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du und das tier 2|2013

Tierschutz aus erster Hand

43. Jahrgang | ISSN 0341-5759

Selbstbewusste Samtpfoten

Katzen im Freien

ESEL

Anspruchsvolle Herdentiere

HÜHNERZUCHT

Raus aus der Sackgasse

MEERKATZE LEE

Glücklich in Weidefeld


Freunde fürs Leben. Als treue Freunde schenken Tiere uns Vertrauen, Zuneigung und Trost. Dafür möchten wir etwas zurückgeben. Seit über 20 Jahren unterstützen Pedigree® und Whiskas® den Deutschen Tierschutzbund und Tierheime in ganz Deutschland.

Partner des Deutschen Tierschutzbundes

www.pedigree.de

www.whiskas.de www.tierschutzbund.de


[ editorial] Dr. Brigitte Rusche, Vizepräsidentin

Liebe Tierfreundinnen und Tierfreunde, auch wenn der Winter diesmal nur zögerlich das Feld räumt, für die Tiere ist Frühling, und damit beginnt die Zeit der Fortpflanzung. Das Stockentenpaar, das auch im letzten Jahr am Teich der Akademie für Tierschutz gebrütet hat, ist schon eingetroffen. Die Singvögel stecken mit lautem Gesang am frühen Morgen ihre Reviere ab. Damit beginnt auch wie in jedem Jahr die Zeit der Konflikte zwischen Vogelfreunden und Katzenbesitzern. Schon früh in diesem Jahr sind die Medien darauf angesprungen, Katzen als „wahre Vogel-Killer“ darzustellen. Dieser Polemik können wir nicht folgen, liegen dieser Behauptung doch keine seriösen Untersuchungen zugrunde. Unbenommen ist aber, dass etwa Jungvögel, die gerade das Nest verlassen haben, durchaus in Gefahr sind - ebenso wie Heckenbrüter. Hier gilt es für Katzenbesitzer, so weit wie möglich Verantwortung zu übernehmen. Verantwortung muss die Gesellschaft auch für frei lebende Katzen übernehmen. Auch dort bringt das Frühjahr die erste Katzenschwemme, wenn die Tiere nicht rechtzeitig kastriert wurden. Der Deutsche Tierschutzbund und seine angeschlossenen Tierschutzvereine sind hier im Rahmen ihrer Möglichkeiten aktiv. Für frei lebende Katzen tragen aber auch die Gemeinden, die Länder und der Bund Verantwortung, ebenso wie für die Versorgung der Tiere, die im Tierheim aufgenommen werden. Tipps und mehr zu diesem Thema lesen Sie in dieser Ausgabe von du und das tier.

Die Belastung der Tierheime und die Frage, wie die politischen Entscheidungsträger Verantwortung wahrnehmen und was sich ändern muss, bleibt für uns ein Schwerpunkt der Diskussion im Jahr der Bundestagswahl. Wir werden mit Ihnen gemeinsam dafür kämpfen, dass auf Bundesebene endlich klargestellt wird, dass die Wahrnehmung öffentlicher Aufgaben durch die Tierheime auch durch öffentliche Mittel abgesichert sein muss, damit die Tierheime nicht länger im Regen stehen. Im Bundesrat haben sich die politischen Verhältnisse nach der Wahl in Niedersachsen verändert. Jetzt sollten wir alle wachsam beobachten, ob die in Zeiten der Opposition vertretenen Forderungen für mehr Tierschutz noch Bestand haben. Einen scharfen Blick werden wir auch auf die Parteiprogramme richten und wir erwarten mit Spannung die Antworten auf unsere Wahlprüfsteine. Aber darüber finden Sie dann mehr in der nächsten Ausgabe von du und das tier. Ich wünsche Ihnen und allen Zwei- und Vierbeinern in Ihrem Umfeld einen schönen Frühling - hoffentlich ohne allzu große Tierschutzprobleme. Herzlichst, Ihre

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Fotos: Foto: Deutscher Tierschutzbund

Katzen brauchen unseren Schutz


[ i n h a lt ]

du und das tier  2/2013 Alle Titelthemen sind mit einem

✘ gekennzeichnet

6 Kurz und knapp

27 Aktuell

Erfolg Tierversuche für Kosmetika verboten

Unterstützung für die Tierheime

Berlin Agrarwende jetzt!

Der Wille des Spenders zählt

Teilerfolg Umstrittene Nerzfarm geschlossen Neue Broschüre Mehr biologische Vielfalt Einladung Mitgliederversammlung des

Fotos/titel: Jana Weichelt, EU-Kommission, Pantherstock.com/tspider, Deutscher Tierschutzbund; INHALT: Deutscher tierschutzbund (2), Chimp haven

Deutschen Tierschutzbundes

20

Jugend Denkt bei Katas­ trophen auch an die Tiere, mahnte die Jugendgruppe des Hamburger Tierschutzvereins

Schimpansenversuche in den USA Endlich ein Ende in Sicht Hühnerzucht Raus aus der Sackgasse

Schweineverordnung EU-Verfahren gegen

Zweinutzungshühner Fachtagung in Berlin

Deutschland

Putenhaltung Kaum Verbesserungen

„Gib Pfötchen“ Rekordergebnis für den

Tierschutzlabel Wissenschaftliches Fundament

Tierschutz

25 Jahre NEULAND e.V. Qualität statt Quantität

Liebevolles Zuhause gesucht 111.111 Näpfe für Tierheimhunde Aktion 30 Tage vegan leben

36 Hinter den Kulissen

Lebensmittelwirtschaft Tierschutz und

Weiterbildung für den Tierschutz

Nachhaltigkeit

Ausbildung zur Tierpflegemeisterin

Tiervermittlung Wiedersehen mit Claudia Ludwig

28

Aktuell Versuchsschimpansen sollen nach einem Aus für Versuche in Auffangstationen ein neues Leben beginnen

38 Vor Ort Eberbach Käthes Glück nach dem Unglück

9 Kontakt

Achern Erfolgreicher Kampf um eine

10 Titelthema

Katzen Selbstbewusst im Freien Katzen im Freien Katzen und Singvögel – ein Artenschutz­problem?

16 Projekte

Tierschutzzentrum Weidefeld Doch noch „Happy Hour“ für Lee

34

Aktuell Das Tierschutzlabel des Deutschen Tierschutzbundes und dessen Vorgaben für die Tierhaltung basieren auf wissenschaftlichen Erkenntnissen.

Hundewiese Berlin Neuer Tierschutzbeauftragter Bremen/Fürth Backen für den Tierschutz Heilbronn Spatenstich fürs neue Tierheim Ibiza Menschen für Tiere Niedersachsen Rückenwind für den Tierschutz Delmenhorst Mit Neuwahlen ins Jubiläumsjahr Hunsrück Kinderlauf für den Tierschutz

Verwahrloste Ponys erhalten Hilfe

Leser fragen Meerschweinchen und Kaninchen

Nach jahrelanger Anbindehaltung endlich frei

Troisdorf Ein kleines Wunder München Demo für Gestüt Isarland

18 Draußen

Eselhaltung Anspruchsvolle Herdentiere

Niederbarnim Tierschutzpreis des Landkreises Barnim Wiedervorlage NRW-Verbandsklage

20 Jugend Hamburg Denkt bei Katastrophen

weiter auf Kurs Termine

auch an die Tiere Dortmund Protest gegen Jagd Haßberge Projekttag zum Tierschutz Erding Vegetarische Küchenparty

36

Hinter den Kulissen Anna Lena Hansen will Tierpflegemeisterin werden. In ihrem Tagebuch schildert sie den Weg zum Ziel

4  du und das tier  2/2013

22 Das vegane Rezept Spargel mit Sauce Hollandaise

46 Das Letzte Islands Walfangflotte Ein toter Finnwal für ein paar Liter Diesel

46 Impressum


[ IM

FOKUS]

Die meisten Pekingenten fristen ein Dasein ohne Freilauf, Sonne und Wasser. Sie werden in engen Ställen gemästet.

Gänse- und Entenhaltung

Anspruchsvolle Wasservögel In der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung, wo Gänse und Enten unter wirtschaftlichen Aspekten des Fleisches und der Federn beziehungsweise der Daunen wegen gehalten werden, werden die meisten Betriebe diesen Bedürfnissen nicht im Geringsten gerecht. So müssen Mastenten ihr kurzes Leben in intensiver Stallhaltung fristen, ohne Auslauf ins Freie, ohne Bademöglichkeiten, auf Gitter- und Spaltenböden. Der infolgedessen auftretenden Verhaltensstörung, dem Kannibalismus, begegnen die Mäster der Moschusenten, indem sie den Tieren Schnäbel und Krallen kürzen, was nicht die Ursache der Verhaltensstörung beseitigt, sondern lediglich ihre Folgen abmildert. Gänse genießen zwar meist Freilauf, doch auch ihnen gewährt man in der Regel keinen Zugang zum Wasser.

Der Deutsche Tierschutzbund fordert verbindliche Vorgaben für eine tiergerechte Enten- und Gänsehaltung, die in die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung aufgenommen werden sollten. MEHR I NFOS In der neuen Broschüre „Enten und Gänse – Haltung und Verhalten“ des Deutschen Tierschutzbundes finden Sie Hintergrundinformationen zur Biologie und zum natürlichen Verhalten der Enten und Gänse. Daraus ergeben sich Mindestanforderungen an die tiergerechte Haltung von Hausgänsen und Hausenten und Tipps für Verbraucher. Die Broschüre ist zurzeit im Druck. Sie steht in Kürze auch zum Download bereit unter www.tierschutzbund.de/ broschueren.html

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FOTO: TIERFOTO REINHARD

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iele Eigenschaften und Verhaltensweisen ihrer wilden Vorfahren haben unsere Hausgänse und Hausenten im Lauf ihrer Domestizierung abgelegt. Hausgänse können aufgrund ihres hohen Körpergewichts meist nicht mehr fliegen. Sie leben auch nicht mehr als streng monogame Paare innerhalb einer Herde, sondern ganzjährig in Gruppen, oft mit einem Ganter und mehreren weiblichen Tieren. Doch die Grundbedürfnisse der Vögel haben sich nicht verändert: Die Nachfahren der Grau- und Schwanengans leben zwar überwiegend an Land, sind aber auf ein Gewässer angewiesen – vor allem zum Baden und zur Körperpflege. Auch Moschus- und Pekingenten sind Wasservögel, die einen Großteil ihres Tages im Wasser verbringen, dort gründeln, fressen, baden und ihr Gefieder putzen.


[ KURZ

UND KNAPP]

Kosmetik

Tierversuche verboten Seit dem 11. März gilt die letzte Stufe des EU-weiten Verbots von Tierversuchen für Kosmetik. Im März 2009 wurden EU-weit alle Tierversuche für Kosmetika verboten. Bis März 2013 durften allerdings außerhalb der EU noch bestimmte Tierversuche für die Prüfung kosmetischer Inhaltsstoffe durchgeführt und die Produkte trotzdem innerhalb der EU verkauft werden. Jetzt, nach über 30 Jahren zähen Ringens, ist auch die letzte Stufe des hart erkämpften Tierversuchsverbots Wirklichkeit. Ein großer Sieg für alle Tierfreunde. Noch bis zum Schluss stand das Vermarktungsverbot auf der Kippe. Im Rahmen der EU-weiten Kampagne „Nein

Berlin

Agrarwende jetzt! Drinnen tagten die Agrarminister von Bund und Ländern. Bundeslandwirtschaftsministerin Aigner beriet im Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz mit ihren Länder-Kollegen über die Zukunft der gemeinsamen EU-Agrarpolitik (GAP). Draußen forderten Demonstranten eine

Der jahrzehntelange Kampf gegen Tierversuche für Kosmetika hat sich gelohnt.

zu Tierqual- Kosmetik“ hatte der Deutsche Tierschutzbund bis zum Schluss gemeinsam mit seinen Partnern für ein Ende dieser Tierversuche gekämpft (siehe auch du und das Tier 4/2012 und 6/2012). Leider bleiben aber noch einige Hintertürchen offen. So kann beispiels-

weise ein Stoff, der für einen anderen Anwendungsbereich zugelassen und dabei im Tierversuch geprüft wird, weiterhin in Kosmetika verwendet werden. Für den Deutschen Tierschutzbund ist damit der Kampf noch nicht beendet.

gerechtere, ökologisch ausgerichtete Agrarpolitik. Zu der Aktion hatten das Bündnis „Meine Landwirtschaft“, das Kampagnennetzwerk Campact, die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) und die Jugend im Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) aufgerufen. Aktivisten des Deutschen Tierschutzbundes unterstützten die Aktion ebenfalls vor Ort. Die Forderungen der Verbände erhalten breite Zustimmung aus der Bevölkerung. Im Internet appellierten 202.000 Menschen

an Bundeslandwirtschaftsministerin Aigner, die Reformpläne der EU-Kommission zu unterstützen – als Schritt hin zu einer bäuerlich-nachhaltigen Landwirtschaft. Unterstützung für die Demonstranten gab es auch von der rheinland-pfälzischen Agrarministerin Ulrike Höfken und dem Agrarminister von Mecklenburg-Vorpommern, Till Backhaus. Die GAP sieht Direktzahlungen an die Landwirte vor, die ökologische Auflagen erfüllen. Eine zweite Säule der GAP soll der ökologischen Entwicklung ländlicher Räume dienen.

Eine bäuerlich-nachhaltige Landwirtschaft forderten die Demonstranten vor dem Treffen der Landwirtschaftsminister von Bund und Ländern über die Zukunft der gemeinsamen Agrarpolitik in Berlin.

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Teilerfolg

Umstrittene Nerzfarm endlich geschlossen Nach 30 Jahren hat die Nerzfarm Artemis GmbH & Co. KG ihre Farm in Vilsendorf geschlossen. Der Betreiber Alfons Grosser, stellvertretender Vorsitzender des Zentralverbands Deutscher Pelztierzüchter (ZDK), hat sich mit der Stadt Bielefeld auf eine endgültige Schließung geeinigt, nachdem mehrere Ordnungsverfahren und Klagen eingeleitet worden waren. Grosser, der noch zwei weitere Farmen betreibt und in Vilsen-

dorf teilweise bis zu 15.000 Tiere hielt, hatte die deutschen Vorschriften zur Pelztierhaltung missachtet. Jetzt schlossen die Stadt und der Pelztierzüchter einen Vergleich. Die Stadt unterstützt eine umweltfreundliche Umnutzung des Geländes mit Bauvorhaben durch den ehemaligen Pelzfarmer. Grosser schließt seinen Betrieb im Gegenzug dauerhaft. Bis Ende Februar sollten alle Käfige auf dem Gelände abgebaut sein.

Neue Broschüre

FOTOS: DREAMSTIME.COM/YURCHYK, JAN GANSCHOW, DEUTSCHER TIERSCHUTZBUND, FLICKR/GOOD FOOD GOOD FARMING, IMAGO

Die große Nerzfarm in Vilsendorf ist endlich Geschichte.

Mehr biologische Vielfalt in Städten und Gemeinden Die vom Bündnis „Kommunen für biologische Vielfalt“, dem Bundesamt für Naturschutz (BfN) und der Deutschen Umwelthilfe herausgegebene Broschüre „Städte und Gemeinden im Wandel – Welchen Platz hat die biologische Vielfalt“ stellt vorbildliche Naturschutzprojekte rund um das Thema biologische Vielfalt in Kommunen vor. Schwerpunktthemen sind Konzepte für die Gestaltung öffentlicher Grünflächen, Naturschutz im Zeichen des Klimawandels, kommunale Biodiversitätsstrategien sowie Möglichkeiten einer mobilisierenden Öffentlichkeitsarbeit. Besiedelte Gebiete sind ein häufig unterschätzter Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten. Parks, Stadtwälder oder Brachflächen bieten durch eine extensive Nutzung jedoch beste Chancen für Artenreichtum. Dabei gilt: Je besser eine Stadt durchgrünt ist, desto höher sind nicht nur der Anteil heimischer Arten und solcher mit besonderen Ansprüchen an ihren Lebensraum, sondern auch die Lebensqualität für die Menschen. Die Broschüre dokumentiert, welche wissenschaftlichen Erkenntnisse dem Schutz der biologischen Vielfalt vor Ort zugrunde liegen und wie Projekte erfolgreich umgesetzt werden können. Die Broschüre steht zum Herunterladen im Internet bereit, auf der Seite www.kommunen-fuer-biologische-vielfalt.de.

Einladung zur Mitgliederversammlung des Deutschen Tierschutzbundes am Samstag, den 8. Juni 2013, 9.00 - 16.00 Uhr im Gustav-Stresemann-Institut, Langer Grabenweg 68, 53175 Bonn. Einlass ab 8.00 Uhr. TAGESORDNUNG: 1. Berichte des Präsidiums und Haushaltsvoranschläge 2. Aufnahmeordnung und Satzungsänderung 3. Wahl der Gremien (§§ 15, 16) nach neuer Satzung 4. Verleihung des Adolf-Hempel-Jugendtierschutzpreises 5. Diskussionen, Resolutionen und Beschlussfassung über die nach § 7 der Satzung eingehenden Anträge Die fördernden Mitglieder des Deutschen Tierschutzbundes e.V. werden gebeten, ihren aktuellen Mitglieds- und Personalausweis mitzubringen, um den Zutritt zu dieser nicht öffentlichen Veranstaltung zu ermöglichen. Wir freuen uns auf viele interessante Begegnungen und Gespräche mit Ihnen. Die Satzung in der aktuellen Fassung kann unter www.tierschutzbund.de als PDF heruntergeladen werden. Bei Übernachtungsbedarf wenden Sie sich bitte an das Touristikamt der Stadt Bonn: Bonn-Information, Windeckstraße 1, 53111 Bonn, Tel.: 0228–775000, E-Mail: bonninformation@bonn.de.

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UND KNAPP]

Schweineverordnung

EU leitet ein Verfahren gegen Deutschland ein Zehn Jahre hatten die EU-Mitgliedsstaaten Zeit, die EU-Richtlinie über die Mindestanforderungen für die Haltung von Schweinen umzusetzen. Seit 1. Januar gilt verbindlich für alle EU-Staaten, dass Sauen nach dem Decken bis eine Woche vor dem voraussichtlichen Abferkeltermin in der Gruppe gehalten werden müssen. Eine Umfrage belegt allerdings, dass nur 73 Prozent der deutschen Schweinebauern ihre Haltungssysteme gemäß den Vorgaben

Sauen müssen bis kurz vor dem Wurftermin EU-weit in Gruppen gehalten werden, doch nicht alle deutsche Bauern halten sich daran.

