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DU UND DAS TIER Ausgabe 03/2016 46. Jahrgang ISSN 0341-5759

MAGAZIN FÜR ALLE FREUNDE DES TIERSCHUTZES

EINTAGSKÜKEN Das Morden geht weiter

TIERHEIME HELFEN Mit Herz und Verstand im Einsatz

ZUGVÖGEL Häufig eine Reise ohne Wiederkehr VERBANDSKLAGE Mit Recht für die Tiere

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EDITORIAL

WIR FEIERN 30 JAHRE!

Dr. Brigitte Rusche, Vizepräsidentin

© Foto: Deutscher Tierschutzbund e.V.; Titelfoto: Deutscher Tierschutzbund e.V./ M.Marten

Liebe Tierfreundinnen und Tierfreunde, in diesem Jahr blickt der Deutsche Tierschutzbund auf das 30-jährige Bestehen der Akademie für Tierschutz zurück. Sie steht für unsere stetig wachsende Kompetenz zu allen Fragen rund um die Tiere, ihre Bedürfnisse und ihre vielfachen Leiden, die sie in Menschenhand erfahren müssen. Dieses Wissen ist Ausgangspunkt für unsere praktischen Lösungsansätze, wie es besser und vor allem ohne Tierleid geht. Eine Gesellschaft ohne Tierleid wünschen sich auch immer mehr Bürger. Diesen Wertewandel können wir Tierschützer nicht alleine erreichen. Hier braucht es Menschen, die aufklären, Ideen entwickeln oder ganz einfach machen. Mit dem Preis „TiBu 2016“ haben wir zum ersten Mal solche Menschen im Rahmen der 30-JahrFeier geehrt. Gebetsmühlenartig verweisen wir immer wieder auf die schwierige Situation der Tierheime, die häufig auf die mangelnde Unterstützung der Städte und Gemeinden zurückzuführen ist. Vor welchen Herausforderungen die Tierheime tagtäglich stehen, wie sie diese bewältigen und wie der Deutsche Tierschutzbund dabei hilft, lesen Sie ab Seite 8. Kulturfolger nennt man die Tiere, die unsere Städte erobern. Sie finden dort Unterschlupf und Nahrung und damit gute Voraussetzungen für Nachwuchs. Früher waren das die Mauersegler, heute leben

auch Fuchs, Marder, Waschbär und Wildschwein im urbanen Raum. Warum Tiere in den Städten leben und wie man sich verhalten sollte, um ein gutes Miteinander zu erreichen, lesen Sie ab Seite 16. Seit 2002 ist der Tierschutz als Staatsziel im Grundgesetz verankert. Seither kämpfen wir auf Bundesebene für das Instrument, das wir brauchen, um Tieren zu ihrem Recht verhelfen zu können – die Verbandsklage. Während der Bund sich nach wie vor zurückhält, haben einige Länder die Verbandsklage eingeführt – darunter auch Nordrhein-Westfalen. Unsere ersten Erfahrungen mit der Verbandsklage schildern wir Ihnen auf Seite 34. Wir haben mit Jan Bock, Geschäftsleitung von Lidl Deutschland, über Tierschutz und unser Tierschutzlabel gesprochen. Klar ist – auch wenn Handelsunternehmen immer die Frage nach Billigpreisen für Fleisch mit Nachfrage und Angebot erklären: Wir lassen nicht nach, hier die ethische Verantwortung der Unternehmen anzumahnen, und setzen unsere Kampagne dazu fort. Lange haben wir auf den Sommer gewartet, und jetzt steht der Herbst schon wieder vor der Tür. In dieser Ausgabe lesen Sie, wie sich der Igel auf den Winter vorbereitet und welche Gefahren auf die Zugvögel warten, die in den warmen Süden aufbrechen. Wo auch immer Sie Herbst und Winter verbringen – Tiere, die unseren Schutz brauchen, gibt es überall. In diesem Sinne, herzlichst Ihre

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INHALT 16

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Die Bundesregierung lehnt das vom Bundesrat geforderte Verbot einer ganzjährigen Anbindehaltung von Rindern ab. Vor allem für viele Milchkühe in Süddeutschland bedeutet dies, dass sie sich weiterhin weder frei bewegen noch Sozialkontakte zu den Herdenmitgliedern pflegen können. Die Bundesregierung begründet ihre Entscheidung mit einer fehlenden Abschätzung der wirtschaftlichen Auswirkungen eines ganzjährigen Verbotes der Anbindehaltung. Damit wird deutlich, dass der Tierschutz ganz klar im Hintergrund steht und die veraltete Haltungsform weiterhin als „normal“ angesehen wird. Der Deutsche Tierschutzbund kämpft weiterhin für ein Verbot der Anbindehaltung.

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INHALT

08 TITELTHEMA Tierheime leisten Großartiges und sind ein wichtiger Bestandteil unserer Gesellschaft. Doch sie kämpfen tagtäglich um ihre Existenz. Seite 8

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16 HINTER DEN KULISSEN Immer mehr Wildtiere zieht es in die Stadt. Dabei entstehen Konflikte zwischen Mensch und Tier. Seite 16 Warum immer noch männliche Küken nach dem Schlüpfen sterben müssen. Seite 19 Kastrieren ohne Betäubung? Für männliche Ferkel leider noch Realität. Seite 20 Warum der Igel den Winter verschläft. Seite 22

29 AKTUELL Aktuelle Meldungen zum Thema Tierschutz. Seite 29 Einblicke in eine kräftezehrende Reise, von der immer weniger Zugvögel zurückkehren. Seite 30 Fragen und Antworten zum Tierschutzrecht. Seite 33 Die Verbandsklage im Überblick. Seite 34 Kälber als ungeborene Rohstofflieferanten. Seite 35 Warum eine vegane und vegetarische Ernährung zu mehr Tier- und Klimaschutz beiträgt. Seite 36 30 Jahre Akademie für Tierschutz und die Vergabe des Wertewandelpreises TiBu. Seite 38

42 JUGEND Aktuelle Meldungen der Tierschutzjugend. Seite 42

44 PROJEKTE Neuigkeiten aus Odessa und Kiew. Seite 44 Tierschutzlabel: Interview mit Jan Bock von Lidl Deutschland. Seite 46

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Aktuelle Berichte des Verbandes und unserer Mitgliedsvereine. Seite 47

STANDARDS

03 Editorial 06 Im Fokus 07 Wussten Sie schon …? 23 Rezept 24 Medien 25 Kampagne und Poster 50 Kommentar, Kontakte und Impressum DU UND DAS TIER 3/2016

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IM FOKUS

Braunbärin Mascha genießt die Abkühlung im Teich und lässt sich schwimmend das Gemüse schmecken.

Wenn nach jahrelanger Trostlosigkeit ein Leben folgt, in dem ein Bär einfach Bär sein darf, dann ist das vor allem den Menschen zu verdanken, die den Tieren durch eine Patenschaft eine zweite Chance schenken. Von Verena Jungbluth

Ein Kragenbär liegt in einer Hängematte und lässt sich die Sonne auf den Pelz scheinen, ein anderer hat es sich auf einem Baumstamm gemütlich gemacht. Die Braunbären streifen derweil gemächlich durch ihr Gehege und genießen ebenfalls die wärmende Sonne. Die Beine ausstrecken, sich rekeln und von rechts nach links drehen – das sieht unglaublich gemütlich aus. Der Anholter Bärenwald, den der Deutsche Tierschutzbund gemeinsam mit der International Bear Federation (IBF) betreibt, ist ein einzigartiges Projekt, durch das Bären aus schlechter Haltung eine zweite Chance erhalten. Zahlreiche Förderer sind der Einladung des Deutschen Tierschutzbundes gefolgt, ihren Schützlingen am Patentag einen Besuch abzustatten. „Es ist schön, die Bären und ihre Entwicklung zu sehen. Ihr Schicksal hat mich wirklich sehr berührt. Hier wird den Tieren ein neues Leben ermöglicht und das möchte ich unterstützen“, freut sich Diana Müller. Etwas ganz Besonderes können die Paten in diesem Jahr beobachten: Die vier Braunbären leben gemeinsam in einem großen Gehege. Dem Team

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um Revierleiterin Elisabeth Schüller ist es gelungen, die Bären zu vergesellschaften. „Als ich vor zwei Jahren anfing, haben meine Kollegen gesagt, das wird niemals etwas, Maya wird für immer alleine bleiben. Jetzt den Erfolg zu sehen, das ist wirklich schön“, so Schüller. Auch Bettina Jentsch, Patin von Maya, ist begeistert: „Als wir das erste Mal hier waren, lebte Maya noch ganz alleine, beim nächsten Mal dann gemeinsam mit Bensi. Dass heute alle vier Bären zusammen sind und Maya so glücklich ist, freut mich wirklich sehr.“ Leider gibt es auch eine traurige Nachricht: Der Tierarzt hat bei Bensi den Bruch zweier Brustwirbel diagnostiziert. Die Bärin muss sich derzeit schonen und erhält Medikamente. Auf eine Führung der Paten um die Gehege folgte die Fütterung der Bären. Beim Anblick von so viel Gemüse und Obst lief auch den Besuchern das Wasser im Munde zusammen. Bei Kaffee und Kuchen ließen sie den Tag ausklingen.

WEB www.tierschutzbund.de/ spendenprojekt-baerenwald

Lesen Sie alles über die Hintergründe und Unterstützungsmöglichkeiten.

www.duunddastier.de/ baerenwald

Elisabeth Schüller, Revierleiterin im Bärenwald, erzählt von den Herausforderungen der Vergesellschaftung der Braunbären.

© Fotos: Deutscher Tierschutzbund e. V.

DAS LEBEN IST SCHÖN


WUSSTEN SIE SCHON?

WUSSTEN SIE SCHON, DASS … 000

. 346.000 … in Deutschland jährlich etwa 346 MILLIONEN KILOGRAMM FLEISCH im Müll landen?

… ZUCHTSAUEN mindestens fünf Monate im Jahr in einem körpergroßen Kastenstand eingesperrt sind?

… durch die Hochleistungszucht MASTHÜHNER heute nach bereits 34 TAGEN

FÜNFMAL SO SCHWER sind wie LEGEHENNEN?

… Dingos

… sich das tödliche

GIFT von KLAPPERSCHLANGEN

im Laufe der Evolution immer wieder so verändert, dass es jederzeit optimal wirkt?

mit implantierter Giftkapsel, die sie selbst nach spätestens zwei Jahren tötet, auf einer australischen Insel auf Ziegen gehetzt wurden, um die Population einzudämmen?

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Kari Hansen, stellvertretende Leitung im Tierheim Leverkusen, spielt mit einer Katze.

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© Foto: Deutscher Tierschutzbund e.V. / M. Marten

TITELTHEMA

TIERHEIME

HELFEN –

TAG UND NACHT


In jeder Stadt weist irgendwo ein Schild den Weg zum ortsansässigen Tierheim. Unzählige Menschen fahren täglich daran vorbei, ohne es sonderlich wahrzunehmen. Dabei sind es vor allem die Tierheime, die sich täglich für Tiere in Not einsetzen. Doch sie kämpfen um ihre Existenz. Von Verena Jungbluth

Die Arbeit, die Tierheime leisten, ist mit Worten kaum zu beschreiben. Die Tierschützer sind rund um die Uhr im Einsatz, kennen keine Sonn- und Feiertage und machen sich für die Tiere in unserer Gesellschaft stark. Ob Katzen, Hunde, Kaninchen oder Vögel, Schildkröten oder Leguane – Tierheime zollen jedem Lebewesen den gleichen Respekt. Sie geben jedem Tier ein Zuhause und ermöglichen jegliche tierärztliche Behandlung. Wochen und Monate kämpfen die Tierschützer um das Leben jedes einzelnen Tieres, aufopfernd bis zur eigenen Erschöpfung. Ob ausgesetzt, abgegeben, vernachlässigt und misshandelt oder als frei lebendes Tier auf menschliche Hilfe angewiesen – die Tür des Tierheims ist niemals verschlossen. „Tierheime nehmen auch Geschenke, die andere wegwerfen“, so lautet ein Slogan der aktuellen Kampagne des Deutschen Tierschutzbundes. Unter dem Motto „Tierheime helfen. Helft Tierheimen!“ macht der Verband auf die Bedeutung der Tierheime aufmerksam und zeigt, welch großartige Arbeit sie leisten. „Tierheime sind ein wichtiger Bestandteil unserer Gesellschaft. Sie sind nicht nur Ersthelfer für Tiere in Notsituationen, sondern leisten auch weitere wichtige gesellschaftliche Aufgaben“, so Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. Auch der Welttierschutztag am 4. Oktober steht dieses Jahr ganz im Zeichen der Tierheime. Und dabei geht das tierschützerische Engagement weit über die Tiere hinaus. Tierheime haben sich zu Begegnungsstätten entwickelt, die Menschen in die soziale Gesellschaft integrieren. Neben pädagogischen Projekten für Jung und Alt und therapeutischen Angeboten in Pflegeund Seniorenheimen bekommen auch Flüchtlinge in manchen Tierheimen die Chance, sich dort einzubringen. Respekt und Mitgefühl gilt im Tierheim für Tier und Mensch gleichermaßen.

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Die Lage der Tierheime in Deutschland ist ernst. „Im Durchschnitt befinden sich rund 90.000 Tiere in der Obhut der uns angeschlossenen Vereine, die jährlich circa 300.000 Tiere aufnehmen. Zu der klassischen Tiervermittlung kommen ständig neue Aufgaben hinzu“, so Katja Dubberstein, Leiterin der Tierheimberatung beim Deutschen Tierschutzbund. Der Trend hin zur privaten Exotenhaltung, Fälle von Animal-Hoarding, illegale Welpentransporte, Landeshundeverordnungen und -gesetze, die Hunde zu „gefährlichen Kampfmaschinen“ degradieren, und fehlende gesetzliche Regelungen zur Haltung von Katzen – es gibt eine Vielzahl von Gründen, warum die Belastungsgrenze vieler Tierheime schon lange überschritten ist. „Solange es keine flächendeckende Kastrationspflicht für Katzen gibt, wird es regelmäßige Katzenschwemmen in den Tierheimen geben“, so Dubberstein. Lassen Halter ihre Freigängerkatzen nicht frühzeitig kastrieren, können sie sich unkontrolliert vermehren. Immer wieder setzen Menschen ihre Tiere oder gleich deren gesamten ungewollten Nachwuchs aus. Manche lassen sie bei einem Umzug sogar einfach zurück. Über Jahrzehnte hat das dazu geführt, dass hierzulande heute rund zwei Katzen sind das beliebteste Millionen herrenHeimtier der Deutschen und das lose Katzen auf der Tierheimtier Nummer eins. Straße leben. Sie sind häufig krank und selten in der Lage, sich und ihren Nachwuchs ausreichend zu versorgen. Die Kastration und Pflege von frei lebenden ausgesetzten und abgegebenen Katzen kostet die Tierheime viel Kraft und Geld – das Leid vieler Tiere ist groß. „Die Kastrationen von frei lebenden Katzen sind regelmäßig Thema bei uns. Wir kümmern uns selbst und unterstützen Menschen, die nachweislich frei lebende Katzen gefunden haben, mit Fachwissen, leihen Lebendfallen aus und vermitteln an unseren Vertragstierarzt“, erzählt Anja Linckus, Presse- und Öffentlichkeitsbeauftragte des Tierschutzvereins Brandenburg an der Havel. Der Deutsche Tierschutzbund fordert eine bundesweite Kastrations-, Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht für Freigängerkatzen aus Privathaushalten. Nur so kann die Anzahl der frei lebenden Tiere dauerhaft

© Foto: Deutscher Tierschutzbund e. V. / M. Marten

DIE BELASTUNG DER TIERHEIME STEIGT


TIERHEIME VERMITTELN

TITELTHEMA

REINIGEN

RETTEN

SCHENKEN ZEIT

BEHANDELN

GEHEN GASSI

FÃœTTERN DU UND DAS TIER 3/2016

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KATZEN 1 Im Tierschutzverein Leverkusen freut sich die Katze auf die Fütterung. 2 Auch diese bei-

den Hunde haben es sich schmecken lassen.

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und tierschutzgerecht verringert und ihr Leid gemindert werden. Langfristig würde dies zudem die Tierheime entlasten. Mit der Kampagne „Die Straße ist grausam. Kastration harmlos“ macht der Verband aktuell auf die Probleme aufmerksam und zeigt, wie wichtig die Kastration ist. Um das Leid der Katzen sichtbar zu machen, hat der Deutsche Tierschutzbund zudem eine Aufkleberaktion gestartet. Dabei können alle Interessenten einen kostenlosen Katzenaufkleber bestellen, an die Fensterscheibe zu Hause, in der Arbeit oder an einem anderen Ort kleben und anschließend ein Foto des angebrachten Aufklebers mit dem Hashtag „KatzenHelfen“ in den sozialen Medien veröffentlichen. So werden unzählige Menschen auf die Problematik aufmerksam. Neben Katzen leben vor allem Hunde im Tierheim. Ein Grund dafür ist unter anderem der illegale Welpenhandel. Das Geschäft ist lukrativ, der Markt mit den Welpen boomt. Der illegale Welpenhandel gilt sogar als drittstärkster Zweig der organisierten Kriminalität nach dem Drogen- und Waffenhandel, da die Nachfrage für die häufig preisgünstigen Rassehunde stetig wächst. Dabei ist nicht nur das Leben der Mutterhündinnen in den Vermehrungsstationen von unsagbarem Leid geprägt. Sie werden als Gebärmaschinen missbraucht und während jeder Läufigkeit gedeckt. Auch die Welpen sind meistens krank und werden viel zu jung von ihren Müttern getrennt. Etliche Tiere sterben nach nur kurzer Zeit bei ihren neuen Haltern oder im Tierheim, und das trotz intensiver medizinischer Betreuung. Die Tiere, die überleben, können wegen der frühen Trennung von der Mutter und der reizarmen Aufzucht kein normales Sozialverhalten entwickeln. Aufgrund dessen werden sie später von überforderten Besitzern im Tierheim abgegeben. Für die Tierheime stellt dies eine große personelle und finanzielle Belastung dar. „Wir haben in den letzten vier Jahren Welpen aus mindestens 16 Fällen aufgenommen. Ich habe das Zählen irgendwann aufgehört. Neben den Fund- und Abgabetieren kümmern wir uns im Frühjahr um Wildtiere, im Mai um Katzenbabys und im Sommer um die Urlaubstiere – die Welpen kommen dann noch oben drauf“, erzählt Herbert Sauerer, erster Vorsitzender der Tierhilfe

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HUNDE Nürnberg. Über Wochen und Monate brauchen die meisten Welpen eine besonders intensive Pflege und tierärztliche Behandlung. Das reißt nicht nur ein großes Loch in die Kassen, es belastet die Tierschützer auch emotional.

WENN TIERE ZUM OPFER WERDEN Ein weiterer Grund, warum so viele Hunde im Tierheim landen, sind die Rasselisten in den Regelungen der meisten Bundesländer, die American Staffordshire Terrier, Staffordshire Bullterrier, Bullterrier und Pitbull sowie Kreuzungen zu sogenannten Kampfhunden stigmatisieren. „Dabei leiden gerade diese Hunde extrem unter der Gefangenschaft – sowohl körperlich als auch seelisch. Sie erkranken schnell und entwickeln Verhaltensprobleme. Einige Hunde beginnen sogar, sich selbst zu verletzten. Die Tierheime müssen Unfassbares leisten, damit diese Tiere nicht zugrunde gehen. Gerade sie müssten möglichst schnell in liebevolle Hände vermittelt werden“, so Dubberstein. Doch die Hunde haben durch ihre vermeintliche Gefährlichkeit einen schlechten Ruf und auch die Auflagen der Behörden sowie die stark erhöhte Hundesteuer schrecken viele potenzielle Besitzer ab. „Es gibt keinerlei wissenschaftliche Belege dafür, dass von bestimmten Rassen eine erhöhte Gefahr ausgeht. Im Gegenteil: Man kann jeden Hund gefährlich machen – das ist eine Frage der Aufzucht, Haltung und Erziehung“, urteilt Dr. Katrin Umlauf, Expertin für Hunde beim Deutschen Tierschutzbund. „Wir haben gerade zwei sogenannte ‚Vorfallshunde‘ bei uns im Tierheim, die wegen Beißvorfällen zu uns gekommen sind. Es sind beides

© Fotos: Deutscher Tierschutzbund e. V. / M. Marten

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TITELTHEMA

1 Zebrafinken aus einem Animal-Hoarding-Fall. 2 Auch Zwergkaninchen sind in den Tierheimen keine seltenen Gäste. 3 Eines von 80 beschlagnahmten Meerschweinchen.

