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DU UND DAS TIER Ausgabe 01/2016 46. Jahrgang ISSN 0341-5759

MAGAZIN FÜR ALLE FREUNDE DES TIERSCHUTZES

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ABSOLUTE FREIHEIT Ein Katzenelend?

HAUSTIERREGISTER Die unglaubliche Geschichte eines Hundes VEGETARISMUS Häufig ist mehr Tier drin, als draufsteht TIERISCH MOBIL 50 neue Autos für den praktischen Tierschutz

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EDITORIAL

SIGNALE VERSTÄRKEN SICH

Dr. Brigitte Rusche, Vizepräsidentin

Liebe Tierfreundinnen und Tierfreunde,

© Foto: Deutscher Tierschutzbund e.V.; Titelfoto: picture-alliance / Westend61 / Fotofeeling

es ist schon Tradition, dass wir in der ersten Ausgabe von DU UND DAS TIER im neuen Jahr von der Internationalen Grünen Woche (IGW) in Berlin und der Demo „Wir haben es satt“ berichten. Während die alljährlich gut besuchte Demo verdeutlicht, dass sich viele Bürger einen Wertewandel im Umgang mit Tieren wünschen, steht die IGW traditionell für Produktvielfalt in der Ernährung – und damit auch für eine Fülle von tierischen Produkten. Doch auch auf der Messe verstärken sich die Signale für den Wertewandel im Umgang mit Tieren. So war der Labelstand des Deutschen Tierschutzbundes vielfach Kristallisationspunkt für Informationen und angeregte Diskussionen. Bei diesen ging es immer häufiger nicht um gegensätzliche Ansichten, sondern um Wege zu mehr Tierschutz. Das Frühjahr ist die Zeit des Nachwuchses in der Tierwelt. Unsere Tierheime werden dann jedes Jahr mit Katzenwelpen überschwemmt, weil unachtsame Katzenbesitzer ihre Tiere nicht kastrieren lassen. Besonders schlecht geht es dem Katzennachwuchs in Gebieten mit freilaufenden Katzen, wo sich Mutter und Welpen gegen die Konkurrenz und widrige Umstände behaupten müssen. Das Engagement der Tierschutzvereine, gerade auch den frei lebenden Katzen zu helfen und der weiteren ungezügelten Vermehrung zu begegnen, ist groß. Die für den Tierschutz zuständigen Bundesländer haben noch längst nicht alle gehandelt. Lesen Sie im Titelthema ab Seite 8 über Ursachen und mögliche Lösungen für das Katzenelend, über gute Initiativen und immer noch bestehende Hindernisse.

Der Deutsche Tierschutzbund, das wissen Sie als Leser von DU UND DAS TIER, setzt sich für bessere Rahmenbedingungen zum tierschutzgerechten Umgang mit Tieren ein. Wir mahnen nicht nur politische Entscheidungen und die Einlösung der Versprechen aus dem Koalitionsvertrag für diese Legislaturperiode an; wir zeigen auch auf, wie jeder Einzelne konkret Tieren helfen kann – sei es durch den bewussteren Einkauf von tierischen Produkten oder besser noch durch die Wahl tierfreier Alternativen. Doch wählen können wir alle nur, wenn wir wissen, was im Regal liegt. Das ist auch für diejenigen, die sich tierischen Produkten vollständig verweigern wollen, nicht immer einfach, wie der Artikel „Ein tierisches Versteck“ auf Seite 34 aufzeigt. Unsere größte Sorge ist, dass es vielen unserer Tierschutzvereine finanziell schlecht geht, weil die Städte und Gemeinden die Kosten für die Aufgaben, die Tierheime für sie leisten, gar nicht oder nicht vollständig erstatten wollen. Um so dankbarer sind wir, dass wir durch die großartige Unterstützung unserer Spender und Fördermitglieder – also dank Ihnen – jetzt 50 Tierheimen mit einem neuen Tierheimwagen bei ihrer Tierschutzarbeit vor Ort helfen konnten. Die Fahrzeuge sind zugleich Botschafter für den Tierschutz, und ich hoffe, Sie freuen sich mit uns, wenn Ihnen auf der Straße einer begegnet. Herzlichst Ihre

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INHALT 38 31 20 NACH REDAKTIONSSCHLUSS

Der Ausschuss für Agrarpolitik und Verbraucherschutz des Deutschen Bundesrates hat einem Antrag des Landes Hessen für ein Verbot bestimmter wild lebender Tierarten im Zirkus zugestimmt. Der Deutsche Tierschutzbund hatte die Abgeordneten des Agrarausschusses im Vorfeld der Abstimmung um Unterstützung des Antrags gebeten. Der Verband hofft, dass ein bundesweites Wildtierverbot im Zirkus endlich Realität wird. Zwei vorangegangene Anläufe für ein Verbot hatte die Bundesregierung abgeschmettert. Noch im März wird nun die formale Entscheidung im Bundesrats-Plenum folgen. Im Anschluss liegt die Umsetzung dann bei der Bundesregierung.

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INHALT

08 TITELTHEMA In Deutschland soll es zwei Millionen frei lebende Katzen geben – davon gehen Schätzungen aus. Zwei Millionen Tiere, die mehr oder weniger versteckt auf verwilderten Grundstücken, Friedhöfen oder stillgelegten Fabrikgeländen leben – und das unter meist elendigen Bedingungen. Seite 8

18 HINTER DEN KULISSEN Chihuahua Charly war fünf Jahre lang verschwunden. Dank des Deutschen Haustierregisters kann er jetzt wieder bei seiner Familie leben. Seite 18 Vom illegalen Welpenhandel bis zur vor der Insolvenz stehenden Reptilienauffangstation München. Seite 20

28 AKTUELL Aktuelle Meldungen zum Thema Tierschutz. Seite 28 Lachs: Zu Ostern kommt er wieder auf den Teller. Die hohe Nachfrage geht auf Kosten der Tiere. Seite 29 Energiewende: Ein harmonisches Miteinander mit dem Artenschutz ist schwierig. Seite 31 Ein tierisches Versteck: In vermeintlich vegetarischen Lebensmitteln steckt mehr Tier als gedacht. Seite 34

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Tierisch mobil: 50 Opel Combos für den praktischen Tierschutz. Seite 36 Grüne Woche: Tierschutz im Mittelpunkt. Seite 38

44 JUGEND Die Jugendabteilung zeigt auf der Internationalen Grünen Woche Tierschutz zum Anfassen. Seite 44

46 PROJEKTE Weidefeld: Im Tierschutzzentrum Weidefeld entstehen ein Reptilienhaus, eine Anlage für Schildkröten und eine neue Quarantänestation für Papageien. Seite 46

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Aktuelle Berichte und Erfolgsmeldungen der uns angeschlossenen Tierschutzvereine. Seite 48

STANDARDS

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03 Editorial 06 Im Fokus 07 Wussten Sie schon …? 22 Medien 24 Rezept 50 Kommentar, Kontakte und Impressum DU UND DAS TIER 1/2016

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Arthur Sudau genießt mit Dackel Nicki den weitläufigen Garten. Vor der „Adoption“ lebte Nicki auf dem Sonnenhof.

NICKI IIM GLÜCK Zusammen sind sie 108 Jahre alt – das „Dreamteam“ Arthur Sudau und Dackel Nicki. Sie haben sich auf dem Sonnenhof gefunden – ein Projekt, an dem auch der Deutsche Tierschutzbund beteiligt ist. Von Nadia Wattad

Der Sonnenhof hat es sich unter anderem zur Aufgabe gemacht, älteren Hunden und Senioren eine gemeinsame Zukunft zu ermöglichen. Und es gibt erste Erfolge. „Als die beiden sich sahen, war es Liebe auf den ersten Blick“, so Nicole Brühl, Präsidentin des Sonnenhofes. Beide Senioren sind überglücklich miteinander. Bis dahin hatte Arthur Sudau sehr unter dem Tod seines vorherigen Dackels gelitten. Bei dem Rentner hat Nicki nun den Himmel auf Erden. Dort kann er auf einem riesigen Grundstück umherstreifen und Streicheleinheiten genießen. „Wir sind so

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glücklich über diese Vermittlung, denn es ist so selten, dass ein Hund in diesem Alter noch ein neues Zuhause findet“, so Brühl. Auch wenn Nicki mit seinen 17 Jahren dement ist, so ist er noch voller Lebensfreude. Vor allen Dingen, wenn Sudaus Tochter mit ihrer Hündin zu Besuch kommt, gehen die Hormone mit dem Dackel durch. Auch Leckerlis oder ein Stückchen Fleisch verschlingt der Senior Nicki gierig. Inzwischen hat er sogar etwas zugenommen. „Bei uns hat er es sehr gut, er bekommt viel Ansprache und Berührung, Kontakt zu anderen Hunden, viel Auslauf, gutes Futter und Aufmerksamkeit“, bestätigt Sabrina Schultze, die Betreuerin von Sudau. Und wenn nachmittags der längere Spaziergang in der Natur ansteht, dann gibt es kein Halten mehr. An der Leine geht Dackel Nicki zügig mit. Der Deutsche Tierschutzbund freut sich sehr über Nickis Vermittlung in dieses Hundeparadies und drückt die Daumen, das die beiden Senioren noch lange viel Freude miteinander haben werden.

WEB www.sos-projects.org Informieren Sie sich über den Sonnenhof und lernen Sie die Hunde kennen, die noch ein neues Zuhause suchen.

© Fotos: Privat

IM FOKUS


WUSSTEN SIE SCHON?

WUSSTEN SIE SCHON, DASS … … Deutschlands KLEINSTE FLEDERMAUS in eine Streichholzschachtel passt?

1,5 % … es in NEUSEELAND KÜHE gibt, die aufgrund einer natürlich zustande gekommenen Genmutation FETTARME MILCH geben?

… SCHWERTWAL

„Granny“, der mit seiner Familie an der kanadischen Pazifikküste

104 JAHREN

… der Spielzeughersteller Mattel ein Spielzeug-AUTO hergestellt hat, das mit einer lebendigen eingesperrten GRILLE oder anderen INSEKTEN angetrieben werden kann? Hier wache ich!

… Hirtenhunde eine Pinguinkolonie

auf einer Insel bei Australien vor Füchsen beschützen?

… Hirten in Finnland die Geweihe ihrer RENTIERE mit reflektierender FARBE bemalen, damit sie im Straßenverkehr nicht ums Leben kommen?

lebt, mit der älteste Orca der Welt ist?

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ABSOLUTE

FREIHEIT

EIN KATZENELEND?

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© Foto: Pavlo Vakhrushev - Fotolia

TITELTHEMA

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Es soll zwei Millionen frei lebende Katzen in Deutschland geben – davon gehen Schätzungen aus. Zwei Millionen Tiere, die meist versteckt auf verwilderten Grundstücken, Friedhöfen oder stillgelegten Fabrikgeländen leben – und das unter meist elendigen Bedingungen. Von Nadia Wattad

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2.000.000 Katzen. Das sind unglaublich viele Tiere, von denen insbesondere im Welpenalter einige an Unterernährung und Infektionskrankheiten sterben. Zudem stellen frei lebende Katzen die Kommunen, aber vor allem die Tierheime vor große Probleme. So ist es ein Trugschluss, grundsätzlich anzunehmen, dass die augenscheinliche totale Freiheit doch etwas Wunderbares für die entdeckungsfreudigen Tiere ist. Tatsächlich ist dem nur bedingt so. Schließlich gehen ursprünglich alle frei lebenden Katzen auf unkastrierte Samtpfoten zurück, die einen Besitzer hatten. Diese Tiere nennt man auch „Katzen aus Privathaushalten“. Damit handelt es sich bei den frei lebenden Tieren eben nicht um echte Wildtiere, sondern um Hauskatzen, die über viele Jahrhunderte hinweg domestiziert wurden. Ihnen nützt die große Freiheit nichts, wenn sie sich nicht Frei lebende Katzen sind auf ausreichend ernähren oder ihren Menschen angewiesen, die sie Nachwuchs gesund aufziehen könfüttern und pflegen. nen. Sie haben zwar einen Jagdtrieb, ihre Sinnesorgane haben sich aber im Laufe der Domestikation zurückgebildet. Das bedeutet auch, dass sie bei der Jagd nicht so geschickt wie ihre wilden Vorfahren sind. Doch wie kommt es eigentlich dazu, dass es so viele frei lebende Katzen ohne Besitzer gibt? Die Antwort ist einfach: Wenn Katzenhalter ihre Frei-

© Foto: Deutscher Tierschutzbund e. V.

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TITELTHEMA

1 Diese Katzen fressen an einer Futterstelle. 2 Eine frei lebende Katze säugt ihre Jungen.

© Foto: suzbah - Fotolia

gängerkatzen nicht frühzeitig kastrieren lassen, paaren sich diese völlig unkontrolliert mit anderen unkastrierten Katzen. Werden Freigängerkatzen und gegebenenfalls auch deren Nachkommen heimlich ausgesetzt oder einfach zurückgelassen, können hieraus frei lebende Katzen hervorgehen. Es entstehen neue Katzenpopulationen, und die bereits bestehenden Gruppen frei lebender Katzen wachsen weiter an – ein Teufelskreis. Eine Operation samt Narkose ist für jedes Lebewesen – egal ob Mensch oder Tier – belastend, dennoch ist eine Kastration für Tierärzte Routine. Für gesunde Tiere ist der medizinische Eingriff mit geringen Risiken verbunden. Ist das Tier sehr jung, schon sehr alt oder hat es eine Krankheit, ergeben sich deutlich höhere Narkoserisiken. Vor einer Kastration des Tieres sollte sich der Besitzer immer über die Narkosewahl, die Schmerzmittelgabe und Nachbehandlung inforDie Kastration eines Katers mieren. Ein guter Tierarzt klärt ohnehin kostet rund 80 Euro, die von sich aus über das Operations- und einer weiblichen Katze um Narkoserisiko auf. In seltenen Fällen die 125 Euro. kann es nach der Operation zu leichten Blutungen oder Schwellungen im Bereich der Wunde kommen. Trifft das zu, ist der Tierarzt der erste Ansprechpartner. Ohnehin muss der Halter die Operationswunde zu Hause im Auge behalten. Diese „Nebenwirkungen“ kommen aber tatsächlich selten vor und sollten den Tierhalter nicht von der Kastration seines Tieres abhalten. Jeder, der seine Katze nicht kastrieren lässt, trägt unmittelbar zu mehr Leid und einer weiteren Katzenschwemme bei. Katzen sind in der Regel wenige Stunden nach dem Eingriff wieder fit. Dann können sie auch wieder etwas zu trinken angeboten bekommen. Abends, aber nur wenn sie wirklich wieder hellwach sind, dürfen die Tiere eine kleine Portion leicht verdauliches Futter fressen. Insbesondere

weibliche Katzen dürfen keinesfalls an ihrer Wunde lecken oder gar daran beißen. Notfalls muss die Katze einen Halskragen oder Body tragen. Für die Zeit der Wundheilung, die sieben bis zehn Tage dauert, hat das Tier leider „Hausarrest“.

FREI LEBENDE KATZEN MÜSSEN FREI BLEIBEN Hat ein Katzenwelpe während der Prägephase, die von der zweiten bis zur siebten Lebenswoche dauert, keinen oder nur wenig Kontakt zum Menschen gehabt, dann bleibt das Tier meist sein ganzes Leben lang scheu. „Es ist nicht tierschutzgerecht, frei lebende Jung- oder auch erwachsene Katzen länger als für den Kastrationseingriff notwendig in der Arztpraxis, der Wohnung oder im Tierheim unterzubringen. Eingesperrt gehen sie regelrecht die Wände hoch und stehen unter Dauerstress“, erläutert Dr. Sophie Arnold, Fachreferentin für Heimtiere. Dennoch unternehmen manche Menschen hin und wieder den Versuch, Katzen unter Zwang zu sozialisieren. „Das ist meistens nicht im Sinne des Tieres. In der entscheidenden Prägephase haben sie ja nie den direkten Kontakt zu Menschen gehabt. Der Mensch zwingt sie also zur Sozialisation“, so Arnold. Aus diesem Grund ist diese sogenannte „Zwangssozialisierung“ auch aus Tierschutzsicht strikt abzulehnen. Die Katze wäre völlig überfordert von der Situation, in einer Wohnung eingesperrt zu sein. „Allein Alltagsgeräusche wie beispielsweise ein laufender Staubsauger oder die unmittelbare Nähe 2 zu Menschen, würde den Stresspegel und die Angst des Tieres ständig wieder in die Höhe treiben. Insofern tut ihr der Mensch damit nichts Gutes – auch wenn es gut gemeint ist“, weiß Arnold. Eine erwachsene Katzenmutter zieht ihre Welpen behütet auf. In der ersten Woche nach der Geburt bewacht sie ihre Kleinen jede Minute und spendet ihnen ihre lebenswichtige Wärme. Die ersten Tage DU UND DAS TIER 1/2016

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KASTRATION UND KENNZEICHNUNG SIND DAS A UND O

FREIGÄNGER

FREI LEBEND TIERSCHUTZ VEREIN E.V.

1. Katze zum Tierarzt bringen.

1. Lebendfalle aufstellen und mindestens alle vier Stunden kontrollieren. 2. Kennzeichnungen (Ohrkerbe, Tätowierung, Transponder) kontrollieren und vergewissern, ob die Katze hoch tragend oder säugend ist. Nur wenn nichts hiervon zutrifft, Katze zur Kastration zum Tierarzt bringen.

