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du und das tier 4|2013

Tierschutz aus erster Hand

43. Jahrgang | ISSN 0341-5759

Handel mit Wildtieren

Exoten im Tierheim

HOCHWASSER

Land unter in Tierheimen

JUGEND

Preistr채ger und ihre tollen Ideen

STRASSENTIERE

Fortschritte in Kiew und Odessa


Freunde fürs Leben. Als treue Freunde schenken Tiere uns Vertrauen, Zuneigung und Trost. Dafür möchten wir etwas zurückgeben. Seit über 20 Jahren unterstützen Pedigree® und Whiskas® den Deutschen Tierschutzbund und Tierheime in ganz Deutschland.

Partner des Deutschen Tierschutzbundes

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[ EDITORIAL] Thomas Schröder, Präsident

Liebe Tierfreundinnen und Tierfreunde, die Aufräumarbeiten nach dem katastrophalen Hochwasser sind noch in vollem Gange. Die betroffenen Tierschutzvereine haben Großartiges geleistet. Erfreulicherweise haben sie auch sehr viel Unterstützung erhalten – vor Ort und überregional. Das ganze Ausmaß der Schäden tritt allerdings erst nach und nach zutage. Der Länderrat und die Mitgliederversammlung des Deutschen Tierschutzbundes haben, dem Vorschlag des Präsidiums daher zugestimmt, bis zu 500.000 Euro aus den Rücklagen des Dachverbandes für die Opfer dieser Flutkatastrophe bereitzustellen. Die Solidarität der Tierschützer war enorm. Das war auch während unserer Mitgliederversammlung am 8. Juni in Bonn zu spüren. Alle Resolutionen wurden einstimmig verabschiedet. Wenn diese Ausgabe von du und das tier erscheint, ist es nicht mehr weit bis zur Bundestagswahl. Wir hatten das politische Berlin noch in der letzten Arbeitswoche vor der Sommerpause zum Tierschutzfrühstück ins Hauptstadtbüro eingeladen. Allen im Bundestag vertretenen Parteien haben wir unseren detaillierten tierschutzpolitischen Forderungskatalog zugestellt, und wir informieren Sie - auf der Website www.tierschutzbund.de/ bundestagswahl und in Kurzform mit den Aktionskarten, die Sie in diesem Heft finden -, über deren Antworten. Bitte geben Sie die Karten auch an andere Interessierte weiter. Wenn wir gemeinsam an einem Strang ziehen, dann können wir für die Tiere viel erreichen.

Dieses Motto hat sich auch der Beirat des Tierschutzlabels auf die Fahne geschrieben. Dr. Clemens Dirscherl, der Ratsbeauftragte der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) für agrarsoziale Fragen, Landwirtschaft, Ernährung und ländliche Räume, ist Mitglied in diesem Beirat. Im Gespräch mit du und das tier erläutert er seine Überlegungen zum Thema „Verantwortung“ – auch vor dem Hintergrund des diesjährigen Evangelischen Kirchentages, dessen Motto lautete „So viel du brauchst“. Die öffentliche Diskussion über den Fleischverzehr und die Notwendigkeit, diesen einzuschränken, die wir mit der Einführung des zweistufigen Tierschutzlabels angestoßen haben, ist bereits ein Erfolg. Da kann ich ihm nur zustimmen. Der Vorstoß, den die Discounter vor einigen Wochen unternommen haben, die Fleischpreise drastisch zu senken, hat ihnen von allen Seiten harsche Kritik eingebracht. Wer die Fleischpreise senkt, der senkt auch das Tierschutzniveau in den Ställen. Landwirte, die ihre Tiere artgerechter halten als andere, haben mehr Arbeitsaufwand und mehr Personalkosten. Das lässt sich nicht vermeiden. Das muss honoriert werden. Fleisch ist heute schon zu billig, denn die Schäden, die Intensivhaltungen auch in der Umwelt anrichten, die werden nicht von denen bezahlt, die am Fleisch verdienen. Die Kosten werden auf die Allgemeinheit abgeschoben. Das ist nicht mehr länger hinzunehmen. Tiere haben keinen Preis, Tiere haben einen Wert. In diesem Sinne hoffe ich auch weiterhin auf Ihre Unterstützung für den Tierschutz. Herzlichst, Ihr

du und das tier 4/2013 3

FOTO: DEUTSCHER TIERSCHUTZBUND

Machen Sie den Bundestag tierfreundlicher


[ i n h a lt ]

du und das tier 4/2013 Alle Titelthemen sind mit einem

✘ gekennzeichnet

22 55

Abschied Erinne& rungen an zwei starke Mitstreiter des Deutschen Tierschutzbundes

6 Kurz und knapp

31 Aktuell

Verbandsklage Durchbruch erzielt

Patentreffen im Anholter Bärenwald

Zirkuselefanten Mädis Tod muss

Zehn Jahre Bärenglück

Konsequenzen haben

Mitgliederversammlung 2013

Eurogroup Starke Partner in Europa

Stimme für die Tiere

Delfinhaltung Bundestag lehnt Verbot ab

Hilfe für Tierheime Neue Tierhilfewagen

Help Card Alternative Urlaubsgrüße, die helfen

übergeben

Erfolg Kaninchenversuch verhindert 30. Internationaler Veterinärkongress Tierheime im Spannungsfeld Vor der Wahl Tierschutzgesetz trat in Kraft Wiedervorlage Sotschi: Proteste zeigten Wirkung Robbenjagd Handelsverbot für Robbenprodukte soll bleiben

Parlamentarisches Tierschutzfrühstück Machen Sie den Bundestag tierfreundlicher Hochwasser 2013 Tierheime melden Land unter Hochwasserschäden Staatliche Soforthilfe auch für die Tierheime

44 Projekte

Auslandstierschutz Arbeitsbesuch in Kiew und Odessa

9 Kontakt

31

Patentag Neuzugang Maya interessierte sich für die Besucher im Anholter Bärenwald.

Tierschutzlabel Öffentliche Debatte um

10 Titelthema

die Verantwortung für die Tierhaltung

Handel mit Wildtieren Exoten im Tierheim Positivliste für den Tierhandel Ein Lösungs­ vorschlag bahnt sich seinen Weg durch

Fotos/titel: Fotos: Dreamstime.com/Liseykina, Tierheim Zeitz, Deutscher Tierschutzbund

Europa Belgien Auszug aus der Positivliste

48 Vor Ort Altenburg Tobewiese für alle Hunde Bremen Proteste gegen Zirkus Belly Wiesloch/Walldorf Viel Lob zum 50. Geburtstag Essen Struppimobil nimmt Fahrt auf Hamburg Tierschutzverein beim Kirchentag

18 Jugend

Adolf-Hempel-Jugendtierschutzpreis Originelle Ideen, ausgezeichnete Projekte

32

Vor der Wahl „Stimme für die Tiere“ war das Motto, unter dem in diesem Jahr die Mitgliederversammlung stand.

Jugendprotest Zirkus – kein Spaß für Tiere Termine

22 Hinter den Kulissen Zum Abschied Elfriede Falk (1921 - 2013)

Itzhehoe Mutiger Einsatz für eine Katze Köln Doppeltes Wiedersehen Wietze Auf zur Großkundgebung Neuburg Bundesverdienstkreuz für Tierschützer Weiterstadt Großeinsatz beim Freiwilligen-Tag Nordrhein-Westfalen Ministerium unterstützt Katzenkastration Gifhorn Mahnwache für Shila Tübingen Demonstration gegen Affenversuche Fürstenberg/Tornow Polit-Praktikantin

24 Für Sie gelesen Markus Imhoof, Claus Peter Lieckfeld More than honey Andreas Grabolle Kein Fleisch macht glücklich Zeitschrift TIERethik – Tierschutz

52

Vor Ort Nordrhein-Westfalen: Förderprogramm für Katzenkastrationen wurde neu aufgelegt.

4  du und das tier  4/2013

Berlin „Grüne Spenden“ für das Tierheim Nordrhein-Westfalen Kampf gegen die illegale Greifvogeljagd Termine

55 Nachruf Harvey T. Rowe (1920 - 2013)

26 Das vegane Rezept Blumenkohl-Avocado-Suppe

47 Impressum


[ im

fokus]

Bundestagsabgeordnete von SPD, DIE LINKE und Bündnis 90/Die Grünen und Thomas Schröder, Präsident des Deutschen TIerschutzbundes

Aktion in Berlin

enige Tage vor dem jähr­ lichen Aktionstag „Kollege Hund“ appellierten der Deutsche Tierschutzbund und der Tierschutzverein für Berlin und Umge­ bung gemeinsam vor dem Reichs­ tag für mehr Akzeptanz von Hunden am Arbeitsplatz. Sie erhielten dabei Unterstützung von Bundestagsabge­ ordneten aus den Fraktionen der SPD, Bündnis 90/Die Grünen und DIE LINKE. Auch in den Büroräumen des Deutschen Bundestages sollten Hunde erlaubt sein – und dies aus gutem Grund: Wissenschaftliche Stu­ dien haben bewiesen, dass schon das Streicheln eines Hundes den Blutdruck senkt und hilft, Stress ab­ zubauen. Zudem verbessern Hunde das Betriebsklima – vorausgesetzt

natürlich, dass Chef und Mitarbeiter damit einverstanden sind. Ein Hund im Büro trägt mit dazu bei, dass sich die Mitarbeiter wohlfühlen. Und Mit­ arbeiter, die sich bei der Arbeit wohl­ fühlen, arbeiten mit Freude und sind leistungsfähiger. Beim Gassigehen in der Pause kann auch einmal ein Kollege einspringen. „Hunde haben einen positiven Effekt auf das ganze Unternehmen. Das würde auch für den Deutschen Bundestag mit seinen schätzungs­ weise 6.000 Büroarbeitsplätzen gel­ ten. Außerdem rücken wir damit die Tierschutzpolitik näher dahin, wo sie entschieden werden muss“, erklärt der Bundestagsabgeordnete und Mitinitiator der Aktion Heinz Paula (SPD). Jährlich geben bereits bun­

desweit mehr als 1.000 Unternehmen ihren Mitarbeitern die Chance, den Kollegen Hund mit ins Team aufzu­ nehmen. „Unser tierischer Schnup­ pertag soll Mitarbeitern und Hunden dazu dienen, ein mögliches Mitein­ ander am Arbeitsplatz auszutesten. So können Firmen, bei denen Hunde bisher tabu waren, ihre Berührungs­ ängste überwinden und Hundehalter ihrem Chef und den Kollegen ihren tierischen Freund vorstellen“, erklärt Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. „Wenn Arbeitgeber es erlauben, dass der Hund ins Büro mitkommt, erhält mög­ licherweise auch der eine oder ande­ re Tierheimhund eine Chance auf ein neues Zuhause“, ist seine Hoffnung. CATERINA MÜLHAUSEN

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Foto: Deutscher Tierschutzbund

Kollege Hund im Bundestag W


[ kurz

und knap p]

Verbandsklage

Durchbruch erzielt Innerhalb weniger Wochen haben die Landtage in Hamburg, Nordrhein-Westfalen und im Saarland beschlossen, die Tierschutz-Verbandsklage einzuführen. Im Saarland wird es zudem einen ehrenamtlichen Landesbeauftragten für Tierschutz geben. Auch die Landesregierungen in Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz haben bereits Gesetzentwürfe zur Einführung der Tierschutz-Verbandsklage vorgelegt. In Baden-Württemberg und Niedersachen ist dieser Schritt aufgrund der dortigen Koalitionsvereinbarungen zu erwarten. In Bremen existiert dieses wichtige Rechtsinstrument bereits seit 2007. Aus Sicht des Deutschen Tierschutzbundes ist die bundesweite Einführung der Tierschutz-Verbandsklage nun nicht mehr aufzuhalten. Damit in ganz Deutsch-

Zirkuselefanten

Vor der Abstimmung im Düsseldorfer Landtag dankte der Deutsche Tierschutzbund Umweltminister Johannes Remmel und allen Abgeordneten, die im NRW-Landtag für die Verbandsklage stimmen wollten, für ihre Unterstützung. Im Bild (v.l.): MdL Martin-Sebastian Abel (Bündnis 90/Die Grünen), Bodo Nöckel, Landestierschutzverband NRW, MdL Norwich Rüße (Bündnis 90/Die Grünen), NRW- Umweltminister Johannes Remmel (Bündnis 90/Die Grünen), Marion Dudla, Deutscher Tierschutzbund, Peter Knitsch, Staatssekretär im Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz von Nordrhein-Westfalen, sowie Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. land einheitliche Rechtsverhältnisse herrschen, müsse auch der Bund jetzt ein entsprechendes Rahmengesetz erlassen. In Nordrhein-Westfalen hat sich bereits eine Arbeitsgruppe gebildet. Der Landestier-

gefordert, doch Renz entzog sich erfolgreich jedwedem Zugriff. Mitte Mai zeigten Presseberichte und Videoaufnahmen die kranke Elefantenkuh dann auf einer Show-Tournee in Estland. Nach Angaben der estischen Tierschutzorganisation Estonian Society for the Protection of Animals wurde das Tier dort auch Wieder ist ein Zirkuselefant einen grauwiederholt misshandelt. samen Tod gestorben. In einem Fluss im Nach Mädis tragischem Tod haben der estnischen Narva verendete die asiaDeutsche Tierschutzbund und sechs weitere tische Elefantenkuh Mädi beim Baden Tierschutzorganisationen gemeinsam die auf tragische Weise. Noch während ihres zuständigen Veterinärbehörden, die Minis­ Todeskampfes sprang ihr Betreuer unter terien und das Bundesamt für Naturschutz dem Johlen von Zuschauern auf ihrem angeschrieben und sie aufgeforim Wasser liegenden Körper herum, bis dert, umgehend Konsequenzen er – viel zu spät – den Ernst der Lage aus dem Vorfall zu ziehen. erkannte. An Mädis Tod tragen auch BeMädi ist bereits der zehnte Zirhörden in Deutschland und Estland, die kuselefant, der in den letzten 18 zu spät oder gar nicht eingriffen, eine Monaten gestorben ist. Elefanten Mitschuld. Mädis schlechter Gesundsind, wie andere Wildtiere auch, heitszustand war bekannt. Die 43-jährige in einem Zirkusunternehmen Elefantenkuh hätte den Strapazen eines nicht artgerecht zu halten. Der Transportes nach Estland nicht mehr Deutsche Tierschutzbund fordert ausgesetzt werden dürfen. daher ein Verbot von Wildtieren Zuletzt gehalten wurde Mädi von René im Zirkus, das der Bundesrat Renz, einem Bruder von Daniel Renz zwischenzeitlich unterstützt, die (Circus Universal Renz). Als Eigentümer Bundesregierung aber bislang Ein Kran zieht die tote Elefantenkuh aus dem Fluss, der fahrenden Show „Land der Reptilien“ in dem sie qualvoll ertrunken ist. verweigert hat.

Mädis Tod muss Konsequenzen haben

6  du und das tier  4/2013

besitzt René Renz zwar offenkundig eine Genehmigung zur Zurschaustellung von Reptilien, nicht aber den nach § 11 Tierschutzgesetz (TierSchG) erforderlichen Sachkundenachweis für die Haltung von Elefanten. Vor ihrem Abtransport nach Estland war die Elefantenkuh, trotz der Auflagen verschiedener Veterinärbehörden, in tierschutzwidriger Einzelhaltung gehalten worden. Experten von Tierschutzorganisationen hatten die zuständigen Behörden Anfang Mai dringend zum Handeln und zur Beschlagnahme des Tieres auf-

schutzverband NRW, der Bundesverband Tierschutz, die Tierversuchsgegner – Menschen für Tierrechte und der Bund gegen Missbrauch der Tiere beraten gemeinsam intensiv, wie es jetzt weitergeht.


Eurogroup for Animals

Starke Partner in Europa Seit dem 12. Juni ist der Deutsche Tierschutzbund im Präsidium der führenden europäischen Tierschutz-Dachorganisation vertreten. Frank Meuser, der Leiter des Berliner Hauptstadtbüros des Deutschen Tierschutzbundes, wurde von den Delegierten der Jahreshauptversammlung der Eurogroup for Animals einstimmig in das Executive Committee gewählt. 80 Prozent aller tierschutzrelevanten Gesetze und Verordnungen haben heute

In Deutschland sind Delfinarien wie hier in Duisburg nach wie vor erlaubt.

Delfinhaltung

Bundestag lehnt Verbot ab

Frank Meuser vertritt im Präsidium der Eurogroup for Animals den Deutschen Tierschutzbund und somit dessen europäische Anliegen.

ihren Ursprung in Europa. Die Kompetenzen des Europa-Parlaments bei der europäischen Rechtsetzung wurden in den vergangenen Jahren Schritt für Schritt erweitert. Die Europawahl 2014 ist für den Tierschutz in Deutschland und Europa daher sehr wichtig, und es bedarf einer starken Lobby-Organisation mit starken europäischen Partnern. Die Eurogroup for Animals bündelt die Expertise von mehr als 40 Mitgliedsorganisationen. Sie spielt im europäischen Tierschutz eine starke Rolle. Der Deutsche Tierschutzbund übernimmt damit in einem zusammenwachsenden Europa Verantwortung. Als Mitglied des Executive Committee bestimmt er die Strategien der Eurogroup for Animals künftig maßgeblich mit.

Mit den Stimmen von CDU, CSU und FDP hat es der Bundestag Ende Juni endgültig abgelehnt, die Haltung von Delfinen zu untersagen sowie deren Einfuhr zu verbieten und die Zulassung neuer Haltungen an den Nachweis artgerechter baulicher Anlagen zu binden. Den Antrag eingebracht und dafür gestimmt hatten Bündnis 90/Die Grünen. Die Linke stimmte ebenfalls dafür. Die SPD enthielt sich bei dieser Abstimmung, wie auch zuvor bereits nach einer Anhörung im Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft

und Verbraucherschutz. Aus Tierschutzsicht war es verantwortungslos, diesen Antrag abzulehnen. Eine artgerechte Delfinhaltung ist in keinem Zoo möglich. Viele Zoologische Gärten haben sich bereits von ihren Delfinarien getrennt, zuletzt der Allwetterzoo in Münster. Die Schweiz hat den Import von Delfinen verboten und damit mittelfristig das Aus des letzten verbliebenen Delfinariums in die Wege geleitet. Die letzten beiden Zoos in Deutschland, die noch Delfine zur Schau stellen, sind Nürnberg und Duisburg. Allein in Nürnberg sind 80 Prozent der dort geborenen Jungtiere gestorben. Dennoch haben die Stadt und der Zoo Millionen in eine neue Anlage investiert. Sie wird den Bedürfnissen dieser Meeressäuger in keiner Weise gerecht.

HelpCard Alternative Urlaubsgrüße, die helfen! Wieder viel erlebt im Urlaub und dabei ganz vergessen, Urlaubsgrüße an die Liebsten zu versenden? Oder einfach nur auf der Suche nach einer schönen Idee für eine individuelle Ansichtskarte? Der Deutsche Tierschutzbund bietet mit der HelpCard eine originelle Alternative zur herkömmlichen Postkarte. Die Geschenkkarte kann individuell gestaltet werden und dient dabei zusätzlich einem guten Zweck. So kann für den persönlichen Gruß aus der Sonne ein eigenes Foto als Motiv gewählt und mit einigen persönlichen Worten kombiniert werden.

Der Kartenwert (ab 10 €) kann dabei als Spende für verschiedene Hilfsprojekte des Deutschen Tierschutzbundes eingelöst werden. www.helpcard.de/dtschb

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[ kurz

Nach einem Einspruch der Tierschützer wurde ein genehmigter Kaninchenversuch gestoppt.

und knapp]

Erfolg

Kaninchenversuch verhindert Der European Coalition to End Animal Experiments (ECEAE), der der Deutsche Tierschutzbund angehört, ist es gelungen, einen qualvollen Tierversuch zu verhindern, den die Europäische Chemikalienbehörde (ECHA) im Rahmen der Bewertung einer Chemikalie nach der EU-Chemikalienverordnung REACH von einem belgischen Chemiekonzern verlangt hatte. Gegen die Anordnung des geplanten Versuchs legte die ECEAE Einspruch ein. Bei diesem Tierversuch sollten Kaninchen zwangsweise drei Mo-

nate lang täglich giftige Dämpfe eines Kühlmittels einatmen, anschließend hätte man die Tiere getötet und deren Lungen auf Schäden und Veränderungen untersucht. Die Widerspruchskammer der ECHA bestätigte die Beschwerde der ECEAE und hob jetzt die bereits erteilte Anordnung des Versuchs wieder auf. Die Kammer stellte in ihrer Entscheidung unter anderem fest, dass die ECHA gegen den Grundsatz verstoßen habe, dass Tierversuche nur als letzte Möglichkeit durchgeführt werden sollten. Der Deut-

30. Internationaler Veterinärkongress Tierheime im Spannungsfeld Traditionell lädt der Bundesverband

Um- und Neubauten im Bereich von

der beamteten Tierärzte (BbT) einmal

Quarantäne- und Krankenstation. Pro-

im Jahr zu einem internationalen

blematisch wird es für die Tierheime,

Fachkongress nach Bad Staffelstein

wenn Tierhalter nicht tierschutzgerecht

ein. Teilnehmer aus allen Ebenen

gehaltene Tiere auf Drängen der Vete-

der Veterinärverwaltung können

rinärämter freiwillig im Tierheim abge-

sich durch Fachvorträge aus den

ben – woraufhin das Tierheim die Ver-

Bereichen Tierseu-

sorgungskosten alleine

chenbekämpfung,

tragen muss. Würden die-

Tierschutz, Lebens-

se Tiere beschlagnahmt

mittelhygiene und

werden, so müsste das

Fleischhygiene weiter-

Veterinäramt für die Kos-

bilden.

ten aufkommen. Diese

Thomas Schröder,

Situation ist häufig auch

Präsident des Deutschen Tierschutz-

darauf zurückzuführen, dass die Vete-

bundes, beleuchtete in seinem Vortrag

rinärämter für Tierschutzfälle nur ein

die Situation der Tierheime – im Span-

sehr geringes Budget zur Verfügung

nungsfeld zwischen hygienischen An-

haben – eine schwierige Situation für

forderungen, dem Unterbringungsbe-

Amtstierärzte und Tierheime.

darf von Tieren und den Kosten. Hier-

Bund und Länder müssten ihre Ver-

bei hatte er besonders die Themen

antwortung für den Tierschutz wahr-

im Blick, bei denen enge Berührungs-

nehmen, so das Fazit von Thomas

punkte mit der Amtstierärzteschaft be-

Schröder. Für seine Forderung an

stehen – und bei denen auch weiterer

die Länder, die finanziellen Mittel für

Austausch zwischen den Verbänden

den Vollzug des Tierschutzes vor Ort

nötig ist. Bei der Bewältigung der

zu erhöhen, erhielt er den Beifall der

großen Herausforderung, den hygie-

Kongressteilnehmer. Schröder sprach

nischen Anforderungen ebenso ge-

jedoch auch weitere kritische Punkte

recht zu werden wie der ihren Bedürf-

an – wie die Sonderkonditionen

nissen entsprechenden Unterbringung

für Tierschutzfälle in der Obhut der

aller Tiere, benötigen die Tierheime

Tierschutzvereine, die der Deutsche

auch die Unterstützung durch das

Tierschutzbund seit Jahren mit den

Veterinäramt. So beispielsweise bei

Tierärztevereinigungen auszuhandeln

der Planung und Genehmigung von

versucht. Bislang leider ohne Erfolg.

