{' '} {' '}
Limited time offer
SAVE % on your upgrade.

Page 1

DU UND DAS TIER Ausgabe 04/2015 45. Jahrgang ISSN 0341-5759

MAGAZIN FÜR ALLE FREUNDE DES TIERSCHUTZES

TIERHEIME IN NOT Der Kampf um die Existenz geht weiter

PELZ TÖTET Marderhund und Nerz im Visier der Mode

KATZEN Was der Freilauf der Katze bringt TIERSCHUTZPREIS Diese Tierschützer setzen sich ein

www.tierschutzbund.de


Starke Partner f端r sanfte Pfoten.

Seit mehr als 25 Jahren unterst端tzen Pedigree速 und Whiskas速 den Deutschen Tierschutzbund und Tierheime in ganz Deutschland. Weil wir Tiere lieben.

Partner des Deutschen Tierschutzbundes

www.pedigree.de

www.whiskas.de www.tierschutzbund.de


EDITORIAL

WERTEWANDEL

Thomas Schröder, Präsident

Liebe Tierfreundinnen und Tierfreunde,

© Foto: Deutscher Tierschutzbund e.V., Titelfoto: Otwarte Klatki

das Jahr 2015 neigt sich nun langsam dem Ende zu, der Jahreswechsel steht kurz bevor. Da sollte natürlich Zeit sein, um Luft zu holen und Kraft zu sammeln. Die Tierschutzvereine haben meistens nicht das Glück, denn gerade an Feiertagen wie Weihnachten oder Silvester gibt es viele tierische Notfälle, um die sich die Mitarbeiter kümmern müssen. Neben den Tagesbelastungen bleiben die grundsätzlichen Sorgen: Eine wirkliche Unterstützung vonseiten der Kommunen ist leider immer noch nicht an der Tagesordnung. Und das, obwohl die Kosten für die Betreuung und die medizinische Versorgung der Tiere nicht weniger werden. So mancher uns angeschlossene Tierschutzverein kämpft um seine Existenz. In dem Artikel „Tierheime in Not“ zeigen wir, was die Tierschutzvereine besonders belastet. Für die Vereine wäre es das schönste Weihnachtsgeschenk, wenn sie mit Sach- und Geldspenden unterstützt würden. Sie können sich sicher sein, dass diese Hilfe direkt bei den Tieren ankommt. Auch 2016 steht der Wertewandel im Mittelpunkt. Gerade mit Blick auf die Tierhaltung in der Landwirtschaft ist die Gesellschaft in Bewegung. Das ist

unser gemeinsamer Erfolg! In den vergangenen Jahren haben wir gemeinsam mit unseren Mitgliedsvereinen einiges bewegt, aber es gibt noch viele Herausforderungen. Die Probleme sind benannt, Lösungen sind bekannt. Der Gesetzgeber, im Besonderen die Bundesregierung, ist dringend gefordert, den vielen guten Worten im Koalitionsvertrag nun auch endlich Taten folgen zu lassen. Auch am Rande der Internationalen Grünen Woche in Berlin werden wir im Januar mit der groß angelegten Demo „Wir haben es satt“ ein klares Signal aussenden. Gemeinsam sind wir stark. Die systemimmanente Tierqual betrifft jedoch nicht nur Tiere in der Landwirtschaft, sondern auch die Tiere in der Pelzindustrie und anderen Bereichen. In unserem Titelthema „Pelz tötet“ informieren wir Sie darüber, wie es diesen Tieren geht – denn nicht nur in China, auch direkt vor unserer Haustür müssen Tausende Nerze in Pelzfarmen sinnlos leiden. Und das nur, um als schmückendes Beiwerk an der Kleidung zu enden. Jeder, der Pelzmode oder Mode mit Pelzapplikationen kauft, macht sich mitschuldig am Tierleid. Ich vertraue darauf, dass Sie uns weiterhin treu bleiben. Denn nur mit Ihrer Unterstützung und in der großen, seriösen Gemeinschaft im Deutschen Tierschutzbund sind wir stark. Ihnen ein frohes Fest und einen guten Rutsch ins neue Jahr! Herzlichst Ihr

www.tierschutzbund.de

DU UND DAS TIER 4/2015

03


INHALT 19 24

42 NACH REDAKTIONSSCHLUSS

Verbrauchertäuschung aufgedeckt: Unter der Herbst-/Winterkollektion von „Milestone“ sind Jacken mit Fellbesatz, die mit „Real Raccoon“ oder „Waschbär“ aus China gekennzeichnet sind. Der Deutsche Tierschutzbund hat diese Kennzeichnung bereits 2014 infrage gestellt, da es in China keine Pelzfarmen mit Waschbären gibt. Trotz mehrfacher Hinweise hat sich der Jackenhersteller geweigert, die Herkunft der Felle zu hinterfragen. Eine genetische Untersuchung der Produkte hat nun bestätigt, dass es sich nicht um Waschbär- sondern um reines Marderhundfell handelt. Mehr zum Thema Pelz, zu irreführenden Kennzeichnungen und zum Leid der Tiere lesen Sie auf Seite 8 und unter

www.duunddastier.de

04

DU UND DAS TIER 4/2015

36


INHALT

08 TITELTHEMA Ob als Bommel an der Mütze oder als Fellkragen an der Jacke – Pelzapplikationen an der Kleidung sind diesen Winter besonders beliebt. Vor dem, was hinter dem Modetrend steckt, scheinen immer noch viele die Augen zu verschließen: In den Pelzfarmen herrschen tierunwürdige Bedingungen – auch bei uns in Deutschland. Weltweit leiden vor allem Nerz und Marderhund wegen ihres schönen Fells. Seite 8

16 HINTER DEN KULISSEN Viele Tierheime in Deutschland kämpfen um ihre Existenz. Erfahren Sie, mit welchen Herausforderungen die Vereine konfrontiert sind. Seite 16 Eine ganz besondere Beziehung: Die Therapie mit Pferden kann helfen, körperliche und psychische Beeinträchtigungen von Menschen zu lindern. Seite 19

28 AKTUELL Aktuelle Meldungen zum Thema Tierschutz. Seite 28 Veganes Paradies – auf der VeggieWorld in Düsseldorf stellen Aussteller die neuesten Trends vor. Seite 29 Mit unermüdlichem Einsatz für Tiere – die Verleihung des Deutschen Tierschutzpreises 2015. Seite 31

08

Tierversuche in der Lehre: die Vision von einem Studium ohne Tierleid. Seite 34 Freiheit, Abenteuer und Gefahren – worauf Sie beim Freigang Ihrer Katze achten sollten. Seite 36 Das Parlamentarische Tierschutzfrühstück in Berlin bringt Politiker und Tierschützer zusammen. Seite 39 Tierschutz mit Herz und Verstand: Die Mitgliederversammlung bestätigt die Stärke des Verbandes. Seite 42

46 JUGEND Eine große Ehre: Der Adolf-Hempel-Preis zeichnet die Projekte junger Tierschützer aus. Seite 46

48 PROJEKTE Aktuelle Berichte und Erfolgsmeldungen der uns angeschlossenen Tierschutzvereine. Seite 48

16

STANDARDS

03 Editorial 06 Im Fokus 07 Wussten Sie schon …? 22 Medien 24 Rezept 50 Kommentar, Kontakte und Impressum DU UND DAS TIER 4/2015

05


Von Nadia Wattad

Am 4. Oktober fiel der Startschuss zum Welttierschutztag. Dieses Jahr lautet das Motto „Stoppt den illegalen Welpenhandel!“ Damit die enorme Problematik so viele Menschen wie möglich erreicht, hat der Deutsche Tierschutzbund sein Kampagnenmotiv auf einen LKW drucken lassen. Wiederholt hat das Unternehmen CCT Logistik GmbH ein Fahrzeug aus seiner Flotte hierfür zur Verfügung gestellt. „Gerade wir als mittelständisches Familienunternehmen sehen uns in der Pflicht, Initiativen wie diese, von denen wir auch persönlich überzeugt sind, zu unterstützen – selbstverständlich kostenfrei. Darüber hinaus gefallen uns die Motive wirklich sehr, sehr gut. Wir sind auch privat große Tierfreunde und

06

DU UND DAS TIER 4/2015

Welpenfunde in den Fahrzeugen auf den hiesigen Autobahnen. Der Polizei in Deutschland geht beinahe jede Woche ein Fahrzeug voll wehrloser Hundewelpen ins Netz. Viele der Tiere sind krank, nicht geimpft und wurden viel zu früh von ihren Müttern getrennt. Sie überleben häufig den langen Transport nicht. Meist stammen sie aus osteuropäischen Ländern. Aufgewachsen in dunklen Verschlägen ohne Beschäftigung und ohne ihre Mutter, kommen sie viel zu jung unter anderem nach Deutschland. Die beschlagnahmten Tiere landen dann in den Tierheimen, die auf den Kosten sitzen bleiben. Jedoch kann jeder etwas gegen die Welpenmafia tun: Kaufen Sie nie ein Tier aus dem Kofferraum oder aus dem Internet und klären Sie Ihren Freundeskreis auf. Dann haben Sie schon einen großen Beitrag zum Tierschutz geleistet.

ZWEI FRAGEN AN FLORIAN RÖPER VON DER CCT LOGISTIK GMBH Welche Reaktionen löst der LKW aus? Die Reaktionen sind durchweg positiv. Der LKW ist noch nicht lange mit dem neuen Motiv unterwegs und schon wurden wir darauf angesprochen, wie gut unsere Lieferanten, Kunden und Privatpersonen diese Aktion finden. Auch die Qualität der Bilder wurde hoch gelobt. Die stärkste Reaktion kam bisher von einer unserer Werkstätten. Die Person sagte: „Als ich den LKW das erste Mal sah, war ich so gerührt, dass ich fast anfing zu weinen.“ Was halten Sie von dieser Aktion? Wir sind Tierfreunde und leben seit Jahrzehnten mit einem Schäferhund im Haushalt. Bei jedem Hund legen wir sehr viel Wert auf eine gesunde und glückliche Herkunft. Eine vorzeitige Trennung vom Muttertier zu vermeiden, liegt uns am Herzen. Nur so hat der Welpe ein langes und zufriedenes Hundeleben vor sich. Wir würden eine solche Aktion jederzeit wieder unterstützen!

WEB www.duunddastier.de

Die Redaktion von DU UND DAS TIER hat mit Florian Röper gesprochen. Lesen Sie das vollständige Interview auf unserer Internetseite.

© Fotos: Deutscher Tierschutzbund e.V., CCT Logistik GmbH

Der Deutsche Tierschutz- legen auf eine artgerechte Haltung bund hat der Welpenmafia sehr viel Wert“, so Florian Röper den Kampf angesagt – auch von der CCT Logistik GmbH. am Welttierschutztag. Ein WELPENHANDEL BLEIBT bedruckter LKW bringt LEIDER AKTUELL das Kampagnenmotiv auf Dass das Thema nach wie vor an Deutschlands Straßen. der Tagesordnung ist, zeigen die

INTERVIEW

IM FOKUS


WUSSTEN SIE SCHON?

WUSSTEN SIE SCHON, DASS … … bis 2050 99 % aller SEEVÖGEL aktuellen Schätzungen zufolge mit PLASTIKMÜLL belastet sein werden?

… dass die Jäger in Deutschland jedes Jahr etwa 5 MILLIONEN Wildtiere töten?

... es in Moskau STRASSENHUNDE gibt, die wissentlich mit der METRO fahren, um schneller an ihr Ziel zu gelangen?

… RINDER einen MAGNET in den MAGEN eingesetzt bekommen, damit verschluckte Metallstücke daran hängenbleiben?

… dass die Zunge

eines Blauwals

so viel wiegen kann wie ein Elefant?

... dass eine EINZELNE FLEDERMAUS in einer Stunde bis zu 600 STECHMÜCKEN fressen kann?

DU UND DAS TIER 4/2015

07


© Foto: Otwarte Klatki

08

DU UND DAS TIER 3/2015


TITELTHEMA

PELZ TÖTET DU UND DAS TIER 3/2015

09


Wer Pelz trägt, dem klebt Blut an den Händen. Das zeigen die tierunwürdigen Bedingungen in den Pelzfarmen. Vor allem Nerz und Marderhund leiden für die Mode wegen ihres schönen Fells.

Pelz bleibt ein Dauerthema. Leider. Viele Unternehmen täuschen eine heile Welt vor und brüsten sich damit, dass für ihre Pelzmarken hohe europäische Standards gelten – auch die Luxusmarken Prada, Versace, Bogner, Burberry und Co. Doch tatsächlich ist dies häufig nur ein müder Versuch, sich vom schlechten Image freizusprechen. Der jüngst veröffentlichte Bericht „Nordic fur trade – marketed as responsible business“, der von Animalia aus Finnland und NOAH aus Norwegen erstellt und von den beiden internatio­ nalen Tierschutzbündnissen Fur Free Alliance und Eurogroup for Animals präsentiert wurde, hat zuletzt die dreiste Verbrauchertäuschung der europäischen Pelzindustrie aufgedeckt. Im Fokus des Berichts steht das Pelzlabel und Aktionshaus Saga Furs aus Finnland. Saga Furs bewirbt die Bedingungen seiner vorwiegend aus Finnland und Norwegen stammenden Pelzlieferanten als vorbildlich im Sinne des Tierschutzes. Das Unternehmen nutzt seine Strategie zur „ethisch korrekten Markendarstellung“. Der Report zeigt eindringlich, dass sich die Zustände auf skandinavischen Pelzfarmen nicht wesentlich von denen in anderen Teilen der Welt, wie beispielsweise China, unterscheiden. Groteskerweise hatte die Pelzindustrie kurz vorher eine Ausstellung im Europäischen Parlament organisiert, um für ihr angeblich tierfreundliches Konzept zu werben. „Sowohl die deutsche als auch die Bevölkerung in den meisten anderen europäischen Ländern lehnt die Haltung von Pelztieren zur Pelzgewinnung grundsätzlich ab. Deutschland und Resteuropa müssen dem Vorbild anderer Länder wie Österreich oder England folgen und Pelztierfarmen untersagen. Eine Pelzgewinnung ohne Tierleid gibt es nicht“, so Dr. Henriette Mackensen, Referentin für Artenschutz beim Deutschen Tierschutzbund.

DEUTSCHLAND IST KEIN VORBILD Ein Fotograf hat sich im Auftrag des Deutschen Tierschutzbundes auf Spurensuche begeben und acht von zehn aktiven Nerzfarmen in Deutschland aufgespürt. Nicht

10

DU UND DAS TIER 4/2015

alle Farmen waren vollständig abgeschirmt, sodass er die tierunwürdigen Haltungsbedingungen ansatzweise einfangen konnte. Alle Nerze waren in viel zu kleinen, im Freien stehenden Käfiganlagen untergebracht und somit jeglicher Hitze und Kälte ausgesetzt. Die Tiere saßen zu mehreren in teilweise übereinander gestapelten Käfigen. Obwohl die Tierschutz-Nutztierhaltungs-Verordnung seit Dezember 2011 mindestens drei Quadratmeter Gehegegrundfläche vorschreibt, haben die Betreiber der Nerzfarmen diese immer noch nicht umgesetzt. Stattdessen orientieren sie sich an der Europaratsempfehlung von 1999. Diese schreibt Käfigmaße von 85 x 30 x 45 Zentimeter vor – was Enge Drahtkäfige aus Gittereiner Grundfläche von 0,26 Quadratrosten sind heute die üblichen metern pro Nerz entspricht. Haltungssysteme für Pelztiere „Statt nachts alleine auf Futtersuche in Farmen. zu gehen und viel Zeit im und am Wasser zu verbringen, laufen die Nerze tagein, tagaus auf den Gitterrostböden hin und her. Zum Teil entwickeln sie Verhaltensstörungen wie Gitterbeißen oder Autoaggression“, so Mackensen. Die Bilder des Fotografen zeigen auch, dass die Tiere über ihren Exkrementen sitzen. Diese fallen durch die Gitterroste hindurch unter die Käfige, was den Nerzfarmbetreibern beim Reinigen eine große Zeitersparnis bringen muss – natürlich auf Kosten der Tiere, denn der ständige

© Foto: epa Diego Azubel / picture alliance

Von Nadia Wattad


TITELTHEMA

2

1

3

Geruch von Kot und Urin ist für die Tiere eine Qual. In freier Wildbahn würden Nerze niemals über ihren Fäkalien sitzend auch ihre Nahrung zu sich nehmen. Das breiartige Futter besteht aus Schlacht- und Fischabfällen sowie Getreide. Die Mitarbeiter in den Nerzfarmen legen es oben auf die Käfiggitter und die Nerze müssen es dann durch das Gitter hindurch aufschlecken. Die Futteraufnahme ist also die einzige Beschäftigung, die die Tiere haben, die aber nicht mit dem Beutefang in freier Natur und dem Verspeisen ganzer Beutetiere vergleichbar ist.

© Fotos: Deutscher Tierschutzbund e.V. / M. Marten

NERZFARMEN BALD PASSÉ? Doch wie ist es eigentlich um die rechtliche Situation der Nerzfarmen bestellt? Zuletzt haben wir in Ausgabe 6/2014 darüber berichtet. Zu dem Zeitpunkt klagten viele Nerzfarmen gegen die Pelztierhaltungsverordnung. Ausschlaggebend für diese Klagen war, dass diese Verordnung neue Tierschutzvorgaben wie beispielsweise größere Gehegegrundflächen für die Tiere vorschreibt. Die Betreiber der Nerzfarmen hatten die Klage damit begründet, dass Nerze unter den neuen Vorgaben nicht zu halten wären und dass deren Umsetzung zu immensen finanziellen Belastungen führen würde. Die Folge davon wäre, dass die Nerzhaltung und -zucht wirtschaftlich unrentabel werden würde. Die Historie: Am 4. Dezember 2014 fällte das Oberverwaltungsgericht Schleswig ein Urteil zugunsten einer Nerzfarmbetreiberin in Plön. Das

1 Das Fell stammt von in China gehaltenen Nerzen. 2 Rechercheaufnahmen unseres Fotografen zeigen eine Nerzfarm in Güstrow. 3 In viel zu kleinen Käfigen warten die Nerze darauf, dass ihr Fell zu gegebener Zeit abgezogen wird. Sie leiden für die Modeindustrie.

Oberverwaltungsgericht war der Auffassung, dass wegen des hohen verfassungsrechtlichen Wertes des Tierschutzes kein Zweifel daran besteht, dass es zulässig ist, die neue Käfiggröße verbindlich vorzuschreiben. In der Berufungsinstanz kam jedoch ein betriebswirtschaftliches Gerichtsgutachten zu dem Ergebnis, dass der Betreiber einer Nerzfarm diese unter den neuen Tierschutzanforderungen nicht wirtschaftlich betreiben kann. Weil damit aber schon die Berufswahl und nicht nur die Art und Weise der Berufsausübung eingeschränkt werde, dürfe eine solche Regelung nur das Parlament selbst einführen. Dies sei bislang nicht geschehen. Damit könne die Nerzfarm zunächst auf Grundlage der alten Erlaubnis weiterbetrieben werden. Nach diesem niederschmetternden Urteil ergab sich DU UND DAS TIER 4/2015

11


ÜBER 80 MIO. GETÖTETE TIERE JÄHRLICH IN CHINA Die Infografik zeigt den Anstieg der in chinesischen Pelzfarmen gehaltenen Nerze, Füchse und Marderhunde im Vergleich von 2013 zu 2014.

