klausursitzung hatte

GKV-Verband bekräftigsein CSU-Kollege Max te seine Forderung nach Straubinger versichert, Einsparungen bei niederdass man verhandlungsgelassenen Ärzten und bereit sei. „Wir blockieKliniken. ren nicht.“ Auf die Frage, Kanzlerin Merkel gab ob der CSU-Vorsitzende Rösler am Wochenende Horst Seehofer das letzte Rückendeckung. „Rösler Wort habe, sagte Straukommt von der FDP. Aber binger: „Es geht darum, er hat ein Anrecht daeine Geschäftsgrundlage rauf, von der gesamten zu vereinbaren, die dann Koalition unterstützt zu von der gesamten Partei werden“, sagte sie bei eigetragen werden muss.“ ner CDU-Veranstaltung. Seehofer versicherte am Die Aufgabe müsse bis Sonntag in Erding, man zum 1. Januar 2011 gelöst sei auf einem guten Weg. Der Spitzenverband der „Wir werden das Sparziel er- sein. Man wolle Rösler Gesetzlichen Kranken- reichen“: Gesundheitsminister nicht sitzen lassen, sonversicherung (GKV) Rösler. dpa dern noch vor der Sommerpause helfen. Der Zusprach nach den Beratungen von einem ersten Schritt „hin zur satzbeitrag müsse weiterentwickelt werStabilisierung der Finanzierung der ge- den. Dafür müsse ein Sozialausgleich insetzlichen Krankenversicherung“. Der stalliert werden.

Einvernehmen herrscht erst einmal über einen Sparkurs, der im nächsten Jahr ausnahmslos alle treffen wird, die im Gesundheitswesen ihr Geld verdienen. Den niedergelassenen Ärzten wird der übliche Honorarzuwachs zusammengestrichen, was insbesondere die niedersächsischen Mediziner, die an der Honorarverteilung derzeit verzweifeln, ärgern wird. Die Kliniken werden vor allem bei den Mehreinnahmen durch mehr Operationen verzichten müssen. Die Apotheker müssen etwas abgeben, ebenso der Großhandel und die Pharma-Hersteller. Die Krankenkassen werden bei den Verwaltungskosten auf Diät gesetzt; ein Plus soll es nicht geben. Die Kürzungen sind schmerzhaft, aber alternativlos. Die scheinbare Leichtigkeit, mit der sich die Koalition nun mit Kliniken und Ärzten anlegt, hat etwas mit der Dramatik der Lage zu tun. Die Dramatik besteht in der Größe des Problems, an der die Vorgängerregierung mit ihren Wohltaten nicht ganz unschuldig ist. Die Sparliste mindert das Defizit der Krankenkassen von voraussichtlich elf Milliarden Euro im nächsten Jahr bislang um gerade einmal vier Milliarden. Auch wenn, wie angekündigt, aus der Steuerkasse zusätzliche zwei Milliarden Euro überwiesen werden, droht AOK, BKK & Co. eine Restschuld von fünf Milliarden Euro, die sie ihren Versicherten in Rechnung stellen müssten. Bislang ist dies nur begrenzt möglich; die pauschalen Zusatzbeiträge dürfen nicht ein Prozent des Jahresverdiensts übersteigen. Erhöht man diese Grenze, wie die Koalition es erwägt, oder streicht man sie, bleibt die Frage: Wie verhindert man, dass für Geringverdiener oder Rentner der Kassenbeitrag unbezahlbar wird? Die Frage hat in der Koalition in den vergangenen Wochen zu einem absurden Streit geführt. Verbissen kämpfte die CSU gegen eine Kopfpauschale, die zwar noch mit dem Namen Gesundheitsprämie daherkam, aber längst keine mehr war. So wird demnächst das kuriose Ergebnis zu besichtigen sein, dass zwar das 30-Euro-Modell von Rösler vom Tisch ist, aber der pauschale Zusatzbeitrag möglicherweise für einige auf 30 Euro steigt.

Prämie ist Zukunftsmusik Bitter ist, dass die CSU das einzig Überzeugende an Röslers Konzept gleich mit abräumte. Ein letztes Mal sollte der Arbeitgeberbeitrag um gerade einmal 0,3 Prozentpunkte erhöht werden, bevor er eingefroren wird. Dieser Schritt hätte nicht nur die Krise der Kassen entschärft, er wäre auch gerecht gewesen, solange ein Systemwechsel Zukunftsmusik ist. Und das ist er allemal. Ein halbes Jahr brauchte die Regierung, um dies einzugestehen. Nach dem Beharren auf Steuersenkungen ist dies der zweite große Selbstbetrug, mit dem die Koalition viel Zeit vertrödelt hat. Die Gesundheitsprämie ist ein Konzept, das durchaus überzeugend ist. Doch sie ist alles andere als alltagstauglich, wenn das Geld fehlt, um zu verhindern, dass der Chefarzt und die Sekretärin das Gleiche zahlen. Dass dieses Geld fehlt, weiß man längst. Die Koalition ist in der Wirklichkeit angekommen: Sie muss Kosten sparen, Strukturen im System verändern und den Gesundheitsfonds weiterentwickeln. Am Freitag schaute man sich vor der Gesundheitsklausur das Spiel der Deutschen gegen Serbien an. Man werde so gut sein wie die deutsche Nationalmannschaft, hieß es vor dem Spiel. Am Mittwoch wird weitergespielt. In Südafrika und in Berlin. Hier wie dort ist ein Erfolg Pflicht.


Politik

HANNOVERSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG

NRW

Problem Rüttgers

MONTAG, 21. JUNI 2010 · NR. 141

INLAND

Von der Spree an die Ostsee

Viele offene Lehrstellen dpa

2

J

ANDERE ANSICHTEN zum Thema NRW: „Warum hat Rüttgers sich das Heft des Handelns von Hannelore Kraft früh aus der Hand nehmen lassen? Warum hat er nicht der Partei einen Gefallen getan und mit einem Rücktritt gleich nach der Wahl neue Optionen auch für Schwarz-Rot eröffnet? So aber komplettiert er die Niederlage vom 9. Mai. Die CDU zwischen Rhein und Weser muss sich neu aufstellen.“

zum Thema Niebel: „Niebels Aktion mag naiv oder eine Art gezielter Provokation gewesen sein, denn Israel hat zuletzt keiner hochrangigen Delegationen den Zutritt nach Gaza gewährt. Es sollte aber der Regierung zu denken geben, dass inzwischen selbst die bisher sehr vorsichtig formulierende deutsche Politik der Regierung in Jerusalem ‘politische Fehler’ vorwirft.“

ZUR PERSON Jens Bullerjahn (SPD), derzeit Finanzminister in der schwarz-roten Landesregierung in Sachsen-Anhalt, ist am Wochenende von seiner Partei als Spitzenkandidat nominiert worden. Erstmals in der Geschichte des Landesverbandes hatte die SPD bei einem Mitgliederkonvent in Halle die Basis den Spitzenkandidaten direkt wählen lassen. Fast 90 Prozent votierten für Bullerjahn. 314 von rund 4200 SPDMitgliedern beteiligten sich an der Abstimmung, für Bullerjahn stimmten 281. Der SPD-Bewerber für das Amt des Ministerpräsidenten zeigte sich „vollauf zufrieden“. Der Stellvertreter von Regierungschef Wolfgang Böhmer versicherte seinen Genossen: „Ich will Ministerpräsident in Sachsen-Anhalt werden“. Der neue Landtag wird am 20. März 2011 gewählt. Für das Amt des nächsten Ministerpräsidenten hat die CDU Wirtschaftsminister Reiner Haseloff nominiert, die Linke ihren Fraktionschef Wulf Gallert. ap

MESTER

Berlin: Rund 30 000 Lehrstellen in Deutschland sind nach Angaben des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) derzeit noch unbesetzt. Dies berichtet „Bild am Sonntag“ unter Berufung auf eine Auswertung der Lehrstellenbörsen der Kammern. „Für die außergewöhnlich hohe Nachfrage an Azubis in diesem Jahr gibt es zwei Gründe: Die sinkenden Bewerberzahlen durch die demografische Entwicklung und die wieder anspringende Konjunktur“, wird DIHK-Präsident Hans Heinrich Driftmann zitiert. ap

Neue Vorwürfe gegen Mixa Augsburg: Der wegen Misshandlungsvorwürfen gegen Heimkinder zurückgetretene Bischof Walter Mixa will doch aus dem Augsburger Bischofspalais ausziehen. Am Wochenende ging die Debatte über die Umstände von Mixas Rücktritt weiter. Nach Informationen der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ lag Papst Benedikt XVI. eine Akte mit schweren Vorwürfen gegen Mixa vor, die von engsten Mitarbeitern erhoben worden seien. Dabei gehe es zum einen um Alkoholabhängigkeit und eine massive Beeinträchtigung der Arbeits- und Wahrnehmungsfähigkeit Mixas. Zum anderen sei aber auch die Rede von sexuellen Übergriffen auf junge Priester. Angeblich hatte der Papst selbst die Erzbischöfe Robert Zollitsch und Reinhard Marx angewiesen, Mixa zu einer Auszeit zu bewegen. epd Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit hat seinen Amtssitz am Sonntag gegen das Marine-Versorgungsschiff „Berlin“ in Eckernförde getauscht. Der SPD-Politiker zeigte sich beeindruckt vom Patenschiff

der Spreestadt: „Dieses Schiff ist ein starkes Stück Berlin.“ Die Patenschaft zwischen Berlin und der „Berlin“ besteht seit 2001. Wowereit ist seitdem der erste Regierende Bürgermeister an Bord. Das 174

Meter lange Versorgungsschiff war vor elf Jahren in Flensburg vom Stapel gelaufen. Es versorgt nicht nur Schiffsverbände mit Lebensmitteln und Treibstoff, sondern dient auch als modernes Lazarett.

Begleitet wurde der gut gelaunte Wowereit unter anderem vom Berliner Standortkommandanten, General Peter Braunstein. Zum Besuchsprogramm gehörten auch Gespräche mit der Mannschaft. dpa

Koalition lehnt höhere Spitzensteuer ab SPD will Entlastung für untere und mittlere Einkommen – und Spitzenverdiener stärker besteuern VON M ICH A EL G RÜTER UND G A BI S TIEF Berlin. Forderungen aus der Wirtschaft nach einem höheren Spitzensteuersatz sind in der Koalition auf ein verhaltenes Echo gestoßen. Der schleswigholsteinische FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki zeigte sich entgegen der Parteilinie offen für eine Erhöhung des Spitzensteuersatzes. Der FDP-Bundestagsfraktionsvize Patrick Döring warnte dagegen, dass die Leistungsträger bereits stark in Anspruch genommen würden. Auch Unions-Fraktionsvize Michael Fuchs sieht „keinen großen Spielraum für eine Erhöhung des Spitzensteuersatzes“. Der Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes NiedersachsenMetall, Volker Schmidt, hatte in dieser Zeitung betont, dass der Staat kein Ausgaben-, sondern ein Einnahmeproblem habe. Er forderte die Regierung auf, gemeinsam mit der Opposition ein neues Steuerkonzept zu erarbeiten. Diesen Vorstoß lehnte der CDU-Wirtschaftspolitiker Fuchs ab. „Wir haben einen Wählerauftrag für eine schwarz-

gelbe Koalition erhalten. Wir sollten die Probleme in dieser Koalition lösen.“ Er halte „nichts davon, die Grenzen zwischen Opposition und Regierung zu verwischen“, sagte Fuchs dieser Zeitung. Der FDP-Politiker Döring räumte ein, dass eine Strukturreform bei der Mehrwert- und Einkommensteuer notwendig sei. „Die wird auch kommen“, sagte Döring. Aber unterm Strich dürfe es keine Mehrbelastung geben. Auch der FDP-Fi-

nanzexperte Hermann Otto Solms schloss Steuererhöhungen erneut kategorisch aus. Der FDP-Politiker Kubicki meinte dagegen: „Was spricht dagegen, den Spitzensteuersatz von 45 auf 47,5 Prozent anzuheben?“ Er wäre auch dafür, die Abgeltungssteuer auf Kapitalerträge von 25 auf 30 Prozent anzuheben, sagte er dem „Hamburger Abendblatt“. SPD-Fraktionsvize Hubertus Heil hat unterdessen ein Thesenpapier vorgelegt,

Kirchen kritisieren Ungerechtigkeit Frankfurt/Main (epd). Kirchen und Verbände haben das Sparpaket der Bundesregierung am Wochenende heftig kritisiert. Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, mahnte angesichts der aktuellen Spardebatte soziale Gerechtigkeit an. Arme, Schwache und Benachteiligte dürften nicht übersehen werden, forderte er am Sonntag im oberbayerischen Andechs. Christen müssten in Solidarität mit ihren Mitmenschen leben und han-

deln und dürften daher zum aktuellen Sparpaket nicht schweigen, sagte Zollitsch. Eine Kirche, die sich auf Jesus Christus berufe, werde „auch die nicht aus dem Blick verlieren, die keine Lobby haben“ und die nicht mit dem hohen Tempo der Gesellschaft mithalten könnten. Die frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Margot Käßmann, forderte eine stärkere Beteiligung der Reichen an Einsparungen. Die Schere ginge immer weiter auf.

nach dem die Bezieher kleiner und mittlerer Einkommen entlastet werden sollen. Im Zentrum von Heils Konzept steht laut „Tagesspiegel“ die Senkung der Einkommenssteuer für alle Steuerzahler mit einem Jahreseinkommen zwischen 13 500 und 65 000 Euro. Erreicht werden solle dies durch eine Verschiebung der Steuerprogression. Demnach würde der Spitzensteuersatz erst für Einkommen ab 85 000 Euro im Jahr gelten statt bisher rund 53 000 Euro. Zugleich solle der Spitzensatz von 42 Prozent auf 50 Prozent angehoben werden. Die Reichensteuer von 45 Prozent würde damit hinfällig. Das Konzept Heils sieht zudem vor, die Sozialabgaben für Bezieher von Monatseinkommen ab 400 Euro zu reduzieren und bis zu einem Einkommen von 1500 Euro progressiv ansteigen zu lassen. In einer Umfrage der TNS Forschung plädieren 86 Prozent der Befragten dafür, dass Besserverdienende und Vermögende stärker an der Bewältigung der Wirtschaftskrise beteiligt werden sollten. Unter den Anhängern der FDP befürworteten immerhin noch 60 Prozent ein solches Vorgehen.

Gauck trifft Wulff

Viel Kritik an Westerwelle

Merkel ruft Koalition zu Geschlossenheit auf

Beschuss aus den eigenen Reihen wird heftiger

Berlin (dpa). Die beiden Bewerber für das Amt des Bundespräsidenten, Joachim Gauck und Christian Wulff, haben sich zu einem vertraulichen Gespräch getroffen. Gauck, den SPD und Grüne nominiert haben, sagte, er habe sich kürzlich „unter vier Augen“ mit dem niedersächsischen Ministerpräsidenten getroffen. Er habe den CDU-Politiker als „angenehm“ erlebt und halte ihn für einen geeigneten Bundespräsidenten. „Er ist auf seine Weise geeignet, wie ich auf meine Weise geeignet bin“, sagte Gauck. Zugleich wies der frühere DDR-Bürgerrechtler Vorwürfe zurück, SPD und Grüne hätten ihn nur nominiert, um Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu ärgern. Auf die Frage, ob er sich von Rot-Grün missbraucht fühle, sagte er: „Wenn ich den Eindruck gewonnen hätte, dass man mich ausschließlich nominiert hätte, um andere verlegen zu machen, dann hätten Sie recht.“ Zahlreiche Signale aus Union und FDP sowie von Bürgern und Öffentlichkeit brächten ihn

aber zu der Überzeugung, „dass meine Kandidatur Sinn macht“. Bei der Wahl in der Bundesversammlung am 30. Juni lehnt Gauck auch Stimmen von der Linkspartei nicht ab. „Jeder, der die politische Aufklärung so liebt wie ich, ist mir willkommen.“ Aber er glaube, dass er auf Unterstützer aus der Linkspartei nicht angewiesen sei. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Union und FDP zur geschlossenen Unterstützung des gemeinsamen Kandidaten Christian Wulff aufgerufen. „Es wird wichtig sein, dass Wulff von uns gewählt wird und seine Fähigkeiten einbringt“, sagte die CDU-Vorsitzende bei einer Parteikonferenz in Berlin. Trotz Widerstands im eigenen Lager zeigte sich der niedersächsische Ministerpräsident am Wochenende siegessicher. Wulff hat rein rechnerisch eine deutliche Mehrheit bei der Wahl. Der von SPD und Grünen nominierte Kandidat Joachim Gauck kann aber mit Stimmen auch aus den Reihen von Union und FDP rechnen.

Berlin (dpa). Die Kritik an der Doppelfunktion von Guido Westerwelle als FDP-Parteichef und Außenminister wird unter dem Eindruck sinkender Umfragewerte lauter. Allerdings muss Westerwelle vorerst keine Abwahl an der Parteispitze fürchten. Ein Antrag für einen Sonderparteitag, der indirekt auf seine Ablösung zielte, fand am Sonnabend bei der Hessen-FDP keine Mehrheit. Auch bei diesem Parteitag gab es jedoch deutliche Kritik an der Berliner Parteiführung und am Erscheinungsbild der schwarz-gelben Koalition. Der Landesverband bemängelte „strategische, konzeptionelle und taktische Fehler“. Schleswig-Holsteins FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki sagte zudem dem „Hamburger Abendblatt“: „Das Problem ist nicht, dass Guido Westerwelle zu wenig als Außenminister oder zu wenig als Parteivorsitzender stattfindet. Das Problem ist, dass Guido Westerwelle im Augenblick gar nicht stattfindet.“ Das Vor-

standsmitglied Alexander Pokorny sagte dem Magazin „Der Spiegel“: „Westerwelle hat seine drei Ämter Parteivorsitzender, Minister und Vizekanzler noch nicht unter einen Hut bekommen.“ Die FDP-Fraktionsvorsitzende Birgit Homburger wies Rücktrittsforderungen an Westerwelle zurück. Im „Tagesspiegel am Sonntag“ betonte sie: „Er ist der Parteivorsitzende. Gleichzeitig nimmt er als Außenminister eine wichtige Aufgabe für unser Land wahr. Das ist gut vereinbar.“ Es komme ja auch „kein Mensch auf die Idee zu fragen, ob Frau Merkel die Funktion der Bundeskanzlerin mit der der Parteivorsitzenden vereinen kann“. Auch der hessische FDP-Landtagsfraktionschef Florian Rentsch warb beim Landesparteitag um Unterstützung für den Bundesvorsitzenden. „Guido Westerwelle verdient eine zweite Chance, damit er das besser machen kann, was er in den letzten neun Monaten falsch gemacht hat.“

Zweifel an Wehrpflicht Leipzig: Mit Generalmajor Reinhard Kammerer hat sich nun auch ein ranghoher aktiver Militär in die Diskussion um die Wehrpflicht eingeschaltet und deren Notwendigkeit infrage gestellt. Aus rein militärischer Sicht brauche man die Wehrpflicht heute nicht mehr, sagte der Leipziger Divisionskommandeur der „Leipziger Volkszeitung“. Die Wehrpflicht habe bis 1990 ihre Berechtigung gehabt, als eine personalstarke Armee zur Landesverteidigung benötigt worden sei. dpa

SPD fordert Ermittlung bei BA Berlin: Der haushaltspolitische Sprecher der SPD, Carsten Schneider, hat wegen undurchsichtiger Personalpolitik staatsanwaltschaftliche Ermittlungen gegen den Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-Jürgen Weise, gefordert. Das meldete das Nachrichtenmagazin „Focus“ am Sonntag. Der Bundesrechnungshof hatte aufgedeckt, dass die BA nach einem ungenehmigten System seit 2006 Stellen mit Top-Gehältern bis 200 000 Euro jährlich ohne Ausschreibung besetzte. Weise hatte das zurückgewiesen. ap

Street View erneut in der Kritik Mainz: Rheinland Pfalz will sich für einen schärferen Datenschutz beim umstrittenen Google-Kartendienst Street View einsetzen. Zu einer entsprechenden Bundesratsinitiative mehrerer Länder sagte der rheinland-pfälzische Justizminister Heinz Georg Bamberger (SPD), er rechne mit der Umsetzung „bis spätestens Mitte 2011“. Sein Land wolle zudem weitergehende Vorschläge machen. Einig ist man sich bisher, dass Gesichter und Kfz-Kennzeichen unkenntlich gemacht werden sollen, bevor Daten ins Netz gestellt werden. Abgebildete Menschen sollen ein uneingeschränktes Widerspruchsrecht erhalten. dpa

Vogt wird neuer Juso-Vorsitzender Essen/Berlin (ap). Beim dreitägigen Bundeskongress der Jusos in Essen ist der 29-jährige Politologe Sascha Vogt zum neuen Vorsitzenden gewählt worden. Vogt erhielt 68,1 Prozent der Stimmen, wie die SPD am Wochenende mitteilte. Damit ist er Nachfolger von Franziska Drohsel, die aus privaten Gründen von dem Posten zurücktrat. In seiner Antrittsrede kritisierte Vogt die schwarz-gelbe Bundesregierung scharf: „Jetzt müssen die Opfer der Krise die Suppe auslöffeln, die Spekulanten ihnen eingebrockt haben. Das ist das asozialste Sparpaket der Geschichte.“ Stattdessen müsse die internationale Finanztransaktionssteuer, die Vermögenssteuer eingeführt und der Spitzensteuersatz der Einkommenssteuer erhöht werden. Auch mit der SPD ging er ins Gericht. „Die Wehrpflicht ist staatliche Willkür und gehört abgeschafft.“ Die SPD setze sich nicht konsequent für die Abschaffung des Zwangsdienstes ein. So höre „man von der SPD nur laue Meinungsäußerungen���.

BERLINER SZENE

Tiefe Risse in der Atlantik-Brücke VON H A RTMUT R EICH A RDT Berlin. Hätte Walther Leisler Kiep doch bloß die Kanzlerin außen vor gelassen. So aber schlug sein Brief wie eine Bombe ein. Doch nicht nur Gegner wurden getroffen. Plötzlich wackelte Kieps ganzer Verein, die honorige Atlantik-Brücke. Es hagelte Rücktritte. Vor der Jahreshauptversammlung mit Vorstandswahlen am 29. Juni fliegen die Fetzen. Der Auftakt war Kieps Brief. Am 6. Mai hatte dieser als Ehrenvorsitzender der Atlantik-Brücke seinen Vorsitzenden, den ehemaligen Chef der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Friedrich Merz, vereinsöffentlich aufgefordert, vom Vorsitz zurückzutreten. Kieps Begründung hatte es in sich, warf er doch Merz vor, „die Atlantik-Brücke in eine politische Kontroverse, insbesondere mit der Bundeskanzlerin, einbezogen“ zu haben. Das sei als Verstoß gegen das Neutralitätsgebot des Klubs zu werten, dessen rund 500 Perso-

dpa

ürgen Rüttgers hat sich verzockt. Weil er trotz seiner verheerenden Wahlniederlage nicht von seinem Posten weichen wollte, ist er jetzt zum Geburtshelfer einer rot-grünen Minderheitsregierung in Nordrhein-Westfalen geworden. Ohne Rüttgers hätte SPD-Frontfrau Hannelore Kraft die von der SPD-Basis nicht gewünschte Große Koalition mit der CDU kaum ablehnen können – auch wenn die Sozialdemokraten Probleme bekommen hätten, dieses ungeliebte Bündnis in den eigenen Reihen durchzusetzen. Jetzt stehen die Christdemokraten im Abseits und haben auch noch ein Führungsproblem. Rüttgers nimmt seinen Abschied nur auf Raten, gibt auf, was er ohnehin schon verloren hat: das Ministerpräsidentenamt. Den Parteivorsitz im größten Landesverband der CDU will er behalten. Damit signalisiert er allen potenziellen Nachfolgern, dass er an Bord bleiben will und vielleicht sogar auf eine erneute Spitzenkandidatur spekuliert. Rüttgers beweist mit diesem Verhalten einen erheblichen Wahrnehmungsverlust. Der Kampf um die neue Spitze der NRWUnion könnte schon bald beginnen. In Düsseldorf glaubt niemand, dass die rotgrüne Minderheitsregierung lange durchhalten wird. Die Linke fällt als Partner aus, das haben SPD und Grünen so oft gesagt, dass man sich nur wundern kann, dass sie sich auf dieses Experiment überhaupt einlassen. Sie werden die Mitbestimmung im öffentlichen Dienst wiederherstellen und die Studiengebühren abschaffen. Danach kommt die Nagelprobe beim Haushalt. Entweder haben sie bis dahin die Liberalen ins Boot geholt oder sie müssen sich Neuwahlen stellen und auf klarere Verhältnisse hoffen. Die Union muss spätestens dann einen überzeugenden Spitzenkandidaten präsentieren, Jürgen Rüttgers wird es nicht sein. J ÜRGEN Z URHEIDE

nen starke Mitgliederliste sich liest wie ein Who is Who aus Politik, Wirtschaft und Medien in Deutschland. Merz trat zurück, mit ihm Schatzmeister Dieter Pfund und weitere Vorstandsmitglieder von Rang und Namen, etwa „Bild“Rücktritt vom Chef Kai Diekmann. Rücktritt? Stärker war Kiep Exvorsitzender dadurch aber nicht geworden. Im GegenFriedrich Merz teil. Im Kanzleramt mehrten sich Stimmen, die Kieps Einbeziehung der Kanzlerin in eine Vereinsposse als Unverschämtheit brandmarkten. Kieps Kalkül, sich schützend vor die Kanzlerin zu stellen, um im Konflikt gegen Merz mehr Rückenwind zu erhalten, verfing nicht.

Denn im Kanzleramt war in den vergangenen Jahren eher die Sorge gewachsen, der Atlantik-Brücke fehle eine Generalüberholung. Personell hatte Kiep lange als Vorsitzender gedient. Nach einer vierjährigen Pause wegen der CDU-Parteispendenaffäre trat Kiep 2004 dann als Ehrenvorsitzender wieder auf. Zusammen mit Beate Lindemann, die dort seit 1986 geschäftsführende stellvertretende Vorsitzende ist, entwickelte er den Verein zu einem bedeutenden Kommunikator im transatlantischen Verhältnis. Dabei kam es dem Dauer-Duo nicht ungelegen, dass wechselnde Vorsitzende – etwa Unternehmer Arend Oetker oder Airbus-Chef Thomas Enders – zwar große Namen mitbrachten, aber nur kleine Zeitfenster. So konnten sich Kiep und Lindemann ihrem Lebenswerk weitgehend ungestört hingeben. Dem wachsenden Unmut aber widmeten sie nicht genug Aufmerksamkeit. Inzwischen hat RWE-Chef Jürgen Groß-

mann zur Feder gegriffen, der ebenfalls im Vorstand sitzt. Großmann appellierte dringend, die Exklusivität des Vereins zu bewahren. Weitere Papiere wurden aufgesetzt. Manche der Schreiber fordern mehr Mitbestimmung, andere – wie Merz – mehr öffentlichen Nachhall. Streit gibt es auch über die von Kiep/Lindemann betriebene thematische Ausweitung der AtlantikBrücke nach Indien und China. Damit tobt im Verein neben dem Personalkampf eine inhaltliche Debatte. Wie der führungslose Verein die doppelte Krise überstehen will, ist derzeit völlig unklar. Eine Findungskommission hat als Merz-Nachfolger Burkhard Schwenker vorgeschlagen. Der 1958 in Minden geborene Schwenker ist Vorsitzender der Geschäftsführung von Roland Berger Consultants. Er sei der geeignete Mann, die zerstrittene Atlantik-Brücke zu stabilisieren, hieß es. Aber auch Merz hat den Kampf noch nicht aufgegeben – und plant womöglich den Rücktritt vom Rücktritt.


Blick in die Zeit

NR. 141 · MONTAG, 21. JUNI 2010

HANNOVERSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG

„Es kann alles ganz schnell anders kommen“ Erstmals nach dem Rücktritt spricht Margot Käßmann über Glauben, Engagement – und die Grenzen der Zukunftsplanung Ende August gehen Sie für vier Monate an eine US-Universität. Werden Sie ungeduldig, sich neuen Aufgaben zu stellen? Ja, das muss ich zugeben. Zwar waren die letzten Wochen sehr ausgefüllt, ich habe viele Briefe beantwortet, inzwischen auch wieder Vorträge und Gottesdienste gehalten. Aber ich freue mich auf die EmoryUniversität in Atlanta. Was machen Sie in den USA? Die Emory-Universität hat eines der besten Luther-Archive weltweit. Ich will forschen, aber auch selbst Vorträge halten. Was vermissen Sie, seit Sie alle kirchlichen Leitungsämter niedergelegt haben? Was ich besonders vermisse aus dem Leben einer Landesbischöfin sind die Festgottesdienste: volle Kirchen, fröhliche Menschen, festliche Musik. Auf der anderen Seite genieße ich eine neue Freiheit. Leitende Ämter ziehen ein sehr enges Zeitdiktat nach sich. Hinzu kommt die zeitintensive Arbeit in kirchlichen Gremien – die vermisse ich überhaupt nicht. Kaum war Horst Köhler zurückgetreten, da hat die SPD Niedersachsen Sie als Präsidentin vorgeschlagen. Was war Ihr erster Gedanke, als Sie das hörten? Im Moment will ich lieber drei Schritte aus der Öffentlichkeit zurücktreten. Und das Amt der Bundespräsidentin erfordert eine enorme öffentliche Präsenz und Verantwortung. Nun konkurrieren Joachim Gauck und Christian Wulff. Wen bevorzugen Sie? Es sind beides gute Kandidaten für das Amt, gerade auch aus kirchlicher Sicht. Das ist doch erfreulich. Stichwort Afghanistan: Jetzt sagt auch Verteidigungsminister zu Guttenberg, Sie hätten mit Ihrer umstrittenen Neujahrspredigt eine wichtige Diskussion angestoßen. Eine späte Bestätigung für Sie? Natürlich freut mich das. Und ich würde diese Predigt jederzeit wiederholen, das habe ich immer gesagt. Dass die Kirche zum Frieden ruft, ist doch überhaupt nicht überraschend. Hat Sie die Kritik damals getroffen? Unter anderem wurden Ihnen politische Einmischung und Naivität vorgeworfen. Kirche muss politisch sein. Und ich habe von Anfang an den Afghanistan-Einsatz kritisiert. Plötzlich, nachdem ich Ratsvorsitzende geworden war, löste das einen Aufschrei aus, mit dem ich überhaupt nicht gerechnet hatte. Das hat mich damals irritiert, manches hat mich auch verletzt. Heute sage ich: Das war gut so! Der Verteidigungsminister hat ein Aussetzen der Wehrpflicht vorgeschlagen. Auch der Wandel zur Berufsarmee wird diskutiert. Der richtige Weg? Ich denke ja: Unter den jetzigen Umständen macht eine Freiwilligenarmee wesentlich mehr Sinn. Wenn von den jungen Männern weniger als die Hälfte Wehroder Zivildienst leisten, kann von Wehrgerechtigkeit keine Rede mehr sein. Dass die Hälfte eines Jahrgangs wehruntauglich sein soll, ist doch merkwürdig. Ohne Wehrpflicht kein Zivildienst – wie soll das Sozialsystem ohne die jungen Männer auskommen? Sechs Monate Zivildienst sind für einen sinnvollen Einsatz ohnehin zu kurz. Bis sich ein Zivi eingearbeitet hat, ist er schon wieder weg. Für mich kommt als Ausweg nur infrage, Freiwilligendienste zu stärken und mehr Vollzeitstellen zu schaffen. Sie sagen, Kirche muss politisch sein, ein Wächteramt wahrnehmen. Das sehen viele anders: Kernaufgaben seien Seelsorge und Verkündigung. Was entgegnen Sie? Dass das eine nicht ohne das andere geht. Kirche muss natürlich vor allem verkündigen, woran sie glaubt. Ich bin aber über-

zeugt, dass christlicher Glauben nicht verkündet werden kann, ohne auch über politische Auswirkungen zu sprechen. In der Bibel steht „Der Fremdling, der unter euch wohnt, den sollst du schützen“. Ein Christ kann also nicht tatenlos zusehen, wenn Asylsuchende abgeschoben werden.

VON D IETER WONK A

Sie werden wegen Ihrer öffentlichen Präsenz als „Popstar der Protestanten“ bezeichnet. Wie erklären Sie sich das? Erklären kann ich das nicht, und ich fände es auch falsch, wenn es so wäre. Die Kirche braucht viele Gesichter. Nach lutherischem Amtsverständnis kann es nicht eine Person geben, die sich abhebt. Gleichzeitig gibt es in der Mediengesellschaft eine Sehnsucht, sich mit jemandem zu identifizieren. In den Briefen und Mails, die ich bekomme, nehme ich wahr, wie viele Menschen in ihrem Leben Brüche kennen. Die meisten versuchen, sie zu verbergen. Vielleicht tragen mein Eingeständnis von Versagen und mein Umgang mit Brüchen im Leben, mit meiner Krebserkrankung, dem Scheitern meiner Ehe und dem Rücktritt, dazu bei, dass die Menschen sich mit mir identifizieren. Fällt es heutzutage schwerer, Scheitern als Teil des Lebens zu akzeptieren? Ja, ich denke schon. Aber jeder versagt hier oder da, und wird trotzdem von Gott geliebt. Nicht jeder kann „Germany’s Next Topmodel“ sein oder bei „Deutschland sucht den Superstar“ gewinnen. Die meisten bleiben auf der Strecke. Das entspricht dem christlichen Menschenbild, in dem das Scheitern inbegriffen ist.

Was wartet auf Sie, wenn Sie im Dezember aus den USA zurückkehren? Was müsste die neue Aufgabe bieten? Ich wünsche mir, dass ich meine Erfahrungen in die Kirche einbringen kann und gleichzeitig ein Stück Freiheit behalte. Ich möchte ein Stück von den ständigen Anforderungen zurücktreten, die mein Leben in den vergangenen elf Jahren bestimmt haben. Sie waren mehr als zehn Jahre Landesbischöfin. Was wünschen Sie sich für die nächsten zehn Jahre in Ihrem Leben? In den vergangenen Monaten habe ich gelernt, nicht mehr auf zehn Jahre zu planen. Es kann alles ganz schnell ganz anders kommen. Innerhalb von zehn Minuten und durch eine rote Ampel kann sich ein ganzer Lebensentwurf ändern. Interview: Ulrike Milhahn, Karsten Frerichs

Auch Niebel darf nicht nach Gaza Israel lässt keinen Besuch des deutschen Ministers zu

Wie sollte Kirche angesichts von Mitgliederrückgang und Einnahmeschwund in die Zukunft gehen? Es ist unsere Aufgabe, einer sterbenden Frau die Hand zu halten, auch wenn sich das ökonomisch nicht rechnen lässt. Die Kirche darf sich nicht in ökonomische Zwänge drücken lassen und nur noch auf Zahlen fixiert sein. Auch wenn nur 15 Gottesdienstbesucher in der Kirche waren, macht das Sinn. Jesus ist gekreuzigt worden und gestorben, und das war auf den ersten Blick der totale Misserfolg. Aber genau dadurch ist neues Leben geweckt worden. Eine Kirche darf nun wirklich keine Angst vor Veränderung haben. Auch die Institution Kirche braucht Glaubenszuversicht.

Wird Ihre Popularität für die Amtskirche nicht ein Problem, weil Sie zeigt, woran es ihr fehlt – nämlich an Glaubwürdigkeit und Herzenswärme? Die Amtskirche muss aufpassen, dass sie nicht so wahrgenommen wird wie eine bürokratische Behörde. Die Kirche wird immer auch davon leben, dass es Kantiges und nicht Eingliederbares gibt. Persönlich möchte ich mich auf keinen Fall gegen die Institution Kirche ausspielen lassen oder einen Dissidentenstatus haben. Ich habe eine große Liebe zu dieser Kirche, und ich sehe mich auch weiter in ihrem Dienst und nicht irgendwo daneben.

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„Scheitern gehört zum christlichen Menschenbild“: Margot Käßmann.

epd

Eine Pastorin geht zurück auf „Los“ VON M A RINA K ORM BAK I

E

s ist ein widersprüchliches Verhältnis, das Margot Käßmann zur medialen Öffentlichkeit pflegt. Kein anderer Kirchenvertreter hat sich ihr so sehr anvertraut wie Käßmann, als sie bereitwillig über das Scheitern ihrer Ehe oder ihre Krebserkrankung sprach. Zugleich aber verwendet die Pastorin der hannoverschen Landeskirche große Energie auf die Kontrolle der Darstellung ihrer Person in der Öffentlichkeit. Sie möchte diejenige sein, die das Bild der öffentlichen Person Käßmann zeichnet – jüngstes Beispiel dafür ist ein großes Interview in der heute erscheinenden Ausgabe des Magazins „Der Spiegel“, in dem sich Käßmann erstmals ausführlich über ihre Trunkenheitsfahrt und die persönlichen Folgen ihres Rücktritts von ihren Ämtern als EKDRatsvorsitzende und Bischöfin äußert. Das Streben nach Kontrolle war es demnach auch, was Käßmann zu ihrem Rücktritt bewogen hat. Sie habe sich nicht treiben lassen wollen, sagte sie dem Magazin. „Das war mein Hauptmotiv: Ich lasse mich

nicht behandeln, dann handele ich lieber selbst.“ Umso mehr stört es da die auf mediale Selbstbestimmung bedachte Pastorin, dass ihre Autofahrt unter Alkoholeinfluss vom 20. Februar entgegen datenschutz- und presserechtlichen Bestimmungen öffentlich wurde: „Ich habe meine Promillezahl zuerst aus der Zeitung erfahren“, sagt Käßmann. Auf ein juristisches Vorgehen gegen undichte Stellen bei den Behörden hat Käßmann bislang verzichtet. Dieser Aufgabe haben sich einige engagierte Bürger angenommen: Vier Strafanzeigen wegen Geheimnisverrats gegen Unbekannt sind bei der Staatsanwaltschaft eingegangen. Um dem Verdacht mangelnder Objektivität zuvorzukommen, hat die Staatsanwaltschaft Hannover die Ermittlungen nach Lüneburg abgegeben. Ausführlich schildert Käßmann im „Spiegel“-Gespräch, wie sie nach Bekanntwerden ihres Falles ihre Zweifel am Festhalten ihres Amtes als Ratsvorsitzende ihrer jüngsten Tochter Esther anvertraute. „Sie hat dann gesagt: ,Mama, das musst du entscheiden. Für mich ist das

okay. Ich habe nur noch ein Jahr bis zum Abi.‘“ Die Entscheidung zum Rücktritt habe die 52-Jährige schließlich allein getroffen – „da kann Ihnen niemand helfen“. Nun stehe ihr ein Neuanfang bevor: „An meinem 52. Geburtstag bin ich aufgewacht und habe gedacht, das ist so ein bisschen wie Monopoly: ,Gehe zurück auf Los!‘ Ich habe keinen Arbeitsplatz, ich habe keine Wohnung, jetzt ist auch meine jüngste Tochter ausgezogen, ich werde ohne Familie irgendwo neu anfangen.“ Angesichts der schwierigen Entscheidungsfindung, die öffentlichen Rücktritten zugrunde liege, kritisiert Käßmann den Umgang der Medien mit dem Rücktritt Horst Köhlers: „Der Mann hat eine Entscheidung für sein Leben getroffen, die sicherlich schwer war. Dann muss man ihn nicht nachher noch mit Häme und Spott übergießen.“ Köhlers Nachfolge anzutreten sei für sie nicht infrage gekommen: „Ich würde nicht Bundespräsidentin werden wollen, weil das ein Amt ist, bei dem Sie noch mehr auf Ihr Wort aufpassen müssen“, sagt Käßmann. Und weiter: „Ich schätze die Freiheit, die ich jetzt habe.“

Gabriel-Lob für Rüttgers-Aufgabe

Bethlehem/Ramallah. Der Geburtsort Jesu statt Gaza, Visite in der Geburtskirche statt Inbetriebnahme einer mit deutscher Hilfe gebauten Kläranlage in dem schmalen Küstenstreifen – so hat sich am Sonntag das Besuchsprogramm von Dirk Niebel verändert, durchaus gegen den Willen des Entwicklungshilfeministers auf Nahostreise. Denn Niebel wurde von der israelischen Regierung daran gehindert, in den Gazastreifen einzureisen. Israels Regierung möchte sich offenbar auch nicht von einem der engsten Freunde des Landes – immerhin hat Niebel nach dem Studium ein Jahr in einem Kibbutz gelebt und ist seit zehn Jahren Vizepräsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft – dabei helfen lassen, aus der internationalen Isolation herauszukommen. Daher reist Niebel am Sonntag nach Bethlehem – so wie viele Touristen dies mit einem Tagesausflug von Jerusalem aus machen. Durchgreifende Hilfe, zu der auch deutsche Entwicklungszusammenarbeit im Nahen Osten beitragen will, ist auf diese Weise kaum möglich. FDPMann Niebel sagt, er sei „betrübt, dass es Israel momentan auch seinen treuesten Freunden so schwer macht, ihr Handeln zu verstehen“. In Ramallah im Westjordanland, am Sitz der palästinensischen Autonomiebehörde, sagt Niebel im Gespräch mit dieser Zeitung: „Die Einreiseverweigerung für den deutschen Entwicklungshilfeminister in den Gazastreifen ist ein großer außenpolitischer Fehler der israelischen Regierung.“ Die Zeit, die Israel angesichts der großen Proteste gegen die Gazablockade und angesichts der stockenden Friedensverhandlungen noch verbleibe, neige sich dem Ende zu. „Es ist für Israel fünf Minuten vor zwölf.“ Israel müsse jetzt jede Chance nutzen, „um die Uhr noch anzuhalten“. Israels Regierung zeigte sich überrascht von Niebels Kritik. „Es gibt eine klare Politik“, sagte ein Repräsentant des Außenministeriums, der nicht namentlich genannt werden wollte. „Wir haben den Europäern schon seit Langem erklärt, dass wir die Einreise ranghoher Politiker in den Gazastreifen nicht erlauben.“ Israel erlaube keine Besuche ausländischer Politiker im Gazastreifen, weil die dort herrschende extremistische Hamas diese zu Propagandazwecken ausnutze. Dies schwäche wiederum die gemäßigte Führung von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas im Westjordanland. Kurz nach seiner Ankunft im Nahen Osten hatte Israels Regierung den GazaKurzbesuch endgültig untersagt. „Wenn die israelische Regierung Unterstützung für ihre neue Gazastrategie erwartet, dann muss sie zunächst selbst für mehr Transparenz und für eine neue Partnerschaft sorgen“, verlangte Niebel. Die Blockade sei „kein Zeichen von Stärke, sondern eher ein Beleg unausgesprochener Angst“. Niebel betonte, er habe vor seiner Reise die Linie sowohl mit Außenminister Guido Westerwelle als auch mit dem außenpolitischen Berater von Kanzlerin Angela Merkel besprochen. Der Entwicklungshilfeminister sagte, der Entschließungsantrag von Union, FDP, SPD und Grünen im Bundestag zur Gazablockade und die Aufforderung an Israel, zumindest die humanitäre Versorgung auch über den Seeweg zuzulassen habe seine „volle Unterstützung“. Es gehe ums uneingeschränkte Bekenntnis zu Israel und zu dessen Schutz, aber auch um die klare Forderung nach einem Ende der Gazablockade. Er zeigte sich sicher, dass mit einer einmütigen Bundestagsresolution „der politische Druck auf Israel weiter erhöht werden kann“. Ziel des gemeinsamen Bundestagsantrages ist es, die Lebenslage der rund 1,5 Millionen Palästinenser im blockierten Gazastreifen zu verbessern. Mahmud Abbas, gewählter Präsident der Palästinensischen Autonomiebehörde,

Rot-Grün setzt auf die Minderheitsregierung, der Noch-Ministerpräsident auf deren rasches Scheitern VON J ÜRGEN Z URHEIDE UND C LAUS H AFFERT

Obenauf: SPD-Spitzenfrau Hannelore Kraft beim NRW-Parteirat am Wochenende. dpa

Düsseldorf/Neuss. Helmut Linssen kam als einer der Ersten. Der amtierende Finanzminister wirkte fast heiter, als er die Düsseldorfer CDU-Zentrale nach der Krisensitzung am Sonnabend verließ. „Nein, eine Hinrichtung hat es nicht gegeben“, sagte er den draußen wartenden Journalisten. Doch wenig später war klar, dass es wenigstens eine teilweise politische Selbstentleibung gegeben hat: den Verzicht des Christdemokraten Jürgen Rüttgers, bei der Ministerpräsidentenwahl gegen die Sozialdemokratin Hannelore Kraft anzutreten. Über die Gründe räsonierte SPD-Chef Sigmar Gabriel tags darauf in der „Welt am Sonntag“: Rüttgers wolle sich offenbar die „erwartbare Demütigung ersparen, am Ende nicht alle Stimmen seiner eigenen und heillos zerstrittenen CDU zu bekommen“. Grünen-Chefin Claudia Roth sieht schon Folgen für Berlin voraus: „Aus Nordrhein-Westfalen gibt es jetzt Rückenwind für eine andere Politik“, sagte sie beim Grünen-Landesparteitag in Neuss, der Spitzenkandidatin Sylvia Löhrmann, die seit Langem für die rot-grüne Minderheitsregierung eintritt, mit langem Applaus feierte. In Düsseldorf hatte der noch amtierende Ministerpräsident sich am Vortag reichlich Zeit gelassen, bis er die entscheidenden Sätze aussprach. Vorher redete er von einem „starken Signal der

Geschlossenheit“, das die CDU auch in sich aus den parlamentarischen Alltagsdiesen Tagen auszeichne, und wiederhol- scharmützeln heraushalten und als te Angriffe auf den politischen Gegner. CDU-Landeschef auf seine zweite ChanRüttgers sieht „Umfaller“, er kritisiert ce warten. „Wir werden uns auf die Si„Lügen“ und sagt dem Land „Instabili- tuation vorbereiten, dass diese instabile tät“ voraus. Dagegen stellt er die nord- rot-rot-grüne Zusammenarbeit sehr rhein-westfälische CDU, die sich ab so- schnell zu Ende gehen kann“, sagt Rüttfort bemühen werde, das Vertrauen jener gers, der auf ein baldiges Scheitern der 300 000 Wählerinnen und Wähler zu- von Kraft geplanten rot-grünen Minderrückzugewinnen, die am 9. Mai in die heitsregierung setzt. SPD und Grüne Enthaltung geflüchtet sind. hätten keine Mehrheit und seien von der Erst als er all das aufgelistet hat, Linken abhängig. „Da können die noch spricht er die entscheidenden Sätze so so oft in die Verfassung gucken.“ beiläufig aus, als wenn sie nicht die eiAm Amt des Landesvorsitzenden will gentliche Botschaft wären, auf die alle Rüttgers deshalb festhalten. „Ich habe hier gewartet haben. „Ich dem Landesvorstand gehabe dem Landesvorstand sagt, dass ich mich nicht „Rückenwind mitgeteilt“, lautet einer dievom Acker mache“, sagt er ser Sätze, „dass ich für den nach der Sitzung des Lanfür eine andere Fraktionsvorsitz nicht zur desvorstands. Die Frage, Politik“ Verfügung stehe.“ Etwas wie lange das gilt, beantspäter fügt er dann eher verwortet er ausweichend: „Ich klausuliert an, dass er selbstverständ- äußere mich zu den Punkten, die jetzt anlich „wie Peer Steinbrück 2005“ nicht ge- stehen.“ Als Landeschef gewählt ist Rüttgen Hannelore Kraft bei der Wahl im gers noch bis zum kommenden Frühjahr. Landtag antreten wird. Ob er den StellRüttgers setzt darauf, bei schnellen vertreterposten von Angela Merkel in Neuwahlen noch einmal als Spitzenkander Bundespartei aufgibt oder noch um didat antreten zu können. In der NRWihn kämpfen will, ließ er trotz mehrfa- CDU ist sein Kurs aber nicht mehr uncher Nachfragen offen. umstritten. Auch in der VorstandssitSeine Begründung für den Rückzug zung dürfte er Kritik zu spüren bekomauf Raten: Er wolle auch weiter für eine men haben. „Es war ein Klima, in dem Große Koalition werben können. Des- wir sehr offen miteinander geredet hahalb wird der 58-Jährige auch nicht als ben“, sagt Rüttgers hinterher. CDU-Fraktionschef die Rolle des OppoSeit dem 9. Mai hatte er darauf gehofft, sitionsführers gegen eine Ministerpräsi- die schlimmste Niederlage der CDU bei dentin Kraft übernehmen. Rüttgers will einer NRW-Wahl in der Staatskanzlei

aussitzen zu können. Noch am vergangenen Donnerstag versicherte er: „Ich kann gar nicht zurücktreten.“ Doch in dem Machtpoker waren dem Polittaktiker Rüttgers mehr und mehr die Fäden aus der Hand geglitten. Ein ums andere Mal erwischte ihn seine Gegenspielerin Kraft auf dem falschen Fuß. Entscheiden könnte sich seine politische Zukunft bis zum November. Dann ist CDU-Bundesparteitag, auf dem die Wahl der Parteiführung ansteht. Ob Rüttgers dabei noch einmal als Stellvertreter von Parteichefin Angela Merkel antritt, dürfte von den Entwicklungen in den kommenden Wochen abhängen. Zunächst muss sich die CDU in Düsseldorf neu aufstellen. Einen RüttgersKronprinzen gibt es nicht. Deshalb ist auch offen, wer neuer Chef der Landtagsfraktion wird, die derzeit nur kommissarisch geführt wird. Die Abgeordneten sollen ihren neuen Vorsitzenden am 6. Juli wählen. Dann müssen sie sich wohl zwischen Arbeitsminister Karl-Josef Laumann und Integrationsminister Armin Laschet entscheiden. Eventuell wirft auch Generalsekretär Andreas Krautscheid seinen Hut in den Ring. Rüttgers’ Mann für alle Fälle wird aber auch in der Parteizentrale gebraucht. Falls demnächst ein Nachfolger für Rüttgers an der Parteispitze gesucht werden sollte, kommen noch andere Kandidaten ins Spiel. Dann dürfte auch der Name von Bundesumweltminister Norbert Röttgen fallen.

„Es ist für Israel fünf Minuten vor zwölf“: Niebel mit Palästinenserpremier Fajad. afp aber seit dem Hamas-Putsch im Gazastreifen 2007 nur noch formell für die dort lebenden Palästinenser zuständig, spürt derzeit Rückenwind aus den USA und aus Deutschland. Trotzdem wirkt er auf die Niebel-Reisegruppe verzweifelt. Denn statt die Blockade zu beenden, stellt Israel nur Zugeständnisse in Aussicht. Immerhin sollen ab sofort wieder alle nicht-militärischen Güter in das palästinensische Gebiet eingeführt werden dürfen, wie die Regierung am Sonntag erklärte. Die bislang verwendete Liste mit erlaubten Gütern des humanitären Grundbedarfs soll von einer Verbotsliste abgelöst werden. Gegenüber Abbas wie auch bei einem Treffen mit Palästinenserpremier Salam Fajad bekräftigte Niebel am Sonntag, dass sich Deutschland auch künftig dafür engagieren werde, die Lebensumstände der Palästinenser zu verbessern. Für 2010 sagt Berlin insgesamt 42,5 Millionen Euro für die deutsch-palästinensische Entwick(mit: ap) lungszusammenarbeit zu.


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Politik

HANNOVERSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG

Fünf deutsche Soldaten verwundet

A F G H A N I S TA N

Wachsendes Risiko

D

oppelt so viele Selbstmordanschläge, viel mehr Feuergefechte, immer mehr tote Soldaten – die Zwischenbilanz über den Krieg in Afghanistan, die UN-Generalsekretär Ban Ki-moon vorgelegt hat, spricht eine klare Sprache. Seit die Schutztruppe Isaf auf Betreiben der US-Regierung den Kampf gegen die Taliban am Hindukusch intensiviert hat, steigt das Risiko für die Soldaten der Allianz. Das bekommen auch die Deutschen im Norden des Landes zu spüren. Sie werden wesentlich öfter als bisher angegriffen – und sehen sich einem Feind gegenüber, der zwar militärisch unterlegen ist, aber fast jede Chance nutzt, aus dem Hinterhalt anzugreifen. So auch an diesem Wochenende, als erneut fünf deutsche Soldaten verletzt wurden. Die Lagebeurteilung Ban Ki-moons verheißt auf den ersten Blick nichts Gutes. Es könnte alles noch viel schlimmer werden, ist eine Botschaft des UN-Generalsekretärs. Eine weitere klingt dagegen hoffnungsvoll: Das Vorhaben der Regierung Karsai, auf die aufständischen Taliban zuzugehen, sei ein „ermutigendes Zeichen“. Wenn die Taliban auf dieses Zeichen reagieren sollen, muss man ihnen dazu allerdings auch eine Chance geben. Dabei kommt es vor allem auf die internationale Gemeinschaft an. Sie muss endlich ein Verfahren organisieren, das ernsthafte Gespräche über das Ende des Krieges in Afghanistan ermöglicht. Solange dies unterbleibt, wird das Blutvergießen am Hindukusch weitergehen. Immerhin, die Isaf hat aus ihren Fehlern gelernt, und sich die mahnenden Worte ihres Kommandeurs McChrystal zu Herzen genommen. Die Zahl der von NatoSoldaten getöteten Zivilisten ist in den vergangenen zwölf Wochen um 44 Prozent gesunken. Dieser Trend darf sich nicht wieder ins Gegenteil verkehren. Die Nato geführte Isaf muss die Herzen und Köpfe der Afghanen gewinnen, denn die Taliban können ihren Einflussbereich nur ausweiten, wo sie Rückhalt in der Bevölkerung haben. Vor allem aber sollte die Isaf die Afghanen in die Pflicht nehmen, selbst für mehr Sicherheit im Lande zu sorgen. Wenn das nicht bald gelingt, wird für die gesamte Afghanistan-Mission ein Ende mit Schrecken immer wahrscheinlicher. K L AUS VON DER B RELIE

ZUR PERSON Aung San Suu Kyi, birmanische Oppositionsführerin, hat zu ihrem 65. Geburtstag am Sonnabend weltweit Unterstützung erfahren. Der britische Premierminister David Cameron bezeichnete sie als „machtvolles Symbol der Stärke des menschlichen Geistes“, US-Präsident Barack Obama forderte erneut ihre Freilassung. Weltweit versammelten sich Menschen zu Protestkundgebungen für die unter Hausarrest stehende Politikerin. afp

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Ich liebe Dich, meine MAUS ! Deine MOUZ

AUSL AND Flüchtlinge harren aus

Vier Angriffe auf Bundeswehr in Afghanistan / UN beklagen erneut verschlechterte Sicherheitslage VON K LAUS VON DER B RELIE Potsdam/Kundus/Kabul. Im Norden Afghanistans sind deutsche Soldaten am Wochenende mindestens viermal angegriffen worden. Fünf Bundeswehrangehörige und ein afghanischer Dolmetscher wurden dabei verletzt. Wie das Einsatzführungskommando am Sonntag in Potsdam berichtete, wurden Soldaten einer deutschen Schutzkompanie am Sonnabend 60 Kilometer südlich von Feisabad mit einem behelfsmäßigen Sprengsatz attackiert. Dabei wurden drei deutsche Soldaten und ein afghanischer Übersetzer verwundet. Die Verwundung eines Soldaten ist so schwer,

dass der Mann noch am Sonntag zur weiteren medizinischen Versorgung nach Deutschland ausgeflogen wurde. Die Explosion des Sprengsatzes war so heftig, dass ein geschütztes Fahrzeug der deutschen Patrouille schwer beschädigt wurde. Unmittelbar vor dem Angriff bei Feisabad hatten Taliban-Kämpfer 20 Kilometer westlich von Kundus mit Handfeuerwaffen und Panzerfäusten auf eine deutsche Patrouille geschossen. Hier kamen jedoch keine deutschen Soldaten zu Schaden. Am Sonntag setzten die Taliban die Angriffe auf die Bundeswehr fort. Gegen 8.10 Uhr Ortszeit jagten sie acht Kilome-

ter nordwestlich von Kundus einen Sprengkörper in die Luft, als eine deutsche Kolonne dort unterwegs war. Ein Fahrzeug vom Typ Ding“ wurde dabei weitgehend zerstört, die Insassen blieben jedoch unversehrt. Als die Bundeswehr das Fahrzeug zwei Stunden später bergen wollte, zündeten die Taliban einen weiteren Sprengsatz. Dabei wurden zwei deutsche Soldaten verletzt. In der Folge entwickelte sich ein kurzes Gefecht, in dessen Verlauf die Deutschen auch Kampfjets zur Unterstützung anforderten. Sie überflogen den Ort des Geschehens, warfen aber keine Bomben ab. Am Freitag starben bei Angriffen im Osten und Süden Afghanistans fünf

Nato-Soldaten. Dazu zählten nach Angaben der Regierungen in Paris und London ein Franzose und ein Brite. Laut einem Bericht von UN-Generalsekretär Ban Ki-moon hat sich die Sicherheitslage am Hindukusch seit Jahresbeginn deutlich verschlechtert, die Zahl der Anschläge mit selbst gebauten Sprengsätzen habe sich von Januar bis April nahezu verdoppelt. Das sei eine „alarmierende Tendenz“, warnte Ban. Auch „komplexe und koordinierte“ Selbstmordanschläge hätten sich in etwa verdoppelt. Der UN-Bericht weist auch darauf hin, dass im Wochendurchschnitt sieben Zivilisten getötet werden – 45 mit: afp Prozent mehr als 2009.