8 du und das tier

4/2013

sche Tierschutzbund beteiligt sich auch finanziell an dem Projekt der ECEAE zur Verhinderung von Tierversuchen für die Chemikalienprüfung im Rahmen von REACH, das hier zum Erfolg geführt hat.

Vor der Wahl

Tierschutzgesetz trat in Kraft Die mit den Stimmen der Regierungskoalition im Dezember vorigen Jahres verabschiedete Änderung des Tierschutzgesetzes ist jetzt in Kraft getreten. Kein Grund zum Feiern für den Tierschutz: Wesentliche und dringende Reformen zugunsten der Tiere blieben außen vor. So bleibt das Brandzeichen für Pferde erlaubt. Die betäubungslose Kastration von Ferkeln wird erst ab 2019 verboten. Die Tierheime, die praktischen Tierschutz vor Ort betreiben, bleiben gesetzlich weiterhin allein gelassen. Dem Staatsziel Tierschutz wird diese Gesetzesänderung nicht gerecht. Der Deutsche Tierschutzbund wird sich aktiv in den Wahlkampf einmischen (siehe auch Poster und Postkarten in der Mitte dieser Ausgabe) und die Einstellung der Parteien zum Tierschutz konsequent transparent machen. Konkrete Informationen zu den Änderungen finden Sie unter www.tierschutzbund.de/kampagne-tierschutzgesetz


Wiedegre vorla

KONTAKT

Tötungsaktionen in Sotschi Proteste zeigten Wirkung

I m Vo r fe l d d e r Olympischen Winterspiele 2014 im russischen Sotschi befürchteten Tierschützer eine Säuberungsaktion der Stadt von Straßenhunden und -katzen. Tatsächlich hatte die Stadtverwaltung auch bereits ein Projekt zum „Einfangen, Auswählen, Beseitigen“ ausgeschrieben – dotiert mit umgerechnet 42.500 Euro. Tierschützer liefen Sturm gegen diese Tötungsverordnung. Der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Thomas Schröder, wandte sich in einem persönlichen Schreiben an den russischen Präsidenten Wladimir Putin und bat ihn, den Schutz frei lebender Hunde und Katzen sicherzustellen (siehe auch du und das tier 1/ 2013 Kurz und knapp). Er bot der Stadt auch an, sie bei der Erarbeitung einer tierfreundlichen Lösung zu unterstützen. Im Bundestag stellte der Abgeordnete Christian Ströbele (Bündnis 90/Die Grünen) eine Anfrage, welche Maßnahmen die Bundesregierung dagegen ergreifen wolle. Das Außenministerium versicherte, es werde die

Behörden „im Rahmen seiner Möglichkeiten“ ansprechen. Jetzt hat die Olympiastadt reagiert. Ein Sprecher der Stadtverwaltung wird in der Online-Ausgabe der „Welt“ mit den Worten zitiert: „Wir sind nicht grausam, deshalb werden wir ein Programm zur Kastration der Straßentiere erarbeiten und das erste Tierheim in Sotschi bauen.“ In Sotschi leben rund 2.000 Hunde und mindestens ebenso viele Katzen auf den Straßen. Ob die Stadtverwaltung ihre guten Vorsätze in die Tat umsetzt, bleibt abzuwarten. Der Deutsche Tierschutzbund wird die Situation im Blick behalten.

Sotschi, hier der Neubau des Olympiabahnhofs, kastriert Straßentiere.

Deutscher Tierschutzbund e. V. Baumschulallee 15 53115 Bonn Telefon 0228-60496-0, Telefax 0228-60496-40 www.tierschutzbund.de/kontakt

Hotlines Service-Hotline, Bundesgeschäftsstelle Telefon 0228-60496-0 Deutsches Haustierregister ® und Deutsches Tierdiebstahlregister Rund um die Uhr: Telefon 0228-60496-35 Spenden-Hotline: Telefon 09001-226688 (nur aus dem deutschen Festnetz). Sie spenden € 5,00

Internet

www.tierschutzbund.de Hier finden Sie tagesaktuelle Meldungen, Hintergrundinformationen und Aktionsmöglichkeiten. Für Kinder und Jugendliche gibt es die Seiten www.tierschutzkids.de und www.jugendtierschutz.de

Social Web

FOTOS: IMAGO (3), DPA, DEUTSCHER TIERSCHUTZBUND (2), PRIVAT,

Robbenjagd

Handelsverbot für Robbenprodukte soll bleiben Nachdem der Europäische Gerichtshof bereits Ende April das EU-Handelsverbot für Robbenprodukte als rechtskonform bestätigt hatte, sprach sich auch der Deutsche Bundestag dafür aus, die Regelung aufrechtzuerhalten. In seltener Einmütigkeit stimmten alle Fraktionen des Bundestags (außer Die Linke) für das Festhalten an der EU-Verordnung von 2009, die das Inverkehrbringen von Robbenerzeugnissen regelt – ein wichtiges Signal an Norwegen und Kanada sowie an die Internationale Handelsorganisation WTO: Die beiden Länder, die nach wie vor Robben auf grausame Wei-

se töten, hatten bei der WTO gegen diese EU-Verordnung geklagt. Dass das EUweite Handelsverbot, das seit 2010 auch in Deutschland umgesetzt wird, Einfluss auf die Robbenjagd hat, zeigt die Statistik: Die Anzahl der getöteten Robben ist in den vergangenen beiden Jahren von rund 350.000 auf 40.000 bis 70.000 zurückgegangen. Eine Entscheidung der WTO, die im Mai tagte, um die beiden Klägerländer ein zweites Mal anzuhören, wird noch im Laufe des Jahres erwartet. Die EU und auch der Bundestag bleiben bei ihrem Import- und Handelsverbot für Robben und ihre Produkte.

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du und das tier 4/2013 9


[ t i t e lt h e m a ]

Reptilien wie der Grüne Leguan werden gekauft, wenn sie knapp 20 cm messen. Ausgewachsen können sie über zwei Meter lang werden.

10 du und das tier

4/2013


Der Netzpython, der unterkühlt und krank im Tierheim Emden landete, maß sechs Meter

E Handel mit Wildtieren

Exoten im Tierheim Einen sechs Meter langen netzpython musste das Tierheim in Emden plötzlich beherbergen. neben Hunden, Katzen und Kleintieren müssen Tierheime immer wieder auch ganz andere anspruchsvolle Wesen betreuen: Kornnattern in Heidenheim, mehr als 60 Degus in Augsburg und 13 beschlagnahmte Affen in nürnberg. Was bedeutet das für die Tierheime? Was wird aus diesen Tieren, und woher kommen sie?

inen sechs Meter langen Netzpython entdeckte ein Spaziergänger im Juni auf einem „Hunde-Gassiweg“ am Stadtrand von Emden. Der Finder alarmierte Polizei und Feuerwehr. Die fingen das Tier ein und brachten es ins Tierheim. Schnell wurde klar, dass das Tier ausgesetzt worden war, denn der Weg zur nächsten Siedlung war zu weit, als dass die Schlange ihn alleine hätte zurücklegen können. Ihr Zustand war kritisch. Sie war unterkühlt und unterernährt; vermutlich hatte sie mindestens drei Tage im Dauerregen gelegen und sich dadurch eine Lungenentzündung eingefangen. Auf eine solch große Schlange war das Tierheim natürlich nicht eingestellt. Dort kommen zwar immer wieder andere Reptilien an, wie Bartagamen oder Schildkröten, eine Riesenschlange zu betreuen ist jedoch eine besondere Herausforderung. Glücklicherweise konnte ein Experte einer nahe gelegenen Wildtierauffangstation in diesem Fall vor Ort Erste Hilfe leisten und das Tier auch schon am nächsten Tag übernehmen. Für die Tierheimmitarbeiter war das eine große Erleichterung, denn schon allein die Fütterungsansprüche einer solch großen Schlange zu befriedigen wäre schwierig geworden. Dafür wären mehrere Ratten, Meerschweinchen oder Kaninchen als Futter nötig du und das tier 4/2013 11


[ t i t e lt h e m a ]

Im Kofferraum eines Pkws wurden Varis (oben), trächtige Kattas (links) und Lisztäffchen entdeckt und ins Tierheim Nürnberg gebracht. Die Äffchen hatten Glück: Sie konnten artgerecht vermittelt werden.

gewesen. Im Nachhinein wurde der ehemalige Besitzer der Schlange ausfindig gemacht. Anscheinend hält er noch weitere, kleinere Schlangen. Er hatte den unter Artenschutz stehenden Netzpython ursprünglich als Wildfang illegal nach Deutschland geschmuggelt und gehalten – bis er ihm über den Kopf wuchs. Nach Auskunft des Statistischen Bundesamtes werden derzeit jährlich zwischen 440.000 und 840.000 leben-

12  du und das tier  4/2013

de Reptilien sowie 220.000 bis 380.000 Süßwasserfische nach Deutschland eingeführt – die Importe lebender Meereszierfische, Amphibien oder nicht-heimischer Säugetiere werden dagegen nicht nach Anzahl erfasst. Meerwasser-Zierfisch-Lieferungen belaufen sich auf jährlich 2,3 bis 3,3 Millionen Euro Warenwert. 252.641 Amphibien und 53.689 Vögel wurden 2009 allein über den Frankfurter Flughafen nach Deutschland verbracht.

Zu diesen legalen Importen kommt eine hohe Anzahl illegal gehandelter Tiere hinzu, wie das Beispiel des oben genannten Netzpythons zeigt. Schätzungen gehen von zusätzlich 25 Prozent illegalen Tieren aus. Weiterhin werden zahllose Nachzuchten vertrieben. Wie viele Wildtiere aktuell in deutschen Wohnungen leben, darüber gibt es keine genauen Zahlen. Der Zentralverband Zoologischer Fachbe-


triebe (ZZF) spricht von 3,7 Millionen Ziervögeln, 2,3 Millionen Aquarien und 2,6 Millionen Gartenteichen mit Zierfischen sowie 800.000 Terrarien mit diversen Terrarientieren (Reptilien, Amphibien, Wirbellose). Exotische Säugetiere werden ebenfalls in großen Mengen gehalten, ohne dass die genauen Zahlen bekannt wären. Über Kleinanzeigenportale im Internet kann jedermann alles bekommen – vom Känguru über Nasenbären, Erdmännchen und Stinktieren bis hin zu diversen kleinen Affen. Diesen Handel zu kontrollieren ist bisher kaum möglich. Im April machte die Autobahnpolizei bei einer Routinekontrolle im Raum Nürnberg einen erschreckenden Fund: Im Kofferraum eines Pkws entdeckten die Beamten insgesamt 13 Affen – eingepfercht in viel zu kleinen Katzenboxen. Die zwei Varis, acht Kattas und drei Lisztäffchen wurden zusammen mit einer Möwe und einem Auerhahn mit unbekanntem Ziel transportiert. Der Auerhahn überstand die Strapazen der Reise leider nicht. Das Tierheim Nürnberg erklärte sich bereit, die Tiere aufzunehmen, und musste sich nun schnell kundig machen, wie die Unterbringung, Pflege und Versorgung der Tiere bewerkstelligt werden konnten. Die Affen waren in gutem Zustand, zwei Tiere sogar trächtig, und so gab es nach kurzer Zeit auch noch Affennachwuchs im Tierheim. Sechs Wochen später gaben die Behörden die Tiere frei, und sie konnten an geeignete Wildtierauffangstationen und -parks weitervermittelt werden. In diesem Fall hatten nicht nur die Tiere, sondern auch das Tierheim Glück, denn die aufgelaufenen Kosten wurden von der Verkehrspolizei übernommen. Wie bei Hund, Katze oder Kaninchen gibt es auch bei Exoten Tierhalter, die ihrer Schützlinge überdrüssig werden. Einen neuen Halter zu finden gestaltet sich oft schwierig, und so werden die Tiere entweder ausgesetzt oder im Tierheim abgegeben. Teilweise entkommen sie auch und sorgen auf den Straßen, in Badeseen oder in städtischen Grünanlagen für Unruhe. In einem Park in Augsburg wurden im

April – wiederum von einem Spaziergänger – mehrere Dutzend Degus gefunden. Es waren am Ende mehr als 60 Tiere, die die Feuerwehr einfing und im Tierheim ablieferte. Viele Tiere hatten Bisswunden, die durch die vorhergehende zu enge Haltung verursacht worden waren. Das Tierheim musste nun nicht nur für die Unterbringung dieser hohen Anzahl von Tieren sorgen, sondern auch für den zu erwartenden Über 60 zum Teil durch Bisse verletzte Degus hatte ein Nachwuchs, denn ein Großteil der überforderter Halter ausgesetzt, das Tierheim Augsburg Tiere war trächtig. Die immensen nahm sie auf. Die Reptilienauffangstation beherbergt Kosten in fünfstelliger Höhe muss- auch Geierschildkröten (unten) oder Krokodile, die te das Tierheim in diesem Fall sel- ausgesetzt, beschlagnahmt oder abgegeben wurden. ber tragen. Im Gegensatz zu einem ausgesetzten Hund oder einem zurückgelassenen Kaninchen, das sie im Park oder am Waldrand vorfinden, wissen die Menschen, die plötzlich auf der Straße einem exotischen Tier gegenüberstehen, oft gar nicht, um welches Tier es sich handelt. Panik ist verständlicherweise bei ausgesetzten Schlangen die häufigste Reaktion, selbst dann, wenn es sich um eher harmlose Tiere wie Kornnattern handelt. Kornnattern gehören zu den Schlangen, die als „Einsteigertiere“ gelten und deswegen besonders häufig gehalten und folglich auch besonders oft ausgesetzt Für die Tierheime ist es essenziell, ein werden. Netz aus Experten oder spezialisierten Im März wurden an einer Bushalte- Auffangstationen für Wildtiere aufzustelle in Heidenheim drei Kornnattern bauen, denn bei der Vielzahl an ungefunden, die in einem Stoffsack aus- terschiedlichen Tieren, die in Deutschgesetzt worden waren. Die Tiere wur- land gehalten werden, muss für jede den ins Tierheim des Tierschutzvereins Tierart auch eine geeignete AufnahHeidenheim gebracht. Offenbar hat- mestelle gefunden werden. Speziten die Nattern bereits seit Wochen alisierte Wildtierauffangstationen kein Wasser und keine Nahrung er- sind rar, weswegen die wenigen, die halten. Sie waren dehydriert, unter- vorhanden sind, große Mengen an ernährt und unterkühlt, und es war Tieren aufnehmen müssen und fast zunächst unsicher, ob sie überhaupt immer hoffnungslos überfüllt sind. überleben würden. Zum Glück gab Die Münchener Reptilienauffanges einen ehrenamtlichen Schlangen- station beispielsweise muss von Jahr experten, der sich der Schlangen an- zu Jahr immer mehr Tiere aufnehmen. nehmen konnte. Die Kosten musste Von 365 im Jahr 2001 ist die Anzahl jedoch erneut der Tierschutzverein der Aufnahmen 2011 auf 1.302 Tiere tragen. Die Kommune beteiligte sich angestiegen. Darunter befinden sich nicht. Fundtiere (18%), ausgesetzte Tiere du und das tier  4/2013  13


Im Internet und auf Tierbörsen werden selbst Anakondas verkauft, die ausgewachsen eine Länge von acht Metern erreichen, wie hier in der Auffangstation „Hato el Frio“ in Venezuela (unten). Auch Marderhunde (rechts) werden oft als vermeintlicher Hundeersatz gekauft und nicht artgerecht gehalten.

(11%) und zurückgelassene Tiere (3%), beschlagnahmte Tiere (24%) und 40% „private“ Abgaben, darunter zum Teil auch von den Behörden angeregte oder geforderte Abgaben. Deutlich angestiegen im Vergleich zu 2010 sind 2011 auch die aufgenommenen Gefahrtiere. Insgesamt waren es 82 Gift- und Riesenschlangen, Großwarane, Krokodile und Schnappschildkröten. Die Auffangstation ist ursprünglich aus der Klinik für Reptilien der tierärztlichen Fakultät der LudwigMaximilians-Universität München hervorgegangen. Heute wird sie eigenständig von einem Trägerverein geführt und muss die Versorgung der Tiere selbst finanzieren. Durch den massiven Anstieg der Tierzahlen und auch infolge der seit einigen Jahren zunehmenden Verweildauer der Reptilien reichen Fördergelder und Spenden oft nicht aus. Im Jahr 2012 führte dies zu der erschreckenden Nachricht, dass die Reptilienauffangstation vor dem finanziellen Aus stehe. Das Schlimmste konnte in diesem Fall zwar zunächst abgewendet

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werden – durch Zuschüsse der Bayerischen Staatsregierung, aber auch des Deutschen Tierschutzbundes. Ein langfristiges Konzept zur Finanzierung solcher Stationen fehlt jedoch nach wie vor. Für die Tierheime sind die Wildtierauffangstationen überlebenswichtig, denn Fälle wie die geschilderte Riesenschlange in Emden oder die Kornnattern in Heidenheim bringen die Heime personell, räumlich, technisch und finanziell in Bedrängnis. Einige Landesregierungen erkennen das Problem zwar. Gehandelt wird jedoch zu wenig. Manche Bundesländer, zum Beispiel BadenWürttemberg, verfügen über keine einzige Auffangstation für exotische Heimtiere. Ein Großteil der beschlagnahmten Reptilien aus Baden-Württemberg wird daher bisher an die Reptilienauffangstation in München weitergereicht. Da die Anzahl der betreffenden Tierhalter aber weiterhin zunimmt, muss auch mit steigenden Abgabezahlen gerechnet werden. Länder beziehungsweise Kommunen müssen ihren Pflichten nachkommen

und Auffangmöglichkeiten auch für diese Tiere schaffen. Solange deren Haltung erlaubt ist, muss auch eine Unterbringung für den Notfall gewährleistet sein. Die Tierschutzvereine können angesichts ihrer sowieso mehr als knappen Finanzmittel nicht für alle Auswüchse der privaten Tierhaltung herhalten – zumindest nicht, ohne dass ihnen das in irgendeiner Form gegenfinanziert wird. Zoofachhandel, Tierbörsenveranstalter und -verkäufer, Internetanbieter und illegale Händler profitieren bisher vom grenzenlosen Tierhandel, ohne sich für die negativen Auswirkungen zuständig zu fühlen. Wenn Tierschutzverbände oder Politiker Maßnahmen fordern, um den Handel mit Wildtieren einzuschränken, ist der Aufschrei groß. Kein Wunder in Anbetracht der Tatsache, dass allein der europäische Reptilienmarkt auf einen Gesamtwert von einer Milliarde Euro geschätzt wird. Deswegen sind bisher auch keinerlei Signale erkennbar, dass der Handel die offensichtlichen Probleme erkennt und in irgendeiner Form dagegen vorgehen will. DR. HENRIETTE MACKENSEN


Positivliste für den Tierhandel

Ein Lösungsvorschlag bahnt sich seinen Weg durch Europa Bestrebungen, den Handel mit Wildtieren einzuschränken, um dessen aus Tier- und Artenschutzsicht negative Folgen zu minimieren, gibt es seit Langem. Mit einer neuen Kampagne will die Eurogroup for Animals nun die Einführung von Positivlisten für Handel und Haltung von Tieren beschleunigen.

N

egativlisten, die die Haltung bestimmter Tierarten aus Tier- beziehungsweise Artenschutzgründen oder zur Gefahrenabwehr untersagen, gibt es in vielen europäischen Staaten. Alle Tierarten, die nach dem Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) geschützt sind, dürfen nur unter bestimmten Bedingungen gehandelt werden. Für sie gilt innerhalb Deutschlands die Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV). Besitzer artgeschützter Tiere müssen eine Bescheinigung über den rechtmäßigen Erwerb (CITES-Bescheinigung) vorweisen und ihre Schützlinge bei der zuständigen Naturschutzbehörde anmelden. Acht Bundesländer haben darüber hinaus Rechtsvorschriften erlassen, die das Halten bestimmter Tierarten aus Gründen der Gefahrenabwehr untersagen. Ein Vergleich dieser Negativlisten zeigt, dass von Bundesland zu Bundesland unterschiedliche Tierarten reglementiert sind. Für die vollziehenden Behörden, aber auch für die Tierhalter selbst entsteht ein kaum durchschaubares Netz an Vorschriften. In Hessen beispielsweise ist die Haltung einer Anakonda (Eunectes murinus) per Gesetz verboten, in Bremen ist die Haltung genehmigungspflichtig, und im benachbarten Niedersachsen taucht die Schlange – trotz einer zu erwartenden Endlänge von neun Metern – in der Gefahrtierverordnung nicht auf. Da diese Tierart jedoch in Anhang II des Washingtoner Artenschutzübereinkommens

Selbst Waschbären musste die niederländische Tierschutzstiftung AAP schon aufnehmen (oben). In Belgien dürfen sie - dank der dortigen Positivliste - nicht mehr privat gehalten werden. Ebenso wenig wie Savannahkatzen (unten).

