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DU UND DAS TIER Ausgabe 02/2016 46. Jahrgang ISSN 0341-5759

MAGAZIN FÜR ALLE FREUNDE DES TIERSCHUTZES

SELFIE MIT TIEREN? Im Sommerurlaub an der Tagesordnung MILCHKÜHE Die saftige Wiese ist häufig eine Illusion

REISEN MIT DEM HUND Urlaub – die schönste Zeit

ANIMAL HOARDING 155 Hunde auf einen Schlag

www.tierschutzbund.de


Damit Tieraugen leuchten. Seit 端ber 20 Jahren unterst端tzen Pedigree速 und Whiskas速 den Deutschen Tierschutzbund und Tierheime in ganz Deutschland. Weil wir Tiere lieben.

Partner des Deutschen Tierschutzbundes

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EDITORIAL

TIERHEIME LEISTEN VIEL

Thomas Schröder, Präsident

© Foto: Deutscher Tierschutzbund e.V.; Titelfoto: dijital_kalem - Fotolia

Liebe Tierfreundinnen und Tierfreunde, „Tierheime helfen. Helft Tierheimen!“, so lautet das Motto unserer aktuellen Tierheim-Kampagne. Leider sind solche Kampagnen nötig, weil die Tierheime immer mehr als Abschiebebahnhof des gesetzlichen Versagens oder auch der Vollzugsdefizite missbraucht werden. Missbraucht von den Bürgermeistern und Stadträten, die sich immer noch verweigern, wenn es um die kostendeckende Erstattung der Arbeit in den Tierheimen geht. Die Tierschützer vor Ort übernehmen zum Beispiel mit der Fundtierbetreuung eine eigentlich kommunale Pflichtaufgabe und werden trotzdem immer wieder enttäuscht. Gerade erst erreichte uns die Absage der Präsidentin des Deutschen Städtetages für ein Grußwort als Angebot, ins Gespräch zu kommen. Noch nicht einmal dazu können sich die kommunalen Spitzen bequemen. Ein Armutszeugnis. Auch in dieser Ausgabe von DU UND DAS TIER lesen Sie von den vielfältigen Aufgaben des Tierschutzes, die wir für die Gesellschaft übernehmen. Tierschutz ist übrigens grenzenlos, auch im Urlaub. Mich erschrecken Berichte und Bilder von Stränden und Urlaubsorten immer wieder, bei denen Tiere als Fotomotiv missbraucht werden. Über die Auswüchse und Folgen, wenn Tiere

als Touristenattraktion herhalten müssen, lesen Sie in dieser Ausgabe. Sie erfahren zudem in diesem Heft, wie es Ihrem Haustier bei Urlaubsplanungen optimal geht und worauf Sie bei der Auswahl eines Hundetrainers achten sollten – denn auch in diesem Berufszweig gibt es schwarze Schafe. Dr. Katrin Umlauf, unsere Expertin für Hunde, erläutert, wie sie das Training im Lissi Lüdemann-Haus in unserem Tier-, Natur-, und Jugendtierschutzzentrum in Weidefeld mit den Hunden gestaltet, die von der Gesellschaft zu „Problemhunden“ gemacht wurden. Und auch so manchem Arbeitgeber kann man die Lektüre nur empfehlen, denn wir starten wieder unsere Aktion „Kollege Hund“. Überzeugen auch Sie Ihren Vorgesetzten an diesem speziellen Tag von den Vorteilen eines Hundes im Büro. Auch das Thema Landwirtschaft spielt in dieser Ausgabe eine Rolle. Wir zeigen, wie die Realität der Milchkühe im Gegensatz zu der auf den Milchpackungen abgedruckten heilen Welt aussieht: nämlich ohne Weidehaltung und häufig auf Spaltenböden. Seien Sie neugierig und gespannt, welche Tierschutzthemen noch in diesem Heft stecken. In diesem Sinne sage ich: Schön, dass Sie an unserer Seite sind, dass Sie sich für den Tierschutz begeistern. Erzählen Sie es weiter, unsere starke Gemeinschaft muss weiter wachsen. Ich vertraue auf Sie und Ihre Stimme für die Tiere! Herzlichst Ihr

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INHALT 38 18 47 NACH REDAKTIONSSCHLUSS

Bewerben Sie sich jetzt um den Deutschen Tierschutzpreis 2016: Sie möchten jemanden oder sich selbst für diesen Preis vorschlagen? Fassen Sie das tierschützerische Engagement auf einer DIN-A-4-Seite zusammen und senden Sie diese mit bis zu drei Fotos per E-Mail an tierschutzpreis@funkuhr.de oder per Post an FUNK UHR, Redaktion, Kennwort: Deutscher Tierschutzpreis, Rotweg 8, 76532 Baden-Baden. Der Deutsche Tierschutzbund verleiht den Preis gemeinsam mit den Zeitschriften „FUNK UHR“ und „Super TV“ sowie den Marken Whiskas und Pedigree, die unter anderem die Preisgelder stiften. Weitere Infos:

www.tierschutzbund.de/ deutscher-tierschutzpreis

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INHALT

08 TITELTHEMA Der Sommer steht vor der Tür und damit für viele Menschen die Urlaubszeit. Wir klären auf, worauf Sie achten müssen, wenn Ihr Hund mit auf Reisen geht, und wie er auch zu Hause gut aufgehoben ist. Außerdem informieren wir über Hundetraining, die „Rasseliste“ und vieles mehr zum Thema Hund. Seite 8

16 HINTER DEN KULISSEN Fälle von Animal Hoarding können die Tierheime vor große Herausforderungen stellen. Seite 16 Schakale gibt’s nur in Afrika? Weit gefehlt: Viele Tierarten halten sich auch in Deutschland auf. Seite 18 Die Noteselhilfe feiert zehnjähriges Jubiläum. Seite 20

29 AKTUELL Aktuelle Meldungen zum Thema Tierschutz. Seite 29 Das erste Tierschutz-Festival in Berlin. Seite 30 Milliarden Tiere sterben für die Lederindustrie. Dabei gibt es heute viele Alternativen. Seite 32 Was verbirgt sich hinter dem tierischen Urlaubsfoto? Tiere leiden als Touristenattraktion. Seite 34 Höher, schneller, weiter – der CHIO in Aachen. Doch die Medaille im Reitsport hat eine Kehrseite. Seite 36

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Leben Milchkühe wirklich glücklich auf der Wiese? Der Schein auf der Milchpackung trügt. Seite 38 Wir geben Tierhaltern rechtliche Tipps. Seite 41 Hilfe für die Hunde Rumäniens. Seite 42

44 JUGEND Aktuelle Berichte der Tierschutzjugend. Seite 44

46 PROJEKTE Das Tierschutzlabel für Legehennen. Seite 46

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Der Sonnenhof für Mensch und Tier. Seite 47 Aktuelle Berichte unserer Mitgliedsvereine. Seite 48

STANDARDS

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03 Editorial 06 Im Fokus 07 Wussten Sie schon …? 22 Rezept 24 Medien 50 Kommentar, Kontakte und Impressum DU UND DAS TIER 2/2016

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IM FOKUS

Am 30. Juni ist es wieder so weit – dann steht der Vierbeiner bei „Kollege Hund“ im Mittelpunkt. Dieser Tag soll dabei helfen, für mehr Akzeptanz von Hunden im Büro zu werben. Das rhythmische Tippen auf der Computertastatur wird durch einen lauten Seufzer unterbrochen, wenige Minuten später ist ein Schnarchen zu hören. Die Kollegen im Büro blicken sich kurz an und lachen. Der Verursacher der Geräuschkulisse ist schnell ausgemacht – da liegt er: ein braun-schwarzes Fellknäuel – unser Kollege Hund. Zusammengerollt träumt er von den Hundekeksen am Morgen, die die nette Kollegin vom Empfang ausgegeben hat. Seit nunmehr neun Jahren wirbt der Deutsche Tierschutzbund dafür, Hunde in Unternehmen mitnehmen zu können. Schließlich profitieren sowohl Tier als auch Mensch davon. So wirkt sich ein Hund positiv auf das Arbeitsklima aus, wenn zum Beispiel ein Kollege kurz innehält, um mit dem Hund zu spielen oder auch beim Gassigehen einspringt. All das hebt die allgemeine Stimmung. Der tierische Schnuppertag „Kollege Hund“, den der Deutsche Tierschutzbund zusammen mit seinen angeschlossenen Tierschutzvereinen und

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mit Unterstützung von Pedigree ausruft, dient dazu, ein mögliches Miteinander von Hund und Mensch am Arbeitsplatz auszutesten. So können Firmen, bei denen Hunde bisher tabu waren, ihre Berührungsängste überwinden und Hundehalter dem Chef und den Kollegen – deren Einverständnis vorausgesetzt – einmal ihren tierischen Freund vorstellen. Selbstverständlich muss auch sichergestellt sein, dass es dem Tier an nichts fehlt. Der Hund sollte Rückzugsmöglichkeiten und einen Platz mit seiner Decke, seinem Napf und seinem Spielzeug haben. In den Pausen muss der Hund an erster Stelle stehen – dann steht einem erfolgreichen gemeinsamen Arbeitstag nichts mehr im Wege. „Wir möchten zeigen, dass Job und Hund vereinbar sind“, so Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. Ein weiterer positiver Effekt: „Wenn Hunde am Arbeitsplatz erlaubt sind, erhöht das sicher auch die Chancen für viele Hunde in Tierheimen, ein neues Zuhause zu finden“, erklärt Schröder.

AKTIV Überzeugen Sie Ihren Vorgesetzten und melden Sie Ihr Unternehmen noch heute bei „Kollege Hund“ an. Weitere Informationen im Internet unter: www.kollege-hund.de

© Fotos: Privat

HUND IM BÜRO? NA KLAR!

Diese Hunde begleiten die Mitarbeiter des Deutschen Tierschutzbundes jeden Tag ins Büro.


WUSSTEN SIE SCHON?

WUSSTEN SIE SCHON, DASS … … TINTENFISCHE sehr intelligent sind und sich manche aufgrund ihrer FEHLENDEN KNOCHEN durch sehr kleine Öffnungen quetschen können?

… Zigarettenfilter das Hämoglobin aus SCHWEINEBLUT enthalten sollen?

… von Menschen gejagte

… der Melkroboter bei einer Hochleistungsmilchkuh bis zu acht Liter pro Minute aus dem Euter saugt?

… PFERDE ein so sensibles Maul haben, dass sie FREMDKÖRPER problemlos aus dem Futtertrog aussortieren können?

ZWERGWALE ALS FUTTER

in norwegischen Pelztierfarmen enden?

… der SPERBERGEIER mit 11.300 METERN der Vogel ist, der die höchste Flughöhe weltweit erreicht? DU UND DAS TIER 2/2016

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REISEN MIT DEM HUND 08

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Der Sommer steht vor der Tür und damit für viele Menschen auch der Urlaub. Wir klären auf, worauf Sie achten müssen, wenn der Hund mit in den Urlaub fährt, und geben Ihnen auch Tipps, wie Sie ihn zu Hause gut betreut wissen. Außerdem informieren wir über Hundetraining, die „Rasseliste“ und vieles mehr zum Thema Hund.

Die meisten Hunde lieben es, gemeinsam um die Wette zu graben.

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Urlaub – die schönste Zeit des Jahres. Für viele Tierfreunde ist es unvorstellbar, diese ohne ihren Hund zu verbringen. Schließlich sind die Gelegenheiten rar, sich so intensiv auf seinen vierbeinigen Partner konzentrieren zu können. Damit der Urlaub für alle Beteiligten erholsam wird, ist eine gute Planung entscheidend. Die bequemste Reiseart für den Hund ist das klimatisierte Auto. Bestenfalls ist er diesen Transport aus dem Alltag gewöhnt und verbindet damit nichts Negatives. Während der Fahrt ist der Hund in einer speziellen Transportbox im Kofferraum gut untergebracht. Aus Sicherheitsgründen sollte diese möglichst aus Alu oder einem anderen Metall bestehen. Sogenannte Softboxen bieten dem Hundekörper keinerlei Schutz, da sie bei einem Aufprall nachgeben und der Hund darin sogar eingequetscht werden kann. Eine Metallbox verformt sich nicht so schnell und bietet dem Hund mehr Sicherheit. „Eine optimale Hundetransportbox hat keine scharfen Kanten, ist stabil, lässt ausreichend Luftzirkulation zu und verfügt über eine bequeme Liegefläche, die rutschfest ist“, so Dr. Katrin Umlauf, Referentin für Heimtiere beim Deutschen Tierschutzbund. Alternativ kann der Halter seinen Hund auch an seinem Geschirr – niemals am Halsband – mit einem speziellen Anschnallgurt für Hunde auf der Rückbank sichern. Falls es dann während der Fahrt zu einem Unfall kommen sollte, schleudert der Hund nur so weit nach vorne, wie es die Länge des Gurtes zulässt. Der ADAC empfiehlt, dass die Bei einem Crash mit nur 50 km/h Hundegurtlänge dem Tier kann der Hund mit dem 30-Fanicht mehr Freiraum als bis chen seines Gewichts durch den zur Vorderkante der Sitzbank Innenraum geschleudert werden. erlauben soll. Neben einer guten Sicherung kommt es auch auf die Entfernung zum Urlaubsort an. Bei längeren Autofahrten ist es wichtig, ausreichend Pausen einzuplanen, bei denen der Hund sowohl sein Geschäft verrichten als auch trinken kann. „Für junge Hunde ist alle drei Stunden eine Pause fällig und für erwachsene Hunde nach spätestens fünf Stunden. Gehen Sie mit dem Hund mindestens 30 Minuten spazieren. Länger als zwei Tage sollte die Reise im Auto zum Urlaubsort nicht dauern“, empfiehlt Dr. Umlauf. Falls ein Urlaubsziel weiter in der Ferne liegt, gibt es auch die Möglichkeit, mit dem Flugzeug zu reisen. Viele Tiere empfinden das Reisen im lauten Frachtraum jedoch als sehr stressig, da die Umgebung beunruhigend ist und sie zusätzlich von dem Halter getrennt sind. Um gerade ängstlichen Tieren diesen Stress zu neh-

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Von Nadia Wattad


© Fotos: Markus Mainka (www.marek-photo.de); picture alliance / dpa / Fredrik Von Erichsen; picture alliance / Arco Images GmbH / Steimer, C.

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men, ist es auf jeden Fall sinnvoll, die Tiere bereits lange vor Flugantritt an die Flugbox zu gewöhnen. „Der Deutsche Tierschutzbund empfiehlt, Tieren keine längere Flugreise im Frachtraum zuzumuten. Die Tiere sind sehr gestresst, da die Warte- und Reisezeiten in der Flugbox so lang sind. Außerdem fertigen Fluggesellschaften die Tiere aufgrund interner Bestimmungen gemeinsam mit dem Gepäck ab und behandeln sie nicht individuell“, so Umlauf. Insofern sollte der Tierhalter genau überlegen, ob es das Reiseziel wert ist, den Hund solchen Strapazen auszusetzen. Hundepensionen oder Hundesitter stellen häufig eine bessere Alternative dar. Der Deutsche Tierschutzbund trägt mit seiner Aktion „Nimmst du mein Tier, nehm’ ich dein Tier“ dazu bei, Tiere gut betreut zu wissen. Mit der Unterstützung von Whiskas und Pedigree führt der Verband engagierte Tierbesitzer und Tierliebhaber, die sich als „Frauchen und Herrchen auf Zeit“ anbieten, bis Anfang September zusammen. Bereits seit 22 Jahren ist die Urlaubsaktion des Dachverbandes und seiner Mitgliedsvereine eine Lösung für diejenigen, die ihren Hund nicht mit in den Urlaub nehmen können oder möchten. Auch Katzen und kleine Heimtiere sind Teil der Urlaubsaktion, die einen traurigen Hintergrund hat – sie wurde ins Leben gerufen, weil es immer noch Menschen gibt, die ihre Tiere vor oder während der Ferienzeit entweder im Tierheim abgeben oder sogar aussetzen. „Dem wollen wir ganz praktisch entgegenwirken, indem wir Tierfreunde zusammenbringen, die sich im Wechsel um die vierbeinigen Lieblinge kümmern“, so Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes.

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GEWÖHNUNG ZAHLT SICH AUS Hat sich der Halter dafür entschieden, seinen Hund nicht mit in den Urlaub zu nehmen, zahlt es sich aus, wenn der Hund frühzeitig daran gewöhnt wurde, von einer anderen Person betreut zu werden. Bestenfalls handelt es sich um einen Bekannten, den der Hund schon gut kennt. Falls dies nicht möglich ist und somit die Wahl der Urlaubsbetreuung auf eine Hundepension fallen muss, sollte der Hund diese vorher schon einmal kennengelernt haben. „Üben Sie am besten stufenweise. Vor der dreiwöchigen Fernreise ist es sinnvoll, den Hund einfach mal ein paar Tage dort betreuen zu lassen“, empfiehlt Umlauf. Er merkt dann schnell, dass Sie ihn dort immer wieder abholen. Da sich in einer Mehrhundehaltung auch Krankheiten übertragen können, ist es wichtig, dass alle dort untergebrachten Hunde geimpft sind. HCC, Staupe, Parvovirose, Leptospirose und Tollwut gehören zu den Impfungen, die die Ständige Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet) im Bundesverband praktizierender Tierärzte (bpt) empfiehlt. Auch die Impfung gegen den Zwingerhustenkomplex kann laut StIKo Vet bei einer Unterbringung in der Tierpension empfehlenswert sein. Impfungen sind auch beim Reisen wichtig. Hier muss der Halter immer den EU-Heimtierausweis seines Tieres mit sich führen, denn darin sind unter anderem auch die Impfungen und alle Informationen zum Tier eingetragen. Falls das Tier während des Urlaubs in einer Pension betreut wird, muss der Halter den Impfausweis dort hinterlegen. Laut StIKo Vet müssen in jeder Tierpopulation mindestens 70 Prozent

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1 Im Kofferaum ist der Hund auf Reisen in einer stabilen Box sicher aufgehoben. 2 Eine Flughafenmitarbeiterin bringt einen Hund in den Frachtraum, was für das Tier mit viel Stress verbunden ist. 3 Frauchen und Hund treten eine Reise mit der Bahn an.

