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du und das tier 6|2013

Tierschutz aus erster Hand

43. Jahrgang | ISSN 0341-5759

Deutscher Tierschutzpreis 2013

Dank f端r tierisch gutes Engagement

FORSCHUNG

Auszeichnung f端r Kunsthaut-Modell

ANGORAWOLLE

Kaninchenqual f端r warme W辰sche

MITGLIEDSCHAFT

Tierschutz als Geschenk


Freunde fürs Leben. Als treue Freunde schenken Tiere uns Vertrauen, Zuneigung und Trost. Dafür möchten wir etwas zurückgeben. Seit über 20 Jahren unterstützen Pedigree® und Whiskas® den Deutschen Tierschutzbund und Tierheime in ganz Deutschland.

Partner des Deutschen Tierschutzbundes

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www.whiskas.de www.tierschutzbund.de


[ EDITORIAL] Thomas Schröder, Präsident

Den Ankündigungen müssen Taten folgen

FOTO: DEUTSCHER TIERSCHUTZVEREIN

Liebe Tierfreundinnen und Tierfreunde, während ich dies schreibe, haben die Mitglieder der SPD dem Koalitionsvertrag noch nicht zugestimmt. Doch am 27. November haben die Spitzen der Fraktionen von CDU, CSU und SPD ihre Pläne für die nächste Legislaturperiode vorgelegt. Wir werden jetzt konstruktiv, aber entschlossen die Taten einfordern, die mit guten Worten in diesem Vertrag versprochen sind. Unsere wichtigste Forderung, das TierschutzVerbandsklagerecht, will die Koalition nicht einführen. Das steht schon fest. Seriösen Tierschutzorganisationen verweigert sie das Recht für die Tiere vor Gericht die Stimme zu erheben. Das Ungleichgewicht zugunsten der Tiernutzer wird damit durch Schwarz-Rot verlängert. Auch wenn wir bei einzelnen Punkten in diesem Vertrag durchaus gute, erste Ansätze sehen, Tierschutzprobleme anzugehen: Ein Koalitionsvertrag ohne eine Verbandsklage ist aus Sicht des Tierschutzes enttäuschend. Umso entschlossener werden wir die kommenden vier Jahre Regierungszeit nun nutzen, um auf die Tierschutzprobleme hinzuweisen, die Schwarz-Rot nicht konkret genug oder gar nicht angesprochen hat. Es gibt viele offensichtliche, bisher ungelöste Probleme, bei denen der Leitsatz gilt: An Tierleid ist nicht nur der schuld, der es begeht, sondern auch der, der es zulässt. Daran wird sich Schwarz-Rot messen lassen. Wir sind froh, dass CDU, CSU und SPD nun endlich die Verantwortung des Bundes, der Länder und der Kommunen für den praktischen Tierschutz anerkennen. Der Handlungsbedarf ist dringend. Viele Tierheime sind an den Grenzen ihrer Möglichkeiten angekommen Auch die Ankündigungen, die Koalition bekenne sich zur Erforschung

von Ersatzmethoden zum Tierversuch und sie werde sich für EU-weit einheitliche und höhere Tierschutzstandards einsetzen, sie strebe eine flächengebundene Nutztierhaltung an und ihr Ziel sei es, tiergerechte Haltungssysteme in Deutschland zu fördern, klingen gut in den Ohren eines Tierschützers. Allerdings müssen dem auch Taten folgen – und zwar in Kürze. Wenn die Koalition ankündigt, sie werde einen „wissenschaftlichen Diskurs über Größen tiergerechter Haltung von Nutztieren auf den Weg bringen“, lässt mich das aufhorchen. Wie lange will man das Leid der Tiere in den riesigen Intensivmastställen denn noch beobachten, bevor substantielle Verbesserungen für die Tiere durchgesetzt werden? Im Januar, während der Internationalen Grünen Woche, werden wir wieder auf die Straße gehen. „Stoppt Agrarfabriken“ ist der eindeutige Wunsch der Bürger. Mit der Einführung des zweistufigen Tierschutzlabels hat der Deutsche Tierschutzbund zu Jahresbeginn einen entscheidenden Schritt hin zu mehr Tierschutz in den Ställen unternommen. Wir brauchen höhere gesetzlich Standards für die Tierhaltung in landwirtschaftlichen Betrieben. Dafür werden wir weiterhin kämpfen – und nicht nur dafür. In diesem Sinne danke ich auch Ihnen für Ihre kontinuierliche Unterstützung und für Ihr Engagement. Die Stiftung Warentest empfiehlt den Deutschen Tierschutzbund, nachdem sie in ihrer Ausgabe 12/2013 das Geschäftsgebaren verschiedener Spenden sammelnder Organisationen im Tier- und Umweltschutz untersucht hat. Über diese Anerkennung freuen wir uns sehr. Ich verspreche Ihnen: Wir werden uns auch 2014 mit aller Kraft für die Tiere einsetzen.

Herzlichst, Ihr du und das tier  6/2013  3


[ I N H A LT ]

du und das tier 6/2013 Alle Titelthemen sind mit einem

✘ gekennzeichnet

6 Kurz und knapp

Straßenhunde Stoppt Hundetötungen in Rumänien Dokumentarfilm Blackfish Keine Fiktion, sondern bittere Wahrheit Wir haben die Agrarindustrie satt Kommen Sie nach Berlin!

18

Interview: Was hat sich seit Einführung des zweistufigen Tierschutzlabels getan? Thomas Schröder ìm Gespräch.

Spanien Stierkampf zum Kulturgut erklärt Abschied Trauer um Ulrike Gross Tierversuchsstatistik Schallmauer durchbrochen Leser fragen Harmlose Stierkämpfe?

32 Draußen Nashornschmuggel Wie die Wilderer wüten

35 Hinter den Kulissen

Angorakaninchen Vier Jahre Qual für ein paar Pullover Forschung Ausgezeichnete Methode

38 Jugend Jugendländerrat Bundeweites Treffen

llwood

tzbund.de/to

www.tierschu

Tierschutzlehrer Ausbildung erfolgreich

8 Kontakt

abgeschlossen Termine

9 Aktuell

29 FOTO GROSS: MILENA SCHLÖSSER; FOTOS KLEIN: IMAGO, GÜNTHER WEINDL, DT. TIERSCHUTZBUND

Winterfestival: Tollwood und der Deutsche Tierschutzbund fordern: Schluss mit der Verstümmelung von Tieren!

Koalitionsvertrag Mehr Tierschutz wäre nötig gewesen, aber mehr ist nicht drin

10 Titelthema

Deutscher Tierschutzpreis 2013 Dankeschön für tierisch gutes Engagement, Klasse Arbeit für den Tierschutz, Packender Einsatz für arme Pferde, Solostimme für lautlose Jäger, Sonderpreis für Tierrettung

18 Projekte

Tierschutzlabel Ein guter Anfang

40 Aktuell Mecklenburg-Vorpommern Unterstützung für Tierschutzanliegen

42 Vor Ort Berlin Tierschutztag mit Preisverleihung Potsdam Aktionsbündnis Agrarwende gegründet

20 Für Sie gelesen

32

Schmuggel: Die Wilderei auf Nashörner nimmt dramatische Ausmaße an.

Garmisch Partenkirchen Wolpertinger-

22 Das vegane Rezept Festtagsbraten mit Rotwein-Pflaumensoße

24 Rückblick

Schlaglichter 2013 Schritt für Schritt mehr Tierschutz

27 Aktuell

38

Jugend An der Akademie für Tierschutz wurden neue Tierschutzlehrer erfolgreich ausgebildet.

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Wiesbaden Charity-Gala und Pfötchen-Scheck

Brunnen eingeweiht Darmstadt 140 Jahre Tierschutzverein Düsseldorf Tolle Fortschritte – große Nöte Stadland Wenig Hilfe Holzminden Verdienstmedaille für Elfriede Jonas Niedersachsen Trauer um Siegfried Mudra Würzburg Ausstellung im Rathaus

Geschenkmitgliedschaft Tierschutz kann man verschenken

Baden-Württemberg Trauer um Glarita Martin

Tollwoodwinterfestival Artgerecht statt Verstümmelung

46 Impressum


[ IM

FOKUS]

Sie wartet, wie viele andere, auf ihre Vermittlung

Tierschutzzentrum Odessa

Das verborgene Leid der Katzen

FOTO: DEUTSCHER TIERSCHUTZBUND

A

ls der Deutsche Tierschutz­ bund vor sieben Jahren in Odessa sein Tierschutzzen­ trum eröffnete, lebten rund 70.000 Hunde auf den Straßen der Stadt. Dank der erfolgreichen Strategie „Einfangen, Kastrieren, Freilassen“ sind es heute nur noch 20.000, die meisten davon bereits kastriert. Eine Erfolgsgeschichte, die Mut macht, weiteres Tierleid nachhaltig einzudämmen: das Leiden der Stra­ ßenkatzen in Odessa. Anders als Hunde leben diese Katzen versteckt, sind misstrauisch und lassen sich nicht einfangen. Doch das Tierschutz­ zentrum ist bekannt in Odessa und es hat sich herumgesprochen, dass hier

Tiere behandelt und kastriert werden, auch unter Katzenfreunden. Diese kennen die im Verborgenen leben­ den Katzenkolonien. Sie k ­ ümmern sich um die Katzen, füttern sie, fangen sie ein und bringen sie ins Tierschutz­ zentrum.

Die kastrierten Katzen kehren zurück auf die Straßen Dort werden sie medizinisch ver­ sorgt und kas­triert. Nach einer Erho­ lungsphase im Katzenhaus werden die K ­ atzen wieder in ihren Revieren freigelassen. Außerdem versucht das Team des Tierschutzzentrums auch, zahme Tiere zu vermitteln. Doch die Kapa­

zitäten für die Aufnahme der Kat­ zen reichen nicht aus. Daher benö­ tigt das Tierschutzzentrum Odessa ­dringend ein weiteres Katzenhaus. Dafür ist der Deutsche Tierschutz­ bund auf Spenden angewiesen. ­Bitte helfen Sie und geben Sie den Katzen eine Chance auf ein bes­ seres Leben. Wir sagen Danke im ­Namen der Katzen!

AKT I V WER DE N Sie können das Tierschutzzentrum Odessa des Deutschen Tierschutzbundes unterstützen. Spenden Sie online unter www.tierschutzbund-spenden.de Oder überweisen Sie Ihre Spende auf das Konto Deutscher Tierschutzbund Sparkasse KölnBonn, BLZ 370 501 98, Konto-Nr. 40 444 IBAN: DE 88 37050198 000004044 BIC: COLS DE 33 Stichwort: Odessa

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[ KURZ

UND KNAPP]

Rumänien hat ein Gesetz zur Tötung von Straßen- und Tierheimhunden erlassen.

Straßenhunde

Stoppt Hundetötungen in Rumänien Nach dem tragischen Unfalltod eines Vierjährigen in Bukarest, der Medienberichten zufolge durch die Bissverletzungen mehrerer Straßenhunde verursacht wurde, hatte das rumänische Verfassungsgericht Ende September ein Gesetz zur „Hunde-Euthanasie“ und damit die Massentötung von Straßenhunden legitimiert. Eine Bankrotterklärung für den Tierschutz. Der Proteststurm in der

Öffentlichkeit war enorm. Der Deutsche Tierschutzbund protestierte sofort – sowohl beim Botschafter Rumäniens in Berlin, beim rumänischen Präsidenten als auch beim zuständigen EU-Kommissar. Als Mitglied des Europarates ist Rumänien dem Übereinkommen zum Schutz von Heimtieren beigetreten. Dieses fordert zur Reduzierung der Population von Straßenhunden Methoden ein, die

keine vermeidbaren Schäden, Leiden oder Ängste verursachen. Die Tiere zu töten, ist weder tierschutzkonform, noch löst es die Probleme, da andere Hunde immer wieder die frei werdenden Plätze einnehmen und sich weiter fortpflanzen. Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, hatte daher auch den zuständigen EU-Kommissar angeschrieben. Der Deutsche Tierschutzbund fordert die EU auf, alle ihr zur Verfügung stehenden Mittel zu nutzen, damit Rumänien das Töten der Straßenhunde stoppt und das einzig nachhaltige und tierschutzgerechte Konzept „Fangen, Kastrieren und Freilassen“ umsetzt. Sie können diese Forderung unterstützen und finden die Petition „Stoppt Hundetötungen in Rumänien“ auf der inneren Umschlagseite dieses Heftes.

Dokumentarfilm Blackfish Keine Fiktion, sondern bittere Wahrheit Wer diesen Film gesehen hat, der setzt keinen Fuß mehr in ein Delfinarium. Die Bilder aus „Blackfish“, der seit dem 7.11. auch in den deutschen Kinos läuft, öffnen schonungslos die Augen über das grausame Geschäft mit den intelligenten Meeressäugern. Regisseurin Gabriela Cowperthwaite zeichnet den Weg des Orcas Tilikum nach, der 1983 als Baby seiner Mutter entrissen und in ein Delfinarium gebracht wurde. Tilikum, der Name bedeutet „Freund“, wurde an die Sea World Parks verkauft, wo er 2010 während einer Show seine Trainerin unter Wasser zog und schließlich tötete. Der Film lebt von vielen Interviews mit ehemaligen Trainern des Orcas, von Original-

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aufnahmen und Mitschnitten aus Shows. Und er hat eine klare Botschaft: Wale und Delfine gehören nicht in Gefangenschaft. Es ist eine Schande, sie in Shows vorzuführen. Sea World hat der Regisseurin übrigens kein Interview gegeben und lässt Tilikum immer noch in Shows auftreten. Delfinarien stehen seit dem Filmstart in den USA stark in der Diskussion. „Blackfish“ zeigt eindringlich das Leiden der Wale und Delfine in Gefangenschaft.


Abschied

Trauer um Ulrike Gross

Wir haben Agrarindustrie satt

Kommen Sie nach Berlin! Am 18. Januar 2014 wird zum vierten Mal die große Demonstration „Wir haben Agrarindustrie satt“ stattfinden. Startpunkt ist um 11 Uhr der Potsdamer Platz in Berlin. Das Motto: „Gutes Essen. Gute Landwirtschaft. Für Alle!“Mit diesem Titel will das breite Veranstaltungsbündnis auf die weltweit dramatischen Folgen der agrarindustriellen Massenproduktion für Bäuerinnen und Bauern, Verbraucherinnen und Verbraucher, Tiere und Umwelt hinweisen. Gefordert wird von der neuen Bundesregierung zügiges Handeln für eine gerechte und global verantwortliche Agrarpolitik. Tausende Menschen werden während der Internationalen Grünen Woche wieder gemeinsam gegen Tierleid in Megaställen, Dioxinskandale und Gentechnik im Essen protestieren. Der Deutsche Tierschutzbund, ist einer der Träger dieser Demonstration und wird mit seinen Landesverbänden und Tierschutzvereinen auch in diesem Jahr wieder vor Ort sein. Kommen auch Sie!

Spanien hat den Stierkampf zum immateriellen Kulturgut erhoben.

Am 14.11.2013 haben wir unsere hochgeschätzte und liebe Kollegin Ulrike Gross, Ärztin im Fachreferat Alternativmethoden zu Tierversuchen in der Akademie für Tierschutz, verloren. Ihr Tod hinterlässt eine große Lücke. Trotz allen Wissens um ihre schwere Krankheit kam dieses Ende doch plötzlich und unerwartet und hat uns in tiefe Trauer gestürzt. Bis zuletzt hatte sie gekämpft und dabei so viel Mut, Unerschrockenheit und Stärke gezeigt, dass es jeden von uns sprachlos machte. Ihr waren nur 57 Lebensjahre auf dieser Erde vergönnt. Den Lesern wird Ulrike Gross noch als Verfasserin der AlternativmethodenSerie „Hinter den Kulissen“ bekannt sein, in der sie verschiedene tierversuchsfreie Forschungsmethoden vorstellte und wissenschaftliche Hintergründe allgemeinverständlich übersetzte. Wir werden ihre Intelligenz, ihren messerscharfen Verstand, ihren unvergleichlichen Humor und ihre warmherzige Art schmerzlich vermissen, mit denen sie uns jeden Arbeitstag erhellte. Mit Leib und Seele Wissenschaftlerin, setzte sie sich mit all ihren Kenntnissen und größter Leidenschaft für den Tierschutz und die Abschaffung von Tierversuchen ein. Ihr dabei zuzusehen, mit ihr angeregte Diskussionen zu führen und sich auszutauschen war für uns stets eine große Inspiration und hat uns alle bestärkt, unsere Arbeit mit der gleichen Begeisterung anzugehen. Als wandelnde Enzyklopädie und Englischwörterbuch zugleich konnte sie auf (fast) alle Fragen eine Antwort liefern. Doch vor Allem war sie ein unglaublich herzlicher und fröhlicher Mensch, der jederzeit zu helfen wusste und sich rührend um das Wohlbefinden ihrer Kolleginnen und Kollegen kümmerte. Wir werden sie nie vergessen und ihr Andenken wahren, indem wir die ihr so am Herzen liegende Arbeit fortführen werden. DR. IRMELA RUHDEL UND KRISTINA WAGNER

Spanien

Stierkampf zum Kulturgut erklärt Nach Frankreich hat nun auch Spanien den blutigen Stierkampf zum immateriellen Kulturgut erklärt und damit unter besonderen Schutz gestellt. Anfang November hat der Senat einem entsprechenden Gesetzesentwurf zugestimmt. Der Deutsche Tierschutzbund hatte im Vorfeld alle Hebel in Bewegung gesetzt, um die Anerkennung zum Kulturgut zu verhindern. Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, appellierte an

den Senat und den spanischen Botschafter, die grausame Tierquälerei zu verhindern. Zusätzlich wandte er sich in einem persönlichen Brief an Königin Sofia von Spanien, die als „bekennende und engagierte Tierschützerin“ bekannt ist. Es sind hauptsächlich Touristen, die dem grausamen Spektakel beiwohnen. Der Deutsche Tierschutzbund bittet alle Tierfreunde, sich offen gegen Stierkämpfe auszusprechen und sie zu boykottieren.

Ulrike Gross arbeitete als Wissenschaftlerin an der Akademie für Tierschutz.


UND KNAPP]

KONTAKT Deutscher Tierschutzbund e. V. Baumschulallee 15 53115 Bonn Telefon 0228-60496-0, Telefax 0228-60496-40 www.tierschutzbund.de/kontakt

Hotlines Service-Hotline, Bundesgeschäftsstelle Telefon 0228-60496-0 Deutsches Haustierregister ® und Deutsches Tierdiebstahlregister Rund um die Uhr: Telefon 0228-60496-35 Spenden-Hotline: Telefon 09001-226688 (nur aus dem deutschen Festnetz). Sie spenden € 5,00

Internet

www.tierschutzbund.de Hier finden Sie tagesaktuelle Meldungen, Hintergrundinformationen und Aktionsmöglichkeiten. Für Kinder und Jugendliche gibt es die Seiten www.tierschutzkids.de und www.jugendtierschutz.de

Social Web Folgen Sie uns – bei www.facebook.com/tierschutzbund www.twitter.com/tierschutz_bund www.youtube.com/tierschutzbundTV

Online spenden

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Tierschutz-Podcast Wer immer gut informiert sein möchte, hat die Möglichkeit, die Tierschutznachrichten zu abonnieren: www.tierschutzbund.de/ podcast

Kostenloser Service Melden Sie Ihr Haustier online im Deutschen Haustierregister® an: www.registrier-dein-tier.de

Spendenkonto des Deutschen Tierschutzbundes Sparkasse KölnBonn BLZ 370 501 98, Konto-Nr.: 40 444 IBAN: DE 88 37050198 0000040444, BIC: COLS DE 33 Spenden sind steuerlich absetzbar.

