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ACHTUNG, JUNGTIERE! Ernte gefährdet Rehkitze und Co. HOCHBEGABTE SCHÖNHEITEN Rabenvögel zu Unrecht gejagt AUF SPURENSUCHE Verlorene Haustiere wiederfinden

DU UND DAS TIER Ausgabe 2/2020 50. Jahrgang ISSN 0341-5759

DAS MAGAZIN DES DEUTSCHEN TIERSCHUTZBUNDES

QUALZUCHT DIE GRAUSAME JAGD NACH „PERFEKTION“ www.tierschutzbund.de


Ob bei der Arbeit, zu Hause oder unterwegs: Haustiere leisten wertvolle Beiträge für unsere Gesellschaft . Dank ihnen sind wir glücklicher und gesünder. Wir sind weniger einsam, denn sie sind Familienmitglieder, Freunde und Wegbegleiter. Einige von ihnen sorgen dafür, dass wir uns mehr bewegen, und andere stärken unsere sozialen Kontakte. Dafür verdienen Haustiere mehr Anerkennung. Deshalb macht sich Mars Petcare im Rahmen seines Programms „Bett er Cities for Pets“ dafür stark, Barrieren für eine verantwortungsvolle Haustierhaltung abzubauen und über die wichtige Rolle von Tieren für unsere Gesellschaft aufzuklären.


EDITORIAL

NATÜRLICH EINZIGARTIG Dr. Brigitte Rusche, Vizepräsidentin

Liebe Leserin, lieber Leser,

© Titelfoto: Adobe Stock – Yanukit; Fotos: Deutscher Tierschutzbund e.V. (Seite 3)

haben Sie heute Morgen auch in den Spiegel geschaut und überlegt, was Sie anziehen? Seit jeher strebt der Mensch nach Schönheit und Perfektion. Während die meisten von uns trotz allem Natürlichkeit bevorzugen, ist das Leben anderer von zahllosen Diäten und horrenden Ausgaben für Make-up, angesagte Kollektionen oder Schönheitsoperationen geprägt. Dabei ist vielen von ihnen kein Opfer zu groß. So macht der Schönheitswahn oft nicht beim eigenen Körper oder dem gegenständlichen Statussymbol halt. Ob Hunde und Katzen ohne Fell, Pferde, die vor Muskeln nur so strotzen, oder Schlangen mit schillernden Farben – die Jagd nach „Perfektion“ hat längst alle Tierarten erreicht. Je nach Belieben designt der Mensch das Tier heute gerade so, wie es ihm gefällt. Mit der Folge, dass zahlreiche Haustiere genauso wie die Tiere in der Landwirtschaft ihr ganzes Leben lang unter den Auswirkungen dieser Qualzucht leiden. Erfahren Sie in unserem Titelthema mehr über die Auswüchse, die der Wahn mittlerweile erreicht hat (Seite 8). Doch was ist eigentlich wirklich schön, was ist perfekt? Für uns Tierschützer liegen Schönheit und Perfektion in der Natur und den Tieren selbst. So beeindrucken

Rabenkrähen und Elstern zum Beispiel nicht nur mit ihren Fähigkeiten, sondern sind auch einfach wunderschön (Seite 28). Hummeln, Rehe und Hasen sind perfekt, wie sie sind (Seite 44 und Seite 31). Wenn wir spazieren gehen und ein Marienkäfer zufällig auf unserer Hand landet, ist das ein wunderschönes Gefühl (Seite 4). Und jedes Mal, wenn es unseren Tierheimen und Tierschutzvereinen gelingt, ein Tier zu retten und ihm ein schönes Leben zu ermöglichen (Seite 16), oder wir mithilfe unseres Haustierregisters FINDEFIX ein vermisstes Tier wieder nach Hause bringen (Seite 46), ist das ein perfekter Moment. Schönheit und Perfektion liegen für uns ganz klar in der Vielfalt und Einzigartigkeit der Kreaturen und in den bewegenden Momenten, die wir mit ihnen verbringen. „Wenn man die Natur wahrhaft liebt, findet man es überall schön“, sagte dazu ganz passend einst Vincent van Gogh. Sie zu schützen ist unsere Aufgabe. Den Tieren Leid zuzufügen oder die Natur zu zerstören, um irgendwelche vermeintlichen Ideale zu erreichen, ist für uns keine Option.

Herzlichst Ihre

SCHLAGLICHT Die Corona-Krise hat die finanzielle Lage der Tierheime deutlich verschärft: Tierschutzvereine mussten Veranstaltungen wie Basare und Feste absagen, sodass dringend benötigte Einnahmen fehlen. Zwar stellen einzelne Bundesländer Fördergelder bereit, allerdings ist deren Beantragung mit Hürden verbunden. Der Deutsche Tierschutzbund fordert daher einen rückzahlungsfreien Soforthilfsfonds des Bundes in Höhe von mindestens 65 Millionen Euro, um die schlimmsten Auswirkungen aufzufangen. „Wenn jetzt nicht sofort geholfen wird, dann kann es für viele Einrichtungen am Jahresende zu spät sein“, mahnt Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. www.duunddastier.de

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TIERLIEBE

Marienkäfer gelten seit jeher als Glücksbringer. Auch im Garten erweisen sie sich als sehr nützlich, weil sie große Mengen Blattläuse vertilgen.


INHALT

INHALT TITELTHEMA

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08 Qualzucht: Die grausame Jagd nach „Perfektion“

AKTUELL 16 Tierheime in der Corona-Krise 19 Interview mit Reinhold Jost 20 Tierschutz weltweit

© Fotos: Pixabay (Seite 4); Einsatz- und Ausbildungszentrum für Tragtierwesen 230; Pixabay; stock.adobe.com – Nastya Korotkova; Tierheim Feucht – Tierhilfe Nürnberg e.V.; iStock – Alexandra Draghici (Seite 5)

21 EU-Ratspräsidentschaft nutzen 22 Kälberleid bei Tiertransporten

HINTER DEN KULISSEN 24 Tragtiere in der Bundeswehr 28 Jagd auf Rabenvögel 31 Gefahr für Rehkitze und Co. Die Auswüchse der Qualzucht scheinen keine Grenzen zu kennen, und die Tiere, die der Mensch „designt“, leiden ihr ganzes Leben lang.

JUGEND 34 Tierschutzjugend aktiv

IM EINSATZ FÜR DIE TIERE 36 Bessere Haltung für Kühe

Maultiere und Pferde sind wichtige Helfer der Gebirgsjägerbrigade der Bundeswehr (Seite 24). Heimische Hummeln sind zunehmend bedroht (Seite 44).

44

37 Meldungen von uns und unseren Vereinen 40 Stefanie Hertel im Interview

TIERSCHUTZ LEBEN

36

42 Tierfreie Tortenkunst 44 Bedrohte Hummeln 46 FINDEFIX: Auf Spurensuche

STANDARDS 03 Editorial und Schlaglicht 04 Tierliebe 06 Wussten Sie schon ...?

24 16

22

07 Im Fokus: Hunde im Auto 50 Kommentar und Impressum 51 Medienwelten

Corona stellt den Alltag in Tierheimen auf den Kopf (Seite 16). Kälber leiden bei Tiertransporten ganz besonders (Seite 22).

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WUSSTEN SIE SCHON?

… russische Landwirte Kühen testweise

VIRTUAL-REALITY-BRILLEN

… die Silberameise bis zu

aufgesetzt haben, um ihnen im Stall grüne Weiden vorzugaukeln, damit die

SEKUNDE

macht und dabei fast 85 Zentimeter zurücklegen kann – mehr als das Hundertfache ihrer Körperlänge?

MILCHPRODUKTION steigt?

PALMENDIEBE

… , die größten Landkrebse der Welt, auf Bäume klettern

KOKOSNÜSSE KNACKEN können?

und

47 SCHRITTE PRO

WUSSTEN SIE SCHON, DASS ...

Ihre Scheren sind kräftiger als ein Löwengebiss. … rund um

TSCHERNOBYL etwa 70 PRZEWALSKI-PFERDE leben? 36 dieser noch sehr ursprünglichen Pferde waren vor 15 Jahren in der menschenleeren Sperrzone ausgewildert worden.

... der Zweifarbenpitohui zu den wenigen

GIFTIGEN VÖGELN gehört? Er frisst Käfer, gegen deren Gift er immun ist, und lagert den Stoff in seinem Körper und seinen Federn, um Fressfeinde abzuhalten.

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BIENEN

… , die ins Wasser fallen, mit ihren Flügeln Wellen erzeugen, auf denen sie ans rettende Ufer

„SURFEN“

können?


IM FOKUS

LASS MICH NICHT ZURÜCK Noch immer unterschätzen Jahr für Jahr viele Hundehalter die Gefahr für ihre Tiere und lassen sie bei sommerlichen Temperaturen im Auto zurück. Ein Fehler, der tragisch enden kann.

© Illustrationen: DWORAK UND KORNMESSER (Seite 6); Foto: Fotolia – Zamsha Bela (Seite 7)

D

as dauert nur ein paar Minuten. Wie trügerisch diese Einschätzung doch ist. Wer nur schnell fehlende Zutaten für das Mittagessen einkauft, einen Kontrolltermin beim Arzt wahrnimmt oder seinen neuen Personalausweis im Rathaus abholt, wundert sich anschließend oft, wo die Zeit geblieben ist. Lange Schlangen, der spontane Plausch mit alten Bekannten, überfüllte Wartezimmer: All das passiert unerwartet und oft. Im Sommer kann es Leben kosten – wenn Hunde im Wagen warten. „Wer einen Hund bei wärmeren Temperaturen im Auto zurücklässt, handelt verantwortungslos und verstößt gegen das Tierschutzgesetz sowie gegen die Tierschutz-Hundeverordnung“, warnt Dr. Katrin Umlauf, Leiterin des Tierschutzzentrums Weidefeld und Referentin für Heimtiere beim Deutschen Tierschutzbund. Haltern, die das ignorieren, droht eine Geldbuße von bis zu 25.000 Euro, aber auch eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren. In der Sonne heizt sich der Innenraum eines Pkw bereits nach fünf Minuten um vier Grad gegenüber der Außentemperatur auf. Nach zehn Minuten sind es sieben, nach einer halben Stunde 16 und nach einer ganzen Stunde 26 Grad mehr als draußen. Es braucht weder Fantasie noch Rechenkünste, um zu verstehen, wie unerträglich die Situation dort bei sommerlichen Temperaturen werden kann. „Im Gegensatz zum Menschen können sich Hunde nicht durch Schwitzen über die Haut abkühlen, deshalb sind sie sehr hitzeempfindlich“, sagt Umlauf. Steigen die Temperaturen, leidet der Vierbeiner schnell unter Sauerstoffmangel, Übelkeit und Kreislaufproblemen. Im schlimmsten Fall stirbt das Tier. „Das darf nicht mehr passieren“, fordert

DIE GEFAHR STEIGT MINÜTLICH nach 60 min

+ 26 °C

nach 30 min

nach 5 min

+ 4 °C nach 10 min

+ 7 °C

+ 16 °C

ES REICHT NICHT, ... ✘ ... das Fenster einen Spalt zu öffnen, ✘ ... im Schatten zu parken, ✘ ... das Auto nur bei bewölktem Himmel abzustellen.

Umlauf und bittet alle Hundehalter inständig, ihre Tiere lieber zu Hause zu lassen. „Es reicht nicht aus, im Schatten zu parken oder das Fenster einen Spalt zu öffnen. Auch bei bewölktem Himmel ist die Gefahr groß.“

Im Ernstfall 110 wählen Passanten, die ein Tier bei Hitze in einem Auto entdecken, sollten schnellstmöglich versuchen, den Fahrzeughalter in der Nähe ausfindig zu machen, und ansonsten nicht zögern, die Polizei zu rufen. Sie kann notfalls das Auto öffnen, um den Hund vor Schlimmerem zu bewahren. „Da eine Strafbarkeit wegen Sachbeschädigung in Betracht kommt, können wir nicht dazu raten, die Scheibe selbst einzuschlagen. Letztlich kommt es auf den Einzelfall an, ob ein Gericht die Beschädigung als angemessenes Mittel bewertet, um das Tier aus unmittelbarer Gefahr zu befreien“, berichtet die Expertin. Augenzeugen sollten das Tier beobachten, bis die Polizei eintrifft. Verschlechtere sich sein Zustand merklich, müsse jeder für sich entscheiden, ob er selbst eingreife. Wenn, ist es empfehlenswert, die Situation zu filmen, um für den Fall einer Strafanzeige den Zustand des Tieres in seiner Not bestmöglich nachweisen zu können. Joscha Duhme DU UND DAS TIER 2/2020

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DIE GRAUSAME JAGD NACH „PERFEKTION“ Katzen ohne Haare, Goldfische, die nur nach oben schauen können, oder Sauen, die mehr Ferkel zur Welt bringen, als sie Zitzen haben. Die Auswüchse der Zucht scheinen keine Grenzen zu kennen, und die Tiere, die der Mensch „designt“, leiden ihr ganzes Leben unter den Folgen der Qualzucht. Auch einige der beliebtesten Moderassen zahlen einen hohen Preis für die Nachfrage nach immer „niedlicheren“ Heimtieren.

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TITELTHEMA

Nacktkatzen haben aufgrund einer Genver채nderung kein Fell und keine oder zu kurze Tasthaare. Doch gerade diese sind wichtig f체r die Orientierung im Dunkeln, um Beute zu fangen, und f체r die Kommunikation mit Artgenossen. Durch das fehlende Fell ist die Temperaturregulation erheblich beeintr채chtigt.

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W

as hat der Mensch alles erreicht: Er hat Sprachen entwickelt und demokratische Staatengemeinschaften aus der Taufe gehoben, die Welt vernetzt, und dank der heutigen Ernährung, Medizin und Hygiene leben wir durchschnittlich sehr viel länger als unsere Vorfahren. So umfassend wie die Geschichte des Fortschritts ist aber auch die der Fehlschläge oder zweifelhafter Entwicklungen. Erfindungen werden missbraucht, hoffnungsvolle Technologien erweisen sich als schädlich – und manchmal leitet die Gier den moralischen Kompass gänzlich fehl. Wenn der Mensch für Profit oder eigene Vorlieben jegliches Mitgefühl gegenüber Tieren vermissen lässt und glaubt, mit Qualzuchten auf Frankensteins Spuren wandeln zu können, zeigt er sich von seiner rückständigen Seite. Heute ist keine Tierart mehr sicher – vom Exoten bis zum „Trendtier“, von der Hobby- bis zur Hochleistungszucht.

Brachyzephale, also kurzköpfige Hunde wie der Mops haben als Folge ihres angezüchteten Kindchenschemas oft mit Atem-, Haut-, und Augenproblemen sowie Kiefer- und Zahnfehlstellungen zu kämpfen.

„Im Laufe der Jahre hat der Mensch nahezu alle Tierarten nach seiner Vorstellung in der Zucht geformt“, sagt Lisa Hoth, Referentin für Heimtiere beim Deutschen Tierschutzbund. Früher hätten Züchter die Tiere noch auf spezifische Wesensmerkmale selektiert, zum Beispiel um sie als Hüte-, Wach- oder Jagdhunde einzusetzen. „Heute hingegen spielt bei Heimtieren meist das Aussehen die Hauptrolle, gerade wenn Halter ihre Tiere als Modeaccessoire sehen“, berichtet Hoth über die veränderte Nachfrage. Heutige Heimtiere unterscheiden sich stark von den ursprünglich domestizierten Tieren. Während sie manche Merkmale verloren haben, verstärken die Züchter andere – zum Teil bis ins Bizarre. „Leider erfüllen die Züchter ihre eigenen und die Vorlieben möglicher Käufer für das vermeintlich ‚perfekte‘ Tier, ohne Rücksicht auf die Gesundheit der Lebewesen zu nehmen“, erklärt Hoth. Ein eindrückliches Beispiel hierfür sind Haubenwellensittiche. Sie mögen manche Halter mit ihren federnen Hauben erfreuen, aber der Preis ist hoch. „Fast jedes zweite Jungtier ist massiv geschädigt. Viele sterben, weil sich Flüssigkeit in ihrem Gehirn ansammelt, die zu Gehirnblutungen führen kann. Exemplare, die lebensfähig sind, haben häufig Gleichgewichtsstörungen“, erläutert Dr. Miriam Willasch, Referentin für Heimtiere beim Deutschen Tierschutzbund.

Halter unterschätzen Problematik Bei Qualzuchten bestimmt die Nachfrage das Angebot. Besonders in Mode sind brachyzephale, also kurz- oder rundköpfige Vierbeiner wie Perser oder Britisch Kurzhaar bei den Katzen und Französische Bulldoggen oder Möpse bei den Hunden. „Mit ihren kurzen Schnauzen und großen Kulleraugen erfüllen sie das sogenannte Kindchenschema. Sie gelten als besonders niedlich und als tierisches Statussymbol. Doch sie sind eindeu-

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tig den Qualzuchten zuzuordnen“, erklärt Dr. Katrin Umlauf, Leiterin des Tierschutzzentrums Weidefeld und Referentin für Heimtiere beim Deutschen Tierschutzbund. Die meisten Halter wissen davon nichts. Laut einer Studie schätzen fast 71 Prozent von ihnen den Gesundheitszustand ihrer Hunde als sehr gut ein. Dabei ist die Liste der Krankheiten, die viele der Tiere plagen, ellenlang. Dazu gehören Allergien, Atemnot, tränende oder trockene Augen, Ohr- und Hautprobleme sowie Kiefer- und Zahnfehlstellungen, da für die gleiche Anzahl an Zähnen weniger Platz vorhanden ist. Wie alle Hunde regulieren auch diese Rassen ihre Körpertemperatur über die Nasenschleimhaut. „Je enger die Nasenlöcher und je kürzer die Nase, desto schwerer fällt ihnen das“, merkt Umlauf an. 72 Prozent der Hunde in der Studie können im Sommer lediglich zehn bis dreißig Minuten spazieren gehen. In schweren Fällen erleiden sie einen Kreislaufkollaps, wenn sie sich zu sehr anstrengen – bis hin zum Tod. Die Beispiele zeigen, welche gesundheitlichen Leiden Züchter in Kauf nehmen. Dabei verbietet Paragraf 11b Absatz 1 des Tierschutzgesetzes, Wirbeltiere zu züchten, wenn zu erwarten ist, dass den „Nachkommen erblich bedingt Körperteile oder Organe für den artgemäßen Gebrauch fehlen oder untauglich oder umgestaltet sind und hierdurch Schmerzen, Leiden oder Schäden auftreten“. Trotzdem fällt es schwer, Tiere als Qualzuchten einzuordnen, wenn nicht alle Tiere einer Rasse betroffen sind. „Das Gesetz ist zu schwammig formuliert, und die Behörden haben Schwierigkeiten, die Qualzuchten rechtlich zu

© Fotos: iStock – Alexandra Draghici (Seite 8 und 9); Pixabay (Hund, Katze); stock.adobe.com – dvr (Vogel); Alamy Stock Photo – Dai-Thomas Seaton-Noton (Pferd) (Seite 10 und 11)

Das Aussehen spielt die Hauptrolle


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Um Rassestandards wie eine enorm starke Bemuskelung zu erreichen, setzen Züchter von Quarter Horses unter anderem immer wieder dieselben Zuchttiere ein. So können sich auch zum Teil fatal endende Erbkrankheiten schnell verbreiten.

