{' '} {' '}
Limited time offer
SAVE % on your upgrade.

Page 1

du und das tier 5|2013

Tierschutz aus erster Hand

43. Jahrgang | ISSN 0341-5759

Jagdgesetzgebung

Aktualisierung dringend erforderlich

NEULAND

25 Jahre tiergerechte Haltung

KOLLEGE-HUND-TAG

Hunde erobern die B端ros

DEMONSTRATION

Wir haben Agrarindustrie satt


Damit Tieraugen leuchten. Seit 端ber 20 Jahren unterst端tzen Pedigree速 und Whiskas速 den Deutschen Tierschutzbund und Tierheime in ganz Deutschland. Weil wir Tiere lieben.

Partner des Deutschen Tierschutzbundes

www.pedigree.de

www.whiskas.de www.tierschutzbund.de


[ editorial] Dr. Brigitte Rusche, Vizepräsidentin

Liebe Tierfreundinnen und Tierfreunde, die Bundestagswahlen sind vorbei, und vor uns liegt eine neue Legislaturperiode. Die tierschutzpolitischen Baustellen dagegen sind nicht neu. Unsere Forderung nach einer neuen Agrarpolitik, weg von der Tiermassenproduktion, hin zu einer Landwirtschaft, die mit Mensch, Tier und Umwelt so umgeht, wie es Lebewesen in einer belebten, empfindsamen Umwelt verdienen, bleibt bestehen. Dabei steht der Deutsche Tierschutzbund, wie Sie wissen, nicht nur als Mahner da, sondern setzt sich mit den Problemen, die ein Wandel mit sich bringt, auseinander und sucht Lösungen — auch Zwischenlösungen. Wie schwierig das ist und wie sensibel, zeigt das Interview mit Bernd Kuhn, der Landwirte bei der Umstellung auf Tierschutzlabelkriterien berät. Er und alle im Deutschen Tierschutzbund, die mit dem Tierschutzlabel befasst sind, haben ein bewegtes und ein hartes Jahr hinter sich. Es wurde aber auch noch nie so intensiv über die Situation der Tiere in der Landwirtschaft gestritten, und noch nie gab es so viele Ankündigungen von Initiativen für ein Mehr an Tierwohl. Auch beim Jagdrecht tut sich etwas, wenn auch nur zögerlich und in bestimmten Bereichen. Dabei sind die in der Jagdgesetzgebung verbrieften Rechte und Freiräume weder mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen über frei lebende Tiere in ihren Lebensräumen noch mit den Vorstellungen einer modernen Gesellschaft in Einklang zu bringen. Jahrzehnte stand die Mauer fest, trotz abgeschossener Hunde und Katzen, trotz elend in Fallen

verendeter Tiere. Warum das so ist und warum die Mauer jetzt doch bröckelt, können Sie im Schwerpunktartikel nachlesen. In der vergangenen Ausgabe von du und das tier waren das verheerende Hochwasser und die Welle der Hilfsbereitschaft und Solidarität unter Tierschützern und Tierfreunden das aktuelle Thema. Das Hochwasser ist vorbei und ebenso die akute Not. Geblieben sind die Schäden und die Hilfsbereitschaft vor allem junger Tierschützer. Ganze Schulklassen und Jugendgruppen packen an, helfen beim Wiederaufbau. Es ist schön zu sehen und macht Mut, dass es auch in der jungen Generation Bereitschaft und einen langen Atem gibt, wenn Tiere in Not sind. Hilfe zur Selbsthilfe ist das Motto für unsere Tierschutzvereine und -initiativen im Ausland. Nicht überall warten Menschen darauf, Hilfe zur Selbsthilfe anzunehmen, aber überall gibt es viel Tierleid. Es tut gut, sich auszutauschen, und Ratschläge und Unterstützung sind willkommen. Das ist die Quintessenz aus einem Arbeitstreffen unserer Auslandsvereine, über das wir auf Seite 27 berichten. Ich wünsche mir, dass diese Ausgabe von du und das tier Sie darin bestärkt, mit uns gemeinsam für die Tiere einzustehen. Herzlichst, Ihre

du und das tier  5/2013  3

Foto: Deutscher Tierschutzbund

In kleinen Schritten zum Erfolg


[ I N H A LT ]

du und das tier 5/2013 Alle Titelthemen sind mit einem

✘ gekennzeichnet

6 Kurz und knapp

32 Projekte

Wildtiere im Zirkus Der Druck auf die

Tierschutzlabel

Regierung wächst Exotische Haustiere Handel bedroht Warane Urteil Kommunen in die Pflicht genommen Haßleben Widerspruch gegen

31

Freihandelsabkommen Fleisch geklonter Tiere könnte in den Handel gelangen

Interview mit Bernd Kuhn Tier-, Natur- und Jugendzentrum Weidefeld Besucherrekord zum zehnten Jubiläum

Genehmigung der Schweinemastanlage

und Sommerfest

Italien Erfolg für Vogelschützer

Aktion Kollege Hund

Tollwood-Festival ARTgerecht

Hunde erobern deutsche Büros

Walfang Sinnloses Töten geht weiter Protest-Erfolg Einfuhrverbot für 18 Belugas Pelzmode Proteste zeigten Wirkung

38 Jugend Hochwasser-Hilfe Jugend in Aktion für Tierheime

9 Kontakt

Mülheim a. d. Ruhr Tierschutz im Einkaufskorb

10 Titelthema

Reutlingen Vogelsichere Bushäuschen

Jagdgesetzgebung Paradigmenwechsel

TITEL: FOTO GROSS: DREAMSTIME.COM/WKRUCK, FOTOS KLEIN: DT. TIERSCHUTBUND (2), SOPHIE WESTERMANN

32

Tierschutzlabel Einblick in die Beratung für Schweinehalter, die Tierschutzlabel-Kriterien erfüllen wollen

40 Vor Ort

in Sicht? Zwangsmitgliedschaft Jagdgenossenschaften Urteil unzureichend umgesetzt Jagd Aktuelle Forderungen

18 Hinter den Kulissen Mensch-Tier-Beziehung Wie halte ich mein Tier gesund?

Gifhorn Gustavs spektakulärer Ausflug Delmenhorst Stolzes Jubiläum Lüdenscheid Bewegte Geschichte München Demo vor Bayerischer Staatskanzlei Düren Feierlichkeiten zum 50-jährigen Bestehen Dresden Ein Leben für den Tierschutz Donauwörth Demo gegen Schweine-

20 Widerstand

34

Weidefeld Rund 3.500 Besucher schauten sich zum 10. Jubiläum hinter den Kulissen des Tierschutzzentrums um

Protestaktion in Wietze Wir haben die Agrarindustrie satt

mastanlage Eberbach Meilenstein der Vereinsgeschichte Dortmund Podiumsdiskussion vor der Wahl München Greentunes Festival 2013

26 Das vegane Rezept

Niedersachsen Schnabelkürzen bei

Orangenpolenta mit Perlzwiebeln

Legehennen beenden

und Grünkohl

Dingolfing Tierschutzbotschafterin besucht Tierheim

27 Aktuell

38

Nach der Flut Junge Tierschützer sammelten und arbeiteten für Tierheime, die vom Hochwasser betroffen waren

4  du und das tier  5/2013

Schweinfurt 78 Welpen beschlagnahmt

Auslandstierschutz

Dachau Erweiterungsbau feierlich eingeweiht

Tierschutz jenseits der Grenzen

Heppenheim Bild des Jammers

25 Jahre NEULAND Von der Provokation zum Leitbild Freihandelsabkommen Tier- und Umweltschutz bedroht

Termine

47 Impressum


[ IM

FOKUS] Nach vier Jahren ist Cosmita (linkes Foto ganz rechts) wieder daheim. Auch Doreen Kapahnke freut sich, denn Fridolin kehrte zurück (rechts).

Erfolgsgeschichte Deutsches Haustierregister

32 Jahre Hoffnung für vermisste Tiere

FOTOS: DEUTSCHER TIERSCHUTZBUND

D

ass Cosmita heute wieder bei ihrer Familie ist, grenzt an ein Wunder. Vor vier Jahren war die Hündin ihrer Familie am Hamburger Freihafen weggelaufen. Wochenlang wurde sie intensiv gesucht, doch die damals fünfjährige Epagneul-Breton-Hündin blieb verschwunden. Bis diesen Sommer ein Mitarbeiter des Hamburger Tierschutzvereins beim Füttern frei laufender Katzen an einem Autohof, elf Kilometer entfernt vom Freihafen, umgeben von viel befahrenen Autobahnen, einen Hund entdeckte. Der Tierschützer fing die Hündin ein, brachte sie ins Tierheim, und die Überraschung war perfekt: Es war die vermisste Cosmita, eindeutig identifizierbar durch den Chip und die Eintragung im Deutschen Haustierregister. Auch Fridolin isst sich zu Hause wieder satt und genießt die Streicheleinheiten seines Frauchens. Doreen Kapahnke hatte den Kater aus dem Berliner Tierheim geholt. Fridolin war ein extrem lieber Kater, nett und freundlich zu jedermann. Seine Leidenschaft, andere Menschen ein

Stück des Weges zu begleiten, wurde ihm wohl zum Verhängnis, denn irgendwann kehrte er nicht mehr wie sonst nach Hause zurück. Er hatte jedoch Glück: Drei Wochen später brachte eine Tierfreundin ihn zu einem Tierarzt. Der konnte Fridolin – dank Chip und Eintrag im Deutschen Haustierregister – schnell identifizieren und einer überglücklichen Doreen Kapahnke wieder übergeben. Solche Erfolgsmeldungen machen nicht nur die betroffenen Tiere und Menschen glücklich, sondern auch die Mitarbeiter des Deutschen Haustierregisters. Diese Einrichtung des Deutschen Tierschutzbundes, die älteste seiner Art, hilft seit 1981 kostenlos Menschen, die ihr Tier vermissen. Die größten Chancen auf eine Rückkehr nach Hause haben Tiere, die gechippt und registriert sind. Wo immer sie auftauchen, genügt ein Anruf beim 24-Stunden-ServiceTelefon 0228-60496-35 oder eine Online-Mitteilung auf der Website www. registrier-dein-tier.de, um den Besitzer ausfindig zu machen. Unzähligen Tieren und ihren verzweifelten Familien

konnte so schon geholfen werden. Jeder einzelne Fall ist für die Mitarbeiter des Deutschen Haustierregisters Ansporn, sich weiter rund um die Uhr für den Schutz entlaufener Tiere einzusetzen. AKT I V WER DE N Lassen Sie Ihr Tier unbedingt registrieren schriftlich oder online und kostenlos. Die Adresse: Deutsches Haustierregister Baumschulallee 15 53115 Bonn Telefon: 0228-60496-35 (24-Stunden-Service-Telefon) Fax: 0228-60496-42 www.registrier-dein-tier.de Wenn Sie die Arbeit des Deutschen Haustierregisters unterstützen möchten, können Sie das mit einer Spende tun. Sparkasse KölnBonn BLZ: 370 501 98 Konto: 40 444 IBAN: DE 88 37050198 0000040444 BIC: COLS DE 33 Spendenzweck: Deutsches Haustierregister

du und das tier 5/2013 5


[KURZ UND KNAP P] Wildtiere im Zirkus

Der Druck auf die Bundesregierung wächst Wie in vielen anderen Städten auch, hatte der Rat der Stadt Bonn im April 2012 beschlossen, keine öffentlichen Flächen mehr für Zirkusunternehmen zur Verfügung zu stellen, die Wildtiere mit sich führen. Auf Vorschlag der Verwaltung sollte diese Entscheidung im Juli dieses Jahres wieder aufgehoben werden. Der Tierschutzverein Bonn und der Deutsche Tierschutzbund forderten dringend die Beibehaltung des Beschlusses. Sie wandten sich an den städtischen Umweltausschuss und die Bonner Ratsmitglieder. Diese folgten der Argumentation, und der Rat lehnte die Vorlage der Verwaltung letztlich ab. Die Diskussion ist in vollem Gange: Mehrere Todesfälle von Zirkuselefanten erhielten in den Medien hohe Aufmerksamkeit, genauso wie die Beschlagnahme eines Elefanten sowie von Löwen und Tigern aus einem Wanderzirkus. Zahlreiche Städte, zuletzt Erding und

Zirkus Krone führt auf seinen Tourneen unter anderem das Nashorn Tsavo mit.

Ahrensburg, folgen dem Beispiel anderer Kommunen und erteilen Zirkussen mit Wildtieren keine Auftrittsgenehmigung mehr. Der saarländische Landtag beschloss Ende August fraktionsübergreifend, sich für ein bundesweites Wildtierverbot in Zirkussen einzusetzen. All dies erhöht den Druck auf die Bundesregierung. Nur ein bundesweites Verbot von Wildtieren in Zirkussen kann eine eindeutige Rechtslage schaffen. Immer mehr Länder in Europa, wie zuletzt Slowenien, oder weltweit, wie Kolumbien und El Salvador, verbieten seit diesem Jahr bestimmte oder alle Wildtiere in Zirkusunternehmen. Auch in Belgien wurde ein entsprechender Gesetzentwurf inzwi-

Exotische Haustiere und Lederlieferanten

schen verabschiedet. Trotz mehrfacher Aufforderung durch den Bundesrat weigert sich die deutsche Bundesregierung jedoch beharrlich, die tägliche Tierqual in kleinen und großen Wanderzirkussen zu beenden. Nach dem Tod der Elefantin Mädi (siehe auch du und das tier 4/2013, Seite 6), die während einer Tournee qualvoll starb, hat der Deutsche Tierschutzbund mit weiteren Tier- und Naturschutzorganisationen erneut einen gemeinsamen dringlichen Appell an Bundesministerin Ilse Aigner und die Tierschutzsprecher aller Parteien gerichtet. Er wird weiterhin dafür kämpfen, dass Elefanten, Nashörner und andere Wildtiere endgültig aus deutschen Zirkussen verschwinden.

verarbeitet werden. Doch nur ein Drittel der gefangenen Tiere gelangt überhaupt in den Handel. Der überwiegende Teil stirbt beim Fang und Transport oder aufgrund der erbärmlichen Haltungsbedingungen bei Zwischenhändlern. In Südostasien und Neuguinea leben mit 44 Arten, von denen drei erst kürzlich beschrieben wurden, die meisten WaranArten. Weil die Handelskontrolleure nur unzureichend ausgebildet sind, legalisieren sie unbewusst auch den Fang und Verkauf bedrohter Arten, die vor allem als Heimtiere begehrt sind. Der Deutsche Tierschutzbund fordert schon seit Jahren ein Verbot der privaten Haltung von „exotischen“ Tieren, die kaum artgerecht zu halten und potenziell – wie manche Warane – auch gefährlich sind (siehe auch Titelthema der du und das tier-Ausgabe 4/2013).

Illegaler Handel bedroht die Warane

Papuawarane stehen wie alle Warane unter Artenschutz.

6 du und das tier

5/2013

Sie gelten als die Drachen von heute – die Warane. Obwohl alle der über 70 bekannten Arten aufgrund des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (WA) nur begrenzt gehandelt werden dürfen, werden sie vor allem in Indonesien zu Tausenden gefangen, exportiert oder getötet und zu Häuten verarbeitet – ein Großteil davon illegal. Dies bringt einige Arten an den Rand des Aussterbens, wie eine jüngst veröffentlichte Studie von deutschen und indonesischen Wissenschaftlern ergab. Demnach werden viele Waran-Arten vor allem für den Heimtiermarkt exportiert, während andere durch den Reptilienlederhandel unter anderem zu Armbändern für Uhren (Echsenleder) oder Handtaschen


Urteil Kommune in die Pflicht genommen Wer eine verletzte Schildkröte findet, der handelt richtig, wenn er sie sofort zum Arzt bringt statt zum Fundbüro. Die Tierklinik hat einen berechtigten Anspruch, der Stadt eine Rechnung für die Versorgung des Tieres zu stellen. Dieses Urteil des Verwaltungsgerichts Saarlouis bestätigt die Pflicht der Kommunen, die Kosten, die für die Unterbringung und Versorgung von Fundtieren anfallen, zu tragen – gleichgültig, ob diese von einem Tierarzt oder einem Tierheim betreut werden. Einzige Bedingung:

Die Gemeinde muss sofort informiert werden, damit sie die Möglichkeit hat, das Fundtier gegebenenfalls anderweitig (artgerecht) unterzubringen. Im konkreten Fall hatte die Kommune darauf gepocht, dass die gefundene Gelbwangenschildkröte, die die Finderin sofort in eine Tierklinik brachte, als herrenloses und nicht als entlaufenes Tier zu betrachten sei, und die Zahlung verweigert. Das sah das Gericht anders. Solange nicht zu beweisen sei, dass jemand die Schildkröte ausgesetzt habe, sei das Tier nicht als herrenlos, sondern als entlaufen zu betrachten.

Zu den häufigsten Wasserschildkröten in privaten Haushalten gehört die Gelbwangenschildkröte.

Schweinemastanlage Haßleben

Italien

Widerspruch gegen Genehmigung

Erfolg für Vogelschützer

Seit neun Jahren kämpfen der Deutsche Tierschutzbund und sein Landesverband Brandenburg, die Bürgerinitiative Contra Industrieschwein und weitere Bündnispartner gegen die in Haßleben geplante, riesige Schweinemastanlage. Einen Teilerfolg konnte der jahrelange Widerstand verbuchen: Statt, wie ursprünglich geplant, 85.000 Schweine will der holländische Investor jetzt „nur“ 37.000 Schweine im Norden der brandenburgischen Gemeinde Haßleben mästen lassen. Doch Mitte Juni gab die Landesregierung die Genehmigung der tierquälerischen Schweinefabrik bekannt. Die Begründung: Es gebe ordnungsrechtlich keine In Haßleben soll eine Mastfabrik für 37.000 Schweine entstehen.

Möglichkeit, die Anlage zu untersagen. Der Deutsche Tierschutzbund legte Widerspruch ein. In Haßleben sollen die Schweine in intensiver Haltung, unter anderem in Buchten mit Vollspaltenböden, leben, was dem Tierschutz widerspricht. Dies wurde auch durch ein Gutachten belegt, das der Deutsche Tierschutzbund in Auftrag gegeben hatte. Es ergab, dass bei Schweinen aus solchen Intensivhaltungen bis zu 75 Prozent der Tiere an Gelenkerkrankungen und 68 Prozent an Sohlenverletzungen leiden und dass Lungenkrankheiten, Bissverletzungen sowie Hautinfektionen die Tiere unter Dauerschmerzen leiden lassen. Mit dem Deutschen Tierschutzbund haben der Bund für Umweltund Naturschutz Deutschland, der Naturschutzbund Deutschland und der Förderverein FeldbergUckermärkische Seenlandschaft Widerspruch eingelegt.