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1 Dackelmischling Seppi sucht eine neue Familie. 2 Für Schäferhund Tomba ist es an der Zeit, liebevolle Zweibeiner kennenzulernen.

Jeder Hund in Weidefeld hat seine ganz eigene Geschichte. Gemeinsam ist allen, dass sie im Tierheim als unvermittelbar galten. Auch Seppi ist ein solcher Vierbeiner. Wie der Name schon vermuten lässt, kam er ursprünglich aus Bayern. Der vierjährige Dackelmischling hatte einem älteren Ehepaar gehört. Nachdem das Herrchen verstarb, sollte Frauchen zu den Kindern ziehen. Am Umzugstag eröffneten die Kinder ihrer Mutter, dass der Dackel nicht mitkönne. So kam Seppi ins Tierheim. Hier zeigte er sich verunsichert und ließ sich in manchen Situationen nicht anfassen. Also sollte ein Maulkorb Abhilfe schaffen. Da der Hund diesen nicht kannte und eine Gewöhnungsphase aus Zeitgründen nicht in Betracht gezogen wurde, wehrte Seppi sich mit einem Biss in die Hand. Seitdem zeigte er sich immer wieder aggressiv gegen Hände, auch wenn diese es gut mit ihm meinten. Im Juni 2015 kam er deshalb ins Lissi Lüdemann-Haus. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase konnten wir

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ihn mit Klicker und Futter auf Hände positiv konditionieren. Neben Vertrauensaufbau und Beschäftigung musste er auch lernen, nicht an der Leine zu ziehen. Neben den positiven Kontakten mit Menschen hat er auch vierbeinige Freunde gefunden. Insbesondere zu Schäferhund Tomba, mit dem er seine Räume und Gehege teilt, hat er ein inniges Verhältnis. Dieser Vierbeiner wurde angeblich aufgefunden – angebunden an einem Zaun. Die Tierpfleger des Tierheims, in das er gebracht wurde, gehen allerdings davon aus, dass die Besitzer ihn selbst ins Tierheim brachten. Der etwa neunjährige Rüde erwies sich als schmusebedürftig, hatte aber ein extremes Problem mit Leinen. Er reagierte aggressiv, sobald er diese nur sah. Deshalb wurde er zum Training in das Hundeprojekt in Weidefeld übernommen, das er erfolgreich durchlaufen hat. Sowohl für Tomba als auch für Seppi ist es an der Zeit, liebevolle Menschen kennenzulernen, die mit einem der Hunde gemeinsam unter einem Dach wohnen möchten. Schön wäre es natürlich, wenn die Freunde zusammenbleiben könnten. Ideal wäre für die Zwei ein Leben auf dem Lande ohne weitere Tiere im Haushalt. Da nicht bekannt ist, ob die Hunde das Zusammenleben mit Kindern kennen, sollte die neue Familie aus erwachsenen Zweibeinern bestehen. Interessenten wenden sich an das Tierschutzzentrum Weidefeld unter info@tierschutzzentrum-weidefeld.de oder telefonisch unter 04642-987253.

© Fotos: Deutscher Tierschutzbund e.V. (3)

ERFAHRUNGSBERICHT

DR. KATRIN UMLAUF, LEITERIN DES TIERSCHUTZZENTRUMS WEIDEFELD UND EXPERTIN FÜR HUNDE


TITELTHEMA

© Fotos: Anja Köhn (2)

Tierheimberaterin Judith Schönenstein vom Deutschen Tierschutzbund im Hundetraining.

der Tiere geimpft sein, damit sich Infektionskrankheiten nicht zu einer Epidemie ausweiten können. Dies zeigt, welch wichtige Rolle das Impfen spielt. Damit der gemeinsame Urlaub oder die Betreuung des Vierbeiners problemlos verläuft, können Hundetrainer eine gute Unterstützung sein. Leider gibt es in dieser Branche durchaus schwarze Schafe, die sich Hundetrainer nennen, ohne qualifiziert zu sein. Paragraf 11 des Tierschutzgesetzes soll seit dem 1. August 2014 entsprechend entgegenwirken. Der Paragraf besagt Folgendes: „Wer gewerbsmäßig für Dritte Hunde ausbilden oder die Ausbildung der Hunde durch den Tierhalter anleiten will, bedarf der Erlaubnis der zuständigen Behörde.“ Im Detail bedeutet das, dass jeder, der professionell mit Hunden arbeitet, dafür offiziell qualifiziert sein muss. Diese Regelung entspricht dennoch lange keinem Gütesiegel. Da es bislang keine einheitlichen Prüfungsvorgaben in den Bundesländern gibt, bleibt es den Veterinärämtern überlassen, nach welchen Für den Hund ist es nie Maßstäben sie die Hundetrainer leicht, das erste Mal von prüfen. Erschwerend kommt hinseinem Menschen getrennt zu, dass nicht alle Amtstierärzte, zu sein. Das lässt sich aber die die Veterinärämter beauftratrainieren. gen, beurteilen können, ob ein Hundetrainer qualifiziert genug ist. Schließlich muss ein Amtstierarzt nicht zwangsläufig mit dem Thema Hundetraining betraut sein. Darüber hinaus sind viele Veterinärämter auch personell voll ausgelastet, sodass sie gar nicht die Kapazitäten haben, die vielen Hundetrainer und -schulen zu prüfen. Manche Ämter laden Hundetrainer zu den aufwendigen und teuren Prüfungen ein, andere winken die Bewerber relativ direkt durch. Aus diesem Grund ist der sogenannte „11er-Schein“ kein Garant für einen guten Hundetrainer. Der Deutsche Tierschutzbund appelliert an alle Hundebesitzer und Tierheime, die die Hilfe einer Hundeschule in Anspruch nehmen möchten, die

AKTIV CHECKLISTE

2 WORAN SIE EINEN GUTEN HUNDETRAINER ERKENNEN

✔D  er Hundetrainer Ihrer Wahl sollte nach den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen arbeiten und sich mehrmals im Jahr fortbilden. ✔ E in Hundetrainer sollte Ihre Wünsche und Belange ernst nehmen und flexibel auf auftretende Schwierigkeiten im Training reagieren. ✔D  as Zwischenmenschliche muss stimmen. Wenn das nicht der Fall ist, wechseln Sie lieber den Trainer. Ihre Einstellung gegenüber dem Hundetrainer kann nämlich das Training negativ beeinflussen. ✔G  ute Hundetrainer müssen jeden Fall individuell behandeln und das Training auf das entsprechende Mensch-Hund-Team abstimmen. ✔ E in guter Hundetrainer entwirft einen eigens für Sie entwickelten Trainingsplan, um Sie auf direktem Wege zum Ziel zu führen. ✔ J eder Hundetrainer sollte seine eigenen Grenzen kennen und auch zu diesen stehen. Sollte seine Kompetenzgrenze erreicht sein, sollte er Sie bei der Suche nach einem fachkundigen Kollegen unterstützen.

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Ausbilder und Ausbildungsmethoden vorab kritisch unter Gesichtspunkten des Tierschutzes zu betrachten. Falls es zu tierschutzwidrigen Handlungen in einer Hundeschule kommen sollte, ist das zuständige Veterinäramt einzuschalten. Der Verband empfiehlt jedem Interessenten, sich im Zweifel nicht davor zu scheuen, die Hundeschule zu wechseln. „Eine gute Hundeschule arbeitet ohne tierschutzwidrige Methoden wie Druck und Zwang und lehnt Hilfsmittel wie Stachelhalsbänder, Elektroreizgeräte und Ähnliches strikt ab. Zudem sollte das Ziel einer Hundeschule sein, nur fachlich fundiertes Wissen weiterzugeben und auf jedes Hund-Halter-Gespann individuell einzugehen“, so Umlauf. Auch der Deutsche Tierschutzbund engagiert

Diese beiden American Staffordshire Terrier zählen aufgrund ihrer Rasse zu den sogenannten Kampfhunden.

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sich auf den weitläufigen Flächen des Tierschutzzentrums Weidefeld für Hunde. Seit Ende 2002 gibt es dort im Lissi Lüdemann-Haus ein Resozialisierungsprojekt für Problemhunde aus Tierheimen. Das Lissi Lüdemann-Haus ist speziell für Not leidende und hilfsbedürftige Hunde eingerichtet worden. Hier bilden fachkundige Mitarbeiter des Deutschen Tierschutzbundes solche Hunde aus, die – in den meisten Fällen durch menschliches Fehlverhalten – problematisch sind. Ein Ziel der Resozialisierungsmaßnahmen ist es, den wieder wesensgefestigten Hunden eine zweite Chance zu geben und sie langfristig an verantwortungsbewusste, erfahrene Tierhalter zu vermitteln. Die dem Deutschen Tierschutzbund angeschlossenen Mitgliedsvereine haben zudem die Möglichkeit, problematische Hunde zusammen mit einem betreuenden Tierpfleger für eine begrenzte Zeit nach Weidefeld zu schicken. Unter fachlicher Anweisung wird die spezielle Problematik des Hundes zunächst definiert und anschließend ein geeignetes Resozialisierungsprogramm erarbeitet. Über hundert Hunde haben im Lissi Lüdemann-Haus inzwischen Hilfe erhalten.

WARUM ES „PROBLEMHUNDE“ GIBT Dass Hunde wie Tomba oder Seppi im Tierheim landen, ist leider keine Seltenheit. Warum es aber Problemhunde gibt oder ganze Rassen einfach zu Problemhunden gemacht werden, steht auf einem anderen Blatt. Nachdem es hin und wieder unschöne Begegnungen zwischen Mensch und Hund gab, an denen teilweise auch sogenannte „Kampfhunde“ beteiligt waren, sind die Rasselisten entstanden. Auf diesen stehen je nach Bundesland Hunderassen wie American Staffordshire Terrier, Staffordshire Bullterrier und Bullterrier. Außerdem schließt die Liste Kreuzungen mit diesen Rassen ein. Auch der Pitbull wird in jeder Rasseliste aufgeführt, dabei handelt es sich hier nicht einmal um eine eigenständige Rasse. Zudem gibt es keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass von bestimmten Hunderassen eine erhöhte Gefahr ausgeht. Stattdessen zeigen fachlich fundierte Studien, dass im Einzelfall über die Gefährlichkeit eines Tieres entschieden werden muss. Es ist jedenfalls statistisch nicht belegt, dass es durch die Einführung von Rasselisten zu weniger Beißvorfällen gekommen ist. Zudem finden die meisten Beißunfälle im häuslichen Umfeld mit bekannten Hunden statt. Aus diesem Grund greifen die von den Bundesländern erstellten Regelungen wie Maulkorb und Leinenzwang gar nicht. Die Rasselisten stellen auch die Tierheime vor große Probleme. Dort

© Fotos: Anja Köhn (1), Frederik Rösch (1)

Beim Training zusammen mit Artgenossen lernen Hunde, sich auch unter Ablenkung auf „ihren Menschen“ zu konzentrieren.


TITELTHEMA

landen viele der gelisteten Hunde. Ihre Chance, einen neuen Besitzer zu finden, sind nicht sehr groß. Zum einen zahlen Hundebesitzer für einen sogenannten Kampfhund den bis zu dreifachen Satz der in der Gemeinde festgesetzten Hundesteuer, was potenzielle Halter abschrecken soll, und zum anderen werden Hund und Halter angefeindet. „Wir bekommen von den Tierheimen immer wieder die Rückmeldung, dass Listenhunde besonders lange auf ihre neue Familie warten. In Bayern ist es besonders schlimm, dort ist die Haltung bestimmter Hunderassen nur in Ausnahmefällen erlaubt. Und in Brandenburg dürfen noch nicht einmal Tierheime sogenannte Kampfhunde vermitteln. Das führt dazu, dass die Tierheime die Hunde im schlimmsten Fall bis an ihr Lebensende betreuen müssen. Die Kosten tragen auch in diesem Fall die Tierheime“, so Katja Dubberstein, Leiterin der Tierheimberatung beim Deutschen Tierschutzbund. Niedersachsen und Schleswig-Holstein haben sich bereits am aktuellen Wissensstand orientiert und ihre Rasselisten wieder abgeschafft. Statt an der Rasse liegt es an der Aufzucht, der Haltung und dem Umgang, ob ein Tier problematisch wird oder nicht. SachsenAnhalt hingegen ist mit seinem Statt einer Rasseliste sollte der verschärften Hundegesetz in verpflichtende SachkundenachSachen Tierschutz wieder einen weis für Hundehalter gelten. Schritt zurückgegangen. Das Bundesland hält immer noch an der veralteten Rasseliste fest. Sinnvoller als eine Rasseliste ist jedoch der verpflichtende Sachkundenachweis für unerfahrene Hundeinteressenten, bevor sie sich einen Vierbeiner ins Haus holen. Eine pauschale Sonderbehandlung von bestimmten Hunderassen ist und bleibt falsch. Einige Hunde, die auf der Rasseliste stehen, stammen auch aus dem illegalen Welpenhandel. Ein offenbar lukratives Geschäft, da die Zucht der Listenhunde hierzulande in den meisten Bundesländern verboten ist. Während verantwortungsbewusste Züchter junge Hunde frühestens nach der achten Woche vom Muttertier trennen, bleiben sie bei den illegalen Tierhändlern meist nur zwei bis vier Wochen bei der Mutter. Die Folge: massive Entwicklungsstörungen der Tiere, zum Teil bis ins Erwachsenenalter. Fehlen das Vorbild der Mutter und der Kontakt mit den Geschwistertieren, entwickeln die Tiere kein gutes Sozialverhalten. Hinzu kommt eine erhöhte körperliche Anfälligkeit für Erkrankungen durch die frühe Trennung von der Mutter. Insbesondere Hunde der aktuellen Moderassen kommen zunehmend auf illegalem Weg nach Deutschland. Geht ein solcher Transport der Polizei ins Netz, folgt meist die Beschlagnahmung durch das Veterinäramt und dann das Tierheim. Besonders Listenhunde haben häufig keine gute Prognose auf ein neues Zuhause.

KONSEQUENZ IST DAS A UND O Wie bereits erwähnt, ist nicht die Rasse an sich für ein problematisches Verhalten ausschlaggebend, sondern die Vorgeschichte des Hundes, die Sozialisation, die Haltung und natürlich auch seine Erziehung. Ein Hund braucht definitiv Regeln. Setzt der Hundehalter diese nicht, dann sucht sich der Hund eine Aufgabe. Das kann zum Beispiel das übermäßige Bewachen seines Herrchens sein. Demzufolge können dann manche Hunde schnell überreagieren, falls ein Fremder dem Herrchen die Hand gibt oder ins Haus kommt. Setzt hier der Halter keine Grenzen, sondern lässt seinen Hund gewähren, kann es zu Zwischenfällen kommen, die schlimmstenfalls mit einem

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GOLDENE REGELN FÜR DIE HUNDEERZIEHUNG

1.

Hundeverhalten genau b eobachten und richtig deuten

2.

Hunde nicht vermenschlichen

3.

I ndividuelle Bedürfnisse des Hundes berücksichtigen

4.

 lare Regeln aufstellen und K konsequent verfolgen

5.

 lare Signale (Stimme, K Sichtzeichen) geben

6.

 tets gleiche Hörzeichen S verwenden

7.

Ausgiebiges Loben nicht vergessen

8.

Unerwünschtes Verhalten sofort korrigieren

9.

Nur tierschutzgerechte Hilfsmittel verwenden

10.

Im Zweifelsfall fachlichen Rat einholen

Biss durch den Hund enden. Dieses Verhalten wäre dann aber ein von Menschen gemachtes. Wer sich bei der Erziehung liebevoll und konsequent zeigt und den Hund immer wieder an seine Aufgabe im Sozialgefüge erinnert, hat beste Chancen, dass sich sein Hund problemlos in die Familie integriert und ein freundliches und verlässliches Familienmitglied wird.

WEB www.duunddastier.de/gesundheit

Wir klären Sie auf, woran Sie erkennen, dass Ihr Hund zu dick ist, wie Sie Übergewicht verhindern und was Sie tun können, damit er abspeckt. DU UND DAS TIER 2/2016

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TIERLIEBE

Wenn das Leben eines Menschen aus dem Ruder läuft, können auch Tiere zum Opfer werden. In einem aktuellen Animal Hoarding-Fall in Niederbayern sind es statt der anfangs vermuteten 70 Hunde unglaubliche 155 Tiere. Von Verena Jungbluth

Diese Hunde aus dem Animal Hoarding-Fall warten darauf, dass die Helfer sie in die Tierheime transportieren.

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Es schien ein ganz normaler Tag zu sein, als ein dem Deutschen Tierschutzbund angeschlossener Tierschutzverein zu einem abgelegenen Hof in Niederbayern fuhr. Anonyme Anrufer waren auf Hundegebell aufmerksam geworden und hatten den Verein gebeten, nach den Tieren zu schauen. Das, was die Tierschützer dort zu sehen bekamen, ließ ihnen den Atem stocken: Es gab kaum einen Platz, an dem keine Tiere waren. „Wir waren geschockt. Ich habe so eine Menge an Hunden noch nie auf einmal gesehen“, so eine mit dem Fall betraute Person, die aufgrund des laufenden Verfahrens nicht namentlich genannt werden möchte. Nach eigener Aussage der Halter lebten etwa 70 Hunde auf dem Hof. Vor rund 20 Jahren hatten diese ehemalige „Laborhunde“ aus Spanien gerettet. Das, was ursprünglich gut gemeint und im Sinne der Tiere war, lief schnell aus dem Ruder. Die Hunde waren nicht kastriert und vermehrten sich unkontrolliert. Erst als die Tierschützer das Veterinäramt einschalteten, waren die Halter bereit, einige Hunde freiwillig abzugeben. Da die Quarantänestationen der bayerischen Tierheime durch die illegalen Welpentransporte (wir berichteten darüber in

© Foto: Deutscher Tierschutzbund Landesverband Bayern e. V.