Reinweiße Kanarienvögel können je nach Erbanlage der Elterntiere unter Stoffwechselstörungen leiden oder sind gar nicht erst lebensfähig.

Wegen ihres „putzigen” Äußeren können Schottische Faltohrkatzen mangels intakter Ohren nicht artgerecht kommunizieren. Eine weitere Folge der Zucht sind Gelenkprobleme.


Himmelsgucker gehören zu den skurrilen Auswüchsen der Fischzucht. Das bizarre Antlitz der Tiere wird durch blasige Auftreibungen unter den Augen verursacht. Sie behindern die Goldfische in ihrer Sicht, da ihr Sichtfeld ständig nach oben gerichtet ist. Dies führt zu eingeschränktem Schwimmvermögen, und die Tiere verletzen sich leichter. Die Goldfische können sich nicht mehr natürlich in ihrer Umgebung orientieren. Teilweise sind sogar operative Eingriffe an den Augen nötig.

Nicht einmal Krokodile sind vor Qualzuchten sicher. Morphen sind Reptilien, die sich in Farbe, Musterung oder Hautstruktur vom Wildtyp unterscheiden. Albinotische Tiere wie dieses neigen zur Überempfindlichkeit auf UV-Strahlen.


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© Foto: Alamy Stock Foto – Stocksolutions (Gecko), Allen Creative/Steve Allen (Krokodil); iStock – 9george (Fisch)

Züchter „designen” Leopardgeckos in verschiedenen Ausprägungen der Farbform Enigma. Sie führt zum „Enigma-Syndrom”. Erkrankte Tiere starren insbesondere unter Stress unkontrolliert, halten den Kopf schief und erleiden Anfälle. Viele Tiere sterben vor der Geschlechtsreife.

verfolgen. Deshalb greifen sie zu selten durch“, sagt Hoth. In der Regel beziehe sich der Begriff Qualzucht derzeit nicht auf eine ganze Rasse, sondern auf Merkmale, die gehäuft bei bestimmten Rassen auftreten. Sie verursachen den Tieren Probleme, doch nicht in jedem einzelnen Fall schwerwiegende. Bei bestimmten Rassen wie brachyzephalen Tieren sind die Probleme jahrelang bekannt, dennoch mangelt es auch hier an der Umsetzung des Qualzuchtverbots. Gerichte treffen jeweils nur Einzelfallentscheidungen. Ihre Verbote gelten dann für einen einzelnen Züchter, halten andere jedoch nicht von der Zucht ab, solang keine Klage gegen sie vorliegt.

Das nackte Grausen Dies gilt auch für einzelne Zuchten von Sphynx-Katzen, die Gerichte in Hamburg und Berlin inzwischen als Qualzucht angesehen haben. Sie verboten den Züchtern, die Nacktkatzen zu züchten, denen auch die Tasthaare fehlen. „Die Katzen brauchen sie, um sich im Dunkeln zu orientieren, Beute aufzuspüren,

die Augen zu schützen und soziale Kontakte aufzunehmen“, bestätigt Dr. Moira Gerlach, Referentin für Heimtiere beim Deutschen Tierschutzbund. Nicht anders ergeht es den menschlichen „Sonderwünschen“ Nacktmeerschweinchen, -ratten und -hunden. „Nackthunderassen haben sehr empfindliche Haut, erleiden leicht Sonnenbrände und leben mit einem gestörten Temperaturhaushalt“, erklärt Umlauf zu diesen von Menschen „designten“ Tieren. Ins andere Extrem fallen Züchter, die auf sehr viel Fell aus sind, wie bei Angorakaninchen. Ihr Haar ist derart verändert, dass die geselligen Tiere in steriler Einzelhaltung auf Draht- oder Plastikrosten leben müssen, damit es nicht verfilzt oder Artgenossen es abfressen. „Die Tiere müssen drei- bis viermal im Jahr geschoren oder gerupft werden. Das ist mit massivem Stress und oft auch mit Schmerzen verbunden“, verdeutlicht Dr. Anna Kirchner, Referentin für Interdisziplinäre Themen beim Deutschen Tierschutzbund, die Hintergründe der begehrten Angorawolle. Groteske Züchtungen, die kaum schmerzfrei leben können, finden sich auch in Pferdeställen. Viele Züchter und Halter von Quarter Horses, der verbreitetsten Pferderasse der Welt, legen für sportliche Erfolge oder teure Zuchttiere in gewissen Disziplinen großen Wert auf möglichst stark bemuskelte Exemplare oder spezielle Fellfärbungen. Viele Pferde bezahlen das mit Krankheiten oder sogar dem Tod. Denn zahlreiche Zuchttiere sind Träger von Erbkrankheiten wie der zum Teil lebensbedrohlichen Muskelerkrankung HYPP, die bei erkrankten Pferden zu Symptomen wie Krampfen und Muskelschwäche führt, oder der Hautkrankheit HERDA. „Sobald daran erkrankte Pferde geritten werden, ist die fragile Haut gerade unter dem Sattel anfällig für Verletzungen“, berichtet Andrea Mihali, Leiterin der Abteilung für Interdisziplinäre Themen beim Deutschen Tierschutzbund. Teilweise müssen Tierärzte die Pferde sogar einschläfern. „Die Zuchtziele sind so eng definiert, dass die Züchter Zuchttiere, die Träger einer Erbkrankheit oder sogar erkrankt sind, immer wieder einsetzen und Erbkrankheiten verbreiten, statt gesunde Zuchttiere zu verwenden oder andere Rassen einzukreuzen. Doch genau das wäre wichtig, um die Population gesund zu halten“, fordert Mihali. Gesunde Populationen sind leider auch in manchen Aquarien Mangelware. Das Gruselkabinett der schwimmenden Qualzuchten von Hobby- und Profizüchtern fördert unter anderem Eierfische, also Goldfische ohne Rückenflosse, Berliner Guppys, deren Flossen ein Leben lang wachsen, und Goldfische, die nur nach oben schauen können, sogenannte Himmelsgucker, zutage. „Es steht außer Frage, dass diese Fische in ihrer Schwimmfähigkeit eingeschränkt DU UND DAS TIER 2/2020

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Die Industrie züchtet Angorakaninchen bewusst auf viel Wolle. Sie leiden in der Haltung und neigen zu Magen-Darm-Störungen durch Ballen aus verschluckten Haaren.

Weiß-Blaue Belgier sollen viel Fleisch produzieren. Entsprechend groß sind schon die Kälber, die routinemäßig per Kaiserschnitt auf die Welt geholt werden. Ohne diesen würde die Rasse bereits an der Geburt zugrunde gehen.

Nacktratten sind empfindlich gegenüber Einflüssen wie Kälte und Sonne und können sich leicht verletzen.

Die Leistungszucht hat zu sehr großen Würfen geführt, häufig kommen sogar mehr Ferkel zur Welt, als die Sau Zitzen hat. Die hohen Zahlen an Ferkeln können schon in der Gebärmutter manchmal nicht mehr gleichmäßig und ausreichend mit Sauerstoff und Energie versorgt werden.

sind und Himmelsgucker sich durch ihr verändertes Sichtfeld deutlich schlechter orientieren können“, merkt Gerlach an. Immerhin haben sich viele größere Aquarienvereinigungen und der Zoofachhandel in Deutschland inzwischen gegen die Zucht und den Handel solcher offensichtlichen Qualzuchten bei Zierfischen positioniert.

Schuppen- und schutzlos Wie Fische leiden auch Reptilien „im Stillen“. „Darum bemerken die Tierhalter es nicht direkt“, weiß Patrick Boncourt, Referent im Tierschutzzentrum Weidefeld des Deutschen Tierschutzbundes. Besonders beliebt sind sogenannte Morphen. Solche „Designer“-Reptilien, die sich in Farbe, Musterung oder Hautstruktur vom ursprünglichen Wildtyp unterscheiden, gibt es für fast alle häufig gehaltenen Arten wie Kornnattern, Königspythons, Leguane, Bartagamen und Schildkröten. Beliebte Exemplare sind jene, denen einzelne Farbpigmente fehlen – allein Kornnattern sind darum in Hunderten verschiedenen Färbungen erhältlich –, oder Albinos. Das exotische Äußere begünstigt Tumore und macht die Haut empfindlich gegenüber lebens-


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notwendigen UV-Strahlen. „Vor allem sonnenliebende Reptilien können sich lebensgefährlich verbrennen oder erblinden, wenn auch im Auge ein Pigment fehlt“, warnt Boncourt. Ebenso paradox ist die Zucht schuppenloser Tiere. „Betroffene Tiere müssen meist auf Zeitungspapier gehalten werden, weil sie sich an Steinen oder Ästen verletzen.“ So schmerzhaft ihr Leben ist, so begehrt sind sie leider. Liebhaber zahlen auf dem Markt bis zu fünfstellige Beträge.

Fotos: iStock – sucek (Kaninchen), Jevtic (Schweine); Barbarossa – Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0 (Rind); stock.adobe.com – jagodka (Ratte)

Wirtschaften wider die Natur Exotische Reptilien oder „angesagte“ Hunderassen lassen die Kassen von gewerblichen Anbietern, Hobby-Züchtern und illegalen Händlern klingeln. Millionen weitere traurige Schicksale gehen auf das Konto von Landwirtschaft, Handel und Verbrauchern. Denn der qualvolle Weg durch die Massentierhaltung beginnt bereits mit der Zucht auf Hochleistung – und endet wegen ihr oft frühzeitig. „Für Schweinezuchtbetriebe zum Beispiel sind größere Würfe wirtschaftlicher. Inzwischen wachsen in einer typischen Zuchtsau aber mehr Ferkel heran, als physiologisch sinnvoll ist“, kritisiert Dr. Miriam Goldschalt, Referentin für Tiere in der Landwirtschaft beim Deutschen Tierschutzbund. Die Ferkel können sich in der Gebärmutter nicht alle gleichmäßig entwickeln, und mit der Größe des Wurfes steigt der Anteil an lebensschwachen Tieren. Für sie besteht ein erhöhtes Risiko, an Unterkühlung zu sterben, erdrückt zu werden oder zu verhungern – wenn zum Beispiel 24 neugeborene Ferkel um die 14 Zitzen ihrer Mutter kämpfen müssen. Ein großer Teil der Schweine, die die Säugeperiode überleben und in die Mast müssen, tun dies unter Schmerzen. Das Skelett der hochgezüchteten Tiere, die schnell wachsen und zunehmen sollen, hält mit dem Aufbau der Muskulatur nicht Schritt. Sie lahmen und haben schwache Beine. Auch die Rinderrasse Weiß-Blaue Belgier badet aus, dass die Industrie sich lebende Fleischberge wünscht. Die Kühe müssen nicht nur ihre eigene Last ertragen, sondern auch Schwergeburten. Die Kälber sind größer als bei anderen Rassen. Tierärzte holen sie daher routinemäßig per Kaiserschnitt. „Ohne menschliches Eingreifen würde diese Rasse bereits an der Geburt zugrunde gehen“, zieht Frigga Wirths, Referentin für Tiere in der Landwirtschaft beim Deutschen Tierschutzbund, ein ernüchterndes Fazit. Bei der Zucht von Ratten und Mäusen werden körperliche Schäden nicht nur billigend in Kauf genommen, sondern sie sollen sogar vorsätzlich erkranken – wenn sie für den Einsatz in Versuchslaboren gedacht sind. Denn dort ist genau das ihr „Nutzen“ – damit Wissenschaftler an ihnen forschen können. „In diesen Fällen wird das Erbgut der Tiere oftmals gezielt verändert, um sie künstlich krank zu machen“, erläutert Kristina Wagner, Leiterin der Abteilung Alternativmethoden

zu Tierversuchen beim Deutschen Tierschutzbund, die Schäden wie Lähmungen, Blind- und Taubheit oder Tumore als Folge dieser Form der Qualzucht benennt.

Gesundheit vor „Perfektion“ „Es kann und darf nicht sein, dass Tiere Medikamente oder gar Operationen brauchen, die ihnen erst das Leben ermöglichen, das ihre Zucht aufgrund von Schönheitsidealen, sportlichem Ehrgeiz und industrieller Lebensmittelproduktion verhindert. Das Ziel muss es sein, Tiere zu züchten, die nicht dem menschlichen Streben nach ‚Perfektion‘ unterliegen, sondern ein gesundes und vitales Leben führen können“, stellt Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, klar. Dafür fordert der Deutsche Tierschutzbund eine Konkretisierung des Tierschutzgesetzes. „Es braucht dafür eine Erweiterung des Paragrafen 11b oder ein zusätzliches Gesetz, das klar definiert, was als Qualzucht gilt“, sagt Schröder. Das würde den Behörden Sicherheit geben, die sich aktuell noch schwer täten, Zuchtverbote zu verhängen. Bis es so weit ist, appelliert er an die Schweinehalter, kleinere Würfe mit höheren Geburtsgewichten der einzelnen Tiere zu züchten und die landwirtschaftliche Zucht allgemein auf weniger hochgezüchtete und dadurch gesündere und robustere Tiere zu verlagern. Darüber hinaus appelliert der Verband an den Gesetzgeber, nicht nur die Zucht, sondern auch die Haltung, den Import, die Ausstellung und den Verkauf von Tieren aus Qualzucht zu verbieten. „Dafür setzen wir uns ein“, sagt Schröder. Weil jeder zukünftige Halter schon jetzt einen Beitrag gegen die Qualzucht leisten kann, bittet er, sich beim Kauf nicht allein vom Äußeren eines Tieres leiten zu lassen, sondern sich vorab über die Rasse und die Herkunft des Heimtiers zu informieren. „Im Idealfall sollten sich Interessenten im Tierheim umschauen und sich dort beraten lassen“, empfiehlt der Präsident. Ist ein Tier aus dem Tierheim nicht mindestens genau so süß wie ein von Menschen „designtes“ Exemplar auf Bestellung – und dazu noch einzigartig? Viel wichtiger als „Perfektion“ ist es doch, ein gesundes Tier zu haben – das nicht aufgrund der eigenen Vorlieben von Geburt an krank ist. Joscha Duhme

tierschutzbund.de/qualzucht Online finden Sie weitere Informationen zur Qualzucht und eine Checkliste, anhand der Sie prüfen können, ob Ihr Hund unter seinem kurzen Kopf leidet.

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DURCH DIE KRISE LOTSEN S E D N E D L HE

Tierheimmitarbeiter leisten täglich großartige Arbeit. Um diese „Helden des Tierheimalltags“ vorzustellen, wirft DU UND DAS TIER in dieser Serie einen Blick hinter die Kulissen und widmet sich verschiedenen Schwerpunkten. Im ersten Teil zeigen wir, wie Mitgliedsvereine des Deutschen Tierschutzbundes mit der Corona-Krise umgehen. Denn Tierpfleger können nicht im Homeoffice arbeiten – schließlich sind Tausende Hunde, Katzen, Kleintiere und Co. darauf angewiesen, dass diese sie versorgen.

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enn es so weitergeht, wird es finanziell bedrohlich.“ Manuela Braunmüller, Vorsitzende des bayerischen Tierschutzvereins Pfaffenhofen und Umgebung, blickt mit Sorge auf die Auswirkungen, die die Corona-Pandemie auf die Tierherberge Pfaffenhofen an der Ilm haben könnte. Wichtige Einnahmequellen sind weggefallen – unter anderem musste der Tierschutzverein sämtliche Veranstaltungen absagen, bei denen dringend benötigte Spenden in die Vereinskasse geflossen wären. Nachdem die Vermittlungsquoten mit Beginn der Corona-Beschränkungen auf null fielen, können Interessenten Tiere inzwischen wieder adoptieren – dies geht jedoch nur nach Terminvereinbarung und mit Schutzvorkehrungen. Bayern war das erste Bundesland, das wegen der zunehmenden Infektionen strikte Ausgangsbeschränkungen eingeführt hatte. Der normale Alltag kam überall zum Erliegen, Schulen, Geschäfte und andere öffentliche Einrichtungen mussten ihre Pforten schließen. Das galt natürlich auch

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für die Tierherberge Pfaffenhofen. Doch auch wenn die Einrichtung weitestgehend keine Besucher mehr empfangen darf, müssen die tierischen Bewohner weiterhin versorgt werden. Also mussten die Tierheimmitarbeiter umdisponieren und Vorkehrungen treffen, um die Betreuung der Tiere aufrechtzuerhalten, während sie gleichzeitig die nötigen Hygienevorschriften und Abstandsregeln einhalten. „Büroarbeiten können wir nur im Schichtdienst erledigen, und Hygienevorschriften werden peinlich genau eingehalten“, sagt Braunmüller. „Nur maximal fünf bis sechs Betreuer unseres ‚harten Kerns‘ befinden sich über den Tag verteilt im Haus. Wir verzichten zurzeit auf die ehrenamtlichen Helfer, die sonst unser Stammpersonal entlasten.“ Der Tierschutzverein und die Tierheimmitarbeiter wollen keinesfalls ein Risiko eingehen – zu groß ist die Sorge, dass sich das Virus in der Belegschaft ausbreitet und dann nicht genügend Mitarbeiter da sind, die sich um die Tiere kümmern können. „Wir können nur das tun, was für ganz viele andere Einrichtungen im Moment auch gilt: den Job machen und abwarten.“


AKTUELL

„DAS IST EIN DRAMA FÜR ALLE TIERHEIME.“

© Fotos: Tierheim Feucht – Tierhilfe Nürnberg e.V. (Seite 16 und 17 Mitte); Tierschutzverein Pfaffenhofen und Umgebung e.V. – Sandra Lob (Seite 17 oben); Tierschutzverein für den Kreis Heinsberg e.V. (Seite 17 unten)

Der Deutsche Tierschutzbund hilft Seit Beginn der Corona-Krise erreichen den Deutschen Tierschutzbund Tag für Tag zahlreiche Anfragen von Mitgliedsvereinen und Tierheimen – viele von ihnen bangen sogar um ihre Existenz. „Tierheime helfen in dieser Krise, wo sie können, und stehen für die in Not geratenen Tiere und ihre Halter ein. Sie haben aber selbst mit den Folgen von Corona zu kämpfen“, sagt Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. „Wir als Dachverband tun alles in unserer Macht Stehende, um die Tierheime auch in dieser Notlage bestmöglich zu unterstützen, und hoffen trotz der bedrückenden Lage auf die Unterstützung von Tierfreunden.“ Betroffen sind vor allem die Tierschutzvereine, die nicht genügend Rücklagen bilden konnten – zum Beispiel, weil Kommunen ihnen nur unzureichend Kosten für Fundtiere erstattet haben. Um seinen Mitgliedsvereinen finanziell unter die Arme zu greifen, hat der Verband verstärkt zu Spenden aufgerufen. Mit Zuschüssen aus seinem Feuerwehrhilfsfonds bietet der Deutsche Tierschutzbund zudem Tierheimen, die besonders in Not geraten sind, schnelle und unbürokratische Hilfe. So wird gewährleistet, dass jedes Tier Futter, Pflege und tierärztliche Versorgung bekommt.