Nach jahrelangen Protesten und Klagen des Komitees gegen den Vogelmord, Mitglied im Buchfinken und andere Finkenarten Deutschen Tierschutzbund, dürfen in Italien seit sowie auf massiven Druck diesem Jahr nicht der EU hin hat die italiemehr bejagt nische Regierung Ende Juli werden. Änderungen im Jagdgesetz verabschiedet. Damit wird die Jagd auf EU-weit geschützte Finken- und Pieper-Arten nahezu unmöglich gemacht. Denn: Etwaige Freigaben müssen künftig auf dem Weg der Rechtsverordnung erteilt werden, gegen die geklagt werden kann. Auch muss eine Jagdfreigabe spätestens drei Monate vor Jagdbeginn erteilt werden. Sie kann damit nicht mehr, wie bisher oft geschehen, erst einen Tag vor der Jagd erfolgen. Vor allem die Lombardei und Venetien wollten als besonders jagdfreundliche Regionen die Jagd auf Buch- und Bergfinken sowie Baum- und Wiesenpieper in diesem Herbst erneut erlauben, scheiterten letztlich mit ihrem Anliegen jedoch auch bei der EU. Somit wird der Vogelzug über Italien das zweite Jahr in Folge ohne genehmigte Jagd stattfinden.

du und das tier 5/2013 7


[ KURZ

UND KNAPP]

Tollwood Festival ARTgerecht Seit 1988 veranstaltet Tollwood in München zweimal im Jahr ein Kulturfestival, das von rund 1,5 Millionen Menschen besucht wird. Das Festival, das ausschließlich bio-zertifizierte Gastronomie anbietet, versteht sich als Forum für Ökologie und Umweltbewusstsein. Es bietet Theater, Kabarett, Kunst und Kultur sowie Veranstaltungen zu ökologischen und gesellschaftlichen Themen. Das bevorstehende Winterfestival, das vom 26. November bis zum 31. Dezember dauert, steht unter dem Motto „ARTgerecht“. Partnerorganisation ist der Deutsche Tierschutzbund. Im Mittelpunkt stehen die Missstände der intensiven Tierhaltung in der Landwirtschaft und die

Walfang

FOTOS: IMAGO (6), DEUTSCHER TIERSCHUTZBUND, TOLLWOOD, DPA

Sinnloses Töten geht weiter Nach zwei Jahren Pause hat Island im Juni erneut die Walfang-Saison eröffnet. 216 Zwergwale sowie 184 der geschützten und gefährdeten Finnwale will das isländische Unternehmen Hvalur in diesem Jahr zur Strecke bringen. Elf Tiere waren es bereits in der ersten Woche. Und das, obwohl es in Island keine Abnehmer für das Fleisch gibt und es selbst in Japan kaum verzehrt wird. Es wird dort daher zum Teil sogar zu Hundefutter verarbeitet. Dennoch wurden Anfang Juli sechs Container mit 130 Tonnen Finnwalfleisch mit einem Frachter auf die Reise nach Japan geschickt – nur um kurz darauf wieder zurückverfrachtet zu werden. Nach Protesten in den Umschlaghäfen Rotterdam und Hamburg

8 du und das tier

5/2013

Das Tollwood Festival steht in diesem Winter unter dem Motto „ARTgerecht“. Der Deutsche Forderungen des DeutTierschutzbund ist Partner. schen Tierschutzbundes nach einer Änderung des Tierschutzgesetzes beziehungsweise der Tierschutz-NutztierhaltungsVerordnung. In einem „Bilderbuchstall“, der abwechselnd die von vielen Menschen gewünschte Idylle und die Realität zeigt, und auf Schauwänden können sich die Besucher über die Nutztiere, ihre Besonderheiten und Be„ARTgerecht“ läuft im Rahmen des dürfnisse, aber auch über die ManiTollwood Winterfestivals vom 26.11. pulationen, die an ihnen begangen bis 21.12.2013 auf der Theresienwiewerden, informieren. Der Deutsche se in München. Das Festival endet am Tierschutzbund wird die Veranstaltung 31.12.2013. Weitere Informationen: begleiten. www.tollwood.de

lehnten die zuständige Transportfirma wie auch die beauftragte Reederei den Weitertransport ab. Trotz dieses Misserfolges will Hvalur seine Fangquote in diesem Jahr erfüllen. Anlass zur Hoffnung gibt demgegenüber die von Australien und Neuseeland angestrengte Klage gegen Japans Walfang „zu wissenschaftlichen Zwecken“. Nach der Mitte Juli vor dem Internatio-

nalen Gerichtshof in Den Haag beendeten Anhörung dazu sahen Experten Vorteile auf der Seite der Walschutzländer. Sollte gerichtlich festgestellt werden, dass nicht die Forschung, sondern der japanische Walfleischmarkt der Hauptgrund für die Jagd auf die Meeressäuger wäre, sei der Walfang über kurz oder lang Geschichte. Ein Urteil wird für Ende 2013 erwartet.

Obwohl kein Bedarf für das Fleisch besteht, will Island seine „Quote“ erfüllen und Wale töten.


KONTAKT

Protest-Erfolg

wollte die Tiere für Shows und Zuchtzwecke gemeinsam mit anderen Delphinarien in die USA importieren. Vierzehn Monate nach der Antragstellung hat die NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration) als zuständige Als das Georgia Aquarium im Juni 2012 Bundesbehörde den Antrag nun abgeeine Einfuhrgenehmigung für 18 wild lehnt, da mehrere notwendige Kriterien gefangene Belugawale aus Russland nicht erfüllt waren. Unter anderem blieb in die USA beantragte, rief das unter unklar, inwieweit die Entnahme der Tiere Tierschützern weltweit Entsetzen hervor. Auswirkungen auf die lokale Population 60 nationale und internationale Tier- und habe. Ebenso waren unter den zum VerArtenschutzorganisationen, darunter kauf stehenden Tieren auch Jungtiere, auch der Deutsche Tierschutzbund, prodie bei Gefangennahme noch von ihren testierten umgehend mit einer gemeinMüttern gesäugt wurden. Des Weiteren samen Stellungnahme. Das Aquarium hätte eine Genehmigung des Antrags vermutlich zu weiteren Fangaktionen geführt. Der Deutsche In Russland werden wilde Belugas gefangen und Tierschutzbund begrüßt die bis zum Verkauf in kleinen Becken gehalten. wegweisende Entscheidung der NOAA. Denn Jagd und Handel mit Walen und Delfinen für Zoos und Aquarien stellen weiterhin eine Bedrohung für das Überleben und Wohlergehen der Tiere in freier Wildbahn dar – ganz abgesehen von dem Leid, das den hochintelligenten Tieren bei der Haltung in Gefangenschaft zugefügt wird.

Einfuhrverbot für 18 Belugas

Pelzmode Proteste zeigen Wirkung Die jahrelange Aufklärung über das Leid der Pelztiere in in- und ausländischen Farmen und die Protestaktionen des Deutschen Tierschutzbundes haben zu einem Umdenken der Verbraucher geführt. Pelz ist nicht mehr schick, sondern peinlich. Immer mehr Kunden fragen beim Kauf nach pelzfreien Produkten und lehnen Mäntel, Jacken und Accessoires mit Echtpelz ab. Das hat viele Kaufhäuser veranlasst, solche Ware erst gar nicht mehr zu ordern und keine Artikel mit Pelz mehr anzubieten. Doch jetzt im Herbst wirft die Pelzindustrie ihre PR- und Werbeoffensive wieder an, um ihre Produkte anzupreisen. Trend ist in diesem Winter offenbar

Nerz. Doch die Jagdmethoden sind grausam, und die Haltung der Tiere in Nerzfarmen ist nach wie vor qualvoll. Der Deutsche Tierschutzbund verstärkt deshalb seine Anti-Pelz-Kampagne und fordert alle Tierfreunde auf, Kaufhäuser zu boykottieren, die Pelze oder Pelzprodukte anbieten. Stattdessen sollten sie aktiv diejenigen Geschäfte unterstützen, die freiwillig auf alle Pelzprodukte verzichten. Eine Liste der Warenhäuser ohne Pelz finden Sie unter www.tierschutzbund.de/ pelzfreie-warenhaeuser.html

Nerze leiden und sterben für Pelze und Accessoires.

Deutscher Tierschutzbund e. V. Baumschulallee 15 53115 Bonn Telefon 0228-60496-0, Telefax 0228-60496-40 www.tierschutzbund.de/kontakt

Hotlines Service-Hotline, Bundesgeschäftsstelle Telefon 0228-60496-0 Deutsches Haustierregister ® und Deutsches Tierdiebstahlregister Rund um die Uhr: Telefon 0228-60496-35 Spenden-Hotline: Telefon 09001-226688 (nur aus dem deutschen Festnetz). Sie spenden € 5,00

Internet

www.tierschutzbund.de Hier finden Sie tagesaktuelle Meldungen, Hintergrundinformationen und Aktionsmöglichkeiten. Für Kinder und Jugendliche gibt es die Seiten www.tierschutzkids.de und www.jugendtierschutz.de

Social Web Folgen Sie uns – bei www.facebook.com/tierschutzbund www.twitter.com/tierschutz_bund www.youtube.com/tierschutzbundTV plus.google.com/+tierschutzbund

Online spenden

www.tierschutzbund-spenden.de

Tierschutz-Podcast Wer immer gut informiert sein möchte, hat die Möglichkeit, die Tierschutznachrichten zu abonnieren: www.tierschutzbund.de/ podcast

Kostenloser Service Melden Sie Ihr Haustier online im Deutschen Haustierregister® an: www.registrier-dein-tier.de

Spendenkonto des Deutschen Tierschutzbundes Sparkasse KölnBonn BLZ 370 501 98, Konto-Nr.: 40 444 IBAN: DE 88 37050198 0000040444, BIC: COLS DE 33 Spenden sind steuerlich absetzbar.

du und das tier 5/2013 9


[ t i t e lt h e m a ] Jagdgesetzgebung

Paradigmenwechsel i Eine Änderung der Jagdgesetzgebung ist überfällig. Während die Bundesregierung sich nur gezwungenermaßen dazu durchringen konnte, minimale Änderungen am Bundesjagdgesetz vorzunehmen, ergreifen verschiedene Bundesländer die Initiative, die Gesetzgebung zum Umgang mit Wildtieren zu modernisieren.

10 du und das tier

5/2013


l in Sicht?

E

nde Juni 2012 geriet die heile Welt der deutschen Jägerschaft ins Wanken. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hatte dem Grundstücksbesitzer und Tierfreund Günter H. recht gegeben und mit einem Urteil festgestellt, dass er die Jagd auf seinen Grundstücken nicht grundsätzlich dulden muss. Mehr als zehn Jahre hatte H. dafür gekämpft. Um seiner ethischen Überzeugung Anerkennung zu verschaffen, war er durch sämtliche Instanzen gegangen. Dieses Urteil war ein Meilenstein in Sachen Tierschutz, denn damit wurden das seit Jahrzehnten in Deutschland geltende Jagdrecht und das bisher bestehende Reviersystem grundlegend infrage gestellt. Bisher waren Grundstückseigentümer verpflichtet, zwangsweise einer Jagdgenossenschaft beizutreten und die Bejagung auf ihren Grundstücken zu dulden, auch wenn die Jagd ihrer eigenen Überzeugung widerspricht. So mussten Jagdgegner und Tierschutzvereine tatenlos zusehen, wie auf ihrem Grund und Boden Jagden durchgeführt und Tiere getötet wurden. Damit sollte nun in absehbarer Zeit Schluss sein. In ähnlicher Weise hatte der EGMR 1999 bereits im Falle französischer Kläger sowie 2007 angesichts der Klage einer Luxemburgerin entschieden. Der deutsche Gesetzgeber war nun gefordert, den bestehenden Missstand zu beheben. Tatsächlich legte das zuständige Bundeslandwirtschaftsministerium (BMELV) bereits Ende November 2012 einen Entwurf zur Änderung des Bundesjagdgesetzes vor. Verschiedene Verbände erhielten die Möglichkeit zur Kommentierung. Unverständlicherweise und obwohl es sich inhaltlich bei der Novellierung dieses Gesetzes konkret um Fragen der Ethik und um Aspekte des Tierschutzes handelte, erhielten jedoch weder der Deutsche Tierschutzbund als größte deutsche Tier- und Naturschutzorganisation noch irgendein anderer Vertreter des Tierschutzes direkte Kenntnis von diesem Gesetzentwurf. Er beinhaltete, neben der Umdu und das tier 5/2013 11


[ t i t e lt h e m a ] setzung der Entscheidung des EGMR zur „Zwangsmitgliedschaft“ in Jagdgenossenschaften, auch den Hinweis auf eine Änderung der Jagdzeit für Rehböcke, die bisher – rein trophäenorientiert – von der für Ricken und Kitze abweicht, und ein grundsätzliches Fütterungs- und Medikamentenverabreichungsverbot. Da Wildtiere nicht nur aus Naturschutz-, sondern auch aus Tierschutzsicht Wildtiere bleiben sollten und gerade Rehe durch übermäßige Fütterung und Medikamentierung quasi zu landwirtschaftlichen Nutztieren gemacht werden, waren diese Vorschläge durchaus vernünftig und nachvollziehbar. Kaum eine Woche später jedoch zog die Bundesregierung den Gesetzentwurf wieder zurück und veröffentlichte ein neues Dokument, das sich nun lediglich auf die Umsetzung des EGMR-Urteils beschränkte. Offenbar war es der starken Jagdlobby innerhalb weniger Tage gelungen, immensen Druck auf die Politik auszuüben. Die jagdpolitische Sprecherin der Grünen, Cornelia Behm, sprach von einem „einmalig peinlichen Vorgang“. Dieser zeige deutlich, „wer in Deutschland die Jagdpolitik eigentlich macht“. Allen Protesten zum Trotz wurde dennoch ausschließlich der neue, verkürzte Gesetzentwurf weiterverfolgt und schließlich mit Zustimmung der Bundesregierung durchgesetzt. Er tritt nun im Dezember 2013 in Kraft (siehe auch Kasten 1, Seite 13). Die Posse um die „Mini-Reform“ des Bundesjagdgesetzes zeigt einmal mehr die Besonderheit des deutschen Jagdrechts. Nur bei wenigen Umweltthemen prallen derart unterschiedliche Welten aufeinander. Insbesondere der stark im konservativen und bürgerlichen politischen Lager verwurzelten deutschen Jägerschaft ist daran gelegen, möglichst keinen Millimeter ihrer bestehenden Vorrangstellung aufzugeben. Gebetsmühlenartig wird daher auch betont, dass sich das deutsche Jagdgesetz „seit Jahrzehnten bewährt“ habe und „ein Vorbild“ im Vergleich zu anderen Ländern sei. Verwundern mag diese Einschätzung nicht, gewährt das hiesige

12  du und das tier  5/2013

Oben: Die Fütterung von Rehen und Hirschen wird kontrovers diskutiert, da sie die natürliche Regulation des Bestandes verhindert und zu hoher Dichte führt. Unten: Immer noch sterben Zehntausende Katzen durch Jägerhand.

Jagdrecht den mehr als 350.000 Waidmännern und -frauen doch weitreichende Vorteile hinsichtlich bestehender Ausnahmeregelungen, unter anderem im Eigentums- und Waffenrecht, Natur- und Artenschutzrecht sowie im Tierschutzrecht. Auch deshalb hat sich hinsichtlich der Jagd und ihrer Rechtsgrundlage, die 1952 verfasst wurde und zumindest in Teilen noch auf Görings Reichsjagdgesetz aus den 1930er-Jahren zurückgeht, nur wenig getan. Eine 2004 von der damaligen Bundeslandwirtschaftsministerin Renate

Künast angestoßene Novelle wurde zuerst auf Eis gelegt und schließlich mit dem Ende der rot-grünen Koalition nicht weiterverfolgt. Gemeinsam mit anderen Tierschutz- sowie Umweltund Naturschutzverbänden hatten der Deutsche Tierschutzbund und der Deutsche Naturschutzring (DNR) zuvor ein Eckpunktepapier zur Jagdrechtsreform erarbeitet. Auf Bundesebene herrscht seit Jahrzehnten Stillstand, wenn es um die Novellierung der Jagdgesetzgebung geht. Auch die aufgrund des EGMR-Urteils notwendig gewordene


Die Ausbildung von Jagdhunden an ihnen wehrlos ausgelieferten lebenden Enten ist eindeutig tierschutzwidrig und unnötig.

Anpassung des Gesetzes wurde eher widerwillig und letztlich unzureichend umgesetzt (siehe Kasten, Seite 13). Die Jägerschaft konnte sich dabei immer auf Rückendeckung von höchster Ebene verlassen, ist sie doch von der unteren Verwaltungsbehörde bis in bundespolitische Gremien hinein gut vernetzt. Dies führte sogar zu dem Kuriosum, dass die Regierungsparteien in ihrem Koalitionspapier aus dem Jahr 2009 explizit festhielten, das Bundesjagdgesetz nicht antasten zu wollen. Dabei ist der Neuregelungsbedarf aus Sicht unterschiedlichster Interessenvertreter enorm: Waldbesitzer und ökologisch ausgerichtete Jäger mahnen seit vielen Jahren, dass die – auch durch ständige Fütterung bedingten – hohen Bestände von Rehen und anderen „Schalenwild“-Arten immense Schäden im Wald nach sich ziehen und damit das Ziel, artenreiche Mischwälder aufzubauen, gefährden. Bauern und Privatgrundstückbesitzer beklagen massive Schäden durch Wildschweine, die Äcker und Gärten umpflügen und deren Anzahl ebenfalls durch ein gutes Nahrungsangebot ständig steigt. Denn neben günstigen Klimabedingungen und den überall anzutreffenden riesigen Anbauflächen für Mais sind es doch die veralteten Konzepte der Waidgenossen, die durch Fehlabschüsse von Leitbachen und Tonnen von ausgebrachten Futtermitteln den Populationsanstieg zumindest mitzuverantworten haben. Während große Teile der Bevölkerung ob des jagdlichen Treibens eher ahnungslos sind, beklagen Tierschützer den sinnlosen Abschuss Zehntausender Katzen und Hunde, den tierschutzwidrigen Einsatz von Totschlagfallen, das Festhalten an tierschutzwidrigen Jagdmethoden und die geradezu archaisch anmutende Ausbildung von Jagdhunden an lebenden Tieren.