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Tierversuchsstatistik

Schallmauer durchbrochen Es war ein schwarzer Tag für den Tierschutz, als das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) im Oktober seine Versuchstier-Statistik für das Jahr 2012 veröffentlicht. Die Zahlen sind eine öffentliche Blamage für die bisherige Bundesregierung, die immer wieder vollmundig verkündet hatte, sie wolle die Anzahl der Tierversuche senken. Die Fakten bezeugen das Gegenteil: Um noch einmal fast sechs Prozent ist die Anzahl der Tiere, die in

Versuche an transgenen Mäusen nehmen immer weiter zu.

Harmlose Stierkämpfe?

?

Wir planen im nächsten Urlaub nach Südfrankreich zu fahren. Im Reiseprogramm wird der Besuch eines „unblutigen Stierkampfes“ angeboten. Ist das so harmlos wie es klingt? Auch „unblutige“ Stierkämpfe, wie sie in Südfrankreich ausgetragen werden, sind Tierquälerei. Sechs oder acht Stiere werden dabei nacheinander gemeinsam von sechs Toreros in der Arena von einer Seite zur anderen gejagt. Zwischen den Hörnern trägt der Stier ein Band, an dem eine Rosette befestigt ist. Diese gilt es mit Widerhaken abzureißen. Stürzt der Stier auf einen Torero zu, rettet sich dieser auf die Bande. Der Stier prallt dann gegen die innere Bande. Er kann sich dabei schwere Verletzungen zuziehen. Nach einiger

Versuchen eingesetzt wurden, gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Mehr als drei Millionen Tiere mussten Qualen erdulden. Während die bisherige Bundesregierung großzügig Milliarden in immer neue Tierversuche und Labore steckte, stellte sie für die Förderung der Alternativforschung bislang nur vier bis fünf Millionen Euro im Jahr zur Verfügung. „Immer wieder knickt die Bundesregierung vor der Forschungsund Wissenschaftslobby ein“, kritisierte die Vizepräsidentin des Deutschen Tierschutzbundes und Leiterin der Akademie für Tierschutz, Dr. Brigitte Rusche. Besonders beschämend: Rund ein Drittel der verwendeten Tiere waren 2012 gentechnisch manipuliert, über 200.000 mehr als im Vorjahr. Der Deutsche Tierschutzbund fordert die neue Bundesregierung auf, endlich einen Maßnahmenplan mit konkreten Zielen hin zu einer Abschaffung von Tierversuchen zu erarbeiten.

Leser fragen Zeit ist der Stier völlig erschöpft. Er zittert am ganzen Körper. Nach etwa 15-minütiger Hetzerei öffnet sich ein Tor und der Stier kann die Arena verlassen. Die Stiere werden wiederholt eingesetzt und müssen die Torturen eines „unblutigen Kampfes“ mehrmals durchstehen. Auch in vielen USBundesstaaten sind „unblutige“ Stierkämpfe legal. Die Tiere werden aber meist unmittelbar nach dem Kampf getötet. Der Deutsche Tierschutzbund rät dazu, derartige Veranstaltungen nicht zu besuchen. Auch bei unblutigen Stierkämpfen leiden die Tiere.

FOTOS: IMAGO, GETTY IMAGES (3), NFP MARKETING & DISTRIBUTION GMBH/DOGWOOF, WIKIPEDIA/LEE S-J, AKADEMIE FÜR TIERSCHUTZ

[ KURZ


[ AKTUELL] Koalitionsvertrag

Mehr Tierschutz wäre nötig gewesen, aber mehr ist nicht drin Die Verhandlungen nach der Bundestagswahl vom 22. September waren langwierig. Ob die SPD-Basis dem zwischen CDU, CSU und SPD ausgehandelten Koalitionsvertrag zustimmen wird, stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest. Doch inzwischen steht der Vertrag. Die Hoffnungen ruhen auf der neuen Regierung

FOTO: DEUTSCHER TIERSCHUTZBUND

V

on Beginn an hat der Deutsche Tierschutzbund hart dafür gekämpft, dass die wichtigsten Anliegen des Tierschutzes im Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD berücksichtigt werden. Gleich nach der Wahl, noch während der Sondierungsgespräche, hat er seinen Forderungskatalog für eine tierfreundliche Regierungspolitik vorgelegt, zum Welttierschutztag gemeinsam mit den angeschlossenen Tierschutzvereinen das Motto „Stimme für die Tiere - Machen Sie den Bundestag tierfreundlicher“ ausgegeben. Unzählige Hintergrundgespräche schlossen sich an. Intensiv und ausführlich wurden die Abgeordneten über die Dringlichkeit der Tierschutzanliegen informiert. Viele hatten Fragen, die im Gespräch geklärt werden konnten. Bis zuletzt stand der Deutsche Tierschutzbund in enger Abstimmung mit den verschiedenen Arbeits- und Verhandlungsgruppen. Zuerst ging es darum,

möglichst viele der drängenden Tierschutzfragen auf den Tisch zu bringen. Dann darum, das, was aus den Arbeitsgruppen in die große Verhandlungsrunde kam, zu retten. Bis zuletzt war die wichtigste Forderung, das Tierschutz-Verbandsklagerecht, im Vorschlag der Arbeitsgruppe Umwelt, Landwirtschaft und Verbraucherschutz noch enthalten. Doch die Parteispitzen von CDU, CSU und SPD haben sie nicht übernommen. Die Tierschutz-Klage steht nicht im Koalitionsvertrag. Andere Tierschutz-Ansätze der Arbeitsgruppe wurden jedoch erfreulicherweise aufgegriffen. So bekennt sich die Koalition zur Erforschung von Ersatzmethoden zum Tierversuch und sie betont ihren Willen, die Zentralstelle zur Erfassung und Bewertung von Ersatz- und Ergänzungsmethoden zum Tierversuch (ZEBET) zu stärken. Mit den Ländern und Kommunen will sie sich der Lage

der Tierheime annehmen. „Das ist ein enormer Fortschritt, das gilt es anzuerkennen. Zum ersten Mal haben wir es schriftlich, dass sich der Bund in Mitverantwortung sieht – und es ist damit anerkannt, dass das Problem nicht mehr länger politisch „ausgesessen“ werden kann“, erklärt der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Thomas Schröder. Auch zur Verbesserung des Wildtierschutzes hat die Koalition sich verpflichtet. Gemeinsam mit anderen Staaten will sie für einen besseren Vogelschutz entlang der Zugrouten sorgen. Gewerbliche Exotenbörsen sollen verboten, Wildfänge nicht mehr in die EU importiert werden dürfen. Außerdem will die Koalition eine Nationale „Tierwohl-Initiative“ starten. Zwecks Rückführung des Antibiotikaeinsatzes sollen Tiergesundheitsgesetz und Arzneimittelgesetz vereint werden. Die Sachkunde von Nutztierhaltern soll gestärkt und ein bundeseinheitliches Prüf- und Zulassungsverfahren für Tierhaltungssysteme eingeführt werden. Konkrete Vorschläge, wie so ein „Tierschutz-TÜV“ organisiert und umgesetzt werden kann, hatten der Deutsche Tierschutzbund, der BUND und die Schweisfurth-Stiftung schon vor Jahren vorgelegt. Nun sind sie gespannt, wie schnell den Ankündigungen Taten folgen.  DR. HEIDRUN BETZ AKT I V WER DE N Den Forderungskatalog des Deutschen Tierschutzbundes für eine tierfreundliche Regierungspolitik können Sie im Internet herunterladen: www.tierschutzbund.de/bundestagswahl

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[ T I T E LT H E M A ]

Zur Urkunde und dem Geldpreis erhalten die Gewinner des Deutschen Tierschutzpreises auch eine Trophäe. Links: Hildegard Miedel, Preisträgerin für ihr Lebenswerk, mit einem „ihrer Esel“.

N Ö H C S E K N A D s e t u g h c s i r e i t für T N E M E G A G EN tzpreis 2013

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ie ises, den d re p tz u h c iers rstützung te eutschen T n D U s it e d m g d n u un unte Verleih Tierschutzb e e n h c ie rneut, wie ts d e u h e te c D r ig Au e e z d , n d be un Funk Uhr“ rlich verge „ h ft jä ri h e c r Tiere und re s it fü ig e d h Z e ic P s , d d n u in n Whiskas Einzelnen s n e d je r fü der Marke eine Rolle. k lichkeiten i g e ö b M a d ie lt d pie vielfältig das Alter s d n U . n e tz se Natur einzu

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Marina Falkenberg und Melanie Molnar (o.l.) nahmen von Ines Krüger den Preis für Hildegard Miedel (o.r.) entgegen. Die Laudatio für das Lebenswerk hielt Vera Int-Veen (u.l.). Hildegard Miedel bei einem Besuch in ihrer Arche (u.r.).

S

ie ist inzwischen fast 80 Jahre alt, aber kein bisschen müde. Hildegard Miedel kümmert sich seit über 30 Jahren um ausgestoßene, vernachlässigte und misshandelte Tiere. Sie päppelt sie auf, lässt sie medizinisch versorgen und schenkt ihnen wieder Vertrauen in die Menschen. Was als Einzelaktion, mit einer Wiese für das Pony ihrer Tochter, begann, ist heute eine Institution im Umkreis von Meerbusch.

Glückliche Tiere zum Anfassen Hildegard Miedels Arche Noah Meerbusch lockt jeden Nachmittag Familien an, die mit den Kindern Bauernhoftiere zum Anfassen erleben wollen. Vormittags besuchen Schulklassen oder andere Jugendgruppen die Arche. Außer den Tieren liegen ihr auch junge Menschen am Herzen. Deshalb eröffnete sie fast gleichzeitig mit ihrer Arche, direkt daneben, eine Jugendfarm. In dieser Freizeiteinrichtung können Kinder und

Jugendliche ihre Kreativität ausleben, sie können toben und spielen und sich um die Tiere der Arche kümmern. Neben Ponys, Eseln und Hängebauchschweinen leben auf dem 6.000 Quadratmeter großen Gelände Schafe, Ziegen, Gänse, Enten und Hühner, aber auch Kaninchen, Meerschweinchen und Ziervögel. Ringsherum sind Wiesen und Weiden, auf denen die Tiere ein artgerechtes Leben führen können. Auf tierschutzgerechte Haltung hat Hildegard Miedel von Anfang an größten Wert gelegt, und sie schaut bis heute täglich nach dem Rechten. In ihrer Arche und auf der Jugendfarm. Für dieses jahrzehntelange Engagement, ihr Lebenswerk, erhielt sie jetzt den Deutschen Tierschutzpreis. Fernsehmoderatorin Vera Int-Veen, selbst in Meerbusch aufgewachsen, betonte in ihrer emotionalen Laudatio: „Frau Miedel hat sich über viele Jahrzehnte mit beispiellosem Engagement für das

Wohlergehen von Tieren verdient gemacht.Trotz gesundheitlicher Probleme und ihrer fast 80 Jahre kämpft sie noch heute fast täglich auf der Arche Noah für den Tierschutz. Ich fühle mich geehrt, die Laudatio auf dieses Lebenswerk ­halten zu dürfen.“

Bewegender Film von der Arche Der mit 1.000 Euro dotierte Tierschutzpreis für das Lebenswerk wurde erst zum vierten Mal verliehen. Hildegard Miedel konnte ihn aus gesundheitlichen Gründen nicht selbst entgegennehmen. Sie war dem Publikum aber präsent. In einem eingespielten Film, der kurz zuvor in ihrer Arche gedreht worden war, betonte die rüstige Seniorin: „Tiere sind die besten Pädagogen. Das, was sie schaffen, kann man als Mensch gar nicht schaffen.“ Im Namen der Preisträgerin nahmen zwei ihrer Mitarbeiterinnen, Melanie Molnar und Marina Falkenberg, die Auszeichnung entgegen. du und das tier  6/2013  11


[ T I T E LT H E M A ]

s i e r P . 1

Deutscher Tierschutzpreis 2013

Klasse Arbeit für den Tierschutz

Die Schülergruppe MDG 4 Pfoten aus Nienburg und ihre Lehrerin Anke Hagedorn unterstützen das Tierheim praktisch und leisten mit einfallsreichen eigenen Initiativen immer wieder ihren Beitrag zum Tierschutz.

S

ie sind elf Jugendliche, zwischen 10 und 15 Jahre alt und willkommene Besucher im Tierheim Schessinghausen/Nienburg. Denn wenn die Schüler der 4 Pfoten AG des Marion-Dönhoff-Gymnasiums (MDG) zweimal im Monat, immer montags nach dem Unterricht, ins Tierheim kommen, helfen sie tatkräftig mit. Sie reinigen die Kleintierkäfige, putzen die Katzenklos und säubern die Gehege. Aber sie bauen auch mit, renovieren und basteln Kratzbäume für die Tierheimkatzen. Am Ende jedes Arbeitstages stehen dann Schmusen mit den Katzen und ein gemeinsamer Hundespaziergang. „Wir schätzen die Unterstützung der jungen Tierschützer sehr und freuen uns jedes Mal,

wenn die bunte Truppe unsere Tierheimschützlinge besucht. Es ist nur zu bewundern, dass die Schüler und Schülerinnen sogar noch nach der Schule so beherzt anpacken“, berichtet Tierheimleiterin Yvonne Rohde. Die anderen beiden Montage im Monat sind ebenfalls den Tieren und dem Tierschutz gewidmet. Seit Lehrerin Anke Hagedorn 2011 die AG Vier Pfoten gegründet hat, legt sie auch Wert auf die Theorie. Die Kinder erfahren, wie viele Nutztiere leiden müssen und welche Verantwortung jeder übernimmt, der sich ein Tier ins Haus holt. Sie wissen auch um die Geldnöte der Tierschützer und initiieren immer wieder Aktionen, um „ihrem“ Tierheim Spenden zukommen zu lassen.

Viele kreative Ideen

Lehrerin Anke Hagedorn war mit einigen ihrer Schüler gekommen, die sichtlich stolz auf ihren ersten Preis waren. Die Arbeitsgruppe hat schon eine Idee, wie sie mit dem Geld für mehr Tierschutz sorgen kann.

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So organisieren sie Sammelund Geldspendenaktionen oder Ausstellungen über das Leid von Tieren und entwickeln Hilfskonzepte, etwa Patenschaften. Sie sammeln auch Sachspenden wie Decken oder Handtücher. An Infoständen legen sie Unterschriftenlisten aus und bitten natürlich auch um Spenden. Jüngste Aktion: Unter dem Motto „Wie tierfreundlich ist das Marion-DönhoffGymnsium?“ oder „Wir kleben dir eine(n)“ konnte

Immer montags ist „Tierschutztag“ für die aktiven Jugendlichen. Entweder sie besuchen das Tierheim, um dort zu helfen. Oder sie entwickeln Ideen für neue Aktionen. Auch der theoretische Tierschutzunterricht kommt nicht zu kurz.

Ob es gilt, Katzenstuben zu reinigen oder mit Tierheim-Hunden zu spielen: Die Schul-AG zeigt Engagement.

man Aufkleber kaufen, diese auf ein Plakat kleben und dann mit seinem Namen unterschreiben. Der Erlös für den Verkauf wurde im Anschluss komplett an das Tierheim gespendet und zusammen mit dem Plakat überreicht.

Verlässliche Helfer So viel Engagement in der Freizeit verdient eine Anerkennung, befand die Jury des Deutschen Tierschutzpreises und vergab den ersten Preis, dotiert mit 3.000 Euro, an Anke Hagedorn und ihre Schüler. Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, in seiner Laudatio: „Die Liste der Aktivitäten, konstant und dauerhaft seit der Gründung, ist nahezu endlos. Uns allen muss nicht bange um die Zukunft des Tierschutzes sein, bei solch einem Nachwuchs. Frau Hagedorn, Ihr Beispiel sollte – im wahrsten Sinne des Wortes – Schule machen.“ Das Preisgeld stecken die Schüler gleich in ihre nächste Aktion: „Ich bin kein Geschenk zu Weihnachten!“


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Deutscher Tierschutzpreis 2013

Packender Einsatz für arme Pferde Markus Raabe ist Hufschmied aus Leidenschaft. Seit 2008 ist er auch Vorsitzender des Vereins Equiwent Hilfe. Seitdem leistet er einen Teil seiner Arbeit ehrenamtlich. Denn er und seine Mitstreiter kümmern sich um vernachlässigte Pferde.

S

chwerpunkt ist Rumänien, wo abseits der Großstädte noch Tausende von Bauern mit Pferden arbeiten. Die Armut und das Unwissen sind groß. Welche Bedürfnisse Arbeitspferde haben, welche Pflege sie benötigen, ist den meisten Menschen nicht bewusst. Und wenn, dann können sie sich die teure Versorgung nicht leisten. Markus

s i e r P . 2

Raabe gelang es, weitere Hufschmiede und einige Tierärzte zu motivieren, hier Abhilfe zu schaffen. Equiwent besucht die Bauern vor Ort, die Mitglieder informieren, klären auf und packen selbst mit an. Die Pferde erhalten, oft zum ersten Mal in ihrem Leben, ordentliche Hufpflege und einen neuen Beschlag. Oft genug müssen orthopädische Schuhe den geschundenen Hufen

Markus Raabe sorgt nicht nur für einen neuen Hufbeschlag, er spendiert den Pferden bei Bedarf auch orthopädische maßgeschneiderte Schuhe.

angepasst werden. Die Tiere werden außerdem medizinisch versorgt. Die Bauern erhalten Wurmmittel und weitere Medikamente, um selbst für die Gesundheit der Pferde sorgen zu können. Im deutschsprachigen Raum sammelt Equiwent Halfter, Zaumzeug, Gamaschen, Geschirre, Sättel und Decken, die bei den Bauern in Rumänien hochwillkommen sind. Markus Raabe zeigt ihnen die Druckstellen, die falsches Anschirren verursacht.

Nachhaltiger Ansatz Er erklärt, dass die Pferde frühzeitig keinen Dienst mehr tun können, weil die Schmerzen zu groß sind, die kaputten Hufe nicht mehr tragen. Das leuchtet ein, und viele Pferdebesitzer kümmern sich nach der Grundversorgung verantwortungsvoll um ihre tierischen Helfer, auf die sie angewiesen sind. Inzwischen engagiert sich der Verein auch in anderen Ländern der EU für die Arbeitspferde. Nach Deutschland kommt keines der Pferde. Die Tiere sollen dort gepflegt werden, wo sie Dienst tun. Doch der

Viele der Arbeitspferde leiden unter Dauerschmerzen. Nach der tierärztlichen Untersuchung übernimmt der Hufschmied die Erstversorgung und zeigt den Besitzern, wie sie die Pflege ihres Tieres korrekt weiter betreiben müssen.