Ein Blick auf eine Corona-Hochburg

lichen Telefonat machen wir einen Termin“, sagt die Tierheimleiterin. Positiv sei zudem, dass sie und ihre Kollegen jetzt mehr Zeit für die Interessenten hätten und noch individueller auf sie eingehen könnten. „Wir haben sogar den Eindruck, dass jetzt mehr Menschen ein Haustier adoptieren möchten – vielleicht liegt es daran, dass sie nun mehr Zeit haben. Natürlich ist es dann unsere Aufgabe genau zu prüfen, ob die Interessenten sich ihre Entscheidung gut überlegt haben.“ Abgabetiere seien in letzter Zeit hingegen kaum gekommen. Anders als in manchen anderen Einrichtungen hätten sich im Tierheim Heinsberg auch keine Halter gemeldet, die befürchten, ihr Tier könne das Virus übertragen und dass sie deshalb überlegen, Die Tierheimmitarbeiter müssen die Kaninchen, Hunde, Katzen und Co. natürlich auch während der Corona-Krise versorgen. Um sich vor einer Ansteckung zu schützen, halten sie strenge Sicherheitsvorkehrungen ein. Zum Beispiel tragen sie einen Mundschutz und halten gebührenden Abstand zu ihren Kollegen.

Mehr als 600 Kilometer von Pfaffenhofen entfernt, im Tierheim für den Kreis Heinsberg in Nordrhein-Westfalen, mussten die Mitarbeiter auch erst lernen, mit der Krise umzugehen. Obwohl Heinsberg zu den Corona-Hochburgen zählt, ist das Tierheim bislang verschont geblieben. „Seit der Landrat Ende Februar die ersten Vorsichtsmaßnahmen eingeleitet hat, sind unsere Mitarbeiter äußerst vorsichtig, und glücklicherweise ist niemand von uns krank“, sagt Tierheimleiterin Sina Braun. „Von unseren 15 Festangestellten arbeiten nicht mehr alle gleichzeitig, sondern nur noch die, die wirklich vor Ort sein müssen.“ Im Büro wurde unter anderem eine Plexiglaswand aufgestellt, zudem habe die zuständige Tierärztin für ausreichend Desinfektionsmittel gesorgt. „Nette Sponsoren haben auch Stoffmasken für uns genäht“, so Braun. „Insgesamt hat sich unser Tierheimalltag gar nicht so stark verändert, außer dass wir für Besucher geschlossen haben.“ Vermittlungen sind hier weiterhin möglich: „Wer zum Beispiel ein Tier bei sich aufnehmen oder eins abgeben möchte, muss zunächst telefonisch oder per E-Mail Kontakt zu uns aufnehmen – erst nach einem ausführDU UND DAS TIER 2/2020

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HELD

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CORONA-FOLGEN €

Wie sich die Pandemie auf Tierheime auswirkt.

Tierheime haben deutlich weniger Einnahmen, da Veranstaltungen, die ihnen viele Spenden eingebracht hätten, abgesagt werden mussten.

Vermittlungen bleiben in einigen Tierheimen nach Terminvereinbarung möglich.

GESCHLOSSEN

Tierheim

ihren Schützling abzugeben. Eine Angst, die nach aktuellem Wissensstand unbegründet ist. Doch auch wenn Braun und ihre Mitstreiter die Situation bislang gut gemeistert haben, stehen sie vor demselben Problem wie alle anderen Tierheime: Auch sie waren gezwungen, Veranstaltungen wie den Tag der offenen Tür abzusagen und ihr Café zu schließen, sodass sie ihren Betrieb nun mit deutlich weniger Einnahmen aufrechterhalten müssen. „Das ist ein Drama für alle Tierheime“, so Braun.

Tierheime sind systemrelevant Der Deutsche Tierschutzbund erachtet Tierheime als systemrelevante Einrichtungen. Ob Tierpfleger oder ehrenamtliche Helfer, sie alle halten den Betrieb am Laufen. Doch obwohl sie überaus wichtig für unsere Gesellschaft sind, spiegelt sich das nicht immer in der kommunalen Unterstützung wider. So bieten noch nicht alle Bundesländer finanzielle Soforthilfen für Tierschutzvereine. Zudem sind die Förderbedingungen von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich (lesen Sie hierzu auch Seite 3). Die Tierheimberater, die Vereinsbetreuung und die zuständigen Landesverbände des Deutschen Tierschutzbundes stehen den Vereinen jedoch mit ihrem Fachwissen zur Seite und bieten ihnen unter anderem Infos zu den Fördermitteln, zur Versorgung der Tiere auch in Corona-Zeiten und zur Umsetzung der Hygienevorschriften.

Sicherheitsvorkehrungen zum Schutz aller Besondere Vorkehrungen zur Sicherheit der Tierpfleger hat auch der bayerische Tierschutzverein Feucht – Tierhilfe Nürnberg getroffen, zum Beispiel mithilfe räumlicher Trennungen: „Die Pfleger unserer drei Abteilungen für Hunde, Katzen und Kleintiere nutzen jeweils einen gesonderten Eingang, halten zwei Meter

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Die Mitarbeiter müssen normal weiterarbeiten, da sie die Hunde, Katzen und Co. versorgen müssen.

Tierheime mussten wochenlang auf ehrenamtliche Helfer verzichten, aber dennoch dafür sorgen, dass die Hunde ihren Auslauf bekommen und Katzen beschäftigt werden. Abstand und tragen Mund- und Nasenschutz sowie Schutzanzüge“, schildert Ulrike Lang, Leiterin des Tierheims Feucht. „Außerdem wurden die Schichten so aufgeteilt, dass die Pfleger sich nicht über den Weg laufen.“ Die Mitarbeiter hatten zeitweise nachmittags die Gassirunden mit den Hunden übernommen, für die sonst immer ehrenamtliche Helfer zuständig sind. Ende April konnten diese Regeln aber gelockert werden: So wurde ein Wartebereich angelegt, in dem die Mitarbeiter die Hunde einzeln und möglichst kontaktlos ehrenamtlichen Gassigängern übergeben. Zur Sicherheit bringen diese auch eigene Hundeleinen mit, damit nicht mehrere Personen dieselbe Leine anfassen. Auch die Katzenstreichler durften wochenlang nicht ihre Samtpfoten besuchen. Seit Mitte Mai ist dies jedoch wieder möglich, sofern die ehrenamtlichen Helfer vorher einen Besuchstermin vereinbaren und bestimmte Sicherheitsvorkehrungen einhalten. „Die Katzen und Helfer haben sich vermisst“, sagt Lang. Sie weiß, dass sie und ihre Mitstreiter in dieser Krise nicht allein sind und es viele Menschen gibt, denen die tierischen Bewohner des Tierheims am Herzen liegen. „Wir freuen uns zum Beispiel über mehrere großzügige Futterspenden.“ Nadine Carstens

tierheime-helfen.de/spenden-corona Wenn Sie besonders betroffene Tierschutzvereine in dieser Notsituation unterstützen möchten, können Sie unter dem Spendenzweck „Nothilfe für Tierheime“ spenden.

tierheime-helfen.de Erfahren Sie mehr über die großartige Arbeit der Tierheime und unsere Kampagne „Tierheime helfen. Helft Tierheimen!“.


AKTUELL

„TIERSCHUTZ DARF KEINE LUXUSANGELEGENHEIT SEIN“ Reinhold Jost, Minister für Umwelt und Verbraucherschutz des Saarlandes (SPD), schildert im Interview mit DU UND DAS TIER, wie wichtig Tierheime und Tierschutzvereine für unsere Gesellschaft sind und was sein Ministerium unternimmt, um sie zu unterstützen.

© Illustrationen: freepik (Seite 18); Foto: Land Saarland – Ministerium für Umwelt und Verbraucherschutz (Seite 19)

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err Jost, welche Bedeutung haben Tierheime und Tierschutzvereine Ihrer Meinung nach für unsere Gesellschaft? Die Aufnahme des Tierschutzes als Staatsziel in das Grundgesetz im August 2002 zog eine immer größer werdende gesellschaftliche Sensibilisierung hin zu mehr Tierschutz nach sich. Die Grundgesetzänderung gibt dem Tierschutz keine Vorrangstellung vor anderen Verfassungsgütern, aber sie verleiht ihm in der vorzunehmenden Abwägung mehr Gewicht, als es vor der Aufnahme der Fall war. Tierschutz ist eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung, die in meinem Haus einen hohen Stellenwert besitzt. Fernab aller Rechtsvorgaben, mit denen bestimmte Mindestanforderungen definiert werden, liegt es vor allem in der Verantwortung eines jeden Tierhalters und einer jeden Tierhalterin, das Wohlbefinden seines Tieres zu schützen. Nicht alle sind allerdings in der Lage, ihre Tiere ausreichend und ihren Bedürfnissen entsprechend zu versorgen. Daher kommt den Tierheimen mit der Aufnahme, der Versorgung und der Weitervermittlung von Tieren in Not eine tragende Rolle für den Tierschutz in unserem Land zu. Sie sind auch wichtige Orte der Begegnung und der Aufklärung. Die pädagogische Arbeit der Tierschutzvereine für Kinder und Erwachsene ist von unschätzbarem Wert. Sie vermitteln

damit Verantwortungsbewusstsein für unsere Natur und unsere Tierwelt. Aktuell leiden auch die Tierheime unter anderem wegen fehlender Einnahmen unter den Folgen der Corona-Krise. Was unternimmt Ihre Landesregierung, um den Tierschützern in dieser Notsituation zu helfen? Die saarländische Landesregierung hat schnell und unbürokratisch zusätzliche finanzielle Förderungen für die Tierheime und Tierschutzvereine auf den Weg gebracht. Tierschutz darf auch und gerade in Krisenzeiten keine Luxusangelegenheit sein. Die Unterstützung soll darüber hinaus als Ausdruck der Wertschätzung für die Menschen verstanden werden, die dort auch während der Pandemie gemeinsam anpacken, um Tieren zu helfen. Unabhängig von der Corona-Krise stehen viele Tierheime generell vor finanziellen Herausforderungen – unter anderem, weil viele Kommunen die Kosten für die Versorgung von Fundtieren nicht oder nur zum Teil übernehmen. Warum erhalten sie nicht mehr Unterstützung? Zunächst einmal ist Tierschutz eine Pflichtaufgabe der Städte und Gemeinden. Bei der Unterbringung und Versorgung von Fundtieren sind sie am Zug. Unabhängig davon steht mein Haus im ständigen

Austausch mit den Kommunen. Gemeinsam konnten wir schon viel für die Tierheime erreichen. Drei von vier saarländischen Tierheimen haben bislang sogenannte Konsortialverträge abgeschlossen. Durch diese Verträge ist auch die Finanzierung der Betriebskosten der Tierheime sichergestellt. Dabei zahlen die Städte und Gemeinden des Landkreises einen Kommunalbeitrag pro Einwohner und Jahr. Ich werde mich weiter dafür einsetzen, dass auch mit dem vierten Tierheim in diesem Jahr ein Konsortialvertrag vereinbart wird. Das Interview führte Nadine Carstens

duunddastier.de/jost Lesen Sie online das ausführliche Interview mit Reinhold Jost. Da das Saarland 2020 den Vorsitz der Agrarministerkonferenz innehat, bezieht der Minister auch Stellung zu seinen agrarpolitischen Zielen und schildert, wie er den Tierschutz in der Landwirtschaft vorantreiben will.

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Kleine Fortschritte Nationaltier im Visier USA – Hunderte der einst beinahe ausgerotteten Bisons wurden im YellowstoneNationalpark getötet. Dies soll der Kontrolle des Bestands dienen und verhindern, dass sich Krankheiten ausbreiten. Tierschützer fordern, die Nationaltiere auch in andere Regionen auszusiedeln und dort unter Schutz zu stellen.

China – China hat den Verkauf von Hunde- und Katzenfleisch zum Verzehr verboten. Zuvor hatte der ständige Ausschuss des Nationalen Volkskongresses auch den Verzehr von Wildtieren nach dem Ausbruch der Corona-Krise landesweit unter strenge Bedingungen gestellt und den Handel mit Produkten aus Wildtieren vorübergehend gebremst.

WALFANG AUSGESETZT Island – Nach 2019 jagt Island, neben Japan und Norwegen eine der drei Fangnationen, auch in diesem Jahr keine Wale. Die CoronaKrise, sinkende Nachfrage und steigende Beliebtheit von Walbeobachtungen gehören zu den Gründen.

DAS KÜKENTÖTEN NIMMT KEIN ENDE

Pelzbranche unter Druck Dänemark – Kopenhagen Fur, das größte Pelzauktionshaus der Welt, verzeichnet aktuell die niedrigsten Umsätze seit 2010. Gründe sind eine geringere Nachfrage und sinkende Preise. Das macht Hoffnung. Dennoch leiden und sterben noch immer Millionen Tiere für die Mode.

TIERSCHUTZ WELTWEIT

KORALLEN BLEICHEN AUS Australien – Die Korallen des Great Barrier Reefs – Nahrungsquelle, Rückzugsort und Lebensraum unzähliger Meeresbewohner – leiden aufgrund hoher Meerestemperaturen zum dritten Mal in fünf Jahren unter einer Massenbleiche. Dabei verlieren sie ihre Farbe und viele sterben.

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JAGD AUF BIBER DEUTSCHLAND – TROTZ STRENGEN SCHUTZES FANGEN UND TÖTEN JÄGER IN BAYERN JEDES JAHR VIELE BIBER. 2017 WAREN ES FAST 1.600 TIERE, 2018 SOGAR BEINAHE 2.000. Mit Hufen das Klima schützen

Arktis – Würden Rentiere, Bisons und Jakutenpferde wieder im hohen Norden angesiedelt, könnten sie laut Wissenschaftlern den dortigen Permafrostboden davor bewahren, schnell abzutauen und Treibhausgase freizusetzen. Mit ihren Hufen würden sie Teile der Schneeschicht zerstören, und die kalte Luft gelänge an den Boden.

© Fotos: Pixabay

Deutschland – 2019 hat die Geflügelwirtschaft drei Millionen männliche Küken mehr als im Vorjahr getötet. Insgesamt waren es 45,3 Millionen.


AKTUELL

DIE SECHS MONATE NUTZEN Deutschland übernimmt am 1. Juli den Vorsitz des Rates der Europäischen Union. Der Deutsche Tierschutzbund wirbt dafür, den Tierschutz während dieser Ratspräsidentschaft voranzutreiben.

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in Verein, dessen Vorsitz ständig wechselt, ist oft von Chaos und Intrigen geplagt. In der Europäischen Union (EU) sind regelmäßige Führungswechsel hingegen Ausdruck von Demokratie. Halbjährlich übernimmt ein anderes Land den Vorsitz des Rates der EU, der Vertretung der Mitgliedsländer. Er verabschiedet gemeinsam mit dem Europäischen Parlament die EU-Rechtsvorschriften und koordiniert die Zusammenarbeit der EU-Länder. Am 1. Juli übernimmt Deutschland die Ratspräsidentschaft und ist dann für sechs Monate verantwortlich, die Arbeit, beispielsweise im Bereich Landwirtschaft, aktiv voranzutreiben. Der Rat tagt in zehn verschiedenen Konstellationen. In der Ratsformation „Landwirtschaft und Fischerei“, die Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner leiten wird, beraten die zuständigen nationalen Minister auch über Tierschutzthemen. Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, appelliert daher an Klöckner, im Rat „wichtige tierschutzpolitische Akzente auf EU-Ebene zu setzen und Vorhaben anzuschieben“.

© Illustration: stock.adobe.com; freepik

Unzureichende Bestimmungen Die EU brauche zum Beispiel eine bessere EU-Tiertransportverordnung (lesen Sie hierzu mehr auf Seite 22). „Noch immer leiden die transportierten Tiere unter zu seltenen Ruhepausen, hohen Temperaturen und zu wenig Platz“, zählt Schröder nur einige Bestimmungen auf, die bislang unzureichend sind. „Und solange die Verordnung nicht überarbeitet wurde, müssen die EU-Länder durch häufigere Kontrollen und konsequentere Sanktionen zumindest gewährleisten, dass die bestehende eingehalten wird.“ Bereits vor der Ratspräsidentschaft hat Klöckner ihre Ideen für eine EU-weite Tierwohlkennzeichnung vorgestellt. Einige Mitgliedsstaaten befürworten den Vorschlag eines verpflichtenden Labels, andere favorisieren ein freiwilliges. Dem Deutschen Tierschutzbund geht beides nicht weit genug. „Wir fordern eine eigenstän-

WAS WIR FORDERN:

dige verpflichtende EU-weite Kennzeichnung aller tierischen Produkte und solcher, die tierische Bestandteile enthalten, deren Standard deutlich über den gesetzlichen Mindeststandards liegt“, so Schröder.

✔ Die Verordnung für Tiertransporte in der EU muss überarbeitet werden, damit die Tiere mehr Platz bekommen, sich häufiger erholen können und nicht bei Hitze eingepfercht werden. Weitere Forderungen sind häufigere Kontrollen, Verbote von Langstreckentransporten für alle Arten und Exporte von Fleisch und Sperma statt lebender Tiere. ✔ Um einen klaren Mehrwert an Tierschutz zu gewährleisten, braucht es eine eigenständige verpflichtende EU-weite Kennzeichnung aller tierischen Produkte und solcher, die tierische Bestandteile enthalten. Sie muss einheitlich, einfach, leicht verständlich und vermittelbar sein sowie deutlich über gesetzlichen Mindeststandards liegen.

Ursprünglich wollte die Bundesregierung auch die Reform der Gemeinsamen Europäischen Agrarpolitik während der ✔ Landwirtschaftiche Subventionen deutschen Ratspräsisollen nicht von der Größe der Bedentschaft vorantriebe abhängen, sondern von ihrem bringen. Aufgrund Engagement für Tierschutz-, Klimader Corona-Krise ist und Umweltprojekte. der Prozess derzeit verlangsamt. Doch sobald das Thema auf der Agenda steht, „sollten landwirtschaftliche Subventionen nicht weiter vorwiegend von der Fläche der Betriebe abhängen, sondern von ihrem Engagement für ambitionierte Tierschutz-, Klima- und Umweltprojekte, die über dem gesetzlichen Standard liegen. Zudem müsse die EU Tierbestände in der Landwirtschaft reduzieren, um bis 2050 klimaneutral zu werden“, erklärt Schröder. Joscha Duhme

duunddastier.de/ratspraesidentschaft Online finden Sie mehr zu den Hauptforderungen des Deutschen Tierschutzbundes und zu weiteren Zielen rund um den Tierschutz in der EU.