2014

60 MIO. NERZE

50% 12

DU UND DAS TIER 4/2015

Der Deutsche Tierschutzbund gibt sich nicht mit der derzeitigen unbefriedigenden Situation zufrieden und hat gemeinsam mit der Fernsehmoderatorin Nina Ruge eine eigene Aktion ins Leben gerufen, die die Öffentlichkeit auf das Leid der Tiere aufmerksam machen soll. In seinem kurzen Spot „Mode wandelt sich, Tierleid nicht“ erläutert der Verband, wie aktuell das Thema Pelz immer noch ist. Denn wenn auch nicht mehr der klassische Pelzmantel in Mode ist, so sind Mützen, Jacken und Schuhe nach wie vor vermehrt mit Pelzapplikationen besetzt. Und diese wiederum bewerben die Hersteller in der jetzigen kalten Jahreszeit in großformatigen Werbeanzeigen, in Modezeitschriften, auf Modeschauen oder in den Schaufensterauslagen. Prominente wie der aus Köln stammende Dr. Mark Benecke, international anerkannter Kriminalbiologe, Ralf Schmitz, Comedian aus Mülheim an der Ruhr, oder Henning Krautmacher, Frontmann der Kölner Ein Farmarbeiter in China erhält 70 Cent pro abgezogenem Band Höhner, setzen öffentlich für den Deutschen Tierschutzbund ein Marderhundfell. Zeichen, indem sie sich mit dem „Pelz ist peinlich“-Slogan fotografieren ließen. Der Film erläutert anhand klassischer Winter-Accessoires, inwiefern sich die Mode im Laufe der Zeit gewandelt hat. Bereits letztes Jahr war die Mütze mit charakteristischem Fellbommel voll im Trend. Schaut man sich heute auf der Straße und in den Geschäften um, zeichnet sich immer noch dasselbe Bild ab. Wie so häufig sind die Leidtragenden auch hier die Tiere, in diesem Fall überwiegend der Marderhund, auch unter den Namen Raccoon Dog, Waschbärhund oder Enok bekannt. Der Händler kennzeichnet den Marderhund gerne fälschlicherweise nur als „Raccoon“, was aus dem Englischen übersetzt Waschbär heißt. Waschbären leben aber in der Regel nicht auf Farmen, sondern ihr Fell stammt überwiegend von der Jagd in Kanada oder in den USA. Weltweit ist von circa einer Million Waschbärfellen auszugehen, wohingegen inzwischen allein China 14 Millionen Marderhundfelle produziert. Die Pelzindustrie vermeidet bei der Kennzeichnung die deutsche Bezeichnung Marderhund genauso wie die englische Bezeichnung Raccoon Dog – vermutlich 2013 deswegen, weil sie sehr ähnlich wie Haushund klingt und es sich langsam herumspricht, wie MARDERschlecht es dem Marderhund auf HUNDE den Farmen geht. Denn dieser lebt unter den tierunwürdigsten Bedingungen. Seine Fellfasern sind sehr wollig und die Haare lang und rau. Das macht ihn so ANSTIEG VON beliebt als Fellbesatz an Mütze, Kapuze und Co. Viele Menschen denken, dass Fellbesatz ein Abfallprodukt der Pelzindustrie ist. Wenige wissen, dass dafür extra Tiere gezüchtet werden. „Der Marderhund ist verträglich und

2014

2013

13 MIO. FÜCHSE

2013 ANSTIEG VON

PELZ IST PEINLICH

30% ANSTIEG VON

2014

14 MIO.

17%

© Illustration: dworak & kornmesser

nun ein neuer Hoffnungsschimmer. Schleswig-Holstein initiierte einen Antrag auf Änderung des Tierschutzgesetzes, dem der Bundesrat zugestimmt hat. Damit soll die Haltung von Pelztieren zur Pelzgewinnung verboten werden. Die Bundesregierung hat daraufhin in einer Stellungnahme erklärt, dass angesichts dieser Situation ein gesetzliches Pelztierhaltungsverbot als der richtige Weg angesehen werde, um den Tierschutz sicherzustellen. Hierbei wären allerdings die verfassungsrechtlichen Vorgaben zu beachten. Im Ergebnis unterstützt die Bundesregierung also grundsätzlich die Initiative des Bundesrates. Der Deutsche Tierschutzbund begrüßt den politischen Vorstoß, mahnt aber die vorgesehene zu lange Übergangsfrist von zehn Jahren an. „Jeder, der Pelz ,produziert‘, verkauft oder kauft, hat Blut an den Händen“, sagt Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. „Ein gesetzliches Verbot ist daher nur richtig und seit Langem überfällig. Nun gilt es, schnell zu handeln. Eine zu lange Übergangsfrist wird weitere Hunderttausende Nerze ihr Leben kosten“, so Schröder weiter. Der Gesetzesentwurf liegt aktuell im Bundestag und wird diesen Winter auf der Tagesordnung erwartet.


TITELTHEMA

© Fotos: Mark Rissi/STS/East Internat, Deutscher Tierschutzbund e.V., humonia/iStock

Der Marderhund endet häufig als Fellbesatz an der Kleidung. Immer wieder tauchen aber fehlerhaft gekennzeichnete Etiketten auf, in denen fälschlicherweise „Waschbär, aus China “ angegeben ist. Eine klare Verbrauchertäuschung.

leider sehr anspruchslos, was Haltung und Fütterung betrifft, weshalb die Pelzfarmer besonders gerne auf ihn zurückgreifen“, so Mackensen. Die Tiere sitzen ungeschützt in kleinen Käfigen – sowohl in Hinterhöfen als auch auf mittelgroßen Farmen. Weder die Züchter noch die Arbeiter kennen Tierschutzvorschriften. Nicht fachmännisch ausgeführte Schläge auf den Kopf gelten dort als reguläre Betäubungsmethode. Oft schlagen die Arbeiter den Kopf der Tiere auch einfach auf den Boden. Danach bekommen die Marderhunde noch lebend ihre Enthäutung mit. Grausamer kann es kaum noch sein.

IN CHINA GIBT ES TAUSENDE PELZFARMEN Alleine in China müssen jährlich über 80 Millionen Tiere wegen ihres Fells sterben – die Tiere, die in freier Wildbahn Jägern zum Opfer fallen, ausgenommen. Häufig stammt das Fell aus dem Norden Chinas. Dort werden auf Tausenden von Pelzfarmen sowohl Marderhunde als auch andere Tiere nur zu diesem Zweck gezüchtet. Die Provinz Liaoning ist eine der drei größten Zuchtregionen. Dort subventioniert sogar die Regierung die Farmer. Im November steht jedes Jahr aufs Neue die „Fellernte“ an. Zu diesem Zeitpunkt sind die Marderhunde etwa fünf Monate alt. Laut einem Bericht des Norddeutschen Rundfunks von 2014 erhält ein Farm-

arbeiter 70 Cent für jedes abgezogene Fell. Der Händler selbst kann das Fell dann für 70 Euro auf dem Markt weiterverkaufen und der Fabrikant erhält wiederum bis zu fünf Euro für einen Mützenbommel. Im Einzelhandel werden dann Strickmützen mit echtem Pelzbommel für 40 bis 70 Euro verkauft. Doch China züchtet noch viel mehr Tierarten für die Fellproduktion. Auch auf dem Gebiet Pelzproduktion, -verarbeitung, -import und -export läuft China Europa zunehmend den Rang ab. Deutschland profitiert von dem Angebot, denn es gilt als Hauptabnehmerland für billige und zumeist verarbeitete Pelze von Fuchs und Marderhund aus China. Die schlechten Haltungsbedingungen gelten jedoch für alle Tiere. Neben Nerz, Marderhund und Fuchs müssen auch Kaninchen, Chinchilla und Iltis für den Geschmack der Modeindustrie leiden.

DER SCHWINDEL MIT DEM ETIKETT Eigentlich müsste niemand auf flauschige Fell-Accessoires verzichten. Kunstfell ist auf den ersten Blick DU UND DAS TIER 4/2015

13


Warum ist es für Sie wichtig, sich an unserer Aktion „Pelz ist peinlich“ zu beteiligen? Weil wir Menschen, die Tiere lieben, eine besondere Sensibilität für Bommel, Kragen und Stiefelfütterung entwickeln müssen. Weil wir auf Paspeln, Litzen und Puscheln achten müssen. Denn vielen von uns – und das gilt auch für mich – war lange nicht bewusst, dass Millionen Tiere auf brutalste Weise umgebracht werden, um diese völlig überflüssigen Dekorationen in den Verkauf zu bringen. Damit muss Schluss sein! Was würden Sie sich wünschen, das die Aktion bei den Menschen auslöst? Ich wünsche mir, dass jeder Mensch, der ein Herz für Tiere hat, aufsteht und NEIN sagt! NEIN zu modischem Gerümpel, das eine Saison getragen wird und dann achtlos auf dem Müll landet – und auf Qual-Tierhaltung und Horror-Häutung basiert! Ich wünsche mir, dass jeder Mensch, der ein Herz für Tiere hat, sehr bewusst Kleidung wählt, die niemanden leiden lässt: weder Menschen in Entwicklungsländern noch Tier, noch Umwelt. Was sollte oder könnte die Politik in Ihren Augen unternehmen? Ich bin für das Verbot von allem, was Mensch und Tier quält. Ich bin für das Verbot von Pelzen, Pelz-Accessoires, von Gänsestopfleber und Froschschenkel-„Spezialitäten“, Schildkröten-Suppe und vielem mehr. Doch solche Verbote muss eine Mehrheit der Bevölkerung wollen, unterstützen, gut finden. Sonst werden solche Produkte über dunkle Kanäle vertrieben – und das würde noch größeres Leid bedeuten. Also: Die Politik sollte die demokratische Willensbildung fördern – FÜR das Leben. Ist das so schwer?

14

DU UND DAS TIER 4/2015

TIERQUAL FÜR DIE MODE? Neben dem unerträglichen Leid, dem eine Vielzahl von Tieren in der Pelzproduktion ausgesetzt ist, kommt es bei der Verarbeitung von Fellen noch zusätzlich zu Schäden beim Menschen und in der Umwelt. Die Frage nach dem Wofür ist groß. Wer wirklich etwas gegen die grausame Tierqual unternehmen möchte, der verzichtet immer auf Pelz – an jedem einzelnen Tag. Wir leben schon lange nicht mehr in der Steinzeit, in der wir uns mit Tierfellen vor der Kälte schützen mussten. Wer also von sich behaupten möchte, ein zivilisierter Mensch zu sein, der verschließt die Augen nicht vor der Wahrheit, sondern setzt sich mit der schrecklichen Realität der Pelzproduktion auseinander und lässt sich nicht von der Modeindustrie blenden. Die einzige logische Konsequenz daraus kann nur sein, sein Leben lang auf Pelz zu verzichten.

© Foto: Nina Ruge

INTERVIEW

DREI FRAGEN AN NINA RUGE

kaum von Echtfell zu unterscheiden. Diese Ähnlichkeit kann allerdings auch zum Problem werden. Möchte sich nämlich der Kunde über das Material informieren, so ist die im Etikett stehende Information nicht immer ganz eindeutig – und das trotz der am 8. Mai 2012 in Kraft getretenen Textilkennzeichnungsverordnung. Enthält ein Produkt Materialien tierischen Ursprungs, so muss es folgendermaßen gekennzeichnet sein: „Enthält nichttextile Teile tierischen Ursprungs.“ Damit ist natürlich noch nicht einmal klar, welche Tierart verarbeitet wurde und welcher Bestandteil des Produkts tierischen Ursprungs ist. Der Kunde erfährt demnach nicht, ob es der Fellkragen der Jacke ist, der Lederbesatz an den Taschen oder die Knöpfe, die auch aus Horn bestehen könnten. Darüber hinaus ist der Hersteller auch nur dann dazu verpflichtet, dies auf dem Etikett anzugeben, wenn das Produkt zu über 80 Prozent aus Textilfasern besteht. Besteht das Produkt zu mehr als 20 Prozent aus Echtfell oder Leder, so muss der Hersteller dies auch nicht auf dem Etikett angeben. Im Detail bedeutet das, dass ein Pelzmantel nicht unter diese Verordnung fällt, eine Baumwollmütze mit einem Bommel aus Echtpelz theoretisch schon. Aus Sicht des Deutschen Tierschutzbundes wäre es sehr wichtig, jedes Produkt mit einer eindeutigen Kennzeichnung auszustatten. Der Käufer muss ohne Weiteres erkennen können, von welcher Tierart und woher die Bestandteile tierischen Ursprungs stammen. Dadurch würde verhindert werden, dass einige Felle unter Tarnnamen in den Handel kommen, um die bekannte Bezeichnung der Tiere zu verschleiern, wie beispielsweise „Chinchillette“ für Kaninchen oder Waschbär statt Marderhund. Darüber hinaus wäre es wünschensDer Handel nutzt Tarnnamen, um wert, dass das Etikett darüber informiert, ob das getötete Tier aus die korrekte Bezeichnung der der Jagd oder der Zucht stammt. VerTiere zu verschleiern. stößt der Händler gegen die Textilkennzeichnungsverordnung, so muss er bisher noch nicht einmal ein Bußgeld zahlen – das befördert natürlich nicht die Motivation der Händler, der Kennzeichnungspflicht gewissenhaft nachzukommen. Vielfach finden sich deswegen gar nicht, mangelhaft oder falsch gekennzeichnete Fellprodukte im Handel. Schon allein wegen dieser Probleme kann der Verbraucher als logische Konsequenz nur vollständig auf Fellprodukte jeglicher Art verzichten. Hinzu kommt aber auch, dass mit dem Tragen jeglicher Fellprodukte der Modeindustrie vorgespielt wird, dass Felle salonfähig seien und ins Modebild gehören. Dies kurbelt die Produktion weiterer Fellprodukte sogar an. Nur der Käufer kann hier ein klares Zeichen setzen.


TITELTHEMA

EIN RECHT AUF LEBEN – DER NERZ IM PORTRÄT AKTIV:

dämmerungsoder nachtaktiv

LEBENSERWARTUNG: circa 10 Jahre

FLEISCHFRESSER:

Nerze ernähren sich von kleineren Säugetieren, Wasservögeln und Fischen.

FELL: dicht und wasserabweisend GEWICHT: bis zu 2,3 Kilogramm

TERRITORIUM:

© Fotos: Anna Wójtowicz (plWiki, uploaded by Arturek28), Arco Images / K. Wothe, ryzhkov_sergey – Fotolia.com, Stephan Morris – Fotolia.com

Männliche Nerze beanspruchen 800 Hektar, weibliche Nerze 8 bis 20 Hektar

NACHWUCHS:

einmal im Jahr zwei bis zehn Jungtiere, die Nesthocker sind

EINZELGÄNGER:

Nerze reagieren außerhalb der Paarungszeit auf Artgenossen sehr aggressiv.

GEBEN SIE DEM NERZ SEIN LEBEN ZURÜCK!

Jeder, der ein Pelzprodukt erwirbt, macht sich mitschuldig am millionenfachen Leid der Tiere. Daher Finger weg vom Pelz. Unterstützen Sie die Unterschriftenaktion des Deutschen Tierschutzbundes unter www.tierschutzbund.de/protestieren-pelz und informieren Sie auch Ihre Familie und Freunde. Fallen Sie nicht auf irreführende Tarnbezeichnungen herein, unter denen der Handel Pelzprodukte anbietet.

SCHWIMMHÄUTE:

Nerze können bis zu sechs Meter tief tauchen und hervorragend schwimmen.

WEB www.duunddastier.de

Lesen Sie die Interviews, die wir unter anderem mit Prominenten wie Henning Krautmacher, Alexander Held und Dr. Mark Benecke geführt haben und erfahren Sie, wie sich die Verarbeitung von Pelz auf die Umwelt auswirkt.

www.pelzistpeinlich.de Setzen Sie mit uns ein Zeichen gegen Pelz. Hier können Sie ganz einfach Ihr Video erstellen und so auch öffentlich bei Facebook aktiv werden. DU UND DAS TIER 4/2015

15


Womit haben die Tierheime am meisten zu kämpfen? Auf welche Unterstützungsmöglichkeiten sind sie angewiesen und was fordern sie von den Kommunen? Die Redaktion von DU UND DAS TIER hat nachgefragt. Von Nadia Wattad

2

Nun ist es doch ungemütlich kalt und nass geworden, allzu lange möchten sich weder Mensch noch Haustier freiwillig draußen aufhalten. Trotzdem ist es auch im Winter an der Tagesordnung, dass Tiere ausgesetzt werden oder ausbüxen. Ein Tierfreund findet es im besten Fall, bevor es erfroren, verhungert oder verdurstet ist, und bringt es ins Tierheim. Dort findet es ein warmes Plätzchen, genügend Futter und Menschen, die sich liebevoll um das Fundtier kümmern. Doch wer kümmert sich eigentlich um die Tierheime? Der Staat schon mal nicht – zumindest nicht ausreichend, denn die mangelnde Fundtierfinanzierung treibt die meist von gemeinnützigen Tierschutzvereinen betriebenen Tierheime bis in den Ruin. Der Tierschutz ist abhängig von planbaren Einnahmen. Mit der Aufnahme von Fundtieren übernehmen die Tierheime kommunale Pflichtaufgaben und haben somit einen Anspruch auf Erstattung ihrer Kosten. Darüber hinaus beraten und vermitteln sie bei Tierschutzproblemen. Leider nehmen das viele als völlig selbstverständlich hin. Der laufende Betrieb der Tierheime ist mit hohen Kosten verbunden. Dazu zählen vor allem Tierarztkosten, aber auch sonstige Personalkosten, die Kosten für Abfall, Strom, Heizung, Tierfutter und vieles mehr.

DIE POLITIK IST GEFORDERT Wichtig wäre eine bundesweit einheitliche Regelung für die Erstattung der Kosten von Fundtieren. Die Kostenerstattung muss sich an dem tatsächlichen Aufwand ausrichten. Um ihre Existenz zu sichern, brauchen die Tierheime Planungssicherheit. Auch Sabina Gassner vom Tierheim Augsburg stellt konkrete Forderungen an die

16


HINTER DEN KULISSEN

© Fotos: juefraphoto - Fotolia.com (1), Tierheim Heinsberg (2)

1 Ausgesetzte Tiere, wie beispielsweise dieser Schäferhund, landen in der Regel in den Tierheimen. 2 Eine Mitarbeiterin des Tierschutzvereins Kreis Heinsberg kümmert sich liebevoll um einen Hund.

Politik: „Die Tierheime müssen als öffentliche Einrichtung anerkannt und kostendeckend finanziert werden. Die Tierschutzvereine bleiben auf vielen Problemen sitzen. Würden uns beispielsweise die Einnahmen aus der Hundesteuer zugutekommen, dann könnten wir kostendeckend arbeiten.“ Bianca Mai vom Tier1 schutzverein Heinsberg ist derzeit im Gespräch mit der zuständigen Kommune: „Wir möchten eine Jahrespauschale von 180.000 Euro. Die Tagesabrechnungen funktionieren schon lange nicht mehr.“ Bei einer tagesaktuellen Abrechnung erstellt das Tierheim für jedes einzelne Tier eine eigene Rechnung über zu übernehmende Leistungen. Das ist natürlich mit großem bürokratischen Aufwand verbunden, denn die Tierheime müssen jede einzelne Kommune unter Vorlage der konkreten Kosten anschreiben. Zudem versuchen viele Kommunen, die Zahlung auf vier Wochen zu begrenzen, ohne dass es dafür Tierheime brauchen Planungseine rechtliche sicherheit. Spendengelder und Grundlage gibt. Erbschaften bieten diese nicht. Nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) müssten die Kommunen bis zu sechs Monate für den Unterhalt der Tiere aufkommen – das passiert aber vielfach nicht. Praktisch sind damit viele Tiere länger im Tierheim als der Zeitraum der vertraglich zugesagten Kostenübernahme. Laut Frau Mai hänge die Anzahl der Tiere auch ganz von den Stoßzeiten ab. Mal kämen mehr, mal weniger Tiere – das Tierheim muss jedoch immer den Betrieb sicherstellen, egal, wie viele Tiere zu versorgen sind. Bei Einzelabrechnungen wird jedoch in der Regel keine Vorab-Kostenübernahme für den laufenden Betrieb übernommen, das Tierheim muss in Vorleistung gehen. Daher sei eine gewisse Vorauszahlung sinnvoll. Häufig wird diese in Form einer Pauschale bezahlt, die auf Grundlage der zu erwartenden Fundtierzahlen erstellt wird und gegebenenfalls am Ende des Jahres an die genauen entstandenen Kosten anzupassen ist.

Die freie Verwendung der Mittel ist ein wichtiger Grundsatz für gemeinnützige Vereine. Insbesondere sollten die Tierheime Spendengelder und Erbschaften dafür einsetzen können, wofür sie vorgesehen sind – nämlich für Tierschutzaufgaben, für die keine staatliche Stelle zuständig ist. Dies ist aber nicht der Fall. Wenn aus der Aufnahme von Fundtieren Verluste entstehen, subventioniert das Tierheim sozusagen mit den von Tierfreunden eingeworbenen Mitteln die Kommunen bei der Erfüllung ihrer Pflichtaufgabe. Damit fehlt Geld für wichtige Investitionen. Da noch nicht einmal die Kosten für den täglichen Betrieb sichergestellt sind, ist beispielsweise auch kein Geld mehr da, um alte Gebäudestrukturen zu verbessern oder zu sanieren. Darunter leidet der Tierschutzverein Heinsberg besonders. Die veralteten Gebäude erfüllen schon lange nicht mehr ihren Zweck. Am wichtigsten wäre ein neues Nebengebäude mit einer Quarantäne- und Krankenstation für alle Tierarten. Das Modell dafür steht bereits, die Finanzierung jedoch nicht. Mit dem Problem einer alten Bausubstanz, die den heutigen Anforderungen, Tiere tierschutzgerecht unterzubringen, nicht mehr gerecht wird, steht der Verein exemplarisch für viele Tierheime. Ohne finanzielle Unterstützung ist die Durchführung eines so kostenintensiven Projekts kaum möglich. Hier sind auch die Kommunen und Landkreise gefordert – denn schließlich erbringen die Tierheime rund 80 Prozent der Leistungen im Auftrag der öffentlichen Hand. Die zuständigen Stellen übernehmen tatsächlich nur rund 20 Prozent der Kosten.