3. Mit Transponder oder Tätowierung kennzeichnen.

2. Katze frühzeitig kastrieren lassen.

4. Beim DHR registrieren.

5. Katze möglichst schnell wieder am Einfangort freilassen.

5. Katze kann, nachdem die Wunde verheilt ist, wieder in den Freigang entlassen werden.

bestehen ausschließlich aus Trinken und Schlafen. In der zweiten Woche entwickeln sich die Katzenbabys stetig weiter und unternehmen am Ende der Woche erste Gehversuche. Auch ihre Krallen lernen sie dann bereits auszufahren. In der dritten Woche verbringt der Nachwuchs Erfahrungen aus der zweiten den Tag immer bis siebten Lebenswoche prägen noch bis zu die Persönlichkeit einer Katze 16 Stunden schlafür immer. fend. In der Zeit der Trächtigkeit und Welpenaufzucht ist es besonders wichtig, dass die Mutter hochwertiges und vor allem auch mehr Futter zu fressen bekommt als üblich. Bei vier Jungen kann sich der Futterbedarf während des Säugens sogar verdoppeln. Und hier beginnt schon ein Problem. Eine

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frei lebende Katze hat grundsätzlich Schwierigkeiten, ausreichend Futter zu finden – wie soll sie dann noch ihre Jungen versorgen? Die Konsequenz ist, dass die meisten frei lebenden säugenden Mutterkatzen unterernährt sind. „Da ihr Immunsystem durch den schlechten Allgemeinzustand oftmals geschwächt ist und die Krankheitslast in der ungeschützten Katzengruppe hoch ist, übertragen sie zum Beispiel Katzenschnupfen oder Würmer auf ihre Welpen – schließlich ist die Katzenmutter weder geimpft noch entwurmt“, so Arnold. „Behütete“ Katzenkinder erhalten in der Regel circa ab der dritten Lebenswoche und dann in regelmäßigen Abständen eine Wurmkur. Gegen Infektionskrankheiten wie Katzenseuche und Katzenschnupfen werden die Katzenjungen etwa in der achten Lebenswoche geimpft. Weitere Impfungen und Entwurmungen führen dann zu gesunden und lebensstarken Samptpfoten. Frei lebende Katzen werden hingegen ihrem Schicksal überlassen. Eine erwachsene frei lebende Katze meistert die Geburt instinktiv richtig. Ist aber eine Jungkatze trächtig – biologisch kann das bereits im Alter von

© Illustration: dworak & kornmesser

Die Infografik verdeutlicht den Ablauf der Kennzeichnung und Kastration von frei lebenden und Freigängerkatzen.


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Diese Welpen sind nicht gesund. Ihre nicht geimpfte, frei lebende Mutter könnte Krankheiten wie Katzenschnupfen auf sie übertragen haben.

circa sechs Monaten nach der ersten Rolligkeit der Fall sein – kann sowohl die Geburt als auch das Aufziehen der Jungtiere besonders problematisch sein. Insbesondere während der Geburt kommt es immer wieder zu Komplikationen. Schließlich sind diese Tiere selbst noch „Teenager“ und auch körperlich einer Trächtigkeit noch nicht so gewachsen wie eine vollständig ausgewachsene Katze. Hinzu kommt, dass ihr Körper für die Aufzucht der Welpen kaum Reserven mobilisieren kann.

© Foto: sun_apple - Fotolia

DIE BUNDESLÄNDER SIND GEFRAGT Um die ansteigende Zahl der Katzen in den Griff zu bekommen, hilft letztendlich nur eine flächendeckend geltende Kastrations-, Kennzeichnungsund Registrierungspflicht für Freigängerkatzen aus Privathaushalten. Bisher haben Bundesländer wie Baden-Württemberg, Hessen, Bayern, Schleswig-Holstein, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen auf die Änderung im Tierschutzgesetz (TierSchG) reagiert und Zuständigkeitsverordnungen nach Paragraf 13 b TierSchG zum Schutz der Katzen eingeführt. Das heißt, in diesen Ländern sind nun die Kommunen gefragt, sollte dort eine gewisse Menge an leidenden frei lebende Katzen existieren. Bisher hat leider nur eine einzige Kommune in Hessen darauf reagiert. Erste Ansätze in weiteren Gemeinden sind geplant. Als Alternative zur Grundlage nach dem TierSchG können manche Gemeinden auf ihr Ordnungsrecht zurückgreifen und Kastrationsverordnungen auf diese Weise einführen. Der Deutsche Tierschutzbund unterstützt die Tierschutzvereine, indem er ihnen entsprechende Argumentationshilfen an die Hand gibt. Dadurch können die Vereine die Gemeinden besser über die Vorteile einer Kastrationspflicht aufklären. Zudem setzt sich der Verband dafür ein, dass die Kommunen mehr Verordnungen zum Schutz der Katzen einführen.

Mittlerweile gibt es weit mehr als 300 Gemeinden, Städte oder Inseln mit geänderter Kommunalverordnung. Darüber hinaus führen viele Tierschutzvereine Kastrationsaktionen für frei lebende Katzen durch – teilweise in Kooperation mit Städten und Gemeinden. Diese sind aufgrund der beschränkten finanziellen Kapazitäten jedoch oftmals nicht ausreichend. Aus Sicht des Deutschen Tierschutzbundes sollten sich grundsätzlich alle Kommunen an den Kosten der Kastrationen beteiligen, da viele Tierschutzvereine hierfür wenig finanzielle Mittel bereitstellen können. Schleswig-Holstein hat in dieser Hinsicht schon viel geleistet. Den Vorstoß für ein groß angelegtes Kastrationsprojekt gab Angelika Beer, Abgeordnete im Landtag. Sie bat die Landesregierung Ende 2012 um eine Stellungnahme zu der Problematik herrenloser, „verwilderter“ Hauskatzen in Schleswig-Holstein. Daraufhin fand ein erstes Treffen statt. Hier saßen erstmals Vertreter aus Politik, Verwaltung, Tierschutz, dem Landesjagdverband und der Tierärztekammer zusammen. Erfreulicherweise waren sich alle Teilnehmer einig, dass dringend etwas gegen die unkontrollierte Vermehrung der Tiere unternommen werden muss. Das gemeinsame Pilotprojekt gegen Katzenelend in Schleswig-Holstein startete schließlich am 13. Oktober 2014. Sie vereinbarten gemeinsam, dass in drei Aktionszeiträumen bis zum Herbst 2015 so viele Katzen DU UND DAS TIER 1/2016

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Bauernhöfe ziehen frei lebende Katzen häufig an. Leider kommt es auch vor, dass diese dort ausgesetzt werden. Dort bringen sie auch ihre Jungen zur Welt.

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bei. Die Patenschaft deckt die Kastrationskosten frei lebender Katzen. „Am Anfang bin ich noch mit Sammellisten durch den Ort gegangen, da kamen auch Spenden für das Katzen-Kastrationsprojekt zusammen, aber mit der Patenschaft und einer Urkunde für die Spender war der Zuspruch noch viel größer“, so Christine Klink vom Tierschutzverein Coburg. Inzwischen sei noch nicht einmal viel Werbung notwendig. Viele Tierfreunde würden von sich aus das Katzenprojekt als Pate unterstützen. Auch die Landesverbände des Deutschen Tierschutzbundes führen häufig Kastrationsaktionen durch oder bezuschussen die Tierheime. Letztendlich ist das Problem der vielen herrenlosen Katzen erst dann gelöst, wenn alle Bundesländer an einem Strang ziehen und die Lage ernst nehmen. Dass aber inzwischen immer mehr Gemeinden entsprechende Verordnungen erlassen und von erfolgreichen Kastrationsprojekten mit frei lebenden Katzen berichten, ist ein gutes Signal und zeigt, dass es in Sachen Katzenschutz vorangeht.

VIELE TIERHEIME RICHTEN FUTTERSTELLEN EIN Ein Katzenleben in Freiheit heißt dennoch nicht automatisch, dass sich die Tiere tagtäglich quälen. Eine gute Versorgung ist hier ausschlaggebend. Damit es den Tieren gut geht, sind sie auf Futterstellen angewiesen. Diese müssen jedoch richtig betreut werden. Sonja Lindemann vom Verein „Aktive Tierfreunde“ ist die Initiatorin einer Katzenauffangstation in Großheide-Westerende und kennt sich mit dem Einrichten von Futterstellen aus. Diese betreibt sie seit 1997 zusammen mit ehrenamtlichen Helfern. Sie betont, dass es wichtig sei, den herrenlosen Katzen zweimal täglich nur so viel Futter hinzustellen, wie die Tiere bei einer Mahlzeit fressen können. Zudem seien anschließend die Reste unbedingt sauber zu

© Foto: Deutscher Tierschutzbund e. V.

kastriert werden, wie die finanziellen Mittel erlauben. Es wurden hierbei sowohl die Kosten für frei lebende Katzen übernommen als auch Zuschüsse für Katzen aus Privathaushalten zugesichert. Der Deutsche Tierschutzbund war mit Holger Sauerzweig-Strey, dem Vorsitzenden des Landesverbands Schleswig-Holstein, maßgeblich an dem Pilotprojekt beteiligt. Ziel der Aktion war, innerhalb eines Jahres mindestens 5.000 Katzen zu kastrieren, zu kennzeichnen und zu registrieren. Auch wenn die Gelder für die Aktion in kürzester Zeit aufgebraucht waren – insgesamt eine halbe Million Euro – konnten mehr als 7.000 Katzen kastriert werden. Das ist ein großer Erfolg, der sich auch schnell In Schleswig-Holstein leben in den Tierheiungefähr 75.000 frei lebende men bemerkbar Katzen und etwa viermal so viele machte: „Seit Freigängerkatzen. der Aktion haben wir 20 Prozent weniger Katzen in den Tierheimen sitzen als in den Vorjahren“, so Sauerzweig-Strey. Ohne die zahlreichen Kastrationsaktionen der dem Deutschen Tierschutzbund angeschlossenen Tierheime wäre die Situation der frei lebenden Katzen noch dramatischer. Der Tierschutzverein Coburg trägt beispielsweise mit seiner „Kastrationspatenschaft für verwilderte Katzen“ zur Verringerung des Katzenelends


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entsorgen, damit möglichst keine Besitzerkatzen aus der Nachbarschaft, Wildtiere oder Ratten angelockt würden. Aus ihrer Erfahrung weiß sie auch, dass sich Katzen nach und nach den Fütterungszeiten anpassen – insbesondere wenn sie hungrig sind. Zudem könnten etwas weiter entfernt aufgestellte Näpfe ängstlichen Tieren helfen, die sich in Anwesenheit der Menschen nicht aus ihrem Versteck hervorwagen. Es ist sinnvoll, die Futterschalen über mehrere Stunden an erhöhter Stelle stehen zu lassen – nur so trauen sich auch besonders scheue Katzen an das Futter. Zudem haben andere Tiere es dadurch schwerer, den Katzen das Futter wegzufressen.

KATZEN AUF DEM BAUERNHOF

© Fotos: Deutscher Tierschutzbund e. V. (1), schmidt-roeger.de (2)

Lindemann engagiert sich in vielen Bereichen für Katzen, auch für diejenigen, die auf Bauernhöfen leben. Dass dort häufig gleich mehrere Samtpfoten anzutreffen sind, kommt teilweise daher, dass viele Landwirte noch immer in dem Irrglauben leben, dass eine kastrierte Katze nur noch schlafend in der Ecke liegt und sich nicht mehr um die Mäusejagd kümmert. Tatsächlich ist es so, dass kastrierte Katzen ihren Bewegungsradius um ihr Zuhause wesentlich kleiner halten als unkastrierte Tiere und sich dann primär um ihre „Aufgaben“ auf dem Hof kümmern. Ein weiteres Problem ist, dass verantwortungslose Halter gerne ihre Tiere – manchmal auch „nur“ den Nachwuchs – auf Bauernhöfen aussetzen, da sie glauben, dass es ihnen dort an nichts mangele. Denn Mäuse fühlen sich auf Bauernhöfen wohl, und das zieht wiederum die Katzen an. Die Folge ist, dass sich die Katzen, werden sie nicht frühzeitig kastriert, auch dort unkontrolliert vermehren. Nicht selten werden die Landwirte mit Katzen konfrontiert, die immer wieder Junge haben. Der Nachwuchs leidet häufig unter Infektionen wie Katzenschnupfen. Alteingesessene Hofkatzen, die sehr territorial sein können, akzeptieren zudem auch nicht jeden Neuankömmling. Sie vertreiben ihn oder grenzen ihn aus. Diese Tiere verwahrlosen dann und erkranken. Aus diesem Grund hat Lindemann das Hofkatzen-Projekt ins Leben gerufen. Die Gewinnerin des Deutschen Tierschutzpreises 2014 hat auch das dort ausgelobte Preisgeld in Höhe von 3.000 Euro in dieses Projekt investiert. Das gesamte Projekt ist nur durch Spendengelder zustande gekommen. Mit aus Aktionen gewonnenen Geldern in Höhe von 10.000 Euro hat Lindemann das Projekt Anfang 2014 gestartet. Bis heute haben die Ehrenamtlichen 300 Hofkatzen kastrieren, kennzeichnen und registrieren lassen, die sie vorab mit Lebendfallen einfangen mussten. Für die Bauernhöfe ist es nur von Vorteil, wenn die Katzen kastriert sind. Sie müssen sich nicht um die Jungtiere der Katzen sorgen, die Tiere leiden seltener an Erkrankungen und halten sich in der Nähe des Hofes auf.

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1 Die Katzenmutter sucht zusammen mit ihren Welpen Schutz im hohen Gras. 2 Frei lebende Katzen halten sich gerne auf verwilderten Grundstücken, Friedhöfen oder stillgelegten Fabrikgeländen auf.

KATZEN MIT EINEM TRANSPONDER ODER EINER TÄTOWIERUNG AUSSTATTEN UND REGISTRIEREN Neben einer Kastrationspflicht fordert der Deutsche Tierschutzbund auch die Einführung einer Kennzeichnungs- und Registrierpflicht. Nur so können aufgefundene Tiere schneller zu ihren Besitzern zurückgebracht werden. Dadurch haben die Tiere auch weniger Stress, da sie nicht tagelang im Tierheim warten müssen und auch die Tierheime können sich schnellstmöglich wieder um solche Sorgenkinder kümmern, die wirklich ihr Zuhause verloren haben. Die Einführung einer Kastrations-, Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht steht daher nicht nur im Einklang mit dem Tierschutzgesetz, sie verwirklicht auch das im Artikel 20 a des Grundgesetzes verankerte DU UND DAS TIER 1/2016

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AKTIV CHECKLISTE

WAS JEDER EINZELNE TUN KANN ✔ SCHAUEN SIE NICHT WEG Falls Ihnen eine oder auch mehrere Katzen auffallen, die offensichtlich sehr scheu sind und verwahrlost aussehen, dann informieren Sie den zuständigen Tierschutzverein. Dieser fängt die Tiere professionell mit Hilfe von speziellen Lebendfallen ein und bringt sie zu einem Tierarzt. Dieser untersucht die Tiere gründlich und ermittelt anhand eines möglicherweise implantierten Mikrochips oder einer Tätowierung den Besitzer, bevor sie kastriert werden. ✔ SPENDEN SIE Sie selbst können Tierschutzvereine mit einer Spende für Kastrationsaktionen frei lebender Katzen unterstützen. Damit leisten Sie einen zentralen Beitrag zum Tierschutz. ✔ RÜHREN SIE DIE WERBETROMMEL Darüber hinaus hilft es auch, Kontakt zu Ihrer Gemeinde aufzunehmen und dafür zu werben, eine Kastrations-, Kennzeichnungs- und Registrierpflicht für Freigängerkatzen aus Privathaushalten in die Kommunalverordnung aufzunehmen. Rühren Sie die Werbetrommel und machen Sie Ihren Bekanntenkreis und andere Tierfreunde auf Kastrationsaktionen aufmerksam.

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Gebot zum effektiveren Tierschutz. Sowohl der Deutsche Tierschutzbund als auch die Bundestierärztekammer unterstützen die Kastrations- und Kennzeichnungspflicht. Das Deutsche Haustierregister des Deutschen Tierschutzbundes bietet den Haltern eine kostenfreie und leicht durchführbare Möglichkeit an, ihre Tiere zu registrieren. Vorab muss der Tierarzt der Katze lediglich einen etwa reiskorngroßen Transponder, in dem ein kleiner Mikrochip enthalten ist, unter die Haut spritzen. Dieser Eingriff ist eine Sache von Sekunden und bis auf einen kleinen Pikser schmerzfrei für das Tier. Alternativ kann er das Tier auch im Rahmen der Kastration in den Ohrmuscheln tätowieren lassen. Der Nachteil der Tätowierung ist, dass sie über die Jahre verblassen kann. Nach der Kennzeichnung muss der Katzenbesitzer seine Katze mithilfe der Mikrochip- oder Tätowierungs-Nummer beim Deutschen Haustierregister registrieren lassen. Kehrt die Katze dann eines Tages nicht von ihren Streifzügen zurück, ist die Chance viel größer, dass das Tier von einem Katzenfreund entdeckt und zum Tierarzt oder in ein Tierheim gebracht wird und dann schnell wieder in sein richtiges Zuhause zurückkehrt. Mit einem speziellen Lesegerät kann der Tierarzt ganz einfach die Mikrochip-Nummer aus dem Transponder auslesen und bei Nachfrage im Deutschen Haustierregister die Besitzerdaten erhalten. Alleine im letzten Jahr konnten über das Deutsche Haustierregister 301 vermisst gemeldete Katzen wieder ihren Besitzern zurückgebracht werden. Eine dieser Katzen war Pippilotta. Ihre Besitzer hatten diese am 7. Oktober 2014 als vermisst gemeldet. Trotz großer Suchaktionen mit Plakaten und Zeitungsannoncen blieb das Tier spurlos verschwunden. Ein Mann aus dem Nachbarort brachte das ihm zugelaufene Tier zu einem Tierarzt. Dieser konnte die Tätowierung im Ohr des Tieres entziffern und auch den Mikrochip auslesen. Er meldete sich anschließend beim Deutschen Haustierregister. Tatsächlich konnte die Familie Pippilotta am 2. Dezember 2015 – also 14 Monate später – wieder in die Arme schließen.

© Foto: Volker Dornberger

Ähnlich wie auf diesem Foto wird die Katze mit einem Transponder gekennzeichnet, den der Tierarzt dem Tier unter die Haut spritzt. Dieser Eingriff ist eine Sache von Sekunden und bis auf einen kleinen Pikser für das Tier schmerzfrei.