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[ T I T E LT H E M A ] Deutscher Tierschutzpreis 2013

Equiwent besucht auch Landwirte in entlegenen Regionen Rumäniens, wo manche Pferde noch nie einen Tierarzt gesehen haben. Die Mitarbeiter bringen Medikamente und gespendete Halfter oder Zügel mit und klären die Landwirte über ungewollte Tierquälerei auf.

Hufschmied kennt auch das Leid so mancher Pferde hierzulande. So behandelt er seit Sommer 2013 auf dem Geißblatthof im niedersächsischen Warpe 20 Pferde, die Mitte Juli dieses Jahres von einem Pferdehof im ebenfalls niedersächsischen Süstedt befreit wurden. Die Tiere waren in äußerst schlechtem Zustand – abgemagert, mit verfilzten Mähnen, lang gewachsenen Hufen. Nicht zuletzt aufgrund von R ­ aabes Behandlung erholen sich die Tiere stetig von ihrem Leid. Für dieses nachhaltige Engagement vergab die Jury des Deutschen Tierschutzpreises den 2. Preis, dotiert mit 2.000 Euro.

„Die Hundemassentötung ist eine Bankrotterklärung“ Aus aktuellem Anlass ging Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, in seiner Laudatio auf die ­Situation der Hunde in Ru-

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Der bundesweit einzigartige Preis zeichnet Tierfreunde für ihren nachhaltigen Einsatz für Tiere aus. Er ist mit insgesamt 7.000 Euro dotiert und wurde von der Programmzeitschrift „Funk Uhr“ gemeinsam mit den Marken Pedigree und Whiskas und dem Deutschen Tierschutzbund 2004 ins Leben gerufen. Aus den Empfehlungen und Bewerbungen von Gruppen oder Einzelpersonen wählt eine Jury jährlich die Gewinner. In diesem Jahr wurde der Preis in Berlin verliehen. Zur Jury zählte neben Vertretern des Deutschen Tierschutzbundes, der Zeitschrift ”Funk Uhr“ und den Marken Pedigree und Whiskas auch die Sängerin und Tierschutzbotschafterin Stefanie Hertel, die selbst nicht anwesend sein konnte und eine Videobotschaft schickte. Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, begrüßte die 120 Gäste im Axel-Springer-Haus, darunter die Vorsitzenden der Landesverbände des Deutschen Tierschutzbundes und ein neues Mitglied des erweiterten Präsidiums: Kurt Beck. Er hielt auch die Laudationes auf die drei Preisträger sowie die Rede zum Sonderpreis Tierrettung. Durch das festliche Programm führte Ines Krüger, Fernsehmoderatorin und 1. Vorsitzende des Tierschutzvereins für Berlin.

mänien ein: „Wir reden von einem Land, das gerade selber ins Gerede gekommen ist: Der rumänische Staatspräsident hat eben erst die massenhafte Tötung von Straßenhunden angeordnet. Das ist, den Ausflug gestattet mir sicher auch der Preisträger, eine Bank­rotterklärung des Tierschutzes in Rumänien – aber auch in Europa, wenn es nicht gelingt,

dieses Massentöten von Hunden zu beenden. Das EU-Parlament, jeder EU-Regierungschef muss sich schämen, wenn dieses brutale Vorgehen politisch so hingenommen wird.“ Als die Jury die Preisträger ausgewählt hat, war diese Katastrophe in Rumänien noch nicht absehbar, so Schröder. „Aber wir ehren heute einen Mann, der sich nun schon seit Jahrzehnten in diesem Land engagiert, aber nicht nur dort, auch hier in Deutschland. Ihm ist es wichtig, nachhaltig zu wirken. Er reist nicht nur hin, tut Gutes und fährt wieder. Markus Raabe will, dass die Menschen vor Ort verstehen, warum es so wichtig ist, den Pferden zu helfen. Er schult die Besitzer, er sensibilisiert die Dorfbewohner. Und nicht nur in Rumänien, er ist auch in anderen Ländern Vera Int-Veen, Markus Raabe von Equiwent, der den gefragt.“ Sein Preisgeld inves­ zweiten Preis erhielt, Christina Fehres (Whiskas) und tierte der Hufschmied in MediThomas Schröder, Präsident des Deutschen kamente, die er im November Tierschutzbundes bei der Preisverleihung nach Rumänien brachte.


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Deutscher Tierschutzpreis 2013

s i e r P . 3

Solostimme für lautlose Jäger Ein Besuch auf seinem Dachboden gab den Anstoß. Dort entdeckte Christian Söder Fledermäuse. Er begann, sich intensiver mit diesen Tieren zu beschäftigen und erlebte, wie immer mehr Häuser, Türme, Kirchen und Höhlen fledermaussicher zugemauert wurden.

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hristian Söder handelte. In seiner unterfränkischen Region Kitzingen sucht er seitdem nach Sommer- und Winterquartieren von Fledermäusen und kartiert sie. Er baut Fledermauskästen, hängt sie auf und pflegt sie. Er informiert über das Leben der Fledertiere, zeigt, wie nützlich sie sind und welchen Bedrohungen sie ausgesetzt sind.

Aufklärung nimmt die Angst vor den Fledermäusen Christian Söder klärt auf, organisiert Fledermausausstellungen und baut auf diese Weise immer noch vorhandene Ängste vor den lautlosen Jägern ab. Auf seiner Facebook-Seite („Fledermäuse in Kitzingen“) tauscht er sich mit Gleichgesinnten aus und berät Menschen, die eine Fledermaus gefunden haben oder Quartiere schaffen wollen. Seine Frau hat den unermüdlichen Solo-Streiter für diese Nachttiere für den Deutschen Tierschutzpreis empfohlen. Die Jury erkannte ihm den dritten Preis, dotiert mit 1.000 Euro, zu.

verbaut. Der Preisträger muss immer wieder selbst erleben, dass sogar an Kirchtürmen mittlerweile Drahtgitter angebracht sind. Daher, liebe Bauträger und Bauherren oder -damen, liebe Kirchenräte, nicht nur die Fledermaus, auch andere Tiere brauchen Rückzugsflächen.“ Das Preisgeld hat Christian Söder bereits verplant: Damit sollen Fledermauskästen repariert werden, damit die Tiere diese nach dem Winterschlaf wieder beziehen können.

Christian Söder protokolliert seine Funde und überprüft die aufgehängten Kästen regelmäßig.

Die nächtlichen Jäger brauchen Rückzugsorte Thomas Schröders Appell in seiner Laudatio: „Wie selbstverständlich haben diese eleganten, beeindruckenden, vielen aber leider – grundlos – Angst einflößenden Mitgeschöpfe früher Rückzugsflächen gefunden: unter Dächern, in Mauerwerken oder in Kirchtürmen, in verlassenen Gebäuden, Höhlen und an anderen dunklen Plätzen. Zunehmend aber werden diese Rückzugsgebiete

In verlassenen Gebäuden und Höhlen sucht der Fledermausschützer nach möglichen Überwinterungsquartieren.

Sein Preisgeld steckt Christian Söder in die Wartung von Fledermauskästen, damit diese im Frühjahr wieder bezugsfertig sind.

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[ T I T E LT H E M A ]

Per Videobotschaft meldete sich Tierschutzbotschafterin Stefanie Hertel zu Wort. Sie begrüßte die Teilnehmer und dankte den Sonderpreisträgern. Von ihr stammte der Spendenscheck.

ung t t e r r e i T s i Sonderpre Deutscher Tierschutzpreis 2013

Sonderpreis für Tierrettung Die Hochwasserkatastrophe im Mai und Juni 2013 hat auch viele Tierheime getroffen. Sie mussten schnell handeln, um ihre Schützlinge zu retten. Dafür gab es den Sonderpreis Tierrettung des Deutschen Tierschutzpreises, der erst zum zweiten Mal verliehen wurde. Und dazu noch eine dicke Spende. 16 du und das tier

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as Wasser kam unaufhaltsam, brauchte nur wenige Stunden oder eine einzige Nacht, um über die Ufer zu treten und Wiesen und Dörfer zu überschwemmen. Für die Tierheime nahe Donau und Elbe eine enorme Herausforderung, denn sie mussten ihre Tiere vor den Fluten retten und an sichere Orte bringen. Viele nicht betroffene Tierheime boten Hilfe an und übernahmen eini-

ge der Schützlinge. Andere holten die Tierheimmitarbeiter vorübergehend zu sich nach Hause. Und nach diesen Erste-Hilfe-Maßnahmen folgten das große Aufräumen und die verzweifelten Versuche, mit wenig Geld das zu repa­rieren, was die Wassermassen zuvor vernichtet hatten. Für dieses Engagement zeichnete die Jury des Deutschen Tierschutzpreises die zehn am stärksten betroffenen Tierheime mit dem Sonderpreis

Tierrettung aus, und zwar die Tierschutzvereine in Hallertau, Cottbus, Freilassing, Aue-Schwarzenberg, Görlitz, Burg, Lindau, Zeitz, Schmölln und Wolmirstedt. „Die Helfer haben mitunter rund um die Uhr gearbeitet, um alle Tiere vor den Wasserfluten zu retten und vorübergehende Unterkünfte für sie zu finden“, lobte Thomas Schröder. Den Sonderpreis nahm – stellvertretend für alle – Thomas Naumann, Erster Vorsitzender des Tierschutzvereins Hallertau und Umgebung, entgegen. Doch außer über Urkunde und Blumen können die Tierheime sich noch über eine dicke Geldspende freuen. Die Sängerin Stefanie Hertel, eine große Tierfreundin und Tierschutzbotschafterin des Deutschen Tierschutzbundes, die sehr ergriffen war von diesen Schicksalsschlägen, spendete 27.000 Euro, die aus einem Gewinn bei der TV-Show „Rette die Million“ stammen. Damit können die Tierheime Hochwasserschäden beseitigen, Gehege erneuern und Container für die sichere Futteraufbewahrung anschaffen. du und das tier  6/2013  17

FOTOS: MILENA SCHLÖSSER (6), R. MIEDEL (3), WABERSECK/FUNK UHR (3), MARKUS RAABE/ EQUIWENT (5), CHRISTIAN SÖDER (2), IMAGO, DIRK EISERMANN/FUNK UHR

Vertreter der Tierheime aus den Hochwassergebieten nahmen bei der Verleihung des Deutschen Tierschutzpreises den Sonderpreis Tierrettung entgegen.


[ PROJEKTE]

Thomas Schröder: Das Label soll niemals als Kaufanreiz oder zur Fleischkonsumsteigerung dienen.

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Eigentlich möchten Sie für alle Tiere Verbesserungen erreichen, die in der konventionellen Landwirtschaft millionenfach für unseren Fleisch­ konsum leiden. Was ist Ihr Fazit zum Jahresende? ▶ Wir sind 2013 ein ganzes Stück vorangekommen. Produkte mit dem Tierschutzlabel gibt es inzwischen bundesweit bei verschiedenen Handelsketten in ausgewählten Märkten. Im Großraum Berlin ist das Angebot für Verbraucher, die zwar nicht auf Fleisch verzichten, zumindest aber mit dem Kauf dazu beitragen wollen, dass es den Tieren Schritt für Schritt besser geht, besonders groß. In Baden-Württemberg haben wir eine gute Abdeckung für den Premium-Bereich. Eine Klarstellung will ich allerdings gleich anfügen: Das Tierschutzlabel ist eine Kaufalternative für die, die noch Fleisch essen. Es soll niemals als Kaufanreiz oder zur Fleischkonsumsteigerung dienen.

? Tierschutzlabel

Ein guter Anfang Fast ein Jahr sind nun Produkte mit dem blauen Tierschutzlabel im Handel erhältlich. Was hat sich inzwischen getan? du und das tier sprach mit dem Präsidenten des Deutschen Tierschutzbundes, Thomas Schröder. 18  du und das tier  6/2013

Wie viele Betriebe genau halten ihre Tiere schon unter den Bedin­ gungen, die das Label „Für Mehr Tierschutz“ vorschreibt? ▶ Das Zertifizierungsverfahren ist aufwendig. Die Lizenzierung braucht Zeit, aber es geht gut vorwärts. Hühner werden in 44 Betrieben nach den Kriterien der Einstiegsstufe gemästet. In 14 Betrieben mit 20 Ställen werden Schweine entsprechend der Einstiegsstufe zum Tierschutzlabel gemästet. Zwei Landwirte arbeiten derzeit nach den Kriterien der Premiumstufe. Insgesamt ein guter Anfang. Die formale Zertifizierung weiterer Höfe steht hier an. Allerdings brauchen auch die NEULANDBauern Handelspartner, das heißt: Abnehmer für ihre Produkte. Gäbe es vonseiten des Handels mehr Nach­ frage und noch mehr handelnde ­Verbraucher, wäre vieles einfacher und schneller gelöst.

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Den Verbrauchern wird der Vor­ wurf gemacht, sie seien für das Leid der Tiere verantwortlich, da sie billiges Fleisch verlangen. Was sagen Sie dazu?

▶ Die „Geiz ist geil“-Mentalität hat immer noch Folgen. Im Tierschutz ist es ähnlich: Die Menschen wissen mittlerweile um die Missstände und wären bereit, für Produkte, in denen mehr Tierschutz steckt, mehr Geld auszugeben. Das belegen Studien immer wieder. Wer mehr bezahlen soll, muss aber auch den Mehrwert erkennen können. Andernfalls schaut er natürlich auf den Preis. Bisher hatten Verbraucher kaum die Chance, solche Produkte im Handel zu erkennen. Dabei wird ihnen auch die vorläufige Branchenlösung „Initiative Tierwohl“ nicht helfen (siehe S.30/31). Die ist im Übrigen eher der verzweifelte Versuch einer Branche, gemeinsam mit dem Deutschen Bauernverband dem zunehmenden Druck etwas entgegenzusetzen – leider nur ungenügend.

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Wenn wir schon beim Preis sind: Wie sieht es auf der Kostenseite aus?

▶ Guter und zuverlässiger Tierschutz kostet nun einmal Geld. Mehr Platz für die Tiere, eine langsamere Mast, Ställe, die den Bedürfnissen der Tiere angepasst werden – nicht umgekehrt – sowie Beschäftigungs- und Auslaufmöglichkeiten für die Tiere. Das alles verursacht dem Landwirt mehr Kosten und mehr Arbeit.

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Nutzen Großkonzerne, wie Wiesenhof, das Label nicht doch nur aus, um ihr negatives Image „auf­zupolieren“? ▶Verbesserungen für die Tiere, jetzt und sofort, sind leider nur schrittweise zu erreichen – und voran kommen wir nur gemeinsam mit denen, die die Tiere halten und „vermarkten“. Je mehr Unternehmen wiederum mitmachen, umso mehr Tieren wird geholfen und umso eher wird der Markt in der Breite erreicht. Wir müssen den aktuellen

Blick in einen NEULAN D-Stall Alle Tiere haben intak te Rin


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Müssen Sie nicht befürchten, dass die Marktteilnehmer sich mit der Einstiegsstufe zufriedengeben? Wie wollen Sie erreichen, dass sich mehr

Ein Wintergarten für Masthühner: Schon in der Einstiegsstufe haben die Hühner wesentlich mehr Platz und Licht als ihre Artgenossen in herkömmlicher Intensivmast.

Betriebe dazu entschließen, auf die Premiumstufe umzusteigen? ▶ Dass die Einstiegsstufe nicht das Optimum ist, haben wir immer deutlich gemacht. Wir setzen uns aber dafür ein, dass deren Kriterien zum gesetzlichen Mindeststandard werden. Der Schritt hin zur Premiumstufe wird für die Landwirte dann leichter

EULAN D-Stall, der nach den Kriterien der Premiumstufe des Tierschutzlabels zertifiziert ist: n intak te Ringelschwänze.

– vor allem auch dann, wenn Bund und Länder ihre Förderpolitik danach ausrichten. Nun ja, durch die eine oder andere Kampagne über die Wahrheit in den Dunkelställen der herkömmlichen Intensivtier­ haltung können wir die Beteiligten sicher zusätzlich sensibilisieren.

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Was erhoffen Sie sich für das Jahr 2014?

▶ Ich bin zuversichtlich, dass es uns mit Unterstützung der Verbraucher gelingen wird, noch mehr Landwirte zur Umstellung ihrer Tierhaltung zu bewegen und Handelsunternehmen zu gewinnen, die ihren Kunden mit dem Tierschutzlabel gekennzeichnete Produkte zum Kauf anbieten. Aber auch der weiteste Weg beginnt mit einem ersten Schritt, und wir haben in diesem Jahr – gemeinsam mit allen Beteiligten – schon viele Kilometer zurückgelegt. 

DIE FRAGEN STELLTE DR. HEIDRUN BETZ

MEHR I NFO Wo sie Produkte, die mit dem zweistufigen Tierschutzlabel gekennzeichnet sind, im Handel erwerben können, erfahren die Verbraucher auf der Internetseite www.tierschutzlabel.info

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FOTOS: GFRS, A. WEIGEL, MICHAEL CLAUSHALLMANN

Vertragspartnern zugestehen, dass schon die bisherigen Umstellungen mit großen Anstrengungen für die Unternehmen verbunden waren. Ernsthafte Bemühungen erkennen wir immer an. Aber ein Feigenblatt sind wir nicht: Gibt es Missstände, kritisieren wir die scharf und kompromisslos, selbst wenn es unsere Vertragspartner trifft. Wir gehen auch den Weg der Vertragsstrafen, wenn das nötig ist. Wir bleiben tierschutzpolitisch konsequent.


[ FÜR

SIE GELESEN]

Melanie Joy

Warum wir Hunde lieben, Schweine essen und Kühe anziehen 240 S., Paperback, 19,8 x 14 cm, Compassionmedia, Münster, 2. Auflage 2013, ISBN 978-3-9814621-7-3, € 20,00

A

uf Einladung des Deutschen Tierschutzbundes und des Vegetarierbundes (VEBU) stellte die amerikanische Wissenschaftlerin und Tierrechtlerin Prof. Melanie Joy mit einem beeindruckenden Vortrag in der Akademie für Tierschutz ihr aktuelles Buch der Öffentlichkeit vor. Die Sozialpsychologin möchte mit diesem Buch, das auf Grundlage ihrer Doktorarbeit entstand, eine Antwort auf die Frage geben, warum unser Verhältnis zu Tieren so widersprüchlich ist. In ihrer englischsprachigen Präsentation erläuterte sie den zentralen und von ihr geprägten Begriff des „Karnismus“. Hierbei handle es sich um ein unsichtbares, unterschwellig wirkendes ideologisches System, das unsere Vorstellung von Tieren und Fleisch, Eiern sowie Milch forme. Es hat zur

Der stellvertretende Leiter der Akademie für Tierschutz, Roman Kolar, begrüßte Prof. Melanie Joy zu ihrem öffentlichen Vortrag im Saal der Akademie.

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Folge, dass wir einige Spezies lieben lernen und andere wiederum essen, ohne plausible Gründe dafür nennen zu können. Prof. Joy beschreibt, wie Karnismus durch komplexe, versteckte, soziale und psychologische Mechanismen aufrechterhalten wird und Menschen darauf konditionieren kann, gegen ihre Grundwerte, ihr eigenes Interesse und das der anderen zu handeln.

