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DU UND DAS TIER Ausgabe 2/2019 49. Jahrgang ISSN 0341-5759

TIERTRANSPORTE Der Leidensweg von Rindern UNTER GENERALVERDACHT Listenhunde sind keine Gefahr KLONEN Ein Trend, der viele Leben kostet

DAS MAGAZIN FÜR ALLE FREUNDE DES TIERSCHUTZES

GEMÜSELIEBE WEIL JEDE MAHLZEIT ZÄHLT

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Wenn zwei das Gleiche wollen. Seit Jahrzehnten unterstützen Pedigree® und Whiskas® den Deutschen Tierschutzbund und Tierheime in ganz Deutschland. Weil wir das Gleiche wollen: gesunde und zufriedene Tiere.

Partner des Deutschen Tierschutzbundes

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EDITORIAL

SOMMERGEFÜHLE Dr. Brigitte Rusche, Vizepräsidentin

© Titelfoto: Fotolia – Tom Bayer; Fotos: Deutscher Tierschutzbund e.V.; Shutterstock – Javier Brosch

Liebe Leserin, lieber Leser, die Natur ist erblüht, die Temperaturen steigen und zahlreiche Tiere ziehen ihren Nachwuchs groß. Fuchsjunge verlassen zum ersten Mal den Bau, Fohlen toben über die Wiese und junge Störche machen ihre ersten Flugversuche. Auch uns zieht es raus – zum Picknick an den See und zum Grillen in den Garten oder auf den Balkon. Die perfekte Gelegenheit, um nicht nur das Zusammensein mit Freunden und Familie zu genießen, sondern auch unseren Geschmackssinn zu verwöhnen. Lassen Sie sich dabei von den Rezepten unserer Aktion „Weil jede Mahlzeit zählt“ inspirieren und bestellen Sie unser limitiertes kostenloses Aktionspaket (mehr dazu auf Seite 16). In unserem Titelthema erfahren Sie darüber hinaus, was alles hinter der veganen Ernährungsweise steckt und wie jeder Einzelne ganz einfach seinen Beitrag für den Tierschutz leisten kann, ohne direkt sein ganzes Leben umstellen zu müssen oder sich zu verbiegen. Jeder einzelne Schritt ist wichtig, wenn wir unseren Planeten erhalten und unsere Mitgeschöpfe schützen möchten. Das gilt auch für einen weiteren Bereich unseres Konsums. Denn kaum etwas ist heute so allgegenwärtig wie Plastik. Und das nicht nur in unserem Haushalt, sondern auch in den Meeren. Unzählige Tiere sterben täglich an

dem, was wir einfach achtlos wegwerfen. Wir müssen dieser verheerenden Entwicklung dringend entgegenwirken und geben Ihnen in dieser Ausgabe daher einige Tipps an die Hand, mit denen Sie Ihren Plastikverbrauch reduzieren können. Ganz aktuell macht uns auch noch eine weitere Entwicklung Sorgen: der Trend des Klonens. Ich weiß, wie sehr es schmerzt, das geliebte Tier zu verlieren – es zerreißt einem das Herz. Aber es durch Klonen wieder zum Leben erwecken zu wollen, ist keine Option. Das damit verbundene Leid in den Laboren ist einfach viel zu groß. Längst bekannt sind auch die Qualen, die Rinder auf Transporten in Drittstaaten erleiden. Dennoch rollen die Lkw mit ihrer leidenden Fracht nahezu unbeirrt weiter. Lesen Sie, warum der Aufbau einer Milchindustrie vor Ort – der Grund, der eine Vielzahl der Transporte rechtfertigen soll – zum Scheitern verurteilt ist. Lassen Sie uns die Kraft dieses Sommers nutzen, um uns weiter gemeinsam für die Tiere starkzumachen.

Herzlichst Ihre

SCHLAGLICHT Zum zwölften Mal ruft der Deutsche Tierschutzbund zusammen mit den örtlichen Tierschutzvereinen zum Aktionstag „Kollege Hund“ auf. Am 27. Juni sollen Herrchen und Frauchen die Gelegenheit bekommen, ihren Liebling mit ins Büro zu nehmen. So zeigen sie, dass Job und Hund vereinbar sind, und helfen, mögliche Berührungsängste abzubauen. „Hundefreundliche Büros sind eine große Chance für die vielen Hunde, die in den Tierheimen auf ein neues, liebevolles Zuhause warten“, sagt Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. 2018 haben sich rund tausend Unternehmen beteiligt. Seien auch Sie dabei! Infos erhalten Sie unter www.kollege-hund.de. www.duunddastier.de

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TIERLIEBE

Der Bestand der Kegelrobben hat sich erholt. Inzwischen leben an der Ostsee wieder rund 30.000 der groĂ&#x;en Raubtiere.


INHALT

INHALT TITELTHEMA

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08 Weil jede Mahlzeit zählt

TIERSCHUTZ LEBEN 16 Rezept: Gegrillter Blumenkohl 18 Plastik bedroht die Welt

AKTUELL 22 Klonen: Dollys Erben 29 Taubenschutz in der Praxis 31 Tierschutz weltweit

HINTER DEN KULISSEN 32 Transporte: Endstation Wüste 36 Das Leid der Sauen 38 Vorverurteilte Listenhunde

Die vegane Lebensweise ist eine nachhaltige Bewegung, die nicht nur eine spannende Vielfalt bereithält, sondern auch den Tieren zugutekommt.

JUGEND 40 Tierschutzjugend aktiv

PROJEKTE 42 Hilfe für Reptilien in Not

Plastik: Hunderttausende Tiere sterben jedes Jahr durch unseren Müll (Seite 18). Tierschützer engagieren sich für den Schutz von Stadttauben (Seite 29).

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43 Meldungen von uns und unseren Vereinen 46 Klickertraining für Bären

© Fotos: Pixabay (Seite 04 und 05); Deutscher Tierschutzbund e.V.; Fotolia – Richard Carey

48 Tierschutzlabel: Gut beraten

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STANDARDS 03 Editorial und Schlaglicht 04 Tierliebe 06 Im Fokus: Der Storch 07 Wussten Sie schon ...? 17 Aktion 25 Taubentipps und Poster 50 Kommentar und Impressum

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51 Medienwelten: Buchtipps Die meisten Sauen leiden in engen Kastenständen (Seite 36). Viel Platz bekommen hingegen unsere Bären in Weidefeld (Seite 46).

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IM FOKUS

Wenn Jungstörche im Sommer ihr Nest verlassen, brauchen sie eine ordentliche Portion Mut. Denn nur wenige Wochen nach ihren ersten Flugversuchen beginnt schon ihr erstes großes Abenteuer.

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pannt eure Flügel aus und lasst euch tragen – möchte man den jungen Störchen zurufen, die im Juli ihre ersten Flugversuche starten. „Zunächst heben sie nur ein kleines bisschen ab. So trainieren sie ihre Muskeln“, erklärt Denise Ritter, Referentin für Artenschutz beim Deutschen Tierschutzbund. Nach zwei bis drei Wochen begleiten sie ihre Eltern dann auf ersten Nahrungsflügen. Schon im August beginnt ihre Reise in den Süden – bis zu 10.000 Kilometer liegen jetzt vor ihnen.

Kräftezehrendes Abenteuer Majestätisch wirken die Störche am Himmel, wenn sie nach Afrika ziehen. Bis zu 200 Kilometer legen sie täglich zurück. Dabei nutzen sie die warmen Aufwinde, die sich über größeren Landflächen bilden, und lassen sich gleiten. Ohne diese wäre die weite Reise nicht möglich. „Je nachdem, wo die Vögel aufgewachsen sind oder leben, wählen sie andere Routen. Manche fliegen westlich über Gibraltar, andere östüber lich über die Türkei, Ägypten und am Nil entlang“, so Ritter. Weil die Aufwinde über großen Wasserflächen fehlen, fliegen Flügelspannweite

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sie vorwiegend über Land. Allerdings nehmen heute nicht mehr alle Störche diese Reise auf sich. Manche bleiben hier, weil Menschen sie füttern. Aus Tierschutzsicht ist das höchst problematisch. Abgesehen davon, dass das nicht notwendig ist, ist das Futter meist nicht artgerecht und der Biorhythmus der Tiere wird gestört. Andere fliegen nur bis Südspanien und sparen durch die kürzere Strecke viel Energie. Allerdings überwintern sie häufig auf Mülldeponien. „Weil sie dort übermäßig viele Schadstoffe und Plastik zu sich nehmen, leiden sie oft unter inneren und äußeren Verletzungen“, so Ritter. Zudem fehlen diese Tiere in ihrem eigentlichen Winterquartier in Afrika, wo sie ein wichtiger Teil des Ökosystems sind, weil sie zum Beispiel Heuschrecken bei massenhaftem Vorkommen fressen. Laut Wissenschaftlern kann das immense Langzeitfolgen haben. Wo auch immer sie überwintern, die Jungvögel kommen meist erst wieder zurück, wenn sie mit drei bis vier Jahren geschlechtsreif sind. Von da an werden sie die Reise jedes Jahr antreten und hier mit dem gleichen Partner brüten – vorausgesetzt sie überleben und kehren zurück. Denn Weißstörche gelten als gefährdet. Auch wenn sich ihr Bestand dank verschiedener Schutzmaßnahmen wieder etwas erholt hat, sind ihr Leben und ihre Lebensräume weiterhin in Gefahr. Noch immer müssen Feuchtwiesengebiete und Auenlandschaften der intensiven Landwirtschaft weichen. Auch schlecht gesicherte Strommasten werden immer wieder zur tödlichen Falle. Darüber hinaus sterben jedes Jahr unzählige Störche durch die Gewehrkugeln illegaler Wilderer. Verena Jungbluth

© Foto: Pixabay – Alexas_Fotos; Illustration: freepik

SO WEIT DIE FLÜGEL TRAGEN


WUSSTEN SIE SCHON?

SCHNEESCHUHHASEN während sehr langer Winter FLEISCH FRESSEN …

und dabei weder vor den Kadavern von Artgenossen noch ihrer größten Fressfeinde, der Luchse, haltmachen? … die

SCHUPPEN auf den Flügeln der Kohlbaumkai-

sermotte bis zu 50 Prozent der von Fledermäusen gesendeten

ULTRASCHALLWELLEN SCHLUCKEN, was sie vor den hungrigen Jägern schützt?

… die Bramble-Cay-Mosaikschwanzratte als

ERSTES OPFER DES KLIMAWANDELS gilt, da

ihre zu Australien gehörende Insel durch den steigenden Meeresspiegel von vier Hektar auf 650 Quadratmeter geschrumpft ist und sie dort ausgestorben sind?

WUSSTEN SIE SCHON, DASS ...

… viele Engländer unbewusst

HAIARTEN

geschützte essen, weil diese als Beifang oftmals unter falschen Namen in dem Nationalgericht

… die Cuvier-Schnabelwale die Tauchrekordler unter den Meeressäugern sind, da sie mehr als

FISH AND CHIPS

© Illustrationen: Dworak und Kornmesser

landen?

ZWEI STUNDEN LANG UND BIS ZU 3.000 METER TIEF absinken können?

SEEKÜHE PUPSEN,

… an der Wasseroberfläche treibende Karibische um sich so zum Grasen an den Grund sinken zu lassen?

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TITELTHEMA

WEIL JEDE MAHLZEIT ZÄHLT Die vegane Ernährung und Lebensweise ist viel mehr als eine Modeerscheinung – sie ist eine nachhaltige Bewegung, die seit Jahren immer mehr Menschen begeistert. Niemand muss dabei auf Genuss verzichten – vielmehr hält die rein pflanzliche Küche eine spannende, leckere und gesunde Vielfalt bereit, die auch den Tieren und der Umwelt zugutekommt.

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K

limawandel, zahllose Missstände in der landwirtschaftlichen Tierhaltung, immer weiter schrumpfende Regenwälder – angesichts dieser erschreckenden Entwicklungen überkommt viele Menschen ein Gefühl der Ohnmacht und Hilflosigkeit. Doch mit einem bewussteren Konsumverhalten kann jeder etwas Positives bewirken und die Zukunft mitgestalten. Fleisch und andere tierische Produkte auf dem Speiseplan und im Kleiderschrank zu reduzieren ist ein wichtiger erster Schritt, diese Welt ein Stückchen besser zu machen. Es sind vor allem die grausamen Haltungs-, Transport- und Schlachtbedingungen unfassbar vieler Tiere insbesondere in der konventionellen Landwirtschaft, die die Menschen zum Umdenken bewegen sollten. Nach wie vor lebt die große Mehrzahl der Rinder, Schweine und Hühner auf viel zu engem Raum, ohne jemals ein Stück grüne Weide und Sonnenlicht zu erblicken oder frische Luft zu atmen. Die Industrie gibt den Takt vor – es dominiert Massentierhaltung statt der so oft skizzierten Bauernhof-Idylle. Leid statt glücklicher Tiere, Anbindehaltung und Kastenstand statt Auslauf und Beschäftigung. Immer mehr Menschen kehren diesen absurden Auswüchsen den Rücken zu: Inzwischen leben allein in Deutschland, je nach Schätzung, bis zu acht Millionen Vegetarier und bis zu 1,3 Millionen Veganer – Tendenz steigend. Der Deutsche Tierschutzbund begrüßt diese gesellschaftliche Entwicklung nicht nur, er will sie auch aktiv unterstützen – frei nach dem Motto „Tierliebe fängt beim Essen an“. „Unsere Ernährung und Lebensweise hat nicht nur direkte und indirekte Auswirkungen auf Tiere, sondern auch auf andere Menschen, die Umwelt, das Klima, die globalen Ressourcen und die gesamte biologische Vielfalt“, schildert Verena Jungbluth, Leitung Veganismus beim Deutschen Tierschutzbund. „Mit unserem Konsumverhalten haben wir also großen Einfluss – auch auf politische und wirtschaftliche Entwicklungen.“ Nach der Veröffentlichung des Kochbuchs „Tierschutz genießen“, das inzwischen in einer zweiten Auflage im Handel erhältlich ist, startet der Verband jetzt die

DIE VEGANE LEBENSWEISE GEHT WEIT ÜBER DIE ERNÄHRUNG HINAUS UND UMFASST AUCH BEREICHE WIE KLEIDUNG UND KOSMETIK. 10

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Kochaktion „Weil jede Mahlzeit zählt“, um noch mehr Menschen für die vegane Lebenswelt zu begeistern und ihnen einen Einblick in die vielfältige, leckere Küche zu geben. „Wir möchten zeigen, wie einfach es ist, sich mit täglichen Mahlzeiten und Genuss für die Tiere stark zu machen. Deshalb laden wir jeden dazu ein, buchstäblich einen Blick über den eigenen Tellerrand zu wagen“, so Jungbluth. Auf Seite 17 erfahren Sie, wie genau die Aktion aussieht, wie Sie ein limitiertes Aktionspaket erhalten und so im Alltag ganz einfach und sofort Ihren eigenen Beitrag zum Tierschutz leisten können. Mit der Aktion will der Verband auch bewusst machen, wie schön und vielseitig die vegane Lebenswelt ist. Entgegen dem hartnäckigen Klischee, die Ernährung auf rein pflanzlicher Basis bedeute puren Verzicht, ist allein die bunte Obst-, Gemüse- und Kräuterküche, die die Natur über das Jahr verteilt bereithält, alles andere als fad und langweilig. So sieht das auch Koch Sebastian Copien, der Rezepte für die Aktion zur Verfügung gestellt hat: „Ob Essen lecker ist, liegt als Erstes immer am Koch oder der Köchin selbst – an den Fähigkeiten, Fertigkeiten, der Erfahrung und Hingabe, mit der jeder Essen zubereitet. Als Zweites zählt natürlich auch die Qualität der Zutaten.“ Auch das Koch-Duo Pink Elephant Cooking, das die Aktion ebenfalls mit Rezepten unterstützt, ist der Meinung, dass sich ein Blick in die vegane Welt lohnt: „Die Szene ist recht neu und hat viel Energie und tolle Ideen – das ist natürlich nicht nur auf das Essen, sondern auf den kompletten Lifestyle bezogen.“

Jeder kann etwas bewirken Ob aus moralisch-ethischen, politischen oder gesundheitlichen Gründen – jeder Einzelne kann etwas bewirken. Immer mehr Menschen haben das erkannt und ihre Lebensweise geändert – manche von jetzt auf gleich, andere nach und nach in kleinen Schritten. Entsprechend wächst vor allem in städtischen Restaurants, Supermärkten und Drogerien die Auswahl an veganen Angeboten. Die vegane Lebensweise geht weit über die Ernährung hinaus. Sie ist ein Lebensgefühl und betrifft auch Bereiche wie Kleidung und Kosmetik. Bislang ist der Handel mit tierischen Rohstoffen auch für die Modeindustrie ein lukratives Geschäft. Doch sowohl die Verarbeitung von Pelzen als auch von Leder, Daunen, Wolle oder Seide ist immer mit Tierleid verbunden. Gleiches gilt nach wie vor für Kosmetikprodukte – leider auch für manche vegane. Zwar sind Tierversuche für Kosmetika und neue kosmetische Inhaltsstoffe in der EU seit 2013 nicht mehr erlaubt, allerdings dürfen Unternehmen die „alten“ Inhaltsstoffe weiterhin in ihren Produkten verwenden. Zudem sind Inhaltsstoffe, die auch für andere Anwendungen wie Wandfarbe oder Medikamente zugelassen werden müssen, von diesem generellen Verbot ausgeschlossen.