TITELTHEMA

1 Kater Benno ist dank des Deutschen Haustierregisters wieder bei seiner Familie. 2 Tommy, ebenfalls ein Kater, war neun Monate lang verschwunden.

Ebenfalls Glück hatte Kater Benno, ein roter Perser-Maine-Coon-Mix. Er war zwar nur zwei Wochen verschollen, wäre aber fast verhungert und verdurstet. Wie sich nämlich herausstellte, war Benno in einem Waschkeller eingeschlossen. In der Zeit nahm er mindestens zwei Kilogramm ab, war aber ansonsten wohlauf. „Uns gingen die schlimmsten Gedanken durch den Kopf. Wir dachten schon, er sei mitgenommen worden und man habe ihm das Fell für falsche Pelze abgezogen. Gestern Nacht hat er bei mir geschlafen und sich erst mal aufgewärmt“, so sein Besitzer. Kater Tommy war auch so ein Kandidat. Nach neun Monaten ist er wieder aufgetaucht. „Ich habe nie die Hoffnung aufgegeben, aber dachte insgeheim doch, dass er tot sein muss“, so seine Besitzerin. Tommy war neben dem Deutschen Haustierregister noch bei einem weiteren registriert. Über das Tierheim und den Abgleich im Register wurde seine Besitzerin informiert. „Als die Dame anrief, wollte ich gar nicht glauben, dass die gefundene Katze Tommy sein soll. Das Tierheim hatte ihn nämlich als groß und proper beschrieben und er war eigentlich immer zierlich.“ Als sie ihn dann abholte, traute sie ihren Augen nicht. Der Kater hatte mordsmäßig zugenommen. „Der hat richtige Backen. Er muss bei jemandem gut durchgefüttert worden sein“, lacht die Besitzerin. Zehn Kilometer vom Wohnhaus entfernt war der Kater entdeckt worden. Seine Besitzerin vermutet, dass er die Strecke als blinder Passagier in einem Auto zurückgelegt haben muss. Jetzt sei sie überglücklich. „Ich begreife das noch gar nicht, dass er nach neun Monaten wieder hier ist.“ Ein solches Happy End ist meist nur dann möglich, wenn Tierbesitzer die Vorteile einer Kennzeichnung und Registrierung erkannt haben. Bei einem Umzug- oder einem Wechsel der Telefonnummer müssen die Halter immer daran denken, die aktuellen Daten dem Deutschen Haustierregister zu melden. Ihre kastrierte Freigängerkatze wird es ihnen danken.

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© Fotos: privat (1,2), Deutscher Tierschutzbund e. V.

www.duunddastier.de/katzenschutz Erfahren Sie, wie Sie Ihre Katze an den Besuch beim Tierarzt gewöhnen und ihr erfolgreich Medikamente verabreichen können.

www.registrier-dein-tier.de

Kostenlos, schnell und bundesweit – das ist das Deutsche Haustierregister. Profitieren Sie von über 30 Jahren Erfahrung bei der Registrierung und Rückvermittlung von Haustieren. Mit dem Angebot des Deutschen Tierschutzbundes ist die Chance, das geliebte Tier wiederzufinden, größer.

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Chihuahua Charly kann es sich endlich wieder auf der heimischen Couch bequem machen und von neuen Abenteuern mit seiner Familie träumen.

Wenn ein Hund seit fünf Jahren verschwunden ist, dann ist jegliche Hoffnung aufgegeben, den geliebten Vierbeiner jemals wiederzufinden. Doch dann geschieht das Unfassbare. Von Nadia Wattad

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Fünf Jahre sind eine verdammt lange Zeit. Sie ist zu lang, um zu hoffen, dass der vermisste Hund wieder auftaucht. Man redet sich ein, dass er bestimmt eine neue Familie gefunden hat und verdrängt, dass er genauso gut tot sein kann. Also bleibt die Ungewissheit, die einen sein ganzes Leben lang begleitet. Man wird nie erfahren, was genau mit dem Tier passiert ist. So grenzt es fast an ein Wunder, dass Chihuahua Charly tatsächlich nach fünf Jahren seinen Besitzern zurückgegeben werden konnte. 2010 war er, als die aus Österreich stammende Familie ihn mit in den Urlaub nach Deutschland genommen hatte, aus dem Garten der Ferienwohnung in Aschbach im Landkreis Bamberg verschwunden. „Mein Vater war mit Charly draußen im Garten und als er wieder herauskam, war er weg. Ein Albtraum begann“, so Tochter Pia. Es wurden alle Hebel in Bewegung gesetzt. Alle suchten ihn, auch andere Feriengäste halfen bei der Suche mit. Aber Charly blieb verschollen. Schweren Herzens fuhr die Familie nach anderthalb Wochen wieder nach Hause in das österreichische Linz. Doch die Suche ging auch dort weiter. Sie schrieben unterschiedliche Organisationen an, Tierheime und auch den Deutschen Tierschutzbund, da die Familie den implantierten Chip des Chihuahuas nach seinem Verschwinden beim Deutschen Haustierregister des Deutschen Tierschutzbundes registrieren ließ. Leider hatte niemand Charly gesehen.

© Fotos: Privat

TOTGEGLAUBTE LEBEN LÄNGER …


UND DANN GESCHIEHT DAS WUNDER Im November 2015 kam der erlösende Anruf. „Wir haben ihn gefunden“, so Katharina Kammacher vom Deutschen Haustierregister. Eine aufmerksame Dame hatte den Hund zuvor in Aschbach alleine auf der Straße gefunden und den Chip beim Tierarzt auslesen lassen. Das Schönste ist aber, dass es Charly mit seinen inzwischen 15 Jahren gut geht. Seine Zähne waren allesamt verfault und die Krallen teilweise eingewachsen, aber er lebt. Als Senior war er inzwischen taub geworden und auch sein Sehvermögen hatte nachgelassen, dennoch erkannte er seine Familie und die gewohnte Gassirunde. Er fand auf Anhieb den Weg an lockerer Leine nach Hause. Der Tierarzt behandelte seine Zähne und Krallen und bestätigte, dass er in erstaunlich guter Verfassung war. Diese wundersame Geschichte macht deutlich, wie wichtig es ist, sein Tier – sei es Hund, Katze, Kaninchen oder Pferd – chippen und beim Deutschen Haustierregister registrieren zu lassen. Nur so können die Besitzer eines entlaufenen Tieres ausfindig gemacht werden. Die Familie vermutet, dass Charly die letzten fünf Jahre nicht auf der Straße gelebt hat, sondern bei jemandem untergekommen war, denn Charly war bei seinem Fund übergewichtig. Auch sein Chip wurde in dieser Zeit nicht ausgelesen. Für die Familie war es ein wahres Geschenk, dass sie ihren Charly wieder in die Arme schließen konnte. „Als am 11. November das Telefon läutete und eine nette Stimme mir sagte, dass Charly gefunden wurde und bei ihr sei, dachte ich, das muss ein schöner Traum sein. Es war so unglaublich. Ich hatte Freudentränen in den Augen und habe immer wieder gefragt, ob das auch wirklich unser Charly ist“, so Brigitte Schachinger. Diese wahre Begebenheit zeigt, dass man niemals die Hoffnung aufgeben sollte. Manchmal geschehen doch auch noch Wunder.

WEB www.registrier-dein-tier.de

Mithilfe des Deutschen Haustierregisters kann Ihr Tier schnell wiedergefunden werden – vorausgesetzt, Sie haben den implantierten Mikrochip dort registriert. Das Ganze ist für die Tierhalter kostenlos.

INTERVIEW

Das Ehepaar Schachinger ist überglücklich, ihren Hund Charly wieder bei sich zu haben.

HINTER DEN KULISSEN

DREI FRAGEN AN BRIGITTE SCHACHINGER, MITBESITZERIN VON FAMILIENHUND CHARLY

Als Charly verschwunden war, haben Sie alle Hebel in Bewegung gesetzt, um ihn wiederzufinden. Haben Sie jemals die Hoffnung aufgegeben, ihn wiederzusehen? Die Hoffnung, unseren Charly wiederzufinden, haben wir eigentlich – wegen der großen räumlichen Entfernung zwischen Wohnort und Ort des Verschwindens – nach etwa zwei Jahren fast aufgegeben. Zu dem Zeitpunkt habe ich, schweren Herzens, Charlys Körbchen und die Transporttasche in das Linzer Tierheim gebracht. Allerdings mit dem Gedanken, falls er wieder auftauchen sollte, alles neu anzuschaffen. Das einzige, was im Haus blieb, war eines seiner Halsbänder, das gut sichtbar im Eingangsbereich hängt. Hatten Sie mit dem Gedanken gespielt, sich einen neuen Hund anzuschaffen? Nein, das hätten mein Mann und ich nicht übers Herz gebracht, Charly einfach zu „ersetzen“. Wir dachten doch fast täglich an unser Hündchen, besonders weil sein Verschwinden so plötzlich und sein Verbleib so ungewiss war. Warum ist eine Registrierung des Haustieres so wichtig? Der Chip und die Registrierung war für uns eine Sicherheit, die allerdings während Charlys Verschwindens von mir stark angezweifelt wurde. Doch dank der Registrierung in Österreich und beim Deutschen Tierschutzbund haben Menschen mit Zivilcourage es möglich gemacht, Hund und Besitzer wieder zu vereinen. Nun ist er wieder bei uns und trotz seines hohen Alters und schicksalhaften Lebens im Herzen jung geblieben, denn das zeigt er uns täglich.

www.duunddastier.de/charly Ein Video, in dem Hund Charly die Hauptrolle spielt, zeigen wir Ihnen auf unserer Website.

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ÜBERLEBENSKAMPF DER TIERHEIME

Nach wie vor bleibt illegaler Welpenhandel aktuell. Ende letzten Jahres mussten bayerische Tierheime auf einen Schlag um das Leben von 215 Welpen kämpfen. In der Reptilienstation in München sieht es nicht anders aus – auch hier gehen Tierschützer bis an ihre Grenzen. Von Nadia Wattad

Am 10. Dezember 2015 entdeckte die Polizei an der Grenze zu Österreich einen Transporter mit 47 Hundewelpen. Die Tiere waren vermutlich von Ungarn nach Spanien unterwegs. Und als ob das nicht schon schlimm genug gewesen wäre, wiederholte sich am Abend des 11. Dezember dasselbe Szenario. Diesmal ging es um 168 Welpen verschiedenster Rassen aus der Slowakei im Alter von ungefähr vier bis fünf Wochen, zusammengepfercht in Kaninchenkäfigen. Auch 50 Zebrafinken und 20 Schildkröten waren dabei. Die Polizei stellte die geschwächten Tiere zunächst sicher, die der Tierschutzverein Bad Reichenhall sofort erstversorgte. Danach wurden alle Tiere auf Mitgliedstierheime des Landesverbandes Bayern des Deutschen

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Tierschutzbundes aufgeteilt. Ehrenamtliche Helfer und Vereinsmitglieder der dem Verband angeschlossenen Tierheime waren bis in die späten Morgenstunden unterwegs, um für den sicheren und schnellen Transport der Tiere zu sorgen. Die Tiere verdanken es dem couragierten Einsatz von Tierschützern und den zuständigen Tierärzten, dass der von den Behörden geplante Rücktransport der Tiere in die Herkunftsländer kurzfristig vor Ort verhindert werden konnte. Darauf folgte ein politischer Druck durch den Landesverband Bayern und den Deutschen Tierschutzbund, der auch die Öffentlichkeit stetig über die Lage informierte. Letztendlich hatte sich auch Dr. Katharina Kluge vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft dafür starkgemacht, die Tiere nicht zurückzuschicken. Den Vereinen liegen inzwischen zudem die Bescheide zur Beschlagnahmung schriftlich vor. Dennoch sind von den insgesamt 215 Welpen, die in 17 bayerischen Tierheimen untergebracht wurden, bisher 53 ihren Krankheiten erlegen. Neben starkem Wurmbefall wurden auch gefährliche Darmparasiten festgestellt. Viele der Tiere erkrankten an Parvovirose oder Staupe, Infektionserkrankungen, die bei Welpen leider – wie auch in diesem Fall – häufig zum Tode führen. „Vorsichtig-optimistisch würde ich sagen, dass die verbliebenen Welpen über den Berg sind, aber gerade bei Staupe können auch noch sechs Monate nach der Infektion neurologische Störungen auftreten“, so Andreas Brucker, Geschäftsstellenleiter des Landesverbandes Bayern, der in einer außergewöhnlichen ehrenamtlichen Leistung die Koordination vor Ort übernommen hat. Die Tierpfleger der betroffenen Tierheime haben seit Wochen alle Hände voll damit zu tun, die aufgegriffenen Welpen medizinisch und pflegerisch zu versorgen. Allein für die Unterbringung der Hunde sind bisher weit über 100.000 Euro angefallen, die erheblichen


HINTER DEN KULISSEN

© Fotos: Wolfgang Friedl, Deutscher Tierschutzbund Landesverband Bayern e. V., Auffangstation für Reptilien München e. V.

GESTERN GEFUNDEN …

HEUTE GERETTET …

Tierarztkosten werden diesen Betrag vermutlich verdoppeln. „Es bleibt offen, wer am Ende die Kosten trägt. Klar muss sein: Dafür muss das Land Bayern einstehen“, so Thomas Die Helfer leisteten schier Schröder, Präsident Unglaubliches und verzichte- des Deutschen Tierten auf viele Stunden Schlaf. schutzbundes. Mit einem Notfallmailing an die Förderer hatte der Dachverband spontan reagiert, um die daraus resultierenden Spenden sofort an die Tierheime weitergeben zu können. Neben dem Kampf der bayerischen Tierheime um das Überleben der Hundewelpen geht auch der Kampf um die Reptilienauffangstation in München weiter.

wir wirklich nicht erwartet“, so Stationsleiter Dr. Markus Baur in der Pressemeldung. So soll das Vorhaben im Bayerischen Nachtragshaushalt für 2016 definitiv keine Berücksichtigung mehr finden. Die ersten Kosten für die Grundstückserschließung muss der kleine Verein jedoch im Frühjahr 2016 bedienen – insofern bleibt für diesen nur die Insolvenz. Der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes kritisiert die bayerische Regierung: „Da fehlt kein Geld, da fehlt der Wille!“ Um eine Insolvenz abzuwenden, benötigt die Reptilienauffangstation 200.000 Euro. „Wir werden 50.000 Euro in den Topf legen – aber nur, wenn die bayerische Regierung den Rest zahlt“, so Thomas Schröder.

REPTILIENAUFFANGSTATION MÜNCHEN DROHT DIE INSOLVENZ

Die meisten Tierschutzvereine sind weder räumlich, noch finanziell, personell oder fachlich in der Lage, Reptilien eine ihren Bedürfnissen entsprechende Unterkunft und Versorgung zu bieten. Für diese Vereine ist die Reptilienauffangstation München ein wichtiger Partner. Der Deutsche Tierschutzbund fordert die Bayerische Staatsregierung auf, in den Bayerischen Staatshaushalt endlich eine finanzielle Förderung der Tierheime und Auffangstationen aufzunehmen. Zudem ist der Reptilienauffangstation München unverzüglich finanzielle Unterstützung bei der Erschließung des neuen Grundstücks und des anschließenden Baus einer neuen Auffangstation durch den Bayerischen Staat zu gewähren.

Grund ist die Entscheidung der Bayerischen Staatsregierung, in der die Aussage getroffen wurde, den Finanzierungsbedarf für den Bau einer neuen Reptilienauffangstation noch einmal neu verhandeln zu wollen. In den alten, überfüllten Räumlichkeiten der Ludwig-Maximilians-Universität München kann die Station wegen Eigenbedarf der Uni auch nicht bleiben. „Nachdem unser Konzept für eine neue Station für gut befunden wurde, hatte man uns sogar dazu ermutigt, ein geeignetes Baugrundstück zu suchen, auf dem das Projekt realisiert werden könnte. Dieser Aufforderung sind wir nachgekommen und sind hierfür auch finanzielle Verpflichtungen eingegangen. Dass uns die Staatsregierung nun dermaßen im Stich lässt, hatten

TIERSCHÜTZER LEISTEN UNVERZICHTBARES

Wir halten Sie über die aktuellen Entwicklungen auf www.duunddastier.de auf dem Laufenden. DU UND DAS TIER 1/2016

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DER KRITISCHE AGRARBERICHT 2016

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Tierschutz – vereinbare Ziele?“ auseinandergesetzt. In seinem Beitrag beschreibt er die Zustände in der konventionellen Intensivtierhaltung, die in der Gesellschaft zunehmend an Akzeptanz verliert. Daraus folgert er, dass Nachhaltigkeit und Tierschutz mit der Doktrin des permanenten Wachstums nicht vereinbar sind, und zeigt Alternativen wie das Tierschutzlabel des Deutschen Tierschutzbundes auf.

TIERE ALS ABFALL? Franziska Hagen, Referentin beim Deutschen Tierschutzbund, setzt sich mit den unsichtbaren Folgen des Wachstumsstrebens in der Tierhaltung auseinander. Darin prangert sie unter anderem das sinnlose Töten von „überzähligen“ Ferkeln und männlichen Küken an, das aus rein ökonomischen Gründen geschieht – vom Gesetzgeber vorgesehen ist es jedoch nicht. Die Kritik der Öffentlichkeit an der heutigen Landwirtschaft, insbesondere an der Haltung und dem Umgang mit den Tieren, wächst indes. Infolgedessen nimmt sich die Politik der Problematik allmählich an. Grundlegend ändern wird sich jedoch erst dann etwas, wenn es zusammen mit allen Beteiligten, also Tierhaltern, Vermarktern, Handel und Politik, gelingt, dem Wachstumswahn in Landwirtschaft und Handel – und dem damit verbundenen Preisverfall für Lebensmittel tierischer Herkunft – Einhalt zu gebieten. „Der kritische Agrarbericht“ ist für diejenigen interessant, die sich mit den Themen, Entwicklungen und Hintergründen in der Landwirtschaft kritisch auseinandersetzen.