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GEBOREN, UM ZU STERBEN Etwa vier Millionen Kälber kommen in Deutschland jedes Jahr auf die Welt, damit Kühe Milch produzieren. Doch nur einige Hunderttausend weibliche davon dienen anschließend für ein paar Jahre als Milchkühe. Alle anderen werden zu Niedrigstpreisen verramscht, transportiert, gemästet und geschlachtet.

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AKTUELL

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ur wenigen Menschen ist klar, wie hoch der Preis für Milch, Joghurt, Butter und Käse wirklich ist. Dabei gleichen nicht nur die romantischen Bilder auf den Verpackungen, die durch die Bank weg glückliche Kühe auf grünen Wiesen zeigen, blankem Hohn. Auch die Tatsache, dass jede Kuh jedes Jahr ein Kalb bekommen muss, um die Milchproduktion am Laufen zu halten, ist längst noch nicht allen bewusst. Nur wenige machen sich Gedanken darüber, was tatsächlich hinter den tierischen Lebensmitteln steckt, die so praktisch und allzeit verfügbar für ein paar Cent in jedem Supermarkt stehen. Die traurige Wahrheit ist, dass im Schatten der Milchindustrie allein in Deutschland jedes Jahr etwa vier Millionen Kälber auf die Welt kommen, von denen die meisten schon nach kurzer Zeit dem Tode geweiht sind.

© Foto: stock.adobe.com – Nastya Korotkova

Opfer der Milchindustrie Kälber sind, bis auf die Individuen für die Nachzucht, nichts weiter als Mittel zum Zweck, und damit ein Nebenprodukt im Überangebot. Mit der Folge, dass ein Kalb derzeit zu einem Preis von weniger als zehn Euro gehandelt wird. Noch nicht einmal zehn Euro. Ihr Leben ist also genauso viel wert wie ein Kinobesuch, ein Kosmetikartikel oder ein Taschenbuch. „In Deutschland ist die Nachfrage nach Kälbern zudem nicht groß genug, um alle hier geborenen Tiere auch zu mästen und zu schlachten“, erklärt Frigga Wirths, Referentin für Tiere in der Landwirtschaft beim Deutschen Tierschutzbund. „Daher werden jährlich etwa 680.000 Kälber ins Ausland verkauft.“ Laut geltendem Recht sind diese schon in einem Alter von 14 Tagen transportfähig. So treten die meisten der kleinen Wesen bereits in ihrer dritten Lebenswoche den vom System vorgegebenen Transport in die Niederlande, nach Italien, Spanien, Belgien, Frankreich oder Polen an, wo auf sie erst die Mast und ein paar Monate oder eineinhalb Jahre später der Tod im Schlachthof warten. Einige werden sogar noch weiter in die Schlachtstätten in Nordafrika oder im Nahen Osten exportiert. Laut Transportverordnung müssen die Kleinen nach neun Stunden Fahrt eine Pause von mindestens einer Stunde erhalten, in der sie Milch oder MilchpulverErsatz bekommen. Anschließend darf die Fahrt für weitere neun Stunden weitergehen. „Erst nach sage und schreibe 19 Stunden müssen die Kälber abgeladen, in einer Versorgungsstation getränkt sowie gefüttert werden, und muss eine Ruhepause von 24 Stunden stattfinden“, kritisiert Wirths. In der Zwischenzeit kämpfen die Tiere mit Angst, Hunger und Durst. „Zwar müssen die Transporteure die Flüssigkeitsversorgung während der Fahrt sicherstellen, die Kälber trinken aber oft nicht, weil die Tränken auf den Lkw oft nicht für sie geeignet oder defekt sind“, so Wirths. „Da es zudem rein technisch nicht möglich ist, sie auf dem Lkw mit der für sie lebensnotwendigen Milch zu versorgen,

DIE KÄLBER HABEN ANGST, HUNGER UND DURST. kommt es nicht selten vor, dass die Fahrer einfach durchfahren.“ Nach 19 Stunden, oft später, kommen die Tiere dann durstig, hungernd, völlig gestresst und geschwächt an der Versorgungsstation an. Doch selbst dort ist nicht immer gewährleistet, dass alle ausreichend trinken. „Manche sind zu erschöpft, andere kennen die angebotenen Vorrichtungen nicht.“ Nach 24 Stunden Pause – vorausgesetzt sie wird eingehalten – geht die Fahrt auf die gleiche Art und Weise weiter. Abgesehen davon, dass solche Transporte auch für erwachsene Tiere eine wahre Tortur sind, haben die Kälber ein noch schwaches Immunsystem. „Neben Durst und Hunger belasten das Verlassen der gewohnten Umgebung, der Kontakt mit betriebsfremden Kälbern und die ungewohnte Fahrsituation die Tiere enorm“, so Wirths. Im Sommer leiden sie zudem oft unter großer Hitze und frieren im Winter bei Kälte oder Zugluft. Die Fahrten sind bei Temperaturen zwischen fünf und 30 Grad erlaubt. „Viele Kälber werden spätestens am Zielort krank, weil sie derart geschwächt sind und ihr Immunsystem völlig überbelastet ist.“

Raus aus der Transporthölle Obwohl all das seit Jahren bekannt ist, ändert sich nichts. Und die tierquälerischen Transporte rollen munter weiter über den Asphalt. Nur einen kleinen Lichtblick gab es letztes Jahr, als sich einige Veterinärämter weigerten, solche Transporte aufgrund der mangelnden Versorgung während der Fahrt abzufertigen. Allerdings erhoben die Transportunternehmen daraufhin Klage und bekamen vor dem Verwaltungsgericht Sigmaringen im Dezember 2019 recht. Auch der Verwaltungsgerichtshof in Mannheim bestätigte das Urteil wenig später. Es hat sich also bis heute nichts verbessert. Dem Deutschen Tierschutzbund bleibt nichts anderes übrig, als weiter alle Hebel in Bewegung zu setzen, um für das Ende dieser Tierqual zu kämpfen. Die geltende Transportverordnung muss dringend überarbeitet werden, und Fahrten sollten in keinem Fall länger als acht Stunden dauern. „Wir richten unseren Appell an die Verantwortlichen der Politik, endlich wahrzunehmen, dass diese Quälerei auf ihre Kosten geht, und fordern sie auf, dem Wahnsinn endlich ein Ende zu setzen.“ Verena Jungbluth

tierschutzbund.de/spenden-tiertransporte Helfen Sie uns und geben Sie den Tieren eine Stimme.

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WO MASCHINEN UND MENSCHEN AN GRENZEN STOSSEN


HINTER DEN KULISSEN

Die Gebirgsjägerbrigade der Bundeswehr setzt in schwierigem Gelände und bei extremem Wetter auf Maultiere und Pferde. Ein Blick hinter die Kulissen der Hochstaufen-Kaserne in Bad Reichenhall – dem bundesweit einzigen Standort dieser Art.

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ie Hochstaufen-Kaserne liegt mitten in der von Bergen umgebenen Stadt Bad Reichenhall. Am Tag unseres Besuchs prangt „Gefahrenstufe: Alpha“ auf dem Schild an der bewachten Zufahrt – Alpha bedeutet Normalbetrieb, so weit scheint alles in Ordnung zu sein. Nachdem die Personalausweise abgegeben und die Besucherscheine ausgefüllt sind, geht es hinein auf ein Gelände, welches Zivilisten normalerweise nicht zugänglich ist. Generell spielt die Bundeswehr im Alltag der meisten von uns kaum eine Rolle. Zum Glück. Denn auch wenn Smartphones und Fernseher die Kriege, die Konflikte und die Bedrohung durch den Terror zum Greifen nah in die eigenen vier Wände bringen, ist der reale Krieg doch ziemlich weit weg. Mitten unter uns gibt es allerdings Menschen, bei denen das anders ist. Denn sie haben sich dem Dienst in der Bundeswehr verpflichtet.

Höhe, Kälte, Schnee Die Gebirgsjägerbrigade 23 „Bayern“, die in Bad Reichenhall und Umgebung angesiedelt ist, hat ein sogenanntes besonderes Fähigkeitsprofil: Kampf in schwierigem bis extremem Gelände einschließlich großer Höhen und unter extremen Klima- und Wetterbedingungen. „Überall dort, wo andere nicht mehr weiterkommen, beginnen wir“, erzählt uns Oberst Peter Eichelsdörfer, nachdem er uns begrüßt hat, und berichtet, dass die Soldaten hier für den Extremfall ausgebildet werden. Sie trainieren Einsätze und das Überleben in Höhen von bis zu 2.500 Metern und bei Temperaturen von bis zu minus 20 Grad. Über das Gebirge hinaus gehört die Wüste zu ihrem Einsatzgebiet, wobei hohe Temperaturen etwas seien, für das alle Soldaten ausgebildet sind. „Unsere Spezialgebiete sind Kälte, Höhe und Schnee.“ Da seit 2014 die Landes- und Bündnisverteidigung wieder mehr an Bedeutung gewonnen habe, seien auch darauf vorbereitende Übungen im Inland wieder in den Fokus gerückt. Die Versorgung der Soldaten im Gebirge wird meist mit Fahrzeugen und Hubschraubern sichergestellt. Doch wenn Menschen und Maschinen an ihre Grenzen stoßen, kommen ganz andere, vielleicht auf den ersten Blick ungewöhnliche, aber gleichermaßen unabkömmliche Begleiter ins Spiel: Tragtiere und Reitpferde. Wir erfahren, dass hier aktuell 50 dieser

Mithilfe ihrer Maultiere und Pferde kann die Gebirgsjägerbrigade auch unter extremen Wetterbedingungen wie Kälte und Schnee schwieriges Gelände durchqueren.

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vierbeinigen Kameraden leben, davon etwa zwei Drittel Maultiere, also eine Kreuzung aus Pferdestute und Eselhengst, und ein Drittel Haflinger. Während die Fotos der Millionen Pferde, die im Ersten und Zweiten Weltkrieg als Reit-, Zug- und Tragtiere ums Leben kamen, Gott sei Dank ein Relikt aus der Vergangenheit sind, nimmt die Bedeutung der Tragtiere weltweit zu. „Unter anderem fragen die Briten, Norweger und Niederländer bei uns an, weil sie die Arbeit mit den Tieren wieder aufleben lassen möchten“, erzählt uns Heike Henseler, Oberfeldveterinärin und Dienststellenleiterin des Einsatz- und Ausbildungszentrums für Tragtierwesen 230. Sie wird uns gemeinsam mit Stabsveterinärin Katharina Habeck begleiten und uns die gesamte Anlage zeigen.

Wenn Hubschrauber bei Nebel, Dunkelheit oder starkem Wind nicht mehr fliegen können, ist es mithilfe der Tragtiere immer noch möglich, die Truppen im Gebirge mit Lebensmitteln, Wasser und Ausrüstung zu versorgen. „Die Tiere können zu jeder Tageszeit, bei nahezu jeder Witterung, in allen Klimazonen und auf schmalen Steigen und Wegen eingesetzt werden“, so Henseler. „Die Maultiere gehen den Berg strikt hoch und können zudem hervorragend Stufen steigen. Sie schlagen sich am Fels deutlich besser als Pferde und sind robuster.“ Esel seien hingegen kein Ersatz, weil diese gar nicht so viel tragen können, wie viele Menschen immer meinen. Aus der Erfahrung ihrer Auslandseinsätze erzählt sie uns, dass Esel ihrer Meinung nach die am meisten gequälten Tiere der Welt seien. „Die Bilder gehen mir nicht mehr aus dem Kopf.“ Ob schon mal ein Maultier oder Pferd der Bundeswehr im Gebirge abgestürzt sei? „Abstürze habe ich in meiner Zeit noch nicht erlebt“, so Henseler. „Beim Militär geht man nie einen Weg, den man vorher nicht erkundet hat. Dann kann auch nichts schiefgehen.“ So achte die Bundeswehr unter anderem darauf, dass die Wege für die Maultiere mindestens 40 und für die Pferde 60 Zentimeter breit seien und die Steigung nicht mehr als 40 Prozent betrage. Am wichtigsten sei zudem ein ausreichend fester Untergrund. Während die Maultiere vor allem für die Versorgung gebraucht werden, dient „der berittene Einsatz mit den Haflingern zur Aufklärung, Erkundung und Überwachung von Räumen“. Wenn die Soldaten reiten statt laufen, können sie deutlich größere Strecken zurücklegen. Mit an die Front oder in die aktuellen Auslandseinsätze gehen die Tragtiere und Pferde nicht – unter uns macht sich Erleichterung breit. „Aber mit zu Nato-Übungen“, sagt Henseler.

Die Ausbildung Auf dem Weg zur Reithalle erfahren wir, dass die Tragtiere ab einem Alter von vier Jahren ausgebil-

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det werden, voll belastet erst ab sieben. Auch die Haflinger starten ihre Ausbildung frühestens mit drei Jahren, bis zum tatsächlichen Einsatz dauert es dann noch einmal zwei bis drei weitere Jahre – die Tiere werden also schonend und langsam bis zu ihrer individuellen Belastungsspitze aufgebaut. An die Soldaten, die mit den Tieren arbeiten, stellt die Bundeswehr im Vorhinein keine speziellen Anforderungen. So wird jeder Gebirgsjäger, mit oder ohne Pferdeerfahrung, automatisch Tragtierführer. Die Haltung, Pflege und Versorgung der Tiere gehört dabei genauso zur Ausbildung wie die Einsatzprüfung von Material und Ausrüstung sowie die Weiterentwicklung von Einsatzverfahren. Zusätzlich hat Henseler in der Kaserne eine Ausbildungsgruppe ins Leben gerufen, die täglich mit den Tieren trainiert, die entweder neu zur Bundeswehr kommen oder durch Erlebnisse im Übungseinsatz, wie etwa zu sehr und zu laut klapperndes Gepäck, verunsichert sind und erneut Routine und Sicherheit benötigen. Wir dürfen eins der täglichen Trainings beobachten und sehen, wie die Soldaten Maultiere und Haflin-

© Fotos: Einsatz- und Ausbildungszentrum für Tragtierwesen 230 (Seite 24 bis 27)

Im Einsatz


HINTER DEN KULISSEN

weiter zu optimieren“, erklärt uns Henseler, als wir in der Sattelkammer stehen und die speziellen Tragsättel betrachten, die derzeit inklusive Gurtzeug etwa 42 Kilogramm wiegen. Zusammen mit den Transportgütern tragen die Tragtiere – je nach Trainingszustand und Kondition – im Einsatz bis zu 140 Kilogramm Gewicht.

So leben die Tiere

© Foto: Andreas von Sachs – www.andreas-von-sachs.de (Seite 27, unten rechts)

Der Einsatz mit Haflingern (o.) dient der Aufklärung, Erkundung und Überwachung. Die Tiere beim Training (u. l.) und beim Sandbad (u. r.).

ger durch herabhängende Flatterbänder und über Kunststoffplanen führen, ihre Körper mit gefüllten Plastikbeuteln sowie Schaumstoffstangen berühren und sie so umsichtig an enge Gassen, verschiedene Untergründe, im Wind wehende Gegenstände und Geräusche gewöhnen. „Wenn wir dabei selbst ruhig bleiben, bringen wir den Tieren bei, dass ihnen nichts passiert“, erklärt Henseler. Zusätzlich zu der bestehenden Reithalle plane sie eine Modernisierung des Reitplatzes und eine Rennbahn. Auch eine Rundhalle mit Führanlage und eine Geländestrecke mit Baumstämmen, Teich und Holztreppen gehören zu ihren Zukunftsplänen. „Wir versuchen vorwegzugehen und in allen Bereichen Vorreiter zu sein.“ Generell entwickle sich der Tierschutz bei der Bundeswehr immer weiter. Um die Tiere auf die Last, die sie später tragen müssen, vorzubereiten, setzen die Soldaten verschiedene Übungsgewichte ein. „Wir wiegen die Tiere derzeit einmal im Monat, um die Traglast immer individuell an ihr Körpergewicht anpassen zu können. Darüber hinaus haben wir ein Sonderforschungsvorhaben beantragt, um die Sättel

Der weitere Rundgang über das Gelände zeigt, dass die Maultiere und Pferde, wenn sie nicht im Einsatz sind, in Gruppen auf großen Freilaufflächen leben, deren Boden hauptsächlich aus Kies besteht. Darüber hinaus können sie sich auf Sandflächen wälzen und auf überdachten und mit Stroh eingestreuten Liegeflächen ausruhen. Als wir vorbeikommen, stehen sie alle um ihre Heuraufen herum und fressen genüsslich. Das Heu steht ihnen 24 Stunden am Tag zur Verfügung. Wenn die Tiere mehrtägig im Einsatz sind, werden sie im Gebirge in einer sogenannten Feldstallung versorgt. „Die meisten Touren sind aber eintägig“, so Henseler. Neben der Ausbildung, Haltung und Fütterung verantwortet und übernimmt die Oberstabsveterinärin zusammen mit Habeck auch die medizinische Versorgung der Tiere, inklusive verschiedener Operationen, ausgenommen Kolik-OPs. So verfügt die Kaserne neben einem Krankenstall über einen OP-Bereich und ein Labor. „Jedes Tier hat bei uns eine eigene Krankenakte.“ Zudem seien alle Soldaten ausgebildet, den Tieren zum Beispiel Salben ins Auge oder Medikamente ins Maul zu geben. Auch die Hufbeschlagsschmiede bildet die Bundeswehr in der eigenen als Ausbildungsbetrieb anerkannten Schmiede selbst aus. Derzeit gebe es unter den Soldaten elf ausgelernte Schmiede, die gewährleisten, dass immer einer von ihnen beim Einsatz dabei sei. Bei mehrtägigen Einsätzen richten sie sogenannte Feldschmieden ein. In der Regel werden die Maultiere mit 20 und die Haflinger mit 18 Jahren aus ihrem Dienst entlassen. „Wir könnten die Maultiere auch noch einsetzen, bis sie 25 sind, möchten sie aber abgeben, wenn sie noch fit sind“, sagt Henseler. Dabei suche sie die zukünftigen Besitzer genau aus und lasse sich entweder die Haltung vor Ort zeigen oder alles Nötige vorlegen. „Wir geben die Tiere nur mit Schutzvertrag und Vorkaufsrecht ab und halten in der Regel auch Kontakt zu den neuen Haltern.“ Wenn es nicht zu weit weg sei, fahre sie auch ab und an bei den Tieren vorbei und gucke, ob es ihnen gut gehe. „Erst vor Kurzem haben wir einen Haflinger wieder zurückgenommen, weil das neue Zuhause nicht ideal war. Er bleibt jetzt bei uns“, erzählt sie. „Wir haben keine Not, die Tiere abzugeben.“ Hauptsache, die tierischen Kameraden sind in guten Händen. Verena Jungbluth DU UND DAS TIER 2/2020

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HINTER DEN KULISSEN

HOCHBEGABTE SCHÖNHEITEN Wurden Rabenvögel früher von verschiedenen Kulturen als gottgleiche Gestalten verehrt, werden sie in Deutschland heute zu Hunderttausenden abgeschossen. Dabei zählen sie zu den faszinierendsten und intelligentesten Tieren überhaupt, und sie zu jagen ist weder notwendig noch sinnvoll.