© Fotos: Adobe Stock – Subbotina Anna (S. 8 und 9); stock.adobe.com – Tanja Hohnwald; iStock.com – clausjepsen; iStock.com – StephanieFrey; iStock.com – sekarb

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Dürften Tiere ihre natürlichen Bedürfnisse ausleben, würden Rinder eine enge Mutter-KalbBeziehung führen und Schweine sich im Matsch suhlen, um ihre Körpertemperatur zu regulieren. Hühner würden auf Wiesen picken und scharren und Lachse jeden Tag viele Kilometer zurücklegen.


In der freien Natur gehen Gänse lebenslange Partnerschaften ein. Puten würden in Wäldern oder in Steppen leben und sich von Früchten, Samen, Würmern, Schnecken und Insekten ernähren. Und Enten würden – wie ihre Vorfahren, die Stockenten – Futter im Gras und in flachen Gewässern suchen.


TITELTHEMA

Außer Kontrolle

© Fotos: iStock.com – debibishop; iStock.com – Massimo Merlini; iStock.com – TT

Noch aber überwiegt der scheinbar unersättliche Appetit auf Fleisch, Fisch, Milch- und Eiprodukte. Weltweit sterben jährlich Milliarden Tiere für unseren Konsum: Laut der Welternährungsorganisation (FAO) verarbeitet die globale Industrie jedes Jahr mehr als 330 Millionen Tonnen Fleisch – viermal mehr als noch vor 50 Jahren. Allein in Deutschland verzehrt jeder Bürger durchschnittlich 60 Kilogramm Fleisch pro Jahr. Um die Produktion zu steigern, sind grausame Methoden gang und gäbe. Während zum Beispiel bei Schweinen die Ringelschwänze abgetrennt, sie im Ferkelalter ohne Betäubung kastriert und die Muttersauen in engen Kastenständen gehalten werden, lebt knapp ein Viertel der Rinder oft das ganze Jahr über in engen Ställen angebunden. Den meisten Kälbern wird im Alter von wenigen Wochen auf schmerzhafte Art und Weise die Anlage zum Hornwachstum ausgebrannt, damit die Tiere sich oder die Landwirte in den engen Ställen nicht verletzen. Zudem werden Kühe nach der Geburt von ihren Kälbern getrennt, was für die sozialen Tiere eine Belastung ist. Auch die große Mehrheit der Hühner erleidet ein kurzes, qualvolles Leben. „97 Prozent der für den menschlichen Verzehr bestimmten Hähne und Hennen werden in Betrieben mit konventioneller Bodenhaltung gemästet“, sagt Inke Drossé, Leiterin der Abteilung Tiere in der Landwirtschaft beim Deutschen Tierschutzbund. „In kürzester Zeit legen Masthühner so viel Gewicht zu, dass sie sich kaum noch fortbewegen können.“ „Eine vegetarische Ernährung ist ein erster wichtiger Schritt für mehr Tierschutz. Doch leider verursacht auch die Milch- und Eiproduktion großes Tierleid“, so Jungbluth. Zum Beispiel werden Milchkühe und Legehennen in der Regel in jungen Jahren geschlachtet, sobald sie keine Höchstleistungen mehr erreichen. Und auch männliche Legehennen-Küken werden nach wie vor direkt nach dem Schlupf getötet. „Die Hochleistungszucht hat dazu geführt, dass aus Hühnern, die ursprünglich für die Eiproduktion und Mast geeignet waren, auf der einen Seite Legehennenlinien entstanden sind, die pro Jahr mehr als 300 Eier legen, und auf der anderen Seite Mastlinien, die nach wenigen Wochen fünfmal so schwer sind wie eine Legehenne“, berichtet Drossé. „Deren Brüder zu mästen, lohnt sich dann wirtschaftlich nicht mehr.“ In der Freiland- oder Bio-Haltung sind die Lebensbedingungen der Legehennen zwar weitaus besser. Doch auch hier ist das Kükentöten – mit wenigen Ausnahmen einzelner Initiativen – die Regel. Wie Abfallprodukte werden auch Bullenkälber von Milchkühen behandelt – sie werden oft im Alter von nur wenigen Wochen geschlachtet. Neben den Tiertransporten (lesen Sie hierzu mehr ab Seite 32) verursacht die Schlachtung großes Leid. „Obwohl es gesetzlich vorgeschrieben ist, die Tiere zu betäuben, kommt es häufig zu Nach-

lässigkeiten und Fehlern, die unvorstellbare Qualen nach sich ziehen“, sagt Drossé. „Leider passiert dies sowohl bei Masttieren als auch bei den Tieren, die für den Markt Milch und Eier liefern.“ Auch für Fische ist die Situation keineswegs besser. Obwohl mittlerweile zahlreiche wissenschaftliche Studien belegen, dass auch sie Schmerz und Leid empfinden, werden weltweit jährlich etwa 131 Millionen Tonnen Fisch für den menschlichen Konsum bereitgestellt. Entweder werden viel zu viele Fische in Aquakulturen auf engstem Raum gehalten oder in Meeren und Binnengewässern gefangen. Laut FAO sind nahezu 90 Prozent der natürlichen Fischbestände entweder maximal ausgenutzt oder bereits überfischt.

Plünderung unseres Planeten All diese Auswüchse bestätigen: Eine pflanzliche ist die tierfreundlichste Lebensweise. Auch mit Blick auf die Umwelt. Denn unser Konsum speziell in den Industrieländern ist völlig ausgeartet. Platz und Ressourcen werden immer knapper, die Artenvielfalt schrumpft. Derzeit werden etwa fünf Milliarden Hektar Land für die globale Lebensmittelindustrie genutzt – der größte Teil davon in Entwicklungsländern. Der dortigen Bevölkerung fehlen diese Ackerflächen, um eigene Lebensmittel anzubauen. Hinzu kommt: Für nur ein Kilogramm Rindfleisch werden Unmengen an Heu, Trinkwasser und Getreide benötigt – zum Teil also Grundnahrungsmittel, von denen Menschen viel länger leben könnten als von einem Kilogramm Fleisch. Die Getreidemenge, die weltweit für Milchkühe, Legehennen und Masttiere jährlich angebaut wird, könnte in derselben Zeit drei Milliarden Menschen satt machen. Mehr und mehr Regenwälder müssen für gigantische Weiden für Rinder sowie den Anbau von Getreide und Soja weichen. Entgegen dem weitverbreiteten Glauben, Veganer würden mit ihrem Verzehr von Sojaprodukten zur Zerstörung der Regenwälder beitragen, wird in Wahrheit der Löwenanteil der eiweißhaltigen Hülsenfrüchte zu Tierfutter verarbeitet. „Nur etwa zwei Prozent des weltweit produzierten Sojaschrots dienen dem menschlichen Speiseplan“, betont Jungbluth. „Die Pflanzen, die in Tofu, Sojadrink und Co. verarbeitet werden, stammen zumeist ohnehin aus europäischem Anbau und haben häufig Bio-Qualität.“ Besonders umweltbelastend ist die industrialisierte Tierhaltung auch, weil sie zu den Hauptverursachern des hohen Ausstoßes an Treibhausgasen und des Klimawandels gehört. So produziert die Landwirtschaft weltweit 24 Prozent der Treibhausgase. Zum Vergleich: Der Verkehrssektor liegt bei 14 Prozent. Für die Herstellung pflanzlicher Lebensmittel entstehen die meisten klimaschädlichen Gase hingegen erst beim Transport – verglichen mit der Tierhaltung ist die Menge weitaus geringer. Umweltbelastend sind zudem überdüngte Ackerflächen, die unser Grundwasser und unsere Böden verunreinigen. DU UND DAS TIER 2/2019

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TITELTHEMA

Abwechslungsreich und nicht teuer All diese Probleme sind nichts Neues. Doch warum fällt es vielen Menschen trotzdem so schwer, ihre Gewohnheiten zu ändern? Eine Erklärung dafür: Es wird uns von klein auf beigebracht, dass Gerichte mit Fleisch, Fisch, Käse und Ei zum Alltag gehören und für eine ausgewogene Ernährung wichtig sind – sei es das saftige Steak am Grillabend, das Frühstücksei am Morgen oder die Milch zum Müsli. Dabei gilt für Veganer ebenso wie für Menschen, die tierische Produkte essen: Um genügend Nährstoffe zu sich zu nehmen, ist es vor allem wichtig, sich nicht einseitig zu ernähren. Das bestätigt auch Ernährungsexperte Niko Rittenau, der die Rezepte der Koch-Aktion des Deutschen Tierschutzbundes mit Ernährungstipps ergänzt: „Eine vollwertige vegane Ernährung besteht aus den Lebensmittelgruppen Vollkorngetreide, Hülsenfrüchte, Gemüse, Obst sowie Nüsse und Samen. Wenn man täglich aus jeder dieser Kategorien vollwertige Lebensmittel auswählt, eine bedarfsdeckende Kalorienbilanz erreicht und einen Fokus auf gewisse kritische Nährstoffe hat, steht der optimalen veganen Ernährung nichts mehr im Weg.“ Die gesamte Gemüse-, Obst- und Getreidepalette ist ohnehin so üppig und abwechslungsreich, dass der Körper von vielen verschiedenen Nährstoffen profitiert. „Das einzige Vitamin, das Veganer im Auge behalten sollten, ist Vitamin B12“, sagt Jungbluth. Das sei wichtig für die Zellteilung, die Blutbildung und das Nervensystem. „Mit entsprechenden Nahrungsergänzungsmitteln kann das aber jeder ausgleichen.“ Auch die Behauptung, veganes Essen sei deutlich teurer, hält einer Überprüfung nicht stand. Denn eine pflanzenbasierte Ernährung besteht hauptsächlich aus Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten und Getreide – also aus den Lebensmitteln, die auch die Basis einer vegetarischen oder fleischhaltigen Ernährung bilden sollten. Grundsätzlich kommt Jungbluth zufolge ein vollwertiger veganer Speiseplan ohne Fertiggerichte und Ersatzprodukte für Fleisch und Käse aus. „Auch teuer vermarktetes Superfood ist nicht notwendig.“ Dass teilweise einfach zu produzierende Pflanzenprodukte wie zum Beispiel Sojagetränke teurer als die

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Den kulinarischen Horizont erweitern Nicht nur in der Bevölkerung ist zu beobachten, dass die vegane Ernährung und Lebensweise wachsenden Zuspruch findet, auch in der Landwirtschaft macht sich ein gewisser Wandel bemerkbar. So zeigen schon heute Betriebe, dass sie auch ohne tierische Produkte erfolgreich wirtschaften können. Bezeichnet wird diese Form des Anbaus von Gemüse, Obst und Salaten als „biozyklisch-vegane Landwirtschaft“. „Es handelt sich hierbei um eine ökologische Kreislaufwirtschaft auf rein pflanzlicher Basis, bei der weder Tiere gehalten noch tierische Betriebsmittel wie Gülle oder Schlachtabfälle zum Einsatz kommen“, erläutert Jungbluth. „Um den Boden fruchtbar zu halten und Humus aufzubauen, setzen Landwirte in diesem Fall reifen Kompost, Mulch und Gründüngung ein – Exkremente von Tieren sind nicht nötig.“ Wer bereit ist, seinen kulinarischen Horizont zu erweitern, wird merken: Es lohnt sich. Denn eine pflanzliche Ernährung ist nicht nur unkompliziert, sondern auch ausgesprochen lecker. Bereits mit kleinen Veränderungen und jeder einzelnen Mahlzeit kann jeder von uns den Tieren und unserer Umwelt große Dienste erweisen.  Nadine Carstens

weiljedemahlzeitzählt.de Lassen Sie sich vom veganen Lebensstil inspirieren und besuchen Sie unsere Website. Dort finden Sie auch Interviews mit den an der Aktion beteiligten Köchen.

© Fotos: Pixabay; Fotolia – WavebreakmediaMicro; Unsplash

VOLLKORNGETREIDE, HÜLSENFRÜCHTE, GEMÜSE, OBST SOWIE NÜSSE UND SAMEN SIND VOLLWERTIG UND GESUND.

tierische Alternative sind, liegt auch daran, dass tierische Lebensmittel subventioniert werden, während für pflanzliche Lebensmittel die reguläre Mehrwertsteuer von 19 Prozent anfällt. Hinzu kommt, dass Produkte tierischen Ursprungs weitgehend zu Dumpingpreisen verkauft werden – zulasten der Tiere als auch der Landwirte. „Ich denke, es ist extrem wichtig, saisonal und regional einzukaufen – dann bekommen Verbraucher super Biogemüse zu fairen Preisen“, sagt Copien. Auf politischer Ebene ist inzwischen, wenn auch langsam, Bewegung zu spüren. Kanadas Gesundheitsministerium empfiehlt zum Beispiel, verstärkt pflanzliche Lebensmittel statt tierische Proteinquellen zu essen. Damit wolle das Ministerium nicht nur die Gesundheit der Bevölkerung, sondern auch den Schutz von Tieren und Umwelt verbessern, heißt es. Unterdessen hat Portugal gesetzlich festgelegt, dass es in allen öffentlichen Kantinen, beispielsweise in Krankenhäusern, Schulen und Universitäten, mindestens ein veganes Gericht geben soll.


Harum iuntLebenswelt et eaqui blaborem Die vegane ist schön fugiatinitin et veris autatem. Cab und abwechslungsreich. Ob Obst, iur? Quassite nias autent lia nos Gemüse, Nüsse, Hülsenfrüchte parum as ab ipsanda ntiasperrum oder Getreide: Die pflanzliche Küquohält et, tozumolenis archicte volo che jeder Jahreszeit eine ilitati onsequi consequos sequo spannende, leckere Vielfalt bereit. dicitüppige vernatint as dolori Die Palette bietet reicipita zudem so qui omnitatem exped viele Nährstoffe,quiam dass auch unser quibusdae. Mus ventemporati Körper davon profi tiert. doluptae


TIERSCHUTZ LEBEN

FÜR WARME SOMMERABENDE Ein Grillabend mit Freunden und herzhaftem Essen – das geht mit leckerem Gemüse und einem besonderen Dip. Probieren Sie doch mal gegrillten Blumenkohl mit Ajvar-KräuterJoghurt aus, ein Rezept von Sebastian Copien aus unserer Aktion „Weil jede Mahlzeit zählt“.

GEGRILLTER BLUMENKOHL MIT AJVAR-KRÄUTER-JOGHURT 3 PERSONEN

25 MINUTEN

ZUTATEN Ajvar-Kräuter-Joghurt 250 g pflanzliche Joghurt-Alternative (z. B. Kokos) 2 EL scharfes Ajvar 2 TL Agavendicksaft 1 EL Zitronensaft 2 TL Salz 80 g Apfel, sehr fein gewürfelt 1 Bund Koriandergrün, fein geschnitten Marinade 4 weiche Deglet-Datteln 4 EL Kokosöl, geschmolzen 6 EL Tamari 2 EL Zitronensaft 50 ml Gemüsebrühe 1 TL geräuchertes Paprikapulver

1. Für den Joghurt alle Zutaten mischen und mit Salz, Zitronensaft und Pfeffer abschmecken.

Blumenkohl 1 sehr großer, fester Blumenkohl (oder Romanesco)

3. Aus dem Blumenkohl drei circa

Salsa 6 EL Apfelwürfel 2 EL Koriandergrün, gehackt 1 EL Zitronensaft Außerdem Semmelbrösel, mit geröstetem Sesamöl angebraten

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ZUBEREITUNG

2. Für die Marinade alle Zutaten im Mixer zu einer glatten, cremigen Soße mixen. zwei Zentimeter dicke Scheiben schneiden. Den Strunk dabei mitschneiden, denn der hält alles zusammen.

4. Die Marinade großzügig in die Blumenkohlscheiben einmassieren.

5. Die marinierten Blumenkohlscheiben auf dem Grill für circa vier Minuten bei mittlerer Hitze auf jeder Seite grillen. Sie sollten schön braun und leicht bissfest sein. 6. Die Zutaten für die Salsa miteinander vermengen. 7. Die Scheiben auf einem Teller anrichten und mit etwas Joghurt, gerösteten Semmelbröseln und Salsa garnieren. Falls Marinade über ist, diese über den Blumenkohl träufeln.


AKTION

Die vegane Küche ist kompliziert und eintönig? Von wegen! Wagen Sie einen Blick über den eigenen Tellerrand und lassen Sie sich von der Aktion „Weil jede Mahlzeit zählt“ des Deutschen Tierschutzbundes inspirieren.