Hinterfragen, was eine Gesellschaft für normal hält Karnismus zu verstehen helfe, unsere Rolle als mündiger Bürger oder Aktivist einzunehmen, lautet ihr Appell. Karnismus lasse das Fleischessen als normal, natürlich und notwendig erscheinen. Tatsächlich sei es nichts davon. Das, was eine Gesellschaft für „normal“ hält, zu hinterfragen und zu ändern, ist schwer – wie auch Hilal Sezgin in ihrem Vorwort zu diesem Buch betont. Angesichts des massiven Tierleids und anderer katastrophaler Auswirkungen des Fleischkonsums in unserer Zeit stellen Prof. Joys Ausführungen nicht nur ein beeindruckendes Plädoyer für Selbstbestimmung und Moral dar, sondern auch für Tier-, Umweltund Menschenschutz. Der Vortrag ist im Internet abzurufen auf der Seite www.carnism.org ■

Die Autorin Prof. Melanie Joy hat Psychologie an der Harvard-Universität studiert und arbeitet als Professorin für Psychologie und Soziologie an der Universität Boston, Massachusetts, Sie hat Artikel zu den Themen Psychologie, Tierrechte sowie soziale Ungerechtigkeit verfasst und ist Autorin des in den USA preisgekrönten Buches „Why We Love Dogs, Eat Pigs, and Wear Cows: An Introduction to Carnism“, dessen deutsche Übersetzung 2013 in 2. Auflage erschienen ist. In der Tierrechtsbewegung ist Prof. Joy seit über 20 Jahren aktiv. Sie hat Tierrechtsaktivisten auf der ganzen Welt in effektiver Interessenvertretung, gewaltfreier Kommunikation und strategischem Gesellschaftswandel geschult. 2008 erschien ihr Buch „Strategic Action for Animals – A Handbook on Strategic Movement Building, Organizing, and Activism for Animal Liberation“.

Filmautorin: Andrea Graf

Mit Gebet und Gebell Tiersegnung und -wallfahrt als religiöse Handlungen DVD-Video, 50 Minuten, LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte, Tel.: 0228 – 9834278, E-Mail: hildegard.trautmann@lvr.de, € 15


Dr. Karsten Brensing

Hellmuth Wachtel

Mongolische Rennmäu- Persönlichkeitsrechte für Rassehund wohin? Tiere – Die nächste Stufe Argumente für eine se – Wissenswertes für Rennmaushalter und die, der moralischen Evolution Neuorientierung 240 Seiten, Verlag Herder, Aufl./Jahr: 240 S. durchgehend farbig mit vielen die es werden wollen 85 S., farbig illustriert, Eigenverlag, geschrieben und gestaltet von November 2011 bis Oktober 2012, Bezug unter www.rennmausbuch.de

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ennmäuse stellen hohe Ansprüche an ihre Haltung. Daher ist es wichtig, Rennmaushaltern Fachwissen an die Hand zu geben. Umso begrüßenswerter ist die Initiative von Karina Brunner, die im Eigenverlag ein Rennmausbuch geschrieben hat. Das vorliegende Buch gibt einen Überblick über die wichtigsten Haltungsund Fütterungsgrundlagen, zeigt aber auch die Probleme ungeschönt auf, die bei der Haltung dieser kleinen Tiere auftreten können. So berichtet die Autorin auch von den Schwierigkeiten einer Vergesellschaftung von Rennmäusen und stellt Krankheiten vor. Im Anhang befinden sich eine ausführliche Futterliste, Beispielrezepte, Krankenberichte und Vergesellschaftungstagebücher, welche einen schönen Abschluss des Ringbuches bieten. Zahlreiche Farbfotos veranschaulichen den Text und geben auch praktische Hinweise. Das Buch kann zum Selbstkostenpreis bei der Autorin direkt erworben werden – über die Website www.rennmausbuch.de

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1. Aufl. 2013, Format: 12,5 x 20,5 cm, gebunden mit Schutzumschlag. ISBN 978-3-451-30513-9, € 17,99

Abb., Hardcover, Kynos Verlag, Nerdlen/ Daun, 2012, ISBN 978-3-942335-60-7, € 28,50

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ass verschiedene Tierarten Werkzeuge gebrauchen oder sogar selbst herstellen, ist nicht nur Tierfreunden seit Langem bekannt. Dass es auch wissenschaftliche Belege für Kultur, strategisches Denken und Kooperation sowie Mitgefühl und Gerechtigkeitssinn gibt, mag auf den ersten Blick verwundern. All dies zeigt Karsten Brensing anschaulich mit vielen Beispielen aus neuesten wissenschaftlichen Studien über Delfine und Wale, Elefanten, Primaten und Vögel. Zahlreiche Fähigkeiten, die uns Menschen zu Personen machen, sind demnach bei einer ganzen Reihe von Tieren zu finden. Die logische Schlussfolgerung: Müssen ihnen konsequenterweise dann nicht auch gleiche Rechte zugestanden werden? „Persönlichkeitsrechte für Tiere“ ist ein beeindruckendes wie unterhaltsames Buch, das den Leser ein ums andere Mal seine Werte und Vorstellungen hinterfragen lässt. Ein Plädoyer für ein überfälliges Umdenken im Umgang mit unseren Mitgeschöpfen.

iersegnungen waren in der Vergangenheit traditionell katholische Veranstaltungen, bei denen Bauern ihre Nutztiere segnen ließen. Die Alltagsbeobachtung zeigt jedoch, dass gerade im Rheinland in vielen – auch evangelischen – Gemeinden Tiersegnungen und -gottesdienste neu entstanden sind. Diese Entwicklung verweist sowohl auf einen Wandel in der Mensch-Tier-Beziehung als auch auf Veränderungen in der Liturgie und

eit über 50 Jahren setzt sich Hellmuth Wachtel als Experte für Tierzucht und Genetik kritisch mit den Trends in der Hundezucht auseinander. In seinem Buch schildert er die Entwicklung der Hunderassen. Auch wenn den meisten Hundefreunden bekannt sein dürfte, dass viele Hunde unter rassetypischen Krankheiten leiden und aus modischen Gründen als Qualzuchten ihr Dasein fristen, sind seine Ausführungen erschreckend. Unsere Hunde sind aufgrund ungenügender genetischer Vielfalt, Inzucht und dadurch, dass rein auf „Schönheit“ gezüchtet wird, immer mehr zu mentalen, charakterlichen und physischen Krüppeln geworden. Nur wenn Hundefreunde, Züchter und Zuchtvereine, Tierärzte, Staat und Behörden alles daransetzen, dieser Entwicklung vehement entgegenzuwirken, ist es vielleicht noch nicht zu spät. Mögen Wachtels Warnungen und Lösungsvorschläge bei vielen Lesern Gehör finden, damit Rassehunden künftig Leid erspart wird.

der Stellung des Tieres im christlichen Glauben. Die Volkskundler des LVR-Institutes lassen in ihrer FilmDokumentation verschiedene Kirchenvertreter und Menschen zu Wort kommen, die in persönlichen Worten ihrer Liebe zu Tieren Ausdruck geben. Das verbindende Element aller Teilnehmenden ist, für die Tiere das Beste zu wollen. Vor diesem Hintergrund wird auch der Umgang mit Tieren in der Landwirtschaft und der Schöpfung insgesamt thematisiert.

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FOTO: DEUTSCHER TIERSCHUTZBUND

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Karina Brunner


[REZEPT]

Buchtipp Lieblingsmenüs für alle Jahreszeiten Schauspielerin, Politikerin, Schriftstellerin, Tierschützerin ... Barbara Rütting hat sich nach Beendigung ihrer Schauspielkarriere 1982 für den Tier- und Umweltschutz, aber auch die gesunde Ernährung der Menschen engagiert. Sie lebt heute mit Hund und Katze im Spessart. Ihr neuestes Buch enthält außer 24 Menüvorschlägen – je sechs für jede Jahreszeit – ein sehr persönliches Vorwort mit vielen Anregungen für alle, die von vegetarisch auf vegan umsteigen wollen. Sämtliche Rezepte im Buch hat sie selbst „erfunden“ und so lange verfeinert, bis sie ihr optimal erschienen. Im Vorspann informiert sie über veganen Ersatz von Eiern, Käse und Milch.

Für die Rotwein-Pflaumen-Soße • 400 ml Rotwein • 1 Lorbeerblatt • 1 Nelke • ½ Zimtstange • Salz und Pfeffer • 100 g Trockenpflaumen oder Pflaumenmus • Apfelspalten

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Barbara Rütting, Vegan und vollwertig. Meine Lieblingsmenüs für Frühling, Sommer, Herbst und Winter, 164 Seiten, 149 Fotos, Nymphenburger Verlag, München, ISBN 978-3-485-01430-4, € 19,99

Festtagsbraten mit Rotwein-Pflaumen-Soße Zubereitung: Geschrotete Zutaten gut miteinander vermischen Gemüsebrühe mit den Lorbeerblättern zum Kochen bringen. Das Schrot unter Rühren einrieseln lassen, ca. 15 Minuten köcheln, dann auf ausgeschalteter Herdplatte ca. 3 Minuten ausquellen lassen. Öl erhitzen, die klein geschnittenen Pilze zugeben. Kurz braten, dann die fein geschnittenen Zwiebeln und fein gehackten Knoblauchzehen zugeben, weiterbraten. Die Masse samt den übrigen Zutaten (außer den Apfelspalten) mit dem Schrotbrei gut verkneten, am besten mit den Händen. Pikant abschmecken. Es muss ein geschmeidiger Teig entstanden sein – eventuell noch etwas Wasser/Öl unterkneten.

Den Bräter mit Backpapier auskleiden, so lässt sich der Braten später leicht herausheben und muss nicht gestürzt werden. Backpapier mit Öl einpinseln, den Brei hineinfüllen und fest andrücken, damit der Braten beim Anschneiden nicht bricht. Im auf 180 °C vorgeheizten Ofen ca. 1 Stunde braten. Nach ca. der halben Bratzeit Apfelspalten auf dem Braten verteilen und weiter mitbraten. Zubereitung der Soße: Rotwein mit den Gewürzen aufkochen. Die Gewürze herausnehmen, die Trockenpflaumen bzw. das Pflaumenmus und den in Spalten geschnittenen Apfel zugeben. Alles pürieren und noch einmal aufkochen.

FOTOS: AUGENSCHEIN, FOTO&DESIGN, ANGELIKA MURER

DIE ZUTATEN FESTTAGSBRATEN • 100 g geschroteter Grünkern • 100 g geschroteter Vollkornreis • 100 g geschroteter Dinkel • ca. 1 l kräftig gewürzte Gemüsebrühe • 2 Lorbeerblätter • 3-4 EL Öl • 100 g Shiitake-Pilze, frisch oder getrocknet • 2-3 Zwiebeln • 2-3 Knoblauchzehen • 100 g Haselnüsse • 2-3 EL Tomatenmark • 1 EL fein gemahlener Leinsamen • 1 EL Senf • 1 Prise Chilipulver • 1 TL Paprikapulver • 1 EL Sojasoße (bei Bedarf mehr) • frische oder getrocknete Kräuter: Majoran, Thymian, Kräuter der Provence, Petersilie • Ein in Spalten geschnittener Apfel


Natur – Kosmetik – Gesundheit

Zubehör + Sonstiges Ihre Ansprechpartnerin für gewerbliche Anzeigen in „du und das tier“ Esther Köser, Media Sales, Tel. 0781/84-3685 E-mail: mediasales@burda.com

Diverses

Nächste Erscheinungstermine: Ausgabe 01/14 erscheint am 14.02.2014 Anzeigenschluss ist der 02.01.2014

Ausgabe 02/14 erscheint am 04.04.2014 Anzeigenschluss ist der 20.02.2014


[ RÜCKBLICK] Schlaglichter 2013

Schritt für Schritt mehr Start des Tierschutzlabels

Demo gegen Agrarfabriken

Verstoß gegen EU-Vorgaben

Erfolgreicher Protest

Tierschutzlabel

Meine Landwirtschaft

Schweinehaltungsverordnung

Wir haben Agrar- Gruppenhaltung fabriken satt vorgeschrieben

Kosmetik

Tierversuche verboten

Zum Verkaufsstart von Produkten mit dem Tierschutzlabel „Für Mehr Tierschutz“ stellte sich der Deutsche Tierschutzbund im Beisein der Bundesagrarministerin am Rande der Internationalen Grünen Woche in Berlin den zahlreichen Fragen der Journalisten.

Vor dem Kanzleramt in Berlin demonstrierten im Januar, trotz klirrender Kälte, 25.000 Menschen mit dem Deutschen Tierschutzbund und der Kampagne „Meine Landwirtschaft“ gegen die herkömmliche Intensivtierhaltung und für eine ökologische und soziale Reform der Agrarpolitik.

Nach 10Jahren Übergangsfrist waren im Januar erst 73 Prozent der deutschen Bauern der EU-Vorgabe nachgekommen, Sauen bis eine Woche vor dem Abferkeltermin in Gruppen zu halten. Die EU-Kommission leitete gegen Deutschland vor dem EU-Gerichtshof ein Verfahren ein.

Nach 30-jährigem Kampf trat 2013 die letzte Stufe des EU-weiten Verbots von Tierversuchen für Kosmetik in Kraft. Der Kampf geht weiter, denn leider können Substanzen, die für andere Anwendungsbereiche zugelassen und in Tierversuchen getestet wurden, in Kosmetika enthalten sein.

Abstimmung

Land unter im Tierheim

Hund im Büro

Politisches Treffen

Mitgliederversammlung

Hochwasser

Aktionstag Kollege Hund

Parlamentarisches Frühstück

Neben den aktuellen politischen Forderungen zur Bundestagswahl stand die bedrohliche Lage der Tierheime im Mittelpunkt der diesjährigen Mitgliederversammlung. Außerdem ehrte die Versammlung die Jugendlichen, die in diesem Jahr mit dem Adolf Hempel-Jugendtierschutzpreis ausgezeichnet wurden.

Dank enormer Helfer-Leistung konnten in den betroffenen Tierheimen fast alle Tiere gerettet werden. Der Deutsche Tierschutzbund und seine betroffenen Landesverbände koordinierten die Hilfe mit den Mitgliedsvereinen vor Ort. Der Tierheimbetrieb war bald wieder sichergestellt.

Mehr als 1.000 Unternehmen beteiligten sich in diesem Jahr am Aktionstag Kollege Hund. Auch Bundestagsabgeordnete sprachen sich für Hunde im Arbeitsalltag ihrer Besitzer aus. Die beteiligten Firmen zeichnete der Deutsche Tierschutzbund als tierfreundliche Unternehmen aus.

Drei Monate vor der Wahl lud der Deutsche Tierschutzbund zum zweiten Parlamentarischen Tierschutzfrühstück in sein Hauptstadtbüro ein, um seine Forderungen zu erläutern. Auch hier sein Appell an die Gäste aus dem politischen Berlin: „Machen Sie den Bundestag tierfreundlicher.“

Transparenz für Verbraucher

Für die Tiere

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Überschwemmung Hunde erobern überstanden deutsche Büros

Bundestag tierfreundlicher!


Tierschutz

Der Deutsche Tierschutzbund kämpft mit großer Hartnäckigkeit in vielen Bereichen zugleich, um Verbesserungen für die Tiere zu erreichen. Hier einige Beispiele aus dem vergangenen Jahr.

Tierschutztagung in Bad Boll

Demo gegen Tierversuche

Kampagnenmotiv 2013

Hoffnung für Straßenhunde

Tierschutztagung

Protest in Berlin

Bundestagswahl

Ukraine

Mit Unterstützung des Deutschen Tierschutzbundes widmete sich die Tierschutztagung der Evangelischen Akademie Bad Boll den unterschiedlichen Herausforderungen für den Tierschutz in Europa. Auf dem Programm: Gesetzgebung und praktischer Tierschutz in den Mitgliedsstaaten.

Tausende Menschen forderten eine andere Forschungspolitik. Mit einem Demonstrationszug protestierten sie mit dem Tierschutzverein für Berlin, den Tierversuchsgegnern Berlin Brandenburg und dem Deutschen Tierschutzbund gegen die ansteigenden Versuchstierzahlen.

Vor den Bundestags-Wahlen appellierten der Deutsche Tierschutzbund und seine Tierschutzvereine an die Wähler: „Machen Sie den Bundestag tierfreundlicher!“ Als Orientierungshilfe machten Wahlprüfsteine transparent, wie aktiv eine Partei plant, sich für den Tierschutz einzusetzen.

Bei ihrem Arbeitsbesuch in Kiew und Odessa überzeugte sich eine Delegation des Deutschen Tierschutzbundes mit Ehrenpräsident Wolfgang Apel von der erfolgreichen Arbeit der Tierschutzprojekte in Kiew und Odessa. Die Akzeptanz der Bevölkerung ist dort spürbar.

Protestaktion in Potsdam

Patentag in Weidefeld

Freude bei den Absolventen

Aktion in Düsseldorf

Schweinemastanlage

Tierschutzzentrum Weidefeld

Tierschutzlehrer

Verbandsklagerecht

Neun Jahre wurde die Schweinemastanlage in Haßleben/Brandenburg verhindert. Nun wurde eine Mastanlage für 37.000 Schweine genehmigt. Der Deutsche Tierschutzbund, BUND, NABU und der Förderverein Feldberg-Uckermärkische Seenlandschaft legten Widerspruch ein.

Zehnjähriges Jubiläum feierte das Tier-, Natur- und Jugendzentrum Weidefeld des Deutschen Tierschutzbundes. Die Paten der Station hatten vor der offiziellen Feier Gelegenheit, ihren Patentieren nah zu sein und sich mit dem Präsidium des Deutschen Tierschutzbundes auszutauschen.

Im Herbst 2013 konnte bereits der zweite Jahrgang junger Tierschutzlehrer den Ausbildungsgang des Deutschen Tierschutzbundes erfolgreich beenden. Voller Elan starten die jungen Tierschutzlehrer nun in den Unterrichtsalltag, um Kinder für den Schutz der Tiere zu begeistern.

Nach Bremen haben nun auch Hamburg, NordrheinWestfalen und Saarland beschlossen, die TierschutzVerbandsklage einzuführen. In Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz liegen Regierungsentwürfe zur Einführung vor. Weitere Landesregierungen wollen diesem Schritt folgen.

Tierschutz in Europa

Widerspruch eingelegt

Forschung ja – Stimme für die Tierversuche nein Tiere

Besucherrekord zum Jubiläum

Erfolgreiche Ausbildung

Auf einem guten Weg

Durchbruch erzielt

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[ AKTUELL] Geschenk-Mitgliedschaft

Tierschutz kann man verschenken jederzeit Anspruch auf die kompetente Beratung der Experten des Deutschen Tierschutzbundes in allen Tierschutzfragen. Er erhält neben Aktionsbriefen zu aktuellen Themen auch sechsmal im Jahr die Zeitschrift du und das tier.

Tierschutz zum Nachlesen

Die beschenkte Tierfreundin staunt: eine einjährige Mitgliedschaft im Deutschen Tierschutzbund! Das ist eine gelungene Überraschung.