AUSSER KONTROLLE


Ausgabe 01/16) bereits stark ausgelastet waren, baten die Tierschützer in den benachbarten Bundesländern um Unterstützung. So reisten schließlich Vertreter von elf Tierheimen aus Bayern und Baden-Württemberg an, um die 155 Hunde in einer vom bayerischen Landesverband koordinierten Aktion abzuholen. In mehreren Tierheimen kamen noch weitere Welpen zur Welt. Bis zu fünfzehn Hunde leben derzeit noch bei den Haltern; sie wollten nicht alle Tiere abgeben. Dass es so weit kommen konnte, ist mit dem Begriff „Animal Hoarding“ zu erklären. „Dabei handelt es sich um ein Krankheitsbild, bei dem Menschen Tiere in einer großen Anzahl horten und dabei die Mindestanforderungen der Tiere nicht erfüllen. Auch wenn die Halter oftmals aus missverstandener Tierliebe handeln, sind sie in der Regel schnell mit der Situation überfordert und erkennen nicht mehr, dass es den Tieren schlecht geht“, so Dr. Sophie Arnold, Referentin für Heimtiere beim Beim Animal Hoarding Deutschen Tierschutzbrauchen sowohl die Tiere bund. Die Halter in als auch die Menschen Hilfe. Niederbayern zeigten keinerlei Einsicht und machten den Tierschützern Vorwürfe. Dabei waren ihre Hunde verwahrlost und krank: Sie waren nicht geimpft, hatten Parasiten, Augenprobleme und litten unter Bissverletzungen. Einige von ihnen sind blind, was möglicherweise auf Inzucht zurückzuführen ist. Zusätzlich hatten die meisten Hunde starke Zahnschmerzen, einige waren unterernährt. Zudem zeigten sie Verhaltensstörungen. Mehrere Hunde stürzten sich noch im Tierheim, nachdem sie bereits normales Futter erhalten hatten, auf den Kot der anderen Hunde. Einige tun dies bis heute.

TIERHEIME LEISTEN GROSSARTIGES „Die Betreuung und tierärztliche Versorgung der Tiere aus solchen Fällen bringt die Tierheime bis an ihre Grenzen. Die Kosten belaufen sich oft auf Zehntausende Euro, der Zeitaufwand ist immens“, so Katja Dubberstein, Leiterin der Tierheimberatung beim Deutschen Tierschutzbund. Alleine vom Jahr 2012 bis September 2015 registrierte der Deutsche Tierschutzbund 117 Animal-Hoarding-Fälle, in denen rund 9.000 Tiere betroffen waren. Die Dunkelziffer liegt weitaus höher. Der Deutsche Tierschutzbund macht aktuell mit der Kampagne „Tierheime helfen. Helft Tierheimen!“ auf die wertvolle Arbeit der Tierschützer aufmerksam. Die durch den Animal Hoarding-Fall in Niederbayern betroffenen Tierheime

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HINTER DEN KULISSEN

Motiv der aktuellen Kampagne „Tierheime helfen. Helft Tierheimen!“ des Deutschen Tierschutzbundes.

hat der Verband mit einer Soforthilfe in Höhe von 200 Euro pro Hund aus dem Feuerwehrfonds unterstützt. Einige Hunde haben inzwischen ein neues Zuhause gefunden. Andere sind bis heute auf die Betreuung im Tierheim angewiesen. „Es dauert einfach unheimlich lange, diese Hunde zu resozialisieren“, so eine mit dem Fall betraute Person. Drei Hunde sind an Parvovirose gestorben. Die Tierheime haben das Veterinäramt aufgefordert, die Halter wegen vielfacher Verstöße gegen das Tierschutzgesetz und die Tierschutz-Hundeverordnung anzuzeigen. Außerdem setzen sie sich dafür ein, dass die Halter auch die restlichen Hunde herausgeben müssen. Beim Landkreis haben sie finanzielle Unterstützung beantragt. Wir halten Sie auf unserer Internetseite www.duunddastier.de auf dem Laufenden.

WEB

www.tierschutzbund.de/ spendenprojekt-animal-hoarding Unterstützen Sie die uns angeschlossenen Tierheime und helfen Sie den Tieren, die Opfer von Animal Hoarding geworden sind. DU UND DAS TIER 2/2016

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TIERISCHE

GRENZSchakale leben in Afrika und Elche in Kanada und Skandinavien. So weit, so klar. Dass diese Tierarten jedoch auch in Deutschland in der freien Natur leben, ist den meisten Menschen unbekannt. Von James Brückner

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Letzteres trifft vor allem auf den Goldschakal zu, den manche auch als „kleinen Bruder“ des Wolfs bezeichnen. Dabei ist Canis aureus, so die wissenschaftliche Bezeichnung, weitaus kleiner, sodass ihn wahrscheinlich viele eher mit einem großen Fuchs verwechseln würden. Charakteristisch sind die schmale, spitze Schnauze, die langen Stehohren und der weißliche Kragen. Die Fellfarbe reicht von einem rötlichen Grau mit einem golden schimmernden Einschlag bis Gelbgrau. Der Goldschakal ist vor allem in Afrika und Asien sowie auf der arabischen Halbinsel, aber auch in Südosteuropa weit verbreitet. Von dort, zum Beispiel aus Bulgarien, Ungarn und den Balkanstaaten, wandern jedoch immer wieder Tiere nach Westen und Norden. Bereits 1987 konnte der erste Goldschakal in Österreich dokumentiert werden. Jäger töteten leider dieses Tier Goldschakale erreichen eine genauso wie nachfolKörperlänge von 80 bis 95 Zen- gende Exemplare. Ende timetern bei einem Gewicht von der 1990er-Jahre gab es acht bis zehn Kilogramm. in Deutschland in der Lausitz die erste Sichtung eines Goldschakals. Diese kleine Sensation fand jedoch ein ebenso trauriges wie unrühmliches Ende: Das Tier wurde illegal abgeschossen und letztlich von den Behörden in der Kühltruhe eines Präparators gefunden.

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GÄNGER


HINTER DEN KULISSEN

Nicht nur Luchs und Wolf, auch Goldschakal und Elch halten sich inzwischen in deutschen Wäldern auf.

2012 TAUCHT DER GOLDSCHAKAL WIEDER AUF

ELCHE WAGEN SICH NACH DEUTSCHLAND

Es dauerte bis zum Frühjahr 2012, bis eine Fotofalle im Bayerischen Wald den nächsten Nachweis erbrachte, dass der Goldschakal dort umherstreift. Auch in der Schweiz war im Winter 2011/2012 ein Tier in den Nordwestalpen unterwegs. Seitdem geht es in vielen mitteleuropäischen Staaten Schlag auf Schlag: So gab es 2013 im italienischen Trentino, 2014 in Südtirol und 2015 in Hessen Sichtungen von einzelnen Tieren. Im Januar 2016 erschoss ein Jäger in der Schweiz ein junges Männchen, das er fälschlicherweise für einen Fuchs gehalten hatte. In den Niederlanden und Dänemark ist der Goldschakal mittlerweile ebenfalls aufgetaucht. Vermutlich wird es nicht mehr lange dauern, bis sich auch in Deutschland weitere Goldschakale so wohlfühlen, dass sie möglicherweise irgendwann sogar Nachwuchs zeugen. Die Jägerschaft ist ihrerseits schon alarmiert und beobachtet den potenziellen Einwanderer eher argwöhnisch. Dies führte unter anderem dazu, dass in Baden-Württemberg der Landesjagdverband allen Ernstes eine Aufnahme des Goldschakals in das 2015 erlassene Jagd- und Wildtiermanagementgesetz forderte – obwohl diese Art bisher im südwestlichsten Bundesland noch nie gesichtet wurde. Dieser ebenso unsinnige wie unnötige Vorschlag wurde jedoch auf Intervention des Deutschen Tierschutzbundes, seines Landestierschutzverbandes und weiterer Verbände nicht weiter verfolgt. Eine Gefährdung anderer heimischer Arten ist durch den Goldschakal ohnehin nicht zu erwarten. Wie beim Fuchs machen den Großteil seiner Nahrung in der Regel Nagetiere wie Mäuse aus.

Doch nicht nur der Goldschakal, auch ein anderes Wildtier bekommt man in Deutschland hin und wieder unerwartet zu Gesicht: Die Rede ist von Alces alces, dem Europäischen Elch, von dem immer wieder Einzeltiere von Polen oder Tschechien nach Deutschland einwandern. Spektakulär verlief hierbei der Weg des von den Medien „Knutschi“ getauften Elchbullen, der 2008 von Polen kommend bis nach Hessen wanderte und dort schließlich starb. Und im Sommer 2014 verirrte sich ein Schaufelträger in ein Dresdner Bürogebäude. Das Tier wurde letztlich betäubt und in einem Wald in Ostsachsen wieder freigelassen. Insbesondere in östlichen Bundesländern wie Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, aber auch in Bayern werden jedes Jahr mehrere Tiere gesichtet. Deren Reise endet jedoch leider nicht selten als Verkehrsopfer auf einer Autobahn. Dennoch zeigen diese Beispiele, welche Überraschungen die Natur auch heute noch bereithalten kann. Im Schatten von Wolf, Luchs und Co. wird es spannend sein, zu sehen, ob es Elch und Goldschakal gelingt, in Deutschland langfristig Fuß zu fassen. Aus Tier- und Naturschutzsicht wäre dies jedenfalls eine Bereicherung unserer heimischen Tierwelt. DU UND DAS TIER 2/2016

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LANGOHREN FEIERN ZEHNJÄHRIGES Mit ihren langen Ohren, dem wolligen Fell und ihrem charakteristischen Ruf machen Esel es einem leicht, sie einfach gern zu haben. Die Eselnothilfe hat einen besonders großen Narren an ihnen gefressen – seit nunmehr zehn Jahren vermittelt sie Esel in ein tiergerechtes Zuhause. Von Nadia Wattad

Eselhengst Walter lebte hinter Stacheldraht auf einem Grundstück ohne Artgenossen. Er langweilte sich zu Tode und schrie verzweifelt jedem Spaziergänger hinterher. Seine Hufe waren zu lang, sein Fell voller Parasiten und seine langen Zähne verursachten ihm beim Kauen große Schmerzen. Zwergmaultierwallach Ecki war ursprünglich als Maskottchen vorgesehen. Die Reitstallbetreiberin, bei der Ecki wohnte, dachte, dass sich so ein Langohr gut zwischen den Sportpferden macht. Nur leider benahm sich Ecki überhaupt nicht wie ein gutes Maskottchen. Er biss und trat nach Menschen und Pferden. Fortan hielt sie ihn in einer Einzelbox und ließ ihn nur selten hinaus. Für diese und ähnliche Fälle gründeten elf Esel- und Mulifreunde am 18. März 2006 den Verein Noteselhilfe. Keines der Gründungsmitglieder ahnte damals, dass der anfangs kleine Verein bald zu einem so tatkräftigen Tierschutzverein anwachsen sollte. Walter und Ecki stehen stellvertretend für über 300 Esel und Mulis, derer sich die Esel sind Herdentiere. Daher Noteselhilfe in den vergangenen vermittelt die Eselnothilfe zehn Jahren angenommen hat. Der Tiere entweder paarweise Verein betreut die Tiere, versorgt oder zu einem bereits vorsie medizinisch und vermittelt sie an handenen Tier hinzu. kundige Eselfreunde. Damit die Esel bis zu ihrer Vermittlung gut untergebracht sind, greift die Eselnothilfe auf rund 50 Pflegestellen zurück, die in ganz Deutschland verteilt sind. Alle Neuzugänge werden tierärztlich untersucht, geimpft, entwurmt, mit einem Transponder gekennzeichnet und zahntechnisch behandelt. Bei Hengsten nimmt der Tierarzt die notwendige Kastration vor.

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HINTER DEN KULISSEN

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„Um Esel als Hengste zu halten, sind ganz besondere Kenntnisse und Haltungsbedingungen notwendig, die nur sehr wenige Eselfans bieten Esel sind Sympathieträger. Sie schleichen sich schnell in können. Zudem soll die Herzen vieler Menschen. durch die Kastration eine Zucht mit den ehemaligen Tierschutzfällen verhindert werden“, so Dr. Esther Müller, Fachreferentin für Equiden beim Deutschen Tierschutzbund.

© Fotos: Noteselhilfe e.V.

NOTESELHILFE BESUCHT POTENZIELLE ESELHALTER „Uns ist es sehr wichtig, dass die Tiere ein artgerechtes Zuhause bekommen. Deswegen besuchen Mitglieder der Noteselhilfe alle Interessenten vorab und stehen bei Fragen rund um die Haltung mit Rat und Tat zur Seite“, so Heike Wulke, erste Vorsitzende der Eselnothilfe. Der Kontakt zu dem Verein bleibt auch nach der Vermittlung bestehen. In regelmäßigen Abständen besucht eines der 200 Mitglieder der Eselnothilfe die vermittelten Tiere. Durch den Verein haben allein in den vergangenen zehn Jahren über 140 Langohren ein neues Zuhause gefunden. Esel sind anspruchsvolle Tiere, deren Haltung nicht zu unterschätzen ist. „Insbesondere bei der Fütterung sind gute Kenntnisse gefragt, denn Esel neigen bei zu energiereichem Futter zu Übergewicht und Hufrehe – einer schmerzhaften Erkrankung der Hufe. Zudem darf man die gemütlich wirkenden Tiere nicht unter-

1 Alfredo nimmt Kontakt zu Artgenossen auf. 2 Eselstute Reni in ihrem neuen Zuhause. 3 Der Hufpfleger beruhigt einen Esel aus schlech-

ter Haltung, um sein viel zu lang gewachsenes Hufhorn zu schneiden. 4 Nach getaner Arbeit ist das Vertrauen groß.

schätzen. Auch sie brauchen regelmäßige Beschäftigung und Bewegung“, so Müller. Heike Wulke weiß, warum Esel ihr häufig ein Lächeln auf die Lippen zaubern: „Eigentlich immer, wenn ich weiß, es geht ihnen gut. Wenn sie zufrieden ihr Heu zermahlen, spielen oder einfach nur die Sonne genießen. Wenn sie mich sanft mit ihrem weichen Maul anstupsen und nach Streicheleinheiten fragen. Wenn ich abends von der Arbeit komme und einfach nur die Ruhe genieße, die diese sanften Langohren ausstrahlen. Esel sind Therapeuten für die Seele.“

WEB www.noteselhilfe.org

Lernen Sie die Noteselhilfe besser kennen. Hier finden Sie zudem Unterstützungsmöglichkeiten.

www.duunddastier.de/esel

Lesen Sie das Kurzinterview mit Heike Wulke, der ersten Vorsitzenden der Eselnothilfe.

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Von herzhaft bis süß, vegan und schnell zubereitet: der perfekte Picknickkorb für einen leckeren Nachmittag im Grünen.

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EIN PICKNICK IM GRÜNEN

REZEPT

© Dorling Kindersley Verlag. Rezepte: Jérôme Eckmeier und Daniela Lais. Fotos: Brigitte Sporrer; Floydine - Fotolia; WavebreakmediaMicro - Fotolia; springtime78 - Fotolia; sid221 - Fotolia

BUCHTIPP

PESTO „RICOTTA“ BÄLLCHEN

ZUTATEN Für 10 kleine Bällchen, Zubereitung 25 Minuten, 3 bis 4 Tage Durchziehzeit 1 Liter Sojamilch 5 Esslöffel Apfelessig 1 Bund Thai-Basilikum 5 Teelöffel veganes Basilikumpesto ½ TL Chilipulver Salz frisch gemahlener Pfeffer Olivenöl zum Einlegen

1| Die Sojamilch in einem Topf bei starker Hitze aufkochen. Sobald sie zu kochen beginnt, den Essig einrühren. Den Topf vom Herd ziehen und die Mischung abkühlen lassen. Die Flüssigkeit vorsichtig abgießen. 2| Die festen Bestandteile in ein mit einem sauberen Küchentuch ausgelegtes Sieb geben. Die Ecken des Tuchs über der Masse zusammenfassen und eindrehen, sodass möglichst viel Flüssigkeit herausgedrückt wird. 3| Das Basilikum waschen und trocken schütteln, die Blätter abzupfen und grob schneiden. Den Soja-„Ricotta“ in einer Schüssel mit Pesto und Chilipulver verkneten und mit Salz und Pfeffer abschmecken. 4| Zehn Bällchen aus der Masse formen und mit dem Basilikum in ein großes Twist-off-Glas oder Einmachglas geben. 5| Die Bällchen vollständig mit dem Olivenöl bedecken und drei bis vier Tage durchziehen lassen. 6| Zusammen mit Baguette anrichten und genießen. Guten Appetit!

Wie man sich in den eigenen vier Wänden vegan und lecker ernähren kann, wissen inzwischen die meisten. Doch schwierig wird es manchmal, wenn der Hunger außer Haus kommt. Jérôme Eckmeier und Daniela Lais schaffen Abhilfe und stellen in ihrem Buch „Vegane Lunchbox. Einfach, schnell, vegan – immer und überall“ über 100 Rezepte vor, die sich ideal zum Mitnehmen eignen. Ob fürs Büro, die Uni, einen Ausflug oder die große Pause – die abwechslungsreichen Gerichte sind schnell zubereitet, schmecken kalt oder aufgewärmt und lassen sich ganz einfach transportieren. Die „Vegane Lunchbox“ reicht von kleinen Snacks über Suppen, Salate, Sandwiches und Burger bis hin zu Sattmachern für den großen Hunger und süßen Verführungen. So machen die Mittagspause und das Picknick im Grünen noch mehr Spaß. Jérôme Eckmeier, Daniela Lais, Vegane Lunchbox. Einfach, schnell, vegan – immer und überall ISBN 978-3-8310-2937-2, 2016, Dorling Kindersley Verlag, 19,95 Euro

WEB www.duunddastier.de/picknick

Die hier abgedruckten Gerichte sind dem Buch „Vegane Lunchbox. Einfach, schnell, vegan – immer und überall“ entnommen.

Wie Sie den „Tempeh-Bagel“ und den „Super-Schoko-Jausenkuchen“ zubereiten, erfahren Sie auf unserer Website. DU UND DAS TIER 2/2016

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MEDIEN

HEINRICH-BÖLL-STIFTUNG E. V.