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„Liebevolles Zuhause gesucht“

111.111 Näpfe für Tierheimhunde Einen symbolischen Scheck im Gegenwert von 111.111 Näpfen übergab Simone Scholz von Pedigree dem Präsidenten des Deutschen Tierschutzbundes, Thomas Schröder, am Rande der Grünen Woche in Berlin. Das Futter kommt Tierheimen zugute, die dem Deutschen Tierschutzbund angeschlossen sind. Bei der Aktion, die im Herbst 2012 auf dem sozialen Netzwerk Facebook durchgeführt wurde, über-

nahmen mehr als 2.500 Teilnehmer über 8.000 Hundefreundschaften. Für jede Hundefreundschaft spendete Pedigree eine bestimmte Menge Hundefutter. Thomas Schröder dankte Pedigree für den langjährigen Einsatz zugunsten der angeschlossenen Tierheime und lobte zugleich die aktiv an der Aktion beteiligten Tierheime, ohne die diese Aktion nicht hätte stattfinden können.

Aktion

30 Tage vegan leben Gemeinsam mit dem Deutschen Tierschutzbund ruft die Zeitschrift „Ein Herz für Tiere“ ihre Leser auf, vier Wochen lang auf alle tierischen Produkte in der Nahrung zu ER verzichten. Dem VegeIV T tarierbund (VEBU) zufolge ernähren sich derzeit rund sieben Millionen Menschen in Deutschland vegetarisch (acht bis neun Prozent der Bevölkerung) und

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etwa 700.000 vegan (Oktober 2012). Die Aktion „Vegan essen“ will einen Weg zeigen, wie Bürger aktiv gegen Tierqual für Nahrungsmittel IER vorgehen können. Unter SC allen Teilnehmern werden je zehnmal die Bücher „Anständig essen“, „Vegan zu Hause und für unterwegs“ und „Essen ohne Tiere“ verlost. Anmeldungen unter www. herz-fuer-tiere.de

Aktion

VEGAN ESSEN

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sich mit seinem Namen in der Filiale als „Pfötchengeber“ zu verewigen. Der größte Teil des Geldes kommt dem Feuerwehrfonds des Deutschen Tierschutzbundes zugute und wird über die nächsten Monate an bedürftige Tierschutzvereine weitergeleitet. Dank gilt der Fressnapf Tiernahrungs GmbH und den vielen Fressnapf-Kunden, die sich solidarisch mit den Tierschutzvereinen und Tierheimen im Deutschen Tierschutzbund zeigen.

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Mit einem sensationellen Ergebnis kann die gemeinsam mit der Fressnapf GmbH durchgeführte Aktion „Gib Pfötchen 2012“ aufwarten: 317.221 Euro brachte die mittlerweile traditionelle Spendenaktion ein. Sie markiert damit einen neuen Spendenrekord. Während des Aktionszeitraumes im vergangenen Herbst und Winter konnte jeder Fressnapf-Kunde für einen Euro zwei Pfötchenaufkleber kaufen: einen zum Mitnehmen und einen zweiten, um

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der Richtlinie umgesetzt haben – im Gegensatz zu den meisten ihrer Kollegen in anderen EU-Staaten. Der Deutsche Tierschutzbund hat sich schriftlich an Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner gewandt und um Antwort gebeten, wie die Ministerin angesichts dieser Tatsache vorgehen wolle, um die EU-Richtlinie durchzusetzen. Deutschland belegt der Umfrage zufolge bei der Umsetzung der Richtlinie den blamablen drittletzten Platz. Grund genug für die EU, nun offiziell ein Vertragsverletzungsverfahren einzuleiten. Neben Deutschland sind auch Belgien, Frankreich, Griechenland, Irland, Polen, Portugal und Zypern den EU-Rechtsvorschriften bisher nicht oder nur unzureichend nachgekommen.

Ich gebe Pfötchen!

Aktion „Gib Pfötchen 2012“ Rekordergebnis für den Tierschutz

AK

[ KURZ


Lebensmittelwirtschaft

KONTAKT

FOTOS: ANIMAL FARM INVESTIAGTION/ALEXANDER FARKAS, DEUTSCHER TIERSCHUTZBUND, BÖLW, TIERVISION.DE

Tierschutz und Nachhaltigkeit Anlässlich des Tags des Ökolandbaus lud der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW e.V.) zu einem Hearing ein, bei dem er seine „5 Thesen zur Ernährungswende“ Experten und Wissenschaftlern zur Diskussion stellte. Eingeladen war auch Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, der zum Thema „Artgerechte Tierhaltung“ referierte. „Nutztiere“, so der BÖLW, „sollen in ihrer Lebenszeit bei guter Gesundheit ihre artgemäßen Verhaltensweisen ausleben können sowie Zugang zu naThomas Schröder, Präsident des Deutschen türlichem Licht und Auslauf Tierschutzbundes, begrüßt die fünf Thesen des haben.“ Die drei KernfordeBÖLW zu nachhaltiger ökologischer Landwirtschaft. rungen des Verbandes: Staatliche Investitionszuschüsse für Stallneu- und Umbauten angepasst sind, und die Entwicklung sollten generell in allen Bundesländern alternativer Heilmethoden seien wesentnur noch für artgerechte Tierhaltungslich zu verbessern. Schröder begrüßte systeme gewährt werden, die über dem die Ziele des Verbandes, die sich mit gesetzlichen Mindeststandard liegen. denen des Deutschen Tierschutzbundes Es sollte eine Strategie entwickelt und deckten. Er betonte auch in diesem umgesetzt werden, mit der alle Betriebe Rahmen, dass nachhaltig produzierte in einer bestimmten Übergangsfrist Lebensmittel zu Recht ihren Preis haben. auf artgerechte Tierhaltung umstellen Die gesellschaftlichen Folgekosten der müssen. Die Forschung zur Züchtung Billigproduktion müssten mit eingerechvon gesundheitlich robusten Rassen net werden. Das Fleisch aus industrieller aller Nutztierarten, die an artgerechte Tierhaltung komme zu billig auf den Haltungsbedingungen standortbezogen Markt.

Tiervermittlung Wiedersehen mit Claudia Ludwig Seit März sucht sie wieder Herrchen und Frauchen. Claudia Ludwig, langjährige Moderatorin der WDR-Sendung „Tiere suchen ein Zuhause“, ist erneut zu Gast in Tierheimen, um deren Sorgenkinder vorzustellen. Diesmal nicht im TV, sondern im Internet bei „Tiervision“. Die Tiere werden auch hier in Bewegung gezeigt. Sie bleiben zudem, solange sie nicht vermittelt sind, im Netz. Auch die einzelnen Sendungen sind online weiterhin abrufbar. Die Zuschauer können sich einbringen und

ihre Kommentare senden. Die Resonanz auf die ersten Sendungen war durchweg positiv. Die neuen Folgen der Internetsendung sind jeweils freitags, 18.00 Uhr, unter www.tiervision.de zu sehen.

Deutscher Tierschutzbund e. V. Baumschulallee 15 53115 Bonn Telefon 0228-60496-0, Telefax 0228-60496-40 www.tierschutzbund.de/kontakt.html

Hotlines Service-Hotline, Bundesgeschäftsstelle Telefon 0228-60496-0 Deutsches Haustierregister ® und Deutsches Tierdiebstahlregister Rund um die Uhr: Telefon 0228-60496-35 Spenden-Hotline: Telefon 09001-226688 (nur aus dem deutschen Festnetz). Sie spenden € 5,00

Internet

www.tierschutzbund.de Hier finden Sie tagesaktuelle Meldungen, Hintergrundinformationen und Aktionsmöglichkeiten. Für Kinder und Jugendliche gibt es die Seiten www.tierschutzkids.de und www.jugendtierschutz.de

Social Web Folgen Sie uns – bei www.facebook.com/tierschutzbund www.twitter.com/tierschutz_bund www.schuelervz.net/tierschutzbund www.youtube.com/tierschutzbundTV

Online spenden

www.tierschutzbund-spenden.de

Tierschutz-Podcast Wer immer gut informiert sein möchte, hat die Möglichkeit, die Tierschutznachrichten zu abonnieren: www.tierschutzbund.de/ podcast.html

Kostenloser Service Melden Sie Ihr Haustier online im Deutschen Haustierregister® an: www.registrier-dein-tier.de

Spendenkonto des Deutschen Tierschutzbundes Sparkasse KölnBonn BLZ 370 501 98, Konto-Nr.: 40 444 IBAN: DE 88 37050198 0000040444, BIC: COLS DE 33 Spenden sind steuerlich absetzbar.

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[ t i t e lt h e m a ] Katzen

Selbstbewusst im Freien

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Die meisten Katzen lieben Freigang. Eigenständig die gegend zu erkunden, das revier zu markieren, andere Katzen oder Kater zu treffen, die Krallen an einem baum zu schärfen, sich die Sonne auf den Pelz scheinen zu lassen und auf beute zu lauern gehören zu einem glücklichen Katzenleben dazu. Ebenso der gut gefüllte, heimische Futternapf. Viele Katzen haben jedoch kein sicheres Zuhause. Katzenbesitzer, die ihre „Freigänger“ nicht kastrieren lassen, sind mitverantwortlich für das leid zahlreicher heimatloser Katzen.

katzen, die Freilauf haben, können ihre arteigenen Verhaltensweisen optimal ausleben.

D

ie kleine schwarze Katze mit den großen Augen, den weißen Pfoten und dem struppigen Fell wirkte erschreckend dürr. Sehnsuchtsvoll saß sie vor der Küchentür. Wem mochte dieses Kätzchen gehören? Hin und wieder hatte man es durch den Garten laufen sehen. Eigentlich wollte Familie S. keine neue Katze aufnehmen. Aber die Kleine war offensichtlich hungrig. So bekam Minka, wie sie kurz darauf getauft wurde, etwas Katzenfutter – draußen, auf der Terrasse. Ein Schälchen mit Wasser wurde ihr ebenfalls angeboten. Sie fraß mit großem Appetit. Und am nächsten Tag war sie wieder da. In der Nachbarschaft war die Katze nicht bekannt. Weder beim Ordnungsamt noch im Tierheim war eine Suchmeldung eingegangen. Das Tierchen war weder tätowiert noch gechippt. Niemand wusste, wem es gehörte. Doch Minka suchte Kontakt. Sie rieb ihr Köpfchen am Bein der Menschen, die sie fütterten – wenn auch nur kurz. Sie war sehr aufmerksam, aber auch vorsichtig. Vermutlich war sie schon längere Zeit alleine unterwegs. An einem besonders kalten Tag durfte Minka schließlich in der Küche fressen. Anschließend wollte sie sofort wieder hinaus. So ging das einige Zeit. Als die Tage wärmer wurden und die Tür zur Terrasse ständig offen stand, wagte das Kätzchen sich weiter hinein – bis auf das Sofa in der Wohnstube. Dort ist heute ihr Lieblingsplatz. Minka hat das Herz ihrer „Dosenöffner“ im Sturm erobert, und deren Liebe hielt auch stand, als die Kätzin im Wäschekorb drei Katzenbabys zur Welt brachte.

Minka hatte ganz sicher auch früher schon einmal bei Menschen gewohnt. Sie musste nur wieder Vertrauen fassen, und ihre Kleinen haben großes Glück gehabt. Sie wachsen wohlversorgt in Katzen- und in Menschengesellschaft auf und gewöhnen sich so schon frühzeitig an das gemeinsame Leben. Vielen Katzen geht es schlechter. Sie wurden von Katzenmüttern geboren, die kein eigenes Zuhause haben: In Parks, in Schrebergärten, auf Campingplätzen oder großen Firmengeländen leben unzählige Katzen, die niemandem gehören. Sie schlagen sich irgendwie durch. Teilweise werden sie von tierlieben Menschen gefüttert. Und sie gebären viele junge Kätzchen. Katzenwelpen, die im Alter zwischen der dritten und der zehnten Lebenswoche keine Menschen kennengelernt haben, bleiben ihr Leben lang scheu. Sie kennen nur das Leben unter Katzen. Ist die Mutter ein soziales Tier, so fühlen sich auch ihre Jungen in einer Katzengruppe wohl. Lebt die Kätzin aber als Einzelgängerin, so bleiben auch ihre Jungen – außerhalb der Ranzzeit – lieber für sich. Vor Menschen haben diese Tiere panische Angst. Tierschützer kennen das Problem nur allzu gut. Katzen, die von Geburt an im Freien gelebt haben und auf sich allein gestellt waren, können an ein Zusammenleben mit Menschen nicht mehr gewöhnt werden. Frei lebende Katzen fallen oft nicht auf. Sie verstecken sich, sind kaum zu bemerken. Sie an einen Futterplatz zu gewöhnen erfordert Geduld. Der Aktionsradius der Tiere hängt von verschiedenen Faktoren ab – von der Verfügbarkeit von Futter, Unterschlupf-

Initiative Tierschutz-Katzenverordnung Der Deutsche Tierschutzbund ist überzeugt, dass eine TierschutzKatzenverordnung zur Verbesserung der Situation der Katzen beitragen könnte. Er hat bundeslandwirtschaftsministerin ilse Aigner daher einen ausformulierten Vorschlag für eine

solche Verordnung zugeleitet. Darin sind die auf verschiedenen Ebenen von Tierschutzorganisationen, der Tierärzteschaft und Kommunen diskutierten lösungsmöglichkeiten für eine Verbesserung des Katzenschutzes ebenso gebündelt wie die lang-

jährigen Forderungen nach Vorgaben für die Katzenhaltung. Es ist zu hoffen, dass das Ministerium die initiative aufgreift. Weitere informationen dazu finden Sie im internet: www.tierschutzbund.de/ katzenschutz.html

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[ t i t e lt h e m a ]

Heimatlose katzen sind oft krank und bringen dennoch jährlich bis zu dreimal Junge zur Welt, die wiederum auf der straße leben müssen.

möglichkeiten und der Anwesenheit anderer Katzen. Weibliche Tiere haben in der Regel einen geringeren Aktionsradius als Kater, die vor allem während der Suche nach Partnerinnen weitere Strecken zurücklegen. So kommt es, dass sich an einer Futterstelle immer wieder dieselben Tiere einfinden.

Gemeinden ändern ihre Kommunalverordnungen Um das Problem der immer weiter anwachsenden Katzenpopulationen einzudämmen, schlägt der Deutsche Tierschutzbund gemeinsam mit den ihm angeschlossenen Tierschutzvereinen eine Kastrations- und Kennzeichnungspflicht für Katzen in den Kommunen vor. Zahlreiche Städte und gemeinden sind bereits dem beispiel von Paderborn gefolgt und haben ihre Kommunalverordnungen entsprechend geändert. Eine Übersicht finden Sie im internet: www.tierschutzbund.de/liste_ katzenkastrationspflicht.html

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Tierschützer versuchen dann mithilfe von Lebendfallen, die Tiere einzeln herauszufangen und dem Tierarzt vorzustellen. Ein mühsames Unterfangen, denn die auf sich gestellten Tiere sind misstrauisch. Einmal eingefangen, kastriert und tierärztlich versorgt, werden die Katzen an ihrem angestammten Ort wieder frei gelassen. Im Tierheim würden sie buchstäblich „die Wände hoch gehen“. Die gestressten Tiere in geschlossene Räume zu zwingen wäre Tierquälerei. Die Kastration sowohl der weiblichen Katzen als auch der Kater ist die einzige Möglichkeit, die Katzengruppen gesund zu erhalten und die ständige Vergrößerung der Katzenpopulation im Freien zu verhindern. Wer eine Katze im Freien antrifft, kann nicht immer sofort erkennen, woher das Tier stammt. Läuft dort eine Besitzerkatze, die Freigang hat? Ist das Tierchen gerade dabei, sich ein neues Zuhause zu suchen? Oder handelt es sich um eine alteingesessene „Straßenkatze“, die auf dem Weg zu ihrem Futterplatz ist? Katzen und Katern, in denen Frühlingsgefühle erwachen, ist es egal, woher ihr Partner kommt. Die Tierschützer übernehmen die Fütterung und Versorgung frei lebender Katzen freiwillig – aus Tierliebe. Juristisch sind sie dazu nicht verpflichtet, und oft genug übersteigen die Futter- und Tierarztkosten ihre finan-

ziellen Möglichkeiten. Die ständige Vergrößerung der Katzenpopulation zu verhindern kann nur gelingen, wenn Katzenhalter, Tierschützer und Kommunen an einem Strang ziehen. Immer mehr Kommunen haben ihre Verantwortung inzwischen erkannt und – dem Beispiel der Stadt Paderborn folgend – ihre Kommunalverordnungen geändert. „Katzenhalterinnen und Katzenhalter, die ihrer Katze Zugang ins Freie gewähren, haben diese zuvor von einem Tierarzt beziehungsweise einer Tierärztin kastrieren und mittels Tätowierung oder Mikrochip kennzeichnen zu lassen“, heißt es beispielsweise in der neuen Kommunalverordnung der Stadt Bonn. „Die tätowierten oder per Mikrochip gekennzeichneten Tiere sind in einer hierfür geeigneten Datenbank zu registrieren.“ Die Regelung gilt nicht für weniger als fünf Monate alte Katzen, aber die Stadt hat klargestellt: „Als Katzenhalterin oder Katzenhalter gilt auch, wer frei laufenden Katzen regelmäßig Futter zur Verfügung stellt.“ Minka wurde von ihren neuen Besitzern ebenfalls dem Tierarzt vorgestellt. Nachdem sie ihre Jungen zur Welt gebracht hatte, wurde die zugelaufene Katze entwurmt und kastriert. Sie kann nun weiterhin ihren Freigang genießen. DR. HeIDRUn BeTZ


Katzen im Freien

Katzen und Singvögel – ein Artenschutzproblem? Dass Katzen hin und wieder Singvögel oder Mäuse fangen, dürfte jedem Katzenbesitzer, dessen Stubentiger Auslauf genießt, bekannt sein. Doch wie gravierend ist der Einfluss von Katzen auf Vogel- und andere Tierbestände tatsächlich? Wissenschaftler veröffentlichen regelmäßig alarmierende Zahlen. Deren Aussagekraft ist aufgrund vieler unsicherer Faktoren jedoch sehr unterschiedlich zu bewerten.