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© Fotos: Tierschutzverein München e.V. (2), Deutscher Tierschutzbund e. V. / M. Marten (1)

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Mischlinge. Es ist mühevolle Kleinarbeit, das Vertrauen dieser Hunde zu gewinnen, aber wir sind auf einem guten Weg“, freut sich Jürgen Krause, Vorstandsvorsitzender des Tierheims Wittenberg. Es ist dem Engagement der Tierschützer zu verdanken, dass solche Hunde den Weg zurück in ein schönes Hundeleben finden. Auch Tausende Tiere aus Animal Hoarding-Fällen fordern die Tierschützer heraus. „Wir mussten einmal 80 Meerschweinchen aufnehmen, die alle in einer Badewanne gehalten worden waren. Es war ein Mordsaufwand, die Tiere zu sortieren und tierärztlich zu behandeln“, erzählt Judith Brettmeister, Sprecherin des Tierschutzvereins München. Dabei soll es am schwierigsten gewesen sein, die Meerschweinchen unterzubringen. Der Tierschutzverein musste sogar einen Büroraum umfunktionieren und brauchte eine zusätzliche Tierpflegerin. Einen Monat später folgte ein Fall mit 164 Zebrafinken. In der Regel Ob Katzen, Hunde, Kaninsind die Tiere aus Animal-Hoarding-Fälchen oder Vögel – die Liste len verwahrlost und krank. Sie benötigen der von Animal-Hoarding be- intensive Betreuung und Pflege, bevor sie troffenen Tierarten ist lang. in ein neues, liebevolles Zuhause vermittelt werden können. Doch damit nicht genug. Die dem Deutschen Tierschutzbund angeschlossenen Mitgliedsvereine haben in den letzten Jahren rund 30.000 Reptilien aufgenommen. Vor allem Wasserschildkrötenarten, aber auch Landschildkröten, Bartagamen und Nattern sowie gefährliche Arten wie Riesenschlangen oder Warane leben im Tierheim. Für viele Menschen ist es ein Traum, sich ein exotisches Tier anzuschaffen. Doch viele sind oft schon nach kurzer Zeit überfordert, anderen vergeht schnell die Lust am exotischen Statussymbol. Die Folge: Viele Halter setzen ihr Tier aus oder geben es im Tierheim ab. Doch eine tiergerechte Haltung von Wildtieren ist nicht nur in privater Hand nahezu unmöglich, auch die Tierheime können das nicht leisten. Sie verfügen weder über die entsprechenden Räume noch über die speziellen Fachkenntnisse. Die Reptilienstationen, die die Haltung der Wildtiere noch am ehesten gewährleisten können,

KLEINTIERE

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platzen aus allen Nähten. Aus dem Grund hatte sich der Deutsche Tierschutzbund auch dafür entschieden, die Tierheime zu entlasten und im Tierschutzzentrum Weidefeld eine Reptilienstation zu bauen.

VON DEN KOMMUNEN IM STICH GELASSEN Um welche Tierart es sich auch handelt, die Kosten eines mittelgroßen Tierheims belaufen sich – nur für den täglichen Tierheimbetrieb ohne Investitionen – auf circa eine halbe Million Euro jährlich. Die Tierheime in den großen deutschen Städten benötigen mehrere Millionen Euro. Personal-, Tierarzt- und Energiekosten verschlingen in der Regel die größten Summen in Tierheimen, hinzu kommen weitere Posten wie Futter, Reinigungsmittel, Versicherungen, Tierzubehör und vieles mehr. Darüber hinaus müssen Tierheime immer wieder Geld für Investitionen aufbringen, um beispielsweise den Anforderungen nach Quarantäne- und Krankenstationen für die verschiedenen Tierarten nachzukommen. Zusätzlich zu den Personalkosten müssen auch die Sachkunde DU UND DAS TIER 3/2016

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1 Exotische Tiere wie diese Bartagamen landen immer häufiger in den Tierheimen. 2 Eine Schmuckschildkröte in der Obhut des Tierschutzvereins Pforzheim.

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nicht bezahlt“, erzählt Brettmeister. Für die Tierschützer ist es jedoch selbstverständlich, jegliche Art von Schmerzen zu behandeln. „Eigentlich haben wir die finanziellen Mittel nicht, aber wir haben ja keine Wahl. Die Behörden verlassen sich in ganzer Linie auf uns“, so Linckus. Folglich bleiben die Tierheime auf den Kosten sitzen. Vielfach weisen die Behörden die Erstattungsansprüche der Tierheime zurück, weil die Aufnahme in Not geratener Tiere schließlich ihrem Satzungszweck entspreche. Dies gilt jedoch nur dann, wenn keine Rechtspflicht der Behörden vorliegt. Kein Tierheim lehnt ein in Not geratenes Tier ab und verweigert ihm die Hilfe. „Es wird ausgenutzt, dass wir nicht streiken und kein Tier im Regen stehen lassen. Es wird mit unserer Gutmütigkeit gespielt“, so Sauerer. So ist es in Animal Hoarding-Fällen zum Beispiel gang und gäbe, dass Veterinärämter den ortsansässigen Tierschutzverein gleich mitnehmen, wenn sie zu einem Fall fahren. Die Halter werden dazu überredet, die Tiere freiwillig abzugeben und schon geht der Tierschutzverein als neuer Besitzer hervor. Die Folge: Keine Behörde ist dazu verpflichtet, sich an den Kosten der Unterbringung und Versorgung der „freiwillig abgegebenen“ Tiere zu beteiligen. Bei Katzen gibt es ein weiteres Problem: Da es üblich ist, dass privat gehaltene Katzen Freigang 70 bis 80 Prozent der Tiere in beikommen, erkennen viele Behörden den Tierheimen sind Fundtiere. sie in der Regel nicht als Fundtiere an – es handele sich sicher nur um Tiere auf einem Streifzug. Folglich sehen sie sich auch hier nicht in der Pflicht, sich an den Kosten bei der Unterbringung aufgefundener Katzen zu beteiligen. „Solange die Herrenlosigkeit einer Katze nicht nachgewiesen werden kann, muss diese als Fundtiere gelten“, so Dubberstein.

EIN INVESTITIONSBEDARF VON MILLIONEN Die Tierheime haben in der Vergangenheit ihre Rücklagen in die Versorgung der Fundtiere und in die von den Behörden beschlagnahmten Tiere gesteckt. Sie mussten die finanzielle Lücke durch die mangelhafte Kostenerstattung seit Jahrzehnten aus eigener Kraft ausgleichen. Inzwischen sind die Rücklagen verbraucht, vielen Tierheimen droht die Insolvenz. „Wir haben einen massiven Investitionsstau in den Tierheimen. Da geht es um Sanierung und energetische Maßnahmen, aber auch um Ausbauten als Folge von Gesetzgebung und Vollzugsdefiziten. Daher brauchen wir dringend einen Investitionstopf von derzeit mindestens 50 Millionen Euro“, fordert Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. Zusätzlich zu dieser notwendigen finanziellen Hilfe müssten die öffentlichen Haushalte dauerhafte Investitions- und Nothilfefonds schaffen. „Bei kommunalen Einnahmen aus der Hundesteuer in Höhe von jährlich fast 300 Millionen Euro muss das machbar sein. Zusätzlich fordern wir

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EXOTEN

© Fotos: TSV Pforzheim u.U. e. V.

leitender Tierheimmitarbeiter und die Fortbildungen des Fachpersonals gewährleistet sein. All das können viele Tierheime kaum noch leisten. Viele Gebäude sind marode und entsprechen nicht mehr den heutigen wissenschaftlichen Standards, der Platz reicht vorne und hinten nicht aus. Den Tierheimen fehlt schlichtweg das Geld. Der Hauptgrund für die desaströse finanzielle Lage der Tierheime sind die nicht kostendeckenden Fundtierverträge mit den Kommunen. Die von den Tierschutzvereinen finanziell getragenen Tierheime sind Einrichtungen für den Tierschutz. Nach Abschluss eines Fundtiervertrages übernehmen sie dann – sozusagen als Dienstleister – kommunale Aufgaben als ausführendes Organ der Behörden. Dies entlohnen die Gemeinden in der Regel nicht einmal annähernd kostendeckend. „Laut Gesetz unterliegen Fundtiere dem Fundrecht und werden wie Fundsachen behandelt. Ihre Verwaltung und artgerechte Unterbringung sowie die von den Behörden beschlagnahmten Tiere sind Pflichtaufgaben der Kommune. Doch weder die Dauer noch die Höhe der erstattungsfähigen Kosten ist in Deutschland einheitlich geregelt“, so Dubberstein. „Die Behörden müssen doch die Kosten für das übernehmen, was sie anordnen. Wir sind der Hilfstrupp der Behörde und müssen dann noch in jedem einzelnen Fall verhandeln, was wir bezahlt bekommen“, kritisiert Sauerer. In der Regel erstatten die Behörden nur etwa 25 bis 30 Prozent der Kosten. „Die Kosten für Impfungen und das Ablesen der Transponder sind in unserer Pauschale, die wir pro Fundtier bekommen, enthalten. Beispielsweise Behandlungen von Zahnproblemen oder Blasenentzündungen sind laut Behörde aber keine akut notwendigen Behandlungen und werden


TITELTHEMA

© Foto: Deutscher Tierschutzbund e. V.

SPENDEN

eine klare, einfache und bundesweit einheitliche Regelung für die Kostenübernahme bei der Aufnahme von Fundtieren und beschlagnahmten Tieren. Tierschützer sind keine Bittsteller – sie haben einen Anspruch auf faire Bezahlung der von ihnen für die Gesellschaft und im Auftrag der Kommunen erbrachten Leistungen“, so Schröder. Kommt die Politik ihrer Verantwortung nicht nach, wird die Tierschutzarbeit der Tierheime schon bald nicht mehr wie bisher möglich sein. In der Konsequenz müssten die Kommunen die Betreuung der Tiere in eigener Regie übernehmen. Die Folgen wären nicht nur für den Staat, sondern auch für die Tiere fatal. Auf Bundesebene scheint sich aber etwas zu bewegen. So beriet sich der vom Deutschen Tierschutzbund initiierte „Parlamentskreis Tierschutz im Deutschen Bundestag“ über die finanzielle Situation der Tierheime. Die Bundespolitiker haben sich der Not der Tierheime angenommen und in einer überparteilichen Erklärung des Parlamentskreises erklärt, dass die Unterstützung der Tierheime ein gesamtgesellschaftliches Interesse sei, welchem sich die öffentliche Hand nicht entziehen dürfe. Auch das Land Mecklenburg-Vorpommern hat erste Maßnahmen ergriffen und für die Tierheime im Haushalt für die Jahre 2016 und 2017 einen Investitionstopf von eineinhalb Millionen Euro geschaffen. Der Landesverband Mecklenburg-Vorpommern des Deutschen Tierschutzbundes hat einen erheblichen Teil dazu beigetragen, den Landwirtschaftsminister für das Thema Tierheime zu sensibilisieren. Alle Tierheime des Landes können sich nun bei den Behörden bewerben und in neue Gebäude investieren. Sie müssen lediglich zehn Prozent der Kosten in Eigenleistung finanzieren. Der Deutsche Tierschutzbund unterstützt alle Mitgliedsvereine in Mecklenburg-Vorpommern finanziell, um die Eigenleistung in jedem Fall garantieren zu können. „Das ärmste Bundesland hat damit mit Abstand den größten Investitionstopf geschaffen. Bayern, das reichste Bundesland, gibt genau null Euro und hat auch noch die am schlechtesten kostendeckenden Fundtierverträge Deutschlands“, kommentiert Dubberstein. Der Deutsche Tierschutzbund setzt sich täglich für seine Mitgliedsvereine und Tierheime ein. So steht der Verband ihnen nicht nur in Form von Fachberatung, einer Rechtsabteilung und Vereinsbetreuung zur Seite, sondern unterstützt die Tierheime auch mit verschiedenen Hilfsfonds, wie etwa der Bauhilfe, dem Feuerwehrfonds für Notfälle und der Unterstützung von Kastrationsaktionen. Dabei hat der Verband seit Jahren starke Partner an seiner Seite: die Marken Pedigree und Whiskas (Mars Petcare)

Dieser Tierhilfewagen befindet sich in der Bundesgeschäftsstelle des Deutschen Tierschutzbundes und kann von Mitgliedsvereinen ausgeliehen werden.

sowie Fressnapf. Mars hat den Mitgliedsvereinen des Verbandes in den vergangenen Jahren unter anderem 65 Tierhilfewagen gestiftet. Neben regelmäßigen Futterspenden von Mars und Fressnapf veranstalten beide Unternehmen zahlreiche Spendenaktionen wie die „Welttierwoche“ oder „Gib Pfötchen!“ für den Feuerwehrfonds des Deutschen Tierschutzbundes. Neben der finanziellen Hilfe beim Bau von Unterbringungsmöglichkeiten oder Quarantänestationen greift der Deutsche Tierschutzbund den Vereinen auch selbst mit Futterspenden und Tierheimfahrzeugen unter die Arme. So hat der Verband Anfang des Jahres 50 Tierhilfewagen an Mitgliedsvereine übergeben; aktuell ist die Übergabe weiterer Fahrzeuge geplant. Zusätzlich ist ein Tierhilfewagen an der Bundesgeschäftsstelle des Verbandes stationiert, den sich die Vereine im Notfall leihen können. Tierheime sind von großer Bedeutung. Ohne sie wäre unsere Gesellschaft deutlich ärmer und das Tierschutzniveau deutlich niedriger. Der Deutsche Tierschutzbund wird nicht aufhören, die Politik in die Pflicht zu nehmen und für die Tierheime in Deutschland zu kämpfen.

WEB www.tierheime-helfen.de

Lesen Sie alles über die Kampagne des Deutschen Tierschutzbundes und unterstützen Sie unsere Petition mit Ihrer Stimme, in der wir eine faire Bezahlung für unsere Tierheime fordern.

www.tierschutzbund.de/ spendenprojekt-tierheime Hier erfahren Sie, wie Sie die uns angeschlossenen Tierheime unterstützen können. DU UND DAS TIER 3/2016

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„Wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen“ – das trifft längst nicht nur auf ländliche Gegenden zu. Immer mehr Wildtiere zieht es in die Stadt. Insbesondere Berlin bietet einem bunten Potpourri von wild lebenden Tieren ein Zuhause. Nicht ohne Konflikte zwischen Mensch und Tier. Von Nadia Wattad

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Sie wühlen in städtischen Mülltonnen, jagen Ratten, wälzen sich im Garten und zwitschern lauter als ihre Vogelkameraden im Wald– die Rede ist von Waschbären, Füchsen, Wildschweinen und Co. Doch was treibt diese Tiere überhaupt in die Stadt? „Die Menschen. Zum einen, weil unter anderem die ständig wachsenden Städte ihren natürlichen Lebensraum zerstören. Zum anderen bieten Städte auch neu erschaffene Lebensräume, an die sich die Tiere gut angepasst haben“, so Dr. Tanja Straka, Referentin für Artenschutz beim Deutschen Tierschutzbund. Manche Arten haben sogar gelernt, von den von Menschen erschaffenen Lebensräumen zu profitieren. Waschbären sind zum Beispiel sehr kreativ in der Nahrungsbeschaffung. In Kassel haben sie gelernt, Mülltonnen zu öffnen, in anderen Städten durchwühlen sie Papiertonnen. Sie finden darin reichlich – von der Wohlstandsgesellschaft weggeworfene – Lebensmittel bis hin zu Essensresten. Wildschweine suhlen sich mit Vorliebe in Kleingärten und finden dort ebenfalls Nahrung auf dem Kompost oder im Gartenbeet. Und auch Steinmarder richten sich gerne in leer stehenden Dachböden häuslich ein. Wenn dann ihre Jungen nachts munter werden und miteinander um die Wette laufen, mutieren sie für die menschlichen Bewohner schnell zu unliebsamen Plagegeistern. Auch der Fuchs hat städtisches Gebiet für sich entdeckt. Alleine in Köln leben mehr als 1.000 von ihnen. Auf der Suche nach Nahrung sind sie immer häufiger tagsüber unterwegs. Nicht allen Menschen ist die Artenvielfalt in der Stadt geheuer. Besonders der Fuchs wird mit Skepsis betrachtet. „In unseren Köpfen steckt immer noch die Mär von der Tollwut. Wenn er sich also nicht vertreiben lässt oder zahm ist, dann muss er Tollwut haben. Tatsächlich ist aber Deutsch-

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DIE GROSSE LANDFLUCHT


HINTER DEN KULISSEN

land schon seit vielen Jahren tollwutfrei“, so Geva Peerenboom von der Professur Wildtierökologie und Wildtiermanagement an der Universität Freiburg. Insbesondere Berlin ist ein Eldorado für viele wild lebende Tiere geworden. Über 40 Prozent der Stadt bestehen aus Grün- und Wasserflächen. Da Füchse Anpassungskünstler sind, lernen sie schnell, die urbanen Möglichkeiten für sich zu nutzen. Das Nahrungsangebot in der Stadt ist einfach viel größer als im natürlichen Lebensraum. Katrin Koch vom Wildtiertelefon Berlin, das der Naturschutzbund Deutschland (NABU) betreut, hat tagtäglich mit zahlreichen Bürgeranfragen zu tun. „Meistens rufen Menschen an, die besorgt sind. Es wird oft erwartet, dass Füchse, Wildschweine oder Waschbären eingefangen und dorthin gebracht werden ‚wo sie hingehören‘ – in den Wald“, bedauert Koch. Ihrer Meinung nach profitieren die Bürger von den Wildtieren. So seien Verhaltensstudien aus nächster Nähe möglich, und das in der eigenen Stadt. „Der städtische Fuchs von heute braucht keinen Wald, sondern hat seinen Bau in ungenutzten Kellern, Bauruinen oder Wohncontainern, Freibadeanlagen und dergleichen mehr. Die haben ihr Leben als Opportunisten und Generalisten dem unseren angepasst“, weiß Derk Ehlert, Wildtierexperte des Landes Berlin. Das Leibniz-Institut (IZW) für Zoo-und Wildtierforschung begibt sich in Nur durch Aufklärung der Berlin in dem einzigarMenschen lassen sich beste- tigen Projekt „Füchse hende Ängste ausräumen. in der Stadt“ auf die Spur von Meister Reineke. „Viele Ängste können durch Information der Bürgerschaft ausgeräumt werden. Im Fuchsprojekt gehen wir noch einen Schritt weiter, indem wir die Bürger aktiv in die Forschung einbinden. Wenn dies gelingt, sehen die Menschen nicht mehr ‚ihre Stadt‘ sondern ‚ihre Füchse‘ “, hofft Fuchsexpertin Sophia Kimmig vom IZW. Das Institut möchte zusammen mit „Bürgerwissenschaftlern“ herausfinden, welche Voraussetzungen nötig sind, dass die aus den natürlichen Landschaften verdrängten Tiere in den Städten leben können. Dass Füchse „Humor“ haben, bewies ein einzelnes Exemplar in Berlin. So hatte ein Ehepaar dem IZW berichtet, dass ein Fuchs ihnen immer wieder Schuhe von der Terrasse stahl, allerdings immer nur ein Schuh pro Paar. Eine Wildtierkamera entlarvte den Fuchs letztendlich als den „Schuhdieb“. Mit allerlei Kuriositäten kommt auch Ehlert in seinem Joballtag in Berührung: „Das ist der Fuchs, der U-Bahn fährt, das Wildschwein, das an der Bushaltestelle steht und auf Futter hofft, bis hin zu Waschbären, die im großen Parkhaus am Alexanderplatz leben.“

Auch Wildschweine haben es geschafft, sich an ein Leben in gartenreichen Randgebieten anzupassen – manchmal auch zum Leidwesen mancher Gartenbesitzer. Denn auf der Suche nach Futter schieben Wildschweine, die meist in Rotten auftreten, oft die ganze Grasnarbe weg. „Das ist für sie der beste Weg, um an Wurzeln, Würmer, Engerlinge, Schnecken und Blumenzwiebeln zu gelangen. Die Wiesen sehen dann manchmal aus wie umgepflügt“, so Dr. Straka. Für die entstehenden Schäden kommt keine Versicherung auf, denn für Wildschäden, die in einem sogenannten befriedeten Bezirk liegen und auf denen die Jagd ruht, gewährt das Bundesjagdgesetz laut Paragraf 29 keinen Ersatzanspruch. Auch aus dem Grund findet Kimmig, dass es auf politischer Ebene Verantwortliche geben muss, die sich im Konfliktfall kümmern und Lösungen anbieten. Doch nicht nur die Schäden in den Grünanlagen sind problematisch, auch die Furcht spielt eine Rolle: „Vor allen größeren Arten haben die Menschen eher Angst. Besonders auch vor Wildschweinen“, weiß Peerenboom. Grundsätzlich ist aber nicht jedes Wildschwein ein potenzieller Angreifer. Eigentlich sind sie sogar scheu – allerdings nur in ihrem natürlichen Lebensraum und wenn keine Menschen sie stören. „In Großstädten können Wildschweine durchaus die Scheu vor Menschen weitestgehend ablegen, insbesondere, wenn sie gefüttert werden. Das ist aber strengstens verboten“, so Dr. Straka. Hat die Bache Frischlinge bei sich, kann es für den Störenfried, egal ob Mensch oder Hund, ungemütlich werden. Experten empfehlen, keine hektischen Bewegungen zu machen, die Tiere zu ignorieren und sich dann langsam zu entfernen. Auch im Straßenverkehr kann es leider zu Zusammenstößen mit dem Schwarzwild kommen.