Viele Tote bei Doppelanschlag in Bagdad

Überreste des Terrors: Passanten betrachten am Sonntag ein zerstörtes Auto, das für den Anschlag in Bagdad benutzt worden war.

dpa

Bagdad (dpa/afp). Bei der Explosion zweier Autobomben vor einem Amtsgebäude im Bagdader Stadtviertel Al-Maamun sind mindestens 27 Menschen getötet worden. 55 Menschen erlitten Verletzungen, teilten Polizeistellen in Bagdad mit. Eine der Bomben explodierte am Sonntag vor einem Passamt, die andere nahezu zeitgleich vor einer Bank in unmittelbarer Nachbarschaft. Auch zahlreiche Sicherheitskräfte waren unter den Opfern. Die Wirkung der Bomben war deshalb so verheerend, weil sich zum Zeitpunkt des Anschlags große Menschenmengen vor dem Passamt angestellt hatten. Weiteren Anschlägen und Überfällen fielen in der Nacht zum Sonntag in Bagdad neun Menschen zum Opfer. Am Sonnabend war bei einer Protestkundgebung wegen der häufigen Stromausfälle in Basra ein Mann getötet worden, als die Polizei mit Warnschüssen gegen steine werfende Demonstranten vorging.

Villepin macht mobil

Komorowski in Polen vorn

Sarkozy bekommt Konkurrenz im eigenen Lager

Stichwahl gegen Jaroslaw Kaczynski am 4. Juli

Paris (dpa). Der französische Präsident Nicolas Sarkozy muss die Spaltung des eigenen Lagers fürchten. Sein langjähriger innerparteilicher Rivale Dominique de Villepin gründete am Wochenende mit mehreren Tausend Anhängern eine eigene politische Bewegung. Die Solidarische Republik genannte Partei soll eine Alternative zum bürgerlich-rechten Regierungsbündnis bieten. „Dank uns ist ein anderer Weg möglich“, rief Villepin bei der Gründungsversammlung in Paris. Wahrscheinlich wird Villepin, der Premierminister unter Jacques Chirac war, bei der nächsten französischen Präsidentschaftswahl 2012 antreten. Er wirbt offen um frustrierte Anhänger des Bündnisses, dem er jahrelang selbst angehörte. Die aktuelle Politik scheine zu ignorieren, dass viele Franzosen in Ungewissheit über die Zukunft und in Arbeitslosigkeit lebten, begründete Villepin seine Ambi-

Guten Morgen Mutti !

Obwohl wir morgen früh den Rest des Papierkrams zur finalen Vollstreckung in Angriff nehmen - hier im 5. Jahr die Frage:

MONTAG, 21. JUNI 2010 · NR. 141

Alles Liebe zum 80. Geburtstag wünschen dir deine Kinder Annette, Barbara, Christine und Reiner

Weigerung; Schlusswort ugs.: Schuss beim Fußball

Kopfbe- Sperre, deckung Schlagin den baum USA

Abk.: Südwest

aufs Hören bezogen

Danke sagen

Milchorgan bei Tieren

Abwandlung, Variante

Faltenstoff

Getreideart

der am 12. Juni 2010, kurz nach seinem 80. Geburtstag verstorben ist. Herr Bähre war 26 Jahre in unserem Hause tätig, davon über 20 Jahre in der Geschäftsstelle Hänigsen. In dieser Zeit haben wir ihn als engagierten und zuverlässigen Mitarbeiter kennen gelernt, der wegen seines freundlichen und hilfsbereiten Wesens und seiner Fachkompetenz von allen Kollegen und Kunden sehr geschätzt wurde. Wir werden Herrn Bähre in guter Erinnerung behalten.

Vorstand, Personalrat und Mitarbeiter/innen der

Sparkasse Hannover 55547001_10062100100000110

Name Attilas (dt. Sage)

Geldbehälter

Explosionskörper

illoyal

Birkengewächs

landwirtschaftl. Gerät

Zahlwort

3. 99 Schlemmerbauch 3. 99 Spießbraten 4. Hubertus-Pfanne 5.49

erwarteter Sieger (Sport)

zustehender Nachlass

griech. Vorsilbe: fern

vorderster Teil des Schiffes

Statt Karten.

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London: Der Kampf gegen den Terror hat die britische Regierung mehr als 20 Milliarden Pfund (24 Milliarden Euro) gekostet. So viel Geld sei seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 für militärische Einsätze, diplomatische Bemühungen und den Wiederaufbau in Afghanistan und dem Irak gezahlt worden. Das geht aus einem am Sonntag veröffentlichten Bericht des britischen Unterhauses hervor. Ein Großteil der Kosten – 18 Milliarden Pfund – waren Zusatzausgaben für das Militär. Die Kosten für den Afghanistan-Einsatz nahmen in den vergangenen Jahren deutlich zu. dpa

Gefechte mit Kurden Ankara: Kurdische Rebellen haben am Wochenende bei Kämpfen entlang der irakischen Grenze zwölf türkische Soldaten getötet. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan drohte den Rebellen der kurdischen Arbeiterpartei PKK beim Begräbnis von elf der Soldaten einen Kampf bis zur Vernichtung an: „Sie werden in ihrem eigenen Blut ertrinken“, sagte er am Sonntag. Bei den Kämpfen wurden auch zwölf Rebellen getötet. Die türkische Luftwaffe flog am Sonnabend Angriffe auf mutmaßliche PKK-Stellungen im Nordirak. Ein Sprecher der irakischen Kurden sagte, ein Kind sei bei dem Bombardement getötet und zwei weitere Zivilpersonen verletzt worden. ap

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Moskau: Der Streit zwischen Russland und Weißrussland um offene Gasrechnungen hat sich verschärft. Weißrussland drohte Moskau mit einem Anzapfen der Transitleitungen nach Westen, sollte Russland Minsk an diesem Montag den Gashahn zudrehen. Der russische Staatskonzern Gazprom kündigte für einen solchen Fall an, sein Gas unter Umgehung Weißrusslands durch die Ukraine nach Polen pumpen zu wollen. Man werde die Verträge mit den westlichen Kunden erfüllen, sagte Gazprom-Chef Alexej Miller. dpa

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Sanaa: Schwer bewaffnete Extremisten haben die Geheimdienstzentrale in der jemenitischen Hafenstadt Aden gestürmt, elf Menschen getötet und mehreren Gefangenen zur Flucht verholfen. Die AlQaida-Terroristen konnten entkommen. Wie Augenzeugen berichteten, schossen sie sich bei dem Überfall am Sonnabend den Weg mit Panzerfäusten, Handgranaten und Schnellfeuergewehren frei. Dem brutalen Angriff fielen nicht nur sieben Sicherheitsbeamte, zwei Beamtinnen und ein Amtsarzt zum Opfer, sondern auch drei Frauen und ein sieben Jahre alter Junge in umliegenden Wohnhäusern. dpa

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der 58-Jährige. Komorowski will in fünf Jahren den Euro einführen und die Reform von Wirtschaft und Arbeitsmarkt in Polen vorantreiben. Kaczynski, der am Freitag 61 Jahre alt wurde, wirbt dagegen für einen starken Staat und katholische Werte, einer Reform der Sozialsysteme steht er kritisch gegenüber. Die Präsidentschaftwahl sollte eigentlich im Herbst stattfinden, musste aber wegen des tragischen Unfalltodes von Staatschef Lech Kaczynski vorgezogen werden. Er war am 10. April beim Absturz seines Flugzeuges nahe der russischen Stadt Smolensk ums Leben gekommen. Der verstorbene Präsident war der Zwillingsbruder von Jaroslaw Kaczynski. Komorowski übernahm nach dem Unfall als Parlamentspräsident geschäftsführend das Amt des Staatschefs.

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Warschau (afp/dpa). Bei der Präsidentschaftswahl in Polen hat der liberale Kandidat Bronislaw Komorowski den ersten Durchgang laut Nachwahlbefragungen für sich entschieden, eine absolute Mehrheit aber verfehlt. Einer Umfrage des öffentlichen Fernsehsenders TVP zufolge kam Komorowski auf 40,7 Prozent der Stimmen, sein Rivale Jaroslaw Kaczynski erhielt demnach 35,8 Prozent. Im dem Privatsender TVN24 erzielte Komorowski dagegen 45,7 Prozent und Kaczynski 33,2 Prozent der Stimmen. In beiden Fällen erhielt keiner der Kandidaten im ersten Wahlgang mehr als 50 Prozent, was eine Stichwahl am 4. Juli notwendig macht. „Die Verlängerung wird sehr schwierig sein“, sagte Komorowski. Er fühle sich als Politiker glücklich und erfüllt, betonte er aber in einer ersten Reaktion. „Ich danke und bitte um mehr“, sagte

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tionen. „Wenn wir nicht aufpassen, wird aus Ungeduld Zorn und aus Zorn Gewalt.“ Villepin war bereits vor der vergangenen Präsidentenwahl parteiinterner Rivale von Sarkozy gewesen. Zwischen 2004 und 2006 herrschte offener Machtkampf zwischen den beiden Politikern um die Nachfolge von Jacques Chirac. Sarkozy konnte sich damals als Präsidentschaftskandidat der Partei UMP durchsetzen. Ob Villepin 2012 wirklich gegen den amtierenden Staatschef antreten kann, dürfte nicht zuletzt von der französischen Justiz abhängig sein. Der Absolvent der Eliteschule ENA wird sich 2011 erneut wegen Mitwisserschaft an einer Rufmordkampagne gegen Sarkozy vor Gericht verantworten müssen.In der ersten Runde des Verleumdungsprozesses gegen den Präsidenten war Villepin Ende Januar freigesprochen worden.

Suratsch: Für Tausende vor den Unruhen in Kirgistan geflohene Menschen ist eine Rückkehr in ihre Heimatorte vorerst ausgeschlossen. Sie fürchteten um ihr Leben und glaubten nicht, dass die kirgisischen Behörden in der Lage seien, ihre Sicherheit zu garantieren, erklärte Flüchtlinge am Sonntag in dem an der Grenze zu Usbekistan gelegenen Ort Suratsch. Bei der Gewaltwelle im Süden des zentralasiatischen Landes sollen bis zu 2000 Menschen getötet worden sein. Tausende ethnische Usbeken sind wegen der Unruhen an die Grenze zum Nachbarland geflohen. ap

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Niedersachsen

HANNOVERSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG

MONTAG, 21. JUNI 2010 · NR. 141

Abschiebestopp für Roma gefordert

KURZ GEMELDET Arbeiter überlebt Dachsturz Einbeck: Ein Arbeiter hat einen Sturz von einer sieben Meter hohen Reithalle in Einbeck (Kreis Northeim) schwer verletzt überlebt. Wie die Polizei am Sonntag mitteilte, arbeitete der 57-Jährige am Freitagmorgen auf dem Dach an einer Photovoltaikanlage. Dabei sei der Mann durch einen Lichtschacht im Dach in die Tiefe gestürzt. lni

22 Flüchtlinge werden aus Göttingen ausgeflogen VON S ASK I A D ÖHN ER

150 Steuersünder im Visier München/Hannover: Nach dem Kauf der CD mit 20 000 Daten über mögliche Steuerflüchtlinge sind in Niedersachsen 150 Ermittlungsverfahren eingeleitet worden. Niedersachsens Finanzminister Hartmut Möllring sagte dem Nachrichtenmagazin „Focus“, er halte das Geschäft mit der CD für einen „großen Erfolg“. Um welche möglichen Summen es sich bei den 150 Verfahren handeln könnte, sei noch unklar, sagte ein Sprecher des Ministeriums am Sonnabend. Dies müsse nun erst ermittelt werden. Der Bund hatte gemeinsam mit Niedersachsen die umstrittene CD mit Daten deutscher Steuerbetrüger in der Schweiz Anfang Juni gekauft. „Etwa 2000 Fälle kommen aus Niedersachsen“, sagte Möllring. lni

„Religionsfreiheit gewähren“ Hannover: Auch an kirchlichen Schulen muss nach Ansicht der bildungspolitischen Sprecherin der Grünen, Ina Korter, die grundgesetzlich garantierte Religionsfreiheit gewährleistet werden. Es könne nicht sein, dass das Kultusministerium sich für nicht zuständig erkläre und es den kirchlichen Schulen überlasse, ob sie das Fach Werte und Normen als Alternative anbieten oder nicht, sagte Korter am Sonntag. Kein Schüler dürfe zur Teilnahme am Religionsunterricht gezwungen werden. Besonders prekär sei die Lage, wenn die kirchliche Schule die einzige am Ort sei. Das gelte zum Beispiel bei der Überführung des Gymnasiums Twistringen (Kreis Diepholz) in kirchliche Trägerschaft und bei der geplanten kirchlichen Gesamtschule in Wunstorf. dö

Rathaus mit Öl verschmutzt Stade: Ein Unbekannter hat in der Nacht zu Sonntag Altöl gegen das historische Rathaus von Stade geschüttet. Nach ersten Schätzungen sei durch den Vandalismus ein Schaden von bis zu 50 000 Euro entstanden. Der Unbekannte hielt nach Angaben der Polizei das Öl in einem Messbecher in einer Plastiktüte versteckt. Dies hätten Aufnahmen einer Überwachungskamera gezeigt. Bereits am Vormittag sei mit den ersten Reinigungsarbeiten begonnen worden. Einige der sieben beschmutzten Stellen könnten dennoch, wenn überhaupt, nur mit größerem Aufwand wieder gereinigt werden. lni

Traditionelle Eröffnung, modernes Landesfest: Eine Trachtengruppe tanzt, zahlreiche Prominente schauen zu, darunter Ministerpräsident Christian Wulff und mehrere Landesminister. Heuer (6)

„Happy birthday, Mr. President“ Beim 30. Tag der Niedersachsen in Celle wird auch Wulffs Geburtstag gefeiert / 250 000 Besucher VON G A BRIELE S CHULTE Celle. Ratsnachtwächter Heinerich aus Springe bei Hannover hatte die Idee: „Zum Geburtstag viel Glück“ trompeteten Abgesandte der Nachtwächter-Gilde vor dem Alten Rathaus in Celle dem Ministerpräsidenten entgegen, noch bevor der auf der Bühne am Markt den 30. Tag der Niedersachsen eröffnete. „Als wir hörten, dass Christian Wulff heute 51 wird, wollten wir auf diese Weise auch auf unseren Verein aufmerksam ma-

Wolfsburg gedenkt der Zwangsarbeiter VON JENS K RON E Wolfsburg. Kaum jemand kann von sich sagen, dass eine Straße seinen Namen trägt. Sara Frenkel ist eine der wenigen Ausnahmen. Um sie zu ehren, hat Wolfsburg einen Platz nach ihr benannt. Dort steht auch das neue ZwangsarbeiterMahnmal. „Unsere Stadt will sich damit zu ihrer schlimmen Vergangenheit bekennen“, erklärte Oberbürgermeister Rolf Schnellecke (CDU). Rund 20 000 Menschen mussten während des Zweiten Weltkriegs im von den Nazis als „Stadt des KdF-Wagens“ gegründeten Wolfsburg Zwangsarbeit leisen. Sara Frenkel gehörte zu ihnen. 1922 als Tochter jüdischer Eltern in Polen geboren, hatte sie sich als katholisch ausgegeben und eine falsche Identität angenommen. 1943 wurde sie nach Wolfsburg verschleppt. In Rühen, wenige Kilometer von der Stadt entfernt, arbeitete sie in einem Lager, in dem Kinder von Zwangsarbeiterinnen untergebracht waren. „Ich habe dort so viele schlimme Dinge gesehen, dass ich nach dem Krieg alles verdrängen wollte“, berichtete die heute in Belgien lebende Frau. Vor gut 30 Jahren kehrte Sara Frenkel nach Rühen zurück und sah, dass dort nichts an das Leid der Kinder erinnerte. Gemeinsam mit ihrem Ehemann engagierte sie sich dafür, dass eine Gedenkstätte entstand. Dass jetzt auch im Wolfsburger Zentrum ein Mahnmal für die vielen Zwangsarbeiter stehe, mache ihr Mut. Auch die Gestaltung des bronzenen Denkmals ist eng mit der NSDas Mahnmal erinnert an Vergangenheit die Zwangsarbeiter. Krone der Stadt verbunden. Gefertigt wurde sie nach einem von Andreas von Weizsäcker geschaffenen Abdruck einer Buchenrinde, in die ein junger Zwangsarbeiter seinen Namen und den Satz „Dies ist die Erinnerung an die russische Jugend“ geritzt hatte. „Erinnern ist so wichtig“, meinte auch der aus den Niederlanden zur Enthüllung des Mahnmals angereiste Piet Witt. Er hatte als Zwangsarbeiter im VW-Werk Rüstungsgüter herstellen müssen. Nach dem Krieg habe er sich geschworen, nie wieder nach Deutschland zurückzukehren. Heute wisse er, „dass man mit der Zeit die Dinge anders sieht“. Ein wenig gespürt habe er das schon vor vielen Jahrzehnten: „Mein erstes Auto war ein Volkswagen.“

Egal, ob er mit Jesiden tanzt, einen Kuchen geschenkt oder von Nachtwächtern ein Ständchen geblasen bekommt – Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) steht an seinem 51. Geburtstag in Celle im Mittelpunkt. dpa (2)

chen“, erläuterte ein Nachtwächter-Kollege aus Haselünne anschließend leise. Der kleinen Runde der historisch kostümierten Stadtführer schlossen sich an diesem Sonnabend noch zahlreiche Gratulanten an. „Wir feiern eigentlich den Tag der Niedersachsen“, sagte der Gastgeber des Landesfestes zwar. Doch im Vorfeld der Bundespräsidentenwahl kam ihm der Geburtstag inmitten von geschätzten 250 000 Celle-Besuchern wohl dennoch gelegen. Wulff hatte den Pflichttermin zum Familienausflug mit Ehefrau Bettina und dem zweijährigen Linus gemacht, gab sich bei Fragen nach seinen Wahlchancen „sehr zuversichtlich“, plauderte und lachte im Gedränge der Altstadtgassen entspannt. Honig von Celles Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende (SPD), Marmelade von den Landfrauen aus Lingen – Präsente und Glückwünsche für den Landesvater bei seinem möglicherweise letzten Tag-der-NiedersachsenAuftritt drohten den eigentlichen Festanlass anfangs fast in den Schatten zu stellen. Sängerin Kristina Bach im langen weißen Glitzerkleid brachte das Publikum vor der Eröffnungsbühne sogar zum Aufstehen und Mitklatschen, als sie für Wulff, wie einst Marilyn Monroe für John F. Kennedy, „Happy birthday, Mr. President“ sang. Besonderes zu feiern hatte auch die heimelige Fachwerkstadt Celle: Nicht nur für die diesjährige Zusammenkunft von Ehrenamtlichen aus dem ganzen Land hatte sie den Zuschlag bekommen – der Tag der Niedersachsen kehrte beim 30. Mal auch an seinen Ursprungsort zurück. Initiator des ersten Festes im Jahr 1981, das nach dem Vorbild des Hessentages das Landesbewusstsein stärken sollte, war damals Ernst Albrechts Bundesratsminister Wilfried Hasselmann. Ehefrau Marianne Hasselmann zählte auch dieses Mal zu den Ehrengästen. Ihr verstorbener Mann wäre stolz auf die Entwicklung des Tages der Niedersachsen gewesen, meinte die 76-Jährige am Rande. „Das Fest ist viel schöner und größer geworden.“ Wurden vor 29 Jahren bei 50 000 Besuchern 5000 Aktive aus 50 Organisationen gezählt, waren es diesmal 8000 Ehrenamtliche aus 85 Vereinen und Verbänden – vom Landessportbund über die Jägerschaft bis zur Ortsgruppe eines Kinderhilfswerkes. Die Zahl der Trachtengruppen beim Umzug am Sonntag steigerte sich sogar von damals 40 auf 155. Dazu gekommen sind immer mehr und größere Bühnen von Rundfunksendern; im Beirat des Landesfestes wird schon befürchtet, dass unauffällige Angebote wie Kaffeegärten und Kletteraktionen zu sehr an den Rand

Die Besucher drängen sich in der Innenstadt von Celle. Auch nach 30 Jahren hat der Tag der Niedersachsen noch nicht an Attraktivität verloren. Müller

Pferdevorführungen gehören in der Pferdestadt Celle natürlich dazu. Hier wird mit einem eigentümlichen Gefährt mit Hörnern ein Stierkampf simuliert.

gedrängt werden könnten. Noch ist die Balance aber gelungen, und ein paar Pannen, etwa bei der abendlichen LichtShow, fielen nicht ins Gewicht. Die Besucher genossen von Freitag bis Sonntag eine bunte Mischung von Barock bis „Flash Dance Mob“, drängelten vor die Kirchenbühne mit den „Prinzen“ und ruhten sich im Französischen Garten bei Pferdevorführungen aus. „Toll, toll“, sagte dort auf einer Bank die Rentnerin Brigitte Balz zu ihrer Freundin, während auf der Wiese ein Reiter furios einen Stierkampf nachstellte. Die in Südafrika geborene Margaret Barnes erfreute sich am Trubel auf der Gourmetmeile. „Eigentlich habe ich mich zur Weltmeisterschaft in meine Heimat gesehnt“, meinte die Pflegeschülerin. „Aber an diesem Wochenende ist es hier richtig schön aufregend.“ Bei einer Teepause am Waffelstand der ehemaligen Landesfest-Gastgeberstadt Emden erzählte der hannoversche Augenarzt Siegfried Rettkowski von „einer Chinesin im Ostfriesenkostüm“, die ihm gleich aufgefallen sei. Und der 17-jährige Frederik aus Celle, der als Freiwilliger Besuchern eifrig Festprogramme in die

Hand drückte, schwärmte: „Die Leute sind richtig gut drauf.“ Anders als beim fast völlig verregneten ersten Landesfest ließ sich die Sonne diesmal häufiger blicken. „Petrus ist ein Niedersachse“, wagte Radio-21-Moderator Olli Peral auf der Eröffnungsbühne noch zu behaupten. Dort mussten einige Stunden später die Bienenbütteler Volkstänzer allerdings hinnehmen, dass ihr Publikum wegen eines Schauers nach nebenan in die Buchhandlung flüchtete. Die kostümierten Nachtwächter genossen das Wochenende über das Bad in der Menge. Nicht so sehr ihre Laternen und Hellebarden erregten Aufmerksamkeit, wohl aber ihre Instrumente. „Antike Vuvuzelas“, meinten Passanten im Schlosspark. Gilde-Mitglied „Jan Tut“ aus Delmenhorst erläuterte immer wieder begeistert die historische Funktion seiner Messingtröte – als Signalhorn von Gleisarbeitern. Und Nachtwächter Heinerich aus Springe, der Initiator des ersten Geburtstagsständchens für Wulff, erhob stolz sein Stierhorn. Eine Bildergalerie auf

„Ein inszenierter Spielraum für Kinder“ Celle. Diabolos fliegen durch die Luft, Jonglierbälle werden auf Nasen balanciert: Im Celler Schlosspark konnten junge Besucher des Tages der Niedersachsen Zirkus bestaunen – und selbst ausprobieren. Die Landesvereinigung kulturelle Jugendbildung, die dort ihren 30. Geburtstag feierte, hatte die Kinderund Jugendzirkusprojekte in den Mittelpunkt ihres Programms gestellt. Wo beim ersten Landesfest 1981 Jugendliche heftig über den Weltfrieden diskutiert hatten, führten diesmal 350 junge Artisten ihre Talente vor. Sie stehen für eine seit Mitte der achtziger Jahre wachsende Jugendbewegung – die fast völlig ohne öffentliche Förderung auskommen muss. „Der Tag der Niedersachsen ist eine gute Gelegenheit, sich auszutauschen“, sagte Wolfgang Pruisken, der Theaterpädagoge und Lehrer der Gesamtschule in Hannover-Linden leitet die Landesarbeitsgemeinschaft Zirkus. Üblicherwei-

se müssten die Treffen in Turnhallen, beim Niedersächsischen Jugendzirkus an rund 40 gemeinsamen Trainingstagen im Jahr, von den Familien selbst finanziert werden. Zirkus als Ausdrucksform für Kinder und Jugendliche habe sich aus der Begeisterung für Circus Roncalli und der Tradition des Straßentheaters entwickelt und „im Schneeballsystem“ verbreitet. „Meine Tochter ist vor 15 Jahren mit ihrem Einrad auf der Straße noch aufgefallen“, erinnert sich Pruisken. „Inzwischen haben 90 Prozent der Fünftklässler Erfahrung mit Zirkusprojekten.“ Da es immer weniger öffentlichen Spielraum gebe, biete Zirkus einen „inszenierten Spielraum“ und eine hervorragende Möglichkeit, die Kinder von ihren Computern zu locken. Katja aus Lemwerder übt am Trapez. „Das Schöne ist, dass man das Kreative mit dem Sportlichen verbinden kann“, sagt die 15-Jährige. Der 24-jährige Ma-

Vor dem Auftritt kommen die Proben: Seit 30 Jahren macht die Landesvereinigung kulturelle Jugendbildung aus Kindern kleine Zirkusakrobaten. nuel Rohman aus Hannover, der mittlerweile Jüngere anleitet, bezeichnet den Zirkus als „ideale Plattform, um verschiedene Sachen auszuprobieren.“ Zwar werde nicht wie früher über Politik diskutiert, aber ein wenig politisch gehe es

dennoch zu: In einer Szene des aktuellen Landesjugendzirkus-Programms „Artopia“ etwa zückten alle auf der Bühne gleichzeitig ihre Handys – bildhafte Kritik an der Gleichschaltung in der GesellGABRIELE S CHULTE schaft.

Hannover. Der niedersächsische Flüchtlingsrat hat am Wochenende noch einmal gegen die geplante Abschiebung von 22 Roma aus Göttingen in den Kosovo protestiert. Fünf Familien und eine alleinstehende Person sollen am morgigen Dienstag ausgeflogen werden. Die Situation der Roma im Kosovo sei katastrophal, kritisiere Kai Weber, Geschäftsführer des Flüchtlingsrates, sie müssten um Leib und Leben fürchten. In Deutschland leben rund 10 000 von Abschiebung bedrohte Roma, davon rund 2000 in Niedersachsen. Seitdem die Innenminister der Länder mit der Regierung im Kosovo im September 2009 ein Rückführungsabkommen abgeschlossen haben, werden immer wieder Roma dorthin abgeschoben. Flüchtlingsorganisationen und Kirchenvertreter kritisieren dies Verfahren seit Langem. Immer wieder seien gut integrierte Familien betroffen, deren Kinder in Deutschland geboren seien und jetzt in den Kindergarten oder zur Schule gingen. Immerhin darf eine hochschwangere Frau aus Göttingen jetzt vorerst bleiben, zumindest bis ihr Kind geboren und sechs Wochen alt ist. Ihre Mutter und ihr Bruder mit seinen vier Kindern sollen aber trotzdem abgeschoben werden. Der Rat der Stadt Göttingen hatte selbst in einer Resolution die Aussetzung der Abschiebungen gefordert. Die Verwaltung ist aber als „vollziehende Behörde“ gezwungen, die Roma dennoch zurückzuschicken. Die Stadt habe keinen Spielraum angesichts der Rechtslage, sagte ein Sprecher. Träger des Göttinger Friedenspreises hatten Ende Mai ein dauerhaftes Bleiberecht für die in Deutschland lebenden Roma gefordert. Deutschland stehe gegenüber der Roma-Minderheit aus dem Kosovo in doppelter Pflicht, heißt es in der Göttinger Erklärung. Zum einen seien Hunderttausende Sinti und Roma Opfer des Holocausts geworden. Zum anderen hätten auch deutsche Nato-Truppen nach dem Sieg über Serbien im Sommer 1999 die Vertreibung der Roma durch albanische Extremisten hingenommen: „Diese Flüchtlinge sind uns jetzt anvertraut. Wir dürfen sie nicht aus dem Land jagen.“

Protest gegen Sonnenwendfeier Eschede (epd). Rund 100 Menschen haben am Wochenende in Eschede bei Celle friedlich gegen eine „Sonnenwendfeier“ von Neonazis protestiert. Bei einer Kundgebung wandte sich der stellvertretende hannoversche Landesbischof Hans-Hermann Jantzen gegen das „dumpfe, abstruse Gedankengut“, dass alte und neue Nazis unter dem Deckmantel von Sonnwendfeiern und Erntefesten pflegten. Die Demonstranten blockierten eine Zufahrtsstraße zum abgelegenen Hof des Landwirtes und NPD-Mitgliedes Joachim Nahtz. Dort trafen sich nach Polizeiangaben etwa 220 Rechtsextremisten aus ganz Norddeutschland, unter ihnen zehn bis 15 Kinder. Es gab keine Zwischenfälle. 2008 war es bei der Sonnenwendfeier zu einem Übergriff auf einen Journalisten gekommen. Zu der Gegendemonstration am Sonnabend hatte der Deutsche Gewerkschaftsbund aufgerufen. Der Landwirt Nahtz hat bei der evangelischen Kirche etliche Hektar Land gepachtet. Die Kirchengemeinde Eschede werde den Pachtvertrag nicht über 2014 hinaus verlängern, kündigte Jantzen an. Bis dahin sollten die Pachteinnahmen in Projekte gegen Rechts fließen.

Bergungsarbeiten nach Zugunglück beendet Peine (lni). Nach der Karambolage eines Personen- und eines Güterzuges bei Peine sind am Wochenende die Bergungsarbeiten auf der gesperrten Strecke abgeschlossen worden. Am Sonntagmorgen begannen Experten nach Angaben eines Bahnsprechers mit den Instandsetzungsarbeiten der Gleise, der Ober- und Signalleitungen. „Wir gehen davon aus, dass wir bis Dienstagabend die Strecke wieder freibekommen“, sagte der Sprecher. Bei dem Unglück in der Nacht zum Donnerstag wurde der Lokführer des Personenzuges schwer und weitere 15 Menschen leicht verletzt. Bis die Strecke wieder freigegeben ist, müssen Reisende mit Umleitungen und erheblichen Behinderungen rechnen. Auch die Ermittlungen am Unfallort wurden abgeschlossen, teilte die Bundespolizei mit. Zusammen mit Gutachtern würden die Spuren in Peine nun ausgewertet. Die Unfallermittlungen konzentrieren sich auf den Güterzug der privaten Mittelweserbahn. Es soll schon vor dem Unglück Hinweise auf mögliche technische Mängel gegeben haben. Bei der Durchfahrt durch den Bahnhof Peine bemerkten Bahnmitarbeiter Probleme. Noch während der Zug bremste, löste sich ein Teil der 50 Waggons und sieben sprangen aus den Gleisen. Der aus der Gegenrichtung kommende Regionalexpress krachte in das Hindernis. Bei der Kollision entstand ein Millionenschaden.


Kultur

NR. 141 · MONTAG, 21. JUNI 2010

N

Romantik!

INITIAL

ormalerweise – zumindest in Schweden – tanzen zur Mittsommernacht freundliche Menschen in Trachten um einen Baum herum. Darin drückt sich vorbildliche Nachbarschaft aus. Die beiden größten „Mittsommerfeste“ in Deutschland richten sich an zwei eher extrem veranlagte Menschengruppen: Esoteriker und Schnäppchenjäger. Im Teutoburger Wald bei Mittsommer feiern den berüchtigten Sandsteinfelsen, wir im Wald ... den Externsteinen, die einst als germanische Kultstätte galten, versammeln sich jährlich zur Sommersonnenwende mehr als tausend Menschen, um bei Meditation und Feierei die Kraft der Steine zu spüren. Diese Art der Naturverbundenheit kann recht exzessiv werden und ist nicht immer umweltfreundlich: Verbrannte Bäume, Berge von Müll und kaputte Zäune blieben letztes Jahr zurück. Deshalb sind Zelte, Alkohol und Lagerfeuer in diesem Jahr auch verboten. Ob sich die destruktiven Sinnsucher belehren lassen, sei aber mal dahingestellt. Andere Ausartungen gibt es beim schwedischen Einrichtungshaus Ikea. Zum „Mitsommar“ sind dort die Preise gesenkt. Dieses Ereignis besingt die A... oder Cappella-Band bei Ikea „Wise Guys“ in einem Lied auf dem aktuellen Album „Klassenfahrt“: „Heut’ ist Mittsommernacht bei Ikea,/ das ist Schnäppchenjagd auf Leben und Tod./ Heut’ ist Mittsommernacht bei Ikea,/ knüppelharter Kampf um jedes Sonderangebot.“ Wenigstens sind für die Möbel keine Mittsommerbäume in Schweden gefällt worden. jaw

Neues Buch von Grass über Brüder Grimm Der deutsche Literaturnobelpreisträger Günter Grass hat ein Buch über das Leben der Brüder Grimm geschrieben. „Grimms Wörter“, so der Titel, sei eine „Liebeserklärung an die deutsche Sprache und die Wörter, aus denen sie gefügt ist“, heißt es in der Ankündigung des Steidl Verlags in Göttingen. Grass schreibe über die Lebensstationen der Märchen-Brüder und die Zeitgenossen an ihrer Seite – Familie und Verleger, Freunde, Verehrer und Verächter. Dabei durchstreife er die deutsche Geschichte seit der Fürstenherrschaft und den ersten Gehversuchen der Demokratie. „Von der Vergangenheit mit ihren politischen Kämpfen und ganz alltäglichen Sorgen schlägt Günter Grass manche Brücke in seine eigene Zeit.“ Das Buch soll am 3. September erscheinen. dpa

Prominente ehren Verleger Wagenbach Zahlreiche prominente Freunde und Weggefährten haben am Sonntag im Berliner Ensemble den Verleger Klaus Wagenbach anlässlich seines bevorstehenden 80. Geburtstages (11. Juli) geehrt. Auch Günter Grass und Otto Schily (SPD) waren gekommen. Sie lasen aus dem neuen Buch Wagenbachs „Die Freiheit des Verlegers“ mit seinen Erinnerungen und zahlreichen Texten aus den vergangenen Jahrzehnten. Wagenbach sehe es als „Ehrentitel“ an, der „meistvorbestrafte deutsche Verleger“ zu sein, meinte der Chefdramaturg des früheren Brecht-Theaters am Schiffbauerdamm, Hermann Beil, auch mit Blick auf Schily, der Wagenbach in zahlreichen Prozessen vertrat. Wagenbach hatte 1964 in Berlin den bis heute unabhängigen Verlag Klaus Wagenbach gegründet. dpa

Es siegen „Spijöök“ und „Miendientje“ Das Wort „Spijöök“ ist bei den 16. Reuterfestspielen des Landesheimatverbandes am Sonntag in Stavenhagen zum schönsten plattdeutschen Wort des Jahres gekürt worden. „Spijöök“ steht für Spaß und Flunkerei. Als „bester aktueller Ausdruck“ wurde „Miendientje“ für den Warentrennstab an der Kasse, der das „Mein“ vom „Dein“ trennt, gekürt. Beste Redensart wurde der Satz: „Jeder räd’t von’t Supen, keiner räd’t von’n Döst“ (Jeder redet vom Saufen, keiner redet vom Durst). Der Landesheimatverband will mit den Festspielen das Plattdeutsche fördern. dpa

Dresden: Albertinum wiedereröffnet Mit einem Festakt und einer Kunstparty ist am Sonnabend das Dresdner Albertinum wiedereröffnet worden. „Es ist zu einem der modernsten Museen Europas, zu einer Arche der Kunst geworden“, sagte Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU). Das Domizil der Skulpturensammlung und der Galerie Neue Meister der Staatlichen Kunstsammlungen bietet Kunst von Klassizismus und Romantik bis zur Gegenwart. Es war seit 2004 mit einem Kostenaufwand von 51,2 Millionen Euro aus Landesmitteln modernisiert worden. Architektonische Attraktion ist das über dem Innenhof „schwebende“ neue Depot für die Gemälde. dpa

HANNOVERSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG

70 000 Besucher sehen beim Hurricane-Festival viele alte Bekannte und einige vielversprechende Frauen VON K A RSTEN R ÖHRBEIN

tarrenkoffer bearbeiten. Für Regener persönlich wäre das ja nichts: Bei seiner Band Element of Crime geht es altersgemäß gesetzt zu. Mutwillig irritiert er das überwiegend jugendliche Publikum gleich zu Beginn mit dem übellaunigen „Don’t you ever come back“ aus den Anfangsjahren der Berliner. Bei „Kopf aus dem Fenster“ singen dann sogar einige mit, sodass Regener die Arme in Luft reißt und „Romantik“ ausruft. So richtig romantisch, gemessen an der Zahl der Simultanumarmungen im Publikum, wird es aber erst bei Jack Johnson. Als der dreitagebärtige Schmusesurfer „Sitting, Waiting, Wishing“ schmachtet, sind Zehntausende Zuhörer plötzlich ganz still, um keinen Ton der Akustikgitarre zu verpassen. Von großem Interesse sind auch die Debütantinnen Marina & The Diamonds und La Roux im Rund der Zeltbühne. Zu schön schrill wummernden Synthesizern zeigt Rotschopf Elly Jackson, dass ihre Hits wie „Bulletproof“ und „In For The Kill“ viel zu schade für die Beschallung der H&M-Umkleiden sind, wo sie in Rekordzeit angekommen sind. Wer von den rund 70 000 Besuchern bei ihrer Show vorne dabei sein will, muss sich früh anstellen. Genau wie bei den Headlinern Beatsteaks und Billy Talent. Verlässlich überbrücken die Kanadier als eine der wenigen Festivalbands auch die zweite Absperrung vor der Bühne, selbst bei den hinteren Bierbuden werden zu schnellen und harten Rocknummern wie „Red Flag“ oder „Falling Leaves“ noch die Fäuste in den Nachthimmel von Scheeßel gereckt. Wandlungsfähiger als die Punkrockstars um Sänger Benjamin Kowalewicz sind aber Grenzgänger wie LCD Soundsystem oder Dendemann. „Dende“ kommt am Sonntagnachmittag zur Freude der Zuschauer so auf die Bühne, wie er zuletzt in Videos zu sehen war: mit stilechtem Vokuhila-Schopf und ausgewaschenem Jeanshemd. Hip-Hop ist ihm mittlerweile zu langweilig, also ist er mit einer Band auf Tour, um „Garagenrap“ zu machen – gespickt mit Riffs und Zitaten aus der Rock- und Popgeschichte. So clever und smart, dass den Fans auch der kurze Regenschauer egal ist. Diese Art Erfrischung gab es insgesamt viel zu wenig in diesem 14. Hurricane-Jahr. Aber Sturm Nummer 15, so viel ist sicher, kommt bestimmt.

F

lorence Welch hat die Menge im Griff. Wie eine Hexenmeisterin zeigt sie mit ihrem Drumstick ins Publikum, malt ein paar Kreise in die Luft und lässt die Zuschauer tanzen, dass es nur so staubt. Und Welch wirbelt jede Menge Staub auf beim HurricaneFestival. Wie eine entfesselte Enya hüpft die Sängerin von Florence And The Machine auf und ab, dreht sich im Kreis und haut auf ihre Trommel. Barfuß, nur bekleidet mit einer Art altmodischem Badeanzug mit Beinansatz und einem blau wallenden Hauch von Umhang, singt sie von Hasenherzen und Küssen mit Fäusten, verbindet dabei spielerisch Folk mit Jazz und Pop. Live ist das deutlich mitreißender als auf dem Debütalbum „Lungs“: Das Publikum lässt sich schnell verzaubern – und wird dann am Ende mit dem brandneuen Song „Strangeness And Charme“ belohnt. Beim 14. Hurricane in Scheeßel trifft man aber auch viele alte Bekannte – und einige haben sich seit zehn Jahren nicht verändert. Skin zum Beispiel, die Sängerin von Skunk Anansie, will es nach langer Pause jetzt noch einmal wissen. Sie hat ihren Hits aus den Neunzigern wie „Weak“ aber nichts Wesentliches hinzuzufügen. Musikalisch ist diese Reunion live fast so belanglos wie die der Stone Temple Pilots. „Between the Lines“, die erste Auskopplung des neuen Albums, lärmt unpointiert daher, genau wie die alten Hits der ehemaligen Grungeband. Mit Befremden hört man, wie hier eine Band ihr musikalisches Erbe verzockt; fast noch schlimmer ist aber, wie sie es macht: Sänger Scot Weiland irrlichtert hüftschwingend über die Bühne und hält seinem Gitarristen gleich zu Beginn der Show das Mikro von hinten durch die Beine. Dass solche peinlichen Posen gänzlich ironiefrei aus dem Rock-’n’-Roll-Museum hervorgekramt werden, hat Seltenheitswert. Wie gut und nötig es da doch ist, dass im Springsteen-Sound geerdete US-Bands wie The Hold Steady oder The Gaslight Anthem den Besuchern den Glauben an gute Rockmusik zurückgeben. Auch Sven Regener staunt nicht schlecht über einige ambitioniert agierende Kollegen. Belustigt beobachtete er etwa, wie sich der Sänger der FantasyMetalband Coheed & Cambria aus New York daran berauscht, seine Gitarre über dem Kopf zu spielen; später wird er die Saiten noch mit den Zähnen und abschließend dann sogar mit seinem Gi-

Unter die Haut: Skin, Sängerin der britischen Band Skunk Anansie, gibt am Sonnabend beim Hurricane-Festival in Scheeßel alles. dpa

Eine Bildergalerie unter haz.de, Festivaltipps unter haz.de/festivals

Abgedrehte Theatralik

Androgynes Moos

„Norddeutsches Tanztreffen“ endet mit Urs Dietrichs „Voice“

Das Pflanzentheater „Die Welt ohne uns“ wächst weiter

VON K ERSTIN H ERGT

VON D IRK K IRCH BERG

Die Staatsoper hat den Hannoveranern in der vergangenen Woche gehörig Beine gemacht: Wer wollte, konnte beim Norddeutschen Tanztreffen 17 Tanzveranstaltungen in sieben Tagen an vier Spielstätten besuchen. Noch nie gab es bei dem seit fünf Jahren im Rahmen von „Tanzplan Bremen“ stattfindenden Tanztreffen so viele Mitwirkende. Staatsballette und freie Ensembles aus Hannover, Braunschweig, Bremen, Kiel, Oldenburg, Osnabrück und Mecklenburg-Vorpommern präsentierten ausgesuchte Stücke. Die Bandbreite vom neoklassischen Ballett über puristisches Bewegungsspiel bis hin zum expressiven Tanztheater lockte nach Angaben von Steven Markusfeld, Betriebsdirektor des Niedersächsischen Staatsballetts, insgesamt mehr als 5000 Besucher in die Vorstellungen. Nach diesem Erfolg will die Staatsoper jetzt darüber nachdenken, ob und wie ein Festival dieser Art auch künftig in Hannover auf die Bühne gebracht werden kann. Das von der Bundeskulturstiftung finanzierte TanzplanProjekt läuft jetzt aus. Das „Tanztreffen“ will Bewegung in die Tanzlandschaft bringen. Und das hat in Hannover bestens funktioniert. Ein breit gefächertes Publikum hat das Angebot dankbar angenommen. Die Staatsoper sollte ihre Mittel ausschöpfen, an diese gelungene Veranstaltung anzuknüpfen. Wie ein Appell, dem Tanz, der

Zuerst einmal passiert nichts, zumindest nichts, was das menschliche Auge als sichtliche Veränderung wahrnehmen würde. In dem Garten, der vor einem Jahr, als es noch Menschen gab, zum letzten Mal von diesen gehegt und gepflegt wurde, ist das Chaos eingezogen. Das kleine Gewächshaus hat ein herabgefallener Ast zerschlagen. Der Rasen, kurz vor dem Verschwinden der gesamten Menschheit noch akkurat gestutzt, ist verwildert, hier wiegt sich ein Fingerhut im Wind, dort wächst eine Rose wild vor sich hin. Die Natur hat sich bereits ein wenig von dem vormals alles ordnenden Menschen befreit. Der zweite Akt des botanischen Langzeitprojekts „Die Welt ohne uns“, das das Schauspiel Hannover mit der freien Berliner Theatergruppe Lunatiks bis 2014 in 14 Akten an einem abgeschiedenen Ort in Hannover präsentiert, konzentrierte sich auf die floralen Fortpflanzungsbestrebungen. Was für das Auge des Zuschauers wie ein leicht aus der Form geratener, aber völlig unschuldiger Ziergarten aussieht, entpuppt sich dank der Erläuterungen des durch den Abend führenden Schauspielerpaares als Ort, an dem überall hemmungsloser Sex praktiziert wird. Die beiden Schauspieler Florian Hertweck und Nadja Petri legen sich mächtig ins Zeug, erklären, warum die Zucchini ein Transvestit, die Rose ein Kastrat und

Große Schritte: Die Inszenierung „Voice“ beim Tanztreffen in Hannover. flüchtigsten aller Kunstformen, mehr Raum und Entfaltungsmöglichkeit zu geben, muten da die beiden Aufführungen an, mit denen das Programm am Freitag endete: „New Steps Spezial“ mit sechs originellen und zu Recht mit viel Beifall bedachten Choreografien junger Tänzer – und „Voice“ von Urs Dietrich, Choreograf beim „Tanztheater nordwest“. Es ist ein Stück, das keine Trägheit duldet. Weder auf noch vor der Bühne. Die Tänzer lassen mehr als eine Stunde lang temporeich ihre Körper zum Klang von Worten sprechen, während die abgedrehte Theatralik die ganze Aufmerksamkeit des Zuschauers fordert. Die Botschaft lautet: Beweg dich! Im Kopf und mit dem ganzen Körper.

Die Hauptdarsteller, umrahmt von Florian Hertweck und Nadja Petri. Ribbe das Moos androgyn ist. Sie animieren Pflanzen, und gerade dann, wenn sich die Natur mittels einer Böe als dritter Protagonist ins Geschehen einmischt, wird das Publikum an die realen Bestandteile dieses mutigen, humorvollen, aber auch nachdenklich machenden Naturschauspiels erinnert. Ein Großteil der eben noch gehegten und gepflegten Pflanzenwelt scheint durch die tiefgreifenden Eingriffe des Menschen dem Untergang geweiht. Eines tröstet allerdings: „Die Welt ohne uns“ hat erst ein Jahr ohne den Menschen illustriert. Es bleiben noch 999 999 Jahre. Natur sei Dank. Im Oktober folgt der dritte Akt mit dem Titel „Wachsen oder Weichen – drei Jahre nach dem Ende der Menschheit“.

Über allen Wipfeln ist Ruh’ Kunstfestspiele: 400 Sänger verwandeln die Herrenhäuser Gärten in einen Zauberwald VON S TEFAN A RNDT Durch die Wände gehen? Für die Kinder ist das hier kein Problem: Geschickt schlüpfen sie durch das Geäst der Hecken, stehen urplötzlich vor der großen Fontäne und verschwinden ebenso schnell wieder in einer der grünen Kammern, in denen Hunderte von Sängern ihre Lieder singen. Hier tönt Brahms, dort Monteverdi oder ein Spiritual. Dazwischen dunkle Nacht und Bäume, Bäume, Bäume. „Perspektiven“ heißt der zweite Teil von Ludger Engels Stimmeninstallation „Chorus“, die den Kunstfestspielen in Herrenhausen nun einen im Wortsinne zauberhaften Höhepunkt beschert hat. Und tatsächlich kommt in dieser ungewöhnlichen Konzertnacht alles auf die Sichtweise an: Rund 400 Sänger aus zehn Chören der Region sind im Garten verteilt und singen teils versteckt hinter Büschen und Bäumen. Jeder Zuhörer muss selbst entscheiden,

was er tun will: Das ganze Programm eines Chores hören oder nur ein einziges Stück? Die Mischung in der Mitte suchen oder jenen fernen Klang, der schon weiter vorne auf Publikum lauert? Wann soll man wo sein? Und verpasst man nicht, hat man sich für den einen Ort entschieden, an einem anderen gerade das eigentliche Ereignis? Von der herkömmlichen Dramaturgie eines Konzertes ist „Chorus“ denkbar weit entfernt: Ohne feste Programmfolge irrt auch mancher Erwachsene aufgeregt wie ein Kind durch den Garten und wundert sich über flüsternde Hecken und Linden, aus denen plötzlich blaues Licht und helle Akkorde leuchten. Ludger Engels, der Musik studiert hat und seit Jahren als Schauspiel- und Opernregisseur arbeitet, hat den Gartenraum mit Klängen inszeniert. Dabei geht es weniger um musikalische Erlebnisse – obwohl Ensemble wie der Norddeutsche Figuralchor, der Mädchenoder Johannes-Brahms-Chor durchaus dafür sorgen könnten –, son-

Singen im Grünen: „Chorus“.

Blüher

dern eher darum, das nächtliche Flanieren zum Ereignis zu machen. Die Stille, die zwischendurch über den Wipfeln schwebt, ist dabei ebenso wichtig wie die komplexen Messkompositionen von Frank Martin oder Francis Poulenc. Vielleicht ist der Aufwand für ein sol-

ches, scheinbar bescheidenes Ziel recht groß. Doch spätestens, wenn man um kurz nach elf im Gartentheater angelangt ist, einem letzten Chorsatz lauscht und dem seltsamen Feuerwerk zuschaut, das aus einer Art Hexenhäuschen entbrennt, hat man das Gefühl, endlich am rechten Ort zu sein. Kälte und Zweifel verschwinden: So schafft die Kunst aus Überfluss ein ganz eigenes Glück. Am frühen Abend konnte eine kleine Zuschauerschar das auch in der Orangerie beobachten: „Mirages“-Komponist Michael Riessler und der altgediente, scheinbar ewig junge Avantgarde-Percussionist Jean-Pierre Drouet, der hier tags zuvor bereits mit einem Musikmaschinenkonzert zu erleben war, haben sich mit dem englischen Tänzer Nigel Charnock zu einer wilden, witzigen Performance zusammengetan. Ihr Zusammentreffen ist ein glücklicher Nebeneffekt, wie er nur bei einem echten Festival entstehen kann – ein gutes Wochenende für die Kunstfestspiele.

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Torreiches Finale Im letzten der Herrenhäuser Dialoge ging es um Fußball VON K A RL -L UDW IG B A A DER Die Idee ist einfach, das Ergebnis vielsagend. Die Videokünstlerin Ingeborg Lüscher steckte die Spieler zweier Schweizer Fußballmannschaften in edle blaue beziehungsweise graue Designeranzüge und ersparte ihnen auch nicht die Krawatte – eine gute Handhabe für ganz perfide Fouls. Die Künstlerin ließ sie in diesem Nobeltrikot ein echtes Match (Matsch eingeschlossen) austragen. Zuweilen nimmt der Ball die Form einer Aktentasche an, und am Ende verbinden sich – gegen alle Regeln – die beiden Mannschaften. Der Film heißt „Fusion“ und hinterlässt amüsierte Zuschauer in erkenntnisfördernder Konfusion. Der 13-minütige Film, in dem sich die Welten des Fußballs und des Managements ineinander bespiegeln, eröffnete den letzten Herrenhäuser Dialog, der im Rahmen der Kunstfestspiele Herrenhausen im Arne-Jacobsen-Foyer ausgetragen wurde. Unter der Moderation des hannoverschen Philosophieprofessors Paul Hoyningen-Huene spielten sich der Berliner Politikwissenschaftler Herfried Münkler, der Wiener Philosoph Konrad Paul Liessmann und der legendäre Fußballhörfunkreporter Günther Koch die Bälle zu. Wie ernst das Spiel, vor allem das Glücksspiel, in den unterschiedlichen Gesellschaften genommen wurde, machte ein knappes Eingangsreferat Münklers klar: Die Puritaner verboten es, weil es die Moral untergräbt, die Republikaner, weil es zum Niedergang der Freiheit führt, zumal historische Beispiele zeigen, wie hochverschuldete junge Männer zum Staatsstreich verführt werden. Das Spiel lässt aber auch – die einschlägigen Zitate finden sich bei Schiller und Kant – als eine tugendfördernde Veranstaltung beschreiben, zumal man dabei soziale Kompetenz erlangt (verlieren lernen) und das Ertragen des Ungewissen einübt. Danach kam es unter den Diskussionsteilnehmern zu einem flüssigen Kombinationsspiel, wenige kleine Rempler, die den Spielfluss merkwürdigerweise beschleunigten, und viele elegante Pässe zeichneten diese Debatte aus, in der sich die soziologische, psychologischen und fußballerische Kompetenz der Diskutanten ergänzten. Und doch fehlte etwas, was ein gelungenes Fußballspiel auszeichnet: das „Agonale“, der Wettstreit, der, zumindest bei Endspielen, zu Sieg oder Niederlage führt. Denn dies gehört unbedingt zu den vielen faszinierenden Aspekten, die den Fußball ausmachen. Während Koch vor allem auf der ablenkenden Funktion des Massen- und Mediensports Fußball abhob (um die Welt besser ertragen zu können), nahm Liessmann noch mehr in den Blick: die Rauscherfahrungen, die Spieler und Zuschauer haben können, die Möglichkeit, seinen Gefühlen in aller Öffentlichkeit freien Lauf zu lassen – aber auch das Theatralische: Welcher Tragöde nimmt es auch schon mit einem im Strafraum gefoulten Stürmer auf, der, eben noch dem Tode nahe, nach kurzer Zeit wieder munter dem Ball nachjagt? Und endlich bietet der Fußball die archaische Erinnerung an die in die Jagd ausziehende Horde und zeigt uns das wunderliche Treiben des Zufalls (Pfostenschuss). Gerade Letzteres dürfe nicht verloren gehen, meinten die Debattenteilnehmer, weshalb man von technischen Hilfen für die Schiedsrichter abriet. Wem sonst noch ist es unter den Menschen vergönnt, eine (selbstherrliche) Tatsachenentscheidung zu treffen außer dem Schiedsrichter? Was sonst könnte einem so in eine (spielerische) Wut versetzen? Natürlich gibt es auch böse Begleiterscheinungen (Hooligans), ebenso aber Nützliches. Wo sonst lässt sich das Bedürfnis, einer imaginären Gemeinschaft mit Haut und Haaren anzugehören, so gefahrlos ausleben als im Stadion? Der Nationalismus findet ein ungefährliches Ventil. Und auch das letzte der Geheimnisse wurde endlich gelöst. Warum finden sich in der letzten Zeit so viele Frauen in unseren Stadien? Es spiegeln sich, meint Münkler, darin eben die gesellschaftlichen Tendenzen der Gleichberechtigung wider. Koch vermutet, die Frauen wollen die Männer einfach besser kennen lernen, Liessmann, der auch den erotischen Aspekt des durchtrainierten Männerkörpers hervorhebt, lenkt den Ball endlich zum Siegtor: Die Frauen wollen weinende Männer sehen.