E

nde Januar 2013 überboten sich die Zeitungen mit drastischen Schlagzeilen: Von „Mörderischen Miezen“ (Frankfurter Rundschau), „Killern mit Kulleraugen“ (Der Spiegel) oder „Tödlichen Hauskätzchen“ (Süddeutsche Zeitung) war die Rede. Wieder einmal, möchte man meinen. Denn über den negativen Einfluss von Katzen auf Singvögel wird in schöner Regelmäßigkeit spekuliert. Diesmal stand eine im Fachmagazin „Nature Communications“ veröffentlichte Studie im Mittelpunkt. Ein Team von Biologen war zu dem Schluss gekommen, dass frei laufende Katzen in den USA jedes Jahr rund 2,4 Milliarden Vögel töten. Hinzu kämen noch etwa 12,3 Milliarden kleinere Säugetiere wie Mäuse oder Streifenhörnchen. Die Wissenschaftler hatten die Daten mehrerer Einzelstudien zu die-

Die meisten Vögel, die die Jägerin anvisiert, bleiben außer Reichweite oder fliegen rechtzeitig davon.

ser Problematik in einem mathematischen Modell zusammengefasst. Sie ermittelten Spannbreiten von 1,4 bis 3,7 Milliarden Vögeln und 6,9 bis 20,7 Milliarden Kleinsäugern, die Katzen jährlich erbeuteten. Darüber hinaus endeten neben unzähligen Insekten und Wirbellosen auch mehrere hundert Millionen Reptilien und Amphibien in den Krallen der Samtpfoten. Mit solch überwältigenden Zahlen hatten die Autoren selbst nicht gerechnet, lagen die Zahlen doch mehr als doppelt bis viermal so hoch, als frühere Berechnungen ergeben hatten. Die Autoren kamen zu dem Schluss, dass Katzen daher möglicherweise ein stärkeres Gefährdungspotenzial für Vögel zugeordnet werden müsse als anderen, von Menschen verursachten Einflüssen wie Vogelschlag an Gebäuden, Pestiziden oder Gift.

Streunende beziehungsweise verwilderte Katzen ohne Besitzer rückten besonders in den Fokus. Sie wurden für 69 Prozent der getöteten Vögel und knapp 90 Prozent der Verluste bei Kleinsäugern verantwortlich gemacht. Der Rest ging jeweils auf das Konto von frei laufenden Hauskatzen. Während die Anzahl Letzterer in den USA mit gut 86 Millionen mehr oder weniger eindeutig beziffert werden kann, ist unbekannt, wie groß die Population der frei lebenden Katzen tatsächlich ist. Schätzungen reichen von gut 30 Millionen bis zu 80 Millionen Katzen. Auch in Deutschland weiß niemand genau, wie viele der statistisch erfassten 8,2 Millionen Hauskatzen Freilauf erhalten – und so zumindest theoretisch auf die Jagd gehen könnten. Ein Ding der Unmöglichkeit du und das tier  2/2013  13


ist es demgegenüber, einzuschätzen, wie viele frei lebende Streunerkatzen hierzulande durch Hinterhöfe, Gärten und Felder streifen, auch wenn man immer wieder auf die Zahl von gut zwei Millionen solcher Katzen in der Bundesrepublik stößt. Wenn es schon an dieser Stelle an aussagekräftigen Daten mangelt, so ist die Dimension des Problems noch ungleich größer, wenn man ermitteln möchte, wie sich die genaue Anzahl der gefangenen Beutetiere zusammensetzt. Erneut müssen Schätzungen und Beobachtungen von Einzeltieren herangezogen werden. Die amerikanischen Biologen gaben in der angesprochenen Studie einen Mittelwert von gut 30 Vögeln und über 200 Kleinsäugern an, die jede einzelne verwilderte Katze in den USA jährlich erbeutet. Naturgemäß liegen diese Werte bei Weitem über dem, was eine Mieze mit ins heimische Wohnzimmer bringt. Während ausreichend gefütterte Stubentiger meist lediglich ihren Jagd- und Spieltrieb ausleben, sind ihre frei lebenden Artgenossen auf die Kleintiere als Nahrung tatsächlich angewiesen, um zu überleben.

Viele Unsicherheiten Mit derart statistischen Unsicherheiten sind zahlreiche Studien zu diesem Thema behaftet. Es ist daher überaus wichtig, jede einzelne Veröffentlichung genau zu prüfen. Die Voraussetzungen der Untersuchung und die angewandte Methodik können sehr unterschiedlich sein. Ob sich die Ergebnisse einer Untersuchung auf andere Bedingungen und Regionen übertragen lassen, ist fraglich. Genau dies geschieht jedoch leider immer wieder und nicht selten, um damit Eigeninteressen zu verfolgen. Als vor zwei Jahren eine Publikation aus den USA für ein großes Medien-Echo sorgte, wonach knapp 80 Prozent aller frühzeitig verstorbenen Jungvögel durch Beutegreifer ums Leben kämen (die Hälfte davon durch Katzen), veranlasste dies den deutschen Jagdschutzverband dazu, via Pressemitteilung eindringlich vor der Gefährdung der Vögel zu war-

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nen. Kein Wunder, verteidigen die deutschen Waidmänner den durch das Jagdgesetz legitimierten, jährlichen Massenabschuss von Katzen doch immer wieder gerne mit der angeblichen Gefährdung des Niederwilds oder bedrohter Bodenbrüter. Bei näherer Betrachtung entpuppten sich der Aufschrei der Jägerschaft jedoch als übertriebene Panikmache und die zitierte Studie als äußerst fragwürdig (siehe Kasten).

Einfluss ja, Ausrottung nein Auch hierzulande stellt sich seit Jahrzehnten die Frage, wie groß der Einfluss frei laufender Katzen auf die Vogelpopulationen tatsächlich ist. Einigkeit besteht unter den Experten, dass die Vierbeiner vor allem Mäuse erbeuten. Katzen vermeiden wie alle Beutegreifer einen hohen Jagdaufwand, das heißt, sie jagen vor allem Tierarten, die häufig und relativ leicht zu fangen sind. Das Jagdverhalten von Katzen ist für eine erfolgreiche Vogeljagd eher weniger geeignet. Hin und wieder trifft man allerdings regelrechte Spezialisten, die eine hohe Erfolgsquote vorweisen können. Wenn eine Katze Vögel fängt, trifft es vorwiegend häufige Arten wie Amseln, Rotkehlchen, Meisen, Finken und Sperlinge. Gefährdete Vogelarten sind kaum betroffen – weil sie seltener verfügbar sind. Zum Beutespektrum können darüber hinaus Frö-

sche, Molche, Eidechsen und Blindschleichen sowie natürlich Insekten wie Grashüpfer, Käfer, Libellen und Fliegen gehören. Vogel- und Naturschützer haben in der jüngsten Debatte Hochrechnungen angestellt. Sie gehen – auf der Grundlage bisheriger Untersuchungen und geschätzter 25 Vögel je Katze pro Jahr – von mehr als 200 Millionen Vögeln aus, die jährlich in Deutschland zur Strecke gebracht werden. Ob diese Zahl viel zu hoch oder bei Weitem zu gering ausfällt, sei dahingestellt. Zumindest ist es auf den ersten Blick eine gewaltige Zahl, die es einzuordnen gilt. Dabei erscheint ein Blick auf unsere Singvogelbestände hilfreich: Nach Angaben des Dachverbands Deutscher Avifaunisten (DDA), einem Zusammenschlusses der ornithologischen Verbände in Deutschland, gibt es in der Bundesrepublik etwa zehn Millionen Brutpaare des Buchfinks, je acht Millionen Brutpaare des Haussperlings und der Amsel sowie fünf Millionen der Kohlmeise. Schon allein diese vier Vogelarten ergeben zusammen mit den von diesen Paaren jährlich erbrüteten Jungvögeln einen Bestand von über 300 Millionen Individuen. Das hilft zwar den oben genannten 200 Millionen toten Vögeln nicht, relativiert deren Anzahl aber immerhin und mag zumindest aus Artenschutzsicht die Gemüter ein wenig beruhigen.

Fotos: Dreamstime.com/Fiamoli/D. Prokofyev/Jcpjr/Acreagemedia/Tab1962/Astrid228/Pahham

[ t i t e lt h e m a ]


Alles, was ungefähr Mausgröße hat und sich bewegt, gehört zum Beutespektrum der Katzen.

Auch die Tatsache, dass Katzen auf dem Festland und insbesondere in Kontinentaleuropa (anders als auf Inselökosystemen) einen eher geringen Einfluss auf andere Arten haben, sollte man im Hinterkopf behalten. Überhaupt werden Tierpopulationen durch die Qualität ihrer Lebensräume grundsätzlich stärker beeinflusst als durch Beutegreifer.

Fazit Weder Panikmache noch Verharmlosung ist angebracht. Vielmehr gilt es, Aufklärung zu betreiben – dahingehend, dass eine Gefährdung bedrohter Vogelarten durch frei laufende Katzen eher unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich ist und dass es einer nachhaltigen Lösung dieses „Problems“ bedarf.

Der von der Jägerschaft präferierte Abschuss der Tiere, sobald sie sich wenige hundert Meter entfernt vom nächsten bewohnten Gebäude aufhalten, kann hierzu sicherlich nicht beitragen. Auch viele gut gemeinte Empfehlungen wie Halsbänder mit Glöckchen sind aus Tierschutzsicht wegen ihrer möglichen Verletzungsgefahr kritisch zu hinterfragen. Ihr Nutzen ist zudem eher gering, und sie kommen ohnehin nur für Hauskatzen infrage, die einen signifikant geringeren Einfluss auf Vogelbestände haben als ihre frei lebenden Artgenossen. Das Ziel kann somit nur heißen, den Bestand der Straßenund Streunerkatzen langfristig auf tierschutzgerechte Weise zu verringern – durch Kastration. Wenn dies gelingt, dürften sich auch die Fronten zwischen Katzenliebhabern und Vogelfreunden nach und nach auflösen. Auch dann, wenn „Miezi“ sich in Nachbars Garten vielleicht doch einmal am Vogelnachwuchs bedient.  James Brückner

USA

Studie mit erheblichen Schwächen Eine 2011 in den USA an einer nord­ amerikanischen Drosselart (Dumetella carolinensis) durchgeführte Studie, die häufig zitiert wird, weist erhebliche Schwächen auf. Die Autoren gaben an, es seien an drei untersuchten Standorten insgesamt 42 von 69 beobachteten Jungvögeln frühzeitig verstorben. Bei 33 von 42 Tieren (79 Prozent) sei der Tod durch Beutegreifer verursacht worden. Direkt beobachtet hatten die Autoren allerdings nur acht dieser 33 Todesfälle. sechs davon gingen auf das Konto von Katzen. Drei weitere Todesfälle wurden aufgrund des äußeren Erscheinungsbilds der Opfer (zum Beispiel fehlender Kopf, Verletzungen am Körper) den Katzen zugeordnet, obwohl die Verletzungen durchaus auch von Waschbären oder Eulen hätten stammen können. Ebenso

wurden acht Totfunde auf Ratten, Hörnchen oder Greifvögel zurückgeführt. 14 Fälle konnten nicht eindeutig mit bestimmten Beutegreifern in Verbindung gebracht werden. Die Autoren gingen damit von 19 eindeutig bestimmten Todesfällen bei Jungvögeln aus, von denen neun durch Katzen verursacht worden seien, und setzten diese Zahlen in Relation. Katzen seien demnach für 47,4 Prozent der Jungvogelverluste verantwortlich. Diese Argumentation ist zumindest fragwürdig – wenn nicht gar mutwillig falsch. Sinnvoller wäre es gewesen, die von Katzen gefangenen Vögel zur Gesamtzahl der umgekommenen Jungvögel in Relation zu setzen – oder zumindest zu allen durch Beutegreifer verursachten Verlusten. Die Zahlenspiele sähen dann gänzlich anders aus:

a) 69 Jungvögel insgesamt, davon wurden sechs (beziehungsweise neun) durch Katzen getötet, das sind 8,7 Prozent (beziehungsweise 13 Prozent) b) 42 Jungvögel wurden getötet, davon sechs (beziehungsweise neun) durch Katzen, das sind 14,3 Prozent (beziehungsweise 21,4 Prozent) c) 33 Jungvögel wurden durch Beutegreifer getötet, davon sechs (beziehungsweise neun) durch Katzen, das sind 18,2 Prozent (beziehungsweise 27,3 Prozent) Unabhängig von diesen Berechnungen wäre allein schon die geringe Stichprobengröße von 69 Vögeln ausreichend gewesen, um die Aussagekraft dieser Studie stark anzuzweifeln – geschweige denn eine Übertragbarkeit auf andere Landschaftstypen in den USA oder gar auf europäische Verhältnisse zu rechtfertigen.

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Lee kurz nach ihrem Einzug ins Affenhaus. Die damals verhaltensgestörte Grüne Meerkatze lebt heute mit einem Artgenossen zusammen.

[ PROJEKTE] Tierschutzzentrum Weidefeld

Doch noch „Happy Hour“ für Lee! Affen, die als Haus- oder Zirkustiere gehalten werden, leben oft unter katastrophalen Bedingungen: winzige Käfige, Einzelhaltung, kaum Bewegung und falsche Ernährung. Doch die Grüne Meerkatze Lee hat Glück gehabt.

L

ee wurde in Deutschland als Einzeltier in einer Bar gehalten – eine unhaltbare Situation für ein bewegungsfreudiges und hochsoziales Tier, das unbedingt eine affengerechte Umgebung und die Gesellschaft von Artgenossen braucht. Zigarettenqualm, kaum Tageslicht, laute Musik und oft betrunkene Gäste kamen hinzu. Lees ehemaliger Halter, der Barbesitzer, ließ sich glücklicherweise aber überreden, das Tier abzugeben. Auf Umwegen kam Lee im Januar 2012 zunächst zur Tierschutzorganisation Stichting AAP (NL). Aufgrund ihrer unfreiwilligen Kneipenvergangenheit zeigte Lee schwere AK TIV W ERD EN Möchten Sie Lee und die Affenstation unterstützen? Das Affenhaus in Weidefeld ermöglicht Primaten aus schlechter Haltung endlich ein würdiges Leben. Sie werden tierärztlich versorgt und erhalten, neben der Gesellschaft ihrer Artgenossen, eine liebevolle Pflege und Betreuung. Es gibt reichlich Platz zum Toben und Klettern in Innen- und Außengehegen. Sie können dieses wertvolle Projekt unterstützen, zum Beispiel mit einer Patenschaft für Lee für 10,- Euro im Monat. Lee und weitere Patentiere finden Sie auf der Internetseite: www.tierschutzbund-spenden.de/ patenschaften/patentiere.html

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Verhaltensstörungen. Sie verstümmelte ihren Schwanz und musste in den Niederlanden deshalb operiert werden. Stichting AAP konnte Lee nur vorübergehend unterbringen, und so kam Lee im Spätherbst 2012 ins Tier-, Natur- und Jugendzentrum Weidefeld des Deutschen Tierschutzbundes bei Kappeln (Schleswig-Holstein). Dort lebt sie heute primatengerecht zusammen mit sechs weiteren Affen im 2011 erbauten Affenhaus.

Ein Umzug im Affenhaus Doch ganz so einfach war das erst einmal gar nicht. Meerkatzen müssen sehr behutsam vergesellschaftet werden. Zunächst wurden die beiden Grünen Meerkatzen Chico und Josefine für die Vergesellschaftung mit Lee ausgesucht. „Damit die Tiere bereits durch die Gehegeabtrennung Sichtkontakt aufnehmen und sich schon einmal kennenlernen konnten, sollte Lee in einem Gehege untergebracht werden, das direkt neben dem der beiden Meerkatzen Chico und Josefine lag“, erzählt Zentrumsleiterin Dr. Katrin Umlauf. Die baulichen Voraussetzungen waren gegeben, doch das optimale Gehege war bereits von den beiden Schopfmangaben Sofieke und Yessine belegt. Lee zog daher nach ihrer Ankunft erst einmal in ein separates Abteil ein, das neben dem Gehege der Schopfmangaben Sofieke und Yessine lag.

Im Oktober 2012 mussten die beiden Schopfmangaben ihr Gehege mit Chico und Josefine tauschen. Alle Affen haben diesen Umzug prima über die Bühne gebracht. Im nächsten Schritt wurde Lee mit Josefine vergesellschaftet. Das war im Winter 2012. Mit Männchen Chico gab es Sichtkontakt. „Wir wollten schauen, ob die Weibchen ihr Verhalten zueinander ändern, wenn Chico zu sehen ist“, erläutert Dr. Katrin Umlauf. Da keine Veränderungen zu be-

Besuchen Sie das Tierschutzzentrum Weidefeld Selbstverständlich können Sie Lee und das Affenhaus jederzeit gern in Weidefeld besuchen. Zur Terminabsprache oder bei allen Fragen rund um eine Patenschaft erreichen Sie die Spender- und Mitgliederbetreuung des Deutschen Tierschutzbundes unter der Telefonnummer 0228 / 60 49 629 oder per E-Mail an mitgliederbetreuung@tierschutzbund.de. Übrigens: In diesem Sommer feiert das Tier-, Natur- und Jugendzentrum Weidefeld sein zehnjähriges Bestehen mit einem Tag der offenen Tür und einer Jubiläumsfeier: Sonntag, 14.07.2013, in der Zeit von 11.00 bis 17.00 Uhr.


In den vier Außen- und vier Innenbereichen der großzügigen Affenanlage in Weidefeld können die Tiere nach Herzenslust herumtoben.

obachten waren und alles friedlich blieb, entschloss sie sich Ende Januar 2013, die Tür zu Chicos Gehege zu öffnen. Doch der Plan ging leider nicht ganz auf. Zu dritt vereint, erwies sich Lee als zu dominant. Sie zeigte gegenüber der deutlich älteren Josefine Aggressionsverhalten und wollte alle Ressourcen – inklusive Chico – allein für sich haben. Damit Josefine nicht ganz unterging, musste diese Affen-

gruppe wieder aufgelöst werden. Im Februar 2013 zog Josefine schließlich bei den benachbarten Männchen Jimmy und James ein. Da Josefine ein sehr friedlicher und ruhiger Affe ist und Jimmy und James sich schon lange kennen, harmoniert diese Gruppe sehr gut. Die kesse Lee hat ihren Chico nun ganz für sich, und für Lee und ihre Artgenossen heißt es jetzt endlich: „Happy Hour“! CHRISTIANE KOOK

Verwahrloste Ponys erhalten Hilfe

Nach jahrelanger Anbindehaltung endlich frei Kurzfristig und unbürokratisch konnte das Tierschutzzentrum Weidefeld Ende vorigen Jahres zwei Ponys helfen, die jahrelang immerzu angebunden waren.

FOTOS: DEUTSCHER TIERSCHUTZBUND (4)

M

onatelang hatten Tierfreunde und Veterinäre im Vogtlandkreis (Sachsen) versucht, einen uneinsichtigen Ponybesitzer davon zu überzeugen, seine drei Ponys nicht permanent anzubinden. Ohne Erfolg. Der Tierhalter hielt insgesamt sieben Ponys. Um die drei Hengste von seiner Stutenherde fernzuhalten, band er sie einfach an der Weide an. Im Spätherbst des vergangenen Jahres bat das Veterinäramt schließlich den Deutschen Tierschutzbund um Hilfe. Der fackelte nicht lange und erklärte sich bereit, zwei Ponys in seinem Tier-, Natur- und Jugendzentrum Weidefeld aufzunehmen. Der dritte Hengst sollte kastriert werden und nach einer Wartezeit zusammen mit den Stuten laufen dürfen. Da im Tierschutzzentrum Weidefeld bereits Pferde leben, darunter auch Stuten, mussten auch die beiden Ponys, die der Deutsche Tierschutzbund übernommen hat, noch kastriert werden. In der Chirurgischen Tierklinik

Bei einem de r Ponys hatte das eingewachs ene Halfter eine tiefe Wunde hinterlassen .