ILKA SOKOLOWSKI UND JANNA STEIMANN

Essen kann gut schmecken oder auch nicht. Essen kann gesund sein oder auch nicht. Es gibt gute Gründe, nach der Zusammensetzung und der Herkunft von Lebensmitteln zu fragen. Das gilt ganz besonders für Fleisch. Immer mehr Menschen – darunter viele Kinder und Jugendliche – wollen wissen, wie die Tiere auf ihrem Speiseplan gelebt haben, wie sie geschlachtet und gefüttert wurden. Aber das ist gar nicht so einfach herauszufinden, denn auf der Verpackung steht so etwas nicht. Das Buch „Iss was?!“ der Heinrich-Böll-Stiftung will Abhilfe schaffen und die wichtigsten Informationen zum Thema Fleisch für alle verständlich und anschaulich präsentieren. Es zeigt, dass persönliche Entscheidungen oft eine große Tragweite haben – und dass ein Stück Fleisch auf dem Teller manchmal eine große Bedeutung hat für andere Regionen auf der Welt. Die optische Gestaltung des Buches, das auch kostenlos als PDF heruntergeladen werden kann, ist ein absoluter Hingucker. Die Grafiken tragen dazu bei, auch sperrige Sachverhalte verständlicher zu machen. Was die Globalisierung mit sich bringt, zeigt das Buch unter anderem anhand der Frage „Wieso landen unsere Geflügelreste in Afrika?“. Insgesamt klärt das Buch große und kleine Leser über die Esskultur und die Hintergründe der Fleischproduktion auf. 140 Seiten, Heinrich-Böll-Stiftung e. V., Berlin, 1. Auflage, März 2016, ISBN: 978-3-86928-150-6, Bezugsmöglichkeiten: kostenfreier PDF-Download unter www.boell.de oder für 3 Euro als Buch.

Wilde Tiere in der Stadt? Unsere Städte sind nicht nur Wohnort für viele Menschen, nein, sie sind auch der Lebensraum zahlreicher wild lebender Tiere. Mit offenen Augen und Ohren, mit Ruhe, Geduld und etwas Glück lassen sich so manche Tiere entdecken – oder zumindest ihre Spuren. Sie bevölkern die Gärten, Parks und Friedhöfe, tummeln sich in den Seen und Flüssen, schwirren durch die Luft oder leben verborgen im Erdreich nach ihren eigenen Gesetzen. Die Autorin Ilka Sokolowski lädt mit ihrem wundervollen Buch „Wildes Leben in der Stadt“ ein, das vielgestaltige Tierreich der Städte kennenzulernen. Die liebevollen, detailreichen und naturnahen Zeichnungen von Janna Steimann machen jede Seite dieses Bilderbuches zu einem optischen Erlebnis. Überschaubare Textabschnitte bieten viele interessante Informationen, nicht nur für die jungen Leser (ab fünf Jahren). Oder wissen Sie, dass die Stubenfliege mit den Füßen schmeckt, dass die empfindlichen Tasthaare der Hausmaus Vibrissen heißen oder warum Stockenten keine kalten Füße kriegen? Tipps zur Tierbeobachtung und weiterführende Adressen zum Thema Tiere und Natur runden dieses fantastische Buch über die Tierwelt vor unserer Haustür ab, das die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendliteratur als Umwelt-Buchtipp im März 2015 empfohlen hat. 64 Seiten, gebunden und farbig illustriert, Gerstenberg Verlag, Hildesheim, 2015, ISBN: 978-3-8369-5779-3, 14,95 Euro

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Meine Geschwister sind tot!

Spendet für eine Kastration!

Weggeworfen, verhungert, überfahren. Erspart ungewollten Welpen dieses Schicksal. Durchbrecht den Todeskreislauf. Jeder Hund und jede Katze braucht einen liebevollen Besitzer!

Lega pro Animale – Italien Sterilisationszentrum für Hunde und Katzen in Süditalien

Kein Tier soll sein Leben im Tierheim oder auf der Straße fristen.

Deutscher Tierschutzbund e. V. Sparkasse KölnBonn Konto-Nr. 40 444, BLZ: 370 501 98 IBAN: DE88 3705 0198 0000 0404 44 BIC: COLSDE33 WICHTIG! Verwendungszweck: Lega pro Animale – Italien Spenden an den Deutschen Tierschutzbund e. V. sind steuerlich absetzbar.

© Fotos: Heinrich-Böll-Stiftung e. V.; Gerstenberg Verlag

ISS WAS?! TIERE, FLEISCH & ICH WILDES LEBEN IN DER STADT


POSTER ZUM HERAUSNEHMEN

SCHLUSS

MIT BILLIG! 55

CENT

€ KOSTET DER LITER DISCOUNTER-VOLLMILCH

DAVON BEHÄLT DER MILCHBAUER

23,1 CENT + 1 EURO Über 3.200 BETRIEBE mussten im letzten Jahr wegen der Milchkrise ihren Tierbestand AUFGEBEN.

GARANTIERT LANGFRISTIG EINEN HÖHEREN TIERSCHUTZSTANDARD

DAS FORDERN WIR: Handel und Discounter müssen endlich ihre ethische Verantwortung wahrnehmen und darauf verzichten, Billigmilch anzubieten, denn jede Preissenkung senkt das Tierschutzniveau. Landwirte, die in Tierschutz investieren, müssen eine ausreichende Entlohnung erhalten. Nicht zuletzt braucht es eine Tierschutzgesetzgebung, die die Milchkühe wirklich schützt.

WIE DIE REALITÄT AUSSIEHT: 55 Cent kostet der Liter Discounter-Vollmilch. Der Milchbauer kann davon 23,1 Cent behalten, der Handel 6,3 Cent – der Rest, also 25,6 Cent, landet in der Wertschöpfungskette. Die Beispielrechnung zeigt, dass der Landwirt keine finanziellen Mittel zur Verfügung hat, um in Tierschutz zu investieren. Schließlich sind seine Produktionskosten lediglich zu 50 Prozent gedeckt und allein die Produktion von einem Liter Milch kostet den Landwirt circa 40–45 Cent. Diese Kosten beinhalten unter anderem die Stall-, Tierarzt- und Futterkosten.

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www.tierschutzbund.de

DEUTSCHER TIERSCHUTZBUND E.V.


POSTER ZUM HERAUSNEHMEN

SCHLUSS

MIT TIERLEID! WIE DIE REALITÄT AUSSEHEN SOLLTE: Der Milchpreis müsste zum einen die Produktionskosten des Landwirts decken. Zum anderen braucht er zusätzlich Geld, um in den Tierschutz investieren zu können. Im Detail bedeutet das, dass Preise, die pro Liter unter einem Euro liegen, langfristig keinen höheren Tierschutzstandard garantieren können.

SO KÖNNEN SIE AKTIV WERDEN: Kämpfen Sie gemeinsam mit uns für ein Ende der Billigpreise. Tragen Sie mit Ihrem Kaufverhalten dazu bei, dass Tierleid verhindert wird. Fragen Sie beim Einkauf immer wieder nach, wie die Tiere gehalten wurden, die hinter den Milchprodukten stehen, und greifen Sie auch zu Bioprodukten. Dennoch bleibt der größte Schritt in Richtung Tierschutz immer noch die vegane Ernährung.

Weit über 50 PROZENT der Hochleistungsmilchkühe erkranken.

6–8 WOCHEN NACH DER GEBURT ihres Kalbes wird eine Kuh schon wieder erneut künstlich besamt und

WIEDER TRÄCHTIG.

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AKTUELL

PARLAMENTSKREIS TIERSCHUTZ

MEHR UNTERSTÜTZUNG FÜR DIE TIERHEIME Die Tierheime in Deutschland kämpfen tagtäglich um ihre Existenz – die Unterstützung vonseiten der Kommunen lässt zu wünschen übrig. Nun stand die finanzielle Situation der Tierheime auf der Agenda des „Parlamentskreises Tierschutz im Deutschen Bundestag“. Dass sich die Bundespolitiker dieses Themas angenommen haben, macht nicht nur den Ernst der Lage deutlich, sondern hebt vor allem die Bedeutung der Tierheime für die Gesellschaft hervor. Auch Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, nahm an dieser zweiten Sitzung teil. Der Parlamentskreis Tierschutz wurde vom Verband mitinitiiert. Unter der Schirmherrschaft von Christina Jantz-Herrmann (SPD), Harald Ebner (Bündnis 90/Die Grünen), Birgit Menz (Die Linke) und Dagmar G. Wöhrl (CDU/ CSU), diskutierten mehr als 20 Abgeordnete und Mitarbeiter aller Bundestags-

Mitglieder des „Parlamentskreises Tierschutz im Deutschen Bundestag“ in Berlin.

fraktionen gemeinsam Lösungswege, um die finanzielle Situation der Tierheime nachhaltig zu verbessern. Nachdem Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, die aktuelle Lage der deutschen Tierheime darlegt hatte, stellte Dr. Katharina Kluge, Leiterin des Referats Tierschutz im Bundeslandwirtschaftsministerium, die Einschätzung des Ministeriums zur Tierheimthematik vor. Schließlich formulierte der Parlamentskreis Tierschutz gemeinsame Forderun-

© Fotos: Deutscher Tierschutzbund e.V., Ingelore Hechelhammer - pixelio.de

GEFAHR FÜR HEIMISCHE TIERWELT

PILZERKRANKUNG BEDROHT SALAMANDER UND MOLCHE Ein gefährlicher Hautpilz bedroht insbesondere europäische Salamander und Molche – darunter auch den optisch unverkennbaren Feuersalamander mit seiner schwarz-gelben Färbung. Nach Deutschland eingeschleppt haben ihn Tiere aus Südostasien: Forscher gehen davon aus, dass der Hautpilz Batrachochytrium salamandrivorans (Bs) mit dem Tierhandel nach Europa gekommen ist. Der Pilz befällt die Haut der Amphibien, was meist mit deren Tod endet, da die Haut der Salamander verschiedene lebenswichtige Funktionen übernimmt. In den Niederlanden und Belgien sind dem Hautpilz bereits Tausende Salamander und Molche zum Opfer gefallen.

gen in einer überparteilichen Erklärung: Demnach ist die Unterstützung der Tierheime nach Ansicht aller Beteiligten ein gesamtgesellschaftliches Interesse, welchem sich die öffentliche Hand nicht entziehen darf. Es muss Praxis werden, dass Tierheime aufgrund der Übernahme von staatlichen Aufgaben entstandene Ausgaben tatsächlich auch kostendeckend erstattet bekommen. Weitere Informationen finden Sie unter www.tierheime-helfen.de.

WEB www.duunddastier.de/news Lesen Sie täglich aktuelle Meldungen rund um den Tierschutz.

Erste befallene Tiere wurden nun auch in Deutschland nachgewiesen, zahlreiche tote Feuersalamander fanden Forscher in der Eifel. In Deutschland sind neben dem Feuersalamander und dem Alpensalamander auch der Faden- und der Kammmolch, der Donau-Kammmolch sowie der Teich- und der Bergmolch in großer Gefahr. Wie sich der Pilz ausbreitet, ist derzeit noch unbekannt. Um seine weitere Verbreitung zu verhindern, sollte die EU den Import dieser Arten verbieten. Die USA und die Schweiz haben einen solchen Importstopp bereits beschlossen, um die dort ansässigen Amphibien vor der tödlichen Infektion zu schützen.

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EIN FESTIVAL FÜR DEN TIERSCHUTZ Die Organisatoren des ersten Tierschutz-Festivals in Berlin bewiesen ein Händchen für eine rundum gelungene Veranstaltung. Von Nadia Wattad

1 Der Hof der Kulturbrauerei ist gut gefüllt. 2 V. l. n. r.: Dr. Jörg Styrie, Thomas Schröder,

Ines Krüger und Maurice Gajda begrüßen die Besucher des Tierschutz-Festivals. 3 James Brückner im Expertengespräch. 4 Dr. Robert Landsiedel (links) und Roman Kolar diskutieren über Alternativmethoden zu Tierversuchen, moderiert von Ines Krüger.

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Musik, leckeres Essen und Sonnenschein stellen die perfekte Basis für ein gelungenes Festival dar. Und wenn dann noch die Motivation der Festival-Besucher nicht ausschließlich darin besteht, Bands spielen zu sehen, sondern auch darin, den Tierschutz zu unterstützen, kann es sich nur um ein besonderes Event handeln. Die Rede ist vom ersten Tierschutz-Festival, zu dem der Deutsche Tierschutzbund zusammen mit dem Tierschutzverein für Berlin und dem Bundesverband Tierschutz in das beeindruckende Ambiente der Kulturbrauerei in die Hauptstadt eingeladen hat. Anlass war der Internationale Tag des Versuchstiers am 24. April, an dem viele Tierschutzorganisationen an die ethische Problematik, fühlende Lebewesen als Messinstrumente oder „Krankheitsmodelle“ zu missbrauchen, erinnern. Die Grußworte sprachen Ines Krüger vom Tierschutzverein für Berlin, die zusammen mit Radiomoderator Maurice Gajda durch den gesamten Tag führte, Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, und Dr. Jörg Styrie, Geschäftsführer vom Bundesverband Tierschutz. „Ich freue mich, heute wieder ein Zeichen zu setzen für Tiere, die keinen Preis, sondern einen Wert haben, und das gilt besonders für die Tiere in Tierversuchen“, so Schröder.


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© Fotos: Deutscher Tierschutzbund e.V.

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DEBATTEN UM DEN TIERSCHUTZ

MUSIKALISCHE UNTERHALTUNG

Neben dem vegan-vegetarischen kulinarischen Angebot, den Musikern und zahlreichen Ständen lockten auch die Expertengespräche rund um den Tierschutz auf den Hof der Kulturbrauerei. Roman Kolar, stellvertretender Leiter der Akademie für Tierschutz des Deutschen Tierschutzbundes, diskutierte mit Dr. Robert Landsiedel von der BASF SE Ludwigshafen über das Thema Tierversuche. Kolar betonte, dass viel mehr Untersuchungen mithilfe tierversuchsfreier Methoden stattfinden müssten. Verwende man dabei menschliche Zellen und Gewebe, zum Beispiel von freiwilligen Spendern, ließen sich die Ergebnisse auch besser auf den Menschen übertragen. „Wenn es um die menschliche Gesundheit geht, sind Tiere kein perfektes Modell. Eine Ratte hat einen komplett anderen Stoffwechsel. Sie besitzt unter anderem eine Leber, die viele Stoffe verarbeiten und abbauen kann. Werden ihr giftige Stoffe vorgesetzt, hat sie daher eine ganz andere Toleranz als der Mensch“, so Kolar. Mit Multiplikationsfaktoren würde dann versucht, dies auszugleichen. „Das ist eine relativ primitive Umrechnungsmethode, die uns nur sehr begrenzt Aufschluss darüber geben kann, wie eine spezielle Substanz beim Menschen wirkt“, urteilte Kolar. In einer weiteren Expertenrunde mit James Brückner, Referent für Artenschutz beim Deutschen Tierschutzbund, und Dr. Julia Kögler, stellvertretende Geschäftsführerin des Verbands der Zoologischen Gärten, ging es vornehmlich um die Haltung von Wildtieren in Zoos. „Gerade Eisbären gehören zu den Tieren, deren Ansprüche ein Zoo nicht erfüllen kann. Kein Gehege kann den Tieren ausreichend Platz oder Beschäftigung bieten“, so Brückner. Viele erwachsene Tiere zeigten dann in der Konsequenz Verhaltensstörungen, wie zum Beispiel ein ständiges Auf- und Ablaufen. Ebenso kritisch sei die Haltung von Menschenaffen zu sehen, die schon aus ethischen Gründen fragwürdig sei.

Zwischen den Expertengesprächen sorgten Bands für Stimmung. Den Anfang machte der Künstler Okan Frei, gefolgt von Berge, Balbina, die sich über das Projekt „Musik bewegt“ für das Tierschutzzentrum des Deutschen Tierschutzbundes in der Ukraine einsetzt, und Teesy. Der Großteil der Musiker spendete dem Verband seine Gage. Dass die Musik gut ankam, zeigte die Resonanz der Besucher, die mitsangen und begeistert applaudierten. „Ich bin über die Plakate auf das Tierschutz-Festival aufmerksam geworden. Ich selbst bin Vegetarierin und achte sehr darauf, was ich esse. Das Tierschutz-Festival ist eine tolle Idee“, so Hildburg Vormbrock-Thier aus Berlin. In der dritten, politisch besetzten Talkrunde mit dem Tierschutzbeauftragten Berlins, Professor Horst Spielmann, Philipp Magalski (Piraten), Marion Platta (Die Linke) und Daniel Buchholz (SPD) ging es unter anderem um das umstrittene Hundegesetz und die Rasseliste. Das Hundegesetz und die geforderte Katzenverordnung Heiß diskutiert wurde die Forderung nach einer Katzenverordnung. Der standen im Fokus. Tierschutzverein für Berlin geht mit gutem Beispiel voran und stellt alleine für die Kastration von Katzen bedürftigen Berliner Bürgern 50.000 Euro zur Verfügung. Auch an die jugendlichen Besucher wurde gedacht. Carolin Spicher und Tilo Weber vom Deutschen Tierschutzbund beantworteten deren zahlreiche Fragen am Stand. „Viele waren überrascht, dass auch Versuche mit Affen, Hunden und vor allem Fischen durchgeführt werden“, so Spicher. Bis zum Abend war der Hof der Kulturbrauerei gut gefüllt. Die Besucher standen an den Ständen Schlange, führten Gespräche und zeigten großes Interesse. Der gute Auftakt bestärkte die Organisatoren darin, ein solches Festival auch im nächsten Jahr anzubieten.

WEB www.duunddastier.de/festival

Tauchen Sie in die Stimmung des Tierschutz-Festivals ein! Wir haben eine Bildergalerie für Sie vorbereitet.

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Der ethische Grundsatz der veganen Ernährung überträgt sich schnell auf andere Lebensbereiche. Wer sich dafür entscheidet, dass Tiere für seine Lebensmittel nicht leiden sollen, möchte auch nicht, dass Blut an seinen Lederschuhen klebt. Von Verena Jungbluth

Leder ist in Mode und in jedem Kleiderschrank Pflicht. Neben Schuhen, Taschen und Accessoires verwenden auch die Möbel- und die Autoindustrie das Material. Dabei ist Leder weit mehr, als nur ein weit verbreitetes Material: Es ist die Haut eines einst lebendigen Tieres. Dennoch gilt Leder als Nebenprodukt der Fleischgewinnung. Dabei verbirgt sich hinter der Industrie ein eigenes Milliardengeschäft. Der Profit der Fleischindustrie hängt nicht unwesentlich vom Verkauf der gegerbten Tierhaut ab; mehrere Fleischkonzerne betreiben eigene Gerbereien. Der größte Teil des verarbeiteten Leders stammt von Rind und Kalb, gefolgt von Schaf, Ziege und Schwein. Das „Nebenprodukt“, das bereits existiert und lediglich weiterverarbeitet wird, lässt dabei schnell vergessen, dass es die Haut von Tieren ist, die unter der Massentierhaltung litten und deren Leben viel zu früh im Schlachthof endete.

