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du und das tier 3|2013

Tierschutz aus erster Hand

43. Jahrgang | ISSN 0341-5759

Tierheime

Gefunden und Geborgen

KIEW

Hoffnung für Straßentiere

BUNDESTAGSWAHLEN

Forderungen an die Parteien

STADTTAUBEN

Betreuen statt bekämpfen


Damit Tieraugen leuchten. Seit 端ber 20 Jahren unterst端tzen Pedigree速 und Whiskas速 den Deutschen Tierschutzbund und Tierheime in ganz Deutschland. Weil wir Tiere lieben.

Partner des Deutschen Tierschutzbundes

www.pedigree.de

www.whiskas.de www.tierschutzbund.de


[ EDITORIAL] Thomas Schröder, Präsident

Liebe Tierfreundinnen und Tierfreunde, in den letzten Wochen war ich bei vielen Vereinsjubiläen zu Gast. Immer wieder gab es dabei eine verbindende Linie: Die Gründungsmütter und Gründungsväter sind zu einer Zeit aktiv geworden, in der der Tierschutz noch nicht auf der politischen Agenda weit oben stand. Und es gab – leider – noch eine verbindende Linie: Die Herausforderungen im Tierschutz, mit denen vor 50 oder 140 Jahren begonnen wurde, sind auch heute noch Baustellen: Tierversuche, Tiertransporte, der praktische Tierschutz sind nur einige der Beispiele. Was aber anders ist als früher: Der Tierschutz ist – auch dank unseres gemeinsamen Engagements in einem solidarischen, geschlossen kämpfenden Dachverband – auf der politischen Agenda weit nach oben gerutscht. Deswegen besteht jetzt mehr denn je die Chance, unsere Tierschutzforderungen zum TopThema des Bundestagswahlkampfes zu machen. Die Mitgeschöpfe, die nicht für sich selbst sprechen können, sind auf unsere Stimmen angewiesen – auf die „Stimme für die Tiere“. Die Parteien sind auf Ihre Stimme angewiesen, da gilt: Machen Sie Ihre Stimme zur Stimme für die Tiere (siehe Seite 27). Unser Aktionsposter finden Sie in der Mitte des Heftes. „Machen Sie den Bundestag tierfreundlicher“ ist unser Motto. Wer die Verbandsklage für seriöse Tierschutzverbände ablehnt und wer nicht anerkennt, dass das Tierschutzgesetz einer umfassenden Novellierung bedarf, und wer nicht aktiv dazu beiträgt, die Tierheiminfrastruktur in Deutschland zu sichern, der wird sich die Stimmen der Millionen Tierfreundinnen und Tierfreunde nur schwer verdienen können.

Immer wieder müssen die Tierheime unerwartete Notsituationen meistern. Oft ganz kurzfristig, zum Beispiel dann, wenn Zoll und Polizei einen illegalen Hundetransport stoppen. In kürzester Zeit müssen sie – wie jüngst wieder in Nürnberg und Feucht – auf einen Schlag viele, meist viel zu junge, oft kranke Welpen aufnehmen und betreuen. Eine Herkulesaufgabe, bei der die Tierheime sich gegenseitig unterstützen und der Deutsche Tierschutzbund mit Mitteln aus seinem „Feuerwehrfonds“ hilft. Wir können in akuten Notfällen einspringen. Dringend erforderlich sind jedoch grundsätzliche politische Entscheidungen – für ein Heimtierschutzgesetz, das die Zucht, den Handel und die Haltung von Tieren regelt und den Behörden eine Grundlage für strikte Kontrollen gibt. Vor allem aber brauchen wir einen verlässlichen Rahmen für die Erstattung der Leistungen, die in den Tierheimen für den Staat, für die Gesellschaft erbracht werden (siehe Seite 10 ff.). Ich sage bewusst „Staat“, denn hier sind Bund, Land und Kommunen gemeinsam gefordert, da darf sich niemand aus seiner Verantwortung stehlen. Ganz viel Kraft hat auch die Großdemonstration gegen Tierversuche in Berlin gegeben (Seite 28). Selten sind so viele Bürger mit dem Motto „Forschung ja – Tierversuche nein“ auf die Straße gegangen. Auch unser Tierschutzlabel beginnt zu wirken (Seite 32). In diesem Sinne bitte ich Sie: Geben Sie Ihre Stimme für die Tiere. Kämpfen Sie weiter mit uns und für die uns anvertrauten Mitgeschöpfe. Herzlichst, Ihr

du und das tier 3/2013 3

FOTO: DEUTSCHER TIERSCHUTZBUND

Stimme für die Tiere


[ i n h a lt ]

du und das tier 3/2013 Alle Titelthemen sind mit einem

✘ gekennzeichnet

6 Kurz und knapp

34 Draussen

Mitmachen Deutscher Tierschutzpreis

Stadttauben Betreuen statt bekämpfen

Konferenz in Bangkok Erfolg und Misserfolg für den Artenschutz Publikation Umwelt Aktuell Kennzeichnungspflicht Bundesrat fordert

Fotos/titel: Dreamstime.com/E. Isselee, Imago, Deutscher Tierschutzbund (3); inhalt: Deutscher Tierschutzbund e.V. (2),Tierheim Feucht, Tierheim Stuttgart

Regierung zum Handeln auf

28

Aktuell In Berlin gingen Hunderte auf die Straße, um gegen Tierversuche zu demonstrieren.

Hormonwirksame Umweltchemikalien Aktion Kollege-Hund-Tag 2013

illegalen Welpenhandel

38 Jugend

unzureichende Verordnung

Itzehoe Jugendtierschutz im Hundehaus

Tierschutzzentrum Weidefeld Wildtierbabys

Stuttgart Protest gegen die qualvolle

brauchen Hilfe

Kaninchenmast

Bundesgerichtshof Generelles Tierhalteverbot

Reutlingen Ein Hotel für Insekten

in Mietverträgen gekippt Tierschutz in Europa Eurogroup-Treffen in der Akademie für Tierschutz

36

Geschäft mit Modehunden Stoppt den

EU-Parlament unterstützt tierversuchsfreie Tests Kaninchenmast Protest gegen

Hinter den Kulissen Der illegale Welpenhandel mit kranken und zu jungen Tieren belastet zunehmend die Tierheime.

36 Hinter den Kulissen

Hessen Fibeln für Kinder und ihre Familien Termine

Urlaubs-Hilfe Nimmst du mein Tier ...

40 Vor Ort 9 Kontakt

Bremen Affenversuche vor dem Bundesverwaltungsgericht

10 Titelthema

Tierheime Gefunden und gut geborgen

Altenburg Missstände auf dem Taubenmarkt

Fundtiere Kostenerstattung für die Tierheime

Bremen Rübes neues glückliches Leben

Unterstützung aus den Landeshaushalten

Berlin Podiumsdiskussion um Tierversuche

Beratungsangebot für Tierheime?

38

Jugend Die Jugendtier­ schutzgruppe Stuttgart schrieb an Ministerin Aigner, um bessere Bedingungen für Mast­ kaninchen zu erreichen.

Karlsruhe Tierleid auf der Terraristikmesse

20 Projekte

Flensburg Beste Auszubildende aus Weidefeld

Tierschutz in Kiew Auf einem guten Weg

22 Das Vegane Rezept Mango-Basilikum-Wraps

27 Aktuell

Elmshorn Pfandbons als Spende Darmstadt Wildtierverbot im zurückgenommen München Demonstration für Verbands­ klagerecht Dortmund Erfolgreiche Hundeauslaufflächen Kelsterbach Paten für Wildtierbabys gesucht

Bundestagswahlkampagne Stimme für die Tiere Großdemonstration gegen Tierversuche

Coesfeld/Dülmen Noch mehr Stärke durch Fusion Termin

Forschung ja – Tierversuche nein

40

Vor Ort Auf der Karlsruher Terraristikmesse gab es zahlreiche ungeahndete Verstöße gegen die Börsenordnung.

4  du und das tier  3/2013

Jugendländerrat Vernetzungstreffen

46 Das Letzte

der Jugendvertreter

Justin Bieber Mit Affenbaby auf Europa-Tournee

Kondolenzspenden Die Trauer in Zuversicht umwandeln Tierschutzlabel Interview mit Dr. Lars Schrader

46 Impressum


[ IM

FOKUS]

Solche Tierfabriken lassen sich verhindern, wenn Bürger und Tierschützer sich kurzschließen und handeln.

Bauernhöfe statt Agrarfabriken

M

astanlagen für mehr als 100.000 Hähnchen oder ebenso viele Schweine: In den vergangenen fünf Jahren begann ein regelrechter Run von Großinvestoren, die auf schnelles Geld durch gigantische Anlagen spekulierten, auf vorher land- oder forstwirtschaftlich genutzte Flächen. Auf der Strecke blieben örtliche Bauern, Anwohner und die Natur – vor allem aber die Tiere, die in qualvoller Enge, ohne natürliches Licht und frische Luft, teils unter Einsatz von Antibiotika binnen weniger Wochen oder Monate schlachtreif gemästet werden. Doch der anfänglich nur von Einzelpersonen angemeldete Protest formierte sich: Vor drei Jahren gründete sich

das Netzwerk „Bauernhöfe statt Agrarfabriken“, in dem Bürgerinitiativen, Bauern, Tier- und Naturschutzverbände ihre Kräfte gebündelt haben. Der BUND, die Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft (AbL) und der Deutsche Tierschutzbund unterstützen seither die Bürger vor Ort. Bürgerinitiativen tauschten Erfahrungen aus, informierten sich über die rechtlichen Möglichkeiten und organisierten Gutachten. Der andauernde bundesweite Widerstand hat sich gelohnt: In den zurückliegenden Monaten konnte das Netzwerk 16 Tierfabriken für insgesamt 880.000 Masthühner und 20.000 Puten stoppen oder die Genehmigung von Anlagen aufschieben. So wurde in Mecklenburg eine bereits genehmig-

te Hähnchenmastanlage stillgelegt, in Niedersachsen gar nicht erst genehmigt. Einige Investoren zogen ihre Anträge von sich aus zurück – wegen des angekündigten Widerstandes. Und auch politisch zeigt der massive Druck der Bevölkerung Wirkung: Mit der Novelle des Bundesbaugesetzes werden die Gemeinden das Recht haben, geplante Großmastanlagen zu erschweren. Das Netzwerk „Bauernhöfe statt Agrarfabriken“ wird weiterhin Bürgerinitiativen sowie Natur- und Tierschutzvereine bei ihren Protesten vor Ort unterstützen mit dem klaren Ziel: Klasse statt Masse – artgerechte Tierhaltung in kleinbäuerlichen Strukturen, wie sie auch ein Großteil der Bevölkerung wünscht. du und das tier 3/2013 5

FOTO: IMAGO

Zunehmende Erfolge durch gebündelten Widerstand


[ KURZ

UND KNAPP]

Fünf Haiarten, die vor allem wegen ihrer Flossen intensiv bejagt wurden, stehen jetzt auf Anhang II und dürfen nur eingeschräkt gehandelt werden

Mitmachen

Deutscher Tierschutzpreis Auch in diesem Jahr verleiht der Deutsche Tierschutzbund gemeinsam mit der Zeitschrift FUNK UHR den „Deutschen Tierschutzpreis" – unterstützt von den Marken Whiskas und Pedigree, die unter anderem die Preisgelder stiften. Der Preis soll besonders engagierte Menschen ehren und gleichzeitig den Tieren helfen. Er ist mit 6.000 Euro dotiert (3.000 Euro für den ersten Platz, 2.000 Euro für den zweiten und 1.000 Euro für den dritten Platz). Zusätzlich wird das Lebenswerk eines engagierten Tierschützers mit 1.000 Euro prämiert. Zugelassen sind sämtliche Themen, vom praktischen Tierschutz bis zur Tierschutzpolitik – für alle Tierarten. Egal ob im Verein oder in einer anderen Initiative: Wichtig ist, dass

Konferenz in Bangkok

Erfolg und Misserfolg für den Artenschutz Die 16. Artenschutzkonferenz in Bangkok war gleichzeitig der 40. Geburtstag des Washingtoner Artenschutzabkommens (CITES). Mehr als 2.000 Teilnehmer aus 177 Ländern diskutierten elf Tage lang über den Schutz gefährdeter Tiere und Pflanzen. Gewinner der Konferenz waren mehr als 200 Tier- und Pflanzenarten, die neu unter Schutz gestellt wurden, darunter fünf Haiarten. Heringshai, WeißspitzenHochseehai und drei Hammerhaiarten dürfen nur noch eingeschränkt gehan-

delt werden, da ihr Bestand aufgrund der hohen Nachfrage nach ihren Flossen und anderen Körperteilen, vor allem in Asien, drastisch gesunken ist. Gleiches gilt für zwei Arten von Mantarochen, deren knorpelige Kiemenplatten in China für medizinische Zwecke verwendet werden. Auch der Handel für mehrere stark bedrohte Schildkrötenarten wurde ausgesetzt oder verboten. Zum Schutz der Tropenwälder beschloss die Konferenz strengere Handelsregelungen für Baumarten wie Eben- und Rosenholz. Eindeutiger Verlierer der Konferenz sind die Eisbären: Ihre Felle und Körperteile dürfen weiterhin gehandelt werden, nicht zuletzt wegen des Widerstandes Dänemarks, das im Interesse Grönlands die Eisbärenjagd weiterhin erlauben will. Die erforderliche Einstimmigkeit der EU war daraufhin nicht gegeben. Pro Jahr werden rund 500 Eisbären erschossen – hauptsächlich wegen ihrer Felle.

es sich um ein konkretes und nachhaltiges Engagement für Tiere handelt. Es gibt keine Altersbeschränkung. Wenn Sie jemanden für den Deutschen Tierschutzpreis vorschlagen möchten, beschreiben Sie sein/ihr Engagement auf maximal einer DIN-A4-Seite und mit maximal drei Fotos. Einsendeschluss ist der 26. Juli 2013. Vorschläge bitte an: FUNK UHR Kennwort "Deutscher Tierschutzpreis" 20560 Hamburg oder per E-Mail an: tierschutzpreis@funkuhr.de

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3/2013

Publikation Umwelt-Infodienst Der Deutsche Naturschutzring (DNR), dem der Deutsche Tierschutzbund angeschlossen ist, gibt seit mehr als fünf Jahren als regelmäßigen Informationsdienst das Magazin „Umwelt aktuell“ heraus. Die Zeitschrift, die monatlich erscheint, informiert kompakt und verständlich über Themen und Entwicklungen in Ökologie, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Da 80 Prozent der deutschen Umweltgesetzgebung heute auf europäischer Ebene beschlossen werden, liegt ein

besonderes Augenmerk auf der EU-Umweltpolitik. Anlässlich der 55. Ausgabe zum fünften Jubiläum bietet der Verlag oekom drei Ausgaben als Probe-Abo zum Sonderpreis an. Ältere Ausgaben finden Sie vollständig im Internet. Mehr Info unter www.oekom.de/ zeitschriften/umwelt-aktuell


Kennzeichnungspflicht für Produkte mit Ei

Ratten und Mäuse leiden erheblich bei Chemikalienprüfungen.

Bundesrat fordert Regierung zum Handeln auf Ende März stimmte der Bundesrat einem Entschließungsantrag des Landes Rheinland-Pfalz zu, wonach Eier und Eiprodukte in Lebensmitteln wie Nudeln oder Backwaren entsprechend den Haltungssystemen der Legehennen gekennzeichnet werden sollen. Zuvor hatte bereits der Agrarausschuss des Bundesrates die Zustimmung zu diesem Antrag empfohlen. Der Deutsche Tierschutzbund fordert seit Jahren eine verpflichtende Kennzeichnung aller Fertigprodukte, damit der Verbraucher erkennen kann, welche Eier (Bio-/Öko-, Freiland-, Boden-, Käfighaltung) in Backwaren, Nudeln und

Nach dem Willen des Bundesrates muss jetzt auf Eiernudeln stehen, woher die genutzten Eier stammen. ähnlichen Waren verarbeitet wurden. Der Bundesrat hat die Bundesregierung nun aufgefordert, die Kennzeichnung der Eiprodukte nach Haltungsform der Legehennen vorzunehmen. Darüber hinaus fordert er, auch auf EU-Ebene auf eine solche Kennzeichnungspflicht zu drängen. Die Bundesregierung hingegen möchte noch einen Bericht der EUKommission zur Herkunftskennzeichnung von Lebensmitteln abwarten, der erst Ende 2014 vorliegen wird. Mit der Entschließung des Bundesrates zum Antrag aus Rheinland-Pfalz gerät sie nun unter Druck, schon vorher zu handeln.

Hormonwirksame Umweltchemikalien

EU-Parlament unterstützt tierversuchsfreie Tests Bei einem Votum im EU-Plenum über Maßnahmen zur Begrenzung hormonwirksamer Chemikalien in der Umwelt hat sich das EU-Parlament dafür ausgesprochen, zur Bewertung möglicher Risiken von Chemikalien tierversuchsfreie Tests einzusetzen. Die Sitzung war nötig geworden, weil immer mehr Chemikalien in den Naturkreislauf gelangen, die in den Hormonhaushalt von Mensch und Tier eingreifen, und die EU-Strategie, die den Eintrag derartiger Chemikalien in den Naturhaushalt verhindern soll, bereits zehn Jahre alt ist. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse zwingen zu schärferen

Kontrollen und strengeren Bedingungen bei der Nutzung solcher Stoffe. In ihrem Votum betonten die Abgeordneten des Europäischen Parlaments, dass tierversuchsfreien Prüfmethoden in der neuen EU-Strategie der Vorzug gegeben werden müsse. Tierversuche dürften nur als letztes Mittel eingesetzt werden. Das ist ein Erfolg für den Tierschutz und auch für den europäischen Dachverband, die Eurogroup for Animals, der der Deutsche Tierschutzbund angehört. Die Eurogroup hatte den Abgeordneten im Vorfeld Alternativen zu bisher üblichen Tierversuchen aufgezeigt.

Aktion Kollege-Hund-Tag 2013 Zum fünften Mal ruft der Deutsche Tierschutzbund für den letzten Donnerstag im Juni den Kollege-Hund-Tag aus. Hundebesitzer sollen die Möglichkeit erhalten, ihre Hunde für einen Tag zur Arbeit mitzubringen. Mitarbeiter und Kollegen, die keinen Hund besitzen, können ihre Liebe zum Vierbeiner entdecken und Berührungsängste abbauen. Die Hunde selbst können beweisen, wie gut sie fürs Betriebsklima sind und wie motivierend sie auf die menschlichen Kollegen wirken. Alle teilnehmenden Unternehmen

erhalten eine Urkunde, die sie als tierfreundlichen Betrieb auszeichnet. In diesem Jahr fällt der Aktionstag auf den 27. Juni. Wer daran teilnehmen möchte, findet das Anmeldeformular online im Internet unter www.kollege-hund.de.