320 Seiten, 2016, ISBN: 978-3-930413-59-1, 22 Euro, zzgl. Porto, Bestellungen über den ABL-Verlag: verlag@bauernstimme.de

© Foto Cover: ABL-Verlag

Jedes Jahr zu Beginn der weltweit größten Agrarmesse „Internationale Grüne Woche“ in Berlin veröffentlicht das AgrarBündnis, dem auch der Deutsche Tierschutzbund angehört, den „Kritischen Agrarbericht“. Wie kein anderes Buch dokumentiert „Der kritische Agrarbericht“ die aktuelle Debatte um die Landwirtschaft in Deutschland vor dem Hintergrund der europäischen und weltweiten Agrarpolitik. Er benennt Missstände, berichtet aber auch von Initiativen, in denen Menschen sich für Tiere einsetzen, oder von Bauern, die gemeinsam mit Verbrauchern und Verbänden neue Wege gehen. In insgesamt elf Kapiteln beschäftigen sich die Autoren mit der gängigen Praxis der Agrarindustrie und beleuchten deren Auswirkungen auf die Landwirte, den Markt, die Verbraucher, die Umwelt, den Welthandel sowie den Tierschutz. Das AgrarBündnis, das aus 25 Verbänden aus Landwirtschaft, Umwelt-, Tier- und Verbraucherschutz sowie Entwicklungsarbeit besteht, wendet sich mit seiner aktuellen Ausgabe gegen eine Wachstumslandwirtschaft ohne Wertschöpfung und zeigt gleichzeitig politische und praktische Alternativen auf. Das 320-seitige Buch beinhaltet alleine 19 Artikel, in denen sich die Autoren mit dem Schwerpunktthema Wachstum auseinandersetzen. Unter anderem gehen sie den Fragen nach, wo die entscheidenden Wachstumstreiber liegen, wie „alternativlos“ eigentlich der „Strukturwandel“ ist und welche Spielräume die Betriebe haben, sich von den Wachstumszwängen zu befreien. Auch das Thema Tierschutz spielt im „Kritischen Agrarbericht“ eine beständige Rolle. Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, hat sich mit dem Thema „Wachstum, Nachhaltigkeit und

Wie das Schwerpunktthema „Wachstum“ bei der Intensivtierhaltung aussieht, zeigt das Bild der dicht gedrängten Schweine.


© Fotos: Kleintierverlag Torsten Geier; Gräfe und Unzer Verlag

MEDIEN

BARBARA FELDE

KATJA RÜSSEL

DAS TIERSCHUTZ-KANINCHENBUCH

DIE KATZENTRICKKISTE

Die im Tierschutzrecht tätige Juristin Barbara Felde gibt ihre Erfahrungen zur Kaninchenhaltung in diesem Buch weiter. Gesammelt hat sie diese auch mit ihren aus dem Tierheim übernommenen Kaninchen. Viele Bilder, zum Beispiel zur ausdrucksstarken Körpersprache der Kaninchen, sowie zahlreiche praktische Tipps, wie das Basteln von Beschäftigungsmaterialien, helfen Tierbesitzern, die Haltung ihrer Lieblinge zu verbessern. In einem Exkurs zum Umgang mit verwaisten Wildkaninchen erläutert die Autorin auch damit zusammenhängende Rechtsvorschriften. Im zweiten Teil des Buches widmet sie sich allen Themen rund um Tierschutz. Angefangen bei Kaninchen in Tierversuchen über Mastkaninchen bis hin zur Verwendung von Kaninchen zur Pelzgewinnung. Neben den traurigen Fakten erfährt der Leser auch, was er tun kann, um den Tierschutz von Kaninchen zu verbessern. Ein empfehlenswertes Buch für jeden Kaninchenfreund, nicht zuletzt da die Autorin auf die vielen Kaninchen verweist, die in den Tierheimen auf ein neues Zuhause warten.

169 Seiten, 175 Fotos, Kleintierverlag Torsten Geier, Biebertal, 1. Auflage 2015, ISBN: 978-3-944484-06-8, 16,80 Euro

Das von der Autorin Katja Rüssel katzenerprobte Buch „Die KatzenTrickkiste“ schildert praxisorientiert, wie sich der Alltag mit der Samtpfote abwechslungsreich gestalten lässt. Zudem gibt die Autorin Tipps, wie der Halter einer möglichen Unsauberkeit seiner Wohnungskatze entgegenwirken kann. Darüber hinaus geht Katja Rüssel auf die Kennzeichnung, Registrierung und Kastration von Freigängerkatzen ein. Beim Thema Ernährung finden sich ein paar fachliche Ungereimtheiten, auch Halsbänder sind grundsätzlich abzulehnen. Dennoch enthält das Buch „Die KatzenTrickkiste“ insgesamt vielfältige Informationen zum Lernverhalten, zur Körpersprache und zur Bedeutung des Spiels. 160 Seiten, Hardcover, Gräfe und Unzer Verlag, München, ISBN: 978-3-833842-19-1, 14,99 Euro

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Weggeworfen, verhungert, überfahren. Erspart ungewollten Welpen dieses Schicksal. Durchbrecht den Todeskreislauf. Jeder Hund und jede Katze braucht einen liebevollen Besitzer!

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Kein Tier soll sein Leben im Tierheim oder auf der Straße fristen.

Deutscher Tierschutzbund e. V. Sparkasse KölnBonn Konto-Nr. 40 444, BLZ: 370 501 98 IBAN: DE88 3705 0198 0000 0404 44 BIC: COLSDE33 WICHTIG! Verwendungszweck: Lega pro Animale – Italien Spenden an den Deutschen Tierschutzbund e. V. sind steuerlich absetzbar.


Vegan und glutenfrei – eine asiatische Köstlichkeit, die einen Hauch Japans in die heimische Küche bringt.

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© Fotos: GU Verlag/Joerg Lehmann, Gräfe und Unzer Verlag

PEACE FOOD


REZEPT

SOBA-NUDELN MIT GEMÜSE UND ERDNÜSSEN 1| Nudeln nach Packungsangabe in kochendem Wasser garen und sofort unter fließendem kalten Wasser abschrecken, damit sie nicht zusammenkleben.

ZUTATEN

Für zwei Personen Zubereitungszeit: 20 Minuten 150 g Soba-, Buchweizenoder Reisnudeln 100 g Shiitake-Pilze 1 kleine Aubergine (200 g) 2 bis 3 EL Kokosöl ½ große oder 1 kleine rote Paprikaschote (100 g) 2 Schalotten 1 EL Tamari (glutenfreie Sojasauce) oder etwas Salz Für die Sauce: 1 EL Erdnusscreme 1 EL Sesamöl 1 TL Tamari oder etwas Salz 1 ½ TL Genmai-Su-Reisessig oder Zitronensaft Zum Garnieren: 1 EL Erdnüsse oder Sesamsamen 2 Frühlingszwiebeln (nur das Grün)

2| Pilze mit einer weichen Bürste säubern und vierteln. Aubergine waschen, in ein Zentimeter dicke Scheiben schneiden und diese ebenfalls vierteln. 3| Kokosöl bei mittlerer Hitze im Wok oder in einer Pfanne erhitzen. Pilze und Auberginen darin zwei bis drei Minuten anbraten. 4| Während die Pilze braten, die Paprikaschote waschen und halbieren. Samen und Häutchen entfernen und das Fruchtfleisch in kleine Würfel schneiden. Die Schalotten schälen und in feine Ringe schneiden. Beides zum Gemüse in den Wok geben und etwa fünf Minuten anbraten. Das Gemüse mit Tamari oder Salz würzen. 5| Die Zutaten für die Sauce in einer Schüssel verrühren und so viel Wasser hinzufügen, dass die Sauce die Konsistenz einer Vinaigrette bekommt. Die Erdnüsse hacken. Das Frühlingszwiebelgrün waschen und in Ringe schneiden.

6| Die Nudeln mit einem Teil der Sauce mischen und in der Mitte einer Platte anrichten. Das Gemüse rundherum verteilen und mit der restlichen Sauce beträufeln. Mit den gehackten Erdnüssen oder Sesamsamen und den Frühlingszwiebelringen bestreuen. Guten Appetit!

BUCHTIPP „Vegan ist im Alltag angekommen“, stellt der Arzt und Bestsellerautor Ruediger Dahlke fest. Sein Buch „Peace Food – Vegan einfach schnell“ unterstützt deshalb all diejenigen, die täglich vegan genießen möchten. Das Buch bietet über 90 unkomplizierte Rezepte, die in maximal 30 Minuten zubereitet sind und dadurch gut in den oft hektischen Alltag passen. Das Besondere ist, dass das Buch auch denjenigen ermöglicht, vegan zu kochen, die unter einer Nahrungsunverträglichkeit leiden. Alle Gerichte kommen ohne Weizen und Soja aus, die meisten auch ohne Gluten. Ob Smoothies mit Früchten, eine sahnige Möhren-Sellerie-Suppe oder ein indonesisches Gemüsegericht – da ist für jeden etwas dabei. Ruediger Dahlke, Peace Food – Vegan einfach schnell ISBN 9783833846304, 2015, Gräfe und Unzer Verlag, 19,99 Euro

TIPP Eventuelle Reste des Gerichts mit Salatblättern und Soja- oder Alfalfasprossen zu Röllchen verarbeiten: Die mit dem Gemüse gemischten Nudeln auf ausgebreiteten größeren Salatblättern verteilen. Ein paar Sprossen und gehackte Erdnüsse darüber streuen und die Salatblätter aufrollen. Eine Erdnuss- oder Chilisauce (fertig gekauft) zum Dippen dazu reichen.

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TIERHEIME KÜMMERN SICH AUCH UM SCHWERE KATER.


www.frese-wolff.de

www.tierschutzbund.de


AKTUELL

TIERWOHL-INITIATIVE

KOMPETENZKREIS FÜR STAATLICHES TIERSCHUTZLABEL UND NUTZTIERSTRATEGIE Der von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt initiierte Kompetenzkreis Tierwohl hat einen weiteren Zwischenbericht vorgelegt. Der Kompetenzkreis besteht aus insgesamt 16 Beratern, darunter Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, die den Bundesminister bei der Umsetzung der Tierwohl-Initiative begleiten. In dem aktuellen Bericht empfehlen die Experten eine nationale Nutztierstrategie, die sowohl

agrarpolitische, gesellschaftspolitische als auch umwelt- und tierverträgliche Aspekte miteinbezieht. Ein solches Konzept würde die zukünftige Nutztierhaltung nicht nur einheitlich einrahmen, sondern auch Missstände und Verbesserungen im Tierschutz flächendeckend messbar machen. In einem ersten Schritt fordert der Kompetenzkreis Bundesminister Schmidt dazu auf, die Verbraucher im Bereich Tierschutz stärker aufzuklären und die Tierschutz-Initiativen von Bund, Ländern und Wirtschaft stärker zu koordinieren. Damit sich die Verbraucher besser orientieren können, bezeichnet das Gremium außerdem ein staatliches Tierschutzlabel als geeignet. Zudem enthält der Bericht konkrete Vorschläge im Bereich der Aus- und

DEUTSCHER TIERSCHUTZPREIS 2016

BPT

Zahlreiche Menschen setzen sich täglich mit Herzblut und Ideenreichtum für Tiere ein. Die engagiertesten werden auch dieses Jahr wieder mit dem „Deutschen Tierschutzpreis“ geehrt. Sie möchten jemanden oder sich selbst für diesen Preis vorschlagen? Fassen Sie das tierschützerische Engagement auf einer DIN-A-4-Seite zusammen und senden Sie diese mit bis zu drei Fotos per E-Mail an tierschutzpreis@funkuhr.de oder per Post an FUNK UHR, Redaktion, Kennwort: „Deutscher Tierschutzpreis“, Rotweg 8, 76532 Baden-Baden. Der Deutsche Tierschutzbund verleiht den Preis gemeinsam mit den Zeitschriften „FUNK UHR“ und „SUPER TV“ sowie den Marken Whiskas und Pedigree, die unter anderem die Preisgelder stiften. Weitere Informationen unter www.tierschutzbund.de/ deutscher-tierschutzpreis

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Der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Thomas Schröder, hat den neuen Präsidenten des

Weiterbildung von Tierhaltern. So halten die Experten neben speziellen Sachkundenachweisen auch regelmäßige Fortbildungen aller in der Tierhaltung beschäftigten Personen für notwendig. Lesen Sie die Fortsetzung unter www.duunddastier.de

WEB www.duunddastier.de/news Lesen Sie täglich aktuelle Meldungen rund um den Tierschutz.

Bundesverbandes Praktizierender Tierärzte (bpt), Dr. Siegfried Moder, besucht. Im Rahmen dessen Amtsantritts hat Schröder ihm das „Tierschutz Handbuch“ des Deutschen Tierschutzbundes überreicht. Moder tritt die Nachfolge des scheidenden bpt-Präsidenten Dr. Hans-Joachim Götz an. Dieser und Schröder wünschten seinem Nachfolger viel Erfolg für die Bewältigung der vor ihm liegenden Aufgaben. Auch in Zukunft wird der Deutsche Tierschutzbund mit dem bpt beim Thema Tierschutz an einem Strang ziehen und unter anderem den nächsten bpt-Kongress mitgestalten.

IM NAMEN DER TIERE

TIERSCHUTZFESTIVAL IN BERLIN Der Deutsche Tierschutzbund veranstaltet am 23. April gemeinsam mit dem Tierschutzverein für Berlin und Umgebung und dem Bundesverband Tierschutz ein Tierschutzfestival. Anlässlich des Internationalen Tages des Versuchstiers widmen sich die Diskussionsrunden und Infostände vor allem Tierversuchen und ihren Alternativen. Ein moderiertes Bühnenprogramm und musikalische Auftritte, unter anderem von Teesy, Balbina, Orkan frei und Berge, führen

die Besucher durch den Tag. Abseits der Bühne rahmen Foodtrucks, Stände mit veganer Mode, Kosmetik und verschiedene Aktionen den Tag ein. Das Festival findet von 12 bis 18 Uhr im Hof 2 der Kulturbrauerei in der Schönhauser Allee 36 in Berlin statt. Alle Tierfreunde sind herzlich willkommen.

© Fotos: Deutscher Tierschutzbund e.V., Bundesverband Praktizierender Tierärzte e.V.

JETZT BEWERBEN!

BESUCH ZUM AMTSANTRITT

Mitglieder des Kompetenzkreises übergeben Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (4. v. l.) den aktuellen Bericht.


AKTUELL

MASSENWARE LACHS Kaum ein Fisch ist so beliebt wie der Lachs. Der Preis der großen Nachfrage ist allerdings hoch – die Folgen für Tiere und Umwelt sind besorgniserregend. Von Verena Jungbluth

Gebraten, gekocht, geräuchert oder roh – Lachs ist ein Klassiker bei jedem Fest. Vor allem an Karfreitag, am Todestag Jesu, verzichten viele Menschen bewusst auf Fleisch und essen traditionell Fisch. Der Atlantische Lachs, lateinisch Salmo Salar genannt, ist einer der Fische, die am häufigsten auf den Teller kommen. Die einstige Delikatesse ist längst zur Massenware geworden. Wie die Aufschrift vieler Verpackungen verrät, stammt bereits heute fast jeder Lachs aus Aquakultur.

© Foto: luismolinero - Fotolia

KÄFIGHALTUNG UNTER WASSER Kaum eine andere Art der Lebensmittelerzeugung boomt so wie die Aquakultur. Rund 70 Millionen Tonnen Fisch und Meeresfrüchte produzieren Fischfarmen jährlich. Etwa zwei Millionen Tonnen davon sind Lachs. Der nach Deutschland importierte Lachs stammt zur Hälfte aus Norwegen, gefolgt von Polen und China. Eine Prognose der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) besagt, dass wir schon in einigen Jahren mehr Fisch aus Aquakultur als aus Wildfang essen werden.

Der Sinn von Aquakulturen besteht darin, dass Fisch zu allen Jahreszeiten, in großen Mengen und zu niedrigen Preisen verfügbar ist. Der Atlantische Lachs wird in riesigen Netzgehegen oder Käfiganlagen vor den Küsten im Meer gehalten. Da das Futter für die Lachse aus Fischmehl und Fischöl besteht, trägt diese Haltungsform ebenfalls zur Überfischung der Meere bei. In freier Natur wandern Lachse über Tausende von Kilometern. In Zuchtfarmen sind die Fische in großer Anzahl zusammengepfercht, leiden unter Stress und an einer Vielzahl von Krankheiten. Bis zu ein Viertel der Lachse stirbt bereits wähAuch Aquakulturen rend der Gefangenschaft. tragen zur weltweiten Haben die Fische die AufÜberfischung bei. zucht und Mast überlebt, werden sie betäubt und getötet. Allerdings wirken die derzeit zulässigen Betäubungsmethoden bei allen Fischarten unterschiedlich. Gerade rund um die Schlachtprozesse besteht dringender Forschungsbedarf. Neben dem Leid für die Tiere sind Fischfarmen auch ökologisch bedenklich. Große Mengen absinkender Fäkalien und Nahrungsreste verschmutzen den DU UND DAS TIER 1/2016

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AKTUELL

IDYLLE WILDFANG? Rund 90 Millionen Tonnen Fisch und Meerestiere holt die globale Fischindustrie jedes Jahr aus den Meeren. Hochtechnisierte Fangflotten dringen mit gigantischem Aufwand in immer abgelegenere Gebiete, um dort an die In Europa gelten über letzten Speisefische 80 Prozent aller Fischbezu gelangen. stände als überfischt. Der Atlantische Lachs wird mit sogenannten Kiemennetzen gefangen, deren Maschen so fein sind, dass sich die Fische mit ihren Kiemendeckeln darin verhaken. Hängen die Lachse im Netz, haben sie keine Chance mehr zu entkommen. Sie werden zu Tausenden an die Meeresoberfläche geholt, auf Schiffen entladen und ersticken dort an der Luft. Nicht selten platzen zuvor schon auf dem schnellen Weg an die

Oberfläche die Schwimmblasen der Tiere. Der Massenfang ist rechtlich nicht geregelt – eine Betäubung der Fische nicht vorgesehen. Aus Tierschutzsicht ist das unverantwortlich. Auch Fische sind schmerzempfindliche und leidensfähige Lebewesen.