WENN VIELE TIERE AUF EINMAL KOMMEN Tierheime müssen schnell reagieren können und brauchen für Notfälle auch finanzielle Rücklagen. Im Zuge von Tierschutzfällen, wie beispielsweise Animal Hoarding, müssen Tierheime häufig viele Tiere auf einmal aufnehmen. Zwar können die Vereine in solchen Fällen die Aufnahme der Tiere verweigern, etwa wenn die Aufnahmekapazität des Tierheims bereits überschritten ist oder Tiere wie beispielsweise Reptilien aufgenommen werden müssten, für die keine Sachkunde vorliegt. Dennoch: Die meisten Tierschützer sehen es als ihre Pflicht an, diesen armen, hilflosen Wesen zu helfen und ihnen zumindest vorübergehend Obhut zu geben und sie zu versorgen. Auch die Tierheimleitung des Kreistierheims Donaueschingen erinnert sich an einen Fall von Animal Hoarding: „Diesmal waren es DU UND DAS TIER 4/2015

17


1 Diese frei lebende Katze versorgt ihren Nachwuchs. Kastrationen würden den unkontrollierten Populationsanstieg verhindern. 2 Gerettet aus einem Animal-Hoarding-Fall: Der Tierschutzverein Leverkusen päppelt die Kaninchen für die Weitervermittlung wieder auf.

2

Farb- und Wüstenrennmäuse, Kaninchen und Ratten. Glücklicherweise konnten wir uns auf die 81 Tiere vorbereiten, da uns das Veterinäramt rechtzeitig informiert hat. Schlimmer ist es, wenn man nicht weiß, was auf einen zukommt“, so die Tierheimleitung des Kreistierheims Donaueschingen. Ein größeres Problem seien Hunde oder Katzen, da diese mehr Platz in Anspruch nehmen und häufig auch Welpen unter den beschlagnahmten Tieren sind. „Diese müssen ja auch versorgt werden, das ist sehr zeitaufwendig. Außerdem ist es generell schwierig, viele Hunde aufnehmen zu müssen. Die Quarantäne und Beschäftigung ist ein Problem“, so die Tierheimleitung weiter. Doch nicht nur die investierte Zeit, sondern auch die damit verbundenen Kosten sind immens. Allein im Jahr 2014 gab es bundesweit mindestens 49 Fälle von Animal Hoarding. Für die Tierheime bedeutete das, mehr als 2.500 Tiere aus schlechter Haltung zusätzlich aufzunehmen.

KATZENKASTRATION MUSS PFLICHT SEIN Ein weiteres Problem für die Tierheime sind die frei lebenden unkastrierten Katzen. Bei diesen handelt es sich ursprünglich um Hauskatzen, die nicht mehr von Menschen gehalten wurden, und ihre Nachkommen, die in ihrer Prägephase nicht auf den Menschen sozialisiert wurden. Die Tiere schlagen sich mehr schlecht als recht selbstständig durch. Viele hungern oder sind krank. Immer wieder kommt es vor, dass besorgte Bürger Tierschützer auf solche Katzen aufmerksam machen. Auch das Tierheim Donau-

18

DU UND DAS TIER 4/2015

eschingen ist eine Anlaufstelle für inzwischen sehr viele solcher frei lebenden Katzen geworden, die aufgrund ihres fehlenden Zutrauens zu Menschen nicht vermittelbar sind. Viele dieser Tiere sind allerdings krank. Damit ist eine sofortige Kastration nicht möglich, sondern die medizinische Versorgung steht hier an erster Stelle. Dies belastet die Kapazitäten des Tierheims weiter. Vor fast unlösbare Schwierigkeiten stellt die Tierheime jedoch die Betreuung von Katzenwelpen. „Eine flächendeckende Kastrations-, Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht wäre sehr wichtig. Damit könnte man das Problem der unkontrollierten Vermehrung abmildern und es würden viel weniger Nachkommen frei lebender Katzen in den Tierheimen landen“, findet auch Ingrid Günkel, Pressesprecherin des Tierhilfevereins Keller-Ranch in Weiterstadt. Der Deutsche Tierschutzbund kämpft schon seit vielen Jahren für flächendeckende Katzenkastrationen. Mit einem landesweiten Kastrationsprojekt in Schleswig-Holstein in Zusammenarbeit mit dem Umweltministerium konnte schon viel erreicht werden. Am Ende des letzten Aktionszeitraumes war das ursprüngliche Ziel, 5.000 Katzen zu kastrieren, zu chippen und im Deutschen Haustierregister zu registrieren mit fast 7.000 Katzen weit überschritten worden, was den Bedarf solcher Aktionen nur zu gut darstellt. Auch im Tierheim Augsburg wünscht man sich mehr Unterstützung vonseiten der Politik für eine Registrierungspflicht von Katzen. „Für die Tierheime stellt die Aufnahme der Katzen eine große Belastung dar. Mit einer Registrier- und Kennzeichnungspflicht würde der Tierhalter mehr in die Pflicht genommen“, so Sabina Gassner vom Tierschutzverein Augsburg.

DER FEUERWEHRFONDS HILFT Der Deutsche Tierschutzbund unterstützt Tierheime im Notfall mit Geldern aus dem Feuerwehrfonds. Wie Sie die Tierheime unterstützen können, lesen Sie im untenstehenden Link.

WEB www.duunddastier.de/projekte

Informieren Sie sich über die Aktionen und Projekte der dem Deutschen Tierschutzbund angeschlossenen Mitgliedsvereine.

www.tierschutzbund.de/ spendenprojekt-tierheime

Wenn ein Tierheim Hilfe braucht, dann steht der Deutsche Tierschutzbund mit Rat und Tat, Futter und einem Zuschuss aus dem Feuerwehrfonds zur Seite. Helfen Sie uns mit Ihrer Spende für den Feuerwehrfonds, den Tieren zu helfen.

© Fotos: Deutscher Tierschutzbund e.V. (1), Tierschutzverein Leverkusen (2)

1


HINTER DEN KULISSEN

Auf einem Pferd zu sitzen bedeutet, sich auf jemanden verlassen können. Für Menschen mit körperlichen oder psychischen Beeinträchtigungen hat das eine ganz besondere Bedeutung.

© Foto: Zlatan Durakovic - Fotolia.com

Von Verena Jungbluth

und körperliche Entwicklung vor allem von Kindern „Alles Glück dieser Erde liegt auf dem Rücken der zu fördern“, so Sophie Arnold, Fachreferentin vom Pferde.“ In diesem Sprichwort steckt durchaus Deutschen Tierschutzbund. Wahrheit. Wer sich mit einem Pferd beschäftigt, kann Pferde eignen sich besonders gut in der Therapie von den Stress des Alltags schnell vergessen. Gemeinsam körperlich beeinträchtigten Kindern oder Erwachsebewegen, die Körper beim Reiten aufeinander abstimnen, unabhängig davon, ob es sich men, sich mit nur kleinen Signalen verständigen – Reiten kann weit Die pferdegestützte Therapie hat in um angeborene oder durch einen Unfall erworbene Beeinträchtigunmehr als eine normale Sportart der pädagogischen und therapeugen handelt. Durch die rhythmisein. „Therapeutisches Reiten ist tischen Landschaft einen großen schen Bewegungen des gehenden eine ganz besondere Form der tierStellenwert. Pferdes können sich bei den gestützten Intervention. Werden Patienten körperliche Probleme wie Verkrampfungen hierbei die Bedürfnisse des Pferdes stets berücksichoder Spasmen lockern. Auch Kinder, Jugendliche und tigt, kann der Vierbeiner dabei helfen, psychosoziale Erwachsene mit einer geistigen Beeinträchtigung, Störungen zu lindern, Beschwerden durch körperliche einer Lernstörung oder einer psychischen Erkrankung Behinderungen zu verringern und die geistige, soziale DU UND DAS TIER 4/2015

19


GRUNDLAGEN: THERAPEUTISCHES REITEN

1

HIPPOTHERAPIE

Bei der Hippotherapie überträgt das Pferd Schwingungsimpulse auf den Menschen, die dem Gehen ähnlich sind. Dadurch kann sich das Balancegefühl und die Koordination des eigenen Körpers verbessern.

2

HEILPÄDAGOGISCHES VOLTIGIEREN

Heilpädagogisches Voltigieren bedeutet, dass Kinder auf einem Pferd gymnastische Übungen machen. Dabei werden nicht nur motorische Fähigkeiten gefördert, sondern auch psychosoziale Verhaltensweisen trainiert.

3

HEILPÄDAGOGISCHES REITEN

Das heilpädagogische Reiten ermöglicht den Patienten, eigenverantwortlich und eigenständig zu handeln und stärkt die persönliche und soziale Entwicklung.

GUT FÜR SEELE, KOPF UND KÖRPER Unter dem Begriff „therapeutisches Reiten“ sind unterschiedliche Therapieformen zusammengefasst: Bei der Hippotherapie, der krankengymnastischen Behandlung auf dem Pferd, überträgt das Pferd Schwingungsimpulse auf den Menschen, die dem Bewegungsablauf des Gehens ähnlich sind. Die Impulse verbessern das Balancegefühl, stärken das Gleichgewicht und die Koordination des eigenen Körpers. Das Pferd wird hierbei in einer ruhigen und ihm vertrauten Umgebung mit viel Einfühlungsvermögen von einer ihm bekannten Person am Halfter geführt. „Wir haben viele Kinder mit frühkindlichen Hirnschädigungen, die nach einem Jahr Hippotherapie anfangen, am Rollator zu laufen“, so Claudia Pauel, Leiterin des Zentrums für Therapeutisches Reiten Köln. Nur ein entspanntes und gelassenes Tier kann die so entscheidende Ruhe auf das Kind übertragen. Heilpädagogisches Voltigieren bedeutet, dass Kinder auf einem Pferd gymnastische Übungen machen. Dabei werden nicht nur motorische Fähigkeiten geför-

20

DU UND DAS TIER 4/2015

dert, sondern auch psychosoziale Verhaltensweisen trainiert. „Die Kinder können sich im Unterricht besser konzentrieren und lernen. Sie lernen Grenzen kennen und bekommen mehr Selbstbewusstsein, was ihre Fähigkeiten und ihren Körper angeht“, erzählt Schulsozialarbeiterin Anne Cremer. Sie kommt seit vielen Jahren mit Schülern der Förderschule Emotionale und Soziale Entwicklung Auguststraße in das Zentrum für Therapeutisches Reiten Köln. Das heilpädagogische Reiten ermöglicht den Patienten, eigenverantwortlich und eigenständig zu handeln. Dabei stärken der enge Kontakt und die Beziehung zum Pferd sowohl die persönliche als auch die soziale Entwicklung. „Was uns immer wieder fasziniert sind Kinder, die mit Mutismus zu uns kommen, was bedeutet, dass sie nicht sprechen. Die Pferde machen sie meistens so neugierig, dass sie ziemlich schnell anfangen, Fragen zu stellen“, erzählt Pauel.

Pferde lieben es, sich mit Artgenossen beim Auslauf an der frischen Luft zu beschäftigen und sich frei bewegen zu können.

DIE BEDÜRFNISSE DER PFERDE Gerade weil der Nutzen für die Menschen so groß ist, ist es wichtig, das Wohlbefinden und den individuellen Charakter des eingesetzten Pferdes nicht aus den Augen zu verlieren. In der heutigen Zeit werden oft die artspezifischen Bedürfnisse des Pferdes missachtet und es wird als Prestigeobjekt und Sportgerät missbraucht. Um den Ansprüchen der Pferde nach viel Ruhe, aber auch Bewegung, Beschäftigung und Kon-

© Illustration: dworak & kornmesser

gehören zu den Patienten. Die Bewegungen und das Wesen des Pferdes wirken sich positiv auf den gesamten Körper und den Bewegungsablauf der Menschen aus. Der Umgang mit den Tieren steigert die Lebensfreude, das Selbstwertgefühl und hilft, Vertrauen in sich und andere aufzubauen.


HINTER DEN KULISSEN

© Fotos: Deutscher Tierschutzbund e.V., LV BaWü, MSGRAFFIXX

takt zu Artgenossen gerecht zu werden, sind nicht nur eine tiergerechte Haltung, sondern auch eine fachlich korrekte Ausbildung und ein schonender Arbeitseinsatz unerlässlich. Eine ganztägige Boxenhaltung ist nicht tiergerecht. Hier leidet das Tier unter enormem Bewegungsmangel und der Kontakt zu Artgenossen ist auf ein Minimum reduziert. Bei der Einzelhaltung werden die pferdespezifischen Bedürfnisse noch am ehesten in einer Box mit direkt angrenzendem Paddock erfüllt. Dort hat das Pferd immer frische Luft, mehr

einen schwächeren ersetzt, bis sich das Pferd auch unter einem Anfänger sicher fühlt. Beim Voltigieren läuft das Prozedere genauso ab. Sind die Pferde soweit ausgebildet und werden bereits für erste Einsätze verwendet, ist es wichtig, dass erfahrene Reiter sie weiterhin zusätzlich bewegen. Nur durch korrektes Reiten und viel Training vom Boden aus ist es möglich, die Pferde ausreichend zu gymnastizieren und Die Freude am therapeutiVerspannungen und gesundheitschen Reiten ist dem Kind liche Schäden zu vermeiden. deutlich anzusehen. „Ich hole mir immer ein Feedback ein. Ein gesund bleibendes Pferd steht Wie geht das Pferd, wie hat es das bei einer systematischen und verkraftet, verkraftet es besser das reellen Ausbildung im Mittelpunkt. Voltigieren, verkraftet es eher das Reiten?“, so Pauel. Sie reitet ihre Pferde mindestens einmal die Woche selbst und überzeugt sich Platz und kann in davon, ob sie sich locker und ausgeglichen bewegen. der Regel mit dem Sich ein Pferd anzuschaffen, es auszubilden und im Nachbarpferd über therapeutischen Reiten einzusetzen, bedeutet auch, dass den Zaun hinweg man für das Tier verantwortlich ist, wenn es krank oder Kontakt aufnehmen. Besser ist allerdings die Haltung alt wird. Im Zentrum für Therapeutisches Reiten Köln in einem gut geführten Offenstall mit harmonisch zubleiben die Tiere bis zu ihrem Lebensabend auf dem Hof sammengesetzten, stabilen Gruppen. Ein zusätzlicher und erhalten dort in einer Gruppe ihr Gnadenbrot. Das täglicher, mehrstündiger Auslauf in einer Gruppe – im ist sicherlich nicht bei allen therapeutischen Zentren die Sommer und im Winter – ist bei allen Haltungsformen Regel. unabdingbar. Nur so können sich die Pferde genügend bewegen und ihre sozialen Verhaltensweisen ausleben. Die anspruchsvolle Ausbildung der Pferde, die sich über ihr gesamtes Leben zieht, zeigt, wie wichtig ausgebildetes Fachpersonal ist. Die Therapeuten müssen zusätzlich ZUVERLÄSSIGER THERAPIEPARTNER zu ihrer pädagogischen oder physiotherapeutischen Nur eine erfahrene und fachkundige Person sollte Tiere für den tiergestützten Einsatz in Betracht ziehen. Ausbildung gut genug reiten können, um die Pferde selbst ausbilden und korrigieren zu können. Vor der Ausbildung steht zunächst die Auswahl des richtigen Pferdes. Ein Therapiepferd sollte einen ruhigen, verlässlichen und ausgeglichenen Charakter HERZENSWÜNSCHE ERFÜLLEN haben. Diese Charaktereigenschaften bleiben bestehen Stehen die Bedürfnisse der Pferde im Mittelpunkt, kann die oder entwickeln sich auch maßgeblich durch den besondere Beziehung zwischen ihnen und den Menschen respektvollen und ruhigen Umgang mit dem Tier. viel bewirken: „Das Lachen von einem Kind ist so wichtig. Zusätzlich muss das Pferd groß und kräftig genug sein, Schicksale sind auch da, um daran zu wachsen. Man kann um das Gewicht des Reiters tragen und auch dessen etwas Neues daraus machen. Hier zu arbeiten bedeutet, Größe gut ausbalancieren zu können. den Menschen dieses Haus zur Verfügung zu stellen – als „Die Ausbildung der Pferde dauert im Durchschnitt Chance“, so Pauel. zwei Jahre“, erzählt Pauel, die ihre Therapiepferde alle selbst ausbildet und sich dafür viel Zeit nimmt. Zusätzlich zur klassischen Reitausbildung lernen die Pferde Schritt für Schritt die Besonderheiten des therapeutischen Reitens kennen. In sicherer und entwww.duunddastier.de spannter Umgebung sollten sie sich hierbei bereits an Hier finden Sie ein Interview mit Claudia Pauel, Rollatoren oder spielende Kinder gewöhnen. Im AnLeiterin des Zentrums für Therapeutisches Reischluss wird der erfahrene Reiter nach und nach durch ten Köln, eine Bildergalerie und einen Buchtipp.

WEB

DU UND DAS TIER 4/2015

21


MARGRIT ELLENA

WEGE DER EINSICHT – HAUTNAH IM LEBEN Von Nadia Wattad

136 Seiten, gebundene Ausgabe, 1. Auflage, deutsch, Weltbuch Verlag, Dresden, ISBN: 978-3906212-20-3, 17,90 Euro

22

DU UND DAS TIER 4/2015

war so schlau und hörte aufs Wort – ein Hund könnte nicht schlauer sein …“, so Hertel über das ehemalige tierische Familienmitglied. Und genau darum geht es: Warum hegen und pflegen wir nur unsere Haustiere, und wer macht sie zu solchen, und wer sagt, dass Schweine zu den Nutztieren zählen? Der Autorin geht es darum, uns in die Pflicht zu nehmen, die Augen zu öffnen, hinzusehen und wahrzunehmen, zu überdenken und zu handeln. „Mut zur Wahrheit – und Mut, unser Bauchgefühl, unsere Intuitionen zuzulassen, zu akzeptieren und dementsprechend vorzugehen“, umschreibt es Ellena. „Wege der Einsicht – Hautnah im Leben“ ist ein gefühlvoll geschriebenes Buch, das den Leser mitreißt und welches er nur ungern aus der Hand legen möchte. Ist die Geschichte über die Herkunft des geliebten Hundes Chiqui gelesen, so wartet man schon voller Spannung darauf, was es mit der märchenhaften Erzählung über den Goldbarsch Ottilia auf sich hat. Immer wieder taucht Eseldame Mona zwischen den einzelnen Erlebnissen auf. Mit ihr unternimmt die Autorin Wanderungen, ihr trägt sie die berührenden Geschichten innerhalb ihres Buches vor. Ellena lässt den Leser an ihren Gedanken teilhaben, so schreibt sie: „Meinen Weg der Einsicht zu gehen, bedeutet für mich, mein geistiges Lebensbuch aufzuschlagen, darin zu blättern und zu lesen. Mein Buch besteht bereits aus sehr vielen Seiten, und somit sind auch viele Wege darin beschrieben, die ich schon gegangen bin.“ Neben Geschichten mit Happy End sind auch traurige zu lesen. Jede einzelne ist ein Schatz. Und es liegt an uns Menschen, diesen Schatz zu bewahren. Mit jedem verkauften Buch geht ein Euro an den Deutschen Tierschutzbund. Und das Geld kommt genau da an, wo es gebraucht wird – bei den Tieren.

WEB www.duunddastier.de

Lesen Sie das Kurzinterview mit der Tierschutzbotschafterin und Sängerin Stefanie Hertel, die das Vorwort des Buches verfasst hat.

www.margritellena.com

Auf der Internetseite der Autorin Margrit Ellena erfahren Sie, wie es dazu kam, dass sich die Tierschützerin so dem Leben für die Tiere verschrieben hat.