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UND KNAPP]

Kaninchenmast

Tierschutzzentrum Weidefeld

Protest gegen Wildtierbabys unzureichende brauchen Hilfe Verordnung Rund 25 Millionen Mastkaninchen müssen in Deutschland bis zu ihrer Schlachtung unter grausamen Bedingungen leben. Bisher gab es in der TierschutzNutztierhaltungsverordnung keine Haltungsvorgaben für Kaninchen. Das will das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) jetzt ändern und hat einen Entwurf erarbeitet. Dieser ist allerdings aus Sicht des Deutschen Tierschutzbundes unzureichend. Zum einen sieht er keine Freilaufhaltung vor, zum anderen sind die Platzvorgaben für die Tiere viel zu knapp bemessen. Der Entwurf verpflichtet außerdem nur die gewerblichen Züchter, nicht aber die Hobbyhalter und -züchter, die in der Mehrzahl sind. Wie bisher dürfen dem Verordnungsentwurf des BMELV zufolge Kaninchen in Käfigen gehalten und mehrere Käfige übereinandergestapelt werden, und es ist keine ausreichende Lichtquelle vorgesehen. Auch gibt es Übergangsfristen von bis zu acht Jahren, die aus der Sicht des Tierschutzes nicht zu rechtfertigen sind. Der Deutsche Tierschutzbund hat seine Kritik sowohl dem Ministerium gegenüber als auch in der Öffentlichkeit deutlich gemacht (siehe auch Aktivitäten der Jugend, Seite 38). Seine Änderungvorschläge, die er dem BMELV übermittelt hatte, wurden jedoch nicht berücksichtigt. Die Bundesregierung hat ihren Verordnungsentwurf in unveränderter Form der EU-Kommission zur Prüfung zugeleitet.

Mastkaninchen brauchen bessere Haltungsbedingungen.

8 du und das tier

3/2013

Feldhasenbabys in Weidefeld

Ein verwaistes Feldhasenbaby erfolgreich von Hand aufzuziehen ist keine einfache Aufgabe. Spezielle Aufzuchtmilch wird angerührt, alle vier Stunden muss gefüttert werden, das Bäuchlein wird massiert, und das Kleine braucht ein kuscheliges Nest. Das Team des Deutschen Tierschutzbundes im Tierschutzzentrum Weidefeld stellt sich unter der wissenschaftlichen Leitung von Dr. Katrin Umlauf stetig auf neue Bewohner und deren Bedürfnisse

ein. Es ist jederzeit gewappnet, schnell auf Notfälle wie verletzte oder verwaiste Wildtierkinder zu reagieren. Auch in diesem Jahr werden wieder viele Wildtierbabys aufgenommen, liebevoll aufgepäppelt und später auswildert. Egal ob Federn oder Fell: Enten- und Möwenküken, Schwalben- und Singvogelwaisen oder auch Krähenkindern und Käuzchen, Kaninchen-, Hasen-, Iltis- und Marderbabys wird in der Wildtierkinderstube in Weidefeld professionell geholfen. Wer das Team in Weidefeld unterstützen möchten, kann eine MiniOnline-Patenschaft für die aktuellen Wildtierbabys übernehmen. Begleiten Sie die aktuellen Sorgenkinder bis zu ihrer erfolgreichen Auswilderung! Als Wildtierbaby-Pate erhalten Sie eine Patenurkunde, zwischendurch ein Mal aktuelle Fotos und einen Abschlussbericht – jeweils in Form einer E-Mail. Welche Wildtierkinder der Deutsche Tierschutzbund in dieser Saison in Weidefeld beherbergt, erfahren Sie auf der Internetseite www.tierschutzbund-spenden.de/ patenschaften/patentiere.

Bundesgerichtshof

Generelles Tierhalteverbot in Mietverträgen gekippt Mit seinem Urteil vom 20. März 2013 hat der Bundesgerichtshof die Rechte tierlieber Mieter gestärkt. Künftig ist es nicht mehr möglich, die Haltung von Katzen und Hunden im Mietvertrag prinzipiell zu verbieten. Der Gerichtshof entschied, es müsse eine umfassende Interessenabwägung aller betroffenen Parteien stattfinden. Im Fall eines kranken Jungen, dessen Eltern auf ärztliches Anraten einen kleinen Hund in die Familie aufgenommen hatten, hatte die Wohnbaugenossenschaft auf den Mietvertrag verwiesen und den Auszug des Hundes binnen vier Wochen verlangt. Die Eltern hatten dagegen durch alle Instanzen geklagt und schließlich vor dem Bundesgerichtshof gewonnen. Der Deutsche Tierschutzbund begrüßte das Urteil als

Im Mietvertrag dürfen Hunde und Katzen nicht mehr prinzipiell verboten werden, urteilte der Bundesgerichtshof. Schritt in die richtige Richtung. Allerdings werde es auch künftig nicht immer einfach sein, einen Hund zu halten. Im Fall eines größeren Tieres beispielsweise hätte die Interessenabwägung auch anders ausfallen können.

FOTOS: NABU/R. PARIS, DREAMSTIME.COM/LCULIG, PANTHERMEDIA/NATIKA, DEUTSCHER TIERSCHUTZBUND(2), IMAGO, ANIMALS-DIGITAL.DE/HAGEDORN

[ KURZ


KONTAKT Deutscher Tierschutzbund e. V. Baumschulallee 15 53115 Bonn Telefon 0228-60496-0, Telefax 0228-60496-40 www.tierschutzbund.de/kontakt

Hotlines Service-Hotline, Bundesgeschäftsstelle Telefon 0228-60496-0 Deutsches Haustierregister ® und Deutsches Tierdiebstahlregister Rund um die Uhr: Telefon 0228-60496-35

Besprechung in der Akademie: v.l.: Roman Kolar (Stellvertretender Leiter der Akademie für Tierschutz), Reineke Hameleers (Direktorin Eurogroup for Animals), Thomas Schröder (Präsident Deutscher Tierschutzbund), Peter Davies (Präsident Eurogroup for Animals)

Spenden-Hotline: Telefon 09001-226688 (nur aus dem deutschen Festnetz). Sie spenden € 5,00

Internet

Tierschutz in Europa

Eurogroup-Treffen in der Tierschutzakademie Um gemeinsame Anliegen mit dem Deutschen Tierschutzbund zu besprechen und die aktuelle Schwerpunktsetzung des Tierschutzes in Europa zu diskutieren, kamen der neue Präsident der Eurogroup for Animals, Peter Davies, und die neue Direktorin der Eurogroup, Reineke Hameleers, Anfang April in die Akademie für Tierschutz des Deutschen Tierschutzbundes in Neubiberg bei München. Die Eurogroup for Animals mit Sitz in Brüssel koordiniert als Dachorganisation des Tierschutzes in Europa

den Kontakt zwischen den nationalen Tierschutzorganisationen der Mitgliedsstaaten und den Institutionen der Europäischen Union. Ihr Ziel ist es, in ganz Europa einen besseren Schutz der Tiere durchzusetzen. Gesprächspartner der neuen Präsidiumsmitglieder waren Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Dr. Brigitte Rusche, Vizepräsidentin und Leiterin der Akademie für Tierschutz, und Roman Kolar, Stellvertretender Leiter der Akademie für Tierschutz.

www.tierschutzbund.de Hier finden Sie tagesaktuelle Meldungen, Hintergrundinformationen und Aktionsmöglichkeiten. Für Kinder und Jugendliche gibt es die Seiten www.tierschutzkids.de und www.jugendtierschutz.de

Social Web Folgen Sie uns – bei www.facebook.com/tierschutzbund www.twitter.com/tierschutz_bund www.youtube.com/tierschutzbundTV

Online spenden

www.tierschutzbund-spenden.de

Tierschutz-Podcast

Urlaubsaktion Nimmst du mein Tier ... Seit 19 Jahren ist die Urlaubsaktion „Nimmst du mein Tier, nehm’ ich dein Tier“ des Deutschen Tierschutzbundes und seiner Mitgliedsvereine eine Lösung für alle, die ohne ihr Tier in die Ferien fahren müssen. Die Aktion, die die Tierschutzvereine vor Ort organisieren, führt Tierbesitzer und engagierte Tierliebha-

bern zusammen, die sich als „Frauchen und Herrchen auf Zeit“ anbieten. Die Aktion wird von den Marken Whiskas und Pedigree unterstützt, die sich seit vielen Jahren als Partner der Urlaubsaktion engagieren. Trotz umfangreicher Information, Beratung und praktischer Hilfestellung vor Ort werden in den Sommermonaten jedes Jahr immer noch fast 70.000 Haustiere – vor allem Hunde und Katzen – von ihren Besitzern ausgesetzt. Auch die Anzahl der abgegebenen Kleintiere, wie Hamster, Meerschweinchen und Ratten, steigt stetig an – vor allem in der Urlaubszeit. Viele Tierheime geraten dann an die Grenzen ihrer Kapazität. Weitere Informationen: www.tierschutzbund.de/urlaubs-hilfe

Wer immer gut informiert sein möchte, hat die Möglichkeit, die Tierschutznachrichten zu abonnieren: www.tierschutzbund.de/ podcast

Kostenloser Service Melden Sie Ihr Haustier online im Deutschen Haustierregister® an: www.registrier-dein-tier.de

Spendenkonto des Deutschen Tierschutzbundes Sparkasse KölnBonn BLZ 370 501 98, Konto-Nr.: 40 444 IBAN: DE 88 37050198 0000040444, BIC: COLS DE 33 Spenden sind steuerlich absetzbar.

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[ t i t e lt h e m a ]

Fundhunde wie dieser bleiben oft lange Zeit im Tierheim

10  du und das tier  3/2013


Tierheime

Gefunden und gut geborgen Unzählige Tiere werden jedes Jahr gefunden und in den Tierheimen betreut. Teddys Geschichte ist exemplarisch für viele Schicksale.

D

en struppigen Hund hatten Passanten auch gestern schon auf dem Parkplatz am Einkaufszentrum gesehen. Das Tierchen stöberte in einer Mülltonne herum, lief vor dem Eingang des Supermarktes hin und her. Es schonte seine rechte Vorderpfote und schien jemanden zu suchen. Als der kleine Kerl am Feierabend dort immer noch herumlief, informierte eine Mitarbeiterin die Polizei: „Wir haben einen Hund gefunden.“ So kam Teddy ins Tierheim. Dort fand er endlich wieder Menschen, die sich um ihn kümmerten. Er bekam einen Platz im Zwinger, gutes Futter und Wasser. Der Tierarzt untersuchte ihn und behandelte die Schnittwunde an seiner Pfote. Wie viel Mühe es die Mitarbeiter des Tierheims anschließend kostete, seine Besitzerin ausfindig zu machen, bekam Teddy nicht mit. Die Hundemarke war nicht mehr lesbar, aber das Tier war gechippt. Der Tierschutzverein meldete den Fund dem Deutschen Haustierregister, fotografierte das Tier, informierte die örtlichen Medien und stellte Teddys Bild auf die Website des Tierschutzvereins. Tiere zu betreuen, die – wodurch auch immer - in Not geraten sind, ist für die Tierschutzvereine selbstverständlich. Fundtiere brauchen ebenso Schutz und Betreuung wie diejenigen Tiere, die mit der Bitte um Weitervermittlung im Tierheim abgeben wurden. Juristisch betrachtet liegt die Verantwortung für die Betreuung von Fundtieren allerdings bei den Kommunen, denn auch Tiere unterliegen dem „Fundrecht“. Die Kommune muss dafür sorgen, dass das gefundene Tier gut untergebracht ist und betreut wird. Dem Fundrecht zufolge hat sie eine „Aufbewahrungspflicht“ von sechs Monaten. Innerhalb dieses Zeitraums kann der Besitzer sein Eigentum zurückverlangen, das Tierheim kann das Tier nur unter Vorbehalt weitervermitteln. Doch nur etwa jeder zweite Fundhund (2009: 58 Prozent der Fundhunde) kann seinem Halter wieder zugeführt werden. Im Durchschnitt du und das tier  3/2013  11


[ t i t e lt h e m a ] gelingt das innerhalb von acht Tagen. In Einzelfällen kann es auch sehr viel länger dauern. Bei Katzen ist die Erfolgsquote noch weitaus geringer. Einer Umfrage zufolge, die das MAFO-Institut Schwalbach im Auftrag des Deutschen Tierschutzbundes 2009 durchführte, konnten Tierheime und Behörden nur bei 19 Prozent der Fundkatzen die Besitzer ausfindig machen, und dies auch erst nach durchschnittlich 16 Tagen. Die übrigen Fundtiere bleiben im Tierheim, bis sie vermittelt werden können. Sie werden tierärztlich versorgt und von den Tierpflegern genauso gut betreut und gepflegt wie alle anderen Tiere in der Obhut des Vereins. Tag für Tag entstehen dem Tierschutzverein dadurch Kosten, und die Kommunen sind nicht immer bereit, sie angemessen zu bezahlen. Der Umfrage des MAFO-Institutes zufolge sind die Tierheime im Durchschnitt zu rund 80 Prozent mit Tieren belegt, die im öffentlichen Auftrag untergebracht und versorgt werden. Hierunter fallen vor allem Fundtiere, aber auch beschlagnahmte oder sichergestellte Tiere. Für deren Unterhalt sind die Behörden zuständig, doch 2009 haben Behörden den Tierheimen tatsächlich nur etwa 25 Prozent der anfallenden Kosten erstattet. Die Problematik wird häufig durch unklare Zuständigkeiten verschärft. EiMEH R IN F O S Mithilfe des Deutschen haustierregisters kann ein Tier schnell wiedergefunden werden, wenn es einmal entlaufen ist. Tiere, die gekennzeichnet und dort registriert sind, können über eine Datenbank leicht identifiziert werden. Tauchen sie andernorts auf, ist der Besitzer schnell ausfindig gemacht – vorausgesetzt, er hat bei einem Umzug seine neue Adresse hinterlassen. Für Fund- und Vermisstmeldungen ist eine Telefon-hotline eingerichtet: 24-Stunden-Service-Telefon: 0228 60496-35 informationen zum Deutschen haustierregister finden Sie im internet auf der Seite: www.registrier-dein-tier.de

12 du und das tier

3/2013

ne bundeseinheitliche Regelung bei der Fundtierkostenübernahme wäre wünschenswert. Aufgrund der auseinanderfallenden Zuständigkeiten – der Vollzug des Tierschutzgesetzes ist Ländersache und die Fundtierunterbringung kommunale Pflicht – scheint dies derzeit jedoch nicht umsetzbar. Bis auf Weiteres muss jeder Tierschutzverein eigenständig mit den Gemeinden und anderen Behörden in seinem Tätigkeitsbereich verhandeln. Teilweise gelingt das mit gutem Erfolg (siehe Seite 13 ff.). Teddy hatte großes Glück. Seine Besitzerin meldete sich schon nach

In not geratenen Hunden und Katzen zu helfen ist für die Tierschutzvereine selbstverständlich.

zwei Tagen im Tierheim – überglücklich, ihren Liebling wiedergefunden zu haben. Sie war vor Kurzem umgezogen, hatte dem Deutschen Haustierregister ihre neue Adresse noch nicht gemeldet, und Teddy hatte sich bei einem Spaziergang selbstständig gemacht. Auch der Tierschutzverein hatte in diesem Fall Glück, denn nicht alle Tierhalter sind so einsichtig. Teddys Besitzerin jedoch war den Tierschützern dankbar und gerne bereit, dem Verein die Kosten zu erstatten, die ihm durch die Betreuung ihres Schützlings entstanden waren. Dr. HEIDrun BETZ


Fundtiere

Kostenerstattung für die Tierheime Fotos: Dreamtsime/Darezare, istock/Dan Brandenburg/Dwight Smith, animals-digital.de, Fotolia/O. Tuffe, Panthermedia/A. Yakimova

Mit seiner Kampagne „Rettet die Tierheime“ hatte der Deutsche Tierschutzbund 2010 auf die prekäre finanzielle Lage vieler Tierheime aufmerksam gemacht und Bund, Länder und Kommunen aufgefordert, ihrer Verantwortung für den Schutz der Tiere besser gerecht zu werden. Auf lokaler und auch auf Landesebene zeigen sich Fortschritte.

V

ielerorts übernehmen Tierheime anstelle der Gemeinden die Betreuung der Fundtiere – und damit eine kommunale Aufgabe, die das Fundrecht den Fundämtern der Städte und Gemeinden zuweist. Es sollte daher selbstverständlich sein, dass den Tierheimen diese Kosten angemessen erstattet werden. Doch das ist keineswegs der Fall. Der Deutsche Tierschutzbund fordert eine einheitliche Regelung der Fundtierkosten durch den Bund. Die Bundesregierung verweist jedoch an Länder und Kommunen. Eine 2010 eingeleitete Gesprächsrunde mit dem Deutschen Städtetag, dem Städte- und Gemeindebund und dem Landkreistag ist gescheitert, da kein Konsens erzielt werden konnte (du und das tier berichtete). Da die Fundtierunterbringung eine kommunale Aufgabe ist, ziehen sich auch die Länder mehrheitlich zurück, wenn es um einheitliche Empfehlungen bezüglich der Fundtierkostenübernahme geht. Umso erfreulicher war es daher, dass das Sächsische Ministerium für Soziales und Verbraucherschutz und der Sächsische Städte- und Gemeindetag in Abstimmung mit dem Landestierschutzverband Sachsen 2012 eine Empfehlung zum Umgang mit Fundtieren im Freistaat Sachsen erlassen haben. Vor dem Hintergrund des Staatszieles Tierschutz stellte dieser Erlass klar, dass die Fundbehörde im Zweifel von einem Fundtier ausgehen

müsse, wenn keine eindeutigen Beweise vorliegen, dass es sich um ein herrenloses Tier handelt. Zudem wird darin klargestellt, dass die Gemeinden grundsätzlich für die Unterbringung von im Gemeindegebiet aufgegriffenen Fundtieren verantwortlich sind.1 Während die Tierschutzvereine in Sachsen bei Verhandlungen mit den Kommunen über die Erstattung der Fundtierkosten immerhin auf diese aktuelle Empfehlung der Landesre-

gierung verweisen können, gibt es in anderen Bundesländern keine entsprechenden Regelungen.