FOTOS: DT. TIERSCHUTZBUND

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de überreicht wird. Die Urkunde erhält zunächst die Person, die die Mitgliedschaft verschenken möchte, und kann sie persönlich am Wunschtag überreichen. Während seiner einjährigen Geschenkmitgliedschaft hat der beschenkte Tierfreund bei Bedarf

Hintergrundberichte, kritische Reportagen, wichtige Argumentationshilfen und Erfolgsgeschichten: du und das tier gibt wertvolle Tipps und Empfehlungen für den aktiven Tierschutz und man kann nachlesen, was der Deutsche Tierschutzbund und seine örtlichen Tierschutzvereine zum Wohl der Tiere unternehmen. Dieses Geschenk begleitet die Tierfreunde durchs ganze Jahr. Und vergessen Sie nicht: Jedes neue Mitglied ist ein Mitglied mehr in unserer Gemeinschaft und eine Stimme mehr für den Tierschutz. CHRISTIANE KOOK

MEHR I NFOS Für alle Fragen rund um Geschenkmitgliedschaften und andere tierschutzfreundliche Ideen wie Geschenkpatenschaften oder die HelpCard – unsere Geschenkkarte für den Tierschutz im Scheckkartenformat – erreichen Sie die Spender- und Mitgliederbetreuung des Deutschen Tierschutzbundes unter der Telefonnummer 0228 – 60 49 629 oder per E-Mail mitgliederbetreuung@tierschutzbund.de. Weitere Details finden Sie zudem auf der Internetseite www.tierschutzbundspenden.de/mitglied.html

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Tierschutzpraxis

Erstes Tierheimsymposium Am 9. November fand im Tierheim Berlin das erste gemeinsame Tierheimsymposium des Deutschen Tierschutzbundes und der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz (TVT) statt.

D

as in Österreich bereits dreimal erfolgreich durchgeführte Tierheimsymposium fand in diesem Jahr erstmals in Deutschland statt. Es richtete sich an Tierschützer und Tierärzte – hier auch als offizielle Fortbildungsveranstaltung anerkannt – und war mit 120 Teilnehmern aus allen Teilen Deutschlands und Österreichs gut besucht. In acht Fachvorträgen wurden wichtige Themen im Tierheimalltag dargestellt und wissenschaftlich beleuchtet. Dr. Burkhart Wendland (Bundesverband praktizierender Tierärzte, TVT), hob in seinem Vortrag die besondere Bedeutung der integrierten tierärztlichen Bestandsbetreuung beim Gesundheitsmanagement von Tierheimbeständen hervor. Dr. Henriette Mackensen, Fachreferentin an der Akademie für Tierschutz des Deutschen Tierschutzbundes, widmete sich dem Thema „Kleine

Heimtiere ganz groß“ und hob dabei die Vorbildfunktion hervor, die Tierheime auch in der Haltung dieser Tiere haben. Dr. Christiane Arhant, Tierärztin am Institut für Tierhaltung und Tierschutz der Universität Wien, berichtete anschaulich von einer Studie, die sich mit der Frage beschäftigte, ob der Zustand der Tiere Rückschlüsse auf die Qualität des Tierheim-Managements zulässt. Ziel der wissenschaftlichen Untersuchung war es, Amtstierärzten Mittel an die Hand zu geben, wie die Qualität der Tierhaltung im Tierheim objektiv beurteilt werden kann. Des schwierigen Themas der Einschläferung von Tieren im Tierheim nahm sich Dr. Bodo Busch, langjähriger Vorsitzender der TVT, an. Am

Beim ersten TIerheim-Symposium im Tierheim Berlin beleuchteten Fachvorträge verschiedene Aspekte der Tierheimtiere und des Tierheimmanagements.

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Nachmittag lenkte die praktische Tierärztin und Tierverhaltenstherapeutin Dr. Heidi Bernauer-Münz die Aufmerksamkeit der Teilnehmer auf die Grundlagen des Katzenverhaltens. Sie erläuterte, welche Haltungsansprüche eine Katze naturgemäß hat und welche Kompromisslösungen in Tierheimen gefunden werden können oder müssen. Dr. Elke Deininger, Tierärztin und Leiterin der Fachstelle für tiergerechte Tierhaltung und Tierschutz der Universität Wien, fasste die aktuellen Erkenntnisse zum „Animal Hoarding“, der krankhaften Tiersammelsucht, zusammen. Auf die speziellen Bedürfnisse von Papageien in Tierheimen ging die Biologin Nadja Zielger ein, Leiterin des österreichischen Vereins Arbeitsgemeinschaft Papageienschutz und Lehrbeauftragte der Stadt Wien. Sie betonte, dass es sich immer lohne, den Versuch einer Vergesellschaftung zu machen. Hohes Alter, Zahmheit oder jahrzehntelange Einzelhaltung seien keine Ausschlussgründe – nur zwei Prozent der Papageien könnten bei professioneller Integration nicht an ein Partnertier gewöhnt werden. Dr. Caroline Hartmann, Fachreferentin an der Akademie für Tierschutz des Deutschen Tierschutzbundes, schloss die Veranstaltung mit ihrem Vortrag ab, in dem sie unter anderem anhand praktischer Beispiele auf die Thematik einging, dass Hygiene und Wohlbefinden im Tierheim immer Hand in Hand gehen müssen. Nach einer kurzen Diskussion konnten die Tierheimhelden, eine Internetplattform, die den Tierheimen bei der Vermittlung ihrer Tiere Hilfe bietet, kurz ihre Arbeit vorstellen. Die Initiative wird sowohl von der TVT als auch vom Deutschen Tierschutzbund unterstützt. Mit der ermutigenden Erfahrung, dass gemeinsam erkannte Hürden bei der praktischen Umsetzung von Tierschutzanliegen in den Tierheimen auch gemeinsam in Angriff genommen werden können, reisten die Tagungsteilnehmer zurück. Wegen des großen Interesses soll voraussichtlich im Jahr 2015 das nächste Tierheimsymposium stattfinden. JUDITH SCHÖNENSTEIN/DR. HEIDRUN BETZ

FOTO: DEUTSCHER TIERSCHUTZBUND, TIERSCHUTZVEREIN BERLIN

[ AKTUELL]


[ AKTUELL] Tollwood Winterfestival 2013

statt Verstümmelung llwood

nd.de/to

schutzbu www.tier

In einer Gemeinschaftsaktion setzen sich Tollwood und der Deutsche Tierschutzbund für ein Ende der industriellen Intensivtierhaltung und damit für die Änderung der Tierschutzgesetzgebung ein. Die Forderung: Schluss mit den grausamen Missständen, keine Verstümmelung von Tieren, um sie den Haltungssystemen anzupassen.

S

eit dem 26. November lädt ein idyllischer Stall mit warmen Lichteffekten und glücklichem Hühnergackern die Besucher des Tollwood-Festivals auf der Münchner Theresienwiese zur Besichtigung ein. Was sie dort außerdem erwartet, lässt ein Kunstwerk vor dem Eingang ahnen. Der englische Künstler Adam Stubley hat dort seine persönlichen Bremer Stadtmusikanten aufgebaut: Kuh, Schwein, Ziege und Huhn versuchen, aus der Massentierhaltung zu fliehen, das Huhn ist gerade im Abflug. Im Themenzelt selbst, dem Stall, erfahren die Besucher, wie herkömmliche Intensivtierhaltung wirklich aussieht und wie die Tiere, die damit leben müssen, verstümmelt und manipuliert werden.

FOTOS: B.WACKERBAUER, FLATZ

Besucher können protestieren Er sieht das Leid, das sie bis zur Schlachtung ertragen müssen. Tollwood und der Deutsche Tierschutzbund fordern: „Schluss mit den grausamen Missständen, keine Verstümmelung von Tieren, um sie nicht tiergerechten Haltungssystemen anzupassen!“. Dieser Forderung können die Festivalbesucher mit ihrer Unterschrift im Stall Nachdruck verleihen. Die Unterschriftenliste soll bei der Grünen Woche in Berlin übergeben werden. Themenbezogene Aktionen wie die Physical Sculpture „Café Bad Connection“, eine spektakuläre, begehbare

Groß-Installation zum Thema Massentierhaltung des PerformanceKünstlers Wolfgang Flatz, sollen die Verbraucher zum Nachdenken anregen. Ebenso das Podiumsgespräch am 17. Dezember. Jutta Prediger vom Bayerischen Rundfunk moderiert die Diskussion rund um Nutztiere, deren spezifische Bedürfnisse und Verhaltensweisen.

Wissenschaftler zeigen neue Wege auf Prof. Josef Troxler, Leiter des Instituts für Tierhaltung und Tierschutz an der Veterinärmedizinischen Universität Wien, Jochen Dettmer, Bundesgeschäftsführer des NEULAND-Vereins für tiergerechte und umweltschonende Nutztierhaltung, Ernst Hermann Maier, „Rinderflüsterer“, Bio-Bauer und Erfinder der Mobilen Schlachtbox (MSB), diskutieren darüber, wie eine artgerechte und ökologisch verträgliche Nutztierhaltung realisiert werden könnte.

Oben: Tierschutzbund-Präsident Thomas Schröder (r.), PerformanceKünstler Wolfgang Flatz. Unten die „Bremer Stadtmusikanten“.

AKT I V WERDEN Für Besucher, die das Festival nicht besuchen können, gibt es die Möglichkeit, online ihre Stimme im Rahmen der Aktion ARTgerecht abzugeben: www.tierschutzbund.de/ protestieren-tollwood

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[ AKTUELL] Branchenlösung „Initiative Tierwohl“

Zu kurz gegriffen

Das Bewusstsein, dass sich in der Intensivtierhaltung etwas ändern muss, ist in der Breite der Gesellschaft angekommen. Die Branche hat ihre Verantwortung erkannt und will handeln. Der Deutsche Tierschutzbund, der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) und die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) sehen den bisherigen Ansatz kritisch.

V

ertreter der Landwirtschaft, der Fleischwirtschaft und des Handels traten im September in Berlin vor die Presse. Die „Initiative Tierwohl“, 2012 im Rahmen des QSKontrollsystems gegründet, hatte eine „Absichtserklärung zur Umsetzung der Initiativen zum Tierwohl von Schwein und Geflügel“ unterzeichnet. Schweinehalter, Hähnchen- und Putenmäster wollten zukünftig freiwillig über das gesetzliche Maß hinausgehende Leistungen für mehr Tierwohl erbringen, heißt es darin. Der Handel werde den Landwirten für den entstehenden Mehraufwand einen Kostenausgleich zahlen. Was die zu Recht über massenhaftes Tierleid in herkömmlichen Intensivmast-Ställen empörte Bevölkerung beruhigen soll, stößt beim Deutschen Tierschutzbund, dem BUND und der AbL auf harsche Kritik. Die drei Verbände, die auch Träger des NEULAND Vereins für tiergerechte und umweltschonende Nutztierhaltung sind, begrüßten das Ziel, Verbesserungen im Tierschutz in der Breite durchzusetzen und einem Landwirt, der sich an Fortschritten in der Tierhaltung beteiligt, mehr Geld zu erstatten. Die angekündigten Maßnahmen würden diesem Ziel jedoch nicht gerecht, erklärten sie auf einer gemeinsamen Pressekonferenz zum

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Start der Ernährungsmesse ANUGA im Oktober in Köln. In ers ter Linie sollen höhere gesetzliche Standards verhindert werden, so die Verbände. Im Vergleich zu den gültigen, aus Tierschutzsicht unzureichenden gesetzlichen Vorgaben zur Tierhaltung plant die Branche lediglich geringe Veränderungen. Definiert wurden Pflicht- und Wahlpflichtkriterien. Die Pflichtkriterien im Geflügelbereich müssen von allen QS-zertifizierten Betrieben eingehalten werden. Zu den Wahlpflichtkriterien gehört nicht mehr als der Versuch, die Besatzdichte zu reduzieren, was ebenfalls zu kurz greift.

Maßnahmen unzureichend Im Schweinebereich ist die Teilnahme insgesamt nur freiwillig. Wer sich an der Branchenlösung beteiligen möchte, muss die Pflichtkriterien erfüllen. Ob und in welchem Umfang

Im Schweinebereich ist die Teilnahme nur freiwillig.

er die Wahlpflichtkriterien umsetzen möchte, kann er selbst entscheiden. Vorgegeben ist jedoch, dass der Gesamtwert der umgesetzten Maßnahmen im Wahlpflichtbereich bei drei Euro je Mastschwein liegen muss. Ob die angekündigten Maßnahmen den Tieren helfen werden, ist fraglich – aus mehreren Gründen. Zum einen sind die Vorgaben zu niedrig angesetzt, um tatsächlich mehr Tierschutz zu gewährleisten. Zum anderen sind willkürlich kombi-


Anlässlich der Eröffnung der Kölner Ernährungsmesse ANUGA forderten Thomas Schröder, Prof. Hubert Weiger und Bernd Voß (v.l.) strengere gesetzliche Bestimmungen und einen Systemwechsel in der Agrarpolitik.

lich sogar eher das Gegenteil, wie Billigpreisoffensiven des Handels in diesem Jahr gezeigt haben. Doch mehr Tierschutz kostet definitv mehr Geld. Der Deutsche Tierschutzbund, der BUND und die AbL haben die Branche aufgefordert, sowohl ihren Kriterienkatalog als auch die Methodik zu überarbeiten. Ihre Mindestanforderungen blieben weit hinter der langjährigen Praxis einer tiergerechten Haltung zurück, wie sie das NEULAND-Programm seit einem Vierteljahrhundert praktiziere. Bauern, die eine konsequent tiergerechte Haltung umsetzen, würden auf ihren Kosten sitzen bleiben, so die Kritik. Die Verbände hoffen, dass das Kartellamt noch Nachbesserungen verlangen wird. Sie sehen die Initiative

als Teil einer Imagekampagne, mit der die Fleischkonzerne versuchen, Billigfleisch hoffähig zu machen und das Leid von 67 Millionen Masthühnern und 30 Millionen Mastschweinen in Deutschland zu vertuschen.

Regierung ist gefordert Gemeinsam forderten der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Thomas Schröder, der Vorsitzende des BUND, Prof. Hubert Weiger, und der AbL-Vorsitzende, Bernd Voß, von der zukünftigen Bundesregierung gesetzliche Standards, die für die gesamte Branche eine tier- und umweltschutzverträgliche bäuerliche Tierhaltung gewährleisten. Die deutsche Agrarpolitik brauche einen Systemwandel. DR. HEIDRUN BETZ

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FOTOS: DT. TIERSCHUTZBUND, IMAGO

nierte, kleine Veränderungen nicht hilfreich. Tierhaltungssysteme müssen ganzheitlich betrachtet werden. Um tiergerecht zu sein, müssen sie den artspezifischen Verhaltensweisen und daraus abgeleiteten Bedürfnissen des Tieres Rechnung tragen. Einzelne, isoliert ausgewählte Teilaspekte zu verändern, führt nicht zwingend zu einem höheren Tierschutzniveau. Aus Verbrauchersicht bedenklich sind zudem die Pläne, die entsprechenden Produkte überhaupt nicht kennzeichnen zu wollen. Transparenz und Rückverfolgbarkeit werden damit verhindert. Die Kunden erhalten keine Möglichkeit, über ihr Kaufverhalten Einfluss zu nehmen. Die Preise für Fleisch sollen auf keinen Fall ansteigen. Offensicht-


[ DRAUSSEN]

Nashorn-Schmuggel

Wie die Wilderer wüten In Südafrika machen organisierte Banden Jagd auf Nashörner, weil Pulver aus deren Horn in Asien als Wunderheilmittel gilt und teuer bezahlt wird. Der Kampf gegen die Horn-Mafia ist schwierig und zäh.

S

anfte Hügel, dichter Busch, dazwischen lichte Savannen – ein Paradies für Tiere. Antilopen, Gnus, Zebras, Giraffen weiden hier im „Boltierskop Game Reserve“, einem privaten Wildtier-Reservat, 200 Kilometer nördlich von Kapstadt. Auf einer Lichtung ein paar BreitmaulNashörner. Sie verschwinden schnell im Gebüsch. „Rhinos sind scheu, obwohl sie in der Tierwelt keine Feinde haben“, sagt Ranger Viljoen. „Ihr einziger Feind ist der Mensch.“ Der Wildhüter kennt das aus eigener Erfahrung. Vor einigen Monaten hat er eine furchtbare Entdeckung gemacht: ein totes Nashorn am Rand des Reser-

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vats. Erschossen von Wilderern. Sie hatten es lediglich auf die beiden Hörner abgesehen. Dort, wo sie waren, klaffte nur noch blutiger Knorpel. Die Wilddiebe hatten die Hörner rigoros abgesägt. „Diese Bastarde sind eine Plage in Südafrika“, schimpft Viljoen. „Sie machen selbst vor kleineren Reservaten mit ein paar Rhinos nicht halt.“ Das „Boltierskop Game Reserve“, das auf 3.000 Hektar Land 26 verschiedene Säugetier- und 200 Vogelarten beherbergt, ist eines von rund einem Dutzend privaten Reservaten in Südafrika. Sie bieten auch abseits der großen staatlichen Schutzgebiete Tierfreunden die Möglichkeit, afrika-

nische Fauna in freier Wildbahn zu erleben. Für Parks mit ein paar wenigen Nashörnern ist der Tod eines solchen Tieres ein besonders herber Verlust.

Nashörner sind wertvoll Rhinos sind, weil ihre Art zunehmend bedroht ist, besonders schützenswert. Sie sind zudem eine Attraktion für jedes Reservat. Deshalb legt man dort Wert darauf, neben Elefanten, Löwen und Büffeln auch Nashörner im Bestand zu haben. Die Kolosse mit der Panzerhaut sind jedoch teuer. Für den Kauf und die Umsiedlung eines Nashorns aus einem Park mit größerer Population gehen gut 20.000 Euro


Gewildert werden wöchentlich fast so viele Nashörner, wie Jungtiere geboren werden.

Fingernägel des Menschen sind. Die Folgen dieses Irrglaubens sind katastrophal. Hielt sich die Anzahl der in Südafrika gewilderten Nashörner 2007 mit „nur“ 13 noch in Grenzen, stieg sie danach von Jahr zu Jahr. 2011 lag sie bei 448, 2012 bei 668. 2013 wurde diese Zahl bereits im Oktober übertroffen. Seit Beginn der massiven Wilderei wurden in Südafrika mehr als 2.000 Rhinos ihrer Hörner wegen abgeknallt, etwa die Hälfte davon allein im Krüger-Nationalpark.