In Berlin keine Seltenheit mehr: Ein Fuchs läuft durch ein Wohngebiet.

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Waschbären auf der Suche nach Essbarem. In Abfalleimern wie diesen werden sie schnell fündig.

TIERISCHE UNTERMIETER Die ursprünglich aus Nordamerika stammenden plüschigen Waschbären mit ihrer kleidsamen Zorromaske fühlen sich in der Hauptstadt und in anderen Städten ebenfalls sehr wohl. In den 40er-Jahren teils ausgesetzt, teils aus Pelztierfarmen ausgebüxt, haben sie sich bis heute in ganz Deutschland verbreitet. Laut Schätzungen leben in Europa mittlerweile einige Hunderttausend Tiere. In Stadtgebieten finden Waschbären das ganze Jahr über genügend Fressbares auf Rasenflächen, unter Obstbäumen und vor allem auf Kompostplätzen, in Mülltonnen und Papierkörben. Doch sie ziehen auch gerne in Häuser ein, und da hört bei vielen Menschen die Tierliebe auf. Schließlich sind Waschbären hervorragende Kletterer, die schnell die Schwachstellen bei Dachziegeln, Leichtbauwänden und losem Mauerwerk finden. Außerdem gibt es Waschbären, die schon seit Generationen nur in der Stadt leben und genau wissen, dass sich unter Dachziegeln beste Quartiere finden lassen. War ein Waschbär ein paarmal im Haus, wird jeder nachfolgende an den für den Menschen nicht wahrnehmbaren geruchlichen Markierungen sofort erkennen, dass da ein Unterschlupf zu fin-

WEB www.tierschutzbund.de/wildtiere

Erfahren Sie, wie sich Mitarbeiter des Deutschen Tierschutzbundes im Tierschutzzentrum Weidefeld um verletzte oder verwaiste Wildtiere kümmern, und unterstützen Sie das Projekt mit Ihrer Spende.

www.duunddastier.de/wildtiere

Lesen Sie das vollständige Interview mit Derk Ehlert, Wildtierexperte des Landes Berlin bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt.

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den ist. Was kann der Mensch also tun? „Den Aufstieg auf das Dach verhindern, Bäume und Sträucher, die an oder über das Dach reichen, großzügig beschneiden, Zugänge durch Metallgitter absperren, Katzenklappen nachts verschließen oder einen Vorbau bauen“, empfiehlt Dr. Straka. Gefährlich sind Waschbären aber nicht. In Europa übertragen sie keine Tollwut. Damit sich die Tiere gar nicht erst im Garten wohlfühlen, sollten Abfälle für sie unzugänglich sein. „Letzten Endes geht es darum, dass wir lernen, mit Wildtieren in Städten zusammenzuleben. Es ist utopisch, anzunehmen, dass wir Tiere, die sich gut an den menschlichen Lebensraum angepasst haben, aus Städten vollständig ausschließen können“, so Dr. Straka weiter. Genauso wie der Waschbär fühlt sich auch der Steinmarder in Häusern wohl. Er macht sich meist erst während der Paarungszeit oder bei der Aufzucht der Jungen durch eine entsprechende Geräuschkulisse bemerkbar. Damit er gar nicht erst ein Schlupfloch in das Haus findet, helfen dieselben Maßnahmen wie beim Waschbären. Marder nisten sich auch gerne im Motorraum von Fahrzeugen ein. Nicht immer zerbeißen sie dabei Kühlschläuche Es ist eine Bereicherung, und Kabel – eine Folge Wildtiere mitten in der Stadt der Revierverteidibeobachten zu können. gung. Bei allen Konflikten im Zusammenleben: „Die Möglichkeit, wilde Tiere zu sehen, die uns Menschen im Offenland meist verborgen bleiben, empfinden viele Menschen als Naturerlebnis und als Bereicherung“, weiß Sophia Kimmig. Damit das so bleibt, müssen die Stadtbewohner sensibilisiert und aufgeklärt werden. Die Tiere trotz Verbot zu füttern, kann schließlich für das gesamte Ökosystem negative Folgen haben. „Wo die Lebensräume in der Stadt noch relativ ungestört sind, kann eine natürliche Bestandsregulierung durch ‚fressen und gefressen werden‘ funktionieren. Der Fuchs oder auch Greif- und Rabenvögel kümmern sich um verletzte oder kranke Wildtiere – sie leben zu großen Teilen davon“, so Michael Hundt von der Stadt Köln. Wir sollten uns freuen, „unsere“ Städte mit Wildtieren teilen zu können. Falls wir morgens eine Nachtigall oder eine Amsel besonders laut singen hören, dann liegt das daran, dass sie versuchen, die städtischen Hintergrundgeräusche zu übertönen. Selbst Fledermäuse haben sich in Deutschland an den Lebensraum Stadt angepasst. Von diesem nachtaktiven Tier bekommen viele nichts mit, doch ihrem jagdlichen Geschick haben wir es zu verdanken, dass wir hin und wieder von einer Mücke weniger gestochen werden.

© Foto: Ingo Bartussek

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KÜKENTÖTUNG

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AM LAUFENDEN BAND

Nach wie vor gehört es zu dem Arbeitsalltag der Brütereien, männliche Küken nach dem Schlüpfen zu töten. Eine unhaltbare Tatsache, mit der sich viele Tierschützer trotz negativem Gerichtsentscheid nicht abfinden wollen.

© Fotos: A. Farkas / afi, Deutscher Tierschutzbund e.  V.

Von Nadia Wattad

Der Deutsche Tierschutzbund kämpft seit vielen Jahren mit Aufklärung der Bevölkerung, Briefen an die Politik und öffentlichkeitswirksamen Protestaktionen für ein Verbot, die sogenannten Eintagsküken zu töten. Mit einer Aktion hatte der Verband zuletzt vor dem Oberverwaltungsgericht in Münster auf die tierschutzwidrige Praxis aufmerksam gemacht, die allein wirtschaftliche Gründe hat – denn die Aufzucht der männlichen Küken „lohnt“ sich nicht. Im Mai hat das Oberverwaltungsgericht Münster über das grausame Tagesgeschäft der Brütereien in Nordrhein-Westfalen (NRW) entschieden. Gegen ein vom nordrhein-westfälischen Landwirtschaftsministerium 2013 ausgesprochenes Verbot der Jährlich werden rund 45 Mil- Tötung hatten zwei Brütereien geklagt lionen männliche Küken am und in erster Instanz Recht erhalten. ersten Lebenstag getötet. Die Hoffnung der Tierschützer, dass die Richter im Berufungsverfahren im Sinne des Landwirtschaftsministeriums und des Tierschutzes entscheiden, wurde leider nicht erfüllt. Das Oberverwaltungsgericht Münster billigt das Töten der Tiere, sofern dafür ein vernünftiger Grund vorliege. Das Gericht begründete die Entscheidung damit, dass die Aufzucht der männlichen Küken mit einem unverhältnismäßig großen Aufwand verbunden sei, da die männlichen Tiere weder Eier legen noch schnell an Masse zunehmen. Zudem müssten bei der Kükentötung „ethische Gesichtspunkte des Tierschutzes und menschliche Nutzungsinteressen“ gegeneinander abgewogen werden, ohne dass einem der Belange ein

strikter Vorrang zukomme. Auch sei der technische Stand noch nicht so weit, dass nur Eier mit weiblicher DNA ausgebrütet werden könnten. Johannes Remmel, Minister für Verbraucherschutz in NRW, bleibt dennoch konsequent. Auf sein Drängen haben die betroffenen Kreise Beschwerde gegen das Urteil in Münster eingelegt. Es bleibt abzuwarten, ob die Richter für eine Revision des Urteils beim Bundesverwaltungsgericht den Weg freimachen. Bundesminister Schmidt behauptet zudem nach wie vor, dass es ab 2017 ein Verfahren geben soll, das Geschlecht im Ei zu erkennen. Dieses soll eine Alternative zum Töten der männlichen Küken darstellen. „Kaum jemand, der Kenner der Szene ist, würde die Zusage des Ministers unterschreiben, dass ab 2017 eine serienreife Technik da sei. Selbst dann ginge die Qual der Legehenne als Leistungszucht und in der Haltung weiter. Es geht um die Systemfrage“, sagt Thomas Schröder. Der Prototyp soll zwar Mitte 2017 fertiggestellt sein, ob die Technik serienreif in die Produktion geht und in allen Brütereien steht, bleibt fraglich. Selbst beteiligte Wissenschaftler zweifeln, den Termin halten zu können. „Es krankt am System. Das Urteil in Münster ist ein Skandal. Das Tierschutzgesetz und das Staatsziel Tierschutz sind dabei über Bord geworfen worden“, so Schröder. Der Deutsche Tierschutzbund fordert keine Geschlechterbestimmung im Ei, sondern das Zweitnutzungshuhn. Die Zucht muss für die Tiere erträglich sein. „Es braucht unspezialisierte Rassen, die Eier legen, aber auch für die Fleischgewinnung genutzt werden können. Dass dies möglich ist, zeigen Erfahrungen aus der Schweiz und deutschen Initiativen“, so Schröder. Mit dem Zweitnutzungshuhn wird nicht nur das ethische Problem gelöst, männliche Küken der Legelinien zu töten, sondern auch zuchtbedingte Tierschutzprobleme bei den Lege- und Mastrassen fallen weg. Der Weg ist das Ziel. DU UND DAS TIER 3/2016

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KASTRIEREN OHNE BETÄUBUNG? In den meisten Betrieben, die Schweine halten, ist es Usus, neugeborene männliche Ferkel ohne Betäubung zu kastrieren. Das Tierschutzgesetz lässt diese Ausnahme bis zum siebten Lebenstag zu. Obwohl es Alternativen gibt, müssen die Ferkel immer noch unter dieser schmerzhaften Prozedur leiden. Von Nadia Wattad

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Das Tierschutzgesetz sollte Tiere schützen. So heißt es im Paragraf 5 unter anderem: „An einem Wirbeltier darf ohne Betäubung ein mit Schmerzen verbundener Eingriff nicht vorgenommen werden.“ Wie auch bei vielen anderen Paragrafen lässt das Gesetz aber Ausnahmen zu. Bis zu ihrem siebten Lebenstag dürfen demnach männliche Ferkel noch bis zum 31. Dezember 2018 ohne Betäubung kastriert werden. Die Tatsache, dass einem Tier bei vollem Bewusstsein die Hoden amputiert werden, ist grausam, aber rechtlich tatsächlich völlig unproblematisch. Wissenschaftler waren lange der Auffassung, dass neugeborene Säugetiere noch nicht über ein voll entwickeltes Schmerzempfinden verfügen – dies steht heute nicht mehr zur Diskussion. Die chirurgische Kastration stellt einen sehr schmerzhaften Eingriff dar – der Deutsche Tierschutzbund kann die Ausnahmeregelung in keiner Weise nachvollziehen. Warum die Ferkel überhaupt


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kastriert werden, weiß Dr. Stefanie Zimmermann, Referentin für Tiere in der Landwirtschaft vom Deutschen Tierschutzbund: „Manche Menschen sind empfindlich für Geruchs- und Geschmacksabweichungen im Fleisch unkastrierter Eber. Dieser ‚Ebergeruch‘ tritt jedoch nur bei einem geringen Prozentsatz der geschlachteten Eber auf. Dennoch werden die Tiere vorbeugend kastriert, damit die Hoden keine geschlechtsspezifischen Hormone mehr bilden können, die den Ebergeruch hervorrufen könnten.“ Dabei gibt es längst Alternativen wie eine Kastration mit Betäubung, die Mast unkastrierter Eber und die Impfung gegen den Ebergeruch. Diese Alternativen funktionieren bereits erfolgreich in der Praxis und werden von den Landwirten geschätzt. Das zeigen auch die Erfahrungen mit dem Tierschutzlabel des Deutschen Tierschutzbundes.

© Fotos: picture alliance / dpa / Carmen Jaspersen; Neuland e.  V.

FACHTAGUNG ZUM THEMA KASTRATION Auf einer vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) und von der QS Qualität und Sicherheit GmbH initiierten Fachtagung war das betäubungslose Kastrieren ebenfalls Thema. Im Vorfeld der Tagung bekräftigte der Deutsche Tierschutzbund seine Forderung nach einem sofortigen Ende der betäubungslosen Ferkelkastration. „Millionen männliche Ferkel werden routinemäßig ohne Betäubung kastriert. Dabei gibt es bereits praktikable und tierschutzkonforme Alternativen. Diese Ferkelqual ist ein Skandal“, sagte Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. Auf der Tagung diskutierten Handel, Hersteller und die landwirtschaftlichen Vertreter offene Fragen Über 20 Millionen männliche zu den Alternativen Ferkel werden jährlich in zum betäubungslosen Deutschland ohne BetäuKastrieren und über bung kastriert. die Maßnahmen für eine Umsetzung bis zum gesetzlichen Verbot 2019. In Vertretung für den Bundesagrarminister Christian Schmidt betonte Dr. Maria Flachsbarth, parlamentarische Staatssekretärin, dass Alternativen vorhanden sind und die Wirtschaft gefragt ist, diese umzusetzen. Sie stellte klar, dass die Bundesregierung die drei Alternativen zur betäubungslosen Kastration akzeptiere. Dr. HermannJosef Nienhoff (QS) unterstrich, dass am Ausstiegsdatum nicht gerüttelt werden solle. Ziel der Tagung

AKTIV Unterstützen Sie unsere Ferkelprotest-Kampagne! Verzichten Sie auf Schweinefleisch! Wenn überhaupt, dann kaufen Sie es nur von unkastrierten oder unter Narkose kastrierten Ferkeln.

WEB www.tierschutzbund.de/ ferkelkastration

Hier finden Sie weitere Informationen zur Ferkelkastration.

war ein Fahrplan für den Ausstieg bis 2019. Während einige Schweinehalter bereits wegweisend vorangehen, zeigen sich überwiegend konventionelle Kollegen eher verhalten. Es zeigt sich, dass noch großer Beratungsbedarf besteht, um die Landwirte bei der Umstellung nicht alleine zu lassen. Zudem müssen die Schweinehalter sich frei für die für sie passende Alternativmethode entscheiden können, und es bedarf entsprechender Abnahmegarantien durch Vermarktung und Handel. Der Deutsche Tierschutzbund sieht darüber hinaus auch den Handel in der sofortigen Handlungspflicht, Produkte von betäubungslos kastrierten Schweinen zeitnah aus dem Sortiment zu nehmen. „Wir sind froh, dass sich einzelne Unternehmen in den eigenen Einkaufsrichtlinien klar für das Ende der betäubungslosen Ferkelqual aussprechen, noch weit vor dem gesetzlichen Verbot. Handel kommt von handeln, hier darf kein Unternehmen ausscheren: Produkte von unbetäubt kastrierten Tieren dürfen in keinem Sortiment mehr angeboten werden“, erklärt Schröder.

Diese beiden Ferkel sind während der Kastration betäubt und damit bei dem Eingriff keinen Schmerzen ausgesetzt.

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Noch haben die Bäume ihre Blätter, doch bald leuchten sie schon in gelben und roten Farben – der Sommer verabschiedet sich. Für den Igel ist das der Startschuss, sich ein lauschiges Winterquartier zu suchen. Von Nadia Wattad

Einfach den ungemütlichen Winter verschlafen – das kann so manches Tier und es ist immer wieder ein kleines Wunder. Auch der Igel gehört zu den Ausnahmetalenten. Er kann seine Körpertemperatur teilweise auf knapp über null Grad absenken und Stoffwechselvorgänge wie Atemfrequenz und Herzschlag reduzieren. Igel verschlafen in der Regel jedes Jahr bis zu fünf Monate. Um überleben zu können, fressen sie sich ein Fettpolster an

Im Winterschlaf verliert der Igel rund 30 Prozent seines Körpergewichts. und suchen sich anschließend einen wetterfesten und gut wärmeisolierten Unterschlupf. Darin rollen sie sich kugelförmig zusammen und verfallen nach fünf bis sechs Stunden in einen tiefen Winterschlaf. Männchen ziehen sich je nach Witterung bereits Anfang Oktober zurück. Nach der Aufzucht der Jungen folgen die Weibchen. Als allerletztes suchen sich die Jungigel ihr Winterquartier. Sie nutzen die Zeit, um an Gewicht zuzulegen. Weniger als 500 Gramm sollten sie nicht wiegen, um den Winterschlaf

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zu überleben. „Wer an den Herbsttagen einen Igel sieht, sollte ihn beobachten. Nur kranke, verletzte oder stark untergewichtige Tiere benötigen unsere Hilfe“, informiert James Brückner, Referent für Artenschutz beim Deutschen Tierschutzbund. Geschwächte Tiere verhalten sich oft apathisch oder haben starken Parasitenbefall. Hier gilt: Vorsichtig aufnehmen, zum Tierarzt bringen oder bei einer Igelstation in Obhut geben. Wie die meisten Tierheime hat auch der Tierschutzverein für Berlin mit Igeln zu tun. Da immer mehr Igel in der Stadt überwintern, kooperiert der Verein nun auch mit dem Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW), das das Projekt „Igel in Berlin“ ins Leben gerufen hat. In diesem möchte es die Besonderheiten des Igellebens in einer stark veränderten Umwelt erforschen. „Natürlich bringen besorgte Berliner Bürger auch Igel zu uns. Wir päppeln sie dann wieder auf. Allerdings sollten Igel eher in auf die Tiere spezialisierte Einrichtungen gebracht werden“, erklärt Janin Tiedemann vom Tierschutzverein für Berlin. Das Tier-, Natur- und Jugendzentrum Weidefeld des Deutschen Tierschutzbundes verfügt zum Beispiel über eine Igelstation. Jeder kann Igeln helfen, gut über den Winter zu kommen. Es hilft schon, das zusammengerechte Laub im Garten liegenzulassen, denn dieses stellt ein hervorragendes Winterquartier dar.

WEB

www.tierschutzbund.de/igelschutz Von der Broschüre „Igelschutz“ bis hin zu Igelschutzvereinen – hier finden Sie viele Informationen rund um das Thema.

© Fotos: Mario Bobertz - Fotolia; akf - Fotolia

ICH BIN DANN MAL WEG


REZEPT

SPANISCHES FLAIR

IN DER KÜCHE Vorspeise mal anders: Die Kombination aus Blumenkohl, Granatapfelkernen und Haselnüssen ist exotisch und unvergleichbar.

SALAT AUS BLUMENKOHL MIT GRANATAPFEL ZUTATEN für 2 Personen 1 kleiner Blumenkohl (circa 600 Gramm) 5 EL Olivenöl

BUCHTIPP 1| Den Backofen auf 220 Grad Oberund Unterhitze vorheizen.

2| Blumenkohl waschen, putzen, in kleine Röschen zerteilen und in eine Ofenform geben. Mit Olivenöl vermengen und mit Salz und Pfeffer würzen. Auf der oberen Schiene 30 bis 35 Minuten rösten. Herausnehmen und kurz abkühlen lassen. 3| Haselnusskerne in einer beschichteten Pfanne ohne Fett goldbraun rösten. Danach Kerne grob hacken.

Salz, Pfeffer

© Fotos: saint_antonio - Fotolia; EMF / Petra Balzer

30 Gramm ganze Haselnusskerne ½ Granatapfel 1 Stange Staudensellerie 1 Bund glatte Petersilie ½ Teelöffel Zimt ½ Teelöffel Piment 1 Esslöffel Sherryessig 1 ½ Teelöffel Ahornsirup

4| Granatapfelkerne herauslösen. Sellerie waschen, putzen, würfeln. 5| Petersilie waschen und Blätter von den Stängeln zupfen. Blätter grob hacken. Zimt, Piment, Sherryessig und Ahornsirup in einer Schüssel vermengen. Sellerie, Granatapfelkerne, Blumenkohl, Haselnüsse und Petersilie zugeben und mischen. Würzen und servieren.