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[ t i t e lt h e m a ] aufgefĂźhrt ist, mĂźssen alle Tierhalter bundesweit ihre Tiere der zuständigen NaturschutzbehĂśrde melden. Aus ArtenschutzgrĂźnden sollten auch Tierarten, deren Verbreitung in Deutschland die heimische Tierwelt gefährden wĂźrde (invasive Arten), nicht von jedermann gehalten werden. Hier sind bisher aber nur der Amerikanische Biber, das GrauhĂśrnchen sowie Geier- und SchnappschildkrĂśten von einem Besitz- und Vermarktungsverbot gemäĂ&#x; Bundesartenschutzverordnung betroffen. Eine Negativliste aufzustellen, die alle Tierarten enthält, die dem Menschen gefährlich werden kĂśnnen (Säugetiere, Fische, Insekten, Spinnentiere, Reptilien etc.), und die auch diejenigen Tiere auffĂźhrt, die aus Tieroder ArtenschutzgrĂźnden nicht im Privathaushalt gehalten werden sollten, wäre enorm aufwendig. Die Liste wĂźrde Ăźberaus lang, und sie mĂźsste regelmäĂ&#x;ig Ăźberarbeitet werden, denn ständig werden neue Arten fĂźr den Heimtierhandel „entdeckt“, die von den Negativlisten bisher nicht berĂźcksichtigt wurden und dementsprechend noch zu bewerten wären. Tier- und Artenschutzexperten sind ständig in Zugzwang. Bis alle wissenschaftlichen Nachweise erbracht sind, um eine Population unter Artenschutz zu stellen und damit den Handel einzudämmen, vergehen meist mehrere Jahre. Erst recht dann, wenn Ăźber die Lebensweise der betreffenden Tierart noch kaum etwas bekannt ist. Unzählige Tiere mĂźssen bis dahin unter unzureichenden Haltungsbedingungen dahinvegetieren, leiden und sterben. Eine Positivliste fĂźr den Tierhandel hingegen wĂźrde nur diejenigen Tierarten auffĂźhren, die auch tatsächlich gehalten werden dĂźrfen. Sie wäre kĂźrzer und Ăźbersichtlicher als eine Negativliste. Bis dato noch nicht gehandelte Tierarten dĂźrften nicht auf den deutschen Markt kommen, bevor nicht ein Antrag auf Aufnahme dieser Tierart auf die Positivliste genehmigt worden wäre. Den Nachweis, dass eine neu aufzunehmende Tierart Menschen und Tieren nicht gefährlich werden kann, dass ihre Entnahme aus der

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Natur, der Transport, die Quarantäne Aus Tier- und Artenschutzsicht wäre eiund die Haltung der Tiere beim Händ- ne Positivliste von Tieren, die gehalten ler und am Bestimmungsort sowohl und gehandelt werden dĂźrfen, daher unter Artenschutz- als auch unter in jeder Hinsicht zu begrĂźĂ&#x;en. Belgien Tierschutzaspekten unproblematisch war das erste Land in Europa, das vor sind und dass sie die heimische Flora vier Jahren eine Positivliste eingefĂźhrt und Fauna nicht gefährdet, mĂźssten hat, die vorerst nur Säugetierarten bediejenigen erbringen, die an diesem rĂźcksichtigt. Seitdem dĂźrfen in Belgien Handel interessiert sind. nur Säugetiere gehalten werden, die Die BehĂśrden hätten zeitlich, aber auf der Positivliste aufgefĂźhrt sind. Ausauch inhaltlich Erleichterung beim nahmen gibt es zum Beispiel fĂźr Zoos, Vollzug, da die4(7! Fachkenntnis Ăźber die Zirkusse oder Tierheime. 6=,9=0,>6-;/,*<99,5;3,.0:3(;06565;/,790=(;, begrenzte Anzahl an gehaltenen Arten Damit ein Tier in die belgische Posi2,,705.6-,?6;0*7,;: leichter zu Ăźbermitteln und die Vor- tivliste aufgenommen wurde, musste schriften einfacher zu vollziehen wären. es bestimmten Kriterien genĂźgen:

1 country)LSNP\TOHZHTHTTHSZ VUS`WVZP[P]LSPZ[H[HUH[PVUHSSL]LS 22 countriesOH]LHULNH[P]LSPZ[H[ HUH[PVUHSSL]LSWYVOPIP[PUN[OLWYP]H[L RLLWPUNVMJLY[HPUHUPTHSZWLJPLZ 19 countriesOH]LYLX\PYLTLU[ZMVY HUH\[OVYPZH[PVUH[H5H[PVUHSSL]LS WLYTP[YLNPZ[YH[PVUSPJLUJLL[J JV\U[YPLZSHJRHU`YLZ[YPJ[PVUVU RLLWPUNH[UH[PVUHSSL]LS

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SK::SV]HRPH TR: ;\YRL` UK:<UP[LK2PUNKVT

EUROGROUP FORdie ANIMALS Die Eurogroup for Animals informiert Ăźber Rechtslage zur Privathaltung exotischer Wildtiere in der EU: WeiĂ&#x;: In 3 Staaten gibt es keinerlei Bestimmungen. Schraffiert: In 19 Staaten gibt es auf nationaler Ebene Vorschriften. Orange: 22 Staaten verbieten die Haltung bestimmter Tierarten (Negativlisten). Blau: Belgien hat eine Positivliste erlassen (die Niederlande haben zwischen­ zeitlich nachgezogen).




FOtos: schick und klick/U. Lang (3), Imago (2), Tierschutzverein Augsburg, DPA (5), Tierheim Emden, ANimals-digital.com/Th. brodmann, Stichting AAP

Anlässlich der Eröffnung der neuen Affenstation auf dem Gelände der niederländischen Tierschutzorganisation Stichting AAP startete die Eurogroup for Animals ihre europaweite Kampagne zur Einführung von Positivlisten für die Tierhaltung.

n Die Tierart sollte leicht zu halten und unterzubringen sein, ohne dass ihre physiologischen, ethologischen oder ökologischen Bedürfnisse beeinträchtigt werden. n Die Tierart sollte nicht von aggressiver Natur und/oder gefährlich sein; sie sollte keine weitere besondere Gefahr für die Gesundheit des Menschen darstellen. n Es sollte kein Anzeichen vorhanden sein, dass die Tierart fähig wäre, in der Natur zu überleben und eine Gefahr für die heimische Fauna darzustellen. n Es muss verfügbare Literaturdaten über die Haltung der Tierart geben. n Wenn es widersprüchliche Daten gibt, wird im Zweifel zum Wohle des Tieres entschieden. Die Positivliste wurde in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern, den Interessengruppen der Tierhändler, der Tierhalter und der Tierschützer als Kompromiss zwischen dem Tierwohl und den Interessen der betroffenen Personengruppen erarbeitet. Falls jemand dennoch ein Tier halten möchte, das nicht auf der Liste erscheint, hat er durchaus die Möglichkeit dazu. Er muss dazu allerdings die Zustimmung des Ministeriums einholen. Diese ist zu erhalten,

wenn aufgezeigt werden kann, dass man sachkundig über die Lebensgewohnheiten und die Bedürfnisse der zu haltenden Tierart ist. Außerdem muss eine detaillierte Beschreibung der geplanten Unterbringung und Betreuung des Tieres beiliegen. Über den Antrag muss innerhalb von sechs Monaten entschieden werden. Die Aufnahme neuer Arten in die Liste kann ebenfalls beantragt werden, indem die notwendigen Informationen zur vorgeschlagenen Art übermittelt werden. Falls man eine Tierart der Positivliste hinzufügen will, muss ein Dossier eingereicht werden, das belegt, dass es ausreichend wissenschaftliche Nachweise gibt, die zeigen, dass die betroffene Tierart von jedermann, selbst von jemandem ohne spezifische Vorkenntnisse, ohne Risiko für das Wohlergehen des Tieres gehalten werden kann. Eine Entscheidung wird innerhalb von sechs Monaten getroffen. Belgien zeigt sich zufrieden mit den Erfahrungen, die mit der Positivliste gemacht wurden. Das Ministerium plant nun, eine solche für die Haltung von Reptilien fertigzustellen. Die Niederlande haben am 19. Juni 2013 nachgezogen und ebenfalls eine Positivliste für die Haltung von Säugetie-

ren im Privathaushalt verabschiedet. Passenderweise startete die Eurogroup for Animals, der europäische Dachverband des Tierschutzes, dem der Deutsche Tierschutzbund als Gründungsmitglied angehört, ihre Kampagne für die Einführung von Positivlisten am 10. Juli auch in den Niederlanden. Anlässlich der Eröffnung ihrer neuen Primatenauffanghalle in Almere bei Amsterdam hatte die Stichting AAP die Räumlichkeiten dafür zur Verfügung gestellt. Es bleibt zu hoffen, dass weitere europäische Länder dem Beispiel Belgiens und der Niederlande folgen werden und dass auch Deutschland sich für diese Lösung öffnet. In den Wahlprogrammen einiger Parteien finden sich Aussagen zum Wildtierhandel, was zeigt, dass die Probleme erkannt werden. Ob den Worten nach der Bundestagswahl auch Taten folgen werden und ob diese im Sinne der Tiere erfolgen und nicht den Wünschen des Handels gehorchen, bleibt eine spannende Frage. DR. HENRIETTE MACKENSEN

Belgien

Auszug aus der Positivliste Haushund (Canis familiaris) Hauskatze (Felis catus) Esel (Equus asinus) Pferd (Equus caballus) Schwein (Sus scrofa) Lama (Lama glama) Rind (Bos taurus) Ziege (Capra hircus) Schaf (Ovis aries) Goldhamster (Mesocricetus auratus) Hausmaus (Mus musculus) Wanderratte (Rattus norvegicus) Meerschweinchen (Cavia porcellus) Die vollständige belgische Positiv­ liste ist im Internet einzusehen über die Website www.health.belgium. be/eportal/AnimalsandPlants/ index.htm (Linker Frame: elever & détenir des Animaux / Liste positive)

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[ Jugend] Adolf-Hempel-Jugendtierschutzpreis

Originelle Ideen und ausgezeichnete Projekte Mit enormem Enthusiasmus und viel Fantasie haben sich auch in den vergangenen zwei Jahren Jugendliche für den Tierschutz eingesetzt. Besonders beeindruckend waren die fünf Initiativen, die jetzt mit dem Adolf-Hempel-Jugendtierschutzpreis ausgezeichnet wurden.

E

inzelinitiativen können Breitenwirkung zur Folge haben, kleine Aktionen viele Nachahmer finden und fantasievolle Projekte viel bewegen. Das haben die Jugendlichen bewiesen, die im Rahmen der Mitgliederversammlung des Deutschen Tierschutzbundes (siehe auch Seite 32– 37 in dieser Ausgabe) für den AdolfHempel-Jugendtierschutzpreis nominiert waren. Dieser Preis wird alle zwei Jahre von der Akademie für Tierschutz des Deutschen Tierschutzbundes an junge Menschen verliehen, die sich besonders im Tierschutz engagieren und für das Wohl der Tiere einsetzen. In diesem Jahr wurde er zum siebten Mal vergeben, und wieder zeigte sich die Jury beeindruckt von der Fantasie und dem Ideenreichtum junger Menschen.

Wildkatzen brauchen Schutz So bewarb sich die Jugendgruppe des Tierschutzvereins Eisenach mit ihrem Wildkatzenschutzprojekt. Die Jugendlichen zwischen acht und 16 Jahren setzten sich mit dem Leben der heimischen Wildkatzen auseinander und verglichen es mit dem unserer Hauskatzen. Dabei wurde schnell klar, dass Wildkatzen ganz anders sind als Hauskatzen. Um sich selbst ein Bild von den seltenen „Wilden“ zu machen, besuchte die Jugendgruppe das Wildkatzendorf in Hütscheroda (Thüringen). Dort setzte sie sich kritisch mit der Haltung der insgesamt vier Wildkatzen auseinander

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und sammelte Argumente zu Vor- und Nachteilen der Gefangenschaft. Neben zahlreichen anderen Nachteilen stellten die Jugendlichen auch fest, dass eine Auswilderung dieser in Gefangenschaft geborenen Tiere nicht infrage kommt. Später, beim Tierheimfest des Tierschutzvereins Eisenach, befragten die Jugendlichen die Besucher nach dem Wildkatzendorf. Das Dorf der wilden Katzen war gut bekannt, und es gab nur wenige Einwände gegen diese Anlage. Die Jury beeindruckte, neben der selbstständigen Arbeitsweise, die kritische Auseinandersetzung mit dem Thema, die sich in den Projektergebnissen widerspiegelt, sowie die Hartnäckigkeit der Jugendlichen. Sie sammelten Spenden und verschenkten als Dank selbst gebastelte Karten, um die Kosten des Ausflugs zu refinanzieren. Jetzt können sie sich über 300 Euro mehr freuen, denn die Jury wählte das Wildkatzenprojekt auf den dritten Platz.

Karussellponys leiden Qualen Das Ponykarussell auf einer örtlichen Kirmes inspirierte die acht bis 14 Jahre alten Tierschützer des Vereins „Achtung für Tiere“ aus Gütersloh zu einer Kampagne gegen dieses Jahrmarktsangebot. Die Gruppe beschloss, möglichst viele Menschen auf das stumpfsinnige Im-Kreis-Laufen und das Leid der Tiere aufmerksam zu machen. Die Jugendlichen befragten Fachleute, fotografierten

die Bedingungen auf dem Jahrmarkt und hielten fest, was sie an den dortigen Pferden beobachteten. Auch über das natürliche Pferdeverhalten und die artgerechte Tierhaltung sammelten sie Informationen, beobachteten Pferde im Offenstall und diskutierten ihre Erfahrungen. Anschließend erstellte die Jugendtierschutzgruppe eigenes Material für eine Ausstellung mit Plakaten, Bannern und Bildern. Eindrucksvolle Slogans wie „Ponys sind keine Karussellfiguren“ oder „Durchdrehen für einen kurzen Spaß“ komplettierten das Projekt. Damit starteten die jungen Tierschützer viele Aktionen, um ihr Anliegen bekannt zu machen. Bei einem Gottesdienst führten sie ein eigens kreiertes Theaterstück auf, in der Innenstadt waren sie mit einem mobilen Bauchladen-Info-Stand vertreten. Dabei sammelten die engagierten Tierschützer etwa 600 Unterschriften gegen das Ponykarussell auf der Gütersloher Kirmes. Die Jury zeichnete das Projekt mit einem zweiten Preis aus, der mit 600 Euro dotiert war.

Ethikgruppe langjährig aktiv An ein langfristiges Projekt wagte sich die Ethikgruppe der Dr.-Auguste-Kirchner-Realschule im bayerischen Haßfurt. Mit großem Erfolg: Schon 2010 beschlossen die Jugendlichen der damaligen fünften Klasse, ein Hilfsprojekt umzusetzen. Sie entschieden sich,


1. PREIS: Pfandflaschen-Bons für den Tierschutz sammelten Alice Degelow und Lena Merkle in Boxen im Supermarkt (oben). Mit dem Erlös ihrer ersten Aktion konnte das Tierheim Reutlingen die Operation des Hundes „Pamuk“ bezahlen. Herbert Lawo bedankte sich, auch im Namen des Tierschutzvereins (Bild links).

2. PREIS: Oben: Die Jugend von „Achtung für Tiere“ Gütersloh machte mobil gegen Ponykarusselle. Unten: Seit 2010 unterstützte die Ethikgruppe der Dr.-Auguste-KirchnerRealschule die Tierschutzinitiative Haßberge. 3. PREIS: Der Jugendgruppe des Tierschutzvereins Eisenach liegt das Schicksal der vom Aussterben bedrohten europäischen Wildkatze am Herzen. Sie beschäftigten sich intensiv mit dem natürlichen Verhalten der Tiere.

nach einer Besichtigung, für die „Tierschutzinitiative Haßberge“. Die Jugendlichen wurden schnell aktiv, und sie sind es bis heute geblieben. Zwei Tombolas führten sie durch, riefen schulintern zu Futterspenden auf und veranstalteten einen Kuchenverkauf. Gemeinsam mit der Schülervertretung organi-

sierte die Ethikgruppe einen schulinternen Sponsorenlauf. Alle Erlöse aus diesen Aktionen plus die Erlöse der Schülerzeitung gingen an die Tierschutzinitiative. Vorläufiger Höhepunkt der Bemühungen der Ethikgruppe war ein Projekttag der fünften Klassen zum Schwerpunktthema Tierschutz, der du und das tier 4/2013 19


[ Jugend] im Januar in der Schule stattfand (siehe auch du und das tier 2/2013, Seite 21). Bemerkenswert für die Jury war in diesem Zusammenhang, dass die aktiven Schülerinnen und Schüler der Ethikgruppe und der Schülervertretung diesen Projekttag mitgestalteten, an der Seite der verantwortlichen Lehrer Verantwortung übernahmen und ihr Wissen weitergaben. Sie verlieh deshalb in diesem Jahr einen weiteren zweiten Preis in Höhe von 600 Euro, den die Ethikgruppe der Dr.-AugusteKirchner-Realschule in Haßfurt erhielt.

ein Reutlingen fanden Alice und Lena dann auch ein passendes Projekt vor Ort, das sie unterstützen wollten. Auf dem Frühlingsfest konnten sie ihre erste große Spende feierlich überreichen. Mit dem Geld wurde die Operation des Fundhundes „Pamuk“ bezahlt. Die Jury war begeistert von der Eigeninitiative und vom Erfolg der zwei Mädchen und übergab ihnen den ersten Preis in Höhe von 1.000 Euro.

lich kreative Engagement mit einem Sachpreis gesondert ausgezeichnet. Acht ausgewählte Motive werden als Postkarten zu je 1.000 Stück gedruckt, sodass die Bayerische Tierschutzjugend umfangreiches Kampagnenmaterial für ihre weitere Arbeit erhält. Die Plakatmotive kamen in Traunstein bereits zum Einsatz (s. S. 21).

Mitreißende Kampagnenmotive

Nicht verpassen:

Ein Sonderpreis wurde in diesem Jahr ebenfalls vergeben. Er ging an Flaschenbons helfen Tieren das innovative Fotoprojekt der BaEine tolle Aktion, die beispielhaft für yerischen Tierschutzjugend, die seit andere tierliebe Jugendliche sein Jahren den Tierschutzgedanken mit könnte, starteten vor zwei Jahren die fantasievollen Aktionen umsetzt. Der damals 14-jährigen Schülerinnen Alice kreative Einsatz der Jugendlichen zwiDegelow und Lena Merkle. „Bottles for schen 14 und 27 Jahren erreichte mit Life“ nannten sie ihr Projekt: Die beiden einem umfangreichen Foto-Shooting, Mädchen wollten Pfandbons sammeln bei dem vielfältige Tierschutzanliegen und spenden. Sie entwarfen den Text aufgegriffen wurden, im März 2012 eifür einen Informations-Flyer, den ein Ver- nen neuen Höhepunkt. Dank des Enwandter professionell gestaltete und gagements einer Body-Painterin entdruckte. Auf der Suche nach einem standen kunstvolle und realistische geeigneten Aufstellungsort warben die Körperbemalungen wie Fellmuster beiden tierlieben Mädchen in Super- auf Händen oder die komplette Vermärkten um einen Platz für ihre Pfand- wandlung in Tiger oder Leopard. sammelbox. Und schließlich hatten sie Mit Hilfe zahlreicher Requisiten wie Erfolg: In Riederich durften die beiden Pelzmänteln, Gittern oder Plüschtieihre Sammelbox aufstellen – und die ren kreierten die Jugendlichen unterKunden waren begeistert. Innerhalb schiedliche Tierschutzmotive, die sie von rund sechs Monaten kamen aus anschließend in aufrüttelnden Szenen den vielen Einzelbeträgen an die 750 darstellten. In einem professionellen Euro zusammen. Mit dem Tierschutzver- Fotostudio entstanden so hochwertige Aufnahmen für die Kampagnenarbeit, gegen Tierversuche, gegen Pelze, gegen die Wildtierhaltung im Zirkus und für mehr Sensibilität beim Umgang mit Tieren (du und das tier berichtete in Ausgabe 6/2012, Seite 14f.). Die Jury war sehr beeindruckt von den packenden Kampagnenbildern und den einfühlsamen Slogans der selbst erstellten Plakate. Das Projekt erforderte eine differenzierte AuseinanderSONDERPREIS: Die Bayerische Tierschutzjugend setzung mit zahlreichen entwickelte mit einer Bodypainterin und einer FotoTierschutzthemen. Daher grafin Kampagnenplakate für ihre Tierschutzprojekte. wurde dieses ungewöhn-

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4/2013

Jugendtermine 06.09.13 bis 08.09.13 45721 Haltern – Arbeitstagung Tierschutzjugend NRW. Tagungshaus Gilwell St. Ludger. Für Gruppenleiter und Interessierte. Kosten: 15 Euro. Info: Tierschutzjugend NRW, Tel.: 02323 – 51616, E-Mail: herne@ tierschutzjugend-nrw.de 07.09.13 bis 03.05.13 99817 Eisenach – Workshop Tierschutz im Einkaufskorb. Für Kinder von 10 bis 15 Jahren. Anmeldung bis 23.08. beim Tierschutzverein Eisenach. E-mail: tierschutzverein.esa.pressesprecher @web.de 20.09.13 bis 22.09.13 48653 Coesfeld – Artenschutz, was ist das? Für Kinder und Jugendliche von 8 bis 13 Jahren. Kosten: 20 Euro. Anmeldung: Tierschutzjugend NRW (s.o.) 11.10.13 bis 13.10.13 45721 Haltern – Rund ums Pferd. Kosten: 20 Euro. Für Kinder und Jugendliche von 7 bis 13 Jahren. Anmeldung: Tierschutzjugend NRW in Kooperation mit der Natur- und Umweltschutzakademie des Landes NRW (s.o.) 26.10.13 bis 27.10.13 85579 Neubiberg – Auftreten und Argumentationen im Tierschutz. Für Jugendliche und junge Erwachsene. Kosten: 45 Euro. Anmeldung bis 23.08. bei der Bayerischen Tierschutzjugend, Tel.: 09732/4588. E-Mail: friedl.marion@ t-online.de Weitere Jugendtierschutztermine:

www.tierschutzbund.de/ jugendtermine


Jugendprotest

FOTOS: DEUTSCHER TIERSCHUTZBUND (5), BAYERISCHE TIERSCHUTZJUGEND (3), TIERSCHUTZVEREIN REUTLINGEN (2)

Zirkus: Kein Spaß für Tiere N ashorn, Elefant oder Bären im Zirkus beschäftigen zahlreiche Jugendtierschutzgruppen. Die beengte Haltung, lange Transportwege und unnatürliche Dressuren sind kein Spaß für Tiere. Die Bärenbande Dortmund und die Bayerische Tierschutzjugend setzten sich daher nachdrücklich für ein Wildtierverbot im Zirkus ein. Als der Zirkus Universal Renz in Dortmund gastierte, organisierte die Bärenbande, Tierschutzjugend des Tierschutzvereins Groß-Dortmund, eine Mahnwache. Die Aktiven protestierten mit Plakaten gegen die Wildtierhaltung des Zirkusunternehmens. Selbstgestaltete Informationsblätter klärten interessierte potentielle Besucher auf. Tatsächlich konnten zumindest einige zur Umkehr bewegt werden. Die Bayerische Tierschutzjugend demonstrierte im Sommer vor dem in Traunstein gastierenden Zirkus Krone. Mit Sprechchören vertrat sie ihren Standpunkt. Banner mit Sprüchen wie „Kein Applaus für Quälerei“ zeigten schon von weitem ihre Einstellung zu dem Thema. Den jungen Tierschützern ging es nicht allein um die schlechte Haltung der Tiere. Sie machten lautstark auf die Zurschaustellung und Ausbeutung der Zirkustiere aufmerksam. Die Jugendlichen ließen sich auch dann nicht beirren, als Zirkusmitarbeiter Lautsprecher aufstellten, um die Rufe der Tierschützer mit lauter Musik zu übertönen. Mit Parolen wie „Tiere fühlen! Tiere leiden! Stoppt, stoppt die Tierausbeutung!“ erregten sie viel Aufmerksamkeit. Beide Veranstaltungen waren sehr erfolgreich. Die jungen Tierschützer diskutierten mit Besuchern, verteilten Flyer und zeigten deutlich eine Gegenposition zur heilen Zirkuswelt. Nicht alle Besucher waren mit den Tierschutzgedanken einverstanden, einige schimpften sogar, Andere Bürger konnten die jungen Tierschützer jedoch zum Nachdenken bringen.