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© Fotos: Jan Wischnewski (Seite 16); Sebastian Frank – fotorauschen

estellen Sie jetzt kostenlos eines unserer 1.000 Aktionspakete – darin enthalten ist unter anderem ein Mini-Kochbuch mit 18 raffinierten Rezepten, die Sebastian Copien und das Duo Pink Elephant Cooking, bekannte Köche und Kochbuchautoren aus der veganen Szene, für die Aktion kreiert haben. Ernährungsexperte Niko Rittenau steuert außerdem zu jedem Gericht passende Ernährungstipps bei. Ob für einen sommerlichen Grill-Abend, ein entspanntes Frühstück mit Freunden, Picknick mit den Liebsten oder einen romantischen Dinner-Abend: Das Kochbuch bietet leckere Gerichte für jeden Anlass. Einen ersten Vorgeschmack gibt Ihnen das Rezept „Gegrillter Blumenkohl mit Ayvar-Kräuter-Joghurt“ auf der linken Seite. Damit Sie gleich

JETZT BESTELLEN! Bestellen Sie jetzt kostenlos eines unserer 1.000 Aktionspakete. Schicken Sie einfach eine E-Mail mit dem Betreff Kochaktion / DUDT an:

kochaktion@tierschutzbund.de

loslegen können, enthält unser Aktionspaket auch die passenden Utensilien: einen Kochlöffel und einen Gemüsebeutel. Probieren Sie die Vielfalt der pflanzlichen Küche aus und machen Sie sich zugleich für den Tierschutz stark. Wir wünschen Ihnen viel Spaß dabei! Bitte beachten Sie, dass wir Ihre Daten nach der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) vertraulich behandeln. Weitere Informationen über unsere Datenschutzbestimmungen erhalten Sie unter: www.tierschutzbund.de/datenschutz

weiljedemahlzeitzählt.de Erfahren Sie mehr über die Aktion „Weil jede Mahlzeit zählt“ des Deutschen Tierschutzbundes.


WIE PLASTIK DIE WELT ZUGRUNDE RICHTET


TIERSCHUTZ LEBEN

Es ist längst traurige Realität. Hunderttausende Tiere wie Wale, Schildkröten und Seevögel sterben jedes Jahr durch das, was wir einfach achtlos wegwerfen. Und jede Minute produzieren wir mehr davon: Plastik. Unser Planet, unsere Mitgeschöpfe und am Ende wir selbst ersticken an unserem eigenen Müll.

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or rund 100 Jahren als Wundermaterial erfunden, gibt es Plastik heute in allen erdenklichen Formen, Farben und Bereichen des Lebens. Es ist universell einsetzbar und nahezu unzerstörbar. Doch das Material ist längst zu einer der größten Probleme unserer Zeit geworden. Flaschen, Tüten, Netze, Spielzeug oder Flip-Flops – Müll, so weit das Auge reicht. Kein Strandspaziergang ist mehr ohne ihn möglich, schon heute gleichen unsere Meere einer riesigen Müllhalde. So landen mehr als acht Millionen Tonnen Plastik jedes Jahr in den Ozeanen. Das entspricht etwa einer Lkw-Ladung pro Minute. „Wissenschaftliche Hochrechnungen zeigen: Wenn wir die Plastikflut nicht stoppen, schwimmen schon in 35 Jahren mehr Kunststoffteile im Meer als Fische“, warnt James Brückner, Leiter der Abteilung Artenschutz beim Deutschen Tierschutzbund. Neben den Meerestieren bedroht unser Müll aber auch die Tiere an Land – und am Ende uns selbst.

Plastiksuppe Meer Im Schnitt treiben heute 18.000 Plastikmüllpartikel auf jedem Quadratkilometer Meer. „Es bilden sich nicht nur Plastikinseln an der Wasseroberfläche, der Müll gelangt auch in tiefere Schichten und auf den Meeresboden. Der Begriff Plastiksuppe beschreibt die Situation daher noch besser“, so Brückner. Im Nordpazifik hat sich mit dem „Great Pacific Garbage Patch“ mittlerweile ein Müllstrudel in der Größe von 1,6 Millionen Quadratkilometern gebildet. 80.000 Tonnen Plastik schwimmen dort auf einer Fläche, die dreimal so groß ist wie Frankreich. Nicht nur bei Naturliebhabern und Tierschützern sollten angesichts dieser Ausmaße die Alarmglocken läuten. Die Folgen unserer Plastik- und Wegwerfgesellschaft sind in der Tierwelt längst angekommen: „Wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass bereits rund 800 Arten im Meer mit unserem Müll in Berührung kommen“, sagt Brückner. Am stärksten betroffen seien Seevögel, gefolgt von Fischen und anderen Meeresbewohnern. Die Tiere verwechseln im Meer treibende Kunststoffstückchen mit Nahrung und sterben an inneren Verletzungen und

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Unser Konsum fordert unzählige Opfer: Unter anderem verhungern Pottwale, weil sie Plastik statt Nahrung fressen, und stranden.

Verstopfungen oder verhungern – mit vollem Magen. „Selbst auf entlegensten Inseln haben Wissenschaftler Plastikteile in den Mägen toter Seevögel gefunden.“ Die Obduktion des Magens eines jungen Pottwals, der 2018 tot an einen spanischen Strand gespült worden war, brachte sage und schreibe 29 Kilogramm Plastik zum Vorschein. Im Frühjahr 2019 strandeten ein weiterer toter Pottwal an der italienischen und ein toter Cuvier-Schnabelwal an der philippinischen Küste – mit jeweils 22 und 40 Kilogramm Plastik im Magen, darunter Einkaufstüten und Müllsäcke. Fische, Schildkröten, Robben und Delfine verfangen sich im umherschwimmenden Müll oder strangulieren sich mit weggeworfenen Fischernetzen sowie Trageringen von Sixpacks oder Frisbeescheiben. Das Internet ist voller Videos, in denen Tier- und Umweltschützer versuchen, Tiere von Plastik zu befreien. Manche von ihnen können sie gerade noch retten, anderen haben die Plastikreste längst tiefe Wunden in den Körper geschnitten oder sie deformiert. „Die Überlebensrate dieser Tiere sinkt dramatisch“, sagt Brückner. Abgesehen von den Meeresbewohnern, die niemand entdeckt – das werden wohl die meisten sein. „Schätzungen gehen davon aus, dass jedes Jahr Hunderttausende Tiere durch Plastik sterben. Vermutlich sind es aber zig Mal so viele.“

SCHWIMMEN SCHON IN 35 JAHREN MEHR KUNSTSTOFFTEILE IM MEER ALS FISCHE?

Doch wie gelangt all dieser Müll in die Ozeane? „Unzählige Unternehmen und Privatleute weltweit entsorgen massenhaft Abfälle illegal direkt im Meer. Auch Fischer, die sowohl ihren Müll als auch ausgediente Fangnetze einfach vom Schiff kippen, sind keine Seltenheit“, sagt Brückner. Darüber hinaus tragen Öl- und Gasplattformen ihren Anteil bei. Für den Rest sorgen in der Natur, in Flüssen, am Ufer oder Strand illegal entsorgte Müllberge oder von Einzelnen achtlos zurückgelassene Be-

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cher, Verpackungen und Co. Die Flüsse, der Wind und die Brandung befördern all das dann ins Meer. Hinzu kommt, dass Deutschland und andere Industrieländer ihren Müll in Drittstaaten exportieren, die mit der Aufbereitung und Verwertung überfordert sind. Dadurch gelangt unser Müll zusätzlich auch dort in die Umwelt. So weit weg die Hohe See auch zu sein scheint: Das Leben aller Meeresbewohner ist untrennbar mit unserem verbunden. In bestimmten Gebieten der Weltmeere sammelt sich, bedingt durch die Strömungen, besonders viel Plastik an. Das bedeutet aber nicht, dass unsere heimischen Gewässer nicht betroffen sind. „389 Müllteile pro 100 Meter deutscher Küstenlinie haben Forscher entlang der Nordsee gefunden, 70 auf der gleichen Fläche an der Ostsee“, berichtet Brückner. Mit 404 Teilen pro 100 Meter erreichte die Insel Rügen den Spitzenwert. „89 Prozent der Funde an der Nordund 69 Prozent an der Ostseeküste waren Kunststoffe.“ Doch unser Müll lauert auch an Land. Igel, die in weggeworfenen Eisbechern sterben, weil sie sich verfangen und mit ihren Stacheln hinter der Becheröffnung verklemmt haben, sind ebenso alltäglich wie Vögel, die in Netzen festhängen und elendig verenden, weil sie nicht mehr fliegen können.

Unsichtbare Gefahr Neben der sichtbaren birgt unser Plastik zudem noch eine weitere, unsichtbare Gefahr. Denn Sonne und Salzwasser lassen große Kunststoffteile mit der Zeit zu Mikropartikeln zerfallen, die teilweise nur einen Zehntelmillimeter groß sind. Etliche Kosmetikprodukte wie Peelings, Cremes oder Duschgels sind sogar extra mit solchen Plastikteilchen angereichert. Sie dienen als Schleifmittel oder verbessern den Glanz sowie die Konsistenz. Mit unserem Abwasser gelangen sie in die Umwelt – bis zu 100.000 mit nur einem Duschgang. „Dieses sogenannte Mikroplastik ist mittlerweile Teil unserer gesamten Umwelt, sei es im Wasser, in der Luft oder in den Böden“, so Brückner. Selbst in fernsten Regionen, weit weg von menschlichen Siedlungen wie etwa der Arktis, haben Wissenschaftler diese Partikel gefunden. „Sie bauen sich nur schwer und langsam ab, und es ist unmöglich, sie wieder aus der Umwelt zu entfernen. Welche negativen Begleiterscheinungen das insgesamt mit sich bringen wird, ist heute noch kaum abschätzbar.“ Fest steht jedoch schon, dass Meeresbewohner und Vögel auch diese winzigen Teile mit ihrer Nahrung aufnehmen. Sie reichern sich im Plankton, in Muscheln und Fischen an und gelangen mit der Nahrungskette weiter nach oben. „Da Plastik etliche giftige Zusatzstoffe wie Weichmacher enthält, gehen wir schon heute davon aus, dass kleinere Tiere, aber auch Wale, die am Ende der Nahrungskette stehen, so von innen heraus vergiftet werden“, sagt Brückner. Durch den Fischkonsum der Menschen landet das Mikroplastik auch in unseren Körpern.


TIERSCHUTZ LEBEN

Unserem Planeten zuliebe – das können Sie tun

Sammeln Sie Müll auf, den Sie in der Natur entdecken, und werfen Sie ihn in den nächsten Müllkorb. Setzen Sie auf Mehrweg- statt Einwegflaschen und auf Nachfüllpacks statt immer neuer Originalverpackungen.

Kaufen Sie Kosmetik- und Pflegeprodukte ohne Mikroplastik oder stellen Sie diese gleich selbst her.

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Verwenden Sie Stoffbeutel, Einkaufskörbe oder -netze als Alternative zu Plastiktüten.

Verwenden Sie Plastik mehrfach.

Nehmen Sie wiederverwendbare Kaffeebecher und Flaschen mit und füllen Sie auch Ihr Essen zum Mitnehmen in wiederverwendbare Dosen.

Kaufen Sie direkt beim Bauern, auf dem Markt oder in Unverpackt-Läden ein und kochen Sie frisch.

Kaufen Sie Produkte aus recyceltem Plastik und setzen Sie generell auf Alternativen.

© Fotos: Richard Carey – Fotolia (Seite 19), Pixabay; Illustration: Dworak und Kornmesser;

Was nun? Bundesumweltministerin Svenja Schulze hat im November 2018 einen Fünf-Punkte-Plan mit Maßnahmen zur Vermeidung von überflüssigem Plastik und zur Förderung von Recycling vorgelegt. Dieser sieht eine Mischung aus gesetzlichen und freiwilligen Vorkehrungen vor. Auch die Europäische Kommission hat einen Legislativvorschlag mit sieben Schritten erarbeitet, um für weniger Müll an europäischen Stränden zu sorgen. Damit sollen vor allem „Top litter items“ reduziert werden, also Einwegprodukte wie zum Bei-

spiel Kunststoffgeschirr, Strohhalme oder Ballonhalterungen, die an den Stränden am häufigsten zu finden sind. Dieser Vorschlag, den das Europäische Parlament bereits abgesegnet hat, ist die erste konkrete Maßnahme innerhalb der EU-Kunststoffstrategie, die die Kommission im Januar 2018 vorgestellt hatte. „Alleine im Jahr 2017 belief sich die weltweite Plastikproduktion auf 64,4 Millionen Tonnen – Tendenz steigend. Bislang wird nur weniger als ein Fünftel davon recycelt. In Europa sind es rund 30 Prozent, in den USA gerade einmal neun“, kritisiert Brückner. „Die Maßnahmen der Bundesregierung und der EU dürfen nur die ersten Schritte von vielen sein.“ Während Länder wie Bangladesch, Kenia und Italien oder Städte wie San Francisco und Neu-Delhi Plastiktüten bereits verboten haben, bieten Start-ups längst Tüten aus biologisch abbaubaren Materialien wie Zucker, Hanf oder Algen an. Es ist höchste Zeit, dass die Industrie einlenkt und auf solche Alternativen umschwenkt. Darüber hinaus sind wir diejenigen, die jeden Tag unseren eigenen Beitrag leisten können, indem wir unseren Plastikverbrauch reduzieren. Für die Tiere, unseren Planeten – und am Ende auch für uns selbst. Verena Jungbluth DU UND DAS TIER 2/2019

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DOLLYS ERBEN Klonen. Das klingt nach Jurassic Park und Star Wars, ist aber in Tierversuchslaboren längst trauriger Alltag. Nun investieren sogar immer mehr Heimtierhalter und Pferdesportler viel Geld in eine Kopie ihrer Lieblinge und Erfolgsgaranten. Dabei scheren sie sich nicht um das große Tierleid dahinter.

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etzt mal ehrlich. Ob Hunde-, Katzen- oder Pferdefan: Ist nicht jeder unsterblich verliebt in seinen treuen Begleiter? Kein Tier ist so süß wie das eigene. Der herzerweichende Blick, die tapsigen Pfötchen oder die enge Verbundenheit, die die tierischen Weggefährten uns juchzend, schnurrend oder sanft schnaubend vermitteln – das gibt es nur einmal. Und umso schrecklicher ist der Abschied, wenn das vierbeinige Familienmitglied stirbt. Der Wunsch, die gemeinsame Zeit möge nie enden, ist verständlich. Aber darf er auch Grund dafür sein, Science Fiction wahr zu machen und den Tierschutz sowie ethische Bedenken außer Acht zu lassen? Immer mehr vermögende Tierhalter sehen das leider so. Mithilfe von Biotechnologie-Firmen in Südkorea, den USA oder Südamerika klonen sie ihre Haustiere. Die Schauspielerin und Sängerin Barbra Streisand gehört

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zu den prominentesten Anhängerinnen dieses gruseligen Trends. Auch deutsche, arabische und chinesische Familien lassen es sich laut Medienberichten gern bis zu 100.000 US-Dollar kosten, ihren Liebling zu reproduzieren.

Illusion einer Wiedergeburt Allein die Firma Sooam Biotech in Südkorea klont demnach jeden Monat bis zu 20 Tiere. Doch ihre Kunden geben dafür nicht nur extrem viel Geld aus, sondern sich selbst auch der Illusion hin, ihr Tier erneut zum Leben erwecken zu können. „Auch wenn sich geklonte Tiere sehr ähnlich sehen können, handelt es sich um Kopien, die nie zu einhundert Prozent mit ihrem ‚Original‘ übereinstimmen“, erklärt Dr. Anna Szczepanek, Referentin für Interdisziplinäre Themen beim Deutschen Tierschutzbund. Die Färbung des Fells könne sich ebenso unterscheiden wie der Charakter.


AKTUELL

Dolly war nur der Anfang Ein Rückblick: 1996 ging der Name Dolly um die Welt. Dieses berühmte Schaf schaffte es als erstes geklontes Säugetier in die Gazetten. Dass bei 277 Klonversuchen nur ein Schaf überlebte, ging in den Schlagzeilen unter. „Streng genommen bedeutet Klonen, ein Lebewesen mit identischem Erbgut künstlich zu erzeugen“, erklärt Dr. Szczepanek. Damals entnahmen die Wissenschaftler einem Schaf einen Zellkern mit Erbinformationen aus dem Euter. Sie setzten ihn in die entkernte Eizelle eines zweiten Schafes ein, und ein drittes trug Dolly dann als Leihmutter aus. „Wenn Tierhalter heute ihren Hund klonen lassen, funktioniert dies ähnlich“, so Dr. Szczepanek. Der Zellkern werde meist aus einem Stück Haut des Haustieres entnommen und mit einer Eizelle eines zweiten Tieres, einem sogenannten Spendertier, verschmolzen. Da die Eizelle vorab entkernt werde, enthalte sie keinerlei Erbinformationen mehr (siehe Grafik auf Seite 24).

HUNDERTE TIERE STERBEN, BIS EIN KLON ERFOLGREICH LEBEND ZUR WELT KOMMT.