MEHR ALS EIN NEBENPRODUKT Ob Rinder, Krokodile, Büffel, Strauße, Schlangen oder Hunde und Katzen – kaum eine Tierhaut ist vor der Lederindustrie sicher. Da es hierzulande keine Kennzeichnungspflicht für Lederprodukte gibt, weiß der Verbraucher am Ende nicht, woher das Leder seiner Schuhe stammt und welche Tierhaut er trägt. Schätzungen zufolge dienen vierzig Prozent der weltweiten Schlachtun-

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© Fotos: iStock / ferrantraite; larisabozhikova - Fotolia; ffotila - Fotolia; issaronow - Fotolia

STYLISH OHNE BLUT


AKTUELL

gen ausschließlich der Lederproduktion. Neben China produzieren vor allem Bangladesch und Indien jährlich unzählige Quadratmeter Leder. Dafür leben dort Millionen Rinder meist unter schrecklichen Bedingungen. Anschließend werden sie tierunwürdig transportiert und in den Schlachthäusern oft ohne wirksame Betäubung aufgehängt und getötet – manchmal sogar bei vollem Bewusstsein enthäutet. Auch auf den Alligatoren-Farmen in den USA, bei der Häutung von Schlangen und von Kängurus in Australien dokumentierten Tierschützer, dass Tiere bei ihrer Häutung noch lebendig waren. Im Anschluss prüfen die Verarbeiter in Europa die Qualität der Tierhäute. Entspricht nur ein Teil der Haut nicht den Ansprüchen, landet sie komplett im Müll. Berichten zufolge wird oft nicht einmal die Hälfte der produzierten Tierhäute verwendet. Tausende Tiere sterben umsonst. Neben den Tieren leiden auch Menschen und die Umwelt unter den toxischen BedinJährlich sterben rund eine gungen der Lederindustrie. Milliarde Tiere für die Die Hersteller verwenden in der ProdukLederindustrie. tion von 200 bis 250 Kilogramm Leder etwa 500 Kilogramm Chemikalien. Und diese fließen oft in die Umgebung und verseuchen Flüsse, ganze Landstriche und Dörfer. Die Arbeiter in den Gerbereien, darunter viele Kinder, leiden häufig unter Haut- und Atemwegserkrankungen und verlieren durch Unfälle an den gefährlichen Gerbereimaschinen Arme oder Beine. Die giftigen Chemikalien der Produktion bleiben auch im Endprodukt zurück: Wissenschaftler haben in Markenschuhen sowohl giftiges Chromat als auch Arsen, Blei und Quecksilber gefunden. Zum Glück gibt es den Trend hin zu pflanzlich gegerbtem Leder. Die pflanzlichen Gerbstoffe, vorzugsweise aus Früchten oder Rinden hergestellt, sind weit weniger schädlich und biologisch abbaubar. An dem Leid der Tiere und den unmenschlichen Arbeitsbedingungen ändert dies bislang allerdings wenig.

© Fotos: picture alliance / abaca; picture alliance / blickwinkel/W. G. Allgoewer

WAS SIND DIE ALTERNATIVEN? Das Klischee vom klobigen veganen Ökoschuh gehört längst der Vergangenheit an. Ob sportliche Sneaker oder schicke Highheels – die vegane Mode ist auf dem Vormarsch. Verschiedene Modemarken und Designer bieten moderne Schuhe und Handtaschen aus einer Reihe von pflanzlichen und synthetischen Materialien an. Neben dem Hauptmaterial sind dabei auch die verwendeten Öle, Fette, Kleber und Farbstoffe vegan. Vor allem natürliche Materialien wie Leinen, Baumwolle, Hanf, Kork und Naturkautschuk stellen tierfreundliche Alternativen dar. Mit dem Kauf von ökologisch produzierten und fair gehandelten Produkten kann man hierbei neben den Tieren und der Umwelt auch die Menschen in der Textilindustrie unterstützen. Darüber hinaus zählen synthetische Kunststoffe und -fasern wie Acryl, Polyester oder Polyvinylchlorid (PVC) zu den veganen Alternativen. Manche dieser Stoffe, insbesondere die Kunstlederprodukte aus PVC, sind aber nur bedingt zu empfehlen, da ihre Produktion und spätere Entsorgung erhebliche Gesundheits- und Umweltprobleme auslösen kann. Kunstfasern sind weder erneuerbare Rohstoffe noch biologisch abbaubar. Zudem gelangt bei jeder Wäsche Mikroplastik in das Abwasser und belastet die Umwelt. Biobaumwolle, Hanf und Leinen hingegen kommen schon im Anbau mit wenigen Pestiziden und Düngemitteln aus und sind im Nachhinein biologisch abbau- und recycelbar. Manche Designer setzen auch auf Ungewöhnliches und stellen vegane Schuhe aus recycelten Materialien wie PET-Flaschen, Autoreifen oder

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1 Das Abwasser und die Chemikalien der Lederproduktion fließen ungefiltert in die Umgebung ab und gefährden Mensch und Umwelt. 2 Ein Mann verarbeitet Tierhäute. Er selbst ist ungeschützt vor den giftigen Gerbstoffen.

Teppichunterlagen her. Andere haben einen Lederersatzstoff aus Ananasblättern entwickelt, die bei der Ananasernte als Abfallprodukt übrig bleiben. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Für jeden, der offen für Neues ist, lohnt es sich, im Internet nach veganen Schuhen und Taschen zu stöbern. Was spricht dagegen, mal etwas anderes auszuprobieren? Für uns ist es nur ein schöner Schuh oder eine schicke Handtasche – für die Tiere geht es um ihr Leben.

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www.duunddastier.de/veganesleder Erfahren Sie mehr über Alternativen zu Leder wie vegane Kleidung aus Kork.

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TIERISCHES FOTOMODELL Ein Foto mit exotischen Vögeln als Arm- und Kopfschmuck oder auf Tuchfühlung mit ruhiggestellten Tigern – im Urlaub in fernen Ländern scheint nichts unmöglich. Noch immer werden viele Tiere als Touristenattraktionen vermarktet. Von Nadia Wattad

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Im Urlaub den Alltag hinter sich lassen und mit möglichst vielen Erlebnissen nach Hause zurückkehren – davon träumen viele. Das führt leider dazu, dass sich einige Touristen von zweifelhaften Angeboten, die auf Kosten der Tiere gehen, verführen lassen. Schließlich gibt es solche Gelegenheiten eher selten. Nach dem gemeinsamen Bad mit den Delfinen lockt das Füttern des Tigerbabys im angeschlossenen Wildpark, und abschließend wird noch schnell ein Selfie mit dem netten Schimpansen in dem lustigen Kostüm gemacht.

ERHEBLICHES TIERLEID 1 Ein Paar zeigt sich mit exotischen Vögeln. 2 Posen für das „coole“ Foto: Der

„Tiger-Tempel“ in Thailand steht wegen Misshandlung der Tiger und Verstrickung in den illegalen Tierhandel in der Kritik.

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Tierschützer wissen in der Regel, welches Leid sich hinter diesen vermeintlichen Vergnügungen verbirgt. In Asien und der Karibik stammen die Delfine als Wildfänge meist aus grausamen Treibjagden. Sie fristen ihr weiteres Dasein in viel zu kleinen Becken. Tiger werden rein aus Profitdenken gezüchtet und später


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im Erwachsenenalter – ebenso wie für touristische Zwecke ausgebeutete Menschenaffen – in kleine Käfige gesperrt. Für all diese Tiere bedeutet der direkte Kontakt mit nicht vertrauten, häufig wechselnden und ungeschulten Personen erheblichen Stress. Manche Angebote können zudem nicht nur zu körperlichen Schäden, sondern auch zu seelischem Leid bei den betroffenen Tieren führen. Aus Tierschutzsicht sind Angebote mit Wildtieren daher komplett abzulehnen. Dies trifft insbesondere auf beliebte Attraktionen wie Delfinarien und Elefantenreiten zu. Dennoch setzen noch immer viele Tourismusveranstalter auf Erlebnisse mit Wildtieren. Es spricht auch grundsätzlich nichts dagegen, Tiere in ihrer natürlichen Umgebung mit dem nötigen Abstand und Respekt zu beobachten. Dann hat der Tourismus sogar das Potenzial, einen wichtigen Beitrag zum Tier- und Artenschutz zu leisten. Der Deutsche Tierschutzbund beobachtet jedoch mit großer Sorge, dass die gefange-

1 Ein Mädchen posiert mit einem Wüstenfuchs in einem „Café“ in Bangkok. 2 Dieser Eisbär dient Touristen als Fotomotiv in einem chinesischen Kaufhaus.

nen und zur Schau gestellten Tiere in Gefangenschaft erheblich leiden und mitunter sogar Wildtierbestände gefährden. In vielen Urlaubsländern hat der Tierschutz einen deutlich geringeren Stellenwert als in Deutschland. So auch in Asien. In einem Kaufhaus in China, dem Grandview-Shopping-Centre, muss ein Eisbär in einem verglasten In einem speziellen Café in Käfig für Selfies mit den BesuBangkok können Besucher chern herhalten. Das mächtige Wildtiere wie Wüstenfüchse Tier hat rein gar nichts, um oder Erdmännchen bei Kaffee sich zu beschäftigen. Tagein, und Kuchen streicheln. tagaus ist es Bestandteil einer unnatürlichen Kulisse, muss das ständige Klopfen der Besucher an den Scheiben ertragen und hat keinerlei Möglichkeit, sich von den Schaulustigen zurückzuziehen. Den Belugas, Walrossen und anderen Tieren ergeht es dort nicht besser. „Selbst in geräumigen Zoogehegen ist die Haltung von Eisbären artgerecht kaum zu gewährleisten. Eine solche Zurschaustellung eines Tieres auf engstem Raum ohne jegliche Gehegeeinrichtung und Beschäftigungsmöglichkeit ist schlicht Tierquälerei. Nicht einmal Tageslicht steht zur Verfügung“, so James Brückner, Referent für Artenschutz beim Deutschen Tierschutzbund. Auch in Thailand, Vietnam oder auf Bali verkommen Tiere zur fragwürdigen Einnahmequelle. Von „Streichel-Cafés“, Delfinarien über private Tiger-Parks bis hin zu Elefanten-Camps – Touristen haben die Wahl der Qual. Zwar hat die Reiseindustrie zum Teil eigene Standards oder Haltungsempfehlungen erarbeitet, doch auch hier ist die Bandbreite erheblich und sowohl Vorgaben als auch Kontrollen sind oft unzureichend oder gar nicht existent.

© Fotos: Visionsi - Fotolia; Ozgur Cagdas - Fotolia; picture alliance / dpa / Barbara Walton; www.animalsasia.org

TOURISMUSBRANCHE REAGIERT ALLMÄHLICH

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Auf Druck von Tier- und Naturschutzverbänden setzen sich Reiseveranstalter glücklicherweise immer öfter mit dem „Wildtiertourismus“ auseinander. Einige bemühen sich, Reiseangebote tierfreundlicher zu gestalten. Beim Besuch einer seriösen Auffangstation etwa profitieren beide Seiten – Mensch und Tier. Bei solchen Einrichtungen haben die geretteten Tiere oberste Priorität. Letztendlich bestimmt die Nachfrage das Angebot. Es ist an den Menschen, genau hinzusehen und nicht den eigenen Kick über das Wohl der Tiere zu stellen. So mag es sicherlich ein wunderschönes Erlebnis sein, mit Delfinen zu schwimmen oder einem Wildtierbaby die Flasche zu geben, aber hier muss der Mensch Vernunft walten lassen und sich klarmachen, das dies nur künstlich unter Zwang möglich gemacht wird.

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In einer Checkliste geben wir Ihnen Anhaltspunkte, worauf Sie im Urlaub besser verzichten sollten und wie Sie selbst aktiv werden können. Außerdem zeigen wir Ihnen, wie Sie seriöse von unseriösen Angeboten im Urlaub unterscheiden. DU UND DAS TIER 2/2016

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DIE KEHRSEITE DER MEDAILLE Harmonie zwischen Reiter und Pferd zu erreichen, das ist das Ziel der klassischen Reitausbildung. Der Alltag sieht in der Realität oft anders aus – die Grenzen zwischen Sport und Tierquälerei verschwimmen. Von Verena Jungbluth

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Das wohl bekannteste internationale Reitturnier in Deutschland ist mit rund 300.000 Besuchern jährlich der CHIO in Aachen. Im Juli dieses Jahres treten dort Reiter und Fahrer aus 30 Nationen mit 550 Pferden an. Alleine der Große Dressurpreis ist mit 150.000 Euro dotiert. Leider sind mit einem solchen Turnier Verstöße gegen den Tierschutz vorprogrammiert. Schließlich bewerten die Richter nur das, was sie im Dressurviereck oder im Springparcours sehen. Das, was auf dem Abreiteplatz geschieht, auf dem die Reiter ihre Pferde für die Prüfung vorbereiten, findet wenig Beachtung. Die dort abgestellten Richter sehen oft einfach weg. Den Pferden, die einmal auf einem solchen Turnier starten sollen, steht ein steiniger Weg bevor. Drei Jahre sind die meisten alt, wenn ihre sportliche Laufbahn beginnt. Von nun an gibt die Deutsche Reiterliche Vereinigung (Fédération Equestre Nationale, kurz FN) die ideale Ausbildung vor. Neben den „Richtlinien für Reiten und Fahren“ definieren Turnierprüfungen und -richtlinien das, was die Pferde können sollen. Und schon beginnt das Dilemma. Pferde wachsen, bis sie sieben Jahre alt sind. Allein deshalb


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können sie anfangs nicht immer das leisten, was die Reiter verlangen. Doch der Druck ist hoch. Für eine schonende Ausbildung, die sich nach den Richtlinien der FN und der individuellen physischen und psychischen Reife der Pferde richtet, ist oft schlichtweg keine Zeit. In vielen Turnier- und Ausbildungsställen muss ein Einzelner täglich bis zu 15 Pferde reiten. Sie werden schnell aus der Box gezogen, kaum aufgewärmt und müssen dann innerhalb von Minuten Höchstleistung bringen und schnell Fortschritte zeigen. Kann ein Pferd in jungen Jahren nicht das, was erwartet wird, und sammelt es nicht schon jetzt entsprechende Turniererfolge, wirft es beim Verkauf nicht genügend Gewinn ab. Im Reitsport stecken Millionen. Die Preise für Pferde im Spitzensport fangen bei Zehntausenden Euro erst an – aber nur, wenn sie erfolgreich sind. Es gibt viele Menschen, die sich liebevoll um ihre Pferde kümmern, sie schonend ausbilden und ihren arteigenen Bedürfnissen genügend Raum geben. Allerdings ist die Anzahl derjenigen, für die ein Pferd nur ein Prestigeobjekt und eine Gelddruckmaschine ist, erschreckend hoch.

SCHNELLER, HÖHER, WEITER

© Fotos: picture alliance / dpa / Rolf Vennenbernd; www.slawik.com (1, 2)

Dressurpferde müssen möglichst ausdrucksvoll und spektakulär strampeln, Springpferde über immer höhere Hindernisse springen. Die ideale Ausbildung liegt oft in weiter Ferne. Auf dem Weg nach oben werden viele Pferde „verheizt“ – sowohl körperlich als auch seelisch. Wenn sie Glück haben, landen sie anschließend bei einem liebevollen Besitzer. Haben sie Pech, gehen sie noch durch viele Hände, die alle versuchen, aus ihnen doch noch ein erfolgreiches Turnierpferd zu machen. Andere sind gesundheitlich völlig ruiniert.

Ob im Profi- oder Amateurbereich, ob bewusst oder durch Unkenntnis – es gibt genügend Methoden, die die Grenzen zur Tierquälerei überschreiten. So ist die höchst umstrittene „Rollkur“ nach wir vor in vielen Ställen und auf Turnieren zu sehen; auch auf dem CHIO Aachen. „Bei dieser Methode zieht der Reiter den Kopf des Pferdes so weit nach unten, dass das Maul fast die Brust berührt. Angeblich soll dies Immer wieder verunglücken gymnastizierend sein, in Wirklichkeit Pferde auf Vielseitigkeitserleidet das Pferd in dieser Zwangshalund Springturnieren tödlich. tung nicht nur körperliche, sondern auch seelische Schmerzen“, so Dr. Esther Müller, Referentin für Equiden beim Deutschen Tierschutzbund. Dennoch ist die Rollkur sowohl von der FN als auch von der Internationalen Dachorganisation des Pferdesports weiterhin zugelassen. Lediglich der Name wurde wohlklingender in „Hyperflexion“ geändert.

TIERQUÄLEREI IST KEIN KAVALIERSDELIKT Ertappte Dopingsünder dürfen oft nach nur kurzen Sperren wieder auf Turnieren starten. Ein Beispiel hierfür ist das sogenannte Blistern. Um Pferde zum höheren Springen zu animieren, reibt man sie oberhalb ihrer Hufe oder an der Vorderseite ihrer Beine mit einer speziellen Salbe ein. Der darin enthaltene Wirkstoff Capsaicin, der aus der Cayennepfefferschote gewonnen wird, fördert in der Humanmedizin bei muskulären Beschwerden die Durchblutung. In hoher Konzentration tritt ein brennender, stechender Schmerz ein. Die Pferdehaut entzündet sich und wird hypersensibel. Berührt das Pferd damit die Stange eines Hindernisses, empfindet es dies als sehr schmerzhaft und springt beim nächsten Mal höher. Ob mit Gewalt zum Sprung oder zur Dressurlektion gezwungen – Pferde sind ihren Reitern hilflos ausgeliefert. „Die Methoden widersprechen jeglichem Mitgefühl für die Tiere und sind zudem vollkommen unnötig. Es ist möglich, Pferde im Miteinander auszubilden und die Ziele auch ohne Leid und Schmerzen zu erreichen“, so Dr. Müller. Vielleicht dauert es etwas länger und es bedarf etwas mehr Können. Aber es sollte doch das Mindeste sein, Pferde nicht zum austauschbaren Sportgerät zu degradieren, sondern als fühlende Wesen mit eigenen Bedürfnissen anzuerkennen.