Endlose Verhandlungen Die Vereine sind daher gezwungen, mit jedem einzelnen Bürgermeister in ihrem Tätigkeitsbereich eigenständig in Verhandlungen zu treten. Tierschutzvereine, die deutlich zu wenig Mittel für ihre Leistungen erhalten – und das sind viele –, werden dabei versuchen, ihre Vertragslage durch

Immer noch übernehmen nicht alle Kommunen die Kosten für die Versorgung von Fundtieren, obwohl sie dazu verpflichtet wären. Doch einige zeigen inzwischen Einsicht.

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[ t i t e lt h e m a ] Neuverhandlungen zu verbessern. Dass das nicht immer leicht ist und reibungslos abläuft, zeigt sich immer wieder. Dabei liegen die Vereine mit ihren Forderungen oft noch immer deutlich unter einer kostendeckenden Erstattung.

Unterstützung des Dachverbandes Um seine Mitgliedsvereine bei den Verhandlungen zu unterstützen, organisiert der Deutsche Tierschutzbund regelmäßig Seminare zur Fundtier­ kostenerstattung. Er gibt Hinweise zur Vertragsgestaltung und stellt den

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Mitgliedsvereinen diverse Argumentationshilfen für den Umgang mit den Behörden zur Verfügung. Ergänzend dazu hat der im Gemeinnützigkeitsrecht für Tierschutzvereine spezialisierte Steuerberater Ralf-Dieter Siebert in einem Gutachten Rechenbeispiele vorgestellt, wie kostendeckende Tagessätze für die Fundtierbetreuung zu errechnen sind.2 Mitgliedsvereine des Deutschen Tierschutzbundes können die Publikationen über die Bundesgeschäftsstelle beziehen. Darüber hinaus unterstützen die Landesverbände des Deutschen Tierschutzbundes die Vereine auch

aktiv vor Ort. Als unabhängige Begleiter können sie den Tierschutzvereinen in Verhandlungen mit ihren Kommunen starke Rückendeckung geben.

Verschiedene Modelle Hilfreich ist es in vielen Fällen auch, Erfahrungen aus anderen Vereinen einfließen zu lassen. So konnten bereits mehrere Vereine in Niedersachsen mit Unterstützung des Landesverbandes des Deutschen Tierschutzbundes mit ihren Kommunen eine vollständige Übernahme der entstandenen Kosten für


wohnerzahl orientiert, läuft wiederum Gefahr, außer Verhältnis zu geraten, wenn die Einwohnerzahl sinkt oder sich das Fundtieraufkommen erhöht. Der Verein muss seinen Vertrag mit den Gemeinden, deren Fundtiere er betreut, daher von Zeit zu Zeit den Umständen anpassen. Wird eine Pauschale nach festen Daten, etwa der Einwohnerzahl der Gemeinden, festgelegt, sollten alle Kommunen im Tätigkeitsbereich denselben Satz entrichten. Dabei ist darauf zu achten, dass zumindest annähernd Kostendeckung erzielt wird. Der Deutsche Tierschutzbund geht davon aus, dass je Einwohner mindestens 1,00 Euro zzgl. 7 Prozent Umsatzsteuer erzielt werden müssen, um kostendeckend arbeiten zu können. Diese Zahl ist keineswegs utopisch. So hat der Tierschutzverein Dachau (Bayern) beispielsweise in der Vergangenheit Verhandlungsgeschick bewiesen. Er erhält seither von jeder Kommune, deren Fundtiere er betreut, 1,00 Euro pro Gemeindeeinwohner. 1,00 Euro pro Einwohner erhalten auch der Tierschutzverein Gotha (Thüringen) und der Verein Tierheim im Wartburgkreis (Thüringen). Andere, wie der Tierschutzverein Ilmenau (Thüringen), kämpfen noch darum (siehe du und das tier 4/12, S. 41). Der Tierschutzverein Wiesloch-Walldorf (Baden-Württemberg) bekommt von seinen Kommunen gestaffelte Pauschalen ab 1,00 Euro, von einer Kom-

mune sogar 1,50 Euro pro Einwohner. Der Tierschutzverein Salzwedel (Sachsen-Anhalt) erhält von einer Gemeinde 1,00 Euro pro Einwohner, von einer anderen gar 1,60 Euro. Das Tierheim in Pflanzwirbach (Thüringen) bekommt von den kleineren Gemeinden seines Einzugsgebietes 1,00 Euro, von den größeren Gemeinden sogar 2,00 Euro je Einwohner. Grundsätzlich ist zu beachten, dass Vereine, die ein weitläufiges, dünn besiedeltes Einzugsgebiet betreuen, insgesamt rechnerisch höhere Pauschalen benötigen als Vereine in größeren Städten. Dennoch zeigen diese Beispiele, dass mit guter Argumentation und Verhandlungsgeschick, vielleicht auch einem Quäntchen Charme, durchaus zufriedenstellende Ergebnisse erzielt werden können. Und kein Mitgliedsverein ist auf sich alleine gestellt, weil er sich immer der Unterstützung seiner Nachbarvereine, des jeweiligen Landesverbandes und des Deutschen Tierschutzbundes als seinem Dachverband sicher sein kann. Dr. Heidrun Betz Dr. Caroline Hartmann Christian Schönwetter

1) „Gemeinsame Empfehlungen des SMS und SSG zum Umgang mit Fundtieren im Freistaat Sachsen“, Dresden, Juni 2011 2) „Deutscher Tierschutzbund e.V.: Kostenerstattung für Tiere im Tierheim - Argumentationshilfen im Umgang mit den Behörden, Juni 2010“ und Ralf-Dieter Sieber: „Bericht über die Ermittlung von Tagessätzen bei Fund-, Abgabe- und Verwahrtieren“

Links: In vielen Tier­ heimen helfen Ehren­ amtliche, die mit den Schützlingen Spazier­ gänge machen und sie auf das Leben in einer neuen Familie vorbereiten. Rechts: Schwer ver­ mittelbare Katzen und halbwilde Tiere freuen sich über begrenzten, gesicherten Freigang — auch im Tierheim.

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Fotos: animals-digital.de, Panthermedia.com/B. Juergens

die Fundtierbetreuung vereinbaren („Gifhorner Modell“). Jeder Tierschutzverein muss zunächst prüfen, welches Kostenmodell für ihn das richtige ist. Feste Pauschalzahlungen geben dem Tierschutzverein zwar Planungssicherheit. Doch wenn sie stark von den tatsächlichen Ausgaben abweichen oder gar nicht genau errechnet und eingefordert wurden, besteht ein großes Risiko, dass die Kosten des Tierschutzvereins nur zu einem geringen Anteil übernommen werden. Eine Pauschale, die sich, zur besseren Vergleichbarkeit, an der Ein-


[ t i t e lt h e m a ] Tierheime

Unterstützung aus den Landeshaushalten Die Situation der Tierheime soll sich bessern. Einige Bundesländer haben die prekäre Lage erkannt und zur Unterstützung der Tierheime in ihren Jahreshaushalten eigens Fördermittel bereitgestellt.

D

ie finanzielle Unterstützung der Tierheime ist eines der zentralen Themen in den Gesprächen, die die Landesverbände des Deutschen Tierschutzbundes mit ihren Landesregierungen führen. Zum Welttierschutztag 2010 hatten die Tierheime erstmals in Berlin demonstriert, um auf ihre prekäre finanzielle Situation aufmerksam zu machen. „Rettet die Tierheime“ war das Motto der Kampagne des Deutschen Tierschutzbundes. Rückläufige Einnahmen der Tierschutzvereine infolge der Finanz- und Wirtschaftskrise standen einem hohen Investitionsbedarf in den Tierheimen gegenüber. Viele Tierheime haben seit Jahren schwierige bauliche Voraussetzungen. Wichtige Um- und Ausbauten waren zudem aufgeschoben worden, da die finanziellen Mittel fehlten. Die erforderlichen Verbesserungen waren für die Tierschutzvereine kaum aus eigener Kraft zu stemmen. Dabei sind die Tierheime im öffentlichen Interesse tätig. Tierschutz ist Ländersache. Auf diese Verantwortlichkeit wiesen der Deutsche Tierschutzbund und seine Landesverbände immer wieder hin – und zwischenzeitlich hat sich einiges zum Positiven entwickelt. Mehrere Länder unterstützen den praktischen Tierschutz bereits kontinuierlich. Andere sind erst kürzlich aktiv geworden. Nachdem in den Jahren 2007 bis 2009 bereits Fördermittel explizit für Quarantäneeinrichtungen vergeben wurden, hat das Land Baden-

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In einigen Bundesländern erhalten Tierschutzvereine Fördermittel des Landes für ihre Tierheime — wie hier in Essen, NRW.

Württemberg im Jahr 2010 erstmalig 500.000 Euro für Tierheimsanierungen fest im Landeshaushalt bereitgestellt. Das Fördermittelprogramm ist mittlerweile bis einschließlich 2016 verlängert worden. Dabei werden auch die Kommunen mit in die Pflicht genommen, die Finanzierung der Projekte erfolgt auf Grundlage einer Drittelung der Kosten (ein Drittel Tierschutzverein, ein Drittel Land, ein Drittel Kommunen). Das Land Nordrhein-Westfalen hatte 2011 einmalig 500.000 Euro für

Tierheimsanierungen zur Verfügung gestellt. Aufgrund der Haushaltslage wurde dieses Programm 2012 jedoch nicht noch einmal aufgelegt. Aktuell beabsichtigt die Landesregierung einer Vorabinformation zufolge, für bauliche Maßnahmen in Tierheimen in den Jahren 2013 bis 2017 insgesamt 1,7 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen. 2013 soll eine Summe von 500.000 Euro bereitgestellt werden, in den folgenden Jahren vermindert sich der Betrag auf jeweils 300.000 Euro pro Jahr. Der Höchstbetrag pro


Antragsteller (Tierschutzverein) soll voraussichtlich auf 80.000 Euro erhöht werden. Der offizielle Erlass lag zum Redaktionsschluss allerdings noch nicht vor. In Rheinland-Pfalz dagegen ist keine Höchstfördermittelsumme angegeben, hier werden Tierheime „im Rahmen der verfügbaren Haushaltsmittel“ unterstützt. Gefördert werden Bau und Einrichtung von Tierheimen, künftig soll die Einschätzung der Tierheimberatung des Deutschen Tierschutzbundes in den Vergabeprozess mit einbezogen werden (siehe Seite 18 f.). 2010 investierte das Land 412.482 Euro in Tierheime, 2011 waren es 557.853 Euro. Tierheime in den fünf neuen Bundesländern haben zum Teil bereits seit Jahren die Chance, Fördermittel ihres Landes zu erhalten. So gewährt Sachsen seit 2002 staatliche Zuwendungen im Bereich des Tierschutzes – zur Schaffung von

Tierplätzen, zur Anschaffung von Futtermitteln, zur Übernahme von Tierarztkosten für die Kastration und Sterilisation herrenloser Katzen sowie zur Beschaffung von Tierbedarfsgegenständen. Seit 2013 liegt die im Haushalt festgelegte Fördermittelsumme bei 560.000 Euro. In Mecklenburg-Vorpommern wurden die Fördermittel zur Schaffung neuer Tierheimplätze im Jahr 2012 auf jährlich 100.000 Euro erhöht, das Programm ist bereits bis 2014 gesichert. Auch Sachsen-Anhalt stellt im Jahr 2013 erneut 93.000 Euro zur Verfügung. Diese Gelder können zur Förderung von baulichen Maßnahmen zur Verbesserung von Haltungsbedingungen in Tierheimen, zur Förderung besonders tiergerechter Haltungsbedingungen wie auch zur Verleihung von Preisen zur Würdigung herausragender Initiativen und Verdienste auf dem Gebiet

des Tierschutzes verwendet werden. Im Thüringer Haushalt sind jährlich 81.300 Euro als Zuschüsse für Inves­ titionen an Tierheime in freier und gemeinnütziger Trägerschaft eingeplant. Das Landesministerium in Brandenburg vergibt für den Ausbau und Umbau von Tierheimen Fördermittel aus Lottomitteln in Höhe von rund 140.000 Euro pro Jahr. Positive Entwicklungen sind auch in Niedersachsen und SchleswigHolstein zu erkennen: Die Landesregierung in Kiel hat in ihrem Koalitionsvertrag angekündigt: „Wir werden gemeinsam mit den Tierschutzverbänden und den Kommunen nach Wegen suchen, um die Tierheime zu entlasten.“ Die neue Landesregierung in Hannover ist sogar noch einen Schritt weiter gegangen und hat in ihrem Koalitionsvertrag die Tierheimförderung unmittelbar als Regierungsziel vorgesehen.

Fotos: deutscher tierschutzbund e.v., Animals-digital.de

In manchen Tierheimen können die Hunde dank einiger Umbaumaß­ nahmen jetzt in Gruppen gehalten werden.

du und das tier  3/2013  17


[ t i t e lt h e m a ] Tierheime

Beratungsangebot für Tierheime E

nde 2011 hat der Deutsche Tierschutzbund zur fachlichen Unterstützung und Beratung der ihm angeschlossenen Vereine mit Tierheimen die Tierheimberatung ins Leben gerufen. Zwei hauptamtliche Tierärztinnen beraten die Mitgliedsvereine fachlich – sowohl persönlich vor Ort als auch „aus der Ferne“. Der Dachverband wächst damit noch enger mit seinen Vereinen zusammen. Die beiden Tierärztinnen, Dr. Caroline Hartmann und Katja Dubberstein, haben bereits selbst in Tierheimen gearbeitet – sowohl in der tierärztlichen Betreuung als auch in der Tierpflege –, und beide waren auch mit Leitungsaufgaben betraut. Nun beraten, unterstützen und begleiten sie die Tierheime

des Deutschen Tierschutzbundes seit gut zwei Jahren fachlich: In enger Zusammenarbeit mit den Landestierschutzverbänden besuchen sie die Tierschutzvereine nach und nach vor Ort, um sich ein besseres Bild von der Lage vor Ort zu machen und gemeinsam mit dem Verein Verbesserungsund Optimierungsmöglichkeiten im Tierheim zu erarbeiten. Sie klären Fragen zum Tierheimbetrieb, geben Hilfestellung, beispielsweise bei tiermedizinischen Problemen oder Fragestellungen. Oft können sie hilfreiche Tipps geben, wie andere Vereine Probleme oder Situationen gemeistert haben. Ziel der Tierheimberatung ist die Sicherstellung eines einheitlichen Qualitätsstandards der Tierheime,

die dem Deutschen Tierschutzbund angeschlossen wird. Um diesen Standard nach außen zu dokumentieren, werden Tierheime, die die Tierheimordnung des Deutschen Tierschutzbundes einhalten, mit der „Tierheimplakette“ ausgezeichnet. Wichtig ist dabei, dass die historische und bauliche Geschichte jedes Tierheimes sehr individuell ist. Daher werden alle Tierheime auch individuell betrachtet und beraten. Sollte sich herausstellen, dass ein Tierheim den geforderten Qualitätsstandard in einzelnen Punkten noch nicht erreicht hat oder erreichen kann, so wird eine individuelle Strategie zur Umsetzung von Verbesserungsmaßnahmen entwickelt. Gegebenenfalls gibt der Deut-

Links: Vor der Beratung steht eine ausführliche Begehung des Tierheims, um den Ist-Zustand abzuklären. Vor der Vergabe der Plakette, wie hier in Hersbruck, besprechen die Berater mögliche Maßnahmen. Rechts: Katja Dubberstein erläutert die Tierheimordnung des Deutschen Tierschutzbundes.

18  du und das tier  3/2013


Fotos: deutscher tierschutzbund e.v.

sche Tierschutzbund dem Verein dafür zusätzlich zum fachlichen Rat auch finanzielle Unterstützung. Das Ziel ist eine schnellstmögliche Umsetzung der vereinbarten Maßnahmen, damit die Tierheimplakette so bald wie möglich vergeben werden kann. Damit die Besuche vor Ort noch effektiver ablaufen, aber auch, um den Austausch zwischen Vereinen in einer Region noch mehr zu stärken, findet vorbereitend zu den Besuchen vor Ort inzwischen ein Seminar zur Tierheimordnung statt. Dieses Seminar, zu dem gezielt Tierschutzvereine der jeweiligen Region eingeladen werden, wird in enger Zusammenarbeit mit den jeweiligen Landesverbänden, in räumlicher Nähe zu den eingeladenen Vereinen organisiert. Darauf aufbauend, im zweiten Schritt, werden die Tierheime besucht und die allgemein gültigen Richtlinien auf das spezielle Tierheim angewendet. Über diese Hilfe vor Ort hinaus berät die Tierheimberatung des Deutschen Tierschutzbundes auch bei fachlichen Fragen oder Problemen „aus der Ferne“. Dazu gehören beispielsweise die fachliche Prüfung von Bauplänen und die Beratung bei geplanten Baumaßnahmen. Wie können die Anforderun-

gen an Quarantäne- und Krankenstationen erfüllt werden? Wie kann das Tierheim mit Problemen im Alltag umgehen, beispielsweise mit dem Auftreten einer ansteckenden Krankheit? Sind die Hygienemaßnahmen ausreichend? Darüber hinaus findet ein kontinuierlicher, fachlicher Gedankenaustausch mit Institutionen und Verbänden statt, die Einfluss auf die Arbeit der Tierheime haben – wie der Bundesverband beamteter Tierärzte (BbT), der Bundesverband praktizierender Tierärzte (bpt) oder die Verwaltungsberufsgenossenschaft (VBG).

Die Tierheime nehmen das Angebot sehr gerne an. 106 Tierheime im Bundesgebiet haben die beiden Tierärztinnen bereits besucht und beraten. Die Reihenfolge, in der dies geschieht und die Plakette vergeben wird, dokumentiert keine Rangliste, denn die Termine müssen in Absprache mit den Vereinen jeweils so organisiert werden, dass Fahrzeit und Fahrstrecke optimal genutzt werden. Nicht alle Vereine, die den Anforderungen zum Erhalt der Tierheimplakette entsprechen, konnten daher bereits besucht werden, doch es geht zügig voran. DR. HEIDRUN BETZ

Das Beratungsangebot des Deutschen Tierschutzbundes wird von den Tierheimen gerne angenommen. So freuten sich die Tierschutz­ vereine in Görlitz (oben), Leipzig (unten links) und Feucht über die theoretischen und praktischen Tipps von Dr. Caroline Hartmann.