© Fotos: Olaf.Mades – Alamy; Karen Kasmauski – Alamy

„Materialschlacht“ im Labor Dieses Verfahren wenden Wissenschaftler heute bei vielen Tierarten an – mit zweifelhaftem Nutzen. Sie haben unter anderem Schweine, Kühe, Kamele, Katzen, Mäuse und sogar Affen geklont. Etwas hat sich dabei seit den Anfängen der Forschung kaum verändert: Hunderte Tiere sterben, bis ein Klon erfolgreich lebend geboren wird. Labore betreiben eine wahre „Materialschlacht“, um Eizellen zu gewinnen, Zellkerne zu transferieren und Klonembryonen zu erzeugen. „Die meisten sterben schon in der Petrischale, viele dann, nachdem sie sogenannten Ammentieren in die Gebärmutter implantiert wurden, in späteren Entwicklungsstadien, in denen die Föten bereits Schmerzen empfinden können“, so Dr. Szczepanek. Diese Fehlgeburten quälen die Leihmütter ebenso wie die Hormonbehandlungen. „Es gibt Hinweise darauf, dass Klontiere schneller altern“, berichtet Dr. Szczepanek. Auch Dolly musste – im Alter von sechs Jahren erkrankt und mit Alterserscheinungen – eingeschläfert werden. Die Lebenserwartung von Schafen beträgt sonst bis zu 15 Jahre. Krankheiten und hohe Verluste von Embryonen, Föten und Leihmüttern nehmen die Unternehmen und Tierhalter, die Klone produzieren, bewusst in Kauf – erst recht, wenn neben Geld auch Erfolg und Ruhm winken. Darum ist der Pferdesport das Eldorado der gewerblichen Klonindustrie. Dem ersten geklonten Pferd Prometea, das 2003 als einziger von 841 Em-

bryonen zur Welt kam, folgten trotz Kosten von jeweils bis zu 250.000 US-Dollar Hunderte weitere. Tausende benötigte Eizellen gewinnen die Labore in der Regel aus den Eierstöcken toter Schlachtpferde, teilweise aber auch von lebenden Stuten.

Wettkampf der Klone Im Springsport sind Klone besonders erfolgreicher Tiere reine Zuchtobjekte. Beim Polo stehen sogar ganze Teams aus Klonpferden auf dem Platz. Der beste Polospieler der Welt, Adolfo Cambiaso aus Argentinien, ist an einer eigenen Klon-Firma beteiligt. 2013 ritt er erstmals einen Klon im Wettkampf. Die Proteste von Konkurrenten änderten daran nichts. Der Internationale Pferdesportverband FEI gestattete noch im selben Jahr Klone in allen Disziplinen. „Ethische Bedenken oder ein Zeichen für den Tierschutz waren dem Verband offensichtlich egal“, kritisiert Dr. Szczepanek. Die Folgen sind wahnwitzig: 2016 gewann Cambiaso erstmals ein Turnier ausschließlich mit Tieren, die alle den Namen ihres Vorbilds Cuartetera trugen und die er einfach durchnummerierte. „Wie viele geklonte Pferde oder deren Nachkommen auch in deutschen Ställen stehen, lässt sich nicht sagen. Denn die Firmen im Ausland veröffentlichen keine Zahlen und Kundenlisten“, merkt Dr. Szczepanek an. Dass deutsche Labore jedoch legal Pferde für Pokalgewinne oder geliebte Haustiere zum Privatvergnügen klonen, ist immerhin auszuschließen. „Das Klonen mittels Kerntransfer gilt in Deutschland als Tierversuch, den Behörden einzeln genehmigen müssen. Es ist daher nicht erlaubt, wenn kommerzielle Anbieter auf diese Weise Haustiere oder Tiere in der Landwirtschaft produzieren wollen.“ Für die Tiere, die unter dem Deckmantel der Forschung in Tierversuchen geklont werden, bleibt dies ein schwacher Trost. Gerade das Beispiel geklonter Primaten in China, das nach aktueller Rechtslage auch in Deutschland erlaubt wäre, entsetzt Tierschützer.

Dolly erlangte 1996 als erstes geklontes Säugetier Berühmtheit. Das Schaf überlebte als einziges von 277 Klonversuchen, wurde aber nach sechs Jahren eingeschläfert. DU UND DAS TIER 2/2019

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AKTUELL

KLONEN PER KERNTRANSFER Das Verfahren, mit dem bereits Dutzende Tierarten geklont wurden, am Beispiel der Affen. Fetale Körperzellen

Fusion von entkernter Eizelle und Zellkern der Körperzelle. Dies löst die sogenannte Reprogrammierung der neu geschaffenen Zelle aus. Sie kann sich nun wieder in alle Zellarten weiterentwickeln.

Der Zellkern der Körperzelle wird in die Eizellhülle übertragen.

Zellkern

Ein weiblicher Affe dient als Eizellenspender. Dazu sind eine Hormonbehandlung und eine Eierstock-OP erforderlich.

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Die Injektion bestimmter Substanzen oder elektrische Impulse regen die Zellteilung und Weiterentwicklung der Eizelle an.

Der Zellkern wird entfernt.

Anfang 2018 waren die beiden Langschwanzmakaken Zhong Zhong und Hua Hua die ersten geklonten Affen weltweit. Nur ein Jahr später stellte das gleiche Institut in Shanghai genveränderte Klon-Makaken vor. „Dieser Versuch aus China stößt ein Tor auf zu einem Wettlauf für noch mehr Tierversuche an Primaten“, befürchtet Kristina Wagner, Leiterin der Abteilung Alternativmethoden zu Tierversuchen beim Deutschen Tierschutzbund. Dies zeige, dass Affen, aber auch andere Tierarten, für weite Teile der Wissenschaft nicht mehr seien als Experimentierobjekte. Zum einen waren auch hier 300 Embryonen und Dutzende Leihmütter von Nöten, damit fünf Äffchen lebend zur Welt kamen. Zum anderen wurde mittels der sogenannten Genschere CRISPR / Cas9 ein Gen aus der Erbinformation der Tiere entfernt, das ihre innere Uhr steuert. „Beim Menschen wird dieses Gen mit der Entstehung von Schlafstörungen, Depressionen, Alzheimer und Krebs in Verbindung gebracht“, kritisiert Wagner. Auf diese Weise wollen die chinesischen Forscher Versuchstiere entwickeln, die alle gleichermaßen leicht erkranken, um an ihnen, stellvertretend für den Menschen, Therapien zu erforschen.

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Der Embryo wird in die Gebärmutter einer Leihmutter übertragen, um ihn auszutragen.

Ein geklonter Affe kommt zur Welt. Sein Erbgut ist identisch mit dem der Körperzelle.

Stoppt das Klonen „Das Klonen von Versuchstieren muss ein Ende haben, damit die Tiere nicht mehr leiden“, fordert Wagner. Statt Tiere zu klonen und sie in Versuchslaboren zu quälen muss die Politik endlich eine Strategie zum Ausstieg aus Tierversuchen erarbeiten. Diese sollte dann auch Maßnahmen enthalten, wie tierversuchsfreie Methoden verstärkt gefördert und angewendet werden können. „Diese wären dann auch viel aussagekräftiger für uns Menschen“, fügt Wagner hinzu. Denn die Ergebnisse von Experimenten an Tieren lassen sich aufgrund der Unterschiede bei Lebensdauer, Körperbau, Stoffwechsel, Erbgut und weiterer Faktoren ohnehin nur schwer auf Menschen übertragen. Auch die Angebote zum Klonen von Heimtieren, im Sport und in der Landwirtschaft lehnt der Deutsche Tierschutzbund strikt ab. Um den Anreiz zu mindern, Klontiere herzustellen, braucht es ein europaweites Einfuhrverbot von ihnen, ihren Nachkommen, deren Samen und allen aus ihnen erzeugten Lebensmitteln. Dr. Szczepanek ergänzt: „So könnten wir gleichzeitig verhindern, dass die Klontierzucht schleichend ihren Weg nach Europa findet.“ Joscha Duhme

© Illustration: Dworak und Kornmesser

Körperzellen, zum Beispiel von einem Affenfötus, werden in der Petrischale vermehrt.


RESPEKT! Wir hatten dazu aufgerufen, unsere Kampagne #RespektTaube mit Ihren Fotos von Tauben zu unterstützen, um damit das Image dieser intelligenten Tiere zu verbessern. Es ist unglaublich, wie viele Fotos bei uns eingegangen sind, die alle zeigen, wie schön und liebenswert diese Tiere sind. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Hier finden Sie eine kleine Auswahl und dazu hilfreiche Tipps für ein harmonisches Miteinander mit den Vögeln. Weitere Motive finden Sie unter www.duunddastier.de/taubenschutz-fotoaktion

Es sollte selbstverständlich sein, Tauben nicht zu ärgern oder gar zu quälen. Niemand wird gerne getreten oder verscheucht. Das Leben der Tauben in der Stadt ist schon schwierig genug. Machen wir es ihnen nicht noch schwerer.

Keine Sorge vor Krankheiten: Das Risiko, sich durch Tauben Infektionen einzufangen, ist nicht größer als bei anderen Zier- und Wildvögeln oder Haustieren.

im e.V.

elhe Tierhelfer Ing

Nico Kraeft

© Foto:

Auch wenn Sie den Tieren nur helfen möchten, bitte füttern Sie die Tauben nicht unkontrolliert. Dem Zufutter fehlen oft wichtige Nährstoffe, und auch die unregelmäßige Fütterung birgt Probleme für die Tiere.

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© Foto:


Lernen Sie die Tauben kennen und respektieren Sie sie. Tauben stehen für Liebe und Frieden. Sie sind treue Tiere und bleiben ein ganzes Leben lang mit ihrem Partner zusammen. Sie sind sehr intelligent und können sogar menschliche Gesichter wiedererkennen.

nkfurt e.V.

Fra Stadttaubenprojekt

Sprechen Sie Ihre Stadtvertreter auf eine tierschutzgerechte Lösung an: Taubenhäuser und -türme helfen dabei, den Bestand der Tauben tiergerecht zu regulieren. Der Deutsche Tierschutzbund hat einen Leitfaden und eine Checkliste für Gemeinden erstellt, mit denen Sie Politik und Verwaltung zeigen können, wie es geht. Sie finden diese unter www.tierschutzbund.de/tauben-kampagne

Sybille Kähler-Schno

or

Holger Gross und

Lothar Hensel

Reinhard Berger

INFORMIEREN SIE SICH Wir schicken Ihnen gerne ein kostenloses Infopaket mit Flyern, Postkarten, Aufkleber und Poster zu. Schicken Sie einfach eine E-Mail mit Ihrer Adresse und dem Betreff #RespektTaube/DUDT an

aktion@tierschutzbund.de


AKTUELL

WO BLEIBT DER RESPEKT? Stadttauben haben ein schlechtes Image. In manchen Innenstädten sind sie gar Opfer von Attacken. Engagierte Taubenschützer verringern Populationen tierschutzgerecht und ermöglichen ein friedliches Miteinander.

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ie größten Feinde der Tauben sind die Menschen. Helga Ehretsmann, Vorsitzende des Vereins Stadttauben Saarbrücken, hat in 14 Jahren Taubenschutz schon zu viel gesehen, als dass sie ein versöhnlicheres Urteil fällen könnte. Der Verein hat bereits Tauben in seine Obhut genommen, auf die Menschen uriniert oder geschossen, die sie als Fußball missbraucht oder in Plastiktüten gesteckt haben.

„Solcher Hass ist mir unerklärlich“, sagt Ehretsmann. Dies sind zwar extreme Fälle, aber nicht nur bei Tierquälern haben Tauben einen schweren Stand – zu Unrecht, wie die Kampagne #RespektTaube des Deutschen Tierschutzbundes aufzeigt. So wirbt der Verband auch für mehr Mitgefühl für die Tiere. Stadttauben sind Nachkommen gezüchteter und dann entflogener Haustauben und sehr intelligent. Sie können sogar Menschen unterscheiden. „Auch das Vorurteil, dass sie viele Krankheiten übertragen, ist ein Irrglaube. Das Risiko ist nicht höher als bei anderen Zierund Wildvögeln“, erklärt Denise Ritter, Referentin für Artenschutz beim Deutschen Tierschutzbund.


Laut einer Studie fühlen sich nur wenige Menschen durch die Optik der Tauben oder das Gurren belästigt. Eher stören sie sich am Kot und an plötzlich in ihrer Nähe losfliegenden Tieren. Darum sind die Vögel vor allem in Innenstädten unbeliebt, in denen sie in großen Schwärmen auftreten.

Brutplätze sind rar

Helga Ehretsmann, Vorsitzende des Vereins Stadttauben Saarbrücken, arbeitet jeden Tag bis zu vier Stunden ehrenamtlich im Taubenschlag.

Darum engagieren sich deutschlandweit Taubenschützer wie Ehretsmann und ihre Kollegin Renate Frisch. Die beiden betreuen zwei Taubenschläge im Saarbrücker Stadtzentrum, täglich drei bis vier Stunden, 365 Tage im Jahr. Sie putzen Kot vom Boden, reinigen Nistschalen, füttern die Tauben und tauschen ihre Eier gegen vorgewärmte Gipsattrappen aus. Damit verringern sie die Populationen tierschutzgerecht und verbessern die Lebensbedingungen der Vögel. Indem Tierschützer die Eier auswechseln, verhindern sie dort Nachwuchs. „Weil sie artgerechtes Futter anbieten und die Schläge regelmäßig reinigen, leben die Tiere gesünder“, sagt Ritter. Auch Anwohner, Passanten und Taubenhasser profitieren: Da nistende Tiere fast den ganzen Tag im Schlag verbringen, bleibt der Kot dort. Trotzdem sind solche kontrollierten Einrichtungen leider längst nicht in allen Gemeinden etabliert. Sie setzen vielerorts immer noch nur auf tierschutzwidrige Fütterungsverbote oder gar Tötungsaktionen (mehr zu Vorurteilen gegen Tauben und Tipps, wie Sie in Ihrer Gemeinde aktiv werden können, lesen Sie ab

Taubenschützer ersetzen die Eier durch Gipsattrappen, um die Population schrittweise und tierschutzgerecht zu regulieren.

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Seite 25). Auch die Stadttauben Saarbrücken haben lange für die zwei Standorte auf zentralen Parkhäusern gekämpft. Der Verein, der im vorigen Jahr den Sonderpreis des Deutschen Tierschutzpreises des Deutschen Tierschutzbundes erhalten hat, arbeitet – wie die meisten Taubenschützer – ehrenamtlich, mit geringen Kapazitäten und auf Spendenbasis. Ehretsmann ist mit Leib und Seele dabei. Viele Tauben versorgt sie seit Jahren. „Natürlich fällt mir da auch auf, wenn der Partner einer Taube nicht vom Ausflug zurückkehrt. Das geht mir jedes Mal nahe.“ Taubenpärchen bleiben ein Leben lang zusammen.

Kein „Ja-Wort“ zu Hochzeitstauben Ihre Treue wird ihnen jedoch auch zum Verhängnis. Sie ermutigt Brautpaare, Tauben als Symbol auf Hochzeiten fliegen zu lassen. „Die machen sich keine Gedanken und pflegen einen fürchterlichen Brauch“, sagt Ehretsmann. Die verzweifelten weißen Tauben finden oftmals nicht in ihren Heimatschlag zurück, wenn sie auf Aussehen statt Ausdauer und Orientierung gezüchtet sind, aber bei jeglichen klimatischen Bedingungen starten müssen. Auch Brieftauben gehen jedes Jahr in hoher Zahl verloren. Gerade bei Preisflügen – bis über tausend Kilometer – geraten die Tiere an ihre Leistungsgrenzen oder darüber hinaus. Dabei verbietet das Tierschutzgesetz, einem Tier Leistungen abzuverlangen, die es nicht erbringen kann. „Sie fallen geschwächt vom Himmel, fallen Greifvögeln zum Opfer oder mischen sich unter die Stadttauben. Einige der Tiere landen nachher bei uns – falls sie Glück haben“, berichtet die Saarbrückerin. „Auch andere Tierschutzvereine sind mit Hochzeits- und Brieftauben konfrontiert, deren Züchter sich durch die Ringe grundsätzlich ermitteln lassen. Sicherlich haben einige schwarze Schafe den Verlust der Taube aber bereits einkalkuliert“, fügt Ritter hinzu. Daher appelliert der Deutsche Tierschutzbund, den „schönsten Tag im Leben“ nicht zum schlimmsten der Tiere zu machen und auf Hochzeitstauben zu verzichten. Joscha Duhme

© Fotos: Unsplash (S.29); Deutscher Tierschutzbund e.V.

„In den meisten Städten mit Stadttauben sind die Bestände zu groß. Die Tiere leiden durch die nicht artgerechten Bedingungen. Sie sind oft nicht gesund“, merkt Ritter an. Wenn die Zahl der Tiere zunimmt, während Hauseigentümer sie mit Netzen oder Spikes vertreiben, suchen sie sich ungeeignete Brutplätze. „Dort brüten sie eng gedrängt. Das führt zu Konkurrenz und Stress. Diese Kombination begünstigt Krankheiten und Parasiten innerhalb der Population“, führt Ritter aus. Lebensmittelreste sind für die Körnerfresser ebenfalls nicht artgerecht.