Reform von unten In den Bundesländern vollzieht sich jedoch seit einigen Jahren ein schleichender Wandel. Mit der Föderalismusreform 2006 haben die Länder

weitgehend die Regelungskompetenz für das Jagdrecht erhalten, und einige haben davon auch bereits Gebrauch davon gemacht. Den weitreichendsten Vorstoß gab es hierzu 2011 im Saarland unter der „Jamaika-Koalition“ aus CDU, FDP und Bündnis 90/Die Grünen. Mit dem damals vorgelegten Entwurf wollte das saarländische Umweltministerium die Jagd zeitgemäßer gestalten sowie neue wildbiologische und jagdpraktische Erkenntnisse berücksichtigen. Wesentliche Eckpunkte aus Tierschutzsicht waren ein Verbot der gezielten Baujagd, bei der Hunde Füchse oder Dachse aus ihren Bauen jagen sollen, sowie der Fangjagd, also der Jagd mit Totschlag- oder Lebend-

Zwangsmitgliedschaft in Jagdgenossenschaften

Urteil unzureichend umgesetzt Aus Sicht des Tierschutzes wird der neu

Widersinnig erscheint auch die Rege-

in das Bundesjagdgesetz eingefügte

lung, dass ein Eigentümer, der infolge

§ 6a dem Urteil des Europäischen Ge-

der Befriedung seines Grundstücks

richtshofs für Menschenrechte (EGMR)

aus der Jagdgenossenschaft aus-

vom 26. Juni 2012 (Beschwerde Nr.

scheidet − und damit alle mit der bis-

9300/07) keineswegs gerecht. Das Ur-

herigen Mitgliedschaft verbundenen

teil wird in wesentlichen Punkten nicht

Rechte wie den Wildschadensersatz

eingehalten. Grundeigentümern, die die Jagd aus ethischen Gründen ablehnen, wurden unverhältnismäßig hohe Hürden gestellt, sodass es in der Praxis nur in wenigen Fällen möglich sein dürfte, das vom EGMR zugebilligte Recht tatsächlich wahrzunehmen. So werden zu den jeweiligen Anträgen nicht nur die Jagdverbände und -pächter angehört, die ihre Bedenken vorbringen können. Auch kann der Antrag auf Befriedung unter anderem dann abgelehnt werden, wenn übermäßige Wildschäden befürchtet werden oder wenn dies der „Abwendung sonstiger

und die Zahlung anteiliger Jagdpacht verliert − trotzdem einen Teil der Pflichten behalten soll, die sich aus der Mitgliedschaft ergeben: Er soll weiterhin anteilig für Wildschäden haften. Inakzeptabel ist jedoch vor allem, dass der Paragraf nur auf „natürliche Personen“, also einzelne Grundstücksbesitzer angewendet werden soll. Organisationen, die sich den Schutz der Tiere vor vermeidbaren Schmerzen und Leiden zum Zweck gesetzt haben – also vor allem Tierschutzvereine und -verbände – wurde damit das Recht verwehrt, einen Antrag auf Befriedung

Gefahren für die öffentliche Sicherheit

ihrer Flächen zu stellen.

und Ordnung“ dient. Ebenso ist die

Immerhin: Aufgrund von Gerichtsbe-

Erhaltung eines artenreichen und ge-

schlüssen wurden auch schon vor

sunden Wildbestandes zu sichern. Bei

Inkrafttreten dieses neuen Geset-

derart unkonkreten Formulierungen ist

zestextes die Grundstücke mehrerer

davon auszugehen, dass viele Anträge

Grundstückseigentümer in Deutsch-

auf Befriedung nicht bewilligt werden.

land jagdfrei gestellt.

du und das tier  5/2013  13


[ t i t e lt h e m a ] fallen. Ebenso sollte die Ausbildung von Jagdhunden an der lebenden, flugunfähigen Ente und am lebenden Fuchs in Schliefanlagen (künstlichen Fuchsbauen) untersagt werden. Auch das vorgesehene Verbot des Haustierabschusses hätte den Forderungen des Tierschutzes Rechnung getragen. Es folgten massive Proteste seitens der Jägerschaft, nicht nur aus dem Saarland, sondern aus der gesamten Bundesrepublik. Der für den Entwurf verantwortliche grüne Staatssekretär Borger sah sich Drohungen und wüsten Beschimpfungen ausgesetzt. Jagdmagazine bezeichneten das Saarland als „experimentelle Spielwiese der Öko-Bewegung“. Der saarländische Landesjägermeister kündigte gar eine Klage vor dem Verfassungsgerichtshof an, da nach seinem Erachten die Jäger durch die Pläne unverhältnismäßig in ihren Rechten beschnitten würden. Die Wogen glätteten sich erst wieder, als der Gesetzentwurf nach dem Zerbrechen der Regierung in der Schublade verschwand und der aus Natur- und Tierschutzsicht fortschrittliche Ansatz somit nicht weiterverfolgt wurde. Als Vermächtnis blieb immerhin bislang die bereits 2010 beschlossene halbjährige Schonzeit für Füchse, die den Tieren im Frühjahr eine ungestörte Aufzucht ihrer Jungen ermöglichen soll. Der nächste Aufreger für die deutsche Jägerschaft ließ nicht lange auf sich warten, denn der 2012 neu aufgesetzte rot-grüne Koalitionsvertrag in Nordrhein-Westfalen (NRW) forderte eine „Ausrichtung des Jagdrechts an ökologischen Prinzipien und dem Tierschutz“. Das neue Landesjagdgesetz solle der Maßstab für eine grundlegende bundesweite Änderung der Jagd werden und NRW diesbezüglich eine Vorreiterrolle einnehmen. Dem zuständigen Umweltminister Johannes Remmel (Bündnis 90/Die Grünen) war damit die Aufmerksamkeit der nordrhein-westfälischen Waidmänner garantiert, und er wurde zur Hauptfigur im Ränkespiel „Politgrüne gegen Lodengrüne“, wie es die Bildzeitung des jagdlichen Blät-

14  du und das tier  5/2013

terwaldes, das Magazin „Wild und Hund“, formulierte. Die Jägerschaft rief zur Kundgebung mit 1.000 Jagdhörnern in Düsseldorf auf, um gegen die geplante Jagdrechtsreform zu protestieren. Tatsächlich konnte aber nur ein Bruchteil der erhofften Anzahl von Jagdhornbläsern für den lautstarken Protest mobilisiert werden, während eine Gegendemonstration von Jagdgegnern und Tierschützern sich über starken Zulauf freute. Im Ministerium wurde unterdessen ein Jagdbeirat unter Mitwirkung von Natur- und Tierschützern einberufen, um vorab etwaige Konsensmöglichkeiten auszuloten. Dies blieb jedoch weitgehend ohne Erfolg. Bis heute ist nach wie vor strittig, welche Tierarten künftig weiter dem Jagdrecht unterliegen sollen und ob man den Jägern höhere Auflagen hinsichtlich ihrer Treffsicherheit machen darf sowie insbesondere die Frage, wer letztlich die Experten für den Natur- und Artenschutz sind: Jäger oder Umweltschützer? Noch hat das zuständige Ministerium keinen Entwurf für das neue Gesetz vorgelegt. Es wird also noch dauern, bis der Streit um die geplante Jagdrechtnovelle in Nord­ rhein-Westfalen abgeblasen werden kann. Auch in Baden-Württemberg versucht sich das zuständige Ministerium derzeit an dem Spagat, die neue Jagdgesetzgebung zum einen den im grün-roten Koalitionsvertrag festgeschriebenen Forderungen anzupassen sowie zum anderen einen völlig neuen Weg hin zum einem „Jagd- und Wildtiermanagementgesetz“ einzuschlagen. Zu diesem Zweck wurden Arbeitsgruppen unter Beteiligung sämtlicher Interessenvertreter – neben Jagd auch Naturschutz, Tierschutz und einige weitere – gebildet, die sämtliche Aspekte des bestehenden Jagdrechts aus unterschiedlichsten Blickwinkeln beleuchten und diskutieren sollten. Bei diesem innovativen Verfahren zeigte sich, dass durchaus ernsthafte Gespräche und fachlicher Austausch zwischen allen Teilnehmern möglich waren. Die Tierschutzvertreter, darunter der Landestierschutzverband

Jungfüchse und Waschbären sind in fast allen Bundesländern ganzjährig zum Abschuss frei­ gegeben. Auch der Wolf soll nach dem Willen der Jäger ins Jagd­ recht ­- für alle Fälle.


Baden-Württemberg, konnten dabei zumindest vorläufig einige positive Ergebnisse erzielen. Dazu zählen die vorgesehene Abschaffung des Katzen- und Hundeabschusses, das Verbot von Totschlagfallen und des Schrotschusses auf Vogelgruppen sowie das Verbot der Baujagd und der damit verbundenen Ausbildung von Hunden an lebenden Füchsen in Schliefanlagen. Unterstützung kam dabei nicht nur seitens der Naturschutzverbände NABU und BUND, sondern auch vom ökologischen Jagdverband. Der traditionellen Jägerschaft fehlten oftmals die zwingenden Argumente, die ein Festhalten an althergebrachten Traditionen und „bewährten jagdlichen Mitteln“ gerechtfertigt hätten. Umso bedauerlicher daher, dass sich der Landesjagdverband BadenWürttemberg nach Abschluss der Gespräche dazu genötigt sah, den gesamten Prozess nachträglich infrage zu stellen. Stattdessen versuchte er mit einer Postkartenaktion und plumpen Sprüchen, die Politik davon zu überzeugen, dass Änderungen beim Jagdrecht lediglich von einigen Ideologen, sprich Natur- und Tierschutzverbänden, für notwendig erachtet würden, aber keinesfalls begründet oder gar gerechtfertigt seien. Auch hier wird es spannend sein zu sehen, ob sich die Landtagsabgeordneten trauen, etwas Neues zu wagen oder ob sich die übliche Klientelpolitik letztlich durchsetzen wird. Ein Gesetzentwurf für ein „Jagd- und Wildtiermanagement in Baden-Württemberg“ ist für Herbst 2013 angekündigt. In den vergangenen Jahren ist in weiteren Ländern das Jagdrecht zum Teil mehrfach aktualisiert worden. Aus Tierschutzsicht gab es dabei Licht und Schatten: Zu den erfreulichen Neuerungen können zum Beispiel das Verbot von Totschlagfallen in Sachsen sowie die dort ebenfalls eingeführten Beschränkungen bezüglich des Abschusses von wildernden Hunden und das Verbot der Verwendung von bleihaltiger Munition bei der Jagd auf Wasservögel gezählt werden. Dem stand die lange Diskussion um die Aufnahme des Wolfs in

das sächsische Jagdgesetz gegenüber, die letztlich auch – verbunden mit einer ganzjährigen Schonzeit – beschlossen wurde. In Rheinland-Pfalz legte die Landesregierung im März 2013 einen Entwurf einer Landesjagdverordnung vor. Hinsichtlich der Jagdzeiten enthält dieser einige positive Neuregelungen, die aus Tierschutzsicht explizit begrüßt werden: insbesondere die ganzjährige Schonung des Iltis oder die Einführung von festen Schonzeiten für Elterntiere von Fuchs, Waschbär und Marderhund. Weitere jagdrechtliche Änderungen in Hessen und MecklenburgVorpommern verliefen demgegenüber eher enttäuschend. Ebenso in Schleswig-Holstein, wobei dort das neue Regierungsbündnis aus SPD, Bündnis 90/Die Grünen und SSW bereits Verbesserungen im Sinne des Tier- und Naturschutzes angekün­digt und diesen Worten mit dem Verbot bleihaltiger Munition auch bereits erste Taten hat folgen lassen.

Jagd

Aktuelle Forderungen Die wichtigsten jagdpolitischen Forderungen des Deutschen Tierschutzbundes: ▶ Tötung von frei lebenden Wildtieren nur mit „vernünftigem Grund“ im Sinne des Tierschutzgesetzes ▶ Verbot des Abschusses von Hunden und Katzen ▶ Verbot des Einsatzes von Totschlagfallen ▶ Verkürzung der Jagdzeiten und Schaffung von Jagdruhezonen ▶A  bschaffung tierschutzwidriger Jagdmethoden wie Baujagd oder Beizjagd ▶K  ürzung der Liste der jagdbaren Tierarten ▶ Verbot des Aussetzens von Tieren zum Zwecke der Jagd ▶K  eine Ausbildung von Jagdhunden an lebenden Tieren

du und das tier  5/2013  15


[ t i t e lt h e m a ] Auch in Niedersachsen wird in absehbarer Zeit mit einer Novellierung des Jagdrechts gerechnet. Geht die Entwicklung weiter wie bisher, so wird der Gesetzgeber über kurz oder lang nicht darum herumkommen, auch das Bundesrecht an die Länderverhältnisse anzupassen.

Der Weg ist noch lang Insgesamt hat das Jagdrecht in den vergangenen fünf Jahren ein deutliches Mehr an Tierschutz erfahren als in den fünf Jahrzehnten zuvor. Gleichwohl soll dies nicht darüber hinwegtäuschen, dass die gesetzlichen Rahmenbedingungen nach wie vor wichtigen Grundsätzen des Tierschutzes nicht gerecht werden. Die Jagdstatistiken verzeichnen gut fünf Millionen getötete Wildtiere – pro Jahr wohlgemerkt. Und die Liste der dabei flächendeckend zum Einsatz kommenden tierschutzwidrigen Praktiken ist lang, der Kampf für deren Abschaffung erfordert insbesondere bei Tierschützern eine hohe Frusttoleranz. Derzeit unterliegen gemäß Bundesjagdgesetz noch immer rund 130 Tierarten dem Jagdrecht. Dabei sind auch Tierarten aufgeführt, die vielerorts ausgestorben oder stark gefährdet sind oder für deren Bejagung weder eine ökologische Notwendigkeit besteht noch eine sinnvolle Verwertung infrage kommt, so unter anderem für Rabenvögel, Möwen und Blässhühner, aber auch Marder, Füchse oder Waschbären. Deren tote Körper landen – von Ausnahmen der an sich schon ethisch verwerflichen Fellnutzung abgesehen – sprichwörtlich in der Mülltonne. Zwar besteht nicht für alle Arten eine Jagdzeit, doch hat ihr Status als „dem Jagdrecht unterliegend“ auch erhebliche Konsequenzen für den Schutz der Tiere selbst sowie den Erhalt und die Förderung ihres Lebensraums oder die Versorgung verletzter Individuen. All dies liegt damit rein rechtlich in der Hauptverantwortung der Jägerschaft, die sich aber einigen Arten wie Rothirsch oder Reh eher verpflichtet fühlt als anderen, wie Greifvögeln oder Mardern. Zudem sind die dem einzelnen Jäger

16  du und das tier  5/2013

zur Verfügung stehenden Mittel, gerade was den Schutz gefährdeter Arten angeht, eher begrenzt. Angesichts der seit Langem abnehmenden Populationen von Feldhasen, Rebhühnern oder Wachteln reicht ein einfacher Jagdverzicht nicht aus, zumal die Ursachen für die Gefährdung dieser Arten eher in der landwirtschaftlichen Flächennutzung liegen, an der die Jäger grundsätzlich wenig ändern können. Was läge also näher, als die Kompetenzen für diese Wild-

tiere auch offiziell dem Naturschutz zu übertragen? Doch dies scheitert bislang am erbitterten Widerstand der Jagdverbände, die auch an dieser Stelle ganz offensichtlich jeglichen Machtverlust fürchten. Jäger sind nach Ansicht des Deutschen Jagdverbands sowohl Natur- und Arten- als auch Tierschützer. Die Winterfütterung von Rehen wird daher als notwendig im Sinne des Tierschutzes propagiert, wenngleich noch kein Jäger dabei

Die Jagd auf Rabenvögel oder Marder wie den Iltis ist ökologisch unsinnig. In der Regel erfolgt auch keine Verwertung. Für die Felle gibt es kaum Nachfrage. Unten: Die aktive Einbürgerung von Luchsen wird sei­ tens der Jagdverbände abgelehnt.


FOTOS: PANTHERSTOCK.COM/R. LINKE/C. MÜLLER/C. BOSCH/S. OEHLENSCHLAGER, IMAGO (4), DPA, NABU/JAN NOACK

DudT0513_Tierkalender2014_1-2h_Layout 1 29.08.13 14:54 Seite 1

gesichtet wurde, dass er bei winterlichen Bedingungen den Tisch für Hunger leidende Greifvögel, Füchse oder Marder gedeckt hätte. Zuwandernde Luchse werden von den Jagdverbänden offiziell begrüßt, eine aktive Einbürgerung der Pinselohren wird dagegen abgelehnt. In Deutschland mittlerweile wieder heimische Wölfe werden zumindest offiziell auch von der Jägerschaft nicht nur geduldet, sondern sogar als Bereicherung der heimischen Tierwelt angesehen. Zeitgleich fordert man jedoch zusätzliche Eingriffsmöglichkeiten – sprich Abschüsse – bei „Problemtieren“ oder „zu starker Ausbreitung“. Die Bejagung von Fuchs und Waschbär wird mit dem Schutz von bodenbrütenden Vogelarten gerechtfertigt, was aufgrund vieler wissenschaftlicher Untersuchungen zumindest bezweifelt oder gar widerlegt werden kann. Ähnlich verhält es sich mit der angeblich hohen Seuchengefahr hinsichtlich Tollwut, die durch flächendeckende Ausbringung von Impfködern hierzulande ausgerottet wurde, sowie von Staupe und

Fuchsbandwurm, deren Übertragungswahrscheinlichkeit auf den Menschen von Experten eher als minimal eingestuft wird. Diese Beispiele zeigen, dass es noch ein langer Weg sein wird, bis der Schutz für frei lebende Wildtiere stärker unter wildbiologischen Gesichtspunkten betrachtet und gewährleistet wird. Es ist daher notwendig, sowohl die Öffentlichkeit als auch die Politik mit Fachargumenten zu überzeugen. Die vergangenen Jahre zeigen eindeutig, dass es sich auch unter schwierigen Bedingungen auszahlt, für Tierschutzbelange zu kämpfen. Unabhängig vom grundsätzlichen Für und Wider einer Bejagung von Wildtieren setzt sich der Deutsche Tierschutzbund daher dafür ein, das Jagdwesen künftig stärker unter Beachtung des Tier- und Naturschutzes zu einem zeitgemäßen Management heimischer Wildtierpopulationen ausund umzugestalten. Es wird spannend sein zu erleben, was uns die nächsten fünf Jahre noch bringen. JAMES BRÜCKNER

MEH R IN F O S Weitere Informationen, ein Positionspapier zur Jagd sowie die Broschüre „Die Jagd“ stehen im Internet zum Downloaden bereit: www.tierschutzbund.de/jagd Zu finden ist dort auch ein Liederbuch, mit dem der Deutsche Tierschutzbund auf die zentralen Probleme der Jagd aufmerksam macht. Unter den klassischen Hornsignalen, die nach einer Jagd geblasen werden, findet sich jeweils ein aufklärender Text, welche Tierschutzprobleme bei der Jagd auf die betreffende Tierart auftreten.


[ HINTER

DEN KULISSEN]

Viel Bewegung mit dem Hund reduziert nicht nur das Risiko von Übergewicht, sondern stärkt auch Herz und Kreislauf bei Mensch und Hund.

Mensch-Tier-Beziehung

Wie halte ich mich und mein Tier gesund? Gewicht, Ernährung und Bewegung sind Themen, die uns im Alltag häufig beschäftigen. Aber haben wir dabei auch unsere Heimtiere im Blick? Nicht nur immer mehr Menschen sind übergewichtig. Mehr als 40 Prozent aller Hunde und Katzen in Industrieländern gelten mittlerweile als übergewichtig oder sogar fettleibig.

G

enauso wie wir Menschen vermehrt sitzende Tätigkeiten ausüben, sind auch Heimtiere zu Familienmitgliedern geworden, die viel Zeit im Liegen und Sitzen verbringen und allzu leicht an energiereiche Nahrung gelangen. Nur die wenigsten Hunde beispielsweise sind heute noch den ganzen Tag auf den Beinen. Ihr Appetit passt sich dem geringeren Kalorienverbrauch jedoch nicht an. Deshalb ist es die Aufgabe

18 du und das tier

5/2013

des Tierhalters, auf die Gesundheit seines Vierbeiner zu achten: das Tier ausgewogen zu ernähren und ihm genügend Auslauf und Spielmöglichkeiten zu bieten. Denn dauerhaftes Übergewicht kann – wie beim Menschen auch – zu Erkrankungen führen. Was sind Ursachen für Übergewicht bei Heimtieren? Wie hält der Halter sein Tier gesund und fit? Und welchen Einfluss haben Tiere auf sei-

ne eigene Gesundheit? Mit diesen Fragen hat sich ein Experten-Symposium von Mars Petcare Deutschland mit dem Titel „Vorbeugendes Gewichtsmanagement im Spiegel der Mensch-Tier-Beziehung“ beschäftigt. In erster Linie ist Übergewicht natürlich die Folge zu hoher Kalorienzufuhr und zu geringer Auslastung. Aber auch genetische Faktoren können eine Rolle spielen. So sind einige Hunderassen – wie Beagle, Berner


Sennenhund, Collie und Labrador Retriever – beispielsweise anfälliger für eine Gewichtszunahme als andere. Die richtige Ernährung beginnt schon bei der Aufzucht. Welpen und Jungtiere benötigen für ein gesundes Wachstum zwar mehr Energie als erwachsene Tiere, sind aber empfindlich, wenn zu viel gefüttert wird. Überschüssige Kalorien wandern in dieser Phase oft in ein stärkeres Wachstum, wodurch Skelettschäden entstehen können, die akute oder chronische Krankheiten zur Folge haben. Auch bei Tieren, die überschüssige Kalorien als Fett speichern, steigt das Risiko für Erkrankungen wie beispielsweise Diabetes. Das Geschlecht des Tieres beeinflusst ebenfalls die Gewichtsentwicklung. Während Hündinnen eher zu Übergewicht neigen als Rüden, ist es bei Katzen und Katern genau umgekehrt. Unabhängig vom Geschlecht hat auch die Kastration Auswirkungen darauf, wie viel Energie ein Tier verbraucht. Kastrierte Hunde und Katzen sind teilweise weniger aktiv und haben aufgrund ihres veränderten Hormonhaushaltes einen geringeren Energiebedarf.