ALS MÜLL ENTSORGT Neben den Fischen verfangen sich in den Netzen unzählige andere Meeresbewohner. 38 Millionen Tonnen Beifang werden jährlich ins Meer zurückgeworfen. So sterben Hunderttausende Haie, Seevögel, Meeresschildkröten, Delfine und Wale einen meist qualvollen Tod. Es ist Zeit, darüber nachzudenken, was wir den Tieren, uns und unserem Planeten mit den Aquakulturen und dem Ausbeuten der Weltmeere zumuten. Der Verbraucher kann aktiv zum Schutz der Tiere und Meere beitragen, indem er vollständig auf Fisch verzichtet oder seinen Konsum zumindest auf ein gesundes Maß reduziert. Dabei sollte er auf Fisch aus ökologischen Aquakulturen oder bei Wildfischen auf nachhaltige Kriterien wie das „Friend of the Sea-“ oder „MSC“-Siegel achten.

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www.duunddastier.de/aquakultur Lesen Sie, wie sich die ökologische Aquakultur von der konventionellen unterscheidet.

EIN FISCHLEBEN IN AQUAKULTUR – VOM EI BIS ZUM FILET

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1 Um reife Fischeier zu gewinnen, „quetschen“ Farmarbeiter diese den Elterntieren in der Brutanstalt regelrecht aus dem Leib. 2 Aus den besamten Eiern schlüpfen nach etwa 44 Tagen die Larven. 3 In einigen Monaten reifen die Larven zu Jungfischen heran und werden mehrfach in unterschiedliche Becken umgesetzt. 4 Bis zur Schlachtreife leben die Fische zusammengepfercht in den Netzkäfigen der Aquakulturen. 5 Mit ein bis drei Kilogramm haben die Lachse ihr Schlachtgewicht erreicht, werden abgefischt und getötet. 6 Die Verarbeitung zum Endprodukt „Lachsfilet“ erfolgt meist maschinell.

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© Fotos: picture-alliance / WILDLIFE (1); picture-alliance / WILDLIFE / J.Mallwitz (2); picture-alliance / ROPI / Antonio Pisacreta (3); petcharapj - Fotolia (4); picture-alliance / Winfried Rothermel (5); Linorka - Fotolia (6)

Meeresboden. Außerdem gelangen Medikamente wie Antibiotika aus den offenen Netzkäfigen in die Meere und Flüsse und schädigen die dort frei lebenden Tiere und das sensible Ökosystem der Küstengewässer. Auch die Krankheiten der intensiv gehaltenen Lachse können sich schnell auf die wild lebenden Lachse übertragen. „Jährlich entkommen Hunderttausende Zuchtlachse ihren Netzkäfigen und gelangen ins freie Meer. Obwohl sie sich durch die Zucht genetisch von Wildlachsen unterscheiden, können sie sich mit ihnen verpaaren und somit den Genpool der Wildlachse stören“, so Dr. Henriette Mackensen, Referentin für Artenschutz beim Deutschen Tierschutzbund.


AKTUELL

AUSBAU OHNE AUGENMASS

Die Energiewende ist in vollem Gange. Das führt zu einem unerwarteten Dilemma: Weil Windkraftanlagen für manche Tiere eine tödliche Falle sind, prallen Arten- und Klimaschutz plötzlich aufeinander – dabei gäbe es einfache Lösungen.

© Foto: Korta - Fotolia.com

Von Nina Himmer

Christian Voigt ist aufgebracht. „Ich bin kein Gegner der Energiewende“, stellt er klar, „aber so, wie der Ausbau derzeit betrieben wird, ist er für Fledermäuse eine Katastrophe.“ Der Experte des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Berlin untersucht seit Jahren die Lebensumstände der kleinen Säugetiere, von denen schätzungsweise 270.000 jährlich in den Rotorblättern von Windkraftanlagen sterben. Die Dunkelziffer liegt wohl noch höher, denn viele tote Tiere werden gar nicht erst gefunden: „Nur ein Teil der Fledermäuse stirbt durch Kollisionen, ein anderer durch ein Barotrauma“, erklärt Voigt. Dabei lässt der durch die Rotorblätter erzeugte Unterdruck die feinen Blutgefäße der Fledermäuse platzen. Das tötet die Tiere entweder sofort – oder sie fliegen noch eine Weile weiter, bevor sie qualvoll an inneren Blutungen verenden. „Die Distanz zur Anlage macht es in solchen Fällen schwierig, die Kadaver zu finden und verFledermäuse stehen auf der roten Liste für bedrohte lässliche Daten zu sammeln“, sagt Voigt. Für die Fledermäuse ist diese Entwicklung Säugetiere. fatal: Sie bekommen pro Jahr nur ein bis zwei Jungtiere und finden schon jetzt immer weniger Lebensraum. Seit die Politik den Ausbau von Windkraft im Rahmen der Energiewende vorantreibt, ist ihre Population gefährdeter denn je. Nicht nur heimische Arten fallen den Anlagen zum Opfer. Auch Tiere, die in den Wintermonaten von Osteuropa gen Süden ziehen, kehren oft nicht mehr in ihre Heimat zurück. Der Experte seufzt: „Es ist schwer, sich für die Belange von Fledermäusen stark zu machen. Sie haben hier keine Lobby.“ Das kann man vom Rotmilan nicht behaupten. Der imposante Greifvogel taucht im Zusammenhang mit der Energiewende häufig in den DU UND DAS TIER 1/2016

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1 Diese kleine Fledermaus hat in Weidefeld in einem umgerüsteten Munitionsbunker überwintert. 2 Fledermäuse zählen zu den nachtaktiven Tieren. 3 Vögel wie dieser Rotmilan sind häufig Opfer von Windkraftanlagen.

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Medien auf. Mal, weil Gegner der Windkraft ihn für ihre Zwecke instrumentalisieren. Mal, weil Befürworter seine Horste zerstören oder Tiere vergiften, um den Bau neuer Anlagen nicht zu gefährden. Der Rotmilan steht weit oben auf der Todesliste. Ein trauriger Ruhm, denn er ist vom Aussterben bedroht und brütet hauptsächlich in Deutschland.

Bisher zählte die Staatliche Vogelschutzwarte in Brandenburg 301 tote Rotmilane durch Windkraftanlagen. „Die Debatte wird sehr emotional geführt“, bestätigt Dr. Hermann Hötker, Leiter des NABU-nahen Michael-Otto-Instituts und Experte in Sachen Vogelschutz. Er untersucht die Auswirkungen von Windkraft auf Vögel. Experten schätzen, dass über 100.000 von ihnen jährlich in den Anlagen umkommen, weil sie von Rotorblättern getroffen werden. Von „Vogelschreddern“ will der Experte trotzdem nicht sprechen. „Man muss das differenziert sehen: Enten oder Gänse etwa machen einen Bogen um Windkraftanlagen, andere Vögel fliegen gar nicht so hoch oder weichen aus“, erklärt er. Zudem seien viele Fragen noch offen: „Es mangelt zum Beispiel an verlässlichen Studien zu den Auswirkungen auf Zugvögel.“ Sicher sei jedoch, dass es mit bestimmten Arten Probleme gibt. Allen voran mit Greifvögeln wie Rotmilanen, Schreiadlern oder Mäusebussarden, aber auch mit Möwen, Störchen und Seeschwalben. Statt zu fliegen, legen sich diese „Segler“ in den Wind und lassen sich treiben – und landen dabei immer häufiger in Windkraftwerken. Wenn die Tiere nicht sofort tot sind, fallen sie schwer verletzt auf den Boden und verenden meist

elend. Ein anderes Problem ist der Umstand, dass Windkraftanlagen Vögel aus ihrem Lebensraum und von ihren Brutstätten vertreiben.

AUCH MEERESTIERE NEHMEN SCHADEN Aber nicht nur in luftigen Höhen und auf dem Land werden Windkraftanlagen zum Problem, auch Seevögel und Meerestiere leiden unter dem Ausbau. „Gerade beim Bau von Offshore-Anlagen, etwa wenn die Fundamente in den Meeresboden gerammt werden, entstehen Schallwellen, die für bedrohte Arten wie Schweinswale ein großes Risiko bedeuten. Im späteren Betrieb sind die Windkraftanlagen dann mitunter ein Problem für Seeschwalben oder Meeresenten“, so James Brückner, Referent für Artenschutz beim Deutschen Tierschutzbund. Und weiter: „Wir begrüßen die Bemühungen des Bundesumweltministeriums (BMU), jedoch muss für einen umfassenden Schutz von Meeressäugern und -vögeln dringend noch mehr getan werden.“ Immerhin: Im Jahr 2013 hat das BMU ein Konzept zum Schutz von Schweinswalen vor Schallbelastungen bei der Errichtung von Windkraftanlagen in der Nordsee erlassen, heute sind beim Bau technische Schallschutzverfahren Pflicht. Dieser Schritt lässt in Bezug auf Vögel oder Fledermäuse noch auf sich warten. Experten kritisieren einhellig die mangelnde Berücksichtigung von artenschutzrechtlichen Belangen beim Ausbau von Windenergie. Das verstoße im Fall bedrohter Tierarten nicht nur gegen nationales, sondern auch gegen EU-Recht. So wundert sich Voigt: „In Deutschland ist es eine Straftat, eine Fledermaus zu töten. Doch bei Windkraftanlagen wird einfach weggeschaut.“ Weil jedes Bundesland den Ausbau anders handhabt, fehlt es an verbindlichen Vorgaben und Auflagen in Sachen Artenschutz – oder der Kontrolle ebensolcher. Bei derzeit rund 28.000 Anlagen in Deutschland ist die dezentrale OrganiKaum verbindliche Vorgaben sation ein echtes Proaus der Politik. blem: Die staatliche Vogelschutzwarte in Brandenburg etwa, bei der die Meldungen über Schlagopfer zusammenlaufen, bemängelt die unterschiedliche Meldebereitschaft der Länder und die uneinheitlichen Kontrollen. Einer Umfrage der Europäischen Kommission zufolge befürworten rund 70 Prozent der Deutschen den Ausbau regenerativer Energien „voll und ganz“. Sie verbinden damit die Hoffnung auf saubere Energie und eine Verzögerung des Klimawandels. Sind die

© Fotos: Deutscher Tierschutzbund e. V. (1); picture-alliance / NHPA / photoshot / STEPHEN DALTON (2); picture-alliance / Bildagentur-online / MAS-McPhoto (3)

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1 Bei der Errichtung von

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Offshore-Anlagen entstehen Schallwellen, die für Meerestiere ein großes Risiko darstellen. 2 Schweinswale zählen zu den bedrohten Arten. Sie leiden besonders unter den im Wasser entstehenden Schallwellen.

toten Tiere also eine Art Kollateralschaden auf dem Weg zu einer besseren Welt? „Nein“, betonen Voigt und Hötker, „es gäbe durchaus praktikable Lösungen, mit denen sich Artenschutz und Klimaschutz vereinbaren ließen.“

© Fotos: vschlichting - Fotolia.com (1); picture-alliance / WILDLIFE / F.Graner (2)

IST EINE TIERFREUNDLICHE ENERGIEWENDE MÖGLICH? Fledermäuse zum Beispiel meiden starken Wind. Das ist praktisch, denn für Windkraftanlagen gilt: je stärker es bläst, desto besser. Weil große Anlagen aber schon bei wenig Wind Energie produzieren, gibt es Windstärken, in denen sich die Aktivität der Fledermäuse und der Betrieb der Anlage überschneiden. Würden die Anlagen in diesem Bereich abgeschaltet, wäre den Fledermäusen sehr geholfen. Auch spezielle Detektoren können helfen, die Aktivität von Fledermäusen zu erfassen. So könnten manche Standorte ausgeschlossen oder mit Auflagen belegt werden, um die kleinen Säugetiere zu schützen. Auch für Vögel gäbe es Lösungen. „Am wichtigsten ist eine geeignete Standortwahl mit genug Abstand zu Brutstätten und möglichst nicht in der Nähe von Feuchtgebieten oder auf Gebirgsrücken“, sagt Hötker. Es gebe Versuche, Vogelbewegungen per Radar zu

ermitteln und Anlagen auszuschalten, sobald ein Schwarm naht. „In Portugal hat man damit gute Erfahrungen gemacht“, so Hötker. Doch Politik und Energiebranche mögen zwar Wind, aber keinen Gegenwind. Den aber gibt es von Tierschützern reichlich. Und solange es an öffentlichem Bewusstsein und rechtlichen Vorgaben mangelt, kann man nur eins tun: „Immer wieder den Finger in die Wunde legen, aufklären und Lösungen aufzeigen“, sagt Christian Voigt. Der Deutsche Tierschutzbund hat in Zusammenarbeit mit der Interessengemeinschaft Umweltschutz Kappeln einen Bunker in Weidefeld zu einem Winterquartier für Fledermäuse umgerüstet. Damit leistet der Verband einen direkten Beitrag zum Artenschutz.

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www.duunddastier.de/energiewende Dr. Tanja Straka, Referentin für Artenschutz beim Deutschen Tierschutzbund, erläutert, wie es um den Schutz der Fledermäuse in Deutschland bestellt ist und was jeder Einzelne dazu beitragen kann.

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EIN TIERISCHES VERSTECK Nur weil etwas nicht in der Zutatenliste steht, heißt es noch lange nicht, dass es nicht enthalten ist. Viele vermeintlich vegane und vegetarische Lebensmittel beinhalten versteckte tierische Inhaltsstoffe. Von Verena Jungbluth

Fleisch in Chips, Schweineborsten im Brot und Läuse in der Marmelade? Was unappetitlich klingt, ist Alltag in der deutschen Lebensmittelproduktion. Als Vegetarier oder Veganer scheint es auf den ersten Blick einfach zu sein, auf tierische Produkte wie Fleisch, Käse, Eier oder Milch zu verzichten. Beschäftigt man sich allerdings tiefer mit dem Thema, machen Industrie und Gesetz einem einen Strich durch die Rechnung. Tierische Bestandteile wie Hühnereiweiß, Süßmolkenpulver oder Butterreinfett entdeckt der Verbraucher, wenn er die Zutatenliste liest. Diese Angaben sind allerdings nur auf Lebensmitteln in Fertigpackungen Pflicht. Bei loser Ware muss der Kunde den Hersteller fragen.

NICHT ERKENNBAR Andere tierische Stoffe tauchen in keiner Zutatenliste auf. So besteht für tierische Bestandteile, die als Trägerstoffe für Aromen oder Vitamine dienen, keine gesetzliche Kennzeichnungspflicht. So erfährt niemand, dass in Chips häufig nicht Paprika oder andere Gewürze für den typischen Geschmack sorgen, sondern zum Beispiel Wild- oder Schweinefleisch. Auch auf den Etiketten von Wein, Saft oder Essig ist nichts von tierischen Bestandteilen zu lesen – und das, obwohl es gängig ist, Trübstoffe innerhalb des Produktionsprozesses mithilfe von Gelatine, Eiklar oder Milcheiweiß – auch als Casein bekannt –

In Marmelade sorgen oft nicht nur die Früchte, sondern auch echtes Karmin, das aus ausgekochten Cochenilleläusen hergestellt wird, für die schöne rote Farbe.

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Würziger Geschmack durch Paprika und Co.? Chips erhalten ihr typisches Aroma oft durch Wild- oder Schweinefleisch.

Glänzt ein Apfel besonders stark, ist dies oft Schellack zu verdanken. Dieser Zusatzstoff wird aus den Ausscheidungen von Lackschildläusen gewonnen.


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zu entfernen. Auch die Hausenblase, die getrocknete Schwimmblase von Fischen wie Stören oder Welsen, ist ein gängiges Klärmittel. Da Gelatine und Co. als technische Hilfsmittel gelten und nach dem Produktionsprozess wieder entfernt werden, müssen sie nicht auf dem Produkt deklariert sein.

© Fotos: euthymia - Fotolia; Sergio Martnez - Fotolia; Tim UR - Fotolia; PhotoSG - Fotolia; Tim UR - Fotolia; stockphoto-graf - Fotolia

VEGAN? VEGETARISCH? Als rein pflanzlich beworben, enthält selbst Margarine oft Bestandteile tierischen Ursprungs. So taucht in der Zutatenliste häufig der Begriff Lecithin oder die Nummer E 322 auf. Ist dies nicht als Sonnenblumen-, Raps- oder Sojalecithin gekennzeichnet, ist es genauso wie das häufig zugesetzte Vitamin D3 wahrscheinlich tierischer Herkunft. Das Gerinnungsenzym Lab ist sogar dafür verantwortlich, dass Käse – streng genommen – Viele Hersteller informieren auf häufig gar nicht vegetarisch ihrer Website über tierische In- ist. Lab wird aus Kälbermägen haltsstoffe in ihren Produkten. gewonnen und dickt die Milch bei der Käseherstellung ein. Auch wenn Lab mikrobiologisch herstellbar oder durch pflanzliche Stoffe ersetzbar ist, ist es für den Käufer kaum möglich, die Herkunft zu erfahren. Denn Lab selbst muss laut Käseverordnung nicht als Zutat gekennzeichnet sein. Damit Brot und Brötchen schneller backen und ihre Form behalten, setzen Bäcker in industriellen Bäckereien dem Teig häufig L-Cystein (E 920) zu. Das Mehlbehandlungsmittel kann aus Schweineborsten oder Entenfedern stammen. Als Backtriebund Stabilisierungsmittel ist es nicht kennzeichnungspflichtig. Auch Brezeln sind nicht unbedingt vegan. Häufig sorgt Schweineschmalz für einen elastischen Teig. Hinter der Nummer E 120 verbirgt sich die rote Farbe vieler alkoholischer Getränke, Konfitüren oder Süßigkeiten. Das sogenannte echte Karmin wird aus ausgekochten Cochenilleläu-

Bäcker in industriellen Bäckereien setzen dem Teig von Brot und Brötchen häufig den Zusatzstoff L-Cystein zu. L-Cystein wird oft aus Schweineborsten oder Federn hergestellt.

sen hergestellt und ist nahezu in allen Produkten zu finden, die die Farbe von roten Beeren haben sollen. Auch beim schönen Glanz vieler Äpfel und Zitrusfrüchte sind häufig Läuse im Spiel. Mithilfe des mit E 904 gekennzeichneten Schellacks, das aus den Ausscheidungen von Lackschildläusen gewonnen wird, erhalten auch manche Pralinen, Nüsse oder Kaffeebohnen ihre schillernde Optik.