© Fotos: M. Ellena, Weltbuch Verlag, www.margritellena.com

Berührend, fesselnd und aufrüttelnd – das sind die 24 kurzweiligen Geschichten der Autorin Margrit Ellena aus ihrem Buch „Wege der Einsicht – Hautnah im Leben“. Der Inhalt der Kurzgeschichten beruht auf Einsichten und Erfahrungen der Autorin. Diese hat sie für alle Menschen niedergeschrieben – „denn das, was auf diesem Planeten geschieht, betrifft uns schlussendlich alle“, so Ellena. Die aus der Schweiz stammende Autorin nimmt ihre Leser mit auf eine Reise, die die heutigen Lebensumstände von Mensch und Tier beschreibt. „Behutsam und sanft werden ihnen Dinge und Orte gezeigt, die ihnen vielleicht bereits bekannt sind. Jedoch sind es in jeder Geschichte die Wahrnehmungen meiner sensiblen, emphatischen Optik“, so die Autorin. Stefanie Hertel, Tierschutzbotschafterin des Deutschen Tierschutzbundes, beschreibt in ihrem exklusiv für das Buch verfassten zweiseitigen Vorwort, warum sie eine der Geschichten, nämlich „Das Gebet eines Mastschweins“, besonders bewegt hat. So steht es stellvertretend für das Schicksal vieler in Intensivtierhaltung lebender Schweine. Auch bei der Moderatorin und Sängerin Stefanie Hertel zu Hause lebte ein Schwein, als diese noch bei ihren Eltern lebte. „ …es

Margrit Ellena: „Nur wenn wir Tier und Mensch mit Respekt, Achtsamkeit und Liebe begegnen und ihre Einzigartigkeit wahrnehmen, gibt es eine Chance für uns und unseren Planeten.“


MEDIEN

PETER FRITZSCHE

JAN LAUWEREYNS

HAMSTER – PFLEGE-EINMALEINS FÜR KLEINE SOLOKÜNSTLER

MONKEY BUSINESS

„Rettet Raffi“ heißt ein Kinofilm, der im Oktober 2015 in deutschen Kinos startete und die Abenteuer eines achtjährigen Jungen und seines Hamsters Raffi beleuchtet. Es bleibt zu hoffen, dass der Film keine neue Modewelle auslöst und bei zu vielen Kindern den Wunsch nach einem Hamster weckt. Umso erfreulicher ist es, im Buch „Hamster“ des Gräfe und Unzer Verlages zu lesen, dass Hamster für Kinder unter zwölf Jahren nicht geeignet und nicht so anspruchslos sind, wie leider noch immer viele Leute denken. Denn Hamster sind nachtaktiv, strikte Einzelgänger, meiden den direkten Kontakt zu Menschen und brauchen viel Bewegung sowie die Möglichkeit, tiefe Gänge zu graben. Der Autor Peter Fritzsche beschäftigt sich in seinem neu aufgelegten Buch sowohl mit dem Goldhamster als auch mit den am häufigsten gehaltenen Zwerghamsterarten. Auch wenn es auf den wenigen Seiten nicht möglich ist, zu jedem Thema in die Tiefe zu gehen, so gibt der Autor dennoch einen guten Überblick über die Anforderungen, die Hamster an eine artgerechte Haltung stellen. Zudem verweist er an vielen Stellen auf aktuelle wissenschaftliche Studien mit interessanten Erkenntnissen zu den Verhaltensweisen der Hamster. Auch wenn die Käfigmaße und die Einstreuhöhe aus Sicht des Deutschen Tierschutzbundes noch größer zu wählen wären, vermittelt das Buch einen ersten Eindruck über die Hamsterhaltung. Nach dem Lesen ist man in der Lage zu entscheiden, ob ein Hamster ein potenziell geeigneter neuer Mitbewohner sein könnte.

Noch acht Stunden zu leben. Zeit, um sein Leben Revue passieren zu lassen. Doch nicht ein Mensch erzählt seine Geschichte, sondern Affe Haruki, der mit sechs Monaten der Freiheit entrissen wurde und sein nachfolgendes Leben in der Hirnforschung einer japanischen Universität verbringt. In eindringlichen Bildern schildert er sein fremdbestimmtes Leben zwischen trostlosem Eingesperrtsein, schmerzhaften Gehirnoperationen, Trainings- und öden Versuchsphasen bis hin zum Tod. Im Delirium der OP oder an der Schwelle des Todes verwischen immer wieder die Grenzen zwischen Mensch und Tier. Der Aufbau und Ablauf der von Haruki erlebten Versuche gleichen jenen am Max-Planck-Institut in Tübingen und an der Universität in Bremen, die der Deutsche Tierschutzbund immer wieder angeprangert hat. Der geschickte Perspektivenwechsel des Autors, der selbst Neurophysiologe ist, lässt das moralische Unrecht und die wissenschaftliche Fragwürdigkeit solcher Versuche noch deutlicher vor Augen treten.

64 Seiten, farbig illustriert, Gräfe und Unzer Verlag, München, 1. Auflage 2015, ISBN 978-3-8338-0522-6, 8,99 Euro

173 Seiten, Übersetzung aus dem Niederländischen von Helga von Breuningen, Axel Dielmann Verlag, Frankfurt 2015, ISBN-10: 3866382081, 20 Euro

© Fotos: Gräfe und Unzer Verlag, Axel Dielmann Verlag

Anzeige

Meine Geschwister sind tot!

Spendet für eine Kastration!

Weggeworfen, verhungert, überfahren. Erspart ungewollten Welpen dieses Schicksal. Durchbrecht den Todeskreislauf. Jeder Hund und jede Katze braucht einen liebevollen Besitzer!

Lega pro Animale – Italien Sterilisationszentrum für Hunde und Katzen in Süditalien

Kein Tier soll sein Leben im Tierheim oder auf der Straße fristen.

Deutscher Tierschutzbund e.V. Sparkasse KölnBonn Konto-Nr. 40 444, BLZ: 370 501 98 IBAN: DE88 3705 0198 0000 0404 44 BIC: COLSDE33 WICHTIG! Verwendungszweck: Lega pro Animale – Italien Spenden an den Deutschen Tierschutzbund e.V. sind steuerlich absetzbar.


EINFACH VEGAN – GENUSSVOLLE WEIHNACHTEN Ein veganes Drei-Gänge-Menü für die Festtage zum Nachkochen: Als Vorspeise die geröstete Tomaten-Karotten-Suppe, Wirsing-Tofu-Säckchen in Kokos-Safran-Sauce als Hauptspeise und Birnenkompott mit Sternanis und Kardamon als Dessert.

Das Hauptgericht: Wirsing-Tofu-Säckchen in Kokos-Safran-Sauce – nicht nur ganz einfach, sondern auch optisch ein Genuss.

24

DU UND DAS TIER 4/2015


REZEPT

ZUTATEN Für die Wirsing-Tofu-Säckchen

ZUTATEN

8 große Wirsingblätter 250 g geräucherter Tofu 200 g Butternusskürbis 60 g Schalotten 1 EL Semmelbrösel 1 EL gehackte Petersilie 1 EL geröstete Sonnenblumenkerne 1 EL helle Sojasauce abgeriebene Schale einer Zitrone 2 EL vegane Margarine ½ TL fein geriebener Ingwer Salz und Pfeffer aus der Mühle 1 Prise Muskatnuss Chilifäden zum Garnieren

Für die Sauce 200 ml Gemüsebrühe 100 ml Kokosmilch 1 kleine Schalotte 1 EL Rapsöl ½ EL helles, glattes Weizen mehl 2 g Safranfäden Salz Cayennepfeffer 1 Spritzer Zitronensaft

Zubereitung der Wirsing-Tofu-Säckchen 1| Wirsingblätter in leicht gesalzenem Wasser blanchieren und in kaltem Wasser abschrecken. Den Strunk aus den Blättern schneiden.

2| Kürbis sehr fein würfeln. Schalotten schälen und ebenfalls fein würfeln. 3| Vegane Margarine in einer Pfanne schmelzen lassen. Kürbis, Schalotten und

BUCHTIPP In der veganen Küche geht es um viel mehr als den Ersatz von Fleisch, Käse oder Eiern. Spitzenkoch Roland Rauter präsentiert in seinem Buch „Einfach vegan – Genussvoll durch den Tag“ 100 Rezepte, die sich sowohl für den Alltag als auch für besondere Anlässe eignen. Angelehnt an Altbekanntes, die asiatische oder orientalische Küche, begleitet das Buch den Leser vom Frühstück bis zum Abendessen. Mit kleinen Handgriffen edel dekoriert sind die Gerichte ein Genuss für Auge und Gaumen. „Es gibt so viel zu entdecken und zu erschmecken, wenn man bereit ist, sich auf diese Art zu kochen einzulassen“, so Rauter über die vegane Küche. Roland Rauter, Einfach vegan – Genussvoll durch den Tag ISBN-13: 978-3-8434-1055-7, 2014, Schirner Verlag, 19,95 Euro

Ingwer darin anbraten und mit Salz und Pfeffer würzen.

© Fotos: Alexandra Schubert, www.myshoots.de/Schirner Verlag, Jeanette Dietl - Fotolia.com, Artenauta - Fotolia.com

4| Tofu mit einer Gabel in einer Schüssel fein zerteilen. 5| Kürbis, Schalotten, Sonnenblumenkerne, Petersilie und Semmelbrösel unterrühren. Im Anschluss mit Sojasauce, Zitronenschale, Salz und einer Prise Muskatnuss würzen. Die Masse am besten mit den Händen durchkneten.

6| Suppentassen mit Frischhaltefolie auslegen und die Wirsingblätter dort so hineinlegen, dass die Blätter etwas über den Rand stehen. 7| Füllung in die Tassen hineingeben und mit den Wirsingblättern zudecken. 8| Mithilfe der Frischhaltefolie Säckchen formen und diese gut verschließen. 9| Päckchen auf ein gefettetes Lochblech setzen und im Dampfgarer bei 100 Grad Celsius circa 15 Minuten garen. Sollten Sie keinen Dampfgarer besitzen, können Sie die Päckchen auch ohne Folie in kleine Suppentassen setzen und mit etwas Gemüsebrühe untergießen. Backen Sie die Säckchen dann circa 30 Minuten im Ofen bei 180 Grad Celsius. Reis eignet sich gut als Beilage.

Zubereitung der Kokos-Safran-Sauce 1| Schalotte schälen und fein hacken. Öl in einer Pfanne erhitzen und die Schalotten darin anschwitzen. Anschließend mit Mehl stauben und dann mit Gemüsebrühe und Kokosmilch auffüllen.

2| Safran dazugeben und die Sauce circa zehn Minuten auf kleiner Flamme köcheln lassen. Mit Salz, Cayennepfeffer und Zitronensaft abschmecken. 3| Sollte die Sauce zu stark eindicken, mit etwas Gemüsebrühe verdünnen. Zum Anrichten die Sauce auf den Tellern verteilen. Die Wirsingsäckchen aus den Formen stürzen und die Folie vorsichtig entfernen. Die Wirsingsäckchen in der Mitte der Teller anrichten und mit den Chilifäden garnieren.

Geröstete Tomaten-Karotten-Suppe und Birnenkompott mit Sternanis und Kardamon.

WEB www.duunddastier.de

Hier finden Sie die Rezepte für die Vorspeise und den Nachtisch zum Nachkochen.

DU UND DAS TIER 4/2015

25


TIERSCHUTZ AUF DEM PRÜFSTAND Der Tierschutz ist bei den Verhandlungen über das transatlantische Freihandelsabkommen TTIP kein eigenständiges Themengebiet. Dennoch könnte er jetzt zu einem entscheidenden Prüfstein werden. Bei den jüngsten Verhandlungsrunden standen unter anderem die Gegensätze bei der Zulassung von Kosmetika im Blickpunkt. In der EU dürfen über 1.300 Substanzen nicht für Kosmetika verwendet werden, weil von ihnen eine Gefahr für Gesundheit oder Umwelt ausgehen kann. In den USA sind es gerade einmal elf Substanzen. Dazu kommt, dass in der EU ein Tierversuchsverbot für kosmetische Mittel und

WEB www.duunddastier.de

Lesen Sie täglich aktuelle Meldungen rund um den Tierschutz.

Inhaltsstoffe gilt, das es Herstellern aus Drittstaaten zusätzlich erschwert, ihre Produkte auf den EU-Markt zu bringen. US-Erzeuger wollen diese Handelshemmnisse im Zuge der TTIP-Verhandlungen beseitigen. Zwar versichern EU-Kommission und Bundesregierung, dass TTIP nichts an den geltenden EU-Regelungen ändern werde und dass man die TTIP-Verhandlungen nutzen wolle, um tierversuchsfreie Prüfverfahren zu etablieren. Nach Erkenntnissen des Deutschen Tierschutzbundes wird tatsächlich über die Anerkennung alternativer Prüfprotokolle verhandelt, allerdings nur für bestimmte Stoffklassen, wie etwa Lichtschutzfaktoren. Von einer Gesamtstrategie zur Durchsetzung tierversuchsfreier Verfahren könne nicht die Rede sein. Lesen Sie mehr zum Thema unter www.duunddastier.de

ILLEGALER WELPENHANDEL

RUMÄNIEN

GEMEINSAM GEGEN DIE HUNDEMAFIA

AUFKLÄRUNGSKAMPAGNE ZEIGT ERSTE ERFOLGE

Die Arbeitsgemeinschaft Welpenhandel hat sich mit Dr. Maria Flachsbarth, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), getroffen, um gemeinsame Strategien gegen den boomenden Handel mit Welpen zu entwickeln. Die Arbeitsgemeinschaft ist eine gemeinsame Initiative von Vier Pfoten - Stiftung für Tierschutz, Tasso e.V., dem Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH), dem Bund gegen Missbrauch der Tiere (bmt), dem Deutschen Tierschutzbund, der Gesellschaft für Tierverhaltensmedizin und -therapie sowie der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz.

Bereits im September startete eine großflächig angelegte Aufklärungsund Kastrationskampagne in Piteşti. Diese hat das Ziel, Besitzer von Hunden und Katzen vor Ort davon zu überzeugen, ihr Tier kostenlos durch die Tierhilfe Hoffnung e.V. kastrieren zu lassen und dazu beizutragen, die Population von Straßenhunden zu reduzieren. Der Deutsche Tierschutzbund hat die Aufklärungskampagne finanziell unterstützt. Mithilfe von Flyern und Bannern konnten seit Beginn der Kampagne etliche Halter überzeugt und damit bereits 251 Hunde und 26 Katzen kastriert werden. Umliegende Gemeinden sind ebenfalls interessiert.

VERBOT VON SCHLAUFZÜGELN

MEHR SCHUTZ FÜR PFERDE IN DER SCHWEIZ Der schweizerische Verband für Pferdesport (SVPS) hat ein generelles Turnierverbot von Schlaufzügeln ausgesprochen. Das bedeutet, dass Reiter diesen Korrekturzügel ab dem 1. Januar 2016 weder in Prüfungen noch auf dem Abreiteplatz oder bei der Preisverleihung anwenden dürfen. Der Schlaufzügel wird oft dazu missbraucht, den Kopf des Pferdes in eine feste und viel zu enge Position zu zwingen. Das Verbot ist ein weiterer Schritt dahin, die Pferde im Reitsport mehr zu schützen. Diesem Vorbild sollten alle anderen Länder folgen.

28

© Fotos: Deutscher Tierschutzbund e.V.

TTIP


AKTUELL

1

EIN VEGANES PARADIES

Veganer Wein gefällig oder lieber eine Macaron – auch ganz ohne tierische Produkte hergestellt? Die Messe VeggieWorld in Düsseldorf lässt nicht nur die Herzen von Veganern höher schlagen.

© Fotos: VEBU (1), Deutscher Tierschutzbund e.V. (2)

Von Nadia Wattad

1 Auf der Messe VeggieWorld herrscht großer Andrang. 2 Ein Aussteller präsentiert seine veganen Weine.

2

Wussten Sie schon, dass viele Weine mit Gelatine, Hühnereiweiß oder Fischblase geklärt werden? Nein? Da sind Sie sicher nicht die einzigen. Damit aber auch eingefleischte Veganer einen Bordeaux mit gutem Gewissen trinken können, beschäftigen sich laut Jan Kreutz, geschäftsführender Inhaber einer Wein-Boutique, immer mehr Winzer mit dieser Thematik. „Ich wurde immer häufiger nach veganen Weinen gefragt, daher habe ich reagiert und entsprechende Weine in mein Programm aufgenommen“, so Kreutz. Neben Wein lockten auch diverse süße und herzhafte Köstlichkeiten an die Messestände. „Macarons gab es nur vegetarisch, aber nicht vegan – das war das einzige Produkt, was wir so noch nicht im Angebot hatten“, so Franziska Wenzel, Mitarbeiterin bei „Veganes Naschen“. Und der Selbsttest beweist es: Sie schmecken wie das Original und es gibt sie in allen erdenklichen Geschmacksrichtungen, von Apfel bis French Karamell. Eine besondere Herausforderung sei es gewesen, die für eine Macaron typische Kruste aus Eischnee durch eine vegane Alternative zu ersetzen. „Wir haben sehr lange herumexperimentiert, bis wir die richtige Mischung aus Lupinenmehl und Kartoffelstärke hatten und auch wirklich

zufrieden mit dem Ergebnis waren“, so Wenzel. Mit dem Onlineshop hat sich das Team einen Herzenswunsch erfüllt. „Es ist ein tolles Gefühl, unsere persönliche Überzeugung produktiv nutzen zu können, um einen kulinarischen Beitrag zur veganen Bewegung zu leisten“, heißt es auf der Website von „Veganes Naschen“.

VEGGIEWORLD ZIEHT VIELE BESUCHER AN An den drei Messetagen sollen sich laut Angaben des Vegetarierbundes Deutschland (VEBU), offizieller Partner der VeggieWorld, insgesamt 10.500 Besucher umgeschaut haben – und das in einem beeindruckenden Ambiente. Der Veranstalter Wellfair hatte sich für die Alten Schmiedehallen auf dem Areal Böhler entschieden – ein restaurierter Industriekomplex vergangener Tage aus Stahlkonstruktionen und verglasten Elementen des ehemals dort produzierenden Stahlkonzerns Böhler. Dort, wo einst zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges teilweise für die Rüstungsindustrie produziert wurde, reihte sich nun in entspannter Atmosphäre ein veganer Stand an den anderen. Auch Lieferdienste, Reiseveranstalter und Hotelbetreiber scheinen die Chancen eines veganen Angebots für sich entdeckt zu haben. So auch Matthias Birkhölzer, der zusammen mit seiner Familie DU UND DAS TIER 4/2015

29


AKTUELL

1 Profikoch Björn Moschinski in Aktion. 2 Aussteller präsentieren vegane Labels. 3 Süßigkeiten in vielen Variationen. 4 Stylische Taschen aus Kork statt Leder.

1

30

DU UND DAS TIER 4/2015

Familie Weberstorfer stehen und lassen sich beraten. Kork ist ein reines Naturprodukt, das von der Korkeiche stammt. Um es zu gewinnen, muss kein Baum gefällt werden. Die Bäume wachsen am westlichen Mittelmeer und können mehrere hundert Jahre alt werden. Den Kork gewinnen die Arbeiter, indem sie die bis zu zehn Zentimeter dicke Schicht der Rinde abtragen. Diese wächst wieder nach, was den Wirtschaftszweig sehr nachhaltig macht.

VEGANE SZENE WÄCHST Dass die Messe den Bedürfnissen der heutigen Zeit nach einer nachhaltigen Lebensweise gerecht wird, zeigt sowohl der Zulauf an Besuchern als auch an Ausstellern. 2011 startete die VeggieWorld mit gerade mal 21 Ausstellern, heute sind es über 100. Im nächsten Jahr soll es die Messe an acht unterschiedlichen Standorten Europas geben – von Rhein-Main über Paris bis Zürich. Dass auch das Publikum bunt gemischt ist, zeigt sich im Gespräch mit den Besuchern. Ein Paar mit Säugling aus Köln – die Frau lebt vegan, der Mann isst auch Fleisch – sagt: „Wir versuchen, uns nicht gegenseitig zu konvertieren, das klappt eigentlich ganz gut. Außerdem probiere ich gerne viel aus, auch mit Quinoa, und mein Mann isst es.“ Das gemeinsame Kind soll später selbst entscheiden dürfen, was es essen möchte. „Es soll auf jeden Fall nicht zum Außenseiter werden und zu einem Kindergeburtstag seinen eigenen veganen Kuchen mitbringen müssen“, so der Ehemann. Auch Sven K. aus Hamburg, der sich seit kurzer Zeit aus ethischen Gründen vegan ernährt, ist froh über das Angebot der VeggieWorld: „Mich interessiert das Thema vegane Ernährung und die Vorträge, die hier stattfinden. Im Alltag ist es leicht, sich vegan zu ernähren, nur auf Dienstreisen muss ich immer die veganen Basics mitnehmen.“ Der Messebesuch zeigt, dass der Markt für vegane Produkte aus dem Schattendasein in einer Szene für Eingeweihte herausgetreten und massentauglich geworden ist. „Vegan“ ist in aller Munde – Promis bekennen sich publikumswirksam zu einer veganen Lebensweise, Fleischproduzenten schaffen Ersatzprodukte, Food-Trucks bieten immer öfter vegane Speisen an und neue Online- wie stationäre Einzelhändler sprießen wie Pilze aus dem Boden – kurzum: Vegan ist angesagt und allgegenwärtig!