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[ PROJEKTE]

Die Straßenunde Kiews werden eingefangen, kastriert und freigelassen

Tierschutz in Kiew

Auf einem guten Weg um die stadt bei der humanen reduzierung der straßenhundepopulationen zu unterstützen, hatte der Deutsche tierschutzbund im Februar 2012 mit dem oberbürgermeister der ukrainischen hauptstadt Kiew eine Vereinbarung zur zusammenarbeit in Form eines Memorandums unterzeichnet (siehe du und das tier 2/13). unmittelbar danach wurden die Vereinbarungen aktiv umgesetzt.

W

enn es auch lange gedauert hat – seit Jahren schon hat sich der Deutsche Tierschutzbund engagiert, um das Schicksal der Straßenhunde in der Ukraine zu verbessern, sowohl in Odessa als auch in der Hauptstadt Kiew. Zwischen 7.000 und 10.000 Hunde leben nach Schätzungen der Stadtverwaltung in Kiew auf der Straße. Hungrig und sich selbst überlassen, streifen die Tiere umher. Die Bevölkerung ist tierlieb und füttert die Hunde auch, doch viele Tiere sind krank, und Welpen haben nur geringe Chancen zu überleben. Im Februar 2012 hat sich die Stadt Kiew zu einem Kastrationsprojekt entschlossen (du und das tier berichtete in Ausgabe 2/2012). Kiews Bürgermeiter hatte sich zuvor vom Erfolg des Tierschutzzentrums Odessa überzeugt

20 du und das tier

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und vereinbarte mit dem Deutschen Tierschutzbund eine Zusammenarbeit. Trotz zum Teil unzureichender Ausstattung wurden die drei städtischen Tierkliniken sofort in das Programm einbezogen. Schon Anfang April konnten die Tierärzte mit der Kastration der Tiere beginnen: Kastriert wurden nicht nur Straßenhunde, sondern auch Privathunde, deren Halter die Unfruchtbarmachung nicht hätten finanzieren können. Denn auch diese Hunde tragen zur Überpopulation bei. Zeitgleich wurde die Bevölkerung über das Programm informiert. Es galt, Verständnis für die Kastrationen zu wecken, durch die das Tierleid vermindert wird. Mit Fernsehspots, einem für Straßen- und einem für Privathunde, die im städtischen Fernsehen von

April bis November 2012 sechs Mal am Tag ausgestrahlt wurden, ist dies gut gelungen. Ein Aktionsplakat in den 680 Waggons der Metro sowie in den Aufgängen zu den Metrostationen, die täglich Tausende Menschen frequentieren, warb ebenfalls für das vom Deutschen Tierschutzbund mitfinanzierte Kastrationsprogramm. Die räumliche Situation vor Ort erwies sich als schwierig. Eine der Tierkliniken war sowohl baulich als auch technisch nicht ausreichend auf die Umsetzung des Kastrationsauftrages vorbereitet. Es fehlten nicht nur medizinische Geräte, sondern auch zwei Operationsräume und der komplette Nachsorgebereich für die behandelten Tiere. Dank der deutschen Spender konnten die Mängel jedoch


Fotos: Deutscher Tierschutzbund (4)

Oben: Arbeitsgespräch mit dem neuen Stellvertreter des Oberbürgermeisters der Hauptstadt Kiew, Anatoli Golubtschenko, im Rathaus. Links: Festliche Übergabe der vom Deutschen Tierschutzbund sanierten Nachsorgeräume in der Tierklinik Nr. 1an die Direktorin der drei städtischen Tierkliniken, Dr. Inna Makarina, Anatoli Golubtschenko (li.) und Ehrenpräsident Wolfgang Apel.

nach und nach behoben werden. Da das Sanitätsfahrzeug der Tierkliniken bereits seit Monaten defekt war, war es zunächst nur schwer möglich, Hunde – auch solche, die durch Straßenunfälle verletzt worden waren – in die Kliniken zu bringen. Es fehlte an Geld, um das Fahrzeug reparieren zu lassen. Auch dieses Problem konnte dank der Unterstützung des Deutschen Tierschutzbundes bewältigt werden. Trotz dieser „Startschwierigkeiten“ und trotz des fast sechs Monate langen, zum Teil strengen Winters, konnten bisher 3.000 Straßenhunde und -hündinnen sowie Privathunde finanziell schlecht gestellter Tierhalter an der Fortpflanzung gehindert werden. Die infolge dieser Maßnahmen nicht mehr geborenen Tiere möchte ich gar nicht aufzählen. Mit einer erneuten, für die Monate Mai und Juni 2013 geplanten Plakat­ aktion und den nunmehr stabilen materiellen Arbeitsbedingungen in allen städtischen Tierkliniken sind die Voraussetzungen für eine künftig noch größere Anzahl von Kastrationen im Jahr gegeben. Die Tierärzte in den Kliniken haben bisher eine ausgezeichnete Arbeit geleistet. Auch der Leitende Tierarzt des Tierschutzzentrums des Deutschen Tierschutzbundes in Odessa

hat sie dabei fachlich angeleitet. Verschiedene bürokratische Hürden konnten in regelmäßigen Beratungen mit dem Oberbürgermeister zum Stand der Umsetzung des Memorandums beseitigt werden. Die Stadt Kiew beabsichtigt nun, in der Nähe des Stadtzentrums erstmals ein Tierheim zu errichten. Der Deutsche Tierschutzbund wurde gebeten, seine großen Erfahrungen beim Bau von Tierheimen durch die fachliche Beurteilung vorhandener Baupläne in das Bauvorhaben einzubringen. Dies ist bereits erfolgreich geschehen. Wir hoffen, dass das städtische Tierheim noch 2013 seinen Betrieb aufnehmen kann. Wichtig war es dem Deutschen Tierschutzbund auch, die aktiven Tierfreunde in der Stadt in das Programm mit einzubeziehen. In mehreren Treffen in den Tierkliniken haben wir um deren Mitwirkung geworben. Auch hier sind wir auf einem guten Weg. Viele Tierfreunde waren zwischenzeitlich verunsichert, da eine kleine Gruppe von Kriminellen in Kiew Straßenhunde vergiftet hat. Die ukrainische Justiz hat den Rädelsführer inzwischen gefasst und zu vier Jahren Haft verurteilt. Er legte Berufung ein, wurde jedoch abgewiesen und sitzt derzeit im Gefängnis.

Das Aktionsplakat hing in den U-Bahnhöfen aus und warb für die Kastration

Der ukrainische Staat hat damit – erstmals – auch seine positive Haltung zum Schutz der Tiere eindeutig zum Ausdruck gebracht. Dies schafft Vertrauen, nicht nur bei der dortigen Bevölkerung. Eine Position, die noch vor wenigen Jahren nicht zu erwarten war. Im Mai haben der Ehrenpräsident des Deutschen Tierschutzbundes, Wolfgang Apel, und der amtierende Stellvertreter des Oberbürgermeisters der Hauptstadt Kiew, Herr Golubschenko, bei einem der regelmäßigen Arbeitstreffen festgestellt, dass die im geschlossenen Memorandum genannten Aufgaben zur humanen Reduzierung der Straßentierpopulationen in der Stadt bisher von beiden Seiten erfolgreich verwirklicht wurden. Der Deutsche Tierschutzbund hat maßgeblich daran mitgewirkt, dass die Tierklinik Nr. 1 wieder arbeitsfähig und der Einsatz eines Sanitätswagens möglich ist. Einvernehmlich wurde vereinbart, das Programm systematisch weiterzuführen. Kiews Stellvertretender Oberbürgermeister bedankte sich ausdrücklich für das Engagement des Deutschen Tierschutzbundes und für die kontinuierliche und kompetente Hilfe, die dank der deutschen Spender geleistet werden konnte. Der Deutsche Tierschutzbund wird die Stadtverwaltung Kiew auch bei der Errichtung einer Tierklinik im künftigen Tierheim unterstützen. GERD FISCHER du und das tier  3/2013  21


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22 du und das tier

3/2013

4 EL gehacktes frisches Koriandergrün oder Petersilie Zubereitung DEN AUFSTRICH ZUBEREITEN Alle Zutaten in den Mixer füllen und zu einer glatten Creme verarbeiten. Für 1–2 Stunden in den Kühlschrank stellen und dabei gelegentlich durchrühren. Falls die Creme während des Kühlens so fest geworden ist, dass sie nicht mehr streichfähig ist, vor der Verwendung für einige Sekunden in die Mikrowelle schieben oder aber bei Raumtemperatur weich werden lassen. Übrig gebliebene Creme in einem dicht schließenden Gefäß im Kühlschrank lagern, bis sich eine andere Verwendung ergibt, zum Beispiel als Sauce (siehe Serviervorschläge und Variationen). DIE WRAPS FERTIGSTELLEN In der Mitte jeder Tortilla zwei Esslöffel Kokosaufstrich verteilen. Darauf jeweils eine große Handvoll Sprossen

geben, gefolgt von Gurkenscheiben, Mangowürfeln, den Spalten von einer halben Avocado und vier Basilikumblättern. Leicht salzen und pfeffern und einen Esslöffel Koriandergrün oder Petersilie darüberstreuen. Den Teigrand am unteren Ende über die Füllung schlagen und die Tortillas von der Seite her fest aufrollen. SERVIERVORSCHLÄGE UND VARIATIONEN Für eine Extradosis Protein eine kleine Handvoll schwarze Bohnen hinzufügen – oder auch Tofuwürfel, allerdings ohne Raucharoma und Ahornsirup, gebraten. Wir genießen den Kokosaufstrich gern wie Frischkäse auf einer Scheibe Brot. Aber er schmeckt auch grandios als Sauce auf braunem Jasminreis oder zu jeder Art von Bohnen. Dafür wärmen wir ihn einfach in der Mikrowelle oder in einem Topf bei schwacher Hitze auf.

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[ AKTUELL] Bundestagswahlkampagne

Stimme für die Tiere Noch vor den großen Parteitagen hat der Deutsche Tierschutzbund den im Bundestag vertretenen Parteien seine tierschutzpolitischen Forderungen übergeben. Gleichzeitig startete er seine Kampagne „Stimme für die Tiere“.

FOTOS: DEUTSCHER TIERSCHUTZBUND(5)

A

m Tierschutz kommt in der Politik niemand vorbei. Nach dem Willen der meisten Wähler brauchen landwirtschaftlich genutzte Tiere bessere Lebensbedingungen, und Tierversuche müssen deutlich reduziert werden. Um diese Wählerwünsche und seine eigenen Forderungen den Politikern zu verdeutlichen, hat der Deutsche Tierschutzbund noch vor den Parteiprogrammbeschlüssen seinen Forderungskatalog an Vertreter von CDU/CSU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen, FDP und Die Linke übergeben – als Start seiner Kampagne „Stimme für die Tiere“. Auch wenn tierschutzwidrige Bedingungen und Skandale der herkömmlichen Tierhaltung in der Landwirtschaft meist die Schlagzeilen bestimmen: Die drängenden Tierschutzfragen ziehen sich durch fast alle gesellschaftlichen Bereiche. „Wir sind parteipolitisch neutral, aber tierschutzpolitisch konsequent. Viele drängende Tierschutzfragen sind noch ungelöst. Wir werden über den Sommer unsere Wahlprüfsteine mit den beschlossenen Programmen abgleichen. Schon jetzt aber ist sicher: Wer die Verbandsklage für seriöse Tierschutzverbände ablehnt, wer nicht anerkennt, dass das Tierschutzgesetz einer umfassenden Novellierung bedarf, und wer nicht aktiv dazu beiträgt, die Tierheiminfrastruktur in Deutschland zu sichern, der hat sich die Stimmen der Millionen Tierfreundinnen und Tierfreunde nicht verdient“, erklärte Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, bei der Übergabe des Tierschutz-Forderungskatalogs (siehe Fotos). Folgerichtig enthält der Katalog im Kern die Forderung nach einer Neufassung

des Tierschutzgesetzes, die Einführung einer Verbandsklage für seriöse Tierschutzorganisationen, mehr Geld für die Entwicklung tierversuchsfreier Forschungsmethoden und strengere Prüfungen vor der Genehmigung von Tierversuchen. In der Landwirtschaft muss die Politik auf die Zucht gesunder, ausgeglichener Mehrnutzungstiere hinwirken und die Dauer von Tiertransporten auf maximal vier Stunden begrenzen sowie tiergerechte Haltungs- und Wirtschaftsformen stärker unterstützen. Die Resonanz der Parteien war positiv. Die CDU kündigte an, die Forschung zu Haltungsbedingungen von Tieren in der Landwirtschaft zu stärken. Die SPD will sich für das Verbandsklagerecht und die Stärkung von Alternativen zu Tierversuchen stark machen. Bei der FDP versprach Hans-Michael Goldmann, Mitglied der FDP-Arbeitsgruppe für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, den Forderungskatalog an den FDP-Vorstand weiterzugeben. Auch Die Linke will den Tierschutz stärken. Bei Bündnis 90/Die Grünen ist der Entwurf eines neuen Tierschutzgesetzes Teil ihres Wahlkampfes. Im Verlauf der Kampagne „Stimme für die Tiere“ wird der Deutsche Tierschutzbund überprüfen, ob den Vorsätzen auch Taten folgen. MEHR I NF O S Aktuelle Informationen und den Forderungskatalog zur Bundestagswahl 2013 „Machen Sie den Bundestag tierfreundlicher“ finden Sie im Internet: www.tierschutzbund.de/ bundestagswahl

v.o.n.u.: Hermann Gröhe (CDU), Andrea Nahles (SPD), Hans-Michael Goldmann (FDP), Matthias Höhn (Die Linke), Steffi Lemke (Bündnis 90/Die Grünen)

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[ AKTUELL]

Oben links: Ines Krüger, 1. Vorsitzende des Tierschutzvereins für Berlin, moderierte die Kundgebung. Als einzige Vertreterinnen der eingeladenen Parteien sprachen Undine Kurth und Claudia Hämmerling (beide Bündnis90/Die Grünen) ein Grußwort. Darunter: An der Spitze des Zuges marschierten u.a. Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Wolfgang Apel, Ehrenpräsident des Deutschen Tierschutzbundes, Brigitte Jenner, Sprecherin der Tierversuchsgegner Berlin und Brandenburg, Ines Krüger und Thomas Kähler, Vorstand des Hamburger Tierschutzvereins (außen rechts). Oben rechts: Unter den Demonstranten waren auch Vertreter der Tierschutzvereine Lilienthal, Bremen, Bremerhaven, Hamburg, Gotha, Eisenach, Altenburg und Gnadenhof Sondershausen.

Großdemonstration gegen Tierversuche

Forschung ja – Tierversuche nein Obwohl Politiker sich in Koalitionsverträgen die Reduzierung von Tierversuchen zum Ziel setzen, wurden im Jahr 2011 nach offizieller Statistik knapp drei Millionen Tiere für die Forschung missbraucht und getötet, Tendenz steigend. Diese Zahl spricht für sich. Die Versprechungen der Politiker müssen endlich in die Tat umgesetzt werden. Dafür gingen in Berlin mehrere tausend Menschen auf die Straße.

U

nüberhörbar riefen die Demonstranten: „Forschung ja – Tierversuche nein“. Dies war das Motto der Großdemonstration gegen Tierversuche, die im April in Berlin

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3/2013

stattfand. Mehrere tausend Menschen waren dem Aufruf des Bündnisses Tierschutzpolitik Berlin, das sich aus dem Tierschutzverein für Berlin und den Tierversuchsgegnern Berlin und Bran-

denburg zusammensetzt, und des Deutschen Tierschutzbundes gefolgt. Anlass für diese Demonstration war der Internationale Tag des Versuchstiers, der jedes Jahr am 24. April statt-


FOTOS: DEUTSCHER TIERSCHUTZBUND (7)

findet und an das Schicksal der Millionen Tiere erinnert, die in Tierversuchen eingesetzt werden. Auch gegen den Neu- und Ausbau von Tierversuchsanlagen wie dem Max-Delbrück-Centrum in Berlin protestierten die Bürger auf dem knapp drei Kilometer langen Marsch vom Brandenburger Tor zum Alexanderplatz lautstark. Mittendrin, zwischen Tierkostümträgern, Samba-Gruppen und bunten Transparenten, pfiffen auch die Vertreter des Deutschen Tierschutzbundes mit voller Kraft in orangefarbene Trillerpfeifen, die der Tierschutzverein für Berlin an die Demonstranten verteilt hatte. Angereist waren Vertreter der Landesverbände aus Berlin, Brandenburg, Hamburg, MecklenburgVorpommern und Thüringen. „Es muss endlich Schluss damit sein, Mäuse, Ratten, Kaninchen, Hamster, Meerschweine oder Fische gezielt krank zu machen oder Affen tagein, tagaus jahrelang zu traktieren“, kritisierte Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, bei der anschließenden Kundgebung. Auch Wolfgang Apel, Präsident des Tierschutzvereins Berlin und Ehrenpräsident des Deutschen Tierschutzbundes, die Bundestagsabgeordnete Undine Kurth, tierschutzpolitische Sprecherin der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, und Claudia Hämmerling, Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses für Bündnis 90/ Die Grünen und dort unter anderem für den Tierschutz zuständig, erhoben auf der Bühne ihre Stimme für eine Forschung ohne Tierleid. Trotz Einladung beteiligten sich leider keine weiteren Politiker der Spitzenparteien an der Kundgebung. Neben den Reden erwartete die Demonstranten ein musikalischer Höhepunkt: Die Wake Woods, deren Album am 4. Mai erschienen ist, begeisterten das Publikum bei strahlendem Sonnenschein mit ihren starken Gitarrensounds. Wie auch im Vorjahr, bei der erfolgreichen Demonstration gegen Tierversuche in Bremen, konnten sich die

Oben: Die Kreuze der Tierversuchsgegner machten auf die vielen Opfer der Tierversuche aufmerksam. Darunter: Wolfgang Apel, Präsident des Tierschutzvereins Berlin und Ehrenpräsident des Deutschen Tierschutzbundes, im Interview. Links: Auch gegen Affenversuche in Bremen, Deutschland und weltweit wurde lautstark protestiert.