Oben: In Traunstein demonstrierte die Bayerische Tierschutzjugend mit ihren neuen Plakaten für die Freiheit der Wildtiere. Mitte: Elefanten, wie hier bei Krone, können unter Zirkusbedingungen nicht artgerecht leben. Unten: Mit klaren Worten protestierte die Bärenbande in Dortmund gegen das Mitführen von Wildtieren im Zirkus.

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Zum Abschied

Elfriede Falk 1921–2013

„Noch ein letzter Blick nach oben. Lasst uns Gottes Fügung loben, dort, wo Not ist, hinzusehen und den rechten Weg zu gehen.“

D

iese Zeilen von Elfriede Falk als ihr Lebensmotto auszurufen würde der Person sicher nicht gerecht, denn ihr Leben währte über 90 Jahre, bevor es im April 2013 endete. Nur ein Motto über alle diese Jahrzehnte – das erscheint mir viel zu wenig. Ich habe diese Gedichtzeilen im Buch „Märchenhafte Viechereien“ gefunden, das Elfriede Falk getextet und Gitta Wünsch vom Tierschutzverein Garmisch-Partenkirchen illustriert haben, vor vielen Jahren schon. Diese Zeilen ermöglichen mir eine respektvolle Annäherung an eine langjährige Wegbegleiterin, die nicht nur ich vermissen werde. Das Leben von Elfriede Falk ist untrennbar mit der Akademie für Tierschutz verbunden gewesen – geistig wie räumlich. Geprägt von ihrem Stiefvater, dem Neubiberger Buchhändler Adolf Hempel, reifte ein Tier-

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den kulissen]

schutzgedanke in ihr heran, der letztendlich dazu führte, dass sie – der Not ansichtig geworden – einen Weg einschlug, den sie unerschütterlich als den rechten empfand. Sie sorgte, zu Lebzeiten des Stiefvaters noch, dafür, dass der Deutsche Tierschutzbund unter dem damaligen Präsidenten Andreas Grasmüller Haus und Grundstück der Familie erhalten würde, um in der unmittelbaren Nachbarschaft Münchens ein beispielloses Projekt zu starten. Es ging um nichts weniger als den Aufbau, den Betrieb und die Weiterentwicklung einer Tierschutz­ akademie, die mit einem breiten Seminarangebot systematisch einen fachlich fundierten Tierschutzgedanken weitertragen sollte. Ich bin mir sicher, dass damals wie heute nur sehr wenige Menschen zugunsten einer solchen Idee auf ihr Erbe verzichten würden. Ein großes Geschenk, eine mutige Entscheidung. Als die Zeit kam, haben wir damals, 1984, sozusagen vor ihren Augen, aber mit ihrer Billigung, das Haus ihres Vaters entkernt und in den Baukörper der Akademie für Tierschutz eingefügt. Elfriede Falk bezog in „ihrer“ Akademie eine Wohnung und verfolgte das erste Vierteljahrhundert unserer Geschichte, die auch die ihrige war, aus allernächster Nähe. Während in den ersten Jahren noch viele Papageien und Beos in großen Volieren lautstark von unserer Arbeit zeugten, kam es nach und nach zu Veränderungen, die unweigerlich mit einer Erfolgsgeschichte einhergehen. Besonders hier zeigte sich das große Vertrauen, das Elfriede Falk uns immer wieder schenkte: Sie gab stets ihren Segen für konzeptionelle Neuerungen und bauliche Erweiterungen, war immer werbend in unserer Nachbarschaft tätig und hat mit ihrem persönlichen Einsatz zu einem gedeihlichen Miteinander inmitten des verkehrsberuhigten Wohngebietes am Rande der Großstadt beigetragen, das sich bis heute ein wenig Gartenstadtcha-

rakter erhalten konnte. Der auf weitsichtigen Wunsch von Adolf Hempel überwiegend naturbelassene Wald auf dem Areal der Akademie ist ein Teil davon und wird es bleiben. Sehr viel Akademie, sehr wenig Elfriede Falk – meinen Sie nicht auch? Wie ich schon sagte, beides gehört untrennbar zusammen. Aber es gibt noch einen Grund, warum ich einen rein personenbezogenen Nachruf vermeide: Respekt. Denn Elfriede Falk wählte ganz bewusst eine stille Beerdigung, wollte keine Reden, keinen lauten, aufwendigen Abschied. Sie wollte diese Welt leise verlassen, in Würde und in aller Bescheidenheit. Das war ihr ausdrücklicher Wunsch und eine Entscheidung, die zu respektieren ist. Wir haben sie Ende Mai auf ihrem letzten Weg begleitet. Die vielfach hochgeehrte Tierschützerin Elfriede Falk ist am 16. April 2013, kurz vor ihrem 92. Geburtstag, gestorben. Sie war umsorgt von ihren Freunden, die ihr stets Kraft und Lebensfreude schenkten – ihnen war sie unendlich dankbar für die Fürsorge und Freundschaft, ohne die ein hohes Alter wenig erstrebenswert ist. Wir haben mit allen Menschen, die ihr wichtig waren, an ihrem 90. Geburtstag ein letztes großes Fest gefeiert und dabei gemeinsam mit Wolfgang Apel nochmals Danke gesagt. Sie hat sich auf diesen Tag gefreut und jede Minute – da bin ich mir sicher – von Herzen genossen. Was an dieser Stelle zu sagen wäre, nun, wir haben es ihr damals sagen dürfen – zu Lebzeiten, unter Freunden. Das war gut so. *** Wenn es abends spät wird im Büro und ich dann den Heimweg antrete, führt mich mein Weg über den Hof zum Auto. Diese kurze Strecke war stets verbunden mit einem letzten fragenden Blick nach oben: Ist noch Licht bei Frau Falk, geht es ihr gut? Der Fernseher flimmerte, in der Küche ein Schatten … Alles in Ordnung. Frau Falk ist da, die Akademie in guten Händen. *** Ein guter Geist hat uns verlassen. Danke für alles. Dr. Brigitte Rusche

Fotos: Deutscher Tierschutzbund

[ Hinter


Spendabel: Dringend benötigt, eine Voliere für die Vögel! Elfriede Falk finanziert 1994 den praktischen Tierschutz an „ihrer“ Akademie mit, Wolfgang Apel dankt. (Bild rechts) Rundgang im Akademie-Wald am 90. Geburtstag (v.l.n.r.): Elfriede Falk, Dr. Brigitte Rusche, Roman Kolar (stv. Leiter der Akademie für Tierschutz) und Wolfgang Apel

Dieses ewige „Warum“ VON ELFRIEDE FALK Warum kann ein Tier nicht klagen Und muss allen Schmerz ertragen? Kann nicht weinen und bleibt stumm. Dieses quälende „Warum“. Nicht in vielmillionen Jahren wird die Menschheit je erfahren, wofür Tiere büßen müssen, ohne Schuld ihr Leben ließen.

Ehrung (Bild oben): Elfriede Falk erhält 2001 das Ehrenkreuz der Akademie für Tierschutz von Wolfgang Apel und Dr. Brigitte Rusche (rechts). Die Goldene Ehrennadel folgt 2011. Am 9. Mai wäre Elfriede Falk 30 Jahre Mitglied im Deutschen Tierschutzbund gewesen.

Lasst uns dieses Wort „Warum“ doch einmal für uns verwenden. Warum sind wir gar so schwach, dieses Elend zu beenden? Hör’n wir auf, davon zu reden, vielmehr Pflicht ist es für jeden, Mitgeschöpfe zu begleiten, brüderlich zu allen Zeiten. Selbst das allerbeste Heim kann nur kleine Hilfe sein. aus: „Märchenhafte Viechereien – Wahre

Überraschungsgast (Bild unten): Zum 90. Geburtstag schleicht er sich heimlich in den Saal – Wolfgang Apel gratuliert und dankt Elfriede Falk.

Tiergeschichten in Bildern und Reimen“ von Elfriede Falk (Text) und Gitta Wünsch (Illustration)

Schnappschuss (rechts, zweites Bild von oben): eine Tierfreundin verteilt Streicheleinheiten … (Bild darunter) Im Umweltgarten der Gemeinde Neubiberg wird 2006 der frühere Präsident des Deutschen Tierschutzbundes und wichtige Weggefährte von Elfriede Falk, Andreas Grasmüller, geehrt (v.l.n.r.: Akademieleiterin Dr. Brigitte Rusche, Landrätin Johanna Rumschöttel, Elfriede Falk). (Bild rechts) Freude unter Freunden: Elfriede Falk (Mitte) feiert zum 90. ein großes Fest in „ihrer“ Akademie.


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More than Honey Vom Leben und Überleben der Bienen 208 S., mit farbigem Bildteil, Paperback, Orange Press, Freiburg 2013, ISBN: 978-3-936086-67-6, 20,00 Euro DVD: Markus Imhoof (Regisseur) | Alterseinstufung: Freigegeben ab 6 Jahren | Format: DVD, Senator Home Entertainment (Vertrieb Universum Film), 2013, Spieldauer: 90 Minuten

B

ienen bevölkern die Erde seit 80 Millionen Jahren. Weltweit sammeln sie Pollen für ihre Brut und bestäuben dabei Blütenpflanzen. Der Mensch macht sich dies seit Urzeiten zunutze. Das „kleinste Nutztier des Menschen“ muss nicht zur Arbeit angehalten werden: Bis zu sieben Millionen Blüten kann eine Kolonie Honigbienen täglich besuchen. Fast 100 Obst- und Gemüsesorten – so unterschiedliche Arten wie Äpfel, Kirschen, Spargel, Sojabohnen, Pfirsiche oder Gurken – sind auf die Bestäu-

24 du und das tier

4/2013

bung durch Bienen angewiesen. Die Bedeutung der Bienen für die Ernährung der Menschen geht daher weit über die Honigproduktion hinaus.

Die Autoren Markus Imhoof und Claus Peter Lieckfeld

Bienen liefern weit mehr als Honig (Englisch: More than Honey): Sie sind für 30 Prozent (etwa ein Drittel) der globalen Ernte verantwortlich. Das Sterben der Bienenvölker, das seit einigen Jahren beobachtet wird, hat daher auch dramatische Konsequenzen für die Weltbevölkerung. „Wenn jährlich 70 Prozent der Kühe sterben würden oder auch nur 30 Prozent der Hühner, würde überall der nationale Notstand ausgerufen“, schreiben Markus Imhoof und Claus Peter Lieckfeld in ihrem


FOTOS: ZERO ONE FILM, MARE ONLINE, FOTOLIA.COM/FFFRANZ

Andreas Grabolle www.TIERethik.net

Die Diskussion um Tierschut z spiegelt die Pluralität gesellsch aftlicher Werteordnungen wider: Von der Forderung nach besseren Lebensbe dingungen jener Tiere, die als „Nutztier e“ gehalten werden, bis hin zur bedingungslosen Abschaffung jeder Form der Tiernutzung.

Mit gutem Gefühl essen und genießen. 415 S., Wilhelm Goldmann Verlag, München, TB, 2012. ISBN: 978-3-442-17316-7, Preis: 8,99 Euro. TIERethik Zeitschrift zur Mensch-Tier-Be

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Unser Verhältnis zu Tieren unterliegt einer Revision. Grund dafür ist ein verändertes gesellschaftliches Bewusstsein. Dieses spiegelt sich mittlerweile in Forschungsansätz en vieler Disziplinen wider, denn die Frage nach dem Tier ist umfassen der Natur. TIERethik ist ein Forum für diesen noch jungen Diskurs.

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Versachlichung als Mittel zur Deutungshoheit zur Entstehung

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Tierschutz und EU-Agrarpolitik: Zeitschrift zur Mensch -Tier-Beziehung

ieses Buch nennt zahlreiche Argumente dafür, kein Fleisch zu essen. Der Autor geht auf verschiedene Aspekte ein, die für eine vegetarische oder vegane Ernährung sprechen. Er setzt sich mit den Problemen der Tierhaltung, Schlachtung und Ressourcenverschwendung auseinander, der Entwicklungsgeschichte und den ethischen Aspekten des Fleischessens. Auch legt er dar, warum weder Fisch noch Wild eine Alternative sind. Schließlich erfährt der Leser, welche gesundheitlichen Risiken mit dem Konsum von Fleisch verbunden sein können und wie man sich auch vegan ausgewogen und gesund ernähren kann. Dennoch wird der Leser, der noch Fleisch isst, nicht verurteilt, sondern mit dem Kompromissvorschlag entlassen, den Fleischverzehr schrittweise zu reduzieren. „Kein Fleisch macht glücklich“ ist ein lesenswertes Buch. Es enthält umfangreiche, aktuelle, gut recherchierte Fakten und ist dennoch leicht zu lesen. Die teilweise komplexen Zusammenhänge werden in übersichtlichen kurzen Kapiteln vermittelt.

Zeitschrift zur MenschTier-Beziehung

TIERScHUTz

Je unwidersprochener für die einen die Verwertungslogik zur Normalität wird, desto deutlicher geraten paradoxe rweise für die anderen diejenige n in den Blick, die der Verwertungsindustr ie vollkommen ausgeliefert sind. Wir sehen in „Hochleistungstieren“ nicht nur mangelnden Tierschut z, sondern auch wirtschaftlichen Leistungswahn. In der Forderung nach mehr Tierschutz liegt deshalb immer auch der Sprengsto ff einer Gesellschaftskritik.

D

TIERethik

2013 /1 HEfT 6

Kein Fleisch macht glücklich

TIERethik

Vorwort zu diesem Buch, das ihren gleichnamigen Film begleitet. „Der Tod der Bienen ist aber mindestens so dramatisch, ja folgenreicher.“ In manchen Regionen der Schweiz haben bis zu 70 Prozent der Bienenvölker den Winter 2011/ 2012 nicht überlebt, in Deutschland nach Expertenschätzungen bis zu ein Drittel der Völker (rund 300.000 von rund einer Million), und in den USA stirbt seit 2006 jährlich durchschnittlich ein Drittel aller Bienenvölker. Im Detail sind die Ursachen des Bienensterbens noch nicht geklärt. Dass es die Eingriffe des Menschen sind, die das Bienensterben verursachen, darüber ist man sich jedoch einig. „More than Honey“ ist dennoch keine Katastrophen-Dokumentation. Wie der Film, begleitet auch das Buch Menschen, die von und mit Bienen leben: Großunternehmer, Imker, Züchter und Wissenschaftler. Die Autoren schildern deren Alltag, den Umgang mit den Bienen und die Beweggründe dafür. Das Szenario wirkt teilweise, als stamme es aus einem Science-Fiction-Film: Bienenvölker werden mit der Post verschickt oder per Lastwagen quer durch die USA transportiert. In Nordchina bestäuben Menschen – in Ermangelung von Bienen – Apfelblüten von Hand. Film und Buch dokumentieren die Realität des aktuellen Umgangs mit Bienen und sind damit weit eindrucksvoller als jedes Katastrophenszenario. Was ihn persönlich dazu bewogen hat, diesen Film zu drehen, und wie der Film innerhalb von fünf Jahren entstanden ist, schildert Filmregisseur Markus Imhoof in einem abschließenden Kapitel des Buches. Mit ihrem Film wollen die Autoren niemanden anklagen, sondern zum Nachdenken über den Umgang mit der Natur anregen und die politische Diskussion darüber voranbringen. Die faszinierende Dokumentation wird hoffentlich dazu beitragen, dass die Bienen überleben. ■

Peter Kunzmann

Sich wandelnde Verhältnisse Kirsten Schmidt

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Widerspruch oder Synergie

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zum Tier – Wandel im Tierschu

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Tierethik und Tierwohlforschu ng

Probleme und chancen einer Martin Huth

konfliktreichen Beziehung

„Negative Integrität“

Das Konzept der Leiblichk eit in der Ethik der Mensch-T christoph Maisack

ier-Beziehung

Novellierung als Rückschritt

die Änderungen im deutsche

n Tierschutzgesetz

Gieri Bolliger et al.

Die Schweizer Tierschutzstrafp

Eine Analyse der Stiftung

raxis 2011

für das Tier im Recht (TIR)

Literaturbericht 5. Jahrgang 2013/1 Heft 6

Herausgegeben von der ALTEX Edition

ALTEX-Edition (Hrsg)

TIERethik – Tierschutz Verein ALTEX Edition, Küsnacht, Schweiz 2013 (1), ISSN 1869-4950, Preis 19,50 Euro

T

IERethik ist die erste interdisziplinäre Zeitschrift im deutschsprachigen Raum, die sich auf wissenschaftlichem Niveau kritisch der Mensch-Tier-Beziehung widmet. Das Schwerpunktthema des aktuellen Heftes lautet Tierschutz. Neben dem jährlichen Literaturbericht zur Ethik der Mensch-Tier-Beziehung enthält das Heft unter anderem einen Beitrag zur Entstehung wissenschaftlicher Begriffe im Agrartierschutz (von Philipp von Gal), zum Thema „Tierschutz und EU-Agrarpolitik: Widerspruch oder Synergie?“ (Jens-Eberhard Jahn) sowie zum sich wandelnden Verhältnis zum Tier (Peter Kunzmann) und einen Beitrag von Kirsten Schmidt „Tierethik und Tierwohlforschung – Probleme und Chancen einer konfliktreichen Beziehung“. Das Themenheft zeigt die vielfältigen, wechselseitigen Abhängigkeiten von Theorie und Praxis, theoretischer Arbeit an Begriffen und naturwissenschaftlicher Forschung. Wie Chefredakteurin Dr. Petra Mayr in ihrem Vorwort erläutert, „entsteht in der wechselseitigen Verwiesenheit dieser unterschiedlichen Zugänge eine umfassende Perspektive auf den Tierschutz“. du und das tier 4/2013 25


[REZEPT]

Buchtipp

Vegane Rohköstlichkeiten aus dem Mixer Das Rezept entstammt dem Buch „Vegane Rohköstlichkeiten aus dem Mixer“ von Heike Kügler-Anger. Darin finden Sie ausnahmslos Gerichte ohne tierische Lebensmittel und bedenkliche Zusatzstoffe. Die Rezepte sind deshalb auch für Allergiker geeignet. In der Warenkunde lernen Sie exotische Zutaten und ihre Verwendung kennen, beispielsweise Chiasamen oder Gojibeeren. Die Rezepte bieten auch für alle, die saisonal essen wollen, eine große Auswahl. Neben Kaltsuppen, Smoothies und Dips können Sie auch leckere Eiscremes selber herstellen. Heike Kügler-Anger: Vegane Rohköstlichkeiten aus dem Mixer, 180 Seiten, pala-Verlag 2013. ISBN: 978-3-89566-317-8, € 14,00

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ZUBEREITUNG Die Frühlingszwiebel in Scheiben schneiden. Die Knoblauchzehe schälen und grob zerkleinern. Den Blumenkohl ebenfalls zerkleinern. Die Frühlingszwiebel, Knoblauchzehe und den Blumenkohl in den Mixbehälter geben. Das Wasser hinzufügen und alles kurz pürieren. Die Avocado halbieren und den Kern entfernen. Das Fruchtfleisch auslöffeln und mit dem Zitronensaft in den

Mixbehälter geben. Alles fein cremig pürieren. Den Schnittlauch unterrühren und die Blumenkohl-AvocadoSuppe herzhaft mit Salz und Pfeffer abschmecken. TIPP Es sieht nicht nur schön aus, sondern schmeckt auch gut, wenn Sie auf der Suppe vier Esslöffel gekeimte Mungobohnen oder gekeimte Adzukibohnen verteilen.

FOTO: PANTHERSTOCK.COM/S.KOLPAKOVA

Eine pikante Kaltschale


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[ AKTUELL] Patentreffen im Anholter Bärenwald

Zehn Jahre Bärenglück Gemeinsam mit der International Bear Federation (IBF) hatte der Deutsche Tierschutzbund zum Patentreffen anlässlich des zehnten Jubiläums in den Anholter Bärenwald eingeladen. Viele Paten, die das Bärenschutzprojekt unterstützen, reisten an den Niederrhein, um mit „ihren“ Schützlingen gemeinsam zu feiern. Neugierig waren die Gäste vor allem auf Neuzugang Maya. Die Bärin konnte erst voriges Jahr aus einer katastrophalen Haltung gerettet werden.

U

bärengruppe und drei Braunbären, die im allerletzten Moment vor der Tötung gerettet wurden. Heute gibt der Bärenwald insgesamt zehn Bären ein artgerechtes Zuhause und ist „eine Einrichtung mit Vorbildcharakter“, so Oltrogge. Absoluter Star des Tages war Maya, das neueste Mitglied der Bärenfamilie. Gemeinsam mit der IBF rettete der Deutsche Tierschutzbund die Braunbärin aus Litauen, wo sie über 15 Jahre lang ein trauriges Dasein in einem rostigen Käfig fristen musste. „Artgenossen und andere Tiere waren ihr fremd“, erklärte Walter Braun, ehemaliges Vorstandsmitglied der IBF. Menschen gegenüber ist Maya aufgeschlossen, die kennt

sie. Zur Freude der Paten setzte sich die Bärin während der Führung immer wieder auf die Hinterläufe, um für die Besucher am Zaun regelrecht zu posieren. Maya erfährt jetzt zum ersten Mal, was es heißt, natürlichen Boden unter den Tatzen zu haben. Ihr Verhalten zeigt jedoch auch, wie viel sie noch zu lernen hat. Noch wird sie in Einzelhaltung an ihr neues Zuhause gewöhnt. Die Vergesellschaftung mit den anderen Braunbärdamen Ronja, Mascha und Bensi ist für diesen Sommer geplant und wird der nächste Schritt ins neue Bärenleben. Hier im Bärenwald bekommt Maya endlich die Möglichkeit, ein glücklicher Bär zu sein, darin waren sich die Gäste bei Kaffee und Kuchen einig! ANNA KRÖLL

Während der Führung: die Kragenbären warten auf ihre Leckerbissen (rechts). Braunbärin Maya posiert für ihr Publikum (oben)

FOTOS: DEUTSCHER TIERSCHUTZBUND

nerwartet gutes Wetter hieß die rund 150 Bärenpaten und ihre Angehörigen in diesem Jahr im Anholter Bärenwald willkommen. Die zum Teil von weit her angereisten Besucher erhielten anlässlich des zehnjährigen Bestehens eine Präsenttasche und versammelten sich anschließend zu einem gemeinsamen Erinnerungsfoto. Günther Oltrogge, damals Vorsitzender der IBF, bedankte sich an diesem Tag vor allem bei den Paten für ihre wertvolle Unterstützung, denn „staatliche Zuschüsse gibt es leider nicht“. Tierschutzprojekte wie der Bärenwald sind daher auf das Engagement von Paten und Vereinsmitgliedern angewiesen. Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, betonte: „Wir sind stolz, ein solches Projekt begleiten zu können.“ Die Erfolgsgeschichte dieses Tierschutzprojektes begann mit einer Kragen-

Ronja, Bensi und Mascha in Kuschelstimmung

du und das tier 4/2013 31


Die Mitglieder des Präsidiums des Deutschen Tierschutzbundes (v.l.): Thomas Schröder, Wolfgang Apel, Renate Seidel, Jürgen Plinz und Dr. Hans-Hermann Lambracht (Dr. Brigitte Rusche konnte krankheitsbedingt an der Sitzung nicht teilnehmen.)