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enn etwas glitzert, ist die Elster nicht weit – so das allgemeine Urteil. Sie gilt als Diebin unter den Rabenvögeln. Doch was ist dran an der Anziehungskraft funkelnder Gegenstände und der Diebeslust der schwarz-weißen Vögel? Nichts, sagt die Wissenschaft. Die Elster ist nicht Täter, sondern Opfer – und zwar von Vorurteilen. Gemeinsam mit Kolkraben oder Krähen steht sie überdies immer wieder unter Verdacht, Nester auszurauben und andere Tier- und Vogelarten auszurotten. Dabei gibt es keinerlei Beweise, die diesen massenhaften Mordverdacht belegen. „Eier und Jungvögel anderer Arten, kleine Säugetiere und Reptilien machen nur einen kleinen Teil der Nahrung von Rabenvögeln aus. Hauptsächlich ernähren sie sich von Samen, Früchten, Beeren, Getreide sowie Würmern, Schnecken und Insekten“, erklärt James Brückner, Leiter der Abteilung Artenschutz beim Deutschen Tierschutzbund. Vielmehr ist das seit jeher gespaltene Verhältnis vom Menschen zu den geheimnisvollen rabenschwarzen und schwarz-weißen Vögeln der Grund allen Übels. Während die Tiere sowohl in der Antike als auch von den Germanen als göttliche Gestalten mit magischen Kräften verehrt wurden, kamen sie im Mittelalter unter anderem als Galgenvögel in Verruf. „Die Intelligenz und Sprachbegabung der Rabenvögel, aber auch ihre Eigenschaft als Aasfresser und ihr Ruf als vermeintliche Erntevernichter führten schon immer zu einer ambivalenten Rolle in vielen Kulturen weltweit“, sagt Brückner. „Einerseits wurde ihnen Weisheit, biblisches Alter und Gewitztheit unterstellt, andererseits wurden sie als Unheilsbringer und Schädlinge verfolgt.“ Ein Zwiespalt zwischen Gefühl und Vernunft, der sich bis heute hartnäckig hält. Denn während die gesamte Familie der Rabenvögel Wissenschaftler und Laien mit ihren Fähigkeiten regelmäßig ins Staunen versetzt, schießen Jäger die Tiere jedes Jahr aufs Neue zu Hunderttausenden ab. Mit Krähenattrappen und Lockrufen geködert, fallen ihren Gewehrkugeln oft

bis zu hundert Vögel auf einmal zum Opfer. Allein im Jagdjahr 2018/2019 tötete die Jägerschaft bundesweit über 300.000 Rabenkrähen und mehr als 85.000 Elstern. In Bayern zusätzlich über 15.000 Eichelhäher.

Zu Unrecht verfolgt Die Diskussion rund um die Jagd auf die größten einheimischen Singvögel erstreckt sich schon seit Jahren. 1987 wurden Elstern, Rabenkrähen und Eichelhäher in Deutschland über das Naturschutzrecht unter Schutz gestellt – eine verspätete Umsetzung der EU-Vogelschutzrichtlinie von 1979. Was für Tier- und Artenschützer ein längst überfälliger Schritt war, löste unter der traditionellen Jägerschaft heftigen Protest aus und führte schließlich zu einem Antrag mehrerer europäischer Mitgliedsstaaten, die Richtlinie zu verändern, was 1994 auch erfolgte. Daraufhin erließen trotz erheblichem Protest von Tier- und Naturschutzverbänden mehrere Bundesländer Jagdzeiten für Krähen und Elstern, die vom Verfassungsgerichtshof schließlich im Dezember 2000 als verfassungskonform bestätigt wurden. Ein Erfolg für die Jäger, ein schwarzer Tag für die Tiere. Heute dürfen die imposanten Vögel in fast allen Bundesländern pauschal innerhalb der jeweiligen Jagdzeit getötet werden – lediglich Berlin, Bremen und das Saarland bilden eine Ausnahme. Die Begründung für den massenhaften Abschuss: Jäger fürchten um den Bestand von sogenanntem Niederwild wie Feldhasen, Rebhühnern oder Wachteln. Darüber hinaus seien die Tiere für massive Ernteschäden verantwortlich. „Diese angeblich immensen Schäden in der Landwirtschaft ließen sich mit Studien bisher ebenso wenig nachweisen wie die erhebliche Gefahr für das Niederwild. Auch für eine zunehmende Artenvielfalt unter den Singvögeln, dadurch dass durch die Jagd jedes Jahr Hunderttausende Rabenvögel als vermeintliche Feinde wegfallen, gibt es keinerlei DU UND DAS TIER 2/2020

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Tausende Eichelhäher (links) und Elstern werden Jahr für Jahr bejagt. Dabei nehmen sie in der Natur eine wichtige ökologische Rolle ein und dienen als Gesundheitspolizei. Außerdem ist ihr Bestand bei Weitem nicht so hoch, wie viele Menschen schätzen.

Wunderschön und faszinierend Der Deutsche Tierschutzbund lehnt das sinnlose Abschießen von Rabenvögeln grundsätzlich ab. Vielmehr setzt sich der Verband für den Schutz der Tiere ein. Denn Rabenkrähen, Elstern und auch Eichelhäher erfüllen in der Natur wichtige ökologische Aufgaben. So entfernen sie als Allesfresser zum Beispiel Aas und damit Infektionsquellen für andere Tiere und dienen als Gesundheitspolizei. Dadurch, dass sie Feldmäuse sowie Drahtwürmer und andere Larven fressen, sorgen sie sogar dafür, dass in der Landwirtschaft weniger Insektenschutzmittel eingesetzt werden müssen. Darüber hinaus dienen ihre Nester sogenannten Folgebrütern wie Baumfalken, Turmfalken und Waldohreulen regelmäßig als Nistquartier. „Beobachtungen in Baden-Württemberg zeigen unter anderem, dass im Laufe der Jahre zehn Vogel-

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arten von Kohlmeise über Wespenbussard bis hin zur Stockente in unverändert übernommenen Krähennestern brüteten“, berichtet Brückner. Abgesehen davon beeindrucken die wunderschönen Tiere mit ihren überdurchschnittlich hohen kognitiven Fähigkeiten. Sie benutzen Werkzeuge, auch einige verschiedene hintereinander, und stellen diese immer wieder auch aus mehreren Teilen selbst her. „Rabenvögel lernen unheimlich schnell, sind in der Lage, vorausschauend zu planen, verstehen das Prinzip von Ursache und Wirkung und begreifen auch versteckte Zusammenhänge“, so Brückner. So zeigen Beobachtungen unter anderem, wie einige von ihnen Nüsse auf die Straße werfen, um diese dort von darüber fahrenden Autos knacken zu lassen – nur ein Beispiel, das zeigt, wozu die Tiere in der Lage sind. Sie erkennen und merken sich Gesichter, unterscheiden dabei zwischen Freund und Feind und teilen diese Erfahrung anschließend auch mit ihren Artgenossen. Die gesamte Familie der Rabenvögel zeichnet sich durch eine sehr hohe Intelligenz, eine beeindruckende Gedächtnisleistung und zudem durch ein stark ausgeprägtes Sozialverhalten aus. Denn auch das mit den „Rabeneltern“ ist ein menschengemachtes Vorurteil. „Rabenvögel leben in der Regel ihr ganzes Leben mit dem gleichen Partner zusammen und kümmern sich jedes Jahr fürsorglich um zwei bis fünf Junge“, erklärt Brückner. Auch wenn Jungtiere scheinbar verlassen auf dem Boden herumhüpfen, kann sich jeder sicher sein, dass die Eltern in der Nähe sind und die Kleinen beschützen. „Die flächendeckende Jagd auf die Tiere entbehrt einfach jeder ökologischen oder wissenschaftlichen Grundlage und ist weder begründet noch gerechtfertigt“, kritisiert Brückner. Verena Jungbluth

© Fotos: Unsplash – Roy Kasturi (Seite 28); Unsplash – Piotr Makowski (Eichelhäher), Natasha Miller (Elster) (Seite 30)

Hinweise“, kritisiert Brückner. Arten wie Kiebitz, Bekassine oder Brachvogel sind selten geworden, weil ihre Lebensräume durch die immer intensivere Landwirtschaft verschwinden, nicht weil sie durch Rabenvögel bedroht sind. „Das ist der Punkt, wo wir ansetzen müssen. Wir müssen die Lebensbedingungen der gefährdeten Arten wieder verbessern und ihre Lebensräume schützen. Rabenvögel zu bejagen, hilft hier nicht“, so Brückner. Auch das Argument der Jäger, Elstern und Co. würden sich zu sehr vermehren, würden sie nicht von Menschenhand dezimiert, hält nicht stand. „Dadurch, dass die Vögel durch die Auswüchse der heutigen Landwirtschaft in den letzten Jahren vermehrt vom ländlichen Raum in Wohngebiete umsiedeln, entsteht der Eindruck, dass es insgesamt sehr viele Tiere gibt“, erklärt Brückner. „Die Bestände von Rabenkrähen und Elstern werden aber oft überschätzt.“


HINTER DEN KULISSEN

ACHTUNG, JUNGTIERE! Beim Mähen von Wiesen und bei der Getreideernte werden jährlich Zigtausende Rehkitze, Feldhasen und Bodenbrüter verletzt oder getötet. Dabei gibt es eine Reihe technischer und auch ganz einfacher Möglichkeiten, die jungen Wildtiere rechtzeitig zu orten und zu retten.


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it ihren hellen Flecken auf dem Rücken sind Rehkitze perfekt getarnt. Wenn sie sich im hohen Gras verstecken und fast regungslos auf ihre Mutter warten, sind sie für das bloße Auge so gut wie unsichtbar. Doch genau diese Tarnung, mit der die Natur sie eigentlich vor Fressfeinden schützt, wird ihnen zum Verhängnis. Denn wenn Landwirte ab dem Frühjahr auf schweren Mähdreschern ihre Wiesen mähen, geraten zahlreiche Wildtiere zwischen die Schneidewerke und werden verletzt und getötet. Ein Großteil dieser Mäharbeiten findet nämlich genau dann statt, wenn die Rehkitze gerade geboren sind. Gemeinsam mit ihnen sind junge Feldhasen besonders betroffen – anstatt wegzulaufen, ducken sich beide Tierarten bei Gefahr auf den Boden und werden so leicht übersehen. Die Nester und Gelege von auf Wiesen brütenden Vögeln wie Kiebitze oder Feldlerchen fallen Maschinen und Mähwerken darüber hinaus genauso zum Opfer wie Schlangen, Kröten, Igel und Mäuse. Und das nicht nur bei der Frühjahrsmahd, sondern auch bei der Getreideernte von Mitte Juni bis Ende August. „Genaue Zahlen, wie viele Wildtiere bei der Mahd und Getreideernte ums Leben kommen, gibt es nicht. Dennoch ist das Mähen ein drastisches Tierschutzproblem, unabhängig davon, ob letztlich 20.000 oder 100.000 Tiere dabei sterben“, sagt James Brückner, Leiter der Abteilung Artenschutz beim Deutschen Tierschutzbund. In jedem Fall dürfte die Zahl in den vergangenen Jahrzehnten deutlich gestiegen sein, denn die Landwirtschaft wurde auf immer größeren Flächen immer weiter intensiviert und die Mähmaschinen deutlich effizienter und schneller.

Nicht nur Rehkitze, sondern auch Tausende Feldhasen sowie auf Wiesen brütende Vögel wie etwa Rebhühner fallen den Mähmaschinen Jahr für Jahr zum Opfer.

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Immer öfter werden daher auch erwachsene Tiere wie brütende Vogelmütter von den Schneidemessern erfasst, da sie nicht rechtzeitig fliehen können. „Die EU-Agrarpolitik begünstigt oftmals eine natur- und wildtierschädliche Bewirtschaftung wie etwa schnell wachsende Grassorten, einen hohen Düngereinsatz und neue Schnitttechniken“, so Brückner. Dadurch müssten Landwirte Grünlandflächen häufiger mähen.

Vielfältige Schutzvorkehrungen Wenn Tiere zu Tode kommen, entstehen zudem giftige Fäulnisbakterien in den Futtergräsern und -kräutern. Tiere in der Landwirtschaft, die dieses Futter fressen, können erhebliche gesundheitliche Probleme bekommen und sogar sterben. Rechtlich gesehen sind Landwirte durchaus verpflichtet, ihre Flächen nach Wildtieren abzusuchen oder den Jagdpächter zu informieren. „Denn mehrere Urteile haben gezeigt, dass eine Anzeige gegen einen Landwirt Erfolg haben kann – vor allem, wenn dieser wusste, dass sich Kitze auf seiner Wiese befanden“, so Brückner. So oder so sollten Landwirte daran interessiert sein, Wildtiere zu schützen. Dafür gibt es inzwischen zahlreiche Möglichkeiten – von einfachen Vergrämungsmethoden wie Flatterbänder, Knallapparate und Geruchsstoffe bis hin zu modernen Techniken wie Sensorsysteme oder sogenannte Wildretter – elektronische Geräte, mit denen Landwirte zumindest größere Wildtiere aufspüren können. „Die neueste Wildrettergeneration kombiniert Infrarot- und Mikrowellensensoren, um Temperaturunterschiede und Wassergehalt der Umgebung zu messen“, so Brückner. Landwirte könnten Wildtiere so als „warmes Wasser“ von Wiese, Steinen und Boden unterscheiden und sie aus dem Gefahrenbereich bringen. „Diese Methoden sind allerdings weniger hilfreich bei Feldhasen und Bodenbrütern, da Junghasen und Gelege zwar gefunden werden, diese müssen dann aber mitunter aufgezogen beziehungsweise ausgebrütet werden. Am besten werden in solchen Fällen kleine Flächen als Versteck für diese Wildtiere oder zumindest Randbereiche stehen gelassen.“ Bewährt haben sich zudem Drohnen mit Wildkameras. Auf diese Technik setzen auch die Rehkitzretter Gera des Tierschutzvereins Gera und Umgebung, einem Mitgliedsverein des Deutschen Tierschutzbundes. Seit Projektstart 2018 haben sich bis heute etwa 25 ehrenamtliche Helfer angeschlossen, die sich im Raum Gera, Greiz und Zeitz in Thüringen


TIERSCHUTZ LEBEN

DIE REHKITZRETTER GERA SUCHEN MIT WÄRMEBILD-DROHNEN DIE WIESEN AB UND SICHERN DIE TIERE. regelmäßig kurz vor der Grünlandmahd auf die Suche nach Kitzen begeben. „In den frühen Morgenstunden suchen wir mit unseren spendenfinanzierten Wärmebild-Drohnen die Wiesen ab, sichern die Rehkitze und andere Tiere und setzen sie unmittelbar nach der Mahd wieder aus“, schildert eine der Rehkitzretterinnen. „Wir müssen dann sehr vorsichtig im Körperkontakt sein, da das Tier nicht nach uns riechen darf – dann würde die Mutter es eventuell verstoßen.“ Das Team arbeitet deutschlandweit mit verschiedenen Pflegestationen zusammen – wenn sie also zum Beispiel ein Kitz finden, dessen Mutter überfahren wurde, bringen sie es in eine dieser Einrichtungen.

© Fotos: Pixabay (Seite 31 und 32); Wildtierfotograf Andreas Nowack (Seite 33)

Nicht alle sind einsichtig Landwirte, Jäger und Förster können die Rehkitzretter Gera beauftragen. Einige kämen diesem Angebot nach und seien bemüht, die Tiere zu schützen; manche Landwirte würden aber auch versuchen, die Tierschützer von ihrem Grundstück zu verweisen. „Viele stehen unter Zeitdruck und halten es für zu mühselig, uns vorher anzurufen“, sagt die Tierschützerin. Sie hätten es aber auch schon mal erlebt, dass ein Landwirt drei Rehkitze beim Mähen tötete und so schockiert war, dass er daraus gelernt habe. Die Rehkitzretter würden sich wünschen, dass auch Bund und Länder mehr zum Schutz von Wildtieren unternehmen und Landwirte finanziell unterstützen, beispielsweise bei der Anschaffung technischer Hilfsmittel. „Das Umweltmi-

nisterium von Sachsen-Anhalt hat zum Beispiel einen Tierschutzbeauftragten, der aktiv zum Schutz von Rehkitzen aufruft und Vertreter aus der Landwirtschaft, Jäger und Tierschützer an einen Tisch holt – das bräuchten auch andere Bundesländer.“ Aus Sicht des Deutschen Tierschutzbundes müsste vor allem die Agrarpolitik mehr zu einem nachhaltigen Schutz von Wildtieren beitragen – besonders im Hinblick auf wiesenbrütende Vogelarten. Hierbei wäre es unter anderem sinnvoll, Agrarumweltprogramme weiterzuentwickeln und Landwirte besser zu fördern, damit sie sich die Schutzvorkehrungen und neue Techniken auch leisten können. Grundsätzlich empfiehlt Brückner eine Kombination verschiedener Schutzmaßnahmen, da nicht alle Methoden für jede Tierart gleich wirksam sind. „Viele Tiere könnten zudem gerettet werden, indem die Mahd auf Mitte Juli verschoben wird – dann wäre zumindest die Brut- und Aufzuchtphase vieler Wildtiere vorbei“, sagt er. Doch es gibt noch weitere Möglichkeiten. So können Landwirte auch die Schnittlänge anpassen, sodass sie über die Tiere hinweg mähen. „Wenn sie zudem die Wiesen und Felder von innen nach außen ernten, haben ausgewachsene Tiere die Möglichkeit, rechtzeitig zu fliehen“, so Brückner. Jäger könnten außerdem mit ihren Jagdhunden die Flächen absuchen. „Und natürlich können Landwirte ‚Mähinseln‘ stehen lassen und kleine Flächen, auf denen sich beispielsweise Nester von Bodenbrütern befinden, markieren und einzäunen.“ Nadine Carstens

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NEUE IDEEN FÜR DEN UNTERRICHT Es gibt viele Möglichkeiten für Kinder und Jugendliche, sich für den Tierschutz zu engagieren und mehr über die Tierwelt zu lernen – auch von zu Hause aus. Wie das geht, haben einige Tierschutzvereine nun gezeigt.

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ie Corona-Pandemie hat nicht nur den Schulunterricht lahmgelegt, auch der Tierschutzunterricht sowie die Kinder- und Jugendtierschutzarbeit der Tierschutzvereine kann nicht wie üblich stattfinden. Persönliche Treffen der Jugendgruppen, Veranstaltungen und Schulbesuche von Tierschutzlehrern – all das ist zurzeit nicht möglich. Doch Not macht bekanntermaßen erfinderisch, und so haben sich einige Tierschutzvereine und Jugendgruppenleiter Alternativen einfallen lassen, um mit den tierschutzinteressierten Kindern und Jugendlichen in Kontakt zu bleiben. Die Tierschutzjugend NRW versendet zum Beispiel regelmäßig einen Newsletter mit Tierschutz-Infos, tierischen Rätseln, Bastelanleitungen sowie Film- und Büchertipps, um die Mädchen und Jungen kreativ zu beschäftigen. Auch der Tierschutzverein für Berlin hat virtuelle Angebote für junge Tierfreunde entwickelt und lädt Kinder unter anderem wöchentlich zu einer Online-Konferenz ein. Hier erfahren sie Wissenswertes rund um das Tierheim Berlin und können Fragen stellen. Zudem ist das Projekt „Kinder lesen Katzen vor“ mit ein bisschen Technik und Kreativität ins Kinderzimmer eingezogen – der Tierschutzverein hatte es ursprünglich ins Leben gerufen, um Kindern die Angst vor dem lauten Vorlesen zu nehmen. Da sie die Katzen im Moment nicht persönlich im Tierheim besuchen dürfen, können sie ihre eigenen Tierschutzgeschichten stattdessen mit dem Handy aufnehmen – diese spielt das Tierheimteam dann den Katzen vor. Außerdem

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hatte der Tierschutzverein zu einem Malwettbewerb aufgerufen, für den Kinder die Schützlinge des Tierheims künstlerisch porträtieren konnten.