WEB www.duunddastier.de

Lesen Sie das Kurzinterview mit Jan Kreutz, ein Aussteller von veganen Weinen.

2

3

4

© Fotos: VEBU (1), Deutscher Tierschutzbund e.V. (2, 3, 4)

ein Naturkost-Hotel im Harz betreibt. Er präsentierte auf der Messe eine ganz besondere Delikatesse – ein veganes Spiegelei auf Rohkostbasis. Und auch hier beweist der Selbsttest, dass das aus Kohlrabischeiben bestehende Spiegelei tatsächlich nach Ei schmeckt. „Das Geheimnis ist Kala Namak, ein Schwefelsalz“, sagt Birkhölzer. Das Mineral kommt in Indien und Pakistan in entsprechenden Vulkan- und Lavaminen vor, in denen es als Salz abgebaut wird. Das Mineral selbst weist einen schwefligen Geruch auf, der den Speisen das typische Ei-Aroma gibt. „Wir haben uns in unserem Hotel auf Rohkost spezialisiert, bieten aber auch vegetarische und vegane Kost an“, so Birkhölzer über das Ernährungskonzept des Hotels. Insbesondere kämen Familien mit Kindern und ältere Besucher. Viele besuchten das Hotel auch aus gesundheitlichen Gründen. Ein weiteres Highlight der VeggieWorld sind die Kochshows. Der vegane Profikoch Björn Moschinski ist einer davon – er verwöhnt mit seinen Kreationen nicht nur anspruchsvolle Gaumen, sondern möchte auch die Idee des Veganismus verbreiten und massentauglich gestalten. „Vegan zu essen und zu leben, hat nichts mit Verzicht zu tun, das zu zeigen, ist mir wichtig“, so Moschinski. Neben allerlei Lebensmitteln gab es auch vegane Mode zu bewundern. Ein Hersteller aus Wien präsentierte Taschen, Rucksäcke und Accessoires aus Kork. Alle Produkte aus dem reinen Familienbetrieb sind leicht, wasserabweisend und fleckunempfindlich. „Wir haben ganz klein begonnen und freuen uns sehr, dass unsere Produkte inzwischen so gut angenommen werden“, so Ernst Weberstorfer. Die Begeisterung für das Produkt scheint groß. Viele Besucher bleiben am Stand der


AKTUELL

1

2

DER DEUTSCHE TIERSCHUTZPREIS 3

4

Das Wohl und der Schutz von Tieren geht uns alle an. Die Menschen, die sich hierfür besonders einsetzen, hat der Deutsche Tierschutzbund mit einem bundesweit einzigartigen Preis ausgezeichnet.

© Fotos: Korinna Seybold-Hase (1), Igelfreunde Leipzig u. U. (2, 3), Hans-Günter Eßkuchen (4)

Von Verena Jungbluth

1 Der dritte Platz geht an Korinna Seybold-Hase der Wildtierhilfe Odenwald. 2 Der Igel steht im Mittelpunkt des Abends. 3 Kerstin Sauter und Barbara Schönfeld vom Igelschutzzentrum Leipzig freuen sich über den ersten Platz. 4 Hans-Günter-Eßkuchen erhält den zweiten Platz.

„Ich stehe hier an einem symbolischen Ort“, so die ersten Worte von Thomas Schröder, mit denen er die Verleihung des Deutschen Tierschutzpreises im Mediengarten in der Media City in Leipzig eröffnete. Denn an dem Ort, an dem in der Vergangenheit in einem Schlachthof Tausende Tiere ihr Leben ließen, wurden an diesem Tag Tiere und Tierschützer geehrt. Der neu erschaffene Gebäudekomplex, der der Fernseh- und Filmproduktion dient, ist damit von besonderer Bedeutung. Der Deutsche Tierschutzpreis ist mit insgesamt 6.000 Euro dotiert und wird vom Deutschen Tierschutzbund gemeinsam mit den Zeitschriften „FUNK UHR“ und „SUPER TV“ verliehen. „Die diesjährigen Preisträger haben herausragende Arbeit geleistet. Wir sind stolz, Kooperationspartner des Deutschen Tierschutzpreises zu sein“, so Kerstin Schmidt, Mitglied der Chefredaktion von „FUNK UHR“ und „SUPER TV“. Unterstützt von Whiskas und Pedigree, die unter anderem die Preisgelder stifteten, prämierte die Jury neben den ersten drei Plätzen auch dieses DU UND DAS TIER 4/2015

31


Jahr wieder ein tierschützerisches Lebenswerk und ERSTER PLATZ FÜR IGELSCHUTZ vergab außerdem einen Sonderpreis in der Kategorie Das Igelschutzzentrum Leipzig der Igelfreunde Leipzig „Tierrettung“. und Umgebung erhielt die Auszeichnung mit dem Unter einem Glasdach, das das Gefühl vermittelte, ersten Platz. Die stellvertretende Vorsitzende des unter freiem Himmel zu stehen, und inmitten zahlreiVereins, Barbara Schönfeld, nahm den Preis entgegen: cher großer Olivenbäume, hielten die geladenen Gäste „Diese Auszeichnung ist eine große Anerkennung und einen Abend lang inne, um der Tiere zu gedenken. eine große Ehre.“ In der Anfangszeit sei der Verein oft Schröder machte unter anderem auf die Missstände belächelt worden, erzählt sie. Viele seien der Meinung, in der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung und bei dass der Igel keine Hilfe brauche, da er ein Wildtier Tierversuchen aufmerksam. Er sei. „Die Menschen vergessen dabei, Der Deutsche Tierschutzpreis warf vor allem eine Frage rund dass die Notwendigkeit des Igelschutzeichnet Projekte aus, die um das Thema Tierschutz in den zes durch den Menschen selbst herlangfristig wirken und vor allem Raum: „Darf etwas erlaubt sein, beigeführt wird“, so Schönfeld. Der nachzuahmen sind. nur weil es nicht verboten ist?“ Mensch hat den Lebensraum des Igels Der Abend des Tierschutzpreises immer weiter eingeschränkt und ihn stand im Zeichen der Menschen, die sich mit all ihrer auf einen immer enger werdenden Raum gedrängt. Kraft und Zeit für Tiere in Not einsetzen und Missstän- Das Igelschutzzentrum Leipzig kümmert sich jährlich den unermüdlich entgegenwirken. um mehr als 500 verletzte Igel und verwaiste JungUta Bresan, Moderatorin der MDR Tierschutz- und tiere. Neben der Pflege und Auswilderung der Igel Tiervermittlungssendung „tierisch, tierisch!“, führte investieren die Tierschützer viel Zeit in die Öffentlichdurch den Abend. „Es ist eine Ehre für mich, diese keitsarbeit und die Naturschutzbildung. Mit interesGala zu moderieren und die Preise heute mit vergeben santen Projekten sensibilisieren sie nicht nur Kinder zu dürfen“, so Bresan. Seit 21 Jahren moderiert und Erwachsene für den Igel- und Naturschutz. Sie Bresan die Sendung „tierisch, tierisch!“. Aktuell feiert wenden sich auch regelmäßig an Baufirmen und die sie mit ihrem Team das Jubiläum der 900. Sendung. städtischen Grünflächenämter, um auch diese auf die Rund 6.500 Tiere wurden in der Geschichte der SenGefahren für die Tiere aufmerksam zu machen. Die dung in liebevolle Hände vermittelt. 3.000 Euro Preisgeld wird der Verein in das renovieDen musikalischen Rahmen gestaltete Stefanie Hertel, rungsbedürftige Außengehege investieren. langjährige Tierschutzbotschafterin des Deutschen Tierschutzbundes, gemeinsam mit dem Sänger und Gitarristen Lanny Lanner und den Sängerinnen Sängerin Stefanie Hertel (6. v. r.), Moderatorin Uta Christine und Michaela Brezovsky. „Ich bin immer Bresan (1. v. l.), Kristina Richter von der Firma Mars wieder überwältigt, wie aufopfernd sich Menschen (6. v. l.), Kerstin Schmidt (7. v. l.) von „FUNK UHR“ und um Tiere kümmern. An so einem Abend wie heute zu „SUPER TV“ und Thomas Schröder (1. v. r.), Präsident des singen, ist für mich eine ganz besondere AngelegenDeutschen Tierschutzbundes, mit den Preisträgern. heit“, so Hertel über ihren Auftritt. Margot Möbius (4. v. r.) vom Tierschutzverein Erfurt wird

© Fotos: Deutscher Tierschutzbund e.V.

für ihr Lebenswerk geehrt.

32

DU UND DAS TIER 4/2015


AKTUELL

DER HUNDEFLÜSTERER Der zweite Platz des Tierschutzpreises ging an Hans-Günter Eßkuchen aus Bochum. „Ich hatte immer gedacht, wenn meine Hunde mich anschauen, ist das Belohnung genug. Ich muss allerdings sagen, wenn einem so etwas wie heute passiert, kann das auch nicht schaden“, so Eßkuchen. Der private Tierschützer geht seit 16 Jahren im Tierheim Bochum mit Hunden spazieren. Als Mitbegründer der „Staff-Gruppe“ kümmert er sich täglich bis zu zehn Stunden vor allem um sogenannte Listenhunde. Mit viel Herzblut und Fachwissen versucht er, die Tiere zu resozialisieren und ihnen wieder Vertrauen zum Menschen zu vermitteln. Ziel ist es, sie durch die vorgeschriebenen Prüfungen zu bringen und sie anschließend in gute Hände zu vermitteln. „Die Hunde im Tierheim brauchen jemanden. Und ich habe gedacht, ich könnte derjenige sein“, erzählt Eßkuchen. Der Tierschützer macht auf die Stigmatisierung der sogenannten Kampfhunde aufmerksam. Es könne nicht sein, dass eine oder mehrere Rassen aufgrund einzelner Vorfälle in Misskredit geraten. Es müsse darauf geachtet werden, wer diese Tiere züchtet und wer sie bekommt. Das sei der erste Schritt, um die Diffamierung der Hunde auf lange Sicht zu beenden.

HOFFNUNG FÜR WILDTIERE „Man kann nicht alles retten, aber für den Einen, der gerettet wurde, bedeutet es alles“– dieser Satz steht auf der Website der Wildtierhilfe Odenwald „Koboldhof“. Die Wildtierhilfe wurde mit dem dritten Platz ausgezeichnet. „Ich bin total gerührt und überwältigt. Ich habe überhaupt nicht damit gerechnet, weil die Wildtierhilfe noch nicht so im Fokus der Öffentlichkeit steht wie zum Beispiel der Haustierschutz“, so Korinna Seybold-Hase, Leiterin der Wildtierhilfe Odenwald. Die behördlich anerkannte Pflegestation hat sich auf die Aufnahme und Pflege von verletzten und verwaisten wild lebenden Kleinsäugern spezialisiert und bietet den Tieren eine intensive Betreuung. Die Website des „Koboldhofes“ hält viele nützliche Tipps zur Erstversorgung aufgefundener Wildtierwaisen bereit. Darüber hinaus helfen die Tierschützer in Zusammenarbeit mit anderen Naturschutzorganisationen bei der Kartierung von besonders geschützten Tierarten wie Gartenschläfer oder Haselmaus. „Wir haben die Verantwortung, den Tieren zu helfen, weil wir auch die Verursacher für ihr Leid sind“, so Seybold-Hase.

Juliane Framing von Pedigree (3. v. r.), Partner des Deutschen Tierschutzpreises, und Uta Bresan übergeben den Stellvertretern der Tierschutzvereine Greiz und Umgebung, Freiburg im Breisgau und Peine und Umgegend den Preis der Sonderkategorie Tierrettung. In der Sonderkategorie Tierrettung hat sich die Jury in diesem Jahr für das Thema Animal Hoarding entschieden. Die sogenannte Tiersammelsucht stellt die Tierheime vor eine besondere Herausforderung. Die Tierschutzvereine Freiburg im Breisgau, Greiz und Umgebung sowie Peine und Umgegend erhielten die Auszeichnung stellvertretend für die Tierschutzvereine und Tierheime in Deutschland. Die drei Tierschutzvereine bewältigten in der Vergangenheit besonders schwere Fälle von Animal Hoarding. Anschließend ging die Preisverleihung in einen gemütlichen Abend bei Getränken und vegetarischen Häppchen über. Preisträger und Gäste nutzten das festliche Ambiente, um sich auszutauschen und ließen den Abend gemeinsam ausklingen.

WEB www.duunddastier.de

Erfahren Sie mehr über die Preisträger des Lebenswerks und der Sonderkategorie Tierrettung. Zudem finden Sie hier eine Bildergalerie und ein Interview mit Barbara Schönfeld.

LEBENSWERK UND SONDERKATEGORIE Margot Möbius vom Tierschutzverein Erfurt wurde mit dem Deutschen Tierschutzpreis für ihr Lebenswerk geehrt. Seit über 40 Jahren engagiert sich die Tierschützerin für Tiere in Not.

Sehen Sie sich unseren Film über das Igelschutzzentrum Leipzig an. DU UND DAS TIER 4/2015

33


Zuckende Froschschenkel, aufgeschnittene Mäuse – das und vieles mehr steht Studenten vieler naturwissenschaftlicher Studiengänge bevor. Dass dies schon lange nicht mehr zeitgemäß ist, beweisen Alternativmethoden zum „Tierverbrauch“ an Hochschulen. Von Isabel Engelhardt

34

DU UND DAS TIER 4/2015

50.288 Tiere sind 2014 laut offizieller Statistik des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) im Bereich Ausbildung und Weiterbildung eingesetzt worden – wirbellose Tiere, wie Insekten, und Tiere, die zum Zweck der Organentnahme getötet wurden, sind hier nicht mitgezählt. Mit diesem Wissen stellen sich viele angehende Studenten die Frage, ob sie es mit ihrem Gewissen vereinbaren können, ein Studium, das zum Beispiel das Sezieren von getöteten und Versuche an lebendigen Tieren beinhaltet, zu wählen. Sowohl als Arzt und Biologe als auch als Veterinärmediziner hat man während des Studiums an deutschen Hochschulen zwangsläufig damit zu tun. Die Tiere wurden eigens für den Zweck des Sezierens getötet. Diese Tatsache schreckt bereits viele von einem solchen Studium ab. Die Folge: Die Studenten entscheiden sich gegen ihren Berufswunsch und wählen ein Der vernünftige Grund: anderes Studienfach. „Niemand darf einem Tier ohne Dadurch findet gewissermavernünftigen Grund Schmerzen, ßen ein Aussieben statt, das Leiden oder Schäden zufügen.“ junge Menschen, die sich für ein solches Studium entscheiden, um später als Wissenschaftler möglicherweise an der Entwicklung moderner tierleidfreier Verfahren zu arbeiten oder gar im Bereich des Tierschutzes, ausschließt.

© Fotos: Tetra Images/Corbis, Jason Butcher/cultura/Corbis

TIERLEID IM STUDIUM?


AKTUELL

2

1

1 Eine Studentin seziert einen Frosch. 2 Es gibt heute viele moderne Methoden ohne Tierleid.

© Fotos: Simon Jarratt/Corbis (1), Deutscher Tierschutzbund e.V. (2, 3)

SEZIEREN IST PFLICHT Spätestens nach Beginn des Studiums wird klar: Die meisten praktischen Übungen, wie beispielsweise das Sezieren von Tieren, sind in der Regel verpflichtend vorgeschrieben. Ein Verweigern kommt einem Abbruch des Studiums gleich, da die Studenten einen entsprechenden Leistungsnachweis des Kurses benötigen. Das besagt die Studienordnung und hier setzt die Frage nach dem vernünftigen Grund an. Wissenschaftler, die in ihrer Forschung Tierversuche machen, arbeiten laut eigener Aussage auf ungeklärte Fragestellungen und neue Erkenntnisse hin. Im Gegensatz dazu bekommen Studenten mithilfe des Tierverbrauchs lediglich Sachverhalte vermittelt, die meist seit Langem bekannt und in den meisten Lehrbüchern zu finden sind. Liegt hier also ein „vernünftiger Grund“ vor, um Tiere töten und verwenden zu können? Wohl kaum. Des Weiteren dürfen Eingriffe an Tieren im Rahmen einer Ausbildung laut Tierschutzgesetz „(…) nur vorgenommen werden, soweit ihr Zweck nicht auf Internationale Datenbanken liefern andere Weise, insbesondere durch sowohl umfassende Informationen filmische Darstellungen, erreicht zu tierfreien Lehrmodellen als auch werden kann.“ Doch auch dieses eine umfangreiche Sammlung Kriterium erfüllt der Tierverbrauch wissenschaftlicher Studien. in der Lehre nicht. Es gibt bereits ausreichend Alternativen in Form von Videofilmen, interaktiven Computersimulationen, schmerzlosen Selbstversuchen, plastischen Modellen und vieles mehr. Diese bieten den Vorteil, dass die Studenten die Übungen wiederholen können. Zudem kommen Berührungsängste mit toten Tierkörpern gar nicht erst auf, was dem Lernerfolg der Studenten zugutekommt. Wissenschaftliche Studien belegen den gleichwertigen und zum Teil sogar besseren Lernerfolg von tierleidfreien Methoden.

INTERVIEW

Die Redaktion von DU UND DAS TIER hat mit Kristina Wagner, Expertin für Alternativmethoden zu Tierversuchen beim Deutschen Tierschutzbund, gesprochen.

ZWEI FRAGEN AN KRISTINA WAGNER

3

Was können Studenten tun, die ihr Studium ohne Tierversuche absolvieren möchten? Man sollte sich rechtzeitig informieren, ob ein Studium ohne Tierleid an der gewünschten Hochschule möglich ist. Am besten wendet man sich direkt an den jeweiligen Fakultätsleiter oder die Studienberatung. Die Gründe, wie ethische Bedenken, sollte der Student dabei auf jeden Fall darlegen. Im Falle einer negativen Antwort kann sich der angehende Student informieren, welche Lehralternativen es gibt und welche davon andere Hochschulen bereits einsetzen. Eine gute Vorbereitung ist das A und O. Mit konkreten Lösungsvorschlägen kann der Student seine Chancen erhöhen, doch an der Wunschuni tierleidfrei studieren zu können. Wie sollte die Zukunft diesbezüglich aussehen? In den letzten Jahren hat sich einiges getan. Immer mehr Dozenten greifen zu modernen Lehrmitteln oder bieten zumindest eine Alternative an. Trotzdem beharren die meisten Professoren leider nach wie vor auf vermeintlich „altbewährten“ Methoden. Aus Sicht des Deutschen Tierschutzbundes sollten Studenten an allen deutschen Hochschulen ohne Tierverbrauch und ohne Benachteiligung studieren können. Langfristig sollte es verpflichtend vorgeschrieben sein, dass Studenten moderne Methoden ohne Tierleid nutzen. Auch die Entwicklung alternativer Lehrmodelle sollte verstärkt gefördert werden. Um bereits im Studium Nachwuchswissenschaftler gegenüber der Problematik von Tierversuchen zu sensibilisieren, wäre es förderlich, flächendeckend speziell zugeschnittene Ethik-Vorlesungen und Seminare anzubieten. Die Gewissensfreiheit eines jeden einzelnen, der wissenschaftliche Anspruch und der Schutz der Tiere müssen Vorrang haben. DU UND DAS TIER 4/2015

35


AKTUELL

FREIHEIT

MIT GUTEM GEWISSEN

Eine Katze, die nach draußen darf, kann sich jeden Tag auf neue Abenteuer freuen. Einige Dinge muss der verantwortungsvolle Katzenhalter dennoch beachten. Von Nadia Wattad

36

DU UND DAS TIER 4/2015

Es ist 7 Uhr. Die Samtpfote hat es sich bereits seit Stunden im Bett bequem gemacht und stolziert nun von Minute zu Minute aufdringlicher auf ihrem „Dosenöffner“-Menschen herum. Zeit fürs Frühstück. Danach geht sie am liebsten auf Entdeckungstour nach draußen in die Natur. Wer im Erdgeschoss wohnt, hat Glück – hier lässt sich eine Katzenklappe gut anbringen. Die Katze hat so die Möglichkeit, nach Belieben und eigenständig die Wohnung zu betreten oder zu verlassen. Die Auswahl an solchen Katzenklappen ist riesig. Das klassische Modell kann der Tierhalter je nach Hersteller entweder an der Terrassentür oder in Holz- oder Paneeltüren anbringen – das Einverständnis des Vermieters vorausgesetzt. Die Größe der Klappenöffnung sollte natürlich an die Größe der Katze angepasst sein. Es gibt auch

Katzenklappen, die die Samtpfote über einen Sensor öffnen kann. Im ersten Moment klingt das sehr praktisch, aus Tierschutzsicht ist hier jedoch Vorsicht geboten: Nur Systeme, die über den unter der Haut transplantierten Registrierungs-Transponder funktionieren, sind wirklich zu empfehlen. Viele Hersteller geben jedoch an, dass die Katzen den Erkennungs-Sensor an einem Halsband tragen sollen. Der Deutsche Tierschutzbund rät ausdrücklich von Halsbändern bei Katzen ab. Bei der Fellpflege, beim Spielen oder Klettern können die Tiere damit hängen bleiben. Im schlimmsten Fall strangulieren sie sich. Auch das noch so reiß- und dehnfähigste Halsband birgt diese potenziell tödliche Gefahr. Wer in einem höheren Stockwerk wohnt, kann seiner Katze – nachdem der Vermieter sein Okay gegeben hat – mit einer speziellen


AKTUELL

Katzenrampe ebenfalls Freilauf verschaffen. Sie sollte breit genug, nicht zu steil angebracht und auch bei Regen rutschfest sein.