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1 In dieser Zwangshaltung, auch Rollkur genannt, erleidet das Pferd körperliche und seelische Schmerzen. 2 Dieser Reiter übt mit den Sporen starken Druck aus. Es kommt sogar vor, dass Reiter ihre Pferde dabei blutig stechen.

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WEB Was ist die „Skala der Ausbildung“? Erfahren Sie mehr über das Ideal des Reitsports.

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DER SCHEIN TRÜGT

Grüne Wiesen, Sonnenschein und glückliche Kühe – das verspricht die Werbung der Milchindustrie. Von solch einem Leben können die meisten Milchkühe in Deutschland nur träumen. Von Verena Jungbluth

Ein Liter Milch kostet im Supermarkt etwa 55 Cent. Wenn ein Landwirt auf jeden Liter Milch draufzahlen muss, bleibt auch der Tierschutz auf der Strecke. Durch den Wegfall der Milchquote spitzt sich die Situation seit letztem Jahr noch zu: Landwirte können jetzt grenzenlose Massen produzieren. Um auf dem internationalen Markt bestehen zu können, auf dem Milch für Billigpreise verramscht wird, müssen sie dies auch tun. Die Milchleistung der Kühe gewinnt noch mehr an Bedeutung und das einzelne Tier ist weniger wert denn je.

DEN HOHEN PREIS BEZAHLEN DIE KÜHE Durch die Hochleistungszucht geben Milchkühe heute bis zu über 50 Liter Milch am Tag. Das ist fast doppelt so viel wie vor 40 Jahren. Selbst der Traum einer „100.000 Liter-Kuh“ ist für manch einen Züchter schon in Erfüllung gegangen. Sie ehren und feiern den „erlauchten Kreis“ der Kühe, die diese Lebensleistung erbracht haben. Aus Tierschutzsicht ist dies eine sehr traurige Feier. Denn die einseitige Zucht auf Milchleistung hat für die Tiere fatale Folgen.

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Die heutigen Hochleistungskühe sind so überzüchtet, dass sie mehr Milch geben, als ihr Körper eigentlich schafft. Besonders in der Phase der höchsten Milchabgabe verbrauchen sie mehr Energie, als sie durch natürliches Futter aufnehmen können. „Um diese durch die Zucht schon regelrecht vorprogrammierte negative Energiebilanz auszugleichen, müssten die Kühe den ganzen Tag Kraftfutter fressen. Das ist aber nicht wiederkäuergerecht; die Mägen und das Verdauungssystem sind dafür nicht ausgelegt. Stoffwechselstörungen, BeeinDie meisten der rund trächtigungen des 4,3 Millionen Milchkühe leben Immunsystems und das ganze Jahr im Stall. der Fruchtbarkeit und Erkrankungen der Klauen sind die Folge“, so Katrin Pichl, Referentin für Tiere in der Landwirtschaft beim Deutschen Tierschutzbund. Zusätzlich zu der reinen Futtermenge versuchen die Landwirte, den Energieverlust durch streng berechnete Rationen und die Zugabe von Nährstoffergänzungen auszugleichen. Die grüne Wiese auf der Milchpackung bekommen die meisten von ihnen daher nie zu sehen. Eine tiergerechte Weidehaltung würde die Anstrengungen der höchst anspruchsvollen Fütterung zunichtemachen. Das Grünfutter kann den Nährstoffbedarf einer Hochleistungskuh kaum decken. In der konventionellen Haltung leben daher viel zu viele Kühe auf zu engem Raum. Sie können nicht bequem liegen und die harten und oft verschmutz-

© Fotos: doris oberfrank-list - Fotolia; curto - Fotolia

BILANZ NORMALKUH

ten Böden können Verletzungen an den Gelenken und Klauen verursachen. Zusätzlich kommt es zu Reibereien, da es oft nicht genügend Liegeboxen und Futterstellen für alle gibt. Um zu verhindern, dass die Kühe den Menschen oder sich gegenseitig verletzen, werden sie enthornt. Bei Kälbern darf dies laut Tierschutzgesetz bis zur sechsten Lebenswoche ohne Betäubung geschehen. Der Landwirt brennt dem Kalb die Hornanlage aus. Da die Hornknospe und die darunterliegenden Hautschichten gut durchblutet und mit Nerven durchzogen sind, ist dies für die Tiere äußerst schmerzhaft. Seit 2015 sind in einigen Bundesländern lediglich ein Beruhigungsmittel und ein leichtes Schmerzmedikament Pflicht. Das reicht jedoch nicht aus. Bei älteren Tieren sägen die Landwirte die Hörner zwar unter Betäubung ab, der Heilungsprozess verläuft aber langsam und unter Schmerzen; die geöffneten Stirnhöhlen entzünden sich schnell. Da Kühe außerdem mit ihren Hörnern kommunizieren, ist das Sozialverhalten der Tiere oft noch nach Wochen gestört. 30 bis 40 Prozent der Milchkühe in Deutschland leben in Anbindehaltung – und das oft ganzjährig. Die Kühe stehen tagein, tagaus auf demselben Platz und können sich lediglich hinlegen. Bewegung, Körperpflege und soziale Kontakte sind Fehlanzeige. „Viele Milchkühe müssen angebunden ihr Kalb zur Welt bringen. Dies widerspricht völlig dem natürlichen Geburtsverhalten der Kuh, die sich in der Natur vor der Geburt von der Herde separiert und sich währenddessen viel bewegen

BILANZ HOCHLEISTUNGSKUH

> Milchmenge pro Tag: 12 bis 15 Liter + Lebenserwartung: 15 bis 20 Jahre + Ernährung: Grünfutter + Unterbringung: tiergerechte Weidehaltung + Hörner als Kommunikationsmittel + gesund und vital —————————————————————————— Ein tiergerechtes Leben =

+

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Milchmenge pro Tag: bis zu über 50 Liter Lebenserwartung: maximal vier Jahre Ernährung: vorwiegend Kraftfutter Unterbringung: ganzjährige Stallhaltung schmerzhaft enthornt erhöhtes Krankheitsrisiko —————————————————————————— Ein qualvolles Leben =

Die Infografik verdeutlicht einige Auswirkungen der heutigen Hochleistungszucht und Intensivtierhaltung auf die Milchkühe.

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Gewebe in den Beinen sonst nicht mehr durchblutet wird. Da Geld und Zeit fehlen, lohnt sich der Aufwand nicht bei jeder Kuh. Auch wenn es in Deutschland verboten ist, Tiere zu transportieren, die nicht laufen können, werden immer wieder festliegende Kühe zum Schlachthof gebracht. Für das Leid dieser Tiere fehlen die Worte. Trotz aller Bemühungen, die Hochleistungskühe mit energiereichem Futter und der ganzjährigen Stallhaltung gesund zu halten, sind sie nach kurzer Zeit vollkommen ausgemergelt. Mit der zuchtbedingten gestiegenen Milchleistung und dem erhöhten Krankheitsrisiko ist die Lebenserwartung gesunken. Viele von ihnen landen schon nach zwei oder drei Jahren beim Schlachter – sie sind wirtschaftlich nicht mehr rentabel. So werden alleine in Deutschland jährlich über eine Million Milchkühe geschlachtet. Wissenschaftlichen Studien zufolge ist davon auszugehen, dass circa zehn Prozent dieser Kühe dabei trächtig sind; der Großteil im mittleren bis letzten Trächtigkeitsstadium. Die Kälbchen werden im Schlachthof mitsamt den Eingeweiden als Müll entsorgt. Sind sie zu der Zeit bereits lebensfähig, ersticken sie nach der Betäubung des Muttertieres elendig in der Gebärmutter. Und all das wird manchmal bewusst in Kauf genommen.

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1 Die Kälber leben direkt nach der Geburt isoliert von ihren Müttern und Artgenossen. 2 Hochleistungskühe werden tagtäglich gemolken. Das Wohl der Tiere bleibt dabei oft auf der Strecke.

will“, so Pichl. Doch damit nicht genug. Über den Kühen hängt noch in manchen Ställen ein sogenannter Kuhtrainer. Um die Tiere dazu zu bewegen, einen Schritt zurückzutreten und in die dafür vorgesehene Rinne zu koten, erhalten sie, wenn sie den Rücken krümmen, einen Stromschlag. Aktuell hat sich der Bundesrat für ein Verbot der ganzjährigen Anbindehaltung in Deutschland ausgesprochen. Der Deutsche Tierschutzbund fordert nun die Bundesregierung dazu auf, dem Verbot ebenfalls zuzustimmen.

AUSGENUTZT UND GESCHLACHTET Neben der Milchleistung belasten die Geburten die Kühe erheblich. Damit eine Kuh Milch gibt, muss sie regelmäßig kalben und wird dafür jedes Jahr künstlich besamt. Die Milchabgabe und die anstrengende Geburt führen bei sehr vielen Kühen zu Calciummangel. Gemeinsam mit der fehlenden Kraft führt dies oft dazu, dass die Kühe nicht mehr aufstehen können. Es ist sehr aufwendig, diese festliegenden Kühe zu retten: Sie müssen Infusionen mit Mineralstoffen, Zucker und Vitaminen erhalten. Wenn die Kuh danach immer noch nicht aufstehen kann, muss der Landwirt sie bis zu sechsmal täglich hin- und herwälzen, weil das

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Die Kälber, die zur Welt kommen, werden sofort von der Mutter getrennt und hauptsächlich mit Milchaustauschern aufgezogen. Nur so steht die Milch den Menschen zur Verfügung. „Da Kühe eine starke Bindung zu ihren Kälbern haben, greift die Trennung stark in das Sozialverhalten ein. Noch tagelang kann man Kälber und Mutterkühe nacheinander rufen hören“, so Pichl. Die Kälber leben direkt nach der Geburt alleine in sogenannten Kälberiglus- oder -boxen. Für eine bestimmte Zeit sind sie so von der Mutter und den Artgenossen isoliert und lernen keinerlei soziales Verhalten. Durch das Tränken mit Eimern oder Automaten bleibt der Saugtrieb unbefriedigt und die Kälber erkranken. Bei bestimmten milchbetonten Rassen, gerade bei den schwarzbunten Kühen, gibt es ein weiteres Tierschutzproblem: Während die weiblichen Tiere der Milchgewinnung dienen, gelten die männlichen Kälber als Abfallprodukt. Sie setzen zu wenig Fleisch an und sind praktisch wertlos – ihre Aufzucht lohnt sich nicht. Über die Anzahl der männlichen Kälber, die sofort getötet oder einfach ihrem Schicksal überlassen werden, gibt es keine genauen Zahlen. Aber ein hohes Alter erreichen die meisten nicht. All das ist alltäglich in der landwirtschaftlichen Intensivtierhaltung. Neben dem Gesetzgeber, dem Handel und den Landwirten ist auch der Verbraucher dazu aufgefordert, das zu ändern. Der Deutsche Tierschutzbund kämpft schon seit Jahren für mehr Tierschutz in der Landwirtschaft und zeigt mit seinem Tierschutzlabel, dass dies auch möglich ist. Noch im Herbst dieses Jahres wird das Tierschutzlabel auf Milchkühe ausgeweitet. Zusätzlich bietet der Markt leckere pflanzliche Alternativen zu Milch, Joghurt, Quark und Co. Ein Blick in das Supermarktregal lohnt sich.

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www.duunddastier.de/milchkuehe Wie sieht eine tiergerechte Haltung von Milchkühen aus? Katrin Pichl, Referentin für Tiere in der Landwirtschaft beim Deutschen Tierschutzbund, erläutert, was nötig ist, um Milchkühen ein besseres Leben zu ermöglichen.

© Fotos: Deutscher Tierschutzbund e.V./Wirths; toa555 - Fotolia

DAS SCHICKSAL DER KÄLBER

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RECHTLICHE TIPPS © Foto: Deutscher Tierschutzbund e. V.

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Auch Tierhalter müssen sich mit rechtlichen Fragen auseinandersetzen. Die Rechtsabteilung des Deutschen Tierschutzbundes klärt auf.

Hat es rechtliche Konsequenzen, wenn sich meine Freigängerkatze gerne im Garten meines Nachbarn aufhält? Freigängerkatzen machen vor Grundstücksgrenzen nicht halt, was nicht jedem Nachbarn gefällt. Sehr schnell entwickeln sich Nachbarschaftsstreitigkeiten, insbesondere wenn sich die Katze im Nachbargarten erleichtert, einen Fisch aus dem Nachbarsteich angelt oder die Gemüsebeete verwüstet. In einer Wohngegend mit Gärten ist die Haltung einer Katze mit freiem Auslauf allerdings üblich. Den Freigang einer Katze, auch wenn diese in den Nachbargarten führt, kann ein Nachbar nicht verbieten. Die damit einhergehenden Beeinträchtigungen, wie Spuren im Gartenbeet oder Fäkalien, muss der Nachbar nach den Grundsätzen des nachbarlichen Gemeinschaftsverhältnisses (§ 242 BGB) als ortsübliche Belästigung hinnehmen. Auch die Hinterlassenschaften von Kot und Urin von ein bis zwei Katzen sind zu dulden (so LG Oldenburg, Az. 8 S 578/10 und AG Offenbach, Az. 380 C 268/11). Da Katzen ihren Kot üblicherweise vergraben – so die Richter der vorgenannten beiden Urteile – sei dies keine nennenswerte Belästigung. Wenn die Katze allerdings ihren Kot auf den Terrassenmöbeln absetzt, sonstige Sachschäden verursacht oder gar in Wohnräume eindringt, ist das Maß nachbarlicher Duldungspflicht überschritten. Gleiches gilt, wenn nicht ein bis zwei, sondern gleich drei oder mehr Katzen den angrenzenden Garten heimsuchen. In diesem Fall muss der Nachbar die von den Katzen ausgehenden Störungen nicht mehr hinnehmen (AG Neu-Ulm, Az. 2 C 47/98) und kann vom Katzenhalter verlangen, dass dieser wirksame Maßnahmen ergreift. Jeder Tierhalter haftet nach den Grundsätzen der Tierhalterhaftung (§ 833 BGB) verschuldensunabhängig für Schäden, die sein Haustier nachweislich verursacht hat. Hier empfiehlt es sich für den Katzenhalter, eine private Haftpflichtversicherung abzuschließen, denn diese deckt Schäden, die von der eigenen (Freigänger-)Katze verursacht werden, üblicherweise mit ab. Muss ich mir grundsätzlich die Erlaubnis meines Vermieters einholen, wenn ich einen Hund oder eine Katze halten möchte? Bei Hunden oder Katzen sind die Gerichte unterschiedlicher Meinung, ob Mieter die Erlaubnis des Vermieters einholen

EVELYN OFENSBERGER, LEITERIN DER RECHTSABTEILUNG DES DEUTSCHEN TIERSCHUTZBUNDES müssen. Für einige Gerichte (LG Kassel, Az. 1S503/96 und LG Düsseldorf, Az. A24S90/93) zählt ein Yorkshire-Terrier wegen seiner geringen Größe und seines leisen Gebells zu den Kleintieren, deren Haltung nicht von der Erlaubnis des Vermieters abhängt. Die Amtsgerichte Berlin-Spandau, (Az. 13 C 574/10) und Hamburg-Bergedorf, (Az. 409 C 571/02) entschieden anders und stellten sich auf die Seite des Vermieters, der die Hundehaltung verboten hatte. Im Hamburger Fall hatten sich die Nachbarn allerdings für den Verbleib des kleinen Hundes in der Wohnanlage ausgesprochen, sodass der Vermieter kein schutzwürdiges Eigeninteresse mehr hatte und das Tier somit bleiben durfte. Grundsätzlich gehört die Haltung eines Hundes oder einer Katze mit Freigang zum üblichen Mietgebrauch, die der Vermieter nicht ablehnen kann – sofern kein sachlicher Grund vorliegt. Dieser könnte vorliegen, wenn der Mieter zum Beispiel einen Hund halten möchte, der zu den sogenannten Kampfhunden zählt. Der Vermieter kann und wird üblicherweise die Erlaubnis zur Haltung des Hundes oder der Katze unter Widerrufsvorbehalt erteilen. Er kann aber die Tierhalteerlaubnis widerrufen, wenn das Tier die Nachbarn unzumutbar stört oder Gemeinschaftseigentum beschädigt. Ich möchte eine Futterstelle für frei lebende Katzen einrichten, brauche ich dazu eine Genehmigung? Beim Einrichten einer Futterstelle ist zu beachten, dass im Gemeindegebiet kein durch Verordnung geregeltes kommunales Fütterungsverbot für frei lebende Katzen existiert. Zudem sollte die Futterstelle sich nicht auf öffentlichem Verkehrsgrund befinden, denn hierfür wäre eine Sondernutzungserlaubnis nach dem Straßen- und Wegerecht erforderlich. Liegt die Futterstelle auf privatem Grund, beispielsweise auf einem Firmengelände, ist die Erlaubnis des Eigners oder Pächters erforderlich. Auf jeden Fall sollte beim Unterhalt der Futterstelle Kontakt mit dem nächstgelegenen Tierschutzverein aufgenommen werden, da dieser wegen der Kastration der frei lebenden Katzen meist ohnehin Futterstellen unterhält und hier eine sinnvolle Absprache getroffen werden sollte. Insbesondere geschulte ehrenamtliche Tierfreunde, die solche Futterstellen betreuen, sind immer gern gesehen. Etwa 80 Prozent der dem Deutschen Tierschutzbund angeschlossenen Tierschutzvereine fangen frei lebende Katzen ein, lassen diese auf eigene Kosten kastrieren, setzen die Katzen am Einfangort wieder aus und unterhalten dort betreute Futterstellen.

AKTIV Haben Sie auch Fragen, die das Tierschutzrecht betreffen? Dann schicken Sie diese per E-Mail an die Redaktion von DU UND DAS TIER: redaktion@tierschutzbund.de.

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HILFE FÜR DIE HUNDE RUMÄNIENS Der Deutsche Tierschutzbund reiste erneut nach Rumänien, um mit Partnern vor Ort Lösungen für den tierschutzgerechten Umgang mit Straßenhunden zu erarbeiten. Abgeordnete des Deutschen Bundestages haben den Verband begleitet.