[ Aktuell]

Ehrenvizepräsident Dr. Hans-Hermann Lambracht (rechts) und Günther Oltrogge (links), Vizepräsident des Landestierschutzverbandes NordrheinWestfalen, wurden für ihre langjährige gute Arbeit gewürdigt.

Mitgliederversammlung 2013

Stimme für die Tiere „Stimme für die Tiere“ - unter diesem Motto stand am 8. Juni die Mitgliederversammlung des Deutschen Tierschutzbundes in Bonn. Neben den Forderungen an die Parteien zur anstehenden Bundestagswahl stand vor allem die bedrohliche Lage der Tierheime in Deutschland im Mittelpunkt. Das akute Hochwasser und die davon betroffenen Tiere standen ebenso auf der Tagesordnung.

D

ie einleitenden Worte des Präsidenten galten den durch Hochwasser betroffenen Tierheimen: „Was diese Tierschützerinnen und Tierschützer vor Ort in den letzten Tagen geleistet haben, war enorm. Das verdient unseren allergrößten Respekt.“ Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, dankte zugleich allen Vereinen, die den in Not geratenen Tieren sofort geholfen und Platz in ihren eigenen

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Einrichtungen geschaffen hatten. Der Länderrat hatte sich schon am Vortag mit der Hochwasserlage beschäftigt und auf Antrag des Präsidiums beschlossen, bis zu 500.000 Euro an zusätzlichen Zuschussmitteln aus den Rücklagen zur Verfügung zu stellen, um den betroffenen Tierheimen unbürokratisch zu helfen. Erste Hilfsaktionen waren bereits angeschoben (siehe Seite 40 in diesem Heft). Die Delegierten stimmten dem einmütig

zu. Diese Solidarität war während der gesamten Veranstaltung spürbar, besonders bei den tierschutzpolitischen Forderungen. Bereits am Vorabend der Versammlung waren viele Vertreter der Landesverbände und Mitgliedsvereine im Gustav-Stresemann-Institut zusammengekommen, um in Foren einzelne Themen intensiver zu beraten. Dazu gehörte das Thema „Rettet die Tierheime“, in dessen Rahmen


Oben: Alle Resolutionen wurden einstimmig beschlossen. Links: Schatzmeister Jürgen Plinz stellt in seinem Bericht über die Haushaltsjahre 2011 und 2012 erfreut heraus, dass so gut wie alle Bitten von Tierheimen um finanzielle Hilfe erfüllt werden konnten. Rechts: Thomas Schröder dankte den Delegierten der Mitgliedsvereine: „Ihre Arbeit vor Ort ist das Fundament des Tierschutzes.“

Links: Hans Jürgen Holler, Vorsitzender des Tierschutzvereins Groß-Essen e.V., begrüßte die verabschiedeten Resolutionen und ermutigte die Vereine, unmittelbar Gespräche mit den Politikern aufzunehmen. Rechts: Anna-Lena Hansen, Jugendvertretung, berichtete aus dem Jugendländerrat über die aktuelle Entwicklung der Jugendarbeit und über den Erfolg des neuen Ausbildungsprogramms für Tierschutzlehrer. Sie stellte der Versammlung auch die Preisträger des Adolf-Hempel-Jungendtierschutzpreises vor.

du und das tier  4/2013  33


[ Aktuell] der Deutsche Tierschutzbund mit den Delegierten die Lage bilanzierte. Der Dachverband hat in den letzten Monaten zusätzlich Tierheimberaterinnen eingestellt, die vor Ort mit den Vereinsvorständen und Tierheimleitungen bei der Umsetzung der Tierheimordnung helfen und zudem viele praktische Tipps für die tägliche Arbeit geben können. Die dabei gemachten Erfahrungen standen im Mittelpunkt der Diskussionen. Ganz praktisch wurde es auch im Themenforum „TEO“: Das Softwareprogramm „Tierschutz erfolgreich organisieren“ ist für die Vereine eine wichtige, auch kaufmännische Grundlage. In einem weiteren Forum stellte Wolfgang Apel das zweistufige Tierschutzlabel vor. Seine Botschaft fand einmütige Unterstützung: „Wir brauchen gesetzliche Mindeststandards, die Tierschutz im Stall garantieren, und für Oben: Die Satzungsänderungen erhielten eine Zustimmung von 97,5 Prozent der abgegebenen Stimmen – weit mehr als die erforderliche Zweidrittelmehrheit. Mitte: Die Preisträger des Adolf-Hempel-Jugendtierschutzpreises 2013 mit (v.l. oben) Wolfgang Apel, Ehrenpräsident des Deutschen Tierschutzbundes, Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, und Anna Lena Hansen, Jugendvertretung und Jurymitglied. Dieses Jahr wurde gleich zweimal ein zweiter Preis vergeben. Weitere Informationen zu den Initiativen der jungen Tierschützer, die mit dem Adolf-HempelJugendtierschutzpreis 2013 ausgezeichnet wurden, siehe Seite 18 ff. in diesem Heft. Unten: An Informationsständen konnten Fördermitglieder und Delegierte der Tierschutzvereine ihre Fragen klären – zum NEULAND-Verein für tiergerechte und umweltschonende Nutztierhaltung (re. im Bild: Geschäftsstellenleiter Torsten Walter), zu den Fachthemen des Deutschen Tierschutzbundes, zur Arbeit der Tierschutzjugend, zur Verwaltungs­ software TEO und zum Deutschen Haustierregister.

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den Verbraucher brauchen wir Klarheit. Beides haben wir heute nicht, der Gesetzgeber versagt komplett. Die betroffenen Tiere dürfen wir aber nicht alleine lassen, sondern müssen alles tun, um ihnen Schritt für Schritt mehr Platz, mehr Beschäftigung, kürzere Transporte und einen respektvolleren Umgang auch auf dem letzten Weg im Schlachthof zu verschaffen. Da es derzeit keine Alternative gibt, den betroffenen Tieren jetzt und sofort zu helfen, müssen wir den Weg des zweistufigen Tierschutzlabels gehen.“ Thomas Schröder ergänzte: „Das Tierschutzlabel ist nicht dazu da, Fleischverzehr zu verteidigen. Das Label, der Deutsche Tierschutzbund stehen für Verzicht, nicht für Verzehr.“

Hilfe für Tierheime

Neue Tierhilfewagen übergeben Fünf nagelneue Tierhilfewagen wurden im Rahmen der Mitgliederversammlung des Deutschen Tierschutzbundes am 8. Juni in Bonn an bedürftige Tierschutzvereine übergeben. Neben dem Tierschutzverein Oberhavel (Brandenburg), Tierschutzverein für Wiesbaden und Umgebung (Hessen), Tierschutzverein Speyer (Rheinland-Pfalz) und Tierschutzverein Aschersleben (Sachsen-Anhalt) freute sich der aktuell vom Hochwasser betroffene Tierschutzverein Hallertau

(Bayern) ganz besonders über das neue Automobil. Die von Whiskas und Pedigree gesponserten Tierhilfewagen erleichtern es den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Tierschutzvereine, verschiedenen Heimtieren in Not rasch zuverlässige Hilfe zukommen zu lassen. Insgesamt konnte der Deutsche Tierschutzbund damit in den vergangenen Jahren – dank Unterstützung der Futtermittelmarken – bereits 60 örtliche Tierschutzvereine mit Tierhilfewagen ausstatten.

Bundestagswahl 2013: Stimme für die Tiere „Auch wenn wir kleine Erfolge erreicht haben, steht der nötige Durchbruch noch aus“, bilanzierte Schröder. Zwar wurde das Tierschutzgesetz im vergangenen Jahr erstmals seit 25 Jahren vom Gesetzgeber überarbeitet, doch wurde eine wirksame Novellierung des Gesetzes von der Tiernutzerlobby und ihrem parlamentarischen Arm verhindert. „Die Bundesregierung hat allen fundierten Ratschlägen zum Trotz das TierSCHUTZgesetz zu einem NUTZgesetz degradiert“, stellte Thomas Schröder dann auch am nächsten Morgen auf der Mitgliederversammlung klar. So seien beispielsweise Schenkelbrand, unbetäubte Ferkelkastration, Manipulationen an Tieren wie das Schnäbelkürzen und viele andere drängende Tierschutzfragen immer noch ungelöst. Aber die teils bittere Bilanz geht weit über die Tierhaltung in der Landwirtschaft hinaus. Qualzuchten von Heimtieren, die private Haltung von Exoten, Tierversuche oder nicht artgerechte Tierhaltung in Zoos seien immer noch erlaubt, ebenso wie Wildtiere im Zirkus. Die Bundesregierung habe sich zudem nahezu verweigert, eine Zielbestimmung in das Gesetz aufzunehmen, nach dem die Alternativen zum Tierversuch vorangetrieben werden sollen. „Wer sich nicht verpflichtet, der

Fünf Tierschutzvereine sind dank der neuen Tierhilfewagen zukünftig „tierisch mobil“. So auch der Tierschutzverein Hallertau (unten). Links: Marion Friedl (Landesverband Bayern), Thomas Schröder (Präsident des Deutschen Tierschutzbundes); im Auto: Thomas Naumann (Vorsitzender des Tierschutzvereins) Rechts: Richard Staufenbiel (MARS) und Ursula Wolff (MARS).

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[ Aktuell]

Oben links: Auch der Tierschutzverein Hallertau u.U. nahm eine Ehrung „von unten nach oben“ vor: Thomas Naumann, Vorsitzender des Tierschutzvereins Hallertau u.U. e.V., ehrte die Arbeit des Deutschen Tierschutzbundes und überreichte Thomas Schröder eine Ehrenurkunde für das Präsidium. Oben rechts: Zwei Mitgliedsvereine drehten in diesem Jahr den Spieß einmal um. In Vertretung für Cornelia Mahler, Vorsitzende des Tierschutzvereins Langen/ Egelsbach e.V., überreichte Ralf Kurtze, Geschäftsstellenleiter des Landestierschutzverbands Hessen, dem überraschten Thomas Schröder eine Spende in Höhe von 17.000 Euro für den TierheimNothilfefonds. Unten: Vizepräsidentin Renate Seidel und Schatzmeister Jürgen Plinz im Gespräch mit der Vorsitzenden des Tierschutzvereins Düsseldorf u.U. e.V. 1873, Monika Piasetzky

will sich verweigern. Über drei Millionen verbrauchte Tiere in Versuchen klagen an, Tendenz steigend“, so Schröder, und damit nannte er auch das Stichwort für eine zentrale Forderung der Tierschützer.

Tierschutz-Verbandsklage jetzt! Obwohl der Tierschutz seit zehn Jahren als Staatsziel im Grundgesetz verankert ist, ist es den Tierschutzverbänden immer noch nicht möglich, dieses Staatziel vor Gericht einzuklagen. Bundesregierung und Bundestag haben ihnen bisher kein Verbands-

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klagerecht eingeräumt. „Die, die Tiere nutzen, können jederzeit ihr Recht einklagen. Die, die darunter zu oft leiden, die Tiere, dürfen es nicht. Das muss sich ändern!“, erklärte Schröder unter großem Applaus. „Der praktische Tierschutz droht in der Fläche zusammenzubrechen, wenn nicht endlich die Kommunen ihren Verpflichtungen nachkommen und ebenso die Länder und der Bund endlich durchgreifend handeln“, so Schröder. Dem karitativen Tierschutz seien immer neue Belastungen aufgezwungen worden,

Entlastungen gebe es aber keine. Beispielhaft nannte er die Folgen der Hundeverordnungen, das fehlende Verbot der Exotenhaltung in privater Hand oder das Leid der frei lebenden Katzen. „Tierheime waren, sind und bleiben Tierschutzeinrichtungen. Wir sind aber auch keine Bittsteller und auch nicht mehr länger Ausputzer des politischen Versagens.“ Die aus dem gesamten Bundesgebiet angereisten Delegierten verabschiedeten dann einmütig die Resolutionen „Bundestagswahl 2013: Stimme


FOTOS: ALLE DEUTSCHER TIERSCHUTZBUND

Auch ihre Fragen zum Tierschutzlabel konnten die Delegierten im persönlichen Gespräch klären.

für die Tiere“ und „Sofortprogramm zur Stärkung des praktischen Tierschutzes“. Die Mitgliederversammlung verabschiedete zudem Satzungsänderungen. Bisher ist der Deutsche Tierschutzbund die einzige Tierschutzorganisation in Deutschland, die neben der Gründungsmitgliedschaft im Deutschen Spendenrat auch das DZISpendensiegel für gemeinnützige Organisationen trägt. Mit den Satzungsänderungen stärkt der Dachverband weiter die Transparenz. Dazu gehörte auch die Benennung neuer Gremien wie des besonderen Aufsichtsorgans und des Ombudsmanns. Das war das Stichwort für den Schatzmeister des Deutschen Tierschutzbundes, Jürgen Plinz, der die Haushaltsabrechnungen und die Haushaltspläne für die nächsten Jahre vorstellte. Auch hier: Große Solidarität, die Haushalte wurden einstimmig angenommen, die

Rechnungsprüfer fanden nur lobende Worte zu den Zahlen. Personalien gab es auch: Das Präsidium des Deutschen Tierschutzbundes hat Nicole Brühl, Kinderbuchautorin und Präsidentin des Landesverbandes Bayern, und Kurt Beck, ehemaliger Ministerpräsident des Landes Rheinland-Pfalz, in das erweiterte Präsidium berufen. NADINE WALTSCHYK

MEH R IN F O S Die Resolutionen „Bundestagswahl 2013: Stimme für die Tiere“ und „Sofortprogramm zur Stärkung des praktischen Tierschutzes“ können im PDF-Format von der Website www.tierschutzbund.de/ mitgliederversammlung heruntergeladen werden. Die neue Satzung wird ebenfalls auf www.tierschutzbund.de eingestellt, sobald sie vom Amtsgericht eingetragen wurde.

Wahre Tierliebe Folge 9

Für alle, die Tiere trotzdem lieben! Die neue Ausgabe jetzt am Kiosk. Oder Abo mit Prämie bestellen unter www.herz-fuer-tiere.de/abo


[ AKTUELL]

Thomas Schröder begrüßte die Gäste zum Tierschutzfrühstück im Innenhof vor dem Hauptstadtbüro des Deutschen Tierschutzbundes in Berlin.

Parlamentarisches Tierschutzfrühstück

Machen Sie den Bundestag tierfreundlicher „Stimme für die Tiere – Machen Sie den Bundestag tierfreundlicher“ – unter diesem Motto stand das zweite Parlamentarische Tierschutzfrühstück des Deutschen Tierschutzbundes am 27. Juni.

D

rei Monate vor der Bundestagswahl, in der letzten Sitzungswoche des Bundestages, hatte der Deutsche Tierschutzbund in sein Hauptstadtbüro geladen, um den Gästen aus der Politik die tierschutzpolitischen Forderungen zu erläutern. Die Veranstaltung war zugleich der Startschuss für die Tierschutzkampagne zur Bundestagswahl. Mehr als 70 Gäste aus dem politischen Berlin sind seiner Einladung gefolgt. Bundestagsabgeordnete aus allen Fraktionen, Vertreter des Bundeskanzleramtes und des Bun-

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deslandwirtschaftsministeriums, der Parteivorstände und der Fraktionen sowie befreundete Verbände und Vertreter der Landesverbände des Deutschen Tierschutzbundes haben in angenehmer Atmosphäre die aktuellen Herausforderungen der Tierschutzpolitik diskutiert. Präsident Thomas Schröder verband seine Begrüßungsrede mit klaren Forderungen an die Politik. Das Tierschutzgesetz sei nach wie vor ein Tiernutzgesetz, das dem Anspruch des Staatsziels Tierschutz in keiner Weise entspreche, so die Kernaussage. Schröder forderte

aber auch das Verbandsklagerecht. „Wer sich gegen das Verbandsklagerecht für anerkannte Tierschutzvereine ausspricht, der ist für die Millionen Tierschützer in unserem Land nicht wählbar.“ Das klare Bekenntnis der zur Wahl stehenden Parteien zur Verantwortung des Staates für die Tierschutzvereine und Tierheime war ebenso Thema. Unabhängig von konkreter Gesetzgebung gab Schröder aber auch zu bedenken: „Ist alles erlaubt, was nicht verboten ist?“ Diese ethische Leitlinie legte er allen Tiernutzern ans Herz. FRANK MEUSER


Oben: Thomas Schröder im Gespräch mit MInisterialdirektor Bernhard Kühnle (BMELV) Mitte links (v. lil): Dr. Andreas Franzky (TVT), Dr. Katharina Kluge (BMELV), Dr. Dr. Sabine Merz (Bundestierärztekammer), Vizepräsidentin Renate Seidel (Deutscher Tierschutzbund), Dr. Jörg Styrie (Bundesverband Tierschutz) Mitte re. oben: Prof. Dr. Theodor Mantel (Bundestierärztekammer), Heinz Paula (SPD) Mitte re. unten: Rolf Zepp (Mars Petcare), Thomas Schröder und Undine Kurth (Bündnis 90/Die GRÜNEN)

FOTOS: DEUTSCHER TIERSCHUTZBUND

Foto li.: Bertram Fleischer (CDU/CSU) mit Christoph Hauss (re. im Bild) Foto li. unten: Christel Happach-Kasan (FDP) mit Thomas Schröder. Foto re. unten: Bärbel Höhn (Bündnis 90/Die GRÜNEN), Eva Bulling-Schröter (DIE LINKE), Friedrich Ostendorff (Bündnis 90/Die GRÜNEN), dahinter: Jochen Dettmer (NEULAND) und Lorenz Haut (BNA)

MEHR I NF OS Dieser Ausgabe von du und das tier liegen Aktionskarten bei, auf denen die wichtigsten Antworten der Parteien zu finden sind. So kann jeder Tierschützer entscheiden, bei welcher Partei er den Tierschutz in den besten Händen wähnt. Gehen Sie zur Wahl. Machen Sie den Bundestag tierfreundlicher! Der ausführliche Fragenkatalog, den der Deutsche Tierschutzbund den Parteien im Vorfeld der Bundestagswahl 2013 zur Beantwortung vorgelegt hat, ist auf der Website einzusehen. Hier werden auch die Antworten zu finden sein: www.tierschutzbund.de/ bundestagswahl

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[ AKTUELL] Hochwasser 2013

Tierheime melden Land unter Dass während der Hochwasserkatastrophe Anfang Juni nahezu alle Tiere, die sich in der obhut von Tierheimen befanden, gerettet werden konnten, ist dem enormen Arbeitseinsatz unzähliger Helfer zu verdanken. Der Deutsche Tierschutzbund unterstützte die Tierschutzvereine auf vielfältige Weise – und setzt sich nun für einen nachhaltigen Wiederaufbau der zerstörten infrastruktur ein.

A

uf diese Wassermassen war niemand vorbereitet. Als die starken Regenfälle Ende Mai binnen weniger Tage weite Teile von Bayern, Sachsen-Anhalt und Thüringen überschwemmten, ahnten die Menschen in Sachsen und Brandenburg zwar, dass dieses Hochwasser auch sie nicht verschonen würde. Es kam jedoch weit schlimmer als befürchtet. Tagelang standen weite Landstriche unter Wasser. Nur Dächer und Baumkronen waren noch zu sehen. Ganze Straßenzüge und Dörfer mussten evakuiert werden. Viele Bauern werden in diesem Jahr keine Ernte einfahren können. Nur langsam zieht sich das Wasser von den Feldern zurück. Hunderttausende Menschen waren von diesem Hochwasser betroffen. Viele mussten ihre Häuser verlassen und haben alles verloren. Tierhalter, die evakuiert wurden, durften ihre Tiere in die Notunterkünfte nicht mitnehmen. Einige blieben bei ihren

Tierherberge Hallertau – Sandsäcke halfen nicht.

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Schützlingen – wie die Dame, die dem Fernsehreporter resolut erklärte: „Ich lasse meine Tiere doch nicht im Stich!“ Wer konnte, brachte seine Schützlinge rechtzeitig ins Tierheim. Dort wurde geholfen, ohne Geld für die Betreuung zu verlangen und ohne die Gewähr, das Geld von den Kommunen zu erhalten. Ein bis heute offener Punkt, wie auch insgesamt die Frage, welche Hilfen aus dem staatlichen Katastrophenfonds den Tierheimen zustehen werden. Doch auch viele Tierheime hat die Sturzflut schwer getroffen. Außen-

anlagen und Zwinger wurden überschwemmt, Keller und Lagerräume standen unter Wasser. Futtervorräte und Katzenstreu waren unbrauchbar geworden – ebenso wie viele Inneneinrichtungen und Elektrogeräte. In Lindau (Bayern) konnten alle Tiere rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden. Das steigende Wasser des Bodensees zerstörte jedoch die Heizungsanlage des Tierheims. Der Keller, der auch als Lagerraum diente, wurde innerhalb weniger Tage gleich mehrfach überflutet. Der Deutsche Tierschutzbund veranlasste Tierheim Krambambuli in Görlitz: Die Hundewzinger standen unter Wasser.