Multimedialer Einsatz Andere Mitgliedsvereine des Deutschen Tierschutzbundes wie der Tierschutzverein Bremen statten die jungen Tierschützer mit verschiedenen Materialien aus, darunter Bastelanleitungen, um Spielzeug für Haustiere herzustellen. Und Sandra Jansen, die im Tierschutzverein Groß-Essen für die Jugendarbeit zuständig ist, hat ein Online-Quiz zu Tierheimtieren angeboten und über die Kampagne #RespektTaube des Deutschen Tierschutzbundes informiert. Außerdem hat sie eine Online-Lesung veranstaltet und Buchtipps für junge Tierfreunde vorgestellt. Um die Zeit zu überbrücken, bis die Schüler ihre tierischen Freunde wiedersehen können, schickt sie ihnen zudem regelmäßig Fotos und Videos der Essener Tierheimtiere. Ihr Fazit als „Homeoffice-Tierschutzlehrerin“: „Es ist schon eine Herausforderung, wenn man keinen direkten Kontakt zu den Tierschutz-Kids und -Teens hat, aber ich habe auch gelernt, neue Möglichkeiten zu nutzen.“ Auch die Abteilung Kinder- und Jugendtierschutz des Deutschen Tierschutzbundes hat den Tierschutzlehrern und Jugendgruppenleitungen der Tierschutzvereine Materialien zugesandt. Darunter Gruppenposter, die die jungen Tierfreunde individuell gestalten und dann bei ihrem ersten Wiedersehen zu einem großen Poster zusammensetzen können.


JUGEND

SPIELSPASS FÜR KATZEN

DO IT ! F L E S R U YO

Spielzeug für Katzen muss nicht unbedingt aus dem Handel sein. Sie freuen sich auch über selbst gemachte Beschäftigungsmöglichkeiten wie diese Filzbälle mit Katzenminze.

© Fotos: Pixabay; Tierschutzverein Groß-Essen e.V. (Seite 34); Deutscher Tierschutzbund e.V.; Illustrationen: DWORAK UND KORNMESSER; freepik (Seite 35)

Katzen spielen gerne – besonders Stubentiger, die in Wohnungen leben und nicht nach draußen dürfen, freuen sich sehr über spielerische Beschäftigung. Um sie auf Trab zu halten, kannst Du zum Beispiel Filzbälle für sie basteln. Mit ein bisschen Fingerspitzengefühl und nur wenigen Materialien sind sie schnell angefertigt, ohne sie kleben oder nähen zu müssen. Da Katzen den Duft von Minze lieben, kannst Du die Filzbälle zudem mit Katzenminze befüllen – so kommt bei ihnen garantiert keine Langeweile auf.

u Das brauchst D ll: für einen Filzba Filzstoff in zwneiFarben verschiedene Einen Filzstift Eine Schere

e, zum Beispiel Eine Schablonte r oder einen Kuchen lle el ck Topfde Katzenminze

TIPP Achte darauf, dass der Filz aus Pflanzenfasern besteht und nicht aus Schafswolle oder Kunstfasern.

jugendtierschutz.de Online findest Du sowohl weitere Bastel- und Aktionsideen als auch Infomaterial zu verschiedenen Tierschutzthemen.

So geht‘s 1. Lege die Schablone auf den Filzstoff und male mit dem Filzstift nacheinander zwei Kreise auf den Stoff. Am besten verwendest Du für die zwei Kreise zwei verschiedene Stofffarben, dann fällt Dir die spätere Arbeit leichter. 2. Schneide beide Kreise aus und lege sie übereinander. Die ausgeschnittenen Ränder kannst Du nun in viele kleine Schnipsel schneiden. Diese dienen später als Füllung für den Filzball. 3. Schneide nun vom Rand aus etwa ein Drittel tief in Richtung Mitte des aus zwei Filzschichten bestehenden Kreises. Wiederhole diesen Schritt entlang des Kreises im Abstand von 1,5 Zentimetern. Das Ergebnis sollte ein bisschen aussehen wie eine Sonne, also wie ein Kreis mit davon abgehenden Streifen. 4. Nehme Dir nun zwei aufeinanderliegende Streifen und knote sie mit einem Doppelknoten aneinander. Verknote jetzt Streifen für Streifen rund um den Kreis, bis nur noch drei Streifenpaare übrig sind. 5. Fülle dann den so entstandenen Hohlraum in der Mitte mit den Filzschnipseln. Wenn Du möchtest, kannst Du auch noch ein bisschen Katzenminze hinzufügen. 6. Verknote zum Schluss die letzten drei Streifenpaare – fertig ist der Filzball.


BESSERE HALTUNG ZAHLT SICH AUS Die Milchkühe der Familie Hewecker profitieren von den Richtlinien des Tierschutzlabels „Für Mehr Tierschutz“ des Deutschen Tierschutzbundes. Und die Landwirte erhalten durch die bessere Haltung einen fairen Erlös.

Schon 2013 hatten die Heweckers ihren Stall im hessischen Stadtallendorf erweitert, um den Kühen mehr Platz zu bieten. Dennoch mussten sie weitere Maßnah-

Seit Jahren verfolgt Familie Hewecker die Philosophie, dass es jeder einzelnen Kuh in ihrem Betrieb gut gehen soll.

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men ergreifen, um die Richtlinien für die Einstiegsstufe des Tierschutzlabels zu erfüllen. „Wir haben mit 260 Kühen mittlerweile zehn Tiere weniger, als wir vor dem Eintritt in das Programm hatten. So steht allen Tieren ein eigener Liegeplatz zur Verfügung. Außerdem haben wir zusätzliche Futtertröge, Tränken, Scheuerbürsten sowie ein Abteil für kranke Kühe installiert“, berichtet Julia Hewecker. Dadurch haben alle Tiere mehr Platz, können sich besser beschäftigen und auch die rangniederen Tiere haben ständigen Zugang zu Futter. Dadurch, dass die Tiere mehr fressen und weniger Stress haben, geht es allen Tieren besser. „Das macht natürlich auch uns froh, wenn es den Kühen gut geht“, sagt Julia Hewecker. Zudem erhalte der Betrieb für die zertifizierte Milch mehr Geld und werde in der Öffentlichkeit positiver wahrgenommen.

Ein Vorzeigebetrieb der Einstiegsstufe „Die Familie Hewecker betreibt wirklich einen Vorzeigebetrieb der Einstiegsstufe, der sich durch eine hervorragende Haltung auszeichnet“, bilanziert Sebastian Woskowski, Berater für das Tierschutzlabel „Für Mehr Tierschutz“ des Deutschen Tierschutzbundes. Julia Hewecker wirbt auf Fachvorträgen auch unter Kollegen für bessere Bedingungen in den Ställen und das Tierschutzlabel. Die Familie hat sich auch über den Schritt in die Premiumstufe des Tierschutzlabels, deren Anforderungen noch weiter gehen, viele Gedanken gemacht. Leider lassen das Gelände am Hang und fehlende Weideflächen dies nicht zu. „Dennoch erfüllen sie bei Weitem nicht nur das Mindestmaß unserer Einstiegsstufen-Richtlinien, sondern verbessern auch darüber hinaus die Situation der Tiere“, so Woskowski. Unter anderem lässt Familie Hewecker Trockensteher – also Kühe, die zur Regeneration vorübergehend keine Milch geben – auf die Weide, verringert Antibiotika und führt Tests durch, mit denen sie die Eutergesundheit der Tiere fördert. Joscha Duhme

© Foto: Privat

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ie Familie Hewecker musste nicht lange überlegen, als die Marburger Traditionsmolkerei 2018 auf sie zugekommen ist und gefragt hat, ob sie in ihrem Betrieb Milch unter dem Tierschutzlabel „Für Mehr Tierschutz“ des Deutschen Tierschutzbundes für sie produzieren möchte. „Es gehört zu unserer Philosophie, dass es jede Kuh gut haben soll“, sagt Tobias Hewecker, der das Familienunternehmen mit seiner Frau Julia und Vater Dieter leitet. Der gute Austausch mit den Beratern des Tierschutzlabels, dass diese aus der Praxis kommen, auf Augenhöhe agieren und viel Sachverstand einbringen, habe die Familie zum Beitritt überzeugt, erklärt Dieter Hewecker. Ein Schritt, den sie jederzeit wieder gehen würden.


IM EINSATZ FÜR DIE TIERE

DANKE

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Bonn – In Wochen und Monaten, in denen sich der Alltag der meisten Menschen durch die Corona-Pandemie stark verändert hat, haben die Mitarbeiter der Tierheime bundesweit alles dafür getan, um ihre Schützlinge auch unter widrigen Bedingungen liebevoll zu umsorgen (mehr dazu ab Seite 16). Viele Prominente haben ihren Dank und motivierende Worte an die Helfer gerichtet, darunter die Moderatorinnen Simone Sombecki, Nina Ruge und Vera Int-Veen (1), die Musiker Stefanie Hertel und Henning Krautmacher (2) sowie TV-Hundetrainer Martin Rütter (3). „Von Herzen möchten wir alle grüßen und ‚DANKE‘ sagen. Es ist gut zu wissen, dass die Tiere nicht alleine gelassen werden“, grüßten auch Hollywood-Regisseur Wolfgang Petersen und seine Frau Maria aus den USA. Alle Stimmen unter www.tierheime-helfen.de/danke

© Fotos: Manfred Jasmund (Krautmacher); Klaus Grittner (Rütter); Deutscher Tierschutzbund e.V. (Scheckübergabe); Manuela Liebler (Rütting)

5.000 EURO FÜR DEN TIERSCHUTZ

30 JAHRE STARKES BÜNDNIS Konstanz – Das AgrarBündnis, dem der Deutsche Tierschutzbund als Mitglied angehört, besteht 2020 seit 30 Jahren. Der Zusammenschluss von derzeit 25 Organisationen aus Landwirtschaft, Umwelt-, Natur- und Tierschutz sowie Verbraucher- und Entwicklungspolitik mit mehr als einer Million Einzelmitgliedern setzt sich für politische und praktische Alternativen zur Praxis der Agrarindustrie und zur aktuellen Agrarpolitik ein. Ein Hauptprojekt des Bündnisses ist der seit 1993 jährlich erscheinende Kritische Agrarbericht. Der Deutsche Tierschutzbund übernimmt dabei die Koordination des Kapitels Tierhaltung und Tierschutz.

Bonn – Eine große Hilfe für Tiere in Not: 5.000 Euro hat die Sparkasse KölnBonn für den Tierschutz gespendet. Wir sagen im Namen der Tiere von Herzen „Danke“ für diese großartige Unterstützung.

IN GEDENKEN AN BARBARA RÜTTING Marktheidenfeld – Die Schauspielerin, Autorin, Politikerin und leidenschaftlich engagierte Tierschützerin Barbara Rütting ist am 28. März im Alter von 92 Jahren gestorben. Sie war nicht nur langjähriges Fördermitglied des Deutschen Tierschutzbundes, sondern unterstützte den Verband unter anderem auch bei der Kampagnenarbeit, zahlreichen Veranstaltungen und mit ihren Rezepten für eine Ernährung ohne tierische Inhaltsstoffe. Wir trauern um eine bemerkenswerte Person und treue Begleiterin in Sachen Tierschutz.

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TRAUER IN KRISENZEITEN

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duunddastier.de/ projekte Lesen Sie auf unserer Website weitere Meldungen über aktuelle Projekte, Erfolge und Geschichten von uns und unseren Mitgliedsvereinen.

BILD DES GRAUENS

JETZT BEWERBEN!

Kirchwerder – Tierschutzberaterinnen des Hamburger Tierschutzvereins von 1841, Mitgliedsverein des Deutschen Tierschutzbundes, haben nach Hinweisen in einer Hundezucht in Kirchwerder gemeinsam mit der zuständigen Amtstierärztin ein Bild des Grauens vorgefunden. „25 Hunde waren in viel zu kleinen Transportboxen und Holzkisten eingepfercht sowie übereinandergestapelt, kein Tier hatte Zugang zu Wasser“, berichtet Tierschutzberaterin Sina Hanke. Dass die Tiere länger in den Boxen gehalten werden, stritt die Züchterin ab – doch allein bis zu ihrem Eintreffen hatten die Tierschützerinnen schon über zwei Stunden gewartet. Sie halfen bei der Erstversorgung der Tiere. Die Amtstierärztin ordnete an, die Boxenhaltung zu beenden. Die Tierschutzberatung führte mehrere Nachkontrollen durch und bleibt aufmerksam: Die Hunde leben nicht mehr in Boxen, und die Züchterin hat eingezäunte Areale für unterschiedliche Hundegruppen im Garten eingerichtet.

Berlin – Noch bis zum 30. Juni läuft die Bewerbungsphase für den Deutschen Tierschutzpreis 2020. Sie möchten sich, eine andere engagierte Person, einen Verein oder eine Initiative für diesen Preis vorschlagen? Dann beschreiben Sie das tierschützerische Engagement auf maximal einer DIN-A4-Seite und senden Sie diese mit bis zu drei aussagekräftigen Fotos per E-Mail an tierschutzpreis@funkuhr.de oder an tierschutzpreis@supertv.de. Die Postadresse und weitere Informationen finden Sie unter www.tierschutzbund.de/ deutscher-tierschutzpreis

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GLÜCK AUF DEM SCHWANENSEE Altenburger Land – Mithilfe des Vereins Hoffnung für Wildenten, Schwäne und Co., der Mitglied des Deutschen Tierschutzbundes ist, hat die Schwänin Pauline ein neues Zuhause und einen Partner gefunden. Der Verein hatte das Tier mit einem lahmen Flügel, der nach Untersuchungen nicht operiert werden muss, zunächst in Altenburg ausgesetzt, wo es jedoch mit einem Schwanenpaar in Konflikt geraten war. Im Umland stießen die Tierschützer auf den Teich in Rositz inklusive des dort lebenden flugunfähigen Männchens. Der Umzug wurde zum Erfolg, wie Vorsitzende Andrea Rücker berichtet: „Es war Gänsehaut pur. Man hätte denken können, beide Tiere hätten aufeinander gewartet. Sie putzen sich, liegen beieinander, schwimmen gemeinsame Runden, und beide fühlen sich wirklich pudelwohl.“

© Fotos: Deutscher Tierschutzbund Landesverband Rheinland-Pfalz e.V. (oben); Deutscher Tierschutzbund e.V. (Preis); Hamburger Tierschutzverein von 1841 e.V. (Hunde); Hoffnung für Wildenten, Schwäne u. Co. e.V. (Schwäne)

Mainz – Mitten in den ersten Wochen der Corona-Krise, die auch den Deutscher Tierschutzbund Landesverband Rheinland-Pfalz und seine Mitgliedsvereine vor enorme Herausforderungen stellt, erreichte den Vorsitzenden Andreas Lindig die Nachricht vom Tod Horst Stauffers. Der langjährige Vorsitzende des Tierschutzvereins Mainz und des Landesverbandes ist am 4. April gestorben. Lindig über Stauffer: „Er hat sich zeitlebens für Tiere eingesetzt, hat viele neue Tierfreunde gewinnen können und wurde vielfach für seinen uneigennützigen Einsatz ausgezeichnet“ – unter anderem mit der Franz-von-Assisi-Medaille, der höchsten Auszeichnung des Deutschen Tierschutzbundes.


IM EINSATZ FÜR DIE TIERE

TAUBENSCHÜTZER AUF SICH GESTELLT Frankfurt – Mit einem Zuschuss von 30.000 Euro hat der Deutsche Tierschutzbund gemeinsam mit seiner Stiftung den Verein Stadttaubenprojekt Frankfurt bei seiner Tierschutzarbeit unterstützt. Gleichzeitig kritisierte der Verband, dass die Stadt Frankfurt sich wie andere Kommunen aus der Verantwortung stehle. Das Stadttaubenprojekt Frankfurt betreut Taubenhäuser, um den Bestand tierschutzgerecht zu reduzieren, und kümmert sich um Tauben in Not – erhält dafür aber keine ausreichende finanzielle Unterstützung durch die Stadt.

AUF DER SUCHE NACH TIERQUÄLERN Bremen – Der Bremer Tierschutzverein, Mitgliedsverein des Deutschen Tierschutzbundes, hat gemeinsam mit den Stadttauben Bremen eine Belohnung von 500 Euro ausgesetzt, um sachdienliche Hinweise auf Taubenquäler zu erhalten. In der Hansestadt waren vermehrt schwer verletzte Stadt- und Ringeltauben mit Schussverletzungen gefunden worden. „Aus Frust oder Lust am Töten auf wehrlose Vögel zu schießen, ist tierschutzwidrig und ethisch in keinster Form vertretbar“, sagt Brigitte Wohner-Mäurer, Vorsitzende des Bremer Tierschutz-

© Fotos: Deutscher Tierschutzbund e.V. (Taube); Tierschutzverein Tegernseer Tal e.V. (Reh)

LEBENSRETTENDE KOOPERATION Rottach-Egern – Der Tierschutzverein Tegernseer Tal, Mitgliedsverein des Deutschen Tierschutzbundes, kooperiert in dieser Erntesaison mit dem Bayerischen Bauernverband, um Rehkitze, Bodenbrüter und andere Tiere vor großen Mähmaschinen zu retten. Dazu übernimmt der Verein im Landkreis ein Jahr lang die Einsätze von Drohnenpiloten, die zu mähende Felder in den frühen Morgenstunden mit den Fluggeräten nach Tieren absuchen (mehr zur Gefahr durch die Ernte ab Seite 31). Johanna Eckert-Schotte, Vorsitzende des Vereins, möchte den Landwirten damit zeigen, „dass sie tierisches Elend vermeiden und Zeit sparen können. Manchmal ist es ein Spagat, aber ein Miteinander ist uns wichtig und wir möchten mit ihnen im Gespräch bleiben.“

vereins. „Zudem könnten bei solchen Aktionen auch Kinder oder andere Tiere gefährdet sein.“ Viele Menschen fühlten sich durch Taubenschwärme belästigt oder befürchteten die Übertragung von Krankheiten. Doch die gesundheitliche Gefährdung durch die anpassungsfähigen und intelligenten Vögel ist nicht größer als die durch andere Zier- und Wildvögel. Die einzige tiergerechte Lösung ist ein integriertes Konzept zum Zusammenleben von Tauben und Menschen in den Städten. Mehr unter www.tierschutzbund.de/tauben Anzeige

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IM EINSATZ FÜR DIE TIERE

„IN DEN KÖPFEN HAT SICH EINIGES VERÄNDERT“ Die Sängerin Stefanie Hertel engagiert sich seit Jahren für Tiere – auf der Bühne, als Tierschutzbotschafterin des Deutschen Tierschutzbundes und privat. Im Interview spricht sie über Aufklärungsarbeit ohne Zeigefinger und Geschmackserlebnisse ohne Fleisch.