Maler Daniel Richter verlässt Hamburg Aus Verärgerung über die Kulturpolitik verlässt der Hamburger Maler Daniel Richter die Hansestadt und zieht mit seiner Familie nach Berlin. „Vom Schauspielhaus über die Kunsthalle bis zu den Entscheidungen, wahlweise die Kunsthalle oder die Fabrik dichtzumachen, eine Elbphilharmonie zu bauen. Berlin – eine Stadt, die definitiv pleite ist – macht einfach eine viel interessantere, komplexere und modernere Museumsarbeit“, sagte Richter dem „Hamburger Abendblatt“. Wenn man Geld hat, die Elbphilharmonie zu bauen, müsste man sich nicht wundern, „wenn Leute sagen, wo sind die 200 000 Euro für Brandschutzklappen in der Kunsthalle“, meinte Richter. Künstler könnten hier leben, „wenn sie entweder arm sind oder sehr erfolgreich. Dazwischen ist das Investitionsrisiko für den Hamburger Bourgeois zu groß. Es gibt wenige, sehr sympathische Mäzene, die ausgleichen, was die Stadt nicht leistet. Den anderen 3800 Millionären ist das völlig wurst“, meinte der Maler. dpa


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Welt im Spiegel

HANNOVERSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG

MONTAG, 21. JUNI 2010 · NR. 141

„Ich danke euch für meinen Prinzen“ Glücklicher Adel, glückliche Schweden: Kronprinzessin Victoria sagt Ja zu ihrer großen Liebe Daniel, und Stockholm feiert die erhoffte Traumhochzeit. VON H ANNES G A MILLSCHEG Stockholm. Es war lange nach Mitternacht, als die Frischvermählten einander zum Brautwalzer endlich in den Armen lagen, und auch diese Aufgabe meisterten sie mit Bravour. Elegant schwebte Schwedens Kronprinzessin Victoria durch den Festsaal. Prinz Daniel, der wenige Stunden davor noch Westling geheißen hatte, führte seine ehemalige Fitnessschülerin übers blank gebohnerte Parkett, dann schlossen sich das schwedische Königspaar und Daniels Eltern an, und bald drehte sich im Bernadotte-Saal des Schlosses alles im Walzertakt. Das war der Höhepunkt der Stockholmer „Traumhochzeit“, bei der das Brautpaar durch seine natürliche Art auch die letzten Skeptiker überzeugte und eine halbe Million jubelnde Schaulustige auf den Straßen vor dem Schloss zu Jubelstürmen hinriss. Neun Jahre nach Victorias erstem Besuch in Daniels Studio „Master Fitness“ war die Liebe der beiden am Sonnabend um 15.52 Uhr gekrönt worden. „Ich frage dich, Victoria Ingrid Alice Desiree, willst du Olof Daniel Westling zum Ehemann nehmen?“, wandte sich Erzbischof Anders Wejryd an die Braut. Victoria holte tief Luft, blickte ihrem Auserkorenen in die Augen und sagte mit fester Stimme: „Ja!“ Und weil der sehr nervös wirkende Daniel davor die umgekehrte Frage ebenfalls bejaht hatte, erklärte der Bischof sie zu Mann und Frau. Als Victoria ihrem Prinzen den Ring an den zitternden Finger steckte, brauste vor den Großbildschirmen in Stockholm Jubel auf, in der Kirche griff Brautmutter Silvia zum Taschentuch, Daniels Vater Olle legte seinen Kopf an die Schulter seiner Frau. Die Braut lächelte selig, Daniel verdrückte ein Träne. In einem ebenso schlichten wie eleganten Kleid aus perlweißer Seide mit fünf Meter langer Schleppe vom heimischen Designer Pär Engsheden und einem Diadem im Haar, das genauso wie den Schleier auch ihre Mutter bei ihrer Hochzeit vor 34 Jahren trug, hatte sich Victoria von dem in Galauniform gekleideten König Carl Gustaf in den Dom führen lassen. Der zukünftige Prinzgemahl hatte seinen zukünftigen Schwager Prinz Carl Philipp als Trauzeugen an der Seite. Königin Silvia kam in rosa, Victorias Schwester Madeleine in hellblau. 1100 Gäste füllten die Storkyrka, je höher im Rang, desto mehr Brillanten im Haar und Orden an der Brust. Als die Vermählten dann in offener Kutsche und vergoldeter Schaluppe die Runde von der Kirche zurück zum Schloss machten, kam sogar die Sonne aus den Wolken; eine halbe Million Menschen säumten die Route und jubelten, wenn die glückliche Braut ihrem leicht verlegenen Mann ein ums andere Mal einen Kuss auf die Wange drückte. Von der Balustrade des Palastes richtete Victoria dann das Wort an die Menge: „Ich danke euch für meinen Prinzen“, rief sie dem Volk zu, denn ob ein „Mann aus dem Volk“ zum Prinzgemahl aufsteigen kann, war jahrelang für die schwedischen Monarchisten ein Hauptthema gewesen. „Wie viel eure Unterstützung für uns bedeutet hat, lässt sich gar nicht beschreiben.“ Als Daniel beim Galadinner nach Krebsen, Dorsch, Kalbsfilet und Erdbeermousse endlich selbst das Wort ergriff, eliminierte er mit einer ebenso persönlichen wie wohl artikulierten, teilweise in hervorragendem Englisch gehaltenen Rede jeden Zweifel, ob er seiner Aufgabe gewachsen sein werde. Er sei „vielleicht kein

Gerüchte um nächste Braut

Schweden wollen Königin

„Ja ich, Victoria Ingrid Alice Desiree, will dich Olof Daniel Westling zum Ehemann nehmen“, sagte die lächelnde Kronprinzessin mit klarer Stimme und steckte dann dem nervös wirkenden Daniel den Hochzeitsring an den Finger. dpa (5)

Stockholm: Ein Drittel der Schweden wünscht sich Kronprinzessin Victoria statt ihres Vaters König Carl XVI. Gustaf auf dem Thron. In einer am Hochzeitstag Victorias veröffentlichten Umfrage sprachen sich 32 Prozent dafür aus, dass der 64-Jährige beim Erreichen des Pensionsalters mit seinem Geburtstag am 30. April nächsten Jahres abtritt. 50 Prozent erklärten hingegen, dass der Monarch auf seinem Platz bleiben solle. Carl Gustaf hat in Interviews immer wieder erklärt, dass er den Thron als lebenslange Aufgabe betrachtet. Nach Umfragen galt die Kronprinzessin schon lange vor ihrer Hochzeit mit Daniel Westling als populärstes Mitglied der Königsfamilie. Der König ist seit 15. September 1973 Regent. dpa

Agenturen berichten nicht

Der Adelsnachwuchs fotografiert mit iPhone: Prinz Haakon von Norwegen, Prinz Frederik von Dänemark, die niederländische Prinzessin Máximá und Prinzessin Mary von Dänemark. Frosch, aber jedenfalls kein Prinz“ gewesen, als er Victoria erstmals traf, „und auch der erste Kuss hat das noch nicht geändert“, sagte er unter Anspielung auf Grimms Märchen und dankte der Schwiegerfamilie ausdrücklich für all ihre Hilfe beim schwierigen Rollentausch. Und Victoria? Es nicht immer leicht für ihn gewesen, wenn sie ihren Verpflichtungen nachgehen musste, räumte er ein. Einmal sollte sie für 30 Tage nach China, ohne ihn. Tags davor hatte sie ebenfalls viel zu tun, doch als sie spätabends heimkam, gönnte sie sich nicht den dringend nötigen Schlaf, sondern blieb die ganze Nacht auf und schrieb. „Am nächsten Morgen fand ich

eine Schatulle mit 30 Liebesbriefen, einen für jeden Tag ihrer Abwesenheit. Diese romantische Geste sagt alles über dich“, wandte er sich an seine Frau, und als er mit einem „Die Liebe ist das Größte, ich liebe dich so“ schloss, brach ihm doch noch die Stimme. Nach diesen Worten flossen heftig Tränen bei der Braut und vielen Gästen. Einige erhoben sich zum Applaus, und Carl Gustaf klopfte dem Schwiegersohn gerührt auf die Schulter: „Gut gemacht.“ Der König hatte zuvor selbst für einen ersten Höhepunkt des Dinners gesorgt, als er in seiner Rede zunächst des eigenen Hochzeitstags gedachte – Carl Gustaf und

Das Paar beim Anschneiden: Die Hochzeitstorte war elf Stockwerke hoch.

„Ich liebe dich so“: Daniel rührte die Hochzeitsgäste mit seiner Liebeserklärung.

Silvia hatten 1976 am gleichen Tag und mit einem sehr ähnlichen Ablauf geheiratet –, seiner Frau für Unterstützung und Liebe dankte und ihr eine Rose überreichte, die er spontan aus dem Tischschmuck nahm. An seiner Tochter gewandt, setzte er fort, dass er „mit „Stolz und Dankbarkeit“ gesehen habe, wie sie in ihre Rolle hinein gewachsen sei. „Aber uns verbindet mehr als einen Monarchen mit der Thronfolgerin, ich bin dein Papa, du meine geliebte Tochter, und ich will nichts mehr, als dich glücklich zu sehen.“ „Ohne Druck“ habe sie ihren Lebenspartner wählen können, wies er Gerüchte zu zurück, dass er ihre Entscheidung lange kritisiert habe

und hieß Daniel „willkommen in der Familie“.Sie hätten sich gefreut, als ihr Sohn ankündigte, dass er ein Mädchen mit heimbringen wollte, in das er sich verliebt habe, berichtete Daniels Vater Olle Westling in seiner Rede von der Reaktion der Familie beim ersten Treffen mit Victoria. „Dass es gerade dieses Mädchen sein würde, hatten wir ja nicht erwartet.“ Dann ging es weiter mit der drei Meter hohen, elfstöckigen und 250 Kilogramm schweren Hochzeitstorte und Tanz bis um 5 Uhr morgens. Als im Schloss endlich die Lichter ausgingen, waren Victoria und Daniel schon unterwegs in die Flitterwochen mit streng geheim gehaltenem Ziel.

Neue Panne im Golf von Mexiko

Peking (afp). Zum Schutz vor einer Flutkatastrophe sind im Süden Chinas Hunderttausende Menschen in Sicherheit gebracht worden. Nach tagelangem Regen seien die Pegel mehrerer Flüsse gefährlich angestiegen, mehr als eine Million Menschen hätten ihre Häuser verlassen müssen, teilte das Ministerium für Zivilschutz am Sonntag mit. Bei Überschwemmungen und Erdrutschen kamen nach Regierungsangaben in den vergangenen Tagen fast 150 Menschen ums Leben. Bereits am Donnerstag hatte der Perlfluss in der Provinz Guangdong einen gefährlichen Wasserstand erreicht. Der weitverzweigte Strom ist Chinas zweitlängster Wasserweg. Das Staatsfernsehen zeigte Bilder aus Guangdong von fast vollständig überfluteten Häusern.

Blitzschlag stoppt Abpumpen / BP-Chef erntet Kritik für Segeltrip / Konzern kauft Zentrifugen von Kevin Costner

Berlin (ap). Glimpflich ist die Bruchlandung eines legendären „Rosinenbombers“ nahe dem Flughafen Schönefeld bei Berlin ausgegangen. Sieben der insgesamt 28 Menschen an Bord der voll besetzten Maschine wurden bei dem Aufprall leicht verletzt, wie ein Flughafensprecher mitteilte. Die historische Douglas DC-3 war am Sonnabendnachmittag kurz nach dem Start zu einem Rundflug abgestürzt. Bei dem Aufprall wurde die Maschine der Firma Air Service Berlin, die Rundflüge mit dem „Rosinenbomber“ anbietet, schwer beschädigt.

Von Kummer keine Spur Vergessen all die Gerüchte, Victorias kleine Schwester Madeleine (28) würde mit ihrem großen Liebeskummer nicht zur Hochzeit erscheinen. Sie feierte – in einem hellblauen Kleid mit einem sehr rüschigem Rock – bis in die frühen Morgenstunden. Ihr Lächeln wirkte echt, die Freude über das Glück der Schwester auch. Erst kürzlich hatte Madeleine die Verlobung mit Jonas Bergström (31) gelöst. Es hieß, er habe sie mit einer 21-jährigen Norwegerin betrogen. Daraufhin war Madeleine nach New York geflüchtet. ce

Fürst Albert II. von Monaco (52) kam mit Dauerfreundin Charlene Wittstock (32) am Arm zum Treffen des europäischen Hochadels – dafür war extra eine Protokolländerung nötig. Die in eine cremefarbene Robe gekleidete Südafrikanerin, die seit Jahren mit Spekulationen über eine bevorstehende Hochzeit im Fürstentum lebt, musste in der Kirche aber hinter ihrem Begleiter Platz nehmen. Es war der erste Auftritt der beiden auf einem derartigen Großereignis. Grund genug für viele Boulevardjournalisten, Charlene zur nächsten Braut des Hochadels zu ernennen. ce/dpa

Tausende fliehen vor Flut in China

„Rosinenbomber“ stürzt ab

B O U L E VA R D

VON S EBASTI AN D ÖRING London/Washington. Im Kampf gegen die Ölpest kann der britische Energiekonzern BP die Serie von Pleiten, Pech und Pannen nicht stoppen. Das Absaugen des ausströmenden Öls im Golf von Mexiko musste am Sonnabend für fast einen halben Tag unterbrochen werden. Der Tanker Discoverer Enterprise stellte vermutlich nach einem Blitzschlag seinen Betrieb vorübergehend ein. Als die Panne passierte, segelte BP-Konzernchef Tony Hayward gerade auf seiner Jacht „Bob“ vor der englischen Küste. Für die Teilnahme an einer Regatta um die Isle of Wight im Ärmelkanal erntete er beißende Kritik. Der republikanische US-Senator Richard Shelby nannte das Verhalten Haywards den „Gipfel der Arroganz“. Hayward solle mit seiner Jacht lieber im Ölpestgebiet sein und „saubermachen“. Kritik kam auch von Greenpeace. Der BP-Chef „reibt Salz in die Wunden“ der Menschen, die mit den Folgen der Katastrophe leben müssen, sagte Greenpeace-Berater Charlie Kronick am Sonntag. Das Weiße Haus in Washington kritisierte den Ausflug als „einen weiteren aus einer ganzen Reihe von PR-Ausrutschern und Fehlern“. Der enge Vertraute von Präsident Barack Obama, Stabschef Rahm Emanuel, sagte dem US-Sender ABC: „Ich glaube, wir kommen alle zu dem Schluss, das Tony Hayward nicht vor

einer Zweitkarriere als PR-Berater steht.“ BP verteidigte seinen Chef. Haywards Ausflug sei sein erster freier Tag seit Beginn der Ölpest vor knapp neun Wochen gewesen, sagte ein BP-Sprecher. Hayward hatte nach Firmenangaben auch seinen Sohn mit an Bord, für den er zuletzt kaum Zeit hatte. Auch wirtschaftlich wird es immer schwieriger für BP. Der US-Erdölkonzern Anadarko, Miteigentümer der gesunkenen Bohrinsel „Deepwater Hori-

zon“, geht auf Distanz zu seinem Partner und will Folgeschäden durch ausgelaufenes Öl nicht zahlen. Dafür komme nur der Energieproduzent auf, teilte der US-Konzern mit. BPs Maßnahmen und Krisenmanagement „verkörpern wahrscheinlich grobe Fahrlässigkeit oder vorsätzliches Missverhalten“. Laut Medienberichten hat BP bei mehreren Banken Milliardenkredite angefragt, um die Folgekosten der Ölpest zu begleichen. Bislang hieß es, der Konzern

Hilfe aus Hollywood? Kevin Costner, der die Firma Ocean Therapy Solutions besitzt, spricht vor einer BP-Pressekonferenz mit dem Generalstaatsanwalt von Louisiana Buddy Caldwell. ap

sei finanziell stark genug. Die Ratingagenturen Fitch und Moody’s stuften zuvor BPs Kreditwürdigkeit herab. Unternehmensintern war der BP-Chef am Freitag aus der Schusslinie genommen worden. Das Tagesgeschäft im Kampf gegen die Ölpest wird nun von Bob Dudley übernommen, seit 2009 geschäftsführender Direktor des Ölkonzerns. Dies bedeute nicht, dass Hayward zurücktrete, betonte eine Unternehmenssprecherin. „Bis die akute Phase dieser Krise vorbei ist, bis das Leck geschlossen ist, ist Tony Hayward eindeutig zuständig für die Beantwortung dieser Krise.“ Unterdessen ist BP eine Allianz mit dem Hollywoodstar Kevin Costner eingegangen. BP-Manager Doug Suttles und der US-Schauspieler präsentierten am Freitag (Ortszeit) die Technologie von Costners Firma Ocean Therapy Solutions, die den Kampf gegen die Ölkatastrophe deutlich beschleunigen soll. Ihre Zentrifugen trennen nach Firmenangaben effektiv Öl von Wasser. Pro Minute filtern die sogenannten Ölabscheider demnach knapp 760 Liter und erreichen dabei einen Reinheitsgrad von 99 Prozent. BP kauft von Costners Firma 32 der Ölabscheider. Zusammen mit anderen Methoden im Kampf gegen die Ölpest könnten damit künftig täglich bis zu 128 000 Barrel Öl aus dem Meereswasser gefiltert werden. Aus dem Bohrloch strömen der US-Regierung zufolge täglich rund 60 000 Barrel Öl. (dpa / mit: afp)

Stockholm: Die schwedische Kronprinzessinnen-Hochzeit galt als das größte Society-Ereignis des Jahres, doch die großen internationalen Nachrichtenagenturen berichteten nicht. Nach einem Streit mit dem exklusiven Rechteinhaber, dem schwedischen Fernsehsender SVT, um die Wiederverwertungsrechte beschlossen Reuters, ap und afp, die Veranstaltung zu boykottieren. Die drei weltweit führenden Agenturen waren mit SVT über den Kauf von 90 Sekunden TV-Zusammenschnitt einig, wollten jedoch nicht akzeptieren, dass die Verwendung auf 48 Stunden beschränkt werden sollte. gam

Schweden schlägt Ghana Hamburg: Die Live-Übertragung der Hochzeit von Victoria von Schweden hat am Sonnabendnachmittag das Quotenrennen gegen das WM-Spiel zwischen Ghana und Australien gewonnen. Im Durchschnitt 6,99 Millionen Zuschauer verfolgten ab 13.49 Uhr die fünfstündige ZDF-Sondersendung aus Stockholm. Nach Senderangaben entsprach das einem Marktanteil von 36,6 Prozent beim Gesamtpublikum. Weltweit sahen 150 Millionen TV-Zuschauer Live-Reportagen aus Stockholm. dpa Eine Bildergalerie zum Thema unter

DIE GLÜCKSSPIR ALE Endziffern Euro 9 10,00 08 20,00 330 50,00 5502 500,00 00 997 5000,00 652 835 100 000,00 774 458 100 000,00 Prämienziehung: Die Losnummer 4 688 954 und 2 126 701 gewinnen 7500 Euro monatlich als „Sofortrente“. ARD - FERNSEHLOT TERIE Endziffern Gewinne 8 315 029 Smart for two coupé 1 423 646 Smart for two cabrio 4 520 104 1 Woche für 2 Pers. am Tegernsee 1 841 906 Wellness-Woche im Schwarzwald 6 943 308 100 000 Euro B I N G O – U M W E LT L O T T E R I E Gewinnzahlen: 4 7 11 12 13 14 15 17 18 20 21 24 30 31 33 36 45 65 66 69 74 75 Bingo-Quiz: Ziehung 1: 7164 37 002 Ziehung 2: 7164 45 024 Ziehung 3: 7182 42 258 Ziehung 4: 7186 30 729 Ziehung 5: 7195 12 177 Bingo-Quoten: Gewinne Gewinnklasse 1: 0-mal 244 616,40 Euro Gewinnklasse 2: 10-mal 6 168,00 Euro Gewinnklasse 3: 2884-mal 42,70 Euro K E N O VO M S O N N A B E N D Gewinnzahlen: 5, 11, 13, 14, 15, 25, 32, 33, 36, 37, 39, 42, 43, 44, 47, 51, 52, 65, 67, 68 Plus 5: 2 7 5 2 5 K E N O VO M S O N N TAG Gewinnzahlen: 3, 7, 11, 12, 14, 24, 31, 32, 33, 37, 39, 40, 42, 43, 46, 47, 48, 49, 52, 54 Plus 5: 7 2 8 3 0 (Ohne Gewähr)


Stadt & Land

GESICHTER & GESCHICHTEN

TÄG L I C H (FA ST ) A LL E S

Hannover

Zum Ende des Lumix-Festivals: Lohn für ein gutes Auge Seite 12

Termine und Veranstaltungen Seite 20

SEITE 9 – MONTAG, 21. JUNI 2010 – NR. 141

L Ü T TJ E L A G E

Hannover, Stadt in den Bergen

Nummer neun

E

ine Woche ist jetzt WM. Und ist uns da nicht was geboten worden? Also, nicht fußballerisch jetzt. Da hat der neuseeländische Innenverteidiger, der in seiner Freizeit für die dritte Mannschaft eines nordschottischen Viertligisten spielt, für seine Verhältnisse eine gute Figur gemacht. Und wir natürlich. Aber sonst war da nix. Aber haben Sie gesehen, wie der Nummer neun von Nordkorea bei der Nationalhymne die volkseigenen Tränen runtergelaufen sind? Da wird dem geliebten Machthaber zu Hause das Herz im Leibe nur so gehüpft sein. Für Schwarz-Gelb hat jedenfalls noch keiner geweint. Obwohl das auch angezeigt wäre in diesen Tagen. Wenn man dem Fernsehreporter glauben kann, dann nennt man die nordkoreanische Nummer neun auch gerne den Wayne Rooney Asiens. Der echte Wayne Rooney ist ein segelohriger englischer Stürmer und hat dem Vernehmen nach zum letzten Mal geweint, als seine Freundin im Zorn über seinen laxen Umgang mit der Einehe ihren Verlobungsring ins Wasser geschmissen hatte. Anzunehmen ist, dass der Wayne Rooney Asiens der einzige nordkoreanische Fußballer ist, der je etwas vom Wayne Rooney Englands gehört hat. Denn weil er in Japan geboren ist und lebt, verfügt er über Satellitenfernsehen. Daheim in Nordkorea hat das nur der geliebte Machthaber, von dem man weiß, dass er gerne Actionfilme sieht. Was ihn wiederum zu einer Art Arnold Schwarzenegger Nordkoreas macht. Aber lassen wir das. Festzuhalten bleibt, dass weinende Koreaner den Berichterstattern aus aller Welt die Gelegenheit geben, WM-Texte zu schreiben, ohne dass nur einmal das Wort „Vuvuzela“ darin vorkommt. Mir zum Beispiel bleibt es erspart, meinen Nachbarn zu erwähnen. Der hat sich eine solche Tröte gekauft und schon mehrfach hineingeblasen, aber noch haben weder die Stadt noch die FIFA Wind davon bekommen. Ansonsten hätten sie ihn wohl längst in Handschellen abführen lassen. Aber wie gesagt: Wir haben ja endlich neue Themen: Die Nummer neun und die Fünferkette und den Machthaber und Wayne Rooney. Wer will da noch wissen, wer wo wie laut in welche Tröte bläst? fx

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Vor 10 Jahren

Heuschrecken mit Senf

Das Ferne liegt doch manchmal so nah: Hannover präsentiert sich auf diesem Bild als Stadt inmitten von Bergen. Dabei ist es nur der Deister, der sich mit seinem Fernsehturm von hinten in den Blick rückt. Das Bild, vom Fotografiestudenten Jonas Wresch mit einem starken Teleobjektiv vom Braunschweiger Platz aus eingefangen, ist Teil einer Ausstellung über Architektur in Hannover. Am Wochenende wurde sie an einem Ort eröffnet, an dem man sonst nie Ausstellungen sieht: Im westlichen Bahnhofstunnel, umtost von Autos, Motorrädern und dem Dröhnen der Lokomotiven. Zusammen mit 19 weiteren Motiven ist der Bergblick dort eine Woche lang als Teil der „Architekturzeit“ zu sehen. med  Architekturzeit

Frau schlägt mit Kopf gegen Busfenster Nach plötzlichem Bremsmanöver: 57-Jährige verklagt Unternehmen auf Schmerzensgeld VON S ONJA F RÖHLICH Durch das abrupte Abbremsen eines Busfahrers ist eine 57-jährige Frau durch einen Linienbus geschleudert worden und mit dem Kopf gegen die Frontscheibe geprallt – so heftig, dass ein großes Loch in der Scheibe entstand. Tatjana H. trug folgenschwere Verletzungen davon. Sie verklagt das Nahverkehrsunternehmen RegioBus nun auf Schadensersatz und Schmerzensgeld in Höhe von 12 000 Euro. „Durch das rücksichtslose Verhalten des Fahrers bestand offensichtlich eine erhebliche Gefahr für die Kunden“, sagt H.s Anwalt Christian Wolff. Der Unfall geschah im September 2009. Wie die Haushälterin selbst schildert, sei sie mittags von der Arbeit gekommen und habe den Bus nach Hannover nehmen wollen. An der Haltestelle in HemmingenWesterfeld lief sie dem bereits angefahrenen Bus der Linie 360 noch winkend ein Stück hinterher – bis der Fahrer hielt und sie einsteigen ließ. Sie sagt, sie habe sich dann sofort mit einer Hand an der Haltestange festgehalten, um mit der anderen

Vollbremsung. Tatjana H., die sich noch an der Haltestange festklammerte, wurde nach vorn geschleudert. Mit dem Hinterkopf prallte sie gegen die Frontscheibe. Das Loch, das bei dem Aufprall nebst Rissen an der Scheibe entstand, soll so groß wie ein Medizinball gewesen sein. Tatjana H. fiel auf den Boden und wurde kurzzeitig bewusstlos. Ein Rettungswagen brachte sie in ein Krankenhaus. Die Ärzte dort diagnostizierten eine Gehirnerschütte-

Ähnliches Verfahren vor dem Landgericht In einem ähnlichen Verfahren versucht derzeit das Landgericht Hannover zu klären, ob einer heute 68-Jährigen Schadensersatz für einen Sturz in der Stadtbahn zusteht. Vor drei Jahren war die Frau kurz nach dem Einsteigen an der Pascalstraße zu Fall gekommen, als die Stadtbahn anfuhr. Dabei zog sie sich einen Oberschenkelhalsbruch zu. Ihr Ehemann und sie argumentieren, der Fahrer sei an dieser Station ruckartiger angefahren als an den folgenden. Das

aber, berichtete ein Gutachter jetzt in der mündlichen Verhandlung, sei eigentlich nicht möglich. „Der Fahrer hat keinen Einfluss darauf, wie heftig die Bahn anfährt, da sie elektronisch gesteuert wird“, sagte der Experte. Dennoch sei es nicht ausgeschlossen, dass bei der Anfahrt ein Passagier zu Fall kommen könne, etwa wenn dieser falsch stehe oder sich nicht festhalte. Die Klägerin verlangt von der Üstra 5800 Euro. Das Urteil fällt im August. fx

rung, ein Schleudertrauma, Prellungen am ganzen Körper und eine Knieverletzung. Neun Monate später sei sie noch in Behandlung, außerdem leide sie unter Angstzuständen und Depressionen. „Einen Monat konnte ich gar nicht mehr in einen Bus steigen, und noch immer halte ich mich krampfhaft fest, auch wenn ich sitze“, sagt sie. Enttäuschung äußerte sie darüber, dass der Fahrer oder RegioBus keinen Kontakt zu ihr aufgenommen hätten. RegioBus-Sprecher Tolga Otkun wollte sich mit Verweis auf das schwebende Verfahren nicht zu den Vorwürfen äußern. Grundsätzlich sagte er: „Es kann immer wieder vorkommen, dass unsere Fahrer aufgrund der Verkehrseinflüsse plötzlich bremsen müssen, um größeres Unheil abzuwenden.“ Deshalb seien Fahrgäste dazu angehalten, sich Halt zu verschaffen. Seine Mandantin habe alle ihr möglichen Vorsichtsmaßnahmen getroffen, um einen Sturz zu vermeiden, sagt Anwalt Wolff. Aufgrund der Vollbremsung sei es ihr jedoch „mit normalen menschlichen Kräften“ nicht möglich gewesen, sich festzuhalten.

Keine dritte Laufstrecke im Stadtwald Hannovers Häfen hoffen auf Wunstorf VON C ON RA D VON M EDING Die Stadtverwaltung will in der Eilenriede derzeit keine dritte Laufstrecke mit Kilometerangaben einrichten. Das geht aus der Antwort auf eine Anfrage der Grünen-Fraktion im Bezirksrat Mitte hervor. Grünen-Fraktionschef Martin Nebendahl hatte angeregt, eine zusätzliche Laufstrecke am Spielpark Wakitu beginnen zu lassen. Es sei ein Manko, dass im hannoverschen Stadtwald zwar zwei Laufstrecken existierten, beide aber am Steuerndieb starten und enden. „Da der größte Teil der Bevölkerung an anderen Punkten startet, wäre es sinnvoll, eine Strecke zu markieren, die den Ausgangspunkt an einer zentraleren Stelle hat“,

W

er sein Schwiegersohn wird, das konnte König Carl XVI. Gustaf von Schweden vor zehn Jahren nun wirklich nicht ahnen. Über die Zukunft reden, heißt eben nicht, die Zukunft zu kennen. Trotzdem sollte man sich über das Morgen Gedanken machen, und das taten Fachleute beim „Global Dialogue“. Die Expo-Veranstaltung zu Zukunftsfragen wurde von Carl Gustaf eröffnet. Und er tat es eloquent. Überhaupt brachten Könige und Co. nicht nur gute Presse für die Weltausstellung, sondern auch Gäste in die niedersächsische Landeshauptstadt. Das war ganz im Sinne des Mottos „Die Welt zu Gast in Hannover“. Doch manchmal brachte die Welt auch Dinge mit, die man nicht unbedingt haben muss: Heuschrecken in Senf zum Beispiel. Im Themenpark Ernährung bereitete der hannoversche Koch Mathias Westhuis die kleinen Insekten mundgerecht zu. Dafür holte er sich Tipps von einem Kollegen aus Ghana, der ihm riet, Unterschenkel und Flügel zu entfernen. Danach solle er die Tierchen in den Kühlschrank stecken. Das betäube. Westhuis entschied sich, sie in Knoblauch, Senf und Kräutern zu rösten. Ohne Flügel und Unterschenkel. Die hiesige Gastronomie jedenfalls ist von Heuschrecken bis heute verschont geblieben. H EIKE M ANSSEN

Hand ihre Monatskarte aus ihrer Tasche zu holen, die sie auf den Sitz hinter den Fahrer gestellt hatte. Der Fahrer sei jedoch so ruckartig angefahren, dass sie zunächst nach hinten geschleudert wurde und am ausgestreckten Arm an der Haltestange hing. Im nächsten Moment, sagt die 57-Jährige, sei der Busfahrer parkenden Autos ausgewichen – dabei habe er einen Wagen übersehen, der ihn links überholte. Nach dem Anfahren kam es zur

heißt es zur Begründung der Anfrage. Optimal sei es, wenn beide Strecken miteinander verbunden würden. Die Verwaltung räumt zwar ein, dass der Wakitu sehr zentral liegt, das aber gelte auch für den Steuerndieb. Es sei aber unumgänglich, sich für einen einzigen Start- und Zielpunkt zu entscheiden. Parallel verlaufende, aber unterschiedliche Kilometerschilder seien in einem überschaubaren Gebiet wie der Eilenriede „nicht zweckmäßig“. Zudem sei der Stadtwald schon jetzt „mit einer Vielzahl von Beschilderungen“ versehen, die häufig beschädigt würden, was erhebliche Kosten verursache. Die Laufstrecken seien auf der städtischen Eilenriedekarte, die kostenlos zu beziehen ist, hingegen gut dargestellt.

VON B ERND H A ASE Die Geschäftsführung von Hannovers Städtischen Häfen hat ein Auge auf die Stadt Wunstorf geworfen. Weil die Region dort einen der künftigen Schwerpunktstandorte für Logistik sieht, wollen sich die Hannoveraner beim möglichen Bau und Betrieb eines Hafens engagieren. Das hat Hafenchef Jürgen Schulz vor Politikern erklärt: „Unser Wirkungskreis liegt im Umkreis von hundert Kilometern um Hannover herum.“ Wunstorf verfügt über zwei Autobahnanschlüsse und darüberhinaus über eine kleine Hafenanlage am Mittellandkanal bei Kolenfeld. Diese allerdings wird nur in geringem Umfang für das

Verschiffen von landwirtschaftlichen Produkten genutzt. Der Minihafen könnte aber, wenn sich die Dinge wie von der Region gewünscht entwickeln, zu einem Containerumschlagsplatz ausgebaut werden. Erste Untersuchungen dafür sind laut Schulz bereits angelaufen. Alles in allem haben Nordhafen, Brinker Hafen, Lindener Hafen und Misburger Hafen die Wirtschaftsflaute gut überstanden. Zwar sind Containerumschlag und Umsatz im vergangenen Jahr gesunken, dank Rationalisierungsmaßnahmen ist der Gewinn jedoch gestiegen. Er liegt nach Steuern bei 794 000 Euro, was auch Hannovers Stadtkämmerer freuen dürfte. Er darf das Geld im Haushalt auf der Habenseite verbuchen.

Viel Sympathie für „Herri“ Via Internet aufs Brauereigelände: Knapp 1500 Teilnehmer kommen zum Flashmob zur Rettung von Herrenhäuser VON H ANNA H S UPPA Der Einzug der knapp 200 jungen Menschen auf das Werksgelände der Herrenhäuser Brauerei gleicht einem Empfang für Sieger: Begleitet von einem Spielmannszug, der das Fußballlied „96 – alte Liebe“ anstimmt, betritt die große Gruppe singend und klatschend den Hof. Dabei haben sie nichts gewonnen, nicht viel geleistet, außer sich im Internet bei Facebook, StudiVZ und SchülerVZ zu einer Spontanfeier zur Rettung der angeschlagenen Herrenhäuser Brauerei zu verabreden. Sie rufen „Herri“, immer wieder „Herri“. Dazwischen steht Brauereichef Manfred Middendorff und sagt: „Ich bin gerührt.“ Und tatsächlich, bei so viel Unterstützung mag man fast sagen, dass sich Middendorff um die Zukunft seiner Herrenhäuser Brauerei eigentlich keine Sorgen machen muss. Etwa 1500 Liebhaber des hannoverschen Lokalbieres zeigten am Sonnabend bei der „Wir retten Herrenhäuser“-Aktion auf dem Werksgelände der Brauerei friedlich ihre Sympathie für das hannoversche „Herri“. Sie wollten durch den kollektiven Kauf des Lokalbieres einen fi-

nanziellen Beitrag zur Stärkung der angeschlagenen Brauerei leisten – aber vor allem auch Solidarität zeigen. „Es darf nicht nur die großen Firmen geben, man muss auch die Tradition und Kultur bewahren“, sagt Florian Gruschwitz. Als die Gilde Probleme bekam, habe niemand etwas gemacht– das dürfe nicht nochmal passieren. Der 19-Jährige hatte auf der Internetplattform StudiVZ, nach Vorbild der Facebook-Gruppe des 33-jährigen André Golgener, den Zusammenschluss „Rettet die Herrenhäuser Brauerei“ gegründet. Für die Internetaktion ließ Brauereichef Middendorff eigens den Werksverkauf an einem Sonnabend öffnen, stellte zudem Getränke- und einen Bratwurststand auf. Und auch das Musikcorps Langenforth spielte auf. Doch der Wirbel um den sogenannten Flashmob machte dem Brauereichef im Vorfeld Sorgen. „Man kann das ja schwer einschätzen“, sagt er. Gerade weil es in einigen Städten bei solchen Spontanfeiern, zu denen im Internet aufgerufen wurde, zu unüberblickbaren Menschenmassen gekommen sei. Immerhin hatten sich bei Facebook und StudiVZ insgesamt knapp 20 000 Hannove-

raner in den virtuellen „Rettet Herrenhäuser“-Gruppen organisiert. So viele wurden es am Sonnabend nicht: Zunächst trafen sich knapp 200 StudiVZ-Mitglieder am Bahnhof, um von dort zu Fuß und mit Herrenhäuser-Fanartikeln ausgestattet zur Brauerei zu marschieren. Einen Zwischenstopp machten sie beim City-Markt am Kröpcke, der für diesen Tag zu jedem verkauften „Herri“ eines kostenlos spendierte. Anhänger

des Portals Facebook verabredeten sich direkt auf dem Brauereigelände, sodass bis zum frühen Abend knapp 1500 „Herri“-Anhänger friedlich ihr Bier feierten. Am Abend wurde zudem im Béi Chéz Heinz eine Party im Zeichen des Lokalbieres veranstaltet. Bis auf ein paar zerbrochene Bierflaschen verlief der „Herri“-Tag friedlich. Eine Bildergalerie unter

Einmarsch der „Herri“-Retter: Florian Gruschwitz (vorne in hellblau) und andere hatten auf Internetplattformen wie Facebook und StudiVZ zu einem Flashmob zur Rettung der Herrenhäuser Brauerei aufgerufen. Eine Gruppe marschierte vom Bahnhof bis zum Werksgelände, um Solidarität mit der Brauerei zu bekunden. Wilde

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Verzögerungen bei Millionenprojekt am Hohen Ufer VON C ON RA D VON M EDING Erst sollte es ein Luxushotel am Hohen Ufer werden, dann wollte der Osnabrücker Projektentwickler Hochtief doch lieber möglichst viele Wohnungen bauen, jetzt hat das Unternehmen zum Monatsbeginn überraschend den Projektleiter ausgetauscht – die Bebauung des Filetgrundstücks der ehemaligen Hauptschule am Hohen Ufer steht bislang unter keinem guten Stern. Kommunalpolitiker des hannoverschen Rates sind jetzt von der zuständigen Hochtief-Niederlassung Weser-Ems/ Osnabrück schriftlich über die personelle Veränderung informiert worden, allerdings ohne Angaben von Gründen. Eigentlich hätte das Unternehmen in den nächsten Tagen auch seine aktualisierten Planungen vorstellen wollen. Dem Vernehmen nach sehen die wohl inzwischen fast komplett Wohnungsbau, jedenfalls kein Hotel, mehr vor. „Das entspricht nicht unbedingt dem, was im Stadtdialog City 2020 für diesen zentralen Altstadtbereich diskutiert wurde“, bedauert ein Ratsherr. Die Stadt will das Grundstück verkaufen und dabei einen hohen Millionenbetrag einnehmen, das Schulgebäude soll abgerissen werden. med

Autofahrer fährt gegen Straßenlaterne Ein betrunkener Autofahrer hat bei einem Unfall am Sonnabend in Hainholz einen Schaden von 26 000 Euro angerichtet. Der 59-Jährige überholte gegen 19.15 Uhr ungefähr dort, wo die Mogelkenstraße auf die Straße Rehagen trifft, einen VW Golf. Nachdem er sich mit seinem Ford Mondeo vor den Golf gesetzt hatte, verlor er aus bislang unbekannten Gründen die Kontrolle über sein Fahrzeug. Der Wagen geriet ins Schleudern, prallte frontal gegen den Laternenmast, drehte sich und kam etwa 100 Meter weiter zum Stehen. Der 59-Jährige und die Insassen des VW blieben unverletzt. Da die Polizisten Alkoholgeruch bei dem Fordfahrer feststellten, musste sich der 59-Jährige sofort einem Test unterziehen. Dieser ergab einen Atemalkoholwert von 2,34 Promille. Auf der Wache wurde dem Mann eine Blutprobe entnommen. Das Ergebnis liegt noch nicht vor. Außerdem stellten die Beamten fest, dass der Unfallverursacher keinen Führerschein hat. Gegen ihn wird nun unter anderem wegen Gefährdung des Straßenverkehrs ermittelt. tm

Gartenlaube in Ahlem brennt ab Ein Feuer hat am frühen Sonntagmorgen eine Gartenlaube in Ahlem vollständig zerstört. Der Brand war gegen 1.30 Uhr auf einem Gelände an der Krugstraße ausgebrochen. Ein 40-jähriger Anwohner bemerkte die Flammen und verständigte die Feuerwehr. Beim Eintreffen der Helfer hatte das Feuer bereits auf ein an die Laube angrenzendes Gartenhaus übergegriffen. Eine besondere Gefahr für die Einsatzkräfte stellten mehrere Gasflaschen dar, die in der Laube gelagert wurden. Die Feuerwehr konnte den Brand jedoch sehr schnell bekämpfen und die Explosion der Flaschen verhindern. Der Schaden beträgt 8000 Euro. Die Ursache für das Feuer ist noch unklar. Die Kripo wird die Überreste der Laube in den nächsten Tagen untersuchen. tm


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Schlaf vereitelt Zu den Berichten über Lärm, insbesondere anlässlich von Feuerwerken und Festen am Maschsee und in Herrenhausen, erreichten uns mehrere Zuschriften, von denen wir einige auszugsweise veröffentlichen:

Der Kommentar zeugt von großer Ignoranz und Unkenntnis. Es geht nicht darum, Menschen Feste zu verderben, sondern darum, auch denen, die nicht mitfeiern können, gerecht zu werden. Am Beispiel „Kleines Fest im Großen Garten“ wollen wir dies deutlich machen. Wir wohnen in Limmer, also weit entfernt vom Ort des Geschehens. Trotzdem müssen wir im Sommer jedes Jahres von Mittwoch bis Sonntag, täglich etwa ab 23 Uhr ein Feuerwerk über uns ergehen lassen, und dieses drei Wochen lang. An Schlaf ist vor Mitternacht nicht zu denken, auch nicht wochentags. Trotzdem sind wir der dumme Michel, der tags drauf um 5 Uhr aufsteht, zur Arbeit geht und damit diesen Unsinn indirekt auch noch über seine Steuern finanziert. Hannover Eva und Ulrich Heimann

Einfach zu laut Bewohner, die sich an der abendlichen Knallerei stören, gibt es nicht nur in der Südstadt. Dafür ist es einfach zu laut. Auch wenn ich weit davon weg bin, dagegen zu klagen: Ich würde mich schon freuen, wenn das Geknalle nicht so spät abends stattfinden würde (was wegen der Sommerzeit-Umstellung wahrscheinlich schwierig ist). Vielleicht könnten die ganz lauten Knalleffekte reduziert werden. Auf dem Schützenplatz mag man dann den Anfang nicht hören. Aber nur, weil vor Ort den Lärmpegel übertönt werden muss, müssen ja nicht andere darunter leiden. Hannover Rainer Wingelsdorf

Fest kastriert Es ist eine Frechheit der „Anwohner“, die Musik und das Feuerwerk (Maschseefest) verboten zu haben. Die Musik ist nicht zu laut und gegen 23 Uhr zu Ende, was der Verkehr auf der Hildesheimer Straße nicht ist. Und das Feuerwerk dauert auch nur eine Viertelstunde. Den meisten Krach machen doch die tausende Besucher. Mein Tipp wäre, auch noch das Feuerwerk beim Schützenfest zu verbieten und das Stadion zu verlegen; alternativ könnte man die Kläger auch in den Urlaub schicken. Schade, dass eines der größten Touristenfeste so kastriert wird. Hannover Marcus Münch Veröffentlichungen in dieser Rubrik sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Damit möglichst viele Leser zu Wort kommen, muss die Redaktion Leserbriefe gelegentlich kürzen.

Bautzen-Häftling Hans Corbat ist tot VON K LAUS WALLBAUM Einer der bundesweit bekanntesten früheren Häftlinge in ostdeutschen Gefängnissen ist, wie erst am Wochenende bekannt wurde, am 10. Juni gestorben. Der 83-jährige Hans Corbat, früherer Vorsitzender des „Bautzen-Komitees“, erlag einer langen, schweren Krankheit. Der frühere Zollbeamte hatte die vergangenen 50 Jahre in Hannover gelebt, davon die meiste Zeit unauffällig. Erst nach dem Zusammenbruch der SEDDiktatur vor 20 Jahren engagierte Hans Corbat er sich für die Aufarbeitung des Unrechts in der sowjetischen Besatzungszone und in der DDR. Corbat wirkte im „Bautzen-Komitee“ mit, einer Vereinigung ehemaliger Häftlinge des berüchtigten „Gelben Elends“. Er wurde zum Sprecher dieser Vereinigung gewählt. Corbat wollte 1946 als 19-Jähriger in Ost-Berlin gegen den Zusammenschluss von SPD und KPD zur SED protestieren, trat demonstrativ aus der SPD aus und wurde zwei Tage später vom sowjetischen Geheimdienst verhaftet. Ein Militärtribunal verurteilte ihn zu 20 Jahren Zuchthaus, von denen er zehn Jahre absitzen musste. Zu seinen Mithäftlingen gehörte der Schriftsteller Walter Kempowski. Corbat veröffentlichte seine Erinnerungen, er war nach 1990 ein gefragter Zeitzeuge, auch in Schulen ist er oft und gern aufgetreten. Corbat, der ein sehr humorvoller Mensch war, engagierte sich in Vereinigungen der Opfer kommunistischer Gewalt. Die Trauerfeier beginnt am Freitag um 15 Uhr in der Neuapostolischen Kirche in Wülfel.

MONTAG, 21. JUNI 2010 · NR. 141

Auto ist für Plakette 100 Kilogramm zu leicht Mehr Gewicht, weniger Schadstoffe? Ein Autobesitzer zweifelt an den Umweltauflagen VON C ON RA D VON M EDING Der Fall hat auch in Behörden und bei Europas größtem Autohersteller VW Irritationen ausgelöst: Ein Rentner aus Barsinghausen, der mit seinem elf Jahre alten VW Sharan gerne weiter nach Hannover fahren will und dafür die grüne Umweltplakette benötigt, bekommt sie nicht – weil sein Auto 100 Kilogramm zu leicht ist. Der Mann hat sein Fahrzeug extra von einer VW-Vertragswerkstatt mit Rußpartikelfilter nachrüsten lassen und dafür kurzfristig sogar die begehrte Plakette erhalten. Doch als er die Umrüstung im Rathaus in seine Papiere eintragen lassen wollte, um künftig auch Steuern zu sparen, kratzte die Mitarbei-

terin ihm die Plakette von der Windschutzscheibe. Würde sein Auto statt 2400 Kilogramm zulässigen Gesamtgewichts 2500 Kilogramm in den Papieren eingetragen haben, hätte es die Plakette erhalten, bestätigt ein VW-Sprecher. „Man kommt aus dem Lachen kaum noch heraus“, kommentiert der Rentner den Vorgang – obwohl ihm nach Lachen kaum zumute ist. Er hat den Beamten im Rathaus vorgeschlagen, dass er künftig immer ein 100-Kilogramm-Gewicht neben sich auf dem Beifahrersitz mitführt, aber das löst das Problem natürlich nicht. Es geht schließlich nicht um das Gewicht, sondern um das zulässige Gesamtgewicht. Ein Mitarbeiter von VW versucht es so zu erklären: Je schwerer

ein Auto, desto aufwendiger ist es, gute Schadstoffwerte zu erhalten. Deshalb sei das Erteilen der Plakette vom zulässigen Gewicht des Fahrzeugs abhängig – je leichter, desto sauberer muss der Motor sein. Warum aber die Barsinghäuser Vertragswerkstatt den Kunden nicht darauf hingewiesen hat, dass er trotz Einbaus des teuren Rußpartikelfilters keine grüne Plakette erhält, bleibt unklar. Dort wollte sich niemand äußern. Die Region als zuständige Behörde hat dem Betroffenen auf Anforderung nur mitgeteilt, dass „eine grüne Plakette bei der Emissionsklasse 0427 erst ab einem Gesamtgewicht von 2500 Kilogramm zugeteilt“ werden kann. Bei VW hat man sich auf Anfrage der HAZ jetzt den ge-

samten Vorgang schicken lassen. Bei der Prüfung stellten die Bearbeiter fest, dass der Barsinghäuser Sharan-Fahrer auch vorher schon eine falsche Plakette hatte. Statt der gelben Umweltplakette, mit der er vor Einbau des Partikelfilters fuhr, hätte er wegen der Kombination von Motor und zu geringem Gewicht nur die rote Plakette haben dürfen. Deshalb sei es nur schlüssig, dass er jetzt die gelbe Plakette hat. Wie viele Fahrzeuge wegen der weitgehend unbekannten Gewichtsbestimmung unbemerkt mit falschen Plaketten durch die Gegend fahren – darüber weiß naturgemäß niemand Bescheid. Ein Dossier zur Umweltzone unter

T H E M A D E S TAG E S

Musik ab! 1500 Musiker geben heute in Hannovers City den Ton an: Um 15 Uhr beginnt die Fête de la Musique VON DA N Y S CHRA DER

Bündnis für Altenpflege schlägt Alarm Heute Podiumsdiskussion VON V ERONIK A T HOM AS Das Aktionsbündnis Altenpflege in der Region Hannover schlägt Alarm: Mit einer Veranstaltung zum Thema „Pflege im Minutentakt“ wollen zahlreiche Organisationen auf die prekäre Lage in der ambulanten Pflege aufmerksam machen. Sie laden gemeinsam für den heutigen Montag, 21. Juni, von 14 bis 17 Uhr zu einer Podiumsdiskussion in das Margot-Engelke-Zentrum, Geibelstraße 90, ein. In dem Aktionsbündnis sind die örtliche Arbeiterwohlfahrt, die Caritas, der Deutsche Gewerkschaftsbund, das Rote Kreuz, die Diakonie, die Johanniter-Unfallhilfe, die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di, die städtischen Pflegezentren und die Henriettenstiftung zusammengeschlossen. Über die Situation diskutieren heute Abend unter anderem Jörg Addicks, Fachanwalt für Sozialrecht, Michael Mehl vom Team Hilfe zur Pflege der Region Hannover und Matthias Rump, Fachreferent ambulante Pflege des Paritätischen Niedersachsen. Es moderiert Sebastian Wertmüller, Vorsitzender der Region Niedersachsen-Mitte im DGB. vt

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is kurz vor dem Start der Fête de la Musique wird das Telefon wohl nicht mehr stillstehen: Die beiden Organisatoren Gunnar Geßner und Iyabo Kaczmarek von der Agentur Festnetz sind seit Tagen fast rund um die Uhr im Einsatz, um mit Bühnenbauern, Technikern und Künstlern die letzten Details zu klären. „Wir sind gespannt, wie das heute wird“, sagt Geßner. Heute um 15 Uhr soll es dann soweit sein: Oberbürgermeister Stephan Weil gibt auf der Bühne am Marktplatz das Signal zum Start des Musikfestivals, das am 21. Juni weltweit in 340 Städten veranstaltet wird. Dass man den Namen der Veranstaltung auch als „Faites de la Musique“, also als „Macht Musik!“, verstehen kann, kommt bei der dritten hannoverschen Ausgabe des Festivals besonders deutlich zur Geltung. Für heute hat die Stadt erstmals das Musikverbot in Hannover aufgehoben. Neben den 1500 Musikern und 200 Bands, die bereits auf dem Programm stehen, sind alle Bürger aufgerufen, sich überall in der City mit spontanen Konzerten und Gesangseinlagen zu beteiligen. Straßenmusik ist heute ausdrücklich erwünscht – wenn auch unter der Bedingung, dass die Künstler auf den Bühnen dadurch nicht gestört werden. Hannovers Geschäftsleute feiern heute ebenfalls eine Premiere: Zum ersten Mal findet das Musikfestival nicht an einem Wochenende, sondern an einem Montag statt. In Frankreich, wo die Fête de la Musique zu Hause ist, spielt das normalerweise keine Rolle. In Hannover haben die Organisatoren aus Rücksicht auf die vielen berufstätigen Teilnehmer den Start in den Nachmittag verlegt. Die Mehrzahl der Besucher und Aktionen wird für den frühen Abend erwartet. Die City-Gemeinschaft hat als Partner der Stadt bei ihren Mitgliedern für die Teilnahme geworben. Erstmals wird die Musik nicht nur in den Straßen zu hören sein, sondern unter anderem auch in Geschäften, in der Kestnergesellschaft und in der Ernst-August-Galerie. M Das volle Programm: Die Fête de la Musique beginnt um 15 Uhr, die offizielle Eröffnung findet auf der großen Bühne am Marktplatz statt. Im Anschluss daran gibt es an 30 Stationen in der Innenstadt Musik. Das Ende des Festivals ist für 22 Uhr geplant. Beim swingend-jazzigen Abschlusskonzert um 21.45 Uhr auf dem Marktplatz stehen mehrere altbekannte Musiker auf der Bühne: Juliano Rossi und Band musizieren gemeinsam mit Lutz Krajenski, Hervé Jeanne und Stephan Abel. M Die Stadt als Bühne: Vom Hauptbahnhof bis in die Altstadt, vom Steintor bis zum Aegi – überall in der Innenstadt wird heute musiziert. Neben den großen Bühnen auf dem Platz der Weltausstellung (Masala-Macher und CityGemeinschaft), auf dem Marktplatz (Stadt Hannover), auf dem Opernplatz (Exposive Medien Gruppe) und am Steintor (Musikzentrum) gibt es zahlreiche kleinere Bühnen und Spielorte.

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Neu dabei sind in diesem Jahr unter anderem das Popinstitut mit einer Bühne am Hauptbahnhof und die GOP-Bühne am Ballhof mit Varieté und Poetry Slam. Am Hohen Ufer macht das Lindener Kulturzentrum Faust Programm, um 19 Uhr sind dort die Wohnraumhelden zu sehen. Zwischendurch legt die Maximal Gang im Wechsel mit den Filtertypen und dem Thisko-DJ-Team auf. M Die Akteure: Auf dem Programm stehen Klassik und Jazz, Hip-Hop und Rock, Elektro und Weltmusik, acapella, Soul, Pop, Ska und vieles, vieles mehr. Angekündigt haben sich sowohl Profis als auch Laien, auf den Bühnen wechseln sich erfahrene Berufsmusiker mit Schulchören, Orchestern und Solokünstlern ab. Gespielt wird je nach Bühne jeweils mindestens für eine Viertelstunde. Alle Künstler treten, so will es die Idee des Festivals, unentgeltlich auf. Einige Musiker stehen zudem mehrmals auf dem Programm und wechseln zwischendurch die Standorte. M Mitmachen erwünscht: Eine Stadt macht Musik – so lautet das Motto der Fête de la Musique. Dieses Mal sind alle, die noch nicht dabei sind, wieder zum spontanen Mitmachen aufgefordert. Das funktioniert entweder je nach Platz und Gelegenheit oder aber auf dem

Open Stage Podest in der Großen Packhofstraße, wo Musikern ein Stromanschluss zur Verfügung steht. M Unter Dächern, über Dächern: Musik unter freiem Himmel erklingt heute allerorten, es beteiligen sich aber auch Geschäfte und andere Einrichtungen am Programm. Musik gibt es unter anderem bei I.G. von der Linde, in der Galeria Kaufhof an der Marktkirche, in der Galeria Kaufhof am Bahnhof, aber auch in der Kestnergesellschaft, die aus diesem Anlass ausnahmsweise montags und bei freiem Eintritt öffnet. Ferner wird im Sozialkaufhaus Fairkauf, im Künstlerhaus, in den Langeschen Höfen,in der Cube Bar, in der Ernst-August-Galerie und im Dachgartenklub Roof Garden musiziert. M Aller Anfang ist leicht: Das Klavierhaus Döll in der Schmiedestraße 8 bietet Einsteiger-Workshops für Musikanfänger. Jeweils um 15, 17, 19 und 21 Uhr führt Michael Reimann in einem einstündigen Workshop ins Klavierspielen ein. Gitarrentrainer Bernd Jagla erläutert um 16, 18 und 20 Uhr, wie man mit einer Griffschablone eigene Lieder auf der Gitarre spielen kann. Um Anmeldung unter der E-Mail-Adresse info@ klavierhaus-doell.de wird gebeten. John Gregory Perrineau alias Big G., einst Gründer der Diskoband Eruption,

lädt zum Percussionworkshop in das Restaurant Nordsee in der Osterstraße 19 ein. Beginn ist um 15 und um 17 Uhr, die Kurse dauern jeweils eineinhalb Stunden. Anmeldungen gehen per EMail an event_factory@htp-tel.de. M Ran an die Plattenteller: Scratchen, filtern, Übergänge zwischen Liedtiteln schaffen – DJs sollen Menschen zum Tanzen bringen. Ihr Geschick dabei messen zwölf Nachwuchs-DJs bei Karstadt Sport in einem Wettbewerb. Eine Expertenjury, in der unter anderem Ferry Ghods vom Palo Palo und DJ Info von der Maximal Gang sitzen, entscheidet über den Sieger, der Auftritte bei Partyreihen in Hannover gewinnt. M Programmänderungen: Einige der 30 Spielorte mussten kurz vor dem Start noch kurzfristig umgeplant werden. Im ehemaligen Meisert-Haus in der Schmiedestraße etwa hatte der Freundeskreis Hannover Klassikkonzerte bieten wollen – nun wird das Gebäude im Inneren umgebaut, und es musste ein neuer Standort gefunden werden. Musiker wie Sopranistin Julia Klotz, Jazz-Pianist Andy Mokrus und das Ensemble Aerophon sind daher heute in der Galerie Luise zu hören. Das aktuelle Programm der Fête de la Musique gibt es unter

Exiliraner treten zum Christentum über 43 Iraner und 23 Deutsche lassen sich beim ersten Tauffest des Stadtkirchenverbandes in der Kreuzkirche taufen VON H ANNA H S UPPA Es kommt nicht oft vor, dass in einer evangelischen Kirche ein Gottesdienst mit einem Dolmetscher abgehalten werden muss. Am Sonnabend jedoch kam in der Kreuzkirche in der Altstadt ein Übersetzer zum Einsatz, um die Worte von Pastor Hans-Jürgen Kutzner und des stellvertretenden Stadtsuperintendenten Thomas Höflich vom Deutschen ins Persische zu übertragen. 43 Muslime, vorwiegend aus dem Iran, aber auch aus Kurdistan, kamen aus ganz Deutschland in der hannoverschen Kirche zusammen, um sich beim ersten großen Tauffest des Stadtkirchenverbandes taufen zu lassen und damit vom Islam zum Christentum zu wechseln. Bei vielen von ihnen ist noch nicht über den Asylantrag entschieden. Die Neuchristen bekannten sich in einem feierlichen, knapp zweistündigen Gottesdienst, der mit persischer Musik begleitet wurde, zum christlichen Glau-

ben. Eine oftmals gefährliche Entscheidung, sagt Kutzner, der als Iran-Beauftragter der hannoverschen Landeskirche arbeitet. „Man muss einkalkulieren, dass bei so einer Veranstaltung der iranische Geheimdienst dabei ist.“ Angst, dass der Glaubenswechsel schwere Folgen für ihn haben könnte, hatte zumindest der 14-jährige Ramyar aus Kassel nicht. „Einige Leute in mei-

Bekenntnis zum christlichen Glauben: Thomas Höflich tauft den Iraner Ramyar. Steiner

nem Umfeld haben negativ geredet, aber das ist mir egal“, sagt der junge Iraner, der vor etwa zwei Jahren mit seinem Vater aus seiner Heimat flüchtete. Dieser ließ sich bereits vor einem Monat christlich taufen. Seit etwa einem Jahr, seit es auch im Iran immer mehr Widerstand gegen das Regime gebe, sei die Zahl der Konvertiten gestiegen, berichtet der Iran-Seelsorger Kutzner. In der hannoverschen Gartenkirche werden bereits an jedem letzten Sonnabend im Monat Exiliraner aus ganz Norddeutschland getauft. Die Abkehr vom Islam sei für viele „ihr kleiner Beitrag zum Aufbruch und auch ein kleiner Protest gegen die Vorgänge im Heimatland“, sagt Kutzner. So ähnlich sieht es auch ein 25-Jähriger aus Wilhelmshaven, der vor zwei Jahren aus Kurdistan geflüchtet ist. „Ich empfinde das Christentum als freier, im Islam gibt es zu viele Verbote“, sagt er. Er möchte anonym bleiben, zu viel Angst hat der 25-Jährige vor dem Staat und seiner noch

in der Heimat lebenden Familie, die ihn wegen des Glaubenswechsels mit dem Tod bedroht habe. Die Taufe der Exiliraner war der Höhepunkt des ersten Tauffestes des Stadtkirchenverbandes mit etwa 450 Besuchern. Bereits am Nachmittag waren 23 Kinder und Erwachsene aus unterschiedlichen Gemeinden der Stadt in zwei Gottesdiensten getauft worden. „Wir haben Familien angeschrieben und auf das Fest hingewiesen“, berichtet Thomas Höflich. Aus unterschiedlichen Gründen seien manche Gläubige noch nicht getauft, sagt der stellvertretende Stadtsuperintendent. „Das können familiäre Veränderungen, ein Umzug oder auch finanzielle Fragen sein.“ Das Fest an der Kreuzkirche sollte ein Probelauf für das kommende Jahr werden: „Dann soll es in der gesamten evangelischen Kirche solche Tauffeiern geben – in Hannover wollen wir die Gemeinden auch ermutigen, die Taufen mit Gemeindefesten zu verbinden.“

Haben Sie etwas auf dem Herzen, oder wollen Sie uns auf ein Thema aufmerksam machen? Dann rufen Sie uns doch an. Heute von 15 bis 16 Uhr erreichen Sie Bärbel Hilbig (bil) Lokalredakteurin Telefon (05 11) 5 18 – 28 72

H A Z - KO N TA K T Lokalredaktion: (05 11) 5 18 – 18 52 (Stadt & Land) Fax: (05 11) 5 18 – 28 73 E-Mail: hannover@haz.de Abonnenten-Service: 01 80 – 1 23 43 34 Herausgeber Verlagsgesellschaft Madsack GmbH & Co. KG gegründet 1893 von Dr. h. c. August Madsack Chefredakteur: Ulrich Neufert Stellvertreter des Chefredakteurs: Matthias Koch Stellvertretender Chefredakteur: Hendrik Brandt Verantwortlich für Nachrichten: Jörg Kallmeyer, Stv.: Mathias Philipp; Politik: Matthias Koch; Innenpolitik: Alexander Dahl; Blick in die Zeit: Susanne Iden; Außenpolitik: Dr. Daniel Alexander Schacht; Europa: Christian Holzgreve; Sicherheitspolitik: Klaus von der Brelie; Umwelt: Dr. Margit Kautenburger; Landespolitik: Dr. Klaus Wallbaum. Niedersachsen: Michael B. Berger. Wirtschaft: Stefan Winter, Stv.: Carola Böse-Fischer, Jens Heitmann; Regionale Wirtschaft: Lars Ruzic; Finanzmärkte: Albrecht Scheuermann. Kultur: Ronald Meyer-Arlt, Stv.: Uwe Janssen; „der 7. tag“: Hendrik Brandt; Zeitgeschichte: Simon Benne. Welt im Spiegel: Hans Borgaes, Stv.: Imre Grimm (Medien). Sport: Heiko Rehberg, Stv.: Stefan Knopf. Hannover und Region: Volker Goebel, Stv.: Conrad von Meding, Frank Winternheimer; City: Dany Schrader; Stadt-Anzeiger: Hans-Dieter Meinen. Reportagen: Thorsten Fuchs, Heinrich Thies, Rainer Wagner (Kultur). Gestaltung: Hans Borgaes. Chef vom Dienst: Wilfried Heinemann, Stv.: Jutta Krause, Lutz Müller. Berliner Format: Stefanie Gollasch, Ralf Volke. Leserredaktion: Detlef Bernhard; Produktion: Günther Heene, Marcus Schwarze (haz.de), Birgit Dralle-Bürgel. Foto: Michael Thomas. Serien: Tatjana Riegler. Berliner Redaktion: Reinhard Urschel, Michael M. Grüter (Stv.), Stefan Koch, Gabi Stief. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Olaf Kuhlwein, Stellvertreterin: Sabine Bernsee Verlag, Redaktion und Druck: Verlagsgesellschaft Madsack GmbH & Co. KG, August-Madsack-Str. 1, 30559 Hannover Postanschrift: 30148 Hannover Verlag und Redaktion. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . (05 11) 518 -0 Kleinanzeigen für Privatkunden. . . . . . . . . . 0180-1 23 43 21* Kleinanzeigen für Geschäftskunden . . . . . . 0180-1 23 43 22* Anzeigenaufnahme im Internet . . . . . . . . . . . . . www.haz.de Telefax Kleinanzeigen . . . . . . . . . . . . . . . . . . 0180-1 23 43 30* Reisenachsendungen und Ummeldungen . . 0180-1 23 43 31* Probleme mit dem Abonnement . . . . . . . . . . 0180-1 23 43 34* Telefax Abonnentenservice . . . . . . . . . . . . . . 0180-1 23 43 39* Telefax Redaktion: Politik/Nachrichten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . (0511) 5 18-28 99 Hannover Stadt & Land. . . . . . . . . . . . . . . . (0511) 5 18-28 73 E-Mail . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . haz@madsack.de HAZ-Online . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . www.haz.de * 3,9 Cent pro Minute aus dem Festnetz der Deutschen Telekom. Mobilfunkhöchstpreis 42 Cent pro Minute. Erscheinungsweise: werktäglich morgens. Monatlicher Bezugspreis bei Lieferung durch Zusteller € 28,80 (einschl. Zustellkosten und 7% = € 1,88 Mehrwertsteuer) oder durch die Post € 32,10 (einschl. Portoanteil und 7% = € 2,10 Mehrwertsteuer). Abbestellungen schriftlich beim Verlag bis zum 20. des Vormonats. Im Fall höherer Gewalt und bei Störung des Arbeitsfriedens kein Entschädigungsanspruch. Für unaufgefordert eingesandte Manuskripte, Bilder und Bücher wird keine Gewähr übernommen. Rücksendung nur, wenn Rückporto beigelegt ist. Erfüllungsort und Gerichtsstand ist für das Mahnverfahren und im Verkehr zu Vollkaufleuten Hannover. Alle Rechte vorbehalten. Die Zeitung ist in all ihren Teilen urheberrechtlich geschützt. Ohne vorherige schriftliche Genehmigung durch den Verlag darf diese Zeitung oder alle in ihr enthaltenen Beiträge und Abbildungen weder vervielfältigt noch verbreitet werden. Dies gilt ebenso für die Aufnahme in elektronische Datenbanksysteme und die Vervielfältigung auf CD-ROM. Gültige Anzeigenpreisliste Nr. 68. Amtl. Organ der Niedersächsischen Börse zu Hannover.