FoToS: TSV GÖrliTZ, TierHeim ZeiTZ (2), TSV FreilASSinG (2), TSV HAllerTAU, TierHeim AUe-SCHWArZenBerG (2)

umgehend, dass auf dem Gelände des Tierheims ein großer Container aufgestellt wurde. So konnten Lagerkapazitäten für Tiernahrung, Katzenstreu und Zubehör geschaffen werden, denn das Grundwasser stieg immer wieder. Noch Ende Juli liefen im Tierheim die Pumpen. Hart traf es auch die kleine Tierherberge im bayerischen Hallertau. Die eilig aufgestapelten Sandsäcke boten nicht genug Schutz. Zwei Katzenunterkünfte, das Lager und die Waschküche standen unter Wasser. Die fünf Katzen und zwei Hunde konnte der Verein rechtzeitig in Sicherheit bringen. Das Tierheim Krambambuli in Görlitz (Sachsen) war nach einem Wassereinbruch im vergangenen Jahr gerade erst mit finanzieller Unterstützung aus dem Feuerwehrfonds des Deutschen Tierschutzbundes saniert worden (du und das tier berichtete in Ausgabe 06/2012, Seite 36). Die neuen Schutzvorrichtungen haben sich bewährt. Doch das Wasser fand einen anderen Weg: Fünf Hundezwinger wurden zerstört, und wieder standen die Hundeausläufe unter Wasser. Besonders dramatisch war die Lage im Tierheim Zeitz (SachsenAnhalt). Dort überflutete das Wasser fast das gesamte Tierheim. Selbst im ersten Stock, wo sich die Katzenunterkünfte befinden, stand noch Wasser. Von den Hundezwingern schaute nur noch das Dach heraus. 17 Hunde, 27 Katzen, 40 Vögel, drei Kaninchen und ein Meerschweinchen wurden dank vieler Helfer innerhalb kürzester Zeit evakuiert. Alle Tiere konnten vorübergehend in privaten Pflegestellen betreut werden. Die Aufräumarbeiten nahm der Tierschutzverein sofort in Angriff. Der Deutsche Tierschutzbund stellte ihm zwei Hochdruckreiniger zur Verfügung. Gott sei Dank funktionierte der Strom bald wieder, sodass sie auch eingesetzt werden konnten. Viele Medien berichteten, und der Verein erhielt von allen Seiten Unterstützung (siehe Beitrag Seite 43). Evakuiert wurde auch das Tierheim in Cottbus (Brandenburg), wo 138 Katzen, sieben Hunde, zehn Kaninchen und sieben Vögel in privaten

Pflegestellen unterkamen. Ebenso in Wolmirstedt (Sachsen-Anhalt), wo 16 Hunde und 29 Katzen während der Evakuierung des Tierheimes eine vorübergehende Bleibe bei hilfsbereiten Tierfreunden fanden. Vorsorglich evakuiert wurde auch das Tierheim in Burg (Sachsen-Anhalt). Glücklicherweise entstand an den Gebäuden hier jedoch kein Schaden. Anders in Freilassing (Bayern): Dort standen nach einem Wassereinbruch alle Gebäude unter Wasser. Das gesamte Inventar des Altbaus, in dem

sich unter anderem der Hundetrakt und die Futterküche befinden, ist den Fluten zum Opfer gefallen. Nach einem Dammbruch war das Wasser innerhalb kürzester Zeit rasant gestiegen. Die Präsidentin des Landesverbandes Bayern, Nicole Brühl, reiste sofort nach Freilassing, um dem Verein zu helfen. Zum Glück

Freilassing: Der Altbau des Tierheims fiel den Fluten zum Opfer, die Katzen wurden umquartiert.

Das Tierheim Zeitz musste vollständig evakuiert werden.

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[ AKTUELL] befanden sich wegen Umbaumaßnahmen zum Zeitpunkt des Unglücks nur vier Hunde im Tierheim, die privat evakuiert werden konnten. Mehr als 40 Katzen und Kleintiere mussten im ersten Stock des Katzenhauses zusammenrücken. Die Wohnung der Tierheimleiterin ist seit dem Hochwasser unbewohnbar. Seit 40 Jahren ist Lilli Heiminger in diesem Tierheim tätig. Nun hat sie ihr gesamtes Hab und Gut verloren. Kurzzeitig hatte sie in einem Wohnwagen kampiert. Später konnte sie ihr Bett in einem kleinen Zimmer des Tierheims aufschlagen. Von dort aus bedankt sie sich auf der Internetseite des Tierschutzvereins überschwänglich bei vielen, vielen Menschen, die ihr und dem Tierschutzverein zu Hilfe geeilt sind. Zu ihrer großen Freude ist auch die vermisste Wasserschildkröte im Teich wieder aufgetaucht. Das Schlimmste scheint überstanden. Immerhin konnten die Tiere inzwischen zurückkehren. Doch wann die zerstörten Gebäude neu errichtet werden, ist unklar. Der Deutsche Tierschutzbund hatte dem Tierschutzverein Freilassing umgehend mit Finanzmitteln aus dem „Feuerwehrfonds“ geholfen und wird ihm auch weiterhin zur Seite stehen. Oft tritt das ganze Ausmaß der Schäden erst nach und nach zutage. So auch in Schmölln (Thüringen), wo die Hundeausläufe unter Wasser standen und das gesamte Inventar des Katzenhauses zerstört wurde.

Im Tierheim AueSchwarzenberg unterspülte das Wasser die Zufahrt zum Tierheim.

Oder in Aue-Schwarzenberg (Sachsen). Dort brachte das Hochwasser zwei Hundezwinger zum Einsturz. Ein angetriebener Baumstamm zerstörte die Umzäunung des Tierheims – just in dem Moment, in dem die Tierheimleiterin mit der Bundesgeschäftsstelle des Deutschen Tierschutzbundes telefonierte. Dieser Zaun war nach dem letzten großen Hochwasser mit finanzieller Unterstützung des Deutschen Tierschutzbundes errichtet worden. Als das Wasser abgelaufen war, stellte der Verein nun fest, dass die Brücke unterspült und einsturzgefährdet war, Sie ist die einzige Zufahrt zum Gelände. Über die Wiederinstandsetzung ist der Verein mit der Kommune bereits im Gespräch. Ein Gutachter war schon vor Ort. Wildtiere wie Bodenbrüter, Kaninchen und Rehkitze waren dem Hochwasser vielerorts schutzlos ausgeliefert. Schätzungen des Landesbundes für Vogelschutz (LBV) zufolge haben 70 Prozent der frischgeschlüpften Störche aufgrund der lang anhaltenden Regenfälle nicht überlebt. In extrem überschwemmten Gebieten hatten auch frei lebende Katzen keine Überlebenschance. Der

Tierschutzverein Bitterfeld (SachsenAnhalt) berichtet, dass sich seit der Flut wesentlich weniger Katzen an den Futterstellen einfinden als zuvor. Umso erfreulicher ist es zu hören, wie viele Tiere dank des unermüdlichen Einsatzes von Tierfreunden rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden konnten. Die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung war überwältigend (siehe Kasten Seite 43). Mit dem Wiederaufbau der zerstörten Infrastruktur werden die Tierschutzvereine noch lange beschäftigt sein. Wichtig ist ihnen jedoch vor allem, dass es den Tieren gut geht. Dafür haben sie alles gegeben – und das mit großem Erfolg. Die meisten Tierheime konnten ihre Schützlinge inzwischen aus den Privatquartieren wieder abholen. DR. HEIDRUN BETZ

MEHR I NFOS Der Deutsche Tierschutzbund informierte auf seiner internetseite fortlaufend über die Situation der Tierheime in den Hochwassergebieten: www.tierschutzbund.de/hochwasser

Hochwasserschäden

FoToS: GemeinDe BoCKAU

Staatliche Soforthilfe auch für die Tierheime Der Deutsche Tierschutzbund hat Bund, länder und Kommunen aufgefordert, bei den angekündigten Soforthilfen auch die Tierheime zu berücksichtigen. im Hinblick auf die aktuellen Forderungen der kommunalen Spitzenverbände nach mehr Geld für die Kommunen und die in Aussicht gestellten Bundesmittel stellte der

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Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Thomas Schröder, klar: „Tierheime sind Wirtschaftsbetriebe, die kommunale Pflichtaufgaben übernehmen. Hier handelt es sich nicht, wie von den Kommunen oft behauptet, um einen Vereinszweck, der auf Freiwilligkeit basiert und damit von nothilfen ausgeschlossen bleibt, da die

Hilfen in der regel für Privatpersonen und Unternehmen zur Verfügung stehen. Auch die Tierheime brauchen staatliche Soforthilfe.“ Auch nicole Brühl, Präsidentin des landesverbandes Bayern, empörte sich: „ es ist doch ein Unterschied, ob ein Kegelverein nun eine beschädigte Kegelbahn zu verzeichnen hat oder ob

ein Tierheim, das als Unternehmen geführt wird und in dem lebewesen untergebracht sind, zu Schaden gekommen ist!“ Die Kritik blieb nicht wirkungslos: Bayern ist das erste Bundesland, das auch Vereinen Soforthilfe bis zu 5.000 euro zur Verfügung stellt. Weitere Bundesländer werden hoffentlich folgen.


Hochwasserhilfe

Überwältigende Hilfsbereitschaft Die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung während der Hochwasserkatastrophe war enorm. Auch viele Tierheime profitierten davon. Whiskas und Pedigree versorgten alle betroffenen Tierheime mit Futterspenden und Katzenstreu. Die FranchiseKette Fressnapf half vielerorts mit Futter- und Sachspenden. Die Hilfe erreichte sowohl die Pflegestellen der direkt vom Hochwasser betroffenen Tierheime als auch die Tierschutzvereine, die Nachbarvereinen zu Hilfe geeilt waren oder – wie in Bitterfeld und Stendal (Sachsen-Anhalt) – viele Tiere von evakuierten Tierhaltern aufgenommen hatten. Mitarbeiter von Whiskas und Pedigree halfen auch direkt vor Ort bei Aufräumarbeiten. Beispielsweise im Tierheim Lindau. „Trotz tropischer Temperaturen und einer nie dagewesenen Mückenplage befreite das Team top-motiviert, mit bemerkenswertem handwerklichen Geschick, beeindruckender Muskelkraft und mit außergewöhnlicher Ausdauer feuchte Unterkünfte von Unrat, reinig­ te einen großen Teich mit Hingabe und Sachverstand, räumte um und auf und packte überall dort tatkräftig mit an, wo es gebraucht wurde.“ So schildert die 2. Vorsitzende des Tierschutzvereins und Tierheims Lindau, Sabine Müller, begeistert den Einsatz der sechs Männer und Frauen, die für die Hochwasserhilfe von ihrem Arbeitgeber freigestellt worden waren. „Wir sind wirklich voll des Lobes und tief beeindruckt, ja geradezu berührt von dieser selbstlosen Hilfe.“ Auch in Zeitz wurde tatkräftig mit angepackt. Der Besitzer des örtlichen Gasthofs spendierte den Helfern ein

Mittagessen. Viele Bürger unterstützten das Tierheim mit Geld- und Sachspenden. Nach einem Spendenaufruf in der mdr-Sendung „tierisch tierisch“ erhielt dieses besonders stark vom Hochwasser betroffene Tierheim schon wieder Geld- und Sachspenden. Die ariane film GmbH, Produktionsfirma der Sendung, überreichte dem Tierschutzverein Zeitz zudem einen Spendenscheck in Höhe von 5.000 Euro. Sie erfüllte damit den Wunsch einer großen Tierfreundin aus Sachsen-Anhalt, die sich an „tierisch tierisch“ gewandt hatte und ungenannt bleiben wollte, ein notleidendes Tierheim in ihrem Bundesland zu unterstützen. Ein erfreulicher Nebeneffekt der Berichterstattung: Von sieben Hunden, die in „tierisch tierisch“ vorgestellt wurden, konnten vier kurz darauf schon in gute Hände vermittelt werden. Für den Welpen, der – man kann es kaum glauben – vor dem vom Hochwasser ruinierten Tierheim ausgesetzt worden war, hat der Verein ebenfalls eine Pflegestelle gefunden. Seit dem 21. Juni hat das Tierheim Zeitz zu den regulären Öffnungszeiten im Notbetrieb wieder geöffnet. Auf Dauer wird es jedoch umziehen müssen. Der Tierschutzverein ist mit der Gemeinde bereits im Gespräch und erhält dabei auch Unterstützung vom Deutschen Tierschutzbund Landesverband Sachsen-Anhalt. DR. HEIDRUN BETZ

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Foto: Ariane Film GmbH

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is zu 500.000 Euro wird der Deutsche Tierschutzbund aus seinen Rücklagen zur Verfügung stellen, um den vom Hochwasser betroffenen Tierheimen zu helfen. Dies hat die Mitgliederversammlung auf gemeinsamen Antrag des Präsidiums und des Länderrates am 8. Juni 2013 beschlossen. Zuvor bereits hatte der Dachverband Mitgliedsvereinen in akuter Notsituation unbürokratisch zur Seite gestanden (siehe Beitrag Seite 32). Die Solidarität der Tierschutzvereine war grandios. Tierschutzvereine in Freudenstadt (Baden-Württemberg), Nürnberg-Fürth und Wangering (beide Bayern), Berlin, Bad Kreuznach (Hessen), Köln und Düren (NRW), Borna und Ostrau (beide Sachsen), Bitterfeld und Stendal (Sachsen-Anhalt), Mölln (Schleswig-Holstein) und viele andere übernahmen Tiere oder boten anderweitige Unterstützung an – auch Vereine, die vom Hochwasser weit entfernt waren. Sehr viele Bürger fragten nach, wie sie helfen könnten. Einige hatten bereits von sich aus Geld gesammelt und wollten nur noch wissen, wo es am nötigsten gebraucht würde. Unzählige boten Sachspenden an. Großartige Unterstützung erhielten die betroffenen Tierheime auch von der Bevölkerung am Ort. Unzählige Menschen packten mit an, brachten Werkzeug mit, stellten Pumpen oder Luftentfeuchter zur Verfügung. Partner des Deutschen Tierschutzbundes halfen ebenso unkompliziert.

Die Produktionsfirma von „tierisch tierisch“ spendete 5.000 Euro aus der Erbschaft einer Tierfreundin, die damit Tierheimen im Sendegebiet helfen wollte.


[ PROJEKTE]

Die wieder ausgesetzten kastrierten Hunde in den Parks Odessas werden von Betreuern versorgt.

Auslandstierschutz

Arbeitsbesuch in Kiew und Odessa im Mai 2013 hat Wilfried britz, Leiter der Fundraising-Abteilung des Deutschen tierschutzbundes, den ehrenpräsidenten, Wolfgang Apel, und Projektleiter Gerd Fischer zu den Projekten des Verbandes in Kiew und odessa begleitet. hier sein bericht.

A

m Flughafen in Kiew holt mich Dr. Znamerowski, der Cheftier­ arzt des Tierschutzzentrums Odessa, persönlich ab. Ich freue mich darüber und bin auch berührt. Es ist schon sehr spät, und ich weiß, dass Dr. Znamerowski eine beschwerliche Anreise hinter sich hat. Nach einer Fahrt durchs nächtliche Kiew bin ich froh, mich für den folgenden Tag im Hotel erholen zu können. Der erste Termin am nächsten Mor­ gen führt uns ins Rathaus Der Ehren­ präsident des Deutschen Tierschutz­ bundes, Wolfgang Apel, trifft dort den neu eingesetzten 1. Stellvertreter des

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Oberbürgermeisters, Anatoli Golub­ schenko. Das Gespräch findet in ge­ löster und offener Atmosphäre statt. Herr Golubschenko betont die gute Zusammenarbeit mit dem Deutschen Tierschutzbund. Er führt aus, dass die Stadt die Zusammenarbeit mit ande­ ren, auch ausländischen Tierschutz­ organisationen wegen fehlender Verlässlichkeit aufgeben werde. Wolfgang Apel bedankt sich für die freundlichen Worte und sichert die weitere Unterstützung zu (siehe auch du und das tier 3/2013, Seite 21). Nach dem gelungenen Auftakt brechen wir zu einem Projekt auf,

das der Deutsche Tierschutzbund seit April 2012 unterstützt. In insge­ samt drei städtischen Tierkliniken Kiews werden frei lebende Tiere, vor allem Hunde, kastriert. Der Deutsche Tierschutzbund beteiligt sich im Rah­ men des Gemeinschaftsprojektes mit der ukrainischen Hauptstadt an den Kastrationskosten, der Werbung für das Programm sowie an der Finan­ zierung eines Nachsorgebereichs in der Tierklinik Nummer eins. Nach er­ folgten Umbauarbeiten sowohl im Kli­ nik­ als auch im Versorgungsbereich für die Hunde wird diese Tierklinik am 13. Mai feierlich ihrer Bestimmung


Fotos: Deutscher Tierschutzbund

übergeben. Ab sofort finden in den großen und sauberen Zwingern des Nachsorgebereichs 15 Tiere eine vo­ rübergehende Bleibe, um sich von der Operation und eventuellen Ver­ letzungen auf der Straße zu erholen. Mit intensiven Gesprächen und einer ersten Bilanz – mehr als 2.000 Hunde konnten in Kiew bisher bereits kas­ triert und medizinisch versorgt wer­ den – endet ein ereignisreicher Tag in der ukrainischen Hauptstadt. Bevor wir Kiew am nächsten Tag verlassen, besichtigen wir das für den Tierheimneubau geplante Grundstück an der Peripherie Kiews. Schließlich brechen wir nach Odessa auf. Arthur, der Fahrer unseres Tierschutzautos, ist in seinem Element und navigiert uns sicher und scheinbar unbeeindruckt von der langen Strecke ans Ziel. In Odessa angekommen, einer wunder­ schönen Stadt am Schwarzen Meer, bin ich überrascht, wie viele frei leben­ de Tiere unseren Weg säumen. Nicht, dass es in Kiew wenig Straßentiere gäbe, aber in Odessa sind wesent­ lich mehr zu sehen. Sie gehören ganz selbstverständlich zum Straßenbild. Am nächsten Morgen führt unser Weg sofort ins Tierschutzzentrum. Den Besucher empfängt ein großzügiges Gelände, das von dem zentralen Klinikbau, den etwas weiter entfernt gelegenen Hundezwingern, einem Katzenhaus sowie einem Verwal­ tungstrakt geprägt ist. Nach wie vor liegt der Schwerpunkt der Arbeit im

Zentrum auf der Kastration der Stra­ ßentiere. Diese werden von einem städtischen Fangdienst eingefan­ gen, ins Zentrum gebracht, dort be­ handelt, kastriert und anschließend wieder freigelassen. Daneben hat das Zentrum jedoch weitere Aufgaben. So bringen inzwi­ schen viele Odessiten kranke oder verletzte Tiere ins Tierschutzzentrum. Darunter Privattiere, aber auch viele Straßentiere, die von einem Betreuer versorgt werden. Deren Behandlung übernimmt das Zentrum kostenfrei. Manche Besucher erscheinen al­ leine, um das Zentrum kurze Zeit spä­ ter, frohgemut und um ein Familien­ mitglied reicher, wieder zu verlassen. Dass ehemalige Straßentiere vermittelt werden, ist hier keine Seltenheit. Viele der frei lebenden Tiere in der Ukraine sind an Menschen gewöhnt. Sie kön­ nen daher auch ohne Probleme in ein neues Zuhause vermittelt werden. Eine Konferenz mit Betreuern von Straßentieren und Vertretern der Stadt am folgenden Tag hat das Ziel, die unterschiedlichen Standpunkte zwi­ schen den Interessen der Besucher des weitläufigen Parks um Odessa und den dort beheimateten frei le­ benden Tieren zu verdeutlichen Nach mehreren weiteren offiziellen Terminen endet unsere Arbeitswoche in Odessa anlässlich des achten Jah­ restages der Eröffnung des Tierschutz­ zentrums mit einem Kinderfest. Zu die­ sem mittlerweile traditionellen Event

erscheint auch der stellvertretende Bür­ germeister Odessas, Kyrill Ivanovitsch Schalamay. In seinem Grußwort bekräf­ tigt er die Absicht der Kommune, die Zusammenarbeit mit dem Deutschen Tierschutzbund weiterhin partnerschaft­ lich fortzuführen und auszubauen. Die Kinder bedanken sich mit sehr persönlichen und selbst gemachten Geschenken, Liedern und Gedichten für die Feier. Nach Ende des „offizi­ ellen Teils“ geht es dann turbulenter zu. Während die Erwachsenen, allen voran der stellvertretende Bürgermeis­ ter, die Gelegenheit zu einem Projekt­ rundgang nutzen, toben und tan­ zen die Kinder nach Herzenslust. So manches Kindergesicht verwandelt sich unter fachkundiger Schminkan­ leitung in ein farbenprächtiges Tier. Nach diesem schönen Abschluss bei bestem Sonnenwetter fällt mir der Ab­ schied schwer. Doch ich nehme viele schöne Erinnerungen mit nach Hau­ se, besonders den Eindruck des tollen und engagierten ukrainischen Teams unter Leitung von Irina Naumova. Man hat uns dort mit offenen Armen empfangen, und schon jetzt steht für mich fest, dass ich Odessa nochmals besuchen möchte. Dann vielleicht privat, denn die Stadt hält für ihre Besucher viele Sehenswürdigkeiten und Geschichten bereit, die ich bei meinem Arbeitsbesuch – wenn über­ haupt – nur am Rande erleben kann. Ich freue mich schon jetzt darauf. WILFRIED BRITZ

Links: City-Light-Plakatierung in Kiew. Rechts: Dr. Znamerowski, Irina Naumowa, Gerd Fischer, Wilfried Britz und Wolfgang Apel (v. li.) prüfen auf dem Gelände des Tierschutzzentrums Odessa den Standort für ein dringend erforderliches neues Katzenhaus.

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[ projekte] Tierschutzlabel

Öffentliche Debatte um die Verantwortung für die Tierhaltung Nicht nur Tierhalter, auch die Akteure von Ernährungswirtschaft und Handel und deren Kunden können ihre Verantwortung für den Tierschutz wahrnehmen und mitbestimmen, unter welchen Bedingungen Tiere in der Landwirtschaft gehalten werden.

K

napp ein halbes Jahr nach dem Verkauf der ersten Produkte, die mit dem blauen Tierschutzlabel gekennzeichnet waren, konnte der Deutsche Tierschutzbund eine erste positive Bilanz ziehen: Die Zahl der zertifizierten Ställe ist gestiegen, weitere befinden sich in der Anerkennung. Diesen Trend bestätigt auch das Institut für Handelsforschung in Köln (IFH): 50 Prozent der Verbraucher kennen das Tierschutzlabel des Deutschen Tierschutzbundes. Mit ihm gekennzeichnete Produkte der Einstiegs- und Premiumstufe sind bei immer mehr Handelsunternehmen und Discountern zu finden. Dr. Clemens Dirscherl, Geschäftsführer des Evangelischen Bauernwerks in Württemberg und Ratsbeauftragter der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) für agrarsoziale Fragen, Landwirtschaft, Ernährung und ländliche Räume, ist Mitglied im Beirat des Tierschutzlabels. du und das tier hat ihn nach seinen Beweggründen gefragt.