Tapas, die leckeren spanischen Vorspeise-Häppchen, sind nicht nur in südlichen Hemisphären bekannt. Auch in die deutsche Küche hat die damit verbundene spanische Lebensfreude längst Einzug gehalten. Dass Tapas nicht immer Fleisch enthalten müssen, sondern auch gut zur veganen Ernährung passen, beweist Petra Balzer mit ihren rein pflanzlichen TapasKreationen. In ihrem Buch „33 vegane Tapas“ präsentiert sie ganz und gar köstliche Rezepte zum Nachkochen. Von der klassischen Teigtasche über Salat bis hin zum veganen Hackbällchen – holen Sie sich ein bisschen spanisches Flair nach Hause und fühlen Sie sich wie im Urlaub, wenn Sie dieses Fingerfood genießen. Petra Balzer, 33 vegane Tapas – Köstliche Kleinigkeiten für jede Gelegenheit ISBN 978-3-86355-309-8, 2015, Edition Michael Fischer, 48 Seiten, 9,99 Euro DU UND DAS TIER 3/2016

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PHILIPP VON GALL

CLAUDIA HÄMMERLING

TIERSCHUTZ ALS AGRARPOLITIK

AUFSTAND DER WILDTIERE

In diesem sehr akademischen Werk analysiert Philipp von Gall minutiös anhand der Tierschutzgesetzreform von 1972 die Entstehungsgeschichte des deutschen Tierschutzrechtes in seiner heute noch gültigen Form. Er weist dabei eindrücklich nach, dass das Tierschutzgesetz bewusst den Einfluss menschlicher Emotionen in Bezug auf die landwirtschaftliche Tierhaltung ausgeklammert hat, um eine sachliche Auseinandersetzung mit dem Thema zu erreichen. Dass diese Herangehensweise aber negative Folgen für die Tiere und lediglich mehr Profit für die Tierhaltungsindustrie mit sich bringt, tritt immer deutlicher zutage. Mitleid und Empathie haben ihre berechtigte Rolle in der Tierschutzpolitik und diese sollte laut Gall auch eingefordert werden. Dieses Buch ist keine leichte Lektüre, wer sich aber für Tierschutzethik interessiert, ist hier an der richtigen Adresse. 314 Seiten, transcript Verlag, Bielefeld, 1. Auflage, Januar 2016, kartoniert, ISBN 978-3-8376-3399-3, 29,99 Euro

Kinder ab acht Jahren und alle Menschen, die Tiere lieben, kommen bei dem „Tierschutzabenteuer“, wie es Autorin und Grünen-Politikerin Claudia Hämmerling beschreibt, voll auf ihre Kosten. Mastschwein Maxi, der Hauptfigur, verhilft der Unfall eines Tiertransporters zur Freiheit. Zum ersten Mal sieht es Tageslicht und grüne Wiesen. Es flieht in den nahe gelegenen Wald und lernt dort Wildschwein Wutz kennen. Wutz und die anderen Wildtiere nehmen sich Maxi an, aber dann kommt auf einmal der Schweinebaron Güllegold ins Spiel, der plant, eine Schweinefabrik zu errichten. Das Abenteuer geht damit weiter. In „Aufstand der Wildtiere“ greift die Autorin das Thema Massentierhaltung auf und schreibt kindgerecht über die Zusammenhänge zwischen dem Konsum von Billigfleisch, Tierquälerei und Umweltzerstörung. Das Buch ist von der ersten Seite an spannend und macht deutlich, dass alle Tiere schützenswert sind. Hämmerling ist seit 1995 für die Grünen im Abgeordnetenhaus und setzt sich sowohl privat als auch politisch für den Tierschutz ein. Auch auf dem Tierschutz-Festival, zu dem unter anderem der Deutsche Tierschutzbund geladen hatte, war Hämmerling in der politischen Talkrunde zu Gast. Die Illustrationen innerhalb des Buches stammen von Heinz-Jürgen Werbeck, dem Bruder der Autorin. 172 Seiten, Verlag tredition, Hamburg, 2016, ISBN: 978-37323-7665-0, 9,95 Euro

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Meine Geschwister sind tot!

Spendet für eine Kastration!

Weggeworfen, verhungert, überfahren. Erspart ungewollten Welpen dieses Schicksal. Durchbrecht den Todeskreislauf. Jeder Hund und jede Katze braucht einen liebevollen Besitzer!

Lega pro Animale – Italien Sterilisationszentrum für Hunde und Katzen in Süditalien

Kein Tier soll sein Leben im Tierheim oder auf der Straße fristen.

Deutscher Tierschutzbund e. V. Sparkasse KölnBonn Konto-Nr. 40 444, BLZ: 370 501 98 IBAN: DE88 3705 0198 0000 0404 44 BIC: COLSDE33 WICHTIG! Verwendungszweck: Lega pro Animale – Italien Spenden an den Deutschen Tierschutzbund e. V. sind steuerlich absetzbar.

© Fotos: transcript Verlag, Verlag tredition

MEDIEN


TIERHEIME HELFEN.

WAS TIERHEIME LEISTEN: Tierheime sind ein wichtiger Bestandteil unserer Gesellschaft. Sie sind eine Begegnungsstätte für Jung und Alt. Sie geben jedem Tier eine warme und trockene Unterkunft, füttern es und zeigen ihm, wie liebevolle und aufmerksame Zuwendung aussieht. Dabei kennen sie keine Sonn- und Feiertage. Kein Tier wird auf der Straße sitzen gelassen. Sie kümmern sich um Fundund Abgabetiere jeder Art, füttern und kastrieren frei lebende Katzen, nehmen kurzfristig Hunde aus dem illegalen Welpenhandel auf, managen Hochwasser-Katastrophen und vieles mehr. Mit unserer Kampagne wollen wir den Menschen unsere Tierheime näher bringen und zeigen, welch großartige Arbeit dort täglich geleistet wird und warum die Tierheime deshalb die Unterstützung aller verdienen.

POSTER ZUM HERAUSNEHMEN

WIE HELFEN WIR? ✔ Futterspenden ✔ Tierheimberatung ✔ Vereinsbetreuung ✔ Beratung bei rechtlichen Problemen ✔ umfangreiches Seminarangebot ✔ v erschiedene Hilfsfonds (Bauhilfe, Feuerwehrfonds für Notfälle, Unterstützung von Kastrationsaktionen) ✔ Leitfäden für die Tierheimarbeit ✔ Angebot einer Tierheimsoftware

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POSTER ZUM HERAUSNEHMEN

HELFT TIERHEIMEN!

Die Kampagnenmotive des Deutschen Tierschutzbundes bilden ab, was die Tierheime Großartiges leisten.

WIE KÖNNEN SIE HELFEN?

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 öchten Sie nach reiflicher ÜberM legung ein Tier aufnehmen, gehen Sie bitte in das nächstgelegene Tierheim Unterstützen Sie das örtliche Tierheim mit Geldspenden H elfen Sie mit Sachspenden (zum Beispiel mit Futter, Handtüchern oder Decken) Übernehmen Sie ein Ehrenamt (Gassigeher, Katzenstreichler, Vorstandsarbeit, Öffentlichkeitsarbeit) Machen Sie sich ein Bild von Ihrem örtlichen Tierheim und berichten Sie Ihren Freunden und Bekannten von Ihren Eindrücken

DAS FORDERN WIR: Wir fordern die Kommunen auf, die Kosten für den erteilten Arbeitsauftrag zur Unterbringung von Fundtieren vollständig zu bezahlen. Hinzu kommen Probleme sanierungsbedürftiger und energetisch ungünstiger Bausubstanzen, veraltete Heizungsanlagen und Tierunterkünfte, die schon allein wegen ihrer Größe nicht mehr den aktuellen Anforderungen an eine artgerechte Haltung entsprechen. In Deutschland fließen jährlich rund 300 Millionen Euro Hundesteuer in die Gemeindekassen. Warum sollte nicht wenigstens ein Teil dieses Geldes auch wirklich wieder den Tieren zugutekommen? Wir fordern einen deutschlandweiten Investitionstopf von 50 Millionen Euro für die Instandsetzung unserer Tierheime.


AKTUELL

WEB www.duunddastier.de/news Lesen Sie täglich aktuelle Meldungen rund um den Tierschutz.

EUROPÄISCHE UNION

INVASIVEN ARTEN GEHT ES AN DEN KRAGEN Die EU-Kommission hat eine Liste sogenannter invasiver Arten veröffentlicht, deren weitere Ausbreitung in Europa bekämpft werden soll. Invasive Arten sind Pflanzen und Tiere, die ursprünglich nicht bei uns heimisch sind und unerwünschte Auswirkungen auf andere Arten oder das Ökosystem haben. Die aktuelle Liste umfasst 37 verschiedene Arten und komplettiert eine EU-Verordnung von 2014. Neben verschiedenen Pflanzen zählen Waschbären sowie Nasenbären, Schwarzkopf-Ruderenten, Marmorfische, Grauhörnchen und Schmuckschildkröten zu den Arten, die hierzulande unerwünscht sind. Ob zur Jagd, als Lieferant für Pelz oder für Zoos – Menschen waren es, die die meisten

dieser Tiere hierhergebracht haben. Andere gelangten unabsichtlich über Handelswege und Schiffe nach Deutschland. Insbesondere durch die zunehmende Globalisierung und den weltweiten Handel eröffnen sich immer weitere und neue Wege, auf denen Tiere und Pflanzen hierhergeraten.

LISTE WIRD AKTUALISIERT Die EU-Kommission hat angekündigt, die Liste kontinuierlich zu aktualisieren. Sinn der ganzen Sache ist, dass die EU-Staaten frühzeitig gegen fremde Arten vorgehen und diese entweder ausrotten oder ihre Anzahl eindämmen. Die EU begründet die Maßnahmen gegen invasive Arten damit, dass diese die heimische Arten-

vielfalt zum Beispiel dadurch gefährden, dass sie neue Krankheiten mitbringen. Zudem sollen sie für wirtschaftliche Verluste wie Schäden in der Landwirtschaft verantwortlich sein. Die Regelung soll die Haltung, den Import, den Verkauf und die Zucht der Arten beschränken. Der Deutsche Tierschutzbund hat sich mit seinem europäischen Dachverband, der Eurogroup for Animals, dafür eingesetzt, dass auch der Tierschutzaspekt in der Verordnung verankert wird. Die Verbände haben nun im Fokus, dass bei etwaigen Maßnahmen gegen Tierarten tierschutzgerechte Methoden, wie der Lebendfang und eine Unterbringung in Zoos oder Auffangstationen, gegenüber einer Tötung bevorzugt werden.

MÜNCHEN

© Fotos: Deutscher Tierschutzbund e.V./Masanneck; Michael Westermann

TIERISCH GUTE BERICHTERSTATTUNG! Über zehn Jahre ist es her, dass in der Münchner Boulevardzeitung „tz“ erstmals eine Seite mit dem Titel „Akte Tier“ erschien. „tz“-Redakteurin Susanne Stockmann beschäftigt sich seither mit den verschiedensten Tierschutzthemen und steht dabei in einem engen Austausch mit ihren Lesern. 40 „Akte Tier“-Seiten pro Jahr, das sind bis heute circa 450 Zeitungsseiten, mit denen Stockmann eine breite Leserschaft jede Woche über tierschutzrelevante Probleme informiert und gleichzeitig nach Lösungen sucht. Dr. Brigitte Rusche, Leiterin der Akademie für Tierschutz und Vizepräsidentin des Deutschen Tierschutzbundes, hat ihr dafür die Goldene Ehrennadel überreicht. Die Auszeichnung ehrt Stockmann für ihre Verdienste für den Tierschutz. „Es ist eine tolle Anerkennung und Würdigung meiner langjährigen Arbeit und stärkt mir auch zukünftig den Rücken. Gerade in einer Boulevardzeitung, die sich täglich am Kiosk neu verkaufen muss, ist es nicht immer einfach, Platz für Themen zu schaffen, die aktuell nicht so im Gespräch sind“, so Stockmann.

V. l. n. r.: Rudolf Bögel (Chefredakteur der „tz“), Susanne Stockmann („tz“-Redakteurin) und Dr. Brigitte Rusche (Vizepräsidentin des Deutschen Tierschutzbundes).

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Eine Grasmücke klebt mit ihrem Gefieder an einer Leimrute fest – eine heimtückische und illegale Falle.

REISE OHNE WIEDERKEHR Jedes Jahr im Herbst ziehen Millionen heimischer Vögel in wärmere Gefilde. Ihr Weg in den Süden ist lang, kräftezehrend und steckt voller Gefahren. Einblicke in eine Reise, von der immer weniger Tiere zurückkehren. Von Nina Himmer

Sie fliegen Tausende Kilometer, überqueren Wüsten, Meere und Ländergrenzen und orientieren sich dabei mit verblüffender Genauigkeit. Kein Wunder, dass sich unter den Zugvögeln einige Rekordhalter des Tierreichs tummeln: Gänse zum Beispiel fliegen auf ähnlichen Höhen wie Passagierflugzeuge. Mauersegler erreichen Geschwindigkeiten von bis zu 160 Kilometern pro Stunde und können im Flug schlafen. Und Küstenseeschwalben sammeln im Laufe ihres Lebens rund eine Million Flugkilometer an. Zweimal im Jahr packt die Zugvögel das Reisefieber. Im Herbst ziehen sie gen Süden, im Frühling zurück in ihre heimischen Brutgebiete. „Der Grund für den Vogelzug sind nicht frostige Temperaturen, sondern das knappe Nahrungsangebot im Winter. Die meisten Zugvögel sind nämlich Insektenfresser“, sagt Lars Lachmann, Referent für Ornithologie und Vogelschutz beim Naturschutzbund (NABU). Von den 250 Vogelarten, die in Deutschland brüten, sind etwa die Hälfte Zugvögel. Die Kurzstreckenzieher unter ihnen fliegen bis nach Westeuropa oder in den Mittelmeerraum. Frankreich

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0,5 Mio.

illegal getötete Vögel pro Jahr

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Italien

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illegal getötete Vögel pro Jahr


AKTUELL

Die Ziele von Langstreckenziehern wie Weißstorch, Kuckuck, Mauersegler, Rauchschwalbe, Neuntöter oder Nachtigall liegen hingegen südlich der Sahara. „Ob kurz oder lang, jede Reise ist für die Tiere anstrengend und gefährlich“, so Lachmann. Allerdings bergen lange Routen mehr Risiken für die Vögel. Aufzeichnungen des Dachverbandes Deutscher Avifaunisten (DDA) über knapp 20 Jahre zeigen, dass die Bestände deutscher Zugvögel bei den Langstreckenziehern zurückgehen. Laut James Brückner, Abteilungsleiter für Arten- und Naturschutz beim Deutschen Tierschutzbund, unterscheiden Vogelkundler zwei große Routen, auf denen die meisten Langstreckenzieher aus Europa unterwegs sind: Die Südwest- und die Südostroute. Erstere führt von Deutschland über Frankreich, Spanien und die Straße von Gibraltar nach Nordafrika. Letztere über Österreich, Ungarn und das ehemalige Jugoslawien zunächst nach Griechenland. In der Nähe von Istanbul überqueren die Vögel den Bosporus, überfliegen die Türkei und rasten später in Israel. Von dort aus geht es weiter nach Nordafrika. In Ägypten und im Sudan überqueren viele Vögel die Sahara, andere wählen Äthiopien, Uganda oder andere ostafrikanische Länder als Ziel. Segelflieger halten sich strikt an ihre Routen und fliegen nur über Land. Kleinere Singvögel folgen weniger klar definierten Strecken und scheuen sich nicht, über Wasser zu fliegen. „Insbesondere auf der Südostroute kommen viele Vögel in Bedrängnis“, so Brückner.

© Foto: picture alliance / AP Images / David Guttenfelder; Illustration: dworak & kornmesser

KLIMAWANDEL MACHT DEN VÖGELN ZU SCHAFFEN Mit welchen Gefahren müssen die Tiere rechnen? Vogelkundler sind sich einig, dass die rasante Veränderung der Landschaft und der Klimawandel für die Vögel am problematischsten sind. „In Afrika passiert gerade dasselbe wie bei uns vor 100 Jahren“, sagt Alexander Heyd, Geschäftsführer des Vereins „Komitee gegen den Vogelmord“, Mitgliedsverein des Deutschen Tierschutzbundes. Die Bevölkerung wachse, die Landwirtschaft werde industrialisiert. In der Folge entstehen mehr besiedelte Gebiete und riesige Ackerflächen, gemacht für große Maschinen statt traditionelle Ochsenpflüge. Hecken, Obstbäume und Sträucher verschwinden, es werden massiv Pestizide verspritzt. Darunter oft Mittel wie DDT, die in Europa nicht zugelassen sind und in Afrika in unkontrollierten Mengen eingesetzt werden. Andernorts verschärfen zunehmende Versteppung, das Verschwinden von Mooren und Feuchtgebieten, Brandrodung und Überweidung die Lage noch. „Das raubt den Vögeln Millionen Hektar Lebensraum und verknappt ihr Nahrungsangebot“, sagt Heyd. Durch den Klimawandel gerät zudem der Terminplan der Tiere durcheinander: „Gegenläufige Klimatrends in Afrika und Europa, Dürren und Unwetter machen den Tieren zu schaffen. Weil der Frühling in Europa immer früher beginnt, kehren viele zu spät zurück, um noch gute Brutplätze und genug Nahrung zu finden“, weiß Brückner.

0,5 Mio.

illegal getötete Vögel pro Jahr

Kroatien

0,3 Mio.

illegal getötete Vögel pro Jahr

Albanien

Ein zweites Problem sind Hindernisse wie ungesicherte Stromleitungen, Windkraftanlagen, Hochhäuser und Leuchttürme. Vor allem großen Segelfliegern werden Stromleitungen und Windräder oft zum Verhängnis. „Diese Vögel folgen ihren Routen strikt. Hindernisse an wichtigen Knotenpunkten kosten deshalb vielen Tieren das Leben“, sagt Lachmann. Obwohl die absoluten Zahlen auf dem Papier nicht dramatisch aussehen, so ist es die Realität doch. „Für die Population mancher Arten ist schon der Verlust weniger Tiere gravierend“, erklärt der NABU-Experte. Das liegt am Überlebensprinzip der Tiere: Störche, Pelikane, Reiher oder Adler haben eine hohe Lebenserwartung, bekommen aber nur wenige Junge. Sterben zu viele Tiere frühzeitig, gefährdet das ihre Art. „Deshalb lohnt es sich, Stromleitungen durch einfache Maßnahmen abzusichern und keine Windkraftanlagen an Knotenpunkten zu bauen – oder diese in der Zugzeit abzuschalten“, betont Lachmann. Ein Beispiel aus Deutschland verdeutlicht das: In Brandenburg starben noch vor zwei Jahren 98 Weißstörche durch Strom. Durch einfache Umrüstungen sank diese Zahl im vergangenen Jahr auf zwei tote Störche. Weit oben auf der Liste der Gefahren steht außerdem der illegale Vogelfang. Ein von der Organisation BirdLife International veröffentlichter Report belegt sein Ausmaß: Jährlich fallen allein im Mittelmeerraum rund 25 Millionen Vögel der illegalen Jagd zum Opfer. Addiert man die legal getöteten Tiere hinzu, kommt man – optimistisch geschätzt – schnell auf rund 40 Millionen. Sie werden mit

Griechenland

0,7 Mio.

illegal getötete Vögel pro Jahr

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AKTUELL

riesigen Netzen und Leimfallen gefangen oder mit Waffen direkt vom Himmel geschossen. Manchmal zum Verzehr und Verkauf, häufig aber auch aus traditionellen Gründen oder einfach zum Spaß und Zeitvertreib.

DER VOGELFANG GEFÄHRDET VIELE ARTEN

2

1 Mitarbeiter des „Komitees gegen den Vogelmord“ halten nach Vogeljägern Ausschau. 2 Glück gehabt: Ein Helfer schneidet eine Vogelfalle vom Baum.

2,3 Mio.

Syrien

DU UND DAS TIER 3/2016

Libanon

3,9 Mio.

Libyen

illegal getötete Vögel pro Jahr

Ägypten

illegal getötete Vögel pro Jahr

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0,5 Mio.

illegal getötete Vögel pro Jahr

illegal getötete Vögel pro Jahr

Zypern

2,6 Mio.

5,7 Mio.

illegal getötete Vögel pro Jahr

© Fotos: Komitee gegen den Vogelmord e.  V.

1

Spitzenreiter dieser traurigen Liste ist Ägypten: Dort werden jährlich 5,7 Millionen Singvögel gefangen. Noch ist es für die Experten schwierig, verlässliche Zahlen zu nennen. Wahrscheinlich ist aber: Der Vogelfang ist für bestimmte Arten ein Problem und dezimiert die Bestände mancher Zugvögel. „Der Blutzoll dürfte sich zum Beispiel bei Turteltauben, Wachtelkönigen, Pirolen, Nachtigallen, Neuntötern, Schreiadlern, Mauerseglern und Weißstörchen bemerkbar machen“, so Lachmann. Neben Ägypten ist der Fang auch im Libanon, Syrien, Jordanien, Saudi-Arabien und Libyen verbreitet, außerdem in Frankreich, Griechenland, Zypern, Malta, Italien und Spanien. Die europäischen Länder sind der Grund dafür, dass Alexander Heyd vom „Komitee gegen den Vogelmord“ nicht glücklich darüber ist, dass Ägypten im Mittelpunkt der Debatte steht. „Bevor wir mit dem Finger auf andere zeigen, sollten wir vor der eigenen Türe kehren. Ein erheblicher Teil der Vogeljagd findet schließlich innerhalb der EU statt.“ Dort gilt eigentlich seit 1979 eine umfassende Vogelschutzrichtlinie, die allerdings von einigen Staaten mit Verweis auf ihre Traditionen und eine starke Jagdlobby ausgehöhlt wird. „Frankreich, Malta und Italien sind wahre Könige im Erteilen von Sondergenehmigungen und im Fälschen von Zahlen“, sagt Heyd, dessen Verein gegen das illegale Töten kämpft. Die Organisation betreibt Vogelschutzcamps vor Ort, schult und unterstützt lokale Behörden, dokumentiert Missstände, klagt vor Gericht und betreibt Lobbyarbeit in Brüssel. Deutschland ist nicht außen vor. Auch dort gibt es immer weniger Insekten und Lebensräume für Vögel. Die Brutgebiete werden knapper, Gärten sind so akkurat angelegt, dass Vögel und Insekten sich dort nicht mehr wohlfühlen und bei der Sanierung von Häusern wird zu wenig auf den Vogelschutz geachtet. Außerdem nimmt die illegale Verfolgung von Greifvögeln stetig zu. Was also kann man tun? Oft helfen den Tieren schon kleine Maßnahmen wie eine wilde Ecke im Garten oder ein spezieller Dachziegel, der ihnen Nistmöglichkeiten bietet. „Zugvögel sind dreifach anfällig. Sie brauchen geeignete Brut-, Rast- und Überwinterungsgebiete – alle müssen besser geschützt werden, aber zumindest bei ersteren kann jeder aktiv mithelfen.“


§ NACH-

GEFRAGT!