Die Wilderer sind hervorragend ausgebildet und organisiert und mehr drauf. Wenn dann – wie in einem anderen Privatpark geschehen – gleich zwei Nashörner Wilderern zum Opfer fallen, ist das für das Management selbst bei guten Eintrittsgebühren und Lodge-Einnahmen kaum zu verkraften. Die Probleme begannen vor rund fünf Jahren. Bis dahin galt Pulver aus dem Horn der Rhinos in der asiatischen Medizin zwar schon als Arznei gegen Fieber, Bluthochdruck und Schlaganfall. Doch erst als in Südostasien das Gerücht aufkam, das Pulver könne Krebs heilen, avancierte es zum Wunderheilmittel. Prompt schoss die Nachfrage in die Höhe – vor allem in Vietnam und China. Nicht zuletzt aus Prestige­ gründen sind reiche Asiaten bereit, für 100 Gramm 5.000 Dollar und mehr zu bezahlen. Dabei besteht das Horn aus nichts anderem als Keratin, dem gleichen Eiweiß, aus dem Haare und

Südafrikas ältestes und meistbesuchtes Reservat ist besonders gefährdet wegen seiner Größe und seiner 300 Kilometer langen Grenze zu Mosambik. Von dort kommen die meisten Wilderer. Sie sind bandenmäßig organisiert, bestens ausgerüstet und häufig militärisch ausgebildet. Sie haben Präzisionsgewehre und Nachtsichtgeräte, sogar Hubschrauber. Die Täter schlagen irgendwo schnell zu und verschwinden ebenso schnell wieder über die Grenze. Im Nachbarland bleiben sie unbehelligt. Im Kampf gegen die Tiermörder haben die Parkverwaltung und die Sicherheitsbehörden ebenfalls aufgerüstet. Zusätzlich zu den über 500 Rangern wurden schwer bewaffnete Soldaten eingesetzt. Vier Kompanien, um die Grenze zu Mosambik zu überwachen, drei weitere an den Demarkationslinien zu Simbabwe, Swasiland und Lesotho. „Poachers will be poached“ (Wilderer

Mit speziell geschulten Schäferhunden bekämpfen einige private Parks die ­Wilderei. Seit dem Einsatz der Hunde musste dort kein Nashorn mehr sterben.

werden gewildert) steht auf Schildern an den Zufahrtsstraßen zum KrügerNationalpark. Wer erwischt wird, muss mit drakonischen Strafen rechnen. In Johannesburg wurden kürzlich drei Nashorn-Killer zu je 25 Jahren Haft verurteilt. Dutzende wanderten bereits ins Gefängnis. Werden Wilderer gestellt, kommt es nicht selten zu Schießereien. 2011 wurden im Krüger-Park 21 „Poachers“ von Rangern erschossen. Trotz des hohen Risikos für die Täter ist die Wilderei nicht völlig auszurotten, kämpfen die Parkschützer „wie gegen Windmühlenflügel“ (so der Sicherheitschef des Reservats). Die Aussicht auf Profit ist für Schmuggler und illegale Jäger immens. Inzwischen hat Nashorn-Pulver In Südostasien einen Wert wie Gold. Bis zu 60.000 Dollar bringt ein Kilo Horn dort ein, um die 250.000 Dollar ein komplettes, vier Kilo schweres Horn. Die Wilderer erhalten bis zu 4.000 Dollar, das entspricht fast dem Zehnfachen eines Jahres-Durchschnittsgehalts in Mosambik. Das Geschäft mit den Hörnern funktioniert wie der Drogenhandel. Wilderer und Kuriere machen die Drecksarbeit. Die Beute geht an Zwischenhändler, die sie dann nach Südostasien schmuggeln. Dort übernehmen Hintermänner die Verteilung. Die haben nichts zu befürchten, da sie meist über gute Beziehungen zu Behörden verfügen oder selber darin sitzen. Die Sicherheitskräfte müssen sich mit Teilerfolgen zufriedengeben. Noch schwieriger als in den Nationalparks du und das tier  6/2013  33


[ DRAUSSEN]

Für Pulver, Essenzen und Tabletten mit Elfenbein geben Menschen in Südostasien viel Geld aus, denn die Mittel sollen sogar gegen Krebs wirksam sein.

ternationalen Artenschutz-Konferenz in Bangkok. Dagegen vorzugehen „ist eine Sache globaler Dringlichkeit“. Anlässlich einer UN-Konferenz zu Wilderei und illegalem Wildtierhandel am 27. September in New York erklärte Gabuns Präsident Ali Bongo, die Wilderei sei nicht mehr nur ein Artenschutzproblem. Diese länderübergreifende Krimi-

Tausende von Tieren wurden im Hwange-Nationalpark durch Zyanid vergiftet.

CITES

Die Wilderei stoppen Mehrere Länder, darunter Vietnam und Mosambik, wurden auf der diesjährigen Konferenz zum Handel mit bedrohten Arten dazu aufgefordert, die Wilderei zu unterbinden. Die Vertragspartner drohten ihnen, sie andernfalls auszuschließen. Das käme einem internationalen Handelsverbot gleich, sie würden erhebliche Einnahmen verlieren. Südafrikas Umweltministerin Edna Molewa hält die Situation für dramatisch: Die Nashorn-Population stehe kurz vor dem Zusammenbruch. Wenn es nicht gelänge, die Wilderei zu stoppen, würden schon in wenigen Jahren mehr Tiere von Wilderern getötet

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werden, als im gleichen Zeitraum geboren werden. Im September 2013 seien innerhalb einer einzigen Woche 53 Nashörner umgebracht worden, berichtet das CITES-Sekretariat auf seiner Website. Durchschnittlich 26 junge Nashörner kämen in einem guten Jahr pro Woche zur Welt. 18 Tiere würden zurzeit wöchentlich von Wilderern getötet. Zu welch grausamen Methoden Wilderer greifen, hat sich in diesem Sommer gezeigt: Mindestens 81 Elefanten und unzählige andere Tiere kamen im Hwange-Nationalpark im Südwesten Simbabwes ums Leben, als sie an einem mit Zyanid vergifteten Wasser-

nalität gefährde Frieden und Sicherheit des Kontinents. Führende Vertreter Belgiens, Deutschlands, Gabuns, Großbritanniens, Kolumbiens, Norwegens, Thailands, des Tschad und der USA sprachen sich dafür aus, unter dem Dach der UN gemeinsam gegen den Nashorn- und Elfenbeinschmuggel vorzugehen. HERBERT UNIEWSKI

loch tranken. In unmittelbarer Nähe einer große Ladung Stoßzähne seien neun Männer festgenommen worden. Unzählige weitere Tiere sind von den grauenhaften Methoden betroffen. An einem einzigen vergifteten ElefantenKadaver seien im Juli 2013 bis zu 600 Geier ums Leben gekommen, beklagt die Umweltorganisation BirdNet. Die Vögel seien den Schmugglern im Weg. Sie umkreisten die Kadaver und signalisierten den Behörden so, wo Wilderer am Werk sein könnten. Südafrika möchte bei der nächsten CITES-Konferenz (2016) eine Genehmigung erwirken, die gesamten Elfenbeinbestände des Landes auf einen Schlag auf den Markt zu werfen. Das soll die Preise in den Keller treiben und die Wilderei weniger attraktiv machen. Die Hoffnung, damit Nashörner und Elefanten zu retten, ist jedoch trügerisch. Derartige Versuche, den Markt so zu beeinflussen, wurde schon mehrfach unternommen. Sie haben den Tieren nicht geholfen. Staaten, die – wie Südafrika – ihre Großtierarten schützen möchten, müssen durch internationale Hilfe dazu in die Lage versetzt werden, der Wilderei effektiv Einhalt zu gebieten. Nur dann kann es gelingen, Nashörnern und Elefanten das Überleben zu sichern. DR. HEIDRUN BETZ

FOTOS: IMAGO, REX FEATURES, DPA, WWF/ESMOND BRADLEY MARTIN

ist die Lage in privaten Reservaten, in denen 25 Prozent der Nashörner leben. Der Park „Sabi Sand“ kann sich eine eigene Schutzstaffel mit speziell ausgebildeten Schäferhunden leisten. Seit deren Einsatz ging dort kein Rhino mehr verloren. Externe Sicherheitsdienste kosten die Betreiber bis zu 10.000 Dollar im Jahr. Zu viel für manche. Sie verzichten auf Nashörner, was ebenfalls zur Reduzierung der Population beiträgt. Das Massentöten in Afrika und der Schmuggel nach Asien haben auch die UNO alarmiert. „Das Ausmaß hat Krisenproportionen angenommen und ist mit dem globalen Rauschgiftund Waffenhandel vergleichbar“, erklärte Achim Steiner, Direktor des UN-Umweltprogramms, auf einer in-


Gezüchtet auf extreme Langhaarigkeit

[Hinter den Kulissen] Für jedes Knäuel Wolle leiden Tiere.

Angorapullis gelten als besonders wärmend.

Angorakaninchen

Vier Jahre Qual für ein paar Pullover Die Wolle von Angorakaninchen gilt als besonders flauschig. Doch die Tiere, die diese Wolle liefern, leiden.

FOTOS: IMAGO, DREAMSTIME.COM/V. MATONIN

K

uschlig sehen sie aus mit dem silberweißen Haar und den bepelzten Löffeln. Als Werbeträger für warme Unterwäsche, Pullover oder Mützen vermitteln sie den Eindruck eines glücklichen Daseins – eine Illusion. Angorawolle und Angoraprodukte stammen aus Großproduktionen. Aus Anlagen, in denen Dutzende, oft auch Hunderte von Kaninchen in Einzelhaft in einstreulosen Käfigen sitzen und sich kaum bewegen können. Dabei sind sie, wie alle Kaninchen, bewegungsfreudige und gesellige Tiere, die hoppeln, graben, sich längs ausstrecken und auf den Hinterbeinen aufrichten wollen.Alles unmöglich in den industriellen Haltungssystemen. Dort geht es nur um die Wolle. Damit die Tiere, deren Langhaarigkeit durch eine genetische Mutation entstanden ist, sich nicht gegenseitig das Fell abfressen, müssen sie in Einzelkäfige. Die sind blickdicht und ein Kontakt der Tiere untereinander ist unmöglich. Damit soll zusätzlich das Ausbreiten ansteckender Krankheiten verhindert werden. In China, dem Land, aus dem 95 Prozent der Angorawolle stammt, sind die Durchschnittsmaße 76 x 61 x 46 Zentimeter, tragende Häsinnen haben einen auf

91 Zentimeter verbreiterten Käfig, damit die Nestbox noch Platz findet. Platz zum Aufrichten, Bewegen, sich Strecken oder gar Hoppeln gibt es nicht. Das ist auch nicht erwünscht, denn durch die Leistungszucht auf möglichst viel Wolle sind die Angorakaninchen nicht mehr in der Lage, ihr Fell zu pflegen. Außerhalb der sterilen Haltung würde es verfilzen und wäre damit wertlos. Wenn die jungen Zuchttiere sechs Wochen alt sind, werden sie zum ersten Mal geschoren. Oder sie werden gerupft. Zum Stress kommt bei den Tieren das plötzliche Fehlen jeglichen Wärmeschutzes hinzu. Um die Körpertemperatur auszugleichen, verdoppeln sie ihre Futteraufnahme, eine schwere Belastung für das empfindliche Stoffwechselsystem. Tatsächlich gibt es in der Zeit direkt nach der Schur hohe Mortalitätsraten. Und die Schur wird drei Monate später wiederholt. Wenn die Tiere neun Monate alt sind, bringen sie „Topleistung“, danach sinkt der Wollertrag. Mit vier Jahren haben die malträtierten Angoras ausgedient. So hoch ist ihre durchschnittliche Lebenserwartung, die bei Kaninchen sonst bei rund zehn Jahren liegt. Gesetzliche Vorgaben zu einer kaninchen-

gerechten Haltung gibt es in den meisten Ländern nicht, Kontrollen sind vor allem in China, dem Hauptproduzenten der Angorawolle, kaum möglich. Zu befürchten ist deshalb, dass dort noch schlimmere Bedingungen toleriert werden. 1.500 Gramm, in Ausnahmefällen 3.000 Gramm Wolle „liefert“ ein Angorakaninchen im Jahr. Drei bis vier Pullover lassen sich daraus stricken. Dafür wird das Tier drei- bis viermal jährlich geschoren, fristet ein jämmerliches Leben in einem winzigen Käfig und stirbt früh. Der Deutsche Tierschutzbund lehnt die derzeitigen Haltungsformen in Europa und Asien grundsätzlich ab. Er fordert, dass die Wollentnahme bei Angorakaninchen nur dann erlaubt wird, wenn die Tiere artgemäß und verhaltensgerecht gehalten werden. Da dies unter profitorientierten Bedingungen nicht möglich ist, sollte auf eine kommerzielle Nutzung von Angorakaninchen verzichtet werden. Rein wirtschaftliche Erwägungen sind kein „vernünftiger“ Grund, Tieren Schmerzen und Leiden zuzufügen. Die Verbraucher sind auf diese Produkte nicht zwingend angewiesen. AKT I V WER DE N Achten Sie beim Kauf von Wolle oder Wollprodukten darauf, ob die Produkte Angorawolle enthalten, und verzichten Sie auf den Kauf. Noch mehr bewirken Sie, wenn Sie Verkäufern oder Herstellern von Angorawollprodukten Ihre Kritik mitteilen. Einige Modeketten haben sich bereits entschieden, Angoraprodukte aus dem Sortiment zu nehmen. Helfen Sie mit, damit sich weitere anschließen.

du und das tier 6/2013 35


[Hinter den Kulissen] Forschung

Ausgezeichnete Methode Tierversuche ersetzen, die Ursachen von entzündlichen Hauterkrankungen ergründen – das sind die Anliegen von Günther Weindl, Professor für Pharmakologie der Freien Universität Berlin. Er forscht an künstlichen Modellen der menschlichen Haut. Für eines dieser Modelle ist er nun ausgezeichnet worden.

Der Preisträger, Prof. Weindl, mit Ines Krüger (l.) und Brigitte Jenner vom Bündnis Tierschutzpolitik Berlin.

Mit dem Hautmodell von Prof. Weindl können Tierversuche ersetzt werden.

D

em Pharmakologen Günther Weindl wurde in diesem Sommer der Berliner Forschungspreis zur Förderung der Erforschung von Ersatz- und Ergänzungsmethoden für Tierversuche verliehen, der mit 15.000 Euro dotiert ist. Das Bündnis Tierschutzpolitik Berlin, dem auch der Tierschutzverein für Berlin und Umgebung angehört, verlieh dem Wissenschaftler noch einen Zusatzpreis in Höhe von 5.000 Euro.

Dringend gebraucht werden mehr Fördergelder Diese Preisverleihung ist ein schönes Zeichen in der als „Hauptstadt der Tierversuche“ bekannten Stadt, denn mit dem Neubau eines Tierhauses mit Laborräumen am MaxDelbrück-Centrum (MDC) investieren Bund und Land in Berlin gerade

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ein weiteres Mal in großem Stil in das „System Tierversuch“. Dabei werden für die Entwicklung von Methoden, die Tierversuche ersetzen oder reduzieren können, dringend mehr Fördergelder benötigt. Anders als für Tierversuchsprojekte, die im Rahmen diverser Forschungsprogramme in Milliardenhöhe finanziert werden – auch aus Steuergeldern –, stellt die Bundesregierung für die Förderung von Ersatzmethoden zu Tierversuchen jährlich lediglich 4 bis 5 Millionen Euro zur Verfügung. Neue Ersatzmethoden zu entwickeln oder gar zur behördlichen Anerkennung zu bringen, ist damit schier unmöglich. Welche faszinierenden und innovativen Methoden realisiert werden könnten, wenn ausreichend finanzielle Unterstützung zur Verfügung stün-

de, zeigt Günther Weindl. Er forscht mit seiner Arbeitsgruppe daran, Hautmodelle zu entwickeln, die auf den Kontakt mit allergieauslösenden Stoffen so reagieren wie die Haut beim Menschen. So können die Entstehung von Kontaktallergien untersucht und Wirkstoffe zur Behandlung getestet werden. Die Modelle haben den Vorteil, dass sie aus menschlichen Hautzellen bestehen, denn Tiere reagieren, aufgrund von Unterschieden, beispielsweise im Stoffwechsel und bei der Immunabwehr, oft anders als der Mensch.

Hautmodelle mit eigenem Immunsystem Prof. Weindl verwendet Hautstücke, die – etwa bei Schönheitsoperationen – als „Abfall“ übrig bleiben. Nach Zustimmung der Patienten erhält der Wissenschaftler diese Hautpartikel von Krankenhäusern und baut deren Zellen im Modell zu einer ersten und zweiten Hautschicht zusammen. Nach einiger Zeit bilden


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die zusammengefügten Zellen von selbst auch die oberste Hornschicht der Haut. Bis auf die fehlende Behaarung sehen diese Modelle aus wie echte Haut. Das Besondere an Weindls Hautmodellen ist, dass zusätzlich spezielle Zellen des Immunsystems hinzugefügt werden, die als LangerhansZellen bezeichnet werden.

Zellen mit Wächterfunktion Diese Zellen haben im Körper eine „Wächterfunktion“. Sie alarmieren ihn, sobald Krankheitserreger die oberste Hornschicht der Haut überwinden, und leiten eine Abwehrreaktion ein. Auch bei einer Kontaktallergie – der krankhaften Reaktion auf eigentlich ungefährliche Substanzen – melden Langerhans-Zellen dem Körper, dass die betreffende Substanz – das Allergen – in die Haut eingedrungen ist. Nach Aktivierung der Körperabwehr kommt es zu entzündlichen Reaktionen der Haut. Durch den Einsatz von Langerhans-Zellen haben Weindls Hautmodelle sozusagen ein eigenes Immunsystem.

Um festzustellen, ob eine Substanz allergische Reaktionen hervorrufen kann, werden bislang Tests an Mäusen oder Meerschweinchen durchgeführt. Den Tieren werden die zu untersuchenden Substanzen gespritzt oder auf die Haut gestrichen. Beide Varianten sind sehr schmerzhaft und erfordern eine große Anzahl Tiere. Weindls Hautmodelle können diese Tests ersetzen und außerdem zur Erforschung von Krankheiten wie Neurodermitis oder Schuppenflechte beitragen, für die derzeit Mäuse als „Versuchstiere“ eingesetzt werden. Im Hinblick auf den ungebrochenen Anstieg der Anzahl von Tieren, die in Tierversuchen eingesetzt werden, ist Weindls Auszeichnung von großer Bedeutung. Wenn genug Geld da ist, genug Druck auf Forschung und Politik gemacht wird, dann ist­ es möglich, durch tierversuchsfreie Methoden dem Menschen zu helfen und gleichzeitig Tiere zu schützen. KRISTINA WAGNER

FOTOS: TIERSCHUTZVEREIN BERLIN, GÜNTHER WEINDL

Tests ersetzen Tierversuche

Wahre Tierliebe Folge 8

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[ JUGEND] Jugendländerrat

Bundesweites Treffen Auf das Zusammenkommen des Jugendländerrats im September waren die Vertreter der Jugendarbeit aus den Landestierschutzverbänden besonders gespannt. Das zweite Treffen dieses Jahres sollte nicht nur dem Austausch und der Vernetzung der überwiegend ehrenamtlichen Aktiven dienen. Erstmals war ein ganzer Tag für Hofbesichtigungen eingeplant.

Die Mitglieder des Jugendländerrates nahmen aus ihrem Treffen viele Anregungen für Aktionen in der Jugendtierschutzarbeit mit.

E

inen Überblick über die aktuellen Jugendaktivitäten und die Anzahl der Jugendgruppen erhielten die Mitglieder des Jugendländerrates durch Kurzberichte aus den Landestierschutzverbänden. Als Symbol und um den Stellenwert der Jugendarbeit zu unterstreichen, wurden beispielsweise in Berlin und Hamburg zwei Tierschutzjugend- und Kinderhäuser eröffnet. Sie bieten den Jugendgruppen erstmalig eigens für sie geschaffenen Raum für ihre Treffen. Auch aus anderen Bundesländern gab es viel zu berichten. 2013 hatten die Tierschützer umfangreiche Veranstaltungsprogramme angeboten – sowohl Fortbildungen für Jugendgruppenleiter als auch gezielte Angebote für Kinder und Jugendliche zu speziellen Themen.