Teilnehmer an Informationsständen zu Themen wie Tierversuchen für Botox oder Alternativen zu Tierversuchen auf dem Laufenden halten. Denn längst gibt es fortschrittliche Forschungsmodelle wie Zellkulturen, Organkulturen oder auch Computermodelle, die das qualvolle Leid der Tiere überflüssig machen. Auch die Akademie für Tierschutz des Deutschen Tierschutzbundes setzt sich aktiv für die Weiterentwicklung und Anwendung tierversuchsfreier Verfahren ein. Der Deutsche Tierschutzbund fordert die Bundesregierung auf, die Förderung für die Erforschung und Entwicklung von tierversuchsfreien

Methoden enorm auszuweiten, um dem Tierleid endlich ein Ende zu bereiten. „Spätestens bei der Bundestagswahl am 22. September haben wir die Chance, den Tieren zu ihrem Recht zu verhelfen – mit unserer Wählerstimme“, so Thomas Schröder bei der Kundgebung. Dass es sich lohnt, weiterzukämpfen, zeigen auch aktuelle Erfolge: Nach einem mehr als 30-jährigen Kampf, den der Deutsche Tierschutzbund und Wolfgang Apel mit vielen Mitstreitern gefochten haben, trat im März dieses Jahres endlich die letzte Stufe des EU-weiten Verbots von Tierversuchen für Kosmetik in Kraft. NADINE WALTSCHYK

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[ aktuell]

Aktivitätsbeispiele der Jugendarbeit und Diskussionsrunden prägten das abwechslungsreiche Treffen.

Jugendländerrat

Vernetzungstreffen der Jugendvertreter D

ie Jugendarbeit des Deut­ schen Tierschutzbundes und seiner Vereine erfährt einen Aufschwung. Aus vielen Bundes­ ländern – von Hamburg bis Bayern – waren insgesamt 14 Vertreter der Jugendarbeit angereist. Ihr Ziel ist es, gemeinsam neue Ideen zu entwi­ ckeln, erfolgreiche Jugendprojekte vorzustellen und somit anderen Ak­ tiven konkrete Anregungen zur Verfü­ gung zu stellen. Kurze Berichte aus den Landes­ tierschutzverbänden gaben einen guten Überblick über die aktuellen Jugendaktivitäten. Schnell stellte sich dabei heraus, dass für 2013 erfreulich umfangreiche Veranstaltungspro­ gramme entwickelt wurden. Ange­ boten werden sowohl Fortbildungen für Jugendgruppenleiter als auch Veranstaltungen für Jugendliche und Kinder zu speziellen Themen. Auf diesen zwei Themengebieten

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liegt das Hauptaugenmerk der lan­ desweiten Jugendförderung. Grup­ penleiter erhalten spezielle Weiterbil­ dungen und können auf den Treffen ihre Erfahrungen austauschen und gemeinsame Aktionen oder gegen­ seitige Besuche planen. Die jungen Tierschützer vor Ort profitieren sehr von diesen überregionalen Angebo­ ten. Sie lernen neue Tierschutzthemen kennen und erfahren viel Unterstüt­ zung für ihr Tierschutzanliegen. Hatte sich der Jugendländerrat im vergangenen Jahr besonders dem Thema „Schule“ und dem Start der Tierschutzlehrerausbildung gewid­ met, so beschäftigte sich das Gre­ mium dieses Mal wieder ver­stärkt mit den Jugendaktivitäten in den Tierschutzvereinen. Die Jugendver­ treter trugen ihre teils langjährigen Erfahrungen zusammen, wie sich die Arbeit auf lokaler Ebene weiter stärken lässt. Diskutiert wurden Un­

terstützungsmöglichkeiten für die Gruppenleiter, etwa praxisorientierte Handreichungen. Besuche bei den Vorständen der Tierschutzvereine vor Ort mit konkreten Beratungsgesprä­ chen wurden ebenfalls thematisiert. Da die Rahmenbedingungen in den Bundesländern sehr unterschiedlich sind, sind schematische Lösungen hier nicht denkbar. Vom gegensei­ tigen Austausch profitierten aber alle. Darüber hinaus beschäftigte sich der Jugendländerrat auch intensiv mit den aktuellen tierschutzpolitischen Fragestellungen. Ausgiebig wurde zudem das neue Tierschutzlabel des Deutschen Tierschutzbundes „Für Mehr Tierschutz“ besprochen. Leb­ hafte Diskussionen schlossen sich an. Einig waren sich die Mitglieder des Ju­ gendländerrates in der Aussage, dass dieses Label ein wichtiger Schritt in Richtung mehr Tierschutz in der Land­ wirtschaft ist. MAJA MASANNECK

Fotos: Deutscher Tierschutzbund (4)

Im März trafen sich die Jugendvertreter der Bundesländer zu einem intensiven Austausch-Wochenende in Kassel.


Kondolenzspenden für den Deutschen Tierschutzbund

Die Trauer in Zuversicht umwandeln Wenn ein geliebter Mensch stirbt, ist dies ein schmerzlicher Abschied auf ewig. Was bleibt, sind viele schöne erinnerungen an die zeit, die man gemeinsam verbringen durfte. um für diesen Menschen über den tod hinaus ein zeichen zu setzen, verzichten trauernde Angehörige immer häufiger auf Blumen und Kränze als Abschiedsgeschenk und erbitten stattdessen eine spende zugunsten einer gemeinnützigen organisation – zum Beispiel für den Deutschen tierschutzbund, wenn die oder der Verstorbene ein großer tierfreund war.

S

penden im Sinne einer oder eines Verstorbenen schenken trotz aller Trauer Zuversicht. An­ gehörige und Trauergäste spenden mit dem tröstenden Gefühl, im Na­ men der oder des Verstorbenen et­ was Gutes getan zu haben, über das diese/r sich zu Lebzeiten sehr gefreut hätte: Hilfe für unsere Mitgeschöpfe. Christiane Kook ist Referentin Fundraising in der Spender- und Mitgliederbetreuung des Deutschen Tierschutzbundes. du und das tier hat sie gefragt:

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Wie können Angehörige vorgehen, die eine Kondolenzspende veranlassen wollen? ▶ „Wer zur Erinnerung an einen lieben Men­ schen im Rahmen einer Trauerfeier oder Beerdigung Spenden an den Deutschen Tierschutzbund veran­ lassen möchte, sollte sein Bestattungsinstitut darum bitten, uns vor­ ab über die geplante

Kondolenzspende zu informieren. Viele senden uns auch die Traueran­ zeige per Brief, Fax oder E­Mail zu. So können wir uns angemessen bedan­ ken und kondolieren, die Spenden entsprechend zuordnen und einen reibungslosen Ablauf gewährleisten.“

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Wie sollte der Hinweis auf die erbetene Kondolenzspende in der Traueranzeige formuliert sein? „Wir schlagen den Angehörigen fol­ gende Formulierung vor: ‚Anstelle von Kranz­ oder Blumenspenden bit­ ten wir im Sinne der/ des Verstorbenen um eine Spende an den Deutschen Tierschutz­ bund e.V., Sparkasse KölnBonn, BLZ 370 501 98, Konto Nr. 40 444, S t i c h wo r t / Ve r we n ­ dungszweck: Trauerfall Name des/der Verstor­ benen‘.“

Christiane Kook, Referentin Fundraising in der Spenderund Mitgliederbetreuung

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Erfahren die Menschen, wie viel Geld durch ihren Aufruf gespendet wurde?

▶ „Wenn sie das wünschen, ger­ ne. Wir senden ihnen etwa drei bis vier Wochen nach der Beisetzung oder Trauerfeier eine Auflistung der Spender zu und teilen ihnen die Ge­ samtspendensumme mit. Informa­ tionen über Einzelspenden dürfen wir aus Datenschutzgründen nicht weitergeben.“

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Informieren Sie auch die Spender? ▶ „Jeder Spender oder jede Spende­ rin erhält von uns einen schriftlichen Dank und eine Zuwendungsbestä­ tigung zur Vorlage beim Finanzamt. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass uns die vollständige Anschrift vorliegt.“

MEHR I NFOS Bei allen Fragen rund um trauerspenden erreichen sie die spenderund Mitgliederbetreuung des Deutschen tierschutzbundes e.V. unter der telefonnummer 0228 – 60 49 629 oder per e-Mail: mitgliederbetreuung@tierschutzbund.de

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[ aktuell] Tierschutzlabel

Kriterien für Mehr Tierschutz Bevor mit dem Tierschutzlabel gekennzeichnetes Fleisch im Handel angeboten werden kann, müssen Züchter, Tierhalter, Transporteure und Schlachter viele verschiedene Kriterien erfüllen.

D

as Label „Für Mehr Tierschutz“ des Deutschen Tierschutzbundes beruht auf einem Multi-Stakeholder Ansatz. An der Erarbeitung der Kriterien waren verschiedene Interessengruppen beteiligt: Vertreter des Deutschen Tierschutzbundes, Landwirte, Wissenschaftler sowie Vertreter der Industrie, des Handels und des Verbraucherschutzes. Der zweistufige Ansatz ist bewusst gewählt: Mit der Einstiegsstufe sollen landwirtschaftliche Betriebe dort abgeholt werden, wo sie gerade stehen, denn der verbesserte Tierschutz soll möglichst vielen Tieren zugutekommen. Zusätzlich sollen immer mehr Landwirte davon überzeugt werden, einen Schritt weiter zu gehen und ihre Tiere nach den Kriterien der Premiumstufe zu halten. Eine weitere Besonderheit des Tierschutzlabels ist die Einbeziehung der verschiedenen Stufen in das System. Die Anforderungen „Für Mehr Tierschutz“ gelten nicht nur für die Stufe der landwirtschaftlichen Betriebe. Transport und Schlachtung sind in das System ebenfalls mit einbezogen. Der Schutz der Tiere muss an diesen Stellen genauso berücksichtigt werden wie im Stall. Damit die Einhaltung der Kriterien regelmäßig überprüft wird, wurde ein anspruchsvolles Schulungs- und Kontrollprogramm eingeführt, an dessen Ende die Zertifikatvergabe und -überprüfung durch neutrale, qualifizierte, erfahrene und geschulte Auditoren steht.

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Beide Stufen des Tierschutzlabels verlangen die Erfüllung von Anforderungen, die über die gesetzlichen Mindestanforderungen hinausgehen. In beiden Stufen werden zudem „tierbezogene Kriterien“ erfasst, die über den Tierschutzstatus der Tiere Auskunft geben. Doch was kann man sich unter dem Begriff „tierbezogene Kriterien“ vorstellen? Was ist das Besondere an ihnen? Wie werden sie erhoben und ausgewertet, und welche Rückschlüsse ermöglichen sie? Diese Fragen stellte du und das tier Dr. Lars Schrader vom Friedrich-Loeffler-Institut für Tierschutz und Tierhaltung in Celle. Er war als wissenschaftlicher Vertreter an der Erarbeitung der Kriterien für das Tierschutzlabel von Anfang an beteiligt, und das Friedrich-Loeffler-Institut beschäftigt sich in verschiedenen Forschungsprojekten mit der Erhebung und dem Nutzen tierbezogener Kriterien.

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Herr Schrader, warum ist es so schwer, Tierschutz zu „messen“? Und welche Möglichkeiten gibt es dafür? ▶ Tierschutz lässt sich im Prinzip nur am einzelnen Tier messen. Deshalb ist das oft sehr aufwendig. Schwer im Hinblick auf eine wissenschaftliche Objektivierbarkeit ist das Messen von Tierschutz aber nur in Teilbereichen. So lassen sich beispielsweise Erkrankungen, haltungsbedingte Schäden am Tier oder auch Verhaltensabweichungen und -störungen vergleichs-

Dr. Lars Schrader vom Friedrich-LoefflerInstitut für Tierschutz und Tierhaltung Celle

weise einfach erfassen. Schwierig wird es, wenn Aspekte wie Schmerzen oder negative Emotionen erfasst werden sollen, also subjektive Empfindungen des Tieres. Die lassen sich nicht direkt messen. Dieses Problem haben wir allerdings auch, wenn wir die Empfindungen von Menschen messen wollen. Die können wir zwar direkt fragen, aber um zu prüfen, ob die Antworten stimmen oder nicht, müssen dann auch indirekte Parameter herangezogen werden. Solche indirekten Parameter sind zum Beispiel Stresshormone, die Herzfrequenz und der Blutdruck, der Hautwiderstand, aber auch Verhaltensäußerungen wie Frustrationsverhalten, Lautgebung oder Meideverhalten. Diese Parameter können wir beim Tier ebenfalls messen und dann indirekt Rückschlüsse auf ihre Empfindungen ziehen.


?

Ist es das, was sich hinter dem Begriff „tierbezogene Kriterien“ verbirgt? ▶ Ja, diese Kriterien können direkt an den Tieren erfasst werden, um Aussagen zum Tierschutz oder zur Tiergerechtheit einer Haltung abzuleiten.

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Wodurch zeichnen sich die „tierbezogenen Kriterien“ aus? ▶ Das Besondere an tierbezogenen Kriterien ist, dass sie es uns ermöglichen, direkt am Tier die Auswirkungen einer Haltung auf die Tiergerechtheit zu erfassen. Bislang wurden dafür überwiegend ressourcenbezogene Kriterien und Managementkriterien herangezogen. Es wurde beispielsweise vorgegeben, wie viel Platz jedem Tier zur Verfügung stehen muss, welche Beschaffenheit der Stallboden haben muss, ob Einstreu vorhanden sein muss oder welche Eingriffe an den Tieren erlaubt sind. Das ist auch nach wie vor sinnvoll, weil damit die Voraussetzungen für eine tiergerechte Haltung definiert werden können. Wir wissen aber, dass selbst optimale Haltungsbedingungen nicht automatisch auch zu einer optimalen Tiergerechtigkeit führen. Auch in den besten Ställen kann es zu Beeinträchtigungen, Schäden oder Erkrankungen der Tiere kommen. Dafür kann es sehr unterschiedliche Gründe geben.

Foto: privat

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Welche Gründe können das sein? ▶ Tierhaltung ist eine sehr komplexe Angelegenheit, bei der es auf ein gutes Zusammenspiel von Tier, Mensch und Technik ankommt. Kaum auffällige Mängel in der Bodenbeschaffenheit zum Beispiel können zu Klauenverletzungen führen, nicht optimale Einstellungen der Klimatechnik zu einer unzureichenden Stallluftqualität und nachfolgend zu Lungenerkrankungen. Ein Ungleichgewicht in der Futterzusammensetzung kann zu Verhaltensunruhe und verstärkten sozialen Auseinandersetzungen führen. Es kommt hier sehr auf den Blick des Tierhalters auf das Tier an. Letztlich kann und soll die Erhebung von tier-

bezogenen Kriterien den Tierhaltern auch helfen, die Haltung weiter zu verbessern.

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Wie funktioniert die Erfassung der tierbezogenen Kriterien innerhalb des Labelsystems „Für Mehr Tierschutz“? ▶ Im Rahmen des Tierschutzlabels werden tierbezogene Kriterien auf den Betrieben, direkt nach Tiertransporten und auf dem Schlachthof erhoben. Da am Schlachthof zwangsläufig fast alle Nutztiere eines Tages landen, können die Kriterien hier mit dem vergleichsweise geringsten Aufwand erhoben werden. Am Schlachthof werden beispielsweise Organbefunde und äußere Schäden an Haut, Gelenken und Füßen beziehungsweise Klauen erfasst. Diese lassen teilweise auch Rückschlüsse auf Auswirkungen der vorhergehenden Haltung zu. Beim Entladen der Tiere werden ebenfalls äußere Schäden, aber auch Verhaltenskriterien erfasst, die Rückschlüsse auf die Bedingungen beim Beladen und während des Transportes ermöglichen. Auch auf den Betrieben werden während der Audits tierbezogene Kriterien erfasst. Hier laufen zurzeit noch begleitende wissenschaftliche Untersuchungen, um zu klären, welche weiteren Kriterien sinnvoll angewendet werden können. Bei der Auswahl der Kriterien haben wir uns an Erhebungsprotokollen orientiert, die in einem großen europäischen Verbundprojekt, dem WelfareQuality®Projekt, entwickelt wurden. Diese werden in den begleitenden Forschungen auf ihre Eignung für das Tierschutzlabel untersucht.

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Welche Auswirkungen hat es, wenn Abweichungen festgestellt werden? Erhalten die Betriebe eine spezielle Beratung? ▶ Jeder Tierhalter bekommt die Ergebnisse der Erhebungen rückgemeldet. Er kann sich auch mit dem Durchschnitt der anderen Tierhalter vergleichen und so abschätzen, in welchen Bereichen er gut ist und in welchen er sich noch verbessern

kann. Werden wiederholt bestimmte Grenzwerte überschritten, muss der betroffene Tierhalter sich von seinem bestandsbetreuenden Tierarzt beraten lassen und auch Änderungen in seiner Haltung oder seinem Management vornehmen, um besser zu werden.

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Werden tierbezogene Kriterien auch in anderen Systemen erfasst? ▶ Soweit mir bekannt ist, außerhalb von Forschungsprojekten nicht in diesem Umfang und dieser Systematik. Auch im Tierschutzlabel müssen der Kriterienkatalog und die Erhebungsprotokolle noch weiterentwickelt werden. Man kann aber davon ausgehen, dass aktuell gerade wegen der begleitenden Forschung die Erfassung tierbezogener Kriterien besonders dicht ist.

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Wie wichtig schätzen Sie die Erfassung von tierbezogenen Kriterien ein, und was denken Sie, wie sich die Erhebung dieser Kriterien weiterentwickeln wird? ▶ Anforderungen an die Haltung und das Management können aus meiner Sicht, wie schon gesagt, nur die Voraussetzung für eine tiergerechtere Haltung schaffen. Überprüfen und gegebenenfalls auch weiter verbessern lassen sie sich nur, wenn die Auswirkungen der Anforderungen mit tierbezogenen Kriterien erfasst werden. Für die Weiterentwicklung erwarte ich, dass bestimmte Kriterien künftig automatisch erfasst werden. Entsprechende Entwicklungen sind bereits im Gange, und teilweise passiert das auch schon auf Schlachthöfen. Der Vorteil ist, dass der Aufwand für die Erhebung dadurch reduziert und die Genauigkeit erhöht werden können. Gerade in den Betrieben, das heißt im Stall, können und sollen automatische Systeme zur Erhebung der Kriterien natürlich nicht den genauen Blick des Tierhalters und seine Erfahrung ersetzen. Aber solche Systeme könnten ihn bei seiner Arbeit sicherlich unterstützen. Die Fragen stellte Dr. Heidrun Betz.

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[ DRAUSSEN] Stadttauben

Betreuen statt bekämpfen Mit Vergrämungsmaßnahmen und Tötungsaktionen versuchen Städte immer wieder, die Überpopulation der Stadttauben in den Griff zu bekommen. Vergebens. Wie der Taubenbestand sich tierschutzgerecht und nachhaltig regulieren lässt, zeigen einige Tierschutzvereine, die eng mit den Städten und Behörden zusammenarbeiten.