RECHTLICHE TIPPS

© Foto: Deutscher Tierschutzbund e.  V.

EVELYN OFENSBERGER, LEITERIN DER RECHTSABTEILUNG DES DEUTSCHEN TIERSCHUTZBUNDES Anna T. aus Magdeburg fragt: „Ich möchte am Wochenende shoppen gehen. Ist es rechtens, meinen Hund so lange im in der Tiefgarage abgestellten Auto zu lassen?“ Evelyn Ofensberger: In der Tiefgarage entfällt zumindest die Gefahr der Sonneneinstrahlung, die dazu führt, dass sich der Innenraum des Autos in kürzester Zeit stark aufheizt. Für den Hund kann das lebensbedrohlich enden. Zu beachten ist allerdings, dass der Gesetzgeber für die Hundehaltung in der Tierschutz-Hundeverordnung (BGBl I Seite 4145) konkrete Vorgaben niedergelegt hat. So muss der Hundehalter stets für ausreichend Frischluft und angemessene Lufttemperaturen sorgen, wenn ein Hund ohne Aufsicht im Fahrzeug zurückbleibt (§ 8 TierSchHundeV). Zudem hat der Hundehalter dafür zu sorgen, dass dem Hund ausreichend frisches Wasser zur Verfügung steht. Wegen der schlechten Luftqualität in der Tiefgarage sollte das Tier dort so kurz wie möglich untergebracht sein. Ein viele Stunden oder gar Tage andauerndes Abstellen des Wagens in der Tiefgarage, in dem sich ein Hund befindet, ist schon aus Tierschutzgründen abzulehnen. Eine dauerhafte Hundehaltung im Auto ist verboten. Unser Service – das dazugehörige Urteil zum Nachlesen: AG Stuttgart, Beschluss vom 18.09.2013, 4 K 28/22/13 Lars M. aus Mannheim fragt: „Ich möchte Hühner im Garten halten. Muss ich meine Nachbarn vorher informieren?“ Evelyn Ofensberger: Die Haltung von einem Hahn und vier Hennen im Garten ist auch in einem reinen Wohngebiet ohne baurechtliche Bedenken erlaubt. Hühner gelten als Kleintiere und Kleintieranlagen sind nach der Baunutzungsverordnung bundesweit erlaubt. Das Maß der privaten Hühnerhaltung wird

AKTUELL

In der letzten Ausgabe haben wir dazu aufgerufen, uns Ihre Fragen rund um gesetzliche Regelungen zur Haltung von Tieren zu schicken. Evelyn Ofensberger, Leiterin der Rechtsabteilung des Deutschen Tierschutzbundes, beantwortet ausgewählte Fragen in unserer Serie. aber unangemessen überschritten, wenn der Tierbestand einen Hahn und 20 Hennen überschreitet. Auch bei geringer Anzahl der gehaltenen Hennen ist es ratsam, die Nachbarn vorher zu informieren, da nicht alle Menschen Hühner lieben oder frühmorgens vom Hahn geweckt werden wollen. Es gibt zahlreiche Urteile, die den Hühnerhalter verpflichten, dafür zu sorgen, dass seine Tiere von 19 Uhr bis 8 Uhr schalldicht untergebracht sind. Hintergrund ist, dass die Tiergeräusche das ortsübliche Maß überschreiten und der Nachbar diese unzumutbare Lärmbelästigung gemäß §§ 906, 1004 BGB nicht dulden muss. Die dazugehörigen Urteile zum Nachlesen: OVG Rheinland-Pfalz, 8 B 11048/06, LG Lübeck, 14 S 330/04 und LG München I, 30 O 1123/87 Sophie K. aus Ravensburg fragt: „Ich habe das Gefühl, dass meine Nachbarin sehr viele Tiere in ihrer Wohnung hält – vor allen Dingen Katzen. Sollte ich den Eigentümer ansprechen?“ Evelyn Ofensberger: Wenn Sie den Eindruck haben, dass es den Tieren nicht gut geht, sie also unterernährt oder krank sind, sollten Sie das Veterinäramt informieren. Nur dieses ist befugt, der Tierhalterin Auflagen zu machen, die zum Beispiel vorsehen, den Tierbestand zu reduzieren. Wenn Sie selbst durch die übermäßige Katzenhaltung unzumutbar belästigt werden, weil es im Hausgang dauerhaft unangenehm riecht, dann sollten Sie den Eigentümer ansprechen. Dieser muss dafür sorgen, dass diese Belästigung beseitigt wird, andernfalls haben Sie das Recht, Ihre Miete zu mindern. Die Haltung von Katzen zählt zum „üblichen Mietgebrauch“, die grundsätzlich nicht verboten werden darf, solange die Tierhaltung nicht stört. Für eine 42 Quadratmeter große Wohnung wird die Haltung von bis zu vier Katzen als angemessen erachtet. Hält der Eigentümer zu viele Tiere, darf der Vermieter das Mietverhältnis kündigen – allerdings nur dann, wenn der Mieter nichts an der Situation ändert. Die dazugehörigen Urteile zum Nachlesen: KG Berlin, 24 W 6772/90 und KG Berlin, 8 U 125/04

AKTIV Haben Sie auch Fragen, die das Tierschutzrecht betreffen? Dann schicken Sie diese per E-Mail an die Redaktion von DU UND DAS TIER: redaktion@tierschutzbund.de. DU UND DAS TIER 3/2016

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AKTUELL

MIT RECHT FÜR TIERE In Deutschland leben etwa 37 Millionen Puten in konventioneller Haltung. Unerträgliche Schmerzen – das ist das, was das Leben dieser Tiere bestimmt. Der Deutsche Tierschutzbund will das ändern und klagt gegen den Neubau einer Mastputenanlage in Warendorf. Von Verena Jungbluth

Auf engstem Raum zusammengepfercht, ohne Tageslicht und mit so einer schweren Brust, dass sie am Ende nicht mehr aufstehen können: Das Leben von Mastputen ist eine Qual. Bisher gibt es für ihre Haltung keine gesetzlichen Vorgaben – das Leid der Tiere findet innerhalb freiwilliger Vereinbarungen und im groben Rahmen des Tierschutzgesetzes statt. Die Verbandsklage gibt anerkannten Tierschutzverbänden nun die Möglichkeit, rechtlich gegen die Genehmigung dieser und anderer tierschutzwidriger Haltungsbedingungen vorzugehen. Der Deutsche Tierschutzbund kämpft seit Jahren für ein Klagerecht von Tierschutzverbänden und hat bereits 2007 eine entsprechende Resolution verfasst. Mit Erfolg: Inzwischen haben sieben Bundesländer die Tierschutzverbandsklage eingeführt. In Nordrhein-Westfalen ist der Deutsche Tierschutzbund klageberechtigt. Allerdings erlaubt die Verbandsklage nur, gegen Behördenentscheidungen zu klagen. „Bei Tieren in der Landwirtschaft ist das jedoch schwieriger, weil hier die in den Anträgen beschriebene Haltung der Tiere der gültigen Nutztierhaltungsverordnung entspricht. Diese Verordnung verstößt aus unserer Sicht gegen Grundvoraussetzungen artgerechter Tierhaltung“, erläutert Evelyn Ofensberger, Leiterin der Rechtsabteilung des Deutschen Tierschutzbundes.

Auf engstem Raum zusammengepfercht – so sieht das Leben der Mastputen in der Regel aus.

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www.tierschutzbund.de/verbandsklage Erfahren Sie alles über die Verbandsklage und das Engagement des Deutschen Tierschutzbundes. Unterstützen Sie unsere Protestaktion für ein bundeseinheitliches Verbandsklagerecht mit Ihrer Stimme.

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Gegen den Bau der Mastputenanlage in Warendorf kann der Deutsche Tierschutzbund klagen, weil es für Puten keine Nutztierhaltungsverordnung gibt. Bereits im Vorfeld des Bauantrags hat der Verband gemeinsam mit seinem Landestierschutzverband Nordrhein-Westfalen auf die tierschutzrechtlichen Missstände aufmerksam gemacht. Leider ohne Erfolg – die Behörde genehmigte den Bau. Durch die eingereichte Klage liegen die Pläne des Putenmästers nun jedoch brach. Die Behörde muss rechtfertigen, warum sie den Bau genehmigte. Anschließend wird das Verwaltungsgericht prüfen, ob und wie das Vorhaben mit dem Tierschutzgesetz vereinbar ist. Trotz einiger Schwierigkeiten ist die Verbandsklage ein Meilenstein für den Tierschutz. Dass sie an Bedeutung gewinnt, zeigt auch die erste wissenschaftliche Fachtagung zur tierschutzrechtlichen Verbandsklage, die an der Humboldt-Universität in Berlin stattgefunden hat. Neben führenden Juristen nahm auch der Deutsche Tierschutzbund daran teil. „Wir werden uns zukünftig nicht nur für Puten einsetzen. Neben möglichen Mitwirkungsrechten und Klagen in den Bereichen Tierversuche, -zucht, -haltung und -handel ist es unser Ziel, die Nutztierhaltungsverordnung so zu gestalten, dass den Tieren in der Landwirtschaft ein artgerechtes Leben möglich wird. Zudem kämpfen wir weiter für ein einheitliches Tierschutz-Klagerecht in ganz Deutschland“, so Ofensberger.

© Foto: A. Farkas/afi

KEINE MASTPUTENANLAGE IN WARENDORF


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UNGEBORENE © Fotos: CLIPAREA.com - Fotolia; ALEX MALIKOV vk.com/alex_malikov - Fotolia; Ilustrattion: dworak & kornmesser

ROHSTOFFLIEFERANTEN Fötales Kälberserum (FKS) ist ein beliebter Zusatz für Zellkulturmedien, es dient sozusagen als „Futter“ für menschliche und tierische Zellen in den Labors der Welt. Dies macht FKS begehrt, doch den Preis dafür zahlen die Tiere. Von Tilo Weber

Weltweit werden Millionen trächtiger Rinder geschlachtet und die ungeborenen Kälber als „Schlachtabfall“ entsorgt. In Argentinien, Australien und Neuseeland, aber auch manchen EU-Ländern wie Frankreich, droht den Kälbern ein noch schrecklicheres Schicksal. In den Schlachthöfen wird mit einer Spritze aus ihrem noch schlagenden Herz so viel Blut wie möglich entnommen, um so den Grundstoff zur Herstellung von FKS zu gewinnen. Diese Prozedur geschieht ohne Betäubung, obwohl es deutliche Hinweise darauf gibt, dass die Kälberföten bereits leidensfähig sind.

ALTERNATIVEN OHNE TIERLEID

Das Kalb wurde seiner Mutter aus dem Bauch geschnitten. Aus seinem schlagenden Herz wird Blut entnommen – daraus entsteht fötales Kälberserum.

Es gibt jedoch Alternativen zu FKS. Optimal sind künstliche Nährstoffmedien, welche alle notwendigen Bestandteile einer gesunden „Zellernährung“ enthalten. Es ist im erhöhten Interesse für den Tierschutz, dass auch die in einigen Alternativmethoden zu Tierversuchen verwendeten Zellkulturen ein FKS-freies Medium enthalten. Hierzu gibt es bereits Initiativen für die Entwicklung von Ersatzprodukten, und auch im Zellkulturlabor der Akademie für Tierschutz des Deutschen Tierschutzbundes in Neubiberg bei München wird daran geforscht. In einer weiteren Initiative hat nun die Stiftung zur Förderung der Erforschung von Ersatz- und Ergänzungsmethoden zur Einschränkung von Tierver-

suchen (SET), in der der Deutsche Tierschutzbund den Vorsitz hat, einen wissenschaftlichen Workshop gefördert. In diesem haben internationale Experten aus Universitäten, Industrie, Behörden und Tierschutz in der Akademie für Tierschutz darüber beraten, welche tierleidfreien Alternativen zu FKS möglich sind und wie man voranbringen kann, diese anzuwenden. Die Teilnehmer des Workshops beurteilten den Einsatz von FKS als wissenschaftlich und ethisch höchst problematisch. Sie betonten allerdings, dass praktikable Alternativen ohne Tierleid vorhanden sind. Diese müssen besser beschrieben und der wissenschaftlichen Öffentlichkeit bekannt gemacht werden. Hierfür erarbeiteten die Teilnehmer konkrete Lösungsmöglichkeiten. Der Deutsche Tierschutzbund kämpft weiter für den Ersatz von fötalem Kälberserum und eine bessere und sichere wissenschaftliche Forschung durch moderne tierleidfreie Methoden. DU UND DAS TIER 3/2016

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Aufgrund des Fleischhungers der Menschen müssen immer mehr Regenwälder weichen, um neue Weideflächen für Rinder zu schaffen.

FLEISCH HUNGER Klimawandel und Ernährung der Weltbevölkerung – die Menschheit steht vor großen Herausforderungen. Wer sich vegan ernährt, trägt nicht nur zum Tierschutz bei, sondern auch zum Erhalt der Regenwälder und leistet einen großen Beitrag zum Klimaschutz. Von Verena Jungbluth

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308 Millionen Tonnen Fleisch – so viel produziert die globale Industrie jährlich. Das ist nicht nur die vierfache Menge als noch vor 50 Jahren, die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) erwartet mit der wachsenden Weltbevölkerung bis zum Jahr 2050 einen weiteren Anstieg auf 455 Millionen Tonnen. Alleine in Deutschland sterben schon heute jährlich etwa 700 Millionen Tiere, weltweit sind es 56 Milliarden – Meeresbewohner nicht eingerechnet. Auch wenn die Werbung nach wie vor den Eindruck von Idylle und Bauernhofromantik vermittelt, ist eigentlich jedem klar, dass diese Dimension


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der industriellen Fleischproduktion großes Tierleid verursachen muss. Auch auf den Rest der Welt hat der Fleischhunger der Menschheit besorgniserregende Auswirkungen.

© Fotos: picture-alliance/dpa/epa efe Marcelo Sayao; Andre Nery - Fotolia

REGENWÄLDER VERSCHWINDEN Gigantische Weiden und mehr als 200 Millionen Rinder – Brasilien ist der weltweit größte Exporteur von Rindfleisch. Um immer neue Weideflächen zu erschließen, hat die Landwirtschaft bereits 80 Prozent des brasilianischen Regenwaldes vernichtet. Auch der Anbau von Getreide verschlingt unzählige Hektar Wald; Lateinamerika gehört zu den Hauptexporteuren. Dabei ist vor allem Soja aufgrund des hohen Eiweißgehaltes eines der Hauptfuttermittel für Tiere. „Das weitverbreitete Vorurteil, dass Veganer mit dem Verzehr von Tofu und Co. die Abholzung unterstützen, ist unbegründet. Tatsächlich werden nur etwa zwei Prozent der jährlichen Sojaproduktion direkt für die menschliche Ernährung Alleine durch den Anbau verwendet. Und was von Soja verschwinden hierzulande auf dem jährlich circa 1,4 Millionen Teller landet, stammt in Hektar Regenwald. der Regel aus europäischem Anbau“, so Dr. Tanja Straka, Fachreferentin für Vegetarismus beim Deutschen Tierschutzbund. Obwohl die Regenwälder heute nur noch knapp vier Prozent der gesamten Erde bedecken, lebt in ihnen gut die Hälfte aller Tierarten. Mit dem Verschwinden der Wälder verlieren unzählige Tiere ihren Lebensraum. Schätzungen einiger Experten zufolge sterben täglich 70 Arten aus. In einer kürzlich erschienenen Studie haben österreichische Forscher untersucht, wie sich die unterschiedlichen Ernährungsformen auf die Regenwälder auswirken: Mit dem Ergebnis, dass am wenigsten Wälder sterben müssten, wenn sich die Weltbevölkerung vegan ernähren würde. „Auch wenn dieses Szenario eine hypothetische Welt beschreibt, wird zukünftig die Ernährung darüber entscheiden, wie viele der ursprünglichen Wälder erhalten bleiben“, so Dr. Straka weiter. Zusätzlich beschleunigt das weltweite Abholzen den Klimawandel. Je mehr Bäume verschwinden, desto weniger Kohlenstoffdioxid (CO2) können sie binden. Eine höhere Konzentration von CO2 in der Atmosphäre trägt wiederum zur Erderwärmung bei. Methan-Emissionen aus der Tierhaltung, Dünger sowie Lachgas-Emissionen aus landwirtschaftlich genutzten Böden – die Ernährungsgewohnheiten der Menschen haben einen wesentlich größeren Einfluss auf das globale Klima als bisher angenommen. Der Agrarsektor stößt mehr Treibhausgase aus als der gesamte Verkehrsbereich. Im Gegensatz zum Fleisch entstehen die meisten klimaschädlichen Gase bei

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www.tierschutzbund.de/vegetarismus Hier finden Sie weitere Hintergrundinformationen zur veganen und vegetarischen Ernährung.

pflanzlichen Produkten erst beim Transport – in ihrer Menge stehen sie in keinem Verhältnis zu dem, was die Tierhaltung produziert.

HUNGER UND WASSERMANGEL Die Massentierhaltung hat eine solche Dimension erreicht, dass die landwirtschaftlich genutzten Tiere mit den Menschen um die gleiche Nahrung „konkurrieren“. So bedarf es 13 Kilogramm Getreide und 30 Kilogramm Heu, um ein Kilogramm Rindfleisch zu produzieren. Von dem Getreide würden deutlich mehr Menschen satt werden. Aber: Die Fleischindustrie verlangt den Import riesiger Mengen Futter – auch aus Regionen, in denen Menschen hungern. Drei Viertel des globalen Ackerlandes dienen der Tierfütterung. Zusätzlich verbraucht die Landwirtschaft etwa 70 Prozent des weltweiten Trinkwassers. Experten schätzen, dass in den nächsten zehn Jahren rund 64 Prozent der Menschen von einem extremen Wassermangel betroffen sind. Um ein Kilogramm Fleisch zu produzieren, werden je nach Tierart bis zu 20.000 Liter Wasser benötigt. Für ein Kilogramm Weizen braucht ein Landwirt weniger als ein Zehntel davon. Laut einer Studie des Worldwatch Institute verbraucht eine Person mit einer Standardernährung in den USA pro Tag fast 14-mal mehr Wasser als jemand, der sich vegan ernährt. Jeder Mensch hinterlässt auf dieser Erde einen ökologischen Fußabdruck. Dieser zeigt uns, wie groß die Fläche ist, die wir zum Leben brauchen, und er errechnet sich aus allen Ressourcen, die ein Mensch für den Alltag benötigt. Damit alle Menschen und Tiere auf dieser Welt genügend Platz haben und unser Planet eine Zukunft hat, sollte jeder nicht nur an sich selbst, sondern auch an den Rest der Welt denken. Wer Fleisch von seinem Speiseplan streicht, reduziert seinen ökologischen Fußabdruck der Nahrung schon um die Hälfte – das wäre doch schon ein kleiner Anfang.

Der normale Fleischesser erzeugt durch seine Ernährung 2,5-mal mehr CO2 als jemand, der sich vegan ernährt. Fleischverzehr* = 7,3 kg CO 2

Veganer = 2,9 kg CO2

Vegetarier = 3,9 kg CO2

*H  ierbei handelt es sich um den durchschnittlichen Fleischverzehr von über 100 g/Tag. DU UND DAS TIER 3/2016

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Tierschutz mit Herz und Verstand wird beim Deutschen Tierschutzbund großgeschrieben. Zum 30-jährigen Bestehen der Akademie für Tierschutz als Kompetenzzentrum des Deutschen Tierschutzbundes feierten die Mitarbeiter zusammen mit geladenen Gästen diesen besonderen Tag.