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Was hat Sie bewogen, im Beirat des Tierschutzlabels mitzuwirken? ▶ Die Tierschutzfrage ist ein wesentlicher Bestandteil des Schöpfungsauftrages vom Bebauen und Bewahren im Spannungsfeld von Nützen und Schützen – konkret: Tiere in Achtung zu nutzen. Das wird auch innerhalb

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Dr. Clemens Dirscherl ist Geschäftsführer des Evangelischen Bauernwerks in Württemberg, Rats­ beauftragter der EKD und im Beirat des Tierschutzlabels

der Kirche diskutiert unter dem Aspekt: „Wo kann ich persönlich meinen Beitrag leisten?“ Das Einkaufsverhalten ist da eine banale, aber auch wirksame Form. Der Wunsch vieler Verbraucher nach Fleisch aus besseren Haltungsbedingungen wird einerseits immer lauter, andererseits fehlt es am Markt auf breiter Ebene an einem transparenten Angebot. Das Tierschutzlabel ist ein Ansatz, das Marktsortiment mit höheren Tierschutzstandards im Lebensmitteleinzelhandel voranzubringen.

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Wo sehen Sie die Verantwortung des Bürgers für das Wohlergehen der Tiere in der Landwirtschaft? ▶ Im Wort „Verantwortung“ steht „Antwort“, das heißt, der einzelne Bürger muss sich selbst auch Fragen

stellen. Ganz konkret: Wie will ich, dass Tiere ethisch zu rechtfertigend gehalten werden: als Haustiere, in der wissenschaftlichen Forschung, aber ganz besonders auch für die Ernährung? Daher ist jeder Bürger nicht nur als Verbraucher gefragt zu konsumieren, sondern als Kunde gefordert, sich über sein eigenes Verhalten Gedanken zu machen, Informationen einzuholen und sein Wissen dann auch möglichst konsequent im Interesse der Tiere, und damit auch unserer heimischen Landwirtschaft, umzusetzen. Die Landwirtschaft braucht ein gewisses Maß an Verbindlichkeit vonseiten der Verbraucher, damit sie auf tiergerechtere Haltungsformen umstellen kann und gleichzeitig die betriebliche und damit familiäre Existenz sichert. Das Tierschutzlabel ist hierfür eine Chance.


du und das tier  Impressum

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Welche Position vertritt die EKD zum Thema Fleischkonsum? ▶ Der Evangelische Kirchentag in Hamburg stand unter dem biblischen Leitvers: „So viel Du brauchst“. Damit ist die Thematik umrissen: Angesichts der begrenzten natürlichen Ressourcen und nicht beliebig ausweitbarer agrarischer Flächen müssen wir weltweit die Zielkonflikte zwischen der Landwirtschaft für Nahrungserzeugung, Futtermittelanbau, Energieproduktion und nachwachsenden Rohstoffen, der Industrie, dem Anspruch für Schutzzonen zur Bio-Diversität und dem Flächenverbrauch für Wirtschaft, Siedlungen, Verkehr und Freizeit auf den Prüfstand stellen. Unser westliches Wohlstandsmodell der vergangenen 50 Jahre kann nicht für eine weltweite Bevölkerung von 9,2 Milliarden Menschen 2050 Vorbild sein. Das gibt der Planet Erde einfach nicht her. Ein erster Schritt ist daher auch die Bereitschaft zu Demut und damit in praktischer Konsequenz, die eigenen Konsumgewohnheiten zu überprüfen. Dazu gehört auch unser Fleischkonsum, der hinsichtlich seines Umfangs einmalig in der Menschheitsgeschichte ist. Zum verantwortlichen Umgang mit Tieren, Klima, Boden und Wasser sollte er auf ein vernünftiges Maß reduziert werden. „Weniger ist mehr“ ist der Leitgedanke eines nachhaltigen Lebensstils für Christen.

Fotos: Deutscher Tierschutzbund

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Im Evangelischen Bauernwerk haben Sie viel Kontakt zu Junglandwirten. Werden Tierschutzthemen dort diskutiert? ▶ Für Junglandwirte erscheint das Thema Tierschutz zunächst einmal eher als Bedrohung: neue Standards, die Investitionen und damit auch finanzielle Belastungen mit sich bringen und darüber hinaus Auswirkungen auf die Arbeitswirtschaft haben. Dabei macht man es sich sicherlich nicht einfach in der Abwägung der Argumentationslinien: einerseits die agrarpolitischen Forderungen nach internationaler Wettbewerbsfähigkeit, andererseits die verbraucherpolitischen Wünsche nach ausreichend günstigem Warenangebot, befeuert von den

Herausgeber und Anschrift der Redaktion: Deutscher Tierschutzbund e.V. Baumschulallee 15 53115 Bonn Telefon 0228-60496-0 Telefax 0228-60496-40 Kontakt: www.tierschutzbund.de/kontakt.html Internet: www.tierschutzbund.de

Um möglichst vielen Landwirten den Einstieg zu ermöglichen, ist das Tier­ schutzlabel zweistufig angelegt.

sündhaft billigen Rabattschlachten des Lebensmittelhandels. Dann aber die oft emotionalen Vorwürfe, Bauern würden ihre Tiere quälen. In meinen Kursen findet daher seit einigen Jahren immer auch ein Planspiel zum Thema „Landwirtschaftliche Nutztierhaltung“ statt, in dem die Positionen herausgearbeitet und gegeneinander abgewogen werden. Wenn mich dann, wie unlängst geschehen, ein Landwirt darauf anspricht, er wolle in das Tierschutzlabel einsteigen, ist das für mich ein guter Weg. Hoffentlich wird diese Bereitschaft dann auch von den Schlachtund Lebensmittelunternehmen sowie den Verbrauchern finanziell honoriert.

?

Was wird das Tierschutzlabel aus Ihrer Sicht bewirken? ▶ Ein Ergebnis haben wir jetzt schon: die öffentliche Debatte um die Verantwortung der Ernährungswirtschaft und des Handels, die Wünsche der Verbraucher in entsprechenden Angeboten glaubwürdig umzusetzen. Ich wünsche mir, dass möglichst viele Verbraucher Erzeugnisse mit dem Tierschutzlabel nachfragen, hartnäckig dort insistieren, wo keine angeboten werden, sodass von der Nachfrageseite ein solcher Druck aufgebaut wird, dass Schlachtunternehmen und Handel um entsprechende Erzeugnisse bei den Produzenten werben müssen und Landwirte dann auch einsteigen. Das wäre ein gelungener Erzeuger-Verbraucher-Dialog, zu dem der Deutsche Tierschutzbund mit beigetragen hätte. Die Fragen stellte Dr. Heidrun Betz

Redaktionelle Koordination: Ein Herz für Tiere Media GmbH Postfach 400529 80705 München Telefon 089-27270-0 Fax 089-27270-7590 Verlags- und Redaktionsleitung Petra Balzer Chefredaktion: Ursula Birr (v.i.S.d.P.) Leitung Produktion: Sandra Kho Grafik & Litho: Robert Serra, www.zeitraum.de Bildredaktion: Margarete Müller, Simone Grafetstetter Ständige redaktionelle Mitarbeiter: Wolfgang Apel, Dr. rer. nat. Heidrun Betz, Susanne Möltgen Mitarbeiter dieser Ausgabe: Wilfried Britz, Anna Kröll, Dr. med. vet. Henriette Mackensen, Frank Meuser, Caterina Mülhausen, Uwe Nickel, Dr. rer. nat. Brigitte Rusche, Thomas Schröder, Nadine Waltschyk Für unverlangt eingereichte Manuskripte, Fotos und sonstige Druckunterlagen wird keine Haftung übernommen. Eine Rücksendung solcher Unterlagen ist nur gegen ausreichendes Rückporto möglich. Namentlich gezeichnete Beiträge stellen die Meinung des Verfassers, nicht unbedingt auch die der Redaktion dar. Nachdruck, Übersetzungen und Vervielfältigungen, auch auszugsweise, sind nur mit Zustimmung der Redaktion gestattet. Die Redaktion behält sich die Kürzung von Leserbriefen vor. Veröffentlichte Briefe sind keine Meinungsäußerung der Redaktion. Anschrift des Verlags Ein Herz für Tiere Media GmbH Münchener Straße 101/09 85737 Ismaning Tel. 089-27270-0 Geschäftsführung: Clemens Schüssler, Michael Geringer Anzeigen: WAZ Zeitschriften Marketing GmbH & Co. KG Münchener Straße 101/09, 85737 Ismaning Telefon: (089) 27 270-7942, Fax: (089) 27 270-7991 Geschäftsführung: Daniela Sakowski, Anzeigenleitung: Sonja Haase, E-Mail: sonja.haase@waz-zeitschriften.de Verantwortlich für Anzeigen: Burda Community Network GmbH, Gudrun Nauder, E-Mail: gudrun.nauder@burda.com (Es gilt die Anzeigenpreisliste Nr. 14 vom 01.01.2013.) Vertrieb: Peter Müller Abo-Service: Postfach 10 45 65, 40032 Düsseldorf Telefon 0211-690789-945, Fax 0211-690789-80 Bezugsbedingungen: du und das tier erscheint jährlich sechsmal. Bezugspreise jährlich € 15,30 incl. € 2,10 Portokostenanteil einschließlich Vertriebsgebühren; Preis des Einzelheftes je nach Umfang mindestens € 2,55. Für Mitgliedsvereine des Deutschen Tierschutzbundes und Mengenbezüge gelten besondere Preise, die der Verlag auf Anfrage bekannt gibt. Bezugspreis für das Ausland jährlich € 24,60 incl. € 9,– Portokostenanteil einschließlich Versandkosten. Abbestellungen nur bis sechs Wochen vor Ende des Berechnungszeitraums. Wird das Erscheinen durch höhere Gewalt oder Streik verhindert, so können keine Ansprüche an den Verlag geltend gemacht werden. Druck: Stürtz GmbH, Würzburg ISSN 0341-5759 Diese Zeitschrift wurde auf umweltschonendem Papier hergestellt (elementar chlorfrei).


[vor ort] bremen

Proteste gegen Zirkus Belly O Altenburger Tierschützer organisierten den geräumigen Hundeplatz in Eigeninitiative.

altenburg

Tobewiese für alle Hunde D

ass die Hunde in der thüringischen Stadt, in der das Skatspiel erfunden wurde, sich frei bewegen und mit Artgenossen spielen können, verdanken sie Andrea Rücker, der Vorsitzenden des Vereins „Hoffnung für Wildenten, Schwäne und Co“, der „Initiative Skatstadthunde“ und einem einsichtigen Stadtrat. Der Weg zur eingezäunten 11.000 Quadratmeter großen Hundewiese war allerdings kein leichter. Weil die meisten Hundehalter in Altenburg genau da mit ihren Tieren spazieren gingen, wo auch Familien mit Kindern, Erholung suchende ältere Menschen und Touristen promenierten, gab es immer wieder Ärger. Menschen, die keinen Hund haben, fühlten sich belästigt oder hatten Angst, die Hundehalter hatten Stress. 2011 trat dann noch das Thüringer Gesetz zum Schutz der Bevölkerung vor Tiergefahren in Kraft, was für eine Reihe von Hunden Leinenpflicht bedeutete. Andrea Rücker handelte, sprach mit den Stadträten, forcierte die Gründung der Initiative Skatstadthunde und traf sich immer wieder mit Hundebesitzern, um ihnen ein eingezäuntes Aus-

48 du und das tier

4/2013

laufgebiet schmackhaft zu machen. Mit 300 Unterschriften und ihren Argumenten überzeugten die Befürworter der Hundeauslaufwiese schließlich den Stadtrat. Die Stadt stellte das Grundstück zur Verfügung und investierte 10.000 Euro in einen stabilen Zaun. Zur Eröffnung der Hundeauslaufanlage sah sich der Oberbürgermeister von mindestens 50 Hunden umringt. Seitdem treffen sich dort Jung und Alt mit und ohne Hund. Die Hunde können frei toben, die Menschen sich unterhalten. Auch Hunden, die unter die Leinenpflicht fallen, steht das Gelände offen. Inzwischen haben Tierfreunde und Hundebesitzer die Wiese weiter ausgestaltet. Sie halten den Platz sauber und entsorgen selbstverständlich die Hinterlassenschaften der Vierbeiner. Der Stadtrat von Altenburg hat mit seiner Entscheidung nicht nur für das Wohl der Hunde und ihrer Halter gesorgt, sondern auch für ein friedlicheres Nebeneinander von Hundehaltern und hundelosen Menschen. Ein Beispiel, das andere Städte ebenfalls aufgreifen könnten.

bwohl die Bremer Stadtbürgerschaft schon Ende 2011 den Beschluss gefasst hat, Zirkusunternehmen, die Wildtiere mit sich führen, keine öffentlichen Flächen mehr zur Verfügung zu stellen, konnte der Circus Belly im Mai in Bremen gastieren. Eine Möbelhauskette hatte ein unternehmenseigenes Gelände zur Verfügung –

gewandt. Apel schilderte ihr eindringlich die Qual der Tiere, die der Zirkus Belly mit sich führe, und bat sie, ihre Entscheidung zurückzunehmen. Ohne Erfolg. Mitglieder des Bremer Tierschutzvereins demonstrierten deshalb vor dem Zirkuszelt gegen diesen Zirkus, der neben Krokodilen, Schlangen und Raubkatzen als einziger Wanderzirkus

rechtlich korrekt, denn solange die Bundesregierung kein gesetzliches Wildtierverbot für Zirkusse beschließt, können Wanderzirkusse dort, wo eine Kommune ein solches Verbot erlassen hat, auf private Flächen ausweichen. Wolfgang Apel, Vorsitzender des Bremer Tierschutzvereins und Ehrenpräsident des Deutschen Tierschutzbundes, hatte sich im Vorfeld bereits in einem persönlichen Schreiben an die geschäftsführende Gesellschafterin des Möbelhauses

auch einen Schimpansen mit auf Tournee mitnimmt. Mit Plakaten versuchten sie, potenzielle Zirkusgäste von ihrem Besuch abzuhalten. Wenn die Zirkusunternehmen mit Wildtieren, die sie weder artgerecht halten noch beschäftigen können, keine Besucher mehr anlocken können, werden sie aus wirtschaftlichen Gründen gezwungen sein, ihre exotischen Attraktionen aufzugeben. Ein Zirkus kann auch ohne Wildtiere attraktiv sein.

Als der Zirkus Belly, der Wildtiere mitführt, auf einen privaten Platz auswich, protestierte der Bremer Tierschutzverein.


Wiesloch/Walldorf

Viel Lob zum 50. Geburtstag Z

ur 50-Jahr-Feier des Tierschutzvereins Wiesloch/ Walldorf fand sich viel Prominenz ein. Die Politik war mit dem Minister für den Ländlichen Raum, Wolfgang Reimer, vertreten, gekommen waren auch der Oberbürgermeister von Wiesloch, Franz Schaidhammer, und seine Kollegin Christiane Staab, Bürgermeisterin von Walldorf, sowie viele weitere Politiker der Region. Einem der Ehrengäste, dem Landtagsabgeordneten Dr. Kai SchmidtEisenlohr (Bündnis90/Die Grü-

nen), war der Stolz anzusehen, dass das Tom-Tatze-Tierheim ihm und seinen beiden Freunden seinen Namen verdankt. Die drei hatten als Jugendliche bei einem Wettbewerb um den Tierheimnamen gewonnen. Als Festredner konnte der 1. Vorsitzende des Vereins, Volker Stutz, den Präsidenten des Deutschen Tierschutzbundes begrüßen. Thomas Schröder gratulierte nicht nur zum Geburtstag und brachte Geschenke mit, sondern auch zu den Leistungen des Vereins und des Tierheims. Schröder ging anschließend auf die brennenden Probleme des kommunalen und überregionalen Tierschutzes ein und forderte erneut ein bundesweites Verbandsklagerecht sowie eine grundlegende Novellierung des Tierschutzgesetzes. Dies durch-

Oben links: Die „Tom-Tatze-Tierschutzjugend“ zierte zum 50. Geburtstag des Tierschutzvereins einen „Wunschbaum“ mit ganz persönlichen Wünschen zum Tierschutz. Oben rechts, v.l.: Karl Klein (Mitglied des Landtages BW – CDU), Dr. Kai Schmitt-Eisenlohr (Mitglied des Landtages BW – Bündnis 90/Die Grünen), Dr. Alexander Eger (BM der Gemeinde St. Leon-Rot), Wolfgang Reimer (Ministerialdirektor des Ministeriums Ländlicher Raum und Ernährung BW), Thomas Schröder (Präsident des Deutschen Tierschutzbundes) zusetzen sei der Tierschutz den Gründungsmüttern und -vätern hier in Wiesloch/Walldorf schuldig, denn die hätten schon vor 50 Jahren erkannt, dass Tiere eine Lobby brauchen: „Tiere haben keinen Preis, sondern einen Wert, daran müssen wir die Politik immer wieder erinnern.“ In die gleiche politische Kerbe schlug auch der Vorsitzende des Landesverbandes BadenWürttemberg des Deutschen Tierschutzbundes, Herbert Lawo, der dem Verein Lob dafür zollte, „dass der Tierschutz wahrge-

nommen wird“. Er wünsche sich, so Lawo, dass Tierschutz stärker in der Politik und im Wertdenken der Menschen verankert werde. Volker Stutz zeigte sich vom Lob der Redner überwältigt. „Wir sind auf einem guten Weg. Wir lernen immer dazu und sind offen für Neues.“ Wenn alles wie geplant verläuft, wird der Tierschutzverein Wiesloch/Walldorf, den vor 50 Jahren 19 Mitglieder gegründet haben, in Kürze die 1.000-Mitglieder-Marke knacken. Im Augenblick sind es 919.

Essen

Struppimobil nimmt Fahrt auf W

eil der Tierhilfe-Transporter des Tierschutzvereins Groß-Essen in die Jahre gekommen war, hatten die Tierschützer mithilfe des Schirmherrn dieser Aktion, des Landtagsabgeordneten Peter Weckmann, um Spenden geworben (siehe auch du und das tier 1/2013 Seite 40). Jeder Spender bekam ein „Stück Auto“, ein Schmuckstück aus Schraubenmuttern und Perlen, als Dankeschön. Auch der Oberbürgermeister der Stadt Essen, Reinhard Paß, hatte sich engagiert und beispielsweise auf dem

Essener Weihnachtsmarkt zusammen mit Peter Weckmann Glühwein zugunsten des Struppimobils ausgeschenkt. Die Kinder und Jugendlichen des Aalto-Chores organisierten ein Konzert, die SGS-Frauenfußballmannschaft unterstützte die Stuppimobil-Aktion im Stadion. Auch Essener Unternehmer und unzählige private Tierfreunde spendeten und sammelten. Jetzt ist das neue Struppimobil fahrbereit und unterwegs, um entlaufenen und anderen Tieren in Not die dringend nötige Hilfe zu leisten.

v. l. n.r. Stefan Jansen von Fahrzeug-Werke Lueg AG, Reinhard Wiesemann vom unperfekthaus sowie Elke Esser-Weckmann und Bärbel Thomassen, Leiterin des Albert-Schweitzer-Tierheims. In der Mitte zu sehen: Bubu.

du und das tier  4/2013  49


[vor ort] Hamburg

Tierschutzverein beim Kirchentag W

ährend des 34. Evangelischen Kirchentages im Mai in Hamburg präsentierte sich der Hamburger Tierschutzverein mit einem Info-Stand auf dem „Markt der Möglichkeiten“ in den Messehallen. Kirchentagsbesucher aus ganz Deutschland informierten sich über die vielfältige Tierschutzar-

beit des Vereins, unterstützten die Unterschriftenaktionen und tauschten sich mit dem Team am Stand eingehend über diverse Tierschutzthemen aus. Im Hinblick auf die Losung des Kirchentages „So viel du brauchst“ veranstaltete der Verein außerdem ein Gesprächsforum im Congress Center Hamburg. Im Mittelpunkt stand die Frage nach der Behandlung des Tieres als Mitgeschöpf. Wie agiert die Kirche in der gesellschaftlichen Debatte um agrarindustrielle Massentierhaltung und steigende Tierversuchszahlen? Unter dem

Am Info-Stand des Hamburger Tierschutzvereins konnten sich die Besucher des Kirchentages umfassend informieren. Motto „Das verbrauchte Tier“ referierten Mitglieder des Hamburger Tierschutzvereins im voll besetzten Saal über theologisch-akademische Entwicklungen zum Thema „ M e n s ch - T i e r- B e z i e hu n g “ . Die Bürgerinitiative gegen Tierversuche Lobby pro Tier/

Mienenbüttel und die Vorsitzenden der Bürgerinitiative Wietze (BI gegen Groß-Geflügelschlachthof und Mastställe) sowie des Vereins für Tierrechte Ahrensburg stellten ihre Tierschutzarbeit und die damit verbundenen Erfahrungen mit der Kirche vor.

Itzehoe Köln

Mutiger Einsatz für eine Katze M

ehrere Tage hatte die getigerte Katze in luftiger Höhe auf einem Baum in einem Wald nahe Itzehoe verbracht – und der Katzenjammer war groß! Alle konventionellen Rettungsmethoden scheiterten. Versuche, die Katze mit Futter und gut gemeinten Zurufen zu locken, blieben erfolglos. Aufgrund der schwierigen Geländegegebenheiten im Wald konnte auch die Feuerwehr nicht helfen. Trotz allem gaben Petra Wermke und Claudia Danckers vom Tierschutzverein Itzehoe & Kreis Steinburg nicht auf. Wie den Anwohnern auch, war es den Tierschützern unerträglich, die schon fast seit einer Woche auf einem dünnen Ast auf einem Baum in etwa 20 Metern (!!) Höhe sitzende, immer schwächer werdende Katze

50  du und das tier  4/2013

Doppeltes Wiedersehen D In Klettermontur und mit Seil gesichert rettete Karsten Mohr die Katze aus dem Baum. ihrem Schicksal zu überlassen. Als letzte Chance für den kleinen Tiger kam ein Erklettern des Baumes infrage. Die Tierschützer setzten sich mit Karsten Mohr von der Firma HDL – Garten- und Landschaftsbau in Breitenberg in Verbindung, der sich ohne zu zögern noch bei Einbruch der Dämmerung auf den Weg machte, vor Ort seine Ausrüstung anlegte und die Katze vom Baum holte. Bedankt haben sich die Tierschützer, auch im Namen der Katze, die – am Boden angekommen – nicht mehr zu bremsen war und in hohem Tempo davoneilte.

as Deutsche Haustierregister (DHR) hat schon viele Tiere an ihre Besitzer zurückvermittelt. Doch dieser Fall ist etwas Besonderes: Als ein Mann in Köln sein Auto parken wollte, entdeckte er einen frei laufenden Hund, bei dem offensichtlich kein Halter war. Er nahm sich des Tieres an, erkannte die DHR-Plakette und setzte sich mit dem Haustierregister in Verbindung. Die Daten waren schnell gefunden, doch leider war keine Telefonnummer angegeben. Die Adresse war auch nicht zur Weitergabe freigegeben. So konnten die Mitarbeiter des Haustierregisters dem Finder zunächst nur den Namen der Hundehalterin nennen – und erlebten eine Überraschung: Der Mann erkannte eine alte Schulfreundin, wusste, wo sie früher gewohnt hatte, und nahm

Kontakt auf. Kurz darauf rief die glückliche Hundebesitzerin schon an und hinterlegte vorsichtshalber gleich drei Telefonnummern. Für sie gab es ein doppeltes Wiedersehen: mit Hund Mickey und mit ihrem ehemaligen Schulfreund. Das Deutsche Haustierregis­ ter ist telefonisch erreichbar über das 24-Stunden-Service-Telefon: 0228 60496-35, im Internet über die Website: www.registrier-dein-tier.de

Ein Zufall und seine Registrierung beim DHR brachte Mickey wieder nach Hause.