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Von Dr. Sophie Arnold

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1 Hunde im Zwinger eines öffentlichen Tierheims. 2 Thomas Schröder (DTschB) und Anette Kramme (SPD) im Tierheim Smeura. 3 Ute Vogt (SPD) auf Tuchfühlung mit einem Hund.

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Rumänien hat ein Problem mit Straßenhunden – doch bei Ankunft der Delegation rund um den Deutschen Tierschutzbund schienen die Straßen wie leer gefegt. „Das systematische Einfangen und Töten von Straßenhunden in Rumänien scheint noch immer gängige Praxis zu sein. Ein tierschutzgerechtes Konzept muss aber mit der Kastration und dem anschließenden Freilassen einhergehen“, so Dr. Sophie Arnold, Referentin für Heimtiere beim Deutschen Tierschutzbund. Um die Situation der Straßentiere langfristig zu verbessern und um mit Bürgermeistern, Behördenvertretern und Tierärzten ins Gespräch zu kommen, ist der Deutsche Tierschutzbund auch in

diesem Jahr wieder vor Ort. Die Bundestagsabgeordnete Anette Kramme, MdB, auch Parlamentarische Staatssekretärin, und die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion Ute Vogt, MdB, begleiteten den Verband wie auch im Vorjahr (wir berichteten in DU UND DAS TIER 2/2015). Zunächst besuchte die Delegation das Tierheim Smeura des Vereins Tierhilfe Hoffnung. Die Smeura gilt als das größte Tierheim der Welt und hat bereits auf eigene Kosten mehrere Zehntausend Hunde kastriert. Der Deutsche Tierschutzbund unterstützt den Verein unter anderem im Rahmen einer weitreichenden Aufklärungs- und Kastrationskampagne in Rumänien,


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1 Ein verwahrloster Straßenhund außerhalb des Stadtzentrums. 2 Dr. Sophie Arnold (DTschB) referiert auf der Veterinärkonferenz in Pitești. 3 Ein Hund erholt sich nach seiner Kastration in der vom Deutschen

Tierschutzbund mitfinanzierten Krankenstation der Smeura.

um die Hilfe zur Selbsthilfe vor Ort zu stärken. Über dieses Projekt bietet die Smeura, auch mit Hilfe einer mobilen Fahrpraxis, die kostenlose Kastration für Hunde mittelloser Halter an. „Wir ziehen zusammen mit dem Verein an einem Strang, denn nur durch die Arbeit vor Ort kann sich der Tierschutz in Rumänien langfristig verbessern“, so Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. Neben der Smeura unterstützt der Deutsche Tierschutzbund auch ein Bildungs- und Schulprojekt der Federatia Nationala pentru Protectia Animalelor (FNPA), des rumänischen Pendants zum Deutschen Tierschutzbund. Es nennt sich „Eduxanima“ und wird das Thema Tierschutz in Zukunft in die Schulen bringen. Auf der Eröffnungsfeier des Projektes war die Delegation als Ehrengast geladen.

DER VERBAND SPRICHT MIT DEN BEHÖRDEN UND TIERÄRZTEN Im Anschluss ging es in die Stadt Ploiești. Dr. Carmen Arsene, die Vorsitzende der FNPA, hat hier zusammen mit der Stadt ein tierschutzkonformes Konzept für die Straßenhunde erarbeitet. Dieses soll so bald wie möglich umgesetzt werden. Der Deutsche Tierschutzbund und auch die Bundestagsabgeordneten sagten hierfür

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© Fotos: Deutscher Tierschutzbund e.V.

www.duunddastier.de/rumaenien Weitere Impressionen der Rumänienreise finden Sie in der Bildergalerie.

www.tierschutzbund.de/ spendenprojekt-auslandstierschutz Unterstützen Sie die Arbeit des Deutschen Tierschutzbundes vor Ort mit Ihrer Spende.

weitreichende Unterstützung zu. „Ein solches Pilotprojekt wäre ein starkes Signal an alle anderen Gemeinden in Rumänien und an die Landesregierung“, erklärte Schröder in den Gesprächen mit den Vertretern der Stadt. Ausschließlich das Kastrieren und Freilassen von Straßenhunden kann das Problem langfristig lösen. Mit dieser Botschaft veranstaltete der Deutsche Tierschutzbund zusammen mit seiner Delegation und Dr. Carmen Arsene eine Bürgermeisterkonferenz in der Kreishauptstadt Pitești. Das Ziel: im gesamten Landkreis Argeş ein Mustervorhaben nach diesem Prinzip zu verwirklichen. Einleitend berichtete Thomas Schröder von den langjährigen Erfolgen, die der Verband im Umgang mit Straßentieren über seine Mitgliedervereine und eigenen Projekte bereits sammeln konnte. Der Vorsitzende des Vereins Tierhilfe Hoffnung, Matthias Schmidt, bewarb die gemeinsame Kampagne. Im Anschluss referierte Dr. Carmen Arsene über das Beispielvorhaben der Stadt Ploiești. Im folgenden Austausch mit den Bürgermeistern stimmten alle dafür, dass das Konzept des tierschutzgerechten Umgangs mit den Straßenhunden der richtige Weg sei. An der Umsetzung muss nun gearbeitet werden. Ziel der Rumänienreise war es zudem, auch die Tierärzte mit ins Boot zu holen. Der Verband veranstaltete daher eine Veterinärkonferenz in Pitești, ebenfalls mit durchweg positiver Resonanz. Zuhause angekommen zeigt sich, dass der Besuch des Deutschen Tierschutzbundes Früchte getragen hat: Viele Gemeinden öffnen sich nun endlich für die notwendigen Kastrationen der Hunde. Der Verband bleibt dran und wird sich auch weiterhin dafür einsetzen, dass die Situation der Hunde in Rumänien tierschutzgerecht verbessert wird.

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DÜLMEN

MENSCHENAFFEN IM FOKUS Wie weit ist der Regenwald weg und was hat das mit uns zu tun? Um diese komplexen Zusammenhänge mit Jugendlichen zu erarbeiten, waren die Betreuer der Tierschutzjugend NRW sehr kreativ. Von Maja Masanneck

1 Ein frei lebender Orang-Utan im Regenwald auf Borneo. 2 Kinder erfahren in einem von der Tierschutzjugend NRW organisierten Workshop, wie das Leben von Schimpansen, OrangUtans und Co. im Regenwald aussieht.

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PALMÖLPLANTAGEN GEFÄHRDEN TIERE Auch die Orang-Utans und deren Gefährdung durch Palmölplantagen waren Thema. Die Kinder überlegten, wie jeder selbst im Alltag aktiv werden kann und welche Produkte Palmöl enthalten. Zum Schluss entwickelten die Tierfreunde kleine Demoplakate, um auf die Rodung des Regenwaldes für intensiv genutzte Palmölplantagen aufmerksam zu machen. Denn in der Konsequenz verlieren die Wildtiere durch die Rodung ihr Zuhause.

© Fotos: Deutscher Tierschutzbund e.V. (1), Deutscher Tierschutzbund e.V./M.Marten (2)

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Neben dem Stammbaum und der Evolution des Menschen recherchierten die Kinder zu Orang-Utan, Gorilla, Schimpanse, Bonobo und Gibbon. Am Beispiel des Schimpansen lernten die jungen Tierschützer im Alter von elf bis 16 Jahren viel über das natürliche Verhalten und den Lebensraum der Tiere. Unter Zuhilfenahme einiger Filmsequenzen aus der Familienserie „Unser Charly“, in der ein Affe die Hauptrolle spielt, erarbeiteten sich die Kinder einen neuen Blick auf das Thema. Detektivisch spürten sie das Fehlen der Eckzähne und das sehr junge Alter der Filmtiere auf – alles Indizien, die auf Tierquälerei mit Methode hindeuten. Für die Entwicklung des Affen bedeutet dies eine katastrophale Fehlprägung.


JUGEND

BONN

ZIRKUSPROTEST ALS KUNST Der Deutsche Tierschutzbund schreibt einen Wettbewerb aus, an dem Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene teilnehmen können. Hierfür sucht der Verband Ideen, um das Thema Tierschutz und Zirkus plakativ darzustellen. Dabei kommt es der Jury nicht auf die perfekte Ausgestaltung des gezeichneten Bildes an, sondern auf den kreativen Ansatz. Die ersten drei Einsendungen zu unserem Wettbewerb erhalten unabhängig von der Preisvergabe eine kleine Überraschung. Über die Preisvergabe wird eine Jury entscheiden, die aus den Jugendvertretern der Bundesländer besteht. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die kreativsten Einsendungen dürfen sich über tolle Sachpreise freuen. Jeder bis 26 Jahre kann mit einem oder zwei Bildvorschlägen teilnehmen. Einsendeschluss ist der 31. August 2016.

www.jugendtierschutz.de

© Fotos: Deutscher Tierschutzbund e.V. (1), Tierschutzjugend NRW (1)

Weitere Tipps und Hinweise zum Wettbewerb „Design Award“ gibt es im Jugendportal des Deutschen Tierschutzbundes.

BONN

ZIRKUSTIERE IN GROSSER NOT Jugendliche und Kinder interessieren sich für den Tierschutz und möchten sich engagieren. Mit unserem neuen Jugendflyer „Zirkustiere in großer Not“ besteht jetzt die Möglichkeit, sich mit der Aufklärung zu dem Thema intensiv zu befassen. Wir bieten unseren Lesern die exklusive Möglichkeit, kostenlos ein Materialpaket „Jugendtierschutz – Zirkusaktion“ bei uns zu bestellen. Das Paket beinhaltet je drei DIN-A3-Plakate und Aufkleber zum Zirkus, sowie 20 Exemplare des neuen Jugendflyers. Die Tierschutzjugendleiter erhalten bei Kontaktaufnahme ein individuelles Materialpaket. Bestellungen mit vollständiger Lieferadresse und dem Betreff „Jugendtierschutz – Zirkusaktion“ bitte an: info@jugendtierschutz.de. DU UND DAS TIER 2/2016

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PROJEKTE

DAS LABEL FÜR LEGEHENNEN

Beim Tierschutzlabel bleiben die Schnäbel der Legehennen ungekürzt.

Der Deutsche Tierschutzbund arbeitet stetig daran, weitere Tierarten in das Labelprogramm aufzunehmen. Das Tierschutzlabel „Für Mehr Tierschutz“ für Legehennen in der Einstiegs- und Premiumstufe ist das neueste Produkt. Von Nadia Wattad

Die Deutschen lieben ihr Frühstücksei, auch wenn das schlechte Gewissen ein ständiger Begleiter ist. Schließlich ist angemessener Tierschutz auch bei der Haltung von Legehennen keine Selbstverständlichkeit. Mit dem Tierschutzlabel „Für Mehr Tierschutz“ des Deutschen Tierschutzbundes hat der Verbraucher nun eine Kaufalternative. Es garantiert sowohl in der Einstiegs- als auch in der Premiumstufe, dass der Schnabel der Legehennen ungekürzt bleibt. Darüber hinaus haben die Tiere mehr Platz und Beschäftigungsmaterial. Im Vergleich zu sonstigen Standards der Boden- und Freilandhaltung hat das Tierschutzlabel zum Beispiel folgende zusätzliche Kriterien: In beiden Labelstufen erhalten Legehennen unter anderem Picksteine und Beschäftigungsmaterial wie zum Beispiel Strohballen. Zudem sollte den Tieren im Kaltscharrraum ein zusätzliches Staubbad zur Verfügung stehen. Die Besatzdichte liegt bei sieben Tieren pro Quadratmeter. In der Premiumstufe kommt noch Auslauf im Freien

WEB www.tierschutzlabel.info

Informieren Sie sich über das Tierschutzlabel. Über die Marktsuche finden Sie heraus, wo Label-Produkte angeboten werden. Die Kriterienkataloge zum Tierschutzlabel stehen zudem zum Download bereit.

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DU UND DAS TIER 2/2016

von vier Quadratmetern pro Tier hinzu. Insgesamt profitieren die Tiere beider Labelstufen von konkreten Verbesserungen wie der Berücksichtigung sogenannter tierbezogener Kriterien. Zu diesen zählen unter anderem der Gefiederzustand und die Mortalitätsrate. Seit Januar finden Verbraucher das Tierschutzlabel auf Eierverpackungen.

Globus, Hit, famila, Lidl und Edeka Südwest bieten das Tierschutzlabel für Legehennen an. Dafür haben der Verband und KAT einen Kooperationsvertrag abgeschlossen. Betriebe, die ihre Eier bislang unter anderem unter „KAT Tierschutz geprüft“ vermarktet haben, können seit 2016 unter den Kriterien des zweistufigen Tierschutzlabels des Deutschen Tierschutzbundes ihre Tiere halten und die Eier vermarkten. Handelsketten wie Globus, Hit, famila, Lidl und Edeka Südwest haben das Tierschutzlabel „Für Mehr Tierschutz“ für Legehennen in ausgewählten Filialen im Sortiment.


PROJEKTE

Lucy hat bei diesem älteren Ehepaar ein neues Zuhause gefunden. Im Sonnenhof haben sie die kleine Hündin direkt ins Herz geschlossen.

IN WÜRDE ALTERNN Der Sonnenhof vor den Toren des Allgäus bietet betagten Hunden ein malerisches Zuhause auf Zeit. Langfristiges Ziel ist es, die Vierbeiner an Senioren zu vermitteln.

© Fotos: Deutscher Tierschutzbund e.V. / M. Marten

Von Nadia Wattad Der Sonnenhof im bayerischen Rottenbuch bei Murnau ist ein Paradies für Hundesenioren. So umsorgen die Tierpfleger liebevoll „ihre“ grauen Schnauzen. Doch jeder Hund braucht seinen eigenen Menschen. Wer möchte schon auf Dauer seine Tierpfleger teilen? Der Sonnenhof hat es sich zur Aufgabe gemacht, ältere Hunde zu vermitteln. Denn gerade sie sind es, die gerne von potenziellen Interessenten in den Tierheimen übersehen werden. Mit seinem Konzept „Senioren für Senioren“ bietet der Sonnenhof, ein Projekt des Deutschen Tierschutzbundes in Zusammenarbeit mit SOS Projects für Mensch und Tier e. V., älteren Menschen die Möglichkeit, ein Tier bei

sich aufzunehmen. Schließlich kommt es nicht selten vor, dass sich Senioren wegen ihres Alters oder ihrer Lebensumstände sorgen, dass sie nicht über lange Jahre die Verantwortung für ein Tier übernehmen können. „Das ist ja gegenseitige Hilfe. Sowohl der Hund als auch der Mensch übernehmen damit eine Aufgabe. Ich bin begeistert von dem Konzept“, so Thomas Ott, Mitarbeiter beim Sonnenhof. Und die Zahlen sprechen für sich. Innerhalb eines Jahres konnten über den Sonnenhof, den SOS Projects für Mensch und Tier e. V. ins Leben gerufen hat, 26 alte Hunde vermittelt werden, die schon lange in verschiedenen Tierheimen auf eine zweite Chance gewartet haben – und das Interesse der Tierheime und der Senioren wächst.

MEDIZINISCHE BETREUUNG IST GEWÄHRLEISTET Falls eines der Tiere erkrankt, erhält es die nötige medizinische Betreuung. Leidet es während seiner Zeit im Seniorendorf an einer chronischen Erkrankung, die die dauerhafte Gabe von Medikamenten erfordert, übernimmt der Sonnenhof die Kosten für die

Behandlung – und das auch weiterhin nach seiner Vermittlung. Über den Sonnenhof können die dem Deutschen Tierschutzbund angeschlossenen Mitgliedsvereine ältere Hunde vermitteln. So hatte auch die 15-jährige Lucy, die ursprünglich aus dem Tierheim Bamberg kam, großes Glück. Ein älteres Ehepaar aus Oberammergau hat die Malteser-Mix-Hündin im März adoptiert. „Wir können nicht ohne Hund“, so das Ehepaar. Der eigene Hund, ein elfjähriger Dackel, war drei Wochen zuvor gestorben. „Wir haben ein gutes Gefühl, dass es passt“, so das überglückliche Ehepaar, das sich schnell dazu entschloss, Lucy ein neues Zuhause zu geben. Ein schönes Happy End für beide Seiten – und nur ein Beispiel von vielen.

WEB www.tierschutzbund.de/ sonnenhof

Hier erfahren Sie alles über den Sonnenhof und in Planung befindliche Projekte. DU UND DAS TIER 2/2016

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PROJEKTE

zu laichen. Da die Kaulquappen je nach Wassertemperatur nach zwei bis vier Wochen schlüpfen, tummelten sich dort kurze Zeit später Tausende Jungtiere. In den nächsten Jahren wird der Krötenbesuch vielleicht noch größer ausfallen. Wenn die jungen Kröten und Frösche geschlechtsreif sind, kehren sie zum Laichen an den Ort ihrer Geburt

EIN KRÖTENPARADIES Vor vier Jahren legte der Tierschutzverein Kall und Umgebung auf dem Gelände des vereinseigenen Tierheims ein Biotop an. Nach und nach entdeckten zahlreiche Tiere das Gelände für sich. So kamen dieses Jahr rund 500 Erdkröten und Frösche ins Tierheim, um am Teich

GARMISCH-PARTENKIRCHEN

ÜBERLEBENSKAMPF Qualvolle Enge herrschte in dem rumänischen Kleintransporter, als Beamte der Verkehrspolizei Traunstein bei einer Verkehrskontrolle sieben Malteserwelpen entdeckten. Sie waren in einen Karton eingepfercht, inmitten eines vollbepackten Kofferraums. Der Fahrer war auf dem Weg nach Amsterdam, um die Hunde dort zu verkaufen. Die nötigen Dokumente dafür hatte er nicht und die Impfpässe waren gefälscht. Da die Welpen nicht transportfähig waren, brachte das Traunsteiner Veterinäramt

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DU UND DAS TIER 2/2016

zurück – hoffentlich. Denn auf ihrem Weg zu den Laichgewässern müssen die Tiere oft mehrere Straßen überwinden. Unzählige von ihnen überleben diese Strecke nicht. Umso erfreulicher ist es, dass es dieses Jahr so viele Tiere in das Biotop des Tierschutzvereins geschafft haben. Ohne die Unterstützung der vielen ehrenamtlichen Helfer wäre ein solches Projekt nie möglich.