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Von Nadia Wattad

Neubiberg – ein idyllischer Ort unweit von München mit 14.000 Einwohnern. Hier ist die Akademie für Tierschutz des Deutschen Tierschutzbundes zu Hause. Seit 30 Jahren arbeiten hier wissenschaftliche Mitarbeiter aus den Bereichen Agrarwissenschaften, Biologie, Tiermedizin und Recht zusammen, die aktuelle Tierschutzprobleme dokumentieren, bewerten und fachliche Lösungsansätze erarbeiten.

© Fotos: Deutscher Tierschutzbund e. V.

1 Am Jubiläumstag ist der Weg zur Akademie festlich geschmückt. 2 V. l. n. r.: Dr. Brigitte Rusche, Vizepräsidentin des Deutschen Tierschutzbundes (DTSCHB) und Leiterin der Akademie für Tierschutz, Roman Kolar, stellvertretender Leiter der Akademie für Tierschutz, und Reineke Hameleers, Direktorin der Eurogroup for Animals. 3 Thomas Schröder, Präsident DTSCHB, am Podium.


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© Fotos: Deutscher Tierschutzbund e. V.

1 V. l. n. r.: Dr. Hans-Hermann Lambracht (DTSCHB), Gerd Fischer, Vorsitzender Landestierschutzverband Thüringen, und Wolfgang Apel, Ehrenpräsident DTSCHB. 2 V. l. n. r.: Kurt Beck, Mitglied im erweiterten Präsidium des DTSCHB und Ministerpräsident a. D., im politischen Austausch mit Anette Kramme, MdB und parlamentarische Staatssekretärin (SPD). 3 V. l. n. r.: Dr. Holger Vogel, Präsident des bpt, und Dr. Siegfried Moder (bpt). 4 V. l. n. r.: Dr. Iris Fuchs im Gespräch mit Renate Seidel, Vizepräsidentin DTSCHB. 5 Dr. Brigitte Rusche, Vizepräsidentin DTSCHB, und Günter Heyland, amtierender Bürgermeister von Neubiberg. 6 V. l. n. r.: Bernhard Kühnle (BMEL) im Gespräch mit Dr. Brigitte Rusche und Jochen Dettmer (Neuland). 7 V. l. n. r.: Maria Haase, Rechtsabteilung DTSCHB, und Jürgen Plinz, Schatzmeister DTSCHB. Bei der Eröffnung der Akademie am 21. Juni 1986 gab sich kein Geringerer als der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl die Ehre – schließlich war die Tierschutzakademie schon damals die erste ihrer Art in Europa. Sie konnte auf einem Grundstück errichtet werden, das der Neubiberger Buchhändler Adolf Hempel auf Anregung seiner tierschutzengagierten Tochter Elfriede Falk dem Deutschen Tierschutzbund testamentarisch übereignet hatte. Die Akademie für Tierschutz sollte Begegnungs-, Diskussions-, Forschungs- und

Ausbildungsstätte in einem sein – Aufgaben, die sie bis heute prägen. Mit viel Liebe zum Detail und hohem persönlichen Einsatz trieb der damalige Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, der Münchner Rechtsanwalt Dr. Andreas Grasmüller, den Bau voran. Was 1986 mit zwei wissenschaftlichen Mitarbeitern begann, hat sich während der Präsidentschaft von Wolfgang Apel und unter der Leitung von Dr. Brigitte Rusche zu einem 40-köpfigen Team entwickelt. Bis 1995 zogen alle Fachreferate des Deutschen Tierschutzbundes

von der Bundesgeschäftsstelle in Bonn in die Akademie für Tierschutz um. Das 30-jährige Jubiläum, das rund 100 geladene Gäste gemeinsam mit den Mitarbeitern der Tierschutzakademie feierten, fand an einem schönen Sommertag statt, an den sich die Gäste auch dank der aus dem Westdeutschen Rundfunk bekannten Moderatorin Simone Sombecki sicherlich noch lange erinnern werden. Sombecki eröffnete den Jubiläumstag. Dr. Brigitte Rusche, Leiterin der Akademie für Tierschutz und Vizepräsidentin des Deutschen DU UND DAS TIER 3/2016

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Die Preisträger des TiBu, Prof. Dr. Achim Spiller, Silvia Liebrich, Christian Rohde (v. l. n. r., letzte Reihe) und Stephanie Weigel (3. v. l.) zusammen mit dem Präsidium des Deutschen Tierschutzbundes und WDR-Moderatorin Simone Sombecki (4. v. l.).

Lebensmittelsicherheit, Veterinärwesen im Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft in Bonn, hielt danach seine Ansprache. „Wir schätzen die Zusammenarbeit und die Fachexpertise, die hier in der Akademie erbracht wird“, betonte Kühnle und überbrachte die Grüße des Bundesministers Christian Schmidt.

DIE AKADEMIE IST ZUKUNFTSWEISEND Roman Kolar, stellvertretender Leiter der Akademie, stellte in seinem Vortrag dar, dass die Einrichtung des Deutschen Tierschutzbundes trotz aller Erfolge in den letzten drei Jahrzehnten stets die kommenden Herausforderungen im Blick habe. „Diesen stellen wir uns heute und in der Zukunft“, so Kolar. Zudem gehe es in der Akademie um die Vermittlung von Tierschutzwissen. „In der Akademie gibt es ein umfangreiches Aus- und Fortbildungsangebot, wir beraten in Tierschutzfragen, und insbesondere erarbeiten wir hier die fachlichen Grundlagen für die Öffentlichkeitsarbeit, aber auch die politischen, rechtlichen und anderweitigen gesellschaftlichen Initiativen des Deutschen Tierschutzbundes“, erläuterte Kolar. Er informierte die Gäste, dass diese fachlichen Grundlagen die wissenschaftlichen Mitarbeiter auf der Basis von sorgfältiger Recherche, teils auch eigener Forschung sowie im fachlichen Diskurs mit Dritten erlangten. Danach stellte er die unterschiedlichen Abteilungen der Akademie vor: Alternativmethoden zu Tierversuchen, Artenschutz, Tiere in der Landwirtschaft, Heimtiere, Vegetarismus, die Tierheimberatung und die Rechtsabteilung. „Dass Tiere nach dem BGB keine ‚Sachen‘ mehr sind, der Tierschutz 2002 als Staatsziel in die bundesdeutsche Verfassung aufgenommen wurde oder die Einführung des Verbandsklagerechtes für Tierschutzverbände in manchen Bundesländern in den letzten Jahren: Für all diese Fortschritte im Recht,

© Fotos: Deutscher Tierschutzbund e.V.

Tierschutzbundes, übernahm anschließend das Wort. Sie war es, die die Akademie von Beginn an miterlebte und die ihren Wohnort 1989 von Bonn nach München verlagerte. „30 Jahre Akademie für Tierschutz bedeuten für mich persönlich zahlreiche spannende Begegnungen und Diskussionen, Erfahrungen und Erkenntnisse im Umgang mit Mensch und Tier, die ich nicht missen möchte“, erinnert sich Dr. Rusche. Alternativmethoden zu den grausamen Tierversuchen voranzutreiben, stand zu Beginn im Zentrum des tierschützerischen Engagements. „Wir wollten ansetzen, wo damals die Entwicklung stecken blieb, und so einen konkreten Beitrag zur Abschaffung von Tierversuchen leisten“ , so Dr. Rusche. Und das mit Erfolg: So wurden in dem akademieeigenen Labor zusammen mit Kooperationspartnern zwei Testverfahren weiterentwickelt, mit denen Tierleid verhindert wurde. Darüber hinaus bauten die Mitarbeiter in der Akademie die erste Datenbank für Alternativmethoden auf. „Exemplarisch Lücken aufzeigen, Entwicklungen anstoßen, beispielhaft zeigen, wie Probleme praktisch gelöst werden können, um Tiere zu schützen, diesen Weg verfolgen wir bis heute“, resümierte Dr. Rusche. Zuletzt sprach sie allen Mitstreitern und Entscheidungsträgern des Verbandes ihren Dank aus und hob Wolfgang Apel für seine Unterstützung besonders hervor, der anschließend das Wort ergriff: „Tierschutz mit Herz und Verstand ist die Basis unserer Arbeit. Die Mitarbeiter in der Akademie stellen hierfür die Grundlagen. Wir haben viel geschaffen.“ Neubibergs Bürgermeister Günter Heyland hielt ebenfalls eine kurze Ansprache und überreichte Dr. Rusche im Namen der Gemeinde einen Scheck. Er betonte, dass der von der Akademie vergebene Adolf-Hempel-Jugendtierschutzpreis Anregungen für die Schulen und Kultureinrichtungen bietet. Bernhard Kühnle, Leiter der Abteilung


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die uns natürlich nie weit genug gehen, haben unsere Juristen gestritten“, betonte Kolar. Er ging auch noch mal auf das Labor für Alternativmethoden zu Tierversuchen ein, das sich im Keller der Akademie befindet. „Wir sind glücklich, dass wir vor einiger Zeit mit dem Münchner Unternehmen cellasys einen Kooperationspartner gewonnen haben, der unser Labor noch einmal auf einen neuen technologischen Entwicklungsstand gebracht hat.“ In Führungen konnten die Gäste das Labor kennenlernen. Anschließend nahm Gitarrist Ahmed El-Salamouny die Gäste mit auf eine musikalische Reise durch Brasilien. Anschließend fand die Vergabe des TiBu statt – eine erstmalige Auszeichnung für Beiträge zur Stärkung des gesellschaftlichen Wertewandels hin zu einem Mehr an Tierschutz.

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www.tierschutzbund.de/akademie Hier finden Sie weitere Informationen zur Akademie für Tierschutz sowie die dazugehörige Broschüre und die Festschrift „30 Jahre Akademie für Tierschutz“ zum Herunterladen.

www.duunddastier.de/jubilaeum Noch mehr Eindrücke bietet eine Bildergalerie. Lernen Sie zudem die Preisträger in einzelnen Kurzinterviews besser kennen.

© Fotos: Deutscher Tierschutzbund e.V.

DER WERTEWANDELPREIS TIBU GEHT AN … KATEGORIE FESTIVAL: Kulturfestival Tollwood, München: Das Tollwood München ist bereits seit den Anfängen 1988 ein Forum für Ökologie und Umweltbewusstsein. „Auf Tollwood ist die Welt zu Hause – und dieser Welt fühlen wir uns verpflichtet. Kulturgenuss, Lebensfreude und das Engagement für Mensch, Tier und Umwelt gehören für uns zusammen“, erläutern die Veranstalter. „Dazu gehört auch, dass wir uns über die Grenzen des Festivals hinaus engagieren, zum Beispiel mit ‚Bio für Kinder‘, der Aktion ‚Artgerecht‘ in Kooperation mit dem Deutschen Tierschutzbund oder aktuell als Initiatoren des im Mai 2015 gegründeten Aktionsbündnisses ‚Artgerechtes München‘. Für uns ist dieses Engagement selbstverständlich, weshalb wir uns umso mehr über die Auszeichnung durch die renommierteste Tierschutzorganisation Deutschlands freuen.“

KATEGORIE WISSENSCHAFT: Prof. Dr. Achim Spiller, Göttingen: Als Leiter des Lehrstuhls Marketing für Lebensmittel und Agrarprodukte der Universität Göttingen hat Prof. Spiller maßgeblich die Debatte darüber geprägt, wie Verbraucher transparent über Fragen der Herkunft von Fleisch mitentscheiden können und wollen. Das Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats für Agrarpolitik beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, das er federführend miterarbeitet hat, zeigt zudem Wege zu einer gesellschaftlich akzeptierten Nutztierhaltung auf. „Eine tierfreundliche Haltung von Tieren in der Landwirtschaft ist vielen Verbrauchern wirklich wichtig“, so Spiller. „Wir konnten in unseren Forschungsarbeiten zeigen, dass die Konsumenten hier hochgradig verunsichert sind. Dabei bietet ein Mehr an Tierschutz auch Chancen für die Landwirtschaft, die aber bisher nicht hinreichend genutzt wurden.“

KATEGORIE MEDIEN – PRINT: Silvia Liebrich, München: Die Wirtschaftsredakteurin und Buchautorin Silvia Liebrich arbeitet seit 14 Jahren für die „Süddeutsche Zeitung“ in München. Sie schreibt über das „tierische Geschäft mit dem Fleisch“, den Viehexport in Europa oder vegane Ernährung. „Die Menschheit lebt auf Kosten künftiger Generationen“, schreibt Liebrich in ihrem eigenen Blog „Sofies verkehrte Welt“. „Dieser Lebensstil lässt sich so nicht aufrechterhalten. Neue Ansätze für das Zusammenleben und einen umweltund ressourcenschonenden Umgang mit den lebenswichtigen Ressourcen sind gefragt. Der große Wandel, er hat längst begonnen, und er wird ganze Gesellschaften verändern. Sicher ist auch, dieser Prozess wird nicht reibungslos verlaufen. Aber er kann ungeahnte Chancen bieten, wenn man nur bereit ist, sich auf dieses Abenteuer einzulassen.“

KATEGORIE MEDIEN – TV: Christian Rohde, Berlin: Als stellvertretender Redaktionsleiter beim politischen ZDF-Magazin „Frontal21“ zeigt Christian Rohde in seinen mehrfach ausgezeichneten Reportagen, dass Schweine, Kühe und Hühner vielfach nur als Ware gelten und der Tierschutz oft mit Füßen getreten wird. „Mit ‚Frontal21‘ machen wir auf das Leid von Tieren in der Lebensmittelproduktion aufmerksam, berichten aber auch über die ökonomischen Zwänge von Landwirten, die dazu führen, und konfrontieren die politisch Verantwortlichen. Es ist schön, dass wir dafür ausgezeichnet werden. Dass viele Menschen den Tierschutz an der Ladentheke vergessen, können Journalisten trotzdem schwerlich ändern. Das ist Aufgabe von Landwirten, Lebensmittelproduzenten und Politik. Die Chance und Bereitschaft dazu ist heute aber eher da als noch vor zehn Jahren“, sagt Rohde. DU UND DAS TIER 3/2016

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BONN

Die überarbeitete Jugendwebsite des Deutschen Tierschutzbundes erscheint im neuen Glanz und ist erst seit wenigen Tagen online. Neben tierschutzinteressierten Jugendlichen finden auch Schüler Tipps und Hintergrundinfos für Referate und mehr. Von Dorthe Becker

www.jugendtierschutz.de Reinklicken lohnt sich! Die neue Website lädt nicht nur optisch zu einem Rundgang ein, auch inhaltlich hat sie einiges zu bieten.

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Wie beschäftige ich meinen Hund? Was darf meine Katze fressen? Wie sieht das richtige Gehege für meine Meerschweinchen aus und welche Wildtiere leben direkt vor meiner Haustür? Was kann ich im Alltag für den Tierschutz tun und wie kann ich Tieren in Not helfen? All das und vieles mehr beantworten wir auf unserer neu gestalteten Jugendwebsite www.jugendtierschutz.de. Neben tierschutzinteressierten Jugendlichen finden auch Schüler Tipps und viele Hintergrundinfos für Referate – über Landwirtschaft, Tierversuche, Haustiere und Artenschutz. Wer sich mehr Tierschutz im Unterricht wünscht, kann Tierschutzlehrer aus der Region in seine Schule einladen. Auch wer in einer Jugendgruppe aktiv werden möchte, findet bei uns die

passenden Adressen in seiner Nähe und eine Terminübersicht.

ANSPRECHENDES STREET-ART-DESIGN Optisch erscheint die Seite in einem neuen, frischen Street-Art-Design. Das übersichtliche Menü macht es der jungen Zielgruppe leicht, das passende Thema zu finden: Wo kann ich Tieren helfen, wie bringe ich Tierschutz in die Schule, wo bekomme ich mehr Infos über Tiere und Tipps für den Alltag? Boxen, die wie Polaroid-Bilder anmuten, fallen direkt ins Auge und lotsen zu den passenden Hintergrundinfos, Aktionsideen und Alltagstipps. Ob Smartphone, Tablet oder PC – www.jugendtierschutz.de ist für alle Endgeräte optimiert.

© Fotos: Deutscher Tierschutzbund e. V., Imke Kalbfleisch, Tierschutzverein Pfungstadt und Umgebung e.V.; K.C. - Fotolia

NEUE JUGENDWEBSITE ONLINE


JUGEND

WEITERSTADT

PROJEKTWOCHE TIERSCHUTZ Sechs Schülerinnen das Gymnasiums Gernsheim haben an der Projektwoche Tierschutz des Tierhilfevereins Kellerranch bei Weiterstadt in Hessen teilgenommen. Tierschutzlehrerin Imke Kalbfleisch leitete das Tierschutzprojekt. Als Erstes lernten die Schülerinnen die geretteten Tiere des Gnadenhofes bei einer Hofführung kennen. Anschließend war tatkräftige Mithilfe gefragt: In Zweier-Teams versorgten die Tierfreunde die verschiedenen Gnadenhoftiere. Dabei stand jeden Vormittag eine andere Tiergruppe im Mittelpunkt. Die jungen Tierschützer kümmerten sich um Wildtiere, Pferde und Großtiere wie Rinder und reinigten die verschiedenen Gehege. Dabei verteilten sie jede Menge Streicheleinheiten. Neben dem praktischen Tierschutz beschäftigten sich die Schülerinnen zudem mit dem Thema Zirkustiere – auch einige Tiere auf der Kellerranch sind ehemalige „Showtiere“. Sie blickten hinter die Kulissen der Zirkuswelt und gestalteten einen Infostand zum Thema, den sie als Abschluss der Projektwoche auf dem Schulfest ihres Gymnasiums aufbauten. Dort machten sie Schüler, Besucher und Lehrer auf das Leid der Zirkustiere aufmerksam und verkauften unter anderem selbst gebasteltes Hundespielzeug. Den Erlös dieser tollen Aktion überreichten die Schülerinnen im Anschluss der Kellerranch. 114 Euro kommen jetzt den Tieren des Gnadenhofes zugute.

PFUNGSTADT

MILCH MAL ANDERS

Tipps zur Milchverkostung können Jugendgruppenleiter gerne anfordern unter: info@jugendtierschutz.de

Die Schüler präsentierten in der Projektwoche unter anderem selbst gebasteltes Hundespielzeug. Den Erlös überreichten sie dem Tierhilfeverein Kellerranch.

Die Jugendgruppe des Tierschutzvereins Pfungstadt engagiert sich aktiv für Tiere, egal ob groß oder klein. Die Jugendlichen von acht bis 16 Jahren arbeiten regelmäßig im Tierheim mit und versorgen dort Kaninchen, Meerschweinchen und Katzen und gehen mit den Hunden spazieren. Darüber hinaus interessieren sich die Jugendlichen auch für die Tiere in der Landwirtschaft. In der letzten Zeit haben sie sich ausführlich mit Milchkühen beschäftigt und viel über ihre Bedürfnisse und die Haltungsbedingungen gelernt. Dabei tauchten schnell viele Fragen auf: Warum werden die Kälbchen nach der Geburt so schnell von ihren Müttern getrennt? Warum brennen die Landwirte den Kälbern die Hörner aus und wie läuft so etwas ab? Warum leben die meisten Kühe im Stall, manche sogar angebunden? Die Jugendleiterin Miriam Heß stillte geduldig den Wissensdurst. Die Jugendlichen setzten sich kritisch mit

ihrem eigenen Milchkonsum auseinander und stellten fest, dass in vielen Produkten Milch enthalten ist. So entstand die Idee, Alternativen zur Kuhmilch zu testen. In einer Milchverkostung probierten und verglichen sie die klassischen Milch- und Joghurtprodukte mit Soja-, Reis-, Mandelmilch und Sojajoghurt. Demnächst plant die Jugendgruppe den Besuch eines Hofgutes, um die Tiere in der Landwirtschaft live erleben und noch mehr Fragen stellen zu können. Um mehr Menschen zu informieren, möchten sie zukünftig auf der Website des Tierschutzvereins Pfungstadt darüber berichten. Ihr Motto ist: Auch sogenannte „Nutztiere“ verdienen es, respektvoll behandelt und artgerecht gehalten zu werden. Wir sollten uns alle fragen, ob und wie wir dazu beitragen können. DU UND DAS TIER 3/2016

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WEIL JEDES Dieser Hund befindet sich im Tierschutz- und Kastrationszentrum Odessa in der Obhut der Mitarbeiter.