AKTUELL

BALLONVERBOT Niederlande – 60 niederländische Kommunen haben Luftballons im Freien verboten, damit Tiere nicht daran ersticken oder sich in den Schnüren verheddern.

Appell stößt auf taube Ohren Deutschland – An insgesamt 43 Unternehmen hat der Deutsche Tierschutzbund appelliert, ihre Känguruprodukte aus dem Angebot zu nehmen. Lediglich eines der Unternehmen gab an, künftig auf das Fleisch der meist brutal getöteten Nationaltiere Australiens verzichten zu wollen.

Comeback des Thun Dänemark – Der Blauflossenthun kehrt in die Nordsee zurück. Vor dänischen Küsten konnten Fischer und Forscher bislang rund 100 Exemplare der in den vergangenen Jahrzehnten überfischten Tiere fangen und markieren.

TÖDLICHE RENNEN USA – Auf dem Santa Anita Park in Kalifornien, einer der berühmtesten Galopprennbahnen Amerikas, mussten innerhalb von nur drei Monaten 23 Pferde nach Trainingsoder Rennunfällen eingeschläfert werden.

TIERSCHUTZ WELTWEIT

© Fotos: Pixabay (2 x); Deutscher Tierschutzbund e.V.

Countdown für Käfighaltung läuft

TAUSENDE BRANDOPFER DEUTSCHLAND – IN EINEM SCHWEINEZUCHTBETRIEB IN SACHSEN-ANHALT SIND 2.000 FERKEL LEBENDIG VERBRANNT – NUR EIN BEISPIEL FÜR VIELE SOLCHER BRÄNDE JEDES JAHR. Pelzfreies Deutschland Deutschland – Die letzte deutsche Pelzfarm in Rahden hat den Betrieb eingestellt und beherbergt keine Tiere mehr.

Österreich – Mit Ablauf dieses Jahres endet die Übergangsfrist für die Käfighaltung von Legehennen im Alpenland. Dann müssen auch die letzten „ausgestalteten Käfige“ anderen Haltungsformen weichen.

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ENDSTATION WÜSTE Seit Jahren transportiert Deutschland jährlich zigtausend Rinder in Drittstaaten. Im Zielland angekommen, sind die Tiere meist schnell zum Tode und die angestrebte Milchproduktion zum Scheitern verurteilt.

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remde Kulturen, schillernde Märkte und der Traum von 1001 Nacht – Länder wie Marokko oder Ägypten ziehen westliche Urlauber magisch an. Auch die wüstenartigen Landstriche mit ihrer sengenden Hitze, dem feinen Sand und den kargen Felsen, die es darüber hinaus in Algerien, dem Libanon oder in der Türkei gibt, machen den Orienttrip für Touristen zum Erlebnis. Deutschen Rindern hingegen, deren Wohlfühltemperatur bei rund 13 Grad Celsius liegt, bieten diese Länder Lebensbedingungen, die von ihrem Ideal kaum weiter entfernt sein könnten. Temperaturen von 40 Grad sind keine Seltenheit – grüne Wiesen allerdings schon. Und auch Wasser ist vor allem eins: Mangelware. Im Gegensatz zu den vorfreudigen Touristen treten die Tiere ihre Reise auch nicht in komfortablen Flugzeugen an, sondern in unerträglicher Enge auf Lkw und Schiffen.

Qual auf Rädern und Wasser Allein 2018 lieferte Deutschland 70.000 Zuchtrinder in Drittländer außerhalb der EU, etwa 25.000 davon in die Türkei und nordafrikanische Staaten. Hinzu kommen Tiere aus anderen EU-Ländern wie zum Beispiel Österreich. Die Transporte nach Nordafrika, die über Frankreich oder durch Kroatien führen, dauern mehrere Tage. „Für die Tiere ist diese Fahrt eine immense Belastung“, kritisiert Frigga Wirths, Referentin für Tiere in der Landwirtschaft beim Deutschen Tierschutzbund. „Sie haben Angst, kaum Platz, stehen tagelang auf der gleichen Einstreu in ihren Exkrementen und bekommen nur in den seltensten Fällen genug Wasser und Futter. Hinzu kommt die Anstrengung, möglichst

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HINTER DEN KULISSEN

Allein 2018 lieferte Deutschland 70.000 Zuchtrinder in Drittländer außerhalb der EU. Tagelang sind sie dicht an dicht in Lastwagen eingepfercht und bekommen nur in den seltensten Fällen genug Wasser und Futter – für die Tiere bedeuten solche Transporte enormen Stress.

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lange stehen zu bleiben und die Fahrtbewegungen ständig auszubalancieren.“ Zu allem Übel müssen die ohnehin schon gestressten und geschwächten Tiere regelmäßig in langen Staus in praller Sonne, zum Beispiel an der bulgarisch-türkischen Grenze, ausharren. „Gerade im Sommer herrschen dort Temperaturen von über 30 Grad – in den Lkw steigen sie noch einmal deutlich an. Es gibt weder Plätze im Schatten noch ausreichende Möglichkeiten, die Rinder mit Wasser zu versorgen oder sie von den Lkw abzuladen“, so Wirths. Wenn die Tiere „Glück“ haben, stehen sie dort nur einige Stunden – allerdings sind auch tagelange Aufenthalte dokumentiert. Dass Tiere unter diesen schlimmen Bedingungen sterben, ist keine Seltenheit. Transporte in den Libanon, nach Algerien, Marokko und Ägypten sind zusätzlich mit tagelangen Überfahrten per Schiff verbunden. Auf diesen Schiffen, oft ehemaligen Autofähren, die meist keinerlei EU-Vorschriften entsprechen, müssen die Tiere den oft rauen Seegang überstehen, der die Ankunft häufig zusätzlich verzögert. „Die Versorgung der Tiere mit Wasser und Futter ist auch auf den Schiffen nicht gewährleistet. Es ist heiß und stickig und es gibt keine trockene Einstreu. Außerdem sind die Verladerampen zu steil. So kommt es sogar vor, dass ein Tier beim Verladen ins Meer stützt“, sagt Wirths.

Verhängnisvolle Gier nach Milch und Fleisch Milchindustrie und Zuchtverbände sagen, diese Exporte dienten dem Aufbau einer örtlichen Milchproduktion. „Diese stagniert allerdings auf einem sehr niedrigen Niveau. Obwohl bereits Hunderttausende Zuchtrinder exportiert wurden, gelingt es vor Ort bis heute nicht, eine nachhaltige Milchviehpopulation Völlig abgemagert, halb verdurstet und in praller Sonne müssen Transportrinder wie dieses in Drittstaaten oft ausharren. Eine funktionierende Milcherzeugung ist unter solchen Bedingungen völlig unmöglich.

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und tragfähige Milcherzeugung aufzubauen“, sagt Wirths. Der Grund: Das Klima, das Futter sowie die landwirtschaftliche Infrastruktur sind einfach absolut ungeeignet. Kleine Bauern verschulden sich über beide Ohren, um ein paar Rinder aus Deutschland zu kaufen, und müssen dann recht schnell feststellen, dass sie gar nicht in der Lage sind, die Tiere ihren Ansprüchen nach zu halten. „Die Kühe geben kaum Milch, werden schnell krank und gebären nur wenige oder gar keine Kälber, weil sie unter den dort herrschenden Bedingungen nicht fruchtbar sind“, sagt Wirths. Auf die Illusion der Bauern eines eigenen Milchgeschäfts folgt daher meist schnell die bittere Realität, die nicht nur die Landwirte in ihrer Existenz bedroht, sondern auch mit dramatischen Folgen für die Tiere einhergeht. Denn diese landen – zur Milchproduktion unbrauchbar – beim Schlachter. Für die Landwirte ist das oft nahezu die einzige Option, die Tiere noch zu Geld zu machen. Das Dilemma: Um einen stabilen Bestand an Milchkühen aufbauen zu können, müssten sie eine ausreichende Anzahl Jungtiere aufziehen und genau mit diesen Rindern züchten. In der Folge nimmt der Import von Zuchtrindern immer weiter zu statt ab. Die erwarteten Milchmengen liefern die Kühe lediglich in industriellen Großanlagen, die unter immensem Aufwand für genügend Wasser und Kühlung sorgen. Diese Großbetriebe sind, ebenso wie die dazugehörigen Molkereien, im Besitz riesiger internationaler Konzerne oder gehören dem Staat. „Diese Form der Milchviehhaltung funktioniert zwar auf den ersten Blick, ist aber absolut nicht nachhaltig. Für die Umwelt gleicht der Energieaufwand einer Katastrophe“, kritisiert Wirths. Neben dem Durst nach Milch steigt bei der Bevölkerung vor Ort auch der Hunger nach Fleisch stetig an. So werden neben den Zuchttieren zusätzlich Hunderttausende Fleischrinder und -kälber aus der EU und Südamerika importiert. Egal, ob die Tiere direkt oder später beim Schlachter landen, ihr Tod vor Ort ist die Hölle. Denn obwohl die Länder entsprechende Vereinbarungen unterzeichnet haben, stehen die gängigen Schlachtpraktiken im größtmöglichen Widerspruch zu den Mindeststandards der EU und der Welttiergesundheitsorganisation (OIE) – und diese sind schon ungenügend. „Es gibt meist kein geschultes Personal und die Schlachtung findet in der Regel ohne vorherige Betäubung statt“, berichtet Wirths. Die Schlachter durchtrennen die großen Blutgefäße im Hals der Rinder oft mit mehreren sägenden Schnitten – und das bei vollem Bewusstsein der Tiere. Bis sie verbluten und sterben, vergehen bis zu 20 Minuten, in denen sie erhebliche Schmerzen durchleiden. Verdeckt aufgenommene Filmaufnahmen zeigen zudem Rinder, denen die Beinsehnen durchtrennt und die Augen ausgestochen werden – andere werden


HINTER DEN KULISSEN

Dieses Rind wurde so stramm am Hals festgebunden, dass es kaum noch Luft bekommt. Der Blick lässt erahnen, wie viel Angst dieses Tier in diesem Moment hat.

einfach an den Hinterbeinen aufgehängt. Allein die Vorstellung davon ist kaum zu ertragen.

© Fotos: WeAnimals/Jo-Anne McArthur (Seiten 32 und 33); F. Wirths; Animals International

Wir tragen die Verantwortung Wir dürfen die Verantwortung für all das nicht von uns weisen. Schließlich sind es unsere Rinder. Eigentlich müssen die EU-Transport-Verordnung und ihre Durchführungsverordnung in Deutschland den Schutz dieser Tiere zumindest auf den Transporten sicherstellen. Doch die Bestimmungen reichen nicht aus. „Die Ladedichten sind zu hoch, die Transportdauer ist zu lang und die Temperaturgrenzen sind zu weit gefasst“, kritisiert Wirths. So ist es unter anderem erlaubt, Rinder bei Temperaturen von bis zu 35 Grad über eine Dauer von 29 Stunden zu transportieren, bis sie zum ersten Mal den Lkw verlassen müssen. Jedem Tier steht dabei nur jeweils eine Fläche von 1,6 Quadratmetern zur Verfügung. Und selbst diese unzureichenden Bestimmungen werden regelmäßig missachtet. Zu viele Tiere, keine Pausen und das Verladen von verletzten Rindern sind alltägliche Verstöße. Für die Schlachtungen vor Ort gibt es so oder so keine europäischen Vorgaben. Der Deutsche Tierschutzbund fordert schon seit Jahren, die EU-Transport-Verordnung zu überarbeiten. „Solange das nicht geschieht, muss sie zumindest strenger kontrolliert und es müssen schärfere Sanktionen verhängt werden, die abschrecken“, fordert Wirths. Inzwischen ist zumindest der EU-Agrar-Ausschuss zu dem gleichen Schluss gekommen. Anfang des Jahres haben die Abgeordneten des EU-Parlamentes einem entsprechenden Umsetzungsbericht des Ausschusses zugestimmt – allerdings mit Abstrichen. So haben sie die entscheidenden Passagen gestrichen – nämlich anstelle von lebenden Tieren Fleisch zu exportieren und generell Transporte in Drittländer zu unterbinden, weil nicht sichergestellt ist, dass die Regelungen der Verordnung dort beachtet werden.

Die Politik bleibt untätig Einige mutige Tierärzte und Veterinärämter in Bayern, Schleswig-Holstein und Hessen haben sich im Februar 2019 geweigert, die für Langstreckentransporte erforderlichen Dokumente auszustellen. Die zuständigen Landesministerien verhängten zudem zeitweise Exportstopps in Drittländer. Durch Klage der Zuchtunternehmen und entsprechende Gerichtsurteile werden die Rinder inzwischen aber in andere Bundesländer gebracht, in denen die Veterinärbehörden nicht im Sinne des Tierschutzes handeln und die Tiere weiterhin für Exporte in Drittländer außerhalb Europas abfertigen. Insbesondere Brandenburg, Rheinland-Pfalz und Niedersachsen fallen hier negativ auf. Somit hat sich an der Praxis der Langstreckentransporte nichts geändert. Auch ein Treffen der Agrarminister im April brachte keine Lösung. Nach wie vor müssen einzelne Amtstierärzte über das Schicksal der Tiere entscheiden. „Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner reagiert derweil gar nicht und plant auch keine Verbesserungen“, kritisiert Wirths. Die Forderungen des Deutschen Tierschutzbundes nach einem nationalen Verbot der Transporte zeigen leider keine Wirkung. Doch die Tierschützer halten vehement daran fest. Auch auf EU-Ebene muss Klöckner sich aktiv für ein generelles, europaweites Verbot einsetzen. „Es dürfen keine Exporte in Drittländer genehmigt werden, wenn niemand gewährleisten kann, dass alle tierschutzrechtlichen Bestimmungen bis zum Zielort eingehalten werden“, so Wirths. Außerdem müsse sichergestellt sein, dass bei der Schlachtung mindestens der Standard der EU-Schlachtverordnung gilt. Währenddessen können die Verbraucher selbst etwas gegen das Tierleid tun. Denn jeder Einzelne, der weniger Fleisch und Milchprodukte verzehrt oder sich sogar für eine vegane Lebensweise entscheidet, macht sich für die Tiere stark. Verena Jungbluth DU UND DAS TIER 2/2019

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Unter idealen Voraussetzungen würden Muttersauen Nester bauen und einen engen Kontakt zu ihren Ferkeln pflegen (l.). Doch in der Realität verbringen die meisten von ihnen einen Großteil ihres Lebens im Kastenstand (r.).

MEHR PLATZ? VON WEGEN! Bis zu 17 Jahre – so viel Zeit gewährt das Bundeslandwirtschaftsministerium Sauenhaltern, damit sie ihre Schweineställe minimal tiergerechter gestalten. Aus Sicht des Deutschen Tierschutzbundes sind solche Zugeständnisse an die Fleischlobby absolut inakzeptabel.

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absolut ungenügend. Nachdem die Große Koalition in Berlin bereits das Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration um zwei Jahre verschoben hat, stellt dies erneut ein Zugeständnis an die Agrarlobby dar, das zulasten von Millionen Schweinen geht. Der Bund plant nun, speziell die Haltung von Sauen zu ändern. In konventionellen Betrieben verbringen diese derzeit noch einen Großteil ihres Lebens in Kastenständen – das sind viel zu enge Käfige, in denen die Tiere sich kaum bewegen, höchstens aufstehen und sich hinlegen können. Sauen sind bis zu vier Wochen nach der künstlichen Besamung, eine Woche vor Geburt ihrer Ferkel und während des Säugens auf diesem engsten Raum gefangen. „Kastenstände werden vor allem wegen der Arbeitserleichterung und Produktionssteigerung genutzt“, schildert Christina Höbel, Referen-

© Fotos: Pixabay; Deutscher Tierschutzbund e.V. / Holger Over

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in tierschutzgerechterer Umbau der konventionellen Schweinehaltung ist lange überfällig. So sieht das auch der Berliner Senat, der vor ein paar Monaten einen Normenkontrollantrag eingereicht hat – das Bundesverfassungsgericht muss nun die bundesrechtlichen Vorschriften zur Haltung von Schweinen prüfen. Auf den ersten Blick löblich scheinen auch die neuen Pläne des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft zu sein – es gibt vor, die Lebensbedingungen für Sauen in Deutschland verbessern zu wollen. Doch wer die geplanten Änderungen der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung unter die Lupe nimmt, stellt fest: Es handelt sich mal wieder um Augenwischerei. Denn Landwirte bekommen bis zu 17 Jahre Zeit, um die Vorgaben umzusetzen und ihre Betriebe entsprechend umzubauen – aus Tierschutzsicht eine Ewigkeit. Noch dazu sind die Änderungen


HINTER DEN KULISSEN

BEI DURCHSCHNITTLICH 2,3 WÜRFEN PRO JAHR VERBRINGEN SAUEN JÄHRLICH FÜNF MONATE IM KASTENSTAND. tin für Tiere in der Landwirtschaft beim Deutschen Tierschutzbund. Indem die Tiere fixiert werden, muss zum Beispiel weniger Zeit für das Besamen und für die Trächtigkeitsuntersuchung aufgewendet werden. Zudem ist es möglich, mehr Sauen im Stall zu halten, da weniger Platz benötigt wird.