Die richtige Ernährung Halter sollten darauf achten, ihre Vierbeiner ausgewogen und abwechslungsreich zu ernähren und das Futtermittel regelmäßig zu wechseln

– auch damit sich Hund oder Katze nicht an eine spezielle Sorte gewöhnen und nur noch diese fressen möchten. Je nach Vorliebe des Tieres können Reis, Kartoffeln, Gemüse, Magerquark oder Obst unter das Futter gemischt werden. Den täglichen Energiebedarf seines Tieres kann der Halter anhand des Körpergewichts berechnen. Diese Schätzwerte gelten für erwachsene, ausgewachsene Tiere und basieren auf Angaben des Nationalen Forschungsrates der USA (National Research Council) von 2006. Die Formeln für die Berechnung finden Sie im Kasten auf dieser Seite. Mars Petcare geht allerdings davon aus, dass der Energiebedarf mittlerweile sogar noch geringer ist. Bis Ende 2013 sollen auf allen Mars-Produkten für Verbraucher verständliche Angaben zum Energiegehalt und kalorienreduzierte Fütterungsempfehlungen zu finden sein.

zu erfühlen sind. Bei kurzhaarigen Hunden können die Rippen schwach zu sehen sein. Körperliche Aktivität erhöht nicht nur den Energieverbrauch, fördert die Fettverbrennung und den Aufbau von Muskelmasse. Sie trägt auch zum allgemeinen Wohlbefinden bei. Das gilt für Tiere genauso wie für Menschen. Beim Hund gehören tägliche Spaziergänge, Rennen und Spielen dazu. Katzen, vor allem wenn sie keinen Zugang ins Freie haben, sollten Klettermöglichkeiten angeboten werden – außerdem Spielzeug, um ihren natürlichen Jagdinstinkt anzuregen. Auch Tierhalter selbst profitieren von der aktiven Zeit mit ihren Vierbeinern. Besonders durch ausgiebige Spaziergänge wird das Immunsystem gestärkt. Übergewicht, Blutdruck, Cholesterinwerte und Stressreaktionen verringern sich ebenso wie das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. DORTHE BECKER

Bewegung ist gesund für Mensch und Tier Um das Gewicht seines Tieres im Blick zu behalten, sollte es regelmäßig – etwa einmal im Monat – gewogen werden. Wer unsicher ist, ob sein Tier zu dünn oder zu dick ist, sollte den Rat seines Tierarztes einholen. Grundsätzlich gilt: Idealgewichtig sind Hunde und Katzen, wenn Rippen und Wirbelsäule nicht sichtbar, aber leicht

Täglicher Energiebedarf Katzen Schlanke Katzen: Energie (kcal pro Tag) = 100 x kg KGW0,67 Übergewichtige Katzen: Energie (kcal pro Tag) = 130 x kg KGW0,4

MEHR I NFOS Mehr Informationen zur richtigen Ernährung von Hunden und Katzen gibt es in den Informationsbroschüren des Deutschen Tierschutzbundes, die unter www.tierschutzbund.de/broschueren heruntergeladen werden können.

Kastrierte Katzen, die in der Wohnung leben, haben einen geringen Energiebedarf und sollten entsprechend kalorienärmer gefüttert werden.

Täglicher Energiebedarf Hunde

FOTOS: MARS PET CARE

Geringe Aktivität (weniger als 1 Stunde pro Tag aktiv): Energie (kcal pro Tag) = 95 x kg KGW0,75 Moderate Aktivität (1 bis 3 Stunden pro Tag aktiv): Energie (kcal pro Tag) = 105 x kg KGW0,75 Starke Aktivität (mehr als 3 Stunden pro Tag aktiv): Energie (kcal pro Tag) = 130 x kg KGW0,75 KGW = Körpergewicht

du und das tier 5/2013 19


[ W I D E R S TA N D ] Protestaktion in Wietze

Wir haben die Agrarindustrie satt Tausende Demonstranten setzten am größten Geflügelschlachthof Europas ein klares Zeichen gegen Tierfabriken.

FOTOS: DT. TIERSCHUTZBUND

F

ür „Bauernhöfe statt Agrarindustrie“ demonstrierte der Deutsche Tierschutzbund Ende August in der Gemeinde Wietze in Niedersachsen gemeinsam mit Landes(tierschutz)verbänden und Tierschutzvereinen im Rahmen der Kampagne „Meine Landwirtschaft“. In Wietze steht Europas größter Geflügelschlachthof, das Symbol einer völlig verfehlten Agrarpolitik. Tausende Demonstranten kamen unter dem Motto „Wir haben Agrarindustrie satt“ in die kleine Gemeinde Wietze, um gemeinsam ein deutliches und über die Landesgrenzen hinaus sichtbares Zeichen zu setzen – und das mit großem Erfolg. Über 7.000 Tierfreunde, und damit doppelt so viele wie erwartet, folgten dem Aufruf der 44 Trägerorganisationen aus Bauern-, Umwelt-, Entwicklungs- und Tierschutzverbänden. Im Vorfeld der Demonstration bekam Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Bündnis 90/Die Grünen) die Möglichkeit, sich bei einem „agrarpolitischen Bauernfrühstück“ zur aktuellen Agrarpolitik zu äußern. Meyer kündigte an, dass Niedersachsen eine Agrarwende plane. Schrittweise solle die Landwirtschaft bäuerlicher, tier- und umweltgerechter aufgestellt werden. In seiner Begleitung kam auch Claudia Roth mit ins Camp. Die Umzingelung des Geflügelschlachthofs mit einer Menschenkette war der Höhepunkt eines ganzen Aktionswochenendes. Gemeinsam

20 du und das tier

5/2013

mit Tierschutzvereinen und Landesverbänden aus ganz Deutschland zogen die Demonstranten mit Fahnen, Trommeln und Traktoren vom Dorfzentrum zum Schlachthof am Ortsrand, in dem künftig täglich 430.000 Hühnchen geschlachtet werden. Die Demonstranten zeigten mit selbst gebastelten Bannern, was sie von solchen Tierfabriken und der damit verbundenen Agrarpolitik halten: „Artgerecht statt ungerecht!“ „Schlachthof Wietze = Tierhölle“, und „Töten am laufenden Band? Nicht mit uns!“ waren nur einige der unzähligen Plakate. Europas größter Geflügelschlachthof hat zu einer Konzentration von industriellen Geflügelställen mit all ihren negativen Folgen in Niedersachsen geführt. „Jeder, der den Bau dieses Schlachthofes befürwortet hat, hat damit auch die industriell geprägte Intensivhaltung unterstützt. Zur Auslastung dieses riesigen Schlachthofes müssen pro Stunde 27.000 Hühner geschlachtet werden. Damit wird der Bau von Intensivställen mit oft hunderttausenden Tieren angetrieben“, kritisierte Vera Steder, die Vorsitzende des Landesverbands Niedersachsen, die sich auch an der Menschenkette beteiligte. Mit dabei waren Tierschutzvereine und Landesverbände des Deutschen Tierschutzbundes aus Brandenburg, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, dem Saarland,

Schleswig-Holstein und Thüringen. Ein breites Bündnis hatte zu dieser Großdemonstration aufgerufen (siehe www.wir-haben-es-satt.de). Erstmals war auch die Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) mit einem Grußwort dabei. Tausende kamen und setzten damit auch vor dem Hintergrund der anstehenden Bundestagswahl ein eindeutiges Signal: „Eine Neuausrichtung der Agrarpolitik im Bereich Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion ist und bleibt überfällig. Für die Lebensmittelproduktion werden in Deutschland jährlich mehrere hundert Millionen Tiere gezüchtet, importiert oder exportiert, gemästet, mehrfach transportiert und geschlachtet oder auch amputiert, oft unter brutalen, betäubungslosen Methoden“, so Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. Er forderte auf der Abschlusskundgebung „ein Ende der Förderung dieser sinnlosen und tierquälenden Mega-Ställe“. Immer mehr Tiere in immer größeren Ställen sei ein Irrweg. „Neue Mega-Ställe bedeuten millionenfaches Tierleid und als Folge eine zerstörte Umwelt.“ Die Behebung der Umweltschäden werde auf die Allgemeinheit umgelegt, die zahlten nicht der Verursacher. „Auch deshalb ist Fleisch viel zu billig“, so Schröder. CATERINA MÜLHAUSEN


1

2 3

4

5

1 - 4: Tierschutzvereine aus Brandenburg, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Thüringen unterstützten die Aktion. 5: Mehr als 7.000 Tierfreunde protestierten gegen den Hühnerschlachthof. 2.v.li: Vera Steder, Vorsitzende des Tierschutzvereins Gifhorn und des LV Niedersachsen des Deutschen Tierschutzbundes. 6 (v.l.): Vera Steder, Elisabeth Schmelzer, Claudia Roth (Bündnis 90/Die Grünen) mit Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Bündnis 90/Die Grünen), Thomas Schröder. 7: Beim Agrarpolitischen Bauernfrühstück beantwortete Christian Meyer Fragen.

6 7

du und das tier  5/2013  21


[REZEPT]

Buchtipp

Vegan & Roh Die 100 besten Rezepte Christl Kurz, die diese veganen Rezepte zusammengestellt hat, eröffnete bereits vor 30 Jahren ein Hotel mit vegetarischer Küche. Heute betreibt sie ein Bio-Hotel mit vegetarischer Kochschule und Restaurant. Christl Kurz ist Mitglied bei den Bio-Spitzenköchen. Ihr Restaurant wurde mehrfach ausgezeichnet. Für ihr Buch „Die vegetarische Kochschule“ erhielt sie die Goldene Feder der Gastronomischen Akademie Deutschlands. Ihr neues Buch ist ganz der veganen Küche gewidmet. Die Rezeptesammlung beginnt mit Basics wie Mürbeteigzubereitung, Pizzaboden oder Buchweizen-Burger, auf die weitere Gerichte im Buch aufbauen. Von Vorspeisen über Hauptspeisen bis zu Desserts, von einfachen, schnellen Mahlzeiten bis hin zu anspruchsvollen Menüs ist alles vertreten. Das Buch ist im Christian Verlag erschienen und kostet € 19,95. ISBN 978-3-86244-131-0

ORANGENPOLENTA

MIT PERLZWIEBELN UND GRÜNKOHL

ZUTATEN Für die Polenta 1.250 g Schnellkochpolenta 500 ml Orangensaft 4 EL Olivenöl Für die Gemüsebeilage 12 Perlzwiebeln 2 Nelken 4 Lorbeerblätter 1 EL Agavendicksaft 2 EL Olivenöl 2 EL Balsamico-Essig 150 g Grünkohl frisch geriebene Muskatnuss Salz Pfeffer

22 du und das tier

5/2013

ZUBEREITUNG Den Orangensaft mit einer guten Prise Salz und dem Olivenöl zum Kochen bringen. Die Polenta langsam einrühren. Den Topfdeckel schließen und die Polenta auf kleiner Flamme zehn Minuten ausquellen lassen. Danach mit Salz abschmecken. Die Masse noch warm 1,5 Zentimeter hoch auf ein geöltes Blech streichen und auskühlen lassen. Die Polenta portionieren und kurz vor dem Servieren im Backofen bei 200 °C nochmals fünf Minuten erwärmen. Die geschälten Perlzwiebeln, die Nelken und die Lorbeerblätter mit dem Agavendicksaft und dem Olivenöl

anschmoren. Mit dem Balsamico-Essig ablöschen und bei kleiner Flamme zehn Minuten garen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Den Grünkohl in einzelne Blätter zerteilen. In einen großen Topf so viel Wasser einfüllen, dass der eingehängte Dämpfeinsatz das Wasser nicht berührt. Das Wasser erhitzen, den Grünkohl in den Dämpfeinsatz legen und im Dampf vier Minuten garen. Mit etwas Olivenöl beträufeln und mit Salz, Pfeffer und Muskatnuss würzen. Grünkohl und Zwiebelmischung mit der Polenta auf Tellern anrichten und servieren.

FOTO: CHRISTIAN VERLAG

Eine warme Hauptmahlzeit, die sich variieren lässt. Statt Grünkohl können Sie das Gericht auch mit Rosenkohl oder Brokkoli zubereiten


Natur – Kosmetik – Gesundheit

Zubehör + Sonstiges Ihre Ansprechpartnerin für gewerbliche Anzeigen in „du und das tier“ Esther Köser, Media Sales, Tel. 0781/84-3685 E-mail: mediasales@burda.com

Diverses

DANK NACHLASS ÜBERLEBT Tiere brauchen eine Lobby. Wir vertreten diese ohne den Einfluss öffentlicher Mittel. Sie können unsere Arbeit unterstützen und den Tieren durch ein testamentarisches Vermächtnis helfen. Infos unter: 0228-60496-0

Bitte schicken Sie mir kostenlos mehr Infos zu testamentarischen Vermächtnissen.

Nächster Erscheinungstermin:

NAME:___________________ STRASSE:_________________ PLZ/ORT:_________________ Coupon einsenden an: Deutscher Tierschutzbund e.V. Baumschulallee 15 · 53115 Bonn www.tierschutzbund.de

DEUTSCHER TIERSCHUTZBUND E.V.

Ausgabe 06/13 erscheint am 06.12.2013 Anzeigenschluss ist der 25.10.2013


EUTSCH

R A B L E S H C E UNVERW EN HAUSTIERREGISTER –

R E I T S U A H R H I E I S MACHEN


A2.indd 1

Mit freundlicher Unterstützung von

IE D E R F IN D E N . W . N E R IE R T IS G RE K E N N Z E IC H N E N . in-tier.de www.registrier-de

– MIT DEM DE

R A B L E S H C E W R UNVE UTSCHEN HAUSTIERREGISTER –

12.09.2013


KLEINANZEIGENFORUM FERIEN/URLAUB Tierfreundl. FeWos + FeHaus im Westerwald ab 35,- € Tel. 02662/940487, www.ferienwohnungen-westerwald.com Nordsee, St. Peter Ording, Hundestrände, Wälder, FeWo, ruhige Lage, Hunde herzlich willkommen, Tel. 04863/1244 Spanien Costa Daurada Finca Wasch-Spuelmaschine eingez. Grundst. 900m bis Stadt und Meer. Hunde willk. ab 350.-p.W. 0034977267709 Belg. Nordsee, Bredene, gemütl. FH, eingezäunter Garten, Sat-TV, Kamin, Hund erl. € 198-595/Wo.+NK Tel.: 02152/510888 www.ferien-in-belgien.info

Harzvorland FeWo im ehem. Direktionsgeb. www.Wolfgang-Braack.de Tel. 0170/5959437 Lassen Sie ich überraschen Urlaub zwischen Ebbe u. Flut auf der Halbinsel Eiderstedt FeWo 125qm für max. 3 Personen, Nichtraucher, Haustiere gern gesehen. VS 60€, HS 70€ Hausprospekt 04865/1255

DIVERSES Socken handgestrickt alle Größen Anfragen Tel. 0841/58764 Reinerlös für Tiere

Altes Land m. Hund am Deich, Reetged. FH, Kamin, Garten, max. 6 Pers. Tel. 0160/99853955 www.ferienhaus.pumm.biz Hundestrand in Dorum, Nordsee, Gemütl. 3***-FeWo f. 2/3 Pers., gerne mit Hund, ruhige Lage, Tel.: 04742/922330, mob.: 0172/6541547, www.ferienhof-am-park.de

 Liebe du und das tier-Leserinnen und -Leser!

S

ie haben die Möglichkeit, auf dieser Seite in Form von privaten Kleinanzeigen miteinander zu kommunizieren. Hier können Sie sich informieren, Kontakte zu gleichgesinnten Menschen und Vereinen knüpfen, tauschen, suchen und verkaufen. Das Aufgeben einer Anzeige ist ganz einfach. Senden Sie diesen Coupon ausgefüllt an uns zurück. Bitte beachten Sie unsere Geschäftsbedingungen. Ihr Anzeigenteam von du und das tier Bestellcoupon für private Kleinanzeigen Meine Anzeige soll mal in der/den nächstmöglichen Ausgabe/n von du und das tier erscheinen. Anzeigentext (bitte in Blockbuchstaben, 1 Feld für jedes Zeichen und jeden Zwischenraum) Diesen Bestellschein können Sie kopieren und per Fax an uns senden, Fax-Nr.: 07 81/84-30 72, oder ausschneiden bzw. Ihren Text auf Briefpapier schreiben und an uns schicken:

Burda Community Network

Disposition Hubert-Burda-Platz 1 77652 Offenburg

Geschäftsbedingungen für Kleinanzeigen: Die Kleinanzeigenpreise sind als Service für Leser und Mitglieder des Deutschen Tierschutzbundes besonders niedrig kalkuliert. Zur Vermeidung von Verwaltungsko-

Rubrik (bitte ankreuzen) Ferien/Urlaub Biete Kontakte Suche Stellengesuche Stellenangebot Diverses

Kreditinstitut Bankleitzahl Konto-Nummer

Preise 1 Zeile à 30 Zeichen 2,60 € Text in Fettdruck/Zeile 3,- € Text in Farbe/Zeile 3,- € Text farbig hinterlegt/Zeile 4,– € Chiffre-Gebühr 4,- € Den Betrag für meine Kleinanzeige € zahle ich, insgesamt

Datum/Unterschrift Name Vorname Straße/Nr. PLZ/Wohnort Telefon

per Scheck (liegt bei) per Bankeinzug

sten werden daher keine Auftragsbestätigungen oder Rechnungen ausgestellt und Belegexemplare zugesandt. Als Privatanzeigen gelten Gelegenheitsanzeigen ohne gewerblichen Hintergrund. Anzeigen, die gegen die Tier- oder Artenschutzbestimmungen verstoßen,

sowie Anzeigen von Züchtern, Hundeschulen und (Tier-) Heilpraktikern werden nicht veröffentlicht. Der Verlag behält sich vor, Kleinanzeigen ohne Angabe von Gründen abzulehnen. Alle Preise verstehen sich inklusive Mehrwertsteuer.


[ Aktuell] Auslandstierschutz

Tierschutz jenseits der Grenzen Unter dem Dach des Deutschen Tierschutzbundes sind auch Tier­ schutzvereine organisiert, die sich der Verbesserung des Tierschutzes in anderen europäischen Ländern verschrieben haben. Im Juni kamen sieben Vereine auf Einladung von Wolfgang Apel zu einem Treffen in der Akademie für Tierschutz zu­ sammen.