FEHLENDE KENNZEICHNUNGSPFLICHT Die genannten Beispiele sind nur eine Auswahl von versteckten tierischen Inhaltsstoffen. Hinzu kommt, dass die Begriffe „veggie“, „vegetarisch“ und „vegan“ nicht gesetzlich definiert sind. Viele Hersteller werben mit selbst eingeführten Veggie-Labels. Vegetarier und Veganer haben Gründe dafür, warum sie auf Fleisch oder ganz auf tierische Produkte verzichten. Die pflanzliche Ernährung ist eine bewusste, meist ethisch-moralische Entscheidung gegen das Leid der Tiere in der heutigen Intensivtierhaltung. Verstecken sich Schlachtabfälle oder andere tierische Produkte in vermeintlich veganen Lebensmitteln, wird der Käufer nicht nur getäuscht, sondern auch in seiner Freiheit eingeschränkt, sich gänzlich für eine bestimmte Ernährungsform und einen bestimmten Lebensstil zu entscheiden. Der Deutsche Tierschutzbund begrüßt daher die Bestrebungen auf EU- und Bundesebene, eine eindeutige Kennzeichnung von vegetarischen und veganen Produkten einzuführen.

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www.duunddastier.de/vegane-label Wie erkennen Sie vegetarische und vegane Produkte? Wir geben Ihnen auf unserer Internetseite einige Tipps.

Es ist üblich, die Trübstoffe in Säften und Weinen innerhalb des Produktionsprozesses mithilfe von Gelatine, Eiklar, Milcheiweiß oder den Schwimmblasen von Fischen zu entfernen.

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TIERISCH MOBIL

In Reih und Glied warteten 50 nagelneue Autos der Marke Opel Combo auf ihre neuen Besitzer. Und die hatten sich schon wochenlang auf den Tag der Übergabe gefreut. Tierschutzvereine aus ganz Deutschland waren dafür nach Paderborn gekommen. Von Nadia Wattad

Judith Schönenstein, Tierheimberaterin beim Deutschen Tierschutzbund, demonstriert das Verladetraining mit ihrem Hund Da Vinci.

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Unter dem Motto „Tierisch mobil – Tierschutz unterwegs“ hat der Deutsche Tierschutzbund 50 Tierhilfewagen an Mitgliedsvereine übergeben. Die Freude darüber war riesig, denn die Tierschutzvereine und ehrenamtlichen Helfer sind in ihrem Arbeitsalltag auf die Fahrzeuge angewiesen – sei es bei Tierrettungen, Fahrten zum Tierarzt oder dem obligatorischen Transport von Futtermitteln. Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, machte keinen Hehl daraus, dass der Verband mit der Investition von 750.000 Euro eine Pflichtaufgabe der Kommunen übernimmt: „Die Kommunen nehmen sich zunehmend zurück und nutzen

den karitativen Tierschutz für die Finanzierung ihrer Probleme.“ Schröder betonte, dass der Kauf der Autos nur durch die finanzielle Unterstützung so vieler tierlieber Menschen möglich war und dank der intensiven Verhandlungen mit Opel durch Schatzmeister Jürgen Plinz. Die neuen Tierhilfewagen von Opel sind so ausgestattet, dass sie speziell für den sicheren Transport lebender Tiere geeignet sind. So sorgen eine Klimaanlage und eine spezielle Entlüftung für angenehme Temperaturen und Luft im Fahrzeuginneren. Durch ein Trenngitter können Hunde zusätzlich mit einer Leine gesichert werden.


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1 V. l. n. r.: Bernhard Rosenthal (Opel), Thomas Schröder (DTSchB), Frank Hägele (Direktor Großkunden, Opel), Judith Schönenstein (DTSchB). 2 Thomas Schröder (links) und Vizepräsidentin Renate Seidel (rechts), zusammen mit dem Tierschutzverein Luckau. 3 Beim ADAC-Fahrsicherheitstraining lernen die Fahrer, auch unter erschwerten Bedingungen mit dem neuen Fahrzeug auf der Spur zu bleiben.

© Fotos: Deutscher Tierschutzbund e. V.

FAHRPRAXIS UND THEORIEEINHEITEN Damit die Mitarbeiter in den Tierheimen ihr Wissen über das Einladen und den Transport von Tieren und ihre Fahrpraxis auffrischen konnten, hatte sich der Verband ein besonderes Rahmenprogramm ausgedacht. Auf dem Verkehrsübungsplatz des ADAC in Paderborn konnten die Fahrer ein Fahrsicherheitstraining absolvieren. Unter dem fachkundigen Blick des ADACTeams fand dieses in vier Gruppen statt. „Das war wirklich ein Erlebnis“, berichteten einige Tierheimmitarbeiter. So mussten Beim Fahrtraining geraten die Fahrer unter die Fahrer ins Schwitzen. anderem Wasserhindernissen ausweichen und auf unterschiedlichen Untergründen bremsen. Doch auch die Trockenübungen kamen nicht zu kurz. Mithilfe ihres Hundes Da Vinci demonstrierte Judith Schönenstein, Tierheimberaterin beim Deutschen Tierschutzbund, wie Hunde im Auto sicher untergebracht sind. Sie betonte, wie wichtig es sei, die Tiere vor einer Fahrt daran zu gewöhnen, in eine Box zu gehen. „Hunde lernen sehr schnell, dass ihnen in der Box nichts passiert. Lassen Sie den Hund an der Leine einfach ein paarmal rein- und rausgehen, wenn die Box auf dem Boden steht. Füttern Sie ihn mit ein paar Brocken, wenn er in der Box ist“, so Schönenstein. So etwas ließe sich auch im stressigen Tierheimalltag einbauen. Am Ende des Tages waren rundum glückliche Gesichter zu sehen – auch bei Frank Hägele, Opel-Direktor

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Verkauf Groß- und Gewerbekunden. „Wir sind sehr froh, dass der Opel Combo dabei hilft, die Arbeit deutscher Tierheime zu erleichtern. Durch seine Vorteile beim Beladen und mit seinem riesigen Laderaum ist der Combo der ideale Transporter für Mensch und Tier“, so Hägele. Neben dem auffällig bedruckten Auto mit dem Motiv des Deutschen Haustierregisters (DHR) und einem Katzenmotiv mit Spendenaufruf erhielt jeder anwesende Tierschutzverein von Opel ein Starter-Transport- und Sicherungskit. Der Deutsche Tierschutzbund sponserte eine DHR-Box mit Infomaterial. Zudem ist jedes Auto mit den Adressdaten des jeweiligen Tierheims beschriftet. Für die Mitgliedsvereine und auch den Deutschen Tierschutzbund ging ein ereignisreicher Tag zu Ende. „Ganz sicher werden wir noch weitere Tierhilfewagen anschaffen und unsere Mitgliedsvereine weiter aktiv unterstützen. Dies ist nur durch die Treue unserer Förderinnen und Förderer möglich“, teilte Schröder den Anwesenden mit.

WEB www.duunddastier.de/ tierhilfewagen

In einer Bildergalerie finden Sie noch weitere Impressionen von dem Tag.

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TIERSCHUTZ IM MITTELPUNKT

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2 1 Mitte: Dr. Anton Hofreiter (Bündnis 90/Die Grünen) im Gespräch mit dem DTSchB. 2 V. l. n. r.: MdB Rita Hagl-Kehl, Mitglied im Ausschuss für Ernährung und Landwirtschaft, MdB Wilhelm Priesmeier, Sprecher der Arbeitsgruppe Ernährung und Landwirtschaft der SPD-Bundestagsfraktion, im Gespräch mit Renate Seidel (Vizepräsidentin) und Präsident Thomas Schröder (DTSchB).

Forderungen nach mehr Tierschutz begleiteten die weltgrößte Agrarmesse Internationale Grüne Woche in Berlin bereits vor ihrem Beginn. Der Deutsche Tierschutzbund informierte in diesem Rahmen über neue Entwicklungen beim Tierschutzlabel „Für Mehr Tierschutz“ und erneuerte die Systemkritik an der Intensivtierhaltung. Von Nadia Wattad

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© Fotos: Deutscher Tierschutzbund e. V.

1 MdB Rita Stockhofe (CDU, 2. v. l.) und MdB Hermann Färber (CDU, 3. v. l.) besuchen den Labelstand des DTSchB. 2 Die Landwirte fahren mit den Traktoren ein. 3 MdB Alois Gerig (CDU, 2. v. l.) und MdB Dieter Stier (CDU, 4. v. l.) am Labelstand. 4 Zahlreiche Mitglieder der SPD-Fraktion unterstützen die Demo. 5 Bundesminister Christian Schmidt (3. v. l.) im Gespräch mit Thomas Schröder. 6 Die Demo „Wir haben es satt!“ zieht Tausende Menschen an.

Mit dem traditionellen Eröffnungsrundgang des Bundeslandwirtschaftsministers Christian Schmidt begann die diesjährige Internationale Grüne Woche (IGW). Dieser sagte, dass es angesichts niedriger Preise auch um ein größeres Verständnis dafür gehe, dass Regionalität, Tierwohl und nachhaltige Produktion ihren Preis wert seien. Auch die eher fachlich orientierten Diskussionen wurden auf der Grünen Woche fortgesetzt. In einem vom Deutschen Tierschutzbund initiierten Workshop zur Ferkel-

kastration mit Betäubung setzten sich Experten unter anderem mit der Herausforderung auseinander, dass das Betäubungsgas Isofluran bislang für Schweine nicht offiziell zugelassen ist. Dabei ging es sowohl um Übergangslösungen als auch darum, wie die Hersteller bewegt werden können, endlich die für eine offizielle Zulassung erforderlichen Maßnahmen einzuleiten. Mehr Tierwohl, Tierschutz und der Anspruch, in der Breite verändern zu wollen – aus diesen Gründen

hat der Deutsche Tierschutzbund sein zweistufiges Tierschutzlabel auf den Weg gebracht. Die Produkte, die das Label tragen dürfen, sind umfassend und sollen stetig erweitert werden. Bisher gibt es das Label für Masthühner und Mastschweine. Auf der diesjährigen IGW stellte der Deutsche Tierschutzbund das Tierschutzlabel für Legehennen vor und kündigte das Label für Milchkühe an, das im Spätherbst geplant ist. „Wir haben unser Ziel weiterhin im Blick, in der Breite allen landDU UND DAS TIER 1/2016

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1 Beim Empfang des Tierschutzlabels herrscht großer Andrang. 2 Prof. Dr. Harald Grethe (BMEL) hält eine Ansprache. 3 Vizepräsident Werner Hilse vom Bauernverband. 4 Franz Schemmer, Label-Geflügellandwirt. 5 Links: Dr. Brigitte Rusche, Vizepräsidentin DTScHb, im Gespräch.

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Globus, Robin Goudsblom und Prof. Dr. Horst Lang, standen auf der Pressekonferenz des Deutschen Tierschutzbundes ebenfalls Rede und Antwort. „Wir haben mit dem Deutschen Tierschutzbund einen sehr seriösen Vertreter für tierschutzrelevante Themen auf dem deutschen Markt, und wir sind froh darüber, dass wir ein solches Zeichen gerade bei der Legehennenhaltung setzen können“, so Lang. Goudsblom: „Unser Ziel ist es, Eier mit dem Label des Deutschen Tierschutzbundes flächendeckend anzubieten.“ Bei Lidl sind die Eier seit März in 400 Filialen erhältlich und Globus bietet die Eier bundesweit im Handel an. Im Rahmen der IGW präsentierte der Deutsche Bauernverband auch einen Erlebnis-Bauernhof. Damit meinte dieser Verband zeigen zu müssen, wie eine ideale Tierhaltung auszusehen hat. Nachhaltiger Tierschutz war da aus Sicht des Deutschen Tierschutzbundes eher Mangelware.

GROSSER ANDRANG BEIM LABELEMPFANG Der Empfang des Tierschutzlabels war auch in diesem Jahr ein voller Erfolg. Die Maxime, dass der Deutsche Tierschutzbund für einen offensiven, konstruktiven und nicht konfrontativen Dialog steht, spiegelte auch der Empfang wider. Der Einladung waren zahlreiche Vertreter aus Politik und Landwirtschaft, Vermarktungspartner und Vertreter des Lebensmitteleinzelhandels gefolgt. Erstmals hielt ein Vertreter des Deutschen Bauernverbandes, Vizepräsident Werner Hilse, stellvertretend für den erkrankten Johannes Röring, ein Grußwort. „Heute verbindet uns mehr als es damals der Fall war. Vor allem das Engagement des Deutschen Tierschutzbundes speziell im Bereich der Nutztierhaltung. Leider wird der Königsweg

© Fotos: Deutscher Tierschutzbund e. V.

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wirtschaftlich gehaltenen Tieren rasch Verbesserungen zukommen zulassen“, so Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. Betriebe, die ihre Eier bislang unter „KAT Tierschutz geprüft“ vermarktet haben, können nun – nach den Geflügel- und Schweinelandwirten – seit dem ersten Januar 2016 das zweistufige Tierschutzlabel des Verbandes tragen. Hierfür hat der Deutsche Tierschutzbund mit dem Verein für kontrollierte alternative Tierhaltungsformen (KAT) einen Kooperationsvertrag abgeschlossen. „Ich bin froh, dass wir heute mit den Legehennen die nächste Tierart im Programm haben – mit noch besseren Tierschutzstandards, als es die bisherige Boden- und Freilandhaltung geschafft hat“, so Schröder. Konkret profitieren die Legehennen von mehr Platz, mehr Beschäftigung und nicht amputierten Schnäbeln. Friedrich-Otto Ripke, Vorsitzender von KAT und Staatssekretär a. D. ergänzt: „Heute erleben Sie, dass das KAT-Siegel und das des Deutschen Tierschutzbundes nebeneinander stehen – als starke Allianz.“ Bisher führte KAT die unter dem Tierschutzlabel geführten Eier als „Tierschutz geprüft“. Dies hatte 2008 der Deutsche Tierschutzbund mit dem Bundesverband Tierschutz und dem Bund gegen Missbrauch der Tiere für KAT entwickelt. Das „Tierschutz geprüft“-Siegel wurde nun auf das Tierschutzlabel des Deutschen Tierschutzbundes übertragen. „Damit gestalten wir diesen Mehrwert an Tierschutz für den Verbraucher einheitlicher und transparenter“, so Ripke. Nach der Eierkennzeichnung eins, zwei und drei ist damit das Ziel von weiteren Verbesserungen innerhalb der Systeme in Sicht. Eier mit dem Tierschutzlabel sind seit Januar bereits bei Globus, Hit, Famila und Lidl erhältlich, seit Februar auch bei Edeka Südwest. Die Vertreter von Lidl und


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V. l. n. r.: Thomas Schröder (Präsident DTSchB), Robin Goudsblom (Lidl), Prof. Dr. Horst Lang (Globus) und Friedrich-Otto Ripke (KAT-Vorsitzender) besiegeln die Zusammenarbeit.

noch weit weg sein“, so Hilse. Daher seien alle Aktivitäten, die dazu führen, einem gesellschaftlichen Anspruch näher zu kommen, richtig und gut. Die Breitenwirkung sei jedoch wichtig. So fragte er sich, was es ausschließe, wenn neben dem, was die Wirtschaft auf den Weg gebracht hat, integriert ein Label mitkreiert würde. „Ob vom Tierschutzbund oder dem Staat, das müssen wir dann sehen.“ Darüber müsse man gemeinsam nachdenken.

EINBLICK IN DIE PRAXIS Franz Schemmer ist mit Herzblut Landwirt. Er bewirtschaftet seinen Geflügelhof bereits in sechster Generation. Zunächst führte er seinen Hof unter dem PrivathofSiegel von Wiesenhof. „2011 ging dann alles sehr schnell. Dank der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) wurden gesicherte Maßstäbe gefunden; die Zertifizierung mit dem Tierschutzlabel war das i-Tüpfelchen“, so Schemmer. Seine Masthühner haben seitdem Pickstangen, Strohballen und einen Kaltscharrraum. Das alles sei natürlich mit hohen Kosten und einem größeren Hygieneaufwand verbunden, doch er freut sich darüber, wie gut es seinen Hühnern jetzt geht. Inzwischen bekäme er viel Anerkennung für seine Arbeit, so zum Beispiel Briefe von Kunden, die ihre Wertschätzung für den

Schritt hin zu mehr Tierschutz ausdrücken. Er empfinde es als eine gute Entwicklung, gemeinsam statt nebeneinander diese Vorbildentwicklung in der Geflügelhaltung anzugehen. Prof. Dr. Harald Grethe, Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), bekräftige in seinem Grußwort, dass das Tierschutzlabel der richtige Weg sei: „Tierschutz in der Nutztierhaltung ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen – auch in der Agrar- und Ernährungswirtschaft – und das ist gut so. Ich glaube, keiner hat mehr Zweifel daran, wie wichtig es ist, das Tierwohl in den nächsten Jahren deutlich zu erhöhen.“ Um die Herausforderungen zu bewältigen, passiere aber immer noch viel zu wenig. Laut den Berechnungen des wissenschaftlichen Beirates würden für mehr Tierschutz drei bis fünf Milliarden Euro benötigt – und das jedes Jahr. Schließlich müsse die Umsetzung für die Landwirte auch finanziell ermöglicht werden. „Ohne das Geld wird es uns nicht gelingen, ein deutlich höheres Niveau für mehr Tierschutz umzusetzen“, so Grethe. Hier ist eine Strategie gefordert, die aus mehreren, sich ergänzenden Säulen bestehen sollte: „Die stärkere Ausrichtung der Agrarpolitik auf den Tier-

Im Rahmen der Grünen Woche besiegelte der Neuland-Verein für tiergerechte und umweltschonende Nutztierhaltung mit seinem „Stallgassenfest“ nach einjähriger Pause einen symbolischen Neuanfang. Im Frühjahr 2014 wurde Neuland durch einen Betrugsskandal erschüttert. Neben vielen anderen geladenen Gästen waren an diesem Abend auch zahlreiche politische Vertreter aus den Ländern und dem Deutschen Bundestag erschienen. Vertreter der Bundesregierung fehlten. Jochen Dettmer, zuständig für politische Kommunikation, bestätigte, dass Neuland nach dem Betrugsskandal schwierige Monate hinter sich habe. Aus der Krise habe man aber gelernt und einen neuen Dialog des Vertrauens begonnen. Neuland wird seine Arbeit fortführen und sich weiterhin gemeinsam mit den Landwirten für ein besseres Leben der landwirtschaftlich genutzten Tiere einsetzen.