Kopf an Kopf genießen die beiden die Freiheit.

der Universität Leipzig wurden die drei Tiere eingehend untersucht und behandelt. Ihr Zustand war erschreckend. Einem Pony war das Halfter tief in den Nacken eingewachsen. Die Hufe waren aufgrund fehlender Pflege gesprungen und viel zu lang. Die Zähne mussten gekürzt werden. Zehn Tage verbrachte das eine Pony in der Klinik. Das andere Tier konnte erst 17 Tage später abgeholt werden. Es musste aufgrund gesundheitlicher Probleme zunächst noch weiter unter tierärztlicher Beobachtung bleiben.

Nach ihrer Genesung kamen die beiden Ponys im Tierschutzzentrum Weidefeld zunächst in zwei nebeneinander gelegenen geräumigen Boxen unter. Beide zeigten bereits nach kurzer Zeit deutliche Anzeichen von Zuneigung, sodass sie nun endlich – nach jahrlanger Anbindehaltung – gemeinsam Kopf an Kopf grasen und spielen, kurzum ein artgerechtes Ponyleben führen können. Bald werden hoffentlich auch die letzten Spuren des jahrelangen Martyriums verschwunden sein. DR. KATRIN UMLAUF

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[ DRAUSSEN]

Gegenseitiges Beknabbern, Putzen und Belecken gehört zu den natürlichen Verhaltensweisen von Eseln und festigt das Gruppenbewusstein.

Eselhaltung

Anspruchsvolle Herdentiere Esel in Privathand liegen im Trend. Doch leider informieren sich viele Eselfreunde vor dem Kauf nicht über die Bedürfnisse ihres neuen Haustieres. Die Tiere sind keineswegs genügsam. Wer sie halten will, braucht Platz und vor allen Dingen ausreichend Kenntnisse.

O

bwohl sie bei uns kaum als Arbeitstiere gehalten wurden, werden Esel hierzulande immer populärer. Sie sind Attraktionen in Zoos, Wildparks und bei Berg- und Burgführungen, zunehmend aber auch Haustiere in Privathand. Dort leben sie meist als Reit- und Zugtiere für Kinder oder als

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Gesellschafter für Ponys und andere Haustiere. Ihrem Ruf, anspruchslos zu sein, verdanken sie leider oft eine unzureichende, ja tierschutzrelevante Haltung bei Haltern, die sich spontan für den Kauf entscheiden, ohne sich vorher zu informieren. Das führt zu Problemen. Denn Esel sind nicht anspruchslos. Im Gegenteil:

Klugheit und Vorsicht haben ihre wilden Vorfahren in ihrer afrikanischen Heimat überleben lassen. Alle heutigen Esel stammen von diesen Wildeseln ab. Der Mensch hat daraus unterschiedliche Rassen gezüchtet. In Privathand leben kaum Riesenoder Zwergesel und nur wenige rassereine Tiere mit Stutbuch und Ab-


FOTOS: PANTHERSTOCK.COM/TSPIDER/T. KRANENBERG, IMAGO

stammungsnachweis, sondern meist Mischlinge, sogenannte Hausesel. Trotz jahrtausendelanger Zucht haben Esel ihre spezifischen Verhaltensweisen beibehalten. Wie ihre wilden Verwandten brauchen sie die Gruppe, um sich sicher zu fühlen. Einzelhaltung bedeutet lebenslangen Stress für sie. Weder Pferde noch Menschen oder andere Tiere können einem Esel die Gesellschaft mindestens eines Artgenossen ersetzen. Erst in der Gruppe pflegen die Tiere ihre arteigenen Verhaltensweisen wie Kontaktaufnahme, gegenseitiges Belecken und Beknabbern, gemeinsame Nahrungsaufnahme und entspanntes Liegen. Ideal sind reine Wallach-, Stutenoder gemischte Gruppen mit Stuten und Wallachen. Ein Eselhengst gehört ausschließlich in erfahrene Züchterhand. Innerhalb der Gruppe, auch bei der Haltung von zwei Tieren, bildet sich eine „kleine“ Hierarchie. Das entspricht den natürlichen Verhältnissen und führt in der Regel nicht zu Komplikationen. Die Zweier- oder Gruppenhaltung hat einen weiteren Vorteil: Einzeln gehaltene Esel sind unausgelastet. Sie bewegen sich zu wenig, sind geistig unterfordert und entwickeln oft Verhaltensstörungen. Wo zwei oder mehr Tiere artgerecht gehalten werden, muss genug Platz für sie sein. Ideal ist ein geräumiger Offenstall mit teilüberdachtem Paddock und einer Weide. Pro Esel rechnet man für den Stall mindestens fünf Quadratmeter Fläche. So können die Tiere einander ausweichen, und jedes kann sich ungestört hinlegen. Der Paddock, ein eingezäunter Unterstand und Auslaufplatz, der teils überdacht sein sollte, bietet den neugierigen Tieren die Möglichkeit, ihre Umgebung zu erkunden und sich auch im Winter oder bei Dauerregen zu bewegen. Zwar bilden Esel ein Winterfell aus, doch das Haarkleid ist nicht für Feuchtigkeit ausgelegt. Es durchnässt schnell und dauerhaft. Stall und Paddock müssen trockene Böden aufweisen. Der Stall braucht also Einstreu, Unterstand, Auslauf und eine Drainage. Wo die Weide direkt anschließt, können die Tiere sie

Spaziergänge mit Eseln machen Mensch und Tier Spaß und befriedigen die Bewegungsfreude der Esel.

bei trockenem Wetter zum Grasen, ausgiebigen Wälzen und zu kleinen Verfolgungsjagden oder anderen Spielen nutzen. Beim Ansäen der Weide ist Vorsicht geboten: Bei den ursprünglichen Bewohnern von extrem unfruchtbaren Böden führt die energiereiche Kost auf fetten Wiesen schnell zu Huferkrankungen, Verfettung und/oder zu Diabetes. Magere, ballaststoffreiche Kräuter und Gräser, Büsche und Sträucher dagegen können Esel ohne Risiko anknabbern. Es ist günstig, die Weide zu teilen und die jeweils abgeweidete Partie eselfrei zu halten, damit Boden und Pflanzen sich regenerieren können. Die zu gut gemeinte Fütterung ist einer der häufigsten Gründe dafür, dass Esel in Menschenobhut oft nur halb so alt werden, wie sie eigentlich könnten — nämlich bis zu 40 Jahre. Kraftfutter und die vielen im Handel erhältlichen Pferde-Leckerli gehören nicht auf den Speiseplan der Esel. Gräser und Heu sowie im Winter ein Trockenkräuter-Mix sind die Grundnahrung, auf die auch der MagenDarm-Trakt der Tiere ausgerichtet ist. Heu sollte ganztägig zur Verfügung stehen. Das entspricht dem normalen Bedürfnis der Tiere, die im Wildleben den größten Teil des Tages mit der Futteraufnahme verbringen. Das Knabbern an eiweißarmer, ballastreicher Kost sorgt auch für einen ausreichenden Abrieb der Zähne.

Zum natürlichen Verhalten der Esel gehört ein gesundes Misstrauen allem Unbekannten gegenüber. Um das Vertrauen der Esel zu gewinnen, sollte sich der Halter oft und intensiv mit seinen Tieren beschäftigen. Esel reagieren sehr gut auf die Stimme und genießen auch Streicheleinheiten am Hals oder zwischen den Ohren. Sobald sie Vertrauen gefasst haben, sollte man sie langsam und sanft ans Halfter gewöhnen, Spaziergänge mit ihnen unternehmen und sie mit dem Ziehen eines Wagens oder Schlittens oder dem Tragen kleiner (!) Lasten vertraut machen. Das beschäftigt sie und festigt die Beziehung zwischen Mensch und Tier.

MEHR I NFOS Die neue Broschüre „Artgerechte Eselhaltung“ informiert umfassend über Haltung, Pflege, Gesundheitsvorsorge, Krankheiten und Erziehung von Eseln. Einzelexemplare erhalten Sie kostenlos. Bitte senden Sie dazu einen mit 0,90 Euro frankierten Rückumschlag (langes Format) an folgende Adresse: Deutscher Tierschutzbund e.V. Baumschulallee 15 53115 Bonn. Die Broschüre steht auch als PDF zum Download bereit unter www.tierschutzbund.de/ broschueren.html

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[ Jugend]

Die Jugendlichen sichteten jede Menge Berichte zu Naturkatastrophen und anderen Unfällen.

Hamburg

Denkt bei Katastrophen auch an die Tiere! E rdbeben, Waldbrände, Überschwemmungen: Fernsehen und Presse berichten meist ausführlich über menschliche Opfer, Sachschäden und Verwüstungen. Den Tieren wird dagegen wenig oder gar keine Beachtung geschenkt, stellte die Tierschutz-Jugendgruppe des Hamburger Tierschutzvereins fest. Die Jugendlichen recherchierten die Unglücksfolgen für Haus- und Wildtiere. Wie entsetzlich auch Tiere unter Natur- und von Menschen verur­ sachten Katastrophen leiden müssen, zeigte sich besonders deutlich nach der Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima 2011. Die Menschen wurden evakuiert, ihre geliebten Haustiere durften sie nicht mitnehmen. Landwirte mussten ihre Höfe verlassen, und Tausende Schweine, Rinder und das Geflügel verdursteten und verhungerten. Überhaupt sind

die sogenannten Nutztiere bei Katastrophen am schlimmsten betroffen. Ihre Ställe werden zu tödlichen Gefängnissen, aus denen es kein Entkommen für sie gibt. Die jungen Tierschützer widmeten sich auch den Wildtieren und stellten zusammen, wie diese mit solchen Ausnahmesituationen umgehen. Besonders viele Wildtiere, fanden sie heraus, sterben bei Buschbränden wie in Australien. Es sind Millionen, darunter auch vom Aussterben bedrohte Arten. Aber Wildtiere haben manchmal die Möglichkeit zur Flucht. Viele verfügen über angeborene Frühwarnsysteme. So spüren Elefanten die Bodenerschütterungen nahender Erdbeben und Tsunamis. Auch Mäuse, Ratten, Schlangen und Kröten haben diese Fähigkeit. Vögel nehmen ungewöhnliche Luftveränderungen frühzeitig wahr.

Auf Plakaten stellten die jungen Tier­schützer ihre Recherche-Ergebnisse vor und forderten mehr Einsatz auch für die Tiere.

Die Tierschutz-Jugendgruppe des Hamburger Tierschutzvereins appelliert an alle, das Leiden der Tiere nicht zu vergessen. Schutz- und Rettungsmaßnahmen bei Katastrophen müssen auch die Tiere mit einbeziehen. Ihr Appell: Über die Hilfe von Tierschutzorganisationen in Krisengebieten müsste mehr berichtet werden, damit man sie mit Spenden unterstützen kann.

Dortmund

Protest gegen Jagd Für eine Natur ohne Jagd demonstrierte die Bärenbande auf der Messe „Jagd & Hund“, die alljährlich in den Westfalenhallen in Dortmund stattfindet. Mit dem Schriftzug „Lusttöter“ auf selbst bemalten T-Shirts zeigte die Jugendgruppe des Tierschutzvereins Dortmund dabei Flagge gegen die Freizeitjäger. 95 Prozent der Jagdscheininhaber jagen als Hobby. Die Bärenbande hatte sich im Vorfeld der Messe ausführlich mit dem Thema beschäftigt.

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Ihre Kritik: Allein in Deutschland werden bei der Jagd jedes Jahr mehr Mit ihrer Aktion „Lusttöter“ zeigten die Jugendlichen, als fünf Millionen was sie von der Jagd halten: Nichts! Wildtiere getötet, obwohl es für den Abschuss der ler auf Jagdmessen verherrlichten meisten Tierarten nachweislich kei- das Töten von Tieren als Freizeitnerlei ökologische Notwendigkeit vergnügen und Reiseabenteuer. gibt. Zehntausende Katzen und Die Jäger selbst stellten sich gerne Hunde werden wie Freiwild ab- als Tier- und Naturfreunde und Begeschossen. Dazu kommen noch standsregulatoren dar, erklärten die Jagdreisen ins Ausland. Die Ausstel- jungen Tierschützer.


Die Schüler waren begeistert vom Tierschutzunterricht der Tierschutzinitiative Haßberge.

Haßberge

Fotos: SYBILLE KÄHLER-SCHNOOR (2), BÄRENBANDE – JUGEND IM TIERSCHUTZVEREIN GROSS-DORTMUND, TIERSCHUTZINITIATIVE HASSBERGE, BAYERISCHE TIERSCHUTZJUGEND

Projekttag zum Tierschutz B eim Projekttag zum Thema Tierschutz für die 5. Klassen an der Dr.-Auguste-Kirchner-Realschule Haßberge brachte sich auch die Tierschutzinitiative Haßberge aktiv ein. Die Kinder konnten sich für jeweils zwei der verschiedenen Workshops entscheiden, in denen sie sich dann praktisch und theoretisch mit den Lehrern mit dem gewählten Thema auseinandersetzten. Die Gruppe Hauswirtschaft backte Hundekekse, und „Püppi“, das Hundemaskottchen der Tierschutzinitiative Haßberge, bewies auch gleich, dass die Leckerlis ihrem Namen alle Ehre machten. Britta Merkel und Karin Kraus von der Initiative, die beide am Projekttag teilnahmen, klärten die Kinder parallel auch über die Bedürfnisse der Hunde auf.

Im Werkunterricht fertigten die Schüler Vogelfutterstellen aus Blumentöpfen an, die gleich in den Bäumen rund um das Schulgelände zum Einsatz kamen. Auch Nistkästen und Insektenhotels wurden gebaut und rund um die Schule an Bäumen befestigt. Im Biologie-Workshop besprachen die Schulkinder intensiv das Thema „Industrielle Tierhaltung“. Sie arbeiteten heraus, welche Nachteile diese Form der Tierhaltung für die Tiere hat. Ein Lehrfilm verdeutlichte den Schülern, unter welch schlimmen Bedingungen Hühner in Legebatterien oder Schweine in großen Mastanlagen leben. Ein Thema auch für den Religions-Workshop, in dem darüber diskutiert wurde, wie sich der Mensch die Erde untertan macht.

In Rollenspielen und Bildergeschichten dokumentierten die Schüler, dass auch Tiere ein Recht auf Leben haben, Schmerzen fühlen, und dass alle Menschen die Verantwortung für die Tiere gemeinsam tragen müssen. Nachdem eine Umfrage unter den Schülern gezeigt hatte, dass sich viele Kinder genauer über die derzeitige Situation der Fundtiere im Landkreis informieren möchten, stellte Karin Kraus den Verein Tierschutzinitiative Haßberge vor und erläuterte die ehrenamtliche Arbeit der Tierschützer. Sie bedankte sich für den großen Turm an gespendeten Futterdosen für die Hunde und Katzen und für den Einsatz der Schule. So könne sich Tierschutz nicht nur im Gesetz, sondern auch in den Köpfen der Menschen verankern.

Erding

Vegetarische Küchenparty E nde Februar organisierte die Bayerische Tierschutzjugend unter der Leitung von Tanja Glasl und Ramona Neuner (Tierschutzjugend Erding) einen vegetarischen/veganen Kochund Probiertag für interessierte Kinder und Jugendliche in Erding. Die Gäste konnten dabei viele rein pflanzliche Gerichte kochen und Alternativen testen. Schon beim gemeinsamen Frühstück Erst wurde gekocht, dann verkostet. verkostete die 15-köpfige Gruppe neben den „üblichen“ Zutaten wie de, warum eine vegetarische/vegane Marmelade, Brötchen und Müsli auch Ernährung den Menschen, den Tieren verschiedene Soja- und Pflanzenmilch- und der Umwelt gut tut und die Resprodukte, veganen Käse und Frischkä- sourcen der Erde schont. Auch wenn se, Weißwürste und eine Honigalterna- das Video nicht durchgehend schön tive. Anschließend stand ein Film auf anzusehen war, stellte sich bei so mandem Programm, bei dem deutlich wur- chem Teilnehmer ein „Aha-Effekt“ ein.

Das verstärkte die Spannung auf das folgende „Kochen ohne Knochen“. Neben veganer Blumenkohlcremesuppe, Ungarischem Eintopf, Currywurst mit Pommes, Gyros mit Zaziki, Rahmchampignons mit Reis, Chili con Soja und veganer Leberwurst standen Süßes wie Zitronenkuchen oder rein pflanzliche Mousse au chocolat auf dem Speiseplan. Die jungen Gäste schlemmten und bewerteten die einzelnen Gerichte, während die Organisatoren der Veranstaltung immer für Fragen und Beratung zur Verfügung standen. Am Abend waren alle satt, ein bisschen erschöpft und machten sich mit den Rezepten und vielen neuen positiven Erfahrungen auf den Nachhauseweg. du und das tier  2/2013  21


[REZEPT] Buchtipp

La Veganista Das Rezept entstammt dem Buch „La Veganista“ von Nicole Just. Die Enkelin eines Metzgers und passionierte Köchin lebt seit 2009 vegan. Sie ist Mitinhaberin des veganen Dinnerclubs Mund/Art/Berlin und gibt Kochkurse, um den Spaß am veganen Kochen an Interessierte weiterzugeben. Ihr Motto: Vegan ja, Verzicht nein! In ihrem Buch beweist sie, dass sich ausschließlich mit veganen Produkten schmackhafte Gerichte für jede Jahreszeit und für jeden Anlass kochen lassen. Das Buch gibt eine Einführung in die vegane Küche, viele Tipps, wie sich Eier, Milchprodukte und Gelatine austauschen lassen, ohne den Geschmack eines Gerichtes zu beeinträchtigen. Es enthält auch viele exotische Rezepte aus asiatischen Ländern.

Zutaten für zwei Personen Für das Gemüse 700 g neue Kartoffeln 1 kg weißer Spargel Salz

Für die Sauce ½ Zitrone 1 EL vegane Margarine 1 EL weißes Mandelmus 4 EL Hefeflocken 1 TL Guarkernmehl ½ TL Kala Namak 1 TL Agavendicksaft Salz, gemahlener weißer Pfeffer Außerdem 200 g Räuchertofu 2 EL neutrales Pflanzenöl 1 Stängel Dill zum Garnieren

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Zubereitung Die Kartoffeln gründlich unter fließendem Wasser abbürsten. Den Spargel schälen, die holzigen Enden abschneiden. Die ungeschälten Kartoffeln in wenig Salzwasser in 20 bis 25 Minuten gar kochen. Den Spargel in einem zweiten Topf in fünf bis zehn Minuten in Salzwasser nicht zu weich kochen. Inzwischen den Räuchertofu quer in 0,5 cm dicke Scheiben schneiden. Das Öl in einer weiten Pfanne erhitzen und die Tofuscheiben darin bei mittlerer Hitze ein bis zwei Minuten von beiden Seiten knusprig braten. Pfanne vom Herd nehmen.