Foto: Deutscher Tierschutzbund

D

ie zweitägige Veranstaltung hatte das Ziel, die Situation der im Ausland arbeitenden Vereine zu erfassen, Probleme zu erkennen und gemeinsam Möglichkeiten der Verbesserung von Zusammenarbeit und Unterstützung zu finden. Zugleich wurde versucht, für die Vereine wichtige Themenkomplexe durch Fachvorträge zu beleuchten. Erster Themenschwerpunkt war die Darstellung der „Arbeit der Auslandsvereine“. Im Laufe des Tages konnten alle anwesenden Vereine ihre Arbeit vorstellen, Sorgen und Nöte, aber auch Erfolge darstellen und ihre persönliche Vorstellung von effektiver Unterstützung durch den Dachverband äußern. Schnell wurde klar, dass die Vereine, die in Spanien und auf Mallorca sowie Teneriffa, in Italien, Kroatien, Polen, in der Ukraine und in der Türkei tätig sind, zwar alle vor der gleichen Herausforderung stehen, die Situation von Tieren in Ländern zu verbessern, in denen der Tierschutz kulturell keinen hohen Stellenwert hat, jedoch unterschiedliche Mentalitäten in den jeweiligen Ländern bei der Tierschutzarbeit sehr individuell einbezogen werden müssen.

Auf Einladung von Wolfgang Apel (2.v.r.) trafen sich Vertreter von Vereinen, die sich im Ausland um Tiere kümmern, in der Tierschutzakademie.

Wolfgang Apel erläuterte das Konzept des Deutschen Tierschutzbundes für die Hilfe zur Selbsthilfe im Auslandstierschutz am Beispiel des Projektes in Kiew und des Tierschutzzentrums Odessa (Ukraine). Im zweiten Themenschwerpunkt erklärte Evelyn Ofensberger, Leiterin der Rechtsabteilung des Deutschen Tierschutzbundes, die rechtlichen Rahmenbedingungen bei der Einfuhr von Hunden. Der anschließende Vortrag der Amtstierärztin Daniela Rickert zum „Auslandstierschutz aus der Sicht einer Amtstierärztin“ sorgte für eine hitzige Debatte darüber, dass professionell im Ausland agierende Tierschutzvereine häufig mit Tierhändlern gleichgesetzt würden. In der folgenden, sehr konstruktiven Diskussion wurde sodann auch der Wunsch nach einer gemeinsamen kritischen Beurteilung der Arbeitsweise geäußert, um sich klar von unseriösen Organisationen zu distanzieren. Am zweiten Tag gab Katja Dubberstein, Tierärztin der Tierheimberatung des Deutschen Tierschutzbundes, im Vortrag „Häufig vorkommende Infektionskrankheiten in Tierheimen im

süd- und osteuropäischen Ausland“ praktische tiermedizinische Empfehlungen nach neuestem wissenschaftlichen Stand. Im Anschluss wurden Berührungspunkte zwischen im Ausland tätigen Vereinen und Tierheimen im Inland besprochen. Es wurde beschlossen, dass die Betreuung der Tierheime im Ausland analog der Betreuung der Tierheime in Deutschland optimiert werden soll. Zum Abschluss des Treffens widmete sich Ursula Wolters vom Kölner Dozententeam für Seminare, Coaching und Mediation dem Thema „Verschiedene Kommunikationsstrategien zum Umgang mit Bevölkerung, Institutionen und Behörden“. Im Stile einer Gesprächsrunde bot Frau Wolters den Teilnehmern die Möglichkeit, sich über ihre Sorgen zum Umgang mit Behörden auszutauschen und praktische Tipps der Expertin zu erhalten. Den erfolgreichen Abschluss des Treffens bildete eine gemeinsam erstellte Wunschliste für die künftige Zusammenarbeit auf Grundlage engerer Kontakte untereinander und mit dem Deutschen Tierschutzbund. 

DR. CAROLINE HARTMANN

du und das tier  5/2013  27


[ Aktuell] 25 Jahre NEULAND

Von der Provokation zum Leitbild Auf dem 1844 erbauten Fachwerkhof der Familie Steinmann am Ortsrand von Lotte bei Osnabrück feierte der NEULAND-Verein für tiergerechte und umweltschonende Nutztierhaltung am 1. September sein 25-jähriges Bestehen.

D

ie Schweine kommen sofort an den Zaun. Neugierig stecken sie den Besuchern ihre Rüssel entgegen. Andere wühlen im Stroh oder haben sich darin lang ausgestreckt, um zu ruhen. Ob sie sich in den Stall zurückziehen oder in dem zum Hof hin ausgerichteten

Auslauf aufhalten, können die Tiere jederzeit selbst entscheiden. Sie sind daran gewöhnt, dass auf dem Hof Bewegung ist, und am 1. September war dort richtig was los. Niemand hätte den Bauern von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), die im Septem-

ber 1988 gemeinsam mit dem Deutschen Tierschutzbund, dem Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), der Verbraucherinitiative (VI) und dem Bundeskongress entwicklungspolitischer Aktionsgruppen – Agrarkoordination (BUKO) den NUEULANDVerein für tiergerechte und umwelt-

Hans-Georg Starck, 2. Vorsitzende von NEULAND (re.) und NEULAND-Geschäftsführer Jochen Dettmer (2. v. re.) mit MdB Undine Kurth (Bündnis90/Die Grünen) und den Vorsitzenden der Trägerverbände (v. li.): Thomas Schröder (Deutscher Tierschutzbund), Prof. Hubert Weiger (BUND) und Bernd Voß (AbL).

28  du und das tier  5/2013


schonende Nutztierhaltung gegründet haben, wirtschaftlichen und politischen Erfolg vorhergesagt. Ihre Idee, bäuerlichen Betrieben durch Zusammenarbeit mit Tierschützern, Naturschützern, Verbraucherschützern und Aktivisten der Eine-WeltBewegung ein Überleben zu sichern, widersprach dem Zeitgeist. Der verlangte die „Intensivierung der Produktion“. NEULAND-Bauern verweigerten sich dieser Haltung. Für Funktionäre der Landwirtschaft war das eine Provokation. Doch die Idee, dass eine bäuerliche Landwirtschaft, die jederzeit die Belange der Tiere, der Umwelt und der Menschen hierzulande und in anderen Teilen der Welt im Blick behält, erhalten bleiben müsse, ist bis heute aktuell. „NEULAND ist wie diese Eiche: fest verwurzelt, stetig gewachsen, mit der Zeit etwas in die Jahre gekommen und ein wenig ausbesserungsbedürftig“, begrüßte NEULAND-Bauer Martin Steinmann hunderte Gäste aus nah und fern zum Jubiläumsfest. Die Steinmanns sind seit 1992 dabei. Sie halten 1.500 Legehennen, aufgeteilt in zwei Gruppen, in Freilandhaltung und Schweine in Außenauslaufställen nach den strengen NEULANDKriterien. Bis unter das Dach sind die Scheunen mit Stroh gefüllt. „Hurra wir leben noch“, freute sich auch Hans-Georg Starck. Der zweite Vorsitzende von NEULAND war kurzfris­ tig für den erkrankten Vorsitzenden Wolfgang Apel eingesprungen. „Die-

Auch der Deutsche TIerschutzbund, der zu den Mitbegründern von NEULAND gehört, war mit einem Informationsstand vertreten.

jenigen, die unsere Vereinsgründung mit spöttischem oder mitleidigem Lächeln betrachtet haben, sind eines Besseren belehrt worden.“ NEULAND stehe für den Erhalt einer bäuerlichen, handwerklichen Tradition und für einen gesamtgesellschaftlichen Ansatz der Landwirtschaft, betonte auch der Vorsitzende der AbL, Bernd Voß – und dies in einer Zeit, „in der Tiere oft nur noch als Rohstoff für die nachgelagerte Industrie betrachtet werden“.

NEULAND als Wegbereiter Dass Tierschützer mit Tierhaltern und Verarbeitern zusammenarbeiten, ist bis heute nicht selbstverständlich, erläuterte der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Thomas Schröder. Es gelte, Brücken zu bauen und immer im Bewusstsein zu behalten, „dass Tiere keinen Preis haben, son-

dern einen Wert“. Die Förderpolitik müsse diejenigen stützen, die für die Tiere und die Gesellschaft mehr tun als gesetzlich vorgeschrieben. Fleisch sei nur deshalb so billig, weil es nicht gelungen sei, eine Preisgestaltung durchzusetzen, die das Verursacherprinzip berücksichtigt.

Der gesellschaftliche Druck wächst Der BUND-Vorsitzende, Prof. Hubert Weiger, dankte den Trägerverbänden, die als echte Partner den NEULANDVerein so weit vorangebracht haben. Ein ganz großer Dank gehe an den Deutschen Tierschutzbund, der mit Konsequenz und Hartnäckigkeit dafür gekämpft habe, dass die Idee von NEULAND heute aus der Nische herausgekom-

Die Hühner auf dem NEULAND-Hof Steinmann haben einen großzügigen Auslauf, den sie auch voll und ganz nutzen. Der Schweinestall ist üppig mit Stroh gefüllt und die Tiere dürfen ihre Ringelschwänze behalten.

du und das tier  5/2013  29


[ Aktuell] men und zum Leitbild geworden sei. Hunderttausende Menschen, die unter dem Motto „Wir haben es satt“ auf die Straße gehen, könne Berlin nicht ignorieren. Und die Politik beginne zu verstehen. Dieses Stichwort griff MdB Undine Kurth auf. Die tierschutzpolitische Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen war – drei Wochen vor der Bundestagswahl – als Einzige der eingeladenen Abgeordneten nach Lotte gekommen. Die Protestdemonstrationen der Kampagne „Meine Landwirtschaft“ hätten für erhebliches

Nachdenken im Deutschen Bundestag gesorgt. Dass Bundeslandwirtschaftsministerin Aigner (CDU) eine „Charta für Landwirtschaft“ ins Leben gerufen habe, sei ebenfalls auf diesen enormen gesellschaftlichen Druck zurückzuführen.

Weichen stellen für die Zukunft Dass die Idee von NEULAND selbst nach 25 Jahren lebendig und tagesaktuell ist, bekräftigte auch Nordrhein-Westfalens Umweltminister, Johannes Remmel (Bündnis 90/Die Grünen). Nun gelte es, die Weichen

Martin Steinmann begrüßtre die Gäste und blickte auf 25 Jahre NEULAND zurück (oben). Auf Bierbänken und Strohballen verfolgten interessiert rund 100 Zuschauer die Fachvorträge von Dr. Lars Schrader (Foto unten) zur Entwicklung der Schweinehaltung und von Prof. Dr. Dr. M. Gauly zum Strukturwandel in der Hühnerhaltung.

für die Zukunft zu stellen. Bernhard Kühnle, Abteilungsleiter im BMELV, überbrachte die Grüße der Bundeslandwirtschaftsministerin. Trotz ihres Termindrucks ließen sich beide von Martin Steinmann noch in aller Ruhe die Schweineställe und die große Anlage zur Hühner-Freilandhaltung zeigen. Hochkonzentriert verfolgten 100 Zuhörer am Nachmittag die beiden Fachvorträge. Dr. Lars Schrader dokumentierte die Entwicklung der Schweinehaltung seit dem Zweiten Weltkrieg („Wer hat das Schwein zur Sau gemacht?“) und Prof. Dr. Dr. M. Gauly den Strukturwandel in der Hühnerhaltung („Vom Mistkratzer zum Turbohuhn“). Auch das große Interesse der Hofbesucher an diesen wissenschaftlichen Vorträgen bestätigte: NEULAND setzt Maßstäbe. Der Ringelschwanz der Schweine ist seit 25 Jahren das Markenzeichen von NEULAND. Schweine, die tiergerecht, in Gruppen, auf Stroh und mit Auslauf leben, entwickeln keine Verhaltensstörungen. Davon konnten sich die Hofbesucher in Lotte selbst überzeugen. Sie schlenderten von den Ställen zu den Informationsständen, in den Hofladen und zum Kunsthandwerk und freuten sich über den stimmungsvollen Jazz der NoSmo Kings aus Köln. An Getränkestand, Kuchenbuffet, Grill und Reibekuchentheke wurden sie bestens versorgt. Als sich die letzten Gäste spät am Abend auf den Heimweg machten, war aus dem Schweinestall noch gelegentliches Grunzen und gemütliches Schnarchen zu hören. In der kühlen Nacht lagen die Schweine draußen in ihren Ausläufen, dicht aneinandergeschmiegt, im Stroh. DR. HEIDRUN BETZ

FOTOS: DEUTSCHER TIERSCHUTZBUND

MEHR I NFOS Weitere Informationen, die Tierhaltungsrichtlinien des NEULAND-Vereins für tiergerechte und umweltschonende Nutztierhaltung sowie Bezugsquellen und Angebote von „Ferien auf dem NEULAND-Hof“ sind im Internet zu finden: www.neuland-fleisch.de

30 du und das tier

5/2013


[ Aktuell] Freihandelsabkommen

Bedrohung für Tier- und Umweltschutz Die EU und die USA wollen eine Freihandelszone schaffen. Tier- und Umweltschutz dürfen dabei nicht auf der Strecke bleiben.

Foto: Getty Images

S

eit Juli verhandeln die Europäische Union (EU) und die Vereinigten Staaten von Amerika (USA) offiziell über ein Freihandelsabkommen, die „Transatlantischen Handels- und Investitionspartnerschaft (Transatlantic Trade and Investment Partnership, TTIP)“. Im Kern geht es dabei um den Abbau von Zöllen und anderen Handelshemmnissen. Obwohl sie nur einen kleinen Teil des transatlantischen Handels ausmachen, könnten Lebensmittel- und Agrarprodukte dabei zu einem wesentlichen Streitpunkt werden. Die Europäische Union beispielsweise schützt ihre Milchbauern, indem sie hohe Zölle auf die Einfuhr von Milchpulver oder Butter erhebt. Fallen die Zölle weg, könnten billigere Produkte aus Übersee ungehindert eingeführt werden und den europäischen Milchmarkt noch weiter ins Wanken bringen. Noch mehr Konfliktpotenzial birgt die Angleichung von Regelungen und Produktstandards im Agrarsektor. Insbesondere die Regelungen zum Umgang mit genmanipulierten Lebens- und Futtermitteln sind in der EU deutlich strenger als in den USA. Da die amerikanische Seite seit Jahren gegen diese Bestimmungen ankämpft, wird sie sie auch in einem Freihandelsabkommen nicht ohne Weiteres akzeptieren. Ähnliches gilt beim Klonen von Tieren zur Lebensmittelerzeugung. Obwohl mehr als 80 Prozent der europäischen Verbraucher das Tierklonen ablehnen und das EU-Parlament

ein Verbot für das Klonen von Tieren in der Landwirtschaft fordert, verhindern EU-Kommission und Ministerrat ein solches Verbot bislang mit einem Verweis auf den freien Welthandel. Es steht daher zu befürchten, dass die EU-Vertreter der amerikanischen Seite in diesem Punkt nicht allzu viel Widerstand entgegensetzen werden. Zuchtrinder werden in den USA schon jetzt geklont – trotz hoher Todes- und Missbildungsraten. Tierschutzbedenken spielen keine Rolle. Die geklonten Rinder selbst werden zwar nicht geschlachtet, dazu sind sie zu teuer. Das Fleisch und die Milch ihrer Nachkommen aber landen im Handel. Eine Kennzeichnungspflicht gibt es nicht. Die europäischen Tierhaltungsbestimmungen und weitere Tier- oder Umweltschutzstandards könnten durch ein Freihandelsabkommen infrage gestellt werden. Der Konflikt zwischen denjenigen, die nur das Endprodukt betrachten (Produktqualität), und denjenigen, die auch tier- und umweltgerechte Produktionsbedingungen (Prozessqualität) einbeziehen wollen, durchzieht seit vielen Jahren bereits die Beratungen in der Welthandelsgesellschaft WTO. Auf Drängen der europäischen Verbände tritt die EU bei der WTO durchaus dafür ein, Tier- und Umweltschutzaspekte stärker als bisher zu berücksichtigen. Bislang allerdings ohne Erfolg. Es wäre fatal, wenn der Tier- und Umweltschutz bei den bilateralen

Viele Zuchtrinder, wie dieses Longhornkalb mit seiner Leihmutter, werden in den USA geklont.

Verhandlungen zwischen der EU und den USA nicht umfassend berücksichtigt würde oder wenn Ausnahmemechanismen für strittige, nicht tier- und umweltgerecht erzeugte Produkte etabliert würden. Geltende Tier- und Umweltschutzbestimmungen können durch ein Freihandelskommen zwar nicht einfach außer Kraft gesetzt werden. Auch nicht solche, die heute bereits die Einfuhr bestimmter Produkte verbieten oder an bestimmte Voraussetzungen knüpfen. Dazu müsste erst die entsprechende Gesetzgebungsmaschinerie angeworfen werden. Der Druck, genau dies zu tun, wächst jedoch in dem Maße, in dem das Freihandelsabkommen um jeden Preis durchgesetzt werden soll. du und das tier  5/2013  31


[ Projekte] Tierschutzlabel

Ich schau’ Dir in die Augen, Kleines Der Diplom-Agraringenieur Bernd Kuhn berät Betriebe, die Schweine halten und sich das Ziel gesetzt haben, in absehbarer Zeit die Kriterien für das zweistufige Tierschutzlabel einzuhalten. du und das tier hat ihn gefragt, wie die Umstellung abläuft.

?

Der Deutsche Tierschutzbund hat die Kriterien für die Einstiegsstufe des Tierschutzlabels bewusst so angesetzt, dass sie für möglichst viele Betriebe zu erreichen sind. Tierfreunde können nicht verstehen, warum es so lange dauert, bis mit dem Tierschutzlabel gekennzeichnetes Fleisch in den Kühltheken zu finden ist. u Leicht zu erreichen ist der Einstiegsstandard für Landwirte, die ihre Tiere bisher konventionell halten, sicher nicht. Die ganze Haltungs- und Lüftungstechnik in den konventionellen Vollspaltenställen ist nicht auf eine strukturierte Bucht mit einer geschlossenen Komfort-Liegefläche ausgerichtet. Es darf auch nicht vergessen werden, dass die Tiere sechs bis sieben Monate heranwachsen müssen. Für die Umstellung bis zur ersten Vermarktung sind somit mindestens ein Jahr, eher zwei Jahre nach der Erstberatung anzusetzen. Zudem muss sich ein neues Label natürlich zunächst etablieren. Vermarkter, aber auch Erzeugergemeinschaften und die Landwirte müssen Vertrauen in die Zusammenarbeit mit dem Deutschen Tierschutzbund gewinnen. Die Sachkunde und insbesondere die kompetente Beratung der zuständigen Mitarbeiter sind dabei von sehr großer Bedeutung.

?

Wie muss man sich den Ablauf eines Beratungsgespräches vor-

32  du und das tier  5/2013

Diplom-Agraringenieur Bernd Kuhn berät Landwirte zur Schweinehaltung.

stellen? Kommen die Landwirte auf Sie zu? Oder sprechen Sie sie an? u Zumeist melden sich Vermarkter oder Erzeugergemeinschaften beim Deutschen Tierschutzbund. Diese melden die landwirtschaftlichen Betriebe an, die Interesse am Tierschutzlabel haben. Ich fahre dann mit dem Vermarkter beziehungsweise regionalen Berater zur Erstberatung auf die Betriebe. Zunächst werden die vorhandenen Haltungsbedingungen aufgenommen. Ein Schwerpunkt dieser Ist-Analyse liegt auf dem Gesundheitszustand, dem Verhalten der Tiere und den tierbezogenen Kriterien (Verletzungen, Lahmheiten, Verschmutzung). Wenn der Betrieb geeignet ist, lege ich

fest, welche Umstellungsmaßnahmen erforderlich sind. Dies kann natürlich nur in einer offenen Erörterung mit dem Landwirt erfolgen. In den Folgeberatungen wird überprüft, ob die Maßnahmen richtig sind, und sie werden gegebenenfalls angepasst.

?