Hannover

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HANNOVERSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG

Architektur trifft Unorte

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Kleine Flitzer und große Sportler

Ausstellung im westlichen Bahnhofstunnel ist eröffnet / Zahlreiche Angebote in den nächsten Tagen TIPP 1

Kinder laufen am Maschsee

Installationen im Schulkeller

VON C ON RA D VON M EDING

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s ist einer der unwirtlichsten öffentlichen Orte in Hannovers Zentrum. Hier lärmen die Autos, hier lassen Motorradfahrer ihre frisierten Auspuffanlagen noch einmal kräftig aufheulen, hier rumpeln die Bahnen lautstark über den Köpfen entlang, bis der gesamte Tunnel vibriert – und saubergemacht wurde auch schon lange nicht mehr. Ausgerechnet hier, im sogenannten Posttunnel westlich vom Hauptbahnhof, ist seit dem Wochenende eine Ausstellung zur Architektur in Hannover zu sehen. Fotografiestudenten der Fachhochschule haben „Architektur am Roten Faden“ fotografiert. Herausgekommen ist Überraschendes, manchmal Unterhaltsames, oft Ungewohntes. Nick Neufeld etwa hat Nachkriegsbauten in Hannover mit einer grazilen Anmut fotografiert, Natalie Becker Fassaden vom Mittelalter über Jugendstil und Wiederaufbau bis zur modernistischen Parkhausfront in ein Bild komponiert. Lennart Wiedemuth hat den „hannoverschen VenedigBlick“ vom Leineschloss zum Rathaus eingefangen, Robin Hinsch Impressionen der Abbruchästhetik am Kröpcke. Der Bund Deutscher Architekten (BDA) hatte – nach der guten Erfahrung mit der „Baubar“ im Rathaustunnel vor zwei Jahren – erneut einen Unort gesucht und mit dem Bahnhofstunnel ein glückliches Händchen bewiesen, wie Baudezernent Uwe Bodemann in seiner Ansprache bescheinigte. BDABezirkschef Jan Grabau erzählte, wie er mit dem Rotlichtmilieu um die Vitrinen Ein Preis fürs Spiegelbild: Die Oberfläche des Maschteichs reflektiert die Rathausrückseite – mit diesem Motiv gewann Kristina Jurotschkin den ersWilde (2) gefeilscht hat, in denen jetzt Kunst zu se- ten Platz der Architekturzeit-Ausstellung, wozu Jan Grabau (links) und Stadtbaurat Uwe Bodemann gratulieren. hen ist und in denen sonst für Etablissements geworben wird. Ausgezeichnet wurden schließlich Kristina Jurotschkin für ihr Maschteich-Spiegelmotiv und Jonas Wretsch für eine dreiteilige Fassadenkoner an Architektur und Stadtent- Architektin Ulrike Härke durch die DGB-Hochhauses am Otto-Brennerstellation. Zwei dritte Preise gingen an wicklung interessiert ist, auf den Neubauten der Versicherung. Treff- Kreisel. Am Mittwoch wird ab 19 Uhr Christoph Naumann und Kien Hoang Lé. im Gebäude der Arbeitsagentur, EscherAlle 20 Arbeiten sind bis Sonntag im Tun- warten in dieser Woche zahlreiche Ter- punkt ist im Schiffgraben 4. M Zukunft Raschplatz: Wie entsteht Ur- straße 17, unter dem Titel „Das Gesicht mine. Eine Übersicht: nel zu sehen. M Bustouren zur Architektur: Höhepunkt M City 2020: Heute von 16 bis 18 Uhr banität? Welche Konzepte gibt es für den des Sozialstaats“ über Arbeitsamtsgeder Architekturzeit ist bundesweit der Tag führen die drei Bürgermentoren des Stadtraum hinter dem Bahnhof? Wie bäude im Wandel der Zeit referiert. der Architektur am Sonntag. Wegen des Stadtentwicklungsdialogs City 2020 geht es weiter zwischen Fernsehturm M Baukunst-Symposium: Nur mit Angroßen Zuspruchs im vergangenen Jahr durch die Ausstellung des gleichnami- und Kulturzentrum Pavillon? Diese Fra- meldung ist das hochkarätig besetzte gibt es in Hannover diesmal sogar zwei gen Architektenwettbewerbs und bieten gen diskutieren Stadtplaner Klaus Ha- Symposium „Baukunst und NachhaltigBustouren mit Führungen zu besonderen Möglichkeiten zur Diskussion der Er- bermann-Nieße und die Architekten Ve- keit in Zeiten des Klimawandels“ zu beImmobilien. Beide starten um 10 Uhr am gebnisse. Die Ausstellung ist im Oberge- rena Brehm (cityförster) und Kai Koch suchen, das am Mittwoch ganztägig tagt. Trammplatz vor dem Neuen Rathaus und schoss der Bauverwaltung am Rudolf- (Koch Panse) unter Moderation von Informationen bei der Architektenkamenden dort gegen 16 Uhr. Die Touren sind Hillebrecht-Platz 2 zu sehen. HAZ-Redakteur Conrad von Meding mer unter Telefon (05 11) 28 09 60. M Triokunst im Amtsgericht: Musik, kostenlos, Anmeldungen müssen aber M Büroarchitektur: Welche Auswirkun- am Dienstag ab 18 Uhr im Pavillon. schnellstmöglich per E-Mail unter presse- gen hat die moderne, meist transparente M Zusammenleben: Auf Einladung der Tanz, Video, Architektur – vier Trios stelle@aknds.de erfolgen. Details zum Pro- Büroarchitektur auf die Beschäftigten? AG Stadtleben geht es am Dienstag, widmen sich am Donnerstag und Freigramm gibt es unter www.aknds.de im In- Dazu gibt es heute ab 19 Uhr einen Vor- 19 Uhr, um das Zusammenleben in mo- tag, jeweils um 21 Uhr, im Amtsgericht ternet und in den nächsten Tagen auch trag von Silke Stadler (officekoncept, dernen Gesellschaften. Vorher gibt es ab am Volgersweg diesen Genres. Der EinMünchen), zuvor führt ab 18 Uhr VGH- 18.30 Uhr eine Kurzbesichtigung des tritt kostet sieben Euro. noch einmal ausführlich in der HAZ.

ei der Architekturzeit 2009 waren die Installationen im Lokschuppen im Zooviertel die große Attraktion: Musik, Licht, Bild, Bewegung und natürlich Baukunst gingen an dem unwirklichen Ort eine faszinierende Symbiose ein. In diesem Jahr ist der Ort nicht minder ungewöhnlich: Die (neuen) Licht- und Klanginstallationen sind diesmal in der Südstädter Heinrich-Heine-Schule zu sehen, genau genommen im Luftschutzkeller mit Krankenstation darunter. Entgiftungsschleusen, Behandlungsräume, ein Operationssaal – alles ist noch erkennbar. Die Installationen sind von Mittwoch bis Freitag, 17 bis 22 Uhr, in der Schule am Altenbekener Damm 20 zu sehen. Der Eintritt kostet vier Euro. med

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Achtung, fertig, los: Olympia-Sieger Dieter Baumann (rechts) mit Kindern. VON S TEFANIE NICK EL Für einen geübten Sportler ist ein Rennen um den Maschsee keine besondere Herausforderung. Für Henry hingegen ist ein Sechs-Kilometer-Lauf eine schiere Unmöglichkeit. Auch bei einer Strecke von 200 Metern war der Dreijährige für die Unterstützung von Dieter Baumann dankbar. Der ehemalige Olympiasieger im Langstreckenlauf hatte Henry und rund 100 weitere Kinder nicht nur mit Aufwärmübungen für den Bambini-Lauf vorbereitet, sondern den kleinen Flitzer beim Rennen auch an die Hand genommen, als dieser in der Kinderschar unterzugehen drohte. „Ich hab’ am Ziel ganz laut gekreischt und geklatscht“, erklärt Henry und hält seine goldene Medaille stolz in die Luft. Knapp 2000 Sportbegeisterte umrundeten beim siebten KKH-Allianz-Lauf am Sonntag Hannovers Maschsee – oder meisterten wie Henry und andere Kinder, Jugendliche und Gelegenheitssportler kürzere Etappenläufe. Dabei ging es weniger darum, zu gewinnen, als vielmehr darum, Spaß zu haben. Pokale erhielten dann auch nicht die schnellsten Läufer, sondern der jüngste und der älteste Teilnehmer. „Wir wollen nicht, dass allzu ehrgeizige Eltern ihre Kinder vorschicken, um Preise abzuräumen“, sagt KKH-Allianz-Sprecher Michael Rohr. Startgeld und Spenden, insgesamt rund 65 000 Euro, gehen an die Aktion „Ein Herz für Kinder“.

TIPP 2

Stararchitekt spricht bei Kestner

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hristoph Ingenhoven spricht darüber, wie Politik Architektur instrumentalisiert. Er hat unter anderem den Wettbewerb für den Stuttgarter Bahnhof (Stuttgart 21, mit Otto Frei) gewonnen. Der Widerstand gegen das Großprojekt, das die ganze Innenstadt verändern soll, hat dort ausgerechnet SPD und Grünen Mehrheiten verschafft – obwohl der Bahnhof energetisch ein Vorzeigemodell werden soll. Ingenhoven, der in Hannover die Talanx-Zentrale baut, ist ein interessanter, pointierender Gesprächspartner. Bei Kestnerdialog in der Kestnergesellschaft, Goseriede 11, spricht er am Donnerstag ab 19 Uhr. Der Eintritt kostet neun Euro. med

Eine Woche mit Terminen rund um Bauen und Stadtentwicklung M Kontrolle im Stadtraum: Um Videoüberwachung und andere Kontrollsysteme geht es auf Einladung der AG Stadtleben am Donnerstag, 19 Uhr, im Kino im Sprengel, Schaufelder Straße 33. Anschließend wird der Film „Every Step you take“ gezeigt. Der Eintritt kostet 4,50 Euro. M Führung in der Eisfabrik: Am Freitag, 25. Juni, 16 Uhr, trifft man sich im kürzlich rundumerneuerten Kulturzentrum in der Seilerstraße 15, Südstadt. M Stadtgang Solar: Pavillon und Verein Ökostadt laden für Sonnabend, 16 bis 18 Uhr, zum Solarspaziergang von der Anlage auf dem Pavillon-Dach zur Anlage auf der Ernst-August-Galerie ein. Um Anmeldung unter Telefon (05 11) 23 55 55-0 wird gebeten.

„Reiß ihm die Maske ab“ Schaukämpfe ohne Stargast – Steintorfest präsentiert sich mit einem Mix aus Disko, Erotik, Box- und Catchsport VON H EIN RICH T HIES Zwischen „Eros Gasse“ und „Intensivstation“ geht es brutal zur Sache. Ein muskulöser Hüne mit roter Maske prügelt sich mit einem etwas kleineren Herrn ohne Kopfbedeckung. Killer Kowalski gegen Ecki Eckstein, Die beiden hauen und treten sich, verdrehen sich die Arme, schleudern einander wechselseitig zu Boden. Und während die schwitzenden Kampfmaschinen stöhnen und brüllen, johlen die Umstehenden und wollen sich scheckig lachen. Die Sympathien sind eindeutig verteilt. „Ecki, mach ihn alle“, rufen sie. Oder: „Reiß ihm die Maske ab.“ Das alles ist natürlich nicht so furchtbar ernst gemeint, sondern nur Schaucatchen, sogenanntes Wrestling – gedacht als Attraktion des Steintorfestes. Der Ring ist folglich mitten im Rotlichtmilieu

auf der Scholvinstraße aufgebaut, umbraust von stampfenden Diskorhythmen und roter Leuchtreklame. Auch die Prostituierten, die in den höher gelegenen Appartements ihrer Arbeit nachgehen, lehnen sich aus den Fenstern und schauen amüsiert zu. „Oh, das hat aber gekracht im Schulterbereich“, kommentiert ein Moderator spöttisch, als „Ecki“ aufs Kreuz gelegt wird. „Sehr schmerzhaft für das Genick.“ Doch schon im nächsten Moment tänzelt ein Nummerngirl in den Ring, das trotz Abendkühle und Nieselregens nur mit einem rosa Bikini bekleidet ist. Party im Kiez. Was sonst den alltäglichen Geschäftsbetrieb prägt, ist in der Nacht zum Sonntag zur Gaudi stilisiert: Sex und Gewalt, angereichert durch Alkohol und laute Musik. Und derselbe Mann, der Bordelle, Amüsierlokale und Sicherheitsdienste betreibt, führt beim

Steintorfest die Regie: Kiez-König Frank Hanebuth, der sich auch als Hells-Angels-Chef zweifelhaften Ruhm erwarb. Seinen Türstehern, die beim Steintorfest in großer Zahl vertreten sind, ist anzusehen, dass sie den Höllenengeln zumindest nahestehen. „Pro Violence“ (für Gewalt) steht auf einem Ordner-Sweatshirt. „Hannover ist eine Hells-AngelsStadt“, tönt Hanebuth, der kürzlich noch publikumswirksam einen Burgfrieden mit den konkurrierenden Bandidos geschlossen hat. An diesem Abend müht sich der Exboxer aber vor allem, bürgerliches Publikum in seinen Kiez zu locken. Als Star des „Promi-Boxens“ ist daher René Weller angekündigt. Doch der fernsehbekannte Boxchampion hat angeblich kurzfristig abgesagt. „Weller ist unpässlich“, sagt Hanebuth. „Ein Schlag auf die Halsschlagader.“ So muss sich das Publikum mit Markus Bott begnügen, der 1993

Weltmeister im Cruisergewicht wurde und eigentlich schon lange im Ruhestand ist. Der 48-jährige Altmeister tritt gegen einen 20 Jahre Jüngeren an – und siegt

„Sehr schmerzhaft fürs Genick“: Boxring beim Steintorfest in der Scholvinstraße. Steiner

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selbstverständlich nach Punkten. Aber dieser traurige Kampf ist schnell vergessen. Auf der Theke vor dem „Havana“ versetzen leicht bekleidete Samba-Tänzerinnen die Besucher in Wallung, und eine stämmige „Dame“ mit Wikingerhorn und Leopardenfell wirbt für ein spezielles Damenprogramm im Cabaret „Crazy People“, während sich im Striplokal nebenan Frauen auf einer Drehscheibe präsentieren. Der Eintritt ist frei. Doch trotz dieser Angebote findet die Party an diesem Abend in erster Linie auf der Straße statt. „Hey, das geht ab, wir feiern die ganze Nacht“, schallt es von einem von Kunstnebelschwaden umwölkten DJ-Podest. Etliche kommen der Aufforderung dann auch wirklich nach. Massen hat das exotische Treiben indessen nicht angelockt. Doch Hanebuth beteuert: „Hauptsache, das Stammpublikum ist da.“

Steiner

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Bilder zum Lauf auf

Der Handwerkermarkt präsentiert Originelles.

Ein Markt zum Staunen Als Seilermeister Heinrich Veltmann beginnt, seine Fäden auf einer sogenannten Reeperbahn in ein dickes Seil zu verwandeln, weiten sich die Augen der kleinen Hannah und ihrer Schwester Chiara. „So etwas habe ich noch nie gesehen“, sagt Chiara, die mit ihrer Schwester auf einer Hängematte vor der Marktkirche Platz genommen hat. Veltmann stellte seine Schaukeln, Hängesessel und Strickleitern am Wochenende auf dem 14. Kunst- und Handwerkermarkt nicht nur aus, sondern gab Interessierten auch gleich einen Einblick in sein Handwerk. „Viele wissen gar nicht, wie ein Seilermeister arbeitet“, sagte Veltman, der sein Handwerk seit 30 Jahren ausübt. Wie Veltmann suchten viele der 60 Künstler, Handwerker und Designer, die aus ganz Deutschland gekommen waren, um auf dem Platz vor der Marktkirche ihre Keramiken, Textilien und Accessoires zu präsentieren, den Kontakt mit den Besuchern. Auch Maria Barleben aus Freiburg ließ ihre tierischen Handpuppen bellen, miauen und muhen – und zog damit so manchen Besucher in ihren Bann. „Wir haben jedes Jahr neue und originelle Stücke dabei“, sagt Veranstalterin Susanne Drangmeister vom Kulturbüro „Das hält den Markt lebendig.“ sn


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Hannover

HANNOVERSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG

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MONTAG, 21. JUNI 2010 · NR. 141

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Lohn für ein gutes Auge Abschluss mit strahlenden Gewinnern: Zum Ende des Lumix-Fotofestivals wurden junge, talentierte Fotografen ausgezeichnet VON D IRK K IRCH BERG

D Herzog

as hatte dann doch keiner erwartet: Am Sonntag, dem letzten Tag des 2. Lumix-Fotofestivals, waren alle Eintrittskarten verkauft, sogar eine dritte Kasse mussten die Organisatoren aufmachen, um dem Ansturm gerecht zu werden. So haben in fünf Tagen mehr als 20 000 Besucher das Fotofestival auf dem Expo-Gelände gesehen – eine neue Bestmarke, nachdem schon mit 1050 Einsendungen und 60 Ausstellungen Rekorde gebrochen wurden. „Das zeigt, wie einmalig dieses Festival ist“, sagt Thomas Hoepker, Mitglied der Fotoagentur Magnum und Juryvorsitzender. Grund für das große Besucherinteresse waren vor allem die jungen, talentierten Fotojournalisten, deren Werke es fünf Tage lang zu bestaunen gab. Am Sonnabendabend wurden einige von ihnen ausgezeichnet. Als sein Name fällt, kann Davide Monteleone sein Glück kaum fassen. Thomas Hoepker hatte den jungen Italiener soeben mit dem Freelens Award 2010 ausgezeichnet. Den Preis, der mit 10 000 Euro dotiert ist, bekam der junge Fotograf für die Fotoreportage, für die er zusammen mit der Journalistin Lucia Sgueglia in den Nordkaukasus gereist war. „Ich teile diesen Preis mit Lucia, weil unsere Zusammenarbeit fundamental wichtig für diese Arbeit war“, sagte Monteleone. Die Jury hatte sich nach langen Diskussionen für Monteleones Arbeit entschieden, weil sich seine Reportage von dem bereits sehr hohen Niveau der eingereichten Fotoserien nochmals abhob. „Seine Bilder geben Gefühlen ein Gesicht“, zitierte Hoepker aus der Jury-Begründung. Es sei Monteleone gelungen, das eigentlich Unsichtbare – drohende Gefahr, latente Angst und lauerndes Misstrauen in der von Krisen immer noch geschüttelten Region – zu fotografieren. Monteleones Arbeiten waren zuvor bereits

Das Knut Richter Quintett eröffnete beim Jazz-Club-Fest den musikalischen Reigen.

Tanzend in die Sommerpause

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as Knut Richter Quintett hat kaum das zweite Lied angestimmt, da hält es Stefan Mazur und Birthe Meyer schon nicht mehr auf der Bank. Ausgelassen wirbelt Mazur seine Partnerin beim Sommerfest des Jazz-Clubs in Linden zu der klassisch eleganten Swingmusik über die Tanzfläche – Lindy Hop heißt dieser improvisierte und variantenreiche Tanz aus den dreißiger Jahren. „Wenn ich Swing höre, denke ich nicht über Schrittfolgen nach“, sagt Mazur, der an der Leibniz-Uni Tanzunterricht anbietet. „Da lasse ich meinem Gefühl einfach freien Lauf.“ Und damit waren der Student und die Musikerin nicht allein. Während des Festes, mit dem sich der Jazz-Club bis Mitte September in die Konzertpause verabschiedet, schwofte so mancher beherzt über die Tanzfläche oder wippte auf der Bank kräftig im Takt mit. Für die rege Tanzbereitschaft war wohl auch die Vielfalt der musikalischen Stilrichtungen verantwortlich. Während das Quintett um Knut Richter eher klassischen Jazz zum Besten gab, stimmte Andy Mokrus mit Stephan Abel im Keller des Klubs modernen Bebop an. Schließlich bewies die Band „Beat’n Blow“, dass Hip-Hop und Jazz sich keineswegs ausschließen. Mit ihrer funkigen und mit Sprechgesängen durchzogenen Nummer brachten sie auch den letzten Gast zum Tanzen. sn

Erschreckende Bilder aus Haiti: Auch Emiliano Larizza erhielt eine Auszeichnung.

Favorit des Publikums: Die Reportage des Dänen Thomas Lekfeldt über den Kampf der kleinen Vibe gegen den Krebs hat den HAZ-Publikumspreis des Lumix-Fotofestivals gewonnen. mit dem renommierten „World Press Photo Award“ und beim „Oscar Barnack Preis“ ausgezeichnet worden. Und weil so viel Talent auf einmal in Hannover zu sehen war, gab es auch noch eine Programmänderung: Statt der zwei geplanten „Ehrenwerten Erwähnungen“ hatte sich die Fotografenorganisation Freelens spontan dazu entschlossen, zwei weitere jeweils mit 1000 Euro dotierte Erwähnungen zu vergeben. Der Schwede Johan Bävman wurde für seine Reportage über die Albinoverfolgung in Tansania, der Italiener Emiliano Larizza für seine Bilder aus Haiti ausgezeichnet. Der aus Bangladesch stammende Munem Wasif, der im Südwesten seines Heimatlandes die katastrophalen

Auswirkungen der kommerziellen Krabbenfischerei dokumentierte, sowie der Däne Thomas Lekfeldt überzeugten die Jury ebenfalls. Lekfeldt wurde darüber hinaus mit dem ebenfalls mit 1000 Euro dotierten HAZ-Publikumspreis bedacht, der von Kulturredakteur Uwe Janssen übergeben wurde. Dem Publikum gefiel die einfühlsame Fotoreportage über den Kampf des kleinen Mädchens Vibe gegen einen Gehirntumor, an dem sie letztlich starb. Die amerikanische Fotografin Ilana Panich-Linsman erhielt den Preis für die beste multimediale Arbeit. Für ihre Produktion begleitete und interviewte sie 15-jährige Mädchen in New York. Ein Video auf

Davide Monteleone (links) mit Jurymitglied Thomas Hoepker bei der Preisverleihung.

Siegerbild: Der Italiener David Monteleone reiste für seine Bilder in den Nordkaukasus – dafür bekam er den Freelens-Award.

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WM-Journal SEITE 13 – MONTAG, 21. JUNI 2010 – NR. 141

Mit einem guten Gefühl

R ANDNOTIZEN H E I KO R EH B ERG

Trotz des Rückschlags gegen Serbien lässt die deutsche Nationalelf keine Zweifel am Überstehen der WM-Vorrunde aufkommen

ÖFFNET SEIN W M -TAG E B U CH

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s gibt Tage, da weiß man bereits beim Aufstehen, dass man eigentlich im Bett bleiben müsste. Das führt konsequent weitergedacht zu der Frage, warum man genau das nicht macht. Einfach das „Bitte nicht stören“-Schild vor die Zimmertür im Hotel hängen und den Tag nicht reinlassen. Einfach liegen bleiben, bis der Störenfried woanders anklopft, ein neuer Tag mit einem Lächeln vor dem Bett steht und bessere Aussichten verspricht. Stattdessen torkelt man von Missgeschick zu Missgeschick, und der Amerikaner Edward A. Murphy jr. lacht sich scheckig, weil sein berühmtes Gesetz des Lebens wieder Bestätigung gefunden hat: Alles, was schiefgehen kann, geht schief. Oder wie es der große Fußballphilosoph und Elfmeterheld (so macht man das, Poldi!) Andreas Brehme formuliert hat: „Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß.“ Sie wollen Beispiele hören? Bitte sehr: An einem durchschnittlichen Tag fliegt Miroslav Klose vom Platz, und Deutschland erkämpft in Unterzahl ein leidenschaftliches 0:0 gegen Serbien. An einem Andreas-Murphy-Tag fliegt Klose vom Platz, eine Minute darauf gibt es ein Gegentor, und 22 Minuten später klaut der Poldi dem Basti den Ball und versemmelt einen Elfmeter. Mein AndreasMurphy-Tag sah so aus: 4.45 Uhr: Auf nach Jo(gi)-Burg, vorher schnell unter die Dusche, das Wasser ist kalt. Kaltes Wasser aus einem Duschkopf um 4.45 Uhr im Sunnyside Hotel in Pretoria ist schlimmer als ein verschossener Elfmeter. 8 Uhr: Boarding am Flughafen. Es dauert noch eine Viertelstunde, sagt der Reiseleiter. Um 9.30 Uhr geht es los. 9.45 Uhr: Ich sitze im Flugzeug, der Kapitän und sein Kopilot verlassen das Cockpit, um den Flieger zu betanken. Anmerkung: Spätestens zu diesem Zeitpunkt hätte ich Herrn Löw anrufen müssen, dass er bei der FIFA um Spielverlegung auf morgen bitten soll. 11.05 Uhr: Ankunft in Port Elizabeth, der Bus, der 120 Reporter ins Stadion bringen soll, ist nicht da. 14.07 Uhr: Klose wird zum Duschen geschickt. 14.45 Uhr: Poldi läuft zum Elfmeter an. 20 Uhr: Flughafen Port Elizabeth. Betrunkene Fans im Deutschlandtrikot stellen sich aufs Gepäcklaufband und grölen „Hurra, hurra, Deutschland ist da!“ Ich will in mein Bett. 23.20 Uhr: Der Bus kommt im Hotel an. Warum begrüßen uns 100 Fans in Honduras-Trikots, 50 Mexikaner und 80 Argentinier? Feueralarm im Hotel, alle mussten raus. 23.40 Uhr: Alle dürfen wieder rein. Die Schlange vor den drei Fahrstühlen wird immer kürzer, jetzt sind es nur noch 120 Meter. Der nächste Morgen: Kaffee-Vorfreude. Acht Mexikaner belagern den Automaten. Ich weiche über die Flügel aus zu Automat Nummer 2. Vor ihm hängt ein Schild. „Außer Betrieb“. Andy, bitte, nicht noch so ein Tag! Heiko Rehbergs Internetblog unter www.haz.de/wm-blog

H A Z - KO N TA K T Sportredaktion: (05 11) 5 18 – 18 40 Fax: (05 11) 5 18 – 17 25 E-Mail: sport@haz.de Abonnenten-Service: 01 80 – 1 23 43 34

VON H EIKO R EH BERG Pretoria. Das Aufwachen nach einem Tag, an dem fast alles schiefgegangen ist, kann oft schmerzhaft sein. Der blöde Vortag steckt noch in den Knochen und im Kopf, der Schädel brummt, in Gedanken hängt man dem nach, was falsch gelaufen ist. Joachim Löw dagegen sagte nach der 0:1-Niederlage der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft gegen Serbien: „Ich bin trotz aller Enttäuschung mit einem guten Gefühl aufgewacht.“ Keine Kopfschmerzen, kein Magengrummeln. Und entspannt eingeschlafen sein dürfte der Bundestrainer gestern und vorgestern ebenfalls. Löw hatte sich gemeinsam mit Urs Siegenthaler, dem Fachmann für gegnerische Mannschaften und Spieler, in Rustenburg ein Bild vom letzten Gruppengegner Ghana gemacht. Was beide beim 1:1 gegen Australien zu sehen bekamen, wird Löw in seiner Auffassung vor dem entscheidenden Gruppenspiel gegen die „Black Stars“ am kommenden Mittwoch (20.30 Uhr, live in der ARD) in Johannesburg bestärkt haben: „Wir werden das Achtelfinale erreichen.“ In den zwei Tagen nach dem 0:1 gegen die Serben hat die deutsche Mannschaft versucht, Zweifel an einem Überstehen der Vorrunde gar nicht erst aufkommen zu lassen. „Enttäuschung ja. Aber keine tiefe Niedergeschlagenheit.“ Mit diesen Worten beschrieb Löw die Stimmungslage im Team in den ersten Stunden nach der vermeidbaren Niederlage. Am Wochenende wich der letzte Rest von Enttäuschung dann der festen Überzeugung, stark genug zu sein, um sich von dem Rückschlag nicht aus der Bahn werfen zu lassen. „Wir lassen uns nicht aus der Ruhe bringen“, sagte der Bundestrainer. In einer Mannschaftssitzung hat er seine Spieler aufgefordert, auf das Positive aus dem Serbien-Spiel zu schauen. „Ich habe ihnen gesagt: ,Leute, wir können aus der 2. Halbzeit Dinge mitnehmen, die uns Selbstbewusstsein geben, die zeigen, welche unglaubliche Moral und Willenskraft wir haben.‘ Ich habe bei niemandem einen Anflug von Resignation gesehen. Warum auch?“ Den Kurs für die Stunden bis zum Anpfiff am Mittwoch hat Löw vorgegeben: „Wir müssen mutig sein. Und konzentriert.“ Sorgen, dass die junge deutsche Mannschaft an dem Druck scheitern könnte, den die Angst vor einem Vorrundenaus erzeugt, macht sich der 50-Jährige nicht. „Drucksituationen in einem Turnier sind nicht zu vermeiden, auch nicht in den Gruppenspielen“, sagte er. Bei der Europameisterschaft 2008 hatte sich die deutsche Mannschaft vor dem letzten Gruppenspiel gegen Österreich (Happy End mit 1:0) in eine ähnliche Situation hineinmanövriert, damals durch eine 1:2-Niederlage gegen Kroatien. Obwohl Serben und Kroaten eine ähnliche Spielweise bevorzugen, findet Löw den Vergleich mit damals unpassend. „Viele der heutigen Spieler waren vor zwei Jahren gar nicht dabei. Gegen Kroatien waren wir bei der EM völlig chancenlos und viel zu passiv. Das war jetzt gegen die Serben nicht so. Da waren wir mehr als 60 Minuten lang die bessere Mannschaft, ohne den Platzverweis für Miroslav Klose hätten wir nicht verloren.“ Dass es gegen Serbien einiges gab, was verbesserungsbedürftig ist, daraus machte Löw kein Hehl: „Wir hatten in der Anfangsphase das Heft des Handelns nicht in der Hand. Das hat mir nicht so gefallen. Serbien war doch wie ein angeschlagener Boxer, da muss man Treffer landen.“ Löw selbst hatte mit seinen Einwechslungen kein Glück; Cacau, Marko Marin und der erschreckend teilnahmslose Mario Gomez konnten dem deut-

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Kleine Mathe-Kunde: So geht’s ins Achtelfinale

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iese Situation wollten wir eigentlich vermeiden.“ Das sagt Bundestrainer Joachim Löw. Mit einem Sieg gegen Serbien wäre die deutsche Fußball-Nationalmannschaft für das WM-Achtelfinale qualifiziert gewesen, es wäre nur noch um die Frage „Erster oder Zweiter?“ gegangen. Doch die Situation, die Löw nicht haben wollte, führt nach der 0:1-Niederlage gegen die Serben vor dem letzten Gruppenspiel am Mittwoch (20.30 Uhr, live in der ARD) gegen Ghana zu der Zuspitzung: Weiter oder ab nach Hause! Und zu der beliebten Was-wäre-wenn-Rechnerei. Doch besonders kompliziert ist das diesmal gar nicht, vor allem bei Sieg und Niederlage liegen die Dinge einfach. M Fangen wir mit der sportlichen Katastrophe an und vergessen das danach ganz schnell wieder – mit einer Niederlage gegen Ghana: Dann heißt es in jedem Fall Koffer packen in Südafrika und nach Hause fahren. Verliert Deutschland (bislang 3 Punkte) gegen Ghana, ist es völlig egal, wie das andere Gruppenspiel zwischen Serbien und Australien ausgeht – einer der beiden würde immer an der deutschen Elf vorbeiziehen. M Wesentlich angenehmer ist die Siegvariante: Gewinnt Deutschland am Mittwoch gegen Ghana, steht die Mannschaft garantiert im Achtelfinale, mit guten Chancen, dies als Gruppenerster zu erreichen. An Ghana (bislang 4 Punkte) wäre man dann vorbei. Serbien (bislang 3 Punkte) könnte Deutschland noch von Platz 1 verdrängen. Bei einem 1:0-Sieg gegen Ghana müsste Serbien dann aber Australien mit 4:0 schlagen, bei einem deutschen 2:0 wäre ein serbisches 5:0 notwendig und so weiter. Dann wären Deutschland und Serbien jeweils punkt- und torgleich, der direkte Vergleich (1:0 für Serbien) würde in diesem Fall den Ausschlag geben.

„Enttäuschung ja. Aber keine tiefe Niedergeschlagenheit“: Nach der Niederlage gegen Serbien richtet Joachim Löw (Mitte) den Blick auf das Spiel gegen Ghana. Thomas Müller, Arne Friedrich, Marko Marin und Philipp Lahm (im Uhrzeigersinn) hören dem Bundestrainer konzentriert zu. afp schen Spiel keinen neuen Dreh geben. „Da hätte ich mir mehr erhofft“, sagte der Bundestrainer. Am Mittwoch gegen Ghana muss Löw seine Elf verändern, durch den Ausfall des gesperrten Klose mindestens auf einer Position. Seine Überlegungen behielt er für sich und verwies auf die „zwei ganz wichtigen Trainingszeiten“ heute und morgen. Dass Cacau den Posten von Klose übernimmt, würde naheliegen –

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und wird bei einem Trainer wie Löw, der gerne tüftelt und überrascht, vielleicht gerade deshalb anders kommen. Holger Badstuber, gegen Serbien überfordert, wird als erster Kandidat für die Ersatzbank gehandelt, doch Löw stellte sich vehement vor den 21-Jährigen („Ich bitte, etwas vorsichtig mit ihm umzugehen, wir haben nicht allzu viele Talente dieser Art“), was nur zwei Rückschlüsse erlaubt: Das ausdrückliche Lob soll Bad-

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stuber helfen, eine Schaffenspause zu verkraften. Oder es soll ihm signalisieren: Bleib ruhig, du spielst auch gegen Ghana wieder. Festgelegt hat sich der Bundestrainer nur beim Thema Elfmeter; gegen Serbien hatte Lukas Podolski einen verschossen. Mit einem Augenzwinkern sagte Löw: „Es könnte durchaus sein, dass Bastian Schweinsteiger den nächsten Elfmeter schießt.“

M Komplizierter wird es bei einem Unentschieden gegen Ghana – dann darf Serbien gegen Australien auf gar keinen Fall gewinnen. Spielen Deutschland und Serbien jeweils unentschieden, hätten sie beide vier Punkte, die bessere Tordifferenz würde aber für die Löw-Mannschaft entscheiden. Bei Punktgleichheit zählt bei der WM erst die Tordifferenz, dann die Anzahl der geschossenen Tore; erst wenn das alles gleich ist, wird der direkte Vergleich herangezogen. Der Vollständigkeit halber: Bei einem deutschen Unentschieden gegen Ghana könnte auch Australien noch nach Punkten gleichziehen. Um Platz 2 zu erreichen und die Deutschen aus dem Turnier zu werfen, müssten die „Socceroos“ Serbien aber mit mindestens 7:0 bezwingen. hr

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WM−Journal

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„Die Mannschaft ist intakt, sie hat alles versucht“ Kapitän Philipp Lahm spricht im Interview über individuelle Fehler gegen Serbien, meint aber, dass die Marschrichtung stimmt Herr Lahm, wie ist die Stimmung in der deutschen Mannschaft nach dem 0:1 gegen Serbien und vor dem entscheidenden Spiel am Mittwoch gegen Ghana? Ist der Druck jetzt nicht gewaltig? Wir waren sehr enttäuscht, und man hat ein bisschen Wut in sich. Aber wir müssen in erster Linie nach vorne schauen, anknüpfen an unsere Leistung in der 2. Halbzeit gegen Serbien. Ich mache mir vor dem Ghana-Spiel überhaupt keine Sorgen, weil man gesehen hat, dass wir immer in der Lage sind, uns Torchancen zu erarbeiten. Ich bin zu 100 Prozent sicher, dass wir das Achtelfinale erreichen. Es braucht keinem Angst und Bange sein. Und Druck ist vor jedem Spiel da, das man gewinnen will.

W M - S TAT I S T I K TORJÄGER Gonzalo Higuain (Argentinien) 3 Tore Diego Forlan (Uruguay) 2 Asamoah Gyan (Ghana) 2 Lukas Podolski (Deutschland) 1 Miroslav Klose (Deutschland) 1 Thomas Müller (Deutschland) 1 Cacau (Deutschland) 1 Wesley Sneijder (Niederlande) 1 Samuel Eto’o (Kamerun) 1 Nicklas Bendtner (Dänemark) 1 Dennis Rommedahl (Dänemark) 1 Cristian Riveros (Paraguay) 1 Enrique Vera (Paraguay) 1 Vincenzo Iaquinta (Italien) 1 Shane Smeltz (Neuseeland) 1 und 32 weitere Spieler mit je einem Tor, dazu kommen zwei Eigentore GESPERRTE SPIELER Miroslav Klose (Deutschland, Gelb-Rote Karte) Harry Kewell (Australien, Rote Karte) Sani Kaita (Nigeria, Rote Karte) Itumeleng Khune (Südafrika, Rote Karte) Jamie Carragher (England, 2. Gelbe Karte) Efrain Juarez (Mexiko, 2. Gelbe Karte) Jonas Gutierrez (Argentinien, 2. Gelbe Karte) Jeremy Toulalon (Frankreich, 2. Gelbe Karte) Kagisho Dikgacoi (Südafrika, 2. Gelbe Karte) Craig Moore (Australien, 2. Gelbe Karte) Simon Kjaer (Dänemark, 2. Gelbe Karte) Robbie Findley (USA, 2. Gelbe Karte)

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1. 2. 3. 4.

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GRUPPE B Südkorea – Griechenland Argentinien – Nigeria Argentinien – Südkorea Griechenland – Nigeria Nigeria – Südkorea Griechenland – Argentinien 1. 2. 3. 4.

Argentinien Südkorea Griechenland Nigeria

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GRUPPE D Serbien – Ghana Deutschland – Australien Deutschland – Serbien Ghana – Australien Ghana – Deutschland Australien – Serbien 1. 2. 3. 4.

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GRUPPE E Niederlande – Dänemark Japan – Kamerun Niederlande – Japan Kamerun – Dänemark Dänemark – Japan Kamerun – Niederlande 1. 2. 3. 4.

Niederlande Japan Dänemark Kamerun

2:0 (0:0) 1:0 (1:0) 1:0 (0:0) 1:2 (1:1) Do., 20.30 Uhr Do., 20.30 Uhr 2 2 2 2

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3:0 1:1 2:3 1:3

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GRUPPE F Italien – Paraguay Neuseeland – Slowakei Slowakei – Paraguay Italien – Neuseeland Slowakei – Italien Paraguay – Neuseeland 1. Paraguay 2. Italien Neuseeland 4. Slowakei

1:1 (0:1) 1:1 (0:0) 0:2 (0:1) 1:1 (1:1) Do., 16 Uhr Do., 16 Uhr 2 2 2 2

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1 2 2 1

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3:1 2:2 2:2 1:3

4 1 1 1

GRUPPE G Elfenbeinküste – Portugal Brasilien – Nordkorea Brasilien – Elfenbeinküste Portugal – Nordkorea Portugal – Brasilien Nordkorea – Elfenbeinküste 1. Brasilien 2. Elfenbeinküste Portugal 4. Nordkorea

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GRUPPE H Honduras – Chile Spanien – Schweiz Chile – Schweiz Spanien – Honduras Chile – Spanien Schweiz – Honduras 1. Chile Schweiz 3. Honduras Spanien

0:1 (0:1) 0:1 (0:0) heute, 16 Uhr heute, 20.30 Uhr Fr., 20.30 Uhr Fr., 20.30 Uhr 1 1 1 1

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WM-Spezial mit Artikeln, Bildern, Videos, Spielplänen, Public Viewing

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Vor dem 0:1 konnte Holger Badstuber die Flanke nicht verhindern. Ich sehe das nicht als Fehler von Holger an. Man kann nicht jede Flanke verhindern. Danach stehen Arne (Friedrich, d. Red.), Per (Mertesacker, d. Red.) und ich nicht so, wie man stehen muss. Wir müssen vor dem Tor geordneter sein.

habe das falsch gemacht bei meiner Verwarnung.

Bei der WM sind die Schiedsrichter mit Gelben Karten schnell bei der Hand. Was bedeutet das für die Spieler? Wir müssen uns darauf einstellen, dass es offensichtlich bei jedem Rempler Gelb gibt. Das ist der neue Stil der Schiedsrichter. Die erste Gelbe Karte für „Miro“ (Klose, d. Red.) war meiner Ansicht nach niemals eine Gelbe Karte, aber danach muss man sich halt darauf einstellen. Auch ich

Ärgert es Sie, dass es nach dem vielen Lob gegen Australien gleich wieder Kritik gehagelt hat nach der Niederlage gegen Serbien? Das gehört dazu. Aber ich lasse mir nicht einreden, dass wir ein schlechtes Spiel gezeigt haben. Das war ordentlich. Ein ordentliches Spiel von allen.

Deutschland droht die gelbe Gefahr VON H EIKO R EH BERG

Südafrika – Mexiko Uruguay – Frankreich Südafrika – Uruguay Frankreich – Mexiko Mexiko – Uruguay Frankreich – Südafrika

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An was denken Sie dabei? In der 1. Halbzeit hatten wir ein zu langsames Passspiel, wir haben die Serben nicht gezwungen, sich zu bewegen.

War es eine falsche Entscheidung, Lukas Podolski den Elfmeter schießen zu lassen, hätten Sie sich als Kapitän da vielleicht vorher einmischen müssen? Es ist nicht meine Aufgabe, da mitzusprechen. Eine falsche Entscheidung war das nicht. Falsch war, dass er in die falsche Ecke geschossen hat, in die, in die der Torwart gesprungen ist. Lukas hat vorher jeden Elfmeter sicher verwandelt. Warum sollte dieser Spieler nicht zum Elfmeterpunkt gehen?

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Pretoria. Das eine deutsche WM-Schreckensszenario wäre: Die Mannschaft verliert am Mittwoch gegen Ghana und muss bereits nach der Vorrunde aus Südafrika abreisen. Doch selbst im Erfolgsfall gibt es ein Schreckenszenario, und das hat mit einem kleinen gelben Plastikkarton zu tun und könnte wie folgt aussehen: Durch einen grandiosen Sieg gegen Ghana stürmt die deutsche Mannschaft ins Achtelfinale, doch dort fehlen am kommenden Wochenende dann Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger, Sami Khedira, Mesut Özil und Cacau. Warum das? Diese fünf Spieler haben in den ersten beiden Begegnungen gegen Australien (4:0) und Serbien (0:1) jeweils eine Gelbe Karte gesehen, sind also, wie man so schön sagt, vorbelastet, bei der zweiten Verwarnung muss man bei der WM ein Spiel aussetzen. Doch der Kartenschreck ist mit dem Ende der Vorrunde längst nicht beendet. Die Regel des Weltverbandes FIFA sieht vor, dass die einzelnen Gelben Karten erst nach dem Viertelfinale gelöscht werden. Die gelbe Gefahr würde die deutsche Mannschaft im Erfolgsfall also weiter begleiten, selbst wenn das letzte Vorrundenspiel gegen Ghana mit einem Sieg und ohne Verwarnung überstanden würde. Bundestrainer Joachim Löw zeigte sich erstaunt von dieser Regel, als er im deutschen WM-Quartier darauf angesprochen wurde; er hatte geglaubt, dass die Gelben Karten bereits nach der Vorrunde gelöscht werden. Laut Löw hatte er diese Auskunft nach dem SerbienSpiel erhalten; von wem, ließ er offen. Die FIFA hatte die Kartenregelung mit der Streichung nach dem Viertelfinale jedoch bereits am 19. März beschlossen und alle Mannschaften im April darüber informiert, nur beim Deutschen Fußball-Bund hat man nicht richtig hingehört – ein ungewöhnlich peinlicher Fehler für einen Verband, der normalerweise alles akribisch plant. Teammanager Oliver Bierhoff sprach gestern von einem „Missverständnis“, er und Löw hätten sich beim Teamworkshop in Südafrika im Frühjahr „noch darüber unterhalten, dass die Regel nicht optimal ist“. Danach haben beide sie offensichtlich vergessen wie ein Schüler seine Hausaufgaben. Durch die neue Regel soll verhindert werden, dass ein Spieler wegen einer Gelbsperre im Finale aussetzen muss wie Michael Ballack bei der WM 2002. Wer im Viertelfinale das zweite Mal Gelb sieht, müsste allerdings im Halbfinale pausieren.

Die Gelb-Vorliebe des spanischen Schiedsrichters Alberto Undiano im Spiel gegen Serbien in Kombination mit der neuen Kartenregel könnte die deutsche Elf im Verlauf des Turniers noch teuer zu stehen kommen. Undiano hatte in den ersten 20 Minuten eines fairen Spiels fünfmal Gelb gezeigt und in der 37. Minute den schon nach zwölf Minuten verwarnten Miroslav Klose mit GelbRot vom Platz gestellt. „Ich war absolut überrascht über die Vielzahl der Gelben Karten, das war nicht nötig und hat den Schiedsrichter unter Zugzwang gebracht“, sagte Löw. „Ich hatte das Gefühl, dass jeder Zweikampf unterbunden wird und jedes kleine Foul bestraft wird.“ Unmittelbar vor dem Turnier hatte der Schiedsrichteransetzer der FIFA Löw und die Spieler über die Regelauslegungen informiert, unter anderem mit einem Video, in dem laut Löw zu sehen war, „was wie bestraft wird“. Doch von einer einheitlichen Auslegung der Schiedsrichter ist beim bisherigen WM-Turnier nichts zu erkennen. Einige übereifrige Referees wie Señor Undiano pfeifen penibel kleinlich bis an die Grenze der Lächerlichkeit, andere, vor allem die erfahrenen Unparteiischen, versuchen indes, das Spiel möglichst wenig zu unterbrechen. Fußball würde zu einem körperlosen Spiel werden, wenn Undianos Regelauslegung künftig der Maßstab wäre. Von einem „Anfängerfehler“ sprach Hellmut Krug, der deutsche WM-Schiedsrichter von 1994, und meinte damit den Versuch des spanischen Kollegen, mit Verwarnungen früh Ordnung in das Spiel zu bringen. Uneinig ist man sich in der deutschen Mannschaft darüber, welche Lehren man aus dem Hang vieler Schiedsrichter zur schnellen Gelben Karte ziehen muss. Kapitän Philipp Lahm meinte, dass „wir uns darauf einstellen müssen“. Der Bundestrainer sieht dagegen keinen Bedarf, etwas zu ändern, selbst auf die Gefahr, dass ihm nach der Vorrunde Leistungsträger mit einer Gelbsperre ausfallen. „Gegen Ghana ist ein gutes Zweikampfverhalten elementar“, sagte Löw, „wir müssen beherzt und ohne Rücksicht in die Zweikämpfe gehen.“ Löw sagte, dass er mit seinen Spielern das Thema auch nicht weiter besprechen werde. „Ich werde keinen Spieler ermahnen, damit er mit einer Blockade im Kopf ins Spiel geht.“ Löw weiß, dass gegen Ghana ein Zögern in den entscheidenden Momenten das WM-Aus bedeuten könnte. Und er hofft darauf, dass nicht jeder Schiedsrichter Alberto Undianos Vorliebe für die Farbe Gelb teilt.

Haben Sie die Latte zu hoch gelegt, als Sie gesagt haben, dies sei die beste deutsche Nationalelf, in der Sie je gespielt haben? Nee, überhaupt nicht, weil ich das genau so sehe. Die Mannschaft ist intakt, sie hat gegen Serbien alles versucht, und sie hat ein bisschen Pech gehabt. Aber es gibt im Fußball keine Laufkundschaft mehr, die man einfach wegfegt.

Interview: Heiko Rehberg

Serben tanken Selbstvertrauen Johannesburg/Rustenburg (dpa). Während die serbischen Fans noch den „historischen Sieg“ gegen Deutschland feiern, konzentrieren sich die Spieler auf das Gruppen-„Finale“ gegen Australien. „Jetzt sind wieder alle Türen auf“, sagte der Dortmunder Bundesligaprofi Neven Subotic nach dem 1:0 gegen seine Wahlheimat. Ein weiterer Erfolg am Mittwoch gegen die sieglosen Australier, und Serbien steigt bei der Fußball-Weltmeisterschaft doch noch ins Achtelfinale auf. „Wir wissen, was wir zu tun haben. Dieser Sieg gibt uns Selbstvertrauen, die nächste Runde zu erreichen“, sagte Trainer Radomir Antic, nachdem er auf der gestrigen Pressekonferenz im Sunnyside Park Hotel mit herzlichem Applaus empfangen worden war. Der 61-Jährige äußerte zwar Respekt vor dem Gegner, den er tags zuvor beim 1:1 in Unterzahl gegen Ghana in Rustenburg beobachtet hatte. „Das ist ein sehr gut organisiertes Team“, berichtete Antic, schloss jedoch unmissverständlich an: „Wir glauben an uns.“ Derweil übt sich Gegner Australien im Prinzip Hoffnung. „Die Nation sollte uns nicht abschreiben“, sagte Kapitän Lucas Neill, obwohl zum Erreichen des Achtelfinales ein eigener Erfolg über Serbien nötig ist und Schützenhilfe in der anderen Partie. „Wir hoffen, dass die Deutschen fünf Tore gegen Ghana schießen, das würde das Rechnen einfacher machen“, bekannte Trainer Pim Verbeek. Nicht mithelfen kann Torjäger Harry Kewell, der nach der Roten Karte gegen Ghana vom Weltverband FIFA für ein Spiel gesperrt wurde.

Verwarnungen zählen bis zum Viertelfinale

GRUPPE A

Uruguay Mexiko Frankreich Südafrika

Abwägend: Philipp Lahm lehnt blanken Aktionismus vor dem Duell mit Ghana ab. afp

Bei der EM 2008 gab es im zweiten Vorrundenspiel gegen Kroatien ebenfalls eine Niederlage, danach hat Bundestrainer Joachim Löw einiges umgestellt. Muss jetzt vor dem Ghana-Spiel Ähnliches passieren?

Wir müssen an unserem Stil festhalten. Es gibt keinen Grund, etwas zu ändern, weil wir ordentlich Fußball gespielt haben. Wir haben in beiden Vorrundenspielen (4:0 gegen Australien, 0:1 gegen Serbien, d. Red.) gut gespielt. Trotzdem müssen wir kritisch ansprechen, welche falschen Entscheidungen wir auf dem Platz getroffen haben.