Die Zitronenhälfte auspressen. Den Saft mit allen übrigen Zutaten für die Sauce (bis auf Salz und Pfeffer) und 300 ml heißes Wasser in einen Mixer geben und zwei Minuten auf höchster Stufe mixen, bis die Sauce cremig ist. Alternativ können Sie die Zutaten auch in einen hohen Rührbecher geben und mit dem Pürierstab aufmixen. Die Sauce dann mit Salz und Pfeffer abschmecken. Den Dill waschen, trocken tupfen und vom Stängel zupfen. Kartoffeln und Spargel abgießen. Den Tofu zusammen mit Kartoffeln, Spargel und Sauce servieren und mit dem Dill garnieren.

FOTO: GU/LA VEGANISTA

SPARGEL MIT SAUCE HOLLANDAISE


Natur – Kosmetik – Gesundheit

Zubehör + Sonstiges Nächste Erscheinungstermine: Ausgabe 03/13 erscheint am 04.06.2013 Anzeigenschluss ist der 23.04.2013 Ihre Ansprechpartnerin für gewerbliche Anzeigen Esther Köser, Media Sales, Tel. 0781/84-3685 E-mail: mediasales@burda.com

Ausgabe 04/13 erscheint am 09.08.2013 Anzeigenschluss ist der 28.06.2013


Spendenkonto: Sparkasse KölnBonn, BLZ 370 501 98, Konto Nr. 40 444 www.tierschutzbund.de

Tel.: 0228-60496-0, Fax: 0228-60496-40

Informationen gibt es bei Ihrem örtlichen Tierschutzverein oder bei: DEUTSCHER TIERSCHUTZBUND E.V., Baumschulallee 15, 53115 Bonn,

Respekt ist die Grundlage für das Leben miteinander. Wir machen uns stark für den Schutz von Tier und Natur. Unterstützen Sie uns durch Ihre Spende oder Mitgliedschaft.


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sten werden daher keine Auftragsbestätigungen oder Rechnungen ausgestellt und Belegexemplare zugesandt. Als Privatanzeigen gelten Gelegenheitsanzeigen ohne gewerblichen Hintergrund. Anzeigen, die gegen die Tier- oder Artenschutzbestimmungen verstoßen,

sowie Anzeigen von Züchtern, Hundeschulen und (Tier-) Heilpraktikern werden nicht veröffentlicht. Der Verlag behält sich vor, Kleinanzeigen ohne Angabe von Gründen abzulehnen. Alle Preise verstehen sich inklusive Mehrwertsteuer.


[ AKTUELL] Unterstützung für die Tierheime

Der Wille des Spenders zählt Wer genau wissen will, wofür sein gespendetes Geld eingesetzt wird, oder wer es einem bestimmten Zweck zuführen will, kann sich vom Deutschen Tierschutzbund beraten lassen. So wie im Fall zweier Tierfreundinnen, die sich zunächst hilfesuchend an die Sendung „tierisch, tierisch“ gewandt hatten.

FOTOS: TIERHEIM NORDHAUSEN, MARION MALBRICH

D

ie beliebte Sendereihe „tierisch, tierisch“ des MDR besucht regelmäßig Tierheime in den Neuen Bundesländern, berichtet über deren Nöte und stellt die Sorgentiere der Tierheime vor. Die Zuschauer vertrauen den Machern, wie die jüngsten Beispiele beweisen. Eine Dame, die aus dem Westen in den Osten zurückgekehrt war, wollte das Vermächtnis ihres verstorbenen Mannes erfüllen. Der, ein großer Hundefreund, hatte sich gewünscht, dass der Erlös aus dem Verkauf seiner Ländereien Hunden zugutekommen sollte. Die Witwe, die anonym bleiben möchte, wandte sich an „tierisch, tierisch“, um zu erfragen, welche Tierheime in Ihrer Nähe Hilfe benötigten. Eine weitere treue Zuschauerin aus Magdeburg – sie wollte ebenfalls anonym bleiben – überwies der arianefilm GmbH (Produzent von tierisch, tierisch) 30.000 Euro. Ihre Auflage: Das Geld solle an Tierheime im MDR-Sendegebiet verteilt werden, für bauliche und andere dringliche Maßnahmen. „tierisch, tierisch“ erbat sich in beiden Fällen Unterstützung vom Deutschen Tierschutzbund. Der schaltete seine Landesverbände ein, die genau wissen, welches der ihnen angeschlossenen Tierheime am dringendsten finanzielle Unterstützung benötigt. Die ariane-film GmbH gab die Vorschläge des Deutschen Tierschutzbundes an die beiden Spenderinnen weiter. Die Witwe des Hundefreundes überwies den Erlös des Länderverkaufes selbst: an den Landestierschutzverband Mecklenburg-Vorpommern sowie die Tierheime in Leisnig, Zeitz, Eilenburg,

Altentreptow, Mühlhausen, Sadelkow, Görlitz und den Gnadenhof Letschow. Das Geld der zweiten Spenderin verteilte „tierisch, tierisch“ an insgesamt fünf Tierheime: Der Tierschutz Nordhausen wird davon sein Katzenhaus sanieren und die Wärmedämmung

installieren. Für den Ausbau seiner Katzenauffangstation bekam das Tierheim Lutherstadt Wittenberg einen Zuschuss. Der Tierschutzverein Genthin erhielt einen Zuschuss für seiner Hundekrankenstation. Winterfeste Räume erbaute das Tierheim Halberstadt mithilfe der Spende, und der Tierschutzverein Schönebeck steckt das Geld in seine Krankenstation. Offensichtlich verlief die Aktion zur Zufriedenheit der Spenderin. Sie, die inzwischen verstorben ist, hat einen Teil ihres Nachlasses „tierisch, tierisch“ vermacht – mit der Auflage, es neuerlich an Tierheime in Not zu verteilen. Auch hier werden der Deutsche Tierschutzbund und seine Landesverbände beratend zur Seite stehen. AKT I V WER DE N

Ute Bresan von „tierisch, tierisch“ überreichte den Scheck an den Tierschutz Nordhausen (ganz oben) und das Tierheim Lutherstadt Wittenberg.

Wenn Sie selbst spenden, eine Patenschaft übernehmen oder notleidende Tiere in Ihrem Testament bedenken wollen, hilft Ihnen der Deutsche Tierschutzbund gern weiter. Auf dem Spendenportal www.tierschutzbund-spenden.de finden Sie Möglichkeiten, Tieren oder Tierheimen in Not zu helfen sowie Ihr Testament im Sinne des Tierschutzes zu gestalten. Sie können sich auch persönlich beraten lassen. Ansprechpartner für alle Erbschaftsangelegenheiten ist Wilfried Britz. Deutscher Tierschutzbund e.V. Bundesgeschäftsstelle Baumschulallee 15 D-53115 Bonn Tel.: +49(0)228-60496-39 Fax: +49(0)228-60496-40

du und das tier 2/2013 27


[ AKTUELL]

Candy gehört zu den Schimpansen, die Anfang des Jahres nach Chimp Haven umziehen durften.

Schimpansenversuche in den USA

Endlich ein Ende in Sicht Schimpansen sind die nächsten Verwandten des Menschen. Sie sind hochintelligente und soziale Tiere. Doch anders als in Deutschland und in anderen Ländern werden Schimpansen in den USA immer noch in Tierversuchen eingesetzt. Nun hat der Rat der wichtigsten Behörde für Biomedizinische Forschung in den USA empfohlen, Versuche an Schimpansen nach und nach zu beenden und die Tiere in Auffangstationen umzusiedeln.

D

ie National Institutes of Health (NIH; deutsch: Nationale Gesundheitsinstitute) sind eine Behörde des Gesundheitsministeriums in den USA. Anfang des Jahres hat sie einen Bericht angenommen, der empfiehlt, dass fast alle der insgesamt 451 Schimpansen, die im Besitz der Behörde sind oder in von den NIH geförderten Projekten eingesetzt werden, aus den Forschungsprojekten herauszunehmen und in Auffangstationen unterzubringen.

28 du und das tier

2/2013

Die Zustimmung zu diesem Bericht ist der aktuellste Schritt in einem vor mehr als zwei Jahren begonnenen Prozess. Die US-Behörde beschloss damals, den Einsatz von Schimpansen in Versuchen zu überdenken, und bat ein unabhängiges Institut um einen Bericht. Die Berichterstatter kamen zu dem Schluss, dass die meisten aktuell laufenden Forschungsprojekte an Schimpansen nicht notwendig seien. Sie empfehlen außerdem, dass sechs von neun aktuell laufenden bio-

medizinischen Forschungsprojekten, bei denen die körperliche Immunabwehr und verschiedene Krankheitserreger (beispielsweise die, die Hepatitis C oder HIV auslösen) an Schimpansen untersucht werden, eingestellt werden sollen. Alle Versuche, die künftig noch geplant sind, müssen nun von einem unabhängigen Komitee, das auch Vertreter aus der Bevölkerung einschließt, bewilligt werden. Sie dürfen auch nur unter der Auflage genehmigt werden,


Weitläufige, bewaldete Außengehege im Chimp Haven.

Daisy und Kathy werden bald in eine Gruppe integriert. Die beiden Schimpansen stehen noch unter Beboachtung und müssen medizinisch versorgt werden.

dass den Schimpansen ein Umfeld zur Verfügung gestellt wird, das ihnen ein natürliches Verhalten ermöglicht. Die Berichterstatter empfehlen, Standards für die Haltung und das soziale und körperliche Wohlergehen der Tiere einzuhalten. Die Schimpansen sollen demnach in Gruppen von mindestens sieben Tieren leben. Für jedes Tier sollen nicht weniger als 93 Quadratmeter zur Verfügung stehen. Die Schimpansen sollen außerdem Platz zum Klettern, bei jedem Wetter Zugang zu Außengehegen und Ver-

steckmöglichkeiten für eine aktive Futtersuche bekommen Kein Labor in den USA kann diese Vorgaben bislang erfüllen. In einem Land wie den USA, in dem Vögel, Ratten, Mäuse, landwirtschaftliche Nutztiere, Fische, Amphibien, Reptilien, Insekten und andere wechselwarme Tiere nicht vom Tierschutzgesetz erfasst werden, könnte die jetzige Entscheidung des NIH ein erstes Wachrütteln für ein grundsätzliches Umdenken zum Thema Tierversuche sein. KRISTINA WAGNER

Die gemeinnützige US-Organisation Chimp Haven (englisch: chimp, kurz für chimpanzee = Schimpanse; haven = Zufluchtsort) wurde 1995 gegründet, um Schimpansen, die für die biomedizinische Forschung nicht mehr „gebraucht“ werden, einen artgerechten Lebensabend zu ermöglichen. Die US-Regierung wählte Chimp Haven 2002 aus, die Nationale SchimpansenAuffangstation zu bauen. Auf einem Gelände im US-Bundesstaat Louisiana, das der Organisation gespendet wurde, errichtete sie eine Station mit bewaldeten Außengehegen, die auch der Öffentlichkeit für Bildungszwecke zugänglich ist. Dort wurden 2005 die ersten beiden Schimpansen, Rita und Theresa, aus dem Programm der USRaumfahrtbehörde NASA willkommen geheißen. Es folgten mehr als 100 weitere Tiere aus Forschungseinrichtungen. Die Versuche, die mit ihnen durchgeführt wurden, waren für die Schimpansen teilweise schwer belastend. Die ersten 24 von insgesamt 111 „NIH-Schimpansen“, deren Umsiedlung aus einem US-Forschungsinstitut im Zuge des verabschiedeten NIHBerichtes bereits beschlossen ist, sind Anfang des Jahres in der ChimpHaven-Auffangstation angekommen. www.chimphaven.org

du und das tier 2/2013 29

FOTOS: CHIMP HAVEN, INC. (5), FLICKR/MIKE SOUZA

Chimp Haven


[ aktuell]

2

1 3

4

1 Deutsche Sperber 2 Kreuzung Sulmtaler Huhn und Les Bleues (Bressehuhn) 3 Deutsches Lachshuhn 4 Sulmtaler Huhn 5 Vorwerkhuhn 5

Hühnerzucht

Raus aus der Sackgasse Die Hühnerzucht hat hochspezialisierte Rassen hervorgebracht: Masthühner, die in extrem kurzer Zeit enorm viel an Muskeln und Gewicht zulegen, und schlanke Legehennen, die Unmengen Eier legen. Beide Zuchten sind mit Tierschutzproblemen verbunden. Wissenschaftler, Hühnerhalter und Experten des Deutschen Tierschutzbundes arbeiten daran, aus dieser Sackgasse herauszukommen.

A

n die 40 Millionen Küken pro Jahr werden bereits kurz, nachdem sie geschlüpft sind, getötet. Sie werden geschreddert oder mit Gas erstickt und zu Tiermehl oder zu Tierfutter verarbeitet, weil es unwirt-

30  du und das tier  2/2013

schaftlich wäre, sie aufzuziehen. Die zart gebauten männlichen Tiere der Hochleistungsrassen, die auf Legeleistung gezüchtet wurden, werden nicht gemästet. Viel Fleisch würden die kleinen Hähne, deren Schwestern bis zu

300 Eier im Jahr legen, auch bei bester Fütterung nicht zulegen. Das Problem ist genetisch bedingt. Hühnerrassen, die sich gut mästen lassen, legen wenige Eier, solche, die viele Eier legen, lassen sich nicht gut mästen.


Die tägliche Zunahme eines Masthuhns liegt heute bei bis zu 60 g/Tag.

LegekükenMastküken 4 Tage

LegehenneMasthuhn 18 Tage

Legehenne 400 g Masthuhn 2.000 g 34 Tage

Die heutigen Legehennen stammen aus speziellen Zuchtlinien, die auf Legeleistung hin ausgelesen sind. Meist sind es Legehybride, entstanden durch Kreuzung zweier Inzuchtlinien. Sie sind besonders leistungsfähig (Heterosiseffekt). Zuchtbedingt leiden viele der auf extreme Legeleistung gezüchteten Hennen und Legehybride an Eileiterentzündungen, Eileitervorfällen, Osteo­ porose und Leberverfettung. Verhaltensstörungen wie Federpicken und Kannibalismus treten ebenfalls häufig auf. Weil sich die hohe Legeleistung nicht lange aufrechterhalten lässt, werden Legehennen meist im Alter von 15 Monaten geschlachtet. Sie landen als Tierfutter oder Suppenhühner auf dem Markt. Nur selten wird nach einer Legepause (Mauser) eine weitere Legeperiode durchgeführt. „Brathähnchen“ stammen heute aus mastbetonten Zuchtlinien. Meist sind es Masthybride, die auf rasche Muskelfleischzunahme bei guter Futterverwertung getrimmt wurden. Gemästet werden hier sowohl die männlichen als auch die weiblichen Tiere. Große Brustmuskeln sind das Zuchtziel. Bis zu 60 Gramm nehmen diese Hühner pro Tag zu. Die Folge sind erhebliche Gesundheitsprobleme: Skeletterkrankungen, die zu Lahmheiten führen, Bauchwassersucht (Aszites) und Herz-Kreislauf-Probleme. Viele Tiere sterben am plötzlichen Herztod (SDS). Der Unterschied wird schon nach wenigen Tagen deutlich: Eine Legehenne wiegt nach 34 Tagen 400 Gramm, ein Masthuhn 2.000 Gramm, also zwei Kilo. Die Elterntiere der Turbo-

Hühner werden restriktiv gefüttert und leiden ständigen Hunger – ein weiteres Tierschutzproblem. Der Deutsche Tierschutzbund kritisiert die extreme Leistungszucht, die Praxis der Kükentötung und die Haltungsbedingungen von Legehennen und Masthühnern seit Jahren. Er setzt sich auf verschiedenen Ebenen dafür ein, die Situation der Hühner zu verbessern (siehe auch Kasten auf Seite 34). Das Problem betrifft keineswegs nur die Großindustrie. Bio-Landwirte und NEULAND-Bauern sind beim Bezug von Hühnerküken auf die gleichen Zuchtfirmen angewiesen, die auch die Eierindustrie beliefern. Das ethische Problem, dass bei Lege­ rassen etwa jedes zweite Küken kurz nach dem Schlupf getötet wird, sowie die gesundheitlichen Probleme der Hochleistungsrassen sind auch dort ungelöst. Landwirte, die Hühner ohne diesen Rattenschwanz an Tierschutzproblemen tiergerecht halten wollen, können zwar auf langsamer wachsende Linien zurückgreifen, eine echte Alternative fehlt jedoch bislang. Die Zuchtlinien für die Legehennen, die weltweit etwa 65 Prozent der braunen Eier legen, liefert die niederländische Firma Hendrix Genetics. Die Zuchtlinien für weltweit 17 Prozent der Produktion von braunen Eiern und 68 Prozent der weißen Eier stammen von der Firma Aviagen. Aviagen liefert auch die dominierenden Zuchtlinien, die in der konventio­nellen Hühnermast eingesetzt werden, und teilt sich diesen Markt weltweit mit nur noch drei weiteren Firmen.