Deutschland hinkt hinterher „Bei durchschnittlich 2,3 Würfen pro Jahr verbringen Sauen jährlich etwa fünf Monate im Kastenstand“, schildert Höbel. In der Enge verletzen sie sich und werden krank – verbreitet sind beispielsweise Wunden an den Schultern, Entzündungen der Gebärmutter und Infektionen des Harntrakts. „Auch Verhaltensstörungen wie Stangenbeißen und Leerkauen sind vorprogrammiert.“ Jetzt will die Bundesregierung die maximale Dauer, in der Sauen im Kastenstand im Deckzentrum für die künstliche Besamung fixiert werden dürfen, von derzeit 35 auf acht Tage reduzieren. „Hierbei ist allerdings nicht ersichtlich, worauf sich diese Zeitspanne begründet, denn Sauen können nur an zwei bis drei Tagen trächtig werden“, erläutert Höbel. Aus Sicht des Deutschen Tierschutzbundes sollten die Sauen während der Deckzeit nur individuell zum Vorgang der Besamung oder zur tierärztlichen Behandlung fixiert werden. „Eine Fixierung über drei bis fünf Tage hinaus ist nicht akzeptabel“, so die Expertin. Um nach dem Decken mögliche Kämpfe der Schweine um die Rangordnung zu vermeiden, wäre es zudem am besten, die Sauen schon vor dem Besamen zu gruppieren. Dann wäre die Rangordnung bereits geklärt, sodass die trächtigen Sauen in dieser sensibleren Phase weniger unter Stress ständen. Auch wenn die Sauen ihre Ferkel zur Welt bringen, im Fachjargon spricht man von „Abferkeln“, sollen sie zukünftig nur noch maximal fünf Tage statt wie bisher bis zu 35 Tage fixiert werden. Der Deutsche Tierschutzbund ist aber grundsätzlich dagegen, Sauen in diesem Zeitraum überhaupt im Kastenstand zu halten. „Die Muttertiere sind gestresster, da sie natürliche Verhaltensweisen nicht ausleben können“, sagt Höbel. „Zum Beispiel können sie kein Nest bauen, den Liegevom Kotbereich nicht trennen, und auch der wichtige Sau-Ferkel-Kontakt während der Säugezeit ist stark eingeschränkt.“ In der Schweiz, in Schweden und Norwegen werden die Muttersauen schon seit Jahren nicht mehr fixiert. Deutschland hinkt also hinterher.

Verstoß gegen ein Gerichtsurteil Die Größe der Kastenstände will das Ministerium ebenfalls anpassen – sowohl im Deckzentrum als auch im Abferkelbereich. Doch auch hier kommt die Politik den Sauenhaltern unverhältnismäßig weit entgegen und streicht sogar eine wichtige Vorgabe aus der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung. Die besagt eigentlich, dass eine Sau, die im Kastenstand auf der Seite liegt, ihre Gliedmaßen ungehindert ausstrecken können muss. Ist dies nicht möglich, muss der Kastenstand nebenan frei bleiben – das stellte das Oberverwaltungsgericht Magdeburg bereits 2015 klar. Ein Jahr später bestätigte das Bundesverwaltungsgericht dieses Urteil. Anstatt dafür zu sorgen, dass Landwirte dieses Rechtsurteil zügig umsetzen, streicht das Ministerium diesen Satz nun einfach aus der Verordnung. „Indem die Rechtsprechung missachtet wird, sollen die gesetzlichen Vorgaben an die aktuellen Gegebenheiten angepasst werden“, kritisiert Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. Aus wirtschaftlichen Gründen mag es zwar nicht realistisch sein, dass Landwirte die Forderung sofort umsetzen – beispielsweise indem sie jeden zweiten Kastenstand frei lassen. „Trotzdem ist eine Übergangsfrist von bis zu 17 Jahren nicht akzeptabel – die Sauen sollten nur noch so kurz wie möglich in den tierschutzwidrigen Kastenständen verbleiben“, so Schröder. Zumal das Urteil des Oberverwaltungsgerichtes bereits mehr als drei Jahre zurückliegt. Das Agrarministerium muss aus Sicht des Verbandes die gesamten geplanten Vorgaben dringend noch einmal überarbeiten und diesmal zusätzliche Anforderungen berücksichtigen, die bislang außer Acht gelassen wurden. „Zum Beispiel ist es wichtig, dass das Ministerium neben der Abschaffung des Kastenstandes weitere Änderungen hinsichtlich Platzangebot, Bodengestaltung und Buchtenstrukturierung in der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung vornimmt“, erläutert Höbel. Wichtig wären zudem betriebsindividuelle Lösungen mit verbindlichen Umstellungsplänen, die auch Sofortmaßnahmen enthalten, um das Leid der Sauen in der Übergangszeit, bis auf die Gruppenhaltung umgestellt wird, zu verringern. Ein Ende der Käfighaltung in der Landwirtschaft fordert unterdessen auch die Initiative „End the Cage Age“ von 150 Organisationen in Europa, darunter der Deutsche Tierschutzbund. Wie Sie diese unterstützen können, lesen Sie auf Seite 45.  Nadine Carstens

tierschutzbund.de/schweine Lesen Sie online weitere Hintergrundinformationen zum Thema Schweinehaltung.

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UNTER GENERALVERDACHT Listenhunde und ihre Halter leiden unter Vorurteilen. Als gefährlich verschrien und in manchen Bundesländern mit Auflagen bis hin zu Haltungsverboten belegt, landen auch unauffällige Tiere in Tierheimen. Dabei könnten tierschutzgerechtere Alternativen Hunde und Menschen präventiv schützen.

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Kampfhunde, gefährliche Hunde oder Listenhunde. Diese Stempel, die Behörden Hunden aufdrücken, die den Rassen American Staffordshire Terrier oder Bullterrier zugerechnet werden, stellen auch verspielte Familienhunde und ihre Halter unter Generalverdacht. Auch Hunde vom Pitbulltypus fallen darunter, dabei ist der Pitbull nicht einmal eine anerkannte eigenständige Rasse. „Für keine andere Tierart wurden jemals so viele gesetzliche Vorschriften und Auflagen verabschiedet“, erklärt Dr. Katrin Umlauf, Referentin für Heimtiere beim Deutschen Tierschutzbund. Nach tragischen Zwischenfällen stuften die meisten Bundesländer einzelne Hunderassen pauschal als gefährlich ein. Die Halter müssen ihnen zwingend Leine und Maulkorb anlegen, wenn sie sie überhaupt noch halten dürfen. In Brandenburg beispielsweise ist dies für sechs Rassen und ihre Kreuzungen verboten. Ohne Zweifel benötigen Menschen Schutz vor gefährlichen Hunden. „Doch es gibt keine Belege dafür, dass von bestimmten Hunderassen eine erhöhte Gefahr ausgeht. Ob ein Hund gefährlich ist, muss im Einzelfall entschieden werden“, führt Dr. Umlauf aus.

Selten an Beißunfällen beteiligt Das öffentliche Bild der Listenhunde widerspricht den Zahlen. Die Beißstatistik des Landes Hessen für 2016 und 2017 dokumentiert beispielsweise, dass sie in den beiden Jahren nur an knapp zwölf Prozent der dortigen Beißunfälle beteiligt waren. Die Gründe für Bisse sind vielseitig.

© Fotos: Clara Rechenberg / Tierheim Berlin

ebenslänglich! Ein hartes Urteil. Wenn vor Gericht alles mit rechten Dingen zugeht, ist das die gerechte Strafe für den Täter eines Kapitalverbrechens. Anders sieht das leider oft in deutschen Tierheimen aus. Denn auch dort sitzen Hunde teilweise lebenslänglich ein, vorverurteilt aufgrund ihrer Rasse und somit schwer oder gar nicht vermittelbar.


HINTER DEN KULISSEN

„Übersteigertes aggressives Verhalten ist bei Hunden nur sehr selten angeboren“, sagt Dr. Umlauf. Eher kommt es zu Problemen, wenn Menschen die Tiere tierschutzwidrig aufziehen, halten, abrichten, missbrauchen, nicht auslasten, fehlerhaft erziehen oder die Situation durch Fehlverhalten auslösen. Und doch müssen die Tiere das Pauschalurteil ausbaden – in Maulkörbe gezwängt, in denen sie kaum hecheln und trinken können. An der Leine, die sie selbst auf Hundewiesen vom Toben abhält. Oder im Tierheim. Haltungsverbote und Restriktionen, beispielsweise durch Vermieter, führen dazu, dass immer mehr Listenhunde dort landen. „Die Hunde sind oft sehr sensibel. Wir müssen für sie mehr Personal einsetzen, sie stärker betreuen und sie intensiver trainieren“, berichtet Xenia Katzurke, Tierärztin und Verhaltenstherapeutin im Tierheim Berlin. Alle Hundepfleger in Berlin sind für den Umgang mit gefährlichen Hunden speziell geschult.

Rassen zeigen. „Was im einen Land gilt, kann schon im Nachbarland ganz anders sein. Das verunsichert und empört Hundehalter zu Recht“, sagt Dr. Umlauf. Daher fordert der Deutsche Tierschutzbund ein bundeseinheitliches Heimtiergesetz. Dieses könnte nicht nur pauschale Restriktionen gegen einzelne Rassen verhindern, sondern auch Gesetzeslücken hinsichtlich Zucht, Haltung, Handel und Import von Tieren schließen. „Behörden müssen das Wesen und die Gesundheit von Zuchttieren vor der Zulassung überprüfen, Züchter und Halter verpflichten, den Hunden sozialen Umgang mit Tieren und Menschen zu lehren und Sachkundenachweise für Halter vor der Anschaffung eines Tieres vorschreiben“, zählt Dr. Umlauf zentrale Bestandteile auf. Dies würde Tier und Mensch wirklich präventiv schützen. Joscha Duhme

Tierheime sind Leidtragende Besonders wenn Behörden Tiere sicherstellen oder der Hintergrund von Fundtieren unbekannt ist, dauert die Suche nach neuen Haltern. Listenhunde bleiben durchschnittlich doppelt so lange wie andere Hunde im Tierheim. In einzelnen Fällen leider auch für immer, gerade in Bundesländern, in denen ihre Haltung verboten ist, obwohl sich die Mitgliedsvereine des Deutschen Tierschutzbundes im Sinne der Tiere bereits gegenseitig helfen und Tiere gemeinsam auch über Ländergrenzen hinweg vermitteln. „Alleine wären wir der großen Zahl an Listenhunden sonst gar nicht gewachsen“, so Katzurke. Mit der Aufenthaltsdauer steigen die Kosten für die Tierheime. Eine spezielle Entschädigung durch die Kommunen gibt es nicht. „Wir lösen ein gesellschaftliches Problem zum Schutze der Öffentlichkeit. Doch die Last tragen unsere Spender und wir“, kritisiert Katzurke. Trotzdem bekämen die Hunde genauso viel Liebe wie alle anderen, und die Auswahl neuer Halter erfolge sorgfältig und nur in sachkundige Hände. Interessenten müssen sich aber leider darüber im Klaren sein, dass Spaziergänge zur Nervenprobe werden. „Anders als mit einem Pudel, spüren viele Halter schon anhand der Reaktionen von Passanten, dass sie und die Tiere ungerecht behandelt werden“, klärt die Tierärztin auf. Ungerecht geht es auch für Tiere und Halter an unterschiedlichen Wohnorten zu, wie Bayern und Brandenburg mit ihren Haltungsverboten einzelner

duunddastier.de/gefahrhunderegelungen Eine Übersicht über die Gefahrhunderegelungen der einzelnen Bundesländer haben wir im Netz für Sie zusammengestellt.

Viele Listenhunde, die im Tierheim landen, sind besonders sensibel. Sie brauchen viel Betreuung und intensives Training. Im Berliner Tierheim kümmert sich Tierärztin Xenia Katzurke mit ihren Kollegen um die vorverurteilten Tiere. DU UND DAS TIER 2/2019

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JUGENDLICHE PACKEN AN UND GEHEN AUF DIE STRASSE Deutschlandweit – Dass jährlich Hunderttausende Tiere durch Plastik sterben, können und wollen die Jugendgruppen der Mitgliedsvereine des Deutschen Tierschutzbundes nicht akzeptieren. Darum engagieren sich viele von ihnen als Teil der Bewegung „Fridays for Future“ oder beteiligen sich an der sogenannten Trashtag-Challenge. Bei dieser posten Menschen aus aller Welt Fotos von vermüllten Orten in den sozialen Netzwerken, sammeln den Unrat ein und stellen dann ein Bild des gesäuberten Areals online. Die Jugendgruppe des Tierschutzvereins Dingolfing-Landau hat am Vilstalstausee derart fleißig aufgeräumt, dass ihnen ein Passant nach getaner Arbeit ein Eis spendierte. Auch „Die kleinen Pfoten“, die Jugendgruppe des Tierschutzvereins Köln-Zollstock, und die Jugendgruppe des Bremer Tierschutzvereins haben Müll gesammelt. Zwölf volle Säcke zählten die Jugendtierschützer in Bremen, und das allein in einem Umkreis von 20 Metern rund um das Tierheim. Die Bremer Gruppe nahm auch an den „Fridays

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for Future“-Demonstrationen teil, ebenso wie Vivian Okonkwo. Die 14-jährige Schülerin nutzte ihr Praktikum im Hauptstadtbüro des Deutschen Tierschutzbundes, „um bei den Protesten darauf aufmerksam zu machen, dass unter den Folgen der Erderwärmung auch die Tiere leiden“. Wir sind begeistert von so viel Engagement! Macht auch Ihr mit bei der #TrashtagChallenge! Ihr kennt bestimmt einen Ort in Eurer Stadt, der vermüllt ist. Verabredet Euch mit Euren Freunden, sagt dem Müll den Kampf an und macht ein Vorher-Nachher-Bild davon. Gemeinsam können wir viel erreichen – für die Tiere und die Umwelt.

© Fotos: Deutscher Tierschutzbund e.V.; Kölner Tierschutzverein von 1868; Bremer Tierschutzverein e.V.; Tierschutzverein Dingolfing-Landau e.V. Illustrationen: Dworak und Kornmesser; freepik (S.41)

Viele Jugendgruppen der Mitgliedsvereine des Deutschen Tierschutzbundes sammeln Müll vor der Haustür ein oder demonstrieren freitags für mehr Klimaschutz.


DO IT ! F L E S R U YO

WACHSTÜCHER – DIE ALTERNATIVE ZUR FRISCHHALTEFOLIE Plastikmüll belastet unsere Umwelt und die Tiere. Mit unseren selbst gemachten Wachstüchern kannst Du Deinen Plastikverbrauch im Handumdrehen reduzieren und Dein Pausenbrot umweltfreundlich transportieren und frischhalten.

So geht‘s chst Du u a r b s a D ücher: t s h c a W für die chs in -Bienenwa io B l e ff lö s 5 Es rm oder wachs Pastillenfo rnauba a C s e ve g a n Rapsöl ko s - o d e r o K l e ff lö s 2 Es aus olle nen Stoff gewascheert Prozent Baumw d n u h ein r Backpapie Schere Backblech

TIPP Du hast keinen Ofen? Dann schmelze das Wachs mit einem Bügeleisen, aber nur mit Backpapier über und unter dem Stoff und bei niedriger Temperatur.

1. Schneide den Stoff in die gewünschten Größen und Formen. Kleinere Stücke eignen sich gut für Brote oder Gläser, große Stücke zum Beispiel für eine Salatschüssel. 2. Lege das Backpapier auf ein Backblech und verteile die Stoffstücke darauf, ohne dass der Stoff über das Backpapier und Blech hinausragt. Verteile das Wachs sparsam auf den Baumwolltüchern und achte darauf, dass es auch in die Ecken der Tücher kommt. 3. Schmelze etwas Kokos- oder Rapsöl und träufle es auf die Tücher. Dadurch werden sie weicher. 4. Schalte den Ofen auf 90 Grad ein und lasse die Tücher im Ofen, bis das Wachs geschmolzen ist. 5. Nimm die Wachstücher aus dem Ofen und nutze ein noch ungewachstes Tuch, das Du auch einwachsen möchtest, um das Wachs auf den Tüchern zu verteilen. 6. Zum Auskühlen kannst Du die Tücher mit einer Wäscheklammer aufhängen oder sie einfach an einer Ecke fassen und auswedeln. Wenn Du noch etwas mehr Wachs auf einem der Tücher benötigst, kannst Du erneut etwas darauf verteilen und es im Ofen schmelzen. Die Tücher lassen sich ganz einfach mit etwas kaltem Wasser und Reinigungsmittel abwaschen und immer wieder verwenden.