PRESSESTIMMEN

Nicht schon wieder: Sami Khedira (rechts) reagiert auf eine Verwarnung durch den spanischen Schiedsrichter Alberto Undiano. afp

Verblüffung, Schadenfreude und etwas Mitleid – zwischen diesen Polen bewegen sich die Reaktionen in der internationalen Presse auf die deutsche Niederlage. Ein Auszug: Danas (Serbien): „Jovanovic und Stojkovic haben die ,Panzer‘ durchbrochen“. Sport (Spanien): „Schiedsrichter Undiano ,zerstört‘ Deutschland.“ Corriere dello Sport (Italien): „Klose bringt Deutschland in Schwierigkeiten. Sein Foul war schrecklich naiv.“ Sports.fr (Frankreich): „Die Mannschaft ist tief gestürzt. Das ist ein großes Ereignis in der reichen und langen WM-Geschichte Deutschlands.“ A Bola (Portugal): „Deutschland muss um die Qualifikation bangen.“ The Sun (England): „Den aufgebauschten Jungs aus der Bundesliga wurde gesagt, ihre Frisur nach Spielen zu trocknen, um sich im winterlichen Südafrika nicht zu verkühlen. Aber gestern haben sie sich sicherlich eine Erkältung eingefangen, als die Serben ihren berühmten Skalp einforderten.“ The Independent (England): „Jetzt wissen wir, dass es ein ausgefallener World Cup ist: Deutschland hat einen Elfmeter verballert.“ dpa

Voller Zuversicht für das Vorrundenfinale Ghanas Fußballer haken das magere 1:1 gegen Australien ab und wollen sich aus eigener Kraft das Weiterkommen sichern VON B ENJA MIN H ALLER UND C HRISTIAN H OLLM ANN Rustenburg/Sun City. Das magere 1:1 gegen Australien am Sonnabend irritierte die Fußballer aus Ghana keineswegs. Im Gegenteil: Einen Tag später präsentierten sie sich in der Öffentlichkeit vor Selbstbewusstsein strotzend. „Wir beide wünschen uns einen Sieg, und Deutschland geht nach Hause“, erklärte Ghanas Linksverteidiger Hans Sarpei auch im Namen seines Zimmergenossen Kevin-Prince Boateng, der sich vor dem Herzschlagfinale ein Schweigegelübde auferlegt hat. Und der Profi von Bayer Leverkusen ergänzte: „Wir werden unser Spiel spielen, und was die machen, ist eigentlich egal.“ Die Tabellenführung in der Gruppe D gibt den Afrikanern Rückenwind für das Vorrundenfinale gegen den dreimaligen Weltmeister am Mittwoch, ihnen reicht bereits ein Remis zum Weiterkommen. Ghanas Trainer Milovan Rajevac kündigte im WM-Quartier der Mannschaft in Sun City der deutschen Auswahl einen schweren Gang an, zumal er für das Duell Alternativen in der Abwehr hat: John Mensah ist wieder fit, und John Pantsil kann trotz der Kopfverletzung aus dem Australien-Spiel ebenfalls auflaufen. „Wir sind eine Mannschaft, die nicht vie-

le Tore kassiert“, sagte der Coach. Torwart Richard Kingson sprach sogar von einem „Sieg-oder-stirb-Spiel“, wobei er selbstverständlich zu den Siegern zählen will. Auch Ghanas Altstars Anthony Yeboah und Samuel Kuffour glauben fest an ihre Nachfolger um den neuen Mittelfeld-Herrscher Boateng. „Ich bin mir sicher, dass wir Deutschland schlagen“, meinte der frühere Bayern-Verteidiger Kuffour. Der zweifache Bundesliga-Torschützenkönig Yeboah traut seinen Landsleuten ebenfalls einiges zu: „Wir

haben das Zeug dazu, Deutschland gefährlich zu werden“, sagte er. Doch all die forschen Ansagen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw vor den Ghanaern beileibe nicht in Ehrfurcht erstarren muss. Unter den Augen des deutschen Chefcoaches zeigten die nach der Roten Karte gegen Harry Kewell 65 Minuten lang in Unterzahl kämpfenden Australier, wie den Ghanaern beizukommen ist. Nimmt man ihnen den Raum zum Kombinieren, verlieren sie schnell Lust und Ideen. Ein Indiz: Wie

Freude über den Ausgleich: Ghanas Torschütze Asamoah Gyan (3. v.l.) feiert mit Kollegen. afp

schon beim 1:0 gegen Serbien musste ein Handelfmeter von Asamoah Gyan (25. Minute) herhalten, um Australiens Führung durch Brett Holman (11.) nach einem peinlichen Patzer von Kingson zu egalisieren. Und so hält sich zumindest in den ghanaischen Medien die Zuverischt in Grenzen. „Ghanas Weltmeisterschaftsträume hängen in der Schwebe“, schrieb „Ghanaweb“. Dazu passte die grimmige Miene, mit der Boateng durch die Mixed Zone stapfte. Die wartenden Journalisten würdigte Ghanas neuer Hoffnungsträger kaum eines Blickes, mehr als ein patziges „Ich habe nichts zu sagen“ ließ er sich nicht entlocken. Der 23-Jährige weiß, dass im Spiel gegen Deutschland alle Augen auf ihn gerichtet sein werden. Nach seinem brutalen Tritt gegen Michael Ballack im englischen Pokalfinale ist der gebürtige Berliner für die deutschen Fans ein rotes Tuch – und Rajevac ist sich der enormen Brisanz bewusst. „Wir reden viel mit ihm und bereiten ihn psychologisch auf das Spiel vor“, sagte er. Auch im deutschen Team, dem Boatengs jüngerer Halbbruder Jerome angehört, wird die brisante Lage diskutiert. Teammanager Oliver Bierhoff mahnte zur Gelassenheit: „Es wäre nicht richtig, die Emotionen gegen eine Person zu richten.“ dpa

GHANA – AUS T R A LIEN

1 :1

Ghana: Kingson – Pantsil, Jonathan Mensah, Addy, Sarpei – KevinPrince Boateng (87. Amoah), Annan – Tagoe (56. Owusu-Abeyie), Asamoah (77. Muntar), Andre Ayew – Gyan. Australien: Schwarzer – Wilkshire (84. Rukavytsya), Moore), Neil, Carney – Valeri, Culina – Emerton, Holman (68. Kennedy), Bresciano (66. Chipperfield) – Kewell. Schiedsrichter: Rosetti (Italien). Zuschauer: 34 812. Tore: 0:1 Holman (11. Minute), 1:1 Gyan (25., Handelfmeter). Rote Karte: Kewell (24., Handspiel).


WM−Journal

NR. 141 · MONTAG, 21. JUNI 2010

Angst vor dem Totalschaden England droht WM-Aus VON C HRISTIAN H OLLM ANN UND H EINZ B ÜSE Rustenburg. Wayne Rooney rastet aus, Fabio Capello verliert die Kontrolle, die Fans wenden sich ab: Englands Nervenbündel versinken bei der WM im Chaos. Am „Kap der Angst“ droht den „Three Lions“ das erste Vorrundenaus seit 52 Jahren, im Fußball-Mutterland macht sich Untergangsstimmung breit. „Die Moral ist auf einem Allzeit-Tief“, befand der „Telegraph“. Sinnbilder des Niedergangs sind Buhmann Rooney, der nach der Nullnummer gegen Algerien live im Fernsehen die pfeifenden Fans anpöbelte („Es ist toll, wenn die eigenen Fans dich ausbuhen. So sieht bedingungslose Unterstützung aus – verdammt noch mal“) und der ratlose Coach Capello. Schon vor dem entscheidenden Spiel am Mittwoch gegen Slowenien wird über den Rauswurf des Trainers spekuliert. Deshalb musste der Verband gestern dem Coach den Rücken stärken. „Capello hat einen Vertrag bis 2012, daran hat sich nichts geändert“, sagte Adrian Bevington vom englischen Fußball-Verband FA. „Ich bin hergekommen, um den Titel zu gewinnen. Ich will nicht schon am Mittwoch nach Hause fahren“, sagte Abwehrchef John Terry gestern und kündigte für den Abend eine schonungslose Abrechnung im WM-Quartier an. Im noblen „Royal Marang Hotel“ bei Rustenburg geht nach nur zwei Punkten aus zwei Partien die Furcht vor dem Totalschaden um, den nur ein Sieg gegen die starken Slowenen verhindern kann. „Das ist nicht das England, das ich kenne“, sagte Capello, der in nur zwei WM-Spielen seinen Ruf als Taktik-Genie gewaltig ramponiert hat. Zur Zielscheibe beißender Häme machte sich auch der erneut total harmlose Rooney, den die Kapstädter Zeitung „Argus“ als „zahnlose Bulldogge“ verspottete. „Er hat ein Kopfproblem. Keine Ahnung, wo seine Form hin ist“, meinte Capello. Ärger bekam Rooney zudem mit dem englischen Verband, der ihn einen Tag nach seiner unflätigen Publikumsbeschimpfung zu einer öffentlichen Entschuldigung via Internet zwang. „Wenn es um die englische Mannschaft geht, bin ich genauso voller Leidenschaft wie jeder andere. Aber letzte Nacht habe ich in der Hitze des Gefechts Dinge gesagt, die im Rückblick aus der Frustration über unsere Leistung und das Ergebnis entstanden sind“, sagte der 24-Jährige. Dem zuvor als Heilsbringer gefeierten Capello werden nun haufenweise Fehler bei der Aufstellung, Mängel bei der Motivation und taktische Planlosigkeit attestiert. In der Torwart-Frage knickte der Coach bereits ein und ließ gegen Algerien Veteran David James statt Pannen-Keeper Robert Green ran – mehrere Führungsspieler hatten Capello dazu gedrängt. Nun forderte John Terry öffentlich den Einsatz von Stürmer Joe Cole – und stellte damit indirekt Capellos Autorität infrage. dpa

Anelka fliegt nach Beleidigung gegen Trainer Domenech raus / Spieler streiken / Delegationschef schmeißt hin VON E MILIO R A PPOLD Knysna. Fußball-Vizeweltmeister Frankreich verkommt in Südafrika zum Tollhaus. Mit einem Trainings-„Streik“ hat das französische Team gestern gegen den Ausschluss von Nationalstürmer Nicolas Anelka protestiert. Anelka soll Trainer Raymond Domenech obszön beleidigt haben und musste deshalb am Sonntag vorzeitig die Heimreise antreten. Ein handfester Streit zwischen Kapitän Patrice Evra und Konditionstrainer Robert Duverne sowie die Kündigung von Delegationschef Jean-Louis Valentin machten das Chaos schließlich komplett. „Ich bin empört und angewidert, ich gebe meinen Job hier auf. Was hier passiert, ist ein Skandal für den Verband, für die französische Mannschaft und für das gesamte Land. Die wollen nicht trainieren. Das ist inakzeptabel“, erklärte Valentin sichtlich erschüttert. Beim Streit zwischen Evra und Duverne musste Domenech die beiden Männer trennen, um eine Eskalation zu verhindern. Der Konditionstrainer warf seine Stoppuhr zu Boden und ging verärgert davon.

Auslöser für das ganze Chaos ist der von Frankreich wollen ohne Ausnahme ihre Anelka verursachte erste große WM- Opposition gegen den vom Französischen Skandal. Der 31-jäwhrige Angreifer vom Fußball-Verband beschlossenen AusFC Chelsea soll Nationalcoach Domenech schluss von Nicolas Anelka bekannt geschwer beleidigt haben. Nach Angaben ben“, heißt es in einem Kommuniqué. des französischen Sportblatts „L’Équipe“ Während der 31 Jahre alte Profi hatte Anelka den Coach in der Halbzeitvom FC Chelsea am Sonnabend pause des Mexiko-Spiels vor der gemit sofortiger Wirkung suspensamten Mannschaft mit obszönen Ausdiert wurde, ist im französidrücken verbal attackiert. Zuvor hatte schen WM-Quartier die Jagd der in der Mannschaft umstrittene Doauf den Team-„Maulwurf“ menech Anelka „bestimmt und geeröffnet worden. „Ein Verränervt, aber in höflicher Form“ aufter hat einige Sachen ausgegefordert, mehr Einsatz zu zeiplaudert. Wir werden gen. Nach der Beleidigung von erst erleichtert sein, Anelka sagte Domenech wenn wir wissen, wer kurz: „Okay, du bist draues war“, sagte Offenßen.“ Der Stürmer sei mit sivspieler Franck Riden Worten „Alles klar“ bery. „Sachen, die in sofort unter die Dusche der Kabine passieren, gegangen. müssen auch in der Auch wenn die Kabine bleiben.“ Evra „Grande Nation“ gemeinte: „Das Proschockt ist – die Profis blem ist nicht Anelnehmen den bereits abka. Es ist der Verrägereisten Buhmann in ter, der den Medien Schutz: „Alle Spieler das alles enthüllt Enfant terrible: Nicolas Anelka. ap der Mannschaft von hat.“ dpa

Die drei spektakulärsten Suspendierungen in der WM-Geschichte: Uli Stein: Deutschlands Nationaltorhüter Uli Stein nannte den damaligen Teamchef Franz Beckenbauer bei der WM 1986 in Mexiko einen „Suppenkasper“. Der Majestätsbeleidigung gegenüber dem „Kaiser“ folgte Steins Rauswurf. Stefan Effenberg: Bei der WM 1994 in den USA zeigte Effenberg nach dem WMVorrundenspiel gegen Südkorea (3:2) den eigenen Fans den „Stinkefinger“. Der DFB schickte daraufhin den exzentrischen Effenberg nach Hause. Diego Maradona: Der Sieg mit Argentinien bei der WM 1994 gegen Nigeria sollte für Maradona der letzte als Nationalspieler sein. Beim anschließenden Doping-Test wurde bei Maradona das verbotene Mittel Ephedrin gefunden. Die Strafe: 15 Monate Sperre. Damit war Maradonas Karriere als Nationalspieler beendet.

I

rgendwann ist es auch mal genug! Das müssen sich am Sonnabend zu später Stunde in Koblenz mehrere vom Lärm der Vuvuzelas genervte Männer gesagt haben. Jedenfalls beschlossen sie, dem Übel auf ihre Weise abzuhelfen. Kurzerhand entrissen sie den beiden betrunkenen Fußballfans, die in der Innenstadt mit ihren Tröten den Ohren der Passanten ordentlich zusetzten, die Instrumente. Zuvor hatten sie den Krachmachern auch noch Prügel angedroht. Eine Strafe haben die Unbekannten nicht zu fürchten; die Polizei sprach davon, solche „Taten“ seien rational nicht erklärbar. Aus Sicht so manches Lärmgeschädigten nicht nur in Koblenz dürften sich die „Räuber“ sogar eine Belobigung verdient haben. r

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idersprochen hat Pavlos Joseph keiner der englischen Nationalspieler, als sich der Fan nach dem 0:0 gegen Algerien über die schlechte Leistung in der englischen Kabine persönlich beschwerte. Zu verdutzt waren die Profis, als Joseph im Allerheiligsten einer Mannschaft auftauchte. Dabei wollte er nur auf die Toilette. Da ihm jedoch kein Ordner im Stadion den Weg sagen konnte, machte sich der Fan auf die Suche, gelangte dabei ungehindert in den Hochsicherheitstrakt – und stand plötzlich vor dem verletzten David Beckham und dem nackten Joe Cole. Weil die Engländer bei dieser WM sonst nichts zu lachen haben, nahmen sie wenigsten diesen Vorfall mit Humor. Passiert sei das alles nur, weil Prinz William und Prinz Harry nicht aufgepasst hatten, als sie die Kabine verließen. „Harry und ich haben die Tür offen gelassen. Es war unser Fehler“, sagte Prinz William mit britischem Humor. r

WM-NOTIZEN Buffon lässt sich operieren Italien: Nationaltorhüter Gianluigi Buffon wird sich wegen seines Bandscheibenvorfalls nach der WM operieren lassen. „Ich muss jetzt auch einmal an mich denken und mich nach der Rückkehr nach Italien der Operation unterziehen“, sagte der Keeper von Juventus Turin. Der 32-Jährige hatte sich den Bandscheibenvorfall beim Aufwärmen vor dem Auftaktspiel gegen das Team von Paraguay (1:1) in Kapstadt zugezogen. Trotz starker Schmerzen hatte der Weltmeister von 2006 bis zur Pause gespielt. dpa

Nelspruit. Nach dem Auftakt-Unentschieden gegen Paraguay hatten die Italiener noch von einem Ausrutscher gesprochen. Doch das gestrige 1:1 im zweiten Vorrundenspiel dieser Fußball-Weltmeisterschaft gegen Neuseeland hat den Titelverteidiger in Schockstarre versetzt: „Jetzt geht schon die Angst um“, bekannte Mittelfeldspieler Claudio Marchisio nach der blamablen Vorstellung der „Squadra Azzurra“, der nun bereits das Aus in der Vorrunde droht. Gegen den krassen Außenseiter vergaben die Italiener etliche Torchancen und brachten ihren Trainer auf die Palme. „Das war zu wenig, wir können mehr und müssen einfach mehr zeigen“, grollte Marcello Lippi. Italien muss sein letztes Vorrundenspiel gegen die Slowakei am Donnerstag nun unbedingt gewinnen, um sicher das Achtelfinale zu erreichen. In „Panik“ sei er wegen des „Rückschlags“ aber nicht, betonte Lippi: „1982 kam Italien mit drei Unentschieden weiter und wurde schließlich Weltmeister“, sagte er.

Dazu allerdings muss sich seine Mannschaft in allen Bereichen steigern. Schon nach sieben Minuten hatte Shane Smeltz Neuseeland in Führung gebracht, allerdings aus abseitsverdächtiger Position. In der 29. Minute gelang Vincenzo Iaquinta (29.) per Foulelfmeter der Ausgleich. Während die Italiener nach dem Schlusspfiff mit hängenden Köpfen vom Platz schlichen, feierten die von ihrer 90-minütigen Abwehrschlacht erschöpften Neuseeländer den zweiten WM-Punkt ihrer Geschichte überschwänglich. „Das war ein historisches Ergebnis. Zu Hause werden sie aus dem Häuschen sein“, jubelte Trainer Ricki Herbert. Kapitän Ryan Nelsen lobte „ein unglaubliches Spiel einer wunderbaren Mannschaft“. Die „Kiwis“ dürfen nach dem größten Erfolg ihrer Verbandsgeschichte sogar vom Achtelfinale träumen. Ausgerechnet Fabio Cannavaro, beim WM-Triumph vor vier Jahren noch Garant einer schier unüberwindbaren Abwehr, war gestern der Schwachpunkt der italienischen Defensive. Einen Freistoß von Simon Elliott stoppte er so unglück-

Defensive ist Trumpf

lich mit dem Oberschenkel, dass Smeltz den Ball ohne Mühe einschieben konnte. Als einziger Lichtblick der ideenlosen italienischen Offensive präsentierte sich Riccardo Montolivo, der mit einem Fernschuss Pech hatte und nur den Innenpfosten traf (27.). „Wir müssen mehr zum Abschluss kommen“, klagte der Florentiner. Lippi hofft gegen die Slowakei auf die Rückkehr von Spielmacher Andrea Pirlo nach dessen Wadenzerrung. „Pirlo ist einer, der ein Spiel entscheiden kann“, sagte der Trainer, der vor der Partie gegen Neuseeland noch verkündet hatte, fehlende Spieler dürften keine Ausrede sein. Die Italiener warfen gestern zwar alles nach vorne, zeitweise standen die Neuseeländer zu siebt am eigenen Strafraum und droschen die Bälle aus der eigenen Hälfte. Doch ein konstruktives Angriffsspiel brachte der Weltmeister nicht zustande. Chancen für Giorgio Chiellini (17.), Gianluca Zambrotta (22.) oder Antonio Di Natale (49.) verpufften. Am Ende konnten die Italiener froh sein, dass Chris Wood (83.) bei einem Konter sogar noch den Siegtreffer für Neuseeland knapp verpasste. dpa

I TA L I E N – NEUSEEL AND

1 :1

Italien: Marchetti – Zambrotta, Cannavaro, Chiellini, Criscito – Pepe (46. Camoranesi), De Rossi, Montolivo, Marchisio (61. Pazzini) – Gilardino (46. Di Natale), Iaquinta. Neuseeland: Paston – Reid, Nelsen, Smith – Bertos, Vicelich (81. Christie), Elliott, Lochhead – Smeltz, Fallon (63. Wood), Killen (90,).

Verletzte nach Serbien-Spiel

Schiedsrichter: Batres (Guatemala). Zuschauer: 38 229. Tore: 0:1 Smeltz (29., Foulelfmeter).

(7.),

Griechenland: Im letzten Gruppenspiel gegen Argentinien will die Mannschaft von Griechenland mit einer Defensivtaktik zum Erfolg kommen. „Wer von uns spielt, wird das machen, was er am besten kann: gut verteidigen. Also das, was wir wirklich gut machen können“, sagte Abwehrspieler Sokratis Papastathopoulos. Der Europameister von 2004 benötigt morgen einen Sieg, um ins Achtelfinale einzuziehen. „Wenn du gegen ein Team wie Argentinien spielst, darfst du keine Fehler machen“, forderte Papastathopoulos seine Kollegen zu voller Konzentration auf. dpa

1:1

Iaquinta

Fan-Randale: Bei Ausschreitungen nach dem Spiel Deutschland gegen Serbien (0:1) sind in Hessen vier Menschen verletzt worden. Mit einem Messerstich im Oberbauch musste ein 26-Jähriger in Weiterstadt ins Krankenhaus gebracht werden. Ein weiterer Beteiligter erhielt Fußtritte gegen den Kopf, wie die Polizei mitteilte. In Darmstadt erlitten zwei Polizisten bei einer Massenschlägerei zwischen serbischen und deutschen Anhängern leichte Verletzungen. dpa

Torjäger in Lauerstellung Wolfsburger Grafite hofft auf einen Einsatz in der „SeleÇão“, fordert ihn aber nicht VON ULRIK E JOHN

0:2

Valdez

Schiedsrichter: Maillet (Seychellen). Zuschauer: 26 643. Tore: 0:1 Vera (27.), 0:2 Riveros (86.).

V O L LT R E F F E R

EIGENTOR

Der Titelverteidiger steht nach dem 1:1 gegen Außenseiter Neuseeland vor dem Vorrundenaus

Slowakei: Mucha – Pekarik, Skrtel, Salata (83. Stoch), Durica – Strba, Kozak, Hamsik, Weiss, Vittek – Sestak (70. Holosko). Paraguay: Villar – Bonet, Da Silva, Alcaraz, Morel – Vera (88. Barreto), Victor Caceres, Riveros – Barrios (82. Cardozo), (68. Torres), Santa Cruz.

WM-ENTGLEISUNGEN

Weltmeister in Schockstarre

VON B ERN H A RD K RIEGER

Bloemfontein (dpa). Die BundesligaProfis Nelson Valdez und Lucas Barrios stehen mit Paraguay mit einem Bein im WM-Achtelfinale. Durch Tore von Enrique Vera (27. Minute) und Cristian Riveros (86.) gewannen die Südamerikaner gestern mit 2:0 gegen WM-Neuling Slowakei und legten in der Gruppe F mit vier Punkten die Basis zum Einzug in die K.-o.Runde der Fußball-WM. „Wir sind auf einem guten Weg. Ziel ist es jetzt, auch Gruppenerster zu werden. Das können wir schaffen“, sagte Torschütze Vera. Das Stelldichein aktueller und ehemaliger Bundesliga-Größen stand klar im Zeichen Paraguays, das entschlossen zu Werke ging und den guten Eindruck der lateinamerikanischen Teams bei dieser WM bestätigte. Zur Unterstützung der beiden Dortmunder Valdez und Barrios hatte Coach Gerardo Martino mit dem früheren Münchener Roque Santa Cruz einen dritten Stürmer aufs Feld geschickt. Die Maßnahme zahlte sich aus, denn das Angreifer-Trio bewegte sich sehr gut und sorgte immer wieder für Gefahr. Schon in der 3. Minute prüfte der überragende Santa Cruz erstmals Keeper Jan Mucha, der den 18-Meter-Schuss mit Mühe um den Pfosten drehte. Ein Traumpass von Barrios leitete nach knapp einer halben Stunde die verdiente Führung für die „Guaranies“ ein. „Wir haben sehr gut und konzentriert gespielt. Dieses Resultat gibt uns viel Selbstvertrauen“, sagte Trainer Martino.

15

Bei den Franzosen herrscht das Chaos

Ein Gefühl wie beim WM-Aus: Giampaolo Pazzini, Mauro Camoranesi, Daniele De Rossi und Antonio Di Natale (von links) nach dem peinlichen Unentschieden gegen Neuseeland.

Paraguay dreht auf

S LOWA K EI – P A R A G U AY

HANNOVERSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG

Wartet auf seine Chance: Grafite hinterlässt im Training der brasilianischen Nationalelf einen guten Eindruck, für einen WM-Einsatz reichte es aber noch nicht. afp

Johannesburg. Selten hat man einen so glücklichen Ersatzspieler gesehen: Für Grafite vom VfL Wolfsburg sind die Tage im Team von Rekordweltmeister Brasilien ein Riesenerlebnis. Der letztjährige Bundesliga-Torschützenkönig und „Fußballer des Jahres 2009“ hofft auf einen Einsatz in der „Seleção“, fordert ihn aber nicht lautstark. „Mein Ziel ist es, ein Tor bei der WM zu schießen und der Mannschaft zu helfen“, sagte der Stürmer. „Aber wenn wir ein gutes Turnier spielen und Weltmeister werden, dann bin ich zufrieden – auch wenn ich nicht gespielt habe.“ Beim Training fügt sich Grafite ausgesprochen gut in die Mannschaft ein, sprüht vor Spielwitz und scheint bester Laune. „Das ist mein zweiter Besuch in Südafrika. Im Januar war ich mit Wolfsburg zur Vorbereitung hier in Port Elizabeth“, erklärte der dunkelhäutige Torjäger. „Für mich ist es schön, auf jenem Kontinent zu sein, wo meine Ursprünge liegen, und ich hoffe, dass diese WM der Welt die Augen öffnen wird: Denn Afrika ist ein so starker Erdteil wie Europa.“

Grafites Nominierung hatte viele überrascht. In der Bundesliga schwächelte er zeitweise dermaßen, dass ihn der inzwischen gefeuerte VfL-Trainer Armin Veh mitten im Spielbetrieb in den Heimaturlaub schickte. Grafite schoss zwar insgesamt elf Tore, ließ aber auch sehr viele Großchancen aus und stand klar im Schatten von Edin Dzeko. „Manche Spieler brauchen eben nur fünf Minuten, um zu zeigen, dass sie zur Nationalmannschaft gehören“, erklärte Nationaltrainer Carlos Dunga das Vertrauen, das er in den Bundesliga-Profi setzt. Beim 2:0-Testspielerfolg Brasiliens im März in London gegen Irland bereitete Grafite den zweiten Treffer durch Robinho per Hackentrick vor. Es war erst sein zweites Länderspiel, nachdem er im April 2005 beim 3:0 gegen Guatemala seinen bisher einzigen Treffer für Brasilien erzielt hatte. „Die Nominierung für das Irland-Spiel hatte mich überrascht. Ich habe damals 27 Minuten gespielt und viele meinten, dass ich vielleicht bei der WM dabei sein könnte. Und jetzt bin ich hier“, sagte Grafite. Den Tag der Nominierung wird der Stürmer nie vergessen: Seine Familie und

Freunde saßen bei ihm zu Hause in Wolfsburg vor dem Fernseher. Er selbst hielt die Spannung nicht mehr aus und verzog sich in den Garten auf die Schaukel. „Auf einmal sind alle rausgerannt und haben geschrien: Du bist dabei! Das war ein unglaubliches Gefühl“, erzählte der 31-Jährige lächelnd. Speziell dachte er in diesem Moment an seinen vor eineinhalb Jahren verstorbenen Vater: „Er schaut jetzt von oben zu und ist stolz auf mich.“ Trotz der Abenteuerreise mit der „Selecao“ blickt Grafite bereits über die WM hinaus. „Ich erlebe dann meine vierte Saison in Deutschland, und ich bin glücklich dort. Leider haben wir dieses Jahr nicht die Champions-League-Teilnahme geschafft“, sagte er. „Aber jetzt ist ja mit Steve McClaren ein neuer Trainer gekommen. Wir hoffen, dass wir wieder in die Erfolgsspur zurückkehren, um die Meisterschaft kämpfen und wieder in die Champions League kommen.“ Auch der VfL Wolfsburg wird nach Ansicht von Manager Dieter Hoeneß von Grafites WM-Teilnahme profitieren: „Aus eigenem Erleben weiß ich, dass ein solches Turnier ihn als Fußballer weiterbringen wird.“ dpa


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WM−Journal

HANNOVERSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG

MONTAG, 21. JUNI 2010 · NR. 141

Die Abkehr vom Hurra-Stil

K AMERUN – DÄ NEM A RK

Trotz Achtelfinaleinzugs werden Niederländer stark kritisiert / „Machen es auf die deutsche Art“ VON L A RS R EIN EFELD

DA M A L S IN DEUTSCHLAND 11. Tag: Deutschland bereitet sich auf sein erstes Finale 2006 vor: auf das finale Vorrundenspiel gegen Ecuador, in dem die Mannschaft von Bundestrainer Jürgen Klinsmann den dritten Sieg bei dieser WM feiern will. Christoph Metzelder leidet zwar unter Knieproblemen, und Torsten Frings klagt über eine leichte Blessur an der rechten Wade, aber die Fußballfans im Land irritiert das nicht. Schließlich hält die Wade der Nation, die von Michael Ballack, und überhaupt: Wer soll diese Mannschaft stoppen? Findige Historiker erinnern sich, dass der dritte Vorrundensieg einen fast beispiellosen WM-Start bedeuten würde: Nur einmal, 1970 in Mexiko, ist eine deutsche Elf so erfolgreich ins Turnier gestartet. Damals platzte der Titeltraum in der Verlängerung des Halbfinales gegen Italien, aber das erzählen die WM-Historiker nicht. Sportgeschichte wird sich ja nicht wiederholen. Oder? Eine andere Statistik wird nicht bemüht, sie wird erst beim Turnier in Südafrika interessant: Viermal hat eine DFB-Elf bislang ein WM-Vorrundenspiel verloren, 1954, 1974, 1982, und 1986 – jedes Mal hat sie danach das Finale erreicht. stk Das kommt zwar nicht wieder, aber man darf sich gerne erinnern: An dieser Stelle werfen wir jeden Tag einen kurzen Blick zurück auf die WM 2006.

Morddrohungen gegen Sani Kaita Richard’s Bay (dpa). Nach den Morddrohungen gegen Sani Kaita hat der nigerianische Fußballverband die FIFA und die Regierung des Landes eingeschaltet. „Er hat mehr als 1000 Drohungen an seine MailAdresse bekommen, daher nehmen wir es nicht leicht“, erklärte gestern Pressesprecher Idah Peterside. Kaita, der sein Geld beim russischen Verein Alania Wladikawkas verdient, hatte nach seinem Platzverweis bei der 1:2-Niederlage gegen Griechenland bereits am Sonnabend Drohungen erhalten. „Ich mache mir keine Sorgen. Ich bin Moslem, und nur Gott entscheidet über Leben und Tod“, sagte der 24-Jährige. „Dass Menschen sein Leben bedrohen, ist erschreckend und enttäuschend“, sagte Peterside. „Kaita ist schockiert, aber er bekommt von den Mitspieler und den Verbandsfunktionären Unterstützung.“

WM IM TV ZDF 12.15 Uhr: „Der Countdown“: Höhepunkte, Analysen, Interviews 13.30 Uhr: Vorrunde, Gruppe G, Portugal – Nordkorea 16 Uhr: Vorrunde, Gruppe H, Chile – Schweiz 19.15 Uhr: „Der Countdown“: Höhepunkte, Analysen, Interviews RTL 20.30 Uhr: Vorrunde, Gruppe H, Spanien – Honduras SPORT1 18.30 Uhr: „WM aktuell“ (Alle Sendungen live)

Schweizer Serientäter Port Elizabeth (dpa). Das war nicht unbedingt zu erwarten: Das Kräftemessen zwischen der Schweiz und Chile ist durch den sensationellen Sieg der Eidgenossen gegen WM-Favorit Spanien zum Gipfeltreffen in der Gruppe H geworden. Dem Gewinner winkt auf jeden Fall die alleinige Tabellenführung und im Fall eines Remis zwischen Spanien und Honduras sogar der vorzeitige Einzug ins Achtelfinale. „Die Chilenen sind Favorit“, sagt Ottmar Hitzfeld und versucht damit, den Druck von seiner „Nati“ zu nehmen. Kollege Marcelo Bielsa konterte konsequent: „Wir sehen uns nicht als Favorit.“

Chile – Schweiz (heute, 16 Uhr, ZDF)

Psycho-Geplänkel hin oder her: Entscheidend ist, ob die Schweizer ihre stolze Serie von acht Stunden ohne WM-Gegentor ausbauen können. Bei der Fußball-WM 2006 hatten sie in vier Partien kein Gegentor in der regulären Spielzeit kassiert und waren im Achtelfinale erst im Elfmeterschießen an der Ukraine gescheitert. Nach ihrem überraschenden 1:0-Sieg gegen Spanien in Südafrika sind sie seit 484 Minuten ohne Gegentreffer. „Es ist uns niemand böse, wenn wir weiterkommen und dabei das eine oder andere Tor kassieren“, versicherte Diego Benaglio. Der Torwart misst dem Thema keine allzu große Bedeutung bei. Die Eidgenossen waren nach ihrem Coup in erster Linie damit beschäftigt, die Euphorie zu dämpfen. „Diese drei Punkte helfen uns nur, wenn wir jetzt nachlegen“, sagte Benaglio. Hitzfeld betonte: „Es ist schön, dass in der Schweiz Euphorie herrscht. Wir aber müssen mit beiden Beinen auf dem Boden bleiben.“

Durban. Ergebnisfußball statt Angriffsspektakel – die Niederlande im Wandel: Trotz des souveränen Einzugs ins Achtelfinale der WM nach zwei Siegen über Dänemark (2:0) und Japan (1:0) hagelt es Kritik aus den Niederlanden an der unattraktiven Spielweise der „Elftal“. Doch Trainer Bert van Marwijk und die Spieler verteidigten nach der dürftigen Offensivvorstellung gegen die Asiaten die Abkehr vom Hurra-Stil früherer Jahre vehement und gingen zum verbalen Angriff über. „Alle wollen immer tollen Fußball von uns sehen und ein 5:0 zur Halbzeit“, schimpfte der Bondscoach. „Aber das geht nicht immer, und dann muss man auch mal hässliche Spiele erfolgreich gestalten.“ Ein Schönheitspreis interessiert van Marwijk nicht, der Titel schon: „Wir sind hierher gekommen, um was zu gewinnen. Wir wollen Weltmeister werden“, tönte er. „Oranje“ hat aus den bitteren Erfahrungen seine Lehren gezogen. Noch bei der EM 2008 rauschte die Elf unter van Marwijks Vorgänger Marco van Basten mit drei begeisternden Siegen gegen Weltmeister Italien (3:0), Vizeweltmeister Frankreich (4:1) und Rumänien (2:0) durch die Vorrunde und spielte sich in die Herzen der Fans. Als die Holländer im Viertelfinale gegen Russland einbrachen und in der Verlängerung mit 1:3 verloren, vergossen sie bittere Tränen. Bei der WM 2006 kam das Aus ebenfalls im ersten K.-o.-Spiel, im Achtelfinale gegen Portugal. Wie ein roter Faden ziehen sich solche Pleiten bei großen Turnieren durch die niederländische Fußballgeschichte: toll gespielt, aber nichts gewonnen – abgesehen vom EM-Titel 1988. Ein ähnliches Schicksal wie so häufig soll dem Team in Südafrika erspart bleiben. Daher bläute der früheren Coach von Borussia Dortmund den Ballkünstlern um Wesley Sneijder, Rafael van der Vaart, Robin van Persie und dem gegen Japan noch pausierenden Arjen Robben Pragmatismus ein. „Auch ich liebe es, mit wunderschönen Spielen zu gewinnen. Aber manchmal ist dafür kein Platz, und man braucht Geduld, besonders gegen einen defensiv gut organisierten Gegner“, betonte van Marwijk. Mit einem Verweis auf den Europameister nahm er den Kritikern den Wind aus den Segeln. „Ich habe die Spanier gegen die Schweiz gesehen und ihr Spiel genossen. Aber am Ende haben sie verloren. Wir haben sechs Punkte.“ Die Zeitung „Telegraaf“ schrieb von einem Sieg „in deutscher Manier“. Doch selbst dem scheidenden Präsidenten des Fußball-Verbands (KNVB), Henk Kessler, ist das egal: „Du kannst nicht wie bei der EM tollen Fußball spielen und dann doch mit leeren Händen dastehen. Da mache ich es lieber auf die deutsche Art und Weise: schlecht spielen und am Ende mit dem Pokal nach Hause gehen.“ Auch gegen die Japaner, denen dank der besseren Tordifferenz ein Remis gegen Dänemark im letzten Gruppenspiel am Donnerstag zum Weiterkommen genügen würde, heiligte am Sonnabend in Durban der Zweck die Mittel. Kontrolle statt Esprit. Selbst beim Siegtor von Sneijder (53.) bedurfte es der Mithilfe des Gegners. Japans Keeper Eiji Kawashima ließ dessen Distanzschuss durchrutschen. Laut van der Vaart steckt hinter den uninspirierten Darbietungen Kalkül. Die Show hebt man sich angeblich für später auf. „Im Moment müssen wir nicht mehr machen. Wir können besser spielen, und wir werden das auch noch zeigen“, versprach der Profi von Real Madrid. Sein früherer HSV-Teamkollege Joris Mathijsen ist „total genervt“ von der Debatte in der Heimat. „In Holland können sie schreiben, was sie wollen. In der K.-o.Phase werden wir wieder attraktiven Fußball zeigen“, sagte der Abwehrspieler. dpa

Kamerun: Souleymanou – Mbia, Nkoulou, Bassong (72. Idrissou), Assou Ekotto – Geremi, Alexandre Song, Eyong (46. Makoun) – Eto’o, Webo (78. Aboubakar), Emana. Dänemark: Sörensen – Jacobsen, Agger, Kjaer, S. Poulsen – C. Poulsen – Grönkjaer (67. Kahlenberg), Jörgensen (46. Jensen) – Rommedahl, Tomasson (86. Jakob Poulsen) – Bendtner. Schiedsrichter: Larrionda (Uruguay). Zuschauer: 38 074. Tore: 1:0 Eto’o (10.), 1:1 Bendtner (33.), 1:2 Rommedahl (61.).

Entsetzen in Kamerun Aus für Eto’o und Co.

Ja, eine Runde weiter: Torschütze Wesley Sneijder (vorn) und John Heitinga feiern den Achtelfinaleinzug der Niederländer.

NIEDERL ANDE – J A PA N

dpa

1: 0

Niederlande: Stekelenburg – van der Wiel, Heitinga, Mathijsen, van Bronckhorst – van Bommel, De Jong – Kuyt, Sneijder (83. Afellay), van der Vaart (72. Elia) – van Persie (88. Huntelaar). Japan: Kawashima – Okubo (77. Tamada), Endo, Hasebe (77. Okazaki), Matsui (64. Nakamura) – Abe – Nagatomo, Tulio, Nakazawa, Komano – Honda. Schiedsrichter: Baldassi (Argentinien). Zuschauer: 62 010. Tor: 1:0 Sneijder (53.).

Enttäuschung pur: Japanische Fans nach der 0:1-Niederlage in Durban. dpa

Ausgelassenheit pur: Niederländische Fans feiern den Achtelfinaleinzug. dpa

Raus aus der Isolation Nordkoreanische Spieler streben nach Europa / Totalitärer Staat verspricht sich Devisen VON F LORI AN L ÜTTICK E UND C HRISTIAN K UNZ

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Japan geborene Stürmerstar Jong Tae Se, den Sprung ins Ausland geschafft. „Das System in Nordkorea ist fast wie InzuchtTembisa/Lupsingen. Die großen fußball. Da spielt eigentlich immer der WM-Unbekannten aus dem abgeschirm- Bruder gegen den Bruder“, sagt Messerli ten Nordkorea sollen Karl Messerli das über den Ligabetrieb. große Geld bringen. Der frühere FußballJong Tae Se, der vor dem WM-Spiel geprofi hat sich die Transferrechte an Natio- gen Brasilien bei der Hymne Tränen vernalspielern des asiatischen Staats für Eu- goss und danach mit viel Eifer zur Sache ropa gesichert und will die Kicker aus ging, wäre auf den ersten Blick wohl der dem totalitären Regime möglichst bald an interessanteste Mann für Europa. Der den Klub bringen – bullige Stürmer, in gern auch in Asien gerne und Portugal – Nordkorea Deutschland. „Es oft mit Wayne Roo(heute, 13.30 Uhr, ZDF) gibt schon drei, ney verglichen, vier Spieler, die zuliebäugelt mit dem mindest technisch Mutterland des problemlos in der Bundesliga mithalten Fußball. „Ich will in England spielen“, können“, schwärmt der Schweizer Unter- sagte der 26-Jährige vor der heutigen Parnehmer, wenn er über die „Brasilianer tie gegen Portugal. Denn der Insel-Kick Asiens“ spricht. ist der Maßstab in Fernost. Seit 15 Jahren macht Messerli GeschäfKim Kuk Jin kickt schon in Europa – te mit Nordkorea, lässt dort Textilien und beim FC Wil in der 2. Schweizer Liga. In Plüschtiere produzieren. Zwölf Monate den WM-Kader schaffte es der 20-Jährige dauerte es, bis er und seine Partner von nicht. Zu zweit waren sie damals in die Alder Firma „Friends of Korea“, die die pen gewechselt – einer von beiden kehrte Rechte besitzt, endlich an den „richtigen wieder nach Hause zurück: Heimweh, Stellen“ für den Fußball-Handel ange- sagt Messerli. Diesmal können sich weitekommen waren. Außen- und Sportminis- re Akteure für einen europäischen Klub terium des abgeschotteten Staates fällen bewerben – auch wenn das offiziell keiner die Entscheidung, ob ein Spieler das Land sagt. „Wir Spieler wollen das Land ehren. verlassen darf und waren erwartungsge- Daran denken alle in dem Moment“, lautemäß bei der Anfrage nicht sofort begeis- te kurz vor einer Übungseinheit auch die tert von der ungewohnten Offenheit. „Die- übersetzte Antwort von Mittelfeldmann ses Interesse zu wecken, war ein Teil der Kim Yong Jun. Arbeit. Aber die Spieler brauchen unbeMal abgesehen davon, dass niemand dingt mehr Kontakt mit ausländischen nach dem Auftakt gegen Brasilien überGegnern“, sagt der 63-Jährige – und wirbt haupt weiß, ob die Kicker gut genug wäfür schnelle Transfers. ren – Kontakte wären ohnehin schwer Bislang haben nur drei Mitglieder des aufzunehmen. Auch vor dem Turnier in aktuellen Nationalkaders, darunter der in Südafrika setzte Nordkorea auf Isolation.

Trainer Kim Jong Hun durfte sein Team zwei Jahre um sich versammeln. „Sie versuchen die mangelnde Erfahrung wettzumachen, in dem sie praktisch wie ein Klub auftreten“, erklärt Messerli. „Die Ausbildung der Spieler ist top. Sie müssen aber ihre Naivität ablegen“, resümierte der Schweizer nach der ersten Partie. Nordkorea will mit einem Auslandshandel – bei dem wohl ein paar Devisen drin sein dürften – vor allem durch eine

Qualitätssteigerung profitierten. Denn die Spieler könnten sich in stärkeren Vereinen weiterentwickeln. Dass Messerli dabei einen bettelarmen, diktatorischen Staat am Verhandlungstisch berät, ficht den ehemaligen Profi des FC Basel nicht an: „Wenn man immer das macht, was die Amerikaner sagen, kommt man auch nicht vom Fleck. Und wenn man die Geschäfte nicht macht, kann man der Bevölkerung auch nicht helfen.“ dpa

Pretoria (dpa). Samuel Eto’o schlurfte völlig niedergeschlagen aus dem Stadion. Sein Trainer Paul Le Guen gab sich trotzig. Der Franzose dachte in der schweren Stunde des Scheiterns überhaupt nicht an einen Rücktritt als Coach der „Unzähmbaren Löwen“. „Ich werde nicht aufgeben“, sagte der Trainer von Kamerun. „Ich fürchte nichts. Aber ich bin unglücklich und traurig für die kamerunische Nation.“ Nach dem 1:2 gegen Dänemark waren ausgerechnet für ein afrikanisches Team bei der WM-Premiere auf dem Heimkontinent als Erstes alle Chancen auf das Achtelfinale dahin. Das frühzeitige Ende nagte sichtbar an Stürmerstar Eto’o von Champions-League-Sieger Inter Mailand. Mit leerem Blick ließ er den Interviewreigen über sich ergehen. Geduldig beantwortete der Torschütze zum 1:0 (10. Minute) die bohrenden Fragen, warum der WM-Beutezug der „Löwen“ schon vorbei ist. „Wir hatten so viel Hoffnung“, meinte der Stürmer, der vor der Partie mit einigen Mitspielern den Aufstand geprobt hatte. Zumindest von der Formation her erfolgreich; Le Guen hatte wie von Eto’o gewünscht die Mannschaft aufgestellt. Aber ohne Happy End. Dabei hatten die Kameruner gar nicht schlecht gespielt. Mit Willen und Einsatz waren sie zur Sache gegangen – und Chancen hatten sie zur Genüge. Auch weil sich die aufopferungsvoll kämpfenden Dänen einen Schnitzer nach dem anderen leisteten. „Wir haben viele elementare Fehler gemacht“, sagte deren Coach Morten Olsen. Dass es dennoch klappte, hatte er Nicklas Bendtner (33.) und Dennis Rommedahl (61.) zu verdanken. Die Dänen dürfen sich also weiter steigern und auf eine erfolgreiche WM hoffen, Kamerun spielt gegen die Niederlande um die Ehre. Als erstes afrikanisches Team sind sie raus. Südafrika, Algerien, Nigeria, Ghana und die Elfenbeinküste könnten folgen. „Das wäre auf jeden Fall sehr schade für den Kontinent“, sagte Bundesligaprofi Maxim Choupo-Moting. „Vielleicht hat es nicht sollen sein für einige afrikanische Teams, aber es geht voran.“ Der Nürnberger Angreifer war wohl einer der Leidtragenden der Revolte um Rädelsführer Eto’o, von dem der 21-Jährige einst ein Poster im Kinderzimmer hängen hatte. „Es gab Konflikte zwischen Spielern und Trainern, aber die genauen Probleme haben sie untereinander besprochen“, sagte Choupo-Moting, der nicht ausschloss, dass Kamerun ohne den internen Ärger besser abgeschnitten hätte. „Ist möglich“, meinte er.

Mit Torres, ohne Hektik Johannesburg (dpa). Der Europameister setzt auf einen neuen Stürmer. Torjäger Fernando Torres soll Titelkandidat Spanien gegen Honduras die „letzte Chance“ auf den ersten WM-Triumph sichern. Schließlich geht es für die „Seleccion“ gegen den krassen Außenseiter überraschend früh um alles oder nichts. Trotz des enormen Drucks zeigen die Spanier nach der sensationellen 0:1-Pleite gegen die Schweiz vor dem Duell der beiden Auftakt-Verlierer keinerlei Anzeichen von Nervosität. „Wir machen uns nicht verrückt“, sagte Torres. Spanien – Honduras (heute., 20.30 Uhr, RTL)

Dehnen für Europa? Jong Tae Se und seine Mitspieler von der nordkoreanischen Nationalmannschaft suchen einen Klub in der Fremde. afp

Nur im Fall eines Sieges gegen die Mittelamerikaner hat Spanien realistische Aussichten auf den Einzug ins Achtelfinale. Schließlich wartet im letzten Gruppenspiel in Chile ein weitaus härterer Brocken. „Die Partie gegen Honduras ist von fundamentaler Bedeutung“, betonte Mittelfeldmann Xabi Alonso. Abwehrhüne Gerard Pique strich den besonderen Charakter der ursprünglich als reine Pflichtaufgabe gedachten Partie heraus: „Wenn wir gegen Honduras nicht gewinnen, ist das Spiel gegen Chile egal. Das wird wie ein Finale.“ Beim Europameister ist sich jeder des Ernstes der Lage bewusst. Trotz dieser eher außergewöhnlichen Situation kommt bei der „Furia roja“ (roten Furie) keine Hektik auf. Angel Maria Villar nahm Druck vom Team: „Es wäre kein Desaster, wenn wir nicht weiterkommen würden.“ Demonstrativ gab der Präsident des spanischen Fußball-Verbandes RFEF Trainer Vicente del Bosque eine Jobgarantie: „Er bleibt auch im Fall eines Scheiterns.“


Sport

NR. 141 · MONTAG, 21. JUNI 2010

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Wirbel um Daum in der Türkei

Nimm uns mit, Kapitän

Istanbul (r). Der deutsche Fußballtrainer Christoph Daum sorgt mal wieder für Kokain-Schlagzeilen. Aber einiges spricht dafür, dass dahinter eine Kampagne steckt, mit der der Klub Fenerbahce Istanbul den ungeliebten Coach loswerden will, ohne zugleich eine Millionenabfindung zahlen zu müssen. „Christoph Daum zu Kokaintest“, das meldete am Sonnabend die türkische Zeitung „Vatan“ auf ihrer Internetseite, und zahlreiche Blätter am Bosporus übernahmen die Nachricht. Der Kölner „Express“, mit besten Drähten zu Daum seit dessen Tätigkeit bei den „Geißböcken“ ausgestattet, erwischte den Trainer tatsächlich während eines Krankenhausbesuchs. Doch der widersprach entschieden, dass er sich einem Drogentest zu unterziehen habe. „Mir wurde normal Blut und Urin abgenommen, Röntgen- und Ultraschallbilder gemacht. Die Werte sind alle in Ordnung. Ich bin kerngesund. Und der Verein hat die Falschmeldung von ,Vatan‘ prompt dementiert“, sagte Daum dem „Express“. Zu dieser Untersuchung sei bei Fenerbahce jeder vertraglich verpflichtet. Gleichwohl hat Daum dafür nicht das „Fener“-Krankenhaus genutzt, sondern ließ sich vom Gynäkologen seiner Ehefrau Angelica untersuchen – was türkische Medien als „taktischen Zug in einem kalten Krieg“ werteten. Hintergrund der Entwicklung: Daum hatte die in ihn gesetzten Titelhoffnungen enttäuscht und Fenerbahce nur zur Vizemeisterschaft geführt. Im Streit darum soll es sogar zu Handgreiflichkeiten mit Klubchef Aziz Yildirim gekommen sein. Beinahe der gesamte Trainerstab Daums ist unterdessen entlassen worden, und der Trainer wurde verdonnert, sich täglich von 9 bis 18 Uhr auf dem Klubgelände zur Verfügung zu halten. Warum das alles? Kann Daum aus gesundheitlichen Gründen entlassen werden oder gibt er von selbst auf, spart Fenerbahce nach Spekulationen von Beobachtern eine Abfindung in Höhe von rund sieben Millionen Euro.

Cherundolo glänzt in Südafrika und verlängert bei den „Roten“, die ihn in der neuen Saison zum Spielführer machen werden

KURZ GEMELDET Schleck und Martin jubeln Radsport: Der Luxemburger Frank Schleck hat die Tour de Suisse mit einem Vorsprung von nur zwölf Sekunden auf den siebenmaligen Tour-de-France-Sieger Lance Armstrong gewonnen. Nach der vorletzten Etappe hatte noch der Niederländer Robert Gesink das Gesamtklassement angeführt. Den Tagessieg im abschließenden Zeitfahren in Liestal über 26,9 Kilometer sicherte sich am Sonntag der Eschborner Tony Martin in 31:21 Minuten. Er verwies Titelverteidiger und Prolog-Gewinner Fabian Cancellara (Schweiz) mit einem Abstand von 17 Sekunden auf den 2. Platz. Für Martin war das die beste Empfehlung für die „Tour“, die in knapp zwei Wochen startet.

Köln Meister nach Aufholjagd Hockey: Rot-Weiß Köln hat seinen Titel als deutscher Feldmeister mit Erfolg verteidigt. Im Finale von Düsseldorf gelang den Rheinländern ein verdientes 4:2 gegen den Uhlenhorster HC aus Hamburg. Nach einem 0:2-Rückstand durch Jonas Fürste (6. Minute) und Marco Miltkau (19.) sorgten Constantin Axer (30.), Fabian Bauwens-Adenauer (38.), Marcel Meurer (57.) und Christopher Zeller (66.) für den fünften Titelgewinn der Kölner seit 1972. Olympiasieger Zeller hatte vier Minuten vor dem Ende sogar die Möglichkeit zum 5:2. Im Spiel um den 3. Platz, der ebenfalls zur Teilnahme an der Euro-Hockey-League berechtigt, siegte der Mannheimer HC mit 2:1 gegen Uhlenhorst Mülheim. dpa

Petkovic in Wimbledon-Form Tennis: Andrea Petkovic hat das Finale des Turniers im niederländischen Hertogenbosch verloren. Dennoch hat die deutsche Fedcup-Spielerin vor dem dritten GrandSlam-Turnier des Jahres in Wimbledon, das heute beginnt, viel Selbstvertrauen gewonnen. „Ich habe gesehen, dass ich mit den besten Spielerinnen mithalten kann“, sagte die 22-Jährige aus Darmstadt nach dem 6:3, 3:6, 4:6 gegen die Belgierin Justine Henin am Sonnabend. Ihre erste Gegnerin in London ist nun die Russin Anna Tschakwetadse. Das Männer-Finale entschied unterdessen Sergej Stachowski aus der Ukraine durch ein 6:3, 6:0 gegen den Serben Janko Tipsarevic für sich. dpa

VON N ORBERT F ET T BACK UND VOLK ER W IEDERSHEIM Hannover. Die Mannschaft des FußballBundesligisten Hannover 96 befindet sich im radikalsten Umbruch seit dem Wiederaufstieg 2002. Aber die wohl spektakulärste Personalentscheidung regeln die „Roten“ auf gänzlich unspektakuläre Art und Weise: Verteidiger Steve Cherundolo hat seinen am 30. Juni auslaufenden Vertrag um zwei Jahre bis 2012 verlängert. Zudem hat sich der Klub eine Option für ein weiteres Jahr gesichert. Der 31-Jährige hat im aktuellen Team schon jetzt mit Abstand die meisten Spiel für 96 absolviert, nämlich insgesamt 267, davon 199 in der Bundesliga, in denen er fünf Tore erzielte. Alles spricht dafür, dass Cherundolo deshalb nun auch zum neuen Chef im Team, zum Mannschaftskapitän wird. Eine Entscheidung so recht nach dem Geschmack des Publikums? In diesen Tagen lautet die klare Antwort: ja! Die frischesten Erinnerungen sind schließlich die an Cherundolos Einsätze bei der Weltmeisterschaft in Südafrika. In den bisherigen beiden Spielen des US-Teams in der Gruppe C hat der Kalifornier wie bei 96 als Rechtsverteidiger einen hervorragenden Eindruck hinterlassen. Beim 1:1 gegen England spielte er die Außenbahn rauf und runter wie ein Jojo – mancher 96-Fan wird sich gefragt haben, warum er das in Bundesligaspielen so nur ganz selten zu sehen bekommt. Im zweiten Spiel gegen Slowenien legte Cherundolo für Landon Donovans Anschlusstreffer zum 1:2 auf – die Partie endete 2:2. Nächster Gegner ist Algerien – und wer sagt, dass die Partie Cherundolos Endstation in Südafrika ist? Das WM-Abenteuer birgt auch eine letzte, kleine formale Klippe: Obwohl das Vertragswerk ausgehandelt ist, ist die Zusage bisher nur mündlich ausgesprochen. Und zwar zwischen Trainer Mirko Slomka, der Cherundolo in Südafrika besucht hat, Sportdirektor Jörg Schmadtke, der zurzeit in Griechenland Urlaub macht, sowie dem Spielerberater Harun Arslan und Klubchef Martin Kind in Hannover. Der Boss selbst aber jubelt schon zufrieden: „Das ist eine gute Entscheidung für Cherundolo, eine gute Entscheidung für uns. Es ist auch eine besondere Situation, weil er schon so lange bei 96 ist. Ein positives Signal.“ Manager Arslan hob derweil hervor, dass andere Angebote für Cherundolo ausgeschlagen wurden: „Er ist ein Roter.“ Von Anfang an sei außerdem erkennbar gewesen, dass beide Seiten die Verlängerung wollten, auch wenn die Verhandlungen „nicht ganz einfach“ gewesen sein sollen. Nette Umschreibung; tatsächlich hat das erste vom Klub unterbreitete Angebot dem Spieler „Tränen in die Augen getrieben“, wie 96-Insider wissen. Aber Kind,

Bradl nach Sturz raus Motorsport: Über den deutschen Piloten liegt in der Motorrad-WM der Fluch des guten Startplatzes. Stefan Bradl musste beim Großen Preis von Großbritannien als Dritter nach dem Qualifying alle Hoffnungen nach einem selbst verschuldeten Sturz begraben. In der Achtelliter-Kategorie wurde Sandro Cortese, den dieses Schicksal vor zwei Wochen von der Pole Position aus ereilt hatte, diesmal Sechster. Sieger in Silverstone waren die Spanier Marc Marquez (125 ccm) und Jorge Lorenzo (MotoGP) sowie Jules Cluzel (Frankreich, Moto2). dpa

der große Stücke auf Cherundolo hält, hat seine Schatulle schließlich doch noch ein bisschen weiter aufgemacht: Wer spekuliert, dass Cherundolo mit einer stattlichen Gehaltszulage bei regelmäßigen Einsätzen künftig etwa eine Million Euro pro Jahr oder ein bisschen drüber verdient, der wird nicht so falsch liegen. Diese Wendung in der Entwicklung ist schon bemerkenswert. In der Vergangenheit bei Hannover 96 gab es durchaus Phasen, in denen sich das Publikum von Cherundolo im Spiel viel mehr erhoffte. Phasenweise wurde ihm glattweg die Bundesliga-Eignung abgesprochen. Dieter Hecking suchte mit einigem Engagement auf dem Transfermarkt nach Spielern, die Cherundolo unter Druck setzen oder ab-

Schweden, wir kommen! Handballer schaffen Qualifikation für WM 2011 Drama (dpa). Nervenprobe bestanden und damit das WM-Ticket gesichert: Die deutschen Handballer haben sich für die Weltmeisterschaft 2011 in Schweden qualifiziert. Das Team von Bundestrainer Heiner Brand setzte sich gestern in Drama im Qualifikationsrückspiel gegen Griechenland mit 27:20 (10:10) durch, nachdem bereits das Hinspiel in Dortmund mit 25:20 gewonnen worden war. Auch ohne Kapitän Pascal Hens, der wegen der anstehenden Geburt seines ersten Kindes in Hamburg geblieben war, wendete die Mannschaft um den sechsfachen Torschützen Lars Kaufmann eine Panne ab: Bei einem Scheitern wäre Deutschland erstmals seit 1997 nicht bei einer WM dabei gewesen. Die junge deutsche Mannschaft, die zudem auf weitere wichtige Akteure wie Jo-

Titelverteidigung verpasst Leichtathletik: Die deutsche Mannschaft ist bei der Team-Europameisterschaft in Bergen vom Thron gestoßen worden. Russland lag am Ende mit 379,5 Punkten vor Großbritannien (317) und dem Titelverteidiger (304,5). In den 40 Wettbewerben gab es nur sechs deutsche Sieger: Nadine Müller (63,53 Meter) und Robert Harting (beide Diskus/66,80), Christina Obergföll (59,88) und Matthias de Zordo (beide Speer/83,80) sowie Betty Heidler (Hammer/73,74) und Sabrina Mockenhaupt (5000 Meter/15:17,38 Minuten). Auch Silke Spiegelburg (Stabhoch), Petra Lammert, und Ralf Bartels (Kugel), Markus Esser (Hammer) und Ariane Friedrich (Hochsprung) kamen unter die besten drei. dpa

Mit Herz und Hand für 96 – so feierte Steve Cherundolo nach dem 4:2-Heimsieg gegen Schalke 04 vor der Fankurve.