V. l. n. r.: Prof. Dr. Hubert Weiger (BUND), Prof. Dr. Harald Grethe, Staatssekretärin Dr. Beatrix Tappeser (Hessen), Martin Schulz, Minister Christian Meyer (Die Grünen) und Thomas Schröder.

schutz, sowohl im Ordnungsrecht wie auch in der Förderpolitik, freiwillige Lösungen wie die Brancheninitiative und ein bekanntes und sektorales Tierschutzlabel, am besten ein staatliches Label“, sagt Grethe. Nach dem Empfang fand noch ein reger Austausch statt. Bei veganen Häppchen klang der Abend am gut besuchten Stand des Deutschen Tierschutzbundes mit Rückenwind für das Tierschutzlabel aus. DU UND DAS TIER 1/2016

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Im Rahmen der Internationalen Grünen Woche in Berlin haben 23.000 Menschen für eine Wende in der Agrarpolitik demonstriert.

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1 Bauern aus ganz Deutschland führen die Demo mit ihren Traktoren an. 2 Gerd Fischer (1. v. l.) ist mit zahlreichen Tierschützern aus Thüringen nach Berlin gekommen.

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„Eine solche Bewegung hat es selten in dieser Republik gegeben. Wir sind kräftig und wir sind stark. Wir hier auf dem Platz sind die Mitte der Gesellschaft und wir wollen einen anderen Umgang mit Tier und Umwelt“, so Thomas Schröder in seiner Rede vor dem Bundeskanzleramt. 23.000 Menschen sind an diesem Tag dem Aufruf eines breiten Bündnisses aus Tierschützern, Verbraucher-, Umwelt- und Bauernorganisationen gefolgt und gemeinsam für eine Agrarwende auf die Straße gegangen. Das Bündnis „Meine Landwirtschaft“ hatte die Demonstration organisiert.

GEMEINSAMES ZIEL Angeführt von einer beeindruckenden Kolonne aus 130 Traktoren

zog die Menschenmenge, darunter viele Mitglieder des Deutschen Tierschutzbundes, der angeschlossenen Landesverbände und Tierschutzvereine, durch Berlin. In Tierkostüme gekleidet, mit Trillerpfeifen, bunten Fahnen und Plakaten ausgestattet, Bauern und Imker in Arbeitskleidung – an diesem Tag hatten Ein hoher Anteil des alle ein Tierleids ist durch den gemeinGesetzgeber gedeckt. sames Ziel: die Politik dazu aufzufordern, den Missständen in der Landwirtschaft ein Ende zu bereiten. „Wir sind hier, damit endlich Schluss ist mit der tierschutzwidrigen Massentierhaltung. Es ist Tierquälerei“, so Renate Seidel, Vizepräsidentin des Deutschen Tier-

© Fotos: Deutscher Tierschutzbund e. V.

Von Verena Jungbluth


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1 Zahlreiche Landesverbände und Tierschutzvereine demonstrieren gemeinsam mit dem Verband. 2 Auch Mitglieder des Tierheims Mühlhausen reisten an. 3 Als Bäume verkleidete Stelzenläufer eskortieren den Deutschen Tierschutzbund. schutzbundes, die gemeinsam mit Tierschützern aus Brandenburg angereist war. Die Liste der Missstände ist lang. Immer größere Ställe, immer höhere Leistung und immer billigere Angebote – den Preis dafür bezahlen vor allem die Tiere. „Wir müssen unbedingt von diesen Megafabriken weg und zurück zur bäuerlichen Landwirtschaft“, sagte Kerstin Lenz, Vorsitzende des Landesverbands Mecklenburg-Vorpommern des Deutschen Tierschutzbundes. Wenn der Profit im Mittelpunkt steht, wird auf Tiere, Menschen und Umwelt häufig wenig Rücksicht genommen. Viele Landwirte sind in ihrer Existenz bedroht. Die Exporte von deutschem Billigfleisch zerstören sogar lokale Märkte in Afrika. „Ich finde es toll, dass jedes Jahr ein breites Bündnis für die Agrarwende auf die Straße geht und sagt: Wir haben satt, was passiert. Tierqual, abgeholzte Regenwälder, Höfesterben, Artensterben, belastetes Grundwasser und Klimakrise – so produziert die deutsche Agrarindustrie. Wir brauchen dringend eine Agrarwende hin zu einer grünen Landwirtschaft“, so Dr. Anton Hofreiter, Vorsitzender der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen. Auch Elvira Drobinski-Weiß, verbraucherpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, hat in Berlin gemeinsam mit dem Deutschen Tierschutzbund demonstriert: „Ich sehe auf dieser Demonstration die Verbindung

zwischen Verbraucherpolitik und Tierschutz. Ich bin heute hier, weil ich das auch in der Politik ganz stark konkretisieren möchte. Wir müssen die Notbremse ziehen und gucken, welche andere Form von Landwirtschaftspolitik wir betreiben können.“

IN BEWEGUNG Eine tiergerechte Haltung verwirklichen, starke Strukturen im ländlichen Raum erhalten, gentechnikfrei, umwelt- und klimafreundlich wirtschaften – das sind die gemeinsamen Ziele. „Die normale Agrarwirtschaft hat teilweise immer noch nicht mitbekommen, dass die Verbraucher etwas anderes wollen“, so Holger Sauerzweig-Strey, erster Vorsitzender des Landestierschutzverbands Schleswig-Holstein. „Die Bundesregierung soll von den Erklärungen loskommen und in der Praxis umsetzen, was notwendig ist“, fordert Gerd Fischer, Vorsitzender des Landestierschutzverbandes Thüringen, der mit rund vierzig Tierschützern aus Thüringen angereist war. Auch der Handel muss endlich seine ethische Verantwortung wahrnehmen und auf Billigangebote verzichten. Es hat sich einiges getan in den letzten Jahren. Die Diskussion um die Massentierhaltung war noch nie so groß. „Ich bin mir sehr sicher, dass die nächsten fünf Jahre ganz entscheidend sind“, so Jürgen Plinz, Schatzmeister des Deutschen Tierschutzbundes.

DER KRITISCHE AGRARBERICHT 2016 Zum Auftakt der Internationalen Grünen Woche in Berlin präsentierte das AgrarBündnis, das derzeit aus 24 unabhängigen Organisationen aus Landwirtschaft, Umwelt-, Natur- und Tierschutz sowie Verbraucher- und Entwicklungspolitik besteht, den „Kritischen Agrarbericht 2016“. Schwerpunkt des 320-seitigen Jahrbuches ist das Thema „Wachstum“. In insgesamt elf Kapiteln beschäftigen sich die Autoren mit der gängigen Praxis der Agrarindustrie und beleuchten deren Auswirkungen auf die Landwirte, den Markt, die Verbraucher, die Umwelt, den Welthandel sowie den Tierschutz. Das AgrarBündnis wendet sich mit der aktuellen Ausgabe des „Kritischen Agrarberichts“ gegen eine Wachstumslandwirtschaft ohne Wertschöpfung und zeigt gleichzeitig politische und praktische Alternativen auf. „Wachstum ist auch in der Landwirtschaft längst kein Indikator mehr für Wohlstand“, so Frieder Thomas, Geschäftsführer des AgrarBündnisses. Ein deutliches Signal, dass eine Veränderung in der Gesellschaft stattfindet, war die mit dem AgrarBündnis bestrittene Demonstration „Wir haben es satt!“.

WEB www.duunddastier.de/igw2016

Auf unserer Website finden Sie weitere Eindrücke von der Internationalen Grünen Woche und der Demonstration. Zudem bieten wir Ihnen weitere Hintergrundinformationen zum Tierschutzlabel. DU UND DAS TIER 1/2016

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TIERSCHUTZ ZUM ANFASSEN Wie es sich anfühlt, wenn ein Schwein auf einem Spaltenboden steht oder ein Huhn in der Streu nach Körnern pickt, zeigte die Jugendabteilung des Deutschen Tierschutzbundes an ihrem Stand auf der Internationalen Grünen Woche (IGW) in Berlin. Von Irmina Madaj

Wer am Stand des Deutschen Tierschutzbundes auf der IGW vorbeiging, konnte nicht der Versuchung widerstehen, mit seiner Hand in die Fühlkisten zu greifen, um zu ertasten, was sich darin verbirgt. Nach einem ersten ungläubigen Blick zogen die Kinder und Erwachsenen auch neugierig die Schubladen auf und begutachteten die Modellställe der Schweine und Masthühner. Aussagen wie „Wow, sind das viele Hühner“ oder „Der Stall mit Stroh ist der beste“ kamen schnell aus den Mündern von Kindern. Statt auf lange Erklärungen und den erhobenen Zeigefinger setzte die Jugendabteilung mit den zum Ausprobieren anregenden Standelementen auf das eigene Erleben.

SCHULKLASSEN ZU BESUCH Es wurde gewühlt, verglichen, geschoben und schnell begriffen, unter welchen Bedingungen es Tieren in der Landwirtschaft besser geht. Zusätzlich zur Aufklärung am Stand konnten Schulklassen eine Unterrichtsstunde zum Thema „Tierschutz im Einkaufskorb“ absolvieren. Die Lehrer der teilnehmenden Berliner Schulen waren begeistert und dankbar für das abwechslungsreich gestaltete Angebot und die zur Verfügung gestellten Unterrichtsmaterialien.

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1 Irmina Madaj, Referentin für Jugendtierschutz, übt sich am Modellstall der Legehennen. 2 Eine umfunktionierte Kommode lädt zum Erfahren mit allen Sinnen ein.


JUGEND

BONN

VOM TIERFREUND ZUM TIERSCHÜTZER

www.tierschutzbund.de/ jugendtermine Stöbern Sie in dem umfangreichen Veranstaltungsangebot für Kinder und Erwachsene.

Kinder und Jugendliche mögen Tiere und sehen in ihnen Freunde und Begleiter, denen sie alles erzählen können. Vom jungen Tierfreund zum Tierschützer – das ist das Anliegen der mehrtägigen Angebote und Workshops der Tierschutzjugend innerhalb der Landesverbände. Mit viel Kreativität werden die vielen Themen von erfahrenen Gruppenleitern aufbereitet. Ziel ist es dabei immer, die Kinder und Jugendlichen nicht nur über einen Aspekt der Themen Heimtierhaltung, Wildtiere oder Landwirtschaft aufzuklären, sondern Entscheidungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Bei den schwierigen und oft traurigen Sachverhalten ist es der Tierschutzjugend sehr wichtig, auch den Spaß und die Gemeinschaft zu fördern. Lustige Stationen einer Rallye, bunte Protestfahnen oder intensive Naturerlebnisse stellen einen Ausgleich zur notwendigen, aber manchmal doch trockenen Theorie dar. Erwachsene bilden den wichtigsten Stützpfeiler der Jugendarbeit. Wer als Leiter eine Gruppe neu gründen oder bei den mehrtägigen Veranstaltungen unterstützen möchte, kann sich in Schulungen, die die Landesverbände des Deutschen Tierschutzbundes anbieten, im Bereich der Erwachsenenbildung Input holen. Neben fundierten Kenntnissen zu Aufsicht und Gruppendynamik ist der direkte Austausch mit anderen Gruppenleitern motivierend. Zudem bringt er viele Anregungen für die eigene Arbeit.

BONN

TIERSCHUTZLEHRER BRINGEN TIERSCHUTZ AN DIE SCHULEN

© Fotos: Deutscher Tierschutzbund e. V.; lukiv007 - Fotolia

Die bereits seit vier Jahren vom Deutschen Tierschutzbund angebotene Tierschutzlehrer-Weiterbildung findet guten Anklang. Bisher haben 68 Tierschutzlehrer aus dem gesamten Bundesge-

biet diese Ausbildung erfolgreich absolviert. Diese können von Lehrern für den praxisnahen Tierschutzunterricht in der Schule hinzugezogen werden. Ein Podcast, den der Verband auf seinem YouTube-Kanal veröffentlicht, gibt Einblicke in die Tierschutzlehrer-Weiterbildung, die im März zum fünften Mal startet. Ziel ist es, den Kindern zu ermöglichen, Tierschutz spielerisch zu erfahren. Hauptbestandteil des Tierschutzunterrichts ist die praktische Arbeit. Dazu zählt vor allem, dass die Kinder Dinge selbst ausprobieren können. Zudem erarbeiten die Tierschutzlehrer Lösungsansätze zum Tierschutz, sei es für Tiere zu Hause, im Bereich Wildtiere oder beim Thema Landwirtschaft.

www.duunddastier.de Blicken Sie in einem Video hinter die Kulissen der Tierschutzlehrer-Ausbildung. DU UND DAS TIER 1/2016

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Wohin mit den Exoten, für die nicht alle Tierheime gerüstet sind? Im Tierschutzzentrum Weidefeld entsteht ein Reptilienhaus, eine Anlage für Schildkröten und eine neue Quarantänestation für Papageien. Von Verena Jungbluth

Als Schmuckstück in einer schicken Vitrine oder als Statussymbol neben dem Fernseher – exotische Tiere sind Trend in deutschen Wohnzimmern. Vom Ara bis zum Rosenkopfpapagei, von der Bartagame bis hin zur Anakonda – über das Internet, Tierbörsen oder auch den Zoofachhandel ist nahezu jedes dieser Tiere käuflich. Allerdings sind anspruchsvolle Reptilien keine geeigneten Haustiere für jedermann. Eine tiergerechte Haltung in Privathand ist kaum möglich.

Illegaler Handel und illegale Fangmethoden gefährden Tiere, Artenvielfalt und Umwelt. Viele Papageien und Reptilien langweilen sich in ihren trostlosen Käfigen und Terrarien sprichwörtlich zu Tode. Andere leiden schon, bevor sie in die Hände von Privatleuten gelangen. Eine große

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Anzahl der Reptilien sind Wildfänge, die in Säcken oder Kisten über lange Strecken nach Deutschland transportiert werden. Auf diesem Weg schmuggeln Tierhändler auch viele vom Aussterben bedrohte Reptilien und Amphibien hierher und verkaufen sie auf Tierbörsen „unter dem Ladentisch“ oder über das Internet.

ENDSTATION TIERHEIM Hat sich der Traum vieler Menschen erfüllt, sich ein exotisches Tier anzuschaffen, sind sie oft schon nach kurzer Zeit mit der Haltung der Tiere überfordert. Zum einen ist ihnen nicht bewusst, dass beispielsweise das erworbene Reptil oft noch nicht ausgewachsen ist und es ihnen zudem gefährlich werden kann. Zum anderen unterschätzen sie die aufwendige Versorgung und die Kosten. Die Folge: Viele Halter setzen ihr Tier einfach aus oder geben es im Tierheim ab. So müssen immer mehr Tierheime auch Wildtiere aufnehmen. In den beim Deutschen Tierschutzbund angeschlossenen Mitgliedsvereinen sind in den letzten fünf Jahren rund 30.000 Reptilien gelandet. Dazu zählten überwiegend verschiedene Wasserschildkrötenarten, aber auch Landschildkröten, Bartagamen und Nattern sowie gefährliche Arten wie Schnappschildkröten, Riesenschlangen oder Warane.

© Fotos: Tierschutzverein Pforzheim und Umgebung e. V., Tierschutzverein des Landkreises Garmisch-Partenkirchen e. V., Deutscher Tierschutzbund e. V. (1, 2)

WEIDEFELD WIRD EXOTISCH


PROJEKTE

DAS REPTILIENHAUS Um die Tierheime zu unterstützen, hat der Deutsche Tierschutzbund gleich mit mehreren Bauprojekten begonnen. Noch in diesem Jahr entstehen im Tierschutzzentrum Weidefeld auf insgesamt 400 Quadratmetern ein Reptilienhaus und eine Anlage für Wasser- und Landschildkröten. Die Versorgungsleitungen und die Fundamente sind bereits gelegt. Die Fertigstellung soll laut Plan noch im Herbst dieses Jahres erfolgen. Durch das Projekt finden im Tierschutzzentrum bald schwer bis gar nicht vermittelbare Reptilien ein tiergerechtes Zuhause. Die Tiere, die Veterinärämter im Umland beschlagnahmen oder die Tierschutzvereine bisher aufgenommen haben, finden im Reptilienhaus eine Unterkunft auf Zeit. Ziel ist, diese Tiere langfristig in sachkundige Hände zu vermitteln. Zusätzlich zu einer Quarantäne- und einer Krankenstation sowie einem Raum für tierärztliche Behandlungen wird das Reptilienhaus aus zwei Räumen mit mehreren Terrarien Die Objekte sind so geplant, und Volierenanladass die Tiere dort ganzjährig gen bestehen. Diese leben können. sind so groß und so flexibel gestaltet, dass dort sowohl kleinere als auch größere Reptilien leben können. Zudem soll das Baukonzept ermöglichen, mehrere Terrarien miteinander zu verbinden, um die Tiere dort sowohl einzeln als auch in Gruppen unterzubringen. Für die Wasserschildkröten ist ein Areal mit zwei großen Gewächshäusern und mehreren angrenzenden Außenteichen geplant. Dort können die Tiere und Arten vergesellschaftet oder einzeln gehalten werden. Ein weiteres Gewächshaus mit einem großen und abwechslungsreich gestalteten unterteilbaren Freilaufgelände soll Landschildkröten zukünftig als Lebensraum dienen.