WEB www.duunddastier.de/projekte

Lesen Sie auf unserer Website weitere Berichte der uns angeschlossenen Tierschutzvereine.

sie zunächst in eine Tierklinik. Da die Quarantänestationen der ortsnahen Tierheime ausgelastet waren, holte Tessy Lödermann, erste Vorsitzende des Tierschutzvereins des Landkreises Garmisch-Partenkirchen, die sieben Malteserwelpen in der Tierklinik ab. Angeblich sollten die Hunde einige Monate alt sein, doch die Zähne zeigten ein anderes Bild: Die zwei weiblichen Malteser waren noch keine drei Wochen alt. „Um deren Leben mussten wir und unsere Tierärztin kämpfen“, so Lödermann. Den Weg nach Amsterdam hätten die Tiere wahrscheinlich nicht überlebt. Auch die anderen fünf Hunde waren viel zu jung. In der letzten Zeit hat alleine der Tierschutzverein des Landkreises Garmisch-Partenkirchen 14 Welpen aus drei illegalen Transporten aufgenommen. Ein Malteserwelpe musste sofort eingeschläfert werden, einen anderen haben die Tierschützer nach einem wochenlangen Kampf gegen Parvovirose verloren. Der illegale Welpenhandel versursacht immenses Leid und zerstört Leben. Die Tierschutzvereine bringt er bis an ihre Grenzen.

© Fotos: Tierschutzverein Kall und Umgebung e. V., Tierschutzverein des Landkreises Garmisch-Partenkirchen e. V.

KALL


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SCHLESWIG

EIN HEIM FÜR MENSCH UND TIER Im Herbst stand Hani vor der Tür des Tierheims Schleswig. Ihm fiel die Decke sprichwörtlich auf den Kopf, er wollte etwas gegen das Nichtstun unternehmen. Hani ist aus Syrien geflüchtet, als das Militär ihn einziehen und in den Krieg schicken wollte. „Ich habe ‚Herzlich willkommen, komm herein‘ gesagt“, so Yvonne Wiegers von Wegner, erste Vorsitzende des Tierschutzvereins Stadt Schleswig und Kreis Schleswig-Flensburg, dem das Tierheim angehört. „Wir sind ein Tierheim für Mensch und Tier“, so die Vorsitzende. Hani absolviert im Tierheim nun einen einjährigen Bundesfreiwilligendienst. Er hilft im Garten, füttert, bringt Tiere zum Tierarzt und kümmert sich um die Technik. Der 24-Jährige hat sein Leben riskiert, um noch einmal von vorne zu beginnen. Das Boot auf dem Mittelmeer ist gekentert,

EMMA ist nicht nur Frauenrechtlerin, sondern auch Tierrechtlerin. Ein Sonderangebot für Sie: Bestellen Sie jetzt!

er musste stundenlang schwimmen, bis er gerettet wurde. Dann hat Hani es über die Balkanroute geschafft. „Er ist höflich, hilfsbereit und lustig. Mit so viel Engagement und Herz ein neues Leben anzufangen – Hut ab“, so Wiegers von Wegner. Hani nennt die Tierschützer „my familiy“. Hoffentlich kann er bleiben und auch seine syrische Familie wiedersehen.

KÖLN

© Fotos: Kölner Tierschutzverein von 1868 e. V., Deutscher Tierschutzbund e. V./M. Marten

UNFASSBARE TIERQUÄLEREI Passanten hatten den kleinen Kater in einem Karton auf dem Parkplatz eines Supermarktes gefunden und im Konrad-Adenauer-Tierheim abgegeben. Das Kätzchen war etwa vier Wochen alt, sein Fell war mit Klebstoff überzogen. Die Pfoten waren am Kopf festgeklebt – ein klarer Fall von Tierquälerei. „Ich war höchst schockiert. Von Trauer über Wut, Hass und Verständnislosigkeit habe ich alles gefühlt. Ich war zutiefst erschüttert“, erzählt Tierpflegerin Dagmar Fabrizio, die in der Krankenstation des Tierheims arbeitet. Nur in einer leichten Narkose

gelang es der Tierärztin und den Tierpflegern schließlich, die Pfoten des Welpen vom Kopf zu lösen und das Fell mit viel Öl und Babyshampoo weitestgehend vom Kleber zu befreien. Da der Körper des Katers zusätzlich dünn und zerbrechlich war, schwebte er zunächst in Lebensgefahr. Auf den Namen Mino getauft, nahm eine fürsorgliche Tierpflegerin den völlig verängstigten Welpen mit nach Hause. Tagelang konnte niemand einschätzen, ob die im Kleber enthaltenen Gifte dem Körper auch im Nachhinein noch schaden können. „Mino hat in dem Hund meiner Kollegin einen Ersatzpapa gefunden. Gesundheitlich geht es ihm inzwischen gut“, so Fabrizio. Das Tierheim und sein Trägerverein, der Kölner Tierschutzverein von 1868, haben Anzeige gegen Unbekannt erstattet.

3 EMMAs frei Haus. Die aktuelle sofort, nach Erscheinen am 27. Juni. Für nur 12,50 Euro (statt 22,50 Euro)

www.emma.de/abo 49 www.emma.de DU UND DAS TIER 2/2016


„Ökonomische Zwänge dürften nie dazu führen, dass das Tier zum Abfall werde.“ Ein starker Satz, den Bundesminister Christian Schmidt – per Amt auch Bundestierschutzminister – im letzten Jahr in einem ZDF-„Frontal21 Spezial“ sagte. Leider aber stimmen Worte und Taten nicht überein. Bei aller Anerkennung dafür, dass der Bundesminister versucht, die Fleischbranche zu freiwilligen Veränderungen hin zu mehr Tierschutz zu bewegen: Wenn er den Satz wie oben zitiert ernst meint, dann muss er ordnungspolitisch handeln. Dann ist nicht der Moderator Schmidt gefragt, sondern der Gesetzgeber Schmidt. Aus welchem anderen Grund als aus „ökonomischem Zwang“ werden denn Zehntausende hochträchtige Milchrinder in die Schlachtung gegeben und damit Zehntausende lebensfähige Kälber brutal getötet? Aus welchem anderen Grund als aus „ökonomischem Zwang“ sind denn Tausende männliche Kälber, die sich nicht zur Mast eignen, auf dem Markt nichts wert und werden somit im jungen Lebensalter geschlachtet? Warum werden Millionen männliche Küken getötet, wenn nicht aus ökonomischen Zwängen? Was wir feststellen müssen, ist, dass wir eine eklatante Lücke zwischen dem vollzogenen Wertewandel in der Mitte der Gesellschaft und dem Vollzug des Tierschutzgesetzes haben. Dafür ist der Bundesminister, dafür ist die Bundesregierung verantwortlich zu machen. Nochmals: Ja, klar, jeder Schritt, auch der freiwillige, ist anzuerkennen und zu loben, wenn damit ein Mehrwert für Tier und Umwelt verbunden ist. Aber das darf doch einen Gesetzgeber nicht dazu verlocken, seine Pflichten im Nirwana der Freiwilligkeit abzuladen. Dafür ist niemand gewählt und auch niemand ins Kabinett berufen. „ … Das geht nicht und das werden und müssen wir im Vollzug des Tierschutzrechtes ändern“, so endet das oben genannte Zitat des Bundestierschutzministers aus dem letzten Sommer. Ja, dann tun Sie es auch, Herr Schmidt!

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DU UND DAS TIER 2/2016

Deutsches Haustierregister und Deutsches Tierdiebstahlregister 0228-60496-35 Spenden-Hotline 09001-226688 (nur aus dem deutschen Festnetz) Sie spenden € 5,00. INTERNET www.duunddastier.de www.tierschutzbund.de www.tierschutzlabel.info www.jugendtierschutz.de www.tierschutzbund.de/spendenportal SOCIAL WEB www.facebook.com/tierschutzbund www.twitter.com/tierschutz_bund www.youtube.com/tierschutzbundTV plus.google.com/+tierschutzbund

KOSTENLOSER SERVICE Melden Sie Ihr Haustier online im Deutschen Haustierregister an: www.registrier-dein-tier.de.

SPENDENKONTO des Deutschen Tierschutzbundes Sparkasse KölnBonn, BLZ: 370 501 98, Konto-Nr.: 40 444 IBAN: DE88 3705 0198 0000 0404 44 BIC: COLSDE33 Spenden sind steuerlich absetzbar. Herausgeber und Redaktion: Deutscher Tierschutzbund e. V., In der Raste 10, 53129 Bonn, Telefon: 0228-60496-0, Telefax: 0228-60496-40, Kontakt: www.tierschutzbund.de/kontakt, redaktion@tierschutzbund.de, Internet: www.tierschutzbund.de Verantwortlich im Sinne des Presserechtes: Thomas Schröder Redaktionsleitung: Nadia Wattad Mitarbeiter dieser Ausgabe: Dr. Sophie Arnold, James Brückner, Verena Jungbluth, Maja Masanneck, Thomas Schröder Verlag: Süddeutscher Verlag onpact GmbH, Hultschiner Str. 8, 81677 München Herstellungsleitung: Hermann Weixler, Anzeigenleitung: Christian Meitinger Grafik und Litho im Auftrag des Verlages: dworak & kornmesser Bildredaktion: Deutscher Tierschutzbund e.V. und dworak & kornmesser Abo-Service: Telefon: 089-2183–7266, Telefax: 089-2183–967266 Bezugsbedingungen: DU UND DAS TIER erscheint viermal im Jahr Bezugspreise: www.duunddastier.de/abo Druck: pva, Druck und Medien-Dienstleistungen GmbH, Landau/Pfalz ISSN 0341-56759 Das Magazin ist gedruckt auf 100 % Recyclingpapier.

Für unverlangt eingereichte Manuskripte, Fotos und sonstige Druckunterlagen wird keine Haftung übernommen. Eine Rücksendung solcher Unterlagen ist nur gegen ausreichendes Rückporto möglich. Namentlich gezeichnete Beiträge stellen die Meinung des Verfassers, nicht unbedingt auch die der Redaktion dar. Nachdruck, Übersetzungen und Vervielfältigungen, auch auszugsweise, sind nur mit Zustimmung der Redaktion gestattet. Die Redaktion behält sich die Kürzung von Leserbriefen vor. Veröffentlichte Briefe sind keine Meinungsäußerungen der Redaktion.

© Foto: Deutscher Tierschutzbund e.V.

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KOOPERATIONSPROJEKT

WELTTIER WOCHE 2016

© Foto: Mars GmbH

Es ist ein besonderes Kooperationsprojekt im Zeichen des Tierschutzes: Im Rahmen der Welttierwoche 2016 setzen sich der Deutsche Tierschutzbund und die Futtermittelmarken Pedigree und Whiskas unter dem Motto „Gemeinsam für Tierschutz“ für die Tierheime ein. Und das Beste ist: Jeder, der Whiskas- oder Pedigree-Produkte kauft, kann an der Aktion teilnehmen und sich selbst für Tiere engagieren. So geht’s: Im Aktionszeitraum vom 25. Juli bis zum 9. Oktober 2016 Whiskas- oder Pedigree-Produkte im Wert von mindestens fünf Euro kaufen, den Kassenbon fotografieren und das Foto auf die Aktionsseite www.welttierwoche.de hochladen. Für jeden hochgeladenen Bon spenden Whiskas und Pedigree einen Euro an den Deutschen Tierschutzbund. Jeder registrierte Teilnehmer hat zusätzlich die Chance auf einen Gewinn in Höhe von 1.000 Euro. Dabei funktioniert jeder Bon wie ein Los. Wer mehrere Bons einreicht, erhöht nicht nur die Spendensumme, sondern auch seine Chance auf den Gewinn.

SPENDEN FÜR DIE TIERHEIME Der Erlös der Aktion kommt dem Feuerwehrfonds des Deutschen Tierschutzbundes und damit bedürftigen Mitgliedstierheimen zugute.

Mit seinem Tierheim-Hilfsfonds unterstützt der Verband ihm angeschlossene Tierheime, die aufgrund unvorhersehbarer Ereignisse mit finanziellen Härten zu kämpfen haben. In diesem Jahr sollen unter anderem Tierheime unterstützt werden, die sich in Fällen von illegalem Welpenhandel und Animal Hoarding engagieren müssen. Die Höhe der Spendensumme hängt vom Eifer der Käufer ab. Dabei gilt: Jeder Bon zählt für den Tierschutz. Über das Ergebnis werden wir im Anschluss an die Aktion berichten.

WEB www.welttierwoche.de

Nehmen Sie an der Aktion teil und laden Sie Ihren Bon ab dem 25. Juni hier hoch.


GESCHENK-MITGLIEDSCHAFT

Einfach Karte auf beiden Seiten ausfüllen und am besten in einem frankierten Briefumschlag abschicken. Sie erhalten von uns eine persönliche Geschenkurkunde für die/den Beschenkte/-n. Danke für Ihre Unterstützung!

SIE HABEN FRAGEN?

Die Liste grausamer Tierschutz-Fälle in Deutschland ist lang. Der Deutsche Tierschutzbund hilft Tieren in akuter Not und setzt sich politisch und praktisch für tiergerechtes Leben ohne Leid ein. Doch ohne das Engagement zahlreicher Fördermitglieder wäre moderner Tierschutz in unserem Land nicht möglich.

• Tiere in Not finden in den Einrichtungen des Deutschen Tierschutzbundes und seiner Mitgliedsvereine ein artgerechtes Zuhause.

DIE GESCHENK-MITGLIEDSCHAFT MACHT TIERISCH GLÜCKLICH Wer Tiere liebt wünscht ihnen nur das Beste. Eine Geschenk-Mitgliedschaft hilft zum Beispiel so: • In Not geratene Tierheime werden aus dem „Feuerwehrfonds“ des Tierschutzbundes unterstützt. • Aktionen und Kampagnen informieren Bevölkerung und Politik über Tierquälerei in Landwirtschaft, Forschung und Industrie.

✗ Ja, ich möchte Mensch und Tier glücklich machen! Ich verschenke eine Mitgliedschaft zu jährlich (Schüler, Studenten, Rentner ich, den Beitrag

IHRE ANSPRECHPARTNERIN

per Lastschrift ab

zur GeschenkMitgliedschaft hilft gerne weiter:

IBAN / Konto-Nr.

Stefanie Boller Tel.: 0228-60496-15 boller@tierschutzbund.de

• Wir unterstützen die Entwicklung von Forschungs- und Testmethoden, die ohne Tierversuche auskommen.

64 Euro oder mehr

32 Euro). Den Deutschen Tierschutzbund e.V. ermächtige

monatlich

vierteljährlich

halbjährlich

jährlich

von meinem Konto einzuziehen.

Kontoinhaber/-in (Wir passen Ihre Daten an SEPA an.)

BIC / BLZ

Ich ermächtige den Deutschen Tierschutzbund e. V. (Gläubiger-ID: DE83TSB00000030776), Zahlungen von meinem Konto mittels Lastschrift einzuziehen. Zugleich weise ich mein Kreditinstitut an, die vom Deutschen Tierschutzbund e. V. auf mein Konto gezogenen Lastschriften einzulösen. Hinweis: Ich kann innerhalb von acht Wochen, beginnend mit dem Belastungsdatum, die Erstattung des belasteten Betrages verlangen. Es gelten dabei die mit meinem Kreditinstitut vereinbarten Bedingungen. Meine regelmäßige Hilfe kann ich jederzeit beenden. Die Mandatsreferenz wird mir separat mitgeteilt.

Geldinstitut

Datum, Unterschrift

KÜNDIGEN NICHT NÖTIG ! Ihre Geschenk-Mitgliedschaf t ist auf ein Jahr befristet!

425M063

ERFREUEN SIE IHRE LIEBEN MIT EINEM BESONDEREN GESCHENK!

Retriever-Welpe Freddy wird illegal auf einem Autobahnparkplatz verhökert. In einem Forschungslabor müssen Affen stundenlang Aufgaben am Computer lösen, mit einem Bolzen im Kopf am Stuhl festgeschraubt. Rund 25 Millionen Ferkel jährlich werden ohne Betäubung mit dem Skalpell kastriert …

© Bernd März

© Deutscher Tierschutzbund e.V.

DOPPELTE FREUDE, ERSPARTES LEID


GESCHENK-MITGLIEDSCHAFT

„ÜBER DIESES GESCHENK HAB ICH MICH TIERISCH GEFREUT“ Anna W. aus Köln liebt Tiere über alles. Sie hat selbst einen Terrier aus dem Tierheim. Als Anna erfährt, dass sie jetzt Mitglied beim Deutschen Tierschutzbund ist, staunt sie nicht schlecht. Ihre Freundin hat sie überrascht. Und die wusste: Anna wird sich tierisch freuen.

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Möchten auch Sie einem lieben Menschen eine Freude machen? Ob Geburtstag, Hochzeit oder ein Jubiläum – eine Geschenk-Mitgliedschaft passt immer. Und sie endet nach einem Jahr automatisch. Machen Sie jetzt mit: Verschenken Sie Freude an Mensch und Tier! Bitte mit 45 Cent frankieren, falls Marke zur Hand!

Mein tierliebes Geschenk geht an:

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UND DAS TIER für die/den Beschenkte/-n

PLZ, Ort Geschenkurkunde und Zuwendungsbestätigung senden Sie bitte an meine Adresse: Vorname, Name Straße, Hausnummer

Deutscher Tierschutzbund e. V. Frau Stefanie Boller In der Raste 10 53129 Bonn

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ZWEI WEGE ZUM TIERSCHÜTZER MITGLIED WERDEN ODER ABO ABSCHLIESSEN. Mit seiner über 135-jährigen Geschichte steht der Deutsche Tierschutzbund wie keine andere Organisation in Deutschland für seriösen und kompetenten Tierschutz. Unterstützen Sie unsere Arbeit mit Ihrer Mitgliedschaft oder einem Abo unseres Mitgliedermagazins DU UND DAS TIER.

DU UND GLÜCKLICH. DAS TIER Ausgabe 01/2016 46. Jahrgang ISSN 0341-5759

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ANGELN Fische leiden leise PROJEKTE Jubiläum in Odessa

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MODEOPFER Tiere als Accessoires missbraucht TIERSCHUTZZENTRUM Paten besuchen ihre Schützlinge

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