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ie sind schon seit 2004 Tierschutzbotschafterin des Deutschen Tierschutzbundes. Wie kam es dazu? Ich habe den damaligen Präsidenten Wolfgang Apel bei einer Veranstaltung im Tierheim Eisenach kennengelernt und wir haben uns auf Anhieb gut verstanden. Er hat mich dann gefragt, ob ich dieses Amt übernehmen würde, und ich war gleich begeistert. Wie setzen Sie Ihre Bekanntheit für den Tierschutz ein? Tierschutz geht nicht nur sogenannte Promis an, sondern jeden Einzelnen, der Freiheit und Demokratie erhalten und Frieden wahren möchte. Durch meine Prominenz hören mir viele Menschen zu, und ich habe immer wieder die Gelegenheit, auf Missstände aufmerksam zu machen. Besonders thematisiert wird immer gerne mein Vegetarier-Dasein. Das nutze ich dann, um aufzuklären, ohne dabei zu sehr den Zeigefinger zu heben, denn das schreckt eher ab. Sie als Künstlerin sind viel unterwegs, waren vermutlich schon in fast allen Regionen Deutschlands und kommen daher auch als Tierschutzbotschafterin an viele Orte. Nehmen Sie regionale Unterschiede wahr, was Tierfreunde bedrückt, bewegt oder anspornt? Die Unterschiede konnte ich bisher nicht an Regionen festmachen. Jeder Mensch hat seine eigene Einstellung zu diesem Thema. Es

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ist erfreulich, dass sich im Laufe der Jahre einiges in den Köpfen der Leute verändert hat und die Menschen beispielsweise bewusster mit dem Kauf von tierischen Produkten umgehen. Aber da ist noch ganz viel Luft nach oben. Viele wollen einfach immer noch nicht mehr Geld für Fleisch ausgeben und auch nicht auf ihr tägliches Fleisch verzichten. Dabei könnten wir nicht nur viel Tierleid verhindern, wenn wir den Fleischkonsum reduzieren, sondern würden auch die Umwelt schonen. Welche Rolle spielt die vegetarische Ernährung in Ihrem Alltag und Leben? Und wie kann diese den Tieren helfen? Bei uns zu Hause wird grundsätzlich fleischlos gekocht, und immer öfter halten Speisen völlig ohne tierischen Zusatz Einkehr. Es gibt so tolle vegane Aufstriche, und ich liebe es, mit Kokosmilch zu kochen. Meine Familie hat kein Problem damit. Ab und zu bereiten sie sich ein Stück Fleisch zu, das sie sich einmal pro Jahr von einem Bio-Bauern liefern lassen. Eingefroren wird es dann über das Jahr aufgeteilt. Je weniger Fleisch der Mensch verzehrt, desto weniger Tiere müssen dafür gehalten werden und umso weniger sind dann diese furchtbaren Tierfabriken notwendig. Ich träume von einer Welt, in der der Mensch achtsam mit seinen Lebensmitteln umgeht, regionale Produkte kauft und maximal einmal pro Woche Fleisch

verzehrt. Tiere würden dann nur noch auf Bauernhöfen gehalten, die sie auf der Weide haben. Das wäre toll. Wie sieht das tierische Leben bei Ihnen zu Hause aus? Wir haben zwei Hunde. Keri haben wir vor drei Jahren auf der griechischen Insel Zakynthos gerettet. Sie war mitten in den Bergen ausgesetzt worden und stand kurz vor dem Hungertod. Erst zu Hause angekommen bemerkten wir, dass sie trächtig war. Drei ihrer Welpen konnten wir an gute Bekannte vermitteln, unter anderem auch an Dr. Brigitte Rusche, die Vizepräsidentin des Deutschen Tierschutzbundes. Freddy haben wir behalten. Unsere Hunde bereichern unser Leben immens. Wie gelingt es Ihnen, Ihren anstrengenden Beruf und die gemeinsame Zeit mit Ihren Tieren unter einen Hut zu bekommen? Wir haben Freddy und Keri oft auf unseren Reisen dabei. Sie sind absolute Reisehunde, haben kein Problem mit stundenlangem Autofahren und fühlen sich in jeder Garderobe sofort zu Hause. Wenn es nicht möglich ist, sie mitzunehmen, dann hat jeder der Hunde seine „Pflegeeltern“, bei denen sie sich auch wie daheim fühlen. Welche Rolle spielen die Tiere und der Tierschutz in Ihrer Musik und Ihren Liedtexten? Es gibt einige Lieder, die das


© Foto: Kerstin Joennson (Seite 41); Illustrationen: freepik (Seite 40 und 41)

Thema Tierschutz beinhalten, so habe ich beispielsweise das Lied „Für alle Tiere dieser Welt“ geschrieben, welches inzwischen bei keiner Verleihung des Deutschen Tierschutzpreises des Deutschen Tierschutzbundes fehlen darf, den ich jedes Jahr gern auch als Jurorin und Laudatorin unterstütze. Sie haben kürzlich bei einem Backwettbewerb im Fernsehen eine vegane Iglu-Torte gebacken. Wieso haben Sie genau dieses Rezept ausgewählt? Ich wollte einfach unter Beweis stellen, dass man völlig ohne tierische Produkte eine Geschmacksexplosion hinbekommt. Und das ist mir gelungen, die Jury war begeistert. Schon häufiger konnte ich überzeugte Nicht-Vegetarier davon überzeugen, dass man fleischlose oder sogar vegane Speisen mit höchstem Geschmackserlebnis

herstellen kann. Meine Freunde sind oft überrascht, dass sie nichts vermissen, wenn ich koche. Sie haben uns Ihr Rezept der Iglu-Torte auch für unser Magazin und unsere Leserinnen und Leser zur Verfügung gestellt. Welche Rolle spielen Backen und Kochen für Sie privat und finden Sie in Ihrem vollen Terminkalender überhaupt die Zeit dafür? Ich liebe es zu backen und zu kochen. Meine Mama war gelernte Köchin und eine hervorragende Bäckerin – meine Oma ebenfalls. Ich komme zwar nicht an die Kochund Backkünste meiner Vorfahren ran, aber ich denke, meine kulinarischen Produkte können sich „schmecken“ lassen.

andere musikalische Seite von sich gezeigt, im TV getanzt und nun Ihr Backtalent unter Beweis gestellt. Womit überraschen Sie uns als Nächstes? Mein Mann, meine Tochter und ich haben die Band „More than words“ gegründet und wir singen modernen Country-Rock-Pop. Gerade haben wir unser erstes gemeinsames Album „Home“ produziert, welches am 15. Mai erschienen ist. Das Interview führte Joscha Duhme

Rezept auf der nächsten Seite

Sie stehen seit Ihrer Kindheit auf der Bühne, haben im vorigen Jahr bei The Masked Singer eine ganz DU UND DAS TIER 2/2020

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VEGAN KREATIV

Die Sängerin Stefanie Hertel verrät den Leserinnen und Lesern von DU UND DAS TIER das Rezept für ihre Torte ohne tierische Inhaltsstoffe.

In der SAT 1-Show „Das große Promibacken“ hat Stefanie Hertel die Jury mit dieser Torte begeistert.


TIERSCHUTZ LEBEN

ZITRONEN-ÖLKUCHEN MIT SCHOKO-CASHEW-CREME, ZIMT-„BUTTER“-CREME UND KIRSCH-FÜLLUNG 20 CM, HALBKUGELFORM

45 MINUTEN

175°C OBER-/UNTERHITZE

ZUTATEN

ZUBEREITUNG

Zitronen-Ölkuchen 400 g Mehl, Typ 405 40 g Speisestärke 15 g Backpulver 260 g Zucker 160 g Sonnenblumenöl 1 EL Vanillezucker 400 g Sprudelwasser ½ Zitrone, Abrieb 40 g Sojadrink 1 Prise Salz

1. Für den Zitronen-Ölkuchen den Backofen vorheizen, die Halbkugelbackform gut mit Margarine einfetten und mit Mehl bestäuben. Alle Zutaten in der Reihenfolge des Rezeptes in der Küchenmaschine zu einem glatten Teig aufschlagen. Die gesamte Masse in die vorbereitete Halbkugelform geben und den Zitronen-Ölkuchen nun auf der mittleren Schiene für 50 bis 60 Minuten bei 175 Grad im Ofen backen.

Schoko-Cashew-Creme 200 g Cashewkerne (in Wasser eingeweicht für mindestens 24 Stunden) 100 g Datteln 200 ml Kokos-Creme 1 Banane 250 g Soja-Joghurt-Alternative 2–3 EL Kakao 2 cl Rum 2 TL Johannisbrotkernmehl

© Foto: Sat.1 – Claudius Pflug (Seite 42); Illustrationen: freepik (Seite 43)

Zimt-„Butter“-Creme 500 g pflanzliche Margarine 1 EL Vanillezucker 500 g Puderzucker 2 EL Zimt, gemahlen Ggf. einen Schuss Rum zum Abschmecken Kirsch-Füllung 400 g Sauerkirschen im Glas 2 cl Rum 2–3 EL Ahornsirup 4 TL Tapioka-Stärke Ggf. einen Schuss Rum zum Abschmecken Für die Dekoration 1 kg Fondant, weiß 100 g Fondant, braun 500 g Fondant, schwarz 100 g Fondant, orange Lebensmittelkleber

2. Für die Schoko-Cashew-Creme die zuvor in Wasser eingeweichten Cashewkerne abtropfen lassen, Datteln klein schneiden, mit Kokos-Creme, Banane, Soja-Joghurt-Alternative, Kakao und Rum nach und nach im Mixer zu einer feinen Creme verarbeiten. Abschließend das Johannisbrotkernmehl unterrühren und die Creme kühl stellen. 3.

Für die Zimt-„Butter“-Creme Margarine, Vanillezucker und Puderzucker schaumig rühren, dann den Zimt hinzufügen. Nach Belieben mit etwas Rum abschmecken und die Zimt-„Butter“-Creme bis zur späteren Verwendung beiseitestellen.

4. Für die Kirsch-Füllung die Kirschen abtropfen lassen. Anschließend mit 2 EL vom abgetropften Kirschsaft, Rum und Ahornsirup köcheln lassen. Tapioka-Stärke mit etwas Flüssigkeit anrühren, zu den Kirschen geben und nochmals aufkochen. Jetzt die Kirsch-Füllung

abkühlen lassen und gelegentlich umrühren.

5. Um die Torte fertigzustellen, den Zitronen-Ölkuchen aus der Halbkugelform stürzen. Diesen dann dreimal durchschneiden, sodass vier Boden-Schichten entstehen. Mit dem größten Boden beginnen: Einen Rand aus etwa einem Zentimeter Zimt-„Butter“-Creme aufspritzen und in die Mitte Schoko-Cashew-Creme einfüllen. Darauf den zweiten Boden legen und erneut einen Rand Zimt-„Butter“-Creme aufspritzen. In die Mitte die Kirsch-Füllung geben. Darauf den dritten Boden auflegen und die erste Schichtung noch einmal wiederholen. Anschließend die gesamte Kuppel-Torte mit Zimt„Butter“-Creme einstreichen und kühlen. 6. Für die Dekoration die gekühlte Torte nun mit weißem Fondant komplett überziehen. Dann mit einem Modellierwerkzeug die Eisziegelstruktur andeuten und eine Leiter aus braunem Fondant seitlich am Iglu befestigen. Nun kleine Pinguine aus schwarzem, weißem und orangefarbenem Fondant fertigen und nach Belieben auf der Torte platzieren. Ebenso kleine weiße Schneebälle formen und dekorativ verteilen. Für den Eingang des Iglus einen Streifen weißen Fondant auf einer passenden Unterlage (zum Beispiel Glas, Rolle, Dessertring) trocknen lassen und diesen dann vorne an der Torte befestigen. DU UND DAS TIER 2/2020

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PELZIGE PUMMEL In Deutschland leben rund 40 Hummelarten. Wie viele andere Fluginsekten sind auch sie gefährdet durch Nahrungsmangel, die Vernichtung ihrer Lebensräume und die anhaltende Industrialisierung der Landwirtschaft.

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ummeln sehen aus wie kleine, fliegende Brummbären, und auch sonst gehören sie als erste tierische Frühlingsboten zu den echten Sympathieträgern: Wenn die Sonne den Boden im März erwärmt, erwachen die jungen, im Vorjahr begatteten Königinnen in ihren Winterquartieren. Jetzt wird ein Nistplatz gesucht – das kann ein Haufen mit Totholz sein oder eine Mauerspalte, aber auch ein Mauseloch oder ein verlassenes Vogelnest. „Diese Suche kostet nach dem langen Winterschlaf viel Kraft. Um einer entkräfteten Hummelkönigin zu helfen, kann man einen halben Teelöffel Zucker in lauwarmem Wasser auflösen und dem Tier per Löffel anbieten“, erklärt James Brückner, Leiter der Abteilung Artenschutz beim Deutschen Tierschutzbund. Ist ein geeigneter Platz gefunden, baut die Königin ihre erste Wabe. Dort legt sie bis zu acht Eier ab. Die daraus schlüpfenden Larven versorgt sie mit Pollen. Die Königin selbst ernährt sich von Nektar, den sie zu Honig umwandelt und in Wachstöpfchen lagert. Nachdem sich die Larven verpuppt haben, dauert es nicht mehr lange, bis die sogenannten Arbeiterinnen schlüpfen. Und die haben sofort einen harten Job: Schließlich müssen sie das Nest weiterbauen und im Notfall verteidigen.

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Zudem will die weitere Brut gepflegt werden. Je nach Art leben in einem Nest zwischen 50 und mehreren Hundert Arbeiterinnen. Im Sommer legt die Königin befruchtete und unbefruchtete Eier. Aus den unbefruchteten Eiern erwachsen Männchen, die sogenannten Drohnen. Befruchtete Eier entwickeln sich zu großen und begattungsfähigen Weibchen, die neuen Königinnen. Nachdem sich Drohnen und Königinnen verpaart haben, verlassen Letztere das Nest und suchen sich ein Winterquartier. Mit der alten Königin stirbt ihr gesamtes Volk, das Nest zerfällt.

Effektive Bestäuber „Diese einjährige Lebensweise ist auch der Grund, warum man den Honig von Hummeln nicht ernten kann. Im Gegensatz zu Bienen, die als ganzes Volk überwintern und dafür entsprechende Mengen produzieren, bunkern Hummeln nur so viel Honig, wie sie für mögliche Schlechtwetterperioden benötigen“, so Brückner. „Dabei gelten sie als effektive Bestäuber: Hummeln sind relativ unempfindlich gegenüber Temperaturschwankungen und können täglich in 18 Stunden bis zu 1.000 Blüten anfliegen, selten mehr als zwei verschiedene Blütenarten je Flug.“ Einige Pflanzen,


TIERSCHUTZ LEBEN

zum Beispiel Taubnesseln, werden ausschließlich von langrüsseligen Hummeln während der Nektarentnahme bestäubt. Eine besondere Funktion haben Hummeln beim Anbau von Tomaten in Gewächshäusern und Plastiktunneln. Da der Wind aus der freien Natur fehlt, benötigen sie eine Vibrationsbestäubung. Die kommt von den Erdhummeln, die mit einer speziellen Frequenz ihres Flügelschlags die Tomatenblüten vibrieren lassen.

Hummeln können mit ihren Flügeln Tomatenblüten vibrieren lassen.

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Hummelarten sind aktuell in Deutschland nachgewiesen.

Gefährdungsursachen Hummeln gehören zu den rund 555 in Deutschland vorkommenden Wildbienenarten. Bei uns sind aktuell 41 Hummelarten nachgewiesen, etwa die Hälfte davon steht auf der Roten Liste der bedrohten Arten. „Eine Ursache ist der Verlust von Lebensräumen mit passenden Nist- und Nahrungsangeboten. Hauptverantwortlich ist jedoch, wie bei vielen anderen Fluginsekten oder auch Feldvögeln, die moderne Landwirtschaft: Der Rückgang extensiv bewirtschafteter blühender Flächen, der vermehrte Einsatz von Insektiziden und zunehmende Monokulturen haben gerade im ländlichen Raum zu einem massiven Artensterben geführt“, sagt Brückner. Obwohl Hummeln temperaturtoleranter sind als andere Insekten, leiden auch sie unter dem Klimawandel. Darauf deutet eine aktuelle Studie der Universität Ottawa zur Verbreitung von 66 Hummelarten in Europa und Nordamerika hin. So scheint das Verschwinden vieler Arten direkt mit Wetterextremen wie Hitzewellen und Dürren zusammenzuhängen. Und Arten, die in Richtung Norden ausweichen, besiedeln diese neuen Habitate in geringerem Ausmaß als ihre alten Lebensräume. 1

© Fotos: Pixabay (Seite 44 oben und rechts, Seite 45 unten); Unsplash (Seite 44 oben)

Solche und solche Hummeln Zu den häufigsten Arten in Deutschland zählen die Helle und die Dunkle Erdhummel, die Garten-, Wiesen- und Steinhummel. Eine Besonderheit sind die sogenannten Schmarotzer- oder Kuckuckshummeln. Das sind Arten, die die Brutpflege verlernt haben und ihren Nachwuchs von den Völkern anderer, jeweils bevorzugter Hummelarten ausbrüten und aufziehen lassen. Dafür haben sie entsprechende Merkmale entwickelt: Während den Weibchen die Körbchenhaare zum Pollentransport an den Hinterbeinen fehlen, hat die Königin einen großen Kopf, kräftige Stachel und Kiefer und einen dicken Panzer, um sich beim Eindringen in ein fremdes Nest durchzusetzen.

Hummeln helfen Wer den heimischen Hummeln helfen möchte, sollte für ein passendes Nahrungsangebot sowie Nistmöglichkeiten sorgen. „Dafür gibt es geeignete Saatgutmischungen, die auch anderen Fluginsekten zugutekommen. Ein Blumenkasten auf dem Balkon mit Lavendel ist nicht nur eine Freude für die mensch-

Hummeln können täglich in 18 Stunden bis zu

Allein die weiblichen Hummeln können zustechen, tun dies aber nur bei Bedrohung.