Wie groß sind die Betriebe, mit denen Sie Gespräche führen, im Durchschnitt? u Im Premiumbereich liegen die Bestandsgrößen zwischen 200 und 600 Schweinen (Bestandsobergrenze: 950 Tiere). Im Rahmen der Einstiegsstufe haben wir es bisher mit einem Durchschnittsbestand von circa 1.200 Tie-


schaffen. Neben dem Stall muss eine entsprechend große Fläche vorhanden sein, und alle Buchten müssen an der Stallaußenwand liegen, um jedem Tier einen direkten Zugang zum Auslauf gewährleisten zu können.

?

ren zu tun, der aber fast immer auf mehrere Ställe verteilt ist (Bestands­ obergrenze: 3.000 Tiere).

Fotos: Privat, Deutscher Tierschutzbund

?

Worin bestehen die Schwierigkeiten, einen Betrieb auf die Einstiegs- oder auf die Premiumstufe umzustellen? u In der Einstiegsstufe liegt das Hauptproblem in der Einrichtung einer geschlossenen Komfort-Liegefläche. In diesem Bereich dürfen die Tiere nicht abkoten oder urinieren, da sie dann schmutzig werden und die Fläche rutschig wird. Eine tägliche Reinigung der Fläche durch den Landwirt wäre vom Zeitaufwand her nicht durchführbar und würde auch nur kurze Zeit helfen. Eigentlich ist das Schwein sehr sauber. Es möchte seine Liegefläche von der Kot- und Aktivitätsfläche trennen, braucht dazu aber bestimmte Umweltbedingungen. Einen wichtigen Einfluss spielt das Klima/die Lüftung im Stall. Wo es zieht, setzt ein Schwein bei durchschnittlichen Temperaturen seine Exkremente ab. Wo die sauerstoffhaltige Luft langsam absinkt, legt es sich hin. Bei hohen Temperaturen ändert sich dieses Verhalten (wie zum Beispiel bei der Hitze in diesem Sommer). Es gehört sehr viel Tierbeobachtung dazu, die richtigen Maßnahmen zu finden. Oft sind erhebliche technische Veränderungen erforderlich. Im Premiumbereich ist dieses Problem sehr viel geringer, da wir durch den Außenauslauf dem Tier deutlich unterschiedliche Klimazonen anbieten können. Hier liegt das Hauptproblem darin, den Außenauslauf zu

Sind die Probleme überall ähnlich? u In der Schweinehaltung gibt es im Gegensatz zur Haltung von Masthühnern viele unterschiedliche Haltungs-, Fütterungs- und Lüftungssysteme. Die Umstellungsmaßnahmen sind daher verschieden. Entscheidend ist aber auch, die unterschiedliche Arbeitsweise der Landwirte beziehungsweise Tierbetreuer zu berücksichtigen. Jede Beratung muss auf die Person und auf den speziellen Stall zugeschnitten sein. Manch ein Landwirt möchte beim Kontrollgang von einem Punkt aus alles sehen können. Für ihn wäre es die völlig falsche Maßnahme, eine Teiltrennwand in die Bucht einzuziehen, da er nicht mehr alle Tiere sehen könnte.

?

Wie erleben Sie die Landwirte? Was treibt sie an, welche „Ängste“ begleiten sie? u Die Landwirte, die beim Tierschutzlabel mitmachen wollen, sind sehr offen für die Beratung. Aber viele Richtlinien sind in ihrer Bedeutung natür-

lich erklärungsbedürftig. So stoßen die Liegeflächen und die Tatsache, dass das Schwein niedrigere Temperaturen – unter 20 Grad – möchte, oft erst einmal auf Unverständnis. Ich treffe auch häufig auf die Angst, dass das Label-Haltungssystem nicht funktionieren könnte. Da das Tierschutzlabel in der Einstiegsstufe circa 30 Prozent und in der Premiumstufe 50 Prozent mehr Fläche pro Tier vorsieht, als gesetzlich vorgeschrieben, können wesentlich weniger Schweine produziert und verkauft werden. Die Landwirte fürchten auch, keinen ausreichenden Verkaufserlös pro Tier erzielen zu können. Die unzureichende Wirtschaftlichkeit ist daher der schwerwiegendste Vorbehalt der Landwirte. Immer deutlicher werden dennoch die positive Grundeinstellung zu den Verbesserungen für die Tiere und die Hoffnung auf eine größere gesellschaftliche Akzeptanz.

?

Wie erleben Sie die Landwirte vor, während und nach der Umstellung? Verändern sie sich? u Im Laufe einer Umstellungsberatung verändert sich die Einstellung des Landwirts zum Tier ganz erheblich. Die Tiere werden viel genauer beobachtet. Die Erkenntnis, dass die Buchten an das Tierverhalten angepasst werden müssen und nicht umgekehrt, wächst deutlich. Kranke oder verletzte Tiere werden früher erkannt und in Krankenbuchten separiert. Die Schweine werden, überspitzt gesagt, wieder mehr zu Lebewesen anstatt zu Produktionsmitteln.

?

Schon bei der Einstiegstiegsstufe steht den Schweinen deutlich mehr Fläche zur Verfügung.

Und wie erleben Sie die Tiere vor und nach der Umstellung? u Die deutlichste Verbesserung liegt in der wesentlich größeren Fläche. Die Tiere können Bereiche trennen und haben eine wesentlich bessere Luft zur Verfügung, da die Lüftungen in der herkömmlichen Haltung häufig unzureichend war. Die Schweine sind aktiver und aufmerksamer. Das Befinden ist deutlich besser. „Ich schau dir in die Augen, Kleines“, denkt der langjährige Berater – und der leichte Schleier vor den Augen der Tiere ist weg. 

Die Fragen stellte Dr. Heidrun Betz.

du und das tier  5/2013  33


[ Projekte] Tier-, Natur- und Jugendzentrum Weidefeld

Besucherrekord zum zehnten Jubiläum und Sommerfest Die Autoschlange vor dem Tier-, Natur- und Jugendzentrum Weidefeld reichte fast bis zum Strand. Stetig schlenderten Besucher durch das große Eingangstor. Rekordverdächtige rund 3.500 Besucher waren der Einladung zum zehnten Jubiläum und Sommerfest der Einrichtung am Sonntag, den 14. Juli 2013, gefolgt und schauten hinter die Kulissen des Tierschutzzentrums.

S

chon Tausende Tiere hat das nur aus Spenden finanzierte Zentrum seit seiner Eröffnung gerettet, betreut und wieder aufgepäppelt. Unter dem Motto „10 Jahre aktiver Tierschutz für Schleswig–Holstein und Deutschland“ hatte der Ministerpräsident des Landes, Torsten Albig, die Schirmherrschaft für dieses Fest übernommen. Ehrenpräsident Wolfgang Apel erinnerte in seiner Begrüßungsrede an die Anfänge des Tierschutzzentrums schon vor der offiziellen Eröffnung Mitte der 1990er-Jahre, und

Präsident Thomas Schröder betonte: „Einerseits freuen wir uns, dass es die Station schon so lange gibt und sie schon so viel geleistet hat, andererseits ist es traurig, dass es sie immer noch geben muss.“ Eine Fotoausstellung zeigte die Entstehung der einzelnen Stationen im Tierschutzzentrum Weidefeld. Bei Führungen durch die gesamte Einrichtung konnten die Besucher Einblicke in die praktische Tierschutzarbeit gewinnen und die tierischen Bewohner aus nächster Nähe erleben.

Beim ersten Rundgang wurde auch der neue Wolfgang-Apel-Platz eingeweiht – zur großen Überraschung für Namensgeber Wolfgang Apel, Ehrenpräsident des Deutschen Tierschutzbundes und „Vater“ des Tierzentrums Weidefeld. Der gesamte Tag zeichnete sich durch eine gelöste Stimmung aus, der Sommer zeigte sich von seiner besten Seite, und der Duft frisch gebackener Waffeln empfing die Besucher schon am Eingang. Eine Tierfotografin machte Fotos der vierbeinigen

Die Paten mit ihren Patentieren in der „Pappversion“. Rechts im Bild: Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, und Wolfgang Apel (2.v.r.), Ehrenpräsident des Deutschen Tierschutzbundes.

34  du und das tier  5/2013


Gäste in einem extra aufgebauten Freiluft-Fotostudio. Die das Zentrum betreuende Tierärztin Heike Madsen bot einen Gesundheits-Check für die Besucherhunde an. Der ShantyChor Kieler Förde sorgte für die musikalische Unterhaltung, während die jüngsten Besucher bei den verschiedenen Kinderaktionen wie Sackhüpfen, Bobbycar-Rennen und Entenangeln auf ihre Kosten kamen.

Die Paten feierten vorab

FOTOS: DEUTSCHER TIERSCHUTZBUND

Schon am Vortag, dem 13. Juli 2013, waren rund 60 Paten der Station mit Angehörigen wieder einmal ihren Patentieren ganz nahe. Auch das Patentreffen stand in diesem Jahr ganz im Zeichen des Jubiläums. Zu den Feierlichkeiten waren auch der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Thomas Schröder, und Ehrenpräsident Wolfgang Apel schon am Vortag angereist. Sie begrüßten die Paten persönlich. Anekdoten aus zehn Jahren Tierschutzzentrum Weidefeld hatte dessen Leiterin Dr. Katrin Umlauf zu erzählen. Sie berichtete, dass das Gelände bereits 1995 durch den Deutschen Tierschutzbund erworben wurde. 1996 nahm auf dem 13 Hektar großen ehemaligen Bundeswehrgelände zunächst die Seevogelrettungsstation ihren Betrieb auf. Heute beherbergt das Zentrum neben der Seevogelrettungsstation ein Hüh-

nerhaus, ein Papageienhaus, eine Großtierstation mit Schafen, Ziegen, Schweinen und Pferden, das Lissi-Lüdemann-Haus für Not leidende und hilfsbedürftige Hunde, eine Auffangstation für Wildtierkinder, die Igelstation, ein Affenhaus und die Greifvogelstation. Die Paten hatten bei bestem Sommerwetter Gelegenheit, Stifterin Marion Klein (l.) entlässt einen jungen Marder sich alle Einrichtungen auf in den Auslauf des neuen Auswilderungsgeheges. dem Gelände exklusiv anzuschauen und ihre Patentiere zu besuchen. Bei den Hundeausläu- Präsidenten und ihren Patentieren fen begegneten ihnen auch die frei – symbolisiert durch „Pappaufstellaufenden Tarpane. Die halblinde ler“. In gemütlicher Runde klang der Schopfmangabe Sofieke zeigte sich Nachmittag bei Kaffee und veganem erstmals im Außengehege des Affen- Kuchen aus. Dabei hatten die Gäste hauses und freute sich über frische noch einmal ausführlich GelegenWeintrauben von den Paten. heit, Thomas Schröder und Wolfgang Besonderes Highlight des Nachmit- Apel zu allen Belangen rund um das tags war schließlich die Einweihung Tierschutzzentrum Weidefeld und den des neuen Auswilderungsgeheges Tierschutz zu befragen. CHRISTIANE KOOK für Wildtierkinder: Stifterin Marion Klein hatte den Bau ermöglicht und ließ zuAKT I V WER DE N sammen mit Tierpfleger Patrik Stein die ersten zwei Marderkinder im Gehege Möchten Sie das Tierschutzzentrum Weilaufen. Dort können sich die kleinen defeld mit einer Spende unterstützen Marder nun auf das Leben in Freiheit oder gern ebenfalls eine Patenschaft vorbereiten. übernehmen? Oder einfach nur mehr Nach dem informativen Rundgang über die einzelnen Tierschicksale oder über das weitläufige Areal kehrten unsere Arbeit in Weidefeld erfahren? die Paten zurück zum InformationsDann schauen Sie auf die Seite zentrum und machten noch ein gewww.tierschutzbund-spenden.de meinsames Erinnerungsfoto mit den

Links: Ehrenpräsident Wolfgang Apel (Mitte) freut sich mit Vizepräsidentin Renate Seidel und Präsident Thomas Schröder über die Einweihung des Wolfgang-ApelPlatzes. Oben: Mitarbeiter des Deutschen Tierschutzbundes stehen zur Begrüßung der Gäste am Info-Stand.

du und das tier 5/2013 35


[ PROJEKTE]

Aktion Kollege Hund

Hunde erobern deutsche Büros Von der Apotheke bis zum Radiosender: Für den 27. Juni hatte der Deutsche Tierschutzbund alle Unternehmen aufgerufen, sich am sechsten Aktionstag „Kollege Hund“ zu beteiligen.

O

ft dürfen Hunde nicht mit ins Büro – nicht so am bundesweiten Aktionstag „Kollege Hund“, der jedes Jahr am letzten Donnerstag im Juni vom Deutschen Tierschutzbund ausgerufen wird. Hundebesitzer, Mitarbeiter und Chefs können sehen und erleben, wie die vierbeinigen Kollegen den Arbeitsalltag bereichern: Stress wird abgebaut, die Motivation steigt, und die Auswirkungen auf das Arbeitsklima sind überaus positiv. Der Kollege Hund ist ein Gewinn für das ganze Team, und möglicherweise lässt es sich doch einrichten, dass der Hund dauerhaft zum Arbeitsplatz des Herrchens mitkommen kann – als verlässlicher, treuer Freund im Arbeitsalltag. Weit über tausend Betriebe quer

36 du und das tier

5/2013

durch die Republik nahmen an diesem Schnuppertag teil, darunter Radiosender, Reisebüros, Hotels, Versicherungsbüros und Kanzleien. Alle Firmen, die sich am Aktionstag „Kollege Hund“ beteiligen, werden vom Deutschen Tierschutzbund mit einer Urkunde als tierfreundliches Unternehmen ausgezeichnet. Der Aktionstag fand bereits zum sechsten Mal statt, und bei vielen Unternehmen ist er zur Tradition geworden. So nimmt auch das LudgerusWerk Lohne, eine Volkshochschule und Familienbildungsstätte, von Beginn an mit großer Begeisterung an der Aktion teil. Hündin Senta begleitet Frauchen sogar täglich. „Zu sonst eher schwer zugänglichen Teenagern in den zahlreichen Bildungsmaßnahmen des

Ludgerus-Werks findet der Hund einen Draht. Er ist für uns eine Art Eisbrecher“, beschreibt Leiterin Elisabeth Schlömer. Auch andere Chefs sind begeistert von dieser Aktion. So erzählen die Geschäftsführer Susanne Daiber und Gunther Schiller von Etiket Schiller: „Unsere Mitarbeiter kommen deutlich motivierter ins Büro, wenn sie ihre Hunde mitbringen dürfen, sind ausgeglichener und letztendlich leistungsfähiger, weil sie sich mit ihrem Hund am Arbeitsplatz wohler fühlen.“

Kollege Hund wird Radiostar Bürohunde können sogar ein fester Bestandteil des Teams werden, wie Senderhund Paulchen beweist. Der Collie-Schäferhund-Mischling ist seit zehn Monaten in der Morgenshow

FOTOS: I. BOERGEN, ETIKET SCHILLER, SOPHIE WESTERMANN, DEUTSCHER TIERSCHUTZBUND, FREIWALD/LUDGERUS-WERK, RADIO TEDDY, BEHER GMBH-ESSEN

Bürohündin Vio an ihrem neuen Arbeitsplatz


1

3

2

4

bei Radio TEDDY (Sendegebiet BerlinBrandenburg, Kassel, Koblenz und Schwerin) der Star bei den Hörern. Für ihn wird nach Autogrammkarten gefragt, und die Fanpost besteht aus Hundeleckerlis, Spielzeug und Hundezahnbürsten. „Selbstverständlich hat Paulchen einen Rückzugsraum und stört den Senderablauf nicht. Er ist aber für viele Kollegen zum Entspannungsfaktor geworden“, erzählt Geschäftsführerin Katrin Helmschrott. Bevor ein geliebter Vierbeiner wirklich die „Karrierechance“ nutzen kann, muss neben dem Einverständnis des Chefs und der Kollegen selbstverständlich auch sichergestellt sein, dass die Bedürfnisse des Tieres erfüllt werden. Der Hund sollte eben jene Rückzugsmöglichkeiten und einen Platz mit seiner Decke, seinem Wassernapf und seinem Spielzeug haben. Die Pausen sollten dem Hund

1 Sophie Westermann mit ihren beiden neuen Arbeitskollegen. 2 Die Bürohunde der Etikettendruckerei Schiller zaubern jedem Mitarbeiter bereits zu Arbeitsbeginn ein Lächeln auf die Lippen. 3 Bereits seit Beginn der Aktion nimmt das Ludgerus-Werk Lohne am Schnuppertag teil. 4 Die Schweisfurth-Stiftung München wurde ebenfalls als tierfreundliches Unternehmen ausgezeichnet – darüber freut sich auch Bürohund Bubu. 5 Radiostar Paulchen 6 Natürlich ist der Kollege Hund auch beim Deutschen Tierschutzbund immer willkommen.

5

6

gewidmet sein. Am Arbeitsplatz sorgen dann zum Beispiel Softbälle für Beschäftigung und Spaß, ganz ohne Lärm. Dann steht einem erfolgreichen gemeinsamen Arbeitstag nichts mehr im Weg. 

CATERINA MÜLHAUSEN

du und das tier  5/2013  37


[ Jugend] Hochwasser-Hilfe

Jugend in Aktion für Tierheime Zahlreiche Jugendliche waren von der dramatischen Hochwasser-Notlage im Zuge der sommerlichen Überschwemmungen berührt und haben den Tierschutz mit eigenen Projekten unterstützt. Nicht nur die Akuthilfe, sondern vor allem die langwierige und teure Aufbauhilfe standen und stehen im Mittelpunkt der Aktivitäten. Schulen und Jugendgruppen setzten sich kreativ als Helfer für Tierheime in Not ein.

A

ls die Klasse 4b der Theresia-Gerhardinger-Grundschule in Moosburg (Bayern) vom Hochwasser im Tierheim Hallertau erfuhr, wollten die Kinder mit Klassenlehrerin Susanne Schmitt Spenden sammeln: Mit dem Verkauf von gesunden und leckeren Fruchtcocktails stießen sie bei ihren Mitschülern auf große Resonanz. Etwa 300 der frischen Getränke wechselten in der Pause den Besitzer. Viele Kinder spendeten außerdem ein wenig Geld, das ihnen ihre Eltern mitgegeben hatten. Den Spendenbetrag in Höhe von 163,44 Euro überreichten sie dem Tierschutzverein Hallertau. Der Vorstandvorsitzende Thomas Naumann besuchte die Klasse und war sichtlich gerührt von dem Engagement. Im bayerischen Aichach unterstützten Schülerinnen und Schüler der Klasse 10c des Deutschherren-Gymnasiums mit ihrer Klassenlehrerin Katharina Dollinger am 15. Juli einen Tag lang das

Tierheim Hamlar des Tierschutzvereins Donauwörth im Rahmen des Projektes „Helfern helfen“ von Tamara Huber. Die Schülerinnen und Schüler wollten den Wandertag sinnvoll verbringen. In mehreren kleinen Gruppen engagierten sie sich tatkräftig mit Akkuschrauber, Hammer oder Pinsel im Tierheim, um die durch das Hochwasser entstandenen Schäden zu reparieren und einen neuen Katzenauslauf zu bauen. Unterstützt von Sponsoren und den Einnahmen aus einem schulinternen Bücherverkauf brachten die Schüler nicht nur ihre handwerklichen Fähigkeiten beim Bau neuer Hundehütten und eines Regenunterstandes für Tierheimbesucher oder bei der künstlerischen Gestaltung eines Tierheimflohmarkt-Containers ein, sondern spendeten auch die erforderlichen Baumaterialien, Farben und sonstigen Hilfsmittel. Tierheimleiterin Sonja Hoffmeister war überwältigt von der Ausdauer und dem Fleiß der jungen „Tierschützer für

einen Tag“. Weil alle Beteiligten sehr viel Spaß an der Hilfsaktion hatten, ist eine Fortsetzung nicht ausgeschlossen. Junge Tierschützer aus nicht überfluteten Gebieten engagierten sich ebenfalls für die tierischen Hochwasserbetroffenen, wie etwa die Tierschutzjugend Heilbronn. Sie entwarf eigene Flyer, die für einen Kuchenverkauf warben, und sprach zudem die Presse an, die auf diesen Termin aufmerksam machte. An diesem Tag kamen ehrenamtlich Aktive der morgendlichen Gassi-Runde extra nochmals vorbei, um sich Kaffee und Kuchen schmecken zu lassen. Auch zahlreiche Facebook-Fans unterstützten – bei bestem Wetter – die jungen Tierschützer. Die Tierschutzjugend Heilbronn meisterte diese erste eigene Aktion sehr professionell, und ihr Einsatz hat sich gelohnt: Mit 270 Euro an Verkaufserlösen konnten die Tierheime Freilassing (Bayern) und Zeitz (Sachsen-Anhalt) beim Aufbau neuer Tierunterkünfte unterstützt werden.