JUGEND


EINE ZWEITE CHANCE FÜR EXOTEN

Seit seiner Beschlagnahmung lebt Netzpython „Norman“ in der Reptilienstation in Weidefeld.

Vor drei Jahren wurde die Reptilienstation im Tierschutzzentrum Weidefeld eröffnet. In Not geratene Bartagamen, Schlangen, Geckos und Co. genießen hier Schutz, Freiraum und artgerechte Pflege.

Dieser Fall ist nur einer von vielen. Denn die meisten der insgesamt mehr als 130 Exoten, die derzeit in der Reptilienstation leben, stammen aus schlechter Haltung, wurden beschlagnahmt oder in Tierheimen abgegeben. Für die meisten Tierschutzvereine sind solche Fälle eine enorme Belastung, denn nur die we-

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nigsten können diese anspruchsvollen Tiere artgerecht unterbringen und versorgen. Um sie zu entlasten, hat der Deutsche Tierschutzbund 2016 die Reptilienstation in Weidefeld eröffnet. Auf einer Fläche von mehr als 400 Quadratmetern sind hier in Not geratene Bartagamen, Schildkröten, Kornnattern und andere Exoten in großzügigen Volieren, Terrarien und überdachten Außenanlagen untergebracht, bis sie langfristig an sachkundige neue Besitzer vermittelt werden. Reptilien, die nur schwer oder gar nicht mehr vermittelt werden können, bleiben dauerhaft hier.

Fachwissen teilen „Mit unserer Einrichtung wollen wir auch auf die Herausforderungen bei der Haltung von Reptilien aufmerksam machen“, schildert Boncourt. „Zugleich zeigen wir, wie eine artgerechte Unterbringung möglich ist. Im Sommer bieten wir auch erstmals ein Seminar für Tierheimmitarbeiter an.“ Speziell die Tierheime aus dem Umkreis kommen schon gerne auf die Expertise zurück. „Wir hoffen, dass unser Angebot bald auch bundesweit mehr genutzt wird“, so Boncourt. Im vergangenen Jahr hat das Tierschutzzentrum besonders viele Land-, Schmuck- und Höckerschildkröten aufgenommen. In der Anfang 2018 in Betrieb genommenen neuen Freianlage haben sie nun genügend Platz und können nach Herzenslust in der Sonne baden. Nadine Carstens

© Foto: Deutscher Tierschutzbund e.V.

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eichlich Platz, hohe Luftfeuchtigkeit, abwechslungsreiches Futter – all das war dem Netzpython „Norman“, der seit Kurzem in der Reptilienstation im Tier-, Natur- und Jugendzentrum Weidefeld des Deutschen Tierschutzbundes lebt, bislang fremd. Vor ein paar Monaten hat das Veterinäramt die Schlange, die eine stattliche Länge von 3,40 Metern misst, in einem Privathaushalt in Schleswig-Holstein beschlagnahmt. Die Halterin hielt den Python in einem völlig ungeeigneten Terrarium und mästete ihn regelrecht mit viel zu viel Hühnerfleisch. Hinzu kam, dass in dem Bundesland Netzpythons laut Gefahrtierverordnung als gefährlich eingestuft werden und ihre Haltung ohnehin verboten ist. „Während der Beschlagnahme versuchte die Halterin sogar, das Tier in einem Koffer unter ihrem Bett vor uns zu verstecken“, berichtet Patrick Boncourt, Fachreferent im Tierschutzzentrum Weidefeld. Mit weiteren Tierpflegern der Einrichtung hat er die Rettungsaktion begleitet. „Bei uns geht es dem Python inzwischen deutlich besser.“


PROJEKTE

GELEBTE SOLIDARITÄT

© Fotos: Bremer Tierschutzverein e.V.; Tierschutzverein für Berlin und Umgebung – Julia Sassenberg; Förderverein Tierhilfe Hoffnung – Hilfe für Tiere in Not e.V.

Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes (o. l.), gratulierte dem Bremer Tierschutzverein um Brigitte Wohner-Mäurer (2. v. r.).

Bremen – Wenn Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, zum Bremer Tierschutzverein reist, ist ihm dies immer ein besonderes Anliegen. Denn die Tierschützer in der Hansestadt betreiben mit dem „Dorf der Tiere“ nicht nur eine vorbildliche Tierschutzeinrichtung, sondern „sie stehen uns als Dachverband und unseren Mitgliedsvereinen auch immer mit Rat und Tat zur Seite“. Umso größer war Schröders Freude, als er anlässlich des 125-jährigen Bestehens des Vereins im Bremer Rathaus zu den Gratulanten zählte. Mit zahlreichen Veranstaltungen – unter anderem einem Charity-Fußballturnier, bei dem auch der Deutsche Meister und Torschützenkönig von 2004 Ailton auf Torejagd ging – feierten die Bremer ihr Jubiläum. Beim Festakt hob Schröder hervor, dass von Bremen aus „starke Signale im Kampf gegen Tierversuche oder auch gegen tierquälerische Haltungsbedingungen in der Landwirtschaft gesendet werden“. Zu den prägenden Köpfen in der langen Geschichte des Vereins gehört Wolfgang Apel. Der 2016 verstorbene langjährige Vorsitzende des Vereins und Präsident des Deutschen Tierschutzbundes hat „mit seinem großartigen Engagement dafür gesorgt, dass die Tiere in Bremen – aber auch weit darüber hinaus – einen starken Partner an ihrer Seite haben“, so Schröder. Das heutige Vorstandsteam um Brigitte Wohner-Mäurer setze diese Tradition mit ihrer Arbeit erfolgreich fort. „Das ist gelebte, vorbildliche Solidarität, die uns alle stärkt.“ Anlässlich des Jubiläums überreichte Schröder im Namen des Verbandes 2.500 Euro.

DAS POTENZIAL IST DA Berlin – Anlässlich des Internationalen Tages des Versuchstiers haben der Tierschutzverein für Berlin und Umgebung und der Deutsche Tierschutzbund zum achten Mal einen Diskussionsabend veranstaltet. In der Urania stellte unter anderem Kristina Wagner, Leiterin der Abteilung Alternativmethoden zu Tierversuchen beim Deutschen Tierschutzbund, den mehr als 100 interessierten Zuhörern neue und vielversprechende Lehransätze für die wissenschaftliche Ausbildung vor, die das Potenzial haben, künftig Tierversuche zu ersetzen.

Das Team freut sich über zwei neue Kastrationsmobile, mit denen die engagierten Tierschützer in Rumänien gegen das Leid der Straßentiere ankämpfen.

Kristina Wagner, Leiterin der Abteilung Alternativmethoden zu Tierversuchen beim Deutschen Tierschutzbund (2. v. l.), war in Berlin gefragte Gesprächspartnerin.

KASTRATION AUF VIER RÄDERN Pitești – Der Förderverein Tierhilfe Hoffnung – Hilfe für Tiere in Not, der in Rumänien das größte Tierheim der Welt, die Smeura, betreibt, ist neuerdings mit einem zweiten und dritten Kastrationsmobil in den umliegenden Dörfern und der ländlicheren Gegend unterwegs. Der Deutsche Tierschutzbund hat beide Fahrzeuge mitfinanziert. Pro Tag können die Tierschützer in jedem der Kastrationsmobile bis zu 25 Hunde und Katzen kastrieren und so weiteres Leid verhindern, das durch die unkontrollierte Vermehrung der Straßen- und Besitzertiere in der Region entsteht. DU UND DAS TIER 2/2019

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EINLADUNG ZUR MITGLIEDERVERSAMMLUNG Bonn – Die satzungsgemäße Mitgliederversammlung des Deutschen Tierschutzbundes e.V. mit Wahl des Präsidiums findet am Samstag, den 14. September 2019, um 9.30 Uhr in Bonn statt. Einlass ist um 8 Uhr im Gustav-Stresemann-Institut Bonn (GSI), Langer Grabenweg 68, 53175 Bonn geplant. Weitere Infos zum GSI: www.gsi-bonn.de. Hunde sind bei frühzeitiger Anmeldung grundsätzlich erlaubt. Im Rahmen der Mitgliederversammlung wird der mit 2.500 Euro dotierte Adolf-Hempel-Jugendtierschutzpreis der Akademie für Tierschutz des Deutschen Tierschutzbundes verliehen. Um Zutritt zu der nicht öffentlichen Veranstaltung zu erhalten, bitten wir die fördernden Mitglieder des Deutschen Tierschutzbundes darum, den gültigen Mitglieds- und Personalausweis mitzubringen. Wir freuen uns auf viele interessante Begegnungen und Gespräche. Für Zimmerreservierungen wenden Sie sich bitte an: Bonn-Information, Telefon: 0228/775000, Fax: 0228/775077, E-Mail: bonninformation@bonn.de

TAGESORDNUNG: • Berichte des Präsidi ums • Bericht der Kassenprü fer (besonderes Aufsich tsorgan) • Beschluss über die Entlastung des Präsidi ums • Wahl des Präsidium s gemäß §§ 8 Ziffer 1, 10 Ziffer 1 der Satzun g • Wahlen der Mitglieder -, Beschwerde- und Sch lichtungsausschüsse und des Ombudsmanne s und deren Stellvertre ter gemäß §§ 8 Ziffer 8, 14, und §§ 8 Ziffer 9 der Satzung • Wahl der Mitglieder des besonderen Aufsich tsorgans und deren Stellvertreter gemäß §§ 8 Ziffer 6, 15 • Aktualisierung der Gru ndsatzbeschlüsse der Mitg liederversammlungen • Diskussion, Resolut ion, Verschiedenes

LEBENDTIERTRANSPORTE STOPPEN!

Mit starker Stimme und unübersehbar demonstrierte die Delegation in Landau.

Landau – Vor den Toren der Agrarministerkonferenz hat eine Delegation des Deutschen Tierschutzbundes gemeinsam mit Vertretern aus den Landestierschutzverbänden Rheinland-Pfalz, Saarland und Baden-Württemberg demonstriert. Auch im Namen der anderen Landesverbände forderten sie die Agrarminister des Bundes und der Länder auf, Lebendtiertransporte in Drittstaaten der EU zu stoppen. Ihre Forderungen übergaben die Tierschützer in Landau in Form einer Resolution an Dr. Hermann Onko Aeikens, Staatssekretär im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, und an die Agrarminister der Bundesländer.

SEMINAR MIT TRADITION Neubiberg – Das Sachkundeseminar des Deutschen Tierschutzbundes feiert 30-jähriges Jubiläum. 1989 kamen zum ersten Mal 50 Tierheimmitarbeiter in der Akademie für Tierschutz zu einem mehrtägigen Lehrgang zusammen, um sich auf den sogenannten Sachkundenachweis vorzubereiten. Auch heute noch bietet der Verband dreimal im Jahr diesen Kurs für Tierheimmitarbeiter an, der mit einer schriftlichen sowie einer mündlichen Prüfung durch einen Amtstierarzt abgeschlossen werden kann. Er vermittelt unter anderem rechtliche Grundlagen zum Tier-, Natur- und Artenschutz und Grundkenntnisse zum Tierkörper sowie zur Haltung, Fütterung, Verhalten und Erkrankung von Heimtieren. Rund 2.500 Teilnehmer haben diesen Kurs im Laufe der Jahrzehnte absolviert.

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Seit drei Jahrzehnten sind die Sachkundeseminare des Deutschen Tierschutzbundes stark nachgefragt.


PROJEKTE

IM DIALOG Berlin – Für einen intensiven Austausch trafen sich Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, und Dr. Robert Habeck, Bundesvorsitzender der Partei Bündnis 90/Die Grünen. Unter anderem diskutierten sie über aktuelle tierschutzpolitische Themen, etwa die staatliche Nutztierstrategie und das staatliche Tierwohlkennzeichen, die Sauenhaltung und Tiertransporte.

BEENDET DIE KÄFIGHALTUNG Bonn – Jährlich verbringen rund 300 Millionen Legehennen, Kaninchen, Schweine, Wachteln, Enten und Gänse in der EU ihr Leben entweder teilweise oder ganz in Käfigen. Die Initiative „End the Cage Age“, hinter der mehr als 150 Organisationen aus ganz Europa, darunter auch der Deutsche Tierschutzbund, stehen, sammelt Unterschriften gegen die Käfighaltung. Geben Sie den Tieren Ihre Stimme unter: tsb-de.endthecageage.eu

duunddastier.de/ projekte Lesen Sie auf unserer Website weitere Meldungen von uns und unseren Mitgliedsvereinen.

© Fotos: Deutscher Tierschutzbund e.V.; Compassion in World Farming; Pixabay

NUTZTIERSTRATEGIE: ABSAGE AN NETZWERK

Das Ministerium schiebt den Tierschutz auf die lange Bank.

Berlin – Der Deutsche Tierschutzbund hat die dauerhafte Beteiligung am Kompetenznetzwerk Nutztierstrategie des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft abgelehnt. Das Gremium soll der Behörde beratend zuarbeiten und dazu beitragen, mehr Tierwohl und gesellschaftliche Akzeptanz der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung zu erreichen. Für Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, ist das Netzwerk aus Vertretern aus Politik, Wissenschaft, Praxis, Wirtschaft und Verbänden jedoch eher eine politisch gewollte Zeitverschleppung. „Es liegt alles auf dem Tisch, jetzt braucht es politischen Willen und Tatendrang, etwas voranzubringen, aber keine neuen, grundsätzlichen Diskussionsrunden. Die würden alles nochmals wiederholen, was bereits mit relevanten Stakeholdern und durch wissenschaftliche Ausarbeitungen ausführlich diskutiert wurde“, so die Einschätzung Schröders. Es brauche zeitnah eine nationale Nutztierstrategie, „in der die Belange des Tierschutzes, des Umwelt- und Verbraucherschutzes einfließen, ebenso wie die Belange einer Planungssicherheit für Landwirte – besonders für die, die umstellungsbereit sind und in die Zukunft investieren wollen“. Den beratenden zeitverschleppenden Diskussionsprozess hält der Verband dazu jedoch nicht für förderlich. Was fehlt, so Schröder, ist das ausdrückliche Bekenntnis der Bundesregierung und im Besonderen der Bundesministerin, etwas ändern zu wollen. Solange das nicht erkennbar ist, stellen wir uns nicht als Alibibeteiligung zur Verfügung. Es gebe bereits vielfältige Grundlagen, die in den letzten Jahren erarbeitet worden seien und die als „Blaupause“ für konkrete Zielkorridore taugen, auf die eine Strategie und die begleitenden Maßnahmen ausgerichtet werden können. DU UND DAS TIER 2/2019

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Die Vorbereitungen sind in vollem Gange: Während die Bauarbeiten im Tierschutzzentrum Weidefeld zügig voranschreiten, bereiten die Tierpfleger die fünf Kragen- und Braunbären aus dem Anholter Bärenwald auf ihren Umzug vor.

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© Fotos: Deutscher Tierschutzbund e.V.

EIN ZUHAUSE ZUM WOHLFÜHLEN


PROJEKTE

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in paar Karotten reichen nicht aus, um die fünf Bären Ronja, Mascha, Maya, Balou und Serenus aus der Reserve zu locken. Wer sie aus ihrer Komfortzone holen will, muss schon einen ganz besonderen Leckerbissen bieten. Frische Hühnerhälse zum Beispiel oder süße Weintrauben. „Dafür machen die Bären wirklich alles“, sagt Patrick Boncourt, Fachreferent im Tierschutzzentrum Weidefeld, lachend. Mit diesen Köstlichkeiten belohnen die Tierpfleger die Braun- und Kragenbären zurzeit im Klickertraining. Denn genau wie bei Hunden oder Pferden können auch Bären mit dieser Trainingsmethode konditioniert werden, um gewünschte Verhaltensweisen zu stärken. Ziel dieses Klickertrainings ist es, die Bären an ihre Transportboxen zu gewöhnen. Darin werden sie nämlich im September von ihrem bisherigen Zuhause, dem Anholter Bärenwald im nordrhein-westfälischen Isselburg, bis nach Kappeln an der Ostsee zum Tier-, Natur- und Jugendzentrum Weidefeld transportiert. Antreten werden sie diese Reise, weil der Pachtvertrag des derzeitigen Geländes Ende dieses Jahres auslaufen wird. Beim Patentreffen im Mai nutzten daher noch einmal viele Paten und Förderer die Gelegenheit, das beliebte Quintett im Anholter Bärenwald zu besuchen und es aus nächster Nähe zu sehen.