© Fotos: Deutscher Tierschutzbund e.V./Ehrhardt, Rita Kochmarjova - Fotolia.com, humonia/iStock, Illustration: dworak & kornmesser

AUTOS BLEIBEN FÜR KATZEN ZEITLEBENS GEFÄHRLICH Da nicht viele Menschen das Glück haben, in einer autofreien Zone zu leben, bleibt die Katze auch in einem Wohngebiet in verkehrsberuhigter Lage unkalkulierbaren Gefahren ausgesetzt. Gerade junge Tiere können viele gefährliche Situationen nicht richtig einschätzen und haben noch keine natürliche Angst vor Autos. Insofern sollte der verantwortungsvolle Halter seinen Katzenwelpen, aber auch seine neu adoptierte erwachsene Katze, erst nach circa vier Wochen Eingewöhnungszeit nach draußen lassen und anfangs begleitend dabei bleiben. Katzen verstecken sich zudem sehr gerne und sind neugierig. So kann es natürlich schnell passieren, dass eine Katze versehentlich in der Nachbarschaft in einer Garage eingeschlossen wird. Dem kann man entgegenwirken, indem die Nachbarn von der eigenen Katze wissen. So werden diese sensibilisiert, vor dem Verschließen einer Einmal Freigänger, immer FreiGarage noch mal gänger. Darüber muss sich der genauer nachzuTierhalter im Klaren sein – auch schauen. Natürnach einem Umzug oder wenn lich kann es auch die Katze den Besitzer wechselt. andere Gründe haben, dass eines Tages die Katze nicht zurückkommt. Dazu zählt zum Beispiel gut gemeintes Füttern in der Nachbarschaft. Dies führt dazu, dass die Katze ihren eigentlichen „Dosenöffner“ nicht mehr braucht. Sie hat einen neuen gefunden, der sie durchfüttert. Veränderungen im Umfeld, wie Familienzuwachs oder ein neuer Spielkamerad für die Katze, können ebenfalls zu einem Abtauchen des Tieres führen. Bekommt eine Familie zum Beispiel Nachwuchs, dann sollte sie den Stubentiger auf die veränderte Situation vorbereiten und ihn nicht vor vollendete Tatsachen stellen. Bereits einige Wochen vor der Geburt des Kindes sollte die Mutter in spe viele die Katze betreffende Aufgaben auf andere Familienangehörige übertragen. Dazu zählt neben dem Füttern auch das Spielen mit dem Stubentiger. So kann sich das Tier viel besser umgewöhnen und es wird nicht eifersüchtig, wenn das Frauchen bald weniger Zeit hat. Das Reinigen des Katzenklos, das auch eine Freigängerkatze in der Wohnung braucht, sollte von Beginn der Schwangerschaft an zum Schutz des ungeborenen Kindes ohnehin nicht mehr von der Mutter gereinigt werden. Katzen können nämlich Toxoplasmose übertragen – eine Infektionskrankheit, die den Fötus schwer schädigen kann.

Katzenklappen ermöglichen Mensch und Tier mehr Flexibilität.

POPULATIONSANSTIEG UNKASTRIERTER KATZEN Angenommen, dass eine Katze wenigstens zweimal im Jahr Nachwuchs bekommt, jeweils nur drei Junge pro Wurf überleben und die Katzen sich jeweils fremde Partner suchen, ergibt dies rechnerisch nach einem Zeitraum von zehn Jahren über 240 Millionen Nachkommen. Dieses Rechenbeispiel zeigt, warum die Kastration der Tiere so wichtig ist.

240. 000.000

NACH KOMMEN

NACH 10 JAHREN

FREIGÄNGERKATZEN UNBEDINGT KASTRIEREN LASSEN Für die meisten Halter von Freigängerkatzen ist es inzwischen selbstverständlich: das notwendige Kastrieren der männlichen und weiblichen Katzen. Nur so lässt sich die stetig ansteigende Population frei lebender Katzen in den Griff bekommen, die ursprünglich alle von nicht kastrierten Hauskatzen oder auch ausgesetzten Tieren abstammen. Viele der Tiere sind krank, unterernährt oder verletzt. Als domestizierte Haustiere sind Katzen nicht mehr in der Lage, sich und ihre Nachkommen vollständig alleine zu versorgen. Die Kastration birgt neben der Unfruchtbarmachung auch den Vorteil, dass der Fortpflanzungsdrang und das daraus resultierende Verhalten bei den Tieren deutlich abnehmen. Dadurch kommt es auch zu weniger Streitigkeiten und Verletzungen bei den Tieren. Insgesamt sinkt so auch die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Katzen mit gefährlichen Infektions-

DU UND DAS TIER 4/2015

37


TIPP

AKTUELL

CHECKLISTE

FÜR KATZENHALTER

 tellen Sie Ihr Tier jährlich dem Tierarzt S vor und lassen Sie Ihre Katze regelmäßiggegen Tollwut, Katzenseuche und Katzenschnupfen impfen.

1

2

1 Im Freien gibt es hinter jedem Mauervorsprung viel zu entdecken. 2 Ein Tierarzthelfer liest den Mikrochip aus, mit dem diese Katze gekennzeichnet ist.

Entwurmen Sie Ihre Katze regelmäßig – vor allem, wenn Kinder, alte Menschen oder schwangere Personen im Haushalt leben.  enken Sie an die Zecken- und FlohD prophylaxe. Viele Parasiten sind auf den Menschen übertragbar. Entfernen Sie den Kot Ihrer Katze, auch wenn Sie ihn draußen finden. Dazu gehört auch ein tägliches Reinigen der Katzentoilette. 

ausdrücklich zur Kastration aller Freigängerkatzen. krankheiten wie der sogenannten Leukose oder dem Katzenaids anstecken. Insbesondere unkastrierte Kater Wenn die geliebte Katze eines Tages nicht mehr zurückkommt, kann das unterschiedliche Gründe haben. entfernen sich teilweise sehr weit von ihrem HeimatOhne eine eindeutige Kennzeichrevier. Manchmal sind sie tagelang Gekennzeichnete und registrierte nung und Registrierung schwinden unterwegs oder kommen gar nicht Tiere können viel besser wieder- die Chancen rapide, das vermisste mehr zurück. Auf der Suche nach gefunden werden. Tier wiederzufinden. Ist die Katze Geschlechtspartnern ist das Tier mit einem Transponder gekennzeichim Straßenverkehr besonders genet – ein reiskorngroßer Chip mit einer einprogramfährdet. Der unkastrierte Kater legt nämlich durchaus mierten Identifikationsnummer, den der Tierarzt mit weite Strecken zurück und muss dafür viele Straßen einer Spritze injiziert – ist der erste Schritt bereits überqueren. Der Deutsche Tierschutzbund rät daher getan. Wenn der Chip registriert ist, zum Beispiel beim Haustierregister des Deutschen Tierschutzbundes, besteht eine realistische Chance, das Tier wiederzufinden.

Erfahren Sie, wie Sie Ihre Katze beschäftigen können, wie Sie der Katze unerwünschtes Markieren im Haus abgewöhnen und wie Sie Katze und Kleinkind ungefährlich aneinander gewöhnen können.

www.registrier-dein-tier.de Registrieren Sie Ihr Tier schnell, kostenlos und einfach beim Deutschen Haustierregister. Ein 24-Stunden-Service-Telefon des Deutschen Haustierregisters steht Ihnen unter folgender Nummer zusätzlich zur Verfügung: 0228-60496-35.

38

DU UND DAS TIER 4/2015

DER MENSCH MUSS SEINE ÄNGSTE ÜBERWINDEN Fazit: Auch wenn die Katze in der Natur mehr Gefahren ausgesetzt ist als in der Wohnung, sollte das kein Grund sein, sie einzusperren. Im Grunde muss der Mensch seine Ängste überwinden und sich von dem Gedanken verabschieden, dass die Katze überfahren, versehentlich eingesperrt oder von Hunden verfolgt wird. Es kann immer etwas passieren, muss aber nicht. Sie sollten sich eher vor Augen halten, dass Sie den Alltag der Katze maßgeblich bereichern, wenn Sie ihr die Welt da draußen nicht vorenthalten. Sie wird es Ihnen danken und nach ihrer Heimkehr von weiteren Abenteuern in Ihren Armen weiterträumen.

© Fotos: schmidt-roeger.de (1), Igor Mojzes - Fotolia.com (2)

WEB www.duunddastier.de


AKTUELL

TIERSCHUTZFRÜHSTÜCK VOLL ETABLIERT Zum vierten Mal veranstaltete der Deutsche Tierschutzbund in seinem Hauptstadtbüro das Parlamentarische Tierschutzfrühstück. Die politische Zusammenkunft war ein voller Erfolg. Von Frank Meuser

© Foto: Deutscher Tierschutzbund e.V.

Wie sehr sich diese Veranstaltung im politischen Berlin mittlerweile etabliert hat, zeigt die überwältigende Zahl der Teilnehmer. Mehr als 100 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Forschung und Partnerverbänden sind der Einladung gefolgt, darunter zahlreiche Bundestagsabgeordnete aller Fraktionen sowie Vertreter der Bundesregierung und der Bundesländer. Thomas Schröder nutzte die Begrüßung „Die Mitte der Legislaturperiode der Gäste für einen Appell an die zahlreiist erreicht, man hat schon zu chen Vertreter der Großen Koalition und viel Zeit mit Reden verloren. Es betonte die einstimmigen Beschlüsse der bedarf endlich Taten statt WorMitgliederversammlung, siehe Seite 42. ten“, so Thomas Schröder. Die zahlreichen Versprechen des Koalitionsvertrages müssten endlich in ein parlamentarisches Verfahren überführt werden, wenn die Große Koalition glaubwürdig bleiben wolle. Neben

1. Reihe v. l. n. r.: Wilhelm Priesmeier, Ute Vogt, Christina Jantz, Birgit Menz, Gabriele Hiller-Ohm.

Landwirtschaft und Forschung ging Thomas Schröder besonders auf das Problem des Handels und der Haltung von exotischen Wildtieren ein und zitierte aus dem Koalitionsvertrag, der ein Importverbot von Wildfängen in die EU sowie ein Verbot von gewerblichen Tierbörsen für exotische Tiere vorsieht.

DIE POSITIVLISTE IST UNUMGÄNGLICH Angesichts der Zahl von mehr als 30.000 exotischen Wildtieren, die die Tierheime in den vergangenen Jahren aufgenommen und versorgt haben, sei eine Positivliste sowie ein Verbot von gewerblichen Tierbörsen unumgänglich. An die eingeladene Bundesministerin für Umwelt und Bauen, Dr. Barbara Hendricks, richtete er daher die Fragen: Wann kommt die Positivliste zur Haltung in privater Hand? Wann kommt die Tat nach dem Wort? DU UND DAS TIER 4/2015

39


1

3

2

40

DU UND DAS TIER 4/2015

4

GEMEINSAM GEGEN WILDTIERHANDEL KÄMPFEN In ihrem Grußwort lobte die Bundesministerin die Arbeit des Deutschen Tierschutzbundes und wies darauf hin, dass Tier- und Artenschutz unverzichtbare Bestandteile einer verantwortungsvollen Umweltpolitik sind. Daher werde die Bundesregierung den Kampf gegen den illegalen Wildtierhandel unterstützen und sich für die Einführung einer ressortübergreifenden Haltungsverordnung für Wildtiere einsetzen. Diese solle neben Tierschutzgründen auch die Gefährlichkeit, die Giftigkeit und die Invasivität der Arten berücksichtigen. Auch schlug die

Bundesministerin vor, die in einigen Nachbarländern bereits geltenden Positivlisten als Vorbild für Deutschland zu nehmen. Als „skandalös“ verurteilte Dr. Barbara Hendricks die Wilderei und den Abschuss von Wildtieren zur Trophäenjagd am Beispiel des Löwen Cecil. Der Kampf gegen die weltweit zunehmende Wilderei und den illegalen Artenhandel sei ihr ein persönliches Anliegen, welches sie in Zusammenarbeit mit den USA, Großbritannien und Frankreich weiter voranzutreiben gedenkt. Die zahlreichen Gespräche während des vegan-vegetarischen Frühstücks haben gezeigt, dass die Botschaft angekommen ist. Der Deutsche Tierschutzbund wird weiterhin entschlossen dafür kämpfen, dass die Große Koalition ihre Versprechen einlöst und den Koalitionsvertrag endlich umsetzt. Nicht nur bei der Frage der Wildtiere, sondern auch in den anderen Bereichen. Sollten nicht bald Taten folgen, werden die Tierschützer deutliche Worte finden.

© Fotos: Deutscher Tierschutzbund e.V.

1 V. l. n. r.: Bundesministerin Dr. Barbara Hendricks, Wilhelm Priesmeier, MdB, SPD, Jörg Altemeier, Ute Vogt, MdB, SPD, Christina Jantz, MdB, SPD, Carsten Träger, MdB, SPD, Birgit Menz, MdB, Die Linke, Eva Bulling-Schröter, MdB, Die Linke, Gabriele Hiller-Ohm, MdB, SPD. 2 V. l. n. r. (alle MdB, Grüne): Peter Meiwald, Nicole Maisch, Harald Ebner. 3 1. v. l.: Dr. Brigitte Rusche, vorne: Thomas Schröder. 4 V. l. n. r. (alle MdB, Die Linke): Birgit Menz, Kirsten Tackmann, Eva Bulling-Schröter.


AKTUELL

INTERVIEW

Die Redaktion von DU UND DAS TIER hat im Rahmen des Parlamentarischen Tierschutzfrühstücks mit Dr. Barbara Hendricks, Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB), gesprochen.

bin ich auch gerne zum Parlamentarischen Frühstück gekommen.

© Foto: BMUB/Harald Franzen

DREI FRAGEN AN DR. BARBARA HENDRICKS

Der Tierschutz fällt grundsätzlich nicht in Ihren Zuständigkeitsbereich. Welche Möglichkeiten Ihres Hauses sehen Sie, wenn es um den Tierschutz geht? Ich bin für den Artenschutz zuständig. Dabei geht es um das Wohlergehen und den Schutz von Tieren und Pflanzen in ihren natürlichen Lebensräumen. Ich will aber auch helfen, dass die Nachfrage in Deutschland und darüber hinaus nicht zu Gefährdungen von Tier- und Pflanzenbeständen in anderen Teilen der Welt führt, zum Beispiel beim Elefanten, Nashorn, Löwen oder auch bei vielen Reptilien. Wenn Tiere, die aus Gründen des Artenschutzes Besitz- und Handelsbeschränkungen unterliegen, ausnahmsweise in Menschenobhut gehalten werden dürfen, dann möchte ich auch, dass diese Haltungen guten fachlichen Standards entsprechen. Wenn Tiere schon nicht in der Natur leben, sollen sie in Haltungen auch nicht leiden. Tierschutz bei der Haltung ist deswegen auch Bestandteil artenschutzrechtlicher Vorgaben. Aber auch unabhängig von meinem eigentlichen Aufgabenbereich: Ich möchte jedem unnötigen Tierleid sowie Schmerzen und Qualen von Tieren im Rahmen meiner Möglichkeiten entgegentreten. Ich freue mich, wenn sich der Deutsche Tierschutzbund auch auf dem Gebiet des Wildtierhandels engagiert und deshalb

Welche Maßnahmen plant Ihr Ministerium, um stärker gegen den Internethandel mit bedrohten Arten vorzugehen? Die Kontrolle des Internets auf illegale Geschäfte ist in allen Bereichen – nicht nur beim Artenschutz – eine Herausforderung für die Behörden. Die artenschutzrechtlichen Besitz- und Handelsbeschränkungen gelten auch für Käufe im Internet. Das BMUB führte im Frühjahr 2015 einen Workshop mit Vertretern der größten Plattformprovider in Deutschland durch, um Maßnahmen zur Regulierung und Eindämmung des Onlinehandels mit geschützten Arten zu diskutieren. Dabei wurde eine enge Zusammenarbeit und Unterstützung zwischen Providern und Bundesbehörden vereinbart, um in Zukunft den legalen Handel besser zu kontrollieren und den illegalen Handel zu bekämpfen. Sehen Sie ein Verbot der Einfuhr von Jagdtrophäen als ein geeignetes Mittel an, die Trophäenjagd auf vom Aussterben bedrohte Tierarten einzudämmen? Deutschland ist dem vorsorgenden Artenschutz verpflichtet und hat sich international und in der Europäischen Union führend und engagiert dafür eingesetzt, dass durch die Trophäenjagd freilebende Populationen nicht gefährdet werden. Der Rechtsrahmen ist durch die Verordnung (EG) Nr. 338/97 einheitlich

und verbindlich in der EU festgelegt worden. Mehr Sorge machen mir in diesem Zusammenhang Arten mit geringerem Schutzstatus. Bei diesen Arten, wie zum Beispiel dem Löwen, sieht das internationale Recht keine Überprüfung der Nachhaltigkeit beim internationalen, nicht kommerziellen Handel mit Trophäen vor. Das ist nicht akzeptabel. Gerade beim Löwen beobachteten wir starke Bestandsrückgänge in den vergangenen Jahren, die zum Teil auch auf eine nicht nachhaltige Bejagung zurückgehen. Die Bundesregierung hat darum über die Positionierung in der EU für eine Verschärfung auf internationaler Ebene gekämpft. Die vergangene CITES-Vertragsstaatenkonferenz hat diese Verschärfung aber leider nicht unterstützt. Die Bundesregierung konnte aber erreichen, dass für Trophäen bei sechs Arten zumindest auf EU-Ebene eine Einfuhrgenehmigungspflicht geschaffen wird, in deren Rahmen geprüft wird, ob die Bejagung der jeweiligen Population geschadet hat oder nicht. Auf dieser Basis hat die Union etwa die Einfuhr von Trophäen des afrikanischen Elefanten aus Tansania abgelehnt. In Bezug auf die Ausfuhr von Löwentrophäen aus Tansania ist diesem Staat eine Senkung seiner Quote nahegelegt worden; diese Entscheidung steht im Frühjahr 2016 zur Überprüfung an. Ich wünsche mir eine weitere Verbesserung der internationalen Regelungen bei Jagdtrophäen unter Artenschutzgesichtspunkten und werde mich in dieser Sache auch weiterhin engagieren.

WEB www.duunddastier.de

Das vollständige Interview mit Bundesministerin Dr. Barbara Hendricks lesen Sie auf unserer Internetseite.