TIERLEBEN ZÄHLT

Rund 50.000 Hunde haben die Mitarbeiter des Tierschutz- und Kastrationszentrums Odessa inzwischen kastriert. Jetzt rücken die Katzen und Hunde außerhalb des Stadtzentrums in den Mittelpunkt ihrer Arbeit. Von Verena Jungbluth

„Fangen, kastrieren und freilassen“ – so sieht der Alltag im Tierschutz- und Kastrationszentrum des Deutschen Tierschutzbundes in Odessa aus. Rund 20 Tierärzte und Pfleger kümmern sich dort um ihre Schützlinge – Straßenhunde sind das Herzstück der Arbeit. „Durch die Kastrationen und das anschließende Freilassen der Tiere konnten wir die Anzahl der frei lebenden Hunde im Stadtgebiet seit der Eröffnung des Zentrums 2005 auf circa 6.000 Tiere reduzieren. Die Hälfte der verbliebenen Hunde ist bereits kastriert, geimpft und mit einer Ohrmarke gekennzeichnet“, berichtet Wolfgang Apel, Ehrenpräsident des Deutschen Tierschutzbundes, der im Sommer gemeinsam mit Gerd Fischer, Aufsichtsrat der Stiftung Odessa, zu einem Arbeitsbesuch in der Ukraine war. Das Projekt ist einzigartig. Bevor der Deutsche Tierschutzbund mit der Arbeit begann, vermehrten sich die Tiere unkontrolliert und fristeten ein jämmerliches Leben auf der Straße. Um ihrer Herr zu werden, tötete die Stadt jährlich mindestens 10.000 von ihnen. Die Fangdienste erstick-

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ten die Hunde mit Chloroform in einer Tonne – ein grausamer Tod. Das Töten der Tiere ist nicht nur aus Tierschutzsicht abzulehnen. Nach nur kurzer Zeit vermehren sich die übrigen Tiere wieder und die Population steigt erneut massiv an. Zum Glück gehört die sogenannte Budka, das „Todeshaus“, der Vergangenheit an.

GROSSER ZUSPRUCH DER BEVÖLKERUNG Seit 2000 ist der Deutsche Tierschutzbund in Odessa tätig und hat zunächst mit provisorischen Mitteln sowohl in der Budka als auch in eigenen Erstaufnahmelagern mit der Kastration von Hunden begonnen und großen Zuspruch von der Bevölkerung, den Kirchen, der Wissenschaft, von Künstlern und letztlich auch von der Politik erhalten. Jüngst hat Gennadij Truchanov, Oberbürgermeister der Stadt Odessa, Wolfgang Apel mit dem Ehrenzeichen „Anerkennung“ der Stadt ausgezeichnet. Ende letzten Jahres hat das Stadtparlament zudem beschlossen, die gemeinsame Arbeit bis zum Jahr 2021 fortzuführen. Da die Anzahl der Straßenhunde innerhalb des Stadtzentrums so weit unter Kontrolle ist, verlagert sich der Schwerpunkt der Arbeit auf die umliegenden Gemeinden. Dort leben immer noch mehrere Zehntausend Hunde auf der Straße. Das Tierschutzzentrum hat bereits mit acht Gemeinden Vereinbarungen getroffen: Entweder bringen diese die Hunde zur kostenlosen


PROJEKTE

Ursprünglich lebten in Odessa 70.000 Hunde auf der Straße.

aufmerksam, eine Werbefirma stellte Freiflächen zur Verfügung. „Im Oktober startet der Deutsche Tierschutzbund gemeinsam mit der Stadt Odessa eine weitere Kampagne, um sowohl die Bevölkerung als auch die Tierärzte für das Leid der frei lebenden Katzen zu sensibilisieren und sie von der dringend notwendigen Kastration zu überzeugen“, erzählt Apel. Zusätzlich baut das Tierschutzzentrum aktuell die dazugehörige ukrainische Website aus – auch so wird der Tierschutz über die Stadtgrenzen hinaus bekannt.

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ENDSPURT IN KIEW

Behandlung direkt ins Zentrum oder die Tierärzte kastrieren und behandeln die Hunde vor Ort. Voraussetzung ist, dass die Tiere wieder an ihrem Ursprungsort freigelassen und dort von der Bevölkerung versorgt werden. Da einige Gemeinden keine tiergerechten Fahrzeuge besitzen, stellt der Deutsche Tierschutzbund dem Tierschutzzentrum noch im Herbst ein Tierrettungsfahrzeug zur Verfügung – finanziert durch Sonderspenden. Fachkundige Mitarbeiter können die Hunde damit in den Gemeinden abholen und nach der Kastration wieder zurückbringen.

HILFE FÜR DIE KATZEN VON ODESSA Auch wenn der Verband schon früh auf das Leid der oft im Verborgenen lebenden Straßenkatzen aufmerksam gemacht hatte, lag das Augenmerk der Stadt bislang auf den Hunden. Die Tierschützer haben in den letzten Jahren schon über 10.000 Katzen behandelt und kastriert – angesichts der vielen Zehntausenden frei lebenden Tiere ist das ein Tropfen auf den heißen Stein. Plakate machten vermehrt auf die Tierschutzarbeit

In Kiew läuft die Arbeit auf Hochtouren. Nachdem 2012 bekannt wurde, dass anlässlich der Fußballeuropameisterschaft alle Straßenhunde „beseitigt“ werden sollten, hatte der Deutsche Tierschutzbund für das Leben der Tiere gekämpft und mit der Stadt ein Moratorium vereinbart. Ziel war es, 12.000 Straßenhunde auf Kosten des Verbandes zu kastrieren, zu impfen, zu kennzeichnen und wieder freizulassen. Mit Erfolg: Die Tierärzte in den drei städtischen Tierkliniken in Kiew haben seitdem 11.500 Hunde kastriert. Darunter auch Hunde von Haltern, die die Kosten dafür nicht selbst aufbringen können. Das Projekt steht vor dem Abschluss, die Arbeit in Kiew ist voraussichtlich im Frühjahr 2017 getan. Damit die Tierärzte bis dahin noch so viele Tiere wie möglich kastrieren können, machen der Verband und die Stadt nochmals vermehrt in der Bevölkerung auf das Programm aufmerksam. Denn auch privat gehaltene nicht kastrierte Hunde tragen zur Überpopulation bei. Zudem stehen die Außenbezirke der Stadt, in denen geschätzt noch 800 bis 1.000 Straßenhunde leben, bis dahin besonders im Fokus. „Trotz der zwischenzeitlich besonders in der ukrainischen Hauptstadt Kiew widrigen politischen Umstände hat der Deutsche Tierschutzbund nie aufgehört, für die Tiere zu kämpfen. Das Ergebnis der jahrelangen Arbeit liegt nun klar auf der Hand: Wir haben die Geburt und die grausame Tötung von Hunderttausenden Hunden verhindert“, so Apel. Möglich wird dies durch die Förderer dieses einzigartigen Projektes. Weiter ist es das Ziel, die Tierschutzarbeit nicht nur außerhalb von Odessa und Kiew bekannt zu machen. Es bleibt auch zu hoffen, dass sie für andere Regionen Süd- und Osteuropas, in denen Tiere zu einem Leben auf der Straße verdammt sind, zum Vorbild wird.

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1 Katzenwelpen in der Obhut des Tierschutzzentrums in Odessa. 2 Kiew: Wolfgang Apel (rechts) mit Gennadij Plis, 1. Stv. des Oberbürgermeisters. 3 Odessa: Treffen mit Andrej Kotljar, 1. Stv. des Oberbürgermeisters (3. v. l.) und Alexander Ivanizkij, Vorsitzender des Umweltausschusses des Stadtparlamentes (4. v. l).

www.tierschutzbund.de/patenprojekt-odessa Begleiten Sie den Deutschen Tierschutzbund auf seinem Weg und unterstützen Sie seine Arbeit in der Ukraine.

www.duunddastier.de/ukraine

Weitere Eindrücke des tierschützerischen Engagements in der Ukraine erhalten Sie in einer Bildergalerie.

© Fotos: Deutscher Tierschutzbund e. V.

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Die Redaktion von DU UND DAS TIER hat mit Jan Bock, Geschäftsleiter von Lidl Deutschland, über Tierschutz, Nachhaltigkeit und das Tierschutzlabel des Deutschen Tierschutzbundes gesprochen.

FÜNF FRAGEN AN JAN BOCK

Welchen Stellenwert haben Nachhaltigkeit und Tierschutz in Ihrer Einkaufsstrategie? Nachhaltigkeit ist uns wichtig. Das Thema wird durch das Topmanagement von Lidl vorangetrieben und durch eine eigene Abteilung betreut. Das Wohl der Tiere ist für Lidl ebenfalls ein wichtiges Anliegen. Als Gründungsmitglied der Initiative Tierwohl setzt sich Lidl für verbesserte Haltungsbedingungen in der konventionellen Aufzucht ein. Darüber hinaus unterstützt das Unternehmen Projekte und Weiterentwicklungen in diesem Bereich: Als erster Discounter in Deutschland verkaufte Lidl kein Fleisch von betäubungslos kastrierten Ferkeln und unterstützt ein Pilotprojekt, bei dem auf das übliche Kürzen von Hühnerschnäbeln verzichtet wird. Zudem sind Eier bei Lidl regional mit der Premiumstufe des Tierschutzlabels „Für Mehr Tierschutz“ des Deutschen Tierschutzbundes ausgezeichnet und bundesweit mit dem VLOG-Siegel für Gentechnikfreiheit versehen. Die Einlistung von Tierschutzbund-zertifizierten Geflügelprodukten unterstreicht dieses Verantwortungsbewusstsein. Denn Lidl ersetzt konventionelle Produkte mit dem neuen Angebot. Sie werben damit, dass man gutes Fleisch unter anderem an einem guten Preis erkennt und doch sind Billigpreisangebote auch in Ihren Werbezetteln zu finden. Wie lässt sich dies mit dem Tierschutzgedanken vereinbaren? Ein guter Preis und gute Qualität sind bei uns keine Gegensätze. Das zeigt sich ja gerade an den neuen Hähnchenprodukten, die das Tierschutzlabel „Für Mehr Tierschutz“ des Deutschen Tierschutzbundes in der Einstiegsstufe tragen. Die Produkte erfüllen sämtliche Anforderungen des Labels und werden deswegen für den Kunden sichtbar ausgezeichnet. Die niedrigen Preise erzielt Lidl vor allem durch die hohen Abnahmemen-

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gen und optimierte Prozesse. Lidl erfüllt so auch eine wichtige Aufgabe und macht Nachhaltigkeit bezahlbar: In ausgewählten Filialen gibt es Kühltruhen nur für Biofleischprodukte, die so für den Massenmarkt erschwinglich werden. Und für alle, die gerne auch einmal auf Fleisch verzichten, haben wir in jüngster Zeit unser vegetarisches und veganes Sortiment deutlich ausgebaut. Haben Sie nicht auch Sorge, dass die geringen Preise auf Dauer so durchschlagen, dass Landwirte nicht mehr in Tierschutz investieren können? Selbstverständlich wissen wir, dass die Preise für Fleisch niedrig sind. Gleichwohl legen wir Wert darauf, dass unsere Partner nicht beim Tierwohl sparen, und haben dieses Ziel in einem Positionspapier festgelegt. Wir arbeiten seit Jahren sehr eng und vertrauensvoll mit unseren Lieferanten zusammen und stellen durch Kontrollen sicher, dass unsere gemeinsamen Vereinbarungen auch umgesetzt werden. Und mit den neuen Produkten bieten wir dem Kunden die Möglichkeit, sich bewusst für mehr Tierwohl zu entscheiden. Lidl gehört zu den ersten Handelsunternehmen, die bereits bundesweit Produkte mit dem Tierschutzlabel führen. Warum? Das Tierschutzlabel nutzt sowohl den Tieren als auch den Kunden. Die Tiere leben unter verbesserten Haltungsbedingungen, Lidl-Kunden erhalten eine Orientierungshilfe und können sich bewusst für ein Produkt entscheiden. Lidl legt Wert auf Nachhaltigkeit, weil wir als großes Unternehmen Verantwortung für Mensch und Umwelt übernehmen, und dazu gehört für uns auch der Einsatz für mehr Tierwohl. Wird sich dieser Gedanke für mehr Tierschutz auch zukünftig in anderen Teilen des Sortiments widerspiegeln? Wir sind bestrebt, unser Sortiment unter nachhaltigen Gesichtspunkten weiterzuentwickeln. Das Kundenverhalten hat sich über die Jahre dahingehend verändert, dass vermehrt höhere Standards auch im Tierwohlbereich gefordert werden. Lidl verfolgt diese Entwicklung aufmerksam und wird entsprechend reagieren, um den Kundenwünschen und Erwartungen zu entsprechen und Nachhaltigkeit bezahlbar zu machen.

© Foto: Lidl Deutschland

INTERVIEW

PROJEKTE


PROJEKTE

BRÜSSEL

TIERSCHUTZ IN GANZ EUROPA Auch die diesjährige Jahreshauptversammlung der Eurogroup for Animals in Brüssel kam einem Who-is-who der europäischen Tierschutzszene gleich. Alle großen Tierschutzverbände der EU-Mitgliedsstaaten sind in diesem Dachverband vertreten und engagieren sich gemeinsam für mehr Tierschutz in Europa. In seinem Grußwort machte Vytenis Andriukaitis, EU-Kommissar für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, deutlich, wie wichtig die Eurogroup als europäische Stimme für die Tiere gerade im

Roman Kolar vom Deutschen Tierschutzbund auf dem Podium.

aktuellen politischen Klima ist. Denn in diesem wird eher die Eigenständigkeit der Einzelstaaten betont, konkrete politische Vorstöße auf EU-Ebene bleiben die Ausnahme. Deutlich emotionaler äußerte sich die neue Vorsitzende der interfraktionellen Arbeitsgruppe für Tierschutz im Europäischen Parlament, Sirpa Pietikäinen. Diese Arbeitsgruppe ist für den Tierschutz die treibende politische Kraft. Der Deutsche Tierschutzbund ist Gründungsmitglied der Eurogroup und in ihrem Vorstand vertreten. In Brüssel präsentierte Caterina Mülhausen, Campaignerin des Deutschen Tierschutzbundes, die Kampagne zum Beenden der betäubungslosen Kastration von Ferkeln. Roman Kolar, stellvertretender Leiter der Akademie für Tierschutz, stellte die Aktivitäten der von ihm geleiteten Arbeitsgruppe „Alternativen zu Tierversuchen“ vor. Diese zielen insbesondere darauf ab, dass die EU endlich eine umfassende politische Strategie auflegt, um ihr erklärtes Ziel, die Abschaffung sämtlicher Tierversuche, auch konkret anzugehen.

HANNOVER

NEUAUSRICHTUNG DER LANDWIRTSCHAFT

© Fotos: Deutscher Tierschutzbund e. V., Susanne Mittag

V. l. n. r.: Christian Meyer (BMEL), Thomas Schröder (DTSCHB), Prof. Dr. Hubert Weiger (BUND) und Martin Schulz (AbL). Der Deutsche Tierschutzbund, der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) fordern eine Neuausrichtung der Landwirtschaftspolitik. Tierhaltung umbauen, EU-Agrargelder umverteilen, Überdüngung beenden, Exportausrichtung aufgeben und Ökolandbau ausbauen – das ist das

Fünf-Punkte-Programm, das die Verbände dem niedersächsischen Landwirtschaftsminister Christian Meyer, stellvertretend für die Agrarminister von Bund und Ländern, in Hannover übergeben haben. Der Landwirtschaft droht ein massiver Strukturbruch, nicht nur bei den Milchviehbetrieben. Der Deutsche Tierschutzbund fordert eine tierschutzgerechte Tierhaltung. Zunächst müssen die Vorschläge im Nutztiergutachten des Wissenschaftlichen Beirats für Agrarpolitik unverzüglich umgesetzt werden. „Wir brauchen eine eindeutige Kennzeichnung der Tierhaltung als staatliches Label, damit die Verbraucher wirklich entscheiden können. Manipulationen am Tier gehören verboten“, so Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes.

BRAKE

POLITISCHE DISKUSSION Susanne Mittag, Bundestagsabgeordnete (SPD, 2. v. l.), hat zu einer brandaktuellen Diskussion zum Thema „herrenlose oder verloren gegangene Fundtiere“ nach Brake eingeladen. Neben dem Bürgermeister von Brake, Michael Kurz (SPD), waren auch Rosemarie Westphal vom Tierschutzverein Wesermarsch (1. v. l), Christina Jantz-Herrmann, Tierschutzbeauftragte der SPD-Bundestagsfraktion (3. v. l.), Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes (4. v. l.), und Dieter Ruhnke, Vorsitzender des Landesverbandes Niedersachsen des Deutschen Tierschutzbundes, zu Gast.

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KIEL

TRAININGSWIESE FÜR HUNDE Das Tierheim Kiel muss immer häufiger schwierige Hunde aufnehmen. Viele dieser Tiere wurden in der Vergangenheit stark vernachlässigt oder falsch erzogen und sind daher verhaltensauffällig. Mit der neuen Trainingswiese haben die Tierpfleger im Tierheim jetzt die Möglichkeit, mit diesen Hunden intensiv zu arbeiten und sie sinnvoll zu beschäftigen. Der Deutsche Tierschutzbund, die Bingo Umweltlotterie, Stiftungen und Spenden der Kommunen und vieler Tierfreunde haben dieses Projekt ermöglicht.

Die Trainingswiese für Hunde des Tierheims Kiel wird mit Prominenten wie Uwe Seeler feierlich eröffnet.

An der feierlichen Eröffnung der Trainingswiese nahmen neben Dr. Katrin Umlauf, Referentin für Heimtiere beim Deutschen Tierschutzbund, auch Prominente aus Sport, Kunst und Politik teil. Unter den zahlreichen Besuchern waren Fußballikone Uwe Seeler, Zehnkampf-Olympiasieger Willy Holdorf, Mitglieder des Kieler Handballvereins THW und des Fußballvereins Holstein Kiel. Das zukünftige Training mit den Hunden ermöglicht dem Tierheim, schwierige Hunde zu resozialisieren und sie so auf ein Leben in einem liebevollen Zuhause vorzubereiten. Um das zu verwirklichen, hat eine Tierpflegerin eine zusätzliche Ausbildung zum Hundefachwirt absolviert, eine zweite Mitarbeiterin lässt sich derzeit zur Hundetrainerin ausbilden.

NIEDERSACHSEN

HOHER BESUCH BEIM LANDESVERBAND

V. l. n. r.: Der niedersächsische Minister Christian Meyer, Dieter Ruhnke (Vorsitzender des Landesverbands Niedersachsen), Dr. Uwe Tiedeman (Präsident der Bundestierärzte- und Landestierärztekammer).

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Vorsitzender des Landesverbandes, durch die Tagesordnung. In diesem Rahmen wählte und ernannte der Landesverband Niedersachsen Vera Steder einstimmig zur Ehrenvorsitzenden. Ruhnke übergab Steder die Ernennungsurkunde, die ihr jahrzehntelanges Wirken im Tierschutz würdigt und hervorhebt. Lesen Sie den ausführlichen Bericht über die Jahreshauptversammlung unter www.duunddastier.de/lvniedersachsen

© Fotos: Tierheim Kiel, Rolf Scherer

Zur Freude des Landesverbands Niedersachsen des Deutscher Tierschutzbundes sind der Einladung zur Jahreshauptversammlung nicht nur die eigenen Mitglieder gefolgt. Sowohl der niedersächsische Minister für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Christian Meyer, als auch der Präsident der Bundestierärztekammer und der Landestierärztekammer Niedersachsen, Dr. Uwe Tiedemann, waren unter den Gästen. In ihren Grußworten würdigten sowohl Meyer als auch Dr. Tiedemann die Arbeit der ehren- und hauptamtlichen Mitarbeiter und die Zusammenarbeit mit dem Landesverband in den unterschiedlichsten Gremien. Beide Redner kündigten Maßnahmen an, um die derzeitigen Haltungsbedingungen der Tiere in der Landwirtschaft dauerhaft zu verbessern. Auch der tierschutzgerechte Umgang mit frei lebenden Katzen und die Verbandsklage waren an diesem Tag Thema. Im Anschluss an die Grußworte führte Dieter Ruhnke,


PROJEKTE

ALTENBURG

GOTTESDIENST FÜR MENSCH UND TIER

Pastorin Elke Schenk segnet im Gottesdienst Mensch und Tier.

Der Verein Hoffnung für Wildenten, Schwäne und Co., Mitgliedsverein des Deutschen Tierschutzbundes, hat gemeinsam mit der Evangelisch-Lutherischen Kirchgemeinde Altenburg-Rasephas einen Gottesdienst für Mensch und Tier veranstaltet. Unter dem Motto „Achtung vor allem Leben, auch vor unseren Mitgeschöpfen, den Tieren“ waren alle Menschen, ob kirchennah oder -fern, mit und ohne Tier eingeladen. Pastorin Elke Schenk erzählte im Gottesdienst davon, wie verantwortungslos viele Menschen mit der Schöpfung, den Tieren und der Natur, umgehen. Alle Anwesenden schlossen die Tiere in ihre Fürbitten ein – verbunden mit der Hoffnung, dass jeder einzelne Mensch

BLECKEDE

© Fotos: Hoffnung für Wildenten, Schwäne u. Co. e. V., Katzenhilfe Bleckede e.V.

ZEHN JAHRE KATZENSCHUTZ Vor zehn Jahren fand sich eine kleine Runde von acht Personen zusammen, um sich der immensen Not frei lebender Katzen anzunehmen. Da diese Tiere damals wie heute ihr Leben oft unter erbärmlichen Umständen fristen, entschlossen sich die Tierschützer, ihre Kräfte in einem gemeinnützigen Verein zu bündeln. In diesem Jahr feiert die Katzenhilfe Bleckede ihr zehnjähriges Bestehen. Am Jubiläumstag folgten nicht nur Mitglieder, Freunde und Gönner, sondern auch der Bürgermeister der Stadt Bleckede, Jens Böther, der Kreisstellenleiter der Tierärzte im Landkreis Lüneburg, Stephan Schlawinsky, und die Ehrenvorsitzende des Landesverbands Niedersachsen des Deutschen Tierschutzbunds, Vera Steder, der Einladung.