Thomas Naumann vom Tierschutzverein Hallertau dankte den Moosburger Schülern (l.). Mit Kuchenverkauf sammelte die Tierschutzjugend Heilbronn Geld für die überfluteten Tierheime Zeitz und Freilassing (r.).

38  du und das tier  5/2013


Mülheim an der Ruhr

Tierschutz im Einkaufskorb

FOTOS: TIERSCHUTZVEREIN HALLERTAU, TIERSCHUTZVEREIN HEILBRONN, TIERSCHUTZVEREIN MÜLHEIM A.D. RUHR, TIERSCHUTZVEREIN REUTLICHEN

B

ei den Jugendfestspielen „Voll die Ruhr“ nahm zum ersten Mal die Tierschutzjugend des Tierschutzvereins Mülheim an der Ruhr mit einem eigenen Aktionsstand teil. Die Jugendgruppe hatte sich zum Thema „Tierschutz im Einkaufskorb“ Aktionen für die ganze Familie ausgedacht. So konnten Kinder und Eltern gemeinsam überlegen, mit welchen Produkten sie den alltäglichen Tierschutz unterstützen können, und aus gesammelten Produktverpackungen einen Der Aktionsstand der Tierschutzjugend tierschutzfreundlichen Ein- Mülheim fand auch bei kleinen Tierfreunden kaufskorb füllen. Die Aktion be- großen Anklang. geisterte Kinder und Erwachsene gleichermaßen. Für die jüngsten ausgedacht: Sie bemalte Tiermasken Familienmitglieder hatte sich die Ju- und verwandelte die unterschiedgendgruppe ein besonderes Angebot lichen Vorlagen wie Hund, Schwein

Reutlingen

Vogelsichere Bushäuschen Mit einer besonderen Aktion weckte die Tierschutzjugend des Tierschutzvereins Reutlingen die Aufmerksamkeit der Reutlinger. 1.000 Aufkleber klebten die engagierten Jugendlichen auf 20 verglaste Haltestellenhäuschen am Zentralen Omnibusbahnhof Reutlingen, um diese „vogelsicher“ zu machen. Für das menschliche Auge sind sie nur schwer zu erkennen, aber dem Vogelauge bleiben die aufgeklebten Vogelumrisse als Warnhinweise nicht verborgen. Und so stellen die Haltestellenhäuschen

Nicht verpassen:

Jugendtermine 19.10. – 26.10.13 58540 Meinerzhagen – Kinderschutzferien Walderlebnisse. Info: Tierschutzjugend NRW Tel.: 02323 – 51616, E-Mail: herne@ tierschutzjugend-nrw.de 15.11. – 17.11.13 45721 Haltern – Tierisch viel los in deutschen Nationalparks. Info: Tierschutzjugend NRW (s.o.) 16.11.13 99817 Eisenach – Was muss beachtet werden, bevor ein Tier angeschafft wird? Info: Tierheim Eisenach, E-Mail: tierschutzverein. esa.pressesprecher@web.de Weitere Jugendtierschutztermine:

www.tierschutzbund.de/ jugendtermine oder Pferd in farbenfrohe Werke. Die positive Reaktion der Besucher bestärkte die Kinder und Jugendlichen der Tierschutzjugendgruppe in ihrer Begeisterung und ihrem Einsatz für den Tierschutz.

jetzt für Vögel ein Hindernis dar, das sie umfliegen. Für die Vogelschutzmaßnahme konnten die jungen Tierschützer viele Unterstützer gewinnen – für die benötigten Vogelaufkleber, die notwendige Reinigung der Glashäuschen und das Bekleben der Die Tierschutzjugend Reutlingen machte Bushäuschen Bushaltstellen. So vogelsicher: Nach dem Ablösen der Papierrückseite sind die Aufkleber nur noch für Vögel sichtbar. hat die Tierschutzjugend Reutlingen gemeinsam mit anderen gemacht, die auch andere junTierfreunden den Anfang für viele ge Tierschützer übernehmen weitere Aktionen zum Vogelschutz könnten.

du und das tier 5/2013 39


[vor ort] gifhorn

Gustavs spektakulärer Ausflug E

r ist ein buntes Bentheimer Schwein, und er gehört zu den vom Aussterben bedrohten alten Haustierrassen. Satte 200 Kilo bringt der vierjährige Gustav auf die Waage. Als glückliches Schwein lebt Gustav mit seinem gleichalt-

rigen Artgenossen Grobi auf einer Weide bei Gifhorn (Niedersachsen). Und genau von da begab sich Gustav auf Wanderschaft – entdeckte einen Garten mit jungen Erdbeerpflanzen und ließ sie sich schmecken. Allerdings erst, nachdem er mit der Schnauze die Beete gründlich vertikutiert hatte. Gartenbesitzerin Martina Waldecker hatte das Schwein beobachtet, als es die Straße entlang direkt auf ihren Garten zulief und dort seiner Wühlleidenschaft frönte.

Jessica Könecke mit dem Ausreißer, der wieder zufrieden im Garten wühlt.

Sie rief die Polizei, und die wandte sich an den Tierschutzverein Gifhorn. Mitarbeiter des Tierschutzzentrums lockten Gustav mit Brot und transportierten ihn zu einem Landwirt.

Dort holte ihn Besitzerin Jessica Könecke tags drauf ab. Jetzt wühlt Gustav mit seinem Partner Grobi erneut Erde auf, allerdings auf seiner nun doppelt gesicherten Weide.

melden zu jeder Tages- und Nachtzeit Fundtiere, Fälle von Tiermisshandlungen und andere Missstände. Oberbürgermeister Patrick de La Lanne lobte in seiner Rede vor allem die engagierte Arbeit der

Tierschützer bei dringend notwendigen Kastrationen von frei lebenden Katzen. Hier arbeiten die Mitglieder des Jubiläumsvereins mit der Stadt Delmenhorst Hand in Hand.

Delmenhorst

Stolzes Jubiläum S

eit sechs Jahrzehnten setzen sich die Mitglieder des Tierschutzvereins Delmenhorst für in Not geratene Tiere ein. Aus diesem Anlass veranstaltete der Verein auf dem Gelände seines Tierschutzhofes ein großes Hoffest mit vielen Programmpunkten und Attraktionen für Groß und Klein. So zeigte die Hundeschule Topdog Vorführungen wie Longentraining und DogDance, der Imker-Verein stellte sich vor, Interessierte konnten sich über Kaninchenhaltung informieren, und der Tierschutzverein selbst lud zu Hofführungen ein. Darüber hinaus konnten junge Besucher an einem spannenden Tierschutz-Quiz teilnehmen und bei einer Tombola schöne Preise abräumen. Besonders viel Applaus erntete die Kindergruppe des rührigen Tierschutzvereins, die „Wilde Tierbande“, für ihre Aufführung des tiefsinnigen Theaterstücks „Aufstand der Tiere“. Dass der Tierschutzverein

40 du und das tier

5/2013

Unter den zahlreichen Gästen waren auch Thomas Schröder (Bild rechts v.l.) und Dragos Pancescu (Bündnis 90/Die Grünen) mit der TierschutzvereinsVorsitzenden Uta Kämmerer.

mehr denn je erforderlich ist, machte die Vorsitzende Uta Kämmerer deutlich: „In den vergangenen fünf Jahren haben wir über 600 Tiere aufgenommen, tierärztlich versorgt und in ein neues Zuhause vermittelt.“ Meist handelt es sich um Hunde, Katzen, Kaninchen und Meerschweinchen. Oft stehe das Telefon kaum still. Besorgte Menschen


Mit einem Demonstrationszug und einer Kundgebung vor der Staatskanzlei protestierten mehr als 8.000 Bürger gegen die Agrarindustrie.

lüDenscheiD

Bewegte Geschichte I

foTos: PHoToWerK.com, TierscHuTzverein DelmenHorsT, WolfGanG beDnaz, clefer, sabine friTz

m Laufe eines Jahrhunderts geschieht naturgemäß sehr viel. Auf diese lange Geschichte kann der Tierschutzverein Lüdenscheid und Umgebung (NRW) mittlerweile zurückblicken. Erstaunlich ist die Tatsache, dass das von dem Verein betriebene Tierheim Dornbusch in einer ehemaligen Nerzfarm untergebracht ist. Dabei erinnert in dem geräumigen, hellen Tierheim heute nichts mehr an die dunklen Verschläge, in denen die Nerze seinerzeit ihr trauriges Dasein fristen mussten. Seit nunmehr 55 Jahren befindet sich das Tierheim auf dem Gelände der ehemaligen Nerzfarm. Anfangs vom Verein gepachtet, ging es 1991 in seinen Besitz über. Nach und nach haben die aktiven Mitglieder des Tierschutzvereins viele bauliche Veränderungen durchge-

führt, um das Leben der Vierbeiner im Tierheim Dornbusch so artgerecht wie nur irgend möglich zu gestalten. So pachtete der Tierschutzverein 2007 das Land um das Tierheim herum und funktionierte die 3.500 Quadratmeter große Wiese zu Hundeausläufen um. Natürlich gab es in der langen Zeit des Vereinsbestehens viele Tierschicksale, die zu Herzen gingen. Der Vorsitzende Manfred Hardy erinnert sich mit Wehmut an einen 100 Kilogramm schweren Hund, der eigentlich nur 35 Kilogramm hätte wiegen dürfen. Er war ein Opfer falsch verstandener Tierliebe und hat es leider nicht überlebt. Eine spezielle Jubiläumsfeier fand nicht statt. Die Tierschützer begingen ihr 100-jähriges Bestehen jedoch mit einem erweiterten Tag der offenen Tür im Tierheim.

Anna-Lena Pieper leitet das Tierheim Dornbusch des Tierschutzvereins Lüdenscheid. Nicht nur im Katzenhaus gibt es für das Team viel zu tun.

münchen

Demo vor Bayerischer Staatskanzlei M

ir hams satt“, sagten sich mehr als 8.000 Bürgerinnen und Bürger und zogen in München vor die Baye rische Staatskanzlei. Lautstark protestierten sie gegen Agrarindustrie, Tierfabriken, gentechnisch veränder te Pflanzen und Flächenfraß. Wie auch in anderen Teilen des Landes plädierten die Bürger dafür, die bäuer liche Landwirtschaft und Imkerei vor dem Zugriff von Agrarund Chemiekonzernen zu schützen. Zur Demonstration hatte ein breiter Trägerkreis aus Bürgerinitiativen, Verbraucher-, Umwelt- und Tierschutzorganisationen aufgerufen - darunter auch der Deutsche Tierschutzbund. Ludwig Sothmann, Landesvor-

sitzender des Landesbundes für Vogelschutz, fasste die Forderungen des Bündnisses sinngemäß zusammen: „Unser Appell an die Politik: Schluss mit diesem Ausverkauf an Gemeingütern! Wir fordern eine Politik, die dem Menschen nutzt und nicht der Agrarindustrie. Wir fordern gelebte Schöpfungsverantwortung als Grundlage für politische Entscheidungsprozesse. Die neue Welt der Massentierhaltung, der genmanipulierten Organismen, der ästhetischen Banalisierung unserer Heimat ist nicht unsere Welt. Wer politisch darauf abzielt, kann nicht unser Vertreter sein, dient dem Wohl des Volkes nicht.“

du und das tier 5/2013 41


[vor ort] Düren

Feierlichkeiten zum 50-jährigen Bestehen M

it 130 Gästen beging der Tierschutzverein für den Kreis Düren sein rundes Jubiläum. Ein halbes Jahrhundert – das ist eine beachtliche Zahl, und so ließ es sich Nordrhein-Westfalens Landwirtschaftsminister Johannes Remmel (Bündnis 90/Die Grünen) nicht nehmen, persönlich zu erscheinen und ein paar Worte an die feiernden Tierfreunde zu richten. Remmel lobte das dem Verein angeschlossene Tierheim in Niederau als eine in Nordrhein-Westfalen vorbildliche Einrichtung mit Modellcharakter für andere Tierheime. Dort betreut der Verein zwischen 300 und 350 Tiere – rund 30 unterschiedliche Arten. Er steht dabei vor

Dresden

Ein Leben für den Tierschutz I

hr erfülltes Leben widmete sie mit aller Hingabe dem Wohl der Tiere. Mit 86 Jahren verstarb Anneliese Krauß und hinterließ bei ihren langjährigen Weggefährten eine große und nicht zu schließende Lücke. Bereits zu DDR-Zeiten hatte sie sich als ehrenamtliche Tierschutzinspektorin der Stadt Dresden für notleidende Tiere engagiert. Nach der Wende eröffnete sie in der

42  du und das tier  5/2013

der großen Herausforderung, immer mehr Exoten aufnehmen zu müssen – mittlerweile ein flächendeckendes Problem, bei dem die Dürener Tierschützer in Deutschland nicht alleine sind. Günther Oltrogge, der seit mehr als 34 Jahren als 1. Vorsitzender die Geschicke des Tierschutzvereins leitet, erinnerte an die schwierigen Anfangszeiten. Man habe nicht nur für die in Not geratenen Tiere kämpfen müssen, sondern auch um die finanzielle Unterstützung der Behörden. Dass bis heute viele Kommunen nicht ihrer Pflicht nachkommen, die Kosten für die von den Tierheimen übernommenen Aufgaben der Gemeinden zu decken, betonte auch Thomas Schröder,

sächsischen Großstadt ein Tierheim, in dem vor allem Katzen Zuflucht fanden. Im Jahre 1990 gründete sie, die unerschütterliche Kämpfernatur, den Tierschutzverein Dresden 1839 neu. Bis kurz vor ihrem Tod blieb Anneliese Krauß Vereinsvorsitzende und konnte während dieser langen Zeit Enormes bewegen. Ihr Engagement, für das sie im Jahre 2005 mit der höchsten Auszeichnung des Deutschen Tierschutzbundes, der Franzvon-Assisi-Medaille, geehrt wurde, kann nicht hoch genug bewertet werden. So war es ihrem unermüdlichen Einsatz zu verdanken, dass die tragisch große

Feierten das Jubiläum (v.l.): Thomas Schröder (Präsident des Deutschen Tierschutzbundes), Jürgen Plinz (1. stv. Vorsitzender des Vereins), Johannes Remmel (NRW-Landwirtschaftsminis­ ter), Günther Oltrogge (1. Vorsitzender des Tierschutzvereins)

Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, in seiner Festrede. Schröder dankte den Mitarbeitern des Tierheimes, die sich solidarisch an die Seite der vom Hochwasser betroffenen Tierheime gestellt hätten. Und er beklagte, dass der Tierschutz in der Politik immer noch vernachlässigt werde: „Eigentlich absurd: Muss es erst ein Gesetz dagegen geben, Tieren Verbrennungen

Anzahl zurückgelassener Hunde und Katzen in Dresden nach Abzug der Roten Armee 1992 liebevoll betreut und in gute Hände vermittelt wurde. Dabei blieb die auch für ihre sachliche Art und ihr

dritten Grades zuzumuten, oder eine Kastration ohne Betäubung oder ein kurzes Dahinvegetieren im Dunkelstall oder ein Leben im Versuchsapparat? Ist erlaubt was nicht verboten ist?“, so Schröder unter dem Applaus der Zuhörer. Ein besonderes Jubiläumsgeschenk machte die Sparkasse Düren dem Verein mit einem über zwei Jahre laufenden Sponsorenvertrag.

umfangreiches Wissen hoch geschätzte Tierschützerin stets realistisch und orientierte sich bei ihrer Arbeit an dem, was machbar war. Tiere und Menschen verdanken ihr unendlich viel.

Anneliese Krauß bei der Verleihung der Assisi-Medaille


Donauwörth

Demo gegen Schweinemastanlage M

ehr als 300 Menschen demonstrierten in der schwäbischen Kreisstadt Donauwörth gegen die Schweinemastanlage auf dem Reichertsweiler Hof. Die niederländische Firma Straathof plant dort einen Umbau, um die Anlage für dann 11.000 Schweine zu vergrößern, davon circa 3.000 Muttersauen, die jährlich etwa 75.000 Ferkel „produzieren“ sollen. Die Genehmigung liegt bereits seit 2008 vor. Das im Juli dieses Jahres gegründete Aktionsbündnis „Stoppt den

Saustall!“ möchte nun das Schlimmste verhindern beziehungsweise noch das „Bestmögliche“ herausholen, wie sich die Grünen-Kreisvorsitzende Ursula Kneißl-Eder ausdrückte, die zusammen mit Heidi Terpoorten die Kundgebung organisierte. Dazu gehörten Fluchtmöglichkeiten für die Schweine im Brandfall sowie ein Immissionsschutz für die Anwohner. Andreas

Brucker vom Landesverband Bayern des Deutschen Tierschutzbunds über die Betreiber der Mega-Mastanlagen: „Was Firmen wie Straathof oder Wiesenhof machen, ist keine Landwirtschaft mehr.“ Die Tiere würden auf engstem Raum zusammengepfercht, was zu erhöhtem Krankheitsrisiko führe. „Dies wird mit Antibiotika bekämpft.“ Die Grünen-Bundestagsabgeordnete

aus Sachsen-Anhalt und Parlamentarische Geschäftsführerin sowie Fraktionssprecherin für Tierschutz Undine Kurth appellierte, jeden Schritt auf dem Reichertsweiler Hof genau zu verfolgen: „Denn es ist keineswegs sicher, dass sich der Investor an das hält, was ihm genehmigt wurde.“ So habe Straathof bislang schon 1,85 Millionen Euro an Bußgeldern zahlen müssen.