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Die Jugendarbeit durch unterschiedliche mediale Verbreitungsformen zu aktivieren und zu festigen, war dabei ein wichtiges Thema. Durch den Austausch im Kreise von Gleichgesinnten erhielten die Teilnehmer Hinweise für ihre eigene Arbeit, konnten aber zugleich neue Ideen weitergeben und entwickeln.

Gespräche mit Landwirten Auch der ganztägige Besuch der Bauckhöfe in Uelzen sollte den Teilnehmern Hintergrundwissen und Anregungen für ihre Arbeit vermitteln. Durch den direkten Kontakt mit Landwirten und deren Tieren konnten die Teilnehmer mit allen Sinnen Erfahrungen sammeln und ihre theo­ retischen Kenntnisse ergänzen. So gewannen sie neue Anreize für Ideen

in der Jugendarbeit. Während der erste Hofbesuch in Klein Süstedt den Schwerpunkt der Geflügelhaltung thematisierte, wurde am Nachmittag die Milchrinder- und Schweinehaltung auf dem Bauckhof Amelinghausen besichtigt. Beide Landwirte nahmen sich viel Zeit für die Fragen der Mitglieder des Jugendländerrats und sprachen über die Besonderheiten und Herausforderungen der Tierhaltung in der ökologischen Landwirtschaft.

Fachwissen aus erster Hand Die Teilnehmer erhielten zahlreiche Informationen über die Probleme in der Putenzucht, das Zweinutzungshuhn, die Aktion „Brüderhähne“ (Aufzucht der männlichen Küken von Legehennenrassen) oder die Problematik der Hornkürzungen bei Rindern. Sie hatten nicht nur die Chance, intensives Fachwissen aus erster Hand aufzunehmen, sondern auch in Kontakt mit den Tieren zu treten. Nachdem die raue Zunge eines Rindes Kartoffeln aus der Hand geschleckt hatte und der wuselige Hühnerhaufen bei der Fütterung aufgeregt um die Beine der Besucher gelaufen war, fiel den Tierschützern die anschließende Beschäftigung mit dem Thema „Schlachtung“ sichtlich schwer.

Umsetzung in Jugendarbeit Doch gerade die intensive Erfahrung weckte bei den Teilnehmern, wie Diskussion und Nachbesprechung zeigten, nicht nur Emotionen, sondern auch den Drang, diesen schweren, aber wichtigen Aspekt des Tierschutzes auch in der Jugendarbeit zu vermitteln. Gemeinsam überlegten sie, mit welchen Möglichkeiten man das Erlebte Kindern- und Jugendlichen altersgerecht weitergeben kann. In Kleingruppen entwickelten sie Konzepte und Aktionen und überlegten bereits, wie alle Landestierschutzjugendgruppen ihr Engagement vernetzt nutzen können, um Missstände in der Tierhaltung und ihren Einsatz für mehr Tierschutz öffentlich zu machen. Viele neue Eindrücke und ausgetauschte Gedanken sind das Potenzial dieser wichtigen Vernetzungstreffen.


Nicht verpassen:

Jugendtermine

Tierschutzlehrer

Ausbildung erfolgreich abgeschlossen

W

ie viel Verantwortungsgefühl und Engagement Kinderund Jugendliche zeigen, wenn sie von Missständen und Tierleid erfahren, versetzt Erwachsene immer wieder in Erstaunen. Auch die Fragen der Kinder treiben so manchem Erwachsenen die Schweißperlen auf die Stirn. Nicht so den Teilnehmern des zweiten Ausbildungsganges des Tierschutzlehrers 2013. In fünf Wochenendseminaren von April bis Oktober an der Akademie für Tierschutz in Neubiberg erwarben die Teilnehmer der bunt gemischten Gruppe fundierte fachliche und didaktische Kenntnisse, um den Tierschutzgedanken an Kinder und Jugendliche erfolgreich zu vermitteln und die Fragen der Tierschützer altersgerecht beantworten zu können. Die Teilnehmer aus ganz Deutschland lernten dabei Neues in den Fachbe-

reichen Heimtiere, Landwirtschaftliche Tiere sowie Wildtiere. Ergänzt wurden die thematischen Schwerpunktmodule von den Seminaren Schule & Lernen sowie Mensch & Tier. Ein Schwerpunkt der Wissensvermittlung war immer auch die Praxisnähe der Inhalte. Das bestätigt die Gymnasiallehrerin Claudia Meixner: „Die handlungs- und praxisorientierte Konzeption des Kurses gewährleistete eine kontinuierliche, aktive Involvierung der Teilnehmer, was einerseits zu einer lebhaften, produktiven Arbeitsatmosphäre führte und

Ausbildung zum Tierschutzlehrer 2014

Jetzt anmelden Für den nächsten Tierschutzlehrer-Ausbildungsgang 2014 wird erneut eine kleine, intensive Lerngruppe angestrebt, an der 20 Personen teilnehmen können. Hier die Termine: 4.– 6. April: Modul Heimtiere 16.– 18. Mai: Modul Schule & Lernen

Aktuelle Aktivitäten … der Tierschutzjugend unter www.jugend

tierschutz.de

17.01. – 19.01.14 Berlin „Wir haben es satt und wir sind dabei“. Fahrt zur Demo in Berlin. Info: Bayerische Tierschutzjugend Tel.: 08742-965046 E-Mail: tanja.glasl@web.de 25.01.14 97762 Hammelburg Jugendleiterschulung Kosten: 15 Euro inkl. Verpflegung Anmeldung bis 07.01.14. Info: Bayerische Tierschutzjugend (s.o.) Weitere Jugendtierschutztermine:

www.tierschutzbund.de/ jugendtermine andererseits nützliche Materialien an die Hand gab, die bei Bedarf vielseitig eingesetzt werden können.“ Die fertig ausgebildeten Tierschutzlehrer nahmen schon während der Ausbildung viele neue Ideen in ihre Arbeit mit auf. Wie schnell es zur Wissensanwendung kommen kann, erfuhr Tierschutzlehrerin Melanie Reiner, die durch das Engagement einer Mutter an eine deutschsprachige Schule in Paris eingeladen wurde, um an zwei Tagen den Tierschutzgedanken weiterzutragen.

27.– 29. Juni: Modul Mensch & Tier 12.– 14. September: Modul Tiere in der Landwirtschaft 17.– 19. Oktober: Modul Wildtiere Die Kosten der gesamten Ausbildung ohne Übernachtungs- und Anreisekosten betragen für Mitglieder des Deutschen Tierschutzbundes 60,00 Euro. Wer kein Mitglied ist, zahlt 300,00 Euro. Weitere Informationen und ein Anmeldeformular stehen im Jugendportal des Deutschen Tierschutzbundes bereit: www.jugendtierschutz.de/tierschutzlehrer.html

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FOTOS: DEUTSCHER TIERSCHUTZBUND

Die angehenden Tierschutzlehrerinnen lernten, kindliche Fragen altersgerecht zu beantworten, und setzten das neu erworbene Wissen gleich in die Praxis um

10.01.– 12.01.13 48653 Coesfeld „Wie sag‘ ich es meinem Kinde?“ Fortbildung für GruppenleiterInnen und BetreuerInnen. Kosten: 20 Euro. Info: Tierschutzjugend NRW Tel.: 02323 – 51616, E-Mail: herne@tierschutzjugend-nrw.de


[ AKTUELL] Mecklenburg-Vorpommern

Unterstützung für Tierschutzanliegen Auf Einladung des Landesverbandes Mecklenburg-Vorpommern hat der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Thomas Schröder, zahlreiche örtliche Tierschutzvereine und Tierheime besucht und Gespräche geführt.

G

emeinsam mit Kerstin Lenz, der Vorsitzenden des Landesverbandes Mecklenburg-Vorpommern, und weiteren Vorstandsmitgliedern traf der Präsident des Deutschen TIerschutzbundes im Rathaus Rostock den Minister für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz des Landes, Dr. Till Backhaus, und dessen für den Tierschutz zuständige Abteilungsleiterin Dr. Maria Dayen. In der Hansestadt Rostock, die als erste Kommune des Landes eine Kastrations- und Kennzeichnungspflicht für Freigängerkatzen eingeführt hat, sprachen sie mit Vertretern des Veterinäramtes und des Ordnungsamtes. Die Stadt Rostock beteiligt sich auch finanziell an den Kosten der Kastrationsaktionen und hat ihren Beitrag

für 2014 sogar noch aufgestockt. Rostock ist mit einer Katzenkastrationsverordnung ein „Pionier“ im Bundesland, die Tierschutzvertreter lobten die Verantwortlichen dafür. Die Kastrationen von frei lebenden Katzen unterstützen der örtliche Tierschutzverein und der Deutsche Tierschutzbund auch finanziell. Minister Backhaus hingegen stellte klar, dass das Land dafür kein Geld zur Ver fügung stellen könne. Er sicherte jedoch zu, dass die Landesregierung eine Verordnung für die Kastrationspflicht erarbeiten werde, die 2014 in Kraft treten solle. Erhalten bleibe auch der Fördertopf des Landes für Investitionen in die Infrastruktur von Tierhaltungsanlagen. Der Minister stellte für 2014 eine

Seit drei Jahren protestieren Mitglieder der Bürgerinitiative „Rettet das Landleben“ und des Landesverbandes Mecklenburg-Vorpommern regelmäßig vor Europas größter „Ferkelfabrik“ in Alt-Tellin.

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6/2013

Er.höhung des Fördersatzes von 80 auf 90 Prozent in Aussicht. Diese Mittel werden dennoch bei Weitem nicht ausreichen. Kritisch wurde gesehen, dass aus dem geringen Topf in Höhe von 100.000 Euro nun auch zoologische Einrichtungen Mittel abrufen können, um Auffangstationen beispielsweise für Wildtiere einzurichten. Die Tierheime im Landesverband benötigen aber alleine mindestens rund 380.000 Euro für Sofortinvestitionen, wie Kerstin Lenz belegte. Anschließend besuchte Thomas Schröder den Katzenschutzverein Wolgast. Die Vereinsvorsitzende, Ilona Singh,

Die Vorsitzende des Landesverbandes Mecklenburg-Vorpommern, Kerstin Lenz, stärkt den Demonstranten in Alt-Tellin den Rücken.


Beratungsgespräch in Mecklenburg-Vorpommern (v. l.n. r.): Ilona Singh, 1. Vorsitzende TSV Wolgast (ganz links), Dr. Dietrich von Bomhard, 2. Vorsitzende TSV Wolgast und Besitzer des NEULAND-Hofes „Hof am Mühlenbach“, Kerstin Lenz, 1. Vorsitzende Landesverband M.-V., Katja Dubberstein, Tierärztin, Fachreferentin für TH-Beratung des DTSchB, Dr. Steffen Zander, Amtsveterinär, Dr. Maria Dayen, Abteilungsleiterin im Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt- und Verbraucherschutz, Thomas Schröder, Präsident DTSchB, Margret Kuhlmann, 2. Vorsitzende LV M.-V. und 1. Vorsitzende des TSV Waren (Tierheim Malchow)

Vor seiner Rundreise durch Mecklenburg-Vorpommern besuchte Thomas Schröder auch das Tierheim Malchow, wo ihn eines der Tiere aus dem dortigen Katzengehege freundlich begrüßte.

Vorpommern des Deutschen Tierschutzbundes treffen sich bereits seit drei Jahren jeden Montag vor dieser Tierfabrik. Sie sind Mitglieder im Netzwerk „Bauernhöfe statt Agrarfabriken“. Mit ihrer „Montagsinspektion“ machen sie auf die schlimmen Zustände für Menschen und Tiere in und rund um die Anlage herum aufmerksam. Schröder versprach der Bürgerinitative, die gemeinsam mit dem BUND und dem Deutschen Tierschutzbund gegen diese Anlage auch klagt, weitere Unterstützung des Deutschen Tierschutzbundes und des Landesverbandes. Beim abendlichen Treffen mit dem Präsidenten des Landesbauernverbandes Mecklenburg-Vorpommern, Rainer Tietböhl, erläuterte Thomas Schröder das Tierschutzlabel des Deutschen Tierschutzbundes.

Am folgenden Tag konnte er sich bei einer Besichtigung des Tierheims des Tierschutzvereins Altentreptow vom großartigen Einsatz der dortigen Tierschützer überzeugen. Er erlebte aber auch, vor welch großen Herausforderungen sie stehen. In Altentreptow fehlt es an Unterkünften für Katzen. Der Deutsche Tierschutzbund versprach, mit dem Bereitstellen von Containern erst einmal die größte Not zu lindern. Die Tierheimberaterin des Deutschen Tierschutzbundes, Katja Dubberstein, hatte die Reise begleitet, um die gewonnenen Eindrücke in die weitere fachliche Beratung aufzunehmen. du und das tier 6/2013 41

FOTOS: DEUTSCHER TIERSCHUTZBUND

erläuterte die massiven Probleme, die der Verein hat: „Wenn der 2. Vorsitzende, Dr. Dietrich von Bomhard, unseren Verein nicht mit seiner Arbeitsleistung und finanziell massiv unterstützen würde, gäbe es den Verein nicht.“ Der Katzenschutzverein Wolgast, der sich derzeit liebevoll um 140 Katzen kümmert, bekommt keinerlei Unterstützung von der Kommune. Hier, wie bei allen besuchten Vereinen, sicherte Schröder Soforthilfen zu, um zumindest die akute Not zu lindern. Dr. von Bomhard ist Tierarzt und Landwirt. Sein „Hof am Mühlenbach“ in Lodmannshagen steht für artgerechte Freilandhaltung von Rindern, Schweinen und Geflügel und ist vom NEULAND-Verein für tiergerechte und umweltschonende Nutztierhaltung zertifiziert. Schröder zeigte sich beeindruckt von der dortigen Tierhaltung. Nächste Station: Im nahe gelegen Alt-Tellin sind die Bürger empört über Europas größte Ferkelfabrik. 10.800 Sauen bringen dort unter unwürdigen Bedingungen rund 280.000 Ferkel pro Jahr zur Welt. Mitglieder der Bürgerinitiative „Rettet das Landleben“ und des Landesverbandes Mecklenburg-


[VOR ORT] BERLIN

Tierschutztag mit Preisverleihung D ie Verleihung des Berliner Tierschutzpreises, den diesmal die für Tierschutz zuständige Staatssekretärin Sabine Toepfer-Kata überreichte, stand im Mittelpunkt des sechsten Berliner Tierschutztages in den Italienischen Höfen der Zitadelle Spandau. Den Preisträgern, deren besondere Verdienste um den Tierschutz in der Hauptstadt gewürdigt wurden, gratulierten auch die Jurymitglieder, Berlins Senator für Justiz und Verbraucherschutz, Thomas Heilmann, der Landestierschutzbeauftragte Prof. Horst Spielmann sowie der Ehrenvorsitzenden des Deutschen Tierschutzbundes und Präsident des Tierschutzvereins für Berlin, Wolfgang Apel. Die Preise hatten der Berliner Senat und der Tierschutzverein für Berlin gemeinsam mit den Tierversuchsgegnern Berlin-Brandenburg ausge-

lobt. Olaf Töffels vom Verein Elefanten-Schutz Europa erhielt den Berliner Tierschutzpreis für sein Engagement zur artgerechten Haltung von Elefanten. Prof. Dr. Heidemarie Klingbeil wurde für die Tierschutz-AG Tierschutzkasper, in der sie Kindern spielerisch den Tierschutz nahebringt, mit dem Jugend-Tierschutzpreis ausgezeichnet. Wie wichtig diese Arbeit ist, betont Ines Krüger, 1. Vorsitzende des Tierschutzvereins für Berlin: „Nur wenn wir es schaffen, Kindern Respekt und Mitgefühl Tieren gegenüber zu vermitteln, kann unsere Tierschutzarbeit auch in Zukunft Früchte tragen.“ Die Vorstellung der„Tierschutz-AG Tierschutzkasper der Grundschule am Falkplatz“ war im Lauf des Tages noch ein gesonderter Programmpunkt. Zuvor jedoch brachte die Tierschutzpreisträgerin 2012, Tierschutzlehrerin Dr.

Wolfgang Apel sprach beim Tierschutztag in Berlin. Ulrike Pollack, den Besuchern in einem Vortrag den Tierschutz im Unterricht näher. Sie präsentierte anschaulich, welche Möglichkeiten es gibt, Schulkinder über den Umgang mit Tieren im Sinne des Tierschutzes zu informieren. Den Ehrenpreis nahm das Projektbüro stadt&hund für seine interdisziplinären Konzepte zur Hundekotproblematik und der bislang fünf eingerichteten Hundegärten in der Hauptstadt entgegen. Nach der Preisverleihung griff Wolfgang Apel in seiner Rede die besonderen Herausforderungen des Tierschutzvereins für Berlin auf. Allein für die Tiere in der Amtlichen Tiersammelstelle muss der Verein jährlich 1,7 Millionen Euro aufwenden, be-

kommt vom Land Berlin aber nicht einmal die Hälfte (600.000 Euro) als Kostenerstattung. Eine Podiumsdiskussion mit den tierpolitischen Sprechern der Fraktionen im Berliner Abgeordnetenhaus, die Ines Krüger moderierte, nahm sich der Probleme Tierhaltung, Inzucht und Tierhandel an, vor allem aber der Zukunft von Zoo und Tierpark. Resultat der angeregten Diskussion war, „gemeinsam mit den Abgeordneten und den Berliner Tierschutzorganisationen ein Konzept zu erarbeiten, das für Zoo und Tierpark als Leitfaden dienen soll“, erklärte der Landestierschutzbeauftragte, Prof. Dr. Horst Spielmann. Zudem sollten Zoo-Leitung und -Aufsichtsrat künftig transparent arbeiten.

POTSDAM

Aktionsbündnis Agrarwende gegründet E

Das Aktionsbündnis will konventionelle Landwirte mit in die Diskussion einbeziehen und die Öffentlichkeit informieren und mobilisieren.

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inen grundsätzlichen Systemwechsel in der Agrarpolitik hat das in Potsdam im November neu gegründete Aktionsbündnis Agrarwende BerlinBrandenburg zum Ziel. Bei einem Fachforum am Gründungstag verabschiedeten die mehr als 200 Delegierten ein 10-Punkte-Programm, das unter anderem ein Ende der industriellen Massentierhaltung und eine Förderung des ökologischen Landbaus fordert. Dem Bündnis sind bereits 34 Vereine und Initiativen angeschlossen, darunter auch der Deutsche Tierschutzbund Lande-

stierschutzverband Brandenburg, die Umwelt- und Naturschutzverbände des Landes und die Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft (AbL). Michael Wimmer, Sprecher der Initiative und Geschäftsführer der Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau (FÖL), wandte sich in der Eröffnungsrede ausdrücklich an alle Landwirte, die er mit in die Diskussionen einbeziehen wolle, um gemeinsame Interessen auszuloten. Um die Öffentlichkeit für die Anliegen des Bündnisses zu sensibilisieren, sind kreative Aktionen geplant.