Eine Lösung könnte darin bestehen, alte Rassen einzusetzen, die sich grundsätzlich sowohl für die Eierproduktion als auch für die Fleischproduktion eignen würden. Diese Tiere werden zwar bislang überwiegend in der Hobbyzucht eingesetzt, die vor allem das Aussehen der Tiere beachtet, sie bieten jedoch Potenzial für eine Zweifachnutzung. Einzelne Institute und Wissenschaftler gehen zurzeit verschiedenen Ansätzen nach, mit der Kreuzung solcher Rassen robuste Hühner zu züchten, die in mäßigem Tempo an Gewicht zulegen und zugleich eine wirtschaftlich interessante Anzahl von Eiern liefern. Interessant erscheint ihnen beispielsweise das französische Bressehuhn, ein „mastbetontes“ weißes Zweinutzungshuhn mit blauen Beinen, das aus der Region Bresse nordöstlich von Lyon stammt. Die Mast dieser Hühner dauert etwa vier Monate, die Hennen können bis zu 270 Eier im Jahr legen. Mastbetonte Rassen bergen aus der Sicht des Tierschutzes allerdings ein Problem: Damit die Legeleistung nicht einbricht, werden die Hennen oft restriktiv gefüttert. Es müsste geprüft werden, ob eine Weidehaltung solcher Tiere das Problem beheben kann. Vielversprechend aus der Sicht von Landwirten und Züchtern scheint zurzeit das „Dualhuhn“ der Firma Lohmann Tierzucht aus Cuxhaven zu sein. „Der Traum vom Wunderhuhn wird wahr“, titelte die Online-Ausgabe der Tageszeitung „Die Welt“ Ende Januar 2013. Sie schilderte die fünfjährigen Bemühungen von Rudolf Preisinger, du und das tier  2/2013  31


[ aktuell] Geschäftsführer der Firma Lohmann Tierzucht aus Cuxhaven, dieses Huhn zu züchten. Preisinger selbst äußerte sich jedoch nur vorsichtig optimis­ tisch: „Wir werden sicherlich noch einige Jahre züchten müssen, um dieses Tier wettbewerbsfähig zu machen.“ (Die Welt online, 24.01.2013). Wenn es so weit ist, dass Eier und Fleisch von Zweinutzungshühnern auf den Markt kommen, werden wieder einmal die Verbraucher gefragt sein. Zweinutzungshühner verursachen höhere Futterkosten, sie wachsen weniger schnell, legen weniger und eventuell auch kleinere Eier als die Hochleis-

tungsrassen. Das Fleisch und die Eier dieser Tiere werden teurer sein. Zum Nulltarif ist Tierschutz nicht zu haben. Dass die Verbraucher sich trotz höherer Kosten für mehr Tierschutz entscheiden können, haben sie eindrucksvoll bewiesen: Als die in Käfighaltung produzierten Eier im Handel als solche erkennbar waren, blieben sie in den Regalen liegen. „Dass Millionen Küken routinemäßig getötet werden, akzeptieren die Verbraucher jedenfalls nicht.“ Davon ist der Ehrenpräsident des Deutschen Tierschutzbundes, Wolfgang Apel, überzeugt. Der NEULAND-Verein für

tiergerechte und umweltschonende Nutztierhaltung, dessen Vorsitzender Apel ist, hatte anlässlich der Internationalen Grünen Woche in Berlin zu einer Fachtagung eingeladen (siehe Kasten). Wer verhindern möchte, dass 40 Millionen Küken pro Jahr gleich nach dem Schlüpfen getötet werden, der wird hoffentlich bald schon Eier von Zweinutzungshühnern kaufen können. Alle Bürger davon zu überzeugen, dass sie keine Eier und Eiprodukte mehr verzehren, würde mit Sicherheit erheblich länger dauern. Dr. Heidrun Betz

Fachtagung in Berlin Der NEULAND-Verein für tiergerechte und umweltschonende Nutztierhaltung hatte Hühnerhalter, Wissenschaftler und Tierschutzexperten zur „Fachtagung Zweinutzungshuhn“ nach Berlin eingeladen. Um die unterschiedlichen Erfahrungen bei der Entwicklung eines Zweinutzungshuhnes zusammenzutragen, betreibt der Verein mithilfe einer Förderung durch die Landwirtschaftliche Rentenbank eine Informationsplattform. Im September 2012 konnten bereits erste Ergebnisse präsentiert werden. Inke Drossé, Fachreferentin des Deutschen Tierschutzbundes, hatte den Tagungsteilnehmern anhand von Zahlen und anschaulichen Bildern die aktuellen Tierschutzprobleme vor Augen geführt. Sie erläuterte, welche Anforderungen aus der Sicht des Tierschutzes an die Hühnerhaltung und -zucht zu stellen sind. Dass Landwirte, die tierschutzgerechter wirtschaften, für ihre Produkte angemessene Preise erzielen müssen, darüber waren sich alle Tagungsteilnehmer einig, auch wenn sich Bernhard Kühnle, Abteilungsleiter im Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV), dazu skeptisch äußerte. Die Verbraucher wären wohl kaum bereit, viel Geld für teurere Produkte auszugeben, so seine Einschätzung.

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Die Teilnehmer der Fachtagung, von links: Prof. Dr. Rudolf Preisinger (Lohmann Tierzucht), Inke Drossé (Deutscher Tierschutzbund), Wolfgang Apel (Deutscher Tierschutzbund/NEULAND), Toni Hubmann (Tonis Freilandeier), Dr. Steffen Weigend (Friedrich-Loeffler-Institut), Prof. Dr. Dr. Matthias Gauly (Uni Göttingen), Bernhard Kühnle (BMELV), Jochen Dettmer (NEULAND) Wolfgang Apel, Vorsitzender von NEULAND und Ehrenpräsident des Deutschen Tierschutzbundes, zeigte sich dagegen optimistisch: „Dass weiterhin 40 Millionen Hühnerküken im Jahr geschreddert werden, akzeptieren die Verbraucher auf gar keinen Fall.“ Der Deutsche Tierschutzbund werde die Konsumenten auch weiterhin über die Tierschutzproblematik informieren und die Öffentlichkeit mobilisieren. Inke Drossé, Fachreferentin für Tiere in der Landwirtschaft beim Deutschen Tierschutzbund, erläuterte die Anfor­ derungen an die Hühnerhaltung und Hühnerzucht aus Sicht des Tierschutzes.

Fotos: Margitta Gürtler (2), EU-Kommission, wikipedia/K. Wegner/Rimshot, Kagfreiland (3), Deutscher Tierschutzbund (2), DPA

Zweinutzungshühner


Immer noch werden Puten auf engstem Raum zusammengepfercht. Um die Auswirkungen von Kannibalismus einzudämmen, werden den Puten symptomatisch die Schnäbel gekürzt.

Putenhaltung

Kaum Verbesserungen Obwohl der Deutsche Tierschutzbund und andere Tierschutzverbände sie dazu aufgefordert hatten, gibt die Bundesregierung weiterhin keine rechtlich verbindlichen Rahmenbedingungen für die Putenhaltung vor. Die Branche reguliert sich momentan freiwillig – über „Bundeseinheitliche Eckwerte für eine freiwillige Vereinbarung zur Haltung von Mastputen“ des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV).

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iese „Eckwerte“ wurden im vergangenen Jahr erstmalig nach 14 Jahren überarbeitet. Sie sollten im ersten Quartal 2013 veröffentlicht und von den Bundesländern mit den jeweiligen Wirtschaftsverbänden beziehungsweise Putenhaltern vereinbart und umgesetzt werden. Auch in der Neufassung sind viel zu hohe Besatzdichten, zu wenig Beschäftigungsmöglichkeiten und kein zusätzlicher Auslauf für die Tiere vorgesehen. Allerdings gab es mit der Einrichtung eines verpflichtenden Gesundheitskontrollplans einen ersten kleinen Schritt in die richtige Richtung. Hier sollen Indikatoren für den Tierschutz geschaffen werden und zur besseren Haltung der Tiere beitragen. Ebenso hofft die Bundesregierung, dass die Putenhalter bestimmte Maßnahmen freiwillig umsetzen. Es werden z. B. „neu eingebrachte oder

durchgearbeitete Einstreu“ empfohlen sowie ein zusätzliches ständiges Angebot von Beschäftigungsmaterial wie Strohballen oder Strohraufen. Dies ist jedoch noch weit von dem entfernt, was unter einer tierschutzund artgerechten Haltung dieser Vögel zu verstehen ist. Der Deutsche Tierschutzbund fordert neben einer rechtlichen Verordnung die bindend ist u. a. den Verzicht auf das schmerzhafte Schnabelkürzen, das standardmäßig bei allen konventionell gehaltenen Puten durchgeführt wird. Dabei handelt es sich um eine Amputation, die dem Tierschutzgesetz zufolge nur im absoluten Einzelfall durchgeführt werden dürfte. Die Praxis sieht dagegen anders aus. Die Haltung der herkömmlichen Putenrassen ist nur möglich, wenn den Tieren die Schnäbel gekürzt wurden. Andernfalls würden sich die Vögel durch Kannibalismus

schwer verletzen. Kannibalismus, eine schwere Verhaltensstörung, kann vielfältige Ursachen haben. Anstatt jedoch die Haltungsbedingungen in einer rechtlich bindenden Verordnung festzulegen, setzt die Regierung weiterhin auf das Amputieren der Tiere, welches momentan einzig die Folgen, nicht jedoch die Ursachen von Kannibalismus einschränkt. Schon jetzt ist abzusehen, dass sich die Problematik noch verschärfen wird, wenn es weiterhin keine Vorschriften für die Einkreuzung weniger aggressiver Rassen, Auslauf, Beschäftigungsmaterialien oder auch verkleinerte Bestände geben wird. Niedersachsen hat das Problem erkannt und versucht, diese Zustände mit seinem „Tierschutzplan“ nachhaltig zu verbessern. Ob dieser Tierschutzplan allerdings hält, was sich Tierschützer davon versprechen, steht noch lange nicht fest. Dr. Sandra Giltner du und das tier  2/2013  33


[ AKTUELL] Tierschutzlabel

Wissenschaftliches Fundament Bereits die ersten Ideen für das zweistufige Tierschutzlabel „Für Mehr Tierschutz“ des Deutschen Tierschutzbundes entsprangen einer wissenschaftlichen Gruppe. Doch auch nach seiner Einführung im Januar bleibt die Wissenschaft ein stetiger Begleiter.

auch masthühner wollen sich beschäftigen. Deshalb sind unter anderem Picksteine schon in der einstiegsstufe vorgeschrieben.

34 du und das tier

2/2013

Mit einem solchen Label sollte eine echte und langfristige Verbesserung der Bedingungen für die Tiere in der Landwirtschaft erreicht werden. Auf einer Tagung im Juni 2011 präsentierte die Initiativgruppe das Grundkonzept für ein „Tierwohl-Label“ sowie erste Vorstellungen für die Anforderungen, die ein solches zweistufiges Label an die Haltung von Mastschweinen und Masthühnern stellen sollte. Auf dieser Tagung im Juni 2011 bekundete der Deutsche Tierschutzbund die Trägerschaft für das Tier-

schutzlabel. Hintergrund war die passive Haltung des Gesetzgebers und der Politik, die bis heute weder bessere Bedingungen für die Tiere in der Landwirtschaft noch eine verlässliche Tierschutzkennzeichnung durchgesetzt haben. Dabei gibt es bei den Verbrauchern klar den Wunsch nach einer Orientierungsmöglichkeit in Sachen Tierschutz. Das Tierschutzlabel gibt jetzt erstmals die Gelegenheit dazu. So attestiert auch Gerd Billen, Vorstand des Verbraucherzentrale

FOTOS: DEUTSCHER TIERSCHUTZBUND E.V., NEULAND E.V.

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ie ersten Grundlagen für das Konzept des Tierschutzlabels „Für Mehr Tierschutz“ wurden an der Universität Göttingen in der Initiativgruppe „Tierwohl-Label“ erarbeitet. Sie setzte sich aus Vertretern der Wissenschaft, Landwirtschaft, Verarbeitung, des Lebensmitteleinzelhandels sowie des Verbraucherund Tierschutzes zusammen. Ziel der Gruppe war es, die Diskussion um eine Tierschutzkennzeichnung voranzutreiben sowie Rahmenbedingungen für ein Tierschutzlabel zu entwickeln.


Bundesverbandes (vzbv), dem Tierschutzlabel „Gewinn und Fortschritt für […] die Verbraucherinformation“ zu sein. „Mit dem Tierschutzlabel wird auf wissenschaftlicher Basis glaubwürdige Verbraucheraufklärung ermöglicht“, erklärt Prof. Dr. Achim Spiller, Inhaber des Lehrstuhls Marketing für Lebensmittel und Agrarprodukte an der Universität Göttingen. Spiller ist gleichzeitig Vorsitzender des Beirats, der das Tierschutzlabel in der weiteren Entwicklung begleitet. Dieser ist ausgewogen aus Teilnehmern aller Interessensgruppen besetzt — Wissenschaft, gesellschaftliche Vertreter, Vertreter der Landwirtschaft, Vermarkter und Handel. Der Beirat berät zu den Label-Inhalten, der Ausrichtung und Weiterentwicklung des Labels und genehmigt in letzter Instanz die Standards für die Haltung, Zertifizierung der Betriebe und der Verarbeitung. Die Entwicklung der Standards für die Haltung und den Umgang mit den Tieren obliegt speziellen Arbeitsgruppen, die ebenfalls mit Fachleuten besetzt sind. „Mastschweine haben artspezifische Verhaltensansprüche an ihre Haltung: Sie wollen sich beschäftigen, ihre Umwelt erkunden, Sozialverhalten zeigen, sich eine Kot­ecke anlegen und ungestört und möglichst bequem liegen. Dafür brauchen sie Platz und verschiedene, entsprechend ausgestaltete Bereiche in ihrer Haltung. Diese Ansprüche werden in den Stufen des Tierschutzlabels schrittweise besser erfüllt als nach den rechtlich vorgeschriebenen Mindestanforderungen“, erklärt Dr. Lars Schrader, Leiter des Instituts für Tierschutz und Tierhaltung des Friedrich-Loeffler-Instituts in Celle, Leiter der Arbeitsgruppe Schwein und ebenfalls Mitglied im Beirat. Seine Empfehlungen gibt dieser an den Deutschen Tierschutzbund, der auf dieser Grundlage Entscheidungen für die Umsetzung trifft. Damit ist eine kontinuierliche wissenschaftliche Begleitung des Labels garantiert. Weitere Informationen zum Label unter www.tierschutzlabel.info susanne möltgen

25 Jahre NEULAND e.V.

Qualität statt Quantität 25 Jahre ist es her, dass sich auf Initiative des Deutschen Tierschutzbundes der NEULAND Verein für tiergerechte und umweltschonende Nutztierhaltung gegründet hat. NEULAND-Bauern wirtschaften nach strengen Richtlinien für eine besonders artgerechte Nutztierhaltung. Im Interview mit du und das tier schildert der Bundesgeschäftsführer des Vereins, Jochen Dettmer, seine Erfahrungen. Die Fragen stellte Dr. Heidrun Betz.

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NEULAND hat 25 bleibt der Arbeitsaufwand für den Landwirt Jahre Erfahrung mit besonders artgezumutbar. rechter Tierhaltung. Was motiviert die Wie steht es mit der Bauern, die sich dieWirtschaftlichkeit? sem Programm anBauern müssen von geschlossen haben? ihren Einnahmen auch leben können. ▶ Die NEULAND-Bauern motiviert seit 25 ▶ NEULAND-Haltung funkJahren, bei einem Protioniert nur, wenn die Wirtgramm mitzumachen, schaftlichkeit gegeben Jochen Dettmer, ist. Durch Festpreise, die bei dem man besonBundesgeschäftsführer ders tiergerechte sich an den durchschnittdes NEULAND e.V. Haltung mit ökonolichen Produktionskosten mischer Tragfähigkeit verbinden orientieren, haben Bauern und Fleikann. Damit verbunden ist auch scher Planungssicherheit. Dennoch ein hohes Maß an gesellschaftlicher lässt sich die Wirtschaftlichkeit durch Anerkennung. eine gute NEULAND-Beratung noch verbessern. Was sagen Sie denen, die behaupten, Schweinehaltung ohne Seit März vermarkten die ersten Spaltenböden, mit Stroheinstreu NEULAND-Betriebe ihre Pround Auslauf für die Tiere sei nicht dukte über die Premiumstufe des praktikabel? Tierschutzlabels. Was erhofft sich ▶ Die Erfahrung bei NEULAND hat NEULAND von der Einführung des gezeigt, dass Stroheinstreusysteme Tierschutzlabels für die Zukunft? mit Auslauf sehr praktikabel sind. Die ▶ Mit der Einführung des TierschutzSchweine können ihren arteigenen labels ist im Markt eine besondere Verhaltensweisen gut nachkommen. Dynamisierung zu beobachten. Das Arbeitswirtschaftlich sind diese Sys- Interesse an tierschutzbasierten Proteme gut beherrschbar. Verschie- dukten wächst erheblich. Von dieser dene Arbeitsgänge könnnen auch zusätzlichen Nachfrage profitiert hier automatisiert werden. Daher auch NEULAND. Dr. heidrun Betz

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[ HINTER

DEN KULISSEN]

Weiterbildung für den Tierschutz

Ausbildung zur Tierpflegemeisterin Anna Lena Hansen hatte seit frühester Kindheit einen Traum: Sie wollte Tiere pflegen in einem Tierheim oder einer Tierpension. Von August 2008 bis Juni 2011 absolvierte sie ihre Ausbildung zur gelernten Tierpflegerin – mit Bravour. Den Weg zur Meisterprüfung zu finden war jedoch nicht einfach. Die Ausbildungsmöglichkeiten sind rar, und viele Behörden sind mit einer klaren Auskunft überfordert. Anna Lena Hansen schildert, wie sie es dennoch geschafft hat.

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or knapp zwei Jahren habe ich meine Prüfung zur Tierpflegerin Fachrichtung Tierheim/Tierpension mit guten Leistungen bestanden. Daraufhin erhielt ich ein Stipendium. Es war klar, dass von diesem Geld mein Tierpflegemeister finanziert werden sollte. Doch wie kam ich an Informationen zum Tierpflegemeister? Die IHK, bei der ich zuerst anrief, nannte mir Stellen. Leider waren meine Anfragen vergebens. Weder Nürnberg noch Freiburg oder Leipzig konnten mir weiterhelfen. Sie nannten mir weitere Orte. Viele boten zwar dort den Tierpflegemeister an, doch nicht für die Fachrichtung Tierheim/ Tierpension. Im Februar 2012 habe ich meine Ausbildereignungsprüfung gemacht und gleich in der Akademie, in der dieser Kurs angeboten wurde, nachgefragt. Doch auch hier konnte mir niemand weiterhelfen. Dann endlich entdeckte ich im Tierschutztelegramm des Deutschen Tierschutzbundes die erfreuliche Nachricht: Angebot des Tierpflegemeisters im Ausbildungsverbund Teltow (Bildungszentrum der IHK Potsdam)! Am gleichen Abend rief ich

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bei meinem Vorgesetzten an, um meinen Wunsch zu äußern, und am nächsten Tag habe ich mich telefonisch in Teltow gemeldet, um sicherzugehen, dass das Angebot auch für meine Fachrichtung gilt. Nach der telefonischen Absicherung meldete ich mich zum Tierpflegemeister an. Die Grundqualifikation bestand aus zwei Anna Lena Hansen mit Tierheim dreiwöchigen Blöcken. -Hündin Bulma Für das ganze Wissen, das uns nahegebracht wurde, war diese Zeitspanne sehr kurz. „Zusammenarbeit im Be- deln“ die Arbeitsgesetze. Wir hatten trieb“ behandelte unter anderem die Mühe, mit dem Stoff mitzuhalten. Grundlagen des Sozialverhaltens von Nach dem Unterricht hatten wir Menschen, „Betriebswirtschaftliches aber Zeit, alles aufzubereiten. Die DoHandeln“ die ökonomischen Hand- zenten halfen uns sehr. Sie nahmen lungsprinzipien von Unternehmen, die sich Zeit für unsere Fragen und verloBerücksichtigung der Grundsätze der ren auch nicht die Geduld, wenn wir betrieblichen Aufbau- und Ablauf- dreimal nachfragen mussten. Schwer organisationen, den kontinuierlichen nachvollziehbaren Stoff vermittelten betrieblichen Verbesserungsprozess, sie uns mit Beispielen aus dem Alltag, die Durchführung von Kostenarten-, bis wir endlich verstanden. Kostenstellen- und KostenträgerzeitNach den beiden Vorbereitungsrechnungen sowie Kalkulationsver- blöcken hatten wir eine Woche Pause fahren und „Rechtsbewusstes Han- bis zur Prüfungswoche. Wir baten um


FOTOS: ANNA LENA HANSEN (4)

Die angehende Tierpflegemeisterin beim Aufpäppeln eines Katzenbabys

zusätzliche Prüfungsvorbereitungen, sollte es noch Fragen geben. Der Ausbildungsverband Teltow (AVT) und die Dozenten willigten ein, sodass wir kurz vor der Prüfung alles in Ruhe besprechen und restliche Fragen klären konnten. Sowohl die AVT-Mitarbeiter als auch die Dozenten waren sehr flexibel in Bezug auf unser Wünsche. Und so fühlten wir uns alle gut vorbereitet. Die Prüfungen waren allerdings ganz anders als erwartet. Fast alle Teilnehmer hatten ein Zeitproblem bei der Prüfung zum Fach „Rechtsbewusstes Handeln“. Bei den Probeprüfungen hatte es nicht so viele Aufgaben gegeben. Vor dem Fach „Betriebswirtschaftliches Handeln“ hatten wir alle Angst, weil die Durchfallquote hier sehr hoch ist. Deshalb hatten wir uns auf dieses Fach in der Vorbereitungswoche besonders stark konzentriert. Auch schwer verständlichen Stoff arbeiteten wir gemeinsam durch, sodass das Gefühl vor der Prüfung nicht mehr ganz so schlimm war. Trotzdem kam in der Prüfung natürlich nicht das vor, worauf wir unser Hauptaugenmerk gerichtet hatten. Nach der Prüfung von „Zusammenarbeit im Betrieb“ waren wir sehr verunsichert, weil niemand so genau wusste, was in den einzelnen Aufgaben wirklich gewünscht war. Doch dann waren die Prüfungen geschrieben, und wir erhielten bald

Auch Hunde liegen der Tierfreundin sehr am Herzen.