Bester Werfer: Lars Kaufmann (hinten).

dpa

hängen könnten – Peter Pekarik (jetzt VfL Wolfsburg) und Andreas Görlitz (zuletzt FC Bayern München) etwa zählten zu den Kandidaten. Nach Slomkas Antritt als Trainer, der Cherundolo noch von seinem ersten 96-Engagement als Assistent Ralf Rangnicks kannte, hatte die Suche indes keine Priorität mehr. Und spätestens nach dem erfolgreich bestrittenen Abstiegsendspiel beim VfL Bochum wurde klar, dass der Klub im Grunde kein Alternative hatte, als mit Cherundolo zu dessen Bedingungen zu verlängern: „Es muss viel passieren. Es wäre unglaublich fahrlässig und naiv, wenn wir aus unseren Fehlern nicht lernen in der Sommerpause“ sagte Cherundolo da und kündigte „Klartext in der internen Aussprache“ an.

Handball: Erstmals seit fast 50 Jahren ist die „Sbornaja“ nicht bei einer WM dabei. Das russische Team verlor in Tschechow das Qualifikations-Rückspiel gegen Rumänien mit 32:37, den ersten Vergleich hatten die Russen mit 32:28 gewonnen. Zuletzt fehlte eine Mannschaft Russlands, der GUS oder der Sowjetunion bei der WM 1961 in Deutschland. „Seit der Goldmedaille bei den Olympischen Spielen vor zehn Jahren ist im russischen Handball wenig geschehen“, sagte Trainer Wladimir Maximow, der verstärkte Anstrengungen fordert. Trotz großer Versprechungen nach dem 16. Rang bei der WM 2009 seien landesweit nur vier neue Arenen gebaut worden. dpa

Handball: Mit seiner Wurfgewalt hat Karol Bielecki dem Bundesligisten RheinNeckar Löwen schon viele Punkte gesichert. Nun aber braucht der Pole all seine Energie für einen wichtigeren Kampf: Der Nationalspieler ist nach einer Verletzung auf dem linken Auge erblindet – seine Karriere aufgeben will er dennoch nicht. Er glaube fest daran, dass er eine Chance habe. In einem Testspiel der Polen gegen Kroatien waren Bieleckis Augenlid und Augapfel bei einer unglücklichen Aktion schwer verletzt worden, er wurde zweimal operiert. Doch ohne Erfolg. Bereits heute soll Bielecki mit der Rehabilitation beginnen. Ersatz will der Mannheimer Klub nicht holen. dpa

STEVE CHERUNDOLO … wurde am 19. Februar 1979 in Rockford/Illinois geboren. Er spielte zunächst in einem High-School-Team in San Diego und einem Uni-Team in Portland, bevor er im Januar 1999 zu 96 stieß. Seither hat er 267 Pflichtspiele für die „Roten“ absolviert, davon 199-mal in der Bundesliga – beim Saisonstart nach dem WM gibt also gleich ein schönes Jubiläum. Er hat insgesamt sechs Tore erzielt, das bisher letzte war ein direkt verwandelter Freistoß zum 1:4 bei der Heimniederlage gegen den 1. FC Köln. Im Team USA hat er 62-mal gespielt und dabei zwei Treffer erzielt. r

Jetzt erhältlich: Das HAZ-Skatblatt zur WM

Spiel das Spiel! Langeweile in der Halbzeit? Dann freuen Sie sich jetzt auf das HAZ-Skatspiel zur Fußball-Weltmeisterschaft mit lustigen Karikaturen von Jogi und seinen Jungs. Die Zeichnungen stammen von dem bekannten Künstler Jürgen Tomicek, die Auflage ist limitiert. Ein schönes Stück Erinnerung an einen wunderbaren Fußball-Sommer.

Deutschland: Heinevetter, Lichtlein – Groetzki (2 Tore), Gensheimer (5), Roggisch, Klein (1), Pfahl (3), Preiß (2), Glandorf (3), Kraus (4, davon 1 Siebenmeter), Kaufmann (6) und Haaß (1).

Bielecki auf einem Auge blind

Kritik am Klub – das war bisher so nicht die Domäne des Amerikaners. Aber alle anderen Typen mit Herz, Hirn und dem notwendigen Wortschatz sind weg. Natürlich sind Weichenstellungen für die sportliche Zukunft des Klubs vor allem Sache der Trainer und Sportdirektoren. Aber die wechseln bei 96 so schnell, dass Cherundolo sie im Dutzend zählen kann … M Transfers: Maximal auf drei Positionen wollen sich die „Roten“ noch verstärken – Sturm, „Zehner“-Position und rechtes Mittelfeld. Aber große Namen werden dabei nicht gehandelt, sagte 96-Klubchef Martin Kind. Der Schalker Jan Moravek ist ein „Zehner“-Kandidat. „Bei ihm stehen die Chancen nicht schlecht“, bestätigte Kind.

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hannes Bitter und Torsten Jansen verzichten musste, bestand die Nervenprobe vor allem dank ihres Kampfgeistes und einer guten Deckungsleistung. Die Deutschen ließen sich auch von den Reisestrapazen aufgrund der Verlegung des Spielorts und dem ohrenbetäubenden Lärm in der mit 1800 Zuschauern ausverkauften Krachtidi-Sporthalle nicht aus der Ruhe bringen. Vor allem dank der Paraden von Torhüter Silvio Heinevetter kamen die Deutschen gut ins Spiel und konnten einen schnellen Vorsprung der Gastgeber unterbinden. In der Offensive kam die DHB-Mannschaft zunächst über Sebastian Preiß am Kreis zum Erfolg. Doch nach einer Viertelstunde gab es einen Bruch im Spiel. Aber auf mehr als zwei Tore konnte sich Griechenland nicht absetzen – auch weil Hens-Vertreter Kaufmann mit seinen wuchtigen Distanzwürfen traf und somit den diesmal blassen Holger Glandorf auf der rechten Rückraumposition entlastete. Die Griechen ergaben sich zehn Minuten vor Schluss ihrem Schicksal und verpassten nach den beiden verdienten deutschen Siegen den Sprung zur WM. Qualifiziert haben sich dagegen neben Gastgeber Schweden sowie Titelverteidiger Frankreich unter anderem auch Polen, Island, Norwegen, Kroatien, Spanien, Dänemark, Österreich, Serbien, Rumänien, Ungarn und die Slowakei. Die Vorrundengruppen der Welttitelkämpfe, die vom 13. bis 30. Januar 2011 stattfinden, werden am 9. Juli ausgelost.

Russen fehlen bei der WM

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Sport

HANNOVERSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG

DHC siegt im Hockey-Derby DTV-Frauen verlieren Hannover (mab). Mit einem Torfestival hat sich Hannover 78 aus Hockey-Regionalliga verabschiedet. Der Zweitliga-Aufsteiger bezwang am letzten Spieltag Alster Hamburg II mit 8:4 (3:1) und schickte die Gäste damit in die Oberliga. Nach einem 0:1-Rückstand trafen Mark Reinhardt (3 Tore), Philip Reihs (2), Benedikt Reihs, Benedikt Reiter und Jannik Jendrytzko. Eine deutliche Angelegenheit war auch das Derby zwischen dem DHC und dem DTV. Mit 4:0 gewann der DHC und bleibt als Vierter Hannovers Nummer 2 vor dem Tabellensechsten DTV. Schon nach fünf Minuten hatten Martin Blankenstein und Calvin Perlack zwei Abwehrfehler des DTV zur 2:0-Pausenführung genutzt, nach dem Wechsel erhöhten Benjamin Rublack und Sven Alex. Ingo Franz, der beim DHC Chefcoach Jörg Wehrmeister vertrat, lobte in Torwart Justus Deike und Verteidiger Niklas Müller zwei der acht A-Jugendlichen. Ihre Chance auf den Regionalliga-Aufstieg haben die DTV-Frauen durch eine 1:2-Niederlage im Entscheidungsspiel der Oberliga-Meister beim Kieler HTC verspielt. Nach zwei Abwehrfehlern stand es schon in der 10. Minute 0:2, Anna Nommensens Anschlusstreffer war zu wenig. Hannover 78 verabschiedete sich mit einem 10:0-Triumph gegen die nur zu neunt angetretenen Frauen von Alster Hamburg II in die Oberliga. Der DHC gewann mit 3:1 gegen den Bremer HC.

MONTAG, 21. JUNI 2010 · NR. 141

Klimke sammelt Selbstvertrauen für die WM

KURZ GEMELDET TSV-Jugend wird Dritter

2. Platz beim Vielseitigkeitsturnier in Luhmühlen / Engländerin Hunt zieht im Springen noch vorbei Luhmühlen (dpa). Sie war glücklich – trotz der knappen Niederlage. Mannschafts-Olympiasiegerin Ingrid Klimke verpasste zwar den möglichen Sieg beim hochklassigen Vielseitigkeitsturnier in Luhmühlen, tankte aber viel Selbstvertrauen für die in drei Monaten beginnende Weltmeisterschaft. Im abschließenden Springen der Vier-Sterne-Prüfung in der Lüneburger Heide leistete sich Klimke am Sonntag mit vier Fehlerpunkten einen Abwurf zu viel. Trotz der Führung nach der Dressur und einem fehlerfreien Geländeritt Klimkes zog die Engländerin Sharon Hunt auf Tankers Town mit nur einem Abwurf im Gesamtklassement mit insgesamt 47,00 Punkten noch an der Münsteranerin

(47,20 Punkte) vorbei und kassierte die Siegprämie in Höhe von 33 000 Euro. Dennoch zollte Doppel-Olympiasieger Hinrich Romeike, der wegen der langwierigen Verletzung seines Top-Pferdes Marius bei der 50. Auflage des Traditionsturniers nicht an den Start gehen konnte, Klimke Respekt: „Ingrid war ganz stark im Gelände. Aus deutscher Sicht am Ende ein Spitzenergebnis.“ Und quasi als kleines „Trostpflaster“ gewann Klimke immerhin noch 23 000 Euro. Obwohl ihr mit dem 13 Jahre alten Hannoveraner Wallach Butts Abraxxas ebenso wie Lokalmatador Andreas Dibowksi (Egestorf) mit seiner Stute FRH Fantasia am Sonntag vor 25 000 Zuschauern die

Nerven versagten, gilt das Duo als große deutsche Hoffnung für die WM in den USA. Der Weltranglistenerste Dibowski wurde nach Dressur, Geländeritt und Springen am Ende Dritter (48,20) und kassierte 13 000 Euro. Dibowski, Klimke und Romeike wurden unmittelbar nach dem Turnier von Bundestrainer Hans Melzer in das vorläufige WM-Aufgebot berufen. Die endgültige Equipe für Lexington soll nach der deutschen Meisterschaft in Schenefeld bei Hamburg Ende August stehen. Für Jubelstürme hatte Klimke beim Geländeritt am Sonnabend gesorgt. Auf der 5950 Meter langen Strecke mit 32 Hindernissen und 43 Sprüngen zeigte die Olympiasiegerin von Hongkong eine bravouröse

Vorstellung. „Im Ziel habe ich gesehen, wie sich unsere Trainer gefreut haben. Das tat gut“, sagte Klimke. Auch Mutter Ruth Klimke, jahrelang eine der besten deutschen Dressurreiterinnen, war begeistert: „Das war ein fabelhafter Ritt mit einer hervorragenden Zeiteinteilung.“ Da der Geländekurs in diesem Jahr entschärft und pferdefreundlicher gestaltet wurde, kam es zu keinen ernsthaften Stürzen. Pech hatte nur der britische Favorit Oliver Townend, der mit Carousel Quest am zweiten Teich-Hindernis stürzte und aufgeben musste. Sein Trost: Mit seinem zweiten Pferd Ashdale Cruise Master landete er am Ende noch auf dem 5. Platz. Der Lohn: 6000 Euro.

zur Nieden

Streckenrekorde in Gehrden

Der kleine Till – und die Tücken des Balles

E

s ist so eine Sache mit dem runden Leder. Davon musste sich gestern auch Till Albeshausen überzeugen. Der Handballer aus der Minimannschaft des HSC Hannover versuchte beim Kleinfeldturnier auf der Anlage des TuS Bothfeld alles, um an den Ball zu kommen. Aber entweder wollte ein Gegenspieler der HSG Hannover-West Till (Bild oben, rechts) den Ball partout nicht geben. Oder es kam – wie im Spiel gegen den

White Sharks sind deutscher Meister

Schwimmen: Zwei Siege bei den internationalen deutschen Meisterschaften der Behinderten in Berlin hat Stephan Engelhardt (RSG Langenhagen) gefeiert. Der sehbehinderte Sportler setzte sich über 50 Meter Schmetterling mit Bestzeit von 29,78 Sekunden und über 200 Meter Lagen (2:44,44 Minuten) durch. Im Lagenwettbewerb behielt der 19-Jährige auf beeindruckende Weise die Nerven, er schwamm im Alleingang sein Rennen, nachdem er beim ersten Start gestört wurde. Engelhardt wurde in Berlin zudem Zweiter über 100 Meter Schmetterling und Vierter über 100 Meter Brust. cas

Eishockey: Ein leichtes Los hat der EC Hannover Indians für die 1. Runde des deutschen Eishockeypokals gezogen. Der Zweitligist muss beim Oberligisten Saale Bulls Halle antreten. Gespielt werden die Erstrundenpartien zwischen dem 10. und 12. September, ehe am 17. September die neue Saison in der 2. Liga beginnt. Im Pokalwettbewerb, den der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) in der vergangenen Saison einführte, nimmt außer 31 Zweitund Drittligisten auch die „U 20“-Nationalmannschaft teil, die auf diesem Weg Spielpraxis erhalten soll. Das DEB-Nachwuchsteam muss in der 1. Runde beim Oberligisten Deggendorf Fire antreten. bj

Fußball: Der FC Bayern München hat seinem großen Namen alle Ehre gemacht. Die ohne prominente Spieler angereisten „Ü 32“-Senioren des deutschen Rekordmeisters gewannen den Supercup – die inoffizielle deutsche Meisterschaft – auf der Anlage des TSV Limmer. Im Finale setzten sich die Bayern mit 2:0 gegen den FV Eppelborn (Saarland) durch. Zuvor hatte der Favorit allerdings Glück, als er sich im Achtel- (gegen SV Stadelhofen/Oberfranken) und im Viertelfinale (gegen den Lokalrivalen SpVgg Feldmoching) erst im Neunmeterschießen durchsetzte. Der TSV Limmer und der TSV Krähenwinkel/Kaltenweide scheiterten in der Vorrunde. r

Verden (mab). Der Dreifachsieg der hannoverschen Hochspringer ist bei den Landesmeisterschaften in Verden Realität geworden. Jan Hase (LGH) sprang mit 2,05 Metern deutlich höher als die hinter ihm platzierten Hendrik Meier und Jan Hentle von Hannover 96 (beide 1,99). Den Titel sicherte sich auch Marcus Kallmeyer (96), dessen Hammer bei 67,96 Metern landete, 15 Meter weiter als der Zweitplatzierte. Die Domäne der hannoverschen Frauen war der Sprint: Alena Roth (LGH/11,97) kam über 100 Meter als einzige unter zwölf Sekunden, Inga Maria Müller (LGH) holte in 56,82 Sekunden über 400 Meter und in 61,62 Sekunden auf der 400-Meter-Hürden-Runde gleich zwei Titel. Amina Ferguen komplettierte das LGH-Titel-Quartett im Sprint mit dem Sieg über 100 Meter (13,74). Zudem gab es für die LGH auf der 1500-Meter-Strecke durch Marion Leibrich (4:42,46), Carola Dewitz (4:45,90) und Beke Buhr (4:45,97) einen Dreifachsieg. Diana Dienel (LGH) verpasste den über 800 Meter in 2:14,50 Minuten nur um 0,37 Sekunden. Über 5000 Meter gab es familiäres Silber für Dirk Schwarzbach (14:45,25 Min.) und seine Frau Dorothea (18:17,02) vom TSV Kirchdorf; schnellste Frau war Katrin Kreil (96) in 17:46,32.

Engelhardt zweimal vorn

Indians im Pokal nach Halle

Bayern siegen beim Supercup

Drei Sprinttitel für die LGH

Hannover (uwe). Die White Sharks Hannover haben erneut einen nationalen Wasserballtitel gewonnen. In der Endrunde der deutschen Meisterschaft der B-Jugend in Duisburg gelang der Mannschaft der Trainer Michael Bartels, Jörg Deike und Milan Sagat im letzten Turnierspiel gegen den ASC Duisburg ein 10:5-Erfolg. Damit verdrängten die WSH die Gastgeber vom 1. Platz. Nach einem 6:6 gegen den SV Brambauer und vier weiteren Erfolgen hätte dem hannoverschen Team ein Remis gegen den ASC nicht zum Titel gereicht. Zum Meisterteam gehören Kevin Götz, Sebastian Scherp, Julian Scherp, Lukas Diercks-Frank, Attila Demir, Christos Diamantidis, Lukas Deike, Lenard Iseke, Marius Frank, Behnam Nalshekan, Lukas Wien, Falk Eck, Nicklas Ahlert, Dominic Wiegand und Tom Struß. „Die Jungs haben alles umgesetzt, was wir theoretisch erarbeitet haben. Das ist der Hammer“, sagte Bartels.

Handball: Die männliche B-Jugend der TSV Burgdorf hat beim Final-Four-Turnier um die deutsche Meisterschaft den 3. Platz belegt. Vor mehr als 1000 Zuschauern in Baunatal unterlag die Mannschaft von Trainer Carsten Schröter dem späteren Meister SG Spandau/Füchse Berlin im Halbfinale trotz 13 Treffern von Marius Kastening mit 25:31. „Wir haben etliche klare Torchancen und drei Siebenmeter ausgelassen, waren aber in der 45. Minute beim Stand von 18:19 dran“, sagte Schröter, dessen Team im Spiel um Platz 3 gegen den SC Magdeburg durch einen Treffer von Julius Hinz knapp mit 31:30 gewann. pk

TuS Vinnhorst – von irgendwo her eine Hand, die den kleinen HSCer störte (Bild links). Doch am Ende hatten Till und seine Mitspieler dennoch Grund zum Jubeln. Hinter der 2. Mannschaft des Gastgebers belegten sie in dem Wettbewerb, in dem es auf Tore, aber auch auf Geschicklichkeit bei einer Spielrunde ankam, den 2. Platz. Einen Sieg konnte der HSC bei der männlichen A-Jugend verbuchen – vor dem alten Rivalen TSV Ander-

Schnelle Polizistin in Laatzen ten. Bei den Männern gewann der TuS Vinnhorst durch einen 13:12-Finalsieg über den TuS Altwarmbüchen. Bei den Frauen behielt im Endspiel die HSG Langenhagen gegen Bothfeld mit 6:3 die Oberhand. Doch letztlich gab es bei dem zweitägigen Turnier, bei dem insgesamt 1500 Aktive um die Pokale kämpften, ohnehin nur Sieger. Denn im Vordergrund stand bei allem sportlichen Ehrgeiz der Spaß. bj

Drei Matchbälle – keine Punkte

Leichtathletik: Die neue Streckenführung beim 7. Laatzen-Leinelauf lockte 155 Sportler an, die die Zehn-Kilometer-Strecke erkunden wollten. Arne Knoop (Hannover 96) hatte es dabei besonders eilig: In 33:49,9 Minuten siegte er mit mehr als einer Minute Vorsprung vor Christof Jankowski (Det’s Raceteam, 35:00,3). Schnellste Frau war Iris Jeep (ebenfalls 96) in 43:13,7. Für eine Überraschung sorgte Kerstin Heimann über 6,5 Kilometer: Die Laatzener Polizistin belegte in 25:34,1 Minuten in der Gesamtwertung den 3. Platz, nur Alper Willführ (96) und Francesco Santilli (Det’s Raceteam) waren schneller. In den drei Wettbewerben kamen 327 Läufer ins Ziel. fe

Russian Tango empfiehlt sich

Die Faustballer des TK Hannover müssen nach zwei Heimniederlagen weiter um den Klassenerhalt bangen VON JAN B ECK M ANN Hannover. Es sollte der große Befreiungsschlag in der Faustball-Bundesliga werden. Doch daraus wurde für den TK Hannover an diesem Wochenende auf der heimischen Anlage in Kirchrode nichts. Dabei sah es zumindest in der ersten Partie des Doppelspieltags lange Zeit gut für die Gastgeber aus. Gegen den Tabellendritten TV Voerde erlebten die Zuschauen am Sonnabend einen wahren Faustball-Krimi – der am Ende mit 5:4 Sätzen an die Gäste ging. Tags darauf waren die Hannoveraner dann chancenlos: Gegen den deutschen Meister VfK Berlin, der in dieser Saison noch kein Spiel verloren hat, gab es eine deutliche 0:5-Pleite. TKH-Kapitän Ole Hermanns trauerte vor allem den verpassten Gelegenheiten in der Partie gegen Voerde nach. „Wir haben richtig stark gespielt, nur leider den Sack nicht zugemacht. Einen unserer drei Matchbälle hätten wir verwandeln müssen“, sagte Hermanns. „Das ist ärgerlich, aber auf die gezeigte Leistung können und werden wir aufbauen.“

Leichtathletik: Spannend machten es beim 3. Gehrdener Burgberglauf Christian Haupt von Hannover 96 und Christian Giesler (Det’s Raceteam). Im Ziel des ZehnKilometer-Wettbewerbs trennten die beiden gerade einmal vier Sekunden. Haupt sorgte in 33:59 Minuten für einen neuen Streckenrekord und kassierte 25 Punkte für das HAZ-Ranking. Das Gleiche gelang Ulrike Dreißigacker (Hannover 96) bei den Frauen in 38:19. Für eine neue Bestzeit auf der bergigen Fünf-Kilometer-Distanz sorgte Rene Menzel, der in 16:48 Minuten vor Steffen Lang (beide TSV Kirchdorf) siegte. Insgesamt kamen 323 Läufer und Walker ins Ziel. fe

Galoppsport: Russian Tango hat sich in Bremen den Sieg im mit 20 000 Euro dotierten Derby-Trial, einem der wichtigen Tests für das Deutsche Derby in Hamburg, gesichert. Championjockey Eduardo Pedroza, der den Erstplatzierten ritt, hatte noch einen Grund zum Feiern: Der 35-jährige Panamaer feierte seinen 1000. Karriereerfolg. Knapp hinter Russian Tango kam Godot, der vom hannoverschen Trainer HansJürgen Gröschel vorbereitet wurde, als Vierter ins Ziel. Siege für Pferde von der Neuen Bult gab es am Wochenende durch Keno, Bonfire Night und Eastern Eagle (alle von Christian Sprengel betreut) sowie durch Owentuo (Stefan Wegner) hoff

Zwei Neue für Ramlingen

Vergeblich gestreckt: TKH-Kapitän Roland Michaels und seine Mitspieler kassierten am Wochenende zwei Heimniederlagen. Schließlich stehen für den TKH am kommenden Wochenende die beiden vorentscheidenden Partien im Kampf um

den Ligaverbleib auf dem Programm. Mit Wuppertal und Moslesfehn gastieren die beiden Tabellenletzten in Kirchrode.

alle Honda (1. Runde) – WM-Stand: 1. Elias (Spanien) Honda 80 Pkt. ... 17. Bradl 11. MotoGP (20 Runden à 5,141 km): 1. Lorenzo (Spanien) Yamaha 41:34,093 Min., 2. Dovizioso (Italien) Honda 6,743 Sek. zurück, 3. Spies (USA) Yamaha 7,097 – WM-Stand: 1. Lorenzo 115 Pkt. Tourenwagen-WM in Zolder/Belgien (eine Runde = 4,006 km), 1. Lauf (13 Runden): 1. Gene (Spanien) Seat Leon TDI 21:51,561 Min., 2. Tarquini (Italien) Seat Leon TDI 2,648 Sek. zurück, 3. Muller (Frankreich) Chevrolet Cruze 5,277. 2. Lauf (9 Runden): 1. Priaulx im BMW 320si 21:52,091, 2. Huff (beide Großbritannien) Chevrolet Cruze 1,049 Sek. zurück, 3. Monteiro (Portugal) Seat Leon TDI 1,754 – Fahrerwertung: 1. Muller 125 Pkt.

mann (Hannover) 9:15. 9. Etappe, Einzelzeitfahren in Liestal (26,9 km): 1. Martin 32:21 Min. ... 18. Niermann 1:26. Endstand: 1. F. Schleck (Luxemburg) 35:02:00 Std. ... 6. Martin 0:27 Min. zurück ... 47. Niermann 26:01.

zur Nieden

„Dann wollen wir endlich die ersten Heimpunkte einfahren und vorzeitig den Klassenerhalt feiern“, sagte Hermanns.

Fußball: Oberligist SV Ramlingen/Ehlershausen hat die Neuzugänge Nummer 8 und 9 verpflichtet. Der aus den A-Junioren des Heeßeler SV hervorgegangene 19-jährige Jonas Künne, der zuletzt beim „U 18“-Team von Werder Bremen am Ball war, soll den Weggang von Jan-Hendrik Matthes zum Regionalligisten TSV Havelse im defensiven Mittelfeld kompensieren. Der 20-jährige Pascal Magiera kommt vom Bezirksoberligisten TuS Kleefeld und sagte ebenfalls für zwei Jahre zu. dd

N A M E N – Z A H L E N – P L AT Z I E R U N G E N FOOTBALL GFL: Dresden – Berlin Rebels 11:9, Braunschweig – Berlin Adler 7:38. FUSSBALL Endrunde zur deutschen Meisterschaft, Halbfinale, A-Junioren: Mainz 05 – Hansa Rostock 2:2 (Hinspiel 0:1), B. Leverkusen – VfB Stuttgart 4:0 (0:2); B-Junioren: Hertha BSC – Eintracht Frankfurt 1:3 (1:2), B. Leverkusen – VfB Stuttgart 1:0 (2:1). GOLF US Open in Pebble Beach/Kalifornien (Par 71), Stand nach der 3. Runde: 1. Johnson (USA) 207 (71+70+66) Schläge ... 3. Woods (USA) 212 (74+72+66) ... 7. Cejka (München) 216 (70+72+74) ... 10. Kaymer (Mettmann) 217 (74+71+72). HANDBALL WM-Qualifikation, Rückspiele: Spanien – Portu-

gal 33:25 (Hinspiel 27:26), Tschechien – Serbien 25:22 (23:27), Russland – Rumänien 32:37 (32:28), Niederlande – Österreich 34:28 (15:31). Bundesliga, Relegation, Rückspiel: Emsdetten – TSV Dormagen 29:26 (Hinspiel 23:27). MOTORSPORT Motorrad-WM, Grand Prix von Großbritannien in Silverstone, Klasse bis 125 ccm (17 Runden à 5,141 km): 1. Marquez (Spanien) Derbi 38:12,837 Min., 2. Espargaro (Spanien) Derbi 2,576 Sek. zur., 3. Smith (Großbritannien) Aprilia 13,446 ... 6. Cortese (Berkheim) Derbi 39,184 ... 15. Folger (Schwindegg) Aprilia 1:07,601 ... 17. Schrötter (Pflugdorf) Honda 1:12,472 – WM-Stand: 1. Espargaro 99 Pkt. ... 9. Cortese 36 ... 15. Folger 10. Moto2 (18 Runden à 5,141 km): 1. Cluzel (Frankreich) 39:19,472 Min., 2. Lüthi (Schweiz) 0,057 Sek. zurück, 3. Simon (Spanien) 0,322 ... 14. Tode (Glauchau) 16,062 Sek. zurück – Ausfälle: Bradl (Zahling)

RADSPORT Tour de Suisse, 8. Etappe, Wetzikon–Liestal (172,4 km): 1. da Costa (Portugal) 4:10:32 Std. ... 11. Martin (Schwalbach) 1:16 Min. zurück ... 66. Nier-

RUDERN Weltcup-Regatta in München, Männer, Einer: 1. Synek (Tschechien) 7:00,57 Min., 2. Hacker (Frankfurt) 7:02,32. Doppelvierer: 1. Kroatien 5:49,91 Min., 2. Deutschland (Krüger/Rostock, Grohmann/ Dresden, Schoof/Rendsburg, Rocher/Magdeburg) 5:52,31. Achter: 1. Deutschland (Hauffe/Leverkusen, Reinelt/Ulm, Wilke/Radolfzell, Mennigen/Ratzeburg, Schmidt/Trier, Müller/Düsseldorf, Seifert/ Leverkusen, Schmidt/Mainz, Sauer/Berlin) 5:44,22 Min. Frauen, Doppelvierer: 1. Deutschland (Oppelt/Berlin, Bär/Heilbronn, Manker/Berlin, Schiller/ Potsdam) 6:30,70 Min. Achter: 1. Rumänien 6:21,89 Min. ... 3. Deutschland (Paus/Hürth, Kniest/Dres-

den, Thiem/Hannover, Günther/Mainz, Schmutzler/Herdecke, Reinert/Heilbronn, Wengert/Saarbrücken, Kipphardt/Essen, Schwensen/Kappeln) 6:25,32. TENNIS ATP-Turnier in Hertogenbosch, Finale: Stachowski (Ukraine) – Tipsarevic (Serbien) 6:3, 6:0. WTA-Turnier in Hertogenbosch, Finale: Henin (Belgien) – Petkovic (Darmstadt) 3:6, 6:3, 6:4. ATP-Turnier in Eastbourne, Finale: Llodra (Frankreich) – Garcia-Lopez (Spanien) 7:5, 6:2. WTA-Turnier in Eastbourne, Finale: Makarowa (Russland) – Asarenka (Weißrussland) 7:6 (7:5), 6:4. Turnier in Wimbledon, Auslosung 1. Runde, Männer: Kiefer (Hannover) – Ferrer (Spanien), Sweeting (USA) – Becker (Mettlach), Tursunow (Russland) – Schüttler (Korbach), Andrejew (Russland) – Brands (Deggendorf), Robert (Frankreich) – Petzschner (Bayreuth), Cilic (Kroatien) – Mayer

(Bayreuth), Kohlschreiber (Augsburg) – Starace (Italien), Beck (Stuttgart) – Baker (Großbritannien), Kamke (Lübeck) – Garcia-Lopez (Spanien), Reister (Reinbek) – de Voest (Südafrika), Martschenko (Ukraine) – Berrer (Stuttgart), Greul (Kornwestheim) – Serra (Frankreich); Frauen: Görges (Hannover) – Bartoli (Frankreich), Barrois (Bous) – Korytzewa (Ukraine), Tschakwetadse (Russland) – Petkovic (Darmstadt), Malek (Bad Saulgau) – Petrowa (Russland), Mirza (Indien) – Kerber (Kiel), Grönefeld (Nordhorn) – Oudin (USA). VOLLEYBALL Weltliga, Vorrunde, Gruppe D: Argentinien – Deutschland 0:3, Kuba – Polen 3:2. WASSERBALL Weltliga, Frauen, Europagruppe 2: Deutschland – Großbritannien 7:8, Ungarn – Deutschland 15:13; Deutschland verpasst Finalrunde.


Kinder & Medien

NR. 141 · MONTAG, 21. JUNI 2010

Das Runde muss ins Eckige

FR AG EN AN ...

DIE NAC H RIC HTEN Vom Fußballfieber gepackt

Internetadressen für Kinder zur Fußball-WM: Diese Seiten bieten Zeitvertreib und kindgerechte Hintergrundinfos VON M A RCUS S CH WA RZE

W

Möchtest Du auch unsere kurzen Fragen beantworten? Dann schau mal auf www.haz.de/kurzefragen

Schüler drehen eigene Kurzfilme Hannover. Schüler von vier Schulen der Stadt und der Region Hannover arbeiten zusammen mit 13 Studenten der Universität Hildesheim seit April in Film-AGs oder Wahlpflichtkursen an je einem gemeinsamen Filmprojekt zum Thema „Glauben machen“. Die Premiere am morgigen Dienstag findet in Anwesenheit aller Beteiligten statt. Gefördert wird das Projekt von der Klosterkammer Hannover. Filmlehrer.de, eine Initiative des upand-coming Film Festivals Hannover, das Medienzentrum der Region Hannover (MZRH) und die Universität Hildesheim haben das Kooperationsprojekt „move the jungle! –Filmen in der Schule“ aus der Taufe gehoben. Es soll die Filmpraxis an Schulen fördern. Ausgewählt wurden die Gebrüder-Körting-Grundschule Badenstedt, die IGS List, die Sophie-Scholl-Gesamtschule Wennigsen und die HeleneLange-Schule Hannover. r

eltmeisterschaftsfußball muss sich nicht unbedingt nur aufs Fernsehen beschränken: Im Internet haben zahlreiche Anbieter Spiele, Informationen und unterhaltende Seiten veröffentlicht. Die Initiative „Schau hin“ hat gemeinsam mit klick-tipps.net elf solcher Internetangebote insbesondere für Kinder zusammengestellt – garantiert gut gemacht, kindersicher und ohne aggressive Werbung. Damit man diese teilweise langen Adressen nicht mühsam abtippen muss, haben wir sie unter www. haz.de/kinderwm bequem anklickbar gemacht. M blog.tivi.de/logo-suedafrika: Drei Reporter des Kinderprogramms tivi vom ZDF sind in Südafrika unterwegs und erklären typische Eigenarten des Landes. Christian Hill, Diana Peßler und Swantje Zorn haben dafür die Video- und die Digitalkamera eingesteckt und zeigen in kurzweiligen Videos, was vermeintlich typisch afrikanisch ist, wie es beim Rugby zugeht und was die Menschen vor Ort über die WM sagen. Fazit: Eine kurzweilige Klickstrecke mit vielen Informationen über Land und Leute, vor allem für Videogucker. M www.kidsville.de/weltzeugkiste/ witze/sportliche-witze: Ein paar Fußballwitze, ein kleines Daddelspiel im Browserfenster und darüber hinaus ein Quatschlexikon sorgen auf dieser Fußballseite von Kidsville für Zeitvertreib. Hinter dem Button „Spieler der WM“ verbergen sich ausführliche Informationen zu ausgewählten WMKickern, die jeden Panini-BilderSammler beeindrucken dürften. Manche Spielchen laden zum Mitmachen ein, wie etwa „Das Fußballspiel des Jahrhunderts“, in dem der Surfer mehrere Begriffe eingeben muss, aus denen der Server dann eine Geschichte strickt. M www.kidsundco.de/Kidsco/spielkiste/games/elfmeter/fussball_spiel.swf: Elfmeterschießen am Bildschirm, und das mit der Maus, ist die Aufgabe in diesem Browserspiel. Simpel und schlicht ist dieses Spiel, Daddeln pur. Just so eine Adresse von der Sorte „nur noch eine Viertelstunde im Internet“. M www.wdrmaus.de/spielen/mausspiele/spiel.php5?id=175: Nicht weniger schlicht als das Elfmeterschießen ist das Kopfballspiel der zweitberühmtesten Maus der Welt. Es gilt, den Fußball mit dem Kopf solange wie möglich im Spiel zu halten – was kein Problem wäre, wenn da nicht der blaue Elefant hin und wieder aus allen Wolken fällt. M www.tivi.de/fernsehen/logo/ru-

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HANNOVERSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG

TV-Tipp: Deutschlandfahnen, Fußballpartys und Public Viewing – seit dem Anpfiff der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika sind die deutschen Fans im Fußballrausch. „neuneinhalb“-Reporter Johannes (Foto) mischt sich unter Fans und will klären, warum Fußball so viele Menschen weltweit begeistert. Ob Johannes selber vom Fußballfieber gepackt wird, zeigt die Folge von „neuneinhalb“ am Sonnabend, um 8.25 Uhr im Ersten. r

Vergnügen mit Harry Potter Orlando: Mit langen Besucherschlangen ist der neue Harry-Potter-Vergnügungspark in Florida in sein erstes Wochenende gestartet. Einen Tag nach der Eröffnung unter anderem mit ZauberlehrlingDarsteller Daniel Radcliffe wollten am Sonnabend Tausende die neueste Attraktion in der Tourismushochburg Orlando sehen. Die „Wizarding World of Harry Potter“ wurde innerhalb von fünf Jahren gebaut und hat Medienberichten zufolge 265 Millionen Dollar (213 Millionen Euro) dpa gekostet.

Tanz doch mal mit

So geht das, Poldi: Elfmeterschießen bei Kids und Co. – mit der Maus am Computer. brik/32759/index.html: Die WM-Seite der Fernsehmacher von Tivi, dem Kinderkanal des ZDF, strotzt vor comichaft dargebotenen Informationen rund um die Fußball-WM. In der „Reporterkabine“ gibt es viele Links zu klicken, etwa zu Abstimmungen über die Vuvuzela-Tröte, zu einem WM-Buch mit kurzweiligem Lesestoff zur Geschichte des Fußballs und zu einem Fanmagazin mit Antworten auf so entscheidende Fragen wie: „Warum haben manche Mannschaften Sterne auf den Trikots?“ Tipp: In der Reporterkabine ist selbst der Papierkorb anklickbar und zeigt ein paar vertrauliche Notizzettel der Journalisten. M wm2010.sportspatz.de: Wer wusste schon, dass es in Südafrika elf offizielle Landessprachen gibt? Nadia Boltes (20) aus Hannover ist im Lande und erzählt solche und weitere Geschichtchen

auf dieser Seite des Vereins Seitenstark. Daneben gibt es Informationen über jedes Teilnehmerland und, etwas versteckt in der Rubrik „WM-Mix“, viel Klickbares zu kurzweiligen Spielen, zu einem weiteren Elfmeterspiel und zur Erklärung der Bananenflanke. M www.kindernetz.de: In seiner WMRubrik berichtet das Kindernetz mit lexikalischen Begriffen über den Fußball – und erklärt beispielsweise, welche „berühmten Pfeifen“ (Schiedsrichter) es in der WM-Geschichte gab, warum viele über den WM-Ball „Jabulani“ schimpfen und welche unterschiedlichen Balltechniken es gibt. M www.lilipuz.de/wissen/1001-tuer/ details/artikel/gideon-und-keziah-ausghana: Das Radio für Kinder von WDR 5 hat eine mit der Maus navigierbare

Geschichte aufbereitet – über den neunjährigen Gideon, dessen Eltern aus Ghana kommen. Ein Blick in die Kochtöpfe der Familie zeigt beispielsweise gebratene Bananen, und Gideon erzählt, was es damit auf sich hat. M palkan.de/fussball-wm-ueberblick. htm: Das „Schüler-Magazin für pfiffige Schüler“ hält auf diesen Seiten Informationen zur WM-Geschichte und zum Gastgeberland Südafrika parat. Außerdem kommentieren die drei „Palkan“-Reporter Bastian, Kai und Nico die WM-Spiele – und das durchaus launig: „Was für eine Schinderei? Qualvoll siegten die Brasilianer gegen das kommunistische Nordkorea“, heißt es da beispielsweise zum 2:1-Sieg Brasiliens über Nordkorea. Alle Links in der Übersicht zum Anklicken: www.haz.de/kinderwm

Erfurt: Tanzen mit Stars geht in eine neue, sportliche Runde bei KI.KA LIVE. Junge Tanztalente im Alter von elf bis 16 Jahren mit viel Rhythmus im Blut können sich jetzt bewerben. Unterstützt werden die Teilnehmer dabei von dem professionellen Tanzcoach Kelechi Onyele. Wer mitmachen möchte, schickt eine VHS oder DVD an den KI.KA. Die Kandidaten sollen erklären, wie sie zum Tanzen gekommen sind und warum sie sich beworben haben. Einsendeschluss ist der 17. Juli 2010. Vom 11. bis 21. Oktober treten acht Jugendliche gegeneinander an. Das Publikum zu Hause entscheidet, welches junge Talent eine Runde weiterkommt. Weitere Informationen unter www.kikalive.de oder im Videotext ab Tafel 290. r

Fußballfachleute gesucht TV-Tipp: Fußball, Fußball, Fußball – drei Spiele kann man sich zurzeit jeden Tag bei der Weltmeisterschaft in Südafrika ansehen. Vom frühen Nachmittag bis zum späten Abend. Aufmerksame Fußballfans können im KI.KA sogar etwas gewinnen: Forellenkugelhai Kai sucht ab heute um 17.50 Uhr Kandidaten für sein Telefonquiz „FIFA-Fußball-Weltmeisterschaft 2010 – Das Spiel“. Außerdem gibt es spannende Szenen aus den letzten WMSpielen zu sehen. dpa

DAS FERNSEHPROGRAMM AM MONTAG MONTAG, 21 21. JUNI ARD ZDF

NDR

RTL

SAT.1

ARTE

PRO7

VOX

5.30 Morgenmagazin. U. a.: Gesundheitsklausur in Berlin / Moma live und unterwegs – Der MoMa-WMBus / Mittsommerfest 9.00 Tagesschau 9.05 Rote Rosen 9.55 Wetter 10.00 Tagesschau 10.03 Brisant 10.30 H Der gläserne Pantoffel. Musicalfilm, USA 1955 12.00 Tagesschau 12.15 ARD-Buffet. Leben & genießen 13.00 Mittagsmagazin 14.00 Tagesschau 14.10 Rote Rosen Telenovela 15.00 Tagesschau 15.10 Sturm der Liebe Telenovela 16.00 J Tagesschau 16.10 B Panda, Gorilla & Co. Geschichten aus dem Zoo Berlin und aus dem Tierpark Berlin Dokusoap 17.00 J Tagesschau 17.15 J Brisant Boulevardmagazin 18.00 Verbotene Liebe Daily Soap 18.25 Marienhof Daily Soap 18.50 B Großstadtrevier Der Unberührbare. Krimiserie 19.50 Wetter Mod.: Sven Plöger 19.55 Börse im Ersten

5.30 ARD-Morgenmagazin 9.05 Volle Kanne – Service täglich. U. a.: Top-Thema – Ärger im Urlaub 10.30 Die Ärzte. U. a.: Asthma 11.15 Reich und Schön 12.00 Tagesschau 12.15 drehscheibe Deutschland 13.00 WM 2010. Der Countdown 13.30 WM 2010. Vorrunde, Gruppe G: Portugal – Nordkorea in Kapstadt, Kommentator: Oliver Schmidt. Live 15.30 heute 15.35 J B WM 2010 Highlights, Analysen, Interviews 16.00 J B WM 2010 Vorrunde, Gruppe H: Chile – Schweiz in Port Elizabeth, Kommentator: Béla Réthy. Live 17.50 J B WM 2010 Highlights, Analysen, Interviews. Mod.: Katrin Müller-Hohenstein, Oliver Kahn 18.05 G SOKO 5113 Street Art 19.00 J heute 19.20 Was nun, Herr Wulff? (VPS 19.21) 19.40 J Verirrt im Telefondschungel (VPS 19.25). Wie DSL & Co. uns das Leben schwer machen

6.50 Die Fallers 7.20 Rote Rosen 8.10 Sturm der Liebe 9.00 Nordmagazin 9.30 Hamburg Journal 10.00 Schleswig-Holstein-Magazin 10.30 buten un binnen – Das Beste 11.00 Niedersachsen 19.30 das Magazin 11.30 Andalusien – Land zwischen Himmel und Hölle 12.15 In aller Freundschaft 13.00 Blue Water High 13.30 Eisenbahnromantik 14.00 J NDR aktuell 14.15 J Bilderbuch Bregenz und das Dreiländereck am Bodensee 15.00 J NDR aktuell 15.15 Die Rache der Ozeane 16.00 J NDR aktuell 16.10 Wassergeschichten (1/3) 17.10 Leopard, Seebär & Co. Neues Geschirr für Kamele 18.00 Niedersachsen 18.00 18.15 Kiezgeschichten (VPS 18.14) 18.45 J DAS! U. a.: Gäste – Matthias Foremny (Generalmusikdirektor Schweriner Schlossfestspiele) mit Adva Tas (Sopranistin) / Badewannen-Regatta 19.30 Niedersachsen 19.30

6.00 Punkt 6 7.30 Die Schulermittler 8.00 Unter uns 8.30 Betrugsfälle 9.00 Punkt 9 9.30 Mitten im Leben! 10.30 Mitten im Leben! 11.30 Unsere erste gemeinsame Wohnung. Junge Paare auf ihrem Weg zur ersten gemeinsamen Wohnung 12.00 Punkt 12. Inkl. WM-Sportblock mit Liveschaltungen nach Südafrika und zum RTL-WM-Truck 14.00 Mitten im Leben! Dokusoap 15.00 Verdachtsfälle Dokusoap 16.00 Familien im Brennpunkt. Dokusoap 17.00 Betrugsfälle Ein Betrug und seine Folgen – wie Menschen um die Wahrheit kämpfen. Dokusoap 17.30 Unter uns Daily Soap 18.00 Explosiv – Das Magazin Moderation: Janine Steeger 18.30 Exclusiv Moderation: Frauke Ludowig 18.45 RTL Aktuell 19.03 RTL Das Wetter 19.05 WM 2010 Countdown, Moderator: Günther Jauch, Experte: Jürgen Klopp

Frühstücksfernsehen. Moderation: Matthias Killing, Simone Panteleit, Jan Hahn, Karen Heinrichs 10.00 Zwei bei Kallwass. Moderation: Angelika Kallwass 11.00 Richterin Barbara Salesch. Das Strafgericht 12.00 Richter Alexander Hold. Gerichtsshow 13.00 Britt Talkshow. DNA-Test: Sind wir wirklich blutsverwandt? Mod.: Britt Hagedorn 14.00 Zwei bei Kallwass Beziehungskonflikte im Gespräch Moderation: Angelika Kallwass 15.00 Richterin Barbara Salesch Gerichtsshow 16.00 Richter Alexander Hold Gerichtsshow 17.00 Niedrig und Kuhnt Mein Block. Ermittlersoap 17.30 Live aus Hannover 18.00 Eine wie keine Daily Soap 18.30 Anna und die Liebe Telenovela 19.00 Das Sat.1-Magazin Moderation: Annika Kipp 19.30 K 11 – Kommissare im Einsatz Am Rande des Wahnsinns. Ermittler-Soap

6.00 Das Diotima Quartett spielt Dusapin 7.00 Kleider und Leute 7.30 Der Blogger 8.00 Joe Jackson – Mein Leben 8.45 X:enius 9.15 Unterwegs im Süden Afrikas (1/5) 10.00 Design 10.25 Malick Sidibé – Dolce Vita Africana 11.25 Magritte, wie Tag und Nacht 12.20 Isabelle Giordano trifft ... 12.45 arte Journal 13.00 Mini-Max 13.50 Kokon. Kurzfilm, D 2008 14.00 B Bei Anruf Entdeckung Das Abenteuer im Gepäck. Dokureihe 14.45 Die Flucht (1/2). TV-Drama, D 2006. Mit Maria Furtwängler Regie: Kai Wessel 16.25 Kleider und Leute Kongo. Dokureihe 16.55 Zwischen Europa und Asien Am Kaukasus. Dokureihe 17.40 X:enius Der Gänsehautfaktor – Wie Musik Gefühle schafft. Wissensmagazin 18.10 Mini-Max Was muss er auch die Pille nehmen? Comedyserie / Der geheimnisvolle Dr. T. 19.00 arte Journal 19.30 B Naturparadiese Afrikas Ngorongoro. Dokureihe

8.05 Alle hassen Chris. Comedyserie 8.30 How I Met Your Mother. Comedyserie 9.00 How I Met Your Mother 9.30 Malcolm mittendrin 9.55 Malcolm mittendrin 10.25 Scrubs – Die Anfänger 10.50 Scrubs – Die Anfänger 11.15 H Joe Jedermann. Komödie, USA 2001 13.00 It’s My Life 14.00 We Are Family! So lebt Deutschland. Dokusoap 16.00 Entscheidung am Nachmittag Mein Frisör Seydan 17.00 taff OP-Wahn in Hollywood 18.00 Newstime 18.10 Die Simpsons Prinzessin von Zahnstein 19.10 Galileo Top 6 der beliebtesten Kuchen. Wissensmagazin 20.15 Fringe – Grenzfälle des FBI Der geheimnisvolle Mr. Jones 21.10 J FlashForward Der Garten der sich gabelnden Pfade 22.05 FlashForward Janis 23.00 Supernatural (16/16) 23.55 Fringe – Grenzfälle des FBI Der geheimnisvolle Mr. Jones 1.00 Supernatural (16/16) 1.50 Night-Loft

5.30 Ab ins Beet! 6.25 McLeods Töchter 7.20 McLeods Töchter 8.15 Die Nanny 8.45 Die Nanny 9.15 Men in Trees 10.10 Gilmore Girls 11.15 Die Nanny 11.45 Die Nanny 12.15 Die Nanny 12.45 Die Nanny. Verliebt, verlobt, verängstigt 13.15 McLeods Töchter 14.15 McLeods Töchter. Traumprinz 15.10 Gilmore Girls. Mit List und Tücke 16.05 One Tree Hill Lügen und Leidenschaft 17.00 Menschen, Tiere & Doktoren 18.00 mieten, kaufen, wohnen Dokusoap 19.00 Das perfekte Dinner Tag 1: Daniela/München. Dokusoap 19.50 Prominent! 20.15 CSI:NY Krimiserie 21.05 Criminal Intent Krimiserie 22.00 Burn Notice Krimiserie 22.50 Boston Legal Anwaltsserie 23.35 vox nachrichten 0.00 Criminal Intent Krimiserie 0.55 Burn Notice Krimiserie 1.35 Boston Legal Anwaltsserie 2.15 Medical Detectives – Geheimnisse der Gerichtsmedizin

22.45 | Mein Freund aus Faro Nana Neul, D 2008. Drama. Mel (Anjorka Strechel, r.) will ihrem Leben entkommen und gibt sich als Miguel aus. Jenny (Lucie Hollmann) verliebt sich in den Jungen.

20.30 | Der Tod meiner Schwester Miguel Alexandre, D 2008. TV-Drama. Caroline (Désirée Nosbusch, r.) will in Südafrika den Tod ihrer Schwester aufklären. Was weiß Tänzerin Chantal (Bernadette Heerwagen)?

21.45 | Tatort Christiane Balthasar, D 2009. TV-Kriminalfilm. Charlotte (Maria Furtwängler) hat einen Autounfall und findet heraus, dass an der gleichen Stelle eine Familie tödlich verunglückte …

20.30 | WM 2010 Fußball. Auch für Jürgen Klinsmann steht fest, dass die Spanier als klarer Favorit in das Spiel gegen Honduras gehen. Doch man sollte den Kampfeswillen der Mittelamerikaner nicht unterschätzen.

20.15 | 50 erste Dates Peter Segal, USA 2003. Liebeskomödie. Der Playboy Henry (Adam Sandler) macht der süßen Lucy (Drew Barrymore) jeden Tag den Hof: Sie leidet unter Gedächtnisstörungen.

20.15 | Der Frauenmörder von Paris Claude Chabrol, F/I 1962. Komödie. Um seine Familie zu ernähren, hat Henri (C. Denner, l.) reiche Damen verführt und ermordet. Jetzt wird ihm der Prozess gemacht.

20.15 | Fringe – Grenzfälle des FBI Brad Anderson, USA 2008. Mysteryserie. Ein mysteriöser Parasit befällt den FBI-Agenten Loeb. In Deutschland hofft Olivia (Anna Torv), die Lösung des Problems zu finden.

20.15 | CSI:NY USA 2008. Krimiserie. Flack (Eddie Cahill, l.), Bonasera (Melina Kanakaredes) und Taylor (Gary Sinise) finden die zerstückelte Leiche eines Sporttrainers in unterschiedlichen Müllcontainern.

20.00 J Tagesschau 20.15 B Erlebnis Erde (1/2) Expedition Neuguinea Paradiesvögel und Urwaldkrokodile. Dokureihe 21.00 J Legenden Michael Jackson 21.45 Fakt extra Mitleid als Masche – Die miesen Tricks der Bettler-Banden 22.15 Tagesthemen 22.45 H J Mein Freund aus Faro Drama, D 2008. Mit Anjorka Strechel, Lucie Hollmann, Manuel Cortez u. a. Regie: Nana Neul 0.15 Nachtmagazin 0.35 Alfons und Gäste Gäste: Pigor und Eichhorn

20.30 J Der Tod meiner Schwester (VPS 20.15). TV-Drama, D 2008 Mit Désirée Nosbusch, Bernadette Heerwagen, Jan-Gregor Kremp u. a. Regie: Miguel Alexandre 22.00 J heute-journal (VPS 21.45) 22.30 H J Und dann kommt die Angst (VPS 22.15). Psychothriller, AUS 2005. Mit Susan Sarandon, Sam Neill, Emily Blunt u. a. Regie: Ann Turner 0.05 heute nacht (VPS 23.50) 0.20 H Durchfahrtsland (VPS 0.05) Dokumentarfilm, D 2005 Regie: Alexandra Sell

20.00 J Tagesschau 20.15 Ein Abend für Hans-Joachim Kulenkampff – Der Kuli der Nation. Mit Günther Jauch, Harald Schmidt, Waldemar Hartmann, Heiner Geißler, Henning Scherf 21.45 J Tatort Vergessene Erinnerung. TV-Kriminalfilm, D 2009. Mit Maria Furtwängler, Ingo Naujoks, Thomas Thieme Regie: Christiane Balthasar 23.15 Meine DDR 0.00 H Einer flog über das Kuckucksnest Drama, USA 1975 Mit Jack Nicholson, Louise Fletcher, William Redfield u. a.