S

ie verschmutzen Autos und Gebäude mit ihrem Kot und bieten, weil viele von ihnen verletzt sind oder deutliche Mangelerscheinungen zeigen, keinen schönen Anblick. Stadttauben, allgegenwärtig rund um Bahnhöfe und in den Innenstädten, haben keine starke Lobby. Sie werden bestenfalls geduldet oder übersehen, schlimmstenfalls mit immer härteren Maßnahmen bekämpft. Dabei sind alle Probleme rund um die Stadttauben menschengemacht. Die Vögel sind Nachfahren verwilderter Haustauben, die seit Jahrtausenden gezüchtet werden. Gezüchtet, um schnell Fleisch anzusetzen und viele Eier zu legen, um immer

Brücken, Dächer und Gebäudeluken als Nistplätze. Um sie davon abzuhalten, schützen Hausbesitzer ihre Bauten mit Netzen, Behörden sichern Brücken mit Nagel-Spikes gegen die Tauben. Auch Ultraschallgeräte, deren Frequenz Tauben vergrämen soll, werden eingesetzt. Einige Städte setzen zudem auf gezielte Tötung durch Giftkörner oder Einfangen und Genickbrechen. Verringert haben all diese Maßnahmen den Taubenbestand nicht. Vertriebene Tauben suchen sich neue Plätze. Die Reviere der toten Tiere übernehmen andere, die sich wegen des Raum- und Futterangebotes blitzschnell erfolgreich vermehren. Was kurzfristig ein Erfolg schien, ist lang-

fristig genau das Gegenteil. Und tatsächlich beginnen manche Städte umzudenken, um – zusammen mit dem Deutschen Tierschutzbund und den Tierschutzvereinen – nachhaltig und tierschutzgerecht den Taubenbestand zu regulieren. In Düsseldorf arbeiten der Tierschutzverein und der Verein Stadttiere gemeinsam an einem Langzeitprojekt, das vor fünf Jahren begann und heute schon erste Erfolge zeigt. Die Düsseldorfer lotsen die Tauben in eigens errichtete Taubenschläge, wo sie von da an regelmäßig betreut werden. Die Tiere finden artgerechtes Körnerfutter vor und bequeme Nisthöhlen. Der Kot wird größtenteils im Schlag abgesetzt und kann dort

Eines der acht Taubenhäuser in Düsseldorf, in denen gezielt gefüttert wird. Der Schlag lässt sich leicht reinigen. Die Nistplätze sind alle belegt.

wieder Nachschub an frischen Täubchen zu liefern. Deshalb sind sie so fruchtbar, und deshalb scheuen sie die Menschen nicht. Tauben leben gesellig und suchen die Gemeinschaft. Sie sind genau genommen herrenlose Haustiere, die sich unkontrolliert vermehren. In den Innenstädten finden die Vögel genügend – ungesundes – Futter, tun sich zu Scharen zusammen und besetzen, mangels guter Bruthöhlen,

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leicht beseitigt werden. Taubenbetreuer tauschen die gelegten Eier gegen Plastik- oder Gipseier aus, ohne dass die Vögel das bemerken. So wird der Brutablauf nicht gestört. Kranke Tiere können medizinisch behandelt werden. Acht Taubenhäuser stehen inzwischen in Düsseldorf und werden sachgerecht betreut. Ein weiteres soll noch in diesem Jahr gebaut werden. 5.000 Eier haben die Tierschützer inzwischen bereits ausgetauscht. Das bedeutet 5.000 Stadttauben weniger. Langfristig und auf Dauer wird der Taubenbestand in Düsseldorf auf diese Weise sinken, denn erste Erfolge zeigen sich bereits jetzt. Auch in anderen Städten setzt man auf betreute Taubenhäuser. In Erlangen sind es ehrenamtliche Mitarbeiter des Tierschutzvereins, die sich um die fünf Taubenschläge kümmern. Eine davon, Margrit VollertsenDiewerge, erhielt vergangenes Jahr den Bayerischen Tierschutzpreis für diese jahrelange ehrenamtliche Tätigkeit. Und jetzt will auch Berlin seine Tauben betreuen, statt sie zu bekämpfen: Mit dem neuen City-Loft auf dem Dach des Potsdamer Platzes 11 eröffnet Berlins erstes privat initiiertes Taubenhaus im Herzen der Hauptstadt. Das Projekt der Potsdamer Platz

Das City-Loft für Tauben auf dem Dach eines Hauses am Potsdamer Platz in Berlin bietet 68 Nistplätze. Mit gezielten Futterangeboten sollen die Tauben von alten Nistplätzen weggelockt und zum Niederlassen im betreuten Taubenschlag veranlasst werden

Management GmbH in Zusammenarbeit mit dem Tierschutzverein für Berlin wurde am 15. November 2012 im Beisein von Ines Krüger, der 1. Vorsitzenden des Tierschutzvereins für Berlin und Umgebung, den Bürgern offiziell vorgestellt. Es stellt 68 Nistplätze bereit, die in diesem Jahr hoffentlich noch genutzt werden. Der Deutsche Tierschutzbund und die ihm angeschlossenen Tierschutzvereine werben auch weiterhin für

ein tierschutzgerechtes, nachhaltiges Taubenmanagement. Je mehr Städte sich dafür entscheiden, desto früher und deutlicher wird sich der Taubenbestand auf einem guten Niveau einpegeln. Dann steigt vielleicht auch das Image der Stadttaube wieder. Denn gesunde Tiere, die eine feste Heimat haben und artgerechtes Futter bekommen, belästigen niemanden und bereichern sogar das Stadtbild.

M EH R IN F O S Für Kommunen, die eine tiergerechte Bestandsregulierung der Stadttauben initiieren möchten, Tierschutzvereine, die ihre Kommunen dabei unterstützen wollen, und alle, die sich für ein nachhal-

Christina Ledermann (l.) und Monika Piasetzky, Verein Stadttiere e.V. Düsseldorf, beim Auswechseln der Eier

tiges Taubenmanagement interessieren, hält der Deutsche Tierschutzbund die Broschüre „Stadttaube und Mensch“ bereit. Einzelne Exemplare erhalten Sie

FOTOS: STADTTIERE E.V. (5), IMAGO

kostenlos. Bitte senden Sie dazu einen mit € 0,90 frankierten Rückumschlag (langes Format) an: Deutscher Tierschutzbund e.V. Baumschulallee 15 53115 Bonn. Die Broschüre steht auch zum Download bereit unter www.tierschutzbund.de/broschueren

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[ HINTER

DEN KULISSEN] Die drei Englischen Bulldoggen und die zwei französischen Bully-Mädchen wurden im Tierheim Feucht aufgepäppelt.

Grausames Geschäft mit Modehunden

Stoppt den illegalen Welpenhandel Die in den vergangenen Monaten beschlagnahmten Welpen, die Zoll, Polizei und Tierschutz aus Fahrzeugen befreiten, sind nur ein Bruchteil der unzähligen Hunde– babys, die kreuz und quer illegal durch Europa transportiert werden. Viele der Welpen sterben oder landen schwerkrank in den Tierheimen. Nur strengere Kontrollen und empfindliche Strafen, wie der Deutsche Tierschutzbund sie seit Jahren fordert, könnten diesem Geschäft mit dem Tierleid Einhalt gebieten.

S

ie kommen aus Ungarn, Rumänien, Tschechien, Polen, aus den Niederlanden und Belgien. Welpen, die gerade erst vier oder sechs Wochen alt sind, ohne Impfungen, nicht gechippt und registriert, ohne oder mit falschen Papieren. Sie sind unterernährt, dehydriert, erschöpft. Viele leiden unter Würmern, Giardien und anderen Parasiten. Alle sind hochanfällig für Infektionen jeglicher Art – auch für die tödlichen Hunde– seuchen. Doch ihr Leiden beginnt schon viel früher. Geboren werden diese Tiere in engen Verschlägen, in denen ihre Mütter als Gebärmaschinen missbraucht werden. Die ersten Wochen verbringen sie ohne jegliche Umweltreize

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und ohne jede menschliche Wärme oder Ansprache, bis sie – kaum können sie zusätzlich zur Muttermilch feste Nahrung aufnehmen – von der Mutter getrennt werden. Die Hündin wird gleich wieder gedeckt, ihre Kinder werden in Transportboxen gepackt und auf die Reise nach Westund Mitteleuropa geschickt. Im Internet und in Kleinanzeigen stehen sie zum Verkauf. Die Übergabe findet, oft über Zwischenhändler, auf Parkplätzen oder direkt an der Haustür des Interessenten statt. Die Nachfrage, auch in Deutschland, ist, trotz aller Vorwarnungen durch Tierschützer, immer noch groß. Die Welpen gehören häufig Trendrassen an: Golden Retriever und Labrador, Mops und

Französische Bulldogge, Zwergspitz und Chihuahua sind gerade besonders gefragt und von seriösen Züchtern nur für mindestens 1.000 Euro zu haben. Schmuggelwelpen dagegen sind vermeintliche „Schnäppchen“, die ohne Rückfragen und Kontrollen gegen 300 bis 500 Euro Barzahlung übergeben werden. Die glücklichen Neubesitzer merken erst nach Tagen oder Wochen, was ihnen die Billig-„Ware“ eingebracht hat: Die Hundebabys werden krank und müssen lange und teuer behandelt werden. Viele entwickeln Verhaltensstörungen, denn in ihrer entscheidenden Prägungs- und Sozialisationsphase wurden ihnen weder soziale Kontakte noch abwechs-


FOTOS: TIERHEIM FEUCHT,(2), BAYERNPRESS NEWSFOTO GMBH

lungsreiche Umwelteindrücke geboten. Die Folgen sind Angst vor allem Fremden, anderen Hunden und Menschen, dauernde Nervosität oder Aggression. Vor allem leiden sie unter Dauerstress, denn in ihrem neuen Zuhause prasseln zu viele unbekannte Reize auf sie ein. Der Stress wiederum schwächt ihr ohnehin nicht intaktes Immunsystem, und sie werden krank. Viele der Hundebesitzer geben die Tiere in diesem Stadium an Tierheime ab, wo sie medizinisch versorgt und behutsam an ein normales Hundeleben herangeführt werden. In den Tierheimen landen aber auch beschlagnahmte Welpen, die von Zoll und Polizei während des Transportes entdeckt wurden. So wie im Februar 2012 die spektakuläre Rettung von 92 Welpen, die ins Nürnberger Tierheim kamen (siehe auch du und das tier 3/2012). Nicht immer sind es gleich Dutzende von Jungtieren, denn die Schmuggler haben gelernt, dass kleinere Privatfahrzeuge den Fahndern leichter durchs Netz gehen. Zurückgegangen ist der Schmuggel deswegen aber nicht. So musste das Tierheim Augsburg 13 Golden Retriever aus Osteuropa aufnehmen, die für 150 Euro in Deutschland verkauft werden sollten. Das Tierheim Feucht pflegt seit Ende März drei Welpen, die aus Ungarn mit dem Ziel England gestartet waren. Zwei Wochen zuvor landeten 30 Welpen aus Tschechien, deren Transportziel Frankreich gewesen wäre, in den Tierheimen Feucht und Nürnberg. Für die Tierheime sind die Hundebabys jedes Mal eine große Herausforderung. Die intensive Betreuung, Spezialernährung und medizinische Versorgung sind personalintensiv und kosten viel Geld. So stoßen die Tierschutzvereine oft an ihre finanziellen Grenzen. Der Deutsche Tierschutzbund unterstützt solche akut in Not geratenen Tierschutzvereine aus seinem Feuerwehrfonds. Der Fonds füllt sich aus privaten Spenden und dem Geld aus der Fressnapf-Aktion „Gib Pfötchen“. Aus diesem Fonds erhielten die Tierheime Nürnberg und Feucht 7.500 Euro für die Pflege der 30 beschlagnahmten Welpen.

Freuen sich über die Spende von Fressnapf und dem Deutschen Tierschutzbund (v.l.n.r.): Ulrike Lang und Herbert Sauerer (Tierheim Feucht), Heike Weber (Tierheim Nürnberg), Marion Dudla (Deutscher Tierschutzbund), Kristian Peters-Lach (Fressnapf-Sprecher)

Den jungen Hunden, die jetzt in den besten Händen sind und erst vermittelt werden, wenn sie bei stabiler körperlicher und seelischer Gesundheit sind, konnte damit geholfen werden. Viele Welpen werden jedoch auch künftig über die Grenzen geschmuggelt werden. Die geringen Strafen, die auf die gefassten Täter warten, schrecken Massenzüchter und Hundehändler nicht ab. Überdies dauern die Verfahren sehr lange – im Fall der 92 Welpen von Nürnberg zog es sich ein Jahr lang hin. Der Tierhändler wurde zu 3.000 Euro wegen Urkundenfälschung verurteilt, der Verkauf der Welpen hätte ihm ein Vielfaches eingebracht. Außerdem erhielt er eine achtmonatige Bewährungsstrafe. Nachdem er zunächst das Tierheim Nürnberg wegen „Einbruch seines Umsatzes“ hatte verklagen wollen, zog er seinen Einspruch gegen das Urteil Ende Februar zurück und verzichtete auf die Klage. Sein Geschäft mit dem Hundeleid kann er nun weiterbetreiben. Nur strikte Kontrollen, konsequentes Durchgreifen in den Ländern vor Ort und harte Strafen für die Verantwortlichen können dieses Tierleid beenden. Der Deutsche Tierschutzbund setzt sich deshalb für ein Heimtierschutzgesetz ein, das unter anderem die Zucht, den Handel sowie eine

generelle Pflicht zur Kennzeichnung und Registrierung von Tieren regelt. Er unterstützt auch die Ermittlungen der Behörden und klärt gemeinsam mit den ihm angeschlossenen Tierschutzvereinen auf. Denn erst wenn Zucht, Schmuggel und Handel mit Welpen kein lukratives Geschäft mehr sind, müssen nicht jährlich Tausende von Welpen unnötig leiden. AKT I V WER DE N Das können Sie tun Fallen Sie nicht auf Lockangebote in Kleinanzeigen oder im Internet herein. Kaufen Sie nie – auch nicht aus Mitleid – Hunde von Straßenhändlern, lassen Sie sich auch keinen Welpen ins Haus bringen. Kaufen Sie keinen Hund im Zoofachhandel. Wenn Sie einen dubiosen Hundehandel vermuten, informieren Sie die Polizei, das Veterinäramt, den örtlichen Tierschutzverein oder den Deutschen Tierschutzbund. Falls Sie den Feuerwehrfonds unterstützen möchten, überweisen Sie ihre Spende bitte online über www.tierschutzbund-spenden.de oder auf folgendes Konto: Deutscher Tierschutzbund e.V. Sparkasse KölnBonn BLZ 370 501 98 Konto Nr. 40 444 Stichwort: Feuerwehrfonds

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[ Jugend]

Die jugendlichen Tierschützer lernten, dass ein Hundequartier gründlich gereinigt werden muss, damit sich keine Krankheiten einschleichen können.

Itzehoe

Jugendtierschutz im Hundehaus Ihren Wunsch nach einer aktiven Mithilfe im Tierheim konnten Nachwuchstierschützer aus Itzehoe und Hohenlockstedt in Schleswig-Holstein kürzlich in die Tat umsetzen. Die Jugendlichen lernten den Alltag eines Tierpflegers im Hundehaus kennen. Neben der Beschäftigung mit den Hunden – die Kinder durften eine Runde Gassi gehen – standen vor allem Reinigungsarbeiten

an. Gehege und Container wurden geschrubbt und gesäubert. Mit großem Einsatz reinigten die Jugendlichen in der Station des Vereins Nordlicht für Notfelle die Hundebehausungen. Der Tierschutzverein Itzehoe kooperiert mit diesem Verein bei der Betreuung der Jugendarbeit. Nach getaner Arbeit waren die jungen Tierfreunde zu Recht stolz auf ihre Leistungen. Trotz

Schmutz und Schweiß waren sich alle einig: Die Arbeit als Tierpfleger ist für die Tiere wichtig – und macht auch noch Spaß. Hunde faszinieren die frischgebackenen Juniortierpfleger auch weiterhin. Am 22. Juni findet in Hohenlockstedt ein Erlebnistag rund um den Wolf statt. Infos: www.tierheim-itzehoe.de oder www.nordlicht-notfelle.de

Stuttgart

Protest gegen die qualvolle Kaninchenmast lichen, unter welch qualvollen Bedingungen die rund 30 Millionen Mastkaninchen bis zur Schlachtung gehalten werden. Ihre Recherche ergab, dass der Entwurf einer Haltungsverordnung für Mast- und Zuchtkaninchen, die das Bundesministerium (BMELV) vorgelegt hat, diese Haltung nicht verbietet. Den Kaninchen soll nur ein DIN-A-4-Blatt großer Platz im Käfig eingeräumt werden, und die Vorschriften sollen nicht für Hobbyhalter und Rassezüchter gelten. Empört über diesen Zustand, schrieb Die Jugendtierschutzgruppe ist äußerst aktiv. Auf die Jugendtierschutzgrupdem Ostermarkt im Tierheim war die qualvolle pe Protestbriefe an BundesHaltung von Mastkaninchen ihr Hauptthema. kanzlerin Angela Merkel und u Beginn des Jahres hatte sich Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner, die Jugendtierschutzgruppe darin mahnten sie ein Käfigverbot des Tierschutzvereins Stuttgart für die Kaninchenmast und die Übermit dem Thema „Kaninchenmast“ arbeitung des Verordnungsentwurfs beschäftigt. In einer lehrreichen an. Drahtgitter- oder Spaltenböden Gruppenstunde erfuhren die Jugend- müssten verboten, Freilandhaltung

Z

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müsse zwingend vorgeschrieben werden, forderten die jungen Tierschützer. Die Antwort, die sie von Bundeslandwirtschaftsministerin Aigner erhielten, war für die Jugendlichen so enttäuschend, dass sie auf dem Ostermarkt im Tierheim erneut aktiv wurden. Als glückliche Kaninchen verkleidet und geschminkt, liefen sie über das Gelände und sammelten Unterschriften zu einem weiteren Brief an Ministerin Aigner. Drei Kinder, als Kaninchen verkleidet, saßen in Käfigen am Info-Stand des Arbeitskreises Öffentlichkeitsarbeit. Sie demonstrierten damit anschaulich die Platzverhältnisse in der Kaninchenmast. Die Arbeit der Kinder war erfolgreich: Insgesamt sammelten sie 112 Unterschriften von Erwachsenen und 39 von Jugendlichen und Kindern. Die Forderungen des Tierschutzvereins und seiner Jugendgruppe sandte Angelika Schmidt-Straube, 1.Vorsitzende des Tierschutzvereins Stuttgart, an die Ministerin und legte alle Unterschriften bei.