Dennis Herold, Schumann, T. Unflath, Tierschutzverein Eberbach, M. Weyrauch

Eberbach

Meilenstein der Vereinsgeschichte D er 100. Geburtstag ist wahrlich ein Grund zum Feiern. Genau das tat der im Jahr 1913 gegründete Tierschutzverein Eberbach ausgiebig. Mit einem bunten Programm für Groß und Klein, Info- und Marktständen sowie Live-Musik lockten die aktiven Mitglieder interessierte Tierfreunde auf den Leopoldsplatz in Eberbach. Mit einem kurzen Abriss der wechselvollen Vereinsgeschichte eröffnete die Vorsitzende des Tierschutzvereins Claudia Agnes Henn die kurzweilige Veranstaltung. 35 Eberbacher der Orts-Elite, darunter die Frau des Bürgermeisters, taten sich 1913

zusammen, um sich dem Tierschutz zu widmen. In einer Zeit, in der die Heimtierhaltung noch keine so große Bedeutung wie heute hatte, widmeten sich die Tierschützer den Arbeitstieren. Dank persönlichen Einsatzes, Hingabe und außerordentlichen Engagements ist aus dem kleinen Verein eine Institution geworden, die weit über die Stadtgrenzen bekannt ist. Noch immer hat der Verein kein Tierheim, dafür viele private Pflegestellen. Die rund 100 Mitglieder arbeiten mit hohem persönlichen Einsatz und sind immer da, wenn sie gebraucht werden. Bürgermeister Peter Reichert war

des Lobes voll und unterstrich seine Dankesrede mit der Überreichung einer Urkunde sowie eines Geldbetrages. Die Erlöse der großen Jubiläumsfeier kamen natürlich den Schützlingen des T i e r s c hu t z ve re i n s zugute. Bürgermeister Peter Reichert gratulierte der Vorsitzenden Claudia Agnes Henn. Die Hundeschule „wetnose“ zeigte, was Vierbeiner alles können. Katze Mimi mit dem Gründungsbuch

du und das tier  5/2013  43


[vor ort] Dortmund

Podiumsdiskussion vor der Wahl M ehr als zwei Stunden diskutier ten und argumentierten die vom Tierschutzverein Groß-Dortmund geladenen Ver treter der großen Parteien unter der Moderation von Peer Fiesel, Präsident des Landestierschutzverbandes NordrheinWestfalen und 2. Vorsitzender des Tierschutzvereins GroßDortmund. Im Vorfeld der Veranstaltung hatten die Teilnehmer einen Katalog mit insgesamt zehn Fragen zum Thema Tierschutz erhalten. So hatten die Bundestagskandidaten Jutta Fuchs (Bündnis 90/Die Grünen), Thorsten Hoffmann (CDU), Sabine Poschmann

(SPD), Hannelore Tölke (Die Linke) und Daniel Poznanski (FDP) bereits im Vorfeld genügend Diskussionsstoff. Auch Thomas Schröder, Hannelore Tölke (Die LINKE), Dr. Frank Brandstätter, Zoodirektor und Präsident des Deut- Vorstandsmitglied des Tierschutzvereins, Daniel Poznanski (FDP), schen Tierschutz- Thomas Schröder, Peer Fiesel, Peter Hobrecht bundes, und der G e s c h ä f t s f ü h re r des Dortmunder Tierheims, sel der Hoffnung Ausdruck, meinsam mit der Vorsitzenden Peter Hobrecht, warfen ihre dass sich die in den vergandes Tierschutzvereins Großschlagkräftigen Argumente genen Monaten eingeleitete Dortmund, Erika Scheffer, das in den Ring. Schröder ap- positive Entwicklung in Sastädtische Tierschutzzentrum, pellierte an die Vertreter der chen Tierschutz in Nordrhein- mit dem der Tierschutzverein Parteien: „Machen Sie den Westfalen fortsetzen werde. eng zusammenarbeitet. TierBundestag tierfreundlicher!“ Am nächsten Morgen be- heimleiter Dirk Rojahn führte Abschließend gab Peer Fiesuchte Thomas Schröder gebeide durch das Tierheim.

München

Greentunes Festival 2013 G

emeinsam die Vision einer besseren Welt feiern: In diesem Jahr fand das bunte Festival, das es sich auf die Fahnen geschrieben hat, Menschen zusammenzubringen, die sich für Tierrechte, Tierschutz und eine gesündere und nachhaltigere Ernährung einsetzen, zum zweiten Mal in München statt. Der Deutsche Tierschutzbund gehörte erneut zu den Förderern der Veranstaltung. Unter dem Motto „Tiere sind unsere Freunde – und Freunde isst man nicht“ diskutierten und informierten sich die Besucher in der zentral gelegenen Muffathalle über vegane, vegetarische und fleischreduzierte Ernäh-

44  du und das tier  5/2013

rung. Mit seinem vielfältigen Programm setzte das Greentunes Festival, das 2011 zum ersten Mal begeisterte, Akzente gegen die industrielle

Tierhaltung in der Landwirtschaft, für den Tierschutz und eine vorwiegend pflanzliche Ernährung. Der Biologe, Klimaexperte und Journalist Andreas Grabolle las aus seinem Buch „Kein Fleisch macht glücklich”, das der Vegetarierbund Deutschland

als Sachbuch des Jahres 2013 ausgezeichnet hat. Bei einer Podiumsdiskussion, an der auch der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Thomas Schröder, teilnahm, wurde unter anderem das Label „Für Mehr Tierschutz“ thematisiert.


Niedersachsen

Fotos: Tierschutzverein München, Tierschutzverein GroSS-Dortmund, Dreamstime.com/Txemanet, Quellenhof Passbrunn

Schnabelkürzen bei Legehennen beenden N iedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer möchte bis 2016 ein Verbot des Schnabelkürzens bei Legehennen durchsetzen. Der Deutsche Tierschutzbund und sein Landesverband Niedersachsen unterstützen diesen Plan. Sie fordern, dass andere Bundesländer diesem Positivbeispiel folgen sollten. Um die Folgen von Federpicken abzumildern, werden Legehennen, Puten und Moschusenten in der Intensivhaltung schmerzhaft zurechtgestutzt – anstatt die Haltungsbedingungen so zu verbessern, dass Ver-

haltensstörungen wie Federpicken und Kannibalismus gar nicht erst auftreten. „Das Schnabelkürzen ist eine tierquälerische Maßnahme, daher setzt die Landesregierung mit dem angekündigten Verbot das richtige Zeichen“, kommentiert die Vorsitzende des Landesverbandes Niedersachsen, Vera Steder. Und Präsident Thomas Schröder fordert: „Niedersachsens Weg muss dann auch in anderen Ländern Schule machen: Tiere dürfen nicht manipuliert werden, um Defizite in der Haltung auszugleichen oder

Der niedersächsische Landwirtschaftsminister Christian Meyer will ein Verbot des Schnabelkürzens bei Legehennen bis 2016 durchsetzen. bestimmte Produktionsziele zu erreichen. Die Ausnahmen im Tierschutzgesetz, die diese Manipulationen zulassen, müssen gestrichen

werden.“ In Österreich ist das Schnabelkürzen bereits untersagt, und auch die Niederlande haben ein Verbot beschlossen.

Dingolfing

Tierschutzbotschafterin besucht Tierheim S

tefanie Hertel setzt sich als Botschafterin des Deutschen Tierschutzbundes seit 2004 für das Wohl von Tieren ein. In dieser Funktion stattete die Volksmusiksängerin und große Tierfreundin jüngst dem Quellenhof Passbrunn im Landkreis Dingolfing einen Besuch ab. Der Quellenhof will eine Begegnungsstätte für Mensch und Tier sein. Sein Motto: Lebens(t)raum für Mensch und Tier. Neben dem Tierheim und einer Tierpension bietet er tiergestützte Therapien für behinderte Kinder an. Stefanie Hertel zeigte sich an der vielschichtigen

Arbeit der Tierheimmitarbeiter sehr interessiert. Auch Probleme und Alltagssorgen teilte sie an diesem Tag mit den anwesenden Tierschützern. Außerdem zeigte sich die bekannte Künstlerin von der heilpädagogischen Arbeit mit Pferden begeistert. Die wohltuende Wirkung von Pferden auf Körper, Geist und Seele ist unumstritten, und dieser Effekt wird bei der pferdegestützten Therapie gezielt eingesetzt. Stefanie Hertels Tag bei den Schützlingen des Quellenhofs wurde von einem Fernsehteam des MDR begleitet. Als Überraschung

Als Tierschutzbotschafterin des Deutschen Tierschutzbundes besuchte Sängerin Stefanie Hertel den Quellenhof Passbrunn und überreichte als Überraschung eine Spende. überreichte die Künstlerin der Vorsitzenden Ilona Wojahn eine Spende über 3.000 Euro, die aus ihrem 30.000-EuroGewinn aus einer ZDF-Spiel-

show stammen, mit dem sie Projekte und Mitgliedsvereine des Deutschen Tierschutzbundes unterstützen möchte.

du und das tier  5/2013  45


[vor ort]

Wieder wurde ein illegaler Welpentransport per Zufall gestoppt und die viel zu jungen Hunde auf die Tierheime der Region verteilt.

schweinfurt

78 Welpen beschlagnahmt I

m Kofferraum eines Skodas waren die Hunde unter unhaltbaren hygienischen Bedingungen eingepfercht, als der 55-jährige tschechische Fahrer Mitte Juli bei einer Verkehrskontrolle auf der A70 von der Polizei Schweinfur t-Werneck gestoppt wurde. Der Mann war mit seiner illegalen Fracht auf dem Weg nach Belgien. In sieben Plastikboxen und einem Karton waren 78 Welpen verschiedenster Rassen untergebracht. Die Welpen waren mit erst vier bis acht Wochen noch zu jung und wurden zudem entgegen den geltenden Tierschutzbestimmungen transportiert. Sie wurden daher sofort von der Polizei sichergestellt, und das Veterinäramt wurde eingeschaltet. Zunächst kamen die Hunde in das Tierheim Schwebheim im Landkreis Schweinfurt. An-

schließend wurden die Welpen, für die keinerlei Impfnachweise vorlagen, unter Mithilfe des Landesverbandes Bayern im Deutschen Tierschutzbund auf weitere sechs Tierheime in Coburg, Lichtenfels, Wunsiedel, Feucht, Kitzingen und Frankfurt/Main verteilt. 25 Welpen verblieben im Tierheim Schwebheim. Leider haben nicht alle 78 Welpen überlebt. Einige sind trotz bestmöglicher medizinischer Versorgung gestorben. Nachdem keines der Tiere einen Impfnachweis hatte, sind die Kosten für die medizinische Betreuung der Welpen riesig. Johannes Saal, Vorsitzender des Tierschutzvereins Schweinfurt Stadt und Landkreis, beziffert die Kosten für die Pflege- und Tierarztgebühren auf rund 50.000 Euro. Die Welpen unterlagen für einen kurzen Zeitraum der

Beschlagnahme durch die Staatsanwaltschaft Schweinfurt, danach ordnete das Veterinäramt Quarantäne an. Während die Staatsanwaltschaft die Kosten für den Zeitraum der Beschlagnahme anstandslos übernommen hat, weigert sich das Landratsamt Schweinfurt derzeit noch, Kosten für die Pflege und medizinische Versorgung zu übernehmen. Die Sicherstellung durch die Polizei und die Anordnung der Quarantäne würden das Landratsamt nicht zur Zahlung der Kosten verpflichten. Der Deutscher Tierschutzbund Landesverband Bayern hat die Verhandlungen zentral übernommen. „Die Tierschutzvereine helfen dem Amt gerne, aber dazu ist eine Kostener-

Dachau

Erweiterungsbau feierlich eingeweiht J edes Jahr werden mehr Katzen im Tierheim abgegeben. Oft sind sie krank und verletzt. Die räumlichen Kapazitäten des „Franz von Assisi“-Tierheims im oberbayerischen Dachau waren lange erschöpft. Zuletzt behalfen sich die Mitglieder des Tierschutzvereins Dachau mit der Aufstellung von acht Baucontainern. Natürlich waren die Bedingungen für die aufgenommenen Katzen nicht ideal. Umso

46 du und das tier

5/2013

mehr freuten sich die Verantwortlichen des Tierheims um die 1. Vorsitzende Silvia Gruber über die lang er-

sehnte Einweihung des Katzenhaus-Erweiterungsbaus mit neuen Katzenzimmern, einem neuen Quarantäne-

stattung erforderlich. Die Versorgung der Welpen ist sehr aufwendig; gerade durch die Krankheiten fallen hohe Tierarztkosten an, die die Vereine alleine nicht leisten können“, erklärte Andreas Brucker, mit dem Fall betrautes Präsidiumsmitglied des Landesverbandes Bayern. Gegen den Fahrer wurde ein Strafverfahren eingeleitet. Um nach der vorläufigen Festnahme weiterreisen zu dürfen musste der 55-Jährige zudem eine Sicherheitsleistung von 5.000 Euro hinterlegen. Der Deutsche Tierschutzbund kämpft seit Jahren gegen den illegalen Welpenhandel und bietet den betroffenen Tierheimen jeweils logistische und finanzielle Unterstützung an.

und Krankenstationsbereich inklusive Arztraum und OP. Neben den vielen Ehrengästen aus der Region ließ es sich auch der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Thomas Schröder, nicht nehmen, persönlich in Dachau zu gratulieren. Im Gepäck hatte er eine wunderbare Überraschung – einen Zuschuss in Höhe von 5.000 Euro. Viel Prominenz, Dachauer Bürger und die Mitglieder des Tierschutzvereins feierten den Ausbau des Katzenhauses im Tierheim.


du und das tier Impressum herausgeber und redaktion: Deutscher Tierschutzbund e.v. baumschulallee 15 53115 bonn Telefon 0228-60496-0 Telefax 0228-60496-40 Kontakt: www.tierschutzbund.de/kontakt.html internet: www.tierschutzbund.de

Aus einem Wohnhaus retteten die Heppenheimer verwahrloste Katzen und Hunde, die teilweise schwer erkrankt waren.

Verlag: ein Herz für Tiere media GmbH mpnchner straße 101/09 85737 ismaning geschäftsführung: clemens schüssler, michael Geringer chefredaktion: ursula birr (v.i.s.d.P.) herstellungsleitung: sandra Kho

hePPenheim

Bild des Jammers

TierscHuTzverein DacHau, DeuTscHen TierscHuTzbunD, TierscHuTzverein HePPenHeim

G

leich 52 Katzen und drei Hunde mussten Antje Schütz, Leiterin des Tierheimes Heppenheim, und ihre Helferin aus einem Wohnhaus in Heppenheim retten. Die Tiere boten einen trostlosen Anblick. Die Katzen, Perser und Maine Coon, waren völlig verfilzt. Sie wiesen zum Teil große Wunden auf. Alle waren unterernährt und litten unter eitrigem Ausfluss, Bindehautentzündungen und blutigem Durchfall. Die Jungtiere zeigten zusätzlich noch schwere Schnupfensymptome. Aufnahme, medizinische Versorgung und Pflege der kranken Tiere überforderten das Tierheim, das weder über den Platz noch über genügend Kräfte verfügt, um eine solche Menge Notfallkatzen aufzupäppeln. 22 Katzen blieben in Heppenheim, wo sie zunächst tierärztlich behandelt, entfilzt oder geschoren und in saubere Boxen gebracht wurden. Die potenten Kater wurden kastriert, auch die zum Teil tragenden oder säugenden Kätzinnen werden noch kastriert, sobald sie sich regeneriert haben. Bei den übrigen Tieren griff eine Kooperation, die das Tierheim Heppenheim mit einigen anderen Tierheimen geschlossen hat. Die Tierheime in Mainz, Ingelheim und Reichelsheim sowie die Keller-Ranch in Weiterstadt erklärten sich spontan bereit, insgesamt 30 Katzen zu übernehmen. Aufgrund des jämmerlichen Zustandes dieser „Zuchtkatzen“ wird es noch dauern, bis sie zur Vermittlung freigegeben werden können.

Vormerken!

Termine

19.10.13 91217 Hersbruck 5 Jahre Hersbrucker Tierheim info: Tierschutzverein Hersbruck Tel.: 09151-6095923 07.11.13 16321 ladeburg vortrag: Die Taube info: Tierschutzverein niederbarnim Tel.: 03338-38642 15.11. – 17.11.13 13057 berlin Tierheimsymposium info: akademie für Tierschutz Tel.: 089-600291-0 info@tierschutzakademie.de 24.11.13 72766 reutlingen Weihnachtsmarkt info: Tierheim reutlingen Tel. 07121-144806-60 30.11.13 16321 ladeburg Weihnachtsfeier für Tiere info: Tierschutzverein niederbarnim Tel.: 03338-38642 08.12.13 67661 Kaiserslautern Tierweihnacht im Tierheim info: Tierheim carl Hildebrand Tel.: 0631-3503667 weitere aktuelle termine finden sie im internet unter www.tierschutzbund.de/ termine/mitgliedsvereine

Producer: Grit Häussler Vertriebsleitung: Dr. regine Hahn grafik & litho: robert serra, www.zeitraum.de bildredaktion: margarete müller, simone Grafetstetter ständige redaktionelle mitarbeiter: Wolfgang apel, Dr. rer. nat. Heidrun betz, susanne möltgen mitarbeiter dieser ausgabe: Dorthe becker, James brückner, Dr. med. vet. caroline Hartmann, christiane Kook, maja masanneck, caterina mülhausen, uwe nickel für unverlangt eingereichte manuskripte, fotos und sonstige Druckunterlagen wird keine Haftung übernommen. eine rücksendung solcher unterlagen ist nur gegen ausreichendes rückporto möglich. namentlich gezeichnete beiträge stellen die meinung des verfassers, nicht unbedingt auch die der redaktion dar. nachdruck, übersetzungen und vervielfältigungen, auch auszugsweise, sind nur mit zustimmung der redaktion gestattet. Die redaktion behält sich die Kürzung von leserbriefen vor. veröffentlichte briefe sind keine meinungsäußerung der redaktion. anzeigen: Waz zeitschriften marketing GmbH & co. KG münchener straße 101/09, 85737 ismaning Telefon: (089) 27 270-7942, fax: (089) 27 270-7991 geschäftsführung: Daniela sakowski, anzeigenleitung: sonja Haase, e-mail: sonja.haase@waz-zeitschriften.de Verantwortlich für anzeigen: burda community network GmbH, Gudrun nauder, e-mail: gudrun.nauder@burda.com (es gilt die anzeigenpreisliste nr. 14 vom 01.01.2013.) abo-service: Postfach 10 45 65, 40032 Düsseldorf Telefon 01805/566201-21, fax 01805/56620192 bezugsbedingungen: du und das tier erscheint jährlich sechsmal. bezugspreise jährlich € 15,30 incl. € 2,10 Portokostenanteil einschließlich vertriebsgebühren; Preis des einzelheftes je nach umfang mindestens € 2,55. für mitgliedsvereine des Deutschen Tierschutzbundes und mengenbezüge gelten besondere Preise, die der verlag auf anfrage bekannt gibt. bezugspreis für das ausland jährlich € 24,60 incl. € 9,– Portokostenanteil einschließlich versandkosten. abbestellungen nur bis sechs Wochen vor ende des berechnungszeitraums. Wird das erscheinen durch höhere Gewalt oder streik verhindert, so können keine ansprüche an den verlag geltend gemacht werden. Druck: stürtz GmbH, Würzburg issn 0341-5759 Diese zeitschrift wurde auf umweltschonendem Papier hergestellt (elementar chlorfrei).


s n u n e g n i r Si e b . n e h c a L zum Tiere geben uns so viel. Und wir geben ihnen das Beste zurück. Tiere haben ihre ganz eigene Art, das Leben zu genießen. Und das bringt uns oft zum Schmunzeln. Doch genau wie wir, haben auch Tiere ihre eigenen Bedürfnisse. Darum gibt es im Fressnapf-Markt eine kompetente Beratung. Unsere freundlichen Mitarbeiter finden gemeinsam mit Ihnen heraus, was Ihr Tier zum Glücklichsein braucht.

Mehr Infos in Ihrem Fressnapf-Markt und im Online-Shop. www.fressnapf.de

Profile for DU UND DAS TIER, Deutscher Tierschutzbund

Du und das Tier 5/2013  

Du und das Tier 5/2013