WIESBADEN

Charity-Gala und Pfötchen-Scheck G

ib Pfötchen!“, die große Spendenaktion der Fressnapf-GmbH die jährlich im Oktober/November stattfindet, hat seit dem Jahr 2008 mehr als eine Million Euro für den Tierschutz gesammelt. Bei dieser Aktion können Fressnapf Kunden für einen Euro einen Doppelaufkleber kaufen und auf diese Weise einen aktiven Beitrag für den guten Zweck leisten. Das Geld fließt über den Feuerwehrfonds des Deutschen Tierschutzbundes in zahlreiche Projekte zugunsten notleidender Tiere und seit der Beteiligung des Vereins Vita Assistenzhunde im Jahr 2012 zusätzlich in Projekte, die das Zusammenleben von Mensch und Tier fördern. So konnte etwa in diesem Sommer im Rahmen der Hochwasserhilfe vielen überschwemmten Tierheimen in

Süd- und Ostdeutschland finanziell geholfen werden. Auch die Versorgung von Welpen aus einem illegalen Tiertransporter wurde durch Mittel aus der Aktion „Gib Pfötchen!“ finanziell unterstützt. Die Scheckübergabe zugunsten von des Vereins VITA fand im Rahmen einer Charity-Gala statt, zu der der Verein ins Kurhaus Wiesbaden eingeladen hatte. 800 Gäste waren gekommen. Die zusätzlichen Spenden und Erlöse aus dieser Veranstaltung sollen dem dringend benötigten größeren VITA Kompetenzzentrum zugute kommen. Bis Ende November hatten FressnapfKunden auch in diesem Jahr wieder Gelegenheit, mit ihrer Teilnahme an der Aktion „Gib Pfötchen!“Projekte des Deutschen Tierschutzbundes und VITA zu unterstützen.

Im Rahmen einer Gala überreichten Torsten Toeller, Fressnapf und Renate Seidel, Vizepräsidentin des Deutschen Tierschutzbundes, einen Scheck über 25.000 Euro an Tatjana Kreidler für ihre Organisation VITA Assistenzhunde. Ganz links: Moderator Daniel Fischer

Bildhauer Bertram Würfl(l.) und Tessy Lödermann(2.v.l.) bei der Einweihung des Brunnens

GARMISCH-PARTENKIRCHEN

Wolpertinger-Brunnen eingeweiht V

or dem Eingang des Tierschutzvereins Garmisch sprudelt jetzt ein höchst ungewöhnlicher Brunnen, der auf einem 80 Zentimeter hohen Granitblock, bearbeitet von Steinmetzmeister Günther Altmann, eine Wolpertinger-Mutter mit ihren vier Kindern zeigt. Das bronzene Ensemble war für den Künstler Bertram Würfl, der schon den Franziskus-Brunnen vor der Akademie für Tierschutz geschaffen hatte, nach eigenen Worten „eine echte Herausforderung“. Auftraggeberin mit besonderen Ansprüchen war Elfriede Falk, die im April verstorbene Tierschützerin. Sie war die Seele der Akademie für Tierschutz, die erst durch sie möglich wurde, und sie liebte „Ihre Garmischer“, die den Tierschutzverein dort mit Leben erfüllen. Den Garmischern und ihr, Elfriede Falk, waren und sind die Viecherl – und vor allem die in Not geratenen - ein wichtiges Anliegen. Für das bayerische Herz ist auch der Wolpertinger so

ein Viecherl, ein Fabelwesen, das gleich stellvertretend für mehrere Tiere steht. So repräsentiert der WolpertingerBrunnen unterschiedliche Tiere und dokumentiert die enge Verbindung der Akademie für Tierschutz mit dem Tierschutzverein Garmisch. Aber er ist auch ein gutes Beispiel dafür, dass Tierschützer in guten wie in schweren Zeiten ihren Humor bewahren können. Praktischerweise ist das Kunstwerk auch eine Tränke für die Katzen, die rund um das Tierheim eine Heimstatt gefunden haben. Zur Einweihung waren der Künstler ebenso vor Ort wie die Leiterin der Akademie für Tierschutz, Dr. Brigitte Rusche. Tessy Lödermann, Vorsitzende des Tierschutzvereins Garmisch-Partenkirchen, freute sich, dass so viele Freunde aus Nah und Fern gekommen waren: „Leider erlebt Frau Falk diesen wunderbaren Tag nicht mehr, aber sie wird von oben herabschauen und sich freuen.“

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[VOR ORT]

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Die Tierpfleger wohnten neben dem Tierheim, um rund um die Uhr für die Tiere da zu sein.

Die Teilnehmer für die Wahl des Hessischen Superhundes zeigten alle eine tolle Leistung und wurden vom Publikum bejubelt.

DARMSTADT

Tierschutzverein

it zahlreichen prominenten Gästen aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Medien, allen voran Oberbürgermeister Jochen Partsch, der auch die Festrede hielt, beging der Tierschutzverein Darmstadt seinen stolzen 140. Geburtstag. Eröffnet

1873 als Tierschutzverein für das Großherzogtum Hessen, hat der Verein viele Höhen, aber auch Tiefen erlebt. 1933 wurde der „Tierschutzverein für Hessen“ genannte Verband in den Heimatbund integriert, 1944 wurde das Tierheim durch Bomben-

angriffe beinahe vollständig zerstört. Doch die Darmstädter Tierfreunde gaben nicht auf. Sie bauten wieder auf, modernisierten und beherbergen heute im Schnitt 1.6oo Tiere pro Jahr. So konnte auch der stundenlange Regen zur Jubiläumsfeier dem Engagement nichts anhaben. Kurzerhand wurde der Sektempfang unter provisorisch aufgebaute Zelte verlegt. Dort diskutier-

ten die Ehrengäste mit OB Partsch aktuelle Probleme wie den Bau der ICE-Trasse und den Ausbau der Autobahn. Mittags öffnete das Tierheim seine Tore für die Öffentlichkeit und startete das Jubiläumsprogramm. Zehn Hunde, die sich in den Wochen davor für den Preis des Hessischen Superhundes qualifiziert hatten, traten vor den begeisterten Gästen und der ebenso faszinierten Jury gegeneinander an. Claudia Ludwig, die engagierte Tierschützerin, TV- und Internetmoderatorin (www.tiervision. de), moderierte den Wettbewerb und gratulierte den Gewinnern. Auch andere Programmpunkte wie die Demonstration einer Zielobjektsuche (ZOS), die zeigte, zu welchen Leistungen gut ausgebildete Hunde fähig sind, ließen die Zuschauer das schlechte Wetter vergessen.

DÜSSELDORF

Tolle Fortschritte – große Nöte D

Tierschutzvereinsvorsitzende Monika Piasetzky(2.v.l.) zeigt Thomas Schröder das Tierheim. Das neue Katzenhaus (u.)

er Tag der offenen Tür im Tierheim würdigte in diesem Jahr das 140-jährige Jubiläum des Tierschutzvereins Düsseldorf und die Besucher kamen tatsächlich in Scharen. Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, konnte vor großem Publikum dem Verein zu seinen Leistungen gratulieren und zum wiederholten Male auf das unzureichende Leistungsgeld der Stadt für die Betreibung des Tierheimes hinweisen. Tierheimleiterin Monika Piasetzky führte Schröder durch das Tierheimgelände, zeigt die neuen Hundezwinger, das modernisierte Katzenhaus und das runderneuerte Vogelhaus. Besonders beeindruckt war Schröder vom Kleintierhaus des Tierheimes, dessen Bewohner jetzt artgerecht untergebracht sind. Sorgen

1Ja40 hre

macht den Düsseldorfern die Situation der Katzen, deren Zahl so stark angewachsen ist, dass einige in Tierpensionen ausgelagert werden mussten. In Düsseldorf gilt noch keine Kastrationsplicht für frei laufende Katzen, wie sie in 150 Städten und Gemeinden bereits erfolgreiche eingeführt wurde. Deshalb ist eine Besserung der Lage im Tierheim nicht in Sicht.

Das Kleintierhaus bietet den Bewohnern viel Abwechslung.


STADLAND

Wenig Hilfe A

ußer einem städtischen Tierheim in Nordenham, das nur für Fundtiere aus der Stadt Nordenham zuständig ist, gibt es in der Wesermarsch kein Tierheim. Und das „ist peinlich für die politisch Verantwortlichen“, waren sich Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes und Vera Steder, Vorsitzende des Landestierschutzverbandes Niedersachsen, einig. Bei ihrem Besuch des Tierschutzvereins Wesermarsch in Stadland sowie des von ihm betriebenen Katzenhauses in Eckwarden und einer Pflegestelle in Ovelgönne zeigten sich die beiden tief beeindruckt von den Leistungen der ausschließlich ehren-

sie die Katzen und Hunde, die von den privaten Helfern aufgepäppelt, gepflegt und auch mit Menschen vertraut gemacht werden, erfolgreich vermitteln können. Schröder, gebürtiger Elsflether und v.l.:Vera Steder,Thomas Schröder,Präsident DTSchB,Martha Heppe,2.Vorsitzende TSV We- Mitglied des sermarsch,Tina Winter,Katzenhausleiterin,Rosi Westphal,Vorsitzende TSV Wesermarsch T i e rschutzveramtlichen Helfer. Tierschutzvereine, die diese eins, betonte: „Das ist nicht mehr Mangels eines Tierheims ver- Aufgabe übernehmen, müs- hinnehmbar“. Er forderte die teilt die Vorsitzende, Rosi West- sen die Kosten dafür erstattet Kommunen zudem auf, flächenphal, die jährlich rund 140 in bekommen. „Im Durchschnitt deckend ein Kastrationsgebot Not geratenen oder gefun- begleichen die Kommunen auszusprechen, wie es bereits die denen Katzen auf insgesamt bundesweit diese Kosten al- Gemeinden Övelgönne, Lemfünf private Pflegestationen. lerdings nur zu 20 Prozent“, werder und Nordenham in Kraft Gemäß Fundrecht sind Städ- kritisiert Schröder. gesetzt hätten. „Jede privat gete und Gemeinden verpflich- Die Wesermarscher Tier- haltene Katze, die frei herumläuft tet, Fundtiere mindestens schützer bekommen noch und nicht kastriert ist, trägt zum sechs Monate zu versorgen. weniger. Und das, obwohl Leid von Streunerkatzen bei.“

HOLZMINDEN

Verdienstmedaille für Elfriede Jonas

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ür Ihren ehrenamtlichen Einsatz im Tierschutz erhielt die engagierte Tierschützerin Elfriede Jonas im Rahmen einer Feierstunde die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Unter den Gratulanten war auch, die Vorsitzende des Deutschen Tierschutzbundes Landesverband Niedersachsen, Vera Steder. Angela Schürzeberg, Landrätin des Landkreises Holzminden, hob die besonderen Verdienste der Geehrten hervor. Neben ihrem unermüdlichen Einsatz zum Wohl vieler hilfloser Haustiere, die in der Obhut des Tierschutzvereins Stadtoldendorf/Eschershausen versorgt werden, setzt

sich Elfriede Jonas in besonderer Weise für den Schutz von Tieren in der Landwirtschaft ein. Elfriede Jonas vertritt die Belange des Tierschutzes mit vorbildhaftem Engagement. Durch ihre erfolgreiche Tierschutzarbeit leistet sie einen großen Beitrag zum Stellenwert des Tierschutzes in Holzminden und über die Ortsgrenzen hinaus. Elfriede Jonas (mit Blumen) war gerührt über die Ehrung

NIEDERSACHSEN

†Trauer um Siegfried Mudra

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er Landesverband Niedersachsen des Deutschen Tierschutzbundes trauert um Siegfried Mudra, der am 17. Oktober 2013 im Alter von 75 Jahren nach schwerer Krankheit verstorben ist. Er war ein engagierter Tierschützer, seit 1995 Schatzmeister des Landesverbandes und ein zuverlässiger Ansprechpartner für alle Vereine, die seine beratende Hilfe benötigten. Seine freundliche Art und sein stets positives Denken hat den Vereinen bei der Bewältigung finanzieller Probleme die nötige Zuversicht gegeben. Siegfried Mudra hat sich um den Tierschutz in Niedersachsen verdient gemacht.Wir sind traurig, dass wir ihn verloren haben.  

VERA STEDER ,VORSITZENDE DES DEUTSCHEN

TIERSCHUTZBUNDES LANDESVERBAND NIEDERSACHSEN

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v.l.: Oberbürgermeister Georg Rosenthal, Ehrenvorsitzende Elisabeth Haasmann, Reinhard Dötzer

du und das tier Impressum

Herausgeber und Redaktion: Deutscher Tierschutzbund e.V. Baumschulallee 15 53115 Bonn Telefon 0228-60496-0 Telefax 0228-60496-40 Kontakt: www.tierschutzbund.de/kontakt.html Internet: www.tierschutzbund.de

WÜRZBURG

Ausstellung im Rathaus D

Verlag: Ein Herz für Tiere Media GmbH Mpnchner Straße 101/09 85737 Ismaning Geschäftsführung: Clemens Schüssler, Michael Geringer Chefredaktion: Ursula Birr (v.i.S.d.P.) Herstellungsleitung: Sandra Kho Producer: Grit Häussler Vertriebsleitung: Dr. Regine Hahn Grafik: Anna Lena Ibis Litho: RTK & SRS mediagroup GmbH Bildredaktion: Simone Grafetstetter

Mitarbeiter dieser Ausgabe: Christiane Kook, Irmina Madaj, Judith Schönenstein, Thomas Schröder, Vera Steder, Kristina Wagner, Herbert Uniewski Für unverlangt eingereichte Manuskripte, Fotos und sonstige Druckunterlagen wird keine Haftung übernommen. Eine Rücksendung solcher Unterlagen ist nur gegen ausreichendes Rückporto möglich. Namentlich gezeichnete Beiträge stellen die Meinung des Verfassers, nicht unbedingt auch die der Redaktion dar. Nachdruck, Übersetzungen und Vervielfältigungen, auch auszugsweise, sind nur mit Zustimmung der Redaktion gestattet. Die Redaktion behält sich die Kürzung von Leserbriefen vor. Veröffentlichte Briefe sind keine Meinungsäußerung der Redaktion. Anzeigen: WAZ Zeitschriften Marketing GmbH & Co. KG Münchener Straße 101/09, 85737 Ismaning Telefon: (089) 27 270-7942, Fax: (089) 27 270-7991 Geschäftsführung: Daniela Sakowski, Anzeigenleitung: Sonja Haase, E-Mail: sonja.haase@waz-zeitschriften.de Verantwortlich für Anzeigen: Burda Community Network GmbH, Gudrun Nauder, E-Mail: gudrun.nauder@burda.com (Es gilt die Anzeigenpreisliste Nr. 14 vom 01.01.2013.) Abo-Service: Postfach 10 45 65, 40032 Düsseldorf Telefon 01805/566201-21, Fax 01805/56620192 Bezugsbedingungen: du und das tier erscheint jährlich sechsmal. Bezugspreise jährlich € 15,30 incl. € 2,10 Portokostenanteil einschließlich Vertriebsgebühren; Preis des Einzelheftes je nach Umfang mindestens € 2,55. Für Mitgliedsvereine des Deutschen Tierschutzbundes und Mengenbezüge gelten besondere Preise, die der Verlag auf Anfrage bekannt gibt. Bezugspreis für das Ausland jährlich € 24,60 incl. € 9,– Portokostenanteil einschließlich Versandkosten. Abbestellungen nur bis sechs Wochen vor Ende des Berechnungszeitraums. Wird das Erscheinen durch höhere Gewalt oder Streik verhindert, so können keine Ansprüche an den Verlag geltend gemacht werden. Druck: Stürtz GmbH, Würzburg ISSN 0341-5759 Diese Zeitschrift wurde auf umweltschonendem Papier hergestellt (elementar chlorfrei).

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er Tierschutzverein Würzburg präsentierte im Foyer des Rathauses seine Ausstellung „135 Jahre Tierschutz in Würzburg“. Eröffnet wurde sie von Oberbürgermeister Georg Rosenthal. Auf Einladung des Tierschutzvereins war auch Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, zu Gast. Der nutzte die Gelegenheit, den Gästen – kurz nach den Bundestags- und bayerischen Landtagswahlen - die aktuellen Anliegen des Tierschutzes ans Herz zu legen. Beim Rundgang durch die Ausstellung konnten sich die Gäste vom aktuellen tierschützerischen Engagement junger Würzburger überzeugen. Mehr als 140 Schüler der Würzburger Grundschulen hatten sich an einem Tierbilder-Wettbewerb beteiligt. Die 45 schönsten Bilder zierten einen Teil der Ausstellung. Ebenfalls als Gemälde

BADEN-WÜRTTEMBERG

†Trauer um Glarita Martin

D

as Engagement, mit dem sie Zeit ihres Lebens für das Wohl der Tiere gekämpft hat, wird unvergessen bleiben. Nicht nur die Legehennen haben der promovierten Biologin viel zu verdanken. Seit 1962 – und bis zuletzt - war Dr. Glarita Martin Mitglied des wissenschaftlichen Beirats des Landestierschutzverbandes BadenWürttemberg des Deutschen Tierschutzbundes. 1968 von Bundeslandwirtschaftsminister Josef Ertl eingeladen, an einem Gutachten zur Legehennenhaltung mit-

vertreten waren diverse Schützlinge des Tierheims, die Tierschutzvereinsmitglied Thomas Dörr eigenhändig portraitiert hatte. Ein vom Regionalsender Touring TV gedrehter Film aus dem Tierheim, eine Diashow über den Tag der offenen Tür und Exponate aus der Arbeitswelt des Tierheims rundeten die Ausstellung ab. Plakate, die der Deutsche Tierschutzbund zur Verfügung gestellt hatte, warben für mehr Engagement der Bürger. Die Ehrenvorsitzende des Tierschutzvereins, Elizabeth Haasmann, zeichnete Oberbürgermeister Rosenthal für ihre langjährigen Verdienste um den Tierschutz mit dem „Tanzenden Schäfer“ aus. Anschließend besuchte‚Thomas Schröder das Würzburger Tierheim, in dem der Tierschutzverein im vergangenen Jahr umfangreiche Renovierungsmaßnahmen durchgeführt hatte.

zuwirken, verfasste sie mit ihren Kollegen Paul Leyhausen und Jürgen Nicolai ein Gutachten, das für erhebliches Aufsehen sorgte. Jahrzehnte hat es gedauert, bis die alten Käfigbatterien endlich abgeschafft waren. Das Normenkontrollverfahren vor dem Bundesverfassungsgericht, mit dem die Hennenhaltungsverordnung 1999 gekippt wurde, war einer der Höhepunkte von Glarita Martins tierschützerischem Engagement. Dass wissenschaftliche Erkenntnisse nicht nur in Fachkreisen diskutiert werden, war ihr ein Anliegen. Auch als Gründungsmitglied der Internationalen Gesellschaft für Nutztierhaltung (IGN) hat sie sich dafür eingesetzt. Glarita Martin hat durch ihre Art, Wissenschaft und Tierschutz miteinander zu verbinden und sich auch mit den Anliegen Andersdenkender auseinanderzusetzen, ebenso wie mit ihrer einnehmenden Persönlichkeit – sachlich und ruhig – Freunde und Gegner in der Sache gleichermaßen beeindruckt und sehr viel für Tiere bewirkt. Am 7. November ist sie im Alter von 83 Jahren nach kurzer, schwerer Krankheit verstorben.


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Du und das Tier 6/2013  

Du und das Tier 6/2013