PAPAGEIENQUARANTÄNE Zusätzlich zum Reptilienhaus hat in Weidefeld der Bau einer neuen Quarantänestation für Papageien be-

gonnen. Das bereits bestehende Papageienhaus wird um ein separates Haus mit vier Volieren und einem Behandlungsraum erweitert. Gerade für Papageien ist eine Quarantänestation besonders wichtig, da viele der Tiere an „schlummernden“ Viruserkrankungen leiden, die unter Stress ausbrechen können. Um sicherzugehen, dass sich die Papageien nicht gegenseitig anstecken, sollten Neuankömmlinge zunächst bis zu drei Monate separat leben. Das neue Projekt fordert auch die Mitarbeiter des Tierschutzzentrums heraus: Die Tierpfleger bereiten sich derzeit mit Seminaren, Praktika und dem Erwerb des entsprechenden Sachkundenachweises auf die neue Tätigkeit vor. „Die Beherbergung weiterer Tierarten ist nicht nur eine Hilfestellung für Tierheime, sondern auch für uns eine große und spannende Aufgabe, die unseren Tierpfleger-Auszubildenden die Möglichkeit bietet, sich ein noch umfassenderes Wissen anzueignen“, so Katrin Umlauf, die Leiterin der Einrichtung.

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1 Die Bauarbeiten für das Rep-

tilienhaus und die Anlagen für Schildkröten haben begonnen. 2 Katrin Umlauf, Leiterin des Tierschutzzentrums, füttert einen Papagei in einer Voliere.

WEB

www.duunddastier.de/reptilienhaus Verfolgen Sie den aktuellen Stand der Bauprojekte auf unserer Internetseite. Außerdem finden Sie hier alle Informationen darüber, wie Sie das Tierschutzzentrum unterstützen können.

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DEMMIN

LOUIS DARF LEBEN Es gibt kaum Worte, um das zu beschreiben, was die Mitglieder des Tierschutzvereins Demmin sahen, als das Veterinäramt sie zu einem Notfall in Malchin rief. Louis, ein Bullmastiff, war über drei Wochen alleine in einer Wohnung eingesperrt. Als die Tierschützer den Hund fanden, war er mehr tot als lebendig. Die Tierklinik wollte Louis sofort erlösen. Da aber die Organe des Hundes noch funktionierten, nahmen die Tierschützer den Kampf gegen den Tod auf. Louis war bis auf die Knochen abgemagert, wog nur noch 21 Kilogramm und konnte keinen Urin mehr absetzen, weil seine Blase voller Steine war. Der Hund hatte sehr starke Rückenschmerzen und sein Maul war von Abszessen und Wunden übersät. Nach einigen Wochen Pflege war Louis so stabil, dass die Tierärzte ihn operieren und den größten Teil der

Blasensteine entfernen konnten. Zusätzlich setzten die Ärzte Louis einen künstlichen Blasenausgang. Insgesamt kämpfte der Mitgliedsverein vier Monate um das Leben des Hundes. Und es hat sich gelohnt: Louis ist gesund. Die Tierschützer haben ihm das Leben gerettet. Gegen den Halter des Hundes hat der Verein Strafanzeige gestellt. Lesen Sie die ganze Geschichte von Louis auf der Website des Vereins: www.tsv-demmin.de/louis

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1 Noch zwei Wochen nach seiner Rettung muss Louis täglich mehrere Stunden an den Tropf. 2 Heute ist Louis dank der aufopfernden Arbeit der Tierschützer ein stattlicher Hund, der sein Leben in vollen Zügen genießt.

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ZAGREB

Das städtische Tierheim im kroatischen Zagreb feiert dieses Jahr sein 15-jähriges Bestehen. Der Mitgliedsverein Didona – Tierärzte für Tierschutz und Tierwohl – unterstützt das Tierheim schon seit Jahren bei seiner täglichen Arbeit. Dr. Tatjana Zajec, Vorsitzende des Vereins, dankte auf dem Jubiläumsfest dem Deutschen Tierschutzbund für die finanzielle Unterstützung. Der Verband hat den Aufbau des Wasser- und Abwassersystems des Tierheims mitfinanziert. Einen besonderen Dank sprach Zajec den ehrenamtlichen Helfern aus.

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Die Tierschützer des Vereins Didona setzen sich vor allem für Kastrationen von Hunden und Katzen mittelloser Halter ein, die die Eingriffe selbst nicht finanzieren können. Der von Gordana Soller gegründete Verein bietet diese kostenlosen Kastrationen in mittlerweile elf Städten an. Auch frei lebende Katzen werden in die Kastrationsprogramme einbezogen. Die Arbeit der Tierschützer hat viel bewegt: Viele Halter setzen den ungewollten Nachwuchs von Hund und Katze nicht mehr einfach aus oder ertränken die Tiere. Auch im Tierheim werden keine Tiere mehr ohne medizinischen Grund eingeschläfert. In anderen Teilen Kroatiens ist dies leider immer noch üblich. Wie Sie den Verein in seiner Arbeit unterstützen können, erfahren Sie unter: www.duunddastier.de/projekte

Im Rahmen der Jubiläumsfeier kürten die Tierschützer Ksenija Balta Marosevic zur Ehrenamtlichen des Jahres.

© Fotos: Kerstin Lenz (1und 2), Gordana Soller

15-JÄHRIGES JUBILÄUM


PROJEKTE

ITALIEN

HERAUSRAGENDER EINSATZ Der in Italien tätige Mitgliedsverein Lega pro Animale hat im vergangenen Jahr insgesamt 4.911 Hunde und Katzen kastriert. Über das ganze Jahr hinweg hat der Verein unter der Leitung von Dorothea Friz, Tierärztin und Gründerin von Lega Pro Animale, sogenannte „Spay Days“ veranstaltet, an denen die Tierschützer frei lebende Katzen aus der Region kastrierten. Außerdem haben die Tierärzte etliche Fundhunde und Hunde und Katzen aus Privathaus-

halten kastriert und mit einem Mikrochip gekennzeichnet – und das in den meisten Fällen kostenlos. Zahlreiche ehrenamtliche Helfer unterstützten das Team dabei tatkräftig. Viele der Fundhunde haben direkt im Anschluss ein liebevolles Zuhause gefunden. Nur mit diesen Maßnahmen ist es möglich, die Anzahl der frei lebenden Tiere tierschutzgerecht und nachhaltig unter Kontrolle zu bringen und das Leid der Tiere auf lange Sicht zu verringern.

NACHRUF

WIR TRAUERN UM UTE LOBÜSCHER

BERLIN

© Fotos: Michael von Lingen, Arche Noah Teneriffa e. V.

NEUJAHRSEMPFANG Bundespräsident Joachim Gauck und seine Lebensgefährtin Bettina Schadt empfingen Thomas Schröder, den Präsidenten des Deutschen Tierschutzbundes, im Schloss Bellevue. Dieser wünschte auch im Namen der über 700 im Verband organisierten Vereine und mehr als 800.000 Tierschützer ein frohes neues Jahr. In dem kurzen Gespräch konnte Schröder die Bedeutung des Tierschutzes unterstreichen.

WEB www.duunddastier.de/projekte

Der Deutsche Tierschutzbund hat mit Bestürzung erfahren, dass Ute Lobüscher, Vorsitzende des Mitgliedsvereins Arche Noah Teneriffa, verstorben ist. Fast 25 Jahre lang hat sie sich mit ganzem Herzen und größtem Engagement für das Wohl der Tiere eingesetzt. Im Jahr 1990 wollten Ute Lobüscher und ihr Mann Elmar einen schönen Urlaub auf Teneriffa erleben. Doch was sie dort sahen, veränderte ihr Leben: überall hungernde, kranke und verletzte Hunde und Katzen. Sie richteten sofort Futterstellen ein und kümmerten sich um die Tiere. Nach weiteren Flügen auf die Insel gründete Ute Lobüscher den Tierschutzverein Arche Noah Teneriffa. Neben zahlreichen Kastrationsaktionen für frei lebende Katzen in Hotel- und Ferienanlagen gelang es der Tierschützerin, auch etliche private Tierhalter dazu zu bewegen, ihre Tiere kastrieren zu lassen. Der Bau eines vereinseigenen Tierheims schaffte schließlich eine Zufluchtsstätte für die hilfsbedürftigen Tiere der Insel. Ute Lobüscher hat den Tierschutz auf Teneriffa nachhaltig verändert. Der Verband hofft nun, dass ihr Lebenswerk in ihrem Sinne fortgeführt wird, und steht der Familie und dem Verein mit Rat und Tat zur Seite.

Lesen Sie auf unserer Website weitere Berichte der uns angeschlossenen Tierschutzvereine.

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Wildtiere und Zirkus passen einfach nicht zusammen. Elefanten müssen dort mit ihrem tonnenschweren Gewicht gleichzeitig auf Kopf und Rüssel stehen und Tiger wie ein Känguru auf den Hinterbeinen vorwärts hüpfen. Die Frage, ob das im Sinne des Tierschutzes ist, kann eigentlich jeder mit einem klaren „Nein“ beantworten. Die Tiere fristen hinter den Kulissen, oft isoliert von Artgenossen oder gar angekettet, ein trauriges Leben. Die Zirkuslobby argumentiert da gerne, dass die tierunwürdigen Auftritte in der Manege und die belastenden Ortswechsel den Tieren Abwechslung und neue Reize böten – das ist Quatsch und wissenschaftlich nicht belegt. Den anderen Wildtieren ergeht es da im Zirkus nicht anders. Jüngst hat das Bayerische Umweltministerium bekannt gegeben, dass Behörden in Bayern bei fast jeder zweiten Kontrolle in Zirkussen Verstöße gegen tierschutzrechtliche Vorschriften feststellen mussten. Und die Zirkusse, die nicht offensichtlich negativ auffallen, sind meist nicht besser. Selbst wenn dort die Tiere nach den Vorgaben der Zirkusleitlinien gehalten werden, sind die daraus resultierenden Vorschriften, was unter anderem Platz und Gehege angeht, immer noch viel zu lasch. Die meisten EU-Länder hingegen sind uns hier weit voraus. So haben sich beispielsweise Österreich, Belgien, die Niederlande und Griechenland für ein Verbot von Wildtieren im Zirkus ausgesprochen. Und was macht Deutschland? Definitiv zu wenig! Der Bund empfiehlt lediglich, einige Arten nicht mitzuführen, darunter Delfine oder Pinguine, die ohnehin kein Zirkus im Programm hat. Dabei hätte es die Politik in der Hand. Ein Volker Kauder, Vorsitzender der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, stellt sich da lieber in den Mittelpunkt der schillernden Zirkuswelt und ein Gregor Gysi, ehemaliger Vorsitzender der Linksfraktion im Bundestag, übernimmt öffentlichkeitswirksam eine Patenschaft für einen weißen Inzuchtlöwen aus dem Zirkus Krone. Der Sprecher der für Tierschutz zuständigen Agrarpolitiker der CDU/CSU im Bundestag, Franz-Josef Holzenkampf, will nicht auf die „leuchtenden Kinderaugen“ im Zirkus verzichten. Und wenn sich dann der tierschutzpolitische Sprecher der Union, Dieter Stier, gegen ein Wildtierhaltungsverbot ausspricht, weiß man endgültig, welchen Stellenwert der Tierschutz bei der Union hat. Gut, dass sich für diese Posten Tierschützer mit Herz und Verstand gefunden haben … Da, wo der Bund nicht vorankommt oder nicht vorankommen will, versuchen sich zumindest die Kommunen. Und mit Hessen geht nun ein Bundesland vorbildlich in Sachen Tierschutz voran und startet den dritten Anlauf einer Bundesratsinitiative, die das Leid von Wildtieren im Zirkus endgültig beenden soll. Bis heute legt die Bundesregierung aber eine Blockadehaltung an den Tag. Der Vorstoß Hessens ist eine Chance. Wir fordern die Bundesländer auf, das Anliegen zu unterstützen. Denn nur eine bundesweite gesetzliche Regelung kann das Leid der Wildtiere beenden. Solange diese noch nicht erfolgt ist, trägt jeder, der NICHT solche Vorstellungen besucht, ein kleines Stückchen zu mehr Tierschutz bei. Wir bauen auf Sie, liebe Leser!

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Deutsches Haustierregister und Deutsches Tierdiebstahlregister 0228-60496-35 Spenden-Hotline 09001-226688 (nur aus dem deutschen Festnetz) Sie spenden € 5,00. INTERNET www.duunddastier.de www.tierschutzbund.de www.tierschutzlabel.info www.jugendtierschutz.de www.tierschutzbund.de/spendenportal SOCIAL WEB www.facebook.com/tierschutzbund www.twitter.com/tierschutz_bund www.youtube.com/tierschutzbundTV plus.google.com/+tierschutzbund

KOSTENLOSER SERVICE Melden Sie Ihr Haustier online im Deutschen Haustierregister an: www.registrier-dein-tier.de.

SPENDENKONTO des Deutschen Tierschutzbundes Sparkasse KölnBonn, BLZ: 370 501 98, Konto-Nr.: 40 444 IBAN: DE88 3705 0198 0000 0404 44 BIC: COLSDE33 Spenden sind steuerlich absetzbar. Herausgeber und Redaktion: Deutscher Tierschutzbund e. V., In der Raste 10, 53129 Bonn, Telefon: 0228-60496-0, Telefax: 0228-60496-40, Kontakt: www.tierschutzbund.de/kontakt, redaktion@tierschutzbund.de, Internet: www.tierschutzbund.de Verantwortlich im Sinne des Presserechtes: Thomas Schröder Redaktionsleitung: Nadia Wattad Mitarbeiter dieser Ausgabe: Nina Himmer, Verena Jungbluth, Irmina Madaj, Dr. Brigitte Rusche Verlag: Süddeutscher Verlag onpact GmbH, Hultschiner Str. 8, 81677 München Herstellungsleitung: Hermann Weixler, Anzeigenleitung: Christian Meitinger Grafik und Litho im Auftrag des Verlages: dworak & kornmesser Bildredaktion: Deutscher Tierschutzbund e.V. und dworak & kornmesser Abo-Service: Telefon: 089-2183–7266, Telefax: 089-2183–967266 Bezugsbedingungen: DU UND DAS TIER erscheint viermal im Jahr Bezugspreise: www.duunddastier.de/abo Druck: pva, Druck und Medien-Dienstleistungen GmbH, Landau/Pfalz ISSN 0341-56759 Das Magazin ist gedruckt auf 100 % Recyclingpapier.

Für unverlangt eingereichte Manuskripte, Fotos und sonstige Druckunterlagen wird keine Haftung übernommen. Eine Rücksendung solcher Unterlagen ist nur gegen ausreichendes Rückporto möglich. Namentlich gezeichnete Beiträge stellen die Meinung des Verfassers, nicht unbedingt auch die der Redaktion dar. Nachdruck, Übersetzungen und Vervielfältigungen, auch auszugsweise, sind nur mit Zustimmung der Redaktion gestattet. Die Redaktion behält sich die Kürzung von Leserbriefen vor. Veröffentlichte Briefe sind keine Meinungsäußerungen der Redaktion.

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Senden Sie das Foto Ihres TierschutzTieres, das möglichst 1100 Pixel breit sein sollte, an: redaktion@tierschutzbund.de

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ZURÜCK IN DIE WILDNIS Spätestens im Spätsommer heißt es für die meisten Abschied nehmen: Kaninchen und Hasen, Marder und Iltisse und auch unsere gefiederten Freunde suchen sich ein neues

✗ Ja, ich helfe Wildtierkindern und werde Pate!

Hiermit ermächtige ich den Deutschen Tierschutzbund e.V., meinen Patenschaftsbeitrag 3 Euro oder

Euro monatlich für die Wildtierkinderstation im Tierschutz-

zentrum Weidefeld per Lastschrift ab

zur Wildtierkinderpatenschaft hilft gerne weiter: Heike Berreßem Tel.: 0228-60496-29 berressem@tierschutzbund.de

HELFEN SIE WILDTIERKINDERN! Helfen Sie als Pate, kleine Wildtierbabys zu retten! Es lohnt sich: Jeder Pate erhält eine Patenurkunde, regelmäßige Infos und einmal im Jahr die Gelegenheit, das Zentrum in einer kleinen Gruppe Gleichgesinnter unter kompetenter Führung kennenzulernen.

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Revier. Sie machen Platz für verwaiste Igelbabys, die dann Einzug halten. Fast alle Tiere können wieder ausgewildert werden: Nur zu schwache oder in Deutschland ursprünglich nicht heimische Wildtiere wie beispielsweise unsere Waschbären bleiben als Dauergäste in Weidefeld. Die Rehböckchen fanden in einem nahegelegenen Wildgehege ein artgerechtes und sicheres Zuhause.

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Zu den Gästen in der Wildtier-Kinderstube zählten 2014 und 2015 erstmals auch kleine Rehböckchen. Mit gehaltvoller Erstlingsmilch alle zwei Stunden gelang es den Tierpflegern, alle durchzubringen.

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Jedes Frühjahr geht es hoch her in der Wildtierkinderstation im Tierschutzzentrum Weidefeld: Tag und Nacht rühren die Tierpfleger Milch an, geben Fläschchen, bauen Höhlen und gemütliche Nester für den verwaisten, frierenden Nachwuchs.

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Das Marderbaby passt bequem in eine Hand, ebenso die winzigen Kaninchen und die drei neugeborenen Igelkinder. Wer in Norddeutschland ein hilfloses Wildtierjunges findet, bringt es in die Aufzuchtstation im Tierschutzzentrum Weidefeld. Werden Sie Pate für unsere Wildtierkinder! Engagierte Tierpfleger kümmern sich liebevoll um sie, bis sie auf eigenen Pfötchen stehen können. Unterstützen Sie dies mit einer Patenschaft.

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DU UND GLÜCKLICH. DAS TIER Ausgabe 03/2015 45. Jahrgang ISSN 0341-5759

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DU UND DAS TIER Ausgabe 02/2015 45. Jahrgang ISSN 0341-5759

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