20.30 WM 2010 Vorrunde, Gruppe H, Spanien – Honduras, Moderator: Günther Jauch, Experten: Jürgen Klinsmann, Jürgen Klopp, Kommentatoren: Klaus Veltmann, Florian König. Live 22.15 WM 2010 Highlights 23.15 30 Minuten Deutschland 0.00 Nachtjournal 0.35 10 vor 11 Schwarmitelligenz – Jens Krause über eine der erfolgreichsten Erfindungen der Evolution. 1.00 Wir retten Ihren Urlaub! Einsatz für den RTL-Ferienreporter 1.55 Familien im Brennpunkt

20.15 H 50 erste Dates Liebeskomödie, USA 2003. Mit Adam Sandler, Drew Barrymore, Sean Astin u. a. Regie: Peter Segal 22.10 Stars & Stories Hochzeit Victoria von Schweden 23.00 Spiegel TV Reportage Klingeln ist die halbe Miete – Schuldenberater auf Hausbesuch 23.30 H 50 erste Dates Liebeskomödie, USA 2003. Mit Adam Sandler, Drew Barrymore, Sean Astin u. a. Regie: Peter Segal 1.15 Zwei bei Kallwass 2.05 Richterin Barbara Salesch 2.55 Richter Alexander Hold

20.15 H Der Frauenmörder von Paris Komödie, F/I 1962. Mit Charles Denner, Michèle Morgan, Danielle Darrieux u. a. Regie: Claude Chabrol 21.45 B „Elektra“ aus dem Festspielhaus Baden-Baden Musikalische Leitung: Christian Thielemann. Mit Münchner Philharmoniker 23.35 Back to Africa 1.15 Global (VPS 1.10) 1.35 Sommersturm Kurzfilm, F 2008 2.05 B Obsession in Grün – Der Rasen

KABEL 1

RTL II

11.00 Die wilden 70er 11.25 King of Queens 12.20 What’s up, Dad? 13.15 Two and a Half Men 14.10 Die wilden 70er 15.05 King of Queens 16.00 News 16.10 What’s up, Dad? 17.00 Two and a Half Men 17.55 Abenteuer Leben – täglich Wissen 19.00 Achtung Kontrolle! Einsatz für die Ordnungshüter 20.15 H Mission to Mars. Science-FictionFilm, USA 2000 22.10 H The One. Science-Fiction-Film, USA 2001 23.45 H The One. Science-FictionFilm, USA 2001 1.13 late news

11.00 Die Schnäppchenhäuser 12.00 Big Brother 13.00 Digimon Data Squad 13.25 Digimon Data Squad 13.50 Naruto 14.20 Naruto 14.50 Yu-Gi-Oh! 5D’s 15.15 Hör mal, wer da hämmert! 16.05 Immer wieder Jim 16.50 Rodney 17.10 Der Trödeltrupp 18.05 Die Schnäppchenhäuser 19.00 Big Brother 20.00 News 20.15 Extrem schön! – Endlich ein neues Leben 21.15 Big Brother – Die Entscheidung. Live 23.00 Fun Club – Comedystars live 0.05 Grip – Das Motormagazin

WDR

MDR

BR

ZDF NEO

PHOENIX

3SAT

KIKA

SUPER RTL

16.00 Aktuell 16.10 daheim & unterwegs 16.55 Aktuell 17.05 daheim & unterwegs 18.05 Hier u. Heute 18.20 Servicezeit: Gesundheit 18.50 Akt. Stunde 19.30 Lokalzeit 20.00 Tagesschau 20.15 Herzlichen Glückwunsch. TV-Komödie, D 2005 21.45 Aktuell 22.00 H Wo die Liebe hinfällt.... Liebeskomödie, USA 2005 23.30 Als der Ruhrpott noch schwarz-weiß war (1/3). Dokureihe 0.15 Als der Ruhrpott noch schwarz-weiß war (3/3)

11.45 Um zwölf 12.30 Fünf Tage Vollmond. TV-Melodram, D 2008 14.00 Gotha 14.45 Schau ins Land 15.27 H Robinson jr.. Abenteuerfilm, I 1976 17.10 Elefant, Tiger & Co. (176) 18.05 Brisant 18.50 Sandmann 19.00 Regional 19.30 Aktuell 19.50 Wir sind überall (5/12) 20.15 Die Schokoladenkönigin. TV-Komödie, D 2005 21.45 Aktuell 22.05 Mätressen (2/3). Dokureihe 22.50 H Wir fahren in die Stadt. Drama, I/YU 1966 0.30 Fakt extra

15.30 Die Tierärzte vom Kilimanjaro 16.15 Bayerwald (1/3) 16.45 Rundschau 17.00 Damals ... Mein erster Schultag 18.00 Abendschau 18.45 Rundschau 19.00 Querbeet 19.45 Dahoam is Dahoam 20.15 Mord in bester Gesellschaft – Das eitle Gesicht des Todes. TV-Krimikomödie, D/A 2009 21.45 Rundschau 22.00 Lebenslinien 22.45 Berühmte Bäder Bayerns (1/2) 23.30 Rundschau 23.40 LeseZeichen 0.10 on3-südwild (VPS 0.45)

10.40 Alisa – Folge deinem Herzen 12.00 Die Kinder-Küchenschlacht 15.45 Tauchfahrt in die Vergangenheit 16.30 Tauchfahrten 17.15 Tatort Erde 18.00 Tatort Erde 18.45 shoreline – Faszination Südafrika 19.30 Unsere Farm in Afrika 20.15 Monaco – Der Fluch der Grimaldis 21.00 Inspector Lynley (1/2). TV-Kriminalfilm, GB 2001 22.10 Spooks – Im Visier des MI5 23.05 Hustle – Unehrlich währt am längsten 0.00 Afrikas Schätze (1/2)

10.00 Vor Ort 12.00 Faszination Afrika 13.00 Wildes Afrika (4/6) (VPS 12.00). Küsten. Dokureihe 14.00 Briefgeheimnis 14.45 Vor Ort. U. a.: Pressekonferenzen der Parteien zu aktuellen Themen, Berlin 18.00 Einzug mit dem Brecheisen 18.30 Planet Erde (1+2/11). 20.00 Tagesschau 20.15 Planet Erde (3+4/11) 21.45 Dünen, Sand und Einsamkeit 22.15 Unter den Linden 23.00 Der Tag 0.00 Unter den Linden 0.45 Mythos Rommel (1/3)

14.15 Das Donau-Delta 15.00 Bulgarien – Vom Schwarzen Meer in die Rhodopen 15.35 H Liebe, Tanz und 1000 Schlager. Musikfilm, D 1955 17.15 Die Donau 18.00 Einsatz bei Randale 18.30 nano 19.00 heute 19.20 Kulturzeit 20.00 Tagesschau 20.15 Abgestempelt? – Leben mit Hartz IV 21.00 Der Popolski-Show (1/3) 21.30 hitec 22.00 ZiB 2 22.25 Peter Voß fragt Hans Küng 23.10 Die Macht der Sonne 0.05 10vor10 (VPS 21.50)

12.55 Pat & Stan 13.10 Garfield 13.20 Jacob 2/2 14.10 Schloss Einstein – Seelitz 15.00 dasbloghaus.tv 15.50 Träume, Tränen, Töne 16.20 Drache & Co. 16.30 Horseland 17.10 Piets irre Pleiten 17.35 Die Schule der kleinen Vampire 17.50 Fifa Fußball-WM 2010 – Das Spiel 18.00 Ein Hoch auf Huckle! 18.15 Clifford 18.40 Zoé 18.50 Sandmann 19.00 Little Amadeus 19.25 Wissen macht Ah! 19.50 logo! 20.00 Ki.Ka Live 20.15 Total genial

14.30 Cosmo und Wanda 15.00 Hannah Montana 15.25 Hotel Zack & Cody 15.55 Typisch Andy! 18.15 Cosmo und Wanda 18.45 Katrin und die Welt der Tiere 19.15 Hannah Montana 19.45 Hotel Zack & Cody 20.15 Die Neandertaler – Überlebenskampf der Clans 21.05 Die Neandertaler – Aufbruch ins Ungewisse 22.05 H Die Schlachten von Shaker Heights. Tragikomödie, USA 2003 23.35 Yes, Dear 0.05 Shop24Direct Schlagernacht

H SPIELFILM

A SCHWARZ-WEISS

G ZWEIKANALTON

J UNTERTITEL

C DOLBY

B HDTV


Täglich (fast) alles

MONTAG, 21. JUNI 2010 · NR. 141

1010

1020

1015 1020

VORHERSAGE Heute ist es teils heiter, teils wolkig, aber trocken. Temperaturen bei schwachem Nordwind bis 18 Grad. In der Nacht oft klar, um 8 Grad. Morgen ist es wolkig, häufig auch heiter. Es bleibt meist niederschlagsfrei. Am Mittwoch wechseln heitere und wolkige Abschnitte. Abends kann es regnen.

Oslo

Vorhersage der Höchsttemperaturen

H

19

Dublin

1015

18

London

18 21

17

München Wien

Bewölkung und Luft– druck heute Mittag

1005

Kiel Hamburg

Bremen

18 8

Hannover 18

8

Göttingen

21. 6. 10 22. 6. 10

5.01 21.48 5.01 21.48

Vollmond 26.6. Neumond 11.7.

16.45 18.04

19 8

Ltz. Viertel 4.7. 1. Viertel 18.7.

Warmfront Kaltfront Okklusion

H Hochdruck T

16 6

Erfurt

Köln

1.28 1.51

19 8

Leipzig

SONNE UND MOND auf unter

Berlin

Hildesheim

Dortmund

auf unter

17 11

18 5

18 9

unter –4° Lissabon –4º bis 0º 27 1º bis 5º 6º bis 10º 11º bis 15º 16º bis 20º 24 21º bis 25º Las Palmas 26º bis 30º

Rostock

18 7

Frankfurt

20 9

28 Varna

18 8

19 10 18 9 Dresden 12º bis 14º 15º bis 17º 18º bis 20º 21º bis 23º 24º bis 26º 27º bis 29º 30º bis 32º

18 Nürnberg 7

Tiefdruck

17 8

München

Freiburg

Isobaren in hPa

17 10

Dubrovnik

Madrid

Palma

22

23

Algier

26

22

Rom

Palermo

24

26

31

Vorhersage mit Höchstund Tiefsttemperaturen

Europa Amsterdam Barcelona Bornholm Bozen Florenz Hammerfest Kiew Kopenhagen La Coruña Larnaka Locarno

18 24 19 25 23 9 27 19 23 33 24

wolkig heiter wolkig bedeckt Regen bedeckt bedeckt wolkig sonnig sonnig wolkig

Istanbul

Athen

31 kung Regen oder Schauer, 20 bis Antalya

Tunis

16 11 6 15 16 14

bedeckt bedeckt bedeckt bedeckt wolkig wolkig

Frankfurt Freiburg Göttingen Hamburg Hannover Köln

16 16 14 16 14 14

26 Grad. Spanien, Portugal: Überwiegend sonnig, 23 bis 27 Grad.

Madeira 22 wolkig Malaga 26 heiter Rhodos 28 sonnig Teneriffa 25 heiter Venedig 22 bedeckt Zürich 17 bedeckt Außereuropäische Städte Bangkok 35 Gewitter Buenos Aires 10 wolkig Delhi 41 wolkig Hongkong 33 Schauer Izmir 31 heiter

Johannesburg Kairo Kapstadt Los Angeles Mexiko City Mexiko-Stadt Miami New York Peking São Paulo Sydney Tel Aviv Tokio

17 43 16 23 25 33 33 36 21 17 39 30

bedeckt wolkig bedeckt bedeckt bedeckt bedeckt

Konstanz München Norderney Oberstdorf Rostock Sylt

12 11 13 8 15 14

Heute

Dienstag

Mittwoch

Donnerstag

sonnig sonnig Regen wolkig bedeckt wolkig wolkig bedeckt bedeckt wolkig sonnig Schauer

bedeckt Regen bedeckt Regen wolkig sonnig

Griechenland, Türkei, Zypern: In weiten Teilen sonnig, im Norden Regen, 24 bis 33 Grad. Benelux, Nordfrankreich: Vielerorts freundlich, gebietsweise auch wolkig, trocken, Tageshöchstwerte 16 bis 20 Grad.

Bremen

18 8

Oldenburg

Meppen

HAZ.de

19.30 Uhr: Ballhof (Ballhofplatz 5) Sinus, Präsentation der Balljugend 5. 20 Uhr: Rathaus Linden (Am Lindener Marktplatz) Hannover Mon Amour: Auf Amtswegen, Aufführung des Theaters Fensterzurstadt. 20.30 Uhr: Schauspielhaus (Prinzenstr. 9) Das Fest, von Thomas Vinterberg, Mogens Rukov. 20.30 Uhr: Schauspielhaus (Prinzenstr. 9) Die Welt ohne uns (II) – Fortpflanzen, botanisches Langzeittheater von lunatiks produktion, Außenspielstätte.

→ Niedersachsen: Mehr Bilder vom „Tag der Niedersachsen“ in Celle.

Ko n z e r t e

→ Hannover: Fotos und ein Video von der Preisverleihung auf dem Lumix-Foto-Festival.

13 Uhr: Musikhochschule (Emmichplatz 1) Konzert am Mittag: Studenten spielen Werke der Kammermusik; Eintritt frei.

→ Kultur: Das „Hurricane“-Festival in Bildern und mehr Festivaltermine auf haz.de/festivals.

16.30 Uhr: Simeonkirche (Schwemannstr. 17) Schülerinnen der Musikschule mit Werken von Kuhlau, Mozart, Rachmaninow u. a.

BÜRGERFERNSEHEN 15.30 Uhr: Suck Diz, Hip-Hop. 16 Uhr: Gospel. 17 Uhr: Core. 18 Uhr: Suck Diz, Hip-Hop-Sondersendung. 18.30 Ballkontakte (Wh.). 18.45 Uhr: 0511tv.lokal. 19 Uhr: Brain Tab, Jugendmagazin. 19.30 Uhr: Pareh Taswir – Bildriss, persisch-deutsche Sendung. 20 Uhr: Wh. v. 18.30 Uhr. 20.15 Uhr: Born, christlich-jüdisches Magazin. 20.45 Uhr: Wh. v. 18.45 Uhr. 21 Uhr: Wh. v. 19 Uhr. 21.30 Uhr: Wh. v. 19.30 Uhr. 22 Uhr: Wh. v. 18.45.

RADIO LEINEHERTZ 6 Uhr: Die Christian Schmidt Show. 9 Uhr: Frischer Sound. 11 Uhr: Spektrum, Magazin für Gesellschaft, Kultur und Unterhaltung. 12 Uhr: Der Tag in der Region. 14 Uhr: Frischer Sound. 15 Uhr: Der Tag in der Region. 17 Uhr: Handwerk in der Region. 18 Uhr: Brain Tab, Jugendmagazin. 19 Uhr: PowerUpDate. 20 Uhr: Frischer Sound. 21 Uhr: Heimspiel. 23 Uhr: Frischer Sound.

18 Uhr: Kammermusiksaal (Uhlemeyerstr.) Studenten spielen Kammermusik. 18.30 Uhr: Musikhochschule (Emmichplatz 1) Ensemble Musica Viva und Gäste vom Conservatoire Rouen mit Werken von Tailleux, Petit, Tasdijan und Boulez. 19 Uhr: St.-Nikolai-Kirche (Sutelstr. 20) DeLaSalle-University-Chorale Manila, von Brahms bis zu den Beatles. 19.30 Uhr: Musikhochschule (Emmichplatz 1) Klasse Gerrit Zitterbart mit Klaviermusik. 19.30 Uhr: MHH (Hörsaal F, Carl-Neuberg-Str. 1) MHH-Orchester mit Werken von Dvorák und Schumann. 20 Uhr: Gartentheater Herrenhausen (Herrenhäuser Str. 4) Himmelsmechanik: Das Neue Ensemble, Ensemble S, inszeniertes Konzert mit Kurztexten von Leibniz. J a z z , Ro c k , Po p Ab 15 Uhr: Innenstadt: Fête de la Musique, Or-

Museen und Galerien AUSSTELLUNGEN

Marktkirche: 10–18 Uhr Siegfried Zimmermann: Aus den Werken. Stadtarchiv (Am Bokemahle 14–16) 8.30–15.30 Uhr Über die Expo hinaus: Global Partnership, Netzwerk für Kulturaustausch, nachhaltige Entwicklung und Umweltschutz. Ärztehaus (Berliner Allee 20) 9–17 Uhr Alina Bergen: Vielfalt im Blick – Arbeiten in Öl und Acryl. Laveshaus (Friedrichswall 5) 10–16 Uhr Andrea v. Lüdinghausen, Kirsten Jäschke: Edges – Lebenssteigerungen, Installationen, Zeichnungen, Plastiken. Haus der Region (Hildesheimer Str. 20) 9–17 Uhr Brigitte Kania: Konstruktion und Dynamik – Foliencollage und Fotografie. Haus kirchlicher Dienste (Archivstr. 3) 7–18. Rüdiger Lubricht: Heimat, verstrahlte Erde – Fotografien. Henriettenstiftung (Marienstraße 80, Foyer) 9–18 Uhr Phil Hubbe: Mit Behinderungen ist zu rechnen – unkorrekte Cartoons. Hannoversche Kassen (Pelikanplatz 23) 9–16 Uhr Daniela Hippler, Annika von Knoblauch, Wolfgang Voigt, Annette Bußfeld, Bernd Finkenwirth, Frank Greife – Malerei und Skulptur. Liberale Jüdische Gemeinde (Fuhsestr. 6) 14–17 Uhr Klezmer, heymisch und hip. Look (Pelikanplatz 15) 9–20 Uhr Harald Schiel: Fetische – Kleinplastiken. Unternehmerinnen-Zentrum (Hohe Str. 9–11) 10–15 Uhr Gabi Hoppe: Mehrschichtige Bilder – Malerei, Collage, Monotypie, Frottage. Wetreu (Devrientstr. 2) 9–16 Uhr Irene Wollenweber: Lebendig – Malerei.

Wo gibt’s die besten Angebote und wichtige Informationen? Verschaffen Sie sich einen Überblick mit den heute beiliegenden Prospekten. HAZ und NP – das stärkste Anzeigenduo der Region.

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Stellenangebote allgemein

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Insel Wilhelmstein (Steinhuder Meer) 10–16 Uhr Almut und Hans Breuste, Wolfgang Buntrock, Frank Nordiek, Klaus Madlowski, IngeRose Lippok, Felix Pedersen: Durchblicke – Kunst in Glashäusern. Vo r t r ä g e , L e s u n g e n 16 Uhr: Institut für Philosophie (Welfengarten 1, Raum F 142) Karl Popper und Thomas Kuhn, Vortrag von Prof. Paul Hoyningen-Huene. 17 Uhr: DGB-Haus (Otto-Brenner-Str. 1) Kopfpauschale – Hintergründe und Alternativen, Referat von Ulrich Gransee. 18.30 Uhr: Verbraucherzentrale (Herrenstr. 14) Technische Fragen bei der Modernisierung von Wohneigentumsanlagen. 19 Uhr: VGH Versicherungen (Schiffgraben 4) Auswirkungen neuer Büroarchitektur und -konzepte auf Beschäftigte, Diavortrag mit Silke Stadler. 19 Uhr: Pavillon (Lister Meile 4) Syrien im Spannungsfeld des palästinensisch-israelischen Konflikts, Vortrag von Karin Leukefeld. 19.30 Uhr: Leuenhagen & Paris (Lister Meile 39) Neuerscheinungen, vorgestellt von Margarete von Schwarzkopf. 19.30 Uhr: Bürgerbüro Stadtentwicklung (Braunstr. 28) Wie funktioniert die Stadt?, Informationen aus Politik, Verwaltung und Bürgerschaft.

Göttingen

Vorhersage mit Höchst– und Tiefsttemperaturen

10

NIEDERSCHLAGSRISIKO 50% 25% 75%

0 -10 Uhr 1

3 5 7 9 11 13 15 17 19 21 23 1 0%

100%

DAS WETTER DER VERGANGENEN TAGE IM VERGLEICH 5 Std.

20° 10° 0°

0 5 Sonnenscheindauer (6,7 Std.)*

Tageshöchsttemperatur (17,7°)* Tagestiefsttemperatur (7,0°)*

–10° 10 l/m2 5 l/m2 0 l/m2

(6,9 Std.)* 20,9°)* (10,3°)*

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0 – 1

Niederschlagsmenge (2,0 l/m2)*

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0 19. 20. 21. 22. 23. 24. 25.26. 27. 28.29.30. 31. 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14. 15. 16. 17. 18.19. 20

CINEMAXX NIKOLAISTRASSE Karten-Tel. (0 18 05) 24 63 62 99: A Nightmare on Elm Street (ab 16), 23 Uhr. Drachenzähmen leicht gemacht (ab 6), 14.45. Hanni und Nanni (ab 0), 15.30, 17.30, 20 Uhr. Iron Man II (ab 12), 15.30, 18 Uhr. My Name is Khan (ab 12), 17, 20, 23 Uhr. Plan B für die Liebe (ab 12), 14.50 Uhr. Prince of Persia (ab 12), 17, 20, 23 Uhr. Robin Hood (ab 12), 20 Uhr. Sex and the City II 16, 17, 19.45, 20.30, 22.30 The Crazies 20.30, 22.50 Uhr. The Messenger (ab 12), 17.30 Uhr. Tiger Team (ab 6), 15.15 Uhr. Vergebung (ab 16), 16.30, 19.40, 22.50 Uhr. vincent will meer (ab 6), 18, 20.15, 22.30 Uhr. When in Rome (ab 0), 15.15, 17.30, 20, 22.30. Zahnfee auf Bewährung (ab 0), 15.40 Uhr. CINEMAXX RASCHPLATZ Karten-Tel. (0 18 05) 24 63 62 99: A Nightmare on Elm Street 20.45, 23.15 Uhr. Alice im Wunderland 3-D (ab 12), 14 Uhr. Avatar 3-D (ab 12), 16.10 Uhr. Das Leuchten der Stille (ab 12), 19.45 Uhr. Eine zauberhafte Nanny (ab 0), 14.20 Uhr. Hanni und Nanni (ab 0), 14, 16.10, 18.25 Uhr. Iron Man II (ab 12), 19.45, 23 Uhr. Mit dir an meiner Seite (ab 6), 17 Uhr. Plan B für die Liebe (ab 12), 17 Uhr. Prince of Persia (ab 12), 14.40, 17.20, 20.15, 23. Repo Men (ab 16), 22.30 Uhr. Robin Hood (ab 12), 14, 17, 20, 23 Uhr. Sex and the City II 15.15, 16.15, 19.30, 20.30, 23 Splice (ab 16), 19.30, 22.30 Uhr. StreetDance 3-D (ab 0), 14.45, 17.15, 19.45, 22.30 Tiger Team (ab 6), 14.10 Uhr. When in Romel (ab 0), 15, 17.30, 20, 22.45 Uhr. KINO AM RASCHPLATZ Karten-Tel. 31 78 02: A Single Man (OFmU, ab 12), 17 Uhr. Das Lied von den zwei Pferden (ab 0), 18.30. Der fantastische Mr. Fox (ab 6), 16 Uhr. Gordos (OFmU, ab 12), 20 Uhr.

Hanni und Nanni (ab 0), 14, 15.45, 18 Uhr. La Nana – Die Perle (ab 6), 14.30 Uhr. Marcello Marcello (ab 0), 14, 19 Uhr. My Name is Khan (ab 12), 14.15, 21 Uhr. Vergebung (ab 16), 17.45, 20.45 Uhr. vincent will meer (ab 6), 16.30, 20.30 Uhr. HOCHHAUS-LICHTSPIELE Goseriede 9, Karten-Tel. 1 44 54: Die Eleganz der Madame Michel (ab 12), 15.45. Pippa Lee (ab 12), 20 Uhr. Vertraute Fremde (ab 0), 18 Uhr. KINO IM KÜNSTLERHAUS Sophienstr. 2, Karten-Tel. 16 84 55 22: Die Tunisreise (OFmU), 18, 20.15 Uhr. CINEMA IM LEINEPARK Suttorfer Str. 8, Neustadt, Karten-Tel. (0 50 32) 98 19 82: Ajami (ab 16), 20 Uhr. CINESTAR Rathausplatz 2, Garbsen, Karten-Tel. (0 18 05) 11 88 11: A Nightmare on Elm Street (ab 16), 19.45 Uhr. Hanni und Nanni (ab 0), 17.40, 20 Uhr. Iron Man II (ab 12), 17.20 Uhr. Mit dir an meiner Seite (ab 6), 17.15 Uhr. Plan B für die Liebe (ab 12), 20.15 Uhr. Prince of Persia (ab 12), 17.40, 20.15 Uhr. Sex and the City II (ab 12), 17, 20.10 Uhr. Splice (ab 16), 20.30 Uhr. StreetDance 3-D (ab 0), 17.40, 20.15 Uhr. Tiger Team (ab 6), 17.20 Uhr. Vergebung (ab 16), 19.30 Uhr. When in Rome (ab 0), 17.40, 20 Uhr. Zahnfee auf Bewährung (ab 0), 17.15 Uhr. DAS ANDERE KINO Sedanplatz 26, Lehrte, Karten-Tel. (0 51 32) 5 74 42: vincent will meer (ab 6), 20 Uhr. UTOPIA Walsroder Str. 105, Langenhagen, Karten-Tel. 72 59 68 10: Eine zauberhafte Nanny (ab 0), 17 Uhr. Hanni und Nanni (ab 0), 16.30, 18.15 Uhr. Prince of Persia (ab 12), 20 Uhr. Robin Hood (ab 12), 20 Uhr. Sex and the City II (ab 12), 17, 20 Uhr. StreetDance 3-D (ab 0), 17.30, 20 Uhr.

DER TAGESTIPP

Ve r a n s t a l t u n g e n

16 Uhr: Freizeitheim Vahrenwald (Vahrenwalder Str. 92) Englische Sprichwörter und ihre deutschen Entsprechungen, Quiz der Hannover-Bristol-Gesellschaft. 18–21 Uhr: Werkstatt-Galerie Calenberg (Kommandanturstr. 7) Selbstverantwortung für gesunde Beziehungen, Workshop mit Uschi Hedwig.

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3,9 Cent/Min. aus dem Festnetz der T-Com, abweichende Preise für Mobilfunkteilnehmer möglich.

Kunstkreis Laatzen-Rethen (Hildesheimer Str. 368) 10–14 Uhr Helmut Borsum: Retrospektive – Start ins 2. mit Werken aus dem 1. Vierteljahrhundert – Zeichnungen, Aquarelle, Grafiken, Karikaturen, Miniaturen, Siebdruck.

19 8

16–19 Uhr: BUND (Goebenstr.) Wärmedämmung und Artenschutz am Gebäude, Ausstellung.

Veranstaltungen

Einige Beilagen erscheinen nur in Teilgebieten. Es ist möglich, dass Sie nur einen Teil der Prospekte vorfinden. Abonnenten-Service: 01 80 / 12 34 334

Rentenversicherung (Laatzen, Lange Weihe 4) 8–15 Uhr Franz-Michael Heinz: Stimmungswelten – Fotografie, experimentelle Fotobearbeitung.

19 8

Braunschweig Hildesheim

20

APOLLO Limmerstr. 50, Karten-Tel. 45 24 38: Das weiße Band (ab 12), 17.30 Uhr. Hannah Free (OFmU), 20.15 Uhr. Unsere Ozeane (ab 0), 11 Uhr.

VGH-Galerie (Am Schiffgraben 4) 11–17 Uhr Raimund Girke: Struktur – Malerei.

19 8

18 5

96 Jahre: Gerda Köhler in Hannover. 88 Jahre: Herta Schomburg im Seniorenzentrum Vahrenwald. 81 Jahre: Günther Bolwig im Altenzentrum Eichenpark. 79 Jahre: Gunda Dörge im Altenzentrum Eichenpark. 78 Jahre: Erna Müller im Pflegeheim Vahrenheide. 75 Jahre: Georg Josef Müller im Seniorenheim Bachstraße.

chester aller Musikrichtungen, Bands, Chöre, Solisten, DJs an 30 Stellen in der Innenstadt.

18 8 Hannover

18 8

DER GANZE TAG

HEUTE IM KINO

Theater

19 8

Nienburg

18 8

Mallorca, Ibiza: Viel Sonne mit nur ganz wenigen Wolken, trocken, 22 bis 24 Grad.

VERANSTALTUNGEN UND TERMINE

19 8

Stadthagen Peine

WIR GRATULIEREN

Montag, 8.30 bis 22 Uhr: Aegidien, Am Aegidientorplatz, Tel. 32 41 14 Diana, Burgwedeler Str. 10, Tel. 6 49 71 21 St. Bernward, Hildesheimer Str.240, Tel. 83 97 96 Weiler Vital im Real, Hemmingen, Alfred-BenzStr. 1, Tel. 4 50 89 80 Montag, 8.30 Uhr, bis Dienstag, 8.30 Uhr: Delfin, Lister Meile 81, Tel. 62 96 15 Fortuna, Deisterstr. 75, Tel. 44 15 24 Greifen, Am Tiergarten 4, Tel. 52 17 11

18 8

Osnabrück

10 Std.

APOTHEKENNOTDIENST

Lüneburg

18 8

Celle

0 Std.

Tunesien, Marokko: Anfangs in weiten Teilen noch wolkig, später sonniger, 25 bis 27 Grad.

Windstärke 3

16 12

Emden

Südfrankreich: Sonne und Wolken, trocken, 16 bis 25 Grad.

Madeira, Kanarische Inseln: Sonne und Wolken, kaum Niederschlag, 22 bis 26 Grad.

Nord

Cuxhaven

16 7

Großbritannien, Irland: Heiter bis wolkig, Temperaturen 15 bis 22 Grad. Italien: Bei wechselnder Bewöl-

30

GESTERN MITTAG IN DEUTSCHLAND Berlin Braunlage Brocken Braunschweig Dresden Erfurt

REISEWETTER Deutsche Küste: Meist wolkig und trocken, 14 bis 20 Grad. Harz: Sonne und Wolken, im Süden Schauer, 16 bis 20 Grad. Schwarzwald, Bodenseegebiet: Sonne und Wolken, örtlich Regenschauer, 14 bis 20 Grad. Südbayern: Überwiegend stark bewölkt oder bedeckt mit etwas Regen, um 19 Grad. Österreich, Schweiz: Verbreitet Landregen oder Schauer, Tageshöchstwerte 11 bis 17 Grad.

21 12

Südskandinavien: Heiter, örtlich wolkiger, meist trocken, Tageshöchstwerte 14 bis 20 Grad.

WEITERE VORHERSAGEN VON HÖCHSTTEMPERATUREN

Stuttgart

18 8

20

Nizza

Ostsee 13–15º

17 11

Nordsee Nordsee13–17º 5–6°

17

Budapest

29 BIOWETTER, POLLENFLUG Das Befinden wird heute nicht ungünstig beeinflusst, und Konzentrations- und Leistungsfähigkeit liegen im Bereich der Norm. Der Kondition angepasste Bewegung im Freien fördert die Gesundheit und stärkt die Abwehrkräfte. Mäßige Konzentrationen von Gräser- und schwache Konzentrationen von Roggenpollen.

18

Warschau

22

Bordeaux

1010

Berlin

20 Frankfurt

Paris

1020

19

Hamburg

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29 Moskau

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T

22

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H

St. Petersburg Stockholm

20 11

Mai Juni

H

20 9

Sonne

WETTERLAGE Die eingeflossene kühle Meeresluft sorgt noch für wechselhaftes Wetter, bevor leichter Hochdruckeinfluss einsetzt.

18 8

* Langjähriges Monatsmittel

Wechselnd bewölkt mit Auflockerungen und trocken,Temperaturen bis 18 Grad

Temperaturen

HANNOVERSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG

Regen

20

24 Stunden – 7 Tage die Woche:  www.haz.de oder www.neuepresse.de

19.30 Uhr: Friedenspalast (Sophienstr. 7) Bewusstsein, Kreativität und transzendentale Meditation, Film. 22 Uhr: Großer Garten (Herrenhäuser Str. 4) Illumination im Großen Garten. Kinderkrams 15.30 Uhr: Nordstadtbibliothek (Engelbosteler Damm 57) Das Spitzenspiel, Bilderbuchkino. 16 Uhr: Stadtbibliothek Linden (Lindener Marktplatz 1) Franziska und die dusseligen Schafe, Bilderbuchkino. Seniorentipps 16.30 Uhr: Wohnpark Kastanienhof (Am Mittelfelde 102) Südzypern, Diavortrag. 18 Uhr: Eilenriedestift (Bevenser Weg 10) Hannoversche Geschichte, multimediales Theaterstück.

Eine verborgene Rechenkunst „Die Musik ist eine verborgene Rechenkunst des seines Zählens unbewussten Geistes“, wusste Gottfried Wilhelm Leibniz, der es sich gern bei Musik in den Königlichen Gärten gut gehen ließ. Da liegt es nahe, an seinem heutigen 364. Geburtstag Kurztexte dieses letzten Universalgelehrten einzuflechten in das inszenierte Konzert „Himmelsmechanik“, das vom Neuen Ensemble Hannover und von dem deutsch-niederländi-

schen Ensemble S um 20 Uhr im Gartentheater des Großen Gartens (bei Regen: in der Orangerie) aufgeführt wird. Naturphänomene aller Art stehen dabei im Mittelpunkt. Mauricio Kagels humorvoll-hintergründige „Komposition mit Bühnenbbildern“ hat Stephan Meier speziell für das Gartentheater konzipiert, wo barockes und heutiges Erleben und Nachdenken einander berühren sollen. Karten kosten 25, ermäßigt 10 Euro. r / pr.


KAKERLAKEN S TAT T M E E R B L I C K

ROSTIGE RENDITEN

Wirtschaft

Um Reisemängel richtig zu reklamieren, sind Regeln noch vor Ort zu beachten Seite 22

Oldtimer liegen im Trend, sind aber als Kapitalanlage meist ungeeignet Seite 23

SEITE 21 – MONTAG, 21. JUNI 2010 – NR. 141

China gibt Bindung an den Dollar auf

BĂ–RSENWOCHE

Sommermärchen

Schnelle Aufwertung des Yuan ist aber nicht zu erwarten / US-Präsident lobt konstruktiven Schritt

A

ls die deutsche Mannschaft am Freitag um die Mittagszeit gegen Serbien verlor, liefen bei den Aktienhändlern nicht mehr nur die aktuellen Kurse Ăźber die Bildschirme, sondern auch die aktuellen Spielstände aus SĂźdafrika. Einige Aktienexperten setzten sogar die Spieltermine an die oberste Stelle. Das wird sich am Dienstag wieder ändern. Während Mexiko gegen Uruguay Ăźber den Einzug der Franzosen ins AchtelďŹ nale entscheiden kĂśnnte, werden sich einige Experten mit den Ergebnissen der neuesten Ifo-Konjunkturumfrage beschäftigen mĂźssen. Am Tag darauf wird es um das Verbrauchervertrauen beim GfK-Index gehen – glĂźcklicherweise lange bevor Deutschland gegen Ghana aufläuft. Am Donnerstag steht fest, ob die deutsche Mannschaft weitergekommen ist – wie es mit der Konjunktur weitergeht, wird dagegen nach Ansicht von Analysten durch die neuen Daten kaum klarer abzusehen sein. Am Donnerstagmorgen zu Handelsbeginn wird auch die Entscheidung der USNotenbank auf dem Tisch liegen – bleiben die WährungshĂźter bei ihrer Politik oder ziehen sie langsam die ZinszĂźgel an? Und dann folgt der Blick aufs Wochenende – was wird der G-20-Gipfel in Sachen Finanzmarktregulierung bringen? Zwar geben die Analysten die Hoffnung nicht auf, dass zumindest an der BĂśrse das „Sommermärchen“ noch eine Weile weitergehen wird. Die bekannten Sorgen um die hohen Staatsschulden, die mĂśglicherweise durch zu rigide Sparprogramme zu einer RĂźckkehr in die Rezession fĂźhren kĂśnnten, dĂźrften aber bald wieder die Oberhand gewinnen. K L AUS D IETER O EHLER

KURZ GEMELDET Weltwirtschaftspreis verliehen Kiel: Der Weltwirtschaftliche Preis ist in Kiel verliehen worden. Die Auszeichnung ging an den Generaldirektor der Welthandelsorganisation WTO, Pascal Lamy, Nobelpreisträger Paul Krugman und die Unternehmerin Liz Mohn (Bertelsmann). Das Kieler Institut fßr Weltwirtschaft wßrdigt mit dem Preis Politiker, Ökonomen und Unternehmer, die sich um die Marktwirtschaft und um soziale Gerechtigkeit verdient gemacht haben. dpa

Warteschleifen bald kostenlos Berlin: Teure Telefon-Warteschleifen sollen bald kostenlos sein. Dies soll in den Referentenentwurf der Telekommunikationsnovelle des Bundeswirtschaftsministeriums aufgenommen werden, wie der „Tagesspiegel“ berichtet. Danach soll fĂźr Servicenummern erst kassiert werden dĂźrfen, wenn tatsächlich Kontakt zu einem Berater hergestellt wurde. afp

H A Z - KO N TA K T Wirtschaftsredaktion: Telefon (05 11) 5 18 – 18 24 Fax (05 11) 5 18 – 28 32 E-Mail: wirtschaft@haz.de Abonnenten-Service: 01 80 – 1 23 43 34

VON B ERN H A RD B A RTSCH Peking. Es kĂśnnte eine der wichtigsten wirtschaftspolitischen Entscheidungen des Jahres sein – und sie wurde verkĂźndet wie ein behĂśrdlicher Formalakt: Am Wochenende verĂśffentlichte Chinas Zentralbank auf ihrer Webseite eine Pressemeldung, deren Ăœberschrift nur zur Hälfte lesbar war und lediglich durch das daneben blinkende Wort „new“ ins Auge fiel: „Weitere Reform des RMBWechselkursregimes und Weiterentwicklung der RMB-Wechselkursflexibilität“ lautete der nĂźchterne Titel, der weltweit umgehend als Signal interpretiert wurde, dass Peking nach monatelangem politischem Tauziehen zu einer Aufwertung seiner Währung bereit ist. Westliche Regierungen, insbesondere die der USA, werfen der Volksrepublik vor, dass der fest an den US-Dollar gekoppelte Renminbi (RMB, der auch Yuan genannt wird) massiv unterbewertet sei und eine massive Verzerrung des internationalen Wettbewerbs bewirke, weil er Chinas Exporte kĂźnstlich verbillige. Obwohl Peking die Kritik stets zurĂźckgewiesen hat, ist die Regierung nun offenbar zu dem Schluss gekommen, dass eine Ă„nderung des Währungssystems auch im chinesischen Interesse ist. Die Bindung an den Dollar werde aufgehoben, hieĂ&#x; es in der Meldung. Stattdessen werde man den Yuan-Kurs kĂźnftig stärker nach „Angebot und Nachfrage in Bezug auf einen Währungskorb“ bestimmen. Die AnkĂźndigung erinnert an die vorige Kurskorrektur des Yuan: Im Juli 2005 hatte die Zentralbank schon einmal einen Währungskorb eingefĂźhrt und den Yuan schrittweise um rund 20 Prozent steigen lassen, bevor sie mit Ausbruch der Finanzkrise im Interesse der Stabilität wieder zur Dollar-Koppelung zurĂźckgekehrt war. Ăœber die Zusammensetzung des Währungskorbs machte China keine Angaben. US-Präsident Barack Obama begrĂźĂ&#x;te die AnkĂźndigung. „Chinas Entscheidung, die Flexibilität seines Wechselkurses zu erhĂśhen, ist ein konstruktiver Schritt, der bei der Sicherung des Aufschwungs helfen und zu einer ausgewogeneren Weltwirtschaft fĂźhren kannâ€?, hieĂ&#x; es in einer Mitteilung des WeiĂ&#x;en

Klage gegen geplante Atomsteuer erwogen

Westliche Ă–konomen halten die chinesische Währung fĂźr bis zu 40 Prozent unterbewertet. Hauses. US-Finanzminister Timothy Geithner, der noch vor einer Woche den Druck auf China erhĂśht und indirekt mit StrafzĂśllen auf chinesische Produkte gedroht hatte, erklärte: „Eine entschlossene Umsetzung wäre ein positiver Beitrag zu einem robusten und ausgewogenen, globalen Wachstum.â€? Der Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique Strauss-Kahn, sprach von einer „ermutigenden Entwicklung“. Wie weit Peking den Yuan diesmal steigen lassen will, ist unklar. Westliche Ă–konomen halten die Währung fĂźr bis zu 40 Prozent unterbewertet. Experten gehen davon aus, dass Peking den Währungskurs nicht sprunghaft korrigieren, sondern wie in der Vergangenheit Ăźber einen längeren Zeitraum schrittweise

aufwerten wird. Chinesische Zentralbankvertreter haben mehrfach angedeutet, dass sie die Währungspolitik in erster Linie als Mittel der Inflationsbekämpfung sehen. Stärkere Anstiege von Verbraucher- und Produzentenpreisen kÜnnten also eine schnellere Aufwertung bedeuten. Westliche Industrienationen erwarten, dass eine Yuan-Aufwertung sich positiv auf ihre Exporte nach China auswirken und den Preisdruck auf heimische Industrien verringern werde. Auch Entwicklungs- und Schwellenländer erhoffen von einem stärkeren Yuan eine Verbesserung ihrer Wettbewerbsfähigkeit. Dass Peking die Änderung seines Währungssystems wie beiläufig verkßndete, dßrfte kein Zufall sein. Chinas Re-

afp gierung hat stets betont, sich in der Yuan-Frage nicht unter Druck setzen lassen zu wollen. Noch vergangene Woche hatte AuĂ&#x;enamtssprecher Qin Gang erklärt, Peking verbitte sich auf dem kommendes Wochenende im kanadischen Toronto stattfindenden G-20-Gipfel eine Diskussion Ăźber seine Währung. Doch nun dĂźrfte der Yuan fĂźr die anreisenden Staats- und Regierungschefs ein Hauptthema werden. Wie viel Lob Chinas Präsident Hu Jintao dort allerdings von seinen Amtskollegen bekommen wird, dĂźrfte davon abhängen, wie sich der Yuan in dieser Woche entwickelt. An den Märkten wird fĂźr heute die erste Kursänderung erwartet – alles andere wäre nach der AnkĂźndigung eine Enttäuschung.

Ăœberraschender Autoboom Karstadt-Streit geht weiter Hersteller fahren Sonderschichten und streichen Ferien Frankfurt (ap). Die Autobranche boomt: Die Hersteller reagieren mit Sonderschichten und dem massiven Einsatz von Leiharbeitern auf den plĂśtzlichen Anstieg der Nachfrage, wie die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ berichtet. Die Bestellungen Ăźberträfen die in den Konzernen geplante Produktion. „Noch nie hat sich die Lage in einem so atemberaubenden Tempo zum Besseren gewendet“, zitiert das Blatt einen Daimler-Aufsichtsrat. Die Werke seien voll ausgelastet. „Mercedes hat annähernd das Produktionsniveau von vor der Krise erreicht.“ Gerade Spitzenmodelle erleben dem Bericht zufolge einen starken Anstieg der Bestellungen: So habe sich der Absatz der S-Klasse von Mercedes im Mai um 41 Prozent erhĂśht, der der EKlasse um 39 Prozent. Auch BMW habe

die hĂśchsten Zuwächse mit einem Plus von 34 Prozent mit seiner 7er-Reihe verzeichnet. Besonders in China, der wichtigsten Wachstumsregion, bevorzugten die Kunden luxuriĂśse Limousinen. In vielen Werken wie Sindelfingen, UntertĂźrkheim und Bremen werde bereits sonnabends gearbeitet, sagte ein Daimler-Sprecher. FĂźr Rastatt wĂźrden Verhandlungen mit dem Betriebsrat laufen. Auch die Audi-Beschäftigten im Werk Neckarsulm mĂźssten sonnabends ran, berichtete die Zeitung. Zudem heuern die Konzerne Tausende von Zeitarbeitern an. Daimler habe 1800 Zeitarbeiter beschäftigt, sagte ein Sprecher. 5000 Leiharbeiter sind bei BMW im Einsatz, wie es hieĂ&#x;. FĂźr viele Standorte bedeute der Nachfrageschub, dass die Sommerferien ausfielen, berichtete die Zeitung.

Berggruen lehnt Mietnachlässe erneut als zu gering ab Essen (dpa). Der Streit um die Mietnachlässe zur Karstadt-Sanierung geht weiter. Investor Nicolas Berggruen lehnte am Wochenende ein weiteres Angebot des Vermieterkonsortiums Highstreet als nicht ausreichend ab. „Wir haben jetzt insgesamt Mietsenkungen von mehr als 400 Millionen Euro Ăźber die nächsten Jahre angeboten“, sagte ein HighstreetSprecher. Damit sei die Schmerzgrenze bereits Ăźberschritten. Ein BerggruenSprecher erklärte: „Wir streben marktĂźbliche Konditionen an.“ Diese lägen noch nicht vor. Berggruen hatte den Kaufvertrag fĂźr das Unternehmen mit bundesweit 120 Warenhäusern nur unter Vorbehalt unterschrieben. Damit der Vertrag rechtskräftig wird, muss eine Einigung Ăźber Mietsenkungen mit Highstreet erfolgen.

Das Vermieterkonsortium besitzt gut zwei Drittel der Karstadt-Warenhausimmobilien, grĂśĂ&#x;ter Anteilseigner ist mit 51 Prozent die US-Investmentbank Goldman Sachs. SPD-Chef Sigmar Gabriel Ăźbte scharfe Kritik an Goldman Sachs und der Deutschen Bank. „Sollte die Rettung von 25 000 Arbeitsplätzen an Ăźberzogenen Mieten der Banken scheitern und Ăźber 100 Innenstädte ins Elend getrieben werden, dann bin ich dafĂźr, eine Debatte in Deutschland zu beginnen, Goldman Sachs die Lizenz zu entziehen“, sagte Gabriel auf dem Juso-Bundeskongress in Essen. Eine Einigung Ăźber die Mieten muss bis zum 16. Juli vorliegen, damit das Essener Amtsgericht den Karstadt-Insolvenzplan wie geplant bestätigen kann.

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Berlin (dpa). Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) hat seine Prognose fĂźr das Wachstum der Ausfuhren verdoppelt. Wie aus dem AuĂ&#x;enwirtschaftsreport hervorgeht, hält der BDI fĂźr 2010 ein Exportwachstum von 8 Prozent fĂźr wahrscheinlich. „Der deutsche Exportmotor ist wieder angesprungen“, sagte BDI-HauptgeschäftsfĂźhrer Werner Schnappauf am Wochenende. In den jĂźngsten drei Quartalen wuchsen die Exporte im Vergleich zum jeweiligen Vorquartal im Schnitt um 4,5 Prozent. Trotz dieser Steigerung lagen die Ausfuhren wegen des Einbruchs während der Wirtschaftskrise im ersten Quartal demnach immer noch um 12 Prozent unter dem Vorkrisenniveau. Die internationale Nachfrage kĂśnne Deutschland aus der Krise ziehen, folgerte Schnappauf. Insbesondere die Erwartungen der Chemie- und Elektroindustrie seien weiterhin positiv.

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Berlin (dpa). Die Atomindustrie droht mit einer Klage gegen die von Union und FDP geplante Milliardensteuer auf Brennelemente. Die Vorstandschefs von e.on, RWE, Vattenfall und EnBW melden sowohl verfassungs- als auch europarechtliche Bedenken, berichtete die „SĂźddeutsche Zeitung“. Eine RWE-Sprecherin sagte: „Die Steuerpläne werfen erhebliche Rechtsfragen auf.“ Nach Ansicht der Konzerne verstĂśĂ&#x;t die Steuer gegen eine EU-Richtlinie, wonach Kernkraft als Energiequelle nicht einseitig belastet werden dĂźrfe. Die Bundesregierung betonte, dass die Steuer rechtlich geprĂźft worden sei. Eine Sprecherin des Finanzministeriums erklärte: „Das beobachten wir erst mal sehr entspannt.“ Die Atomindustrie werde durch die Abgabe nicht Ăźber GebĂźhr benachteiligt. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will sich am Mittwoch mit den Chefs der Energiekonzerne treffen. Dabei dĂźrfte der Widerstand gegen die Atomsteuer zentrales Thema sein. „Wir sehen Klärungsbedarf in einzelnen Aspekten und werden versuchen, das in Gesprächen mit der Politik zu klären“, sagte ein Sprecher von EnBW in Karlsruhe. Die GrĂźnen-Vorsitzende Claudia Roth forderte Merkel auf, sich nicht auf „absurde Spielchen“ der Atomindustrie einzulassen. Wenn die Stromkonzerne nun mit einer Klage gegen die Brennelementsteuer drohten, sei das der Versuch, im Gegenzug längere Laufzeiten fĂźr Atomkraftwerke durchzusetzen, sagte Roth. Hätten die Konzerne vor Gericht Erfolg, geriete ein wichtiges Element der Haushaltssanierung in Gefahr. Die Steuer ist der grĂśĂ&#x;te Einzelposten des Sparpakets von Union und FDP. Sie soll dem Bundeshaushalt ab 2011 jährlich Einnahmen von 2,3 Milliarden Euro bringen. Die Bundesregierung sieht die Steuer auch als Beitrag zur Sanierung des maroden Atomlagers Asse in Niedersachsen. Hier sind laut Bundesfinanzministerium noch Kosten von 3 bis 4 Milliarden Euro fĂźr den Bund nicht gedeckt.

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22

Verbraucher

HANNOVERSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG

Kakerlaken statt Meerblick

Aufzugswartung ist Mietersache Mieter müssen nur die Wartungskosten für einen Aufzug im Haus tragen – nicht die Instandhaltungs- und Instandsetzungsausgaben. Schlüsselt der Vermieter die einzelnen Anteile in der Betriebskostenabrechnung nicht nachvollziehbar auf, seien nur 50 Prozent der Gesamtkosten anzuerkennen. Das geht aus einem Urteil des Amtsgerichts Berlin-Spandau hervor (Az.: 14 C 31/09), über das der Berliner Mieterverein berichtet. In dem Fall hatte der Vermieter mit einem Unternehmen einen sogenannten Vollwartungsvertrag für den Aufzug abgeschlossen. Die Richter stuften das Verhältnis von Wartungs- zu Instandhaltungskosten als geteilt ein. Nur 50 Prozent durfte der Vermieter also auf die Mietparteien umlegen – den Rest musste er selbst tragen. dpa

Mietmängel rasch beseitigen Mieter und Pächter müssen Mängel rechtzeitig melden. Im Gegenzug muss der Vermieter oder Verpächter den Mangel aber auch unverzüglich beseitigen. Darauf weisen die Miet- und Immobilienrechtsexperten des Deutschen Anwaltvereins in Berlin hin und berufen sich auf ein Urteil des Oberlandesgerichts Düsseldorf (Az.: I-24 U 6/09). In dem Fall hatte ein Pächter eine Schimmelbildung in den von ihm gepachteten Gaststättenräumen zwar nicht unverzüglich angezeigt. Die Pacht minderte er allerdings mit der Mitteilung an den Verpächter. Dieser ließ sich zwei Jahre Zeit, bevor er reagierte. Die Richter schlossen daher, dass der Verpächter auch bei einer unverzüglichen Mitteilung die Mängel nicht sofort beseitigt hätte. Das wog in diesem Fall schwerer als das Versäumnis des Pächters, den Schimmel sofort anzuzeigen. dpa

Klimaanlage im Stau auf Umluft Autofahrer stellen die Klimaanlage im Stau oder in Tunnels am besten in den Umluftmodus. Dadurch reduzieren sie die Schadstoffbelastung, da die Anlage keine Luft von außen zuführt, sondern jene im Wagen umwälzt. Das erklärt die Sachverständigenorganisation GTÜ in Stuttgart. Raucher sollten bei Umluft auf Zigaretten verzichten: Angesaugter Rauch könnte sich im Verdampfer der Klimaanlage absetzen und so zu langfristiger Geruchsbelästigung führen. Und grundsätzlich empfiehlt es sich nicht, dauerhaft im Umluftbetrieb zu fahren, weil dann keine Frischluft mehr in den Innenraum gelangt. dpa

Um eine Mieterhöhung für ein WGZimmer zu begründen, muss ein Vermieter drei Zimmer in anderen Wohnungen zum Vergleich heranziehen. Zimmer in derselben Wohnung genügen nicht. Darauf macht der Deutsche Anwaltverein aufmerksam und verweist auf ein Urteil des Amtsgerichts Köln (Az.: 203 C 33/09). In dem Fall hatte ein Student ein Zimmer in einer Wohnung gemietet. Als der Vermieter die Miete mit Verweis auf andere, nahezu identische Zimmer in der Wohnung erhöhen wollte, lehnte der Student das ab – der Vermieter klagte. Die Richter wiesen die Klage ab. Zur Begründung einer Mieterhöhung müssen Vermieter die Mieten von mindestens drei anderen Wohnungen benennen. Denn das Gesetz sieht als Bezugsgröße die „ortsübliche“ Miete vor, nicht die „wohnungsübliche“. dpa

Regelmäßiger Wechsel spart Geld Wenn es um Energie für zu Hause und um die Telekommunikation geht, lohnt sich Treue kaum: Wenn Verbraucher in den vergangenen fünf Jahren regelmäßig zum jeweils günstigsten Anbieter für Strom, Gas, Mobilfunk und den DSL-Anschluss gewechselt wären, hätten sie durchschnittlich 2965 Euro gespart. Das hat das Verbraucherportal Verivox in Heidelberg ausgerechnet. Untersucht wurde die Preisentwicklung in den 20 größten deutschen Städten. Am meisten konnten Verbraucher durch regelmäßige Anbieterwechsel laut Verivox in Leipzig einsparen: Dort habe das Einsparpotenzial bei insgesamt 3622 Euro gelegen. Am geringsten sei die mögliche Ersparnis in Frankfurt am Main gewesen, wo durch einen jährlichen Anbieterwechsel aber noch 2513 Euro hätten gespart werden können. In Hannover liegt die Ersparnis demnach bei 2699 Euro. dpa

Reisemängel richtig reklamieren VON N A DI A-M A RI A C H A A R

D

er Flug ist verspätet, nebenan dröhnen die Bagger, und um das versprochene „reichhaltige Büfett“ kriechen die Kakerlaken. Wenn der Urlaub nicht hält, was Katalog oder Onlineportal versprochen haben, können Reisende Geld zurückverlangen. Soll die Beschwerde Erfolg haben, sind aber Regeln zu beachten – und das noch vor Ort. Verbraucherschützer empfehlen, schon beim Studieren des Angebots genau zu lesen: „Wer einen Mangel reklamieren will, muss bei der Buchung der Reise aufpassen“, rät Verbraucherschützerin Sabine Fischer-Volk. So könne es passieren, dass der Mangel verklausuliert im Katalog steht: „In Flughafennähe“ etwa bedeutet laut Amtsgericht München, dass Fluglärm hinzunehmen sei (Az.: 231 C 4946/97). Und „Meerseite“ bedeute nicht, dass das Zimmer auch einen Meerblick hat, entschied das Amtsgericht Duisburg (Az.: 73 C 4280/04). Grundsätzlich gelte: Ohne die detaillierte Angebotsbeschreibung lassen sich Abweichungen schwer nachweisen. Am besten sollten Urlauber den Katalog auf-

Gutschein annehmen? Viele Reiseveranstalter schicken nach Beschwerden und Minderungsforderungen Gutscheine zu. Wer diese annimmt, schließt einen Vergleich und verzichtet auf weitergehende Ansprüche, erklärt Reiserechtsanwalt Thomas Weinreich. Ratsam sei das nur bei kleineren Mängeln oder wenn sich eine Klage nicht lohnt. Das verdeutlicht folgendes Rechenbeispiel: „Angenommen man hat für 1000 Euro pro Person eine zehntägige Reise gebucht und hatte an zwei Tagen starken Lärm wegen Renovierung“, schildert ADAC-Juristin Silvia Schattenkirchner. Der Reisepreis pro Tag beträgt 100 Euro. Bei 10 Prozent Minderung pro Tag entsteht ein Anspruch von 20 Euro pro Person. Mit einem Gutschein über diese Summe seien Urlauber gut bedient. dpa

heben. Und bei Onlineangeboten? „Speichern Sie die Internetseite ab, oder drucken Sie diese aus“, empfiehlt FischerVolk. Tritt im Urlaub ein Mangel auf, muss er unverzüglich bei der örtlichen Reiseleitung angezeigt werden. Viele Urlauber wenden sich aber an die Hotelrezeption statt an die Reiseleitung, sagt Thomas Weinreich, Rechtsanwalt und Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Reiserecht – ein klassischer Fehler. An der Rezeption Bescheid zu geben sei zwar naheliegend. Doch Vertragspartner ist bei Pauschalurlaubern der Reiseveranstalter – und nicht etwa das Reisebüro oder das Hotel vor Ort. An den Vertragspartner aber müssen sich Mängelanzeigen richten. „Man muss dem Veranstalter Gelegenheit geben, den Mangel zu beseitigen“, erklärt FischerVolk. Laut Amtsgericht Düsseldorf ist die Mängelanzeige notfalls telefonisch nach Deutschland zu übermitteln, wenn es vor Ort keine deutschsprachige Reiseleitung gibt (Az.: 26 C 5498/06). Beseitigt der Veranstalter den Mangel nicht, können Urlauber in drastischen Fällen zur Selbsthilfe greifen und ausziehen: „Zum Beispiel wenn es im Hotel so laut ist, dass man Tag und Nacht nicht schlafen kann“, sagt Fischer-Volk. Die Kosten für die neue Unterkunft müsse der Veranstalter erstatten. Auch zusätzlich anfallende Kosten wie Telefon- und Taxikosten gingen in solchen Fällen zu seinen Lasten, erklärt Weinreich. Voraussetzung für eine Minderung ist, dass man die Mängel beweisen kann. „Die Leute beschreiben die Fehler viel zu ungenau“, warnt aber Silvia Schattenkirchner, Juristin beim ADAC. Viele Pauschalurlauber beschweren sich etwa, dass „das Büfett nicht reichhaltig genug war“ und nicht oft oder lange genug nachgefüllt wurde. „Geschmackssache“, urteilen die Gerichte. Erfolg hat nur, wer den Mangel detailliert beweist. Das könnte zum Beispiel mit einem solchen Wortlaut geschehen: „Der Hummer, der im Prospekt versprochen war, hat gefehlt. Die Tischdecken an Tisch 5, 7 und 13 waren dreckig, und die Getränke waren nicht gekühlt.“ Der fehlende Hummer allein rechtfertigt laut Landgericht Düsseldorf allerdings nur eine Minderung um 2 Prozent pro Tag (Az.: 12 S

Wenig Spam bei Yahoo

Beton statt Sand: Ist kein Strand da, obwohl er versprochen war, ist das ein Mangel. 27/03). Einzelne Mängel werden aber addiert, sodass Urlauber am Ende auch mehr herausbekommen können. Fischer-Volk rät, gerade beim Thema Lärm ein Protokoll oder Tagebuch zu führen: „Zu welcher Tageszeit, wie laut, von welcher Lärmquelle und wie lange wurden sie gestört?“ Wer kann, sollte das zusätzlich dokumentieren: den Lärm per Videokamera aufzeichnen, Namen und Adressen von Mitreisenden notieren, Ungeziefer zählen und fotografieren. So sind zehn bis 20 Kakerlaken auf Gran Canaria laut Amtsgericht Kleve lediglich eine „Unannehmlichkeit“ (Az.: 3 C 197/98) – dagegen rechtfertigt „erheblicher Kakerlakenbefall“ nach einer Entscheidung des Amtsgerichts Hamburg eine Reduzierung des Reisepreises um 40

enn die Sommersonne mit aller Kraft auf Dachfenster oder Wintergärten knallt, heizen sich viele Räume so stark auf, dass sie kaum noch bewohnbar sind. Hilfe versprechen spezielle Sonnenschutzfolien, die sich nachträglich außen auf den Fenstern anbringen lassen. Eine Untersuchung der Stiftung Warentest bestätigt, dass viele dieser Folien tatsächlich „sehr guten“ Hitzeschutz bieten. Damit beschichtete Fenster kön-

nen die Sonnenstrahlung häufig um mehr als 80 Prozent verringern. Die Warentester kritisieren andererseits die Nachteile der Sonnenschutzfolien: Je weniger Wärmeenergie sie passieren lassen, desto deutlicher sinkt die Lichtdurchlässigkeit. Dies kann dazu führen, dass Räume mit normal dimensionierten Fensterflächen nach dem Anbringen der Folien relativ schlecht mit Tageslicht versorgt werden. Als Konse-

Gerade bei Dachfenstern stellt sich oft die Frage nach einem wirksamen Sonnenschutz.

quenz müssen die Bewohner bei bewölk- mit etwas geringerer Hitzeschutzwirtem Himmel und in der Dämmerung öf- kung, aber mit „guten“ optischen Eigenter elektrisches Licht einschalten. Da die schaften für Kompromisslösungen an: Folien einen Großteil der Sonnenstrah- Mit Haverkamp Opalfilm Flex N50PX len auch im Winterhalbjahr aussperren, (etwa 65 Euro je Quadratmeter mit Monverursachen sie obendrein zusätzliche tage) und Glemser Nexfil SR 50 ASR (54 Heizkosten. Euro) bleiben die Räume heller. Gewöhnungsbedürftig sind In jedem Fall sollte man die FoTEST auch die Spiegeleffekte der stark lien besser vom Profi anbringen D E R reflektierenden Folien. Ist es lassen. drinnen heller als draußen, kön- W O C H E Grundsätzlich empfehlen die nen sie den Blick ins Freie stören. Warentester, in Anbetracht der Von draußen blockieren sie den Einblick Nachteile von Sonnenschutzfolien über bei Sonnenschein fast völlig. Denn Son- Alternativen nachzudenken. So sind nenschutzfolien bestehen aus mehreren Sonnenschutzverglasungen erhältlich, Schichten, die zum Teil hauchdünn mit die relativ lichtdurchlässig sind. VorteilMetall bedampft sind. Sie reflektieren so haft sind auch Jalousien und Rollläden, einen Großteil der auftreffenden Strah- mit denen sich die Sonne je nach Bedarf lung. aussperren lässt. Weiterer Pluspunkt ist Die Stiftung Warentest rät, Sonnen- die Energieersparnis im Winter, denn schutzfolien gezielt einzusetzen. Zum nachts heruntergelassene Rollläden sorBeispiel verringern sie den Kühlbedarf, gen dann für ein wärmedämmendes für den sonst eine Klimaanlage sorgen Luftpolster vor dem Fenster. Obendrein müsste. Wo „sehr guter“ Hitzeschutz verbessern Rollläden den Einbruchswichtig und die Helligkeit im Raum schutz. td zweitrangig ist, stehen mehrere ProdukDer komplette Test ist im Juniheft der te zur Wahl. Zeitschrift „Test“ nachzulesen. Zwei der getesteten Folien bieten sich

T E L E F O N TA R I F E W E LT W E I T M bis S (Landesvorwahl in Klammern)

ZIEL / ZEIT

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ERSTES ANGEBOT ZWEITES ANGEBOT Vorwahl Cent/Min. Anbieter Vorwahl Cent/Min. Anbieter

Montag bis Freitag Ortsgespräch (eigener Vorwahlbereich) 0 bis 7 Uhr Tele2 0 10 13 7 bis 19 Uhr Hitfon* 0 10 32 19 bis 24 Uhr Tele2 0 10 13

0,72 1,81 0,72

Arcor Star79* Arcor

0 10 70 0 10 79 0 10 70

0,98 1,84 0,98

Ferngespräch 0 bis 7 Uhr 7 bis 9 Uhr 9 bis 18 Uhr

Tele2 Hitfon* Hitfon*

0 10 13 0 10 32 0 10 32

0,62 1,52 1,73

Arcor 0 10 70 010012 Telec.* 01 00 12 LineCall* 0 10 67

0,98 1,67 1,83

18 bis 19 Uhr 19 bis 22 Uhr 22 bis 24 Uhr

Hitfon* Tele2 Tele2

0 10 32 0 10 13 0 10 13

1,14 0,62 0,62

Star79* Arcor Arcor

0 10 79 0 10 70 0 10 70

1,68 0,65 0,87

0 10 12

8,87

Gespräche in die Mobilfunknetze (auch Wochenende und Feiertage) 0 bis 24 Uhr LineCall* 0 10 67 8,40 01012telecom* Wochenende und Feiertage

Ferngespräch 0 bis 7 Uhr 7 bis 9 Uhr 9 bis 19 Uhr 19 bis 21 Uhr 21 bis 24 Uhr

Tele2 Arcor Arcor Arcor Tele2

0 10 13 0 10 70 0 10 70 0 10 70 0 10 13

So lesen Sie die Inlandstelefontariftabelle Call-by-Call ist nur über die Deutsche Telekom und einige Preselection-Anbieter möglich. In der Tabelle finden Sie zur angegebenen Tageszeit günstige Anbieter für Inlandstelefonate. Um billiger zu telefonieren, wählen Sie bei

Prozent pro Tag (Az.: 18 a 521/07). Nach der Rückkehr sind die Mängel binnen eines Monats beim Reiseveranstalter zu reklamieren. Wer mit der Beschwerde bummelt, geht leer aus. Wichtig ist außerdem, dass Urlauber schreiben, dass sie eine Minderung möchten, betont Fischer-Volk – viele würden das schlicht vergessen. Und pauschale Formulierungen wie „Ich bitte um Regulierung“ reichten nicht aus. „Schreiben Sie: ‚Es gab Baulärm, und dafür möchte ich 30 Prozent des Reisepreises zurück.‘“ Orientierung darüber, wie viel Minderung Urlauber für welchen Mangel verlangen können, bieten die Kemptener Reisemängeltabelle und die ADACReisemängelliste. Sie sind aber nicht verbindlich. dpa

Stiftung Warentest: Hitzeschutz „sehr gut“, aber deutlich weniger Helligkeit im Raum

T E L E F O N TA R I F E D E U T S C H L A N D W E I T

Ortsgespräch (eigener Vorwahlbereich) 0 bis 7 Uhr Tele2 0 10 13 7 bis 9 Uhr Arcor 0 10 70 9 bis 19 Uhr Arcor 0 10 70 19 bis 21 Uhr Arcor 0 10 70 21 bis 24 Uhr Tele2 0 10 13

dpa

Sonnenschutzfolien haben Schattenseiten

Vergleichszimmer W sind Pflicht

MONTAG, 21. JUNI 2010 · NR. 141

0,84 0,98 0,75 0,59 0,84 0,63 0,98 0,72 0,59 0,63

Arcor Star79* Star79* Tele2 Arcor Arcor Star79* Star79* Tele2 Arcor

0 10 70 0 10 79 0 10 79 0 10 13 0 10 70 0 10 70 0 10 97 0 10 97 0 10 13 0 10 70

0,98 1,49 1,49 0,84 0,87 0,98 1,68 1,68 0,63 0,98

Ferngesprächen erst die Netzvorwahl des Anbieters, dann die Ortsvorwahl und dann die gewünschte Rufnummer. Bei Telefonaten innerhalb des eigenen Ortsnetzes muss die Ortsnetzvorwahl nicht mitgewählt werden. * Anbieter mit Tarifansage

Stand: 20. Juni 2010; Quelle: www.billiger-telefonieren.de (ohne Gewähr)

Vorwahl Cent/Min.