DU UND DAS TIER 4/2015

41


Das Präsidium des Deutschen Tierschutzbundes, v. l. n. r.: Heinz Kourim, Thomas Schröder, Dr. Brigitte Rusche, Renate Seidel, Jürgen Plinz und Dr. Hans-Hermann Lambracht.

42

DU UND DAS TIER 4/2015

© Fotos: Deutscher Tierschutzbund e.V.

TIERSCHUTZ MIT HERZ UND VERSTAND


Z D D

AKTUELL

Der Tag der Mitgliederversammlung in Stuttgart war ein guter Tag für den Deutschen Tierschutzbund – denn er bestätigte die Geschlossenheit und Stärke des Verbandes. Von Nadia Wattad

„Tierschutz mit Herz und Verstand – gemeinsam sind wir stark!“ – so lautete das Motto der diesjährigen Mitgliederversammlung des Deutschen Tierschutzbundes in Stuttgart. Am Vorabend hatte der Verband die teilnehmenden Tierschutzvereine zu Themenforen eingeladen. In diesen ging es um die vom Deutschen Tierschutzbund entwickelte Software TEO, mit dem der Verwaltungsalltag im Tierheim bestritten wird, den illegalen Welpenhandel und die landwirtschaftliche Tierhaltung. Interaktiv konnten die Teilnehmer im vierten Workshop „Tierisch jugendlich aktiv“ werden. An Jugendarbeit interessierte Tierheimmitarbeiter lernten dort einige spielerische Ansätze aus dem Bereich Tierschutz für ihren Alltag mit Jugendgruppen kennen. Am Tag der Mitgliederversammlung waren die Ränge des Saals im Evangelischen Bildungszentrum Hospitalhof Stuttgart gut besetzt. Die Wahl des Präsidiums und die Verleihung des Adolf-Hempel-Preises fand noch am selben Tag statt. Das bisherige Präsidium trat zu der Wahl erneut an und wurde in den bisherigen Ämtern bestätigt. Thomas Schröder kann sich nun auf eine zweite Amtszeit als Präsident des Deutschen Tierschutzbundes freuen und Dr. Brigitte Rusche und Renate Seidel wiederholt auf die Aufgaben als Vizepräsidentinnen. Auch Jürgen Plinz bleibt seinem Amt als Schatzmeister treu. Erfreulicherweise wurden alle zur Wahl stehenden Ämter ohne Gegenstimmen wiedergewählt. Eine hohe Auszeichnung des Deutschen Tierschutzbundes – die Goldene Ehrennadel – konnten Heinz-Peter

Zimmermann und Ralf Peter Schmid entgegennehmen. Beide haben bis zur Mitgliederversammlung in Ehrenämtern im Tierschutz gewirkt, zuletzt auch in der Funktion des besonderen Aufsichtsorgans. Dieses Amt gaben nun beide ab.

1

POLITISCHE VERTRETER VOR ORT Da die Mitgliederversammlung dieses Jahr in Baden-Württemberg stattfand, sprach Herbert Lawo vom gastgebenden Landestierschutzverband das Grußwort. Er erwähnte lobend, dass es in Baden-Württemberg ein neues Jagd- und Wildtiermanagementgesetz gibt. Hier sei zwar nicht alles wie vom Deutschen Tierschutzbund gewünscht umgesetzt worden, aber es sei zumindest ein Ansatz. Allerdings kritisierte Lawo, dass das Thema Tierversuche in Baden-Württemberg immer noch auf die leichte Schulter genommen werde: „Wir erwarten von der grün-roten Landesregierung jetzt ein klares Konzept, wie der Ausstieg aus Tierversuchen in Einrichtungen im Land gestaltbar ist.“ Er ergänzte jedoch, dass er es als Ausdruck der Wertschätzung der gemeinsamen Arbeit ansehe, dass politische Vertreter vor Ort seien. So auch Alexander Bonde, Landesminister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz in Baden-Württemberg, der in der vorhergehenden Sitzung des Länderrates Rede und Antwort stand. „Ich freue mich, dass wir Vertretung vom Bundestag dabei haben. Es gibt noch Themen, bei denen wir weiterkommen müssen. Damit wir das schaffen, brauchen wir die Soli-

2

1 Denis Serogin, Irina Naumova, Ines Krüger und Valeriy Znamerovsky. 2 Thomas Schröder übergibt Minister Alexander Bonde das „Schwarzbuch“.

darität aller, die da sind. Ich wünsche mir von allen einen Schub in unserer gemeinsamen Tierschutzarbeit“, so Lawo. Nach diesem Auftakt begrüßte Schröder die Gäste, unter denen auch die politischen Vertreter Ute Vogt, MdB, Wolfgang Reimer (Grüne), Amtschef des Agrarministeriums, Dr. Cornelie Jäger, Tierschutzbeauftragte des Landes Baden-Württemberg, und deren Stellvertreter, Dr. Christoph Maisack, waren. Auch die Partner des Deutschen Tierschutzbundes, Whiskas und Pedigree, vertreten durch Ursula Wolff, Kristina Richter und Rolf Zepp, begrüßte Schröder herzlich. Ganz besonders freute sich der Präsident darüber, dass Repräsentanten des DU UND DAS TIER 4/2015

43


1

WERTEWANDEL NUTZEN

2

1 Die Goldene Ehrennadel erhalten Ralf Peter Schmidt (links) und Heinz-Peter Zimmermann (rechts). In der Mitte: Jürgen Plinz. 2 V. l. n. r.: Renate Seidel und Verena Mißler beim Themenforum Welpenhandel.

Tierschutzzentrums Odessa nach Stuttgart gekommen waren: Valeriy Znamerovsky, Cheftierarzt des Tierschutzzentrums, Irina Naumova, die Direktorin, und Obertierarzt Denis Serogin. Frau Naumova ergriff die Gelegenheit vor Ort, um sich in einer Ansprache zu bedanken: „In diesem Jahr feiern wir das zehnjährige Bestehen unserer Tierschutzarbeit. Mit 70.000 Straßentieren haben wir angefangen und jetzt sind es nur noch höchstens 10.000. Das ist unser gemeinsamer Erfolg. Das konnte nur wegen des Deutschen Tierschutzbundes stattfinden.“ Nicht so wie viele andere Organisationen, die anfangs viel versprochen hätten, habe der

44

DU UND DAS TIER 4/2015

In seiner Rede ging Schröder auf den immer stärkeren Wertewandel ein, der sich in der Gesellschaft abzeichne. Dieser sei erkennbar an den vielen Aktionen für mehr Tierschutz, an denen sich die Menschen quer durch alle Bundesländer beteiligten. So auch in Berlin, als über 50.000 Menschen während der Grünen Woche für eine neue, andere Agrarpolitik und einen respektvollen Umgang mit dem Mitgeschöpf Tier demonstriert haben. „Vor zwei Jahren haben wir die Ethik als gesellschaftliches Leitziel beansprucht: Tiere haben keinen Preis, Tiere haben einen Wert“, so Schröder. Der Präsident zählte zudem ein paar Schlaglichter der letzten zwei Jahre auf und ging dabei unter anderem auf die immer noch stattfindende Kükentötung ein. „Wie kann es sein, dass ein amtierender Bundesminister

Wer auf die Systemfrage ausweicht und sie mit Technik beantwortet, der will das System nicht ändern. selbst erklärt, dass das Töten von männlichen Eintagsküken gegen den sogenannten vernünftigen Grund gemäß dem Tierschutzgesetz verstößt, sich aber nun dafür feiern lassen will, dass es in knapp anderthalb Jahren eine neue Technik – Geschlechtserkennung im Ei – geben wird, die den millionenfachen Kükenmord beendet. Wer auf die Systemfrage ausweicht und sie mit Technik beantwortet, der will das System

nicht ändern“, so Schröder. Auch der Weg eines Verbots, die Schnäbel bei Legehennen zu kürzen, sei beschritten und ein Ende ernsthaft in Sicht. Immer mehr Bundesländer sprechen sich für ein Ende des Schnabelkürzens aus, es gibt zudem eine freiwillige Vereinbarung der Geflügelbranche mit dem Bundesminister. Hier werde deutlich, dass der Kampf des Deutschen Tierschutzbundes für eine andere Tierhaltung in der Landwirtschaft wirke. Dies zeige auch die Entwicklung des qualvollen betäubungslosen Kastrierens von Ferkeln. Ein Verbot dessen werde zwar ab 2019 gesetzlich in Kraft treten, aber unter dem Druck des Tierschutzes beginnen immer mehr Handelsunternehmen ihre Liefervorschriften so zu ändern, dass es schon vor 2019 zu Veränderungen bei dieser Frage kommen könnte.

GESETZGEBER HAT VERSAGT Schröder erinnerte in seiner Rede zudem daran, dass der Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt bisher nur auf freiwillige Lösungen gesetzt habe. Weder gäbe es einen ausreichenden gesetzlichen Rahmen, der für mehr Tierschutz im Stall sorgt, noch eine staatliche Tierschutzkennzeichnung, die dem Verbraucher Orientierung bietet. Auch für das Töten trächtiger Rinder gäbe es keinen vernünftigen, sondern nur einen wirtschaftlichen Grund. Dies sei nicht akzeptabel. Zudem ging der Präsident auf das Thema Tierversuche ein. Er betonte, dass der Verband bei der EU eine Beschwerde gegen die deutsche Umsetzung der EU-Tierversuchsverordnung eingereicht habe. Das Verfahren laufe. Positiv sei, dass der Deutsche Tierschutzbund es in Zusammenarbeit mit dem europäischen Dachverband geschafft habe, dass bei der neuen EU-Biozid-Verordnung auf 40 Prozent der vorgesehenen Tierversuche verzichtet wird. Weiterer Bestandteil der Rede war auch die Durchsetzung der Ver-

© Fotos: Deutscher Tierschutzbund e.V.

Deutsche Tierschutzbund zu seinem Wort gestanden. So sei die Kastration der einzige gemeinsame Weg zur Reduzierung der Straßentiere. Viele umliegende Gemeinden würden inzwischen das Tierschutzzentrum Odessa besuchen, um Erfahrungen zu sammeln. In diesem Zusammenhang sprach Schröder Wolfgang Apel und Gerd Fischer für deren Unterstützung in der Ukraine seinen Dank aus.


bandsklage als Tierschutzstaatsziel. Das Verbandsklagerecht auf Bundesebene sei der Zukunftswunsch. Zudem müsse auch die Haltung von Wildtieren in privater Hand geregelt werden. Hierfür sei eine Positivliste notwendig. Auch die Veranstalter von Jagdreisen und die Touristen, die diese zweifelhaften Reisen buchen, prangerte er an: „Diesen Trophäenjägern leuchten die Augen doch nur, weil die Sonne von hinten durch das hohle Hirn durchscheint.“ Auch zum Auslandstierschutz äußerte sich Schröder: „Es bleibt bei unserer Linie, Selbsthilfe zur Hilfe vor Ort. So praktizieren es unsere Kooperationspartner erfolgreich, nur so können wir nachhaltigen Tierschutz etablieren.“ Die nach wie vor katastrophale Lage der Tierheime war auf der Mitgliederversammlung ebenfalls Thema. „Ich finde es beschämend, wie in den meisten Kommunen mit Tierschützern umgegangen wird. Wir wollen keine Almosen, sondern ein Leistungsentgelt“, so Schröder. Der Dachverband helfe seinen Mitgliedsvereinen massiv: mit Wissen, mit Sachspenden und enormen finanziellen Hilfen.

DIE RESOLUTIONEN Im Anschluss wurden die Resolutionen „Stoppt den illegalen Welpenhandel“ und „Bundesregierung: Halbzeit der Großen Koalition“ vorgestellt. Die anwesenden Vertreter der Mitgliedsvereine stimmten beiden Resolutionen zu. Alle waren sich einig, dass die Massenproduktion von Hundewelpen für den Handel ein ernsthaftes Tierschutzproblem ist und dass das Leid der Hundewelpen exemplarisch für das Leid der Muttertiere steht. Die Mitgliederversammlung forderte daher eine grenzübergreifende Sonderkommission Hundehandel, eine gesetzliche Regelung bei einer Beschlagnahmung zugunsten der Tierheime und den Erlass einer Heimtierschutzverordnung. Die Teilnehmer der Mitgliederversammlung waren sich zudem darüber einig, dass sich die große Koalition auch im nächsten Regierungsjahr für weitere Tierschutzmaßnahmen einsetzen müsse. Die Anwesenden forderten daher, die im Koalitionsvertrag festgelegten Maßnahmen zum Tierschutz unverzüglich umzusetzen. Anstelle von Absichtserklärungen und freiwilligen Lösungen seien verbindliche ordnungsrechtliche Regelungen zu schaffen, um den selbst gesetzten Zielen gerecht zu werden. Wenn die Bundesregierung untätig sei, müssten die Koalitionsfraktionen ihrer Rolle als Gesetzgeber nachkommen und die notwendigen Initiativen auf den Weg bringen, die im Koalitionsvertrag versprochen wurden.

DANK FÜR KONSTRUKTIVE ARBEIT Schröder dankte am Tag seiner Wahl besonders allen Mitstreitern im Länderrat und in allen Gremien. Sein Dank galt aber besonders Renate Seidel und Dr. Brigitte Rusche, Jürgen Plinz und Heinz Kourim. Insbesondere hob er Ehrenvizepräsident Dr. Hans-Hermann Lambracht

INFO

AKTUELL

DIE GREMIEN

IN IHREN ÄMTERN

DAS PRÄSIDIUM UND DIE GREMIEN DES DEUTSCHEN TIERSCHUTZBUNDES • D as Präsidium: Präsident Thomas Schröder, die Vizepräsidenteninnen Dr. Brigitte Rusche und Renate Seidel und Schatzmeister Jürgen Plinz. • D as besondere Aufsichtsorgan: Andreas Lindig, Herbert Lawo und Jan Redeker. Deren Stellvertreter sind: Hans-Jürgen Holler, Holger Sauerzweig-Strey und Gerd Fischer. • D er Beschwerde- und Schlichtungsausschuss: Manfred Graff, Peer Fiesel und Beatrice Speicher-Stengler. Deren Stellvertreter sind: Hans-Jürgen Kost-Stenger, Vera Steder und Susanne Tolkmitt. • D er Ombudsmann: Hans-Jürgen Kost-Stenger und sein Stellvertreter Manfred Graff.

hervor, der den Deutschen Tierschutzbund am Tag der Versammlung seit 30 Jahren in führenden Ämtern unterstützte. „Lieber Herr Dr. Lambracht, es ist beeindruckend, mit welchem Engagement und auch mit welchem Detailwissen Sie bis heute das Präsidium und damit den Tierschutz bereichern“, so Schröder. Auch dem Ehrenpräsidenten Wolfgang Apel sprach Schröder seinen besonderen Dank aus, denn er sei es gewesen, der den guten, tadellosen Ruf des Deutschen Tierschutzbundes in seiner Amtszeit mit aufgebaut habe. Darüber hinaus dankte Schröder auch Kurt Beck und Nicole Brühl, die nach Satzung als kooptierte Präsidiumsmitglieder erfolgreich mit dem Deutschen Tierschutzbund gewirkt hätten. „Natürlich gilt es auch, Ihnen allen hier im Saal und draußen vor Ort als Mitstreiter zu danken. Ohne Sie vor Ort besäße der Dachverband keine so starke Stimme“, schloss Schröder seine Dankesrede. Er wies zum Schluss noch einmal darauf hin, dass der Deutsche Tierschutzbund viel geschafft habe und dass es immer noch viel zu schaffen gäbe. „Wer, wenn nicht wir? Wann, wenn nicht jetzt? Wie, wenn nicht in dieser großen, seriösen und solidarischen Gemeinschaft mit Herz und Verstand? Gemeinsam sind wir stark. Tiere haben keinen Preis, Tiere haben einen Wert“, gab Schröder allen Anwesenden mit auf den Weg.

WEB www.duunddastier.de

Eine Bildergalerie, die die spannenden Tage und die Themenforen rund um die Mitgliederversammlung zeigt, finden Sie auf der Internetseite von DU UND DAS TIER. DU UND DAS TIER 4/2015

45


GROSSES INTERESSE AM ADOLF-HEMPEL-PREIS Die engagierten Jugendlichen haben es der Jury des Deutschen Tierschutzbundes nicht leicht gemacht, denn viele hatten sich um den Adolf-Hempel-Preis beworben. Von Maja Masanneck

1

WANDERAUSSTELLUNG DER ORTSJUGENDPFLEGE NIEDERAULA Über den ersten Platz konnten sich 13 Jugendliche im Alter von zwölf bis 22 Jahren freuen, die sich sehr umfassend und nachhaltig mit dem Thema Tierschutz auseinandergesetzt haben. So entwickelten die jungen Tierschützer eine attraktive Ausstellung, die sie mit informativen Texten und Schaubildern versehen hatten. Besonderes Highlight waren die sehr aufwendig und individuell gestalteten Visualisierungselemente. Passend zum jeweiligen Thema veranschaulichten Käfige, Plüschtiere oder zum Aquarium umgestaltete Vitrinen eindrucksvoll das oftmals versteckte Tierleid. Viele konkrete Eindrücke entstanden bei Exkursionen, Tierheimbesuchen oder Ausflügen zu Tierhilfe-Einrichtungen. Die Jugendlichen hielten Mahnwachen, riefen kreative Spendensammlungen ins Leben und unterstützten aktiv Tierschutzinitiativen. Da schon früh der Wunsch bestand, das neue Wissen zu teilen, halfen sie bei einer Passionsandacht und organisierten einen öffentlichen Poetry Slam. Eine Wanderausstellung ist das Ergebnis ihres über ein Jahr andauernden Einsatzes für die Tiere.

46

DU UND DAS TIER 4/2015

1 2 3

Tierschutzjugend „Bochumer Wildbienen“ des Tierschutzvereins Bochum Hattingen u. U.

Evangelische Ortsjugendpflege Niederaula in Hessen

Initiativgruppe der Tierschutzjugend vom Tierschutzverein für Berlin und Umgebung

Dr. Brigitte Rusche (rechts) zusammen mit den Preisträgern.

www.duunddastier.de Informieren Sie sich über weitere Projekte der Tierschutzjugend.

DAS SAGT DIE JURY ÜBER DAS PROJEKT: ✔ äußerst vielfältige Beschäftigung mit dem Thema Tierschutz ✔ sehr große Ausdauer der Jugendlichen bei den nahezu wöchentlich stattfindenden Veranstaltungen ✔ Herausragend sind die kreative Umsetzung der Ausstellung, die akribische Arbeit und Recherche sowie die optischen Hingucker, die das Interesse der Besucher anziehen.


JUGEND

2

DIE „BOCHUMER WILDBIENEN“ ZEIGEN MIT EINEM MÜLLMARATHON VIEL EINSATZ Das Jugendprojekt „Tiere leiden durch unseren Müll“ des Tierschutzvereins Bochum, Hattingen und Umgebung wurde mit dem zweiten Platz und 600 Euro Preisgeld ausgezeichnet. Seinen Lauf nahm das Projekt in einer Gruppenstunde, in der die „Bochumer Wildbienen“ den Umgebungsmüll unter die Lupe nahmen. Die Jugendlichen waren sehr erschrocken darüber, was in der Natur an Müll zu finden ist. Gemeinschaftlich beschlossen die jungen Tierschützer im Alter von zwölf bis 15 Jahren, Müll zu sammeln und damit gleich doppelt den Tieren zu helfen. DAS SAGT DIE JURY ÜBER DAS PROJEKT: Dies gelang, indem sie – ähnlich wie bei einem Spendenlauf – für jeden vollen Eimer eine ✔ ausführliche Beschäftigung mit dem Thema Müll und Umwelt Spendensumme einwarben. Die unverhofft ✔ großer Einsatz der sprichwörtlich fleißigen „Bochumer Wildbienen“ ✔ i nnovatives und zielgerichtetes Vorgehen durch die Verdopplung der gefüllten 77 Eimer zeigten das Ausmaß der Verschmutzung. eigenen „guten Tat“ mit Hilfe der Spendensammlung

© Fotos: Deutscher Tierschutzbund e.V.