Wietze

Auf zur Großkundgebung A

13

man heute Pferdekoppeln und insgesamt zehn Hundeausläufe zwischen 100 und 3.000 Quadratmetern sowie kleinere Hundefreiläufe. Eine etwa 100 Quadratmeter große Freiflugvoliere, mehrere Kleintierausläufe und ein großzügiges Hühnergehege ergänzen die Anlage. Der Geehrte wirkte ergriffen und empfand die Auszeichnung fast als ein bisschen ungerecht, weil er nur Stellvertreter für so viele Personen sei, die die Ehrung mindestens genauso verdient hätten: „Ich habe große Hochachtung vor den Menschen, die ein Ehrenamt ausfüllen, das mit so großen Unannehmlichkeiten verbunden ist.“

31.8. WIR HABEN

2013

er langjährige 1. Vorsitzende des Tierschutzvereins Neuburg-Schrobenhausen, Gerhard Schmidt, wurde für seine Verdienste um den Tierschutz mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Schmidt, der ehrenamtlich arbeitet, habe, als er den Vorsitz des Vereins übernahm, ein baufälliges Tierheim Riedensheim und starken Mitgliederschwund vorgefunden, so der Ansbacher Landrat Jürgen Ludwig in seiner Laudatio. Heute hat sich die Mitgliederzahl versechsfacht, der Verein sei fast schuldenfrei und habe den Tierheimneubau auf einem gekauften Gelände vorangetrieben. Auf 95.000 Quadratmetern findet

Ca -1 mp .9. 20

Bundesverdienstkreuz für Tierschützer D

.8.

neuburg

Ständige Antibiotikagaben sind erforderlich, weil in der qualvollen Enge und bei der Masse der Tiere die Seuchengefahr andernfalls zu groß wäre. Die Umwelt um solche Mega-Anlagen wird drastisch in Mitleidenschaft gezogen durch Gülle, überdüngte Gewässer und Geruchsbelästigung. Das Netzwerk „Meine Landwirtschaft“ ruft deshalb für den 31. August 2013 zur Demonstration und Schlachthof-Umzingelung in Wietze auf. Parallel dazu findet vom 29. August bis 1. September 2013 ein Sommercamp mit einem bunten WorkshopProgramm und Musik statt. Für gutes Essen sorgen Wam Kat und die Fläming Kitchen. Im Vorfeld wird es bundesweit Aktionen geben. Mehr Infos dazu unter www.wir-haben-es-satt.de oder www.meinelandwirtschaft.de

29

Gerhard Schmidt in Aktion. Der Bundesverdienstkreuzträger arbeitet weiterhin ehrenamtlich im Tierschutzverein Neuburg-Schrobenhausen.

m 31. August, drei Wochen vor der Bundestagswahl, startet das Netzwerk „Meine Landwirtschaft“, dem auch der Deutsche Tierschutzbund angehört, vor Europas größtem Geflügelschlachthof im niedersächsischen Wietze einen Aktionstag unter dem Motto „Wir haben Agrarindustrie satt“, zu dem alle Unterstützer herzlich eingeladen sind. In Wietze sollen – nach dem Willen des Investors – täglich 430.000 Hühner geschlachtet werden. Der Mega-Schlachthof wurde mit 6,5 Millionen Euro aus Steuergeldern subventioniert. Er ist Symbol für die fehlgeleitete Agrarpolitik, die die Agrarindustrie stützt und der bäuerlichen Landwirtschaft die Existenzgrundlage nimmt. Die Haltungsbedingungen in den lichtlosen Ställen der Tierfabriken entsprechen nicht den Bedürfnissen der Tiere.

AGRARINDUSTRIE SATT!

Demo 13h Umzingelung 15h Konzert 17h Wietze/Celle, Niedersachsen www.wir-haben-es-satt.de

an Europas größtem Hühnerschlachthof

du und das tier 4/2013 51


[vor ort] Weiterstadt

Großeinsatz beim Freiwilligen-Tag A

m weltweiten „Global Volunteer Day“, dem FreiwilligenTag am 5. Juni, kamen 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

von Life Technologies auf die Keller-Ranch, um aktiv mitzuarbeiten. In zwei Schichten unterstützten sie den Tierhilfeverein

Statt Biotechnik Arbeit für lebende Tiere: die Mitarbeiter beim Freiwilligentag

bei der Versorgung der rund 300 Tiere, den Instandhaltungsund Routinearbeiten. Sie waren über das Freiwilligenzentrum in Darmstadt auf den Gnadenhof aufmerksam geworden und hatten sich im internen Organisationsteam für den Projekttag auf dem Gnadenhof entschieden. Das Team der Keller-Ranch freute sich nicht nur über die personelle Unterstützung, sondern auch über Geld- und Sachspenden, die innerhalb des Unternehmens

gifhorn

Mahnwache Ministerium unterstützt für Shila Katzenkastration A S nordrhein-Westfalen

chon 2011 hatte das Ministerium für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz in NRW mit einem Förderprogramm die Tierschutzvereine bei der Kastration von Katzen unterstützt. Die guten Erfahrungen und die hohe Resonanz haben das Ministerium veranlasst, dieses Förderprogramm neu aufleben zu lassen. Die Tierschutzvereine des Landestierschutzverbandes NRW können Anträge dazu stellen. Das Förderprogramm sieht eine Gesamtsumme von 200.000 Euro für 2013 vor. Je 5.000 Euro können die Tierschutzvereine maximal erhalten. Für die Vereine, die sich zusätzlich zur Betreuung der Tierheimkatzen auch um frei lebende Katzen kümmern, um möglichst viele von ihnen zu

52 du und das tier

4/2013

kastrieren, ist das eine enorme Hilfe. Denn jede nicht kastrierte frei lebende Katze bedeutet zwei- bis dreimal im Jahr Jungtiere, die draußen aufwachsen und nur im Tierheim aufgenommen werden können, wenn sie das Glück haben, rechtzeitig gefunden zu werden. Wenn nicht, droht ihnen ein leidvolles Leben auf der Straße.

NRW unterstützt Tierschützer finanziell bei der Kastration frei laufender Katzen.

nfang Juni barg ein Angler eine tote Hündin aus dem Maikampsee (Gifhorn, Niedersachsen). Schnauze und Pfoten der etwa ein Jahr jungen Dobermannhündin waren mit silberfarbenem „Panzerband“ verschnürt! So hatte die vollkommen hilflose Hündin einen angstvollen und schrecklichen Tod erleiden müssen. Die Täter wurden ermittelt und drei Tage später festgenommen: Sheila musste sterben, weil sie nicht stubenrein war ... Diese grausame Tat hat in der Öffentlichkeit weit über die Grenzen Gifhorns hinaus für Fassungslosigkeit und Entsetzen gesorgt. So trafen sich ein paar Tage später 1.000 Menschen mit ca. 300 Hunden, die ein schwarzes Bändchen am Halsband trugen, um gemeinsam zu dem See zu gehen, wo Sheila

gesammelt worden waren. KarlHeinz Keller, 1. Vorsitzender des Gnadenhofes, war von diesem Einsatz begeistert: Viele notwendige Arbeiten seien innerhalb dieses Projektes erledigt worden, und am Ende des Tages sei dies auch auf dem ganzen Gelände der Keller-Ranch sichtbar gewesen. Auch das Mitarbeiterteam von Life Technologies zieht ein positives Fazit: „Wir haben viele unterschiedliche Tiere, ihre Schicksale und die damit verbundenen vielfältigen Aufgaben kennenlernen dürfen. Nach diesem ereignisreichen Tag werden wir dem Verein verbunden bleiben.“

– gefesselt und geknebelt – ins Wasser geworfen worden war und qualvoll ertrinken musste. Dort wurden brennende Kerzen aufgestellt. Vera Steder, Vorsitzende des Landesverbandes Niedersachsen und des Gifhorner Tierschutzvereins, machte in einer Ansprache deutlich, dass der Öffentlichkeit und der Justiz mit dieser Veranstaltung ein besonderes Zeichen gegeben werde. „Menschen mit roher Gesinnung, die einem Mitlebewesen so großes Leid antun, finden in unserer Gesellschaft, die den Tierschutz im Grundgesetz verankert hat, keinen Platz“, rief sie den versammelten Tierschützern zu. Auf diese friedliche Weise zeigten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Öffentlichkeit ihre Betroffenheit und brachten ihre Erwartung einer gerechten Strafe für die Tierquäler zum Ausdruck.


tÜbingen

Demonstration gegen Affenversuche Z um dritten Mal versammelten sich Tierversuchsgegner auf dem Marktplatz in Tübingen, um gegen die behördlich genehmigten Affenversuche zu demonstrieren. An drei Instituten in Tübingen werden Rhesusaffen in der Hirnforschung gequält. Sie werden durch Durst gezwungen, jeden Tag stundenlang mit angeschraubtem Kopf Aufgaben am Bildschirm zu erfüllen. Über ein Bohrloch im Schädel werden Elektroden in das Gehirn eingeführt. Die Qual der Tiere kann Jahre dauern. Roman Kolar, stellvertretender Leiter der Akademie für Tierschutz des Deut-

schen Tierschutzbundes, kritisierte vor 200 Demonstranten, denen sich spontan etwa 100 Passanten angeschlossen hatten, diese Versuche vehement. Das Leid der Tiere beginne schon bei den immer wieder notwendigen Tierfängen in der Wildnis. Es setze sich mit der Haltung der Tiere in den Labors fort und gipfele in den Versuchen. Kolar forderte die rot-grüne Landesregierung auf, ein Versuchsverbot an Affen durchzusetzen. Den Tieren Leid und Schmerzen zu ersparen, „das ist die Landesregierung den Wählern schuldig und auch den Tieren“.

Die Bundestagsabgeordnete Angelika Krüger-Leißner (SPD) packte im Tierheim kräftig mit an.

fÜrstenberg/tornoW

Polit-Praktikantin H

ohen Besuch hatte der Tierschutzverein im Landkreis Oberhavel in seinem Tierheim Tornow. Die Bundestagsabgeordnete Angelika Krüger-Leißner (SPD) war vor Ort. Nicht nur, um das Tierheim zu besichtigen und sich die Sorgen der Mitarbeiter anzuhören, sondern auch, um als „Praktikantin“ tatkräftig mitzuhelfen. Als zweifache Hundebesitzerin fand sie sich schnell zurecht, säuberte die Hundezwinger und brachte die Hunde auf den Spielplatz. In den Katzenunterkünften kehrte sie gründlich, schüttelte Decken aus und reinigte Näpfe und Katzentoiletten. Sie zeigte sich empört darüber, dass der Tierschutzverein vom Kreis keine finanzielle Unterstützung erhält. Es gibt

lediglich eine Förderung über die mittelbrandenburgische Sparkasse, die von einem Zweckverband, dem der Landkreis angehört, getragen wird. Und so mussten die Tornower die Kosten für ihr neues Hundehaus, das Mitte August eröffnet wird, ohne finanzielle kommunale Hilfe stemmen. Der Rat der Politikerin: die Kreisräte nach Fertigstellung des Hauses einladen, damit sich die Abgeordneten selbst ein Bild von dem immensen finanziellen und personellen Aufwand machen könnten. Angelika Krüger-Leißner war nicht zum ersten Mal als Praktikantin im Tierheim, und sie wird es weiterhin besuchen, um den Mitarbeitern ihre Anerkennung zu zeigen und weitere Freiwillige zu motivieren.

berlin

„Grüne Spenden“ für das Tierheim D as Tierheim Berlin ist bekannt für seine ansprechende Begrünung und vielfältige Flora. So wird hier unter anderem seit 2001 der „Baum des Jahres“ gepflanzt. Um die Begrünung weiter voranzutreiben, sammelte der Tierschutzverein im Oktober und Novem-

ber Heckenspenden. Auf einer Länge von insgesamt rund 500 Metern sollen das Tierheimgelände mit einer Wildhecke begrünt und die Bepflanzungslücke geschlossen werden. Neben der optischen Wirkung entstehen so auch wichtige Brutplätze für Vögel und

Versteckmöglichkeiten für andere Wildtiere. Die Berliner spendeten mehr als 200 Meter Hecken, darunter Liguster, Berberitzen und Forsythien. Mit der Bepflanzung wurde Anfang November begonnen. Das Tierheim sagt herzlich Danke für diese „grünen Spenden“.

Auch Berberitzen verschönern jetzt das Tierheimgelände.

du und das tier 4/2013 53


[vor ort] nordrhein-Westfalen

ieben tote (mutmaßlich vergiftete) Mäusebussarde, eine grausame Habichtsfalle, in der eine lebende Taube als Köder saß, zwei Scherenfallen, in denen die Vögel mit einem Stein zerquetscht werden, und sechs ebenfalls illegale Leiterfallen stellte die Polizei sicher, nachdem sie, gemeinsam mit Mitgliedern des Komitees gegen den Vogelmord (Mitglied im Deutschen Tierschutzbund) und anderer Vereine, fünf Tage lang in Nordrhein-Westfallen verdächtige Gebiete durchforstet hatte. Schwerpunkt der Kontrollen, an denen sich 14 Vogelschützer und acht Polizeibeamte beteiligten, war das Münsterland. Polizei und Jagdbehörden leiteten dort insgesamt 15 Straf- und Ordnungswidrigkeitsverfahren ein. „Bei den Tätern handelt es sich fast immer um Jäger und Geflügelzüchter, die Greifvögel immer noch als Schädlinge und

Lebende Tauben sollten die Greife in die Falle locken. Die Polizei schnappte die Täter.

Hühnerdiebe betrachten“, erklärte Heinz Schwarze, Vorsitzender des Komitees gegen den Vogelmord. Das Komitee hat, zusammen mit dem Landesverband NRW des Naturschutzbundes (NABU), der Nordrhein-Westfälischen Ornithologengesellschaft und der Stiftung Umwelt und Entwicklung NRW, einen Leitfaden für Naturfreunde und Behörden herausgegeben. „Greifvogeljagd in NRW“ informiert über die illegale Greifvogelverfolgung in Deutschland und NRW, über die Gesetzeslage und wie und woran man Greifvogelverfolgungen erkennt. Die Broschüre ist als pdf-Download im Internet zu finden: www.komitee.de (Projekte/ Deutschland/Greifvogelverfolgung).

Termine

08.09.13

04.10.2013

26169 Friesoythe

14.00 Uhr Der Gnadenhof –

Tag der offenen Tür und 25

ein Besuch mit Rundgang

Jahre. Info: TSV Friesoythe

und Führung sowie Darstel-

u. Umgebung e.V.,

lung der Einzelschicksale

Tel.: 04492-443

mit Tierarzt Frank Ehlert.

14.-15.09.13 21514 Wotersen Event „Mein Hund –

05.10.13

Partner auf vier Pfoten“

06842 Dessau-Roßlau

Info: Tierschutz Mölln/

Tierschutztag, Stand beim

Lbg. u. Umgebung e.V.,

Umweltbundesamt Dessau

Tel.: 04542-837009

Info: Ein Heim für Tiere e.V., Tel.: 0340-2301831 oder

30.09. – 04.10.13

0177-5981366

16321 Ladeburg WOCHE DES TIERSCHUTZES

12.10.13

·

06842 Dessau-Roßlau

30.09.2013

Erntedankfest im Tierheim.

10.00 Uhr, Eröffnung der

Infos zu Rettung der kleinen

Woche des Tierschutzes mit

Igel: „Wie verhalte ich mich,

Fotoausstellung

wenn ich im Herbst kleine

· 01.10.2013 14.00 Uhr, Tag der Sponsoren · 02.10.2013 19.00 Uhr, Vortrag: Die Biene – das drittwichtigste Haustier der Welt. und Ansporn für junge Leute zur Imkerei Referent: Horst Lange, Imker aus Klosterfelde

4/2013

nim e.V., Tel.: 03338-38642

Info-Stand beim Hunde-

Ein Bekenntnis zur Imkerei

54 du und das tier

Info jeweils: TSV Niederbar-

Igel finde, die den Winter allein nicht überleben?“ Info: Ein Heim für Tiere e.V., Tel.: 0340-2301831 oder 0177-5981366 12.10.13 42389 Wuppertal „Igel im Herbst in unserem Garten“, Führung durch den Igelgarten mit Tipps und Anregungen, wie Sie

·

den Stacheltieren im Herbst

03.10.2013

helfen können, sowie Igel-

Tag der Deutschen Einheit

Wissens-Rallye für Kinder

Ein Familienspaziergang im

Info: Igelschutz-Interessen-

Tierheim von 14.00 Uhr bis

gemeinschaft e.V.,

16.00 Uhr (Anmeldungen

Tel.: 0202-2653173 und

werden erbeten)

unter www.igelschutz-ev.de

FOTOS: TIERSCHUTZVEREIN ALTENBURG, CHRISTINA KUHHAUT, PFEIFER-TSV WIWA (2), TIERSCHUTZVEREIN ESSEN, TIERSCHUTZVEREIN HAMBURG, TIERSCHUTZVEREIN ITZEHOE, DEUTSCHER TIERSCHUTZBUND, GERHARD SCHMIDT, KARL-HEINZ KELLER, IMAGO, TIERSCHUTZVEREIN MAINZ, TIERSCHUTZVEREIN OBERHAVEL, TIERSCHUTZVEREIN BERLIN, FLICKR/TIERRECHTSINITIATIVE REGION STUTTGART, KOMITEE GEGEN DEN VOGELMORD (2)

Kampf gegen die illegale Greifvogeljagd S

Vormerken!


[ Nachruf] Der Autor, Journalist und langjährige Chefredakteur von du und das tier

Harvey T. Rowe ist am 22.05.2013 im Alter von 93 Jahren verstorben.

Foto: Deutscher Tierschutzbund

A

ls Harvey Rowe 1979 die Redaktion der Zeitschrift du und das tier übernahm, hatte der Deutsche Tierschutzbund gerade eine schwierige Phase überwunden. In einer Kampfabstimmung auf dem Münchner Tierschutzkongress war der Rechtsanwalt und prominente Tierschützer Dr. Andreas Grasmüller zum Präsidenten des Deutschen Tierschutzbundes gewählt worden – unterstützt unter anderem von dem jungen Vorsitzenden des Bremer Tierschutzvereins, Wolfgang Apel, dem späteren Präsidenten des Deutschen Tierschutzbundes. Harvey Rowe erzählte später gerne, dass es zunächst seine Ehefrau war, die ihn für den Tierschutz gewann. Entsetzt über Kälber in Kisten und Legehennen in engen Käfigen – Bilder, die Prof. Bernhard Grzimek 1975 in seiner populären Fernsehsendung „Ein Platz für Tiere“ gezeigt hatte – initiierte sie eine private Unterschriftenaktion, die – unterstützt von vielen prominenten Vertretern aus Kultur und Wissenschaft, darunter Nobelpreisträger Konrad Lorenz - ein großes Medienecho hervorrief. 3,2 Millionen Bürger protestierten damals gegen die Käfighaltung der Legehennen – ein Thema, das Harvey Rowe als Redakteur von du und das tier auch weiterhin begleitete. Einmal angestoßen, blieb Harvey Rowe dem Tierschutz treu. 25 Jahre lang war er Vorsitzender des Tierschutzvereins Starnberg (Bayern). In seine Amtszeit fiel unter anderem der Ausbau des dortigen Tierheims. Sein Blick ging jedoch immer auch über den Tierschutz vor Ort hinaus. Die Aufgabe, das Mitgliederma-

Harvey T. Rowe (links) auf der Mitgliederversammlung des Deutschen Tierschutzbundes am 09.05.1999 in Würzburg mit Dr. Brigitte Rusche und Wolfgang Apel

gazin des Deutschen Tierschutzbundes, die Zeitschrift du und das tier, zum „Nachrichtenmagazin des Tierschutzes“ zu machen, übernahm er daher gerne. In enger Zusammenarbeit mit dem Präsidium und der Bundesgeschäftsstelle des Deutschen Tierschutzbundes entstand ein optisch und inhaltlich neu gestaltetes Magazin, in dem kritische Reportagen zur Hundezucht und zur landwirtschaftlichen Tierhaltung ebenso Platz fanden wie der Bericht über die gerettete Katze, Ratte „Oskar“ als Heimtier und die Not der Tierheime. Harvey Rowe war als Redakteur stets für neue Themen und Herausforderungen offen. Mit seinem Tierschutzengagement und seinem herausragenden journalistischen Gespür machte er die Mitgliederzeitung nicht nur zu einem beliebten Magazin rund um den Tierschutz. Er gab auch jungen Kollegen Raum für die von ihnen recherchierten Themen und machte damit einer

größeren Leserschaft, zu der auch die Abgeordneten des Deutschen Bundestages gehörten, bislang wenig beachtete Tierschutzprobleme bewusst – ein erster Schritt zur Beendigung von Tierqual. In all diesen Jahren war Harvey Rowe für das Präsidium und die Mitarbeiter des Deutschen Tierschutzbundes ein zuverlässiger, liebenswürdiger Mitstreiter, mit dem sich gut diskutieren und manchmal auch streiten ließ. Er war ein Freund. Ende 1998 übergab Harvey Rowe die Verantwortung für die Redaktion der Zeitschrift in jüngere Hände. Das Präsidium des Deutschen Tierschutzbundes ehrte ihn für sein langjähriges, tierschützerisches Engagement 1999 mit der Franz-vonAssisi-Medaille. Der Redaktion du und das tier blieb er auch später noch als erfahrener Autor und Ratgeber verbunden. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken erhalten. Präsidium des Deutschen Tierschutzbundes e.V. und Redaktion du und das tier

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Du und das Tier 4/2013  

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