Die Katzenhilfe Bleckede hat in den vergangenen Jahren über 2.000 Katzen geholfen. Darüber hinaus ist der Verein auch politisch aktiv. So haben inzwischen mehrere Gemeinden innerhalb und außerhalb des Landkreises Lüneburg Kastrationsverordnungen erlassen – und das unter maßgeblicher Beteiligung der Tierschützer. Zusätzlich hat die Katzenhilfe für den Landesverband Niedersachsen des Deutschen Tierschutzbundes in Gesprächen mit dem Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz einen großen Erfolg erzielt: Die Kommunen in Niedersachsen erhalten noch in diesem Jahr eine rechtliche Grundlage, um im Sinne des Tierschutzgesetzes Maßnahmen zur Populationskontrolle von frei lebenden Katzen zu treffen.

an den Zuständen etwas ändern kann und muss. Andrea Rücker, Vorsitzende des Tierschutzvereins, las anschließend die Geschichte „Eine Mutter liebt ihr Kind“ von der Tierärztin Dr. Holly Cheever vor. Die Geschichte handelt von einer Kuh, die eins ihrer Kälbchen im Wald versteckte und dort säugte, damit der Landwirt es ihr nicht wegnehmen konnte. Der Landwirt kam dahinter und nahm der Kuh – wie in der Milchwirtschaft üblich – das Kalb weg. Eine traurige Geschichte, die an das Leid vieler Kühe in der heutigen Intensivtierhaltung erinnert. Ein Vaterunser der Tiere beendete diesen eindrucksvollen und emotionalen Gottesdienst.

WEB www.duunddastier.de/projekte

Lesen Sie auf unserer Website weitere Berichte der uns angeschlossenen Tierschutzvereine.

V. l. n. r.: Johanna Hagen und Brigitte Ruhnke (beide von der Katzenhilfe Bleckede),Vera Steder (Ehrenvorsitzende LV Niedersachsen) und Jens Böther (Bürgermeister der Stadt Bleckede).

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„Findet Dorie“ startet am 29. September 2016 in den deutschen Kinos und ist in den USA schon jetzt der erfolgreichste Animationsfilm aller Zeiten! Diese Nachricht löst Vorfreude, aber auch Besorgnis aus. Vorfreude, weil uns der liebenswerte, mit schlechtem Gedächtnis ausgestattete Paletten-Doktorfisch Dorie schon bei „Findet Nemo“ ans Herz gewachsen ist. Besorgnis, weil bereits damals die Heimtierindustrie den Film auf Kosten vieler Tiere erfolgreich ausgenutzt hat. Filme, die sich intensiv mit einer bestimmten Tierart beschäftigen, lösen bei vielen Menschen den Wunsch aus, genau diese Tierart zu besitzen. „Findet Nemo“ eröffnete hierbei eine neue Dimension, da es sich bei den verkauften Anemonenfischen überwiegend um aus den Meeren gefangene Tiere handelte. Diese stellen hohe Ansprüche und sind nicht für Anfänger geeignet. Dennoch landeten viele von ihnen in Kinderzimmern. Kein Wunder, verloste doch unter anderem die „Bild“-Zeitung 70-Liter-Aquarien mit „zwei süßen Clownfischen für zu Hause“, woraufhin sich 8.000 Kinder um ein solches bewarben. Leider starben nicht nur viele dieser Fische aufgrund mangelhafter Haltung, sondern der Massenfang trug auch dazu bei, dass immer weniger von ihnen in den ursprünglichen Habitaten zu finden waren. Nun kommt „Findet Dorie“ und wir stellen fest, dass die Heimtierindustrie nichts dazugelernt hat. Schon Monate vor dem Filmstart findet sich die limitierte Aquarienedition zu „Findet Dorie“ im Handel – ein Komplettset, dass sich laut Hersteller an „die wichtige Zielgruppe Familien mit Kindern“ richtet und die perfekte Chance bietet, „um neue Kunden zu gewinnen und von der großen medialen Aufmerksamkeit rund um den Kinofilm zu profitieren“. Dass sich das Set aber, wenn überhaupt, nur für wenige klein bleibende Arten von Süßwasserfischen eignet, darüber sieht der Hersteller großzügig hinweg. Ein Jammer, dass bislang nur unser Nachbarland vorbildlich reagiert hat. So hat die österreichische Zoomarktkette Megazoo 2015 angekündigt, vorsorglich vor dem Start des Kinofilms Paletten-Doktorfische aus dem Sortiment zu nehmen. Übrigens: In beiden Filmen geht es um Fische, die von Menschen gefangen werden und die alles daran setzen, wieder in Freiheit, zurück ins Meer, zu gelangen. Sollte uns das nicht eigentlich zu denken geben?

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Deutsches Haustierregister und Deutsches Tierdiebstahlregister 0228-60496-35 Spenden-Hotline 09001-226688 (nur aus dem deutschen Festnetz) Sie spenden € 5,00. INTERNET www.duunddastier.de www.tierschutzbund.de www.tierschutzlabel.info www.jugendtierschutz.de www.tierschutzbund.de/spendenportal SOCIAL WEB www.facebook.com/tierschutzbund www.twitter.com/tierschutz_bund www.youtube.com/tierschutzbundTV plus.google.com/+tierschutzbund

KOSTENLOSER SERVICE Melden Sie Ihr Haustier online im Deutschen Haustierregister an: www.registrier-dein-tier.de.

SPENDENKONTO des Deutschen Tierschutzbundes Sparkasse KölnBonn, BLZ: 370 501 98, Konto-Nr.: 40 444 IBAN: DE88 3705 0198 0000 0404 44 BIC: COLSDE33 Spenden sind steuerlich absetzbar. Herausgeber und Redaktion: Deutscher Tierschutzbund e. V., In der Raste 10, 53129 Bonn, Telefon: 0228-60496-0, Telefax: 0228-60496-40, Kontakt: www.tierschutzbund.de/kontakt, redaktion@tierschutzbund.de, Internet: www.tierschutzbund.de Verantwortlich im Sinne des Presserechtes: Thomas Schröder Redaktionsleitung: Nadia Wattad Mitarbeiter dieser Ausgabe: Wolfgang Apel, Dorthe Becker, James Brückner, Sarah Demski, Katja Dubberstein, Franziska Hagen, Nina Himmer, Verena Jungbluth, Dr. Henriette Mackensen, Maja Masanneck, Caterina Mülhausen, Dr. Esther Müller, Evelyn Ofensberger, Dr. Brigitte Rusche, Dr. Tanja Straka, Irmina Theuß, Tilo Weber, Dr. Stefanie Zimmermann Agentur: SZ Scala GmbH, Hultschiner Str. 8, 81677 München Objektleitung: Hartmut Rätsch, Anzeigen: Daniela Schräder Herstellung: Hermann Weixler, Grafik und Litho im Auftrag des Verlages: dworak & kornmesser, Bildredaktion: Deutscher Tierschutzbund e. V. und dworak & kornmesser Abo-Service: Telefon: 089-2183–7266, Telefax: 089-2183–967266 Bezugsbedingungen: DU UND DAS TIER erscheint viermal im Jahr Bezugspreise: www.duunddastier.de/abo Druck: Eversfrank Preetz | Frank Druck GmbH & Co. KG, 24211 Preetz ISSN 0341-56759 Das Magazin ist gedruckt auf 100 % Recyclingpapier.

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AKTION MACHEN SIE DAS LEID DER KATZEN SICHTBAR!

Wenn Sie auch unterwegs auf das Leid der Katzen aufmerksam machen möchten, können Sie einen Autoaufkleber bestellen. An der Scheibe befestigt, ist er ein guter Hingucker und hilft, das Katzenleid sichtbar zu machen. Schreiben Sie uns eine E-Mail an presseteam@tierschutzbund.de, nennen Sie uns Ihre Adresse und tragen Sie in den Betreff der E-Mail „KatzenHelfen Aufkleber“ ein. Wir senden Ihnen dann einen Aufkleber für das Auto kostenfrei zu.

© sonsedskaya - Fotolia.com

© Fotos: Deutscher Tierschutzbund e.  V., Illustration: dworak & kornmesser

Mit Ihrer Unterstützung wollen wir das Leid der rund zwei Millionen Katzen sichtbar machen, die in Deutschland auf der Straße leben. Schneiden Sie dafür die Katze an der gestrichelten Linie der Bastelvorlage aus und kleben Sie diese an die Fensterscheibe zu Hause, in der Arbeit oder anderswo. Damit so viele Menschen wie möglich auf die Problematik aufmerksam werden, posten Sie ein Foto des angebrachten „Aufklebers“ zusammen mit dem Hashtag #KatzenHelfen auf Ihrer Facebook-Seite, bei Twitter und Co.


ZWEI WEGE ZUM TIERSCHÜTZER MITGLIED WERDEN ODER ABO ABSCHLIESSEN. Mit seiner über 135-jährigen Geschichte steht der Deutsche Tierschutzbund wie keine andere Organisation in Deutschland für seriösen und kompetenten Tierschutz. Unterstützen Sie unsere Arbeit mit Ihrer Mitgliedschaft oder einem Abo unseres Mitgliedermagazins DU UND DAS TIER.

DU UND GLÜCKLICH. DAS TIER Ausgabe 02/2016 46. Jahrgang ISSN 0341-5759

DU UND DAS TIER

DU UND DAS TIER

Ausgabe 03/2015 45. Jahrgang ISSN 0341-5759

Ausgabe 01/2016 46. Jahrgang ISSN 0341-5759

ABSOLUTE FREIHEIT Ein Katzenelend?

HAUSTIERREGISTER Die unglaubliche Geschichte eines Hundes VEGETARISMUS Häufig ist mehr Tier drin, als draufsteht TIERISCH MOBIL 50 neue Autos für den praktischen Tierschutz

VERRAMSCHT UND VERHÖKERT Illegaler Welpenhandel

MILCHKÜHE Die saftige Wiese ist häufig eine Illusion

MODEOPFER Tiere als Accessoires missbraucht TIERSCHUTZZENTRUM Paten besuchen ihre Schützlinge

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REISEN MIT DEM HUND Urlaub – die schönste Zeit

ANIMAL HOARDING 155 Hunde auf einen Schlag

r.de

n DU UND DAS TIER Ausgabe 04/2015 45. Jahrgang ISSN 0341-5759

MAGAZIN FÜR ALLE FREUNDE DES TIERSCHUTZES

SELFIE MIT TIEREN? Im Sommerurlaub an der Tagesordnung

RINDER Ausgebeutet von der Milchindustrie

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TIERHEIME IN NOT Der Kampf um die Existenz geht weiter

PELZ TÖTET Marderhund und Nerz im Visier der Mode

KATZEN Was der Freilauf der Katze bringt TIERSCHUTZPREIS Diese Tierschützer setzen sich ein

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VORTEILE ALS MITGLIED

PROBE-EXEMPLAR

Sie erhalten DU UND DAS TIER 4 x/Jahr. Wir informieren Sie zusätzlich mit Aktionsbriefen zu aktuellen Themen. Zudem können Sie sich jederzeit kompetente Beratung durch unsere Experten in allen Tierschutzfragen einholen. Mit einer Mitgliedschaft über 64 Euro oder ermäßigt 32 Euro unterstützen Sie unsere vielfältige Arbeit für den Tierschutz.

Möchten Sie in DU UND DAS TIER hineinschnuppern? Dann fordern Sie Ihre persönliche Ausgabe per E-Mail unter probeexemplar@tierschutzbund.de an.

VORTEILE ALS ABONNENT Sie erhalten DU UND DAS TIER 4 x/Jahr für 15,30 Euro. Zusätzliche multimediale Inhalte finden Sie unter www.duunddastier.de.

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FEUERWEHRFONDS FÜR TIERE IN NOT

ALARM IM TIERHEIM

SIE HABEN FRAGEN?

RETTUNG DANK „FEUERWEHRFONDS“ Wenn Tiere akut bedroht sind und die Tierheime an ihre Belastungsgrenze stoßen, hilft der Deutsche Tierschutzbund mit Geld aus seinem Feuerwehrfonds. Bitte sorgen Sie mit Ihrer Dauerspende dafür, dass unser Feuerwehrfonds immer gut gefüllt ist und wir jedes Tier in Not retten können!

✗ Ja, ich helfe Tieren in Not zuverlässig ! Ich spende dauerhaft für den Feuerwehrfonds einen Beitrag von monatlich mindestens ab Monat/Jahr

IHRE ANSPRECHPARTNERIN hilft Ihnen gerne weiter:

Stefanie Boller Tel.: 0228-60496-15 boller@tierschutzbund.de

Impfen, entwurmen, kastrieren – all das verursacht hohe Kosten, ebenso wie Futter, Unterbringung und liebevolle Fürsorge für so viele Neuankömmlinge. Doch ganz gleich ob Hund, Katze, Meerschweinchen oder Kaninchen – jedes Tier soll Hilfe bekommen!

© Deutscher Tierschutzbund e.V. / M. Marten

Ob Hund, Katze, Kaninchen oder ein hilfloses Wildtier – jedes gequälte oder verlassene Geschöpf braucht zuverlässige Menschen-Freunde, die es gesund pflegen, mit Futter versorgen und ihm Zuwendung schenken. Mit Ihrer regelmäßigen Unterstützung für den Feuerwehrfonds sorgen Sie dafür, dass die Tierheime immer helfen können.

WILLKOMMEN IM NEUEN ZUHAUSE

/

10 Euro

25 Euro

50 Euro oder mehr

Euro

Zahlweise:

monatl.

vierteljährl.

jährl.

halbjährl.

Ich ermächtige den Deutschen Tierschutzbund e. V. (Gläubiger-ID: DE83TSB00000030776), Zahlungen von meinem Konto mittels Lastschrift einzuziehen. Zugleich weise ich mein Kreditinstitut an, die vom Deutschen Tierschutzbund e. V. auf mein Konto gezogenen Lastschriften einzulösen. Hinweis: Ich kann innerhalb von acht Wochen, beginnend mit dem Belastungsdatum, die Erstattung des belasteten Betrages verlangen. Es gelten dabei die mit meinem Kreditinstitut vereinbarten Bedingungen. Meine regelmäßige Hilfe kann ich jederzeit beenden. Die Mandatsreferenz wird mir separat mitgeteilt.

Kontoinhaber IBAN / Konto-Nr. Geldinstitut

(Wir passen Ihre Daten an SEPA an.)

BIC / BLZ

Datum, Unterschrift

Bitte Vorder- und Rückseite ausfüllen und möglichst in einem verschlossenen Umschlag zurückschicken an: Deutscher Tierschutzbund e.V., In der Raste 10, 53129 Bonn

425M077

TIERE BRAUCHEN GUTE FREUNDE

In diesem besonders krassen Fall von Animal Hoarding, dem krankhaften Sammeln und Halten von viel zu vielen Tieren, sind elf Tierheime an der Rettungsaktion beteiligt. Leider kein Einzelfall, doch eine riesige Herausforderung für jedes einzelne Tierheim, das mehr als 20 Hunde auf einen Schlag versorgen muss. © Deutscher Tierschutzbund e.V. / M. Marten

© Deutscher Tierschutzbund Landesverband Bayern e.V.

Anonymer Anruf bei einem Tierschutzverein: „Es müssen mindestens zehn Hunde sein und sie bellen ohne Unterlass. Können Sie einmal nachschauen, ob es den Tieren gut geht?“ Das Bild, das sich den Tierschützern kurz darauf auf einem Hof in Niederbayern bietet, übertrifft die schlimmsten Befürchtungen: 155 verwahrloste, kranke und unterernährte Mischlingshunde brauchen so schnell wie möglich einen Tierarzt und ein neues, artgerechtes Zuhause.


© Deutscher Tierschutzbund e.V. / M. Marten

MIT EINEM BLAUEN AUGE DAVONGEKOMMEN

FEUERWEHRFONDS FÜR TIERE IN NOT

Eine Laune der Natur hat Monty ein braunes und ein blaues Auge geschenkt. Doch diese Besonderheit hat dem Welpen zunächst kein Glück gebracht. Scheu und verängstigt kam er ins Tierheim. Mit unendlicher Geduld gewann eine ehrenamtliche Mitarbeiterin sein Herz. Von der Tiertrainerin des Tierheims auf ein artgerechtes Hundeleben vorbereitet, zog der süße Kerl schließlich bei seiner „Gassi-Geherin“ ein – ein Happy End für alle! Mit Geld aus dem Feuerwehrfonds hilft der Deutsche Tierschutzbund den ihm angeschlossenen Tierheimen. Damit jedes Tier rettende Hilfe bekommt.

Werden Sie Retter für Tiere in Not. Und freuen Sie sich als Dauerspender über unser Freundschaftspaket mit:

ABSENDER:

✓ Postkarten ✓ Plakaten ✓ Aufklebern ✓ Lesezeichen ✓ Flyer ✓ und unserem Herz-Pin

Vorname, Name

Straße, Hausnummer

PLZ, Ort

Deutscher Tierschutzbund e.V. Frau Stefanie Boller In der Raste 10 53129 Bonn

Mitgliedsnummer (falls zur Hand)

Schicken Sie Ihre Zusage für eine Dauerspende noch heute ab!


FEUERWEHRFONDS FÜR TIERE IN NOT

ALARM IM TIERHEIM

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✗ Ja, ich helfe Tieren in Not zuverlässig ! Ich spende dauerhaft für den Feuerwehrfonds einen Beitrag von monatlich mindestens ab Monat/Jahr

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Stefanie Boller Tel.: 0228-60496-15 boller@tierschutzbund.de

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Ob Hund, Katze, Kaninchen oder ein hilfloses Wildtier – jedes gequälte oder verlassene Geschöpf braucht zuverlässige Menschen-Freunde, die es gesund pflegen, mit Futter versorgen und ihm Zuwendung schenken. Mit Ihrer regelmäßigen Unterstützung für den Feuerwehrfonds sorgen Sie dafür, dass die Tierheime immer helfen können.

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Ich ermächtige den Deutschen Tierschutzbund e. V. (Gläubiger-ID: DE83TSB00000030776), Zahlungen von meinem Konto mittels Lastschrift einzuziehen. Zugleich weise ich mein Kreditinstitut an, die vom Deutschen Tierschutzbund e. V. auf mein Konto gezogenen Lastschriften einzulösen. Hinweis: Ich kann innerhalb von acht Wochen, beginnend mit dem Belastungsdatum, die Erstattung des belasteten Betrages verlangen. Es gelten dabei die mit meinem Kreditinstitut vereinbarten Bedingungen. Meine regelmäßige Hilfe kann ich jederzeit beenden. Die Mandatsreferenz wird mir separat mitgeteilt.

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Bitte Vorder- und Rückseite ausfüllen und möglichst in einem verschlossenen Umschlag zurückschicken an: Deutscher Tierschutzbund e.V., In der Raste 10, 53129 Bonn

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TIERE BRAUCHEN GUTE FREUNDE

In diesem besonders krassen Fall von Animal Hoarding, dem krankhaften Sammeln und Halten von viel zu vielen Tieren, sind elf Tierheime an der Rettungsaktion beteiligt. Leider kein Einzelfall, doch eine riesige Herausforderung für jedes einzelne Tierheim, das mehr als 20 Hunde auf einen Schlag versorgen muss. © Deutscher Tierschutzbund e.V. / M. Marten

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Anonymer Anruf bei einem Tierschutzverein: „Es müssen mindestens zehn Hunde sein und sie bellen ohne Unterlass. Können Sie einmal nachschauen, ob es den Tieren gut geht?“ Das Bild, das sich den Tierschützern kurz darauf auf einem Hof in Niederbayern bietet, übertrifft die schlimmsten Befürchtungen: 155 verwahrloste, kranke und unterernährte Mischlingshunde brauchen so schnell wie möglich einen Tierarzt und ein neues, artgerechtes Zuhause.


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MIT EINEM BLAUEN AUGE DAVONGEKOMMEN

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Eine Laune der Natur hat Monty ein braunes und ein blaues Auge geschenkt. Doch diese Besonderheit hat dem Welpen zunächst kein Glück gebracht. Scheu und verängstigt kam er ins Tierheim. Mit unendlicher Geduld gewann eine ehrenamtliche Mitarbeiterin sein Herz. Von der Tiertrainerin des Tierheims auf ein artgerechtes Hundeleben vorbereitet, zog der süße Kerl schließlich bei seiner „Gassi-Geherin“ ein – ein Happy End für alle! Mit Geld aus dem Feuerwehrfonds hilft der Deutsche Tierschutzbund den ihm angeschlossenen Tierheimen. Damit jedes Tier rettende Hilfe bekommt.

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DU UND DAS TIER 3/2016  
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