Anbieter

Anbieter

Vorwahl Cent/Min.

Mauritius (0 02 30) Hitfon* 01021 YooCall* Mobil: Hitfon*

0 10 32 0 10 21 0 10 32

4,17 4,50 4,47

Nigeria (0 02 34) Hitfon* 0 10 32 Star79* 0 10 79 Mobil: 010012 Telec.* 01 00 12

6,49 6,50 6,47

Puerto Rico (00 17 87) 01098telecom* 0 10 98 010012 Telecom* 01 00 12 Mobil: 01098telecom* 0 10 98

1,67 1,67 1,67

Mazedonien (0 03 89) 01098telecom* 01097telecom* Mobil: Hitfon*

0 10 98 0 10 97 0 10 32

2,68 2,85 16,49

Norwegen (00 47) 010012 Telecom* 01 00 12 01098telecom* 0 10 98 Mobil: 01098telecom* 0 10 98

1,95 1,96 11,04

Rumänien (00 40) 01098telecom* 0 10 98 010012 Telecom* 01 00 12 Mobil: 01097telecom* 0 10 97

2,48 2,67 4,43

Mexiko (00 52) 010012 Telecom* 01 00 12 01097telecom* 0 10 97 Mobil: 01098telecom* 0 10 98

2,20 2,28 7,75

Österreich (00 43) LineCall* 0 10 67 01012telecom* 0 10 12 Mobil: 01097telecom* 0 10 97

2,00 2,19 6,78

Russland (0 07) Hitfon* 0 10 32 010012 Telecom* 01 00 12 Mobil: 01012telecom* 0 10 12

2,90 3,49 3,73

Pakistan (00 92) Hitfon* 0 10 32 010012 Telecom* 01 00 12 Mobil: 01097telecom* 0 10 97

2,90 4,00 5,88

Saudi-Arabien (0 09 66) 01098telecom* 0 10 98 01097telecom* 0 10 97 Mobil: 01097telecom* 0 10 97

4,53 4,58 9,88

2,80 2,95 7,70

Schweden (00 46) LineCall* 0 10 67 010012 Telecom* 01 00 12 Mobil: 01098telecom* 0 10 98

1,50 1,67 5,49

2,31 2,33 7,38

Schweiz (00 41) LineCall* OneTel* Mobil: Hitfon*

0 10 32 0 10 12 0 10 32

7,84 7,86 9,84

Monaco (0 03 77) Hitfon* 01098telecom* Mobil: Hitfon*

0 10 32 0 10 98 0 10 32

2,34 2,48 16,00

Panama (0 05 07) 01097telecom* 01012telecom* Mobil: Star79*

5,80 7,40 14,70

Peru (00 51) 010012 Telecom* 01 00 12 01097telecom* 0 10 97 Mobil: 01097telecom* 0 10 97

Montenegro (0 03 82) LineCall* OneTel* Mobil: LineCall* Namibia (0 02 64) Hitfon* 01098telecom* Mobil: Hitfon*

0 10 67 0 10 86 0 10 67 0 10 32 0 10 98 0 10 32

Neuseeland (00 64) 01098telecom* 0 10 98 010012 Telecom* 01 00 12 Mobil: 01098telecom* 0 10 98 Niederlande (00 31) LineCall* 0 10 67 Star79* 0 10 79 Mobil: 01097telecom* 0 10 97

5,56 5,58 12,19

Philippinen (00 63) Hitfon* 01098telecom* Mobil: Hitfon*

1,76 1,77 10,64

Polen (00 48) 01098telecom* 010012 Telecom* Mobil: OneTel*

1,79 1,80 9,53

0 10 97 0 10 12 0 10 79

0 10 67 0 10 86 0 10 32

1,85 1,88 11,90

(Fortsetzung nächste Woche)

0 10 32 0 10 98 0 10 32

Neue Sparlampen sind dimmbar Bei vielen modernen Energiesparlampen ist das Dimmen heute möglich. Die Lichtstärke von Energiesparlampen lässt sich aber nur drosseln, wenn die Lampen den Hinweis „dimmable“ tragen. Außerdem dürfen sie nur in Leuchten mit Dimmern – die auch als Phasenanschnitts- oder ein Phasenabschnittsdimmer bezeichnet werden – eingeschraubt werden. Darauf weist die Stiftung Warentest in Berlin hin. Energiesparlampen mit der Bezeichnung „DorS“ (Dimming or Switching) lassen sich auch mit einem normalen Glühlampendrehdimmer oder mit einem einfachen Lichtschalter dimmen. dpa

Werbeversprechen gilt nicht Patienten können sich vor Gericht nicht auf Werbebroschüren berufen, wenn sie Schadensersatz für eine Behandlung wollen. Maßgeblich dafür ist allein der Behandlungsvertrag. Das geht aus einem Urteil des Oberlandesgerichts Oldenburg hervor, auf das die dortige Rechtsanwaltskammer hinweist (Az.: 5 U 141/09). Im Vertrag muss dann zum Beispiel eine besondere Garantie festgeschrieben sein. Im verhandelten Fall hatte eine Zahnklinik in einer Werbebroschüre versprochen, auf Implantate eine siebenjährige Garantie zu bieten. Als der Zahnersatz nach vier Jahren nicht mehr hielt, wollte die Klinik keinen Schadensersatz leisten. Die Richter sprachen der Werbung aber die rechtliche Verbindlichkeit ab: Der Kunde habe nur dann einen Anspruch, wenn eine solche Garantie im Klinikvertrag gestanden hätte. dpa

STROM HANNOVER

Vorwahl Cent/Min.

Moldawien (0 03 73) Hitfon* 01012telecom* Mobil: Hitfon*

Yahoos E-Mail-Dienst ist unter den kostenlosen derjenige mit dem niedrigsten Spam-Aufkommen. Dicht dahinter rangieren die Angebote von Microsoft und Google, teilt das Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie (SIT) mit. Experten der Einrichtung hatten im Lauf des Februars die fünf hierzulande beliebtesten Gratisdienste analysiert. Dafür hatten sechs Tester jeweils bei allen Anbietern ein Konto eingerichtet. Das Resultat: Nutzer des Dienstes von Yahoo erhielten im Untersuchungszeitraum gerade acht unverlangte Werbebotschaften. Bei Hotmail – dem E-Mail-Angebot von Microsoft – waren es 13, bei Google Mail 18. Dagegen waren es bei Web.de immerhin 57 und bei GMX stolze 116. Werbemails der Anbieter selbst sind mit eingerechnet. Zieht man sie ab, ändert sich an Reihenfolge und Tendenz allerdings nichts. dpa

7,62 8,69 8,99

0 10 98 01 00 12 0 10 86

1,74 1,81 5,40

Portugal (0 03 51) 010012 Telecom* 01 00 12 LineCall* 0 10 67 Mobil: 01098telecom* 0 10 98

1,84 1,85 8,76

Stand: 18. Juni 2010 Quelle: www.billiger-telefonieren.de (ohne Gewähr) So lesen Sie die Auslandstelefontariftabelle In der Tabelle finden Sie günstige Call-by-Call-Anbieter für Anrufe in ausländische Festnetze sowie für Telefonate mit Kunden ausländischer Mobilfunknetze. Wählen Sie zuerst die Netzvorwahl des Anbieters, dann die Vorwahl des Landes und dann die gewünschte Rufnummer. Für Gespräche mit Kunden deutscher Mobilfunknetze, die sich mit ihrem Handy im Ausland aufhalten (Roaming), gilt der nebenstehende Inlandstarif. Die (zum Teil erheblichen) Mehrkosten für die Weiterleitung der Verbindung ins Ausland muss der angerufene Handybesitzer selbst tragen. * Anbieter mit Tarifansage

Für Familien (Verbrauch 4000 kWh im Jahr) Angebot*/Tel. Euro/Jahr energiehoch3 Internet: www.energiehoch3.de stromhoch3

771,67

Stadtwerke Düsseldorf AG Intern.: www.stadtwerke-duesseldorf.de Düsselstrom Nord 808,00 enQu Internet: www.enqu.de enQu Privat

808,80

energieGUT Internet: www.energiegut.de HalloSpar!

819,03

enQu Internet: www.enqu.de enQu Duett

820,80

Für Singles (Verbrauch 1600 kWh im Jahr) Angebot*/Tel. Euro/Jahr energiehoch3 Internet: www.energiehoch3.de stromhoch3

344,67

enQu Internet: www.enqu.de enQu Privat

355,20

Strommixer Internet: www.strommixer.de Moinpower S

358,83

Stadtwerke Bielefeld Internet: www.stadtwerke-bielefeld.de EnerOnline 364,78 * für Haushalt im Stadtgebiet von Hannover Stand: 18. Juni 2010; Quelle: www.verivox.de (ohne Gewähr)

Immer aktuell im Internet: www.haz.de/telefontarife


Finanzen

NR. 141 · MONTAG, 21. JUNI 2010

Rostige Renditen

ABSOLUTE RETURN

Glaubwürdigkeit ist angekratzt

GOLDNOTIERUNGEN Münzen/Barren

Kan. $ Maple Leaf 996,30 Austr. $ Nug./Käng. 996,30 Austr. $ Nug./Käng. 497,60 Austr. $ Nug./Käng. 245,00 Austr. $ Nug./Käng. 94,80 Krügerrand 996,30 £ Elisabeth 228,60 Mk Preussen Wilh. II 222,80 mex. Peso 1184,60 sfrs. Vreneli 178,20 ökr. 964,20 ö. Dukaten 485,50

1077,80 1077,80 567,40 298,40 130,50 1086,80 254.60 271,30 1259,60 213,20 1018,20 472,50

Goldbarren 1000 g 500 g 250 g 100 g 50 g 20 g 10 g 5g

I

32 344,00 33 046,00 16 177,00 16 538,00 8088,00 8299,00 3229,00 3355,00 1613,00 1688,00 642,00 684,00 319,00 348,00 158,00 185,00

Stand: 18. Juni 2010; Quelle: Nord/LB

99. Fortsetzung Ohlrogge sprang in die Dusche. Er kam sich in seinem lichtdurchfluteten Badezimmer vor wie in einem mediterranen Urlaubshotel. Er wusch sich überall, unter den Armen, zwischen den Zehen. Er stockte einen Moment, als er sich bückte. Es stach ihn kurz, er fasste sich an den Bauch. Es war doch alles in Ordnung, wo saß denn der Magen? Er sagte sich: die Aufregung. Und außerdem stachen ja auch die Vergangenheiten aus ihm heraus. Er stellte es sich vor wie Schollen, wie Vergangenheitsschollen, die nach Jahrtausenden aus der Vereisung brachen und nun in Richtung Süden trieben, um dort endlich aufzutauen und flirrend blau davonzufließen. Er nahm seinen Schwanz und stellte sich vor, wie sie im Klub dagelegen hatte: ihre Beine, ihr schönes Gesicht, der hinreißende kleine schiefe Zahn oben links im leicht geöffneten Mund. Keine Funktionsstörungen!, nahm er nach einer Minute zur Kenntnis und brach den Vorgang ab. Wer weiß, vielleicht würde sich heute noch etwas ergeben. Ohlrogge nahm siebenmal Rasierwasser, reichlich Deo, das Teresa irgendwo gefunden und an den richtigen Platz gestellt hatte. Dann zog er sein rotes Hemd an, die braunen Lederschuhe. Er platzierte zwei Stühle auf die Wiese und eine Sektflasche dazu, die er nach dem Friseurtermin noch auf die Schnelle besorgt hatte.

2,67 / 2,70 Vermittler

M

it einem Reiserücktrittschutz kann sich der Urlauber gegen Stornokosten bei Nichtantritt einer Reise, zum Beispiel wegen einer unerwarteten Erkrankung, Tod eines Mitreisenden oder eines Angehörigen, absichern. Sobald aber der Urlauber auf dem Flughafen eingecheckt und seinen Koffer aufgegeben hat, beginnt die Reise. Das heißt, ab dann fällt er nicht mehr unter den Schutz der Reiserücktrittskostenversicherung.Wünscht er den Schutz darüber hinaus, kann er eine notwendige, vorzeitige Rückreise durch eine Reiseabbruchversicherung absichern. Diese wird überwiegend in Verbindung mit einer Reiserücktrittskostenversicherung angeboten. Beide Versicherungen in Kombination abzuschließen, empfiehlt Katharina Henrich, Versicherungsexpertin der Stiftung Warentest, vor allem bei teuren Reisen für Familien mit kleineren Kindern, Senioren und auch Frühbucher. Wichtige Gründe für die Beendigung

Um fünf vor fünf setzte er sich und polierte die Gläser mit seinem roten Hemd, das er lässig über die Jeans fallen ließ. Er erhob sich noch einmal aus dem Stuhl, lief ins Haus und legte Rachmaninow auf, mittellaut. Er setzte sich und sah auf die Uhr. Punkt fünf. Jeden Augenblick würde sie kommen. So viel wie in den vergangenen dreißig Minuten hatte er im ganzen Vierteljahrhundert davor nicht geschafft: Farben mischen. Malen. Duschen. Die Vergangenheit aus der Vereisung aufbrechen lassen. Onanieren. Polieren. Sich selbst und seine Kunst loben. Und Rachmaninow auflegen. Er rannte ins Bad und putzte sich die Zähne. Ein bisschen blass fand er sich. Er lief zurück nach draußen, stellte ein Bild zur Seite und probierte Handstand an der Wand wie früher. Er zählte bis zwanzig und stellte sich dabei vor, wie das Blut, die Energie und das Leben in seinen Kopf flossen. Nächste Woche beginne ich mit Yoga, dachte er, er wollte schon seit den Achtzigern mit Yoga beginnen und beobachtete die Kuh, die immer noch das Bild mit der Ozonkatastrophe anstarrte. Parallel warf er Blicke zur Straße, ob sein Besuch in diesem Moment vorfahren würde. Um zehn nach fünf saß er auf dem Stuhl. Er ging erneut ins Haus, nahm das Schuhputzzeug, das jetzt in einem Karton

3,30 / 3,35

3,83 / 3,90

Freie Hypo Tel.: (05 11) 84 48 91 10 2,78 / 2,82 3,39 / 3,44 3,99 /4,06 www. hanvb-direkt.de Tel.: (05 11) 12 21 12 25 2,47 / 2,50 3,37 / 3,42 3,66 / 3,72 www.hypopool.de Tel.: (05 11) 54 45 08 30 2,82 / 2,86 3,50 / 3,56 4,16 / 4,24 www.interhyp.de Tel.: (05 11) 4 75 39 61 00 www.volkswagenbank.de Tel.: (01 80) 3 77 47 77 Stand: 18. Juni 2010 (Ohne Gewähr)

Solche automobilen Schätze lassen Sammlerherzen höher schlagen. Ob damit jedoch ein Geschäft zu machen ist, ist eine andere Frage. die man für 5 bis 50 000 Euro erhalten kann, sei es aus Massenproduktion oder weil sie in anderen Ländern reichlich zu finden sind, sollte man nicht als Investmentgut sehen, sondern als Sammlerstück mit großem Spaßfaktor.“ Auch wenn sie im Wert stiegen, seien Garagen-, Pflege- und Versicherungskosten dagegenzuhalten. Gute Klassiker zwischen 50 000 und 150 000 Euro sind laut Weise wertstabil. Auch ein Anstieg sei möglich, der dann laufende Kosten sowie Ausgaben für Pflege und Verbesserung decken könne. Weise: „Wer mit dem Gedanken spielt, neben der Freude am Sammlerwagen auch vom Investmentgut auszugehen, muss in Preiskategorien oberhalb von 150 000 Euro bis zu den Millionen-EuroObjekten schauen.“ Auch hier zählten imageträchtige Marken und Typen mit nachprüfbarer Historie, sehr gutem Restaurationsgrad oder hoher Originalität. Derzeit begehrt seien vor allem renn-

sportfähige Sportwagen, etwa der Marken Porsche und Ferrari, aber auch die Highlights von Mercedes und Bugatti. Eberhard Thiesen, Inhaber des Hamburger Verkaufshauses E. Thiesen Automobile Raritäten, beobachtet nennenswerte Preissteigerungen ebenfalls nur bei Fahrzeugen kleiner Baureihen. So kostet ein Porsche 911 2,7 RS derzeit 220 000 Euro nach 120 000 Euro vor vier Jahren. Und ein Bizzarrini 5300 GT Stradale wechselt für 380 000 Euro den Besitzer, während es 220 000 Euro 2006 waren. Beispiele für Preissteigerungen jenseits der Luxusklasse nennt Analyst Rolf Surmann von Classic Data. Ein Ford Escort MK 1 RS 2000 in gutem Zustand, im Fachjargon Note 2, war 2006 für 12 000 Euro zu haben. Heute kostet er 21 000 Euro. Und ein BMW 2002 turbo kommt auf 27 800 Euro nach 19 000 Euro vor vier Jahren. Der Wert anderer Fahrzeuge stagniert. So kostete der MGB „Gummi-

boot“ 2006 den Experten zufolge 12 100 Euro, und 2010 liegt er bei 12 700 Euro. Auch der Preis des Triumph TR6 USVersion stieg in diesem Zeitraum gerade mal von 20 400 Euro auf 21 200 Euro. Manche alte Marken oder Fahrzeuge werden sogar vergessen, da der Nachwuchs sie nicht kennt. Oldtimer-Experte Weise: „Das können Fahrzeuge mit spezieller Technik sein, aber auch Marken wie Brennabor, NAG, und leider auch schon Adler und Hanomag. Diese lassen sich kaum oder gar nicht verkaufen.“ Worauf sollten Käufer achten? Sie sollten sich vorher informieren, bei Besichtigung die Historie und diesbezügliche Belege ansehen, aber auch den Zustand des Wagens und die Qualität bisheriger Arbeiten kontrollieren. Weise: „Nicht alles, was selten erscheint, ist automatisch wertvoll. Manchmal reicht es aus, die Aussagen des Verkäufers nur auf Plausibilität zu prüfen, um zu erkennen, dass es so nicht richtig sein kann.“

Reiseabbruchversicherung ergänzt Rücktrittsschutz VON I NGRID L AUE

Zinssatz (in %) bei 100% Auszahlung, 60% Beleihung und Festschreibung für 5 Jahre 10 Jahre 15 Jahre nom./eff. nom./eff. nom./eff. Tel.: (05 11) 3 80 11 89 Ärzteversorgung 4,10 / 4,17 4,20 / 4,28 BHW / Postbank Tel.: (01 80) 3 04 04 00 3,45 / 3,52 4,34 / 4,44 4,65 / 4,77 Calenberger Kreditverein Tel.: (05 11) 30 76 40 3,23 / 3,33 3,88 / 3,98 – Commerzbank Tel.: (05 11) 30 37-77 08 2,72 / 2,79 3,39 / 3,46 3,80 / 3,88 Deutsche Bank Tel.: (05 11) 3 65 25 45 2,85/ 2,89 3,42 /3,47 3,96 / 4,03 Dresdner Bank Tel.: (05 11) 36 62 26 84 Hannoversche Volksbank Tel.: (05 11) 12 21 66 65 2,79 / 2,83 3,49 / 3,55 3,96/ 4,03 HypoVereinsbank Tel.: (05 11) 3 66 42 43 ING-DiBa Tel.: (01 80 2) 22 94 44 3,00 / 3,04 3,60 / 3,66 4,10 / 4,17 Nord/LB Tel.: (05 11) 3 61 21 80 2,75 / 1,68 3,53 / 2,24 4,13 / 3,02 PSD Bank Hannover Tel.: (05 11) 9 66 53 69 3,20 / 3,25 3,70 / 3,76 – SEB AG Tel.: (05 11) 36 63 0 2,72 / 2,75 3,39 / 3,44 3,99 / 4,06 Sparda-Bank Hannover Tel.: (0 18 05) 25 09 05 00 2,75 / 2,89 3,49 / 3,55 3,99 / 4,06 Sparkasse Hannover Tel.: (05 11) 30 00 66 66 2,86/ 2,90 3,49 / 3,55 4,02 / 4,10 per Internet

Bei teurem Urlaub eine Überlegung wert

Ankauf Verkauf (alle Preise in Euro)

Goldmünzen 50 100 50 25 15 1 1 20 50 20 100 4

VON C HRISTINA A NASTASSIOU n Spitzenzeiten besaß der in Ronnenberg bei Hannover lebende Eckhart Bartels zehn historische Opel. Mittlerweile hat er nur noch vier, unter anderem einen Opel Kapitän, Baujahr 1951, und einen Diplomat Cabrio von 1971. Schon als Kind hatte der Motorjournalist für die Marke geschwärmt. Als Lehrling kaufte er sich 1969 den Kapitän für 300 D-Mark, restaurierte ihn. 1972 gründete er mit Gleichgesinnten die Alt-OpelInteressengemeinschaft. Sammeln bedeutet für Bartels vor allem Spaß: „Man muss Lust haben, die Wagen zu benutzen. Ein nicht gefahrenes Auto geht kaputt.“ Bartels ist kein Einzelfall, die Oldtimer-Szene boomt. Anfang 2010 trugen 188 360 Personenkraftwagen das sogenannte Historische oder H-Kennzeichen. Dies geht aus der Statistik des Kraftfahrt-Bundesamtes hervor. 2005 waren es 123 969 Pkw, und 47 133 Pkw 2000. Hintergrund: Das zusätzliche „H“ an letzter Stelle des Nummernschildes dürfen nur Fahrzeuge tragen, die vor mindestens 30 Jahren erstmals zugelassen wurden und gut sowie original erhalten sind. Sie sollen nicht als Alltagsfahrzeuge dienen, zudem muss ein anerkannter Prüfer oder Sachverständiger sie begutachtet haben. Oldtimer-Liebhaber interessieren sich oft für alte Technik, besuchen Treffen, Rallyes und Rennen. Viele verbinden Erinnerungen mit ihrem Hobby. Doch inwieweit eignen sich die Wagen auch als Kapitalanlage? Der Verband der Automobilindustrie (VDA) in Berlin und die Oldtimer-Sachverständigenorganisation Classic Data aus Castrop-Rauxel haben den Deutschen Oldtimer Index erstellt, der die Wertentwicklung von 88 Nachkriegsmodellen aus sieben Ländern abbildet. Der Index hat von 1999 bis 2009 im Schnitt um 5,7 Prozent jährlich zugelegt. Im ersten Halbjahr 2010 stagnierte er. Der Besitzer muss die Inflationsrate von einer möglichen Wertsteigerung abziehen. Zudem verursacht ein alter Wagen Kosten. Stefan Röhrig, Leiter des Fachbereichs Historische Fahrzeuge beim VDA, zitiert eine Allensbach-Studie, nach der Oldtimer-Fahrer jährlich im Schnitt 1035 Euro in Wartung und Reparaturen stecken und 237 Euro in Zubehör. Ihm zufolge vermitteln horrende Auktionsergebnisse ein falsches Bild: „Das sind Ausnahmen. Oft werden bei Auktionen 40 bis 50 Prozent der angebotenen Wagen gar nicht versteigert.“ Ähnliches beobachtet Hans-Joachim Weise vom Hannoveraner Händler Schröder & Weise Classics: „Fahrzeuge,

23

HYPOTHEKENZINSEN

Oldtimer liegen im Trend, sind aber als Kapitalanlage meist ungeeignet / Hohe Kosten drücken Gewinn

I

n schwierigen Börsenzeiten sind flexible Strategien gefragt: So sind bei den Anlegern derzeit eher die traditionellen Mischfonds mit ihren zwischen Aktien und Anleihen wechselnden Portfolios gefragt. Am besten verkaufen sich flexible Absolute-Return-Strategien. Sie geloben, am besten mit den hohen Volatilitäten, sprich Schwankungen, an den Finanzmärkten umzugehen, gleich ob es sich um Aktien, Anleihen, Rohstoffe oder Währungen handelt. Doch bei der Auswahl des richtigen Fonds ist Sorgfalt gefragt: Viele Absolute-Return-Fonds haben sich als Rohrkrepierer erwiesen und die selbst gesteckten Ziele nicht erreicht. In den ersten Monaten des Jahres 2010 konnten die Mischfonds im Vergleich zu den Aktienfonds mehr als das fünffache Volumen absetzen. Die Mischfonds-Kategorie vereinigt sehr unterschiedliche Konzepte: Die traditionellen Fonds mischen lediglich Aktien und festverzinsliche Wertpapiere sowie Liquidität, wenn die Börsenlage gerade unübersichtlich ist. Im Vormarsch sind aber neuere Varianten, die hochflexibel in weitere Anlageklassen investieren und häufig sogar noch ein festes Renditeversprechen abgeben (Absolute-Return-Fonds). Allerdings hat dieses Versprechen durch zahlreiche Beispiele von Fonds, die statt positiver Renditen hohe Verluste eingefahren haben, an Glaubwürdigkeit verloren. Vor allem der Einsatz von Derivaten, ein notwendiger Bestandteil der Anlagestrategie, ging häufig schief. Daher werden nun einige Absolute-ReturnFonds mit einer Art von Kapitalgarantie angeboten. Die besten ihrer Art haben solche Renditebremsen aber nicht nötig. Derzeitiger Liebling der Finanzpresse unter den Mischfonds ist der Carmignac Patrimoine Fonds, der durch seine Flexibilität und den richtigen Riecher seines Fondsmanagers Edouard Carmignac derzeit den Spitzenplatz der Renditerangliste belegt. Das Schreckensjahr 2008 überstand er dank rechtzeitigen Umschichtens sogar ohne Verlust, 2009 legte er eine Rendite von erstaunlichen 19 Prozent vor. Derzeit ist der Fonds optimistisch – und hat die Aktienquote auf 30 Prozent erhöht. Er setzt auf eine Erholung der amerikanischen Konjunktur und entsprechend auf US-Banken, aber auch Apple, Mastercard und Delta Airlines. Ebenfalls vorne in den Absolute-Return-Ranglisten ist das Wiener Fondshaus C-Quadrat mit ihren Fonds Global Ami und Balanced. Fondsmanager Leo Willert hat eine Besonderheit: Er handelt grundsätzlich nur donnerstags. Dies tut er nach einem selbst entwickelten Trendfolgesystem. J ÜRGEN G AULKE

HANNOVERSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG

einer Reise sind aus der Sicht der meisten Versicherer ein schwerer Unfall oder eine unvorhersehbare schwere Erkrankung des Versicherten oder eines nahen Angehörigen, Tod eines nahen Angehörigen, Impfunverträglichkeit, unvorhersehbare Komplikationen bei einer Schwangerschaft, schwerer Schaden am Eigentum des Versicherten zu Hause durch Einbruch in die Wohnung, Brandstiftung, Feuer, Elementarereignis. Erstattet werden in der Regel nicht in Anspruch genommene Leistungen, Mehrkosten bei verspäteter Rückreise und zusätzlich entstandene Rückreisekosten. Bei der Unterbrechung einer Rundreise wegen einer unerwarteten Erkrankung oder Verletzung werden bei einigen Versicherern die Nachreisekosten zum Wiederanschluss an die Reisegruppe erstattet. Ist die Verlängerung des Urlaubs erforderlich, weil der Reisepartner wegen einer schweren Erkrankung oder Verletzung in stationärer Behandlung bleiben muss, so werden meist auch die zusätzlichen Unterkunftskosten für eine versicherte Begleitperson übernommen.

Wer zu einer teuren Fernreise abhebt, sollte über eine Reiseabbruchversicherung nachdenken. dpa Für eine Reiseabbruchversicherung in Verbindung mit einer Reiserücktrittskostenversicherung sind bei einem Reisepreis von 3000 Euro bei mit „gut“ von der Stiftung Warentest bewerteten Ver-

Der Mann, der durch das Jahrhundert fiel VON MORITZ RINKE unter der Spüle stand. Er dachte an den Besuch in Lauenburg, damals, als er im Geschäft seiner Eltern die Schuhe seiner Jugendliebe geputzt hatte, auch die ihrer Kinder, Größe 23 und 34. Es war halb sechs. Mit den Schuhen war er fertig. Den Karton hatte er zurück unter die Spüle gestellt. Frische Sohlen mit Zimt und Zedernholz eingelegt. Seine Hände gewaschen. Und sich wieder in den Stuhl gesetzt. Das Wetter hielt sich. Sonne fiel auf das Haus, die Wiesen und Bilder. Ohlrogge öffnete den Sekt und hielt die Gläser bereit zur Begrüßung. 47 Muttersuche, Vaterflucht, Amokfahrt Es war am Morgen, kurz nach acht Uhr. Wieder dieses dumpfe Knacken in der Tiefe. Wieder dieses grollende Geräusch, als würde im Bauch eines Schiffes etwas brechen.

Brüning ließ alle Maschinen stoppen. „Was ist das ...“, sagte er vor sich hin, mit tonloser Stimme. Sein Blick irrte umher und suchte Halt in den Gründungsplänen, bis auch die Hände, die das Papier hielten, von einem weiteren Brechen in der Tiefe zitterten. Die Mitarbeiter standen still, atemlos. Die Erde bebte. Nullkück lag im Garten auf seiner durchgelegenen Matratze. Das Bettgestell mit den Eisenfüßen war an der Kopfseite in den Moorboden eingesackt. Das geraubte Marie-Bild mit dem vergoldeten Rahmen lehnte am Bett und stand ebenfalls schief. Der Armreif, der auf dem leeren Teller lag, war beim Beben des Moorbodens in Bewegung geraten, er hörte nicht mehr auf zu klirren, so als tanzte er schneller und schneller. Es war wieder der Armreif, der alles in Bewegung setzte. Nullkück sprang auf. Er griff nach einem von Brünings Spaten und rannte an die Stelle, wo er das Schmuckstück von Marie gefunden hatte, unweit der alten Scheune, am Rande des Gartens, im Moor.

sicherern für eine Einzelperson (Vertrag für eine Reise) zwischen 87 Euro und 126 Euro Prämie zu zahlen. Angebotsvergleiche gibt es unter www.test.de oder www. reiseversicherung.com.

Er begann zu graben. Brüning kniete auf dem Boden und horchte in eines der tiefen Bohrlöcher hinein. Irgendwann stand er auf und brach alle weiteren Bohrungen ab. Hilfe müsse er holen. Einen Fachmann, einen Experten. „Arbeit Ende?“, fragten Goran und Branko, und man erklärte ihnen, dass es vielleicht morgen weiterginge. Sie stiegen zu Brünings Leuten in die Fahrzeuge und ließen sich zur Jugendherberge fahren, die sie vor lauter Wiesen immer noch nicht allein finden konnten. Keiner war mehr auf der Baustelle. Eine Weile sah Paul auf das Haus. War es möglich, dass es plötzlich schief stand? Ihm war, als würde das Haus wirklich zu einer Seite hin abfallen. Vielleicht, sagte er sich, war es nur das schiefe Bett, das absackende Eisengestell, auf dem er saß und von dem aus er das Haus betrachtete? Er stand auf. Er trat durch die eingeschlagenen Wände und über Ziegelsteine ins Innere. Er lief in Nullkücks Zimmer, setzte sich an den Computer. Er gab den Namen ein, den er in dem kleinen, roten Haus auf den Rechnungen und Auszügen gefunden hatte: „Peter Ohlrogge“. Enter: Ergebnisse 1 von ungefähr 1 für Peter Ohlrogge (0,08 Sekunden) Auf den Spuren der alten Worpsweder.

Kreditkosten richtig aufteilen VON J ÜRGEN L UTZ Bei gemischt genutzten Immobilien, die über Darlehen finanziert werden, gilt: Je mehr Fremdmittel auf den vermieteten Teil entfallen, desto besser ist es. Der Grund: Nur die Schuldzinsen für den Gebäudeteil, der Mieteinkünfte bringt, sind als Werbungskosten absetzbar. Doch bei der optimalen Zuordnung der Finanzierungskosten ergeben sich für die künftigen Vermieter immer wieder Probleme, wie jüngst ein Urteil des Bundesfinanzhofs zeigte (Az.: IX R 35/08). Käufer gemischt genutzter Immobilien sollten daher auf zwei Aspekte achten. Erstens empfiehlt es sich, im notariellen Kaufvertrag festzuhalten, welcher Teil des Anschaffungspreises auf welchen Gebäudeteil entfällt. Zweitens sollten sie den Kredit, soweit möglich, eindeutig dem vermieteten Gebäudeteil und das Eigenkapital der selbst genutzten Wohnung zuordnen. Dazu müssen sie nach Angaben von Steuerexperten ein eigenes VermieterKonto einrichten, auf das die Bank den Kredit für die Mietwohnung einzahlt. Von dort aus wird der Betrag für das vermietete Objekt mit Angabe des Verwendungszwecks an den Verkäufer überwiesen. Dadurch realisiert der Fiskus, dass der vermietete Teil zu 100 Prozent fremdfinanziert wird, und erkennt die Schuldzinsen komplett an“, sagt etwa Steuerberater Achim Albert aus Hösbach bei Aschaffenburg. Dieses Prinzip gilt nicht nur beim Kauf eines Hauses, sondern auch, wenn etwa eine geerbte Immobilie renoviert wird, um einen Teil davon zu vermieten. Wer es versäumt, ein solches VermieterKonto einzurichten und den gesamten Betrag inklusive des Kredits vom Privatkonto überweist, fährt deutlich schlechter. Denn in dieser Konstellation bleibt verborgen, welcher Gebäudeteil wie stark fremdfinanziert ist. In der Folge teilt das Finanzamt die Schuldzinsen anteilig nach der Größe der Wohnungen auf. Der finanzielle Unterschied kann über die Laufzeit des Darlehens hinweg durchaus einen größere fünfstelligen Betrag ausmachen. Verantwortlich: ALBRECHT SCHEUERMANN

Freilichtkurse von Peter Ohlrogge. April bis Oktober. Malschule Paula. (Anmeldung und Vorauszahlung erforderlich) Der Bildschirm flimmerte. Das Gehäuse und der alte Tower knackten, so als spannte sich etwas. Paul sah auf den Boden. Unter seinem Stuhl, unter dem Tisch, durch das Zimmer, das nächste, das ElternSchlafzimmer, die Diele, das Atelier des Großvaters, durch das ganze Haus: ein Riss, wie ein Spalt. Er sprang auf. Er griff nach dem Fernglas. Von draußen hörte er den Spaten, das Stechen, die Grabgeräusche von Nullkück, der immer weitergrub. Paul war an den Fluss gefahren und lief hinter der Hammebrücke nach links den Sandweg hinunter. In den Wiesen bemerkte er bereits eine Gruppe der Malschule, den Freilichtkurs. Er ging ein Stück auf das alte Worpsweder „Nadelkissen“ zu, auch „Liebesnest“ wurde der runde, kleine Hügel genannt, mit Pappeln und Holunderbüschen bewachsen, von einer Möwenkolonie bewohnt, umsäumt von Schilf und wie eine Insel zwischen den Flüssen Beek und Hamme. Früher hatte dort eine Hütte gestanden, ein Wirtshäuschen, das nach einem Moorbeben samt Wirtin und ein paar Schnaps trinkenden Torfschiffern versunken war. Fortsetzung folgt © 2010, Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln


Leserbriefe

HANNOVERSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG

HAZ

LESER

FORUM

Die 2,3 Milliarden Euro, die die Stromkonzerne dem Finanzminister jährlich bezahlen sollen, werden letztlich wir Verbraucher bezahlen, da die Konzerne diese Beträge in Form von Preiserhöhungen weiterleiten. Barsinghausen Reinhold Roth

Diskutieren Sie mit! Ihre Beiträge senden Sie an die HAZ-Redaktion Leserforum 30148 Hannover. Oder mailen Sie: Leserforum@haz.de

Auf null setzen Zu dem Bericht „Bankkunden um 250 000 Euro betrogen“ vom 10. Juni:

Detlef Bernhard kümmert sich um Ihre Zuschriften

Billigzulieferer Zu dem Bericht „Pillen für 50 000 Euro pro Patient und Jahr“ vom 10. Juni:

Die forschende Industrie hat ein Finanzierungsproblem bei ihrer Forschung für fortschrittliche Arzneimittel. Trugen früher ihre patentfrei gewordenen Arzneimittel einen Großteil des Entwicklungsaufwands, wird dieser sogenannte „Generikamarkt“ heute zu drei Viertel von indischen und chinesischen Billigzulieferern bedient. Die Einführung der Rabattverträge zwischen Herstellern und Kassen wird über kurz oder lang zur Monopolisierung und damit zum Nachteil der Kassen führen. Was die Arzneimittelkosten als Preistreiber im Gesundheitswesen betrifft, so geht nur jeder siebte Euro Umsatz an die Pharmaindustrie. Sanieren kann man das Gesundheitswesen über Druck auf die Arzneimittelpreise daher nicht. Isernhagen Friedel Frauendorfer Meduna Arzneimittel GmbH

Kein Merkmal Zu den Berichten über die Benennung Christian Wulffs als Kandidat für das Amt des Bundespräsidednten:

Ist Herr Wulff nicht nur eine Verlegenheitslösung beziehungsweise für Kanzlerin Merkel eine Gelegenheit, potenzielle Konkurrenten wegzuloben? Herr Wulff hat weder die intellektuelle Schärfe eines von Weizsäcker noch die charismatische Ausstrahlung eines Johannes Rau. Beiden Expräsidenten kann er nicht das Wasser reichen, selbst die etwas unvollkommene, aber menschliche Ausstrahlung Köhlers fehlt ihm. Sein Merkmal ist, dass er keines hat. Hannover Lieselotte Lüddecke

Es gibt eine gute Möglichkeit, zum Beispiel beim Postbank Online Banking, den Skimming-Betrügern das Leben schwer zu machen. Wenn man sich nicht im Ausland aufhält, kann man die Abhebungen an ausländischen Geldautomaten begrenzen und sogar ganz auf null setzen. So läuft man keine Gefahr, dass einem unberechtigt Geld abgehoben wird. Sehnde Sven Wilkening

Anpassung nötig Zum Bericht „Guttenberg bleibt hart und rüttelt an der Wehrpflicht“ vom 9. Juni:

Spätestens mit Beginn der Transformation der Bundeswehr zu einer Einsatzarmee und dem damit veränderten Aufgabenspektrum wurde es notwendig, die Wehrform anzupassen und eine Freiwilligenarmee zu schaffen. Nicht die Kassen-, sondern die Auftragslage erfordert dies, denn Zeit- und Berufssoldaten werden dieser am besten gerecht. Sie verlangt den bestmöglich ausgebildeten, ständig präsenten und damit schnell verfügbaren, vielseitig verwendbaren Soldaten, der jederzeit gemäß einer Entscheidung des Bundestages innerhalb und außerhalb Deutschlands und Europas eingesetzt werden kann. Die Sorge, das Leitbild des Staatsbürgers in Uniform könne in einer Freiwilligenarmee Schaden nehmen, ist nach den Erfahrungen von 55 Jahren demokratisch legitimierter Parlamentsarmee völlig unbegründet. Für Notlagen im Heimat- und Katastrophenschutz ist ein Freiwilligen-Reservekorps aufzustellen, das das Potenzial von Reservisten und freiwillig Kurzzeitdienenden nutzt. Da sich ein solches Korps aus Freiwilligen ganz unterschiedlichen Alters und gesellschaftlichen Herkommens rekrutiert, kommt es zu einem ebenso intensiven Austausch zwischen Militärund Zivilleben wie bei Wehrpflichtigen. Burgwedel Peter Hoffmann

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Dringende Empfehlung an Herrn Christian Pfeiffer: Lesen Sie den Koran! Dort wird in mindestens sechs Suren zum „Krieg gegen die Ungläubigen“ (Zitat Sure 66, Vers 9) aufgerufen. Ferner werden Ungläubige und Sünder mit harten Strafen (zum Beispiel Übergießen mit siedendem Öl, aufs Haupt schlagen) bedroht. Auch der Religionsgrün-

der hat an 66 Schlachten teilgenommen und 27 selber angeführt. Kein Wunder, dass religiöse, junge Muslime zur Gewalt neigen im Gegensatz zu Christen, deren Religionsstifter Gewaltlosigkeit gepredigt und gelebt hat. Auch über die mangelnde Integrationsbereitschaft braucht sich niemand zu wundern. Der Koran rät: „Lasse dich nicht mit Ungläubigen ein“ und „Suche deine Freunde unter den Gläubigen“. Wedemark Dr. Christa Burger

Mehr Akzeptanz

Schmerzhaft

Zu den Berichten über das Sparpaket der Bundesregierung:

Der Sozialstaat ist dazu da, für die ärmere Bevölkerung einzuspringen. Demnach müssten alle bisher mit der Gießkanne ausgeschütteten sozialen Leistungen bei denjenigen gestrichen werden, die ab einer bestimmten Einkommenshöhe in der Lage sind, zum Beispiel ihre Kinder auf eigene Kosten zu erziehen. So sollten Kindergeld, Elterngeld und ähnliche Leistungen nur bis zu einer bestimmten Einkommensgrenze gewährt werden. Im Übrigen haben diese geldlichen Maßnahmen nicht dazu geführt, die Geburtenrate zu erhöhen. Das Gegenteil ist der Fall. Darüber hinaus gibt es genügend überflüssige Subventionen, die nur einer bestimmten Klientel nutzen. Dann sollte man die Fälle bei der Umsatzsteuer prüfen, die nicht sehr gerecht sind, zum Beispiel 19 Prozent für Babynahrung, aber nur 7 Prozent für Hundefutter. Ich bin überzeugt: Solche Überlegungen finden eine bessere Akzeptanz in der Bevölkerung als das vorgelegte Sparprogramm. Wennigsen Max Rentsch

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Verdient Respekt Ich finde es einfach wunderbar, dass ein Unternehmer dieser Größenordnung sich traut, offen dieses Problem anzusprechen. Das 80 Milliarden Euro schwere Sparpaket ist in der Tat sehr unausgewogen, weil die Schwerpunkte falsch gesetzt wurden. Dass Herr Rossmann den Mut aufbringt, sich mit diesem gravierenden Missstand der Regierungsarbeit an die Öffentlichkeit zu wenden, verdient hohen Respekt. Es ist nur zu hoffen und ihm zu wünschen, dass er in der nun folgenden Auseinandersetzung mit dieser persönlichen Meinungsäußerung nicht als „Nestbeschmutzer“ zerrissen wird. Wenn noch ein Rest von Verantwortungsgefühl für unser Land vorhanden ist, müsste die Regierungskoalition ebenfalls den Mut dazu aufbringen, dieses Signal aufzugreifen und umzusetzen. Es wäre ein wesentlicher Beitrag in der jetzigen Finanz- und Wirtschaftskrise, damit uns Wohlstand und Demokratie erhalten bleiben. Ein „Weiter so wie bisher“ darf es nicht mehr geben. Hannover Renate Strebel

Zu dem Kommentar „Kraut und Rüben“ vom 4. Juni und zu dem Leitartikel „Zurück auf Start“ (Spardebatte) vom 8. Juni:

Die Finanzen eines Staates geraten in Gefahr, wenn er zu vielen Wünschen nachgibt, sich für „alles und jedes“ verantwortlich fühlt. Insofern ist der Hinweis von Gabi Stief auf die Verantwortung der Politik für das „Über-die-Verhältnisse-Leben“ richtig. Nicht zuletzt unter der Großen Koalition hat sich die Bundesrepublik in immer mehr Bereichen engagiert. Eine Haushaltssanierung muss mit einer kritischen Prüfung beginnen, welche Aufgaben, Subventionen, Projekte zwingend erforderlich und welche lediglich wünschenswert sind. Jedes schlüssige Konzept wird schmerzhaft sein und darf den Abbau von Subventionen nicht ausklammern. Sonst gerät ein Sanierungsplan in Schieflage. Das gilt vornehmlich für den Klimaschutz. Im Zeichen eines schrankenlosen Aktionismus gerieten der Grundsatz der Wirtschaftlichkeit, ja die nachhaltige Wirksamkeit von Maßnahmen und die sozialen Folgen für breite Kreise aus dem Blick. Hannover Ernst August Schiefer

Klar, korrekt, konkret Die Stellungnahme von Herrn Rossmann ist klar, sachlich korrekt, enthält konkrete Vorschläge und entspricht dem Gerechtigkeitsempfinden der großen Mehrheit des Volkes. Eine Rede in diesem Sinne wäre die Aufgabe der Bundeskanzlerin gewesen. Schade! Hannover Prof. Dr. Jan Tillmann

Umverteilung von unten nach oben In der Tat: Der soziale Friede in einer Gesellschaft ist ein hohes produktives Gut. Aber Rossmann und Kind sehen nicht nur das Soziale. Sie erkennen offensichtlich auch die gesamtwirtschaftliche Gefahr einer weiteren neoliberalen Umverteilung von unten nach oben. Jetzt bei den Ärmsten in unserer Gesellschaft noch zu kürzen – Sparen ist hier ein zynischer Begriff –, die schon vor der Krise die Umverteilungsverlierer waren, und die Umverteilungsgewinner des neoliberalen Kapitalmarktwahns zu verschonen, ist nicht nur sozial unappetitlich. Es ist auch ökonomischer Unsinn, der die Staatsverschuldung am Ende erhöhen wird. Seit der Wiedervereinigung gibt es in Deutschland bei den privaten Haushalten – völlig disproportional verteilt – einen Reichtumszuwachs von über 1,8 Billionen Euro. Dem steht eine zusätzliche Staatsverschuldung von über 880 Milliarden Euro gegenüber. Seit 2000 sind in Deutschland die Steuern um 490 Milliarden Euro überwiegend zugunsten von Unternehmern

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und Vermögenden auf Kosten der zugenommenen Staatsverschuldung gesenkt worden. Dies war ein großer politischer Fehler. Wer die Staatsverschuldung jetzt wirklich gerecht zurückführen will, kommt deshalb an einer wesentlich höheren Besteuerung hoher Einkommen und Vermögen nicht vorbei. Eine weitere Mehrwertsteuererhöhung, die Rossmann auch vorschlägt, ist hier allerdings der falsche Weg. Richtig wäre dagegen die sofortige Erhebung einer Finanztransaktionssteuer. Isernhagen Prof. Dr. Heinz-J. Bontrup Veröffentlichungen in dieser Rubrik sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Damit möglichst viele Leser zu Wort kommen, muss die Redaktion Zuschriften gelegentlich kürzen. Auch bei Einsendungen per E-Mail bitten wir um Angabe der vollständigen Absenderadresse.

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Harte Strafen für Ungläubige

Man muss Herrn Rossmann dankbar sein für seine Bereitschaft, unserem Staat in dieser Krise Hilfe anzubieten. Wenn dieses Interview auch in Berlin zur Kenntnis genommen wird, könnte eine private Initiative zur Erleichterung der durch das Einsparpaket der Bundesregierung entstandenen Härte, hier besonders für Arbeitssuchende, eine wichtige Korrektur sein. Andere Unternehmer hatten hierzu ja schon eine Bereitschaft erkennen lassen. Deutschland leistet sich 16 Bundesländern. Hier könnten der Staat bzw. die Länder durch eine Reform sechs oder mehr Bundesländer streichen. Wer braucht zum Beispiel „das Saarland“ oder „Rheinland-Pfalz“ mit all den Kosten? Hier kann sehr viel Steuergeld eingespart werden. Warum sieht man dieses Einsparpotenzial nicht in Berlin und den Bundesländern? Bad Pyrmont Thomas Buchinger

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Die Bequemlichkeit der Zuständigen, immer weit vom Schuss, trägt jetzt bittere Früchte. Man hat Angebote (!) gemacht, man hat die Schulpflicht, es gibt Sprachkurse, Berufsausbildung – aber wer nicht hingeht, wird nicht sanktioniert, sondern subventioniert. Damit wird er produktiver Tätigkeit völlig entwöhnt, gehört zu den Benachteiligten und Ausgegrenzten und wendet seine Energien den Gewissheiten des Glaubens und den weniger schlagkräftigen Nachbarn zu. Verstärker dieses Radikalisierungsprozesses ist die Diaspora-Si-

tuation hier, die dem Jugendlichen seine Besonderheit gewährt. Einerseits wird er immer weiter in sie hineingedrängt, andererseits genießt er sie als Kompensat für die fehlende Anerkennung. Sicher werden sich die Herkunftsländer für derart erzogene Menschen bedanken, aber es gibt keine andere Chance für sie und für uns als ihre Migration in ein Land ihres Glaubens. Sie müssen in ein zivilisiertes Land wie zum Beispiel die Türkei kommen, wo sie für ihren Lebensunterhalt verantwortlich sind, wo Lehrer Respektspersonen sind und wo sie belächelt werden, wenn sie frommer als der Imam sein wollen. Hannover Ernst-Wilhelm Möbius

Einsparpotenzial

Zu dem Interview mit Dirk Rossmann („Reiche stärker in die Pflicht nehmen“) vom 11. Juni und zu dem Bericht „Kind für größeren Beitrag der Reichen“ vom 14. Juni erhielten wir viele Zuschriften. Wir veröffentlichen eine Auswahl, zum Teil in gekürzter Form.

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