Reutlingen

Ein Hotel für Insekten

D

ie Idee reifte schon im Laufe des Winters: Auch kleinste Tiere verdienen Schutz und Beachtung. In Eigenregie erstellte die Jugendgruppe des Tierschutzvereins Reutlingen daher ein Haus, in dem Käfer, Ohrwürmer, Asseln, Bienen, Schmetterlinge und andere Insekten sicheren Unterschlupf finden und auch überwintern können. Zuerst sammelten die Jugendlichen Birkenäste, Schneckenhäuschen, Tannenzapfen und vieles mehr. Dann bauten sie mit Unterstützung des Vereinshausmeisters Hans-Jörg Klein ein Insektenhotel und stellten es auf dem Tierheimgelände auf. Rund um das neue Heim für die kleinsten Tierheimgäste säten sie Wiesenblumen

aus. Der Nektar, so hoffen die jungen Tierschützer, soll im Sommer viele Insekten anlocken und zum Bleiben veranlassen. Das eigene Hotel jedenfalls steht ihnen ab sofort offen.

FOTOS: TIERHEIM ITZEHOE, TIERHEIM STUTTGART(2), TIERSCHUTZ-HESSEN.DE(2), TIERSCHUTZVEREIN REUTLINGEN

Jugendtermine 14. bis 16.06.13 48653 Coesfeld – Kids grillen vegetarisch. Kosten: 20 Euro mit Übernachtung und Verpflegung. Für Kinder und Jugendliche ab ca. 8 Jahren. Info: Tierschutzjugend NRW, Tel.: 02323-51616, E-Mail: herne@tierschutzjugend-nrw.de 28. bis 30.06.13 58769 NachrodtWiblingwerde – Digitale Kameras – wichtig für Dokumentation und Jugendarbeit im Tierschutz. Für Jugendliche von 11 bis 15 Jahren. Kosten: 20 Euro mit Ü./Verpflegung.

Richtfest für das selbst gebaute Insektenhotel, das jetzt auf dem Tierheimgelände auf Gäste wartet.

Anmeldung: Tierschutzjugend NRW (s.o.) 02. bis 18.08.13 44623 Herne/

Hessen

Clare’s Rock Hostel Carron/Irland –

Fibeln für Kinder und ihre Familien Um Kinder schon früh an den richtigen Umgang mit Heimtieren und den Tierschutz heranzuführen, hat die Landestierschutzbeauftragte von Hessen, Dr. Madeleine Martin, Info-Material zusammengestellt, das Erzieher/-innen und Eltern als Leitfaden für die Thematik dienen kann. Drei Fibeln für Kinder und ihre Familien stehen bis jetzt zur Verfügung: Die „Heimtierfibel“, in der die beliebtesten Heimtiere mit ihren speziellen Bedürfnissen in Fotos und Texten vorgestellt werden, informiert auch, warum für Kinder ungeeignete Haustiere (Goldhamster, Reptilien) hier keinen Platz gefunden haben. Die Texte regen zu weiteren Fragen und Antworten sowie Kommentaren an. Die „Hundefibel“ zeigt, was Kids, die sich einen Hund wünschen,

Nicht verpassen:

Ferienabenteuer Irland. Für Jugendliche von 12 bis 16 Jahren. Kosten: 750 Euro mit Ü./Verpflegung. Anmeldung: Tierschutzjugend NRW (s.o.) 22. bis 25.08.13 50735 Köln/Riehl – Tierschutzfahrt nach Köln. Für Jugendliche ab 14 Jahren. Kosten: 110 Euro mit Verpflegung. Anmeldung bis 16.06., Bayerische Tierschutzjugend, Tel.: 09732-4588, E-Mail: friedl.marion@t-online.de

wissen sollten. Sie ist kindgerecht geschrieben und reich illustriert. Die „Schweinefibel“ schließlich zeigt glückliche Schweine, wie sie heute kaum ein Kind sehen kann, und informiert im Erzählstil über die Geschichte des Hausschweins und seine Besonderheiten. Die Fibeln können kostenlos bestellt oder heruntergeladen werden: www.tierschutz.hessen.de/irj/ Tierschutz_Internet

06. bis 08.09.13 93191 Rettenbach – Auf den Spuren der Waldbewohner. Für Kinder ab 8 Jahren. Kosten: 25 Euro mit Verpflegung. Anmeldung bis 06.07., Bayerische Tierschutzjugend (s.o.) Weitere Jugendtierschutztermine:

www.tierschutzbund.de/ jugendtermine du und das tier 3/2013 39


[vor ort] Bremen

Bundesverwaltungs­ gericht soll über Affen­ versuche entscheiden N

ach fünf Jahren Rechtsstreit durch mehrere Instanzen um die Affenversuche, die Professor Andreas Kreiter an der Bremer Universität durchführt, soll jetzt das Bundesverwaltungsgericht eine Grundsatzentscheidung treffen. Bremens Gesundheitssenator, Hermann Schulte-Sasse, hat dort Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision im Gerichtsverfahren um Prof. Kreiter eingelegt.

2008 hatte die Freie Hansestadt Bremen, vertreten durch die damalige Senatorin für Arbeit, Frauen, Gesundheit, Jugend und Soziales, die Tierversuche an Affen im Rahmen des Forschungsvorhabens von Prof. Kreiter nicht weiter genehmigt. Hiergegen hatte Kreiter Rechtsmittel eingelegt, und das Oberverwaltungsgericht Bremen hatte zuletzt zugunsten des Affenforschers entschieden. In seinem Urteil vom 11. Dezember 2012

hatte es die Revision nicht zugelassen. Für eine solche Revision lägen die notwendigen Gründe – zum Beispiel Der Prozess um die Affenversuche an der Universität Bremen geht in entscheidende eine grundsätzliche Runde (Archivbild, nicht aus Bremen) Bedeutung des Verfahrens – nicht vor. Während der Dass der Senator für GesundVersuche von Professor Kreiter heit jetzt Beschwerde gegen müssen Makaken, deren Köpfe die Nichtzulassung der Revision fixiert sind, Aufgaben lösen, einlegt, um das Skandalurteil um an Flüssigkeit zu gelangen. vom Bundesverwaltungsgericht Zehntausende Bremer Bürger korrigieren zu lassen, zeigt, dass hatten sich in Bürgeranträgen die Behörde entschlossen ist, algegen diese Versuche ausge- le ihr zur Verfügung stehenden sprochen, und auch die Bremer Rechtsmittel im Sinne des TierGenehmigungsbehörde hatte schutzes auszuschöpfen. Wenn nach Abwägung des wissen- das Gericht die Beschwerde anschaftlichen Nutzens gegen nimmt, besteht wieder Hoffnung das Leid der Affen keine weitefür Kreiters Affen. ren Versuche mehr zugelassen.

Karlsruhe

Tierleid auf der Terraristikmesse G anz offiziell hatte Reinhold Pix, Landtagsabgeordneter von Bündnis 90/DieGrünen in Baden-Württemberg, in Begleitung von Lokalpolitikern, Presseund Tierschutzvertretern (unter anderem Henriette Mackensen vom Deutschen Tierschutzbund und Martina Klausmann vom Landestierschutzverband Baden Württemberg), seinen

Rundgang auf der Terraristikmesse in Karlsruhe angekündigt. Sowohl der Veranstalter als auch die Aussteller hätten daher die Möglichkeit gehabt, Missstände im Vorfeld zu beseitigen und Händler auszuschließen, die die Börsenordnung der Messe beziehungsweise die Börsenleitlinien des Bundesverbraucherministeriums (BMELV)

Immer noch wurden in Karlsruhe Tiere in winzigen Behältnissen angeboten, ohne Deckungs- und Versteckmöglichkeiten.

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missachteten. Tatsächlich konnten die Tierschützer im Vergleich zu ihren letzten Besuchen einige Verbesserungen feststellen. Eine Mehrheit der Behälter war vorschriftsmäßig beschriftet, die Auflagen der Börsenordnung waren verschärft worden, die Besucher konnten in weniger Behälter einfach hineingreifen, und es wurden kaum exotische Säugetiere angeboten. Dennoch mussten die Tierschützer eine Menge Verstöße feststellen, und sie trafen auf viele Händler, die sich unaufgeklärt und uneinsichtig zeigten. Kontrollierende Amtstierärzte waren an diesem Tag nicht vor Ort. Besonders tragisch: Es wurden immer noch zahlreiche Wildfänge ohne das vorgeschriebene Gesundheitszeugnis angeboten, auch „neue“ Tiere, die laut Händleraussage erst vor wenigen Wochen gefangen und nach Deutschland eingeführt

wurden. Viele Händler kamen von weit her, auch aus anderen Ländern, und hatten den Tieren einen langen, stressigen Transport zugemutet. Die fachliche Beratung litt darunter, dass einige Händler kein Deutsch sprachen und nicht davon ausgegangen werden kann, dass jeder Käufer Englisch oder Französisch spricht. Viele Käufer trugen ihren Neuerwerb durch die Messehalle, statt ihn, wie in der Börsenordnung vorgeschrieben, im „Tierdepot“ zwischenzulagern. Die Gruppe beobachtete auch immer wieder Reptilien, die deutliche Stresssymptome zeigten – wie Graben, Scharren oder Hyperaktivität. Andere ließen sich völlig apathisch von den Händlern aus ihren Behältnissen nehmen und herumreichen. Kontrolleure schritten nur nach Hinweisen oder zögerlich ein. Das Fazit der Tierschützer: Selbst wenn Kontrollen durch Tierschützer angekündigt und Auflagen der Börsenordnung verschärft werden, gibt es weiterhin Missstände und Tierleid auf Terraristikmessen.


Altenburg

Missstände auf dem Taubenmarkt S

Fotos: Deutscher Tierschutzbund, Tierschutzverein Coesfeld, Tierschutzverein Altenburg (2)

chon seit Jahren beobachten der Deutsche Tierschutzbund und der Tierschutzverein Altenburg die tierschutzrelevanten Zustände auf dem alljährlichen Taubenmarkt in Altenburg. Immer wieder weisen sie auf Verstöße gegen die Tierbörsen-Leitlinien hin. Auch in diesem Jahr dokumentierten die Altenburger Tierschützer

auch Meerschweinchen zum Verkauf. Laut Börsenordnung waren sie nicht zugelassen. Der Deutsche Tierschutzbund hat in einem Schreiben an das Landratsamt Altenburg auf die krassesten Verstöße hingewiesen, Beweisfotos beigelegt und neuerlich gefordert, die Kontrollen zu verschärfen und Verstöße mit Geldbußen zu ahnden und

Tauben, die ohne Deckung in Drahtkäfigen saßen und Kaninchen, die jedermann streicheln durfte, waren in Altenburg zu sehen.

wieder viele Missstände, trotz anwesender Amtstierärzte und Kontrolleure. So wurden Tiere in nach allen Seiten offenen Käfigen ohne Witterungsschutz oder Rückzugsmöglichkeiten feilgeboten. Andere mussten, ohne Futter und Wasser ausharren. Einige Tiere waren in offenen ungesicherten Behältern untergebracht, und Interessenten durften sie anfassen. Außer Tauben, anderem Geflügel und Kaninchen standen

die Verantwortlichen auch für die Zukunft vom Börsentag auszuschließen. Das Schreiben ging zur Kenntnis auch an den Bundesverband für Arten-und Naturschutz (BNA), das Thüringer Ministerium für Soziales, Familie und Gesundheit, den Bürgermeister von Altenburg und den zuständigen Kreisverband der Rassegeflügelzüchter.


[vor ort] Bremen

Rübes neues glückliches Leben B Fotos: breMer tierschutzverein, tierschutzverein MAinz, tierschutzverein KelsterbAch, Deutscher tierschutzbunD, tierrschutzverein elMshorn, FotoliA/J.-M. MAillet

einahe wäre sie in der Müllpresse gelandet. Ende Februar, bei vier Grad minus, entdeckten Mitarbeiter

der Abfallentsorgung in ihrem Wagen eine abgemagerte, völlig verängstigte Hündin, die vor Hunger an Kunst-

Wolfgang Apel, Vorsitzender des Tierschutzvereins Bremen, übergab Rübe persönlich an die neue Besitzerin, in deren Familie schon ein glücklicher Artgenosse lebt.

stoffabfällen nagte und am ganzen Körper zitterte. Das Tier war in einem Müllcontainer entsorgt worden und lag kurz vor der Trommel, die es in die Presse gezogen hätte. Seine Retter riefen die Polizei, die das arme kleine Wesen in die Tierklinik brachte und den Bremer Tierschutzverein informierte. Zwei Tage später kam Rübe, wie die Tierheimmitarbeiter sie tauften, ins Bremer Tierheim. Trotz der Belohnung von 500 Euro, die der Bremer Tierschutzverein sofort ausgesetzt hatte, konnte kein Verantwortlicher für diese grausame Tierquälerei gefunden werden. Der Deutsche Tierschutzbund und der Bremer Tierschutzverein erstatteten bei der Staatsanwaltschaft Bremen Strafanzeige gegen Unbekannt wegen Tierquälerei. Da keine „Anhaltspunkte für einen Täter oder zur Auf-

BerlIn

Podiumsdiskussion um Tierversuche A nlässlich der Aktionswoche zum Internationalen Tag zur Abschaffung der Tierversuche hatten das Bündnis Tierschutzpolitik Berlin, dem auch der Tierschutzverein für Berlin angehört, und die Urania zu einer Podiumsdiskussion eingeladen. Die Veranstaltung in der Urania Berlin fand wenige Tage nach der Großdemonstration statt (siehe auch Seite 34/35 in dieser Ausgabe). Auf dem Podium diskutierten Kristina Wagner, Fachreferentin für Alternativmethoden zu Tierversuchen von der Akademie für Tierschutz des Deutschen Tierschutzbundes, Prof. Dr. rer. nat. Manfred Liebsch, Leiter der Fachgruppe „ZEBET - Al-

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ternativmethoden zu Tierversuchen“, und Rechtsanwalt Rolf Kemper. Die Diskussion moderierte die 1. Vorsitzende des Tierschutzvereins für Berlin, Ines Krüger. Der Veranstaltungssaal in der Urania war fast bis auf den letzten Platz besetzt. Unter den Zuhörern waren auch der neue Berliner Tierschutzbeauftragte, Horst Spielmann, sowie die Abgeordneten von Bündnis90/ Die Grünen, Undine Kurth (MdB), und Claudia Hämmerling (Berlin). Prof. Liebsch demonstrierte auf der Bühne zwei Alternativmethoden: den Hühnerei-Test an der ChorionAllantois-Membran (HET-CAM) als Alternativmethode zum Draize-Test auf Augenreizung

und einen Test an einem künstlichen Hautmodell als Ersatzmethode zu Hautreizungstests am Kaninchen. Das Publikum zeigte sich äußerst interessiert. In der Diskussionsrunde ging es um die immer weiter steigende Anzahl der in Tierversuchen verwendeten Tiere. Kristina Wagner zeigte die Hauptgründe dafür auf: die Gentechnik und den Anstieg bei transgenen Mäusen als Krankheitsmodelle für den Menschen. Weitere Diskussionsthemen waren unter anderem die bürokratischen Hürden bei der Anerkennung und Anwendung von Alternativmethoden, die notwendigen Maßnahmen für einen Ersatz beziehungsweise die

Rübe, wenige Tage nachdem sie von der Tierklinik ins Tierheim kam. Sie war noch abgemagert und verstört. klärung des Sachverhaltes“ gefunden werden konnten, wurden die Ermittlungen eingestellt. Die kleine Rübe hat sich inzwischen prächtig erholt. Sie lebt seit Ende April bei einem jungen Paar in Bremen, wo sie endlich erfährt, wie schön und glücklich ein Hundeleben sein kann.

Abschaffung von Tierversuchen und die Wertigkeit des Staatsziels Tierschutz im Vergleich zur Forschungsfreiheit. Einig waren sich die Podiumsteilnehmer darüber, dass Ethik und tierversuchsfreie Methoden schon während der Ausbildung von Studenten thematisiert werden müssen.

Vormerken!

Termine

06.07.13 42389 Wuppertal igel als sommergäste im garten – tipps und Anregungen, igelwissensrallye für Kinder info: igelschutzinteressengemeinschaft e.v., tel.: 0202 – 60 34 03, www.igelschutz-ev.de


elmshorn

flensBurg

Pfandbons Beste Auszubildende aus Weidefeld als Spende I

m Tierschutztelegramm, das der Deutsche Tierschutzbund regelmäßig an die ihm angeschlossenen Tierschutzvereine verschickt, fand der Tierschutzverein Elmshorn die Idee einer „Pfandbox“-Aktion. In den meisten Supermärkten gibt es mittlerweile Pfandannahmestellen. Die Kunden geben ihr Leergut ab und erhalten einen Bon, den sie an der Kasse einlösen können. Die Genehmigung der Marktleitung vorausgesetzt, kann so eine Pfandbox zugunsten des Tierschutzvereins in der Nähe des Pfandautomaten aufgehängt werden. Die Elmshorner ließen Boxen fertigen, um Pfandbons für das Tierheim zu sammeln. Statt ihren Pfand-Bon an der Kasse einzulösen, konnten die Kundinnen und Kunden ihn in die Box des Tierschutzvereins werfen und damit Gutes zugunsten der Tiere bewirken. Die Sammelbox macht auf den Tierschutzverein und seine Anliegen aufmerksam und lenkt automatisch die Blicke der Kunden auf sich. Eine Idee, die auch andere Tierschutzvereine aufgreifen können.

Statt sie einzulösen können Elmshorner Bons jetzt spenden.

Als beste im Ausbildungsgang zur tierpflegerin in der Fachrichtung tierheim und tierpension wurde lena horst ausgezeichnet. im festlichen rahmen gratulierten Präsidium und geschäftsführung der industrie- und handelskammer (ihK) Flensburg nicht nur der Prüfungsabsolventin zu dieser guten leistung, sondern auch ihrem Ausbildungsbetrieb, dem tier-, natur- und Jugendzentrum Weidefeld des Deutschen tierschutzbundes. Die junge tierpflegerin darf sich doppelt freuen: sie wurde in die stiftung „begabtenförderung berufliche bildung“

des bundesministeriums für bildung und Forschung aufgenommen und kann ihre weitere berufliche laufbahn,

die sie selbstverständlich weiterhin den tieren widmen wird, jetzt mit einem stipendium einschlagen. ■

Als Prüfungsbeste in ihrem Ausbildungsgang wurde Lena Horst, die in Weidefeld Azubi war, von der Industrie- und Handelskammer ausgezeichnet und erhielt ein Stipendium.