1.000 Blüten anfliegen.

lichen Sinne, sondern wird auch begeistert von Hummeln angeflogen“, erklärt der Experte. „Wer einen Garten hat, unterstützt Hummeln mit Gehölzen wie Weide, Kornellkirsche, Ahorn, Weißdorn, der Blut-Johannisbeere und verschiedenen Obstbäumen.“ Da im Spätsommer das Nahrungsangebot oft knapp wird, sollte die Blumenwiese nicht zu früh und nicht vollständig gemäht werden. Damit sich das Hummelvolk in Ruhe entwickeln kann, benötigt es passende Nistmöglichkeiten. Dazu gehören Böschungen, Bruchsteinmauern, Hecken, Mauslöcher und Baumhöhlen. Einige seltene Arten nisten in der Moos- und Krautschicht. „Deshalb dürfen ausgewählte Bereiche des Gartens ein wenig verwildern und verfilzen. Gerne nehmen Hummeln auch künstliche Nistkästen an.“

Mythos und Realität Und dann wäre da noch die ultimative Frage: Können Hummeln stechen? Die richtige Antwort: Die weiblichen können es, machen es aber nur, wenn sie sich bedroht fühlen. Zuvor warnen sie mit einem lauten Brummen oder mit einem Biss. Da der Stachel der Arbeiterinnen lediglich zur Verteidigung dient, ist er nur schwach ausgebildet. Außerdem fehlt Hummeln die Kraft, den Stachel selbst in die menschliche Haut zu stoßen. Zudem hat der Stachel keinen Widerhaken und bleibt deshalb nicht stecken. Daher muss eine Hummel, die gestochen hat, auch nicht sterben. Und die leichten Schmerzen durch den Stich halten wir Menschen locker aus. Bernd Pieper DU UND DAS TIER 2/2020

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SPUREN SUCHE Geht das eigene Haustier verloren, sind die Sorgen groß. Ist es gechippt und bei FINDEFIX registriert, haben Tierhalter deutlich bessere Chancen, ihren Schützling wohlbehalten wiederzufinden. In besonders schwierigen Fällen bieten zudem sogenannte Pettrailer professionelle Hilfe.

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s ist der Albtraum eines jeden Tierhalters: Das geliebte Haustier ist plötzlich verschwunden – zum Beispiel der Hund, dessen Jagdinstinkt so groß ist, dass er sich losreißt, oder für den der Gartenzaun kein Hindernis ist. Auch wenn die geliebte Katze, die sonst immer abends von ihrer Erkundungstour durchs Revier heimkehrt, diesmal nicht auftaucht, fühlt es sich so an, als bliebe das Herz stehen. So war es auch bei Simba – der sechsjährige Kater kam einfach nicht mehr nach Hause. Familie Klenovsky setzte daraufhin alle Hebel in Bewegung, um ihn wiederzufinden: „Wir haben Plakate aufgehängt, Nachbarn angesprochen und überall angerufen: bei Tierheimen, Tierpensionen, Tierkliniken und sogar bei der Müllabfuhr.“ Aber der Kater blieb spurlos verschwunden – ganze acht Monate lang. Als die Halter schon gar nicht mehr damit rechneten, kam plötzlich die langersehnte Nachricht: Simba war wieder aufgetaucht. Dank FINDEFIX, dem Haustierregister des Deutschen Tierschutzbundes, konnten die Klenovskys ihren Schützling wieder wohlbehalten in ihre Arme schließen. Wie sich herausstellte, hatte sich der kleine Abenteurer nur wenige Kilometer entfernt in dem Stall einer Landwirtin niedergelassen. Diese stellte dort jeden Abend Futter für Igel bereit – Pettrailer Frank anscheinend war das so lecker, dass Weisskirchen mit einem seiner auch Simba auf den Geschmack drei Suchhunde. gekommen war. Da er sich auf ihrem Hof wohlfühlte, beschloss

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Kater Simba war acht Monate lang spurlos verschwunden. Dank FINDEFIX, dem Haustierregister des Deutschen Tierschutzbundes, konnten seine Halter ihn nach seiner Abenteuerreise wohlbehalten in ihre Arme schließen.

© Fotos: Frank Weisskirchen (Seite 46, 48); Privat (Seite 47)

die Landwirtin, ihn zu behalten, und brachte ihn nach einiger Zeit zum Tierarzt. Dieser stellte schließlich fest, dass Simba mit einem Mikrochip gekennzeichnet und bei FINDEFIX registriert ist. So konnten seine Besitzer rasch ausfindig gemacht werden. „Dieser Fall zeigt, wie wichtig es ist, sein Haustier kennzeichnen zu lassen und es bei FINDEFIX zu registrieren – geht es verloren, sind die Chancen es wiederzufinden weitaus größer“, sagt Daniela Rohs, Abteilungsleiterin von FINDEFIX. Indem ein Tierarzt einen etwa reiskorngroßen Transponder unter die Haut implantiert, wird das Tier individuell gekennzeichnet. Der darin enthaltene Mikrochip enthält eine Nummer, die dann zusätzlich noch registriert werden muss. Denn nur wenn die Daten des Tieres zentral erfasst sind, kann es seinem Halter zugeordnet werden. Wird es als vermisst gemeldet, hilft das Service-Team von FINDEFIX den Haltern auch dabei, personalisierte Suchplakate und Online-Suchmeldungen zu erstellen. „Wir profitieren von dem guten Netzwerk des Deutschen Tierschutzbundes, dem mehr als 740 Tierschutzvereine mit rund 550 Tierheimen angehören“, schildert Rohs. „Sogar im Urlaub sind registrierte Tiere geschützt, da wir uns mit Registrierdiensten weltweit austauschen.“ 1981 gegründet, ist FINDEFIX das älteste Angebot seiner Art in Deutschland.

Pettrailer können bei der Suche helfen Dank dieses kostenlosen Services ist die Wahrscheinlichkeit für ein Happy End wie bei Kater Simba deutlich größer. Doch es gibt auch Fälle, bei denen sich die Suche nach einem Tier besonders schwierig gestaltet. Dann empfiehlt Rohs, einen sogenannten Pettrailer um Hilfe zu bitten. Frank Weisskirchen gehört zu den bekanntesten Pettrailern Deutschlands – er hat sich bereits vor etwa 25 Jahren auf die Suche und Sicherung von Tieren spezialisiert. Mittlerweile bildet er auch andere Pettrailer mit ihren Suchhunden

EIN MIKROCHIP ALLEIN REICHT NICHT – DAS HAUSTIER MUSS AUCH REGISTRIERT SEIN. aus und bietet Seminare an. Pro Tag erhält er ein bis drei Suchanfragen. Bundes- und sogar europaweit von Norwegen bis Portugal sucht er nach vermissten Tieren. Solch eine Suche über die Landesgrenzen hinaus kommt zum Beispiel vor, wenn Halter ihren Schützling im Urlaub verlieren. Weisskirchens treue Gefährten, die Bluthunde Schnösel, Winston und Yuma, sind dank ihrer hochsensiblen Spürnasen sozusagen seine rechte Hand. „Schnösel ist mit seinen neuneinhalb Jahren schon Teilzeitrentner, daher arbeite ich hauptsächlich mit dem siebenjährigen Winston. Yuma wird jetzt drei Jahre alt und ist noch ein Azubi“, so Weisskirchen. Um eine Fährte aufzunehmen, brauchen sie einen Geruch des vermissten Tieres, den sogenannten Referenzgeruch. Diesen nehmen sie zum Beispiel über ein Spielzeug oder eine Decke des Tieres auf. Wichtig sei zudem ein Ausgangspunkt, wo der Hund oder die Katze entlaufen ist beziehungsweise wo sie das letzte Mal gesichtet wurden. „Mithilfe des Referenzgeruchs können meine Suchhunde von dort aus nachverfolgen, was das vermisste Tier gemacht hat.“ So könne er das Suchgebiet eingrenzen und das Tier besser orten. Um es dann anzulocken, lässt er die Besitzer in den Bereichen, in denen es sich vermutlich aufhält, Futterstellen einrichten. Anschließend versucht er, das Tier mit einer Lebendfalle einzufangen. Entlaufene Hunde fielen ihm zufolge meist in ein Instinktschema: „Sie verwildern zwar nicht, aber sie haben eine Art Notfallplan, wenn DU UND DAS TIER 2/2020

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Eine Fährte bei all den verschiedenen Gerüchen in der Luft zu verfolgen, ist eine enorme Leistung. Um seine Vierbeiner nicht zu überfordern, müssen sie nach 20 bis 30 Minuten eine Pause einlegen. Sonst kann es passieren, dass ihre Körpertemperatur auch wegen der vielen Bewegung zu stark ansteigt. „Mit entsprechenden Pausen sind wir insgesamt eineinhalb Stunden pro Sucheinheit unterwegs“, so der Pettrailer. „In der Zeit können wir immerhin fünf bis sechs Kilometer durchforsten.“ Weisskirchen zufolge dauere es zwei bis drei Jahre, einen Suchhund auszubilden. Hund und Pettrailer müssen in der Zeit ein eingespieltes Team werden und lernen, sich über bestimmte Kommandos und Verhaltensweisen zu verständigen.

Pettrailer Frank Weisskirchen hat sich bereits vor 25 Jahren auf die Suche und Rettung verloren gegangener Haustiere spezialisiert. Seine Suchhunde sind ihm dabei eine große Hilfe: Mit ihrem hervorragenden Geruchssinn können sie Fährten sogar durch unwegsames Gelände folgen.

Auch bei alten oder verletzten Tieren, die orientierungslos umherirren, mache es Sinn, sie mithilfe von Suchhunden aufzuspüren. Oder wenn sich ein entlaufener Hund sehr wahrscheinlich mit seiner Leine irgendwo verfangen hat. Weniger sinnvoll sei ein solcher Einsatz, wenn die entlaufenen Katzen oder Hunde sehr ängstlich sind – dann könne es zum Beispiel passieren, dass sie aus Panik vor den Suchhunden auf eine Straße laufen. Leider komme es laut Weisskirchen aber auch immer wieder vor, dass ein Tier nicht gerettet werden kann. „Etwa 30 Prozent der vermissten Katzen werden tot aufgefunden – zum Beispiel, weil sie von einem Auto angefahren wurden“, so der Pettrailer. „Die Chancen stehen zudem schlecht, wenn ein Hund in einer Innenstadt entlaufen ist und auch nach vier Tagen noch nicht gesichtet wurde. Die Spur wird dann immer undeutlicher.“ Weisskirchen ist es wichtig, den Tierhaltern in solchen Situationen keine falschen Hoffnungen zu machen. Anders sei es hingegen in Waldgebieten: „Dort bleiben Gerüche viel länger hängen als auf der Straße.“

ihr Halter plötzlich nicht mehr da ist und sie selbst Futter, Wasser und territorialen Schutz suchen müssen.“ Sind sie wieder in ihrer vertrauten Umgebung, verhalten sie sich wie früher – als wäre nichts gewesen.

Sensible Spürnasen Seine Suchhunde kommen auch dann zum Einsatz, wenn ein Tier sich nicht einfangen lässt und er es mit Blasrohr oder Narkosegewehr betäuben muss – natürlich erst, nachdem er die nötigen behördlichen Genehmigungen eingeholt hat. „Oft braucht man viel Geduld. Es kam schon vor, dass ich 14 Stunden gewartet habe, bis ich die Distanznarkose setzen konnte“, schildert Weisskirchen. „Es dauert auch etwas, bis die Narkose wirkt, und in der Zeit läuft das Tier ja weiter – meine Hunde sind dann für die Nachsuche zuständig.“

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Um grundsätzlich die Chancen für eine Wiedervereinigung von Haustier und Besitzer zu verbessern, hält auch Weisskirchen es für unerlässlich, Tiere kennzeichnen und registrieren zu lassen: „Ich kenne FINDEFIX jetzt seit 13 Jahren und kann dieses Angebot sehr empfehlen – das Team ist immer überaus hilfsbereit und leistet gute Aufklärungsarbeit.“ Verschwindet ein Tier, sollten Halter vor allem Ruhe bewahren und FINDEFIX anrufen – so folgt auf den ersten Schreck hoffentlich schnell ein Happy End. Nadine Carstens

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KOMMENTAR

BILLIG IN DIE KAMERA

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s gibt Dinge, die kann man sich nicht ausdenken. Anfang Mai live und nun in einem Video im Internet zu sehen, lächelt Julia Klöckner gemeinsam mit Starkoch Johann Lafer während einer gesponserten Kochshow der Bild-Zeitung in die Kamera, zeigt sich entzückt von seinen Frikadellen-Tricks und wirft ihm ein glückliches „Das ist mein Highlight heute“ zu. So sieht also die Begeisterung unserer Bundeslandwirtschaftsministerin für ein Menü aus, für das Lafer – so zeigt es der Trailer der Sendung – kurz vorher lustig und munter durch den Laden marschiert und dort beherzt zum Dumping-Hack greift. „Genau das habe ich gesucht“, freut sich der Fernsehkoch und preist die von Kaufland präsentierte Kochshow mit der Bundesministerin an, in der diese nicht davor zurückschreckt, die Billigmilch vor laufender Kamera gleich selbst in die Pfanne zu kippen.

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Aber es kommt noch besser. Die Bundesministerin überlässt es jetzt dem Bauernverband, die Erntehelferfrage und Kontrolle der Vorgaben während Corona zu klären, und gibt damit eine hoheitliche Aufgabe aus der Hand. Nicht nur die Koch-PR mit Lafer ist ein Skandal für die Tierschutz-Politik in Deutschland. Wann nimmt die per Amt auch als Bundestierschutzministerin zu benennende Person denn endlich mal ihre Arbeit auf? Thomas Schröder, Präsident

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09001/226688 (nur aus dem deutschen Festnetz), Sie spenden 5 Euro.

INTERNET www.tierschutzbund.de www.duunddastier.de www.tierschutzlabel.info www.jugendtierschutz.de www.tierschutzbund.de/spendenportal www.weiljedemahlzeitzählt.de www.mein-haustier-app.de

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Herausgeber und Redaktion: Deutscher Tierschutzbund e.V., In der Raste 10, 53129 Bonn, Tel.: 0228/604960, Fax: 0228/6049640 Kontakt: www.tierschutzbund.de/kontakt, redaktion@tierschutzbund.de Internet: www.tierschutzbund.de Verantwortlich im Sinne des Presserechtes: Bernd Pieper Chefredaktion: Verena Jungbluth Redaktion: Nadine Carstens, Joscha Duhme Mitarbeiter dieser Ausgabe: Wolfgang Arzt, James Brückner, Patrick Boncourt, Martina Eichner, Dr. Moira Gerlach, Dr. Miriam Goldschalt, Lisa Hoth, Dr. Anna Kirchner, Verena Klebolte, Andrea Mihali, Dr. Esther Müller, Dr. Brigitte Rusche, Thomas Schröder, Dr. Katrin Umlauf, Kristina Wagner, Leonie Weltgen, Dr. Miriam Willasch, Verena Wirosaf, Frigga Wirths, Sebastian Woskowski Agentur: SZ Scala GmbH, Hultschiner Str. 8, 81677 München Objektleitung: Elisa Holz Anzeigen: Heike Rotberg-Stilling Herstellung: Nadine Arbter Gestaltung: DWORAK UND KORNMESSER OHG Bildredaktion: Deutscher Tierschutzbund e.V. Abo-Service: Tel.: 089/21837038, Fax: 089/2183967266 Bezugsbedingungen: DU UND DAS TIER erscheint viermal im Jahr. Bezugspreise: www.duunddastier.de/abo Druck: Vogel Druck und Medienservice GmbH, 97204 Höchberg ISSN 0341-5759 Das Magazin ist gedruckt auf 100 % Recyclingpapier. Für unverlangt eingereichte Manuskripte, Fotos und sonstige Druckunterlagen wird keine Haftung übernommen. Eine Rücksendung solcher Unterlagen ist nur gegen ausreichendes Rückporto möglich. Namentlich gezeichnete Beiträge stellen die Meinung des Verfassers, nicht unbedingt auch die der Redaktion dar. Nachdruck, Übersetzungen und Vervielfältigungen, auch auszugsweise, sind nur mit Zustimmung der Redaktion gestattet. Veröffentlichte Briefe sind keine Meinungsäußerungen der Redaktion.

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Öffentlichkeitswirksames Kochen mit Produkten aus tierquälerischer Haltung, die nicht einmal das von ihr selbst auf den Weg gebrachte und so stark beworbene staatliche Label tragen würden – schräger und skurriler könnte dieser Auftritt kaum sein. Im

Guten könnte man annehmen, dass die Ministerin ja beim Einkauf nicht dabei, also ahnungslos war. Ist aber unwahrscheinlich. Und dann ist es die gleiche Ministerin, die immer wieder die Billigangebote anprangert und jetzt, in der Hochphase der Debatte um Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie – ausgelöst durch die Corona-Pandemie –, die Billigfleischfrage auch als Ursache unwürdiger Zustände in den Schlachthöfen herleitet. Da hat sie mal recht. Aber wer böse denkt, der könnte jetzt schlussfolgern, dass Klöckner, Lafer und Kaufland mit schuld an der Ausbeutung sind. Und es könnte niemand widersprechen.


MEDIENWELTEN

100 Seiten, tredition GmbH, Hamburg 2019, ISBN 978-3-7497-6719-9, 16,80 Euro

DAS BESTE MEERSCHWEINCHEN DER WELT Linda Maria Koldau – Aus Sicht von Lukas, einem Meerschweinchen, das aus einer Notstation stammt und nun mit verschiedenen Artgenossen bei einer Familie lebt, hat Linda Maria Koldau eine liebevolle Geschichte für Kinder ab sechs Jahren geschrieben. Auf unterhaltsame Art und Weise und mit schönen Illustrationen von Hannah Hugger werden junge Tierfreunde an den verantwortungsvollen Umgang mit Meerschweinchen herangeführt.

MEDIEN WELTEN

SO HABEN WIR DAS SCHON IMMER GEMACHT Carolin Günther – Dieses Bilderbuch ist nicht für Kinder geeignet, sondern vielmehr für Erwachsene, die bereit sind, sich kritisch mit dem Konsum tierischer Produkte auseinanderzusetzen. In surrealistisch anmutenden, düsteren Illustrationen und eindrücklichen Gedichten stellt Carolin Günther den Verzehr von Tieren infrage – und zeigt dabei die Liebe zu unseren Haustieren im Kontrast zu unserem Umgang mit den Tieren in der Landwirtschaft.

ANSTIFTUNG ZUM GÄRTNERISCHEN UNGEHORSAM Christiane Habermalz – Die bekennende Guerillagärtnerin Christiane Habermalz hat genug von sterilen Parks und aufgeräumten Gärten, die Insekten keinen passenden Lebensraum bieten. Ihr Buch ist daher ein humorvoll geschriebener Aufruf zu mehr Unordnung im eigenen Garten und zu mehr Pflanzenvielfalt im öffentlichen Raum. Mit Tipps wie Seedbombs oder dem heimlichen Begrünen von Straßenrändern animiert sie ihre Leser, es ihr gleichzutun und dem Artensterben den Kampf anzusagen. © Fotos: tredition GmbH; Carolin Günther (Nova MD); Verlagsgruppe Random House GmbH, München

288 Seiten, Wilhelm Heyne Verlag, München 2020, ISBN 978-3-453-60547-3, 9,99 Euro

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