DIE JUGEND VOM TIERSCHUTZVEREIN FÜR BERLIN ÜBERZEUGT MIT TIERISCHEN VIDEOS Ein intensiver Austausch mit den Tierpflegern des Tierschutzvereins führte zur Gründung einer Initiativgruppe von sechs Jugendlichen im Alter von 14 bis 16 Jahren. Diese unterstützten die Mitarbeiter in den Ferien und am Wochenende bei der Pflege der Tiere. Aus dem Wunsch heraus, die Tiere, die bisher immer noch kein neues Zuhause gefunden hatten, besser präsentieren zu können, drehten die Jugendlichen kurze Videoclips, in denen sie die Tiere vorstellten. Vorsichtiges Kennenlernen oder Spielzeug als Motivation

gehörten zur bewährten Vorgehensweise. Für jedes Tierporträt haben die Jugendlichen rund 40 Minuten Drehzeit aufgewendet. Weitere zwei Stunden dauerten die Sichtung des Materials sowie die Auswahl der schönsten Tiersequenzen. Die fertigen Videoclips sendeten die Tierschützer an die Tierpfleger. Die fertigen Videos wurden auf dem YouTube-Kanal des Tierschutzvereins für Berlin veröffentlicht.

3

DAS SAGT DIE JURY ÜBER DAS PROJEKT: ✔ großartige Eigeninitiative der jungen Tierschützer über das bestehende Jugendangebot hinaus ✔ innovative Nutzung sozialer Medien, um mit professionellen Videoclips die Vermittlungschancen der Tiere zu erhöhen ✔ gutes Beispiel für eine optimale Verzahnung von Jugendengagement mit den Arbeitsabläufen im Tierheim

DU UND DAS TIER 4/2015

47


WEITERSTADT

EIN SEGEN FÜR MENSCH UND TIER

Lesen Sie weitere Berichte der uns angeschlossenen Tierschutzvereine.

um das Tierdankfest gemeinsam zu feiern. Welche besondere Mitmachaktion sich die Betreuer der Jugendgruppe für das Tierdankfest ausgedacht haben, erfahren Sie im Internet: www.duunddastier.de

Pfarrer Markus Stutzenberger segnet die Tiere und Besucher auf dem Gnadenhof Kellerranch.

IDAR-OBERSTEIN

EIN TAG FÜR DIE TIERE Der Tierschutzverein für den Kreis Birkenfeld hat zum Tag der offenen Tür in das vereinseigene Tierheim Oberstmuhl geladen. Die Besucher freuten sich darüber, die verschiedenen Tiere besuchen zu können. Einige von ihnen kündigten an, wiederzukommen und einem der Vierbeiner ein neues Zuhause zu geben. An einem der Stände informierte das Tierheim über die Arbeit des Deutschen Tierschutzbundes und wichtige Themen wie den Illegalen Welpenhandel. Sowohl der Erlös der Tombola als auch der aus dem Verkauf der Speisen kommt den Tieren des Tierheims zugute. Vor allem freuten sich die Tierschützer darüber, dass mehrere Besucher ihre Hunde, ehemalige Schützlinge des Tierheims, mitgebracht hatten.

BREMEN

VERLEIHUNG DER GOLDENEN EHRENNADEL

Im Rahmen der Jahreshauptversammlung des Landesverbands Niedersachsen des Deutschen Tierschutzbundes erhielt Vera Steder eine besondere Auszeichnung. Wolfgang Apel, Ehrenpräsident des Deutschen Tierschutzbundes, übergab der Tierschützerin die Goldene Ehrennadel und ehrte sie für ihr 20-jähriges Engagement als Vorsitzende des Landesverbandes. Frau Steder dankte ihren Vorstandskollegen, die ebenfalls nicht wieder kandidierten, für die langjährige gute und erfolgreiche Zusammenarbeit. Die anwesenden Vereinsvertreter wählten Dieter Ruhnke zum neuen Vorsitzenden und Rolf Scherer und Jörg Wechenberger als seine Stellvertreter.

48

DU UND DAS TIER 4/2015

© Fotos: Tierhilfeverein Kellerranch e.V., Hannah Conradt, privat

In Gedenken an den heiligen Franz von Assisi feierte der Tierhilfeverein Kellerranch auch dieses Jahr ein Tierdankfest. Der Tag begann traditionell mit einem ökumenischen Gottesdienst. Anschließend segnete der katholische Pfarrer Markus Stutzenberger die Besucher und Tiere. Das diesjährige Fest stand neben dem Fokus auf den Tierschutz auch im Zeichen des menschlichen Zusammenhalts: Einige Mitglieder des Vereins hatten eine große Gruppe Flüchtlinge eingeladen,

WEB www.duunddastier.de


PROJEKTE

LOHMAR

LINZ

PEDIGREE SPENDET 100.000 EURO

FÜR EINE FORSCHUNG OHNE TIERVERSUCHE

„Hunde bewegen“ – so hieß die große Pedigree-Aktion mit Musiker und Extremsportler Joey Kelly. Diese einzigartige Aktion hat Tausende Hundebesitzer über mehrere Wochen dazu motiviert, noch mehr aktive Zeit mit ihren Vierbeinern zu verbringen und ihre Erlebnisse mit anderen Hundefreunden zu teilen. Joey Kelly und sein Hund Switch forderten die Teilnehmer mit verschiedenen Team-Aktionen heraus. Auch die beiden mussten eine Reihe von Challenges meistern. Pro Team-Aktion und pro erfüllter Joey-Kelly-Challenge, spendete Pedigree zehn Cent an den Deutschen Tierschutzbund für Tiere in Not. Bei der Abschlussveranstaltung rundete Pedigree diese Summe +auf 100.000 Euro auf. Wir sagen Danke für dieses großartige Engagement!

Juliane Framing von Pedigree (links) und Joey Kelly (rechts) überreichen den Scheck.

FLENSBURG

Im österreichischen Linz hat der 19. Europäische Kongress für Alternativen zum Tierversuch stattgefunden. Mehr als 300 Teilnehmer aus 26 Ländern stellten ihre Projekte zum Ersatz von Tierversuchen vor. Auch Maßnahmen, um die Zahl und das Leid der verwendeten Tiere zu reduzieren, waren Thema. Der Deutsche Tierschutzbund unterstützt die in dieser Art größte Veranstaltung im europäischen Raum schon seit Jahren. Mitarbeiter der Akademie für Tierschutz waren sowohl an der Organisation des wissenschaftlichen Programmes beteiligt als auch mit wissenschaftlichen Beiträgen vertreten. Die Teilnehmer des Kongresses präsentierten unter anderem aktuelle Strategien zur Umsetzung der EU-Tierversuchsrichtlinie und anderen gesetzlichen Regelungen. Wichtiger Inhalt verschiedener Diskussionsrunden waren neben anderen Themen vor allem ethische Aspekte von Tierversuchen.

EHRUNG DER PRÜFUNGSBESTEN Kerstin Onken hat ihre Ausbildung zur Tierpflegerin im Tier-, Natur- und Jugendzentrum Weidefeld des Deutschen Tierschutzbundes mit der besten Prüfung des Landes Schleswig-Holstein abgeschlossen. Die Industrie- und Handelskammer zu Flensburg hat die Tierpflegerin als Beste der Sommerprüfung 2015 im Rahmen einer festlichen Veranstaltung für ihre besonderen Verdienste für die Berufsausbildung geehrt.

BUCHHOLZ © Fotos: Deutscher Tierschutzbund e.V., Tierschutzverein Buchholz e.V.

NACHAHMENSWERT Dr. Hans-Hermann Lambracht, stellvertretender Vorsitzender der Frölich Stiftung und Ehrenvizepräsident des Deutschen Tierschutzbundes, hat dem Vorsitzenden des Tierschutzvereins Buchholz und Umgebung, Rolf Schekerka, einen Scheck über 4.000 Euro überreicht. Das Geld soll dem Verein helfen, besonders hohe Tierarztkosten auszugleichen. Marianne Frölich, langjährige Vorsitzende des Tierschutzvereins Buchholz u. U., gründete die Stiftung zur Förderung

des Tierschutzes gemeinsam mit ihrem Ehemann. Die Dr. Heinz-Wilhelm und Marianne Frölich Stiftung unterstützt tierliebe Menschen, die das Leid vieler Tier lindern. So fördert die Stiftung nicht nur das Tierheim des Tierschutzvereins Buchholz u.U., sondern sie unterstützt auch das Tierschutzzentrum Weidefeld des Deutschen Tierschutzbundes. Zudem übernimmt die Stiftung Tierarztkosten für Hunde und Katzen von Tierhaltern in Nie-

dersachsen, die diese Kosten nachweislich nicht selbst aufbringen können. Hier finden Sie alle Informationen zum Thema Stiftung: www.tierschutzbund.de/ stiftung


FROHE WEIHNACHTEN Von Verena Jungbluth

KONTAKTE

KOMMENTAR

HOTLINES Service-Hotline Bundesgeschäftsstelle 0228-60496-0

Deutsches Haustierregister und Deutsches Tierdiebstahlregister 0228-60496-35

INTERNET www.duunddastier.de www.tierschutzbund.de www.tierschutzlabel.info www.jugendtierschutz.de www.tierschutzbund.de/spendenportal SOCIAL WEB www.facebook.com/tierschutzbund www.twitter.com/tierschutz_bund www.youtube.com/tierschutzbundTV plus.google.com/+tierschutzbund

KOSTENLOSER SERVICE Melden Sie Ihr Haustier online im Deutschen Haustierregister an: www.registrier-dein-tier.de.

SPENDENKONTO des Deutschen Tierschutzbundes Sparkasse KölnBonn, BLZ: 370 501 98, Konto-Nr.: 40 444 IBAN: DE88 3705 0198 0000 0404 44 BIC: COLSDE33 Spenden sind steuerlich absetzbar.

IMPRESSUM

Weihnachten ist eines der wichtigsten Feste des Jahres. An Weihnachten kommen Familien und Freunde zusammen und für Tierhalter bleibt meist viel Zeit, um sie gemeinsam mit dem „tierischen Liebling“ zu verbringen. Die Adventszeit und die Festtage stehen im Zeichen von Besinnlichkeit und Nächstenliebe. Doch neben dem ursprünglichen Sinn des Festes, nämlich dem Feiern der Geburt Jesu, stehen heute oft Geschenke und Essen im Übermaß im Mittelpunkt. Glühwein und Eierlikör, Bratwurst und Festtagsbraten – auf den Weihnachtsmärkten und zu Hause ist Schlemmen angesagt. Nicht nur beim Fleisch, auch bei den Eiern in Crêpe, Plätzchen und Eierpunsch ist die Herkunft oft unklar. Gefüllte Gans, knusprige Ente oder zartes Schweinefilet? Die Angebote im Supermarkt überschlagen sich. Fertig abgepackt, eins günstiger als das andere – da kann man noch richtig sparen. Und sparen heißt dann oft auch: sparen am Tierschutz. Wie es hinter den Kulissen der rosa Fleischpackungen in der Kühltheke aussieht, kann heute eigentlich jeder wissen: schlachten im Sekundentakt, Millionen Tiere fristen ein leidvolles Dasein. Säue sind als Gebärmaschinen in enge Ständer gezwängt, Puten können nicht mehr laufen, weil ihre überzüchtete Brust so schwer ist und Rinder liegen auf Beton. Ein schmerzfreies Leben, Platz und frische Luft sind für viele Tiere Fehlanzeige. Und all das, um am Ende in einem oft viel zu langen Transport in den Tod zu fahren. Die Betäubung im Schlachthof sitzt längst nicht bei jedem Tier. Rund 60 Kilogramm Fleisch isst der Deutsche im Jahr im Durchschnitt. 346 Millionen Kilogramm Fleisch landen jährlich im Müll. Die Realität der Schlachthöfe ist weit weg vom feinen Filet auf dem festlich dekorierten Weihnachtstisch. Die Bilder tun eben weh und vermiesen die Stimmung. Es ist einfacher, sich selbst zu feiern und die Augen zu verschließen. Doch zum Glück scheint der Höhepunkt des unreflektierten Fleischbooms vorbei zu sein: Immer mehr Menschen entscheiden sich dafür, weniger Fleisch zu essen und achten auf biologische Produkte und Fleisch aus besseren Haltungsbedingungen. Immer mehr von ihnen verzichten ganz auf Fleisch oder auf alle tierischen Produkte. Jeder Mensch ist frei und kann selbst entscheiden. Aber vielleicht ist Weihnachten eine gute Gelegenheit, um einmal hinzusehen und neben den Mitmenschen auch an die Tiere zu denken. Ist Weihnachten nicht das Fest der Nächstenliebe? Noch nie gab es so viele Möglichkeiten wie heute. Das Tierschutzlabel des Deutschen Tierschutzbundes und einige andere Zertifikate setzen ein klares Zeichen für mehr Tierschutz. Ist Weihnachten nicht eine gute Gelegenheit, um einmal etwas mehr Geld für Fleisch auszugeben? Oder noch besser: mal für einen Tag oder länger ganz auf Fleisch zu verzichten? Es gibt so viele schmackhafte Alternativen. Die Wirtschaft hat den Trend längst erkannt, die Supermärkte sind voll mit veganen und vegetarischen Produkten. Es war noch nie so einfach wie heute, mit einem kleinen Griff in ein Supermarktregal die Welt zu verändern.

Spenden-Hotline 09001-226688 (nur aus dem deutschen Festnetz) Sie spenden € 5,00.

50

DU UND DAS TIER 4/2015

Herausgeber und Redaktion: Deutscher Tierschutzbund e.V., In der Raste 10, 53129 Bonn, Telefon: 0228-60496-0, Telefax: 0228-60496-40, Kontakt: www.tierschutzbund.de/kontakt, redaktion@tierschutzbund.de, Internet: www.tierschutzbund.de Verantwortlich im Sinne des Presserechtes: Thomas Schröder Redaktionsleitung: Nadia Wattad Mitarbeiter dieser Ausgabe: Isabel Engelhardt, Verena Jungbluth, Maja Masanneck, Frank Meuser, Thomas Schröder, Kristina Wagner Verlag: Süddeutscher Verlag onpact GmbH, Hultschiner Str. 8, 81677 München Herstellungsleitung: Hermann Weixler, Anzeigenleitung: Christian Meitinger Grafik und Litho im Auftrag des Verlages: dworak & kornmesser Bildredaktion: Deutscher Tierschutzbund e.V. und dworak & kornmesser Abo-Service: Telefon: 089-2183–7266, Telefax: 089-2183–967266 Bezugsbedingungen: DU UND DAS TIER erscheint viermal im Jahr Bezugspreise: www.duunddastier.de/abomitgliedschaft Druck: pva, Druck und Medien-Dienstleistungen GmbH, Landau/Pfalz

Für unverlangt eingereichte Manuskripte, Fotos und sonstige Druckunterlagen wird keine Haftung übernommen. Eine Rücksendung solcher Unterlagen ist nur gegen ausreichendes Rückporto möglich. Namentlich gezeichnete Beiträge stellen die Meinung des Verfassers, nicht unbedingt auch die der Redaktion dar. Nachdruck, Übersetzungen und Vervielfältigungen, auch auszugsweise, sind nur mit Zustimmung der Redaktion gestattet. Die Redaktion behält sich die Kürzung von Leserbriefen vor. Veröffentlichte Briefe sind keine Meinungsäußerungen der Redaktion.

© Foto: privat

ISSN 0341-56759 Das Magazin ist gedruckt auf 100 % Recyclingpapier.


Setzen Sie zusammen mit dem Deutschen Tierschutzbund ein Zeichen gegen Pelz und die damit verbundene Tierqual! So funktioniert es:

FOTOAKTION Textplakat ausschneiden, Foto damit machen, posten auf www.facebook.com/ tierschutzbund und so ein Zeichen gegen Tierleid setzen!

VIDEOAKTION Posten Sie Ihr eigenes Video auf Facebook, das Sie unter www.pelzistpeinlich.de ganz einfach erstellen können.

WEB www.tierschutzbund.de/ kampagne-pelz

© Foto: Deutscher Tierschutzbund e.V.

Hier finden Sie weitere Infos zur Aktion.

DEUTSCHER TIERSCHUTZBUND E.V.

In der Raste 10, 53129 Bonn, Tel.: 0228/60496-0, Fax: 0228/60496-40 www.tierschutzbund.de

DEUTSCHER TIERSCHUTZBUND E.V.

AKTION GEGEN PELZ


STIFTUNG & TESTAMENTE

TIERSCHUTZ HAT ZUKUNFT – MIT IHREM TESTAMENT „Wie kann ich dafür Sorge tragen, dass mein geliebtes Haustier auch nach meinem Tod gut versorgt ist?“ „Ich möchte den Tierschutz mit meinem Nachlass unterstützen. Wie mache ich das?“ Zwei Fragen, die immer wieder an uns herangetragen werden. Unser Ratgeber gibt Antworten. Zwar haben Tiere in Deutschland kein Erbrecht. Doch die Zukunft Ihres Lieblings kann gesichert werden: Sowohl natürliche als auch juristische Personen können Sie testamentarisch verpflichten, das Tier bestmöglich zu versorgen.

Dann setzen Sie ein Zeichen über das eigene Leben hinaus! Unsere Ratgeber zeigen verschiedenste Wege auf, wie Sie Tieren in Not langfristig eine Zukunft schenken. Sicher ist auch für Sie der passende dabei!

SIE HABEN FRAGEN?

IHR ANSPRECHPARTNER für Fragen zum Thema Stiftung, Testament und Vermächtnis hilft gerne weiter: Wilfried Britz Tel.: 0228-60496-39 britz@tierschutzbund.de

Aber auch, wenn Sie kein Haustier absichern müssen, spricht vieles für ein Testament: Etwa, wenn Sie keine Erben haben und verhindern wollen, dass Ihr Nachlass an den Staat fällt. Oder wenn Sie einen nichtehelichen Lebenspartner, entfernte Angehörige, Freunde oder einfach einen guten Zweck mit einem Teil Ihres Erbes bedenken möchten.

DER GUTE ZWECK ERBT STEUERFREI! Wer etwa dem Deutschen Tierschutzbund etwas vererbt, dessen Hilfe kommt ungeschmälert bei den Tieren an. Ob bei Haus-

© shutterstock

TIERSCHUTZ IST IHNEN WICHTIG?

tieren oder Exoten, im Tierschutzzentrum Weidefeld oder einem unserer Kastrationsprojekte in Osteuropa, in der Jugendbildung oder in der Forschung entscheiden ganz allein Sie. Sprechen Sie uns an! Wir helfen, Ihr Erbe nach Ihren Vorstellungen zu gestalten.

Bitte mit 45 Cent frankieren, falls Marke zur Hand.

ABSENDER:

Vorname, Name

Straße, Hausnummer

PLZ, Ort

Mitgliedsnummer (falls zur Hand)

Deutscher Tierschutzbund e. V. Herrn Wilfried Britz In der Raste 10 53129 Bonn


STIFTUNG & TESTAMENTE

TIERLIEBE, DIE BLEIBT Vielleicht haben Sie schon einmal überlegt, wie Sie langfristig und nachhaltig Tiere schützen können? Vielleicht sogar über Ihr eigenes Leben hinaus?

© shutterstock

Eine Stiftung, ein Vermächtnis oder ein Testament zugunsten des Deutschen Tierschutzbundes stellen sicher, dass auch zukünftige Tiergenerationen Fürsprecher und im Notfall ein artgerechtes Zuhause finden.

Ja, bitte informieren Sie mich über

GUTSCHEIN

die Möglichkeiten, den Tierschutz langfristig zu unterstützen.

Gut informiert den Nachlass gestalten Unsere Ratgeber erklären, wie Sie Ihren Nachlass nach Ihren Vorstellungen gestalten, Missverständnissen KOSTENLOS! in der Familie vorbeugen und Angehörige absichern.

Bitte schicken Sie mir kostenlos und unverbindlich Ihre Broschüre „Tierschutz hat Zukunft – mit Ihrem Testament“ zu. Bitte schicken Sie mir kostenlos und unverbindlich den Flyer „Tierschutz hat Zukunft – mit Ihrer Stiftung“ zu. Ich bin an einem persönlichen Informationsgespräch interessiert. Bitte kontaktieren Sie mich: , am besten von

bis

per E-Mail an Bitte ausfüllen und per Post an den Deutschen Tierschutzbund e.V. schicken.

Uhr 424M789

telefonisch unter

Ihre persönlichen Exemplare liegen bereit. Fordern Sie sie noch heute an!


SPENDEN MACHT

GLÜCKLICH. Tierheime helfen, wenn es drauf ankommt. Hilf ihnen mit deiner Spende!

Der Feuerwehrfonds unterstützt Tierheime und Tiere in Notsituationen. Spendenkonto: Sparkasse KölnBonn, IBAN: DE 88 37050198 0000040444, BIC: COLS DE 33.

Profile for DU UND DAS TIER, Deutscher Tierschutzbund

DU UND DAS TIER 4/2015  

DU UND DAS TIER 4/2015