DarmstaDt

Wildtierverbot zurückgenommen N achdem das Verwaltungsgericht Darmstadt einem Eilantrag des Zirkus Krone stattgegeben hat, ein beantragtes und bereits genehmigtes Gastspiel trotz des bestehenden Wildtierverbotes in Darmstadt durchzuführen, ist die Stadt Darmstadt eingeknickt. Sie nahm das Verbot für Zirkusunternehmen insgesamt zurück – entgegen dem Willen der hessischen Tierschutzbeauftragten Dr. Madeleine Martin, die sich deutlich für dieses Verbot ausgesprochen hat. Auch der Deutsche Bundesrat hatte im Herbst 2011 bereits für ein Wildtierverbot im Zirkus gestimmt. Der Landestierschutzverband Hessen des Deutschen Tierschutzbundes hat die Stadt Darmstadt aufgefordert, die

In Darmstadt dürfen weiter Zirkusunternehmen gastieren, die Wildtiere in der Manege auftreten lassen.

Vorlage erneut zu prüfen. Wildtiere stellen besonders hohe Ansprüche an ihre Haltung und Unterbringung. In einem fahrenden Zirkusunternehmen ist eine artgerechte Haltung dieser Tiere nicht möglich. Die Folgen sind massive Gesundheits- und Verhaltensstörungen und eine frühe Sterblichkeit. Nachdem es noch kein Gesetz gibt, das

Wildtiere im Zirkus verbietet, wie es in vielen anderen Ländern bereits besteht, sind die Kommunen in der Pflicht. Sie können sich durchaus das Recht vorbehalten, keine Flächen mehr an Zirkusse zu vermieten, die bestimmte Wildtiere mitführen. In Städten wie zum Beispiel Heidelberg, Köln oder Speyer wird dies schon praktiziert.

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[vor ort] München

Dortmund

Demonstration für Verbandsklagerecht Erfolgreiche Hundeaus­ T laufflächen

iere, die fühlen und leiden können, brauchen den Schutz durch Tierschutzverbände, die Tierrechte vor Gericht einklagen können. Mit dieser Forderung haben die Politiker Christian Ude, Oberbürgermeister der Stadt München, und Dr. Christian Magerl Landtagsabgeordneter der Grünen, den Kampf des Münchner Tierschutz-

vereins und des Deutschen Tierschutzbunds für ein Klagerecht im Tierschutz in ihren Vorträgen vehement unterstützt. Gastredner Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, richtete seinen Appell daher auch an die Politik: „SPD und Bündnis 90/Die Grünen bringen seit Jahren Gesetzentwürfe und

Bild oben: Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Münchens Oberbürgermeister Christian Ude und Kurt Perlinger, Vorsitzender des Tierschutzvereins München. Bild unten: Hunderte Bürger demonstrierten mit für ein Verbandsklagerecht.

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Anträge zur Einführung der Tierschutz-Verbandsklage im Bayerischen Landtag ein. Noch wollen die anderen Parteien im Landtag nicht mitziehen. Auch in dieser Legislaturperiode haben CSU, FDP und Freie Wähler schon einen Gesetzentwurf abgelehnt. Jetzt liegt der nächste Antrag auf dem Tisch. Wir sind gespannt.“ Und weiter: „Auch zum Schutz der Umwelt und anderer Güter gibt es Verbandsklagerechte, das ist unverzichtbar.“ Niemand könne bis heute begründen, warum dieses Recht ausgerechnet den leidensfähigen Mitgeschöpfen beziehungsweise deren Vertretern, den seriösen Tierschutzorganisationen, vorenthalten bleiben solle. Der Aufforderung des Münchner Tierschutzvereins und des Bayerischen Landesverbandes des Deutschen Tierschutzbundes zur Demonstration waren trotz des schlechten Wetters Hunderte von Münchnern gefolgt. Die Folk Rock Band Groundswimmer trat kostenlos auf und spendete den Verkaufserlös ihrer CD, die Münchner Streeetdance-Gruppe X-Crew zeigt Tanzeinlagen, während Mitglieder des Tierschutzvereins Unterschriften für eine neuerliche Petition sammelten. 40.000 davon hatte der Münchner Tierschutzverein bereits bei seiner letzten Petition im Bayerischen Landtag abgeliefert. Doch die wurde abgeschmettert. Die Tierschützer aber geben nicht auf. Sie werden auch im Wahlkampf in Bayern weiter für das Tierschutz-Verbandsklagerecht kämpfen.

A

ls Nordrhein-Westfalen vor elf Jahren mit der neuen Hundeverordnung für alle Hunde über 40 Zentimetern Schulterhöhe und/oder 20 Kilogramm Gewicht die Leinenflicht einführte, handelte der Tierschutzverein Groß-Dort-

Die Hundeauslaufflächen in Dortmund sind großzügig angelegt und sicher eingezäunt. Sie stehen allen offen. mund schnell: Binnen weniger Monate richtete er die ersten Hundeauslaufflächen ein. Die Anlagen sind eingezäunt und mit Sitzbänken und Tischen für die Menschen sowie Sand-, Erd- und Wiesenabschnitten für die Hunde bestückt. Der Verein pflegt und reinigt die Anlagen regelmäßig und leert auch die Kotbehälter. Das Projekt „Hier tobt der Hund“ wurde von den Hundehaltern gut angenommen. Inzwischen pflegt der Verein Groß-Dortmund 17 solcher Auslaufflächen, die so verteilt sind, dass die meisten Herrchen/Frauchen keine langen Anfahrtswege haben. In den Hundezonen toben übrigens nicht nur die 20/40er-Hunde, sondern auch deren kleinere Artgenossen.


Kelsterbach

Fotos: Münchner Tierschutzverein(2), Tierschutzverein GroSS-Dortmund, Deutscher Tierschutzbund(2), Allgemeine Zeitung Coesfeld, Muddemann

Paten für WildtierBabys gesucht Die Aufzucht und Pflege von Wildtierwaisen gehört bereits seit 2009 zu den zusätzlichen Aufgaben des Tierschutzvereins Kelsterbach. Seitdem der Kelsterbacher Stadtwald im Zuge des Startbahnbaus für den Frankfurter Flughafen abgeholzt worden war, müssen die Tierschützer Jahr für Jahr unzählige verstörte, verletzte oder halb verhungerte Tierkinder aufnehmen. Auch in diesem Frühjahr ging es Schlag auf Schlag: 14 ausgehungerte Eichhörnchen-Findelkinder, dazu Marder- und FeldhasenBabys, Fuchswelpen und Entenküken fanden Schutz, Versorgung und Pflege beim Tierschutzverein. Doch die Kosten für die Pflege eines Wildtieres bis zur Wiederauswilderung sind verhältnismäßig

Dülmen/Coesfeld

Noch mehr Stärke durch Fusion D

as passiert nicht alle Tage: Eine Erbschaft von 220.000 Euro und einem Pferd brachte die Verschmelzung zweier Tierschutzvereine ins Rollen: Der Erbe, der Tierschutzverein Coesfeld, der kein eigenes Tierheim betrieb, und der benachbarte Tierschutzverein Dülmen haben sich im März zum Tierschutzverein Coesfeld, Dülmen und Umgebung zusammengetan, um künftig gemeinsam noch mehr Gutes für die Tiere in der

Region bewirken zu können. Vorangegangen waren der Fusion Mitgliederversammlungen in beiden Vereinen. Fundtiere und Vermittlungstiere sind jetzt alle im Tierheim Dülmen untergebracht – und dort laufen umfangreiche Renovierungsarbeiten. Vor allem das Kleintierhaus, in dem die Besucher schon jetzt die geräumigen Musterboxen für Kaninchen und Nager besichtigen können, kann dank der Erbschaft

vollständig umgebaut werden. Wenn die Quarantänestation fertig eingerichtet ist, kann der Verein stolz auf ein großzügiges Zuhause auf Zeit für seine kleinen Gäste sein. Und der Auslöser des Ganzen, das Pferd Ravel, freut sich jetzt auf einem Billerbecker Pferdehof seines Lebens. Ganz im Sinn der Erblasserin soll das Geld auch weiterhin voll und ganz den Schützlingen des Tierschutzes zugutekommen.

Wallach Ravel, den die Erblasserin dem Tierschutzverein Coesfeld anvertraute, lebt jetzt auf einem Pferdehof (links). Von dem Gelderbe konnten die Dülmener ihre uralten Kleintierhäuser (rechts) renovieren, die ersten Kaninchen und Nager werden noch in diesem Sommer einziehen.

In Kelsterbach müssen viele Eichhörnchenbabys aufgepäppelt werden. hoch. So kostet beispielsweise die Aufzucht eines EichhörnchenFindelkindes etwa 35 €. Der Verein sucht daher dringend Wildtier-Paten, um die Findlinge rund um den Frankfurter Flughafen auch weiterhin gut betreuen zu können. Näheres unter www.tierschutzkelsterbach.de

Der neue Vorstand (v.l.n.r.): Ulrich Schmitt (2. Vorsitzender), Sabine Meyer (Beisitzerin), Ulrike Kotzke (Geschäftsführerin), Manfred Kukielka (Beisitzer), Jürgen Hille (Beisitzer), Hedwig Sicking (2. Kassenwartin), Regina Kaute (Beisitzerin), Wilma Hille (1. Vorsitzende), Nadine Niehaves (Beisitzerin), Birgit Roesmann (Schriftführerin), Helge Habermehl (1. Kassenwart)

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[ das

letzte]

Exotisches Mode-Accessoire

Foto: DPA

Mit Affenbaby auf Europa-Tournee M

it Tieren hat sich Justin Mally kam ins Tierheim München, wo Bieber schon immer gern man Erfahrung mit Affen hat. Denn diegeschmückt. Bei seiner ser Affe ist kein Einzelfall. Mehr und mehr letzten Tournee war es Zwerghamster Menschen kaufen sich unbedacht Pac, den der Teenie-Star mit sich he- exotische Tiere, ohne das notwendige rumschleppte und den er bereitwillig Wissen, den nötigen Platz, die erforderseinen Fans zeigte. Pac starb, kurz liche Zeit dafür zu haben. Viele dieser nachdem der kanadische Popstar ihn Trend-Exoten sterben nach kurzer Zeit, einem Bewunderer geschenkt hatte. viele werden lästig und landen in den Jetzt ist es ein Äffchen, mit dem Tierheimen, die dann die oft kranken Bieber seine Europa-Tournee antrat. und verstörten Tiere kostenintensiv verGenauer: ein Weißschulterkapuziner- arzten und pflegen. Wie Mally, das Proaffe, den er zu seinem 19. Geburts- mi-Äffchen. Sechs Wochen gaben die tag geschenkt bekommen hatte Behörden dem Teenie-Schwarm Zeit, und der, als er die die notwendigen Reise nach Europa Papiere zu besorgen. antrat, 14 Wochen Gegen ein Bußgeld hätte er Mally dann alt war. Viel zu jung, wieder zu sich nehum ohne Mutter zu men können. Doch leben, einsam ohne wie es scheint, hat seine Sippe, hilflos der Star das Interesseinem jungen, vielse an seinem Masbeschäftigten Herrkottchen verloren. chen ausgeliefert. Sein Management Ein Accessoire, das jedenfalls bekundeAufsehen erregt und te, dass der Affe zur zum Nachmachen anregt. Denn Bieber Vermittlung freigegeist nicht nur ein Star, ben sei. Justin Biebers „Maskottchen“, sondern hat auch Noch sitzt das das Affenbaby Mally, soll bald Baby im Münchner Vorbildfunktion. unter Artgenossen leben. Tierheim, schläft fest Über die Schlagzeilen, die Bieber und Affe Mally am angekuschelt an seine Ersatzmama, Gründonnerstag dieses Jahres mach- eine Plüschkatze, und genießt die Zuten, dürfte der Sänger allerdings nicht wendung und das artgerechte Futter, so erfreut gewesen sein. Der deutsche das ihm gereicht wird: Babybrei und Zoll nahm ihm sein Maskottchen näm- Früchte. Einige Zoos haben bereits ihr lich ab, weil Bieber weder eine Einfuhr- Interesse an Mally bekundet. Wenn die genehmigung noch ein tierseuchen- Eingewöhnung gelingt, könnte Mally oder artenschutzrechtliches Zeugnis doch noch in einer intakten Gruppe mit vorweisen konnte. Zum Glück für Mally, ihresgleichen artgerecht aufwachsen. das ist sicher, denn wie ein so junges So viel Glück haben andere Exoten Tier die Strapazen der Tournee mit- in Menschenhand in aller Regel nicht. samt dem Lärm, den Afterpartys und Ihnen kann nur der Gesetzgeber heldem ständigen Wechsel von Hotels fen: durch ein Verbot von Wildtieren in verkraftet hätte, mag man sich nicht Privathand, wie es der Deutsche Tierausmalen. schutzbund seit Jahren fordert.

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du und das tier  Impressum Herausgeber und Anschrift der Redaktion: Deutscher Tierschutzbund e.V. Baumschulallee 15 53115 Bonn Telefon 0228-60496-0 Telefax 0228-60496-40 Kontakt: www.tierschutzbund.de/kontakt.html Internet: www.tierschutzbund.de Redaktionelle Koordination: Ein Herz für Tiere Media GmbH Postfach 400529 80705 München Telefon 089-27270-0 Fax 089-27270-7590 Verlags- und Redaktionsleitung Petra Balzer Chefredaktion: Ursula Birr (v.i.S.d.P.) Leitung Produktion: Sandra Kho Grafik & Litho: Robert Serra, www.zeitraum.de Bildredaktion: Margarete Müller, Simone Grafetstetter Ständige redaktionelle Mitarbeiter: Wolfgang Apel, Dr. rer. nat. Heidrun Betz, Susanne Möltgen, Harvey T. Rowe Mitarbeiter dieser Ausgabe: Gerd Fischer, Dr. med. vet. Caroline Hartmann, Christiane Kook, Maja Masanneck, Christian Schönwetter, Thomas Schröder, Nadine Waltschyk Für unverlangt eingereichte Manuskripte, Fotos und sonstige Druckunterlagen wird keine Haftung übernommen. Eine Rücksendung solcher Unterlagen ist nur gegen ausreichendes Rückporto möglich. Namentlich gezeichnete Beiträge stellen die Meinung des Verfassers, nicht unbedingt auch die der Redaktion dar. Nachdruck, Übersetzungen und Vervielfältigungen, auch auszugsweise, sind nur mit Zustimmung der Redaktion gestattet. Die Redaktion behält sich die Kürzung von Leserbriefen vor. Veröffentlichte Briefe sind keine Meinungsäußerung der Redaktion. Anschrift des Verlags Ein Herz für Tiere Media GmbH Münchener Straße 101/09 85737 Ismaning Tel. 089-27270-0 Geschäftsführung: Clemens Schüssler, Michael Geringer Anzeigen: WAZ Zeitschriften Marketing GmbH & Co. KG Münchener Straße 101/09, 85737 Ismaning Telefon: (089) 27 270-7942, Fax: (089) 27 270-7991 Geschäftsführung: Daniela Sakowski, Anzeigenleitung: Sonja Haase, E-Mail: sonja.haase@waz-zeitschriften.de Verantwortlich für Anzeigen: Burda Community Network GmbH, Gudrun Nauder, E-Mail: gudrun.nauder@burda.com (Es gilt die Anzeigenpreisliste Nr. 14 vom 01.01.2013.) Vertrieb: Peter Müller Abo-Service: Postfach 10 45 65, 40032 Düsseldorf Telefon 0211-690789-945, Fax 0211-690789-80 Bezugsbedingungen: du und das tier erscheint jährlich sechsmal. Bezugspreise jährlich € 15,30 incl. € 2,10 Portokostenanteil einschließlich Vertriebsgebühren; Preis des Einzelheftes je nach Umfang mindestens € 2,55. Für Mitgliedsvereine des Deutschen Tierschutzbundes und Mengenbezüge gelten besondere Preise, die der Verlag auf Anfrage bekannt gibt. Bezugspreis für das Ausland jährlich € 24,60 incl. € 9,– Portokostenanteil einschließlich Versandkosten. Abbestellungen nur bis sechs Wochen vor Ende des Berechnungszeitraums. Wird das Erscheinen durch höhere Gewalt oder Streik verhindert, so können keine Ansprüche an den Verlag geltend gemacht werden. Druck: Stürtz GmbH, Würzburg ISSN 0341-5759 Diese Zeitschrift wurde auf umweltschonendem Papier hergestellt (elementar chlorfrei).


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Die Tierheime sorgen sich mit vielen Baumschulallee 15 * 53115 Bonn * Telefon: 0228-60496-0 * Telefax: 0228-60496-40 ehrenamtlichen Helfern um jedes Tier – rund um die Uhr. Sie helfen, ohne zu zögern. Tierheime sind TierschutzDie Tierheime sorgen sich mit vielen einrichtungen. ehrenamtlichen Helfern um jedes Tier – rund um die Uhr. Sie helfen, ohne zu Aber: Tierheime übernehmen auch zögern. Tierheime sind TierschutzVerpflichtungen der Kommunen, ohne einrichtungen. dafür die Kosten ausreichend erstattet zu bekommen. Tiere dürfen nicht Opfer Aber: Tierheime übernehmen auch der Bürokratie werden. Jetzt ist Hilfe Verpflichtungen der Kommunen, ohne nötig. Den Tieren zuliebe. dafür die Kosten ausreichend erstattet zu bekommen. Tiere dürfen nicht Opfer der Bürokratie werden. Jetzt ist Hilfe nötig. Den Tieren zuliebe. Ja, ich fordere auch, dass die Kommunen, der Bund und die Länder den Tierschutz und im Besonderen das Engagement und die Aufgaben der Tierheime endlich besser und angemessen unterstützen. Bitte senden Sie Name Straßeder Bund und PLZ, Ortden Tierschutz Unterschrift Ja,Vorname, ich fordere auch, dass die Kommunen, die Länder und im Besonderenmir dasweitere Engagement und die Aufgaben der Tierheime endlich besser und angemessen unterstützen. Informationen1

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Bei Interesse bitte ankreuzen

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Ausgefüllte Unterschriftenliste bitte baldmöglichst zurücksenden an: Bei Interesse bitte ankreuzen Deutscher Tierschutzbund e.V., Baumschulallee 15, 53115 Bonn Telefon 0228-60496-0, Telefax 0228-60496-40

Die Vorgaben des Bundesdatenschutzgesetzes werden beachtet

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Die Vorgaben des Bundesdatenschutzgesetzes werden beachtet

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Du und das Tier 3/2013  

Du und das Tier 3/2013