Anna Lena Hansen ist ehrenamtliche Sprecherin der Tierschutzjugend im Länderrat des Deutschen Tierschutzbundes.

die Ergebnisse. Ich habe bestanden und damit die Basisqualifikation für den Tierpflegemeister erreicht. Zurzeit darf ich wieder die Schulbank drücken. Der Meisterkurs umfasst 560 Stunden mit neun verschiedenen Unterrichtsfächern. Der Unterricht findet

alle zwei Monate für jeweils zwei Wochen statt. Der Prüfungstermin für die Abschlussprüfungen ist für den November 2014 geplant, und ich setze jetzt schon alles daran, auch diese Hürde zu meistern. ANNA LENA HANSEN

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[vor ort] Eberbach

Käthes Glück nach dem Unglück K

äthe ist eine Rabenkrähe, die Tierfreunde als hilfloses Baby mit gebrochenem Flügel in Mannheim fanden. Sie kam nach Eberbach in die Obhut des Tierschutzvereins. Hier wurden ihr laut tierärztlicher Anweisung mittels Klebeband der Flügel am Körper fixiert und größtmögliche Ruhe verordnet. Die kleine Käthe wurde in einem Käfig untergebracht, was sie erstaunlich geduldig ertrug. Die alle zwei Stunden erforderliche Fütterung allerdings war für alle Beteiligten eine Tortur. Käthe sperrte den Schnabel nicht auf. Unter ohrenbetäubendem Gezeter ließ sie sich von ihren Futterspendern den Schnabel öffnen und die Futterbrocken weit in den Schlund schieben, bis der Schluckreflex erfolgte. Käthchen gedieh prächtig, und so wurde nach vier Wochen probehalber das Klebeband entfernt. Die Freude über die wiedererlangte Beweglichkeit des Flügels war bei Tierarzt und Pflegeeltern gleichermaßen groß. Nun musste die Flugfähigkeit trainiert werden. Also raus aus dem engen Käfig und rein in die große Voliere. Käthe hüpfte und flatterte, dass es eine Freude war. Inzwischen fraß sie auch alleine – sehr zur Erleichterung der Adoptiveltern. Käthes erste Flugversuche im Garten endeten kläglich mit Bauchlandungen und Purzelbäumen, bei denen auch so manche Feder verloren ging. All das

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Rabenkrähe Käthe wurde von der Arche Noah auf Rädern nach Eberbach gebracht. Weil sie noch flugunfähig war, lebte sie mit den Hühnern. Inzwischen fliegt sie wieder mit ihren Artgenossen. wurde argwöhnisch von den beiden Hühnern beobachtet, denen sich Käthe immer enger anschloss. Und da die Hühner am Boden blieben, stellte die kleine Krähe ihre Versuche zum Fliegenlernen kurzerhand ein. Stattdessen scharrte und pickte sie, nahm Staubbäder und besetzte stundenlang die Eiablage im Hühnerstall. Kurz: Das Krähenkind benahm sich wie ein Huhn. Leider ging es aber auch von der Annahme aus, dass das Federvieh seine Eltern seien. Ständig baute Käthe sich krächzend vor den beiden auf, schlug fordernd mit den Flügeln und tat das, worauf man bei der Fütterung durch Menschenhand immer vergeblich wartete: Sie sperrte ihren Schnabel auf – immer in der Hoffnung, die Hühner würden ihrem Betteln um Futter nachkommen. Die Hühner Heidi und Hiltrud reagierten auf das ihnen fremde Verhalten äußerst irri-

tiert und stellten aus Protest sogar die Eierproduktion ein. Irgendwann kam es zu einer heftigen Auseinandersetzung, bei der Käthe den Kürzeren zog. Fortan stakste oder hüpfte sie mit gebührendem Abstand hinter den Hühnern her, was diese wiederum großmütig akzeptierten. So begegnete man sich distanziert, aber friedlich. Und Eier wurden auch wieder gelegt. Schließlich begann Käthe endlich wieder mit zögerlichen Flugversuchen. Und siehe da: Sie schaffte es zunächst auf den Apfelbaum und kurze Zeit später aufs Hausdach. Es folgten Ausflüge in Nachbars Kirschbaum und schließlich sogar ganztägige Exkursionen. Pünktlich zur Abenddämmerung kehrte sie aber immer wieder in die heimische Voliere zurück. Die Krähe hörte inzwischen sogar auf ihren Namen. Wenn man sie rief – vorzugsweise zur Abendbrotzeit, kam

sie geräuschvoll und noch etwas ungeschickt angeflattert. Und dann kam Kurt! Männlich, ledig, jung und mit schwarz glänzendem Gefieder. Ein Artgenosse, der sich mit seiner Mama irgendwann regelmäßig zu den Fütterungen einfand. Also wurden die Portionen kurzerhand verdreifacht, bot sich hier doch die einmalige Gelegenheit, Käthe krähentauglich zu integrieren und auszuwildern. Der Plan ging auf. Denn Kurt und Käthe hatten nur noch Augen füreinander, während Kurts Mutter wohlgefällig vom Apfelbaum aus zuschaute. Käthe hatte endlich ihre wahre Identität gefunden. Was sie allerdings nicht davon abhält, gemeinsam mit ihrer neuen Familie ab und an einen Abstecher zu den Hühnern und ins ehemalige Hotel Mama zu machen. Die hier gereichten Leckerbissen schmecken eben nach wie vor.


Vormerken!

Termine

achErn

Erfolgreicher Kampf um eine Hundewiese I

n Achern herrscht, wie in vielen Gemeinden, Leinenpflicht für Hunde. Bereits 2010 kämpfte der Tierschutzverein Achern deshalb für die Einrichtung einer Hundewiese. Die Tierschützer gründeten die „Initiative Hundewiese Achern“ und machten sich über die Auslaufangebote anderer Städte und Gemeinden schlau. Beim Deutschen Tierschutzbund suchten und fanden sie Rechtssicherheit. Sie konnten argumentieren, dass eine generelle Leinenpflicht wie in Achern gegen das Tierschutzgesetz verstößt und ohne die Einrichtung eines Ausgleichs, beispielsweise einer Hundewiese, nicht zulässig ist. Mit dieser Information sowie viel Öffent-

h

lichkeitsarbeit gelang es, die Stadtverwaltung in Achern von der Notwendigkeit einer Hundewiese zu überzeugen. Die von der Stadtverwaltung vorgeschlagene Fläche neben dem Fußballplatz in der Illenau fand allerdings keine Zustimmung im Stadtrat. Doch die Tierschützer ließen sich von diesem Rück-

schlag nicht entmutigen. Sie sammelten Unterschriften, ließen Aufkleber drucken, waren auf dem Bauernmarkt und suchten mit der Stadt nach alternativen Standorten. Ende 2012 war es endlich so weit: Die Initiative schlug einen Standort neben der Feuerwehr vor, der von Stadtverwaltung und Stadtrat akzeptiert wurde. Inzwischen sind die vertraglichen Vereinbarungen in trockenen Tüchern, sodass der Einrichtung der Hundewiese nichts mehr im Wege steht.

Freiwillige Helfer und die Ehrenamtlichen vom Tierschutzverein machten aus brachland eine Hundeauslauffläche.

Neuer Tierschutzbeauftragter F Fotos: tsV eberbacH (3), tsV acHern, sPielMann

27.05.13 59457 werl ausstellung: „katze und kunst - eine etwas andere sicht auf die welt“ info: tierschutzverein soester börde, tel.: 02922899-352 02.06. – 15.06.13 60323 Frankfurt am Main Pilgern für die tiere – Mit animals’ angels auf dem Jakobsweg info: animals’ angels, tel.: 069-7079817 -12 20.06.13 16321 bernau ot ladeburg. Vortrag: Versorgung und umgang mit kranken wildtieren – mit netten episoden aus dem leben info: tierschutzverein niederbarnim, tel.: 0333838642 oder 704284

bErlIn

Professor Spielmann mit Hündin Kyra

04.05.13 16321 bernau ot ladeburg. Frühlingsfest im tierheim ladeburg info: tierschutzverein niederbarnim, tel.: 03338-38642 oder 704284

ür den Tierschutzverein für Berlin und den Deutschen Tierschutzbund ist er ein guter alter Bekannter: Prof. Dr. med. Horst Spielmann ist der neue Tierschutzbeauftragte des Landes Berlin und ein vehementer Vorkämpfer gegen Tierversuche. 18 Jahre leitete er die ZEBET – Zentralstelle zur Erforschung und Bewertung von Ersatzmethoden zu Tierversuchen. Vom Deutschen Tierschutzbund erhielt er für seinen internationalen Einsatz gegen Tierversuche in Forschung

und Industrie im letzten Jahr 2012 die Goldene Ehrennadel. Der Arzt und Professor für Regulatorische Toxikologie an der Freien Universität Berlin ist Mitglied der EPAA (Europäische Partnerschaft für Alternativmethoden zu Tierversuchen) und Koordinator des EU-Projektes zur Einführung toxikologischer Verträglichkeitsprüfungen ohne Tierversuche. Der ehrenamtliche Landestierschutzbeauftragte ist ein wichtiges Bindeglied zwischen dem Tierschutzverein für Berlin und dem Senat.

30.06.13 69412 eberbach 100-jähriges Jubiläum info: tierschutz eberbach e.V., tel.: 06271-947881

Termine der Tierschutzjugend 15.05.2013 45659 recklinghausen tiere in der pädagogischen arbeit kosten: 15 euro Für lehrerinnen und erzieherinnen anmeldung: tierschutzjugend nrw, tel.: 02323-51616, e-Mail: herne@ tierschutzjugend-nrw.de 17. – 20.05.2013 45527 Hattingen eine tierschutzreise um die welt – landesjugendtreffen nrw kosten: 40 euro mit Übernachtung und Verpflegung Für kinder und Jugendliche ab 8 Jahre anmeldung: tierschutzjugend nrw (s.o.)

du und das tier 2/2013 39


[vor ort] brEmEn/fürth

Backen für den Tierschutz M

it ihrer Arbeit die lokalen Tierschutzvereine zu unterstützen, diese gute Idee verwirklichten zwei Bäckereiunternehmen im Norden und Süden der Republik. „Der Strolch“ nannte die Bäckereikette Meyer Mönchhof aus Bremen ihr besonderes Brot, das acht Wochen lang über die Ladentheke ging und pro verkauftes Brot 20 Cent in die Kasse des Bremer Tierschutzvereins spülte. Nach Abschluss der Aktion, während der mehrere tausend Bürger zum „Strolch“ griffen, stockte Meyer Mönchhof den Spendenbetrag auf 1.000 Euro auf. Über 500 Euro freute sich das Tierschutzhaus Fürth. Erlöst wurde die Summe an einem einzigen Tag. Die Supermarktkette Selgros und die Bäckerei Bräuninger hatten sich

hEIlbronn

Spatenstich fürs neue Tierheim

zusammengetan. Bräuninger spendete „Kerwaküchle“ (Kirchweih-Schmalzgebäck), und Selgros bot sie am verkaufsoffenen Kirchweih-Sonntag an. Auch hier ließen sich Hunderte von Tierfreunden die süßen Küchlein schmecken. Sicherlich lassen sich auch andere lokale Bäckereiunternehmen überzeugen, zugunsten der Tierschutzvereine vor Ort die eine oder andere Aktion zu starten. Die beiden Beispiele zeigen, dass Tierfreunde bei solchen „Tierschutzangeboten“ gerne zugreifen. Zwei gute Ideen für gefüllte Tierheimkassen: In bremen freute sich Tierschutzvereinsvorsitzender Wolfgang Apel über „Der Strolch“ (oben), in Fürth gab’s Spenden aus dem Kerwaküchle-Verkauf

V

ier lange Jahre Diskussionen, Überzeugungsarbeit, Planung und nicht zuletzt Kalkulationen hat es gedauert, bis Ende September vorigen Jahres endlich der Neubau des Tierheims

Der Spatenstich für das neue Tierheim Heilbronn, das bis Ende 2013 fertiggestellt sein soll.

40 du und das tier

2/2013

Heilbronn in Angriff genommen werden konnte. Das jetzige Tierheim platzt seit Jahren aus den Nähten und ist in desolatem Zustand – eine Renovierung kam deshalb nicht in Betracht. Das neue Grundstück ist mit 1,76 Hektar Fläche fast drei Mal so groß wie das aktuelle. Hier soll ein zweigeschossiges Bürogebäude entstehen, dem sich der Tierarztbereich und die Katzenquarantäne sowie das Wirtschaftsgebäude anschließen. In zweiter Reihe liegen das Kleintier- und Katzenhaus, daneben – durch einen Weg getrennt – das Hundehaus. Ein kleiner Teich ist ebenfalls geplant. Er soll unter anderem Wasserschildkröten eine neue Heimat geben, die

immer häufiger im Tierheim abgegeben werden. 150 Katzen, 60 Hunde und Kleintiere wird der Tierschutzverein nach Fertigstellung aufnehmen können. Dreieinhalb Millionen Euro soll der Neubau kosten. Die Landkreisgemeinden, die Stadt Heilbronn und der Tierschutzverein teilen sich diesen Betrag, das Land Baden-Württemberg gibt einen Zuschuss in Höhe von 100.000 Euro. Hinzu kommen noch einmal 150.000 Euro für die Inneneinrichtung, die der Verein alleine stemmen muss. Viele lokale Handwerker und Firmen haben bereits ihre Unterstützung zugesagt. Das neue Tierheim soll Ende 2013 fertig sein und Anfang 2014 offiziell eröffnet werden.


Ibiza

Menschen für Tiere

Fotos: TSV Heilbronn, Selgros, Gabi Schwab, Marianne Sock (2)

S

ommer, Sonne, Strand und Meer, Ferienstimmung und Partylaune – daran denken alle, die von einem Urlaub auf der Baleareninsel Ibiza träumen. Doch nicht alle Bewohner der bekannten Mittelmeerinsel leben im Paradies. Auch hier gibt es eine Schattenseite, die vielen Besuchern lästig ist: das Elend unzähliger Katzen und Hunde. Von Einheimischen oder Touristen ausgesetzt, von staatlichen Tierfängern gejagt und von „Entsorgung“ bedroht, sind viele dieser Tiere einem jämmerlichen Dasein in Hunger und Krankheit ausgesetzt. Im Tierresort der Tierschutzstiftung „HumanaResort Foundation“ haben seit ihrer Eröffnung im Jahr 2002 unzählige Katzen und Hunde Hilfe erhalten. Ein moderner Tierklinikbereich und Quarantänestationen für Neuzugänge stehen hier für

die Kranken und Genesenden zur Verfügung, artgerechte Unterkünfte mit weitläufigen Freizonen entschädigen die Gesunden ein wenig für die erlittenen Entbehrungen. Zurzeit betreut die Station etwa 250 Katzen – und sie steht vor einem Problem: Die langjährige, engagierte Katzenpflegerin kann aus familiären Gründen nicht länger auf der Insel bleiben. Die Katzenstation sucht daher eine(n) neue(n) Tierbetreuer(in), und sie steht vor einer besonderen Herausforderung: Wer möchte sich auf einer Ferieninsel, die bei Touristen für die pure Lebensfreude steht, tagtäglich mit verwahrlosten, kranken und verletzten Katzen abgeben? „Wir brauchen eine Person, die mit den Anforderungen der Tierpflege und der Tierbetreuung in einer Tierstation vertraut ist und an einer langfristigen Beschäftigung auf Ibiza interessiert ist. Für sie darf nicht der ‚Ibiza-LiveStyle‘ im Vordergrund stehen, sondern das Wohl der Tiere“, erklärt Marianne Sock. Er-

Für die Katzenstation auf Ibiza wird ein(e) neue(r) Tierbetreuer(in) gesucht, die/der sich um die rund 250 Katzen der Station kümmert.

wartet werden eigenverantwortliches Arbeiten in einem kleinen Team und ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein. Eine Wohnung auf

Ibiza kann gestellt werden. Kontakt: Marianne Sock, Aptd. 10.330, E–07819 Jesus / Ibiza

Spendet für eine Kastration! Lega pro Animale - Italien Meine Geschwister sind tot! Weggeworfen, verhungert, überfahren. Erspart ungewollten Welpen dieses Schicksal.