Aufwendige Vorbereitungen „Wir wollen den Umzug so stressfrei wie möglich gestalten und die Bären nur dann betäuben, wenn es nicht anders geht“, schildert James Brückner, Leiter der Abteilung Artenschutz beim Deutschen Tierschutzbund. „Die Bären sind wahnsinnig intelligent und verstehen das Grundprinzip, das hinter dem Klickertraining steht, sehr schnell.“ Trotzdem rechnet er damit, dass der Umzug kein leichtes Unterfangen wird. „Maya, Ronja, Serenus, Balou und Mascha haben alle eine ganz individuelle Vorgeschichte, daher kann es sein, dass sie freiwillig keinen engen Raum betreten.“ Auch wenn die Bären in der Kiste einen fremden Geruch wahrnehmen oder es im Hintergrund zu Ablenkungen kommt, könne das den Umzug erschweren, so Brückner. Trotzdem sind er und die anderen Beteiligten zuversichtlich, dass die Bären den Transport gut überstehen und sich schnell an ihr neues Zuhause gewöhnen werden. Das wird zurzeit noch aufwendig neu gestaltet – schließlich sollen sich auch die neuen Bewohner im Tierschutzzentrum Weidefeld so wohlfühlen, dass sie nach Lust und Laune herumtollen, in Ruhe dösen und in Teichen baden können. Um das Gelände speziell an die Bären und ihre Bedürfnisse anzupassen, werden insgesamt fünf Gehegeabschnitte geschaffen – drei größere mit einer Fläche von jeweils etwa 5.000 bis 6.000 Quadratmetern sowie zwei kleinere Separationsgehege, die über jeweils rund

Mit dem Klickertraining werden die Bären zum Beispiel auch auf zahnmedizinische Untersuchungen vorbereitet. Durch das Klickgeräusch und eine Belohnung werden sie positiv konditioniert und öffnen wie hier freiwillig die Schnauze.

1.000 Quadratmeter verfügen. Zusätzlich werden derzeit zwei Bunkeranlagen auf dem ehemaligen Bundeswehrgelände in Bärenstallungen umgebaut. Darin werden die Bären zum Beispiel untergebracht, wenn die Tierpfleger die Gehege betreten oder eines der Tiere krank oder verletzt ist und isoliert werden muss. „Auf diesen beiden Bunkern werden auch begehbare Dachterrassen gebaut – nicht nur unsere Tierpfleger können von dort aus prüfen, ob es den Bären gut geht und alles in Ordnung ist, auch Besuchergruppen bekommen so die Möglichkeit, das Gelände aus der Vogelperspektive zu erblicken“, erläutert Boncourt. „Insgesamt wird die Gehegeanlage etwa zwei Hektar in Anspruch nehmen – genug Platz für fünf Großbären.“

Für Sicherheit ist gesorgt Für die Sicherheit ist auch gesorgt. So wird unter anderem eine Zaunanlage mit drei voneinander unabhängigen Stromkreisläufen installiert, die zusätzlich an ein Alarmsystem gekoppelt sind. Sollte es einen Stromausfall geben, kommt ein Notstromaggregat zum Einsatz. Ein Grabeschutz und ein Steckkarten-System gewährleisten ebenfalls Sicherheit – Letzteres lässt die Türen für das Personal erst dann öffnen, wenn die Schieber zwischen den einzelnen Gehegeabschnitten geschlossen sind und Mensch und Bär sich nicht in die Quere kommen können. Dem Umzug steht also hoffentlich nichts mehr im Wege. Und wenn die Bären in ihrem neuen Zuhause angekommen sind, haben sie sich einen besonderen Leckerbissen mehr als verdient. Nadine Carstens

tierschutzbund.de/baeren-umzug Sie möchten mehr erfahren und die Bären mit einer Spende unterstützen? Dann besuchen Sie unsere Website.

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GUT BERATEN Die Berater des Tierschutzlabels „Für Mehr Tierschutz“ des Deutschen Tierschutzbundes unterstützen landwirtschaftliche Betriebe dabei, Tierschutzstandards weit über den gesetzlichen Anforderungen zu erfüllen und sie zu jedem Zeitpunkt einzuhalten. Millionen Tiere haben davon bereits profitiert.

Tierschützer, die zwischen Mastschweinen und Legehennen oder gar auf Schlachthöfen arbeiten, sind kein Widerspruch. „In den Betrieben verbessern wir das Leben der Tiere konkret und unmittelbar“, sagt Dr. Elke Deininger, Stabstellenleiterin Tierschutzlabel beim Deutschen Tierschutzbund. Der Verband steht dafür,

Partner für Tier und Landwirt „Verständnis ist das A und O in meinem Job. Als Berater für schweinehaltende Betriebe muss ich in erster Linie die Tiere verstehen, aber auch die Landwirte. Diese berate ich unter anderem, wenn sie ihre Ställe nach unseren tiergerechteren Richtlinien umgestalten. Dabei vermittle ich unser Wissen und klare Vorgaben: Wie groß Ausläufe mindestens sein müssen oder wie sie Tiere mit nicht kupierten Schwänzen halten können. Ich bewerte auch Bauplanungen im Sinne artgerechter Haltung. Jeder Gesprächspartner benötigt eine andere Beratung. Eines versuche ich immer zu vermitteln: wie Schweinehalter lernen, die Tiere zu lesen, und so selbst erkennen, wenn sie etwas im Sinne des Tierschutzes verändern müssen.“ Bernd Kuhn, Berater Tierhaltung Schweine

Unabhängig, einheitlich und risikoorientiert „Unser Tierschutzlabel lebt von der Glaubwürdigkeit. Wesentlich dafür ist, dass unsere strengen Vorgaben in allen Bereichen stets eingehalten werden. Wir müssen Missstände schnell und objektiv erfassen können. Dazu setzen wir neben eigenen Kontrollen auf unabhängige Zertifizierungsstellen mit geschulten Auditoren, die Unternehmen kontrollieren. Ich bin verantwortlich für die Kommunikation mit den Zertifizierungsstellen und formuliere Vorgaben für eine objektive Durchführung der Kontrollen. Durch unser Tierschutzlabel-System verbessern wir die Bedingungen für die Tiere nachhaltig. Denn die Nachfrage durch Verbraucher, die tierschutzgerechter produzierte Lebensmittel möchten, ist hoch.“ Marina Bauer, Zertifizierung und Schulung

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jedes Tier um seiner selbst willen zu schützen. Doch solange Zucht, Haltung und Tod von Tieren zur Lebensmittelproduktion gesellschaftlich akzeptiert sind, nutzt er die Möglichkeit, Verbesserungen für die betroffenen Tiere voranzutreiben. Dafür sind die Berater des Tierschutzlabels „Für Mehr Tierschutz“ unterwegs.

TRANSPORT SCHLACHTUNG

HALTUNG

MASTHÜHNER & LEGEHENNEN

MILCHKÜHE

MASTSCHWEINE

KONTROLLE UND ZERTIFIZIERUNG


PROJEKTE

Letzter Gang ohne Stress und Angst „Der Transport und die Schlachtung sind für den Tierschutz besonders zwiespältige Stationen in der Produktionskette. Mein Ziel ist es, dafür zu sorgen, dass die Tiere dabei möglichst wenig unter Stress und Schmerzen leiden. Darum beraten, schulen und überwachen wir die teilnehmenden Betriebe regelmäßig vor Ort. Die Schlachter, die alle über einen Sachkundenachweis verfügen müssen, müssen durchgehend kontrollieren, dass die Betäubung bei jedem einzelnen Tier sicher ist und es keine Schmerzen während der Entblutung, dem eigentlichen Tötungsprozess, empfindet. Wir begrenzen Tiertransporte auf maximal vier Stunden und zeigen den Betrieben auch auf, wie sie die Tiere schonend abladen. Damit diese sensiblen Bereiche transparenter werden, bauen wir gemeinsam mit den zertifizierten Schlachtbetrieben die Videoüberwachung aus.“ Ludger Thölking, Berater Transport und Schlachtung

© Fotos: Deutscher Tierschutzbund e.V.; Privat

VERARBEITUNG

Sicherheit für Verbraucher „Damit Landwirte den Tierschutz in den Ställen langfristig realisieren können, müssen die Verbraucher bereit sein, einen angemessenen Preis zu bezahlen. Das sind sie nur dann, wenn sie darauf vertrauen können, dass das zertifizierte Produkt wirklich unter besseren Bedingungen in der Tierhaltung hergestellt wurde. Mit meiner Arbeit trage ich genau dazu bei. Denn ich stelle sicher, dass die Warenströme getrennt bleiben und die Herkunft jedes Produktes nachvollziehbar ist. So verhindern wir, dass Betriebe Fleisch, Milch und Eier, die nach Label-Richtlinien produziert wurden, mit konventioneller Ware oder Produkten anderer Standards verwechseln oder vermischen. Das gibt Verbrauchern Sicherheit. Hierzu erstelle ich die Richtlinien, schule die unabhängigen Auditoren und berate die Produzenten.“ Sarah Gnirß, Beraterin Verarbeitung

VERMARKTUNG

tierschutzlabel.info Erfahren Sie mehr über das Tierschutzlabel „Für Mehr Tierschutz“ des Deutschen Tierschutzbundes.

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KOMMENTAR

GUTE BESSERUNG, FRAU KLÖCKNER!

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HOTLINES Service-Hotline Bundesgeschäftsstelle

IMPRESSUM 0228/604960

FINDEFIX – Das Haustierregister des Deutschen Tierschutzbundes Spenden-Hotline

Millionen von ihnen weiter leiden lässt, freut die Agrarlobby. Denn diese und der Handel können so ganz einfach selbst entscheiden, wie viel Tierschutz ihnen in den Kram passt. Das ist schon perfide genug. Am Ende soll dann der Verbraucher schuld sein, wenn es mit dem Tierschutz nicht vorangeht. Denn dieser trifft schließlich die Wahl an der Supermarkttheke. Frau Klöckner missbraucht ihn, damit er an der Ladenkasse das Versagen der Politik korrigiert. Das sind die eklatanten Nebenwirkungen der Freiwilligeritis. So einfach darf sich kein Politiker aus der Verantwortung stehlen. Wer sich nicht traut, die ihm von den Wählern demokratisch verliehene Macht zu nutzen, um die Tierqual in der Landwirtschaft mit Geboten und Verboten zu verhindern, hat sein Amt nicht verstanden und die Macht nicht verdient. Wer das Leid der Tiere nicht verbietet, legitimiert ihren Schmerz. Dabei gibt es gegen die Freiwilligeritis ein ganz einfaches Medikament: verantwortungsvolles Handeln als Gesetzgeber im Sinne der Tiere. Auf dass Sie bald genesen, Frau Klöckner. Thomas Schröder, Präsident

0228/6049635

09001/226688 (nur aus dem deutschen Festnetz), Sie spenden 5 Euro.

INTERNET www.tierschutzbund.de www.duunddastier.de www.tierschutzlabel.info www.jugendtierschutz.de www.tierschutzbund.de/spendenportal www.weiljedemahlzeitzählt.de www.mein-haustier-app.de

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Herausgeber und Redaktion: Deutscher Tierschutzbund e.V., In der Raste 10, 53129 Bonn, Tel.: 0228/604960, Fax: 0228/6049640 Kontakt: www.tierschutzbund.de/kontakt, redaktion@tierschutzbund.de Internet: www.tierschutzbund.de Verantwortlich im Sinne des Presserechtes: Thomas Schröder Chefredaktion: Verena Jungbluth Redaktion: Nadine Carstens, Joscha Duhme Mitarbeiter dieser Ausgabe: Marina Bauer, Patrick Boncourt, James Brückner, Dr. Elke Deininger, Inke Drossé, Sarah Gnirß, Christina Höbel, Stina Kaiser, Verena Klebolte, Bernd Kuhn, Marcel Meurer, Denise Ritter, Dr. Brigitte Rusche, Dr. Egbert Scheunemann, Thomas Schröder, Dr. Anna Szczepanek, Ludger Thölking, Dr. Katrin Umlauf, Nadine Waltschyk, Frigga Wirths Agentur: SZ Scala GmbH, Hultschiner Str. 8, 81677 München Objektleitung: Elisa Holz, Anzeigen: Daniela Schräder Herstellung: Hermann Weixler, Grafik und Litho im Auftrag des Verlages: Dworak und Kornmesser, Bildredaktion: Deutscher Tierschutzbund e.V. und Dworak und Kornmesser Abo-Service: Tel.: 089/21837038, Fax: 089/2183967266 Bezugsbedingungen: DU UND DAS TIER erscheint viermal im Jahr. Bezugspreise: www.duunddastier.de/abo Druck: Vogel Druck und Medienservice Gmbh, 97204 Höchberg ISSN 0341-5759 Das Magazin ist gedruckt auf 100 % Recyclingpapier. Für unverlangt eingereichte Manuskripte, Fotos und sonstige Druckunterlagen wird keine Haftung übernommen. Eine Rücksendung solcher Unterlagen ist nur gegen ausreichendes Rückporto möglich. Namentlich gezeichnete Beiträge stellen die Meinung des Verfassers, nicht unbedingt auch die der Redaktion dar. Nachdruck, Übersetzungen und Vervielfältigungen, auch auszugsweise, sind nur mit Zustimmung der Redaktion gestattet. Veröffentlichte Briefe sind keine Meinungsäußerungen der Redaktion.

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ährend die Bevölkerung in Deutschland unter Volkskrankheiten wie Bluthochdruck oder Rückenschmerzen leidet, scheint die Bundesregierung, allen voran Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner, von einer anderen gemeinen Krankheit befallen zu sein: der Freiwilligeritis. Eigentlich ist es die Aufgabe eines jeden Gesetzgebers, gesellschaftlich gewünschte Entwicklungen durch Gesetze und Verordnungen zu gestalten. Das Staatsziel Tierschutz gibt dabei vor, stets den Schutz der Tiere im Blick zu behalten und ihn auf allen Ebenen tatkräftig voranzutreiben – und ihn nicht auch noch zu verschlechtern. Doch die Große Koalition aus CDU, CSU und SPD verweigert sich dieser Aufgabe bisher offenbar. Wie schon ihr Vorgänger Christian Schmidt verzichtet auch Julia Klöckner auf den Gestaltungsspielraum, mit Ordnungsrecht und klaren Zielsetzungen wirklich etwas zu verändern. Lieber setzt sie auf Freiwilligkeit statt eigenes Handeln. Was zulasten der Tiere geht und


MEDIENWELTEN

DIE KUH – EINE HOMMAGE Werner Lampert – Bildbände, die mit faszinierenden Fotos an entlegene und malerische Orte entführen, gibt es wie Sand am Meer. Auch Werner Lampert nimmt die Betrachter seiner Fotos mit nach Indien, Uganda oder Sibirien. Sein Buch unterscheidet sich aber von den paradiesischen Fotobüchern. Denn bei seinen Reisen um den Globus legte er sein Augenmerk auf besonders seltene, schöne oder ursprüngliche Kühe. Er und sein Fotografenteam halten deren besondere Bedeutung für die Menschen fest, die durch die Massentierhaltung gefährdet ist. Dabei gelingen ihnen außergewöhnliche Fotos.

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MEDIEN WELTEN

WIR RETTEN DIE BIENEN, IGEL UND KÄFER! Susanne Pypke – Die Autorin nimmt die jugendlichen – und natürlich auch die erwachsenen – Leser mit in die direkte Nachbarschaft. Denn dort finden sie mithilfe dieses lehrreichen Ratgebers und kreativen Bastelbuches jede Menge tierischer Nachbarn, die es in gestutzten Hecken und akkurat gemähten Gärten schwer haben. Die Basteltipps für Bienenhotels, Fledermauskästen oder Vogelbäder schaffen Abhilfe. Die vielen Ideen zum Nähen, Bauen, Dekorieren oder Falten verhindern Langeweile in den Sommerferien und helfen den Tieren.

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, ich möchte einen persönlichen Anlass nutzen, um Tieren in Not zu helfen! Meine Spendenaktion hat folgendes Stichwort: So einfach sammeln Sie Ihre Festtagsspende. Sie können zwischen zwei Möglichkeiten wählen:

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„Mein 50. Geburtstag war eine gelungene Spenden-statt-Geschenke-Aktion!“ Schon seit vielen Jahren unterstützt Marion Klein mit ihren Spenden die Arbeit des Deutschen Tierschutzbundes. Dabei schlägt ihr Herz vor allem für unser Tierschutzzentrum Weidefeld. Sogar ihr 50. Geburtstag stand ganz im Zeichen der Tierliebe. Anstelle von Geschenken wünschte sich die Jubilarin von ihren Partygästen Spenden. Der Spendenzweck war schnell gefunden. „Weil ich beruflich aus dem Lüftungs- und Klimatechnikbereich komme, entschied ich mich dafür, um Geld für die Lüftungsanlage der neuen PapageienQuarantänestation in Weidefeld zu bitten“, erklärt Marion Klein.

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Mit viel Herzblut und Kreativität bastelte sie sogar eine Spendenbox in Form eines überdimensional großen Papageis. Die Gäste waren begeistert und fütterten den Pappmaschee-Vogel fleißig mit Spenden. Stolze 710 Euro konnte Marion Klein an den Deutschen Tierschutzbund überweisen. „Meine Gäste fanden die Idee toll – auch weil sie das Gefühl hatten, etwas Gutes mit ihrer Spende bewirkt zu haben“, so das positive Resümee unserer sympathischen Förderin. Tun Sie es ihr doch gleich und nutzen Sie Ihr nächstes Fest für ein konkretes Projekt!

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