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[vor ort] Niedersachsen

Rückenwind für den Tierschutz D er Koalitionsvertrag von SPD und Bündnis 90/Die Grünen in Niedersachsen lässt hoffen. Der Tierschutz wird in vielen Bereichen gestärkt. So soll es eine(n) Tierschutzbeauftragte(n) geben, die/der direkt im Kabinett die Belange des Tierschutzes vertritt. Das Schnabelkupieren bei Geflügel und die betäubungslose Kastration von Fer-

keln will die neue Regierung verbieten. Stephan Weil und sein Kabinett wollen das Verbandsklagerecht einführen, die Anzahl der Tierversuche reduzieren und die Vergabe von Forschungsmitteln stärker auf die tierversuchsfreie Forschung ausrichten. Vorgesehen sind außerdem ein Tierheim-Fördertopf und Zuschüsse aus dem Landeshaushalt für Kastrationsprogramme für frei lebende Katzen. All dies entspricht den Forderungen des Deutschen Tierschutzbundes. Der hatte dem Ministerpräsidenten Stephan Weil, der Staatsekretärin Birgit Honé sowie den Ministern für

Die neue Regierung Niedersachsens will die betäubungslose Kastration von Ferkeln verbieten. Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Landesentwicklung, für Umwelt, Energie und Klimaschutz nach den Wah­ len schriftlich gratuliert. Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, sicherte in seinem Schreiben der Landesregierung die volle Unterstützung des Deut-

schen Tierschutzbundes und seines Landesverbandes in allen Tierschutzprojekten zu. Gerade ein Agrarland wie Niedersachsen könne jetzt beweisen, dass neue Wege in der Landwirtschaft machbar sind, und damit Vorbild für andere Landesregierungen werden.

Delmenhorst

Mit Neuwahlen ins Jubiläumsjahr F

ür den Tierschutzverein Delmenhorst ist es ein besonderes Jahr. Der Verein wurde am 28. Februar 60 Jahre alt. Gefeiert wird allerdings erst im Sommer. Bei der Hauptversammlung blickte die Vorsitzende Uta Kämmerer auf ein ereignisreiches Jahr 2012 zurück: Bauvorhaben wie die Erweiterung der Tierunterkünfte und der Neubau eines Katzenhauses wurden fertiggestellt. Ein weiteres Katzenhaus soll in

diesem Jahr gebaut werden. Auch die Hundezwinger wurden besser isoliert. 2012 wurden 195 Tiere aufgenommen und in ein neues Zuhause vermittelt – im Vergleich zum Vorjahr sind das fast 50 Prozent mehr. Nicht eingerechnet sind die frei lebenden Straßenkatzen, die von den engagierten Tierschützern eingefangen, medizinisch versorgt, kastriert und anschließend gekennzeichnet wurden. Die Stadt

Das neue Vorstandsteam, vorne von links: Matthias Prüssel, Uta Kämmerer, Henning Suhrkamp. Hinten von links.: Günther Nierste, Nadine Wessollek, Eva Landvogt

42  du und das tier  2/2013

stellt zwar 5.000 Euro für die Kastration frei lebender Katzen zur Verfügung, doch leider ist die Summe viel zu gering. Trotz städtischer Kastrationspflicht für Freigängerkatzen steigt die Anzahl der herrenlosen Straßenkatzen, wie die Aufnahmezahlen beweisen. Mit der Kindergruppe „Die wilde Tierbande“ für Sieben- bis Elfjährige und der Jugendgruppe „DEL 4 animals“ für Zwölf- bis Sechzehnjährige sind die Tierschüt-

zer für die Zukunft gut gewappnet. Nach den Neuwahlen fungiert Uta Kämmerer als alte und neue Vereinschefin. Ihr zur Seite steht Brigitte Kall als neue stellvertretende Vorsitzende. Henning Suhrkamp (Schriftführer/Pressesprecher) sowie Matthias Prüssel (Kassenwart) wurden in ihren Ämtern bestätigt. Neu gewählte Beisitzerin ist Nadine Wessollek. Zum Rechnungsprüfer wurde Günther Nierste hinzugewählt.

Zum 60. Geburtstag präsentierten sich die aktiven Mitglieder mit den jungen Mitgliedern der vereinseigenen jungen Gruppen „Wilde Tierbande“ und „DEL 4 Animals“.


Leser fragen

Fotos: Imago, Andreas Nistler (2), Thomas Banneyer, Cornelia Moewes, Deutscher Tierschutzbund e.V./NEULAND e.V.

Meerschweinchen und Kaninchen Hunsrück

Kinderlauf für den Tierschutz W

ie in jedem Jahr veranstaltete der Verein „Hunsrück-Marathon“ auch bei seinem zwölften Marathon zusätzliche Bambini-, Youngs­ ter- und Funläufe. Für jedes gestartete Kind spendiert der Verein traditionell einen Euro für einen guten Zweck. Diesmal konnten sich die Hundehilfe Hunsrück und die Tierhilfe Rhein-Hunsrück über je 222 Euro freuen. „Wir können jeden Euro gut gebrauchen“, so die Vertreter der beiden Vereine, Anne Stumm, 1. Vorsitzende Tierhilfe, und Roberto Grohs, 1. Vorsitzender Hundehilfe. „Jeden Tag kommen neue Tiere dazu, die einfach von ihren Besitzern nicht mehr erwünscht sind.“

?

Meine Tochter hatte ein Meerschweinchen und ein Zwergkaninchen. Nun ist das Kaninchen gestorben. Welches Tier soll ich dem Meerschweinchen jetzt als Partner geben?

Ein vereinsamtes Meerschweinchen braucht unbedingt einen Artgenossen, denn Meerschweinchen sollten immer mit mindes­ tens einem Partner zusammenleben. Gleiches gilt für Kaninchen, aber Kaninchen und Meerschweinchen haben ein sehr unterschiedliches Verhaltensrepertoire. Die beiden Arten sollten nicht gemeinsam gehalten werden, denn es ist schwierig, ihren verschiedenen Haltungsansprüchen in einem Haltungssystem gleichermaßen gerecht zu werden. Verhaltensstudien an der Universität Münster haben gezeigt, dass jedes Meer-

schweinchen einen Artgenossen vorzieht, wenn ihm die Wahlmöglichkeit gegeben wird. Dasselbe trifft auch für Kaninchen zu. Mehrere Kaninchen und mehrere Meerschweinchen zusammen zu halten ist ausschließlich in Ausnahmefällen in großen Gehegen möglich, die den Tieren viele Ausweich- und Rückzugsmöglichkeiten bieten und sowohl meerschweinchengerecht als auch kaninchengerecht gestaltet sind. Dr. Henriette Mackensen Referat Heimtier- und Artenschutz Deutscher Tierschutzbund e.V.

▶ Weitere Informationen finden Sie im Internet: www.tierschutzbund.de/ meerschweinchen.html ▶ Das „Positionspapier des Deutschen Tierschutzbundes zur gemeinsamen Haltung von Meerschweinchen und Kaninchen“ kann

auch in der Bundesgeschäftsstelle des Deutschen Tierschutzbundes (Adresse s.u.) oder per E-Mail angefordert werden: fachkoordination @tierschutzbund.de ▶ Die Broschüren „Die Haltung von Meerschweinchen“ und „Die Haltung von Zwergkaninchen“ können im pdf-Format von der Website www. tierschutzbund.de/ broschueren.html heruntergeladen oder – gegen Einsendung eines mit 0,90 Euro frankierten Rückumschlages – in der Bundesgeschäftsstelle angefordert werden. Deutscher Tierschutzbund e.V., Baumschulallee 15, 53115 Bonn. Kontakt für fachliche Fragen: fachkoordination @tierschutzbund.de

Troisdorf

Ein kleines Wunder A

Dank großzügiger Spenden von Firmen und Privatleuten überstanden die Tiere im Tierheim Troisdorf den endlos langen, außergewöhnlich kalten Winter.

ls im Winter im Tierheim Troisdorf (NRW) die Heizung des Hundehauses mit Totalschaden ausfiel, befürchteten die Tierschützer das Schlimmste. Das Thermometer zeigt Minusgrade, und der Winter hatte gerade erst begonnen. Über 50 Hunde und 100 Kleintiere mussten in Mäntel gepackt oder mit Decken und behelfsmäßigen Kleinheizungen gewärmt werden. Doch ein Bericht mit Spendenaufruf in der Presse änderte die

Situation schlagartig. In nur vier Tagen gingen im Tierheim mehr als 22.000 Euro Spendengelder ein. Eine Firma erklärte sich gar bereit, eine hochmoderne Heizung gratis zu liefern und einzubauen. So konnten die Spendengelder für weitere dringend erforderliche Reparaturen verwendet werden. „Ein kleines Wunder“, freuten sich die Mitarbeiter des Tierschutzvereins für den Rhein-Sieg-Kreis, der das Tierheim betreibt.

du und das tier  2/2013  43


[vor ort]

v.r.: N. brühl (LV bayern), R. Kolar (Tierschutzakademie), T. Schröder (Deutscher Tierschutzbund) und Mitglieder des Münchner Tierschutzvereins

münchEn

Demo für Gestüt Isarland B

is Ende 2011 wurden auf einem 41 Hektar großen Gelände am Starnberger See bei München GalopperRennpferde gezüchtet. Dann kündig te der Pächter seinen Vertrag mit der Eigentümerin des Geländes, der Stadt München. Die Stadt schrieb das im Landschaftsschutzgebiet gelegene Grundstück inklusive des denkmalgeschützten Gestüts öffentlich aus. Der Deutsche Tierschutzbund war mit einem schlüssigen Konzept zur Nutzung des Geländes im Sinne des Tier-, Landschaftsund Naturschutzes, aber auch mit einer sozialen Komponente damals einer der ersten Bieter. Doch im Herbst 2012 zog die Stadt München die Ausschreibung zurück, um das Gestüt Isarland samt Gelände jetzt neuerlich anzubieten. Wieder war der Deutsche Tierschutzbund unter den Bietern. Um ihr Interesse an einer raschen Entscheidung der Stadt zugunsten des Deut-

schen Tierschutzbundes zu untermauern, demonstrierten Ende Februar Vertreter des Deutschen Tierschutzbundes, seines Landesverbandes Bayern zusammen mit den Vereinen BAmbeKi (Bayerische Alleinerziehende mit behinderten Kindern) und der LAG GLGL (Landesarbeitsgemeinschaft Gemeinsam Lernen - Gemeinsam Leben Bayern e.V.). „Wir haben ein aus unserer Sicht realistisches Angebot abgegeben und ein nachhaltiges Konzept vorgestellt, mit dem behinderten Menschen und schutzbedürftigen Tiere geholfen wird“, erklärte Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. Der Verband möchte auf dem Gelände eine Pferdeauffangstation und einen Gnadenhof für Pferde einrichten. Dazu soll ein Pferdinformationszentrum die Bürger über die Bedürfnisse von Pferden und deren artgerechte Hal-

tung und Pflege aufklären. Durch eine enge Kooperation mit den beiden anderen Vereinen will man auch therapeutisches Reiten anbieten, behinderten Menschen eine Berufsausbildung ermöglichen und dauerhafte Arbeitsplätze für benachteiligte Menschen schaffen. Das Konzept schließt auch naturschützerische Maßnahmen zum Erhalt und zur Pflege des Geländes mit ein. Plötzlich interessierte sich nun auch der in München ansässige Circus Krone für das ehemalige Gestüt. Der Zirkus will auf dem unter Denkmalund Naturschutz stehenden Gelände ein Abstellgleis für alte Zirkustiere schaffen und einen Trainingsstall für künftige tierische Manegestars. Dabei soll u. a. die ausge-

nIEDErbarnIm

Tierschutzpreis des Landkreises Barnim S eit drei Jahren lobt der landkreis barnim einen tierschutzpreis aus. in diesem Jahr erhielt ihn swaantje lindert, Vorsitzende des tierheimbeirates und kassenprüferin des tierschutzvereins niederbarnim. dezernentin silvia ulonska, amtsleiterin und amtsärztin dr. Heike zander

44 du und das tier

2/2013

und amtstierarzt dr. Volker Mielke würdigten bei der Preisverleihung svaantje linderts ehrenamtliches engagement für den tierschutz. der Vorstand des tierschutzvereins gratulierte seiner fleißigen gassigängerin, die einen großteil ihrer Freizeit den Hunden im tierheim ladeburg widmet, herzlich.

Die geehrte Swaantje Lindert (oben 2.v.r.) ist ehrenamtliche Tierschützerin und widmet den Hunden als Gassigängerin viel Freizeit.

diente Elefantenhalle des Tierparks Hellabrunn dort wieder aufgebaut werden, Das „Krone-Zentrum“ könne, so Zirkussprecher Markus Strobl, Anziehungspunkt für die Münchner werden. Dass ausgerechnet der Circus Krone dabei von einem Projekt mit vorbildlichem Tier- und Artenschutz spricht, hat nicht nur die Münchner Grünen zu skeptischen Stellungnahmen veranlasst, die kritisch auf eine mögliche „Zweitverwertung“ der Zirkustiere in einem Zoo hinweisen. Die CSU-Fraktion im Münchner Stadtrat hat einen offiziellen Antrag gestellt, das ehemalige Gestüt an den Deutschen Tierschutzbund zu verkaufen. Bis zum Redaktionsschluss hatte die Stadt sich noch nicht entschieden.


Lesefutter für Hundefreunde!

- norDrhEIn-WEstfalEn r e d e i W ge Verbandsklage vorla

Lesen Sie in PARTNER HUND, welche Hundegesetze in Deutschland gelten.

weiter auf Kurs

Ihrer Einschätzung nach sind die Widerstände gegen die Einführung einer Tierschutzklage nach wie vor erheblich – vor allem vonseiten der Tierversuchs-Lobby und der Agrarindustrie. Von der Sache her sind die Einwände für Evelyn Ofensberger aber unbegründet. Vor allem das in verschiedenen Varianten vorgetragene Szenario, die Verbandsklage würde Tierhaltung und -forschung in Nordrhein-Westfalen unmöglich machen, rückte sie zurecht. Sie verweist darauf, dass nach Einführung der Verbandsklage dieselben Tierschutzbestimmungen gelten wie vorher. Für Tierhalter, die sich an diese Bestimmungen halten, würde sich nichts ändern. Nur dann, wenn Verstöße vorliegen und die Behörde diese partout nicht korrigiert, könnten anerkannte, seriöse Verbände eine verwaltungsrechtliche Überprüfung einleiten. Trotz des anhaltenden Widerstandes gehen der Deutsche

Tierschutzbund und der Landestierschutzverband Nordrhein-Westfalen davon aus, dass das Verbandsklage-Gesetz nun rasch verabschiedet wird. Die rot-grüne Landesregierung hatte den Gesetzentwurf bereits in der vergangenen Legislaturperiode in den Landtag eingebracht. Die Beratungen konnten wegen der vorzeitigen Auflösung des Landtages jedoch nicht abgeschlossen werden. Im Juli 2012 hatte die wiedergewählte Landesregierung den Gesetzentwurf dann erneut in den Landtag eingebracht (siehe du und das tier 6/2012). Auch in anderen Bundesländern, allen voran im Saarland und Schleswig-Holstein, haben die jeweiligen Regierungskoalitionen aussichtsreiche Gesetzentwürfe zur Einführung der TierschutzVerbandsklage auf den Weg gebracht.

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Fotos: tsV niederbarniM (2), deutscHer tierscHutzbund

Mit einer Expertenanhörung im Umweltausschuss hat der Landtag in Nordrhein-Westfalen seine beratungen zur Einführung der Tierschutz-Verbandsklage auf Landesebene fortgesetzt. Für den Deutschen Tierschutzbund und den Landestierschutzverband Nordrhein-Westfalen nahm Evelyn Ofensberger, die Leiterin der TierschutzbundRechtsabteilung, daran teil.

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[ das

letzte]

Islands Walfangflotte wird mit dem Öl ihrer Opfer aufgetankt

Ein toter Finnwal für ein paar Liter Diesel

Foto: WDC/Michael Kantor

M

it bis zu 27 Metern Länge und einem Gewicht von 40 bis 70 Tonnen sind Finnwale die zweitgrößte Tierart auf unserer Erde. Sie gehören zu den Bartenwalen und ernähren sich hauptsächlich von Krill und kleineren Fischarten wie Makrelen oder Heringen. Natürliche Feinde haben die langlebigen Meeressäuger, die ein Alter von über 100 Jahren erreichen können, kaum. Doch wie so viele Walarten wurden auch Finnwale durch den hochtechnisierten Walfang des 19. und 20. Jahrhunderts an den Rand der Ausrottung gebracht. So wurden allein auf der südlichen Hemisphäre zwischen 1905 und 1976 weit über 700.000 Finnwale getötet. Es sollte bis 1982 dauern, bis den grauen Riesen der Meere eine „Ruhepause“ vergönnt wurde: Damals stimmte die Internationale Walfangkommission (IWC) einem Moratorium zu, ab 1986 den kommerziellen Fang von Finnwalen und anderen Arten so lange komplett einzustellen, bis die Bestände sich erholt hätten. Ausnahmen gab es nur noch für indigene

Trotz fehlenden Marktes töten die isländischen Walfänger weiterhin Finnwale.

46  du und das tier  2/2013

Bevölkerungsgruppen zur Deckung des Eigenbedarfs. Doch bereits 2006 gewährten Japan und Island ihren Flotten eine Fangquote von 50 beziehungsweise über 100 Tieren pro Jahr, die im Fall von Island stetig erhöht wurde. 20 Jahre Schonung sind ein Witz für ein Tier, das erst mit sechs bis zwölf Jahren fortpflanzungsfähig ist und nur alle zwei bis drei Jahre ein einziges Jungtier zur Welt bringt. Die IUCN (International Union for Conservation of Nature) stuft den Finnwal daher nach wie vor in der Roten Liste der bedrohten Tierarten als stark gefährdet ein. Der Weltbestand wird auf wenige Zehntausend Tiere geschätzt. Dennoch jagten Japan, offiziell aus Forschungszwecken, und Island, ganz offen wegen der Walprodukte, 2010 die sich selbst zugestandenen Quoten. 2011 setzten die Isländer die Jagd zeitweilig aus. Die Nachfrage nach Walfleisch stagniere nach der Atomreaktorkatastrophe von Fukushima, so die Begründung. Doch in diesem Jahr stehen die Finnwale in Island wieder auf dem Fangprogramm – trotz der immer noch schwachen Nachfrage. Was fängt man mit dem Fleisch von Walen an, das sich nicht vermarkten lässt? Die Antwort darauf gab Kristjan Loftsson, Geschäftsführer des isländischen Walfangunternehmens Hvalur hf, der Sunday Times: Walöl ist „grüner Treibstoff“, „Bio-Diesel“ und damit umweltfreundlich und ressourcenschonend. Er selbst, so Loftsson, betanke seine Fangflotte mit 20 Prozent Wal- und 80 Prozent Motorenöl. Walöl also statt Erdöl? Bis auch diese Geldquelle versiegt ist? Die Geldgier der Walfänger schreckt offenbar vor keiner Perversität zurück. Doch Loftsson zeigt sich von Kritik unbeeindruckt. Er werde, verkündete er, den Finnwalfang in diesem Jahr wieder aufnehmen. James Brückner

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